Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

spruchen darf und soll, doch auch wieder, von jener scharf

•geschieden und mit Ljanz anderem AusganL^spunkt und Ziel,

die philosophische Methode als eine selbständige eigene

Porschungsart und damit die Philosophie selbst im Sinne der

metaphysischen Weltanschauung, kurz der Platonismus als Form

und Methode der Erkenntnis, zu erneuern sei und zwar aus

mehr als einem Grunde. Die Not der Zeit wird eine Weltanschauung,

wie schon erwähnt, unter allen Umständen er-

zwingen. Denn nur auf dem sicheren Grunde einer allgemeinen

tragenden Welt- und Lebensanschauung wird das zerstörte in-

dividuelle und soziale Leben wieder zu neuen Kräften gelangen

können. Und wenn hierzu nicht der wissenschaftliche Geist

Hilfe leiht, wird es der unwissenschaftliche tun, und in dumpfe

Mystik und wilde Phantastik wird unser geistiges Leben aus-

laufen. Und zu dem staatlichen und sozialen Untergange wird

dann auch noch der schmerzlichste, der kulturelle Untergang

sich hinzugesellen. Das gesuchte Heilmittel wird den Auf-

lösungsprozeß nur beschleunigen, wenn nicht die Philosophie

aus dem geistigen Gesamtbesitz der Menschheit heraus und in

innigster Fühlung mit der exakten Wissenschaft diese Aufgabe

in Angriff nimmt. Es ist Gefahr im Verzuge; man täusche

sich nicht. Jeder Beobachter unserer Zeit, der psychologisches

Verständnis für geistige Erscheinungen und Vorgänge besitzt,

wird mir beipflichten. Aber lassen wir diese praktischen Be-

dürfnisse und Rücksichten auf sich beruhen. Die Theorie als

solche, die Rastlosigkeit und Unbedingtheit des Erkenntnis-

triebes, der der Trieb zu einheitlicher Verknüpfung der Vor-

stellungen ist, der Wille zur unbedingten Synthese, dieses Ein-

heitsstreben des wissenschaftlichen Geistes wird rein aus sich

wieder zu einer Erneuerung der metaphysischen Philosophie in

irgend einer Ausprägung führen. Wie kann er dahin gelangen?

Welcher Methode wird er sich hierbei bedienen müssen? Gibt

es eine besondere philosophische Methode, die neben der em-

pirisch-induktiven ihr Recht geltend machen, von neuem sich

an die uralte Aufgabe des absoluten Problems wagen darf?

Ich bejahe diese Frage. Allerdings, die philosophische

Methode, welche mir hierbei vorschwebt, wird nicht die deduktiv-

rationale Methode sein, die bisher als die einzige philosophische,

die philosophische Methode an sich gegolten hat. Diese Me-

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