Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

physischen Idco /.iir lirfaliruiiL* iiuiIj zu mclhudischer Bewußt-

heit erlioben Werden.

Infolgedessen muß die bisherige Gegenüberstellung von

induktiver und deduktiver Metliodc einer durchaus anderen

Zweiheit und Entgegensetzung weichen. Die deduktive Methode

ist [)reiszugeben, ist aber durch eine andere, der empirisch-

induktiven Methode gleichfalls entgegengesetzte und sie er-

gilnzende philosophische Methode zu ersetzen. Denn die deduktive

Methode kann weder ihren sicheren Ausgangspunkt

aufweisen noch unabhängig von der Erfahrung, wie sich ergeben

hat, ihre angeblich bindenden Schlußfolgerungen ziehen.

Eine andere Gegenüberstellung der Methoden, scheint mir, muß

künftig das Verhältnis von Empirie und Philosophie bestimmen.

Es gibt partikulare nnd universale Methode. Die parti-

kulare Methode geht von der einzelnen Erscheinung und Tatsache

aus. Sie ist identisch mit der induktiven Methode,

sucht wie diese von den Einzelerscheinungen aus zu allgemeineren

Vorstellungen, Begriffen, Gesetzen vorzudringen.

Ich setze an dieser Stelle nur einen anderen Namen für dieselbe

Sache ein, um die Gegenüberstellung gegen ihren Gegen-

satz scharf zu beleuchten. Ihr steht nämlich gegenüber die

universale Methode, die nicht vom Einzelnen zum Allgemeinen,

nicht vom Teil zum Ganzen strebt, sondern um-

gekehrt, vom Ganzen zum Teil, vom Universum zu der Einzel-

erscheinung. Und diese universale Methode, die ich gleichzeitig

als die philosophische Methode schlechthin bezeichne, ist un-

erläßlich, ist als Ergänzung der induktiv - empirischen oder

singulären oder partikularen Methode unentbehrlich. Alle Er-

scheinungen der Wirklichkeit sind einem höheren Ganzen, einer

übergreifenden Einheit untergeordnet. Durch schrittweises Abtasten

von Erscheinung zu Erscheinung ist die endlose Reihe

nie zu erschöpfen. Und doch ist das Verständnis jeder Einzel-

erscheinung schlechterdings abhängig vom Verständnis des

Ganzen. Gibt es gar kein Verständnis des Ganzen, muß

unsere Begriffsbüdung ein für alle mal vor der Erfassung des

Universellen, dem die Einzelerscheinungen untergeordnet sind,

abschirren, dann gibt es auch keine Erkenntnis des Einzelnen.

Denn dieses ist vollständig abhängig vom Charakter und Gesetz

des Ganzen, ist durch das Ganze bedingt, vom Ganzen bestimmt.

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