Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

theoretisch als zulässig erweist, Metaphysii< also als letztes Wort

der Wissenschaft. Aber schwerlich dürfte selbst dieser kühne

Wurf der Idee der religiösen Sehnsucht und Leidenschaft

genügend kraftvolle Anhaltspunkte bieten. An die meta-

physische Idee wird sich die „Begriffsdichtung" im Sinne

Fr. A. Langes anschließen müssen, der Mythos, der die meta-

physischen Abstraktionen in lebensvolle Gestalten, in leuchtende

Bilder verwandelt, um dem religiösen Eros Nahrung zu geben,

die religiöse Leidenschaft in Wallung zu bringen, in Schwung

zu versetzen. Auch diese Dreiheit: metaphysische Erkenntnis,

Mythos und Religion finde ich allein bei Piaton in voller Rein-

heit ausgebildet. Und nur in der Rückbeziehung auf diese drei

schöpferischen Prinzipien, in der Erneuerung des Piatonismus

auch in dieser Hinsicht, scheint mir, werden wir die qualvolle

Problematik der Gegenwart überwinden können. Ich komme

auf diese Zusammenhänge zurück. Ich erwähne schon hier, im

Anschluß an den Begriff der Fiktion, diese Unterscheidungen

und Verknüpfungen, weil sich nur mit deren Hilfe der so be-

stechende Begriff der Fiktion, besonders im Hinblick auf die

metaphysischen und religiösen Ideen so bestechend, beurteilen

und abschätzen läßt.

Ich sagte schon zuvor mit Beziehung auf Kant, daß die

metaphysische Idee, die Formel für das Unbedingte, niemals

die Erklärung abgeben könne für irgend eine singulare, bedingte

Erscheinung. Es gibt keine unmittelbare Brücke vom Unbe-

dingten zum Bedingten. Das ist der tiefste Grund, weshalb die

Fiktion niemals den Erklärungs- und Rechtsgrund abgeben kann

für die metaphysische Idee. Im Reich der Empirie möchte es,

wie soeben dargetan, angehen mit der Fiktion alles zu interpretieren,

was über die singulare Erscheinung hinausgeht, was

auch ais Fiktion ungefährdet entlarvt werden könnte, weil das

letzte Ziel der empirischen Betrachtung eben das Singulare sei,

das in seinem Werte unangetastet bleibe, auch nachdem die

Umspannung und Umstrickung durch alle Begriffe als fiktiv er-

kannt worden sei. Es könnte unter Umständen diese Auf-

fassung die empirische Forschung beherrschen. Ganz unanwendbar

aber wird diese Deutung auf die Fiktion hin für die

metaphysische Idee, weil diese für das Singulare nichts, schlechter-

dings nichts bedeutet, nichts zu dessen Erklärung und Begrün-

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