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Ira Schneider "From the beginning… – Video total"/ Archiv ... - ZKM

Ira Schneider "From the beginning… – Video total"/ Archiv ... - ZKM

Ira Schneider "From the beginning… – Video total"/ Archiv ... -

Ira Schneider "From the beginning… Video total"/ Archiv-Ausstellung in der ZKM-Medialounge (25.04.-02.06.2002) Interview Dr. Barbara Könches (Leiterin der ZKM-Videosammlung) spricht mit Ira Schneider Barbara Könches: Herr Schneider, Anfang der 60er Jahre drehten Sie zunächst Filme mit einem Team, mit einem großen logistischen Apparat, - wie ich annehme. Warum wechselten Sie 1968 zum „einfachen“ Video? Ira Schneider: Ganz einfach, weil es vorher kein Video gab. Nein, ernsthaft, wir drehten in den späten 50er, frühen 60er Jahren Experimentalfilme, Undergroundfilme, die ohne Synchronton und mit minimalem technischen Einsatz entstanden. Wenn sie Filme mit synchronisierter Tonspur und anderem Bildmaterial machen wollten, kostete das ziemlich viel Geld. 1968 machte ich einen „experimentellen“ Film, er dauerte fünf Minuten und verschlang die Summe von fünftausend Dollar, das war auch durch Aufführungen oder den Verleih kaum wieder rein zu kriegen, nicht mit fünf Minuten Film. Außerdem habe ich in meinen Filmen nie Geschichten erzählt, keine narrative Struktur angebracht, keine Dokumentation angefertigt, sondern vielmehr Informationscollagen erstellt. Das heißt, dass ich Bilder mit Tönen kombiniere, die manchmal zusammen gehören, manchmal nicht, dafür ist Video die geeignetere Technik. Ich arbeite auch heute noch so. Was werden wir in der Ausstellung in der Medialounge sehen? Wir haben viel zu zeigen. Ich habe Material für wesentlich mehr als die bereits fertiggestellten 180 Minuten. Aber bisher liegt das meiste Material noch nicht digital vor, bisher ist das meiste noch analog auf Betacam, auf VHS oder auch auf alten 16mm Filmen. Wir müssen in der Zukunft noch eine andere Ausstellung machen, um alles zeigen zu können. Ich bin an einer vollständigen Digitalisierung meiner Bänder stark interessiert, aber ich muß zuerst die Masse reduzieren. Wir haben Material für nahezu 250 Stunden, das ist wirklich eine Menge. In der Zukunft werden wir einige Stücke aussuchen und zur Digitalisierung aufbereiten. Welchen Vorteil hat die Videokamera für Ihre Arbeit? Als ich hörte, dass Video angeboten wurde, war mir sofort klar, dass das die Alternative wäre. Man konnte sofort Ton aufnehmen, eine einzige Person konnte sofort alles alleine machen, das Problem am Anfang war nur, dass ausschließlich schwarz-weiß Aufnahmen möglich waren. Sie machten vorher also Farbfilme? Nein, beides, schwarz-weiß und farbige Aufnahmen, die ich dann kombinierte. Die frühesten Filme sollten vom Konzept her Komödien werden. Aber die machte ich nie fertig als Film, sondern benutzte das Material erst beim Überspielen auf Video. Ich übertrug damals bereits meine alten Filmbänder auf Videoformate. Aber mit den frühen Geräten konnte man keine sauberen Schnitte machen, es dauerte drei Jahre bis das möglich wurde. Man konnte die Bänder zunächst nur direkt schneiden, also physisch direkt das Material bearbeiten, und dabei entstand dann ein „Wipe“ (Strich/ Streifen). Ein „Wipe“ ist ein diagonaler Wechsel von einem Bild zum anderen. Das war zunächst spannend, wurde bald aber ziemlich langweilig, und wir waren froh, als elektronisches Schneiden möglich wurde. Problematisch war jedoch, dass das elektronische Schneiden nicht immer exakt funktionierte, manchmal vermischten sich die Bildebenen. Inzwischen hatten die Filmleute schon andere Möglichkeiten zum Beispiel 16-mm Bänder elektronisch in verschiedene Frames zu schneiden, was mit Video natürlich nicht ging und unseren Ansprüchen entgegenstand. Wie veränderte die Videotechnik Ihre Arbeitsweise? 1/1