Warlock – Die Geschichte eines Hexenmeisters ... - deviantART
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<strong>Warlock</strong> <strong>–</strong> <strong>Die</strong> <strong>Geschichte</strong> <strong>eines</strong> <strong>Hexenmeisters</strong>….<br />
…und seiner Freunde
inhaltliches blabla<br />
- 2 -
Inhaltsverzeichnis<br />
Vorwort<br />
Kapitel 1 <strong>–</strong> Ein neuer Anfang<br />
Kapitel 2 <strong>–</strong> Dämonische Anfänge<br />
Kapitel 3 <strong>–</strong> <strong>Die</strong> <strong>Geschichte</strong> des Jägers .................................................................... 11<br />
Kapitel 4 <strong>–</strong> Ein Traum der Wahrheit ........................................................................... 21<br />
Kapitel 5 <strong>–</strong> Ein Herz aus Eis .......................................................................................... 26<br />
Kapitel 6 <strong>–</strong> Wegekreuz ................................................................................................ 32<br />
Kapitel 7 <strong>–</strong> Zusammenkunft ....................................................................................... 39<br />
Kapitel 8 <strong>–</strong> Traumhafte Lektionen ............................................................................. 45<br />
Kapitel 9 <strong>–</strong> HdW<br />
Kapitel 10 <strong>–</strong> Dämonische Weiten<br />
Kapitel 11 <strong>–</strong> Im Dschungel<br />
Kapitel 12 <strong>–</strong> Abgetaucht<br />
Kapitel 13 <strong>–</strong> Murlocs und andere Nervensägen<br />
Kapitel 14 <strong>–</strong> Wiedersehen in der Wüste<br />
Kapitel 15 <strong>–</strong> Im Sande verlaufen<br />
Kapitel 16 <strong>–</strong> Auf zum Krater<br />
Kapitel 17 <strong>–</strong> Nachts im Krater<br />
Kapitel 18 <strong>–</strong> Der Schatten<br />
Kapitel 19 <strong>–</strong> Konvertierung<br />
Kapitel 20 <strong>–</strong> Der Schattenrat<br />
Kapitel 21 <strong>–</strong> Entscheidungen<br />
Kapitel 22 <strong>–</strong> Auge um Auge<br />
Kapitel 23 <strong>–</strong> Kehrtwende<br />
Kapitel 24 <strong>–</strong> Freundschaft aus der Ferne<br />
Kapitel 25 <strong>–</strong> Immer diese Kinder...<br />
Kapitel 26 <strong>–</strong> Druide, zur Rettung!<br />
Kapitel 27 <strong>–</strong> In der Höhle des Löwen unter Wölfen<br />
Kapitel 28 <strong>–</strong> Dunkelheit<br />
Kapitel 29 <strong>–</strong> <strong>Die</strong> verwüsteten Lande<br />
Kapitel 30 <strong>–</strong> Ein (Alb-)Traum wird wahr<br />
Kapitel 31 <strong>–</strong> Böse alte Bekannte<br />
Kapitel 32 <strong>–</strong> Dunkles Licht<br />
Kapitel 33 <strong>–</strong> Ein Verlies voller Helden<br />
Kapitel 34 <strong>–</strong> Ruhe und Sturm<br />
Kapitel 35 <strong>–</strong> Im Nether<br />
Kapitel 36 <strong>–</strong> Marsch in die Marschen<br />
Kapitel 37 <strong>–</strong> Von Pilzen und Sporen<br />
Kapitel 38 <strong>–</strong> Im Kifferhimmel<br />
Kapitel 39 <strong>–</strong> Waffenstillstand<br />
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Kapitel 40 <strong>–</strong> Der ferne Donner ganz nahe<br />
Kapitel 41 <strong>–</strong> Luftangriff<br />
Kapitel 42 <strong>–</strong> Auf der Flucht<br />
Kapitel 43 <strong>–</strong> Flucht durch eine andere Welt<br />
Kapitel 44 <strong>–</strong> Verrat unter Verbündeten<br />
Kapitel 45 <strong>–</strong> Sanitöter<br />
Kapitel 46 <strong>–</strong> Heiße Freundschaft<br />
Kapitel 47 <strong>–</strong> Doppeltes Spiel<br />
Kapitel 48 <strong>–</strong> Daemonicus Interruptus<br />
Kapitel 49 <strong>–</strong> Der Herr über das Heer der Netherdrachen<br />
Kapitel 50 <strong>–</strong> Endlich in Sicherheit<br />
Epilog<br />
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Vorwort<br />
<strong>Die</strong> Welt von Warcraft ist voller <strong>Geschichte</strong>n. Manche erlebt man als<br />
kleiner Charakter, manche schafft man selbst. Doch nicht erst seit<br />
World of Warcraft und dem fulminanten Erscheinen <strong>eines</strong><br />
Onlinerollenspiels in bis dahin nie dagewesener grafischer Pracht hat<br />
die <strong>Geschichte</strong> um Orcs, Menschen, Trolle und Elfen gefesselt. Viele<br />
Romane haben sich bereits mit dem Thema beschafft, die einzelnen<br />
Aspekte der <strong>Geschichte</strong> beleuchtet und so ein grobes Bild dessen,<br />
was wir als Azeroth kennen, geformt.<br />
Angefangen bei den Titanen über die Brennende Legion, die Allianz<br />
aus Kriegern der Menschen, Zwerge, Gnome, Nachtelfen und Draenei<br />
und die Horde, die sich aus Orcs und Trollen, Tauren, Untoten und<br />
Blutelfen zusammen setzt.<br />
Gemeinsam erleben sie Abenteuer in dieser Welt, erleben das, was<br />
viele Entwickler bereits vorgedacht haben, selbst und auf ihre eigene<br />
Art nach.<br />
Mit meiner <strong>Geschichte</strong> bilde ich nur einen kleinen Ausschnitt dessen,<br />
was man in dieser mysteriösen Welt voller Magie und Tugend, einer<br />
Welt des Kampfes, der Duelle, der Taktik und der Gemeinschaft,<br />
erleben und sehen konnte. Nicht immer ist dabei die <strong>Geschichte</strong> des<br />
Spiels vollständig übernommen, geht sie in weitere Bereiche des<br />
Warcraftuniversums auf, betont einige Aspekte, während andere<br />
vernachlässigt werden.<br />
<strong>Die</strong> Charaktere in dieser <strong>Geschichte</strong> entstanden schon vor dem<br />
Entstehen dieser Seiten. Anders als die meisten anderen Spieler, die<br />
ihren Charakteren sehr wahllos die komischsten Namen gaben, sollten<br />
sie etwas besonderes sein. Mit Ausnahme von wenigen Charakteren<br />
sind es so lediglich jene, die auch von mir gespielt werden, die eine<br />
Hauptrolle in den folgenden Seiten haben werden. Nein, das ist kein<br />
Nachteil, denn jeder Charakter ist auf seine Art einzigartig <strong>–</strong> nicht nur,<br />
was seine Klasse, seine Ausrüstung und sein Aussehen betrifft, sondern<br />
auch seine Seele, seine <strong>Geschichte</strong>, sein Handeln und die kleinen<br />
Eigenheiten, die einen Charakter erst so richtig liebenswert oder so<br />
richtig verabscheuungswürdig machen.<br />
Ob man einen Charakter liebt oder hasst, ist jedem selbst überlassen.<br />
Fakt ist nur, dass selbst ich meine Vorlieben habe. Meine Vorliebe ist<br />
der in dieser <strong>Geschichte</strong> auftretende und ihr den Namen gebende<br />
Hexenmeister. Auch wenn er nur ein leicht ins Extreme gerutschte<br />
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Spiegelbild meiner Selbst ist, habe ich ihn von der ersten Spielminute<br />
an in mein Herz geschlossen. Denn er beweist: Es gibt mehr als eine<br />
Schattierung von Schwarz, mehrere Ausprägungen des Begriffs<br />
„Boshaftigkeit“ und keine ist wie die andere.<br />
Folgt mir nun in eine Welt, in der Magie und Flüche nicht nur in<br />
Büchern, sondern auf dem Schlachtfeld wie auch in den eigenen vier<br />
Wänden beheimatet sind. Kommt mit in das Land der Orcs und Trolle,<br />
erlebt die <strong>Geschichte</strong>n am eigenen Leib und seht, wie aus kleinen,<br />
schwachen Recken am Ende starke Helden werden, die sich und ihre<br />
ganze Welt retten. Lest die Reibereien und die Sentimentalitäten.<br />
Denn dies ist die<br />
World of Warcraft.<br />
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Kapitel 1 <strong>–</strong> Ein neuer Anfang<br />
<strong>Die</strong> Nachwirkungen des großen Krieges sind noch allgegenwärtig. <strong>Die</strong><br />
Landen sind aufgewühlt, viel Trauer und dennoch viel Stolz an allen<br />
Orten. <strong>Die</strong> einen weinen um die aus dem Krieg nicht zurück gekehrten,<br />
andere freuten sich über die nun eingekehrte, vermeintliche Ruhe.<br />
Doch es war eine trügerische Ruhe. Frieden, der nur zu einem<br />
gereichte: Das ehemals dünne Bündnis der Allianz und der Horde<br />
auseinander driften zu lassen. Aus Antipathie wurde Ablehnung, aus<br />
Ablehnung erwuchs neuerliche Verachtung für die jeweils andere<br />
Seite. Nun war es an den Helden des Krieges, einen brüchigen<br />
Waffenstillstand aufrecht zu erhalten.<br />
Eine Zeit der Ruhe für die einstigen Helden. Eine Zeit der Möglichkeiten,<br />
der neuen Hoffnungen.<br />
Neue Helden und Abenteurer sollten das Land bereisen, sich neuen<br />
Herausforderungen stellen und neuen wie auch alten Gefahren<br />
entgegen treten. Allein Nozdormu könnte vorhersagen, welche<br />
Abenteuer sich den neuen Helden, den neugierigen Abenteurern<br />
oder auch nur den unglücklichen Reisenden offenbaren würden.<br />
Wir können nur gespannt sein. Gespannt sein, was geschehen mag.<br />
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Kapitel 2 <strong>–</strong> Dämonische Anfänge<br />
Ein lautes Brüllen vor Schmerzen groll durch die Höhlen nahe<br />
Orgrimmar. Schnell eilten weitere Kultisten der Brennenden Klinge zum<br />
Höhleneingang, dem Schrei nach, um herauszufinden, welcher ihrer<br />
Brüder dort so einen Lärm veranstaltete und was passiert war.<br />
Ein junger Orc stand dort. Allein offenbar...nein...er hatte einen kleinen<br />
Wichtel bei sich. Ein...Hexenmeister? Wohl eher ein Jüngling, ein kleiner<br />
Spross, der nun die Zahl der Kultisten zu dezimieren versuchte. Kein<br />
Problem für diese drei...nein zwei....Kämpfer.<br />
<strong>Die</strong> beiden bekamen einen Schreck, als der dritte unter ihnen mit<br />
einem Mal tot zusammen sank. beängstigend, wie viel böses in diesem<br />
Hexenmeister gesammelt sein musste, das dieser....wieder sank einer<br />
tot zusammen, ehe auch nur ein Schlag auf den Hexenmeister<br />
ausgeführt worden war. Jetzt sah sich auch der letzte um und wollte<br />
fliehen, wurde dann aber auch von einer Kugel purer schwarzer<br />
Magie getroffen, um nur Momente später ebenfalls leblos zu Boden zu<br />
gehen.<br />
„Schwächlinge. Allesamt. Und die wollen eine Gefahr für Orgrimmar<br />
darstellen?“ brummte Vadarassar, beugte sich nach den Taschen der<br />
leblosen Körper, um diese nach wertvollen Besitztümern zu<br />
untersuchen. Ahh...das gesuchte Siegel. Endlich hatte er es gefunden.<br />
Jenes Siegel, um das Thrall ihn gebeten hatte.<br />
Mit dem Siegel in der Hand ging er durch die Gasse von Orgrimmar,<br />
drängte eine Gesellschaft von Orcs und Trollen, die eine Art Hochzeit<br />
abhielten, beiseite, sich hindurch und versetzte mit einem grimmigen<br />
Lächeln und einigen dunklen Wortsilben den Bräutigam für einige<br />
Minuten in Panik, ließ ihn wie ein kopfloses Huhn herum rennen (zur<br />
Belustigung aller vorbeikommenden Passanten. Man stelle sich nur<br />
einmal vor: Ein Troll, der seine Arme wild nach oben reißt und wie am<br />
Spiel schreiend im Kreis läuft...) und betrat schließlich die Festung von<br />
Thrall.<br />
„Herr, ich habe das Siegel beschafft. Was nun soll meine nächste<br />
Aufgabe sein?“ fragte der Hexenmeister mit monotoner Stimme.<br />
Wirklich begeistert war er nicht <strong>–</strong> auch wenn ihm das Abschlachten<br />
dieser Kultisten wirklich Spaß gemacht hatte.<br />
<strong>Die</strong> nächste Aufgabe war etwas...langweilig. Anstatt direkt wieder<br />
jemanden ins Jenseits zu schicken, musste Vadarassar zunächst einmal<br />
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mit angelegtem Siegel zu Neeru gehen und mit diesem im Vertrauen<br />
sprechen. Das war auch rasch erledigt und mit einem Mal taten sich<br />
Dinge auf, die er bis dahin nicht für möglich gehalten hatte, Thrall aber<br />
offensichtlich sehr wohl. Denn dieser klang von der <strong>Geschichte</strong>, die<br />
Vadarassar ihm berichtete, k<strong>eines</strong>wegs überrascht. Im Gegenteil: Es<br />
schien, als hätte er es schon lange gewusst. Doch die beiden Namen,<br />
die gefallen waren, machten <strong>eines</strong> klar: Jene beiden mussten sterben.<br />
So ging Vadarassar erneut hinab und in den Höllenschlund, wie diese<br />
Höhle unter Orgrimmar genannt wurde. Wieso sie gerade hier war und<br />
wieso man diesen Eingang nicht schon längst zugeschüttet oder die<br />
Innereien mit einer Horde starker Krieger bereinigt hatte...das war<br />
Vadarassar nicht sehr einleuchtend. Nur <strong>eines</strong> war ihm klar: Allein<br />
würde er hier drin keine sonderlich großen Überlebenschancen haben.<br />
Doch allein musste er offensichtlich nicht gehen, sah er doch eine<br />
Taurendame, die gerade dabei war, einen großen Flicken auf ihre<br />
sehr...nun...improvisierte Leder“hose“ zu nähen.<br />
Taurinnen. Bisher hatte Vadarassar nur männliche Tauren getroffen<br />
und kannte diese als eher breite, stämmige Kerle, nicht so zierliche<br />
Huftiere wie diese dort.<br />
Zusammen warteten die beiden, ob denn noch jemand an ihrem<br />
Kampf teilnehmen wollte, sahen sich währenddessen jedoch nur<br />
selten an und redeten nicht. Als nach zwei Stunden noch immer kein<br />
anderer Krieger, Jäger oder gar Magier aufgetaucht war, nahm<br />
Vadarassar einen der lila leuchtenden Steine aus seiner Tasche und<br />
rief, genau so, wie Neeru es ihn gelehrt hatte, zum ersten mal einen<br />
anderen Dämon als seinen Wichtel.<br />
Mit Brummen und tiefer Stimme tauchte eine blaue Nebelwand auf,<br />
die sich dann als Leerwandler entpuppte.<br />
„Ich bin Hathmon! Gebt mich frei!“ hallte die dunkle Stimme, die<br />
Vadarassar jedoch nicht beeindruckte.<br />
„Du wirst mir dienen und jetzt die Klappe halten. Ist das klar?“ knurrte<br />
dieser nur, woraufhin der Dämon schwieg und nur neben ihm her<br />
schwebte. Dann wandte er sich der Druidin zu.<br />
„Also werden wir drei es allein versuchen. Du musst nur dafür sorgen,<br />
dass mein Leerwandler nicht stirbt. Den Rest erledige ich schon.“<br />
schlug Vadarassar vor, die Taurin noch einmal musternd. Dem Stab<br />
nach zu urteilen war sie eine magiebegabte. Und die einzigen Tauren,<br />
die etwas von Magie verstanden, waren entweder Druiden oder<br />
Schamanen. Ergo: Heiler.<br />
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„Ich habe eine bessere Idee, Orc.“ antwortete die Taurin, lief auf die<br />
Höhle zu, sprang in die Luft und verwandelte sich noch mitten im<br />
Sprung in einen Bären, nur um sich bei der Landung wieder in Richtung<br />
Hexer zu drehen und mit einer Pranke auf Vadarassar zu zeigen.<br />
„Ich werde mein Fell hinhalten und du sorgst dafür, dass die Gegner<br />
schnell genug tot sind, ehe ich das bin. Wenn ich sterbe, bist du auch<br />
tot. Klar?“<br />
Dann verschwand sie in der Höhle. Vadarassar grinste und ging kurz<br />
darauf hinter ihr her.<br />
„Taurinnen. Nicht nur viele Haare am Körper, auch Haare auf den<br />
Zähnen. Gefällt mir.“ brummte er, die schwarze Magie zwischen seinen<br />
Fingern knistern lassend.<br />
Es war nicht ganz eine Stunde vergangen, da kamen die beiden<br />
wieder aus der Höhle heraus. Ihre Kleidung war zerrissen, der Stab der<br />
Druidin zerbrochen, doch dafür hatten sie Taschen, die zu allen Seiten<br />
vor Stoff und anderen Gegenständen überquollen. Außerdem zogen<br />
sie ein Bündel Köpfe hinter sich her, von denen sie einen ablösten und<br />
Neeru feierlich überreichten. Der war im ersten Moment baff, reichte<br />
den beiden dann aber die ausgehandelte Belohnung, die kurz darauf<br />
beim nächsten Händler die Kasse klingeln ließ. Auch Thrall freute sich<br />
über die abgehackten Köpfe und beglückte die beiden mit neuen,<br />
von Orgrimmar gesegneten Waffen.<br />
„Der Rucksack muss noch nach Donnerfels. Kommst du mit?“ fragte<br />
die Druidin, die gerade noch schnell in der Gerberei verschwinden<br />
wollte.<br />
„Wenn es Gold und Silber dafür gibt, bin ich immer dafür zu haben.“<br />
grinste Vadarassar böse. „Und noch einmal Gratulation zu deiner<br />
Prankencombo. Dem Kerl das Knie zu brechen und damit die Flucht<br />
unmöglich zu machen, war eine sehr gute Taktik.“<br />
„Fast so gut wie deine darauffolgende Furcht, die ihn komplett<br />
gelähmt hat. Ziemlich gut für einen so jungen Hexer wie dich.“<br />
„Nenn mich Vadarassar.“<br />
„Nibaya. In zehn Minuten vor der Bank?“<br />
Vadarassar nickte ihr zu und verließ sie dann in Richtung Schneiderei.<br />
Es hieß nun den Leinenstoff, den er zentnerweise mit sich<br />
herumschleppte, in Kleidung zu verwandeln....keine schöne Arbeit,<br />
aber es brachte GOLD!<br />
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Kapitel 3 <strong>–</strong> <strong>Die</strong> <strong>Geschichte</strong> des Jägers<br />
Mit lautem Scheppern flog ein bis zur Nasenspitze in Kettenrüstung<br />
gekleideter Orc aus der Taverne von Orgrimmar. Zwei Tauren standen<br />
im Eingang und starrten ihn aus strengen, autoritären Augen an.<br />
„Fang hier drin noch eine Prügelei an und du kannst ein Lied von der<br />
Erdenmutter singen...drei Oktaven höher, als du gewohnt bist!“<br />
brummte ein anderer Orc hinter seinen Rausschmeißern.<br />
„Was ist denn hier los, Mann. Sieht ja aus wie ne richtig glückliche<br />
Party. Aber viel zu früh.“ kicherte Teborasque, den gestürzten Orc mit<br />
einem breiten Grinsen, wie es nur Trolle auflegen konnten, anstarrend.<br />
Der schwer gerüstete Orc starrte den bläulichen Neuankömmling an,<br />
der sich lediglich in einige Stücke Lederkleidung mit einigen<br />
Metallverzierungen gekleidet hatte. Über der Schulter erkannte er den<br />
charakteristischen Bogen <strong>eines</strong> Jägers.<br />
„Nichts von Belang. Einer dieser stinkenden Untoten wollte seine<br />
Wettschulden nicht begleichen.“ brummte der Orc und wischte sich<br />
mit einer Hand über sein Maul, als dem etwas Blut tropfte.<br />
Pikanterweise wischte er sich nicht direkt mit seiner Hand über den<br />
Mund, sondern mit einer Hand, die er in dieser hielt. Erst auf den<br />
zweiten Blick erkannte Tebo die eklige Wahrheit: <strong>Die</strong>se Hand musste<br />
dem Untoten gehört haben.<br />
Angewidert verzog er kurz das Gesicht. Seit den Zombies nahe Sen’jin<br />
hatte er nicht mehr mit dieser Widerlichkeit die Konfrontation gesehen.<br />
Das einzige, was ihn beruhigte war die Tatsache, das es in diesem Fall<br />
kein untoter Troll war, dem nun ein Arm fehlte.<br />
„Tja, jetzt ist der Kerl arm dran, der Zechepreller. Oder genauer gesagt:<br />
Nur noch ein Arm dran!“ grölte der Orc und lachte lauthals los. „Das<br />
sollte seine Schulden tilgen. Zumindest vorläufig.“<br />
„Was hatte der Kerl denn gewettet?“ fragte Tebo, nun doch<br />
interessiert, an den nun einarmigen Untoten denkend. Der Kerl ließ ihn<br />
wirklich nicht mehr los....kein schöner Gedanke das ganze. Nein,<br />
wahrhaftig nicht.<br />
„Pah! <strong>Die</strong>ser eingeweidelose Wurm wollte eine Katze fangen. Eine<br />
große, wilde Katze nahe dem Wegekreuz im Brachland. Meinte das<br />
Vieh wäre so eindrucksvoll, das sogar die ganzen anderen Katzen<br />
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ingsum das Weite suchen würden! Wollte ne Goldmünze von mir,<br />
wenn er mir den Beweis brächte.“<br />
Der Orc lachte kurz und kehlig. „Und dann meinte er, seine zerkratzte<br />
Robe und ein Büschel Haare würden mir reichen! Nix da hab ich<br />
gesagt und wollte meinerseits mein Gold. Doch er...aber na ja...das<br />
kannst du dir ja jetzt denken Jungchen, oder?“ knurrte der Orc und<br />
lachte dann wieder.<br />
„Wie steht es mit dir? Willst du es mal versuchen? Ich mach dir ein<br />
Angebot: Zwei Münzen Gold, wenn du mir den Kopf dieser Katze<br />
bringen solltest.“<br />
Teborasque dachte kurz nach. Das Brachland kannte er schon recht<br />
gut, war bereits einige Male dorthin gereist. Zwar nicht häufig, aber<br />
doch, er kannte die Wege und vielleicht auch die Gegend, wo sich<br />
eine solche Katze aufhalten konnte. Kurz darauf nickte er bedächtig.<br />
„Sollte kein Problem sein, Mann. Ist doch nur ne Katze.“<br />
Mit den Worten war Teborasque aus Orgrimmar aufgebrochen und in<br />
Richtung Brachland unterwegs. Still und leise verfluchte er sich dafür,<br />
dass er keine wohlhabenden Trolle in seiner Blutslinie hatte, ansonsten<br />
hätte er auf einem Raptor ins Brachland reiten können. Doch ihm<br />
fehlte auf diese Weise das knappe Gold, das gerade so für Nahrung,<br />
Rüstzeug, Werkzeug und Munition reichte. Ein Umstand, der ihn nicht<br />
unbedingt mit Freude erfüllte.<br />
Mit zwei Fingern im Mund pfiff er einmal laut und blickte sich dann um.<br />
Eine kleine Staubwolke tauchte in einiger Entfernung auf, kam dann<br />
aber rasch näher und stoppte kurz vor ihm.<br />
Pigedi, ein Kampfschwein, das seinen Namen wahrlich verdient hatte.<br />
Der Eber trug seine Stoßzähne wie Dolche neben seiner langen<br />
Schnauze. Unzählige Gegner hatte er damit schon aufgespießt, ihnen<br />
die Bäuche aufgeschlitzt oder sie mit den harten Hufen zerschmettert.<br />
Es war Tebos erster Begleiter, den er nun schon seit vielen Monden<br />
neben sich sah. Und obwohl der Intellekt des Tieres nicht viel mehr als<br />
Kämpfen und Fressen zu verstehen vermochte, war Pigedi doch ein<br />
willkommener Gefährte, quasi das animalische Spiegelbild von Tebo.<br />
Selbiger kniete gerade im Dreck und untersuchte die Spuren.<br />
Krallenabdrücke. Viele, doch keine wirklich bemerkenswert. Bis auf.<br />
Er stockte, besah die Spur genauer.<br />
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<strong>Die</strong>se Krallenspur war etwas größer als die anderen. Zwar gleich breit,<br />
aber ungleich länger, schlanker und doch weniger stark eingedrückt.<br />
Ein leicht gebautes Kraftpaket auf großen Tatzen. Das musste diese<br />
Riesenkatze sein, von der dieser Orc gesprochen hatte. Mit gebückter<br />
Haltung ging Tebo einige Schritte weiter, starrte kurz nach vorn, bückte<br />
sich dann wieder und folgte den Spuren.<br />
Das Wegekreuz lag noch einige hundert Schritte im Süden, als er in<br />
Richtung <strong>eines</strong> der Berge abbog. Katzen lebten für gewöhnlich nur im<br />
Schatten der Hügel und ruhten sich dort aus. Doch diese hier schien<br />
anders, das meinte er deutlich zu erkennen. Auf einer Anhöhe stoppte<br />
Tebo dann komplett, griff in seine Tasche und holte ein Handfernrohr<br />
heraus, das er vor nur etwa einer Nacht selbst gebaut hatte. Es blitzte<br />
noch wie neu, obwohl sich bereits an einigen Stellen leichter Flugrost<br />
festgesetzt hatte.<br />
Dort. Auf dieser kleinen Anhöhe stand die Katze, die er suchte. <strong>Die</strong><br />
Pfoten passten perfekt zu den Markierungen, die Größe stimmte<br />
ebenfalls, auch wenn er etwas anderes als diese hagere Gestalt<br />
erwartet hatte. Noch im selben Moment, wie er diesen Gedanken zu<br />
Ende gebracht hatte, verfluchte sich Tebo dafür. <strong>Die</strong>se Katze war<br />
ebenso muskulös und sehnig, so drahtig und agil wie er als Troll. Ein<br />
ebenbürtiger Gegner.<br />
Kurz prüfte er die Windrichtung. Gegenwind <strong>–</strong> gut, das würde der<br />
Katze nicht möglich machen, sie vorher zu wittern. Tebo gab Pigedi<br />
das Zeichen, langsam hinter ihm her zu schleichen. Gemeinsam<br />
krochen sie fast bis ganz unter den Vorsprung, auf dem die Katze saß.<br />
Dann gab er das Zeichen.<br />
Wie von einer Mücke gestochen schoss Pigedi auf die Katze zu, mit<br />
den Stoßzähnen auf die Flanke zielend. Das Schwein wollte ein<br />
schnelles Ende, zielte dorthin, wo es das Herz der gefleckten Bestie<br />
vermutete. <strong>Die</strong> Katze indes, obwohl völlig überrumpelt, reagierte<br />
schlagartig, raffte sich auf und sprang in die Luft, über das Schwein<br />
hinweg und sah hinter sich, wo Pigedi gegen einen Stein krachte.<br />
Eigentlich wollte sie ein schnelles Ende machen, zuckte dann aber<br />
zusammen, als ein pfeifendes Geräusch seine Ohren erreichte und er<br />
sich duckte. Gerade noch im letzten Moment, denn gerade da sauste<br />
ein Pfeil über den Kopf der Katze, streifte leicht sein linkes Ohr und<br />
blieb dann im Sand stecken. Der schnelle Blick zeigte: <strong>Die</strong>ser Troll da<br />
hatte den Pfeil abgeschossen.<br />
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Mit wütendem Fauchen sprang die Katze dem Troll entgegen,<br />
bemerkte dann aber doch noch den Eber, der auf sie zu rauschte, nur<br />
um Haaresbreite mit den Hauern daneben schlug und sie verfehlte.<br />
Doch Pigedi war diesmal schlauer, drehte sich um und verpasste der<br />
Katze einen kräftigen Tritt gegen die Brust. Zwei Hufe bohrten sich in<br />
das Fell, ließen es darunter knirschen und raubten der Großkatze den<br />
Atem. Gleichzeitig sauste wieder ein pfeifendes Geräusch auf die<br />
Katze zu.<br />
Zwei Gegner. Ein Nah- und ein Fernkämpfer. Doch das Schwein ließ ihn<br />
nicht an den Schützen heran. <strong>Die</strong> Katze musste nachdenken, wich<br />
dem Pfeil nur knapp aus und sprang dann mit schmerzender Flanke<br />
einmal um das Schwein herum. Jetzt war dieses in der Schusslinie. Der<br />
Troll zögerte klar erkennbar, wollte wohl seinen Gefährten nicht<br />
ebenfalls treffen. Das war die einzige Chance, die sich der Katze bot.<br />
Voller Wut und Überlebenswillen schlug sie mit den Pranken zu. Krallen<br />
bohrten sich in Fell und Fleisch, zogen lange, rote Striemen in Pigedis<br />
Seiten.<br />
Das Schwein schrie getroffen auf, wanke und stieß voller Wut erneut<br />
zu. Ein Stoßzahn traf auf Fell, bohrte sich knapp unterhalb der Schulter<br />
in das Fleisch der Katze. <strong>Die</strong> wich zurück, wollte neuen Schwung holen,<br />
wurde aber von einem hinter ihr einschlagenden Pfeil an einer<br />
möglichen Flucht gehindert.<br />
Erneut stürmte sie voran, schlug mit den Pranken auf das Schwein ein,<br />
während sie versuchte, den Troll zu erspähen. Er schien nicht mehr da<br />
zu sein. Und doch kämpfe dieses Schwein hier mit unveränderter<br />
Härte. Doch gegen die Krallen der Katze konnte es nicht viel<br />
ausrichten. Immer weiter wich es zurück und würde bald-<br />
Ein brüllender Schmerz schoss durch die Katze, als ihr der linke<br />
Hinterlauf wegknickte. Ein schneller Blick und sie sah den Grund dafür:<br />
Der Troll war noch da, hatte sich aber auf eine Anhöhe links neben ihr<br />
geschlichen und von dort zu einem gezielten Schuss angelegt. Ein Pfeil<br />
steckte nun tief in der linken Hüfte der Katze, hatte sie auf die Seite<br />
gezwungen. So unvorbereitet getroffen war es der Katze unmöglich,<br />
das Gleichgewicht zu halten. Pigedi sah das als willkommene<br />
Einladung, ging zwei Schritte zurück, um mit den Vorderläufen den<br />
Boden aufzukratzen. Dann stürmte das Schwein voraus.<br />
Im letzten Moment duckte sich die Katze vor den Stoßzähnen und riss<br />
das Maul auf, um einen Sekundenbruchteil später ihrerseits<br />
zuzuschlagen. Mit dem Glück der Verzweiflung erwischte sie die Kehle<br />
des Schweins, das einen letzten Schrei des Entsetzens ausstieß,<br />
- 14 -
egleitet vom lauten Brüllen des Trolls auf der Anhöhe, der erneut zum<br />
Schuss ansetzte.<br />
Der Schrei erstarb in einem Gurgeln, begleitet von einem weiteren<br />
Pfeifen. Ein zweiter Pfeil bohrte sich in die Seite der Katze, diesmal<br />
knapp oberhalb des anderen. Wieder explodierte die Welt der Katze<br />
in endlosen Schmerzen. Wie durch einen Schleier aus Schmerz und<br />
Wut nahm sie ein erneutes Pfeifen wahr, rollte sich dann zur Seite und<br />
riss das noch immer zwischen ihren Kiefern hängende Schwein<br />
zwischen sich und den Troll.<br />
Wieder schlugen Pfeile ein, doch nicht in der Katze, sondern in der<br />
schon längst ausblutenden Leiche von Pigedi, die diese Katze wie<br />
einen Schutzwall zwischen sich und den Troll gebracht hatte. Das<br />
verschaffte ihr Zeit für zwei Atemzüge, in denen sie sich aufzurappeln<br />
versuchte. Der Troll indes schien genügend abgelenkt von Ärger über<br />
seinen verfehlten Pfeil als auch in Trauer über den Tod s<strong>eines</strong><br />
Gefährten versunken, damit es gelingen konnte.<br />
Der linke Hinterlauf gehorchte der Katze nicht mehr, hing nur nutzlos zu<br />
Boden. Drei Beine wären es, die reichen mussten. Doch mehr als<br />
genug, um auch diesem Troll die Kehle zu zerreißen. Mit neuer Wut und<br />
Entschlossenheit stieß die Katze ihren fleischigen Schutzschild beiseite<br />
und stürmte zuerst etwas wackelig, dann mit deutlich stärkerer<br />
Sicherheit auf den Troll zu.<br />
Tebo sah die Katze wie hypnotisiert auf sich zu eilen. Ein Pfeil<br />
noch...doch sie war zu nahe. Als er das realisierte, ließ er den Bogen<br />
und den darin schon fast eingespannten Pfeil fallen und griff nach<br />
seinem Dolch. Im selben Moment schlugen sich schon acht scharfe<br />
Dolche in seine Lederkleidung, drangen jedoch mehr oder minder<br />
rasch auch in sein Fleisch ein. Durch die Wucht des Aufpralls knallte er<br />
zu Boden, sah sich nun dem zähnebesetzten Maul der Katze<br />
entgegen, die nach seinem Kopf und seiner Kehle schnappte.<br />
Mit aller Kraft brachte er seinen linken Arm frei, auf dessen Schulter<br />
eine der krallenbesetzten Pfoten lag, und drückte die Hand so kräftig<br />
er konnte gegen das Maul. <strong>Die</strong> Katze reagierte schnell, zog das Maul<br />
zurück und biss stattdessen mit voller Kraft in den Unterarm, grub die<br />
Zähne tief in das Fleisch des Trolls. Der schrie, nahm den Dolch und<br />
rammte ihn seinerseits in die Seite der Katze, so tief und so tödlich wie<br />
er versuchen konnte, erwischte dabei aber zumeist nur das lose Fell<br />
und erst nach dem dritten Anlauf etwas Fleisch. <strong>Die</strong> Katze interessierte<br />
es aber nicht mehr: Mit letzter Kraft schlug sie mit ihren Vorderpranken<br />
- 15 -
nach dem Troll, riss die Kleidung auseinander, biss immer wieder auf<br />
den Arm und meinte ein leises Knirschen von Knochen zu vernehmen.<br />
Doch das Knirschen kam nicht von Tebo und auch nicht von der<br />
Katze, sondern von dem Vorsprung, auf dem die beiden kämpften.<br />
<strong>Die</strong>ser knirschte und kackte, brach schließlich und ließ beide, die sich<br />
ineinander verbissen, verkrallt und verkeilt hatten, in die Tiefe stürzen. In<br />
die Tiefe und die Schwärze.<br />
Stunden vergingen. <strong>Die</strong> Nacht war längst angebrochen, als<br />
Teborasque wieder zu sich kam. Zuerst dachte er, er wäre schon bei<br />
den Ahnen, doch die Schmerzen in seinem Arm, seinen Schultern und<br />
Rücken verrieten ihm, dass er sehr wohl noch unter den Lebenden<br />
weilte. Sein nächster Gedanke gehörte der Katze, die so dicht neben<br />
ihm lag, dass er den warmen, feuchten Atem des Tiers in seinem<br />
Nacken spürte. Und noch immer umklammerte seine rechte Hand den<br />
blutverschmierten Dolch.<br />
Ein Schlag...nur noch ein Schlag trennte ihn vom Sieg. Mühsam<br />
richtete er sich auf, betrachtete die dort liegende Katze, die<br />
regungslos vor ihm auf der Seite lag, die beiden Pfeile in ihrer Flanke<br />
nach oben zeigend, obwohl sie schon auf halber Länge abgebrochen<br />
waren. Das goldene Fell des Tiers, besetzt mit schwarzen Flecken, war<br />
an vielen Stellen blutverschmiert. Blut von Pigedi, von Tebo und von<br />
der Katze selbst.<br />
Pigedi...diese Katze hatte seinen Begleiter getötet. Wut kochte in<br />
Teborasque hoch. Er musste sie töten. Er musste...<br />
Nein...dieses Tier war wehrlos. Es war ein ungerechter Kampf, den er<br />
da auszufechten gedachte. Zwar wäre es ein Sieg, doch ein<br />
befleckter. Und obwohl seine animalische Seite ihn immer wieder<br />
beschwor, ihn anbrüllte, er solle das Tier endlich töten, die Kehle<br />
auftrennen, vom Blut trinken und dann laut schreiend die Rache s<strong>eines</strong><br />
Gefährten ausleben, war es doch die Ehrenhaftigkeit von ihm als Troll<br />
und den Lehren seiner Ahnen, die ihn von diesem Schritt abhielten.<br />
Er war eine Bestie, doch nur zum Teil. Und er kontrollierte sein<br />
animalisches Selbst <strong>–</strong> nicht andersherum.<br />
„Los...bring es zu Ende.“ hörte er eine schwache Stimme, deutete sie<br />
im ersten Moment als seine eigene innere Stimme, so schwach und<br />
leise war sie. Doch sie klang anders...sanft und dennoch kraftvoll und<br />
gequält. Wieder sah Tebo zu der Katze...<br />
- 16 -
...und realisierte erst jetzt, dass das Tier ebenfalls erwacht war und ihn<br />
anstarrte.<br />
„Bring es zu Ende und nimm...deine Beute, Troll. Ich bin...geschlagen.“<br />
winselte die Stimme, während die Katze ihn anstarrte und dann<br />
blinzelte. Tebo konnte sich dem Blick des Tieres nicht entziehen, sah<br />
darin den Ursprung dieser Stimme, obwohl sich die Lippen des Tiers<br />
nicht merklich bewegten. Jemand anders hätte vielleicht nur ein leises<br />
Fiepsen oder Grummeln gehört, doch in Tebos Kopf machten die<br />
Worte Sinn und er verstand sie.<br />
Wohl deswegen, weil seine animalische Seite ihn dazu befähigte.<br />
Tebo erhob sich langsam und steckte seinen Dolch weg.<br />
„Nein, ich werde dich nicht töten, Wildkatze. Es ist keine Ehre darin, ein<br />
wehrloses Tier zu erlegen. Ich schenke dir das Leben.“ sagte er und<br />
wollte sich abwenden.<br />
<strong>Die</strong> Katze fauchte leise, wollte sich aufrichten und winselte, als sie<br />
spürte, wie es nicht ging.<br />
„Leben schenken...den Geiern preisgeben. Mein Körper ist besiegt, ich<br />
werde mich nicht wehren können. Schenke mir einen schnellen Tod,<br />
ehe die anderen mich mit einem langsamen strafen und mir meine<br />
Wehrlosigkeit vorhalten.“<br />
Bitterkeit schwang mit der Stimme mit. Tebo blieb stehen, betrachtete<br />
seine eigenen Wunden.<br />
Im Vergleich zu dem, was die Katze haben musste, waren sie<br />
vergleichsweise gering. Sein Arm sah zwar schrecklich aus, würde aber<br />
gewiss heilen und eine schöne, zierende Narbe behalten. Seine<br />
Kleidung war zwar nicht mehr viel mehr als Müll, doch immerhin hatte<br />
sie ihn vor schlimmerem geschützt. <strong>Die</strong> Katze besaß so etwas nicht,<br />
war entsprechend schwer verletzt worden.<br />
Reue breitete sich in dem Jäger aus. Nein, ihn sich selbst überlassen<br />
konnte er diesen Gegner nicht. <strong>Die</strong> Wunden, die er in seine vorherige<br />
Beute geschlagen hatte, waren zu tief, als das sie sich allein davon<br />
wieder würde erholen können.<br />
Er drehte um.<br />
- 17 -
„Tu es, Jäger. Tu deine Pflicht als Jäger und nimm die Beute.“ flehte<br />
die Stimme schon fast. Das Ende erwartend schloss die Katze ihre<br />
Augen.<br />
Ein fauchender Schrei entfuhr ihr, als ihre Seite, ihr Bein, erneut vor<br />
Schmerzen entflammten.<br />
„JÄGER! Quäle mich nicht, mach es schnell!“ zischte die Katze, sich<br />
verspannend und das Ende erhoffend. Doch dann wurden die<br />
Schmerzen weniger.<br />
„Halt still du dummes Tier. Ich werde dich nicht umbringen. Das wäre<br />
ebenso unehrenhaft, wie dich hier hilflos zurück zu lassen.“ knurrte<br />
Tebo.<br />
<strong>Die</strong> Katze öffnete ihre Augen und sah zu dem Jäger, der den Pfeil, der<br />
in der Hüfte steckte, ergriffen hatte und mit einem kräftigen Ruck<br />
daran zog, um nur Momente nach dem Herausziehen eine zähe<br />
Flüssigkeit auf die entstandene Wunde zu träufeln. Mit einem Schlag<br />
waren die Schmerzen so intensiv wie seit dem Treffer nicht mehr. Doch<br />
ebenso schnell wie sie gekommen waren, erstarben die Schmerzen<br />
auch wieder. Der Jäger hatte die Pfeile entfernt und die Wunden<br />
versorgt, träufelte nun auch etwas von der Tinktur in die Dolchwunden<br />
am Bauch.<br />
Schmerzen vergingen und der Katze schien es besser zu gehen. <strong>Die</strong><br />
abgebrochenen und blutverschmierten Pfeile warf Teborasque zur<br />
Seite, blickte stattdessen auf die Katze.<br />
„Du wirst überleben. Schlafe die Nacht und am kommenden Morgen<br />
wirst du wieder stehen können. Es wird ein paar Tage dauern, doch du<br />
wirst wieder voll genesen.“ erklärte der Troll, sich dann von der Katze<br />
abwendend.<br />
„Wozu tust du das, Jäger? Damit ich das nächste Mal eine ehrbare<br />
Beute für dich darstelle?“ fauchte die Katze hinterher.<br />
„Nein. Ich werde dich nicht länger jagen. Wir hatten unseren Kampf.<br />
Das ist genug.“ antwortete der Troll, noch einmal zu der Katze sehend,<br />
ehe er weiterging.<br />
Stunden war Tebo nun zu Fuß unterwegs gewesen. Ein Teil seiner<br />
animalischen Seite verstand nicht, wieso er das getan hatte.<br />
Bestienmeister nannte er sich zum einen, Pfeil der Horde zum anderen.<br />
- 18 -
Wie konnte er ein ehrbarer Jäger sein, wenn er seinen Gefährten im<br />
Kampf fallen sah und ihn nicht rächte?<br />
Doch wie konnte er ein ehrbarer Krieger sein, der er ein wehrloses<br />
Opfer erschlug oder es sich selbst und dem langsamen Tod überließ?<br />
Was war wichtiger? Ehrbarkeit oder Rache? In beidem lag<br />
Gerechtigkeit in gewissem Maße. Doch die Antwort auf die richtige<br />
Lösung wollte ihm nicht kommen. Vielleicht war-<br />
Er stockte in seinem Gedanken. Schon vor ein paar Minuten hatte er<br />
gemeint, etwas gehört zu haben. Jetzt war er sich dessen sicher: Ein<br />
schleifendes Geräusch folgte ihm, kam langsam immer näher. Jetzt<br />
war Teborasque stehen geblieben und drehte sich langsam um.<br />
Unmerklich wanderte seine Hand zu seinem Dolch, während er in die<br />
Dunkelheit hinein starrte.<br />
Er staunte nicht schlecht, als er die Katze, die er so erbittert gejagt<br />
hatte, erblickte, wie sie auf drei Beinen zu ihm humpelte, den linken<br />
Hinterlauf hinter sich her ziehend und über den Boden schleifend. <strong>Die</strong><br />
ganze Strecke über war ihm diese Katze nun schon gefolgt, fast bis<br />
nach Durotar. Doch wieso?<br />
Teborasque starrte die Katze an.<br />
„Jäger. Ich ging tot, doch du hast mir das Ende verwehrt. Mein Leben<br />
gehört dir. Deswegen gehört auch mein Leib dir.“<br />
„Ich schenkte dir dein Leben.“<br />
„In gewisser Weise ja und doch nein. Du hast entschieden, mich nicht<br />
zu töten, obwohl mein Leben im Moment meiner Niederlage schon<br />
entschieden war. Mein Leben lag in deiner Hand...und das liegt es<br />
auch jetzt noch. Du allein hast das Recht, über mein Leben und<br />
meinen Tod zu entscheiden. Jetzt und bis zum Ende m<strong>eines</strong> Lebens,<br />
das du mir geschenkt hast.“<br />
Mit diesen Worten schritt die Katze an Teborasque heran und lehnte<br />
sich an sein Bein <strong>–</strong> besser gesagt: An seine Hüfte.<br />
Da es offensichtlich sinnlos war, sich weiter gegen die tödlich genaue<br />
Logik dieser Katze zu wehren, akzeptierte Teborasque sie als<br />
Gefährten. Der Orc in Orgrimmar indes...nun...er erhielt den Kopf als<br />
Beweis für die Taten von Teborasque. Allerdings nicht so, wie er<br />
erwartet hatte, denn der Körper war noch an dem Kopf dran und ließ<br />
den Orc mit Fauchen und scharfen Krallen als Argument schnell die<br />
Goldmünzen aus seiner Tasche ziehen.<br />
- 19 -
<strong>Die</strong> Tage vergingen und bereits nach einer Woche waren die Spuren<br />
ihres Kampfes verschwunden. <strong>Die</strong> Katze lief wieder wie ein<br />
neugeborenes Junges, behielt nur einige dunkle Stellen an der<br />
rechten Hinterpfote von der langen Schleiferei über den Boden zurück.<br />
Doch die Spuren verheilten nur äußerlich. Innerlich wussten die beiden<br />
nur zu gut über ihren Kampf. <strong>Die</strong> Spuren waren es, die sie<br />
zusammenhielten...und nicht wieder trennen sollten.<br />
Erst als Teborasque erkannte, welche Agilität, Weisheit,<br />
Geschwindigkeit und welche Energie in seinem neuen Begleiter<br />
steckte, fiel ihm der passende Name für seinen felinen Gefährten ein.<br />
Swift.<br />
- 20 -
Kapitel 4 <strong>–</strong> Ein Traum der Wahrheit<br />
<strong>Die</strong> Landschaft waberte leicht, verschwamm immer wieder vor ihren<br />
Augen. Ein sanfter, grünlicher Schein erfüllte ihren Horizont, als<br />
Bergketten mit Tälern zu verschmelzen begannen, das große Meer<br />
verschwand und aus dem, was früher zwei war, wieder Eins wurde.<br />
Riesige, grasbewachsene Ebenen erstreckten sich unter ihr, ein<br />
strahlend blauer Himmel über ihr und Berge, die in ihren Gedanken<br />
lediglich als ‚perfekt’ bezeichnet werden konnten.<br />
<strong>Die</strong>ser Traum war so wunderbar, er brachte sie an Orte, die sie in ihrem<br />
Leben noch nie gesehen hatte, zeigte ihr die östlichen Königreiche,<br />
wie sie wohl früher einmal ausgesehen haben mussten. Dann raste das<br />
Bild vor ihr und zeigte stattdessen eine Stadt, die gänzlich aus<br />
einfachen Bauten, aus eleganten Holzkonstruktionen und lebenden<br />
Bäumen bestand.<br />
Jetzt erkannte sie auch Gesichter. Tauren, Nachtelfen, sie standen<br />
Seite an Seite. Etwas, das in ihrer Heimat als undenkbar galt, sah sie<br />
dort. Sie kämpften nicht, standen sich voller Respekt und Freundschaft<br />
gegenüber. Ja, das musste der berühmte und bekannte Zirkel des<br />
Cenarius, des Waldgottes sein.<br />
Unvermittelt streckte sie die Hand nach einem der Bücher aus. Der<br />
grüne Schemen um sie herum verschwand, als ihr Geist in die<br />
Wirklichkeit des Seins eindrang. Jetzt sah sie genau und klar, was<br />
vorging, hörte unzählige Stimmen, die über alle Dinge in Azeroth<br />
sprachen, spürte die Bedenken an allerorten. Und noch immer lag in<br />
ihrer Hand dieses Buch, das sie aufschlug.<br />
<strong>Die</strong> Schriftzeichen in dem Buch waren ihr gänzlich unbekannt und<br />
doch verstand sie jedes einzelne Wort. Wie eine Melodie sang es in<br />
ihrem Kopf, ließ sie jede Silbe verstehen. Als sie aufblickte stand sie<br />
nicht länger in dem Gebäude, in dem sie gerade gestanden hatte,<br />
sondern vor einem großen Geist. Zuerst erschrak sie, dann betrachtete<br />
sie den Schemen vor sich genauer.<br />
Es war ein Taure. Ebenso, wie sie einer war. Auf seiner Brust war das<br />
Emblem <strong>eines</strong> Drachen abgebildet und der Stab, den dieser Taure mit<br />
sich führte, trug am Kopf ebenfalls eine handgeschnitzte<br />
Drachenstatue. Doch noch weitaus verwirrender als diese überaus<br />
ungewöhnlichen Verzierungen war die Tatsache, dass dieser Taure die<br />
Augen geschlossen hielt und sich selbige unter den Lidern rasch hin<br />
und her bewegten.<br />
- 21 -
„Du wanderst schon lange durch diese Träume. Und doch verstehst du<br />
ihre wahre Bedeutung noch nicht, Braline Spearhoof. Doch dies, so<br />
versichere ich dir, wird sich bald ändern.“<br />
Sie erschrak einen Moment. Nicht etwa, weil diese Gestalt sie<br />
offensichtlich trotz ihrer geisterhaften Erscheinung, die durch alles<br />
hindurch glitt und die von niemandem anderen gesehen wurde, so<br />
offensichtlich wie ein Baum bemerkt worden war, sondern auch, weil<br />
sie von dieser Gestalt mit einem Namen angesprochen wurde, den<br />
das letzte Mal ihre Mutter benutzt hatte....vor vielen, vielen Jahren.<br />
Seither hatte sie sich selbst und alle anderen im sie herum nur noch<br />
Braunpelz genannt, was hervorragend zu ihrem sanften, braunen Fell<br />
passte. Woher also kannte dieser Taure dort ihren wahren Namen?<br />
„Ängstige dich nicht, junge Druidin. Ich kenne dich und deine Art<br />
schon länger, als ihr euch selbst kennt. Und ebenso wie deine Brüder<br />
und Schwestern, die den Lehren des Cenarius folgen wollten, werde<br />
ich auch dir deine ersten Unterweisungen geben. Öffne deinen Geist<br />
und lerne, junge Taurin. Dann wirst du verstehen.“<br />
Ein Zucken fuhr durch ihren Körper. Ein Wissen, das so alt wie die Welt<br />
selbst zu sein schien, durchzog sie. Wilde Bilder von Tieren, Wäldern,<br />
Bäumen, riesigen Leviathanen, dem Waldgott, vielen Tauren und<br />
Nachtelfen und schließlich sogar ihr eigenes Bildnis rasten durch ihre<br />
Gedanken. Ein nicht enden wollender Strom von Wissen durchfloss sie,<br />
lehrte sie in Augenblicken Dinge, für die andere ein Leben gebraucht<br />
hätten. Sie öffnete ihren Mund, wollte schreien, doch kein Laut drang<br />
aus ihren weit aufgerissenen Lippen.<br />
„Nun ist es Zeit für dich, zu erwachen. <strong>Die</strong> Nacht neigt sich ihrem Ende<br />
und ein weiter Weg wird dir bevor stehen, junge Braline. Dein wahrer<br />
Weg wird sich dir offenbaren, wenn du ihm folgst. Denn er ist dir<br />
vorausbestimmt. Doch nun folge deinem Körper und kehre zurück.“<br />
Sie blinzelte noch einige Male, versuchte den Tauren, der gerade<br />
noch vor ihr gestanden hatte, erneut zu erblicken. Doch er war<br />
weg...als hätte ihn der aufziehende grüne Nebel verschluckt. Lediglich<br />
ein großer, unförmiger Schatten war noch an dieser Stelle, der rasch<br />
schneller wurde, über sie hinweg fegte und hinter den Bäumen<br />
verschwand. Nur ein leichter, grüner Schimmer war noch zu erkennen<br />
gewesen.<br />
Sie spürte ihren Körper, fühlte, wie er nach ihr rief. Schnell trieb sie<br />
zurück, folgte dem Pfad, der so offensichtlich vor ihr lag wie kein<br />
anderer vor ihm. Schnell, immer schneller wurde ihre Bewegung, ihr<br />
- 22 -
Drang, nun zurück zu kehren. Dann sah sie sich selbst, wie sie auf dem<br />
Boden lag, umringt von ihren Freunden und Bekannten. Nur noch ein<br />
kl<strong>eines</strong> Stück, dann glitt ihr Geist wieder über in die Realität, trat in<br />
ihren Körper ein.<br />
Ein Zucken fuhr durch sie, dann blinzelte sie mehrmals und sah auf.<br />
Benommen nahm sie die Umwelt wahr.<br />
Sieben andere Taurinnen standen um sie herum, blickten besorgt auf<br />
sie herab. Alle schienen in ihrem Alter zu sein, doch trugen sie alle<br />
andere Kleidung als sie es tat.<br />
„Brauni? Bist du in Ordnung?“ fragte die Taurin direkt neben ihr. Sie<br />
nickte knapp, versuchte sich dann langsam aufzuraffen.<br />
„Hey, sie ist in Ordnung! Ein Glück!“<br />
„Wir dachten schon an das Schlimmste!“<br />
„Wieso hast du nicht in deinem Bett geschlafen?“<br />
„War der Boden weich genug?“<br />
Fragen über Fragen kamen aus der Gruppe. Doch Braunpelz verstand<br />
keine der Fragen wirklich und richtig, blickte sich suchend um, als<br />
würde ihr etwas fehlen. Dann bemerkte sie die Beule an ihrem Kopf<br />
und das Bett rechts neben ihr. <strong>Die</strong> untere Liege war noch belegt <strong>–</strong> eine<br />
Taurin mit gänzlich schwarzem Fell lag noch darin und hatte ihr den<br />
Rücken zugedreht, versuchte offensichtlich noch weiter zu schlafen.<br />
<strong>Die</strong> Liege darüber war leer, die Decke hing herab.<br />
Sie war also aus dem Bett gefallen. Während sie schlief und geträumt<br />
hatte? Moment...hatte sie vielleicht genau deswegen das geträumt,<br />
was sie gesehen hatte?<br />
Langsam stand sie auf und stellte sich auf ihre eigenen Hufe.<br />
Nachdem sie mehrere Male versichert hatte, dass mit ihr alles in<br />
Ordnung war, ging sie nach draußen.<br />
Es war noch früh. <strong>Die</strong> Sonne suchte gerade erst einen Weg über die<br />
Klippen von Mulgore und spendete trotzdem die ersten<br />
Sonnenstrahlen für die Hauptstadt der Tauren, Donnerfels. In einiger<br />
Entfernung roch man den Duft von frischem Kräuterbrot, an anderer<br />
Stelle nahm die das Plätschern des kleinen Sees wahr.<br />
Es war noch früh und dennoch fühlte sie schon das Leben an diesem<br />
Ort. So intensiv wie sie es noch nie zuvor gespürt hatte.<br />
- 23 -
Gedanken gingen ihr durch den Kopf, während sie dem<br />
Sonnenaufgang entgegen blinzelte. Dann drehte sie sich um und ging<br />
rasch wieder in die Hütte hinein. <strong>Die</strong> anderen hatten sich größtenteils<br />
wieder auf ihre Liegen gelegt und ruhten sich aus. Nur eine getupfte<br />
Taurin stand ihr gegenüber und betrachtete, was Braunpelz da trieb.<br />
„Was hast du vor?“ meinte diese, als sie sah, wie Braunpelz ein Bündel<br />
mit einigen Kleidern und den wenigen Groschen, die sie besaß,<br />
packte.<br />
„Ich...folge meinem Weg.“ murmelte Braunpelz mehr zu sich als zu<br />
Kabana, die sie zweifelnd anstarrte.<br />
„Deinem Weg? Du hast doch gerade erst mit der Ausbildung<br />
angefangen. Und du bist noch viel jünger als...<br />
„...noch viel jünger als alle anderen, die hier sind. Ich weiß, doch ich<br />
weiß auch, dass ich gehen muss.“<br />
Kabana legte eine Hand auf die Schulter von Braunpelz. „Was haben<br />
die Geister dir offenbart?“ fragte sie ihre Freundin. Kabana war eine<br />
Schamanenschülerin, die Kenntnis um die Geister war ihr in die Wiege<br />
gelegt worden <strong>–</strong> ebenso wie ihr erstes Totem, mit dem sie früher als<br />
kleine Kuh schon gespielt hatte.<br />
„Ich...weiß es nicht genau. Doch ich habe einen Weg gesehen, dem<br />
ich folgen muss. Ich spüre, das es das Richtige ist.“<br />
Kabana nickte. „Wen die Geister rufen, der muss gehorchen. Das<br />
verstehe ich vielleicht besser als alle anderen.“ meinte sie und blickte<br />
sich um.<br />
„Krieger...Jäger...sie verstehen lange nicht alles. Braunpelz, ich<br />
wünsche dir alles Gute. Mögen die Geister dir gewogen sein und dich<br />
auf deinem Weg, wo auch immer er hinführen mag, beschützen.“<br />
Braunpelz dankte anerkennend und strich mit einer Hand über den<br />
Kopf ihrer Halbschwester. „Wir werden uns wiedersehen. Das spüre ich<br />
ganz deutlich. Es wird einige Zeit dauern, doch wir werden einander<br />
wiedersehen.“<br />
Mit diesen und keinen weiteren Worten verließ Braunpelz schließlich<br />
die Hütte, nahm sich von dem frisch gebackenen Brot und den<br />
Beerensäften der Händler, zahlte mit ihren letzten Groschen und ging<br />
dann auf die ehrfurchtgebietenden Aufzüge, die zu den höchsten<br />
Ebenen führten, zu.<br />
- 24 -
Ihr Weg würde ins Brachland führen. Weshalb, das wusste sie jetzt<br />
nicht. Doch nahm sie dabei gern jeden Botengang auf sich, um ihre<br />
spärlichen Finanzen etwas aufzustocken.<br />
Ihr Schicksal lag vor ihr. Es zu ergründen...das war nun ihre Aufgabe.<br />
Eine Aufgabe, die sie zu erfüllen gedachte.<br />
Wenn sie den Weg denn nur finden würde.<br />
- 25 -
Kapitel 5 <strong>–</strong> Ein Herz aus Eis<br />
Es war wie gestern.<br />
Heerscharen von Untoten fegten über Lordaeron hinweg, mordeten,<br />
meuchelten und fraßen alles, was lebte und sich irgendwie dem<br />
Klammergriff der Brennenden Legion zu entziehen suchte. Überall<br />
brannte es, brachen Häuser zusammen, fielen Hütten ein und stürzten<br />
dicke Mauern um.<br />
Bravius Kalvador war so lange in Dalaran geblieben wie er konnte.<br />
Seine Studien der Magie hatten den Erzmagiern gute <strong>Die</strong>nste geleistet,<br />
den Zauber vorzubereiten. Doch nun, da die Geißel immer weiter<br />
voran schritt, fehlte die Zeit, das zu vollenden, was gerade gewoben<br />
wurde.<br />
Ein weiterer Feuerball bildete sich auf den Händen des Magiers, flog<br />
kurz darauf in die Mengen der Geißel, um Momente später Dutzende<br />
von ihnen zu verbrennen, zu verstümmeln oder einfach zu Asche<br />
zerfallen zu lassen. Ein selbstsicheres Grinsen lag auf seinem Gesicht,<br />
dann blickte er über die Schulter.<br />
Ein riesiger Fleischgolem stand hinter ihm und holte mit einer Keule aus,<br />
traf ihn am Kiefer. Er spürte, wie ein Knochen knirschte und ihm kurz<br />
darauf der Mund den <strong>Die</strong>nst versagte. Schnell wob er noch einen<br />
Zauber, konnte ihn aber nur noch brabbeln. Eine Explosion aus Arkaner<br />
Magie traf den Fleischgolem und schleuderte ihn zurück. Das gab<br />
Bravius die dringend benötigten Sekunden, um sich wieder<br />
aufzurappeln und an Flucht zu denken. <strong>Die</strong> Magier im Inneren der<br />
Stadt...sie müssten auf sich selbst aufpassen. In diesem Moment sah<br />
der Magier, das sie das auch hervorragend taten. Denn mit einem Mal<br />
war von den Magiern nichts mehr zu sehen, nur noch eine große<br />
Energiekuppel erhob sich über ihnen, versiegelte die Reste der Stadt,<br />
unerreichbar für Geißel oder Brennende Legion.<br />
Frust und Wut machte sich bei den Überlebenden der Geißel breit, als<br />
sie auf die Barriere brandeten und nicht hindurch schreiten konnten.<br />
Frust und Wut wandelten sich in Hass, der ein Ziel suchte.<br />
Bravius wurde erspäht und Ziel des Angriffs. Hunderte Ghuls schossen<br />
auf ihn zu, von denen er mehrere Dutzend hinfort schleuderte,<br />
verbrannte, verstümmelte und auf andere grausame Arten in den Tod<br />
schickte. Doch es waren zu viele...viel zu viele brandeten auf den<br />
- 26 -
Magier ein, überwältigten ihn, zerrissen ihn bei lebendigem Leib und<br />
saugten das Leben aus seinen Adern.<br />
Dann wurde es kalt und dunkel.<br />
Lange Zeit kalt und dunkel.<br />
Bravius dachte, der Tod habe sich endlich und vollends seiner<br />
ermächtigt, als ein grelles Licht durch seine Augen schoss.<br />
Er blinzelte.<br />
Doch da waren keine Lider, die das Blinzeln auslösen konnten. Nur ein<br />
Glühen. Ein magisches, dämonisches Glühen.<br />
Er blinzelte erneut, das Glühen flackerte kurz und spendete die<br />
beruhigende Dunkelheit, die er so sehr begehrte.<br />
Hass.<br />
Wut.<br />
Es brannte in ihm. Er wollte die Ghuls noch immer verbrennen. Wollte<br />
sie dem Tode endlich zu fressen geben. Doch dann wurde ihm klar,<br />
dass sie ihn diesem schon zu fressen gegeben hatten. Nur noch<br />
schlimmer: Sie hatten seinen Körper zerrissen, doch seine Seele in ihm<br />
zurückgelassen.<br />
Bravius erhob sich. Sein Körper knirschte, als wäre er nicht viel mehr als<br />
ein verdorrter Ast. Er blickte auf seine Hände...und erschrak.<br />
Kaltes Fleisch hing lose an Knochen, umwickelt von einzelnen<br />
Bandagen. Er konnte durch seine Rippen die faulen Eingeweide<br />
sehen, die in Stücken in ihm hingen. dennoch war da irgendwie<br />
Leben...oder war es nur ein Gedanke, den er da hatte? Er spürte mit<br />
einem Mal eine extreme Kälte in sich...der Wind, der durch seine<br />
Knochen und damit durch ihn hindurch wehte.<br />
Er war nun selbst ein Untoter, einer dieser verhassten Geißel. Doch<br />
seine Gedanken...sie waren klar, sein Willen war nicht dem ergeben,<br />
der seinen Tod gewollt hatte.<br />
Er diente...niemandem.<br />
- 27 -
Einsamkeit machte sich in ihm breit. Eine noch tiefere Kälte strömte<br />
durch seine wenigen, leeren und vertrockneten Adern.<br />
„Ein weiterer ist erwacht!“ hörte er einen Ruf und wendete sich um zu<br />
dem Ursprung der Stimme. Erst jetzt bemerkte er, dass er in einem Sarg<br />
und in einer Krypta aufgebahrt lag. Vielleicht hätte er hier einfach<br />
liegen bleiben sollen, doch ein anderer Gedanke in ihm war<br />
verlockender: Jetzt, in dieser Gestalt, konnte er der Geißel mit gleicher<br />
Macht und gleicher Münze entgegen treten. Sein Innerstes wurde<br />
noch kälter, wäre gefroren, wenn noch etwas Flüssiges dort gewesen<br />
wäre, das hätte gefrieren können.<br />
Mit einem leisen Knirschen erhob er sich aus seinem hölzernen<br />
Kastenbett, sah sich um. Viele Skelette lagen herum, einige auf einem<br />
Scheiterhaufen, andere zertrümmert und verteilt. Einem fehlte der<br />
Unterkiefer komplett, dem anderen war ein Stück aus der<br />
Schädeldecke heraus geschlagen worden.<br />
Ein schrecklicher Verdacht...schnell ertastete er seinen eigenen<br />
Schädel...und spürte, wie sein Unterkiefer zerbrochen und schief<br />
wieder zusammengenagelt worden war. Sein Anblick musste so<br />
grausam sein, er fürchtete sich, in den Spiegel zu blicken <strong>–</strong> sicher, er<br />
würde sich dann selbst wohl nicht erkennen oder vor Verachtung<br />
einfach zu Staub zerfallen.<br />
Stufen...Dutzende erklomm er und sah an deren Ende einen<br />
Soldaten...besser gesagt: Ein Skelett in Rüstung. Das die Rüstung diesen<br />
Untoten nicht einfach ob ihres Gewichtes zerschmetterte, erstaunte<br />
Bravius. Er musterte den Untoten.<br />
„Bei der Herrin <strong>–</strong> ein Glück, das du gerade noch rechtzeitig<br />
aufgewacht bist! Wir wollten diese Krypta gerade komplett<br />
ausräuchern, um den Vorstoß der Geißen endlich zum Versiegen zu<br />
bringen.“<br />
„Was ist geschehen?“ knurrte Bravius. „Wie steht es um den Krieg?“<br />
„Den Krieg? Freund, wir haben gewonnen! <strong>Die</strong> Legion wurde verbannt<br />
und unsere Landen sind so gesichert, wie es für uns nur geht. Doch<br />
überall sind Krisenherde und Konflikte. Unsere Krieger fallen an allen<br />
Fronten. Da sind wir über solche wie dich doppelt froh.“<br />
Bravius nickte knapp. „Sag, wo kann ich ordentliche Kleidung her<br />
bekommen? <strong>Die</strong>se hier ist...nicht gerade sehr...adäquat.“<br />
- 28 -
Der Krieger nickte. „Eine Schneiderei findest du in Unterstadt, wenn du<br />
diesem Pfad hier folgst. Man wird sich überdies zu unserer Herrin<br />
begleiten, der wir unsere Freiheit zu verdanken haben.<br />
Bravius blickte auf.<br />
„Herrin?“<br />
„Lady Sylvanas! Dank ihr sind wir nicht der Geißel oder der Legion<br />
anheim gefallen. Sie hat sich gegen jene gewandt und mit ihrer Hilfe<br />
konnte der Sieg errungen werden!“<br />
„Ich verstehe.“ begann Bravius, der über all dies nachdenken musste.<br />
„Hab Dank.“ war alles, was er noch sagte, ehe er sich auf den Weg zu<br />
besagter Unterstadt machte.<br />
Unterstadt beschrieb diese Heimatstadt der Untoten wirklich<br />
hervorragend: Sie war das Unterste dessen, was man wohl als<br />
lebenswert erachten konnte. Selbst Ratten fand man hier nur so<br />
überaus selten, dass man sie wohl schon als exotische Fremde<br />
bezeichnen konnte. <strong>Die</strong> wenigen Tiere, die sich doch hier nach unten,<br />
unter die Ruinen der ehemaligen, menschlichen Festung gewagt<br />
hatten, waren ebenfalls so tot wie die meisten Bewohner. Bitterkeit<br />
nagte an Bravius, als er viele bekannte und noch mehr unbekannte<br />
Gesichter erblickte. Kleidung war schnell gefunden und nachdem er<br />
sich entsprechend angekleidet hatte, wagte er es schließlich auch,<br />
die innersten Gemächer von Lady Sylvanas zu betreten.<br />
Er erinnerte sich vage an die Erzählungen: Sylvanas Windrunner war<br />
einmal eine Nachtelfe gewesen, die einen Vorposten hielt und damit<br />
die Legion der Untoten am Vorankommen hinderte. Angeblich wurde<br />
sie vom Verräter Arthas verheert und zu einem schlechten Abbild ihrer<br />
Selbst geformt.<br />
Als er dann jedoch vor ihr stand, wurde Bravius erst wirklich klar, wie<br />
gering sein eigener Verlust im Vergleich zu ihrem hatte sein müssen: Sie<br />
war zu einer Banshee geworden, nichts weltlichem mehr, sondern nur<br />
noch einem Geist, einem Schatten, einem Schemen einer Lebensform.<br />
Dennoch erstrahlte sie in einem intensiven Licht, das ihn erschauern<br />
ließ.<br />
„Ich grüße dich, Befreiter. Du gehörst ab dem heutigen Tage zu den<br />
Wenigen, die sich die Verlassenen nennen. Wir sind verstoßen von all<br />
jenen, die leben und gehasst von allen anderen, die tot sind. Freunde<br />
- 29 -
gibt es wenige bis keine, nur Feinde haben wir viele, wie das Leben<br />
Wendungen hat.“<br />
„Lady Sylvanas.“ antwortete Bravius nur und kniete unvermittelt vor<br />
der, die eine solche Autorität ausstrahlte. Sein Gesicht war dem Boden<br />
zugeneigt.<br />
„Verrate mir deinen Namen, der, in dem ich solche Bitterkeit<br />
gegenüber der Geißel spüre.“<br />
„Bravius. Bravius Kalvador.“ antwortete er langsam und nach einigen<br />
Sekunden, um sicherzugehen, das seine Königin wirklich zu Ende<br />
gesprochen hatte.<br />
„Ein klangvoller Name, Bravius. Ein Menschlicher Name. Doch die<br />
Menschlichkeit hat dich verlassen, wie alle, die unter uns wandeln. Wir<br />
haben nichts Menschliches mehr und selbst die Menschen betrachten<br />
uns nur noch als das Böse. Selbst die Horde, die uns ihren Beistand<br />
anbot, ist nicht unbedingt immer das Gute, was wir uns erdenken. Wir<br />
müssen vorsichtig sein, uns den anderen vollständig zu offenbaren.“<br />
erklärte die Bansheekönigin. Dann senkte sie ihr Haupt.<br />
„Dein Name unter den Sterblichen hat keine Bedeutung mehr. Ein<br />
neues Leben hat dich erfüllt und damit ein neuer Name. Ein Name,<br />
der deinen Hass widerspiegeln soll und der das Blut in deren Adern, die<br />
noch Adern haben, zum Erfrieren bringen soll. Vom heutigen Tage an<br />
sollst du dich Bwalkazz nennen, Träger des Hasses gegen die Geißel,<br />
die wir alle so verabscheuen und die uns zu dem gemacht hat, was<br />
wir sind.“<br />
Bravius...Bwalkazz neigte sein Haupt, sah dann seine Königin an.<br />
„Ich danke euch, Sylvanas. Gibt es irgendetwas, das ich tun kann? Ich<br />
spüre eine Leere in mir, die gefüllt werden will.“<br />
<strong>Die</strong> Königin blickte zu ihrem Berater, einem Dämon, dem nicht nur<br />
Bwalkazz, sondern jeder anwesende Untote am liebsten mehr als eine<br />
Klinge in den Rücken gejagt hätte. Dann blickte sie wieder zu ihm.<br />
„Im Lande, das Kalimdor genannt wird, kannst du deine <strong>Die</strong>nste<br />
verrichten. Das Bündnis mit der Horde ist noch schwach, es muss<br />
gefestigt werden. <strong>Die</strong> Orcs sind es, die unsere Position zu verstehen<br />
scheinen. Eine gute Ausgangsposition fürwahr, doch muss sie gefestigt<br />
werden. <strong>Die</strong>s soll deine Aufgabe sein.“<br />
Bwalkazz verneigte sich und wendete sich ab.<br />
- 30 -
Orcs.<br />
Er kannte sie aus seinem früheren Leben. Manche in guten, viele<br />
jedoch in schlechten Dingen. Das er nun mit ihnen gemeinsame<br />
Sache machen sollte...das schmeckte ihm nicht wirklich.<br />
Doch.....welche andere Wahl hatte er denn?<br />
In Gedanken versunken trat er aus der Stadt heraus, blickte auf den<br />
dürren, einsturzgefährdeten Turm, an dem ein Zeppelin festgemacht<br />
hatte.<br />
Goblins. Erst Orcs, dann auch noch diese Schändlichkeit der Natur.<br />
Doch was redete er da? Er selbst war doch ebenfalls nur noch ein<br />
Abbild dessen, was natürlich sein könnte. Nur noch ein Schemen einer<br />
Lebensform, die auf der Welt hätte wandeln sollen.<br />
Ein Schemen unter Schemen. Das passte.<br />
Von diesem Gleichgewicht der Ungleichgewichte beflügelt bestieg er<br />
den Zeppelin und machte sich auf den Weg.<br />
Auf den Weg in das Land der Orcs.<br />
- 31 -
Kapitel 6 <strong>–</strong> Wegekreuz<br />
Donnerfels. Stadt der Tauren. Stadt auf den Klippen.<br />
Vadarassar hatte diese Stadt nicht gemocht. Nein, es lag nicht an der<br />
Architektur oder der Tatsache, das diese Anhöhen von einer Vielzahl<br />
wandelnder Fellkleiderschränke bewohnt wurde, denen Vadarassar<br />
gerade einmal bis zur nicht vorhandenen Brustwarze reichte, nicht<br />
einmal dieses idyllische Grün-Braun-Farbgemisch oder der Geruch von<br />
frischen Waren. Ebenso wenig war es das helle Licht, das dem<br />
Hexenmeister, der dunkle Farben bevorzugte, geradezu unangenehm<br />
hell und blendend auffiel. Es war einzig und allein die Höhe, auf der<br />
diese Abart der Riesenbergziegen, die sich selbst Tauren nannten, ihre<br />
Stadt errichtet hatte.<br />
‚Hervorragender Überblick’, ‚Nähe zum Himmel’ und ‚Strategisch gut<br />
zu verteidigen’ waren die Argumente für diese hohen Klippen, die mit<br />
windigen Strickleitern, bei deren Anblick sich Vadarassar mehrmals fast<br />
schon in die robenumwehten Hosen gemacht hätte, so verbunden<br />
waren, das man entweder tollkühner, lebensmüder Held oder jemand<br />
mit extremer mentaler Debilität sein musste, um sie als ‚sicheren Weg’<br />
bezeichnen zu können. Es verblüffte Vadarassar geradezu, dass rings<br />
um die Klippen am Boden nicht massenweise Skelette von jenen<br />
herumlagen, die über die nicht vorhandenen Absperrungen der<br />
Ränder gefallen und hinab in den Tod gestürzt waren. Entweder<br />
hatten die Tauren, die diese Höhen bewohnten, auf ihrem Rücken<br />
irgendwo versteckte Flügel, mit denen sie sich im Fall des Falles vor<br />
einem tödlichen Sturz zu schützen wussten oder jeder mehr<br />
Schutzengel, als in die größte Taverne Orgrimmars jemals hinein<br />
passen würden.<br />
Mit der stummen und stillen Entscheidung beschloss Vadarassar, die<br />
Erklärung darin zu finden, dass Tauren allesamt amtlich und gehörig<br />
einen an der Klatsche hatten, was auch das eigenwillige Hobby der<br />
männlichen Tauren erklärte, sich frisch dampfende Metallringe durch<br />
die Nasenlöcher zu schieben, die einem Orc allerhöchstens als<br />
primitiver Armreif gepasst hätten...allerdings dann bittesehr vorher<br />
abgekühlt, ja?<br />
Mit der innerlichen Beruhigung, endlich dieses Land der riesigen Irren<br />
zu verlassen, stieg Vadarassar auf einen der Windreiter, der ihn wieder<br />
zurück zu dem Wegekreuz bringen sollte.<br />
- 32 -
Wegekreuz. Eine derart einfallslose Bezeichnung für einen Ort konnte<br />
man nur mit dem kombinierten Verstand von Tauren, Orcs und<br />
Furbolgs erdacht haben. Kreuzstraße, Ebenenherberge, Brachlandia <strong>–</strong><br />
alles wäre einfallsreicher gewesen als das simple ‚Wegekreuz’. Ja, es<br />
kreuzten sich zwei lange Wege in der Mitte dieser Siedlung...und<br />
deswegen dieser Name? Wahrlich <strong>–</strong> wer sich das erdacht hatte, dürfte<br />
wohl nicht älter als drei gewesen sein und in seinem Vokabular weit<br />
mehr als ‚Dada’, ‚Mumu’, ‚Lala’ und ‚Popo’ gehabt haben.<br />
Noch immer über diese Gedanken sinnierend blickte Vadarassar von<br />
seinem Windreiter hinab. Mulgore, das Land der Tauren, sah richtig<br />
schön idyllisch aus. Weite Wiesen, keine Spur von Trockenheit oder<br />
Verderbnis, die die Brennende Legion über viele Teile der Welt<br />
gebracht hatte. Trotz seiner Zuneigung zu Tod und Zerstörung berührte<br />
es ihn doch ein wenig, wenn er eine Gegend sah, die nicht verheert<br />
worden war.<br />
Bald schon überflog er jenen Außenposten der Tauren, der Camp<br />
Taurajo genannt wurde.<br />
Camp Taurajo <strong>–</strong> DAS war ein Name für eine Siedlung. Ein Camp, also<br />
keine Stadt, und ein ordentlicher Name, der unmittelbar auf die<br />
Bewohner anspielte. Nichts Blödes wie ‚Mulgoreweg’ oder<br />
dergleichen, sondern wirklich ein ordentlich erdachter Name.<br />
Offenbar hatten die Tauren doch mehr im Kopf, als er bei ‚Wegekreuz’<br />
als Namen erdacht hatte.<br />
Der Windreiter folgte der Straße gen Norden, vorbei an vielen Kodos<br />
und Donnerköpfen, wie diese wilde, blitzespeiende Abart der Kodos<br />
genannt wurde. In einiger Entfernung fiel ihm eine Taurin auf, die<br />
gerade von drei dieser Bestien eingekreist wurde. Sie sah noch jung<br />
aus <strong>–</strong> weit jünger als Nibaya, die er nach Donnerfels begleitet hatte.<br />
Ihrer Kleidung nach zu urteilen war sie allerdings auch eine Druidin, nur<br />
veränderte diese nicht ihre Gestalt zu einem Bären oder gar einer<br />
Katze, um sich zu wehren, sondern rief stattdessen mächtige Ranken<br />
aus dem Boden....was diese Donnerköpfe allerdings nicht daran<br />
hinderte, ihr ihre Blitzschläge entgegen zu werfen. Nein, es stand<br />
offensichtlich nicht gut um die Taurin. Und allein schon deswegen, weil<br />
Nibaya eine solch freundliche Gefährtin gewesen war glaubte<br />
Vadarassar sich in der Pflicht, dieser jungen Taurin zu helfen.<br />
Normalerweise war es nicht möglich, ein Flugtier wie einen Windreiter<br />
von seinem festen Weg, den er zwischen zwei Punkten finden sollte,<br />
abzubringen oder gar zur Landung zu zwingen. <strong>Die</strong> sanften<br />
Überredungskünste des <strong>Hexenmeisters</strong>, bestehend aus zwei Flüchen<br />
- 33 -
und einem Dolch der sich gegen die Kehle des Tiers zu drücken<br />
begann, überzeugten diesen jedoch so sehr von der Dringlichkeit der<br />
Bitte, das er in den Sturzflug über ging, sich drehte und Vadarassar<br />
knapp über dem Boden herunter springen ließ, um kurz darauf, in<br />
seiner eigenen Sprache Tod und Verderben hinter dem Hexer her<br />
fluchend, den Weg fortzusetzen.<br />
Vadarassar landete inmitten der Schar und genau vor der Druidin, die<br />
bereits auf die Knie gesunken und damit genau so groß wie<br />
Vadarassar war. Zynisch irgendwie, denn sie war klar erkennbar und<br />
weitaus jünger als er.<br />
Vadarassar setze zu einem lauten Schrei an, einem schnellen Zauber,<br />
der die perplexen Tiere in eine solche Panik versetzte, dass sie allesamt<br />
die Beine in die Schuppen legten und davon sputeten, als hätte man<br />
ihnen die Rückenschuppen auf links gedreht.<br />
„Bist du in Ordnung?“ fragte der Hexenmeister mit schroffer Stimme.<br />
<strong>Die</strong> junge Taurin nickte sachte und erhob sich, offenbarte dennoch<br />
einige Wunden von den Blitzschlägen. Zwar hatten ihre dünne<br />
Lederbekleidung und ihr Fell die meisten Blitze gut abgeschirmt, doch<br />
einige hatten ihre Spuren hinterlassen.<br />
„Los <strong>–</strong> auf die Beine. <strong>Die</strong> Viecher werden nicht ewig weg bleiben. Und<br />
wenn ihr Anflug von Panik verflogen ist, werden sie mit noch mehr<br />
Tieren aus ihrer Herde zurück kommen. Der Zauber hält nicht ewig.“<br />
drängte der Hexer zur Eile, trieb die Taurin an und über die Brücke in<br />
Richtung Wegekreuz.<br />
Ein weiterer der roten Riesen sank getroffen zusammen. <strong>Die</strong> rechte<br />
Seite war von Krallenspuren überzogen, Bissen hatten die Beine<br />
einbrechen lassen, während die linke Seite von einem Dutzend Pfeilen<br />
durchsetzt war, der Kopf mit zwei weiteren gespickt nur noch schlaff<br />
nach unten hing und Blitze dank einem Pfeil, der das Maul versiegelt<br />
hatte, schon lange nicht mehr hinaus treten konnten.<br />
„Nummer neun für heute.“ triumphierte Teborasque über sein eigenes<br />
Talent, obwohl er ja nur gerade die Hälfte dessen getan hatte, was<br />
nötig war, während sein Gefährte sich dem Tier entgegen geworfen<br />
hatte. Das Rückenfell des Geparden dampfte noch ein wenig von<br />
einem Blitz, der ihn gestreift hatte. Rasch rieb Tebo mit seiner Hand<br />
darüber und betrachtete seinen Kameraden.<br />
„Alles in Ordnung?“ fragte er diesen und der Kater blickte seinen Herrn<br />
mit grimmigen Augen an. Jemand anders als Teborasque hätte das<br />
- 34 -
wohl nun als Drohung verstanden, doch die Ohren des Trolljägers<br />
verstanden genau, was der Gepard ihm zuknurrte.<br />
„Ein paar angesengte Haare. Nichts weiter. <strong>Die</strong> großen Viecher sind<br />
viel zu langsam und ungelenkig.“<br />
Teborasque nickte. <strong>Die</strong> großen Bestien waren wirklich kein Problem für<br />
sie beide. Sie hätten sogar zwei von denen zur gleichen Zeit erlegen<br />
können, so leicht waren sie für die beiden auszuschalten.<br />
Etwas rumpelte hinter ihnen. War es eine weitere dieser<br />
blitzespuckenden Bestien? Teborasque drehte sich mit einem<br />
siegessicheren Grinsen um.....und erstarrte. Mit einem Schlag wich ihm<br />
die Farbe aus dem Gesicht.<br />
<strong>Die</strong> Veränderung kam so schlagartig, das auch Swift sich umdrehte<br />
und nachsehen wollte, was seinen Herrn da gerade so einen<br />
Schrecken eingejagt hatte.<br />
Donnerköpfe. Nicht einer, nicht zwei oder drei. Nein....Teborasque<br />
vermutete es waren.....alle...<br />
„Lauf!“ rief der Jäger noch und sprang auf, vergaß den gerade<br />
erlegten Kadaver zu häuten oder die benötigte Galle zu entnehmen,<br />
streifte sich den Bogen über die Schulter und nahm die Beine in die<br />
Hand. Swift ließ es sich nicht zweimal sagen und spurtete los, ließ<br />
seinen natürlichen Trieb, so rasant wie nur der Wind zu rennen, freien<br />
Lauf und stürmte gen Norden und Richtung Wegekreuz. Teborasque<br />
folgte kurz hinter ihm, fühlte sich von dem Aspekten, der seinem<br />
Gefährten glich, durchströmt und spürte, wie seine Füße immer<br />
größere Schritte machten, ohne dabei an Bewegungstempo zu<br />
verlieren.<br />
Weg...nur schnell weg hier. Wer um alles in der Welt war irre genug,<br />
ALLE dieser Donnerbestien GLEICHZEITIG derart zu verärgern? Wer<br />
konnte so unglaublich bescheuert sein?!?<br />
Sein Blick zu den anderen beiden fliehenden und speziell den Umhang<br />
des dafür offensichtlich verantwortlichen beantwortete seine Frage,<br />
als erst Swift und dann auch er an ihm vorbei ins Dorf hinein stürmten.<br />
„Ein Hexenmeister! So etwas Dämliches kann auch nur einer von euch<br />
ausgeflippten Kerlen machen Mann!“ fluchte Teborasque atemlos, als<br />
er endlich zum Stehen kam und hörte, wie die Wachen der Stadt<br />
hinter ihm in Position gingen. Fast gleichzeitig zog er seinen Bogen, um<br />
sie nach bestem Wissen und Können zu unterstützen.<br />
- 35 -
„Ach mach den Hals zu du dümmlicher Troll.“ dröhnte der Hexer, sich<br />
seinerseits den Bestien zuwendend. Seine Augen flimmerten vor Feuer<br />
und Dunkelheit zur gleichen Zeit, als er einen lila leuchtenden Kreis um<br />
sich zog, der rasch größer wurde. Mit einem Finger tippte er hinein und<br />
riss einen kleinen, unförmigen Schatten heraus.<br />
Fast hätte Swift das Ding für eine Maus gehalten und es verschlungen,<br />
bemerkte aber im letzten Moment die dämonische Aura um das, was<br />
er sah: Ein Wichtel.<br />
„Was willst du denn?!“ zischte der kleine Wichtel und kassierte dafür<br />
von Vadarassar zur Begrüßung eine Kopfnuss. Sein Haupt reibend<br />
blickte der Kleine den anrückenden Horden entgegen und nickte<br />
grummelnd.<br />
„Das stand aber nicht in meinem Vertrag!“ zischte er wieder, fing sich<br />
dafür die zweite Kopfnuss des Tages. Das reichte ihm zur Überzeugung<br />
und ließ seine Hände vor Feuer glühen. Vadarassar tat es ihm ähnlich,<br />
ließ seine Hände aber in der gleichen Schwärze wie jener, die diesen<br />
Kleinen Wichtel beschworen hatte, aufglühen. Ein Feuer- und kurz<br />
darauf ein Schattenblitz verließen den Wichtel und seinen Herrn, trafen<br />
das führende Monstrum, gefolgt von einer Landung Pfeile, die von<br />
Teborasque stammten. Das reichte dem Tier, um es nieder zu reißen.<br />
<strong>Die</strong> dahinter kamen ins Stocken, strauchelten über den gestürzten<br />
Kameraden, wurden langsamer und teilweise von Panik ergriffen, als<br />
ein Hagel aus Feuerblitzen, Schattenkugeln und Pfeilen auf sie zu<br />
donnerte, dicht gefolgt von vier schwer gepanzerten Hordenwachen,<br />
die laut brüllend auf die Monster zu rannten.<br />
Ihr Vorwärtskommen stockte. Stattdessen drehten die meisten Tiere um<br />
und flohen, so lange sie noch eine Chance sahen, mit halbwegs<br />
heilen Schuppen zu entkommen. Nur zwei entkamen wirklich<br />
unversehrt, der Rest war gespickt mit Brandblasen und Pfeilen.<br />
„Also <strong>–</strong> hat doch funktioniert.“ gratulierte Vadarassar sich selbst und<br />
seinem kleinen <strong>Die</strong>ner, der neben ihm stand und herum fuchtelte, als<br />
hätte er ganz allein für den Sieg die Verantwortung verdient.<br />
„Jetzt hör mal zu du Großmaul! Lass mich sofort frei oder ich brenne dir<br />
so was von ein Loch in deine-“ begann der Wichtel, doch der<br />
Hexenmeister zeigte nur mit einem Finger auf den Wichtel.<br />
„Verschwinde!“ grummelte er.<br />
- 36 -
„-Robe das du...“ konnte der Wichtel noch sagen <strong>–</strong> weiter kam er<br />
nicht, dann verging er in einer kleinen, schwarzen Wolke und einem<br />
leisen *puff*.<br />
Sowohl die Taurin als auch der Troll starrten den Hexer fassungslos an.<br />
„Er ist wieder dort, wo ich ihn her geholt habe.“ beruhigte der<br />
Hexenmeister mit einer sicher wirkenden, nickenden Geste. „Dort kann<br />
er sich abkühlen, bis ich ihn das nächste Mal brauche.“<br />
Abkühlen?<br />
ABKÜHLEN?!<br />
<strong>Die</strong>sem Orc...diesem....oooohhh...diesem....<br />
Jubtuk würde es diesem Möchtegernhexenmeister schon noch zeigen!<br />
Wenn er nur nicht so verdammt groß wäre dieser Mistkerl!<br />
„Wieso brüllst du so rum?“ fragte eine dumpfe Stimme so langsam, das<br />
Jubtuk davon fast eingeschlafen wäre, wäre er eben kein Dämon<br />
gewesen und nicht so unglaublich wütend.<br />
Ein großer, blauer Schatten schälte sich aus der Schwärze der<br />
Unendlichkeit, in der die Dämonen hausten.<br />
„Wieder...er hat mich WIEDER nicht ausreden lassen! ICH mache die<br />
Drecksarbeit, werde VORGESCHICKT und ER streicht die LOORBEEREN<br />
dafür ein! DIESER MISTKERL von einem...“<br />
„Er ist unser Meister. Er, der uns aus dem wirbelnden Nether in diese<br />
Zwischenwelt geholt hat.“ sagte der Leerwandler einschläfernd. „Er ist<br />
der Herr. Wir sind die <strong>Die</strong>ner. Du dienst, ich diene. Wir dienen.“<br />
„Ach du mit deinem begrenzten Verstand...du hast zu oft eins auf die<br />
Zwölf bekommen! Deswegen redest du auch so langsam!“ fluchte<br />
Jubtuk weiter. Seine Wut kannte keine Grenzen. Wieder umgaben<br />
Flammen seine kleinen Finger und er hätte diesen dämlichen<br />
Leerwandler am liebsten gegrillt, wenn...ja...wenn seine Magier hier<br />
VERDAMMT NOCHMAL FUNKTIONIEREN WÜRDE!<br />
„Du bist doch wirklich ein Armer Irrer. Lockst mal eben kurz die ganzen<br />
Viecher hier her! Was, wenn dein Wichtel, mein Bogen und deine<br />
Magie nicht gereicht hätten? Was, wenn die Deppen von der Allianz<br />
mal wieder gemeint hätten, hier eine Belagerung auszufechten, weil<br />
ihnen in ihrer komischen Orkanstadt so gähnend langweilig ist? Was<br />
wenn....?“ fluchte Teborasque auf den Hexenmeister ein, doch die<br />
Taurin erhob sich und ging dazwischen.<br />
„Beruhige dich, Troll. Er wollte mir helfen, hat wohl mein Leben<br />
gerettet. Bitte, sei deswegen nicht verbittert.“<br />
- 37 -
Teborasque starrte die Taurin an. Sie war eine Druidin...das sie Hilfe<br />
bedurfte verwunderte ihn sehr. Druiden galten als so mächtig wie<br />
Magier <strong>–</strong> wenn nicht sogar noch mächtiger. Sie bezogen ihre Energien<br />
schließlich nicht aus sich selbst und ihren eigenen Fähigkeiten, sondern<br />
der Kraft des Landes, dieser Welt, diesen Regionen. Gerade hier im<br />
Brachland...hier war das Land noch so voller Leben...da hätte sie mehr<br />
als genug Kraft sammeln können. Wenn sie...ja...wenn sie nur nicht so<br />
jung gewesen wäre.<br />
Voller Respekt neigte er den Kopf und sah stattdessen zu dem Hexer.<br />
„Das tilgt einen Teil deiner Schuld, Orc. Doch nicht alles, glaub es mir.“<br />
brummte der Troll und schritt nun aus dem Lager heraus auf die<br />
Kadaver der vier erlegten Bestien zu. Er brauchte noch immer eine<br />
Galle...und diese vier hier waren mindestens ebenso gut wie das Vieh,<br />
das er mit seinem Kameraden allein erlegt hatte.<br />
Hexenmeister...bisher waren sie zu nichts gutem zu gebrauchen. Das<br />
wusste Tebo. Schließlich war es ihnen maßgeblich zu verdanken, das<br />
Azeroth jetzt so aussah wie man es kannte.<br />
Verfluchte Hexer...<br />
- 38 -
Kapitel 7 <strong>–</strong> Zusammenkunft<br />
Ein Sturm rüttelte an den morschen Seilen, die den Zeppelin der<br />
Goblins zusammen hielten. <strong>Die</strong> meisten Passagiere, unter ihnen vor<br />
allem Orcs und Trolle, hatten sich in die inneren Räumlichkeiten des<br />
Himmelsgefährts geflüchtet und fluchten über dieses Wetter, das die<br />
Kabine hin und her warf, während der Motor regelmäßig Aussetzer<br />
hatte, jeden Moment vollends stehen zu bleiben schien.<br />
Goblintechnologie.<br />
So zuverlässig wie ein Blitz.<br />
Wo es trifft, wächst kein Gras mehr. Doch niemand weiß wo, wann und<br />
warum.<br />
Bwalkazz stand noch immer auf dem Deck des Zeppelins, blickte in die<br />
Schwärze vor sich, die Unendlichkeit des Großen Meeres. Früher hätte<br />
er sich ebenfalls nach unten geflüchtet, fürchtend, er könne sich bei<br />
diesem Wetter eine Erkältung oder gar schlimmeres weg holen. Doch<br />
nun...er war schon tot. Wie sollte ein Untoter wie er an irgendeiner<br />
Lebendenkrankheit erkranken können? Widersinnig...ebenso wie das<br />
Gefühl der zwei Tauren, die neben ihm standen und, vor Nässe<br />
triefend, über die Kälte fluchten.<br />
Endlich ein Landstreifen am Horizont. Nur vage und im Zwielicht der<br />
Dämmerung erkannte er es, obwohl er noch nie wirklich hier gewesen<br />
war:<br />
Das dort musste Kalimdor sein.<br />
So weit von der Heimat war Braunpelz bisher noch nie gewesen. Es<br />
verwunderte sie etwas, das selbst hier so viele Tauren herum standen,<br />
dieses Dorf, das so wenig mit Donnerfels zu tun hatte, wie es nur ging<br />
und inmitten einer dürren, spärlich bewachsenen Wüstenlandschaft<br />
Wache schoben. Wieder andere hatten sich der Aufgabe gewidmet,<br />
die Kerne einiger Früchte auszuquetschen und ein anderer betätigte<br />
sich als Händler für Taschen und Beutel....und wieder ein anderer<br />
untersuchte die Proben der umliegenden Oasen. Ein exotischer<br />
Haufen von Freidenkern und jenen, die das Besondere suchten. So<br />
erschien es Braunpelz, die mit einigen dieser Mittauren das Gespräch<br />
zu suchen begann.<br />
- 39 -
Teborasque hatte es sich indes an der Schmiede gemütlich gemacht,<br />
um dort einige Basteleien an seinem Bogen durchzuführen. <strong>Die</strong><br />
Werkzeuge, die er verwendete, sahen irgendwie absonderlich aus <strong>–</strong><br />
ein kupferner Schraubenzieher, eine kleine Zange, sogar ein<br />
Schraubenschlüssel aus Kupfer lag in seinem Repertoire, mit dem er<br />
kleine Teile zu immer größeren kombinierte, zwei Linsen einlegte und<br />
dieses Konstrukt schließlich kurz über dem Griff s<strong>eines</strong> Bogens<br />
befestigte.<br />
„Da haste dir aber eine Freundin ausgeguckt, Mann.“ kommentierte er<br />
seine Basteleien, während er mit dem Schraubenzieher noch einige<br />
Umdrehungen machte und dann hinter sich zur Schmiede sah. Ein<br />
Eisen hing dort, leicht glühend, in der Hitze.<br />
Noch ne Minute und es war fertig, dachte er sich.<br />
„Das Hexer sich ausgerechnet mit Druiden umgeben...das is ja so, wie<br />
wenn du nen Gnom und nen Goblin in einen Raum packst.“ witzelte<br />
der Troll vor sich hin, griff dann nach dem Eisen. Ein großes Stück<br />
Eberfleisch, an der Oberfläche gänzlich mit Ruß und Schlacke<br />
bedeckt, kam aus der Schmiede zum Vorschein.<br />
„Perfekt.“ murmelte er nur, schlug das Fleisch einige Male gegen den<br />
nahen Amboss. <strong>Die</strong> Schlacke und Ruß-Schicht bröckelte ab, brachte<br />
ein sanft rotes Schimmern zum Vorschein.<br />
Eberrippchen Rustikal. Delikat.<br />
Ehe die Antwort kam, hatte Tebo schon in das dampfende Stück<br />
Fleisch gebissen und sich prompt die Hauer verbrannt. Wild wedelnd<br />
suchte er nach Wasser, fand schließlich einen Becher Mondbeerensaft<br />
und kippte das süße Zeug einfach herunter.<br />
Vadarassar, der all das mit einem grimmigen Grinsen verfolgt hatte,<br />
hob die Schultern und ließ sie wieder sinken.<br />
„<strong>Die</strong> Kleine war auf der Straße unterwegs und hatte sich mit ein paar<br />
dieser Donnerköpfe angelegt...oder sie sich mit ihr. Das ist die ganze<br />
<strong>Geschichte</strong>.“ grummelte er.<br />
„Ahhhha....“ antwortete Teborasque, mehr an sich selbst gerichtet, da<br />
der brennende Schmerz in seinem Mund erlosch, als an den Hexer<br />
neben sich. „Ich nehme mal an dein Heiligenschein ist gerade in der<br />
Reinigung, was? Oder haste den einem Priester geliehen?“<br />
- 40 -
Vadarassars Blick verfinsterte sich. „Einen Troll oder irgendeinen<br />
Allianzler hätte ich jederzeit verrecken lassen. Doch den Tauren habe<br />
ich noch etwas geschuldet. Das und nicht mehr.“<br />
„Jaja, na sicher.“ meinte Teborasque, sich dann wieder seiner Bastelei<br />
zuwendend. „Bin schon auf die ersten grünen Tauren gespannt....oder<br />
werdens Orcs mit Hufen?“ witzelte er, um kurz darauf ein Prickeln im<br />
Nacken zu spüren.<br />
Schatten umwoben die Hände des Hexers, der auch beinahe diesem<br />
Troll einen Schattenblitz zwischen die Augen gehauen hätte, der<br />
diesem jegliche Frechheit aus dem Mund gebrannt hätte. Doch die<br />
große Axt, die sich ihm auf die Schulter legte, bremste seine<br />
Begeisterung.<br />
„He du da. Keine Kämpfe im Dorf, ja? Hier ist schon genug Blut<br />
geflossen diese Woche.“ mahnte eine der großen Taurenwachen,<br />
kassierte von Vadarassar zum Dank nur einen finsteren Blick, der<br />
Blumen hätte verdorren lassen können.<br />
Mit reichlich nachdenklichem Gesicht kam Braunpelz zu den beiden<br />
und stellte sich in gehöriger Entfernung zur Schmiede neben den<br />
Hexer.<br />
„Und? Irgendetwas Interessantes erfahren?“ murmelte der Orc ihr zu.<br />
Sie nickte schwach.<br />
„In der Nähe einer Oase, nicht weit von hier, soll es eine Höhle mit<br />
einigen durchgedrehten Druiden geben. Sie meinten...vielleicht könne<br />
jemand wie ich, auch Druide, dort der Sache auf den Grund gehen.“<br />
„Du meinst sicher die Höhle südwestlich von hier, oder?“ meinte<br />
Teborasque, den Bogen weglegend und aus dem Schneidersitz, in<br />
dem er gehockt hatte, aufstehend.<br />
„Das Ding nennen die ganzen Leute, die da rumschleichen, die<br />
Höhlen des Wehklagens. Nen paar Goblins sind ganz scharf auf das<br />
Zeug, was da drin wächst. Aber keiner traut sich da rein.“<br />
<strong>Die</strong> Taurin staunte nicht schlecht, starrte den Jäger an. „Was weißt du<br />
denn von den Goblins?“<br />
Teborasque hob sein Werkzeug zur Antwort. „Das Basteln liegt mir<br />
genau so im Blut wie denen. Und die haben breite Erfahrung da drin.<br />
Hab mit den Bastlern in Ratschet östlich von hier geredet und die<br />
haben mir so einiges erzählt.“<br />
- 41 -
Er machte eine kurze Atempause, packte dann das Fleisch und ging<br />
näher an die beiden heran.<br />
„Über das, was in der Höhle genau vorgeht, ist nicht wirklich viel<br />
bekannt. Irgendein druidisches Ritual von nen paar Nachtelfen oder<br />
so was. Jedenfalls machen die meisten einen weiten Bogen um die<br />
Höhle.“<br />
„Ich muss da rein.“ antwortete Braunpelz so schnell und überraschend,<br />
das die beiden einander nur anstarren konnten. „Zeigst du mir den<br />
Weg dorthin, Jäger? Bitte.“<br />
„Wenn du willst. Wäre aber ne ziemlich dumme Idee, da alleine rein zu<br />
gehen. Nimm doch deinen Freund hier mit.“ schlug Tebo kurzerhand<br />
vor, mit dem Daumen auf den Hexer deutend. <strong>Die</strong>ser warf ihm einen<br />
vernichtenden Blick zu, der allerdings nicht die gewünschte Wirkung <strong>–</strong><br />
nämlich den Jäger zu verdampfen <strong>–</strong> hatte.<br />
„Oh, kommt ihr nicht beide mit? Ich meine...ihr seid doch beide so<br />
groß und so stark. Da kann uns doch nichts passieren.“<br />
Von einer Taurin, die trotz ihres jungen Alters jeden von ihnen locker<br />
überragte, als ‚groß’ bezeichnet zu werden, war nicht nur irgendwie<br />
ironisch, sondern auch lustig. Und einer solch netten Bitte konnten sie<br />
sich schließlich nicht verwehren, stimmten also zu.<br />
Mit Tebo an der Spitze machten sie sich auf in Richtung besagter<br />
Oase, verließen die Siedlung gen Süden und schritten dann schon<br />
bald über die mehr oder minder grün bewachsenen Weiten des<br />
Brachlandes. Gerade unterwegs stieß Tebo ein scharfes Pfeifen aus,<br />
blickte sich dann um. Im ersten Moment keine Spur von seinem<br />
Begleiter.<br />
„Dein Kätzchen hat dich wohl verlassen, was? Ist nirgends zu sehen.“<br />
grinste Vadarassar, wusste er doch, dass seine Gefährten nur ein paar<br />
Worte der Beschwörung von ihm entfernt waren. Einen Augenblick<br />
später spürte er dann allerdings den heißen Atem <strong>eines</strong> Tieres in<br />
seinem Nacken und drehte sich um.<br />
Im wirklich letzten Moment warf sich der Hexer zu Boden, wich dem ihn<br />
anspringenden Kater aus, der so glatt über ihn hinüber segelte, sanft<br />
und geräuschlos neben Teborasque landete und diesen mit einem<br />
schelmischen Grinsen anblickte, während der Hexer reichlich Erde und<br />
Dreck zwischen den Hauern hängen hatte.<br />
- 42 -
„Dämlicher Flohteppich. Den hätteste braten sollen.“ grummelte der<br />
Hexer, sich wieder aufrappelnd.<br />
„Hier vorne muss es gleich sein.“ murmelte Teborasque, die Oase<br />
genauer betrachtend. Dann erspähte er auch schon den mächtigen<br />
Höhleneingang. Jawohl, das war es ganz sicher.<br />
„Nun, Druidin. Wirst du uns in Bärengestalt die Gegner vom Hals halten<br />
oder uns mit Heilung unterstützen?“ fragte der Jäger, ehe sie sich ins<br />
Innere auf machten.<br />
Braunpelz blieb verdutzt stehen, blickte den Jäger fragend an. Der<br />
wartete erst noch auf eine Antwort, drehte sich dann zu ihr um und<br />
sah dann mindestens ebenso verdutzt aus.<br />
„Ich...ähh...“ stotterte sie, selbst sehr unsicher drein blickend.<br />
„Nun sag schon <strong>–</strong> Kämpfer oder Heiler?“<br />
„Ich...ich...weiß nicht....“ murmelte sie wieder, verstand offenbar nicht,<br />
was man von ihr wollte.<br />
Jetzt war Vadarassar baff. Er war davon ausgegangen, dass Druiden<br />
ihres Alters die Kunst des Gestaltwandels und der Heilung <strong>–</strong> oder<br />
zumindest <strong>eines</strong> der beiden Talente <strong>–</strong> bereits besaßen. Das war<br />
schließlich ihre Art...irgendwie.<br />
„Willst du uns etwa weis machen, dass du nicht heilen kannst?“<br />
„Ich....weiß nicht....wie...“ stammelte sie vor sich hin, Erde mit einem<br />
Huf hin und her scharrend, als wolle sie sich ein Loch ausheben, um<br />
darin versinken zu können. Doch selbst das schaffte sie nicht, grub nur<br />
einige Zentimeter tief.<br />
„Na klasse. Da schleppst du uns ja eine nette Druidin an.“ brummte<br />
Teborasque vor sich hin. „Eine Druidin, die nicht heilen kann und<br />
keinen Schimmer hat, wie sie ihre Gestalt verändern sollte.“<br />
„Konnte ich doch nicht wissen.“ murrte Vadarassar zurück, blickte<br />
dann zu der Taurin, der langsam die Tränen kamen. Bis eben hatte sie<br />
noch gedacht, sie würde bereits den richtigen Pfad beschreiten. Nun<br />
jedoch schien alles vor ihr wegzubrechen...sie hatte das Gefühl, so<br />
unglaublich nutzlos zu sein, eine Belastung für diese beiden so<br />
ausgezeichneten Kämpfer. Selbst der Gepard neben dem Jäger hatte<br />
offenkundig bessere Fähigkeiten als sie.<br />
- 43 -
Weinend sackte sie auf die Knie und drückte sich die Hände ins<br />
Gesicht. Tränen flossen an ihren Handflächen vorbei, ihr Wimmern<br />
erfüllte die Oase.<br />
Teborasque war der Erste von den drein, der sich von dem kleinen<br />
Schock erholt hatte, ging auf die Taurin zu und legte eine Hand auf<br />
ihre Schulter.<br />
„Jetzt heul doch nicht, Kl<strong>eines</strong>. Ist eh schon spät. Morgen früh können<br />
wir ja einfach mal dort rein und du versuchst es mal. Nur weil du noch<br />
nie etwas ausprobiert hast, weißt du nicht, ob du es vielleicht doch<br />
kannst.“<br />
„Meinst....meinst du?“ fragte die Taurin, ihre Hände etwas zur Seite<br />
schiebend.<br />
Teborasque nickte.<br />
„Klar, na sicher doch. Über Nacht wird sie zur Meisterheilerin<br />
avancieren. Und mir wachsen Hörner und Flügel.“ knurrte Vadarassar,<br />
was einen weiteren Heulanfall bei Braunpelz auslöste.<br />
„Ach halt doch den Rand, du emotionsloser Brocken Schattenöl!<br />
Kannst du nicht einmal etwas Nettes sagen?“ fluchte Teborasque in<br />
seine Richtung.<br />
„Ich bin Hexer. Dazu fehlen mir die Gene!“ konterte Vadarassar.<br />
Noch immer brummend war es nun an Teborasque, ein Lagerfeuer zu<br />
bereiten und gleichzeitig eine verzweifelte Druidin irgendwie zu<br />
beruhigen. Herrliche Aussichten....noch dazu die Tatsache, dass er<br />
wohl die erste Nachtwache halten durfte.<br />
Still und für sich hoffte er das erste Mal, doch lieber Krokolisken jagen<br />
gegangen zu sein, statt Donnerechsen erlegen zu wollen.<br />
- 44 -
Kapitel 8 <strong>–</strong> Traumhafte Lektionen<br />
„Wach auf Braline! Aufwachen!“ rief eine freundlich warme Stimme.<br />
Sie blinzelte.<br />
„Na komm schon Braline. Es gibt viel zu tun!“ forderte die Stimme<br />
weiter.<br />
Erneut blinzelte sie, öffnete dann die Augen.<br />
Ein sanft grünlicher Schimmer lag über allem um sie herum. Sogar der<br />
Taure in den langen, grünen Gewändern vor ihr schimmerte leicht<br />
grünlich, blickte sie aus geschlossenen Augen und mit einem<br />
freundlichen Lächeln an.<br />
„Genug geschlafen, meine Kleine. Es ist Zeit für dich, einige Dinge zu<br />
verstehen.“ sagte der Taure vor ihr, griff nach ihrer Hand und zog sie<br />
daran langsam in eine stehende Position.<br />
Sie sah sich um.<br />
Sie beide standen auf einer kleinen Insel, mitten in einem See, dessen<br />
Wasser so wunderschön silbern glänzte wie das Mondlicht höchst<br />
selbst. Ein sanfter Windhauch umschmeichelte sie, liebkoste ihre<br />
Wangen, fast schon lieblich. Ganz so, als wolle die Natur sie umarmen.<br />
„Wo...sind wir?“ wagte sie es, den Tauren zu fragen. Doch der lächelte<br />
nur weiterhin sanft.<br />
„Deine Freunde brauchen deine Hilfe. Doch nicht nur sie...der Pfad<br />
und die Bestimmung <strong>eines</strong> jeden Druiden ist, all jenen zu helfen, die<br />
jener Hilfe bedürfen. Genau wie sie bist du das Werkzeug, das Ohr,<br />
Auge und der Mund der Welt, um die Kräfte gerecht zu verteilen.“<br />
„Ich...verstehe nicht...“ brachte sie heraus, blickte den Tauren noch<br />
immer ratlos an. Der ergriff kurz darauf ihre Schulter.<br />
Das Grün um sie herum wurde stärker, wuchs zu einem dichten Nebel<br />
heran, der alles einhüllte. Dann sah sie es vor sich: Ein Abgrund, an<br />
dessen Rand sie beide nebeneinander standen.<br />
„Sieh.“ sagte der Taure und deutete die Klippen herunter.<br />
- 45 -
Zögerlich sah sie herunter, erblickte den Jäger, mit dem sie vorher<br />
unterwegs gewesen war. Er kletterte an der Felswand entlang, schien<br />
ausgelaugt und erschöpft. In dem Moment, als sie ihn erblickte, verlor<br />
er den Halt und stürzte.<br />
Und stürzte.<br />
Und stürzte.<br />
Und schlug auf einem Vorsprung auf. Sie sah, wie er sich offensichtlich<br />
mehrere Knochen im Leib gebrochen haben musste, vor Schmerzen<br />
wimmerte.<br />
„Oh nein! Tebo!“ schrie sie und suchte einen Weg, irgendwie zu ihm<br />
herunter zu gelangen. Doch da war kein Weg. Nur die steile Klippe<br />
und einige Dutzend Meter Luft, die sie beide trennten.<br />
„Seine Wunden sind gefährlich. Er würde ihnen erliegen, wenn nichts<br />
geschieht.“ erklärte der Taure mit emotionsloser Stimme.<br />
„Doch sein Tod ist noch nicht beabsichtigt. Er soll noch auf der Welt<br />
wandeln. <strong>Die</strong>s, Braline, weißt du tief in dir.<br />
„Sicher..aber...was kann ich...ich muss zu ihm und....“<br />
„Und was willst du tun? Bandagen werden nicht helfen und selbst<br />
Tränke lindern nur die Schmerzen.“<br />
Er legte eine Hand auf ihre Brust, blickte sie dann starr durch seine<br />
geschlossenen Augen an.<br />
„Du bist eine Gesegnete. Gesegnet von der Erdenmutter selbst, ein Teil<br />
der Natur und Bindeglied zum Leben. Du fühlst das Leben um dich<br />
herum, spürst es dich durchfließen. Und du kannst mehr <strong>–</strong> du kannst<br />
Leben schenken.“<br />
„Ich....ich weiß nicht....wie...“ stammelte sie, blickte erneut zweifelnd zu<br />
ihrem Freund herab, der langsam zu sterben schien.<br />
„Vertrau dir. Vertrau deinen Fähigkeiten, Braline. Schließ die Augen<br />
und bitte die Erdenmutter, all das Leben um dich herum, die<br />
Gesundheit d<strong>eines</strong> Freundes wiederherzustellen, sein Leben zu<br />
verschonen. Rufe nach Hilfe für ihn <strong>–</strong> nicht mit deiner Stimme, sondern<br />
mit deiner Seele. Bitte die Erdenmutter um Gerechtigkeit, um ihre<br />
schützende Hand und darum, durch dich, ihre <strong>Die</strong>nerin, ihm Heilung<br />
zukommen zu lassen.“<br />
„Aber ich...kann das doch...“<br />
- 46 -
„Es liegt dir in der Wiege. Du beherrschst es vorzüglich. Hab Vertrauen<br />
in die Erdenmutter, denn dann wird auch sie dir und deinen Worten<br />
vertrauen.“<br />
Noch immer sah sie den Tauren unsicher an. Der öffnete mit einem<br />
Mal seine Augen einen kleinen Spalt. Strahlend grüne Augen lagen<br />
unter den Lidern, blickten auf sie und fast durch sie hindurch, hinab bis<br />
in ihre Seele.<br />
„Hab Vertrauen. Du kannst es. Das weiß ich.“<br />
Nun schloss sie wirklich die Augen. In ihrem Geist murmelte sie Worte,<br />
flehte um Hilfe für den gestürzten Jäger und hob wie in Trance ihre<br />
Arme. Ein grünliches Glühen umgab ihre Finger, Hände und kurz<br />
darauf ihren gesamten Körper, während der Körper des Trolls leicht zu<br />
leuchten begann.<br />
Wunden begannen sich zu schließen, Knochen gaben ein leises<br />
Knirschen von sich, als sie wie von Geisterhand wieder<br />
geradegerichtet wurden und zusammenwuchsen. Nur die blutigen<br />
Spuren blieben auf der Haut des Trolls, jedoch keine Narben oder<br />
ähnliches. All das dauerte nur wenige Sekunden, die Braunpelz<br />
allerdings wie eine Ewigkeit vorkamen. Ihr Körper zitterte, schüttelte<br />
sich und versuchte sich zuerst gegen dieses warme, wohlige Gefühl zu<br />
wehren, ehe sie sich ihm gänzlich hingab.<br />
Genau in diesem Moment berührte der Taure ihre Schläfen.<br />
Wissen durchschoss ihren Kopf. <strong>Die</strong> Wärme war da, so stark und<br />
präsent wie noch niemals zuvor. Ständig hallten dieselben Worte in<br />
ihrem Kopf wider, rasten Bilder vor ihren Augen umher.<br />
<strong>Die</strong> Erde. Pflanzen. Bäume. Tiere. <strong>Die</strong> Luft. Wasser. Sogar das Feuer<br />
schien sie zu umkreisen.<br />
Jetzt spürte sie die Elemente, fühlte den Wind um sie herum und wie er<br />
jedes einzelne Haar ihres Körpers umschmiegte, fühlte die<br />
Wassertropfen und das darin millionenfach vorhandene Leben. Ein<br />
leises Flüstern glitt durch die Felder, ein dumpfes Brummen ging von<br />
den Bäumen aus. Sie hörte alles und jeden sprechen, jeden von ihnen<br />
in seiner eigenen Sprache und einem anderen, charakteristischen<br />
Klang.<br />
- 47 -
„Du hast deinen Weg gewählt, junge Taurin.“ hörte sie wieder die<br />
Stimme, sah nun aber keinen festen Körper mehr, sondern nur noch<br />
eine nebulöse, grüne Gestalt, deren Umrisse sie nicht fixieren konnte.<br />
„Der Pfad der Wiederherstellung und Heilung. Kalimdor und ganz<br />
Azeroth werden dir die Kraft geben, die du benötigst, um denen zu<br />
helfen, die jener Hilfe bedürfen. <strong>Die</strong> Tiere werden dir ihre Kraft<br />
schenken, damit du dich wehren kannst. Und bedenke dies: Jene<br />
Kurzlebenden vergessen vielleicht die guten Taten, die du vollbringst,<br />
das Land jedoch ist alt wie die Zeit und wird deine Taten niemals<br />
vergessen <strong>–</strong> wie auch immer sie sein mögen.“<br />
Braunpelz blinzelte. <strong>Die</strong> grüne Erscheinung vor ihr war mit einem<br />
Wimpernschlag verschwunden. Verdutzt rieb sie sich die Augen,<br />
blinzelte noch einige Male. Doch die Gestalt kam nicht wieder, blieb<br />
verschwunden.<br />
Dann schloss sie wieder die Augen, lehnte sich zurück und genoss die<br />
Wärme, die sie umgab. Ein so wunderbares Gefühl, so geborgen, so<br />
friedlich. Der smaragdgrüne Traum war eine Idylle der Schöpfung, wie<br />
sie einmal war oder sein sollte, ohne Humanoide, Dämonen, Tiere oder<br />
derlei. Nur die Landschaft, einige wenige Geistererscheinungen,<br />
Pflanzen...die Natur.<br />
Ein Paradies für die Seele, die hier unendlich umher streifen konnte,<br />
den Körper gänzlich vergessen und dennoch ohne einen Verlust<br />
weiterleben konnte, während im der wirklichen Welt der Leib langsam<br />
verdorrte. Doch Braunpelz spürte ihren Körper noch als eine Erinnerung<br />
in ihren Gedanken, hielt diese Erinnerung innerlich stets fest, um den<br />
Weg zurück zu finden.<br />
Und jener Weg wurde erschüttert. Etwas rüttelte an ihr, bewegte ihren<br />
Körper hin und her.<br />
Sie wurde neugierig, bog auf den Pfad, der sie zurück bringen sollte,<br />
glitt durch riesige, grün schimmernde Landschaften, vorbei an<br />
Bergketten und einem großen Wald, vorbei an einem großen<br />
Wasserfall, eine weitere Bergkette hinab über weite, grüne Wiesen.<br />
Dann wurde das grünliche Schimmern weniger, sie erblickte ihren<br />
Körper und glitt langsam wieder hinein.<br />
Sie blinzelte, sah dann das lange Gesicht <strong>eines</strong> Trolls vor ihren Augen,<br />
dessen Gesichtszüge vom fahlen Mondlicht nur knapp beleuchtet<br />
wurden. Viele kleine Riefen und eine Narbe auf der rechten Wange.<br />
Kein Gesicht von einem harten Krieger, aber auch k<strong>eines</strong> von einem<br />
verweichlichten Magier...das war offensichtlich ein Jäger.<br />
- 48 -
Tebo....<br />
„Ja Mann. Endlich wachste auf. Dachte schon du wärst irgendwie<br />
weg oder so was.“ kommentierte Teborasque mit mäßiger<br />
Begeisterung. Irgendetwas schien nicht zu stimmen....nur konnte sie<br />
sich nicht erklären, was eben das war.<br />
Ihr Blick glitt zur linken, wo ein enttäuscht aussehender Orc gerade<br />
einen tropfenden Beutel ausschüttete. Offensichtlich wollte er es noch<br />
damit versuchen, sie zu wecken. Irritiert berührte sie ihr Gesicht und<br />
merkte, das er offensichtlich schon mehr als eine Ladung Wasser über<br />
ihr entleert haben musste: Ihr Fell an Kopf und Oberkörper und auch<br />
ihre Lederoberbekleidung war schon triefend nass.<br />
„Wieso...was ist denn los?“ brachte sie schließlich hervor, nachdem sie<br />
dem hexenden Orc einen bösen Blick zugeworfen und ihre Augen<br />
wieder auf Tebo gerichtet hatte. Er hielt seinen Bogen in einer Hand,<br />
einen Pfeil in der anderen. Ein leises Fauchen ganz in der Nähe war zu<br />
vernehmen.<br />
„Wir haben Besuch, Kl<strong>eines</strong>.“ kommentierte Teborasque die Antwort<br />
und blickte in Richtung s<strong>eines</strong> Katers, der mit gesenktem Oberkörper<br />
drohend vor einem kleinen Häufchen Wesen stand, das eher an eine<br />
wandelnde Leiche als an irgendein Lebewesen erinnerte.<br />
Ein Gerüst aus Knochen und vereinzelten Fleischbrocken mit schief<br />
hängendem Kiefer. Doch nicht etwa nackt, sondern mit einer neuen,<br />
silbrig-lilanen Robe bekleidet, einem ebenso gefärbten Hemd, durch<br />
das die Rippen hindurch erkennbar waren und schwarzen Stiefeln, aus<br />
denen nur die Beinknochen oben heraus sahen. In einer Hand hielt die<br />
Gestalt einen Stab, die andere Hand war an einen Ledergürtel gelegt.<br />
Ein Hut hätte der Gestalt sicher gut gestanden <strong>–</strong> doch so standen die<br />
Haare, als wären sie in dieser Position fest einzementiert, steil nach<br />
hinten und gaben keine Regung von sich, als der Wind darüber strich.<br />
„Nette Begrüßung. Fast so warm und herzlich wie mein Puls.“<br />
grummelte der Untote, den Kater mit einem leeren Blick bedenkend.<br />
„Was willst du hier?“ fragte Teborasque schnell und mit fester Stimme,<br />
bereit, den Pfeil in seiner Hand jeden Moment abzuschießen.<br />
„Ursprünglich kam ich, um den hordischen Verbündeten zur Seite zu<br />
stehen. Doch sehe ich wohl, dass dies nicht erwünscht ist.“ brummte<br />
- 49 -
der Untote, nun die Taurin ansehend, die den Untoten umso deutlicher<br />
musterte.<br />
Sicher, sie hatte schon einmal von Untoten gehört, die auch in<br />
Donnerfels lebten. Doch sie war nie zu den Teichen gegangen, um<br />
ihnen einmal wirklich zu begegnen. Höhlen hatten für sie immer<br />
etwas...nun...Unangenehmes gehabt.<br />
Doch diese Gestalt dort...obwohl es widersinnig war, das etwas Totes<br />
wieder lebte, spürte sie in ihm das Leben...und kein schlechtes.<br />
Langsam erhob sie sich und ging in Richtung des Untoten. Teborasque<br />
wollte sie zuerst zurück halten, gab dann aber schnell auf als er<br />
merkte, dass er wohl eine Taurin nicht so wirklich festhalten konnte.<br />
Mit einer Hand strich sie über die Seite von Swift, der noch immer<br />
fauchend vor dem Untoten stand. Merkwürdigerweise beruhigte sich<br />
der Gepard mit einem Mal, sah kurz zu ihr und wandte sich dann um,<br />
ging zurück zu seinem Begleiter.<br />
„Ich spüre in dir eine große Macht und ein starkes Streben nach<br />
Leben. Wenn du willst, kannst du gerne bleiben und mit uns ziehen.“<br />
erklärte Braunpelz, während sowohl Teborasque und auch Vadarassar<br />
ihre Münder aufsperrten und nicht so recht glauben konnte, was diese<br />
Druidin da gerade über ihre Köpfe hinweg entschied.<br />
Der Untote nickte. „Es stimmt also, was man über die Tauren sagt. Sie<br />
sollen Dinge sehen und spüren können, die anderen verschlossen<br />
bleiben.“ erklärte er, sah dann zu den anderen.<br />
„Ich werde deiner Bitte entsprechen.“<br />
Mit diesen Worten ging er knapp an ihr vorbei und setzte sich nahe<br />
den anderen auf den Boden, schloss kurz die Augen und seine Hände<br />
und konzentrierte sich. Ein leichtes Glühen umgab seine Finger, ehe er<br />
sie wieder öffnete und einen großen Becher Sprudelwasser in Händen<br />
hielt.<br />
„Ein Magier also.“ brummte Vadarassar. „Wie nennt man dich denn,<br />
Flickwerk?“<br />
„Bwalkazz.“<br />
- 50 -
Kapitel 9 <strong>–</strong> HdW<br />
Ein letzter Versuch <strong>eines</strong> Schmerzenschreis entglitt der Kehle des<br />
Nachtelfen, ehe sein Körper zu einer einzigen Statue aus Eis wurde und<br />
kurz darauf in tausend Stücke zerbarst.<br />
Das Werk von Bwalkazz. Ein Magier, dessen emotionale Kälte nur noch<br />
von der Frostigkeit seiner Zaubersprüche überboten wurde. Knapp<br />
hinter ihm folgten der Orchexer Vadarassar, der Trolljäger und auch<br />
die Taurendruidin.<br />
„Ich mag diese Höhlen nicht...“ murmelte Braunpelz leise vor sich hin.<br />
„Ich weiß was du meinst, Mann.“ stimmte Teborasque zu. „Viel zu eng<br />
und verwinkelt. Da kann man kaum zielen und die Gegner sieht man<br />
erst, wenn’s schon zu spät ist.“<br />
„Das ist es nicht...“ murmelte sie weiter. „<strong>Die</strong>se...Enge. Ich mag Höhlen<br />
nicht. Und überall....dieses Krabbelzeugs.“<br />
Instinktiv schüttelte sie sich und zog eine etwa handgroße Spinne aus<br />
ihrem Fell, um diese kurz darauf zur Seite und ins Grün fliegen zu lassen.<br />
Leben und Tiere in allen Ehren, aber Spinnen....wieso ausgerechnet<br />
Spinnen?<br />
„Seid mal froh, das ihr noch nicht im Steinkrallengebirge ward.“<br />
grummelte Vadarassar zu den beiden hinter sich.<br />
„Da sind solche Spinnen nicht einmal die Babys der Viecher, die man<br />
zu Gesicht bekommt. Und Gerüchten zufolge soll es irgendwo in den<br />
Östlichen Königreichen noch größere geben.“<br />
Jetzt schüttelten sich sowohl Teborasque und Braunpelz kräftig.<br />
Riesenspinnen....igitt.<br />
Indes waren sie in der Höhle weiter voran gekommen. Der Magier<br />
ging, obwohl es alle erstaunte, dabei mutig voran, sah sich um und<br />
fror jeden Gegner, der sich der Gruppe nähern wollte, kurzerhand<br />
einfach ein. Als sie dann aber an einem wahren Riesen als Gegner<br />
ankamen war mit Einfrieren nichts mehr zu machen. Trotz s<strong>eines</strong><br />
offensichtlichen Mutes, den man vielleicht auch nur den Willen der<br />
Verlassenen nennen konnte, hatte der Magier noch etwas Verstand<br />
übrig, um sich mit dem wirklichen Riesen vor sich nicht alleine zu<br />
messen. Stattdessen sah er zu den anderen, nickte kurz dem Hexer zu<br />
und beschloss dann, dass dieser seinen Leerwandler nach vorn<br />
schicken solle.<br />
- 51 -
<strong>Die</strong> ersten Schläge hielt dieser auch recht gut aus, doch bereits nach<br />
dem vierten Volltreffer durch die riesige Faust des Gegners begann<br />
der dicht bläuliche Nebel, der den Leerwandler bildete, zu wabern.<br />
Kraft floss aus vielen Rissen der Hülle des Dämons, breitete sich wie ein<br />
Nebel um den Koloss aus. Ein weiterer Schlag und der Dämon war<br />
nicht mehr.<br />
<strong>Die</strong> vier erstarrten vor Schreck, als der Koloss auf sie zu walzte.<br />
Ausgerechnet Teborasque war es, der schnell genug reagierte, seine<br />
Axt zog und auf den Gegner zu stürmte, um ihm diese kurzerhand in<br />
die Beine zu schlagen. <strong>Die</strong> Wirkung war sofort spürbar: Nur noch<br />
strauchelnd bewegte er sich vorwärts, wandte sich nun aber dem<br />
Jäger zu.<br />
„Los Mann! Ich halte ihn hin, während ihr...“ begann Teborasque,<br />
wurde dann jedoch von einem Schwinger getroffen, der ihn<br />
kurzerhand mehrere Meter zurück und gegen eine der Felswände<br />
schleuderte. Sterne kreisten vor seinen Augen, während er einen<br />
metallischen Geschmack zwischen seinen Lippen wahrnahm.<br />
Blut.<br />
Sein eigenes Blut.<br />
Sofort schlossen Vadarassar und Bwalkazz ihre Augen, murmelten<br />
magische Formeln vor sich her. <strong>Die</strong> Hände des Untoten begannen<br />
blau zu glühen, während er seine Frostzauber wob und sie dem Koloss<br />
entgegen schickte. Vadarassar indes bewegte seine Lippen wie in<br />
Trance, seine Augen glühten während dämonische Silben seinen<br />
Mund verließen. Flüche von unaussprechlicher Abscheu sollten diesen<br />
Riesen heimsuchen, rissen an ihm, umgaben den immensen Körper,<br />
der dennoch weiter auf den taumelnden Jäger zu schritt und<br />
ausholte.<br />
Wie durch ein Wunder wich Teborasque dem Angriff aus, ließ die Arme<br />
tief hängen und hüpfte mit einem Mal von einem Bein auf das andere,<br />
war einmal hier, einmal dort und schwang immer wieder die Axt.<br />
Instinktiv hatte er sich auf eine Technik besonnen, die ihm sein Lehrer in<br />
jungen Jahren beigebracht hatte: Der Tanz des Affen. Auf diese Art<br />
und Weise konnte er Zeit gewinnen und seine Chancen, diesen<br />
kräftigen Schlägen auszuweichen, deutlich erhöhen.<br />
Während der Kampf verbissen weiterlief, stand Braunpelz hinten an<br />
und blickte hilflos zu, wie der Jäger wieder und wieder von Schlägen<br />
getroffen wurde. Wunde um Wunde zeichnete das Gesicht des Trolls,<br />
- 52 -
der aber immer noch seinen Tanz fortführte und den Giganten so<br />
beschäftigte. Ein weiterer Schwinger allerdings schickte ihn auf den<br />
Boden. Er wälzte sich, versuchte aufzustehen...doch die Kraft hierzu<br />
fehlte ihm. Das schien der Koloss ausnutzen zu wollen.<br />
Sie musste etwas tun. Irgendetwas....nur....wie?<br />
Sie sog die Luft tief durch ihre große Nase ein und schloss die Augen,<br />
während Teborasque das gleiche tat und innerlich schon mit seinem<br />
Leben abschloss.<br />
„Kalimdor. Erdenmutter, die du das Leben gibst, ich flehe dich an<br />
erhöre mich.“ flüsterte Braunpelz, die Arme seitlich von sich gestreckt.<br />
Nichts passierte.<br />
„Im Namen des Lebens, lass mich als <strong>Die</strong>nerin deiner Gnade auftreten.<br />
Ich bitte dich.“ flüsterte sie, holte abermals tief Luft.<br />
Erneut geschah nichts.<br />
„Erdenmutter....ich flehe dich an. Gib mir deinen Segen...“ murmelte<br />
sie ein drittes Mal und öffnete dann ihre Augen.<br />
Der Koloss stand regungslos dort, seine Faust zum letzten Schlag<br />
erhoben. Ein Frostblitz von Bwalkazz hing zwischen ihm und dem Koloss.<br />
Dicht daneben schimmerte eine schwarze Energiekugel in allen<br />
Schattierungen der Dunkelheit.<br />
Teborasque lag noch immer am Boden und regte sich ebenso wenig,<br />
wie sich nichts anderes in der Höhle regte.<br />
Nichts außer einem grünen, intensiven Licht, das Braunpelz mit einem<br />
Mal umgab.<br />
„<strong>Die</strong> <strong>Die</strong>nerin der Erdenmutter ersucht um den Segen und die Gabe,<br />
die Lebensenergie und Gesundheit jener, die auf mir schreiten, zu<br />
erneuern. Es sei dir gewährt.“ hauchte die Stimme.<br />
Das grüne Licht wandelte sich in Nebel, umgab die Druidin, bildete<br />
einen Ring um sie und schoss dann in sie hinein. Nun glühte sie selbst<br />
grünlich, spürte mit einem Schlag eine enorme Kraft auf sich wirken.<br />
Worte schossen durch ihren Kopf, legten sich auf ihre Zunge, während<br />
ihre Augen allein auf Teborasque lagen.<br />
<strong>Die</strong> grüne Farbe verschwand von ihrem Körper. Lediglich ihre Hände<br />
begannen grünlich zu glühen, als sich Silben auf ihre Lippen und von<br />
diesen schlichen.<br />
„Pfade des Lebens, hört mein Flehen und heilt diesen euren <strong>Die</strong>ner.“<br />
rief sie, deutete auf Teborasque.<br />
- 53 -
Das grüne Glühen verließ ihre Hände, schoss mit einem Schlag zu dem<br />
Jäger herüber und traf diesen mit einer Wucht, die nur mit einem Sturz<br />
vom Zeppelinturm vergleichbar sein könnte. <strong>Die</strong> Wunden<br />
verschwanden fast augenblicklich und seine Kraft kehrte schlagartig<br />
zurück. Gerade im letzten Moment brachte er noch die Axt hoch, um<br />
diese in den Arm des Kolosses zu bohren.<br />
<strong>Die</strong> beiden magiebegabten waren überrascht <strong>–</strong> war das ihre Druidin<br />
gewesen? Einen Augenblick drehten sie sich nach hinten und starrten<br />
Braunpelz an. Doch anstatt sich von den Blicken verunsichern zu<br />
lassen, begannen ihre Hände erneut zu glühen.<br />
„Erdenmutter, strafe diesen mit deinem Zorn!“ fauchte sie und<br />
schleuderte zwei grünliche Bälle gegen das Ungetüm, ehe sie die<br />
Arme nach oben riss und über den Koloss zeigte.<br />
Es bröckelte. Einige Steine brachen herab, gaben einen winzigen Spalt<br />
nach außen frei.<br />
„Elune! Mutter Mond, stehe diesen <strong>Die</strong>nern Kalimdors zur Seite und wirf<br />
deine Macht auf diesen Feind!“ rief Braunpelz, deutete auf den Koloss.<br />
<strong>Die</strong> kleine Felsspalte reichte überraschenderweise, damit ein dünner<br />
Hauch Mondlicht in die Höhle hinein fallen konnte, um den Koloss zu<br />
treffen. Es war intensiv, verbrannte Haut und Fels überall dort, wo es<br />
den Gegner berührte. <strong>Die</strong>ser taumelte nun, wurde erneut von Frost-<br />
und Schattenblitzen getroffen und spürte kurz darauf ein letztes Mal<br />
die metallene Klinge von Teborasques Axt. Dann sank er zu Boden und<br />
hauchte sein Leben aus.<br />
Braunpelz sank ebenfalls zu Boden, stützte sich auf den Knien hockend<br />
mit beiden Händen ab, um nicht gänzlich umzukippen.<br />
„Mann! Wie haste das denn gemacht?!“ rief Teborasque überrascht.<br />
„Ich....weiß es nicht....“ japste Braunpelz, nach Luft ringend.<br />
„Also kannst du doch heilen. Hab doch gesagt, dass Druiden das<br />
immer können. Mussteste nur herausfinden.“ munterte Teborasque die<br />
Druidin mit einem Klaps auf den Rücken auf, während sie draußen vor<br />
der Höhle am Lagerfeuer saßen und sich über die herbeigezauberten<br />
Brotlaibe von Bwalkazz her machten.<br />
„Ich weiß nicht so recht. Was, wenn das nur dieses Mal geklappt hat?<br />
Ich bin nicht wirklich zuverlässig...“<br />
- 54 -
„Nu hör doch mal auf Kl<strong>eines</strong>. Du bist noch jung. Überleg mal <strong>–</strong> so<br />
junge Druidinnen gibt es doch nirgends. Das wird noch werden. Jeden<br />
Tag wirste etwas besser. Wirst schon sehen.“ sagte Tebo, griff in seine<br />
Tasche und holte ein großes Stück Fleisch heraus, um es in Richtung<br />
<strong>eines</strong> Busches zu werfen. Es war noch nicht ganz am Gebüsch<br />
angekommen, als ein Schatten in die Luft sprang, das Fleisch noch im<br />
Flug mit den Zähnen schnappte und dann, ohne irgendein Geräusch<br />
zu verursachen, wieder im Geäst landete.<br />
„Meist du?“ fragte sie, den Troll nun direkt anblickend. Doch der<br />
lächelte nur.<br />
„Meine ich.“<br />
„Ziemlich mächtig diese Frostmagie.“ bemerkte Vadarassar, den<br />
Untoten etwas genauer betrachtend. Eigentlich hatten die beiden<br />
einiges gemeinsam: Beide gehörten zu den ursprünglich Geächteten<br />
des Großen Krieges. Es waren schließlich die Hexenmeister, die so viel<br />
Schlimmes über die Welt gebracht hatten....und die Geißel, die aus<br />
ihren Lehren entstanden war. Fast schon ein wenig zynisch, das nun<br />
gerade diese beiden nebeneinander saßen, sich einen großen<br />
Brotlaib teilten und gegen die Überbleibsel der Brennenden Legion<br />
und der Geißel antreten wollten.<br />
„Wenn die Kälte von Herzen kommt, kann sie vieles bewirken.“<br />
brummte Bwalkazz, die Hälfte des Brotes dank s<strong>eines</strong> schiefen Kiefers<br />
dabei über seiner Robe verteilend.<br />
„Und glaub mir <strong>–</strong> mein Herz ist so kalt wie Northrend.“<br />
„Glaube ich sofort.“<br />
An diesem Abend wurden zwei wirklich enge Freundschaften<br />
geschlossen. <strong>Die</strong> zwischen einem Jäger und einer Druidin und die<br />
zwischen einem Magier und einem Hexenmeister.<br />
- 55 -
Kapitel 10 <strong>–</strong> Dämonische Weiten<br />
<strong>Die</strong> Druidin war also doch nützlich gewesen. Obwohl sie die ganze Zeit<br />
über das Gegenteil behauptet hatte, war ihre Heilkraft sogar größer,<br />
als jene von den Druiden, denen Vadarassar bisher begegnet war. Ob<br />
sie diese Kräfte nun per Zufall entdeckt oder nur vor den anderen<br />
verborgen hatte <strong>–</strong> der Hexenmeister wusste darauf keine wirkliche<br />
Antwort. Es war ihm auch egal, hatte er die Druidin nach einem kurzen<br />
Ausflug ins Steinkrallengebirge lauthals kreischend wieder Richtung<br />
Brachland rennen sehen. Der Jäger war ihr gefolgt und nun wohl mit<br />
ihr zusammen über alle Berge, während der Hexenmeister in einer<br />
verbrannten, dürren Ebene stand.<br />
Desolace nannte man die Gegend hier. Desolat....das passte wirklich.<br />
Der Geruch des Meeres lag ihm in der Nase, wurde aber von einem<br />
stechenden Geruch überlagert. Überall tote Weiten, eine Festung mit<br />
wahnsinnigen Orcs und allerorten spürte er die Präsenz von Dämonen.<br />
Letzteres beruhigte ihn sogar etwas, obwohl er sich im Klaren war, dass<br />
er nicht über alle von diesem Schlag die Kontrolle übernehmen<br />
konnte. Doch ein Teil von ihm gehörte zu diesen Wesen der Finsternis.<br />
Also würden sie ihn sicher nicht ebenso schnell zerfleischen, wie sie es<br />
für gewöhnlich mit den vielen anderen Reisenden taten, deren<br />
Überreste am Wegesrand verstreut lagen.<br />
„Finster wie deine Seele dieses Land.“ bemerkte eine bekannte<br />
Stimme hinter dem Hexenmeister.<br />
Vadarassar drehte sich um und erblickte den Magier Bwalkazz, wie er<br />
hinter ihm stand und mit seinem schiefen Kiefer ein Grinsen zum Besten<br />
gab.<br />
„Hier musst du dich doch wie zu Hause fühlen. Mit den vielen<br />
Dämonen um dich herum...“<br />
Vadarassar nickte knapp. „Etwas, jedoch sind diese hier nicht wirklich<br />
zweckdienlich. Sie sind böse.“<br />
„Sind das nicht alle Dämonen auf eine gewisse Art?“<br />
„Vielleicht. Jedoch sind von Grund auf böse Dämonen, die einem<br />
nützlichen Zweck dienen, nützlich und damit gut.“<br />
„Eine merkwürdige Logik, die ihr Hexenmeister da verfolgt.“<br />
schlussfolgerte Bwalkazz und ging an Vadarassar vorbei.<br />
„Dort hinter dem Berg ist eine Siedlung der Trolle. Der sollten wir einen<br />
Besuch abstatten.“<br />
- 56 -
„Woher willst du das denn wissen?“ brummte Vadarassar seinen<br />
Begleiter wider Willen. Doch der sah nicht zurück, ging stattdessen mit<br />
seinem hageren Körper einfach weiter und deutete mit einem<br />
knöchrigen Daumen nach rechts.<br />
„Dort oben stand ein Taure. Faselte was von nem fetten Fisch, den er<br />
sich grillen wollte. Will nen stattliches Sümmchen dafür. Und das<br />
einzige, was wir dafür tun müssen, ist mit dem Angler in dem Kaff zu<br />
reden und einen zu besorgen.“<br />
Wir? Seit wann hatte Vadarassar diese wandelnde Leiche bittesehr<br />
eingeladen? Nicht das er etwas gegen Tote hatte. Jedoch<br />
bevorzugte Vadarassar tote Körper dann, wenn sie entweder auf dem<br />
Feld und unter den Ausläufern seiner Flüche zerfallend herumlagen<br />
oder bereits einige Fuß tief im Boden verscharrt waren. Bwalkazz<br />
erfüllte keine dieser Bedingungen und störte sich auch nicht daran,<br />
das ihm beim Essen mehr aus dem schiefen Kiefer heraus fiel und <strong>–</strong><br />
floss, als ein wild fressender Orc sich bei einem Festmahl neben den<br />
Mund schieben konnte. Und als wäre das noch nicht alles, konnte<br />
man seinen verfaulenden Eingeweiden, die über und über mit<br />
Löchern, Rissen und sehr unfachmännisch angebrachten Flicken<br />
bedeckt waren quasi live bei der Verdauung der magischen Kost<br />
zusehen, wenn dieser die Robe etwas raffte oder mal wieder meinte,<br />
mit freiem Oberkörper herum zu laufen. Glücklicherweise kam letzteres<br />
sehr selten vor, was wohl auch daran lag, das um ihn herum jeder<br />
unverzüglich seinen Appetit verlor, wenn er sich beim Essen<br />
entblätterte.<br />
Der Weg war überraschend lang, führte an einigen Zentaurenlagern<br />
vorbei und schließlich an eine Stelle, die Vadarassar das Herz höher<br />
und Bwalkazz selbiges tiefer sacken ließ: Mannorcs Koven, eine riesige<br />
Zuflucht für Dämonen. Dutzende, nein hunderte von Dämonen liefen<br />
hier herum. Teufelsjäger <strong>–</strong> jene manafressenden Magierschrecken, die<br />
einen Magier mit ihren Tentakeln einfach aussaugen konnten, flankiert<br />
von Teufels- und Verdammniswachen, Höllenbestien und Sukkubi<br />
verteilten sich gleichmäßig, zischten einander an und linsten böse zu<br />
den beiden Wanderern. Zu einem Angriff kam es wundersamerweise<br />
jedoch nicht. Vielleicht fürchteten sie hierbei einen herben Rückschlag<br />
zu erleiden, vielleicht hatte aber auch eine höhere Macht etwas<br />
Wichtigeres mit ihnen vor. Wer konnte schon in die Köpfe dieser<br />
Dämonen blicken?<br />
Bwalkazz beschleunigte seinen Schritt, behielt den Weg fest im Auge<br />
und passierte den Koven so schnell er nur konnte, bemerkte erst am<br />
- 57 -
anderen Ende, das Vadarassar stehengeblieben war und in eine<br />
Richtung des Kovens starrte.<br />
Einen Moment zögerte er, dann ging er auf den Orchexenmeister zu.<br />
„Was machst du hier? Beweg dich, bevor die auf uns losgehen.<br />
Gegen ein paar von denen können wir zwar kämpfen, aber lange<br />
nicht gegen alle.“<br />
Vadarassar nickte schwach, blickte dennoch weiter in dieselbe<br />
Richtung. Nun folgte Bwalkazz dem Blick des Hexers.<br />
Ein einzelner Sukkubus lag in Blickrichtung des Hexers. Nichts<br />
ungewöhnliches...nicht einmal die Tatsache, das sie dort ohne andere<br />
Dämonen herum stand und an einer Säule lehnte.<br />
„Was starrst du diese Dämonin an? Flirtest du oder was soll das<br />
werden?“ knurrte der Magier, wollte die Hand des <strong>Hexenmeisters</strong><br />
ergreifen, der unvermittelt einen Schritt in Richtung des Sukkubus<br />
machte.<br />
„Sieh sie dir genau an.“ murmelte Vadarassar, dann zu dem Magier<br />
sehend.<br />
„Was soll ich da sehen? Ein Dämon. Genau so wie mindestens fünf<br />
Dutzend andere hier um uns herum. Und allesamt sind sie mir<br />
unsymphatisch.“<br />
„Du verstehst nicht wirklich etwas von der Legion, oder?“ brummte<br />
Vadarassar weiter, musterte die Dämonin dabei genau. Dann nickte<br />
er <strong>–</strong> sein Verdacht bestätigte sich.<br />
Bwalkazz verstand nicht, worauf der Hexer hinaus wollte, fragte aber<br />
auch nicht. Eine Antwort bekam er trotzdem kurz darauf direkt serviert.<br />
„Bei der Brennenden Legion gibt es ein Gesetz von Kampf, Stärke und<br />
Gnadenlosigkeit. Jeder Dämon ist nur so lange nützlich, wie er seine<br />
Aufgabe erfüllt. Verletzte werden abgestoßen wie ein zerbrochenes<br />
Werkzeug. Schwache werden ausgesondert und solche, die Gnade<br />
zeigen, abgeschlachtet.“<br />
„Und? Was willst du mir jetzt sagen?“ brummte der Magier. Doch<br />
Vadarassar deutete auf den Sukkubus, jene Dämonin mit einer<br />
aufgerollten Peitsche aus schwarzer Energie und überaus enger<br />
Bekleidung.<br />
„Einen Dämon, der vollständig unter der Kontrolle und der Gnade der<br />
Legion steht, kann ich nur eine begrenzte Zeit versklaven. Aber einen,<br />
der ausgegrenzt wird oder der ausgestoßen wurde, kann ich<br />
- 58 -
dauerhaft kontrollieren. Und ein Sukkubus wäre eine große<br />
Bereicherung für mich.“ murmelte Vadarassar, nun mit einem<br />
siegessicheren Lächeln auf den Lippen. Durch seine dunkle Aura<br />
wirkte dieses Lächeln sogar noch bedrohlicher, als er es eigentlich<br />
beabsichtigt hatte.<br />
Bwalkazz verstand ihn noch immer nicht, ging aber zusammen mit<br />
dem Hexer einige Schritte näher an das zerschlagene Gebäude<br />
heran, auf deren Trümmern sich die Sukkubi aufhielt. Erst jetzt fiel dem<br />
Magier auf, was Vadarassar wohl schon vorher gesehen hatte.<br />
<strong>Die</strong>se Dämonin hatte sich mit Absicht weiter von den anderen entfernt<br />
<strong>–</strong> wahrscheinlich, damit niemand ihre Lage bemerkte. Immer wieder<br />
sah sie sich nach den anderen um, wollte wohl den Blicken der<br />
Wächter und ihresgleichen entkommen. Jedes Mal, wenn sie sich<br />
sicher fühlte, drehte sie ihren Rücken ein wenig, hob ihr linkes Bein und<br />
rieb mit beiden Händen über ihr Knie, um es dann wieder langsam<br />
abzusetzen und dabei leicht zusammen zu zucken.<br />
„Sie ist verletzt...“ brummte Bwalkazz.<br />
Vadarassar nickte, blickte auf die Trümmer der Ruinen. „Bei den<br />
Trümmern hier überall nicht unwahrscheinlich. Sie ist bestimmt gestürzt<br />
und hat sich das Knie verdreht, gebrochen oder sonst etwas.<br />
Jedenfalls ist sie damit für die Legion wertlos <strong>–</strong> und das weiß sie auch.<br />
Deswegen ist sie hier. Ich schmecke geradezu ihre Todesangst.“<br />
„Und was willst du jetzt tun?“ fragte Bwalkazz, der zusammenzuckte,<br />
als der Hexenmeister mit einem Mal weiter auf die Ruinen zuschritt.<br />
„Bleib zurück <strong>–</strong> ich kümmere mich schon um sie.“ sagte er kühl und<br />
stieg die Trümmer hinauf.<br />
Ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als sich die Sukkubi wieder ihrem<br />
Knie widmete, tauchte Vadarassar hinter der Säule auf und stand mit<br />
einem Mal vor der Dämonin. <strong>Die</strong> griff nach ihrer Peitsche und wollte<br />
auf den Hexer zu stürmen. Allerdings war ihr Bein wohl anderer<br />
Meinung, sackte unter ihr weg und ließ sie auf die Knie sinken.<br />
„Du musst nicht vor mir knien, Dämonin. Dazu besteht keine<br />
Veranlassung.“ spottete der Hexenmeister.<br />
„Orcgewürm! Ich werde dich Schmerzen lehren!“ fauchte die Sukkubi,<br />
ihre Peitsche wehen lassend.<br />
Sie traf Vadarassar an der Seite, hinterließ einen Riss in seiner Robe,<br />
unter dem ein dünner roter Streifen erkennbar wurde. <strong>Die</strong> Augen des<br />
Hexers verengten sich.<br />
- 59 -
„Allein? Ich denke nicht, dass deine Chancen dabei gut stünden. Ruf<br />
lieber einige deiner Freunde dazu, damit sie dich tragen können.“<br />
grummelte Vadarassar, griff dann nach ihr und bekam die Peitsche<br />
mit einer Hand zu fassen. Sofort spürte er das Brennen des schwarzen<br />
Geisterleders in seiner Hand, ließ jedoch nicht los.<br />
„Ich will nicht mit dir kämpfen. Würde ich das, wärst du schon tot. Und<br />
auch wenn du mich besiegst, würdest du sterben. Aber es gibt noch<br />
einen Weg. Einen Weg, der für uns beide nützlich sein könnte.“ knurrte<br />
Vadarassar, die Schmerzen in seiner Hand so gut er konnte<br />
ignorierend.<br />
Der Sukkubus starrte ihn ungläubig an. Der Griff an ihrer Peitsche<br />
lockerte sich, das dunkle Lodern ebbte ab.<br />
„Du willst mich versklaven. Doch ich bin frei.“<br />
„So frei, das du dich vor d<strong>eines</strong>gleichen versteckst, damit sie deine<br />
Schwäche nicht sehen.“ schoss Vadarassar zurück.<br />
Sie biss sich auf die Lippe. Der Hexenmeister hatte sie durchschaut. Es<br />
machte keinen Sinn mehr, ihn zu belügen. Und obwohl ihr Hass dem<br />
Orc gegenüber unvermindert war, reagierte ihr Verstand rechtzeitig<br />
und lenkte ihre Hand.<br />
Sie ließ ihre Peitsche und dann sich selbst fallen. „Beweise, dass du<br />
mein Vertrauen wert bist, Hexenmeister. Beweise es und ich werde dir<br />
folgen.“<br />
Er blickte sie an, griff in seine Tasche und holte einen Edelstein heraus,<br />
der in einem satten Lila glänzte und leuchtete. Dann hielt er diesen vor<br />
die Dämonin.<br />
Sie nahm den Stein und legte ihn sich auf die Brust. Aus dem Splitter<br />
einer Seele wob sich eine Halskette, die sich um ihren Nacken legte<br />
und kurz darauf zu pulsieren begann.<br />
„Eine Seele....Hexenmeister, du schenkst mir eine Seele. Wenn du es<br />
wirklich derartig ernst meinst, werde ich mit dir kommen.“ antwortete<br />
sie nickend.<br />
„Dann streck dein Bein aus und lass mich sehen, was dich plagt.“ wies<br />
der Hexer die Dämonin an, die diesem Befehl sofort folgte.<br />
<strong>Die</strong> großen, grünen Hände des Hexers wanderten über ihr Knie,<br />
schienen den Grund für ihre Pein zu ertasten versuchen. Dann erhob er<br />
sich und reichte ihr eine Hand.<br />
„Nichts gebrochen oder sonst wie schlimm verletzt. Das Bein wird<br />
heilen, wenn du ihm Zeit gibst.“ schlussfolgerte der Hexenmeister und<br />
- 60 -
griff der Sukkubi kurzerhand unter die Schulter, stützte sie den Weg bis<br />
aus dem Koven heraus.<br />
„Wie du meinst, Meister.“ antwortete sie, mit jedem Moment immer<br />
mehr dem Hexenmeister verfallend, um bereits nach wenigen Minuten<br />
jegliche Erinnerung an die Legion und ihre <strong>Die</strong>nerschaft in eben jener<br />
völlig vergessen zu haben.<br />
- 61 -
Kapitel 11 <strong>–</strong> Im Dschungel<br />
Der Geruch von frisch gefangenem Fisch, das Knarzen von<br />
Holzplanken, Flattern von Segeln, eine steife Brise, die durch die Bucht<br />
zog und die Unterhaltungen, Beschimpfungen, Flüche und Schreie auf<br />
die weite See trug, während das Schiff langsam festmachte und die<br />
zur Gangway improvisierte Plankenkonstruktion herüber gehievt<br />
wurde.<br />
Booty Bay. Ein Heimathafen für Piraten und alles mögliche andere<br />
Gesindel, von dem ein ehrlicher Geschäftsmann in etwa so weit<br />
entfernt war wie eine Portion Aas Surprise von einem delikaten<br />
Mittagessen.<br />
Mit reichlich zitternden Knien wackelte Braunpelz von dem Schiff<br />
herunter. Ihre große Taurennase war leicht grünlich verfärbt, während<br />
ihr hagerer Begleiter keine derartigen Anzeichen an sich hatte.<br />
„Erst dieses Geschrei von Spinnen und dann auch noch diese<br />
Seefahrerkrankheit. Mann, du bist wirklich nicht sonderlich robust<br />
gebaut.“ bemerkte Teborasque, sie noch einmal musternd. Dann<br />
bemerkte er, wie überaus unpassend diese Feststellung war. Eine<br />
Taurin als ‚nicht robust’ zu bezeichnen....ähem....was waren dann<br />
Elfen? Daran gemessen müssten die ja in der Mitte durchbrechen.<br />
Aber nee...das war nen anderes Thema.<br />
„<strong>Die</strong>ses ständige...Schwanken. Ich bin für die Natur gebaut. Für den<br />
festen Boden.....nicht für so etwas....“ konterte die Druidin und sah sich<br />
um. Wenigstens war sie nun von halbwegs festen Holzplanken<br />
umgeben. Wenngleich auch einige davon unter ihren Hufen<br />
beängstigend knarzten und knackten.<br />
„Du hast Schiss vor Spinnen, also ist es logischer, hier etwas zu<br />
unternehmen. Im Schlingendorntal gibt’s keine Spinnen. Zumindest hat<br />
man mir das erzählt.“<br />
„Hoffen wir das stimmt...“ brummte Braunpelz und sah sich weiter um.<br />
Piratenzubehör. Interessant...doch leider nichts Schönes aus Leder.<br />
Dafür hatte der örtliche Händler einige nette Rezepte für sie im<br />
Angebot. Und siehe da: Der Goblin dort wollte sogar einige<br />
Goldmünzen loswerden. Allerdings nur gegen Häute von einigen<br />
speziellen Krokolisten.<br />
Krokolisken...na ja...wenigstens keine Spinnen....<br />
- 62 -
Unterdessen....irgendwo mitten im wirbelnden Nether....<br />
„Und ich sag es dir noch mal: Wir sollten uns wehren! Wenn du und ich<br />
zusammen in die Welt der Sterblichen gehen würden, könnten wir ihn<br />
locker unterjochen!“ zischte Jubtuk.<br />
„Ach lass ihn doch. Er ist Herr. Er sorgt für uns. Er hat uns vor der Legion<br />
bewahrt und uns vor dem Tod gerettet. Unser Ende bei der<br />
Brennenden Legion wäre viel schlimmer.“ antwortete der Leerwandler<br />
mit übertrieben langgezogenen Worten und sehr langsamer Stimme.<br />
„Hathmon du hohler Kessel. Hast du zu viele Schläge auf deine breite<br />
Rübe bekommen oder wieso willst du die Tatsachen nicht erkennen?<br />
Der Kerl versklavt uns! Wir sind nur seine räudigen <strong>Die</strong>ner, gerade gut<br />
genug für die Drecksarbeit!“<br />
„Der Herr wird gut für uns sorgen. Der Herr gibt uns ein sicheres Zuhause<br />
und ruft uns nur, wenn er uns braucht.“<br />
„Wenn er uns braucht!“ spottete der kleine Wichtel. „Der Kerl nutzt uns<br />
aus! Ohne uns wäre er doch ein Nichts!“<br />
„Wenn er ein Nichts wäre, dann wären wir jetzt nicht hier....“<br />
antwortete der Leerwandler erneut und schwebte zu einer silbrig<br />
schillernden Wasserquelle hin, um seinen Durst zu stillen.<br />
Ein leichtes Beben ging durch den wirbelnden Nether um sie herum.<br />
Nebel zog sich zu einer Wolke zusammen und wurde langsam dichter.<br />
Grob konnte man die Umrisse <strong>eines</strong> anderen Dämons erkennen....<br />
„Sieh mal einer an <strong>–</strong> da kommt ein neuer Besucher. Ein weiterer<br />
Teilnehmer an unserer Party!“ zischte Jubtuk und sprang wild auf die<br />
Nebelgebilde zu, die sich nun auflösten und den Blick auf den neuen<br />
Dämonen freigaben.<br />
„Ein Sukkubus! Na sieh mal einer an <strong>–</strong> jetzt kriegen wir hier auch noch<br />
so ein schönes Mitglied für unseren Club der Unterjochten!“ jubelte der<br />
Wichtel und hüpfte vor der Dämonin hin und her.<br />
„Gestatten <strong>–</strong> Jubtuk mein Name. Ich bin hier der Kopf des ganzen, der<br />
Chef sozusagen. Aber für dich bin ich gern der kleine Jubbi.“ sachte er<br />
lächelnd und blieb dann, die Dämonin anlächelnd, vor ihr stehen.<br />
- 63 -
<strong>Die</strong> Dämonin blickte nach unten zu dem Wichtel, hob dann die Nase,<br />
ein Bein und verpasste dem kleinen kurz darauf einen Tritt, der selbigen<br />
einige Meter weg und dann gegen eine vorher unsichtbare Wand<br />
donnern ließ, von der er langsam herunter tropfte und auf der Stirn<br />
aufschlug.<br />
„Fierneri für dich. Und ich bin nur meinem Geliebten verfallen. <strong>Die</strong>ser<br />
liebreizende Orchexenmeister, der mich aus den tödlichen Fängen<br />
der Legion gerettet hat. Mein schwarzes Herz gehört nur ihm. Und du<br />
Wicht bleibst mir von der Pelle, verstanden?“ zischte sie und ging dann<br />
langsam auf die Quelle zu, aus der sich auch Hathmon bediente.<br />
Jubtuk hingegen rappelte sich auf und befühlte seinen Kopf. Er spürte<br />
eindeutig, wie ihm ein drittes Horn wuchs...außerdem würde sich der<br />
Hufabdruck auf seinem Hinterteil sicher nicht sonderlich gut machen...<br />
Sukkubi....er hätte wissen müssten, das einige von diesen verdammten<br />
Verführerinnen so stur und beharrlich waren....<br />
...und dabei so wunderschön. Doch dieser neunfach verfluchte Orc.<br />
Irgendwann würde die Zeit kommen, zu der Jubtuk derjenige welcher<br />
wäre.....ja....bald schon!<br />
Mittlerweile war es auch im Dschungel dunkel geworden. <strong>Die</strong><br />
Krokolisken waren erlegt und ihre ledrige Haut abgezogen. Nun<br />
brannte ein kl<strong>eines</strong> Feuer mitten in einer Lichtung. <strong>Die</strong> wenigen Tiger<br />
und Panther, die umherstreiften wären gerne auf die beiden<br />
losgegangen, doch einerseits beeindruckte sie die Aura der Druidin<br />
genug, um sie als einen Teil der Natur zu akzeptieren, andererseits<br />
wusste der Begleiter von Teborasque hervorragend sein Revier <strong>–</strong> einen<br />
Umkreis von hundert Metern um die beiden Zweibeiner herum <strong>–</strong> zu<br />
behaupten. Der einzige Tiger, der dumm genug war, näher heran zu<br />
kommen, hatte die Krallen des kampferprobten Geparden, kombiniert<br />
mit zwei festen Bissen und kurz darauf noch einen Pfeil in seiner Seite<br />
spüren dürfen. Das war vor gut zwei Stunden gewesen....<br />
....jetzt erinnerte nur noch das abgezogene Fell und das über dem<br />
Feuer brutzelnde Tigerfleisch an die Dummheit. Swift hatte seinerseits<br />
den größten Teil abbekommen <strong>–</strong> beide Hinterkeulen <strong>–</strong> und knabberte<br />
darauf herum, warf den sich annähernden Tigern dabei einen<br />
demonstrativen Blick zu. Allein diese Tatsache reichte schon, um<br />
jegliche Tiger im Umkreis die Flucht ergreifen zu lassen.<br />
- 64 -
„Der Dschungel hier ist angenehm. So...alt und unberührt.“ stellte<br />
Braunpelz fest, die Kräuter in ihrer Hand betrachtend, um kurz darauf<br />
von jedem Stängel jeweils ein Blatt abzureißen, es zwischen den<br />
Fingern zu zerdrücken und daran zu schnuppern.<br />
„Und Kräuter wachsen hier...in Hülle und Fülle.“<br />
„Es ist das Land meiner Vorfahren und Verwandten.“ brummte<br />
Teborasque, in seine Bastelei vertieft.<br />
„So?“ fragte die Taurin verwundert. „Stimmt, ich meine an einigen<br />
Stellen Speere und Pfeile trollischer Machart gesehen zu haben. Deine<br />
Verwandten also?“<br />
„Ferne Verwandte. Und keine netten. Eine lange <strong>Geschichte</strong> rund um<br />
Macht, Krieg, Treue, Verrat und falsche Götter.“ brummte er, blickte<br />
dann in seine Tasche und murmelte etwas vor sich hin.<br />
„Klingt ja nicht unbedingt sehr erfreulich. Aber sag mal <strong>–</strong> was treibst du<br />
denn da?“<br />
Teborasque reagierte zuerst nicht, wühlte seine Tasche einmal quer<br />
durch. Dann grinste er und zog eine kleine, unscheinbare<br />
Eisenschraube aus der Tasche heraus.<br />
„Gefunden.“ sagte er triumphierend. Erst dann sah er zu der Taurin.<br />
„Der Bogen ist hinüber. Einfach in der Mitte durchgebrochen. Aber das<br />
hier ist besser als jeder Bogen. Eine Flinte....und nicht irgendeine. Ich<br />
muss nur noch die eine Schraube hier einsetzen und dann zeige ich dir<br />
mal, was ich meine.“ orakelte der Jäger mit einem Grinsen, das immer<br />
breiter wurde.<br />
Einige Momente später war die Flinte auch schon fertig zusammen<br />
gesetzt und wartete geradezu auf den ersten Test. Schnell lud der Troll<br />
die Flinte und zeigte demonstrativ auf einen weit entfernten Stein.<br />
„Jetzt sieh mal zu: Mit einem Schuss kann ich problemlos diesen Stein<br />
da spalten. Drei, zwei, eins, Feuer!“<br />
*BUMM*<br />
Ein mächtiger Knall scheuchte im Umkreis von zwei Meilen die Vögel<br />
aus den Bäumen und ließ die wenigen Panther, die sich wenigstens<br />
auf die hundert Meter angenähert hatten, panisch die Flucht<br />
ergreifen. Alles war in dichten, schwarzgrauen Rauch gehüllt, der sich<br />
nur langsam lichtete.<br />
Braunpelz hustete und wedelte mit beiden Händen, sah dann zu<br />
Teborasque herüber, der noch immer in gleicher Position stand, wie<br />
gerade, als er die Flinte abgefeuert hatte. Sein Gesicht war schwarz<br />
- 65 -
vor Ruß, der metallene Lauf gesplittert und aufgefächert wie eine<br />
Palme. Ein einzelner Huster entglitt dem Trollgesicht, dann sah er zu der<br />
Taurin, hob die Schultern und grinste die verschreckte Druidin mit<br />
seinem schwarzen Gesicht an.<br />
„Naja...es besteht wohl noch Optimierungsbedarf denke ich.<br />
Goblintechnologie eben.“<br />
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Kapitel 12 <strong>–</strong> Abgetaucht<br />
Eine ungewöhnliche Ruhe durchdrang die Träume der Druidin seit den<br />
letzten Tagen und Wochen. Vorbei waren die ständigen Lektionen, die<br />
Gespräche mit ihrem Lehrmeister, der ihr so vertraut schien und den sie<br />
dennoch niemals wirklich gesehen hatte. Ausgerechnet diese dichte<br />
Umgebung hier im Dschungel, so fern von ihrem eigentlichen<br />
Heimatland, ließ ihre Gedanken, ihre Sinne auf eine Reise gehen, die<br />
in die Unendlichkeit reichten. Immer wieder sah sie den Dschungel aus<br />
den verschiedensten Augen <strong>–</strong> einmal mit den Augen <strong>eines</strong> bulligen,<br />
starken Bären, dann aus denen einer flinken, schlanken Katze. Ein<br />
weiteres Mal dann schmeckte sie Wasser zwischen ihren Lippen,<br />
konnte ihre Art jedoch nicht genauer deuten. Erst als die<br />
Wasseroberfläche in Sicht kam, erkannte sie ihre wahre Gestalt.<br />
Sie erkannte, dass sie sich mit vielen Elementen verbinden konnte.<br />
Elementen, die ihr gehorchen konnten, Elemente, mit denen sie sich<br />
verschmelzen konnte und die ein Teil von ihr waren. Teile dieser Welt,<br />
Teile dieses Lebens.<br />
Sie kannte Aspekte. Sie spürte eine wundersame Verbundenheit mit<br />
der Natur, wie die Energien sie durchflossen. Sie spürte, dass mehr in ihr<br />
steckte, als sie bereits nutzte.<br />
Mit einem Mal richtete sie sich auf, erschrak darüber, als ihr Gesicht<br />
feucht war. Dann sah sie neben sich und erkannte den Geparden<br />
Swift, der zurückgewichen war und sie nun aus seinen felinen Augen<br />
neugierig ansah.<br />
„Guten Morgen kleiner.“ flüsterte sie dem Geparden zu. Der sah sie<br />
überrascht an, senkte seinen Kopf und wendete sich dann um, lief<br />
rasch fort.<br />
Es war noch früh. <strong>Die</strong> Sonne begann erst langsam, aus dem Meer<br />
aufzutauchen und blickte erst zwei Finger breit über die<br />
Wasseroberfläche, tauchte den Dschungel in ein orangefarbenes<br />
Dämmerlicht. Teborasque schlief noch tief und fest, würde sicher erst<br />
in ein oder zwei Stunden aufwachen.<br />
<strong>Die</strong> perfekte Gelegenheit für die Druidin, ihren Traum einmal in<br />
Wirklichkeit zu wandeln. Einen Versuch war es zumindest wert. Wieder<br />
sah sie Swift nach, jenem Geparden, der gerade mit großen Sprüngen<br />
weggelaufen und dann nach einigen Dutzend Schritten stehen<br />
geblieben war, um zurück zur Taurin zu blicken.<br />
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Braunpelz nickte sachte, schloss ihre Augen und machte einen großen<br />
Schritt auf den Geparden zu. Dann begann sie zu rennen und riss den<br />
Kopf nach oben, warf ihn in den Nacken.<br />
Wie ein Schlag traf es sie. Sie strauchelte, stürzte nach vorn und reckte<br />
ihre Hände nach vorn, bereit, ihren Sturz abzufangen. Doch sie stürzte<br />
nicht zu Boden, landete ohne Schmerz und ohne unangenehmes<br />
Gefühl auf den Händen, machte einen weiten Sprung nach vorn. Erst<br />
jetzt öffnete sie ihre vorher instinktiv zugekniffenen Augen. Ihr Blick war<br />
scharf und gradlinig, wanderte zu ihren Händen.<br />
Helles, goldenes Fell, durchsetzt mit schwarzen Punkten bedeckte ihre<br />
Hände. Sie erschrak kurz, genoss eine Sekunde später aber schon<br />
dieses Gefühl....<br />
....sie fühlte eine Kraft in sich...eine Macht...die Gewissheit, ihre<br />
animalische Seite nicht nur im Traum, sondern auch in der Wirklichkeit<br />
bewusst steuern zu können. Ohne Worte, ohne Anstrengung.<br />
Ihr Blick fiel auf den Geparden, der sie nun noch interessierter als<br />
vorher anblickte.<br />
„Druidin. Es freut mich, das du mir auf der morgendlichen Jagd<br />
Gesellschaft leisten willst.“ sagte der Gepard zu ihr. Das<br />
Ungewöhnliche: Sie verstand diese Worte klar aus dem, was für jeden<br />
anderen (Teborasque ausgenommen, den ein besonderes Band mit<br />
seinem Gefährten verband) nur ein leises quieken oder Knurren<br />
gewesen wäre. Dann nickte sie und sprang neben den Geparden.<br />
Rasch wollte Swift losstürmen, wurde dann aber von der felinen Taurin<br />
kurz aufgehalten.<br />
Ein leicht grünlicher Schimmer legte sich über die rechte Tatze der<br />
Druidin, während sie ein paar Worte vor sich her flüsterte. Dann hob sie<br />
ihre Pfote und legte sie Swift auf die Stirn.<br />
„Wir sind beide ein Teil der Wildnis. <strong>Die</strong> Wildnis ist ein Teil von uns. Trage<br />
ihr Mal und ihre Kraft.“ flüsterte sie, während sie einmal kräftig zu<br />
drückte. Ein leicht lilanes Schimmern glühte auf der Stirn des<br />
Geparden, bildete dort einen schwachen Pfotenabdruck, der dann<br />
langsam im Fell versank und verschwand. Sein Körper jedoch zitterte<br />
kurz und fühlte sich kurz darauf erheblich stärker an.<br />
„Ich danke dir für den Segen der Natur, Druidin. Nun komm <strong>–</strong> das Wild<br />
wird nicht auf uns warten.“<br />
Trolle...die und ihre dämlichen Ideen.<br />
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Vadarassar grummelte. Der Troll hier am Pier, s<strong>eines</strong> Zeichens Fischer,<br />
hatte Schiss vor ein paar übergroßen Krabben und anderem<br />
Viehzeugs unterhalb der Wasseroberfläche und wollte deswegen<br />
seine Körbe nicht selbst leeren. Und die Fische, die Bwalkazz und er für<br />
den Tauren besorgen wollten, würde er nur gegen die Krabben aus<br />
seinen Unterwasserfallen tauschen.<br />
„So ein verdammter Feigling! Kaum zu glauben, das die zur Horde<br />
gehören!“ fluchte Vadarassar. Tauchen machte ihm eigentlich kein<br />
Problem. Doch Wasser...es würde wieder Stunden dauern, seine Robe<br />
zu trocknen.<br />
„Mach dir nicht ins Oberhemd, Orc. Du wirst dich schon nicht erkälten.<br />
Jedenfalls nicht direkt.“ witzelte der Untote Magier, auf das Wasser zu<br />
gehend.<br />
Vadarassar grummelte, legte dann seine Robe zusammen und nahm<br />
stattdessen eine Tunika, die er sich überzog. Wenn schon nass werden,<br />
dann wollte er wenigstens nicht in so einem riesigen Sack hängen, der<br />
ihn noch weiter runter sog. Noch immer in seine Flüche vertieft sprach<br />
er einen Zauber, der ihm einen Schleier aus Luft um Mund und Nase<br />
entstehen ließ. Dann sah er zu dem Magier, der nur eine Hand hob<br />
und ablehnend abwiegelte.<br />
„Ich habe meinen Atem zusammen mit den meisten meiner Organe<br />
im Sarg gelassen. Behalt deinen Zauberspruch für dich.“<br />
Dann verschwand der Magier schon mit dem Kopf unter Wasser.<br />
Tatsächlich stieg keine einzige Luftblase von dem Untoten auf,<br />
während dieser einfach das Ufer entlang nach unten ging und immer<br />
tiefer gelangte. Vadarassar grummelte noch einige finstere Worte zum<br />
Thema Untote, deren Stolz, und die Tatsache, das wohl die Maden im<br />
Kopf des Magiers sterben und damit seinem Verstand nachhaltigen<br />
Schaden bereiten würden, sprang dann aber doch ins eiskalte Nass.<br />
Teborasque staunte nicht schlecht, als er aufwachte und mit einem<br />
Mal zwei Geparden vor sich sah. Den einen erkannte er klar und<br />
deutlich <strong>–</strong> Swift, sein getreuer Begleiter. Doch der andere Gepard...die<br />
Augen waren so leuchtend braun und ganz und gar nicht katzenhaft.<br />
Dann richtete sich die Katze auf, verlor mit einem Augenschlag das<br />
gelbe Fell und stand auf zwei großen Hufen direkt vor ihm.<br />
„Boah, Mann. Ich wusste ja, dass ihr Druiden irgendwelche Tierzauber<br />
drauf habt. Aber das gerade war krass. Dachte schon Swift hätte sich<br />
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eine schmucke Gefährtin geschnappt.“ sagte Teborasque grinsend,<br />
sah dann zu seinem Begleiter und stupste diesen mit einer Hand an.<br />
Der Gepard erwiderte den Knuff auf seine Art, machte einen leinen<br />
Satz nach vorn, warf den gerade in Sitzposition aufgerichteten Troll auf<br />
den Rücken um und drückte seinen Kopf gegen das lange,<br />
hauerbesetzte Gesicht des Trolls.<br />
„Na dann wollen wir mal essen. Und danach sehen wir uns mal das<br />
Hordenlager dort an. Da soll ein Cousin von mir leben.“ erklärte<br />
Teborasque und betrachtete sich noch einmal kurz anerkennend die<br />
Beute, die dort vor ihm lag.<br />
„Boah Mann. Was geht denn da unten ab?!“ rief ein Troll, der auf dem<br />
Pier stand und nach unten starrte. Schnell kamen noch andere<br />
angerannt und blickten unter das Holzkonstrukt am Stand.<br />
Das Meer blubberte, verfärbte sich stellenweise kräftig rot. Dann<br />
tauchten mehrere Riesenkrabben auf <strong>–</strong> teilweise zerrissen, verbrannt,<br />
erfroren oder schrecklich verunstaltet. Eine dieser Bestien schien sich<br />
unter höllischen Qualen in eine sehr ungesunde Position verdreht zu<br />
haben. Einer anderen fehlte die Hälfte ihres Kopfes, noch einer waren<br />
die Scheren einfach abgerissen worden. Mehreren Dutzend anderen<br />
fehlten die Augen und waren die Körper aufgeplatzt.<br />
„Ey Mann, ich glaube das sind die zwei Zauberkerle, die meine Körbe<br />
leeren sollten.“ meinte einer der gaffenden Trolle, sah dann zum Ufer,<br />
wie zwei Gestalten langsam aus dem Wasser stapften. Jeder von<br />
ihnen trug einen großen Korb auf dem Rücken <strong>–</strong> prall gefüllt mit<br />
Krabben.<br />
„Da haste, du Feigling.“ knurrte Vadarassar. „Reichen die für die<br />
Fische, die wir haben wollten?“<br />
„Ähh....also ich glaube....“<br />
„Den Rest kannst du gern selbst holen. Dort unten ist das Meer jetzt<br />
sauber.“ fuhr der Hexenmeister fort und schnupperte kurz. Der Geruch<br />
von verbranntem, verheertem und zerrissenem Fleisch drang ihm in die<br />
Nase. Dann blickte er an die Küste und sah überall die Kadaver herum<br />
schwimmen.<br />
„Und aufräumen könnt ihr auch mal. Der ganze Müll da lockt sonst nur<br />
andere Viecher an. Also <strong>–</strong> was ist mit den Fischen?“<br />
Noch immer blickte der Troll etwas fassungslos, griff dann aber an das<br />
Seil hinter sich und holte vier der extra großen Fische heraus.<br />
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„Hier...zwei für jeden von euch....und...ähh...danke....“<br />
Vadarassar schnaubte.<br />
„Der ganze Stress für zwei dämliche Fische. Na ich hoffe die<br />
Belohnung, die sich dieser Taure einfallen lässt, war das ganze wert!“<br />
„Nicht immer so negativ.“ murmelte der Untote, seinen Kopf etwas<br />
schief haltend, um das noch immer heraus tröpfelnde Wasser etwas<br />
schneller laufen zu lassen. „Immerhin hatten wir beide mal unseren<br />
Spaß, oder nicht?“<br />
„Spaß? Also sich freiwillig und komplett nass machen finde ich nicht<br />
sehr spaßig.“<br />
„Stirb erst mal. Dann lernst du die kleinen Ärgernisse des Alltags als<br />
Spaß kennen.“<br />
„Habe ich nicht vor. Nicht so bald.“ knurrte Vadarassar den Magier<br />
an, während sie sich auf den Weg zurück zu diesem Tauren machte.<br />
„Ich auch nicht. Und doch ists passiert.“<br />
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Kapitel 13 <strong>–</strong> Murlocs und andere Nervensägen<br />
„Und du bist sicher, das dieses Ding nicht auch in die Luft fliegen<br />
wird?“ zweifelte Braunpelz, als sie den Troll mit einer weiterer seiner<br />
Basteleien beobachtete.<br />
„Ja Mann. Das Ding hier hat nichts, das irgendwie explosiv sein könnte.<br />
Nagut, die komprimierte Luft ist ziemlich stark, der kleine Energiekern<br />
hinten etwas instabil und das Glas habe ich aus einem<br />
Raketenwagen. Aber insgesamt sollte es eigentlich so funktionieren,<br />
wie ich es gedacht habe.“ erklärte der Troll schraubend, während die<br />
beiden am Strand hockten und auf die hoch stehende Sonne<br />
blickten. Wären nicht überall Krokolisken gewesen <strong>–</strong> das hier wäre der<br />
perfekte Strand für ein Sonnenbad gewesen. Jedoch trübten einerseits<br />
eben jene wandelnden Lederbeutel und dazu noch umherstreifende<br />
Allianzler die sonst idyllische Strandruhe etwas.<br />
Den Wachen von Grom’Gol schienen diese Störungen nicht mehr<br />
sonderlich viel auszumachen. Nur manchmal ging eine einige Schritte<br />
aus dem Lager, schwang einmal seine massive Axt und köpfte damit<br />
einen Krokolisken, um den Kadaver als Abschreckung in der Sonne<br />
braten zu lassen. <strong>Die</strong> übrigen Wachen <strong>–</strong> durchweg allesamt Trolle <strong>–</strong><br />
vergnügten sich mit Erzählungen von vergangenen Heldentaten,<br />
widmeten sich ihrem Mojo, spielten Karten oder erzählten einander<br />
schmutzige Witze. Ein Verhalten, das einen Kommandanten glatt zum<br />
Ausrasten gebracht hätte....doch der zog es vor, lieber ebenfalls in<br />
einer Hängematte liegend eine Siesta zu halten.<br />
<strong>Die</strong> schreckliche Horde. Monster und Scheusale, wie sie von den<br />
Menschen gern genannt wurden. Grausam und ohne irgendwelche<br />
Manieren. Wäre ein Mensch jetzt gerade in ihr Lager spaziert <strong>–</strong> man<br />
hätte ihm einfach eine Pfeife angeboten und gemeint, er „soll mal<br />
seine negativen Schwingungen los werden und etwas abchillen.“<br />
Traurigerweise <strong>–</strong> oder vielleicht auch glücklicherweise <strong>–</strong> war im<br />
Moment jedoch kein einziger von der Allianz zu sehen.<br />
„Sooo <strong>–</strong> fertig ist das schmucke Teil.“ kommentierte Teborasque und<br />
hielt seine neueste Errungenschaft demonstrativ vor seine Brust.<br />
„Ich bin beeindruckt.“ antwortete Braunpelz. „Nur....was ist es?“<br />
Tebo grummelte. „Banausin! Das hier, meine halbgebildete<br />
Druidenfreundin, ist ein Helm, mit dem ich unter Wasser atmen kann.<br />
Komplett und ohne Hilfsmittel!“<br />
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„Oh wie toll.“ murmelte Braunpelz und wackelte mit einer kleinen<br />
Phiole vor seiner Nase herum.<br />
„Schau mal <strong>–</strong> mit diesem Fläschchen hier erreichst du das gleiche. Und<br />
im Gegensatz zu deinen Basteleien fliegt es auch nicht in die Luft.“<br />
„Pff. Das war nur das Gewehr letztens.“<br />
„Und das danach. Und jedes vierte Munitionspaket. Und das<br />
mechanische Eichhörnchen, das du mir schenken wolltest. Und die<br />
Lampe. Und....“ begann sie aufzuzählen, wurde dann aber rasch<br />
unterbrochen.<br />
„Jaja, ist gut. Ich bin halt noch nicht so geübt. Aber hey: Wir sind beide<br />
noch ganz und gesund, oder?“<br />
„Aber nur, wenn man angesengtes Fell nicht zu Verletzungen zählt.“<br />
Endlich waren die Fische bei dem Tauren abgeliefert. Das dieser aber<br />
als einzige Belohnung mit irgendwelchen Munitionen und<br />
unbrauchbaren Stäben kommen wollte, hatte Vadarassar dann doch<br />
ein wenig verärgert.<br />
Kurz darauf war der Taure wild brüllend durch die kleine Siedlung<br />
gerannt, sich auf den Boden geworfen und hatte sich hin und her<br />
gerollt, um die Flammen, die er auf seinem Fell spürte, zu löschen.<br />
Doch da war kein Feuer....nur das Gefühl, er würde bei lebendigem<br />
Leibe brennen. Dann hatte er sich wieder aufgerappelt und war<br />
panisch in den Kodofriedhof hinein gelaufen und nach etwa fünf<br />
Minuten wieder zurück gerannt gekommen <strong>–</strong> drei große Geier im<br />
Schlepptau. Dann schließlich war er erschöpft in seinem Zelt<br />
zusammen gesunken und eingeschlafen.<br />
Während der Taure komplett fertig und erledigt in seinem Zelt lag,<br />
gönnte sich Vadarassar das, was er meinte, verdient zu haben. Als<br />
kl<strong>eines</strong> Dankeschön ließ er nur seine durchnässte Tunika zurück, trug<br />
wieder seine Robe und zählte auf dem Weg in Richtung Feralas die<br />
Goldmünzen in dem kleinen Lederbeutel durch.<br />
„Dein Anteil.“ brummte er den Magier an, der den ganzen Weg über<br />
kein Wort gesagt hatte.<br />
„Behalt das Gold.“ brummte Bwalkazz zurück. „Ich lege keinen Wert<br />
auf gestohlenes Gold.“<br />
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„Gestohlen? Pah <strong>–</strong> es gehört uns. Da springt man ins Meer, radiert<br />
diese Plagegeister aus, um diesem fetten Stück Fell eine Delikatesse zu<br />
besorgen...und dann will der Stier einen mit einem blöden Krückstock<br />
abspeisen. Geschieht ihm ganz Recht.“<br />
„Der Dolch, den er hatte, wäre mir genug gewesen.“ murmelte<br />
Bwalkazz leise.<br />
„Mit dem Gold hier kannst du dir einen besseren kaufen als diese Kuh<br />
hatte. Im Lager in Feralas gibt es einen guten Schmied.“<br />
„Gold. Gold. Für dich dreht sich alles nur um Gold. Was bringt dir Gold,<br />
wenn du tot bist frage ich dich.“<br />
„Auch Tote brauchen Gold. Wie man an dir sieht. Lieber reich und tot<br />
als arm und lebendig.“ rechtfertigte sich Vadarassar. „Und von<br />
irgendwelchen guten Taten werde ich nicht satt und meine Kleidung<br />
nicht frisch. Wenn die Bezahlung stimmt oder es meinem Zweck dient,<br />
dann gut. Aber sonst....“<br />
Bwalkazz schüttelte sich innerlich. Eine solche Einstellung wäre ihm<br />
früher so fremd gewesen wie nichts anderes. Gern hätte er gedacht<br />
wäre dies eine Neigung nur auf Seiten der Horde, doch hatte er<br />
ähnliches bereits bei einigen Wenigen auf Seiten der Menschen und<br />
Gnome miterlebt. Sie lebten lieber im Verborgenen, kleideten sich in<br />
dunklen Roben und sie umgab ständig eine durchweg böse Aura.<br />
Auch dieser Orc hier hatte einen Ansatz dieser Aura. Doch bei all<br />
seinem Gerede war diese schwarze Ausstrahlung nicht so stark wie bei<br />
vielen, die Bwalkazz in seinem früheren Leben bereits erlebt hatte. War<br />
es nur seine geschwundene Wahrnehmung, die mit seinem Körper<br />
ebenfalls verfallen war?<br />
Bwalkazz schwieg den restlichen Weg, ging etwas hinter dem<br />
Hexenmeister her und musterte den Orc währenddessen mit seinen<br />
glühenden Augen von oben bis unten.<br />
Zwei Murlocwachen schritten am Meeresboden vor der alten<br />
Steintafel hin und her, blickten einander ernst musternd an, legten ihre<br />
Speere dann auf die jeweils andere Schulter und schritten erneut<br />
aufeinander zu.<br />
Stets das gleiche Spiel. Dann aber sahen sie einen Schatten, der<br />
schnell auf sie zu schoss. Ein Wal? Nein...ein Seelöwe(?) donnerte auf<br />
- 74 -
sie zu, hielt knapp über ihnen, drehte drei Schrauben, stürmte dann<br />
auf sie zu und verpasste beiden einen kräftigen Klatscher mit der<br />
Hinterflosse.<br />
„Mistvieh! Wir dich töten werden!“ zischten die beiden und<br />
schwammen dem Seelöwen hinterher, ließen die vorher bewachte<br />
Tafel hinter sich zurück.<br />
Schnelle Flossenschläge brachten den Seelöwen schnell weit weg von<br />
den Murlocs. Doch nicht zu weit <strong>–</strong> gerade so, das sie noch in<br />
Sichtweite blieben. Wütend schleuderten sie ihre Speere durch das<br />
Wasser, denen der Seelöwe auf diese Distanz spielend ausweichte.<br />
Dann machte das Seetier kehrt, schoss wie ein Blitz auf die beiden zu<br />
und riss sie um, donnerte sie gegen die nächstbeste Wand, um kurz<br />
darauf erneut die Flucht zu ergreifen.<br />
Währenddessen blubberte es in der Nähe der Tafel. Ungesehen war<br />
Teborasque abgetaucht und stand nun hinter der Tafel, trennte zwei,<br />
drei, dann vier Scheiben von der Tafel ab. Kleinere Versionen der<br />
großen Tafel. Trolle waren faul <strong>–</strong> ständig Abschriften anzufertigen,<br />
wenn die große Tafel kaputt, verdreckt oder verloren war, scheuten<br />
sie. Stattdessen vergruben sie immer viele einzelne Abschriften direkt<br />
hinter dem großen Stein. So auch die Trolle, die einstmals hier gelebt<br />
haben musste. Wirklich einstmals....denn jetzt war diese ehemals so<br />
prachtvolle Stadt ziemlich tiefergelegt und feucht.<br />
Er hatte gerade die Tafeln eingepackt und schwamm mit kräftigen<br />
Zügen wieder der Oberfläche entgegen, als er die Murlocwachen, die<br />
vorher vor dieser Tafel gestanden hatte, mit böse verunstalteten<br />
Gesichtern, blutigen Nasen und dicken Augen zurückkehren sah. Ein<br />
Grinsen ging über sein Gesicht, war unter dem Helm jedoch kaum<br />
erkennbar.<br />
Ein lautes Klirren kündigte ihn schon in Grom’Gol an, als er die schwere<br />
Tasche abstellte und dann den Helm abzog. Swift war der Erste, der<br />
ihn begrüßte, auf Teborasque zu stürmte, ihn ansprang und so erst<br />
einmal wieder auf den Boden zwang. Ein kräftiges Knuffen, die<br />
katzenübliche Begrüßung und viele lieb gemeinte Flüche über diesen<br />
verschmusten Kater später konnte Teborasque endlich aufstehen und<br />
zum Lager gehen.<br />
Eben in diesem Moment sah er hinter sich einen Seelöwen Richtung<br />
Ufer schwimmen. Sein Kopf legte sich schief, wunderte er sich doch<br />
über die ungewöhnliche Halskette, die dieses Tier trug.<br />
- 75 -
Mit einem Mal sprang der Seelöwe aus dem Wasser heraus und auf<br />
Teborasque zu. Noch mitten im Flug umgaben jede Menge Luftblasen<br />
das Wesen, ließen den Körper blubbern und verdeckten, was wirklich<br />
vorging. Nur einen Augenblick später krachten zwei Hufe direkt vor<br />
Teborasque in den Sand und gerade einmal eine Nasenlänge von ihm<br />
entfernt sah er eine pitschnasse Taurin stehen.<br />
„Tadaa.“ rief Braunpelz, die Arme ausgebreitet und den Jäger<br />
angrinsend.<br />
„Ich bin beeindruckt.“ gestand der Jäger, nachdem er einen<br />
gehörigen Schritt nach hinten gemacht hatte. „Das du alleine mit den<br />
beiden Wachen fertig geworden bist....die sahen ziemlich stark aus.“<br />
„Pff...Wasser ist mein Element. Wasser ist Lebensspender. Das war<br />
wirklich keine Leistung. Hast du die Platten?“ fragte die Taurin, ihre<br />
Lederkleidung auswringend.<br />
Teborasque zeigte auf den Beutel hinter sich. „Alle da drin. Hab<br />
sicherheitshalber mal ein paar mehr eingepackt. Nur für den Fall der<br />
Fälle.“<br />
Braunpelz nickte. „Gut. Ich denke das wird deinen Cousin freuen.“<br />
Teborasque nickte, grinste breit und stellte sich schon die abendliche<br />
Party vor. Oh ja <strong>–</strong> Trolle wussten zu feiern. Ein Umstand, den die<br />
gesamte Horde genoss.<br />
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Kapitel 14 <strong>–</strong> Wiedersehen in der Wüste<br />
Einige Tage waren nun schon vergangen und die Druidin und der<br />
Jäger hatten sich in der Piratenstadt kurzerhand niedergelassen. Ein<br />
kurzer Moment des Nichtstuns, in der sie nur die Stimmung des<br />
Sonnendwendfestes genossen und über mehr als nur einen<br />
betrunkenen Goblin stolperten.<br />
Sie warteten eigentlich nur auf das Schiff, das sie wieder zurück nach<br />
Ratschet bringen sollte....doch eben dieses ließ nun schon seit drei<br />
Tagen auf sich warten. Aber Ungeduld war das Wenigste, was sie<br />
plagte.<br />
Zumindest Braunpelz nicht, die unten auf dem Kai hockte, einen Huf im<br />
Meer hängen hatte und wieder ihre Angel auswarf. Den einen oder<br />
anderen Fisch konnte sie für ein paar neue Trankrezepte, die sie von<br />
dem örtlichen Händler erstanden hatte, gut gebrauchen. Genauer<br />
gesagt: Das Öl und den Tran eben jener Fische. Doch im Moment<br />
bissen nicht einmal die Fische so richtig an. <strong>Die</strong> Stunden vergingen und<br />
ihre Tasche war noch immer nicht wirklich voll.<br />
Dann erschrak sie, spürte etwas Schweres an ihrer Angel und zog<br />
daran. Vergessen war die Trägheit, die gerade noch in ihr war.<br />
Stattdessen stand sie aufrecht und zog, dass sich ihre Angelrute bog,<br />
bis sie fast einen perfekten Kreis bildete.<br />
Es blubberte....ohje...hatte sie da vielleicht ein Seemonster<br />
rausgezogen? Wären irgendwelche Wachen nüchtern gewesen, sie<br />
hätte diese nun gerufen. Doch die lagen alle sturzbesoffen in der Ecke<br />
und brabbelten irgendwas von Kartoffelsalat...<br />
Dann brach das blubbernde Etwas durch die Oberfläche und<br />
Braunpelz erstarrte.<br />
Eine metallene Kugel, hinter deren vorderen Glasscheibe ein ihr nur zu<br />
gut bekannter Troll breit grinste.<br />
Wütend stampfte sie mit einem Huf auf, dass die Planken nur so<br />
krachten.<br />
„Och verdammt Tebo <strong>–</strong> du vertreibst die ganzen Fische!“ fluchte sie<br />
dem Troll entgegen.<br />
„Mhmm mhmhmmhmm mh hmm mhh mhh hmmm.“ entgegnete der<br />
Troll und stieg an einer der Strickleitern aus dem Wasser heraus.<br />
- 77 -
„Was? Mach doch mal die Scheibe auf oder setz dieses blöde Ding<br />
ab.“<br />
Teborasque tat, dies sogleich, nahm seinen Tieftauchhelm unter den<br />
einen Arm und blickte Braunpelz dann ernst an.<br />
„Ich sagte: ‚Da gibt es eh keine Fische mehr.’ Kein einziger<br />
Fischschwarm. Alles weg.“ übersetzte er sein vorheriges Kauderwelsch,<br />
griff in seine Tasche und ließ ein paar aufgebrochene Muscheln auf<br />
den Boden fallen.<br />
„Für dich, Kleiner.“ lächelte Teborasque und sah zu den Fässern<br />
herüber, hinter denen gut getarnt und im Schatten sein Begleiter lag,<br />
ihn einmal anblinzelte, dann auf die Muscheln schielte und die Augen<br />
demonstrativ wieder schloss.<br />
Teborasque zuckte mit den Schultern.<br />
„Bitte...dann schnapp dir halt gleich die Möwe, die das Zeug futtern<br />
will.“ gab er schließlich kleinbei.<br />
„Ich hörte ihr beide wollt zurück nach Kalimdor?“ hörten die beiden<br />
mit einem Mal eine Stimme hinter sich. Beide drehte sich um, sahen<br />
zuerst nichts, blickten dann nach unten.<br />
Ein Goblin <strong>–</strong> noch kleiner als jene, die man sonst kannte. Sein Helm<br />
zeigte, dass er offensichtlich Ingenieur war.<br />
„Scooty mein Name. Angenehm. Jaja...das Schiff wird die nächsten<br />
Tage nicht kommen. Irgendwo auf dem Meer auf Grund gelaufen.<br />
Unschöne Sache. Naja...ein Stück Gnomentechnologie eben. Dem<br />
kann man nicht vertrauen. Aber kommt <strong>–</strong> ich kann euch schneller<br />
nach Kalimdor bringen, als ihr euch vorstellen könnt. Und das zu einem<br />
unglaublich guten Preis.“<br />
Teborasque blickte interessiert während er den Ausführungen des<br />
Goblins folgte. <strong>Die</strong>ses Interesse konnte Braunpelz nicht wirklich teilen.<br />
Stattdessen sah sie eher etwas abfällig auf den kleinen grünen<br />
Giftzwerg hinab.<br />
Der indes war schon voraus marschiert und stand wenige Augenblicke<br />
später vor einem Gerät, das irgendwo zwischen Kleiderschrank,<br />
Riesenbarmixer und Duschkabine einzuordnen war.<br />
„Der Superduper-Blitz-Sofort-Materialisierer-Dematerialisierer. Er<br />
dematerialisiert euch, schießt euch durch das Nichts und SCHWUPPS<br />
seid ihr in Gadgetzan im schönen Tanaris.“<br />
- 78 -
„Und wo ist der Haken?“ fragte Braunpelz ganz frei heraus.<br />
Beim Anblick dieses...dieses....Dings stellten sich ihr sämtliche<br />
Nackenhaare auf. Und von denen hatte sie mehr als genug, sah dank<br />
dieser Eigenheit nun fast aus wie eine Löwin <strong>–</strong> na ja, zumindest der Hals<br />
sah so aus...<br />
„Haken? Kein Haken. Kostet jeden von euch lediglich zwei<br />
Goldmünzen. Und es könnte leichte Flecken auf dem Fell geben.<br />
Eventuell Haarausfall, in den seltensten Fällen eine elektrische<br />
Entladung und ganz ganz selten kommt es zu kleinen Komplikationen.<br />
Das System ist sicher....weitestgehend.“<br />
<strong>Die</strong> Nackenhaare standen nun nicht nur aufrecht, sie waren nun auch<br />
so steif wie die Stacheln <strong>eines</strong> Kaktus. Es fehlte nicht mehr viel und sie<br />
würde Fellspliss bekommen....<br />
„Weitestgehend....“ wiederholte sie langsam, bekam dann aber einen<br />
Knuff in die Seite, sah Tebo, der sie angrinste.<br />
„Junge, wir machen die Fahrt. Aber ein Angebot: Wir zahlen NACH<br />
Ankunft, wenn wir beide gesund sind.“<br />
Das jetzt brachte den Goblin etwas aus der Fassung. Man sah ihm an,<br />
wie er hin und her gerissen war. Einerseits wollte er keinen Zweifel an<br />
seinem Transporter aufkeimen lassen. Andererseits....das Gold....was,<br />
wenn sie ihn betrogen....<br />
„Ihr zahlt bei Ankunft direkt.“ brummte er etwas widerwillig.<br />
„WENN wir unverletzt ankommen.“ berichtigte ihn Braunpelz.<br />
Man hörte ein Knirschen, als würde ein ganzer Wald zusammen<br />
krachen. Tatsächlich waren es die Zähne des Goblins, der trotz seiner<br />
immer weiter absackenden Laune sein Lächeln aufrecht erhalten<br />
wollte.<br />
Es war ein Risiko...aber der Gewinn....aber das Risiko....ach quatsch!<br />
Gewinn war Gewinn!<br />
„Alles klar. Nur vortreten und hinein in das Maschinchen. Zwei<br />
Personen also, ja?“<br />
„Zwei und ein Kater.“ berichtigte Teborasque und pfiff schrill durch<br />
seine Hauer, woraufhin Swift träge anwatschelte.<br />
- 79 -
Einen Moment war der Goblin irritiert, sah er Federreste zwischen den<br />
Zähnen des Geparden und dann die scharfen Augen, die ihn<br />
augenblicklich fokussierten und anstarrten, als wäre er das Dessert.<br />
„Gut...also....sechs Gold dann....“<br />
„Bei unversehrter Ankunft.“ fügte Braunpelz erneut energisch hinzu.<br />
Wieder knirschte es hoch und ohrenbetäubend. Dann willigte der<br />
Goblin schließlich ein, stellte sich an die Bedienkonsole.<br />
„Augen zu <strong>–</strong> es geht los.“<br />
Es blitzte und zischte um die beiden herum. Dann wurde ihnen schwarz<br />
vor Augen, ein ohrenbetäubender Knall durchfuhr das Piratenkaff und<br />
ließ die besoffenen Wachen kurz aufblicken. Dann waren die drei<br />
weg.<br />
„Paladine. Wie sehr ich diese scheinheiligen Blechdosen hasse.“<br />
grummelte Vadarassar, stand er doch genau vor einem solchen<br />
Zwergpaladin, der seinen Hammer in die Luft erhob, um ihn kurz<br />
darauf auf den Hexenmeister niedergehen zu lassen. Und da sich<br />
Paladine bekanntlich allein gar nichts trauen, stand noch ein<br />
Nachtelfpriester direkt neben ihm, brabbelte etwas Unverständliches<br />
in seiner ganz eigenen Sprache.<br />
Ein Blitzen über dem Paladin und seinem Begleiter verkündete den<br />
nahenden Angriff. Bwalkazz und Vadarassar waren zu allem bereit,<br />
starrten die Dose und den Scheinheiligen (eigentlich waren ja beide<br />
scheinheilig <strong>–</strong> aber einen Paladin noch als Scheinheilig zu bezeichnen,<br />
hätte den Priester als Scheinheiligen noch weiter beleidigt...) an, als<br />
das Blitzen und Donnern über diesen beiden Allianzlern umso lauter<br />
wurde.<br />
Der Paladin schien von seiner eigenen Macht überrascht, blickte kurz<br />
zum Himmel....<br />
...und sah nur noch einen Huf, der ihn kurz darauf auf der Stirn traf und<br />
zu Boden schickte. Der Priester erschrak, wollte sich selbst in Sicherheit<br />
bringen, wurde kurz darauf aber von einem, in festes, mit Metallketten<br />
verstärktes Leder gehüllten Troll ebenfalls auf den Boden genagelt.<br />
„Der Zauber ist mir neu. Seit wann beherrschen denn Paladine dieser<br />
Riege Beschwörungszauber, um Hordler zu rufen?“ meinte Bwalkazz<br />
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verblüfft und sah die drei an, die gerade aus allen Wolken gefallen<br />
waren.<br />
„Bist....du in Ordnung?“ fragte Teborasque, der sich aufrappelte und<br />
wunderte, was so seltsam weich unter ihm war.<br />
„Ich...glaube ja. Ich bin auf irgendetwas Weichem gelandet.<br />
Irgendeine Dose...“ meinte Braunpelz, griff unter sich und brachte ein<br />
flach gedrücktes Stück Eisenblech zum Vorschein, das wohl<br />
irgendwann vorher ein Helm gewesen war.<br />
Erschrocken sprang sie auf und stand dann neben dem Zwerg, den sie<br />
mit ihrem Gewicht schlichtweg in den Boden geschmettert hatte. Nur<br />
der Kopf guckte noch heraus, wies aber einen großen Hufabdruck auf,<br />
der von Stirn bis über beide Augen ging. <strong>Die</strong> vielen weißen Steinchen<br />
rund um den Kopf waren ganz offensichtlich die Zähne des<br />
Zwergpaladins.<br />
Teborasques Polster hatte es nur wenig besser erwischt. Am Boden war<br />
noch der Umriss <strong>eines</strong> Nachtelfen <strong>–</strong> mehr jedoch nicht mehr.<br />
Während die beiden sich freuten, endlich halbwegs dort zu sein, wo<br />
sie sein wollten und dazu noch relativ gesund waren, stand<br />
Vadarassar mit verschränkten Armen und ärgerlicher Mine vor den<br />
beiden.<br />
„Jetzt habt ihr beiden mir den ganzen Spaß versaut. Und das, wo so<br />
dämliche Paladine doch so schwer zu finden sind.“ brummte er die<br />
beiden an. Doch die reagierten erst nicht, sahen sich um.<br />
Das hier war nicht Tanaris. Das war doch noch Tausend Nadeln...<br />
...ja...bei der Rennbahn, von der man in dem Piratennest schon gehört<br />
hatte.<br />
„Das wär’s dann wohl mit Bezahlen gewesen.“ meinte Braunpelz und<br />
klopfte zwei der Zähne aus ihrem Lederkilt heraus.<br />
„Und wieder Gold gespart.“<br />
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Kapitel 15 <strong>–</strong> Im Sande verlaufen<br />
„Neuigkeiten von den dämlichen Goblins?“ fragte der Räuberchef<br />
einen seiner Schleicher, der gerade aus der Nähe von Gadgetzan zu<br />
ihm gekommen war.<br />
„Alles ruhig. <strong>Die</strong> dämlichen Grünlinge trauen sich nicht an uns ran.“<br />
spottete der Schleicher, zog seine Maske wieder fester über den Mund<br />
und verbarg so sein breites Grinsen.<br />
„Hervorragend. Dann werden wir bald weitere Wasserqu....geht es dir<br />
nicht gut?“ fragte der Chef verunsichert. Sein Schleicher, gerade noch<br />
so schadenfroh, krümmte sich mit einem Mal. <strong>Die</strong> Gesichtszüge des<br />
menschlichen Räubers entgleisten und er versuchte einen<br />
Schmerzenschrei auszustoßen. Doch selbst das wurde durch die<br />
immensen Krämpfe, die seinen Körper durchzogen, verhindert. Dann<br />
sackte der Körper langsam auf den Boden, die Haut verging mit<br />
einem schwärzlichen Glimmen, ließ nur verbrannte Kruste zurück,<br />
während die Augen aus dem Schädel hervor traten, der Mund weit<br />
aufgerissen und ohne Lippen die wenigen gesunden Zähne, die der<br />
Schurke noch besessen hatte, offen legte. Ein letzter Atemzug noch,<br />
dann lag der Schleicher tot vor seinem ehemaligen Chef.<br />
Der sah sich panisch um. Wer....wer war hierfür verantwortlich?<br />
Endlich erblickte er den vermeintlich Verantwortlichen für die Qualen<br />
s<strong>eines</strong> Kollegen: Ein Hexenmeister, den magiestoffgewebten Turban<br />
fest um den Kopf gewickelt, war der Schuldige an diesem<br />
Verbrechen.<br />
„Leute! Zu mir! Wir werden angegri....“ schrie er noch, wurde dann<br />
aber von etwas hinter sich unterbrochen und zu Boden gerissen.<br />
Sein Blick gefror in einem Gemisch aus Panik und Horror, sah er dort<br />
einen Löwen mit Stierhörnern stehen, der gerade seine Krallen in seine<br />
Beine gerammt hatte. Immer wieder rasten die kräftigen Tatzen auf<br />
seinen Körper zu, rissen mit jedem Schlag ein Stück Fleisch aus dem<br />
Körper des Schurken. Doch der Schrei hatte zumindest eine Kleinigkeit<br />
gebracht: Fünf weitere Wüstenräuber stürmten auf ihn zu, die Waffen<br />
hoch erhoben.<br />
Dann wurde es eiskalt um ihn herum. Er sah zum Himmel, sah zuerst<br />
keinen Grund dafür <strong>–</strong> abgesehen von einer winzigkleinen schwarzen<br />
Wolke direkt über ihm. Doch mit jedem Blinzeln wurde die Wolke<br />
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größer, bis sie schließlich einen Durchmesser von mehreren Metern<br />
erreichte und dann ihre eiskalte Ladung über ihm entlud.<br />
Eispfeile, messerscharf wie tausend Klingen, schnitten sich durch seinen<br />
Oberkörper. Verwundert sah er zu, wie jede dieser Klingen dem Löwen<br />
auswichen, als hätten sie eine eigene Intelligenz und wollten ihm nicht<br />
schaden. Drei seiner Kollegen wurden ebenfalls getroffen, stockten in<br />
ihrer Bewegung und rieben die Hände aneinander, begannen am<br />
ganzen Körper zu zittern.<br />
Ein lauter Knall durchschnitt die Luft. Wieder ging sein Blick umher,<br />
dann sah er, wie einer der anderen beiden, dem ein Stück vom Kopf<br />
fehlte, zusammensackte und leblos liegen blieb. Der andere war<br />
ebenfalls zu Boden gerissen worden, wehrte sich verzweifelt gegen<br />
einen Geparden, der zum Nackenbiss angesetzt hatte.<br />
Wer....wer war das denn alles? Er suchte noch nach einer Erklärung,<br />
fand aber keine mehr, als ihm ein kräftiger Biss des Löwen schließlich<br />
die letzte Lebenskraft nahm und er selbst tot zusammensackte.<br />
„Kurzes Vergnügen.“ brummte Vadarassar, langsam auf die Leichen<br />
zu gehend und dabei zu dem Löwen blickend. „Viel zu kurz. Wir hätten<br />
uns direkt mitten in die Gruppe werfen sollen, statt so zu schleichen.“<br />
„Was hast du denn? Wir haben gesiegt, die Goblins werden sich über<br />
eine zurückeroberte Wasserquelle freuen und uns entsprechend<br />
entlohnen. Und das Gold war doch, was du wolltest, oder irre ich<br />
mich?“ fragte Bwalkazz den Hexenmeister, der mittlerweile zu der<br />
zerstückelten Leiche des Aufsehers gegangen war und dessen Kopf<br />
mit dem Stiefel anstieß. Dann bückte er sich und griff sich den<br />
Rucksack des Menschen.<br />
Eine krallenbesetzte Pranke packte seinen Arm, zog sie kräftig vom<br />
Rucksack weg.<br />
„Deiner liegt da drüben. Der hier gehört mir, klar?“ fauchte die<br />
katzenhafte Stimme, die kurz darauf ihre Gestalt wechselte, der Hufe<br />
an den Hinterpfoten wuchsen und die nur Augenblicke später<br />
aufrecht vor Vadarassar stand.<br />
Überrascht, aber nicht so sehr, wie man vielleicht hätte denken<br />
können, sah er die Taurin an. Sein Blick traf ihren und hielt ihn für<br />
unendlich lang erscheinende Sekunden. Dann schließlich wandte er<br />
sich ab, ging zu dem verkrampft liegenden Kadaver, der halb<br />
zerflossen war und durchsuchte dessen Taschen und Rucksack,<br />
während die Druidin das gleiche mit dem ihrigen Opfer machte.<br />
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„<strong>Die</strong> Kleine hat sich verändert.“ brummte Vadarassar, als Bwalkazz an<br />
ihm vorbei ging, um seinerseits seine Opfer zu durchsuchen.<br />
„Da brennt ein Feuer in ihr, das vorher nicht da war. Interessant.“<br />
„Meinst du der Troll hat damit etwas zu tun?“ fragte der Magier, den<br />
Trolljäger beobachtend, der hinter einem Felsen her kam, seine Flinte<br />
nachlud und auf seinen felinen Gefährten zu ging, um ihm kurz darauf<br />
einen Brocken Fleisch hinzuwerfen.<br />
„Möglich. Ihre Kenntnisse des Voodoo sind bekannt. Zuzutrauen wäre<br />
es ihm.“<br />
„Da habt ihr.“ stieß Vadarassar aus und warf ein Bündel Wasserbeutel<br />
vor die Füße des Goblins. Ein Bündel, das so groß und dick war, das es<br />
den kleinen grünen Zwerg locker überragte.<br />
„<strong>Die</strong> Plage an dem Wasserfeld haben wir auch direkt mit beseitigt. In<br />
den nächsten Tagen ist dort Ruhe. Also <strong>–</strong> wo ist unser Gold?“<br />
Der Goblin blickte auf den Stapel Wasserbeutel und machte dann<br />
einen Schritt zur Seite, um den Hexenmeister wieder in den Blick zu<br />
bekommen.<br />
„Ahh...genügend Beutel. Sicher sicher. Das macht dann....wie viel war<br />
es noch gleich? Hmm....ja sicher <strong>–</strong> eine Goldmünze für jeden, richtig?“<br />
sagte der Goblin und griff in seine Tasche.<br />
„DREI Münzen Gold für jeden von uns. Und EINE pro zehn Beutel<br />
Wasser. Hier liegen fünfzig Beutel. Also ACHT Münzen für jeden.“ knurrte<br />
Vadarassar, seine Hände zu Fäusten ballend.<br />
„Bittesehr was? Aber nein...ich werde doch keine Acht Goldmünzen<br />
für jeden von euch bezahlen. Dann verdie....ähh....gehe ich ja<br />
leer....mhh....mache ich ja Minus! Nein, ich schlage vor ich gebe<br />
jedem von euch die drei Münzen und den Rest verge....“ begann er,<br />
sah dann dem Hexenmeister zu, wie dieser jemandem neben sich zu<br />
nickte.<br />
„Hey du süßer kleiner Goblin. Du bist ja sooo wunderbar reich, so<br />
gönnerhaft, so meisterhaft. Wieso bist du nur so ein kleiner<br />
Handlanger? Du solltest der Chef sein. Du solltest hier der Kopf vom<br />
ganzen sein.“ hauchte ihm eine Stimme ins Ohr.<br />
Der Goblin grinste.<br />
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„Ja! Jajajaja genau! Das stimmt. Ich verdiene eine Beförderung. Und<br />
ich bekomme sie, wenn ich diese Massen Wasser hier verkaufe und<br />
den Gewinn für mich kassiere!“ bestätigte er die Stimme. Dann fühlte<br />
er ein Streicheln auf seinen Schultern.<br />
„Dann willst du doch sicher nicht, das diese vier hier deinem Vorhaben<br />
im Weg stehen, oder? Immerhin haben sie die Wüstenräuber<br />
ausgeschaltet. Was, wenn sie mit dir das gleiche machen würden?“<br />
„Das...werden sie nicht....“ stotterte der Goblin mit einem Mal.<br />
„Dann...kommen die Wachen....“<br />
„Und werden auch niedergestreckt. So oder so wärst du schon tot.<br />
Doch es gibt einen Ausweg. Bezahle sie und sie werden gehen. Dann<br />
kannst du den Ruhm ganz für dich allein behalten. Das wäre doch<br />
etwas für dich, oder?“<br />
„Ja....das wäre....das wäre wunderbar...dann würde ich bestimmt<br />
befördert.“<br />
„Genau.“<br />
Jetzt nickte der Goblin, griff wieder in seine Tasche und holte vier<br />
kleine Beutel heraus, in die er jeweils acht Gold abgezählt steckte.<br />
„Hier...da habt ihr euer Gold. Angenehm, mit euch Geschäfte zu<br />
machen. Und jetzt entschuldigt mich <strong>–</strong> ich habe meinerseits Dinge zu<br />
erledigen.“ sagte er noch, packte dann den beeindruckend hohen<br />
Stapel Wasserbeutel und bugsierte sie in Richtung Auktionshaus. Ein<br />
entferntes Poltern verriet dem grinsenden Hexenmeister, das der<br />
Goblin dabei offensichtlich die eine oder andere Stufe übersehen<br />
hatte.<br />
„Trottel.“ flüsterte er noch und drehte sich dann zu seinen Begleitern<br />
um.<br />
„Was war das jetzt? Überredungskünste der pazifistischen Sorte sind<br />
nich deine Art Mann. Also <strong>–</strong> was hast du gemacht?“ fragte der<br />
Trolljäger und musterte den Hexenmeister von oben bis unten. Der<br />
jedoch grinste nur, hob dann seine Hand und strich Teborasque<br />
einmal über die Augen.<br />
„Sieh das Verborgene. Dann wirst du es erkennen.“<br />
Teborasque blinzelte, sah sich um. Dann sah er den Grund.<br />
Tatsache <strong>–</strong> nur ganz schwach sichtbar, halb durchlässig und ohne<br />
jede Magie zweifelsfrei unsichtbar stand ein Sukkubus neben dem<br />
Hexenmeister. <strong>Die</strong> Dämonin rückte gerade ihr Dekolleté wieder<br />
gerade und strich sich dann durch die Haare.<br />
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„Ahhh. Ne Verführerin also.“ grinste Teborasque und ging einen Schritt<br />
auf die unsichtbare Gestalt zu.<br />
„Ist sie noch zu haben? Ich hätte da nämlich noch das eine oder<br />
andere....“ lechzte der Troll, spürte als Antwort aber schnell die<br />
Peitsche des Dämons.<br />
„Mhh...dann eben nicht. Schwer zu kriegen deine Kleine.“ brummte<br />
Teborasque schelmisch, seine von der Peitsche getroffene Seite<br />
reibend. Dann sackte er seinen Goldbeutel ein und schwieg über alles<br />
Weitere. Nicht so jedoch Vadarassar. Denn der zog den Jäger ins<br />
Gasthaus hinein und sah ihn ernst an.<br />
„Was hast du mit Braunpelz angestellt? Oder wer ist die Kleine da<br />
draußen?“ brummte er auffordernd.<br />
Der Jäger gaffte den Hexer etwas fragend an. „Mann, ich hab keine<br />
Ahnung wovon du sprichst.“<br />
„Das da draußen.“ deutete Vada „<strong>Die</strong> Taurin da draußen ist nicht<br />
einmal mehr im Ansatz das, was Braunpelz beim letzten Mal war. <strong>Die</strong>se<br />
dort kann kämpfen und ist so etwas von sich selbst überzeugt wie<br />
kaum einer. Also sag schon: Was hast du gemacht <strong>–</strong> sonst geht es dir<br />
schlecht.“<br />
„Man bleib mal locker Junge.“ beruhigte der Jäger noch immer. „Du<br />
klingst ja fast so, als wärste in die Kleine verschossen gewesen. <strong>Die</strong> ist<br />
so, seit wir im Dschungel waren. Hat sich ein paar Tricks von meinem<br />
Kleinen abgeschaut.“<br />
„Dummkopf. Ein Gepard kann doch keinen Tauren unterrichten!“<br />
zischte Vadarassar.<br />
„Und wenn doch? Tiere haben viel mehr im Kopf als du glaubst.“<br />
grinste der Troll, wurde daraufhin von dem Hexer noch ein weiteres<br />
Mal gepackt, dann jedoch in einer Ecke fallen gelassen.<br />
„Mehr als du auf jeden Fall wie es scheint.“ brummte Vadarassar, der<br />
sich zum Gehen wandte.<br />
Teborasque indes grummelte seinerseits. <strong>Die</strong> Taurin hatte ihn mit ihrer<br />
Ruhe etwas angesteckt, doch noch immer konnte er diesen<br />
Hexenmeister nicht wirklich leiden. Irgendetwas Dunkles umgab<br />
ihn....etwas beängstigendes....<br />
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Kapitel 16 <strong>–</strong> Auf zum Krater<br />
„Herrje, ist das warm hier.“ ächzte Braunpelz, sich mit beiden Händen<br />
Luft zufächernd.<br />
„In solchen Momenten wünsche ich mir mein Fell weg. Herrje ist das<br />
heiß.“<br />
„Weiß gar nicht was du hast, Mann.“ antwortete Teborasque, ein<br />
breites Grinsen und eine dunkel getönte Brille auf der Nase tragend.<br />
Dunkelrote Gläser aus irgendwelchen Kristallen machten seine Sicht<br />
wirklich und tatsächlich rosarot. Doch das war nicht der Grund für sein<br />
Grinsen <strong>–</strong> er genoss dieses Klima offensichtlich.<br />
„Is doch nur etwas warm hier in der Wüste. Angenehm find ich.“<br />
„Was ihr Trolle alles so angenehm empfindet.“ brummte Vadarassar,<br />
sich mit einem Magiestoffverband den Schweiß aus dem Gesicht<br />
wischend.<br />
„Ich hoffe du weißt wenigstens, wo wir lang sollen. Ansonsten wird ich<br />
dich Gummiadler grillen, wenn uns die Vorräte ausgehen.“<br />
„Klar Mann. Immer Richtung Südwesten. Da geht es dann runter in die<br />
Region von Un’Goro. Und ab da beginnt der Krater und auch<br />
Dschungel. Sollte lustig werden.“<br />
Zwei ächzten, einer grinste. Nur von Bwalkazz war keine Bemerkung zu<br />
hören. Nicht einmal eine Beschwerde wegen der unerträglichen Hitze,<br />
die dank der erbarmungslos knallenden Sonne auf die vier<br />
niederbrannte.<br />
Mit einem lauten Seufzen sank schließlich Braunpelz nahe einem<br />
Kaktus zusammen und lüftete ihre Ledertunika. Dicke Schweißflecken<br />
hatten das Leder schon verfärbt und machten mit ihrem markant<br />
starken Geruch, der irgendwie an einen Kuhstall erinnerte, auch für<br />
blinde deutlich, das Tauren sehr wohl und ziemlich deutlich schwitzen<br />
konnten. Teborasque indes machte es sich auf einem Stein gemütlich,<br />
zog zwei Mithrilgehäuse aus seiner Basteltasche und hielt die Gehäuse<br />
so, das sie das Sonnenlicht möglichst gut in sein Gesicht reflektierten.<br />
„Einfach nur geniale Sonne Mann. Das wir so was nich in Sen’Jin<br />
haben....wirklich ein Jammer.“ murmelte er mit einem zufriedenen<br />
Grinsen und lehnte sich zurück.<br />
„Hier.“ sagte Bwalkazz dann doch endlich nach stundenlanger Stille<br />
und hielt den beiden jeweils einen Schlauch mit Wasser hin.<br />
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„Magisches Sprudelwasser. Das sollte euren Durst löschen.“<br />
Der Gedanke an fast siedendes Mineralwasser weckte in Vadarassar<br />
nicht unbedingt Durst. Dennoch nahm er den Schlauch in die Hand<br />
und hätte ihn vor Schreck beinahe in den Wüstensand fallen lassen.<br />
„KALT!“ rief der Hexer aus, nahm den Schlauch schnell in die andere<br />
Hand und schüttelte die fast schlagartig heruntergekühlte. Braunpelz<br />
indes nahm schon einen Schluck, lief kurz darauf um ihre Nase herum<br />
leicht bläulich an.<br />
„Was erwartest du anderes? Mein Herz und meine Seele sind so kalt<br />
wie das Grab, aus dem ich komme. Je heißer die Umgebung, umso<br />
kälter meine Magie.“<br />
Vadarassar nickte nur knapp, nahm dann einen vorsichtigen Schluck<br />
aus dem Schlauch.<br />
Ein Wunder das dieses Wasser überhaupt noch flüssig war. Selbst Rum<br />
wäre bei dieser Temperatur wahrscheinlich nur noch in Form von<br />
Eiswürfeln in den Rachen des Hexers geplumpst. Doch im Moment<br />
empfand er die Kälte als angenehm. Erst als sich sein Kopf mit<br />
hämmernden Kopfschmerzen energisch gegen die plötzliche<br />
Tiefkühlattacke wehrte, setzte er den Schlauch ab, legte ihn neben<br />
sich in den Sand und umklammerte sich daraufhin zitternd und auf der<br />
Suche nach Wärme. Sein Blick war auf den Beutel und den<br />
umgebenden Sand gerichtet.<br />
<strong>Die</strong>ser war nun weiß wie Schnee.<br />
„Ssssssssehr kkkkkaaaaaalllltttt.“ sagte Vadarassar noch, auf der Suche<br />
nach irgendetwas, das ihn wärmen konnte. Und das, obwohl die<br />
Sonne auf seinem Schädel brannte und geschätzte 50 Grad im<br />
Schatten herrschten.<br />
„Genau.“ bestätigte Bwalkazz die Feststellung des <strong>Hexenmeisters</strong>.<br />
„Eiswasser ist kalt. Doch es wird keinen von euch umbringen. Lediglich<br />
schön kühl halten. So kühl wie mich im Innersten.“<br />
Sowohl Braunpelz wie auch Vadarassar wollten nur einmal<br />
anerkennend nicken. Doch aus dem einmaligen Nicken wurde ein<br />
zitterndes Kopfschütteln nach oben, unten und zu allen anderen<br />
Seiten. Bwalkazz verstand es dennoch, erhob sich wieder und deutete<br />
an, das sie weitergehen sollten.<br />
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Leise brummend packte auch Teborasque seine Gehäuse wieder ein<br />
und folgte den drein. Dann sah er sich um.<br />
Wo war nur sein lieber Swift? Seitdem sie Gadgetzan verlassen hatten,<br />
war sein treuer Begleiter irgendwie verschwunden. Vertrug der Gute<br />
vielleicht die Sonne nicht? Möglich <strong>–</strong> bei DEM dicken Fell....<br />
„Ahh, da vorne geht es sicher nach Un’Go....oohhh...was bei der<br />
Erdenmutter ist denn DAS?!“ brachte Braunpelz hervor, als sie auf<br />
einen Bereich blickte, der ganz und gar nicht mehr wie die Wüste<br />
aussah. Riesige Stacheln ragten in die Höhe, bogen sich, zuckten, als<br />
würde das Land leben.<br />
„Sillithiden.“ stellte Teborasque fest. <strong>Die</strong> anderen drei sahen ihn<br />
fassungslos an. Er blickte zurück, zuckte mit den Schultern.<br />
„Habt ihr nicht mit meinem Trollkollegen am Wegekreuz gesprochen?“<br />
fragte er verwundert.<br />
Vadarassar verdrehte bei der Nennung dieses bekloppten Ortsnamens<br />
die Augen, Bwalkazz sah fragend drein und auch Braunpelz zuckte mit<br />
den Schultern.<br />
Teborasque seufzte. „Ein Freund <strong>eines</strong> Freundes m<strong>eines</strong> Cousins vierten<br />
Grades. Hat sich ein paar komische Krabbeltiere im Brachland<br />
angesehen, dann einige in Tausend Nadeln. Hat irgendwas von einer<br />
neuen Bedrohung gefaselt. Eben diesen Sillithiden. Und das sie eine<br />
Gefahr für das Land wären. Mehr hat er nicht ausspucken wollen.<br />
Außer das es Insekten sind <strong>–</strong> etwa so groß hier.“ erklärte der Jäger und<br />
maß mit den Händen in etwa einen Meter ab.<br />
Alle nickten. Braunpelz verzog außerdem noch das Gesicht.<br />
„Schon wieder Krabbelzeugs. Igitt....“ schüttelte sie sich.<br />
Teborasque grinste und klopfte ihr auf die Schulter.<br />
„Keine Angst Kl<strong>eines</strong>. <strong>Die</strong> können wir locker zertreten. Allesamt. Und<br />
wenn’s eng wird, beschützen wir dich vor den bösen, bösen<br />
Krabbeltieren.“<br />
Zertreten....ja sicher...gute Idee wäre es gewesen. Doch da hatte<br />
Teborasque den Mund wohl zu voll genommen, als sie diese<br />
wuchende Narbe zu durchqueren versuchten. <strong>Die</strong> Viecher hier waren<br />
nicht höchstens einen Meter groß...allein ihre Beine maßen über einen<br />
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Meter. Einige Exemplare überragten sogar die Taurin oder den Troll<br />
selbst...und das, obwohl sie auf dem Bauch herum krochen.<br />
Braunpelz schrie und rannte so schnell sie ihre Hufe tragen konnten.<br />
Davon total überrascht stürmten auch die anderen hinter ihr her <strong>–</strong> eine<br />
ganze Schwadron dieser Krabbeltiere knapp hinter den vieren.<br />
Weg...nur weg von diesen Krabbeltieren. Weiter dachte Braunpelz<br />
nicht, schlug instinktiv mit beiden Händen nach nicht vorhandenen<br />
kleinen Käfern, Spinnen oder anderem Getier vor sich und sah gar<br />
nicht, wie ein Abhang immer näher kam.<br />
„Vorsicht kl<strong>eines</strong>! Da vorne geht es sehr steil....!“ schrie Teborasque<br />
noch, sah dann aber schon, wie der große Körper der Taurin schneller<br />
verschwand, als das sie einfach gestolpert sein könnte.<br />
„Braunpelz!“ schrie Teborasque noch einmal, stand schon am Kliff und<br />
sah herunter.<br />
Einige Dutzend Meter ging es steil bergab. Nicht gerade angenehm,<br />
da so herunter zu fallen....<br />
Dann sah er hinter sich, sah die beiden anderen auf ihn zu rennen und<br />
hinter ihnen runde dreißig Sillithiden.<br />
Er schluckte und sprang, griff im Flug nach seinem Umhang, der sich<br />
weit ausbreitete, als wäre er ein Fallschirm.<br />
Naja...Kunststück: Eines seiner neuesten Meisterwerke, eben ein<br />
Fallschirmumhang.<br />
Noch immer breit grinsend segelte er bis etwa vier Meter vor den<br />
Boden. Dann und mit einem Schlag hörte er ein ritzendes Geräusch,<br />
der Umhang zerriss und der Jäger stürzte fast ungebremst die letzten<br />
Meter zu Boden, rollte sich gerade noch so ab und wimmerte.<br />
Bwalkazz seinerseits griff noch im Rennen in seine Tasche, erwischte<br />
dabei eine Vogelfeder und murmelte einige Worte. <strong>Die</strong> Feder löste<br />
sich auf, ein leichtes Glimmen umgab den untoten Körper. Dann<br />
segelte er elegant und federgleich langsam zum Abgrund hinab.<br />
„Ey! Und was mache ich? Soll ich mich runterfluchen oder was?“<br />
brummte Vadarassar laut hinter dem Magier her, drehte sich um und<br />
sah die schon viel zu nahen Käfer hinter sich.<br />
Was solls <strong>–</strong> so oder so tot....wenn er unten ankam, konnte man ihn<br />
vielleicht wenigstens noch erkennen, anstatt das er von den Viechern<br />
da oben verspeist wurde.<br />
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Noch mitten im Sturz kam ihm eine Idee:<br />
Hathmon!<br />
Das Vieh war eine große, dämonische, blaue Wolke!<br />
Auf dem konnte er landen. Irgendwie.<br />
Schnell murmelte er dämonische Formeln, schrie sie hinaus und zeigte<br />
auf den Boden. Doch <strong>eines</strong> vergaß er dabei: Einen Seelensplitter zu<br />
verwenden. So kam nicht etwa sein geschätzter Hathmon aus dem<br />
kleinen Portal zum Wirbelnether, sondern ein kleiner, stets schlecht<br />
gelaunter Wichtel, den der Hexenmeister jetzt so ganz und gar nicht<br />
gebrauchen konnte.<br />
„Was ist denn jetzt schon wieder? Wollt ihr mich etwa zum Blumen<br />
pflücken abstellen oder was?! Wo seid ihr, dämlicher Orc?“ fluchte der<br />
Wichtel, sah sich um, fand aber den Hexer nicht. Dafür einen untoten<br />
Magier, der einen Augenblick später vor ihm landete und mit einem<br />
breiten Grinsen nach oben zeigte.<br />
Der Dämon verzog die Fratze, zeigte dem Magier einen Vogel und<br />
blickte dann schließlich nach oben.<br />
Sein Gesicht erstarrte....da kam ein großer, fetter Hintern geradewegs<br />
auf ihn...<br />
*WUSCH*<br />
Vadarassar brummte, konnte sich gerade noch von einer Ohnmacht<br />
abhalten. Alles drehte sich vor seinen Augen und er hatte im ersten<br />
Moment das Gefühl, sich jeden einzelnen Knochen gebrochen zu<br />
haben. Dann tastete er sich langsam ab.<br />
Einige Sekunden später bemerkte er, das er offensichtlich und auf<br />
wundersame Weise doch in Ordnung war. Und der Boden unter ihm<br />
war so unglaublich weich, nachgiebig und warm.<br />
„Gm mggmgmm mmgmgmgm mhhhhh!“ schnaubte etwas unter ihm<br />
und biss ihn kurz darauf in den Hintern.<br />
Der Hexenmeister stand auf und sah dort auf dem Boden einen recht<br />
mies gelaunten Wichtel.<br />
„Na da bin ich aber platt das das funktioniert hat.“ witzelte Bwalkazz<br />
und musterte den nun deutlich flacheren Dämon.<br />
„Nicht nur ihr. Na wartet, wenn ich diesen Orc in die Finger bekomme.<br />
Dann wird er.....grrrr....“ zischte der Wichtel wütend. Doch Vadarassar<br />
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hatte sich schon in Sicherheit gebracht und stand nun bei Braunpelz.<br />
<strong>Die</strong> hockte dort und hielt sich mit beiden Händen ihr rechtes Bein.<br />
„Alles in Ordnung Kl<strong>eines</strong>?“ fragte der Hexer, sein Genick<br />
geraderichtend und noch immer gegen den Schwindel ankämpfend.<br />
Braunpelz schüttelte den Kopf. „Nichts Schlimmes passiert. Mein<br />
rechtes Bein....es wird einige Stunden dauern, ehe ich es wieder<br />
benutzen kann.“ sagte die Taurin niedergeschlagen, sich so gut es<br />
ging konzentrierend und damit die Schmerzen verdrängend. Ein<br />
grünliches Licht umgab ihr verletztes Bein...offensichtlich eine Heilung,<br />
die gerade ihr Werk zu verrichten begann.<br />
„Dann campen wir hier, Mann. Wo sonst kann man das besser als<br />
direkt hier, mitten im Krater, eh?“ schlug Teborasque vor und setzte<br />
seinen Rucksack schon mal ab.<br />
<strong>Die</strong> anderen beiden hatten keine Einwände. Und Braunpelz hätte,<br />
auch wenn sie es gewollt hätte, keine einbringen können. Zumindest<br />
vorläufig.<br />
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Kapitel 17 <strong>–</strong> Nachts im Krater<br />
Es war wohl eine glückliche Fügung, das die Heilkräfte der Druidin an<br />
diesem Ort außergewöhnlich stark waren und ihr Bein nicht nur<br />
gesundete, sondern bereits nach wenigen Stunden wieder wie neu<br />
war. Dennoch blieben die vier dabei, vorerst nicht weiter zu gehen<br />
und stattdessen im Osten des Kraters auf einigen Felsen zu rasten.<br />
„Mhh...wird aber verdammt schnell dunkel hier.“ meinte Teborasque,<br />
gen Horizont blickend. Der war dank des dichten Blattwerks, unzähliger<br />
Baumkronen und jeder Menge anderem Gewächs aber schon gar<br />
nicht mehr zu sehen. Stattdessen schimmerte es nur noch leicht<br />
grünlich. Eine farbliche Stimmung, die Vadarassar sehr zuzusagen<br />
schien, denn ganz entgegen seinem üblichen Verhalten lehnte dieser<br />
sich einfach an einen Felsen und war schon halb eingeschlafen.<br />
„Machst du bitte ein Feuer?“ fragte Braunpelz den Jäger, der ihr zu<br />
nickte und ein paar Holzscheite aus seinem Rucksack nahm.<br />
Brennholz <strong>–</strong> etwas, das ein Jäger, der sich selbst versorgte, eigentlich<br />
immer dabei hatte. Schließlich wuchs Feuer nicht auf<br />
Bäumen....obwohl Tebo schon einmal von den berüchtigten<br />
Feuerbäumen in den verwüsteten Landen gehört hatte. Oder gehörte<br />
das vielleicht auch nur in die Welt der Mythen und Märchen? Naja,<br />
war eigentlich auch egal. Jedenfalls legte er die Holzscheite auf den<br />
Boden und kramte dann nach seinem Feuerstein und dem Zunder.<br />
Als er beides endlich gefunden hatte, verzog er das Gesicht.<br />
Irgendwas musste wohl in seiner Tasche ausgelaufen sein, denn der<br />
Zunder war so nass wie ein Wasserelementar. Brummend sah der Jäger<br />
zu den anderen.<br />
„Hat einer von euch beiden Feuer?“<br />
Bwalkazz drehte sich zu dem Jäger um und funkelte ihn mit seinen<br />
Augen an. Dann verließen einige flüsternde Silben seinen schiefen<br />
Kiefer, die rechte Hand des Magiers begann zu glimmen und<br />
Momente später lag eine Kugel reinen Feuers in seiner verfaulenden<br />
Handfläche.<br />
„Reicht das oder brauchst du noch mehr, Troll?“ fragte er, den Kiefer<br />
so verziehend, als würde er lächeln. Teborasque starrte den Magier nur<br />
überrascht an, nickte dann aber bestätigend. „Ja Mann, du großes<br />
Feuerzeug Mann.“<br />
„Feuerzeug....gleich gibt’s Troll ‚On the Rocks’.“ knurrte Bwalkazz.<br />
- 94 -
„He Mann. Sei doch nich so steif. Lach mal lieber.“<br />
„Ich würde mich totlachen. Wenn das noch ginge. Aber mein Humor<br />
ist nicht mit ausgegraben worden.“ antwortete Bwalkazz kühl, ging<br />
dann einige Schritte weg und gesellte sich zu Vadarassar, der<br />
allerdings schon schlief.<br />
„Der is ja wirklich mal frostig. So kühl, der könnte sich an nem Eisblock<br />
warm rubbeln.“ meinte Teborasque zu Braunpelz. <strong>Die</strong> jedoch war<br />
neben ihm auch schon eingeschlafen.<br />
Na toll....da war er gerade etwas lockerer, für Witze aufgelegt und<br />
kam in Stimmung für etwas Lagerfeuerromantik....und da schliefen sie<br />
schon alle. Dann würde er also auch etwas Schlaf....Moment....was<br />
war denn das gerade? Hatte Tebo da vielleicht einen Raptor brüllen<br />
gehört?<br />
Nein...das war lauter! Viel lauter als das es von einem Raptor hätte<br />
stammen können.<br />
Kampfbereit nahm er sein Gewehr zur Hand und lud es durch.<br />
Ein grünlicher Schleier umwob die Druidin, trug sie und ließ alles Leid,<br />
alle Schmerzen und alle Gefahren an ihr vorbei rauschen, als wären sie<br />
nichts anderes als Regentropfen. Um sie herum war überall Leben, das<br />
friedliche und freundliche Lachen von Tauren und Nachtelfen, Kindern<br />
und Erwachsenen, das fröhliche Zirpen der Vögel und Insekten. Sogar<br />
das Wasser schien freudig plätschernd zu singen, die Bäume gut<br />
gelaunt vor sich hin zu knarzen.<br />
Harmonie. Unglaubliche Harmonie und Frieden. Und dennoch spürte<br />
sie etwas Dunkles. Eine Gestalt ganz aus Feuer und Fels, die am Rande<br />
dieses wunderschönen Bildes stand. Das Gras welkte unter den Felsen,<br />
die die Beine dieses Monsters bildeten. Unzählige Dämonen reihten<br />
sich hinter dieser Bestie auf, weitere, die wie diese eine waren, andere,<br />
die größer waren...und an ihrer Seite eine Horde Orcs. Doch die Augen<br />
jener Orcs brannten rötlich, Blut tropfte von ihren Hauern und ihr Blick<br />
war kalt und leer.<br />
<strong>Die</strong> Legion....sie würde über dieses Land kommen. Doch das Land<br />
verteidigte sich, gab seine Kraft an die Nachtelfen und die Tauren<br />
gleichermaßen. Über diesen beiden so unterschiedlichen Völkern<br />
glänzte der Vollmond, schien auf sie herab und spendete ein silbernes<br />
Licht, das sie umgab und noch weitere Kraft schenkte.<br />
- 95 -
<strong>Die</strong>se Welt, die Natur, der Mond. Kräfte, die beide Völker erfüllen<br />
sollten, damit sie der Gefahr Herr werden konnten. Kräfte, die auch<br />
Braunpelz nur zu gut besaß. Sie spürte ihre eigenen Kräfte und wusste<br />
innerlich, dass sie selbst für einen solchen Kampf bereit wäre. Das sie<br />
kämpfen würde. Das sie dieses Land, das Leben und alle, die ihr am<br />
Herzen lagen, verteidigen würde.<br />
„<strong>Die</strong>s ist deine Bestimmung, Braline.“ hörte sie eine Stimme hinter sich.<br />
Blitzartig wendete sich die Druidin um, sah erneut jenen Tauren, der sie<br />
so viel gelehrt hatte.<br />
„Ich habe dich nichts gelehrt, Braline. All dein Wissen war schon in dir.<br />
<strong>Die</strong> Veranlagung, mit den Strömen der Natur im Einklang zu sein, die<br />
Energie des Lebens zu spüren und den Traum zu träumen, wird von<br />
Geburt an gegeben. Und deine Taten bestärken deine Fähigkeiten,<br />
bestärken deinen Glauben wie auch die Natur selbst. So erstarkt ihr<br />
aneinander.“ erklärte der merkwürdige Taure und ging dann einen<br />
Schritt auf die Druidin zu.<br />
„Du wirst noch vieles lernen im Leben. Du wirst viele Kräfte erhalten.<br />
Doch vorher will ich dir noch <strong>eines</strong> zeigen.“<br />
Mit diesen Worten drehte der Taure sich um und ging einen Schritt zur<br />
Seite. Hinter seinen breiten Schultern erkannte Braunpelz einen<br />
enormen Baum. Ein Baum, der so riesig war, das ganze Völker in<br />
seinem Astwerk hätten leben können, ohne entdeckt zu werden.<br />
„<strong>Die</strong>s ist der Baum des Lebens. Seine Wurzeln reichen bis nach Azeroth,<br />
die Krone verbindet deine Welt mit dem Universum und der<br />
Unendlichkeit. Alles Leben entstammt diesem Baum und kehrt dorthin<br />
zurück.“ erklärte er und drehte sich dann wieder zu Braunpelz, hielt ihr<br />
seine rechte Hand hin.<br />
Ein kleiner Samen lag auf seiner Handfläche.<br />
„<strong>Die</strong>s ist ein Samen vom Baum des Lebens. Wer seine Essenz mit der<br />
Frucht des Baumes verbindet, wird selbst ein Teil des Baumes. Wer Teil<br />
des Baumes ist, kann Leben schenken, Kräfte erneuern und Verdorrtes<br />
wieder zum Leben erwecken. Nur wenige Druiden haben das Wissen<br />
oder die Gabe, eine solche Verschmelzung zu schaffen. Du Braline<br />
hast diese Gabe. Das weiß ich.“<br />
Er ergriff ihre rechte Hand, legte den Samen in selbige. Augenblicklich<br />
begann der Samen zu glühen, zerfloss dann in grünlichem Licht und<br />
ließ die Hand der Druidin selbst aufglühen. Schnell spross das Leuchten<br />
- 96 -
den Arm hinauf, verteilte sich von der Schulter über den gesamten<br />
Körper der Druidin, bis sie vollständig leuchtete. Dann verschwand das<br />
Glühen, hinterließ tief in ihr jedoch eine wohlige Wärme.<br />
„<strong>Die</strong>s war die letzte Lektion, die du lernen solltest und bei der ich dich<br />
begleitete. Den Rest d<strong>eines</strong> Weges musst du allein gehen.“ sagte der<br />
Taure und wendete sich ab.<br />
„Warte.“ rief Braunpelz ihm hinterher. „Danke für alles. Aber...ich habe<br />
noch eine Bitte.“<br />
Der Taure hielt inne, drehte sich jedoch nicht zu der Druidin. „Sprich<br />
ruhig. Doch ich denke, ich kenne diese Bitte bereits.“<br />
Sie nickte kurz. Es war offensichtlich, was sie erbitten wollte. „Ehe du<br />
gehst, wollte ich deinen Namen erfahren.“<br />
Der Taure atmete einmal tief ein, dann wieder aus. „Es ist dein Recht,<br />
dies zu erfragen. Man kennt mich unter vielen Namen, Braline. Doch<br />
der Name, den ich dir nennen möchte, ist mein wahrer. Behalte ihn für<br />
dich, verschließe ihn in deinem Herzen und nenne ihn niemand<br />
anderes. Ich weiß, das ich dir vertrauen kann, wenn ich dies verlange.“<br />
Er wendete sich um, öffnete seine Augen einen Spalt und sah<br />
Braunpelz an. <strong>Die</strong> zuckte zusammen, als sie glänzend grüne Augen<br />
hinter den Lidern entdeckte.<br />
„Mein Name ist Yserion. Wenn du je meine Hilfe brauchen solltest,<br />
komm an diesen Ort und rufe nach mir. Ich werde dich hören, wo<br />
auch immer dein Körper sein mag.“<br />
Mit diesen Worten verschwand der Taure in einem grünlichen<br />
Nebelschleier. Braunpelz blinzelte noch einige Male, doch er war<br />
wirklich weg.<br />
Yserion. Kein Name, der für einen Tauren üblich war. Viel eher für....<br />
...nein...das konnte doch nicht sein....<br />
Nicht nur Braunpelz war es, die in dieser Nacht träumte. Auch<br />
Vadarassar war tief in Träume versunken, in denen Dämonen<br />
vorkamen. Allerdings nicht auf die angenehme Art, wie Braunpelz sie<br />
erfahren hatte.<br />
Er stand inmitten einer Horde Dämonen. Links und rechts von ihm<br />
andere Hexenmeister, allesamt mit rot glimmenden Augen. Vor ihnen<br />
ein riesiger, rothäutiger Dämon, der in einer Sprache brüllte, die so<br />
- 97 -
fremd schien wie nichts anderes. Dennoch verstand Vadarassar sie. Es<br />
war die dämonische Sprache der Brennenden Legion....und er war<br />
inmitten unter ihnen.<br />
Lautes Gebrüll, ein Blitz, dann stand er inmitten der Schlacht.<br />
Dämonen schossen vor, Hexenmeister ringsum brüllten Flüche und<br />
warfen mit schwarzer Magie um sich, entzogen allem Lebenden ihre<br />
Kraft. Vadarassar selbst glaubte zu fantasieren, die Augen <strong>eines</strong><br />
anderen zu erleben. All das war so fern, so unmöglich. Dann sah er<br />
unter sich, wie sich ein Körper in unendlichen Schmerzen wand.<br />
Es war....ein Troll, der gerade seinen letzten Atemzug tat. Nicht<br />
irgendein Troll....es war jener Jäger, den er als Freund kannte.<br />
Teborasque....<br />
ein Schwert steckte in der Brust des Jägers, der seine Augen weit<br />
aufgerissen hatte und mit ihnen den Hexenmeister anstarrte, als sein<br />
Lebensfunke erlosch.<br />
Vadarassar erschrak, als er bemerkte, dass die Hand, die den Griff des<br />
Schwertes hielt, seine eigene war.<br />
Er...hatte einen seiner Gefährten getötet. Er war....er....war der<br />
Mörder.....ein Mörder wie alle anderen hier....<br />
Schreie ringsum. Andere Orcs stürzten sich in den Kampf, schwangen<br />
ihre Äxte, um kurz darauf von Höllenbestien zermalmt zu werden. Ein<br />
großer Terrorbär warf sich gegen einen jener Felsenriesen, wurde unter<br />
ihm zermalmt. Dann schimmerte er...<br />
...Braunpelz....nein...nicht auch noch sie....<br />
Vadarassar ließ das Schwert nun endlich los, wankte nach hinten, die<br />
Hände vor seinem Gesicht. Erst jetzt bemerkte er, dass sie<br />
blutverschmiert waren. Rotes Blut, gemischt mit schwarzem.<br />
Etwas knirschte unter seinen Füßen. Er blickte herunter, lief noch<br />
bleicher als zuvor an.<br />
Der Schädel von Bwalkazz....abgeschlagen von den Schultern....lag<br />
nun zertreten zu seinen Füßen.<br />
- 98 -
„Du bist auf dem Pfad der Verwüstung, Hexenmeister. Und du kannst<br />
nichts dagegen tun.“ groll die Stimme aus dem blutroten Himmel über<br />
ihm.<br />
„Nein!“ rief Vadarassar zurück.<br />
„Doch. Du bist der Verdammnisbringer. Ebenso wie tausende vor dir.<br />
Du bist nicht besser als die anderen. Du bist noch viel, viel schlimmer!“<br />
- 99 -
Kapitel 18 <strong>–</strong> Der Schatten<br />
Sichtlich erfrischt und voller neuer Energie wachte Braunpelz auf und<br />
hob ihren Oberkörper, streckte ihre Arme kräftig aus und gähnte<br />
langgezogen.<br />
„Guten Morgen zusammen.“ schmatzte sie noch im Gähnen, die<br />
Augen geschlossen haltend. Dann blinzelte sie und sah sich nach den<br />
anderen um.<br />
„Ah Mann, biste auch endlich wach. Habt ja nen Schlaf, der durch nix<br />
zu stören ist, eh?“ rief Teborasque hinter ihr.<br />
Braunpelz verstand nicht, was er damit meinte, drehte sich um und<br />
wäre beinahe vor Schreck umgekippt. Dort lag ein riesiger Raptor <strong>–</strong><br />
nein, ein Dinosaurier, der einen Raptor um mindestens das fünffache<br />
überragte <strong>–</strong> auf dem Boden und Teborasque hockte auf dem Schädel<br />
des Riesen und polierte seine Flinte.<br />
„Was....was....“ stotterte Braunpelz, sah Bwalkazz zu, wie dieser mit<br />
einem kleinen Messer große Lederbahnen vom Leib des Riesen<br />
ablöste.<br />
„Der is letzte Nacht hier rumgewandert. Boah, war der nen Brocken.<br />
War ziemlich knapp. Aber zum Glück hatte ich ja meinen kleinen<br />
Freund hier.“ sagte Tebo grinsend und deutete vor sich.<br />
Swift, sein getreuer Gefährte, lag etwas seitlich von dem Biest und riss<br />
an einem großen Brocken Fleisch, um ihn nur Momente später<br />
herunterzuschlingen. Einige Bandagen, viele von ihnen rötlich verfärbt,<br />
fielen ihr direkt auf.<br />
„Er ist verletzt.“ fasste sie ihre Beobachtung zusammen.<br />
„Zum Glück nix ernstes. Aber wenig verwunderlich <strong>–</strong> er hat uns<br />
sozusagen das Leben gerettet.“<br />
„Erzähl mir, was passiert ist.“ sagte Braunpelz und sah den Jäger ernst<br />
an. Der nickte ihr zu, stand auf und sprang von dem Schädel runter,<br />
ließ den Magier nun seine Arbeit gänzlich allein erledigen. Soll die<br />
Leiche schließlich auch mal was tun für ihr Geld....totarbeiten könnte<br />
er sich ja schließlich nicht mehr.<br />
Wieder so ein schöner Wortwitz. Und wieder ärgerte Teborasque sich<br />
innerlich, es nicht ausgesprochen zu haben. Andererseits hatte er aber<br />
- 100 -
auch etwas gegen die Frostbeulen, die er als Reaktion darauf sicher<br />
bekommen hätte. Naja...Ausgleich also.<br />
„Also das war letzte Nacht. Ihr ward grad alle eingeschlafen, als ich<br />
nen Geräusch hörte....<br />
Ein kräftiges Knarzen ging durch den Krater. Das Krachen von Bäumen,<br />
die unter der Last großer Schritte zermalmt wurden. Teborasque stand<br />
da, hatte das Feuer, das sich die vier entzündet hatten, so schnell er<br />
konnte gelöscht und starrte durch sein Fernrohr nun tief in die<br />
nachtschwarze Dunkelheit des Kraters.<br />
Da vorne bewegte sich etwas. Ein Schatten, der durch das fahle<br />
Mondlicht nur gerade so zu erkennen war. Der Jäger blinzelte noch<br />
einige Male, sah das Monster dann schließlich so klar, wie es unter<br />
widrigen Lichtverhältnissen ging.<br />
<strong>Die</strong> Flinte fest in der Hand ging er weiter und auf das Ungetüm zu. Das<br />
hatte ihn offenbar schon längst gewittert und stapfte seinerseits auf ihn<br />
zu.<br />
<strong>Die</strong> Größe dieses Monstrums jagte Teborasque einen eiskalten Schauer<br />
über den Rücken. So kalt, als habe Bwalkazz ihm mal wieder in den<br />
Nacken gehaucht (ein eisiges Gefühl, das niemandem<br />
weiterzuempfehlen war <strong>–</strong> es sei denn, man mochte tiefgefrorene<br />
Nackenhaare....). In Metern zu schätzen waren die Ausmaße dieser<br />
Bestie nicht, doch reichte es Teborasque zu wissen, das er dem Vieh<br />
nicht einmal bis zu den Knien reichte und dafür locker unter die<br />
riesigen Füße des Ungetüms.<br />
An sich selbst zweifelnd und dennoch hoffend, das die Munition von<br />
der Haut nicht einfach wieder abperlen würde wie ein Regentropfen<br />
legte er an, auf den Hals der Bestie zielend. Dann schoss der Troll.<br />
<strong>Die</strong> Kugel traf ihr Ziel und riss eine große Wunde zwischen Schulter und<br />
Hals des Riesensauriers. Das wiederum machte ihn nur noch wütender.<br />
Jetzt raste er mit voller Geschwindigkeit auf den Troll zu, den Kopf für<br />
einen tödlichen Biss senkend. Teborasque indes lud schnell nach,<br />
wollte einen Schuss auf den Kopf des Monsters abfeuern. Er drückte<br />
ab....und nichts passierte.<br />
Ladehemmungen...auch das noch! Wieder und wieder drückte er auf<br />
den Auslöser, schlug mit der flachen Hand gegen die Seite der Flinte.<br />
Erfolglos. <strong>Die</strong> Sekunden verstrichen und mit jedem Augenblinzeln kam<br />
- 101 -
das Vieh näher. Teborasque blieb nur noch, sich auf den Boden zu<br />
werfen und das Beste zu hoffen.<br />
Ein lautes Fauchen drang an seine Ohren. Er sah nach links und<br />
erblickte dort nur das Funkeln zweier Juwelen. Katzenaugen, die<br />
einem Kater gehörten, den er nur zu gut kannte. Und selbiger rannte<br />
gerade mit voller Geschwindigkeit seitlich auf das Monster zu, sprang<br />
in die Luft und schlug seine Krallen und Zähne in den Hals des<br />
Riesensauriers.<br />
<strong>Die</strong>ser wurde leicht zur Seite gedrückt. Gerade leicht genug, um<br />
Teborasque mit seinem Biss zu verfehlen. Doch der Kater war für ihn<br />
auch kein echter Gegner, eher nur lästig. Brüllend schüttelte er sich,<br />
streifte den Geparden ab und schleuderte ihn auf den Boden. Eine<br />
schnelle Drehung, ein Schwanzschlag und der Gepard flog im hohen<br />
Bogen in Richtung Teborasque und blieb benommen liegen.<br />
„Swift. Alles in Ordnung, Mann?“ rief der Troll, sich gerade aufrappelnd<br />
und zu seinem Begleiter sehend, der sich seinerseits aufzurappeln<br />
versuchte.<br />
„Durchgeschüttelt....mehr nicht zum Glück.“ fauchte sein Kater in einer<br />
für Katzen ganz eigenen Sprache.<br />
„Der ist ne Nummer zu groß. Für jeden von uns beiden.“ schlussfolgerte<br />
der Kater ganz logisch.<br />
Teborasque nickte und sah, wie der Dinosaurier sich umsah, um erneut<br />
auf den Troll loszugehen. Immerhin hatte Swifts Attacke das Monster<br />
genug verwirrt, damit die beiden einige Sekunden Bedenkzeit hatten.<br />
Und die reichte dem Trolljäger auch. Schnell zog er ein Bündel aus<br />
seinem Rucksack. Ein Bündel aus schwarzen Kugeln und roten<br />
Stangen, verbunden mit jeder Menge Kordel und anderen<br />
abenteuerlichen Kabel- und Drahtgebilden.<br />
„Meinst du, du kannst dem das hier irgendwie ins Maul befördern?“<br />
fragte der Jäger seinen Begleiter.<br />
Der Kater sah Teborasque ernst an.<br />
„Es gibt eine Möglichkeit, ja. Aber die wird weh tun. Ich muss mich von<br />
dem Vieh scheinbar fangen lassen.“<br />
„Sorg du nur dafür, dass er das Ding hier schluckt. Um den Rest<br />
kümmere ich mich....und auch um dich und alles, was passieren<br />
sollte.“<br />
- 102 -
Beide atmeten tief durch, dann biss der Gepard in das, was wohl wie<br />
ein Tragegriff funktionieren sollte und stürmte voran. Knapp seitlich von<br />
dem Ungetüm fauchte er einmal laut, blieb kurz stehen und stürmte<br />
dann weiter.<br />
Der Riesendino reagierte prompt...und genau so, wie Swift erhofft oder<br />
auch befürchtet hatte: Mitten im Sprung, den der Feline vollführte,<br />
öffnete das Vieh sein riesiges Gebiss und ließ den Sprung mitten<br />
zwischen den Zähnen enden. Zähne, die sich schnell um den<br />
Geparden schlossen, seine Hüfte und seine Hinterläufe zu<br />
zerschmettern drohten.<br />
Mit einem unglaublich schrillen Hilfeschrei schleuderte der Gepard mit<br />
letzter Kraft das Paket in den Schlund des Giganten und fühlte dann,<br />
wie seine Knochen kurz vor dem Zerbrechen waren.<br />
In dem Moment explodierte ein Pfeil direkt vor dem Auge des Riesen.<br />
Teborasque. Er hatte einen Bogen, den er letztens gefunden hatte,<br />
herausgekramt, seine Flinte zu Boden geworfen und nun einen Pfeil in<br />
Richtung des Riesen abgeschossen. Lang war es her, das er mit so<br />
einer Low-Tech-Waffe umgegangen war. Doch noch immer<br />
beherrschte er den Umgang damit ziemlich gut. Es reichte zumindest,<br />
damit das Vieh das Maul wieder aufriss und Swift herausfallen konnte.<br />
<strong>Die</strong> vorher noch als sicher erachtete Beute ignorierend stapfte der<br />
Riese nun wieder auf Teborasque zu. Der betete, das sein Freund bei<br />
diesem riskanten Versuch nicht versagt hatte, ging noch einige<br />
Schritte zurück, sprang dann hinter einen Stein, zog einen kleinen<br />
Kasten, aus dem tausende kleine Drähte hingen heraus und drückte<br />
auf den großen, roten Knopf, der sich in der Mitte befand.<br />
Nichts passierte. Wieder drückte der Troll auf den Knopf.<br />
Erneut passierte nichts. Dann war die riesige Visage des Dinosauriers<br />
über ihm. Das Maul öffnete sich, war bereit ihn zu verschlingen.<br />
Ein letztes Mal drückte Teborasque auf den Knopf, die übergroße<br />
Fernbedienung wie ein Schutzschild vor sich halten.<br />
Ein schrilles Piepen aus dem Bauch des Sauriers ließ den Troll<br />
zusammenzucken und in Deckung springen. Dann begann es.<br />
Etwas rumpelte im Bauch des Riesen. Der sah sich um, spürte mit<br />
einem Mal einen unglaublichen Schmerz. Wieder rumpelte es kräftig,<br />
erbebte der Bauch des Dinosauriers, als habe jemand dagegen<br />
getreten. Er taumelte, schüttelte sich und hob seinen Kopf hoch in die<br />
Luft, um zu einem letzten Schrei anzusetzen.<br />
- 103 -
Dann kam der letzte große Rumpler. Ein Krachen, das den Bauch des<br />
Dinosauriers mit einem Schlag aufplatzen ließ. Blut und alles, was bis<br />
gerade noch in dem Dinosaurier lebend drin war, schleuderte heraus,<br />
hing nun aus einer vier Meter langen, qualmenden Wunde. Der<br />
gerade noch begonnene Schmerzenschrei verging in einem<br />
vergeblichen Blubbern. Blut floss zwischen den Zähnen des Giganten,<br />
der nur Augenblicke später zur Seite umkippte und keinen Atemzug<br />
mehr tat.<br />
„...dann bin ich zu Swift und hab den kleinen versorgt. Zum Glück nix<br />
ernstes <strong>–</strong> aber die Zahnabdrücke müssen erst mal verheilen. Aber das<br />
wars so ziemlich.“ beendete Teborasque seine Erzählung.<br />
Braunpelz sah den Jäger beeindruckt und den großen Dinosaurier<br />
etwas bemitleidend an. <strong>Die</strong> Natur war zeitweilen grausam, doch<br />
wusste sie ebenso, das einige Wesen andere töten mussten, um zu<br />
überleben und einander zu ernähren. Und die Bemühungen von<br />
Bwalkazz, das Leder, den Balg und das Fleisch des Riesen so gut es<br />
ging zu sichern zeigten, dass auch dieser Riese nicht umsonst<br />
gestorben war. Aus dem Leder würden viele Dutzend gute<br />
Lederrüstungen werden. Und das Fleisch würde sie alle vier lange satt<br />
halten.<br />
Alle vier? Braunpelz sah sich um.<br />
„Wo...ist denn Vadarassar? Hast du ihn gesehen?“ fragte die Taurin<br />
den Jäger. Doch der schüttelte nur den Kopf.<br />
„Ne Mann. Den hab ich nich gesehen. Dachte der wäre aufgewacht<br />
und hätte mir helfen wollen, das Vieh hier zu erledigen. Keinen<br />
Schimmer, wo der jetzt schon wieder ist.“<br />
„Verderbnis wird über alle kommen. Das weißt du ganz genau. Du<br />
wirst in den Reihen der Legion stehen und kämpfen. Ebenso wie alle<br />
anderen Hexenmeister. Ebenso wie all jene die glauben, die Mächte<br />
der Dunkelheit kontrollieren zu können. Wehre dich nicht dagegen.“<br />
stichelte die Stimme immer und immer wieder. Eine Kälte umgab ihn,<br />
die selbst die des Magiers übertraf. Eine Kälte, die Fleisch verbrennen<br />
und zerfließen lassen konnte.<br />
Vadarassar lief und lief. <strong>Die</strong> Wüste war kein Hindernis mehr für ihn<br />
gewesen. Blind hatte er sie mitten in der Nacht und bei Temperaturen,<br />
- 104 -
ei denen andere erfroren wären, durchquert und sah nun die<br />
Goblinstadt an ihm vorbei ziehen. Leute sprachen ihn an, er ignorierte<br />
sie.<br />
Weg...nur weg hier....<br />
„Du läufst davon und wirst dem Unabänderlichen nicht entkommen.<br />
Sieh es ein, Hexenmeister. Deine Verbindung wird genutzt werden, um<br />
uns zu manifestieren.“ flüsterte der Schatten erneut.<br />
„Nein.“ schüttelte der Hexer den Kopf, die Hände an die Schläfen<br />
legend. „Ich werde einen Weg finden. Ich kenne einen Weg.“<br />
„Du kennst gar nichts. Du kannst dich nur dem hingeben, wozu du<br />
bestimmt bist. Als <strong>Die</strong>ner der Brennenden Legion. Als Marionette, die<br />
scheinbar freien Willen und grenzenlose Macht hat. Als einer, der seine<br />
Freunde verrät, wenn sie auf ihn zählen. Du wirst wie tausende andere<br />
sein. Du, ja, auch du.“<br />
„Nein...ich nicht.“ kämpfte Vadarassar gegen den Schatten an. „Ich<br />
gehe zu ihnen.“<br />
„Ihnen? Zu wem willst du gehen und dich verstecken? Willst du dich<br />
verbergen vor dem Unabänderlichen?“<br />
„Ich werde dich versklaven. Ich werde die dunkle Kunst einschließen<br />
lernen.“<br />
„<strong>Die</strong>se Kunst beherrscht kein Sterblicher. Gib dich dieser Illusion nicht<br />
hin. Gib lieber auf und ergib dich in dein Schicksal.“<br />
„Ich werde zu keinem Sterblichen gehen....“ begann Vadarassar und<br />
atmete tief durch. Er hatte davon nur gelesen und Horrorgeschichten<br />
von diesem verdorbenen Land gehört, das so viel Elend gesehen<br />
hatte, das selbst die Bäume schon gestorben waren.<br />
„Ich gehe zu den Jaedenar.“<br />
- 105 -
Kapitel 19 <strong>–</strong> Konvertierung<br />
„Siehst du von da oben irgendwas?“ rief Braunpelz dem Jäger zu, der<br />
auf eine der Klippen des Kraters geklettert war und dort oben mit<br />
seinem Fernrohr den Krater absuchte.<br />
„Nur jede Menge Dinosaurier, ein paar Teerbestien und noch Bruder<br />
und Schwester von unserem Big Daddy dort unten. Dann noch nen<br />
paar komische wandelnde Pflanzen und einige stinkende Allianzler.<br />
Ansonsten nichts zu sehen. Keine Spur!“ rief Teborasque zurück und<br />
steckte sein Fernrohr wieder ein, um wieder herunter zu klettern.<br />
„Er ist verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt.“ fasste der Troll<br />
zusammen.<br />
„Vielleicht hat sich ja der Boden geöffnet und ihn nach Hause geholt.“<br />
schlug Bwalkazz vor.<br />
Braunpelz und Teborasque starrten den Magier fassungslos an. Doch<br />
der zuckte nur mit den Schultern.<br />
„Er ist Hexer. Meint ihr ernsthaft, das der mal einen Platz dort oben<br />
bekommt?“<br />
„Das hoffe ich. Seine Mittel sind nicht die nettesten, aber sein Herz ist<br />
rein.“ antwortete Braunpelz, ein besorgtes Gesicht auflegend.<br />
„Sein Herz ist so rein wie eine Teergrube wohlriechend oder ich<br />
quicklebendig bin.“ warf ihr Bwalkazz entgegen. Doch Braunpelz war<br />
aus irgendeinem Grund nicht von diesem Gedanken abzubringen.<br />
„Wo könnte er stecken? Hat er irgendwas gesagt?“ fragte sie erneut.<br />
Doch alle anderen schüttelten den Kopf.<br />
Merkwürdig. Wirklich merkwürdig. In Gedanken versunken gingen die<br />
drei Richtung Norden weiter, trafen dort auf die von Teborasque<br />
schon vorher gesehenen Allianzler. <strong>Die</strong> wären über einen einzelnen<br />
der drei sicher her gefallen...gegen drei Hordler gleichzeitig trauten sie<br />
sich aber nicht, etwas zu unternehmen. Vielleicht stimmte das Gerücht<br />
ja: <strong>Die</strong> Allianz traute sich gegen die Horde nur in extremer Überzahl<br />
anzutreten. Doch sei es drum gewesen <strong>–</strong> keiner der Drei wäre in der<br />
Stimmung für einen Kampf gewesen. Stattdessen fanden sie einen<br />
Goblin, der laut fluchend vor seinem Windreiter stand.<br />
- 106 -
Moment...was war denn mit dem Windreiter da passiert? Der trug ja<br />
Verbrennungen, wie sie von Schattenmagie stammen konnten.<br />
Teborasque klopfte beiden auf die Schultern, ging voran und grinste<br />
den Goblin breit an. „Grüß dich, Mann. Sagmal, was ist denn mit<br />
deinem Reittier passiert. Sieht ja böse aus.“ begrüßte der Troll den<br />
Goblin. <strong>Die</strong>ser sah den Troll zuerst zerknirscht an, sah in den drein dann<br />
aber <strong>–</strong> Goblin-üblich <strong>–</strong> eine gute Chance, seinen offenkundigen<br />
Verlust wieder wett zu machen.<br />
„Ein Kunde von mir....verdammte Hexer. Kann ich euch irgendwie<br />
helfen? Werkzeug? Lebensmittel? Waffen? Rüstungen? Ich habe alles,<br />
was ihr euch vorstellen könnt. Und alles andere kann ich besorgen.“<br />
Der Fluch über Hexer hatte Braunpelz hellhörig gemacht. Ehe<br />
Teborasque noch etwas sagen konnte, hatte sie mit ihrer großen Hand<br />
selbigen schon weggeschoben und stand nun selbst vor dem Goblin.<br />
„Ein Hexer sagt ihr? Wie sah er aus?“ fragte sie schnell.<br />
Der Goblin musterte die Taurin. Eine Information, die offenbar etwas<br />
wert war.<br />
Er grinste. „Das kostet aber etwas, meine gute.“<br />
Er hatte sein Grinsen noch nicht ganz ausgepackt, da blieb es schon<br />
wie versteinert auf seinem Gesicht stehen, als ihn die beiden Hände<br />
der Taurin fest packten und zu schütteln begannen.<br />
„Spuck es aus. Wie sah der Hexer aus?!“ knurrte die Taurin, die diese<br />
Seite gerade selbst zum ersten Mal an sich erkannte.<br />
Kräftig durchgeschüttelt kam der Goblin schließlich zu Wort.<br />
„Okok....groß, grün...Orchexenmeister. Lilane Robe und so ein<br />
komischer Turban. Faselte was von Teufelswald und war ständig in<br />
Selbstgespräche vertieft. Ist dann aber einfach mitten in der Wüste<br />
abgestiegen. Hat mich um meine Zeche geprellt. Jetzt lasst mich los!“<br />
rief der Goblin, bemüht so gut er konnte die Kontrolle zu behalten. Das<br />
gelang ihm nur halbwegs <strong>–</strong> allzu deutlich merkte man ihm seine Panik<br />
an, die er angesichts der dreimal so großen Taurin vor ihm hatte.<br />
Braunpelz nickte ihm zu, ließ ihn dann runter.<br />
„Dann soll uns dein Windreiter auch in den Teufelswald bringen.“ sagte<br />
sie entschlossen.<br />
Der Goblin sah die Taurin an und brach dann in lautes Gegröle aus.<br />
- 107 -
„Was? Ihr drei? In den Teufelswald? Seid ihr irre? Allein schon du bist so<br />
fett, das mein Windreiter in der Mitte durch....“ begann der Goblin,<br />
kam aber nicht weiter, da er gerade in dem Moment eine ‚leichte’<br />
Ohrfeige von Braunpelz kassiert hatte.<br />
Nun...bei Tauren sind auch leichte Ohrfeigen härter als ein Faustschlag<br />
unter Goblins. Jedenfalls hatte die gereicht, um den Grünling ins Reich<br />
der Träume zu schicken.<br />
„So viel zum Thema Windreiter. Und nu?“ kratzte sich Teborasque am<br />
Kopf.<br />
„Ich könnte uns mit einem Zauber nach Orgrimmar bringen. Von dort<br />
aus ist es nicht mehr sehr weit bis zum Teufelswald.“ schlug Bwalkazz<br />
vor.<br />
Beide starrten den Magier verblüfft an. „So etwas kannst du?!“ fragte<br />
Braunpelz überrascht.<br />
„Sicher. Das ist keine Kunst.“<br />
„Und warum hast du das nie gesagt, Mann?“ fragte Teborasque, die<br />
Arme vor der Brust verschränkend.<br />
Bwalkazz zuckte mit den knochigen Schultern und zupfte sein Gewand<br />
zurecht. „Du hast nie gefragt.“<br />
Dann griff er in seine Robentasche und holte eine Rune heraus. Seine<br />
Hände begannen zu glühen, ließen das Glimmen der Rune zu einem<br />
strahlenden Licht wachsen, während sie wuchs und wuchs und wuchs.<br />
Dann schließlich bildete die Rune einen Durchgang. Vage erkannte<br />
man dahinter Umrisse von Gängen und hörte Gespräche von<br />
unterschiedlichen anderen Hordlern. Ein Sprachenmischmasch, der<br />
nicht viel mehr war als lautes Geplapper.<br />
„Geht hindurch. Der Zauber wird nicht lange halten.“ sagte Bwalkazz<br />
und deutete den beiden an zu gehen.<br />
Sie nickten. Zuerst ging Teborasque, einen Dolch sicherheitshalber<br />
griffbereit haltend. Dann folgte sein Begleiter und auch Braunpelz.<br />
Zuletzt ging auch Bwalkazz durch das Leuchten, das die Rune abgab.<br />
Kaum war er durch das Portal geschritten, schrumpfte es rasant. Das<br />
Glühen schwand und wurde wieder zu lediglich jener Rune, die zu<br />
Boden stürzte und nun gänzlich ohne Glänzen und Leuchten am<br />
Boden des Kraters lag, ihrer Macht beraubt.<br />
- 108 -
„Es wird dir nichts nützen, mit diesen Verrätern zu sprechen.“ knirschte<br />
der Schatten auf den Hexenmeister ein, der sich derweil durch<br />
Ashenvale hindurch Richtung Teufelswald bewegte.<br />
„Sie sind Dilettanten, die auch nur der Legion dienen werden. Sie<br />
wollen es sich nur nicht eingestehen.“<br />
„Sie dienTen euch einmal. Doch jetzt sind sie frei von diesem Einfluss.“<br />
widersprach Vadarassar dem schwarzen Geist, der ihn umgab. „Sie<br />
sind noch immer Dämonen der Verdammnis, aber nicht mehr unter<br />
eurer Kontrolle. Von ihnen werde ich lernen.“<br />
„Sie werden dich zerreißen und fressen.“<br />
„Dann mag eben das geschehen.“<br />
„Sie werden dich gegen deine Freunde einsetzen.“<br />
„Ebenso wie du es mir prophezeist. Ich habe also nichts zu verlieren.“<br />
„Dummer Orc. Elender Narr.“<br />
„DAS soll Orgrimmar sein?!“ zweifelte Braunpelz, als sie die schwarzen<br />
Bauwerke und den verbauten Himmel sah. Von dem Geruch, der<br />
allgegenwärtig war, wollte sie ganz und gar nicht reden.<br />
„Boah Mann, wenn das hier Orgrimmar ist, dann bin ich Thrall<br />
persönlich.“ brummte Teborasque und sah sich ebenfalls um. Es roch<br />
hier....nach Verwesung....nach uraltem, verrotteten Fleisch. Das<br />
Konstrukt, aus dessen offenem Brustkasten alle möglichen<br />
alchemistischen und magisch veränderten Organe und Konstrukte<br />
hingen, bestärkten den Verdacht, das Orgrimmar weit, WEIT weg war.<br />
„Ein Versehen meinerseits.“ murrte Bwalkazz. „Das Portal nach<br />
Orgrimmar ist mir noch nicht bekannt. Deswegen führte uns der<br />
Zauber nach Unterstadt.“<br />
„Na toll!“ schnaubte Braunpelz. „Anstatt uns näher an den Teufelswald<br />
heran zu bringen, schleuderst du uns einfach mal so kurzerhand auf<br />
den falschen Kontinent!“<br />
„Ich sagte bereits, das es mein Fehler war und er mir leid tut.“ murrte<br />
Bwalkazz so monoton wie er nur konnte. „Mit dem Luftschiff werden wir<br />
- 109 -
nach Orgrimmar kommen. Es braucht etwa einen Tag für die<br />
Überfahrt.“<br />
„Ein Tag....“ knurrte sie.<br />
„He kl<strong>eines</strong>. Beruhig dich. Was haste denn?“ versuchte Teborasque sie<br />
zu beruhigen.<br />
„Was ich habe?“ fragte sie den Troll, ihn mit beiden Augen fest<br />
ansehend. „Einer unserer Freunde ist in Not und du fragst, was ich<br />
habe, weil ich mir Sorgen mache?“<br />
„Hör mal <strong>–</strong> der wird schon gut auf sich aufpassen. Der ist doch nicht<br />
blöd.“ beschwichtigte der Jäger.<br />
Sie nickte. Er hatte Recht....hoffentlich....<br />
Drei Satyrwachen hatten Vadarassar eingekreist, erwarteten, dass der<br />
Hexenmeister jeden Moment Flüche oder andere Kampfzauber<br />
loslassen oder zumindest seine Waffe ziehen würde. Doch nichts<br />
dergleichen geschah. Er stand nur inmitten der Dämonen und sah sie<br />
mit leerem Blick an.<br />
„Schachmatt du Trottel. Jetzt gibt es keinen Weg mehr für dich zurück.<br />
Blicke in deinen eigenen, qualvollen Tod.“ verabschiedete sich der<br />
Schatten von dem Hexenmeister. Dann krachte etwas auf seinen<br />
Hinterkopf...und Dunkelheit umgab ihn.<br />
Ruhe...endlich Ruhe von diesem ständigen Geflüster, das ihn fast<br />
wahnsinnig gemacht hätte.<br />
- 110 -
Kapitel 20 <strong>–</strong> Der Schattenrat<br />
„Ein neuer Sklave? Oder hattet ihr nur Hunger und habt euch einen<br />
Wanderer geschnappt?“ fauchte einer der Satyrn die beiden an, die<br />
den grünlichen Hexenmeister hinter sich her zogen.<br />
„Hat sich hier zu uns verirrt. Wollte nicht kämpfen.“<br />
„Wie dumm von ihm.“<br />
„Wollen wir ihn ins Verlies werfen?“<br />
„Nein. Lord Schattenfluch soll über ihn entscheiden.“<br />
Knarzend wog der lange, morsche Turm im aufbrausenden Wind.<br />
Nicht zu fassen, was die Untoten hier als Zeppelinturm an die<br />
Goblingesellschaft vergeben hatten. <strong>Die</strong>ser Turm hier war eine<br />
Ruine....nein....es gab Ruinen, die in einem besseren Zustand waren als<br />
dieses windschiefe Gebilde, das nur noch vom Kot der Holzwürmer<br />
und den Spinnweben zusammen gehalten wurde.<br />
Eine Fledermaus setzte sich auf die Laterne am Eingang des Turms, sah<br />
mit ihren kleinen, schwarz glühenden Augen auf die Drei herab, die<br />
vor dem Turm standen und offenkundig zweifelten, ob sie geisteskrank<br />
genug waren, in diesen vertikalen Trümmerhaufen hinein zu gehen.<br />
„Keine dreißig Kodos bringen mich in diesen Turm!“ protestierte<br />
Braunpelz und verschränkte ihre Arme. „Ich bin doch nicht<br />
lebensmüde.“<br />
„Stell dich doch nicht so an, Mann. Bisschen riskant, aber interessant!“<br />
munterte Teborasque sie auf, ihr einen kräftigen Klaps auf den Rücken<br />
verpassend.<br />
<strong>Die</strong> Taurin indes fand das gar nicht so lustig, wie der Troll. „Riskant?<br />
Gegen diesen Turm sind deine Basteleien Meisterwerke, die immer<br />
ihren Zweck erfüllen und niemals kaputt gehen. Bei dem Turm kann<br />
man sich nur in einem sicher sein: Wir werden sterben!“<br />
„Ich bin schon einmal dort oben gewesen. Und er hat gehalten. Sogar<br />
die drei Tauren, die mit mir zusammen mit dem Luftschiff gefahren<br />
sind.“ sagte Bwalkazz mit bewährt monotoner Stimme. Doch auch das<br />
konnte Braunpelz nicht beruhigen.<br />
- 111 -
<strong>Die</strong> glimmenden Augen verdrehend und damit in Dämmerlicht<br />
verhüllend ging Bwalkazz los, betrat den Turm und stieg die Treppen<br />
hinauf. Sie knarzten deutlich hörbar, bogen sich sichtbar, brachen<br />
aber nicht.<br />
Teborasque folgte dem Magier. Selbst unter seinem Gewicht, das sich<br />
dank der mit Ketten verstärkten Lederrüstung zu einer beträchtlichen<br />
Summe addierte, blieben die Planken stabil.<br />
„Nu komm schon, Mann. Ich halt dich fest, wenn du fallen solltest.“<br />
sagte er grinsend und stieg dann weiter nach oben, ließ Braunpelz<br />
allein dort unten stehen.<br />
<strong>Die</strong> blickte noch immer auf den Eingang, die zerbrochenen<br />
Schieferdachpfannen, die riesigen Löcher in den Wänden und die<br />
unzähligen Holzwürmer, die aus dem Fußboden heraus schauten und<br />
sie anstarrten.<br />
Endlich machte sie einen Schritt in das Gebäude hinein. Vorsichtig....so<br />
leichthufig wie irgend möglich ging sie voran, wog jeden Schritt ab,<br />
blieb stehen und hob dann ebenso vorsichtig wieder einen Huf wie sie<br />
ihn vorher aufgesetzt hatte.<br />
Dann gingen die Stufen hinauf. Verdorrtes Holz, der faulige Geruch<br />
von Schimmel überall. Sie legte eine Hand auf die Wand rechts neben<br />
ihr, wollte sich an dieser im Zweifel festhalten, wenn ihr der Boden unter<br />
den Hufen schlagartig wegbrechen sollte <strong>–</strong> was ihrer Meinung jeden<br />
Augenblick passieren könnte. Doch statt einer festen Wand fand ihre<br />
Hand nur eine morsche Holzverkleidung, durch die diese ungebremst<br />
hindurch brach. Holzsplitter regneten zu Boden, ließen sie erschreckt<br />
einen schnellen Schritt nach vorn machen.<br />
<strong>Die</strong> Balken unter ihr ächzten und knirschten. Noch mitten im<br />
Ausfeilschritt erstarrte ihr Gesicht....<br />
...die Planken hielten. Ob es irgendeine Hexerei oder die doch sehr<br />
festen Spinnweben waren <strong>–</strong> dieses verrottete Holz hielt dennoch ihr<br />
Gewicht.<br />
Vom Schock gerade so erholt ging sie weiter, kletterte die Stufen<br />
hinauf. Noch immer achtete sie auf jeden Schritt, versuchte den<br />
Boden trotz alledem so wenig wie möglich zu belasten. Dann endlich<br />
endeten die Stufen und eine Plattform wurde sichtbar. Ein Zeppelin<br />
schwebte am Ende <strong>eines</strong> langen Steges, der beängstigend wankte. Es<br />
erinnerte sie in bizarrer Weise an jenen Steg in dem Piratennest im<br />
- 112 -
Schlingendorntal. Mit dem Unterschied, das dieser Steg hier gute<br />
hundert bis zweihundert Meter hoch in der Luft hing, lediglich gehalten<br />
von Seilen, die ihre besten Jahre irgendwann zu den Zeiten der Urväter<br />
gehabt haben mögen.<br />
Ein Goblin stand am Heck des großen Zeppelins und schlug mit einem<br />
Schraubenschlüssel, der zweimal so groß war wie er selbst, auf den<br />
Motor ein. <strong>Die</strong>ser stotterte, knallte und knirschte.<br />
Teborasque und Bwalkazz standen beide schon an Bord des<br />
Luftschiffs, winkten ihr zu.<br />
„Beeil dich mal lieber! Der Zeppelin legt gleich ab!“ rief Teborasque<br />
der Druidin zu. die klammerte sich noch immer an den Turm selbst,<br />
wollte eigentlich nicht auf das Podest hinaus.<br />
‚Nicht rennen’ wies ein Schild direkt neben ihr die möglichen<br />
Passagiere des Luftschiffs an. Doch sie würde nun wohl keine Wahl<br />
mehr haben. Ein Knall ließ sie aus ihren Gedanken und<br />
Horrorvorstellungen wieder aufwachen <strong>–</strong> der Motor des Zeppelins war<br />
endlich angesprungen und der riesige Propeller an der Rückseite<br />
begann sich gleichmäßig zu drehen.<br />
„Jetzt oder nie.....ich werde sterben....ganz sicher....“ murmelte sie vor<br />
sich hin, löste sich dann von dem Turm und machte einen Schritt auf<br />
die Plattform.<br />
Sie schluckte, kniff die Augen zu und sprintete dann los.<br />
„Nicht rennen hier!“ brüllten die beiden Goblinwachen neben ihr,<br />
hoben beide ihre Hände....doch der Druidin war diese dumme<br />
Anweisung egal. Sie rannte so schnell sie konnte, spürte das Holz unter<br />
sich knirschen und ächzen, die Seile knarzten dazu passend im Chor.<br />
Etwas knallte laut. Mitten im Sprint wanderte ihr Blick nach links....<br />
....das eine Seil war mit einem Mal zerrissen. Wie in Zeitlupe sackte das<br />
eine Ende des Seils nach unten.<br />
Sofort reagierte die Plattform, sackte zur einen Seite ab und knirschte<br />
noch lauter. Das Geländer begann zu splittern und schwarzen<br />
Sägespänedampf auszustoßen.<br />
Braunpelz schluckte, machte noch größere Schritte. Nur noch drei<br />
Meter....eine Taurenlänge.....<br />
- 113 -
Es krachte unter ihren Hufen. Das Holz zerbarst und gab ihr den Weg<br />
nach unten frei. Mit aller Kraft sprang Braunpelz ab, warf ihre Hände in<br />
Richtung Zeppelinseite und segelte mit diesen nur um Fingerbreite an<br />
der Reling des Luftschiffes vorbei.<br />
Zwei starke Hände umklammerten wie Schraubzwingen ihr linkes<br />
Handgelenk.<br />
„Hab dich!“ rief Teborasque, stemmte sich mit beiden Beinen gegen<br />
die Seitenwand des Zeppelins und zog an der felligen Hand in seinen<br />
Händen. Nur zu deutlich spürte er ihren Schweiß und damit seine<br />
Angst, sie fallen zu lassen. <strong>Die</strong>se Angst verlieh ihm unbeschreibliche<br />
Kräfte, ließ seinen Griff noch fester werden und die Taurin hinauf<br />
ziehen.<br />
Ihre andere Hand ergriff die Reling und langsam zog sie sich mit seiner<br />
Hilfe an Bord des losknatternden Zeppelins. Gänzlich erledigt blieb sie<br />
auf dem Rücken liegen, atmete schnell hechelnd und fasste sich dann<br />
mit einer Hand an das gerade eben noch festgehaltene Handgelenk.<br />
„Ganz....schön....fester....Griff....“ ächzte sie, sah zu dem Troll, der sie<br />
angrinste.<br />
Dann richtete sie auf und sah eine einzelne Planke der Plattform an<br />
ihrem Bein. Ihr Huf war glatt hindurch gestoßen und hatte das Brett<br />
eiskalt mitgerissen. Angewidert stampelte sie das Brett los und stand<br />
dann auf.<br />
Erst jetzt bemerkten die beiden, das Bwalkazz seinerseits an der Reling<br />
stand und sein Blick zu dem Turm gerichtet war.<br />
„So viel also zu diesem Turm.“ murrte er.<br />
<strong>Die</strong> beiden anderen verstanden zuerst nicht, blickten dann selbst hin<br />
und sahen, was der Magier wohl meinte.<br />
Wie in Zeitlupe krachten etliche Planken an dem Turm herunter. <strong>Die</strong><br />
Spitze pendelte dank dieses sich ständig veränderten Gewichts hin<br />
und her, der Mittelteil gab ein unschönes Stampfen von sich. Dann<br />
sackte der Turm in sich zusammen und hinterließ ein riesiges Rudel<br />
aufgescheuchter Fledermäuse und eine riesige Staubwolke.<br />
„Ihr braucht nen neuen glaube ich.“ meinte Teborasque, sein Grinsen<br />
nun verschluckend.<br />
„In der tat.“ war das einzige, was Bwalkazz sagte. Der Blick, den er<br />
Braunpelz zu warf, reichte aus. <strong>Die</strong> indes lief rings um ihre Nase leicht<br />
rötlich an.<br />
- 114 -
War sie das etwa gewesen?<br />
„Mylord, dieser Narr hat es gewagt, in unser Territorium einzudringen.“<br />
sagte Pjek, Vertrauter von Lord Schattenfluch. <strong>Die</strong>ser machte einen<br />
Schritt nach vorn und neigte seinen Kopf nur kurz nach unten.<br />
<strong>Die</strong> Verdammnislords waren eindrucksvolle Dämonen. Nach ihrer<br />
Niederlage im letzten Krieg hatten sie sich nur zu Teilen wieder der<br />
Legion angeschlossen. Einer von ihnen war angeblich von den<br />
Verlassenen ‚überredet’ worden, mit ihnen gemeinsame Sache zu<br />
machen. Wieder andere dienten ihrer ganz eigenen Sache.<br />
Schattenfluch war offensichtlich jemand, der sich der Macht und<br />
Kontrolle der Legion zu entziehen wusste, die Kräfte jener jedoch<br />
vorzüglich für seine eigenen Zwecke einzusetzen wusste.<br />
„Er ist ein Schattenhafter.“ war seine schnelle Erklärung, als er den Orc<br />
nur grob betrachtete. „Einer dieser Hexenmeister, verführt von der<br />
Dunkelheit.“<br />
Erst jetzt erwachte Vadarassar aus seiner Benommenheit. Sein Schädel<br />
brannte von dem Schlag, den er kassiert hatte. Ein metallischer<br />
Geschmack lag auf seiner Zunge und mehr als eine schummerige,<br />
verschwommene Sicht wollten ihm seine Augen nicht gestatten.<br />
Wenigstens war dieses Flüstern nicht mehr hörbar. ein Gutes also...<br />
„Er erwacht also. Vorzüglich. So kannst du mir verraten, was dein<br />
Begehr war, als du in das Reich des Schattenrates eingedrungen bist,<br />
ehe ich dich an die Schlammwühler und Schleimblasen verfüttere.“<br />
groll der große Dämon.<br />
„Ich...bin gekommen....um zu lernen. Um....Teil des....Rates zu<br />
werden.....“ würgte der Hexenmeister heraus, griff dabei in einen Teil<br />
seiner Tasche, den er seit Ewigkeiten nicht mehr berührt hatte.<br />
Eine kleine Rune kam hervor. Eine Insignie. Jene Insignie, die er einst<br />
benutzt hatte, um Neeru zu täuschen.<br />
Der Dämon warf einen abfälligen Blick auf das kleine Ding in der Hand<br />
des Grünlings. Seine Mine zeigte keine Gemütsregung, hätte nun<br />
sowohl als Zustimmung wie auch Ablehnung durchgehen können.<br />
Dann bellte er Befehle.<br />
- 115 -
„Bringt ihn in eine Adeptenkammer. Lasst ihn ausruhen und bringt ihm<br />
Wasser. Und bewacht ihn gut. Heute Nacht werde ich mich genauer<br />
mit ihm befassen.“<br />
<strong>Die</strong>se Befehle reichten, um eine ganze Armada von Dämonen in<br />
Bewegung zu setzen. Wieder verschwamm das Bild vor den Augen<br />
des <strong>Hexenmeisters</strong>. Das nächste was er spürte war eine steinharte<br />
Matratze und ein Eimer Wasser, der über ihm ausgeleert wurde.<br />
- 116 -
Kapitel 21 <strong>–</strong> Entscheidungen<br />
„Was machst du denn da?“ brummte Bwalkazz, in der Kabine unter<br />
Deck dem Troll ihm gegenüber zusehend. <strong>Die</strong>ser war mit allen<br />
möglichen Werkzeugen am hantieren, hatte goldene, grünliche,<br />
gelbliche, weiße, metallene Gegenstände über den Tisch und den<br />
halben Fußboden gleichmäßig verteilt und schraubte nun gerade an<br />
einem besonders großen Eisenteil.<br />
„Ich baue eine bessere Mausefalle.“ erklärte Teborasque, eine Brille<br />
überziehend, die seine Augen um ein vielfaches größer aussehen ließ.<br />
„Du hast deinen Kater. Der ist eine Mausefalle, die gut genug sein<br />
sollte.“ meinte der Magier, den Kopf schüttelnd.<br />
Teborasque grinste, tastete blind rechts neben sich, erwischte dabei<br />
den Eimer Öl und führte ihn zum Mund. Einen Schluck später merkte er,<br />
dass das hier kein Kaffee war und spuckte die schwarze, klebrige<br />
Masse im hohen Bogen gegen die nächstbeste Wand. Einen kurzen<br />
Huster später hatte er schließlich seine Kaffeetasse in der Hand und<br />
nahm daraus einen kräftigen Schluck.<br />
„Der fängt Ratten. Liebend gern sogar. Aber Mäuse....mit kleinen<br />
weißen Mäusen kann man reich werden, Mann! Schon einmal von<br />
dem Jahrmarkt gehört? <strong>Die</strong> suchen diese Viecher!“<br />
„Wozu könnte ein Jahrmarkt kleine, weiße Mäuse gebrauchen?“<br />
fragte der Magier verwundert, noch immer verzweifelt versuchend,<br />
wie um alles in der Welt dieses Konstrukt aus Eisen, Mithril, Holz, Bolzen,<br />
Bindfaden, Teer, Öl und einem mit künstlichen Geschmacksverstärkern<br />
getränkten Stück Alteraclochkäse in der Mitte denn Mäuse fangen<br />
sollte.<br />
„Is doch egal, Mann. Wichtig is nur, das ich mit dem Ding hier reich<br />
werde. Sieh her <strong>–</strong> nur noch ein Dreh und.....“ sagte der Troll, setzte den<br />
Schraubendreher an und machte zwei Umdrehungen.<br />
Eine Sprungfeder verabschiedete sich mit einem lauten Pling aus der<br />
Konstruktion, sprang dafür einmal quer durch den Raum und in das<br />
Getränk <strong>eines</strong> Taurenkriegers. Der setzte den Krug unbeirrt an, leerte<br />
diesen und wunderte sich lediglich über das metallene, feste Bouquet<br />
s<strong>eines</strong> Wassers, kaute noch einige Male auf der Feder herum und<br />
spuckte dann ein Knäuel Metall in den nächstbesten Spucknapf.<br />
- 117 -
Dann brach auch noch der Rest der Falle zusammen. Ein kl<strong>eines</strong><br />
Rauchwölkchen stieg davon auf und dann lagen nur noch einige<br />
verbogene Einzelteile vor dem Troll.<br />
„Mhh...schon wieder. Ich muss unbedingt den Fehler in der<br />
Konstruktion finden.“ brummte Teborasque, das Werkzeug erneut<br />
nehmend, um von vorne anzufangen.<br />
„Vielleicht ist der Konstrukteur der Fehler?“ schlug Bwalkazz vor.<br />
„Sehr witzig.“<br />
Braunpelz stand am Bug des Luftschiffes und spähte so weit nach vorn,<br />
wie sie nur konnte. Dank ihrer Verbundenheit zur Natur, den Tieren und<br />
allem Lebenden konnte sie, wenn sie ihre Kräfte konzentrierte, mit den<br />
Augen <strong>eines</strong> Adlers spähen. Doch selbst mit einem solch scharfen Blick<br />
war sie nicht in der Lage, durch die dichte Nebelwand hindurch etwas<br />
zu sehen. Nur der salzige Geruch verriet ihr, dass unter ihnen wohl<br />
noch das Große Meer sein musste. Das und tausende kleine sowie<br />
Millionen große Gefahren.<br />
„Wann kommt Kalimdor endlich in Sichtweite?“ rief sie dem Goblin am<br />
Steuerrad zu. Der indes war eingeschlafen. Eine kleine, unscheinbare<br />
Metallbox piepte dafür fleißig drehte das Steuerrad wie von<br />
Geisterhand mal etwas nach links, dann nach rechts.<br />
„Hallo! Wie weit ist es noch?“ brüllte Braunpelz lauter.<br />
Der Goblin sprang erschreckt auf, griff instinktiv in die Speichen des<br />
großen Rades und tat so, als wäre nichts passiert.<br />
„Ich ähh....ich glaube....ähhh....“ stotterte er, blickte auf den Kompaß<br />
neben ihm.<br />
„In....vier Stunden sollte das Ufer sichtbar....ähhh....werden.“<br />
Braunpelz nickte mehr oder minder zufrieden, blickte dann wieder<br />
nach vorn in die Leere.<br />
So weit noch. So unglaublich weit. Was in der Zeit nur mit dem<br />
Hexenmeister passieren würde?<br />
„Der Schattenrat ist dir also vertraut.“ groll Schattenfluch den<br />
Hexenmeister an, der mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, an<br />
- 118 -
Armen und Beinen gepackt und ihm vor die Hufe geschmissen worden<br />
war.<br />
Vadarassar starrte steif nach oben. Ein falsches Wort von ihm und er<br />
wäre tot <strong>–</strong> das war ihm klar. Dafür hatte er ein Gespür.<br />
Statt etwas zu sagen, nickte er nur knapp. Das schien dem<br />
Dämonenlord zu gefallen, denn statt nur stur da zu stehen, ging er in<br />
großen Schritten um das Häufchen Hexenmeister herum.<br />
„Jetzt verrate mir, weshalb du hier bist. Deine <strong>Die</strong>nste anbieten <strong>–</strong> das<br />
kannst du den Handlangern erzählen. Sie sind einfacher gestrickt, als<br />
du es bist.“<br />
War er durchschaut worden? Nein...noch nicht. Vadarassar hob den<br />
Kopf, sah zu dem Dämonenlord und sagte, was er sich zurecht gelegt<br />
hatte.<br />
„Ich bin hier, um die Kontrolle der Schattenmacht zu erlangen. Ich will<br />
meinen Schatten kontrollieren!“<br />
„Nein....das wirst du niemals schaffen. Du wirst weder mich noch die<br />
Legion kontrollieren. Du wirst ihr dienen....und du wirst vor mir auf die<br />
Knie fallen!“ war mit einem Schlag und der passenden Erwähnung das<br />
Flüstern des Schattens wieder da.<br />
Schattenfluch hob eine der Brauen, griff dann nach dem<br />
Hexenmeister und zog ihn in seine Augenhöhe.<br />
„Es erfordert viel Courage, viel Einsatz und Überwindung, um seinen<br />
Schatten zu kontrollieren und die wahre Macht der Schattenmagie zu<br />
enthüllen. Ich zweifle daran, das du dazu bereit bist oder jemals sein<br />
wirst, schwächlicher Orc.“<br />
Dann ließ er den Orchexenmeister einfach wieder zu Boden fallen und<br />
ging, ihm den Rücken zukehrend, einige Schritte weg.<br />
„Ich bin bereit, den Weg zu gehen und es zu versuchen. Wenn ich<br />
scheitere...dann tut mit mir was ihr wollt. Doch ich will es versuchen.“<br />
groll der Orc mit gesenkter Stimme.<br />
Schattenfluch blieb stehen, blickte über die Schulter.<br />
„Deine Seele.“ groll er wieder. „Deine Seele gehört dir nicht länger. Du<br />
wirst sie als Pfand reichen, bis du einen würdigen Ersatz für sie reichen<br />
kannst.“<br />
- 119 -
Ein brennendes Pentagramm schloss sich um Vadarassar. Schwarze<br />
Energie knisterte ringsum in der Höhle.<br />
„Das ist dein Ende. Das ist dein Tod. Du hättest es so viel leichter haben<br />
können...jetzt ist dein Ende da....“ feierte der Schatten, um den Orc<br />
herum tänzelnd wie ein kl<strong>eines</strong> Kind. Dann erstarb er im grellen<br />
Schattenlicht, das aus allen Seiten auf den Orchexenmeister<br />
einprasselte.<br />
Schmerzen. Unvorstellbare Schmerzen donnerten auf den<br />
Hexenmeister ein, als etwas aus ihm, seinem Körper, seinem Selbst<br />
herausgerissen wurde, was so fester und eigener Teil war. Eine lila<br />
glühende Kugel schoss in seine Brust, ließ den ganzen Körper<br />
aufglühen und erhob sich dann, nachdem sie einmal durch ihn<br />
hindurch geflogen war, über seinen Kopf. Eine leicht bläuliche Flamme<br />
loderte nun in ihrem Innern.<br />
„Deine Seele. Sie wird dir als Talisman zurückgegeben werden, wenn<br />
du dich bewiesen hast. Bis dahin wird sie deine Fähigkeiten nicht<br />
länger eingrenzen. Sieh und spür die Macht des Schattenrates <strong>–</strong> wenn<br />
das wirklich das ist, das du willst.<br />
Erneute Flammen aus schwarzer Schattenenergie prallten auf den<br />
Orchexenmeister, ließen die grüne Haut kochen, unzählige<br />
Brandblasen die vorher leicht bleiche Haut aufquellen. Feuer glomm in<br />
den Augen, Schreie von nicht beschreibbarer Pein verließen die Kehle<br />
des <strong>Hexenmeisters</strong>.<br />
<strong>Die</strong> Kerzen im Ring über dem Ritual warfen meterlange, dolchartige<br />
Flammen in die Höhe, bogen ihre Klingen nach unten und in Richtung<br />
des <strong>Hexenmeisters</strong>, der bei diesen Qualen jeden Widerstand aufgab.<br />
Er würde sterben...zweifellos. Er würde hier und jetzt sterben. Langsam<br />
und qualvoll.<br />
Er würde....<br />
....es wurde schwarz um ihn herum. Endlich wurde es schwarz.<br />
Ein Tritt in seinen Rücken ließ Vadarassar schlagartig die Augen öffnen.<br />
Noch immer brannte sein Körper unter unvorstellbaren Schmerzen.<br />
Doch der Ort war ein anderer. Ein Satyrn stand ihm gegenüber, blickte<br />
ihn mit ernsten Augen an.<br />
- 120 -
„Ein sehr starker Wille, den du hast. Nicht einer von hundert hat einen<br />
derart starken Willen. Lord Schattenfluch ist beeindruckt.“ lispelte der<br />
Satyrn mit scharfer, spitzer Stimme, als wären die Buchstaben, die er<br />
zwischen seinen scharfen Zähnen formte, kleine Nadeln, die er auf den<br />
Hexer spuckte.<br />
Vadarassar strich sich über die Arme.<br />
Haut. Verbrannte, verkohlte Haut. Aber kein Fell...und auch keine<br />
Hörner. Zum Glück.<br />
„Du wirst nicht verändert werden. <strong>Die</strong>sen Segen erhältst du nicht.<br />
Kontrolle ist, was du dir wünschst. Kontrolle ist, was du erhalten wirst.“<br />
„Dort! Dort! Land!“ brüllte Braunpelz und riss den Goblin damit ein<br />
weiteres Mal aus dem Land der Träume. Tatsächlich <strong>–</strong> dort lag die<br />
rötliche Küste von Kalimdor, von Durotar, dem Land der Orcs und<br />
Trolle.<br />
Und dort war schon der kleine Turm, an dem zwei andere Goblins mit<br />
Tauen schon darauf warteten, den Zeppelin einzufangen und<br />
festzubinden.<br />
Voller Aufregung stürmte Braunpelz die Treppen zur Kabine herunter.<br />
„Wir sind da! Beeilt euch <strong>–</strong> wir sind da!“ brüllte sie in den Raum.<br />
Teborasque, der gerade noch mit seinem Schraubendreher an Modell<br />
Nummer neun seiner Mausefalle gearbeitet hatte, hielt diesen noch<br />
immer in den Fingern. Durch den Schreck jedoch hatte er das<br />
Werkzeug derart weit nach vorn gestoßen, das die Spitze nun im<br />
Goldkraftkern drin steckte und ein zischendes Geräusch den Raum<br />
erfüllte.<br />
Erst erstarrte er bei dem Anblick, dann griff er entschlossen nach dem<br />
Kraftkern und warf ihn zum Fenster raus.<br />
Am Boden war gerade ein Jüngling, der mit seinem kleinen Bogen<br />
verzweifelt versuchte, die nahen Skorpide zu erledigen. Ein leidiges<br />
Geschäft, denn dank seiner Jugend, dem Bogen, den sogar ein Stock<br />
mit einem Bindfaden dran in Qualität geschlagen hätte und Pfeilen<br />
mit der Aerodynamik <strong>eines</strong> übergewichtigen Ogers fühlten sich die<br />
Skorpide eher zum totlachen als zum getötet werden ermutigt.<br />
- 121 -
Mit einem kleinen Pling landete der Goldkraftkern im Sand neben<br />
vielen der Skorpide. Neugierig blickte der junge Orcjäger, was denn<br />
da einfach so aus dem Himmel gefallen war...<br />
....dann knallte es lautstark. Eine Explosion, die man selbst noch im<br />
schon entfernten und fünfzig Meter hoch fliegenden Zeppelin durch<br />
die folgende Druckwelle deutlich spürte.<br />
Der Orcjäger war beeidnruckt. Nicht nur hing er nun in einem Felsen<br />
und hatte seine Umrisse einen guten halben Meter tief<br />
eingedrückt....außerdem hatte dieses kleine Ding gerade so ziemlich<br />
jeden Skorpiden in der Umgebung in den Tod gerissen.<br />
„Na toll. Das war mein letzter Kraftkern.“ brummte Teborasque und sah<br />
zu dem nun nutzlosen Konstrukt aus Stahl und Holz, das ohne einen<br />
Kraftkern nicht mehr als ein bizarres Kunstwerk war (na ja...mit vielleicht<br />
auch. Aber das konnte man jetzt nicht mehr sagen).<br />
„Ach lass doch deine Spielereien. Wir sind da! Los, kommt schon!<br />
Bewegung!“ feuerte Braunpelz den Troll, unbeeindruckt von seinem<br />
Schicksal <strong>–</strong> und im ganz speziellen dem seiner Basteleien <strong>–</strong> beeindruckt<br />
zu sein.<br />
Der Zeppelin hatte noch nicht einmal ganz fest gemacht, da zog die<br />
Druidin die anderen beiden schon auf den Turm und die<br />
Wendeltreppe herunter.<br />
„Loslos, Beeilung! Es kann auf jede Minute ankommen!“ spornte sie die<br />
beiden immer wieder an. Dann liefen sie los...nächster Halt:<br />
Teufelswald.<br />
- 122 -
Kapitel 22 <strong>–</strong> Auge um Auge<br />
„Bäh...habt ihr die Wölfe da gesehen?“ sagte Teborasque angewidert,<br />
auf ein Rudel Wölfe deutend.<br />
„Bei denen sieht man ja die Rippen!“<br />
„Hast du ein Problem damit?“ fragte Bwalkazz und zog seine Robe<br />
demonstrativ nach vorne.<br />
„Ähh...das ist was anderes. Aber die da sehen lebendig aus. Und doch<br />
sind sie...Flickenteppiche. Als wären se von irgendwas zerfressen<br />
worden.“<br />
„<strong>Die</strong>ser Wald hier hat viel Leid gesehen. Er ist dem Tode näher als dem<br />
Leben. So viel Böses <strong>–</strong> da geht auch das Leben der Tiere nicht spurlos<br />
dran vorbei.“ erklärte Braunpelz, die Tiere mit einem traurigen Blick<br />
musternd. Es mussten schreckliche Schmerzen sein, die diese Tiere dort<br />
empfanden. Was hätte sie darum gegeben, Rast zu machen, um<br />
ihnen die Zuwendung zukommen zu lassen, damit sie von ihrem Leid<br />
endlich erlöst werden könnten. Doch leider hatte sie erst noch nach<br />
einem Freund zu sehen. Hoffentlich war er noch in Ordnung....<br />
„Hexenmeister.“ groll die Stimme von Schattenfluch laut an ihn heran.<br />
„Deine Fähigkeiten sind gestärkt, dein Potential über dem, was ich<br />
erwartet hatte. Deine letzte Prüfung wird bald kommen. Doch zuerst<br />
musst du die Gewalt über deinen Schatten erhalten.“<br />
„Hör nicht auf diesen Narr. Ich werde dir den Weg zeigen! Unter<br />
meiner Führung wirst du in die obersten Ränge der Legion<br />
aufgenommen werden.“ flüsterte die Stimme erneut. Doch Vadarassar<br />
hörte nicht mehr auf den Schatten, trat stattdessen in den Bannkreis,<br />
den Lord Schattenfluch ihm angewiesen hatte.<br />
„Damit du den Schatten bannen kannst, musst du ihn in deine Welt,<br />
deine Realität ziehen. Du musst ihn packen und ihn hierher ziehen.<br />
Dann wird er sich dir nicht mehr entgegen stellen können.“<br />
Vadarassar sah Schattenfluch an und nickte.<br />
<strong>Die</strong> Schatten....er war jetzt mit der dunklen Macht vertrauter als je<br />
zuvor. Dunkelheit floss durch seine Adern. Er war sich sicher <strong>–</strong> dank der<br />
Macht des Schattenrates konnte er die ihm gestellte Aufgabe<br />
vollbringen.<br />
- 123 -
„Wage es nicht. Ich werde dich vernichten, wenn du versuchen<br />
solltest, was der Kerl dir vorschlägt. Das verspreche ich.....“ begann der<br />
Schatten erneut, geisterte um Vadarassar herum.<br />
<strong>Die</strong> rechte Hand des Orchexenmeisters legte sich um die<br />
schemenhafte Kehle des Schattens.<br />
„Nein! Das kann nicht sein! Ich bin nicht antastbar für dich!“<br />
„Du hast mich lange genug gequält. Im Namen des Schattenrates<br />
banne ich dich, lege dir die Ketten der Sklavenschaft an.“ knurrte<br />
Vadarassar, griff mit der freien linken Hand an seine Gürteltasche und<br />
öffnete diese.<br />
Dutzende leise Stimmen brüllten aus dem Beutel heraus, jede von<br />
einem kleinen Kristall stammend. Ohne wirklich zu zielen griff sich der<br />
Hexenmeister eine der Stimmen und damit den entsprechenden<br />
Kristall. Dann schob er selbigen mitten in den Schatten, rammte ihn in<br />
den schemenhaften Körper hinein.<br />
„NEEEIIIIIIIINNNNN!“ brüllte der Schatten, waberte kurz vor der<br />
Materialisierung.<br />
„Ich banne dich. Ich werde nicht dir dienen, du wirst MIR dienen. Sei<br />
entrissen!“ knurrte Vadarassar wieder und wieder.<br />
<strong>Die</strong> schwarzen Schwaden verschwanden und brachten stattdessen<br />
einen Dämon zum Vorschein, gänzlich in eine rote Rüstung gekleidet.<br />
Nur die mit lilanen Ornamenten versehene Brustplatte unterschied sich<br />
von dem, was man sonst erwartet hätte.<br />
Eine Teufelswache. Ein Vertrauter der höchsten Dämonen der Legion.<br />
Stark und mächtig, nun zusammengekauert vor dem Hexenmeister.<br />
„Steh auf!“ befahl Vadarassar dem Dämonen. Der weigerte sich,<br />
fühlte dann lilane Blitze, die durch seinen Körper fuhren und ihm<br />
unsägliche Schmerzen bereiteten. Dann gehorchte er, richtete sich<br />
auf.<br />
Eiskalte Augen blickten den Hexenmeister an. Klar erkennbar war ein<br />
Todeswunsch darin. Entweder der Todeswunsch des<br />
<strong>Hexenmeisters</strong>....oder alternativ der eigene.<br />
„Du Nichtigkeit. Dank dir bin ich hier gefangen. Würde ich<br />
zurückkehren, wäre ich tot. Du hättest mich zerstören sollen.“<br />
„Wir zerstören nicht wie die Legion.“ brach Lord Schattenfluch ein.<br />
- 124 -
„Wir kontrollieren. Wir beherrschen. Wir zwingen jeden von euch in die<br />
Schranken und zerschlagen euch. Sie werden uns dienen <strong>–</strong> ob<br />
Bewohner dieser Welt oder die Legion.“<br />
„So <strong>–</strong> wo soll der Kerl jetzt stecken?“ fragte Teborasque, sich<br />
umsehend. Demonstrativ hob er einen Stein an, blickte darunter und<br />
zuckte mit den Schultern. Doch Braunpelz war sich mit einem Mal sehr<br />
sicher, deutete auf einen schmalen Gang gen Westen und die dort<br />
befindlichen Dämonen.<br />
„Dort....bei den Dämonen wird er sein.“<br />
Bwalkazz brummte. „Würde zu ihm passen. Aber sind ziemlich viele. <strong>Die</strong><br />
kriegen wir nicht alle ausgerottet.“<br />
„Ich kümmere mich darum.“ sagte Braunpelz und ging langsam auf<br />
die Dämonen zu. Schnell beugte sie sich nach vorn, ihr Fell wandelte<br />
sich und mit einem Mal war nicht mehr länger eine Taurin, sondern<br />
eine große Katze auf dem Weg in das Lager der Dämonen.<br />
„Biste bekloppt? <strong>Die</strong> erwischen dich doch! Und dann werden die dich<br />
einfach töten!“ rief Teborasque ihr hinterher.<br />
Sie stockte und drehte ihren Kopf zu dem Jäger.<br />
„Wenn die etwas haben, womit sie mich finden, dann verdienen sie<br />
es, mich zu erledigen.“ knurrte sie zurück, ging dann einige Schritte<br />
weiter und....verschwand.....einfach.<br />
Teborasque rieb sich die Augen.<br />
„Eh....sag mir, das ich keinen Knick in der Optik habe und die gerade<br />
wirklich verschwunden is!“<br />
„Du hast keinen Knick in der Optik und sie ist gerade wirklich<br />
verschwunden.“ sagte Bwalkazz monoton. Dann ging er selbst auf die<br />
Dämonen zu.<br />
„Wat? Willst du jetzt auch noch den Verschwindibus machen? Wenn<br />
ja, dann möchte ich aber mal gern wissen, was ihr mir sonst noch so<br />
alles verschweigt.“<br />
„Beweg zur Abwechslung mal deinen Bogen statt deinem Mund. So<br />
lange die Druidin weg ist, werden wir versuchen, die Dämonen hier in<br />
Schach zu halten. Das gibt ihr bessere Chancen. Klar?“<br />
- 125 -
Teborasque zuckte mit den Schultern, zog dann den Bogen und legte<br />
schon los.<br />
„Na dann....Dämonen metzeln. Hoffentlich hat einer was Interessantes<br />
dabei!“<br />
Das Lager war groß und inmitten des Lagers stand ein großer,<br />
verdorbener Mondbrunnen. Schon oft hatte sie makellose Exemplare<br />
in ihren Träumen gesehen....doch dieses hier stank schrecklich. Dann<br />
kam eine Höhle, in die sie hinein schlich.<br />
<strong>Die</strong> Präsenz von Vadarassar...sie spürte ihn ganz deutlich hier in der<br />
Nähe. Mit jedem Schritt wurde dieses Gefühl stärker, intensiver und<br />
kräftiger. Ruckartig blieb sie stehen, kauerte sich in eine Ecke, als eine<br />
Wache vorbei ging und sich nach möglichen Eindringlingen umsah.<br />
Fast unendlich tief ging dieser Pfad, vorbei an einem Tisch mit einem<br />
toten Nachtelfen darauf, wilden Bestien, zahllosen Satyren, einem<br />
aufgespiesten Menschen und dann erneut eine Weggabelung nach<br />
unten. Dort...ja....hinter dieser Ecke wäre er bestimmt. Da war sie sich<br />
jetzt ganz sicher. Sie spürte ihn so deutlich wie nie.<br />
„Na was haben wir denn da?!“ sagte ein Satyr grinsend, in Richtung<br />
von Braunpelz blickend. Sie war sich eigentlich sicher, von ihm nicht<br />
entdeckt werden zu können. Doch direkt neben dem Kerl stand<br />
es....ein Teufelsjäger....eine jener Kreaturen, die geistige Kräfte<br />
schmecken konnten. <strong>Die</strong> Tentakel des Monsterhundes zeigten genau<br />
auf sie. Einer traf sie stechend in der Seite, ließ den Tarnmantel, der<br />
gerade noch über ihr gelegen hatte, einfach fallen und sie in ihrer<br />
taurischen Gestalt erscheinen.<br />
Zwei Satyren griffen sofort nach ihr, hielten sie fest umklammert.<br />
Gegenwehr wäre sinnlos gewesen <strong>–</strong> hier standen noch Dutzende<br />
andere, gegen die Braunpelz zweifellos keinerlei Chance hatte.<br />
Ohne wirklich mehr als ein Recken an ihren Armen wurde sie nach<br />
vorn geschoben....und erstrahlte, als sie den von ihr gesuchten Orc<br />
dort unversehrt stehen sah.<br />
„Ahh...sieh einer an, was für einen Besucher wir hier noch haben. Eine<br />
Freundin von dir, nehme ich an.“ sagte Lord Schattenfluch mit einem<br />
Lächeln auf den dämonischen Lippen.<br />
- 126 -
„Eine Freundin und gleichsam dein letzter Test.“ sagte er nun mit einer<br />
deutlich schärferen Stimme.<br />
„Vada....bitte....bist du in Ordnung? Was ist denn hier los?“ rief<br />
Braunpelz, den Hexenmeister aus besorgten Augen anblickend.<br />
Doch Vadarassar zeigte keine Gemütsregung. Er durfte nicht....sah<br />
stattdessen steif zu Schattenfluch hinauf.<br />
„Deine letzte Aufgabe: Du musst jemanden opfern, der dir am Herzen<br />
liegt. Töte sie.“<br />
<strong>Die</strong> Mine des <strong>Hexenmeisters</strong> war erstarrt wie Eis. Erst jetzt sah er zu<br />
Braunpelz herüber, die ihre Augen weit aufgerissen hatte.<br />
„Töte sie und du wirst deinen Talisman zurück erhalten. Erst dann wirst<br />
du deine vollen Kräfte entfalten können.“ sagte Schattenfluch, den<br />
Satyren mit einer Handbewegung etwas deutend.<br />
„Los jetzt <strong>–</strong> TÖTE SIE!“<br />
Vadarassar zögerte noch immer, blickte Braunpelz an. Sein Herz, war<br />
es auch von schwarzer Magie erfüllt, schlug in seiner Brust umso<br />
schneller und befahl ihm, sich gegen diesen Befehl s<strong>eines</strong> Lehrers zu<br />
stellen.<br />
<strong>Die</strong> Satyren hielten die Taurin fest, zogen ihre Arme auseinander und<br />
fixierten sie so perfekt, damit sie nicht würde ausweichen können.<br />
Ein lilanes Glühen umrundete die Hände des <strong>Hexenmeisters</strong>.<br />
„Zum letzten Mal: TÖTE SIE JETZT! SOFORT!“<br />
Vadarassar schloß die Augen, wich so dem Blick von Braunpelz aus.<br />
„Nein...bitte...Vada...bitte....“ bettelte die Taurin, starrte den<br />
Hexenmeister, der ihr Herz gerade eben noch vor Freude hatte hüpfen<br />
lassen, panisch an. Tränen flossen aus ihren Augen, feuchteten ihr Fell<br />
ringsum an.<br />
Dann schoss eine große, schwarze Energiekugel von Vadarassar auf<br />
die Druidin zu. Ihre Bemühungen, sich wegzudrehen, scheiterten am<br />
festen Griff der Satyren. Alles, was sie tun konnte, war ihre Augen<br />
zuzukneifen und auf die Zähne zu beißen. Dann wurde sie getroffen.<br />
- 127 -
Ein stummer Schrei entfuhr ihren zusammengebissenen Kiefern. Ihr Fell<br />
fing stellenweise Feuer, erlosch sofort und dampfte dann noch etwas<br />
nach. Ihre Beine versagten ihr den <strong>Die</strong>nst, sie sackte leblos zusammen,<br />
atmete nicht länger.<br />
<strong>Die</strong> Satyren links und rechts von ihr blickten auf sie herab, dann zu<br />
Schattenfluch und nickten ihm zu. Wieder lächelte der Dämon, sah<br />
dann zu Vadarassar, dessen ausdruckslose Mine auf Braunpelz<br />
gerichtet war.<br />
„Du hast die Grenze übertreten. Willkommen in unseren Reihen.“ war<br />
alles, was Lord Schattenfluch noch sagte. Dann, mit einem beiläufigen<br />
Schnippen, flog die lilane Sphäre auf Vadarassar zu, zerbrach auf<br />
seinem Kopf und hüllte ihn in bläuliches Feuer. Neue Kraft....oder war<br />
es eine alte Kraft?...füllte seinen Körper.<br />
Er sank auf die Knie, starrte noch immer vor sich.<br />
- 128 -
Kapitel 23 <strong>–</strong> Kehrtwende<br />
„Haste das grad gehört?“ fragte Teborasque, zu dem Magier<br />
blickend, der gerade vier steifgefrorene Dämonen zu Eiswürfeln<br />
verarbeitete.<br />
„Ich habe nichts gehört.“ brummte dieser zurück.<br />
„Nich? Ich dachte ich hätte nen Schrei oder so was gehört.“ meinte<br />
Teborasque, sich am Kopf kratzend. Dann drehte er sich um, verpasste<br />
dem nächsten nahenden Dämonen einen Pfeil genau zwischen die<br />
schiefen Augen und legte einen weiteren Pfeil auf.<br />
Zwei Satyrn waren gekommen, den Kadaver der Druidin<br />
wegzuschaffen. Noch immer stand Vadarassar vor ihr und starrte sie<br />
an. Dann aber hob er die Hand.<br />
„Halt. Sie gehört mir.“ sagte er mit düsterer Stimme, die beiden<br />
Dämonen ernst ansehend.<br />
<strong>Die</strong> beiden blickten den Orc an, wichen dann einen Schritt zurück.<br />
„Du willst doch nur allein deinen Spaß mit ihr haben.“ zischten sie ihn<br />
an.<br />
Vadarassar sagte kein Wort, blickte zu seinem versklavten Dämonen,<br />
jener Teufelswache, deutete mit einem Finger auf ihn.<br />
„Dein Name?!“ fragte er in Befehlston.<br />
<strong>Die</strong> Teufelswache blickte zu dem Hexenmeister, als wolle sie ihm den<br />
Kopf abreißen und das Genick mit einer scharfen Currysauce<br />
verspeisen.<br />
„Haatom.“ groll der Dämon.<br />
„Haatom, ich befehle dir, sie zu nehmen und hinter mir her zu tragen.<br />
Jetzt und sofort. Bewegung.“<br />
Der Dämon knirschte mit seinen Zähnen, ging zu dem Kadaver hinüber<br />
und warf ihn sich über die breiten Schultern. Dann ging er hinter<br />
Vadarassar her, der geradewegs in Richtung seiner Unterkunft hier in<br />
den Höhlen ging.<br />
Endlich erreichten sie die Unterkunft. Und endlich hatte die Tür, die<br />
ansonsten immer für Vadarassar als Sperre, damit er nicht fliehen<br />
konnte fungiert hatte, einen praktischen Nutzen für ihn.<br />
- 129 -
„Leg sie dorthin und verbarrikadier die Tür.“ befahl Vadarassar dem<br />
Dämon, ging dann neben den toten Körper der Druidin. Er war noch<br />
warm....gut so...das musste er auch noch sein.<br />
„Was gedenkt ihr zu tun.....M.....M.....Meister.“ brachte Haatom hervor,<br />
das ‚Meister’ erst im dritten Anlauf heraus bringend. Eigentlich wollte er<br />
Mistkerl, Monster oder etwas Ähnliches sagen, betonte das Meister<br />
auch genau so...doch eine Beleidigung wollte ihm einfach nicht über<br />
die Lippen gehen.<br />
„<strong>Die</strong>s hier.“ sagte Vadarassar und griff in seine rechte Robentasche.<br />
Eben noch, kurz bevor er sie getötet hatte, war seine Hand mit einem<br />
Kristall seiner Gürteltasche in eben jene geglitten. Jetzt stieß er eine<br />
Bitte in Richtung Himmel, dass es funktioniert hatte.<br />
Eine kleine, glühende Kugel kam aus seiner Robentasche zum<br />
Vorschein. Kleine, feine Risse zogen über die Oberfläche der<br />
glühenden Sphäre.<br />
„Gefangen im Moment des Endes, zurück zum Anfang mit dir.“<br />
brummte Vadarassar, die Sphäre über dem Kadaver der Druidin<br />
zerbrechend.<br />
Lila Neben umschlang den Körper, strich durch das Fell und floss dann<br />
durch Nasenlöcher, Mund und Ohren in den Körper hinein.<br />
Bange Sekunden starrte Vadarassar auf den Körper. Dann hörte er<br />
einen krampfhaften, japsenden Atemzug.<br />
Schlagartig schossen ihre Augen auf, fokussierten den Hexenmeister<br />
und ihr Mund machte sich bereit, zu schreien. Doch Vadarassar hielt<br />
ihr eine Hand auf selbigen, woraufhin sie beherzt zubiss.<br />
Doch auch Vadarassar schrie nicht, obwohl es sich anfühlte, als wolle<br />
sie seine Finger abbeißen. Stattdessen sah er sie mit ernstem, aber<br />
gleichsam leicht besorgtem Blick an.<br />
„Gut, du bist am Leben.“ verließ sein verzerrtes Gesicht und der Biss<br />
wurde mit einem Mal schwächer. <strong>Die</strong> Augen, gerade noch mit<br />
dolchartigem Blick, waren nun sanfter.<br />
„Du...hast mich getötet. Und ich bin jetzt tot...oder untot....“ groll<br />
Braunpelz, schließlich die Hand ausspuckend. Blut tropfte aus der<br />
Bisswunde, der sich Vadarassar aber nicht widmete.<br />
- 130 -
„Es war die einzige Möglichkeit. Ansonsten wärst du gestorben, ohne<br />
die Hoffnung auf Rettung.“<br />
„Ich...lass mich in Ruh.....ohh....“ wehrte sich Braunpelz, wollte mit<br />
einem Mal möglichst weit weg von dem Hexenmeister sein, rappelte<br />
sich auf und sank dann zusammen, als die Welt sich vor ihr zu drehen<br />
begann.<br />
„Du bist noch schwach. Es wird etwas dauern, bis deine Seele die<br />
Nachwirkungen des Gefängnisses überwunden hat.“ erklärte<br />
Vadarassar.<br />
„Ich....mein....wovon redest du?“ fragte sie, den Hexenmeister noch<br />
immer anblitzend.<br />
Statt einer Antwort zeigte Vadarassar auf die zerbrochene Sphäre<br />
neben ihr. „Das hier nennen die Hexenmeister einen Seelenstein. In<br />
diesem Gefängnis können wir Seelen einschließen, sie dann in einen<br />
Körper zurückkehren lassen. Sie halten nicht sehr lange, aber sie haben<br />
die Macht, einen Toten wieder ins Leben zurück zu bringen. Und ich<br />
bin unendlich dankbar, das es bei dir funktioniert hat.“<br />
Noch immer blickte die Druidin ernst auf den Hexenmeister. „Du tötest<br />
mich, um mich wieder zu erwecken. Du bist wirr.“<br />
Vadarassar lächelte vage. Ein Gefühl erfüllte ihn, das ihm eine Wärme<br />
verlieh, die Hexenmeistern sonst fremd war.<br />
„Ich erkläre es dir beizeiten. Jetzt müssen wir von hier weg.“<br />
„Und wie?“ fragte Braunpelz.<br />
„Spiel tote Kuh. Das ist schon alles.“<br />
Sie nickte langsam. Keine angenehme Vorstellung, doch in Ordnung....<br />
„Ihr habt euren Meister betrogen. Ihr habt alle hier betrogen.“ groll<br />
Haatom, die Druidin wieder auf seinen Schultern schleppend.<br />
„Ihr seid ein Betrüger. Und ihr habt mich versklavt. Das ist<br />
beschämend.“<br />
„Ich tue, was richtig ist. Und jetzt schweig still und geh weiter.<br />
Verstanden?“ groll Vadarassar, den Weg nach oben gehend.<br />
Dämonen...immer mehr Dämonen stürmten an ihm vorbei. Was war<br />
dort oben nur los?<br />
- 131 -
Endlich kamen sie wieder an die frische Luft. Wobei frisch zu viel<br />
gesagt gewesen wäre, denn ringsum lagen tote Dämonen<br />
versammelt, entweder gespickt mit Pfeilen oder blau angelaufen und<br />
in der Mitte durchgebrochen.<br />
Ein Pfeil schoss dicht an Vadarassar vorbei, dann erst sah er, wo er her<br />
kam.<br />
„Da isser ja, der verlorene Sohn.“ spottete Teborasque, den Bogen<br />
sinken lassend. „Wo haste denn unsere Druidin gelassen?“<br />
„Sie ist bei mir. Hier. Wir müssen gehen. Schnell.“ sagte Vadarassar und<br />
ging schnell an Teborasque vorbei. Der sah Braunpelz auf dem Rücken<br />
<strong>eines</strong> durchgedrehten Dämonen, den er im selben Moment beinahe<br />
umgenietet hätte.<br />
Sie....war sie etwa....<br />
Ehe er fragen konnte, öffnete die Druidin ein Auge, zwinkerte dem<br />
Jäger kurz zu und schloss es direkt wieder.<br />
Etwas verwirrt kratzte sich der Troll am Kopf, zuckte dann mit den<br />
Schultern und pfiff einmal schrill.<br />
Bwalkazz, gerade in einer anderen Ecke des Lagers, drehte den Kopf<br />
ein wenig, als er den Pfiff hörte. Dann sah er zu drei Dämonen, deren<br />
Beine gänzlich in Eis eingehüllt waren. Sein Blick war frostig...wie immer<br />
eigentlich.<br />
„Genug gespielt. Wir haben nichts weiter zu bereden.“ sagte er und<br />
drehte sich um, das Lager ebenfalls verlassend.<br />
„Und immer cool bleiben.“ warf er noch ein, ehe er außer Hörweite<br />
war.<br />
<strong>Die</strong> dämonischen Flüche der Satyrn hörte er schon nicht mehr. Waren<br />
ihm auch egal....<br />
Erst als sie den Teufelswald verlassen hatten und im äußersten Norden<br />
des Brachlandes angekommen waren, erwachte Braunpelz<br />
planmäßig und auf wundersame Weise von den Toten, kletterte von<br />
der Schulter des Dämons.<br />
„Biste auch wirklich unverletzt? Was issen da drin passiert?“ fragte<br />
Teborasque neugierig. Doch weder Braunpelz noch Vadarassar waren<br />
- 132 -
entweder bereit oder in der Lage, die volle <strong>Geschichte</strong> zu erzählen.<br />
Stattdessen beschlossen sie, über einen bösen Dämonen zu reden,<br />
den sie mit einem Trick besiegt hatten und der daraufhin Braunpelz<br />
fast das Leben gekostet hätte.<br />
Eine gewisse Wahrheit war in diesen Worten. Nur war eben jener<br />
Dämon eben unter den vieren präsent.<br />
„Und was machen wir jetzt?“ fragte Bwalkazz die anderen.<br />
„Ich möchte nach Donnerfels zurück und mit den ältesten Druiden<br />
über meine Erlebnisse sprechen. Es gibt sicher noch viel, was ich lernen<br />
kann.“ meinte Braunpelz, die anderen etwas traurig ansehend. Dann<br />
sah sie zu Vadarassar, dessen Blick verbitterter als sonst schien.<br />
„Ich mache mich auf in die östlichen Königreiche. Es gibt da einige,<br />
mit denen ich noch ein Hühnchen zu rupfen habe. <strong>Die</strong> Legion, um<br />
ganz genau zu sein.“ knurrte er.<br />
Was er nicht sagte: In den verwüsteten Landen waren noch große<br />
Mengen von Dämonen zu finden. Eben jene auszuschalten war sein<br />
Ziel. <strong>Die</strong>ser Traum den er hatte...vielleicht würde er einmal in gewissen<br />
Teilen wahr werden. Doch auf welcher Seite er stehen würde <strong>–</strong> dafür<br />
hatte er sich entschieden.<br />
„Ich werd mich wieder Richtung Gadgetzan bewegen. Was<br />
lernen...und endlich eine funktionierende Mausefalle bauen.“ sagte<br />
Teborasque grinsend. Nur er wusste, das es noch lange Zeit dauern<br />
würde, bis er so etwas fertig bringen konnte.<br />
Bwalkazz nickte knapp. „Dann werde ich nach Orgrimmar gehen und<br />
mir die Zauber beibringen lassen, damit ich ein Portal nach eben dort<br />
zaubern kann.“<br />
Das noch viele andere Portale und die Zauber um eben jene später in<br />
seinem Wissensfundus landen würden....das konnte er zu diesem<br />
Zeitpunkt nicht ahnen.<br />
So trennten sie sich. Vier Freunde, die unterschiedlicher nicht hätten<br />
sein können. Ihre Wege würden sich aber sicher wieder kreuzen. Denn<br />
das Böse war in diesen Landen noch lange nicht besiegt.<br />
- 133 -
Kapitel 24 <strong>–</strong> Freundschaft aus der Ferne<br />
Kalt war es mittlerweile geworden. Eine frostige Schneeschicht<br />
bedeckte weite Teile Kalimdors und die Regionen des östlichen<br />
Königreiches. Nur die Gegenden, in denen das ewige Feuer oder die<br />
kargen Wüstenlandschaften vorherrschten hielten noch genug<br />
Wärme, um sich erfolgreich der Decke aus weißen Schneeflocken zu<br />
erwehren. Das Winterhauchfest würde bald bevorstehen. Eine Zeit, in<br />
der sowohl die Allianz wie auch die Horde dem Konsumwahnsinn<br />
findiger Goblingeschäftsleute anheim fallen sollten, um ihr sauer<br />
verdientes Gold in irgendwelchen wertlosen Ramsch zu stecken.<br />
<strong>Die</strong> gleiche Chose wie jedes Jahr zu dieser Jahreszeit.<br />
Verdächtigungen durch die Apothekervereinigung Unterstadt, die<br />
Goblins mischten irgendwelche Drogen oder andere Substanzen in die<br />
kostenlosen Getränke an den Festivitätenständen, bei denen sich alle<br />
Besucher, Abenteurer, Gastwirte, Händler und sogar die Wachen gern<br />
und reichlich bedienten, wurden zwar alljährlich aufgestellt, jedoch nie<br />
wirklich nachgewiesen.<br />
Eine Mischung aus kitschigen bunten Kerzen, viel Grün, Weiss, Rot und<br />
anderen fröhlichen Farben dominierte bald die großen Städte<br />
Azeroths. Inniger Ekel durchkam Vadarassar bei dem Gedanken, ließ<br />
ihn zufrieden grinsen, während er nach Steinard zurück ging, einige<br />
Köpfe erschlagener, verzehrter, verkohlter, zerfetzter und sonst wie ums<br />
Leben gekommener Dämonen im Schlepptau.<br />
Eine ungewöhnliche Aktivität ging in den letzten Wochen vom<br />
Dunklen Portal aus. Eine Aktivität, die ihm nicht gefiel. <strong>Die</strong> Zahl der<br />
Dämonen war diese Woche wieder angestiegen. Und diese schienen<br />
sich in Azeroth nicht vollständig manifestiert zu haben, wirkten neu in<br />
diesen Landen. Ging auf der anderen Seite des Portals vielleicht etwas<br />
vor sich?<br />
Bei reiflicher Überlegung war es ihm eigentlich egal. Ob ein Dämon<br />
der Brennenden Legion, zehn, hundert oder tausend. Einer nach dem<br />
anderen würde schon fallen <strong>–</strong> wie sie einstmals vor den Kräften der<br />
Horde im Bund mit der scheinheiligen Allianz aus Nachtelfen und<br />
Menschen gefallen waren. Auch dieses Mal würde es nicht anders<br />
ausgehen.<br />
In Steinard angekommen knallte Vadarassar das Bündel<br />
Dämonenköpfe einem der Kommandanten hin. Der glotzte etwas<br />
erstaunt, fing sich jedoch schnell genug, um mit einem vielsagenden<br />
- 134 -
Gesichtsausdruck zu dem Hexenmeister zu blicken. Aus der Abscheu<br />
Hexenmeistern gegenüber machte er ganz offensichtlich keinen Hehl.<br />
„Ich zähle nur siebzehn Köpfe. Euer Auftrag war, Zwanzig Dämonen zu<br />
erschlagen. Zählen scheint nicht eure Stärke zu sein.“ grunzte er den<br />
Hexenmeister an.<br />
„<strong>Die</strong> übrigen drei sind gänzlich in sich zusammen gefallen. Lauft doch<br />
selbst in die verwüsteten Lande und überzeugt euch, wenn ihr mir<br />
nicht vertraut.“ brummte Vadarassar zurück.<br />
Der Kommandant blickte zu seinem Reitworg und erwog für den<br />
Moment wirklich, selbst nachzusehen, ob dieser nichtswürdige Wurm<br />
<strong>eines</strong> dämonenbesessenen Orcs nur <strong>Geschichte</strong>n erzählte, oder ob<br />
diese auf der Wahrheit basierten. In Anbetracht des geringen Lohns,<br />
der auf diesem Auftrag stand, reichte er dem Hexenmeister<br />
stattdessen die Belohnung <strong>–</strong> einige Goldmünzen und einen Stab aus<br />
der Sammlung von Steinard.<br />
Vadarassar nickte grimmig, nahm den Stab, um ihn kurz darauf vor<br />
seinen Augen glühen zu lassen. Dann lag in seiner Hand nur noch ein<br />
kleiner, glänzender Splitter, den er schließlich einsteckte.<br />
Ohne sich zu verabschieden oder gar zu danken wendete er sich um,<br />
wollte sich auf den Weg zum Gasthaus machen, um zu ruhen. Mitten<br />
im Gehen griff jedoch die Hand des Kommandanten nach seiner<br />
Schulter.<br />
„Das hier ist für euch gekommen.“ sagte dieser und reichte<br />
Vadarassar ein kl<strong>eines</strong> Paket, spürte im selben Moment jedoch ein<br />
dunkles Knistern in der Hand, die auf der Schulter des <strong>Hexenmeisters</strong><br />
lag. Ebenso schnell, wie er nach diesem gegriffen hatte, ließ er die<br />
Schulter auch wieder los, hielt ihm nur das Paket hin und wendete sich<br />
dann ab.<br />
<strong>Die</strong> Brauen leicht erhoben nahm Vadarassar das Paket an sich, ging<br />
mit selbigem ins Gasthaus, fand dort rasch eine angenehm dunkle<br />
Ecke, die dennoch warm genug für ihn war und öffnete dort<br />
schließlich das Paket.<br />
Mit zusammengepressten Lippen bemerkte er die Blätter, die aus dem<br />
Paket hinaus flatterten, als wären es kleine Falter. Ein Brief mitsamt<br />
<strong>eines</strong> kleinen, in grünem Papier und mit lila Geschenkband<br />
umwickelten Päckchens befand sich in diesem Paket.<br />
- 135 -
Ein Winterhauchgeschenk? Kitschig....wirklich kitschig. Doch ehe er es<br />
im Feuer seiner wahren Bestimmung zuführte, wollte der Hexenmeister<br />
wenigstens dem Brief noch eine Chance geben. So begann er zu<br />
lesen.<br />
Große Buchstaben deuteten auf jemanden mit wirklich großen Fingern<br />
hin. Und schon nach den ersten Zeilen begann der Hexenmeister,<br />
obwohl er es sich selbst wohl nicht eingestehen würde, unbemerkt zu<br />
lächeln.<br />
‚Lieber Vadarassar,<br />
mittlerweile sind drei komplette Monde gekommen und wieder<br />
gegangen, seit wir uns im Teufelswald voneinander verabschiedeten.<br />
Ich hoffe dieses Paket erreicht dich bei guter Gesundheit.<br />
In der Zwischenzeit ist viel geschehen. Einige ältere Druiden nahmen<br />
mich vor etwa zwei Monden mit nach Moonglade und dort nach<br />
Nachthafen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr mich einige <strong>–</strong><br />
sogar ältere <strong>–</strong> Druiden um meine schon angeblich so gut<br />
ausgeprägten Fähigkeiten beneidet haben. Dank ihnen weiß ich jetzt<br />
auch meinen wirklichen Weg.<br />
Wusstest du, das Malfurion einmal genau so angefangen hat wie ich?<br />
Auch als ein kleiner, unbedeutender Wicht, der dann von der Natur<br />
gesegnet wurde. Er stand aber als großer Recke in einem Krieg an<br />
vorderster Front und musste sich beweisen. Etwas, das ich nicht<br />
machen möchte <strong>–</strong> du weißt ja, wie ich über Kriege denke.<br />
Letzte Woche habe ich Tebo auf dem Dunkelmondjahrmarkt<br />
getroffen. Stell dir mal vor: Der Troll ist mittlerweile Ehrenmitglied bei<br />
den Gobliningenieuren in Gadgetzan. Aber eine ordentlich<br />
funktionierende Mausefalle hat er bisher immer noch nicht gebaut.<br />
Dafür aber einen kleinen Drachen, der immer neben ihm her fliegt und<br />
jede Menge anderen technischen Kram.<br />
Gestern war ich in Orgrimmar und habe gesehen, wie sie den<br />
Winterhauchbaum aufgerichtet haben. An die Dekoration der Orcs<br />
muss man sich zwar gewöhnen, aber er sieht wirklich festlich aus.<br />
Wie ergeht es dir eigentlich so? Ich habe ja gehört, das du vor etwa<br />
vier Wochen im geschmolzenen Kern dein Unwesen getrieben haben<br />
sollst. Ein heißer Ort <strong>–</strong> mir persönlich etwas zu heiß.<br />
- 136 -
Hoffentlich sehen wir uns irgendwann einmal wieder. Als kl<strong>eines</strong><br />
Andenken schicke ich dir ein paar selbstgebackene Lebkuchen. Sie<br />
waren noch ganz frisch, als ich sie eingepackt habe. Hoffentlich ist die<br />
Post rasch genug, damit sie nicht steinhart sind, wenn sie dich<br />
erreichen.<br />
Es vermisst dich<br />
Braunpelz“<br />
Vadarassar öffnete das kleine Päckchen und blickte tatsächlich auf<br />
eine nicht gering erscheinende Menge Lebkuchen. Erneut lächelte er,<br />
griff <strong>eines</strong> der Gebäckstücke und stellte fest: Fast so frisch, als kämen<br />
sie gerade aus dem Ofen.<br />
Nachdenklich blickte er ins Feuer, biß dabei einmal in den Lebkuchen.<br />
<strong>Die</strong> Taurin konnte kochen....ein interessanter Umstand. Und jetzt,<br />
genau in diesem Moment kam ihm diese kitschige Atmosphäre des<br />
Winterhauchfestes gar nicht mehr so schlimm vor.<br />
Wieder biß er in den Lebkuchen, las derweil den Brief noch einmal<br />
durch.<br />
Dann beschloß er, das sie eine Antwort mehr als verdient hatte. Er<br />
raffte sich auf, ging zum Feuer und angelte dort mit dem Eisen ein<br />
Stück verkohltes Holz heraus, blies einige Male darüber und nahm es<br />
schließlich in die Hand.<br />
Etwas heiss, doch es würde tun, was er damit bezweckte. Er riß zwei<br />
Seiten aus einem Buch, das neben ihm lag und begann auf eben<br />
jenen Seiten zu schreiben. Kaum hörbare Flüstertöne, dämonische<br />
Silben verließen seine Lippen während des Schreibens, ließen die<br />
Spitze des Kohlestücks ganz leicht glühen und so die Buchstaben in die<br />
Papieroberfläche einbrennen.<br />
„Liebe Braunpelz,<br />
deine Zeilen haben mich positiv überrascht. Dir gebührt Dank für<br />
etwas, das bei mir wirklich selten ist <strong>–</strong> ein Lächeln.<br />
Auch mir geht es den Umständen entsprechend angebracht.<br />
Regelmäßig suche ich meine Rache und Vergeltung an den<br />
Dämonen der Brennenden Legion und jenen, die nach Unruhe und<br />
- 137 -
dem Bösen trachten. Das war auch der Grund für meinen ‚Ausflug’<br />
zum geschmolzenen Kern. <strong>Die</strong> Temperaturen dort sind in der Tat keine<br />
Übertreibung, es ist schrecklich heiss dort. So heiss, das mir schon beim<br />
Gedanken an ihre Heizkosten die Schweißperlen auf der Stirn stehen.<br />
Der größte Hitzkopf war allerdings der Feuerlord Ragnaros. Nicht nur<br />
hitzköpfig, sondern auch noch feige und ängstlich, verkroch er sich<br />
wieder in die Lava, nachdem wir ihm einige blaue Flecken verpasst<br />
hatten, um uns seine ‚Söhne’ auf den Hals zu hetzen. Selten feiges<br />
Windlicht, dieser Kerl. Dank ihm hat mein Turban Feuer gefangen und<br />
war nicht mehr zu gebrauchen.<br />
Naja <strong>–</strong> wengistens hatte er eine nette Kopfbedeckung in seinem<br />
persönlichen Schatz, die mir nun mehr als passend steht. Woher er die<br />
aber hatte....war doch gar nicht so seine Größe....wer weiss.<br />
Wahrscheinlich ein krampfhafter Sammler von allen möglichen<br />
Kopfbedeckungen. Herrje, du hättest einmal sehen müssen, wie sich<br />
die Trollpriesterinnen um ihre Kopfbedeckung gestritten haben...da<br />
fehlte nur noch der Schlamm, um es noch ein wenig unterhaltsamer zu<br />
gestalten.<br />
Meine Sorgen sind aktuell hier in den verwüsteten Landen. Zwar will mir<br />
niemand glauben, doch scheint das Portal langsam wieder aktiv zu<br />
werden. Anders kann ich mir die Schwämme von Dämonen, die hier<br />
täglich neu erscheinen, nicht erklären. Doch der Kommandant hier ist<br />
so....nun....sagen wir es einmal so: Mit einem Stück verschimmelten<br />
Brotes könnte ich besser reden als mit ihm.<br />
Über eine Rückkehr nach Orgrimmar in den nächsten Tagen denke ich<br />
mittlerweile deutlich nach. Der Gedanke, einige von euch<br />
wiederzusehen beflügelt dies. Der Grund hierfür entzieht sich jedoch<br />
meiner Möglichkeit, eine Erklärung dafür zu finden.<br />
Bis bald<br />
Vadarassar“<br />
Grummelnd über seine Gefühlsduselei, die er in diesem Brief<br />
niedergeschrieben hatte, faltete er den Brief, versiegelte die Ecken<br />
und Enden mit Wachs und gab ihn daraufhin an den nächsten<br />
Windreiter, der Richtung Understadt flog. Von dort aus würde der Brief<br />
sicherlich bald in Orgrimmar und hoffentlich auch bei Braunpelz<br />
ankommen.<br />
Derweil beschloß Vadarassar, für den Moment einmal zu ruhen.<br />
- 138 -
Einen weiteren Lebkuchen greifend und hineinbeißend brummte er<br />
erneut.<br />
Er hatte mit keiner Silbe erwähnt, was für eine höchst ausgezeichnete<br />
Köchin Braunpelz offenbar war. Das, so dachte er, würde er ihr selbst<br />
sagen müssen.<br />
- 139 -
Kapitel 25 <strong>–</strong> Immer diese Kinder...<br />
*Klatsch*<br />
Wieder schlug ein Schneeball in einem der vielen Gesichter<br />
Orgrimmars ein. Ein kl<strong>eines</strong> Orcmädchen lachte kehlig und drehte sich<br />
schnell um, lief in einige Entfernung, um den sich den Schnee aus dem<br />
Gesicht wischenden Tauren nicht zwischen die dicken Finger zu<br />
kommen.<br />
<strong>Die</strong> kalte Jahreszeit. Er hatte sie immer gemocht. Ironie vielleicht, das<br />
nun die Kälte des Winters durch seine Adern floss und sein ganzer<br />
Körper nicht ein Stückchen Wärme mehr beinhaltete. Bwalkazz seufzte<br />
tief, in Gedanken an seine Vergangenheit und seine Familie vertieft.<br />
Wie lange war es nun wohl her? Vier Jahre? Fünf vielleicht? Er wusste<br />
es mittlerweile wirklich nicht mehr....wann dieses schreckliche<br />
Vorkommnis mit der Geißel in Dalaran gewesen war.<br />
Noch immer nachdenklich blickte er auf die Rune in seiner rechten<br />
Hand. Portale <strong>–</strong> mittlerweile wusste er nur zu gut um sie. <strong>Die</strong><br />
vergangenen Wochen und Monate hatte er genutzt, um sich von den<br />
Portallehrern Wissen um eben jene anzueignen, diese Steine zu Toren<br />
in die großen Hauptstädte zu formen.<br />
Ein Gefühl von Wehmut und Heimweh überkam ihn, als er langsam<br />
über den weiten Platz vor der Bank in Orgrimmar schritt. Erst als er ein<br />
vertrautes, längliches Gesicht einer Taurin erkannte, ließ dieses Gefühl<br />
ein wenig nach.<br />
„Seid gegrüßt.“ begann Bwalkazz recht simpel. Das reichte jedoch, um<br />
Braunpelz auf ihn aufmerksam zu machen. Mit einem breiten Lächeln<br />
drehte sie sich zu ihm, ihre Augen strahlten in einer Art, wie ein Untoter<br />
es wohl niemals von einem Lebenden hätte erwarten können.<br />
„Bwalkazz. Nicht zu glauben, das ich dich einmal wieder sehe. Altvater<br />
Winter hatte Recht <strong>–</strong> das ist das Fest der Begegnung und der<br />
Freundschaft.“ sagte sie mit freudiger Stimme und reichte ihm dann<br />
ihre große Hand.<br />
„Ein schönes Winterhauchfest wünsche ich dir.“<br />
Bwalkazz nickte ihr zu. „Das wünsche ich dir auch. Obwohl ich staune,<br />
das die Horde dieses Fest ebenfalls feiert.“<br />
„Warum sollten wir das nicht feiern?“ fragte Braunpelz überrascht. „Wir<br />
sind doch schließlich keine brutalen, hirnlosen Monster.“<br />
- 140 -
Der Blick der beiden schweifte zu einigen Trollen, die sich um ein<br />
hübsch verpacktes Geschenk stritten und eine kleine Prügelei<br />
angefangen hatten. Erst als er die beiden Widersacher mittels kräftiger<br />
Schläge und Tritte kurzerhand ausgeschaltet hatte, konnte der Dritte<br />
endlich das Geschenk für sich beanspruchen, es öffnen und die<br />
gestrickten Wollsocken heraus holen, um sie, einen verklärten Blick<br />
auflegend, an seine Wange zu drücken.<br />
„Stimmt. Hirnlos sind wir nicht.“ schlussfolgerte Bwalkazz und drehte<br />
sich etwas zur Seite, die Rune in seiner Hand wieder fester<br />
umklammernd.<br />
„Ich denke ich werde nach Unterstadt reisen. Und dann nach<br />
Dalaran....oder das, was davon noch übrig ist.“ sagte er kühl, öffnete<br />
dann seine Handfläche und offenbarte so die magische Portalrune in<br />
eben jener.<br />
„Es war schön, dich einmal wiederzusehen. Viel Glück.“ sagte<br />
Braunpelz und war gerade dabei, sich abzuwenden, als der Magier<br />
begann, einige magische Silben vor sich hin zu flüstern.<br />
<strong>Die</strong> Rune begann zu glühen, löste sich von der Hand des Magiers und<br />
erhob sich vor ihm in die Luft, wo sie um ihre eigene Achse zu rotieren<br />
begann. Genau in diesem Moment traf ein Schneeball den Magier im<br />
Gesicht, riß das Wort, das er gerade sagen wollte, in der Hälfte ab.<br />
Das Portal reagierte auf diese Silbe, ignorierte dagegen den bösen<br />
Blick des Magiers, der nach dem Schneeballschützen Ausschau hielt,<br />
ihn in einem breit grinsenden Orc in merkwürdig lila Farben erkannte<br />
und ihm einen bösen Blick zu warf. Ein Donnern glitt durch die Luft, als<br />
das Portal seine ehemals bläuliche Aura gegen eine tiefrote<br />
eintauschte.<br />
Das war nicht Unterstadt. Das war...irgend ein anderer Ort. Bwalkazz<br />
bemerkte seinen Fehler, begann gerade eine magische Formel, um<br />
das Portal wieder zu schließen. Da schnellte eine Hand aus dem Portal,<br />
packte den Magier am Hals und sog ihn in das Portal hinein, ohne<br />
dem Magier eine Chance auf Gegenwehr zu geben.<br />
Ein letztes Röcheln, dann war er schon verschwunden, das Portal<br />
schloß sich und ließ nur noch eine rauchende Rune zurück.<br />
„Ihr...seid doch wahnsinnig!“ zischte einer der Goblins, in seiner<br />
Bewegungsfreiheit dank des festen Griffs der Teufelswache von<br />
- 141 -
Vadarassar ziemlich eingeschränkt, während sich der Hexer den<br />
Instrumenten des Zeppelins widmete.<br />
„Eure Zeppeline fliegen absichtlich so langsam, wie ich sehe.“<br />
grummelte Vadarassar den Goblin an, hielt einen der Hebel kräftig<br />
nach vorn gedrückt <strong>–</strong> weit über eine aufgeklebte Markierung hinaus.<br />
„Wieso ist das so?“<br />
Der Goblin röchelte, konnte dem Griff des Dämons aber nichts<br />
entgegen setzen, der mit jeder Bewegung des Goblins seine Hand um<br />
dessen Hals etwas fester zudrückte.<br />
Vadarassar machte eine deutliche Handbewegung in Richtung<br />
Dämon. „Tot nützt er mir nichts. Lass ihn los.“<br />
„Ja,.....Herr.“ schnaubte der Dämon, lockerte seinen Griff schlagartig<br />
und ließ den Goblin kurzerhand eineinhalb Meter tief auf den Boden<br />
plumpsen.<br />
„Wir...ähh....“ röchelte der Goblin hustend. „..haben Anweisung, nur<br />
mit Minimalkraft zu reisen. Sonst...ist die Überfahrt zu schnell....und wir<br />
werden nach Stunden bezahlt.“<br />
Natürlich. Es ging wieder einmal nur um Goldmünzen. Etwas, das<br />
Vadarassar in seinem eigenen Beutel zwar gern mehrte, gerade<br />
diesen zu kurz geratenen Gartenzwergen aber sicher nicht gönnte.<br />
Vor allem nicht, wenn es ihn irgendwie in seinen Absichten behinderte.<br />
So behielt er seine Hand weiter auf dem Hebel, sah dem Rotor hinter<br />
sich zu, wie dieser kräftig rotierte und den Zeppelin mit einer<br />
Geschwindigkeit nach vorn trieb, die selbst einem Drachen sicherlich<br />
alle Ehre gemacht hätte.<br />
Auf diese Weise beschleunigt brauchte er für die Überfahrt von<br />
Kontinent zu Kontinent nicht, wie sonst immer, drei Tage, sondern war<br />
bereits nach etwa fünf Stünden an seinem Ziel angekommen. Jetzt<br />
endlich ließ er auch den Goblin wieder an die Kontrollen, blickte ihm<br />
jedoch noch einmal tief in die Augen.<br />
„Wenn ich noch einmal erlebe, das der Zeppelin hier absichtlich so<br />
schleicht, dann werde ich meinen Begleiter nicht mehr zurückhalten.<br />
Verstanden?“<br />
Der Goblin nickte, schimpfte dem Hexenmeister jedoch hinterher, als<br />
dieser schon die Turmtreppe herunter kletterte. Doch der war<br />
mittlerweile schon festen Schrittes unterwegs auf die Tore seiner<br />
eigentlichen Heimatstadt.<br />
Orgrimmar.<br />
- 142 -
<strong>Die</strong> Schutzwälle, die das Gebilde aus Tälern vor den Weiten Durotars<br />
abschirmte und so mögliche Angreifer, waren es nun ein paar<br />
durchgeknallte Allianzler, die brennende Legion, die Feinde aus dem<br />
Inneren, irgendwelche abgedrehten Insekten oder andere Gefahren,<br />
gut abwehrte. Mit einem gut versteckten Lächeln erinnerte sich<br />
Vadarassar an jene verhängnisvollen Tage vor etwa einem Jahr, als er<br />
das erste Mal durch diese Tore gegangen war, damals noch als<br />
junger, unbefleckter Hexenmeister, dessen böseste Tat es gewesen<br />
war, einige Skorpide und Harpyien ins Jenseits zu schicken. Jetzt lag<br />
eine sachte Schneeschicht auf den Türmen und Zinnen, bildeten sich<br />
Abdrücke unter seinen Stiefeln, verwaschen durch seine Robe.<br />
Als er ins Innerste kam, wäre Vadarassar nur zu gern umgekehrt. Wildes<br />
Treiben herrschte vor Bank und Auktionshaus. Ein großer<br />
Winterhauchbaum war aufgestellt worden, Geschenke lagen<br />
darunter, kitschige Musik spielte allerorten. Und mittendrin saß Altvater<br />
Winter, umringt von zahllosen Goblins, die einem ihren Ramsch<br />
andrehen wollten <strong>–</strong> zu günstigsten Spottpreisen, wie sie sagten.<br />
Tatsache war wohl eher, das jene ‚kostbaren Güter’ bereits nach zwei<br />
Wochen kaputt oder für weniger als das Zehntel des Preises zu haben<br />
sein würden. Und dennoch kauften Hordler aller Altersstufen, aller<br />
Ränge und jeder Rasse diesen Ramsch, zogen schrecklich hell<br />
schimmernde Mützen auf und kippten Eierflip um Eierflip in sich hinein.<br />
Es war mehr der flüchtige Blick in Richtung <strong>eines</strong> großen Pfahls, auf<br />
dessen oberen Ende ein Drachenkopf aufgespießt worden war, der<br />
ihn zu der führte, wegen der er sich aus den Sümpfen und seinem<br />
nicht enden wollenden Kampf gegen die Dämonen verabschiedet<br />
und den nächsten Zeppelin nach Kalimdor genommen hatte.<br />
Mit einem wehmütigen Blick im Gesicht sah er Braunpelz an eben<br />
jenem Pfahl stehen.<br />
„Deine Beute?“ fragte Vadarassar mit fester Stimme.<br />
„Nein, nicht wirklich.“ antwortete Braunpelz abwesend, den Blick noch<br />
immer auf den Kopf gerichtet.<br />
„Und ich habe die schlimme Vorahnung, dass das hier nur der Anfang<br />
war.“<br />
Erst jetzt löste sie ihren Blick von dem Drachenkopf und blickte zu dem<br />
Hexenmeister vor sich.<br />
All ihre Traurigkeit verschwand mit einem Mal, wandelte sich in Freude,<br />
mit der sie den Hexenmeister in ihre weiten Arme nahm und feste<br />
drückte.<br />
- 143 -
„Vada....was für eine schöne Überraschung, dich hier zum Fest zu<br />
sehen. Das schönste Geschenk, das man haben könnte.“<br />
Der Hexer war perplex. Mindestens ebenso perplex, wie die Wachen<br />
und einigen anderen ringsum. Eine Druidin, die einen Orc umarmte, als<br />
wäre es ein Bruder. Und nicht irgendeinen Orc, sondern ausgerechnet<br />
noch einen Hexenmeister! <strong>Die</strong> meisten anderen hätten ihn gerade mal<br />
<strong>eines</strong> abfälligen Blickes gewürdigt, doch gerade sie, die sie so sehr mit<br />
dem Leben verbunden war, schätzte diesen mit dem Tod so sehr<br />
verbundenen. Nein....das war zu viel für das Verständnis so vieler, das<br />
sie nur ungläubig starren konnten.<br />
Als sich zumindest Vadarassar wieder halbwegs gefangen hatte,<br />
musterte er die Taurin einmal einhellig. Ihre Kleidung war gewandelt <strong>–</strong><br />
statt der ehemals einfachen, leicht dunkelbraunen Lederkleidung war<br />
diese nun...irgendwie grünlich. Ein Schimmer ging von ihrer Brustplatte<br />
aus, der sich über den Kilt und sogar ihre Handschuhe, ja sogar ihre<br />
Schädelkappe hinweg zog. Außerordentlich...<br />
„Du hast dich ziemlich verändert in den letzten Monaten. Als würdest<br />
du dein Erbe wie viele andere annehmen.“ stellte Vadarassar fest.<br />
Braunpelz nickte ihm zu, nun in leichtem Abstand, dann deutete sie<br />
auf das Gasthaus. „Eine lange <strong>Geschichte</strong>. Komm <strong>–</strong> bei einem guten<br />
heißen Ale und ein paar frischen Plätzchen kann ich dir alles erzählen.“<br />
Einen Platz im Gasthaus zu finden grenzte an eine Geduldsprobe.<br />
Gerammelt voll war das Gasthaus, voll von Leuten, die sich mit Speis<br />
und Trank für die kommenden Festtage eindecken wollten. An jedem<br />
Tisch saßen Gäste, erzählten einander wilde <strong>Geschichte</strong>n, leerten ihre<br />
Krüge, orderten neue und fraßen den Festtagsbraten, als wäre es ihre<br />
letzte Mahlzeit vor dem Henker.<br />
Vadarassar indes war kein geduldiger Orc. Ein ungeduldiger Orc sogar<br />
<strong>–</strong> eine Charaktereigenschaft, die mit dem <strong>Hexenmeisters</strong>ein eine<br />
überaus gefährliche Mischung ergeben kann. Also holte er einmal tief<br />
Luft und nickte seinem Dämon neben sich zu.<br />
Drei Axtschläge, ein lautes Brüllen und die daraus resultierende<br />
Massenpanik später war das Gasthaus wie leergefegt. Lediglich ein<br />
taubstummer Taure saß noch auf einer Bank, versuchte verzweifelt mit<br />
dem noch in der Scheide steckenden Messer einen zähen Braten zu<br />
schneiden und blickte sich fragend um, wo seine Tischnachbarn nur<br />
steckten. Braunpelz, die sich die Ohren zugehalten hatte, warf<br />
Vadarassar einen strafenden Blick zu. Der indes zuckte nur mit den<br />
- 144 -
Schultern und setzte sich kurzerhand mitten auf die größte Bank, die im<br />
Gasthaus zu finden war und grinste verstohlen.<br />
„JETZT ist endlich Platz. Und ruhig ist es auch.“ stellte er fest, sah dann<br />
zu dem Gastwirt, der einerseits ebenfalls am ganzen Körper zitterte,<br />
andererseits einen so bösen Blick drauf hätte, das er seine<br />
Rausschmeißer, wären die nicht auch gerade allesamt getürmt,<br />
prompt auf den Hexenmeister gehetzt hätte.<br />
Einen entschuldigenden Blick an alle Seiten richtend nahm auch<br />
Braunpelz platz.<br />
„Na dann erzähl mal.“ sagte Vadarassar und spitzte die Ohren.<br />
- 145 -
Kapitel 26 <strong>–</strong> Druide, zur Rettung!<br />
Braunpelz wollte gerade mit der Erzählung beginnen, als ein längliches<br />
Gesicht in der Gaststätte auftauchte und die beiden genau<br />
betrachtete.<br />
„Hey Mann, ich hab doch gewusst, das der Dicke wieder da is!“ rief<br />
eine unverkennbar trollische Stimme den beiden zu.<br />
Vadarassar drehte sich um. Teborasque stand da im Eingang, einen<br />
großen, festen Bogen geschultert. Bogen? War der Kerl nicht<br />
ursprünglich ein Bastler für Flinten gewesen?<br />
„Ich dacht mir doch schon: So einen Trubel kann es nur geben, wenn<br />
entweder die Brennende Legion mitten im Schankraum einschlägt<br />
oder ein Hexenmeister, der sich nen Dreck um die Heimlichtuerei der<br />
anderen schert, sich etwas Platz verschaffen will.“ grinste der Trolljäger<br />
und nahm am Tisch der beiden Platz, ohne sie danach zu fragen.<br />
„Na, was bringt dich ma wieder in die heimischen Gefilde?<br />
Heimweh?“<br />
Vadarassar antwortete nicht, sah stattdessen nur zu Braunpelz, die<br />
freundlich blickend zu Teborasque schaute und scheinbar nur darauf<br />
wartete, mit ihrer Erzählung endlich zu beginnen. Dann endlich<br />
verstand auch der Troll, das er irgendwann am besten mal seine<br />
Klappe halten sollte, orderte sich noch rasch seinerseits etwas zu essen<br />
und trinken und sah dann, gemeinsam mit Vadarassar, die Druidin<br />
interessiert an.<br />
„Nun...ähem...“ begann sie sich zu räuspern. „Es begann eigentlich<br />
alles in einem Traum...“<br />
„Wieder so nen Traum, wie du sie ständig hattest? Mit dem ganzen<br />
Grün um dich rum?“ unterbrach Teborasque sie, fing sich dafür von<br />
Vadarassar einen finsteren Blick ein. Doch Braunpelz nickte nur<br />
freundlich zustimmend.<br />
„Ja genau. Der smaragdgrüne Traum. Wieder war ich in ihm und<br />
wanderte durch die Weiten Kalimdors. Ein so wunderbares Gefühl, der<br />
Natürlichkeit unseres Landes so nahe zu sein. Näher, als man es im<br />
Leben je sein könnte. Doch dann hörte ich auf einer Lichtung<br />
jemanden nach mir rufen.<br />
- 146 -
„Braline!“ rief eine Stimme.<br />
Braunpelz war verwundert, drehte sich um. Eigentlich kannte nur einer<br />
ihren wirklichen Namen, so glaubte sie. Doch diese Stimme war eine<br />
weibliche <strong>–</strong> also ganz gewiss jemand anders als ihr Lehrmeister.<br />
Gerade hatte sie sich umgedreht, da stand sie schon vor dem<br />
Rufenden. Eine Blutelfe, gänzlich in ein schillernd rotes Gewand<br />
gekleidet, stand dort in all ihrer Pracht und Schönheit vor der Druidin.<br />
„Braline, ich komme, weil ein Freund von mir dir vertraut, dich um Hilfe<br />
zu ersuchen.“ sagte die Blutelfe, mit einer Traurigkeit in ihrer Stimme,<br />
die Braunpelz selbst beinahe in ein kümmerliches, heulendes Häufchen<br />
Fellkugeln verwandelt hätte, wäre sie in ihrer wirklichen, körperlichen<br />
Gestalt gewesen. So jedoch blieb ihr nur, sehr bedrückt und traurig zu<br />
schauen und auf ein Knie zu sinken, damit beide mit ihren Augen auf<br />
gleicher Höhe waren.<br />
„Wobei kann ich dir helfen?“ fragte Braunpelz, eine Hand in Richtung<br />
der Blutelfe deutend.<br />
Blutelfen hatten nicht einmal ansatzweise eine solch nahe Bindung zur<br />
Natur. Sie korrumpierten die Energien der Welt lieber, rissen Kräfte an<br />
sich und nutzten sie für ihre Zwecke. Sie lebten nicht in Symbiose,<br />
sondern waren Parasiten für Kalimdor. Eine echte Blutelfe hätte es<br />
niemals in den smaragdgrünen Traum geschafft <strong>–</strong> das war Braunpelz<br />
voll und ganz klar. Also musste dies hier jemand sein, der eine Blutelfe<br />
als Erscheinungsbild gewählt hatte.<br />
„Einer meiner Söhne, jemand, den ich vom ganzen Herzen liebe, ist in<br />
Gefahr. Sein Körper beginnt bereits einem dunklen Herrn anheim zu<br />
fallen. Ich bitte dich <strong>–</strong> rette ihn, oder zumindest seine Essenz und lass<br />
ihn nicht in den Fängen der Dunkelheit zurück.“<br />
Dann wendete sich die Blurelfe ab und ging einige Schritte aus der<br />
Lichtung heraus.<br />
„Wo?“ rief Braunpelz, noch immer gehockt, hinter der Blutelfe her.<br />
„Beim Schwarzfelsen. Du musst hinauf zum Pechschwingenhort.“<br />
antwortete die Blutelfe noch, ehe sie um eine Ecke bog und dahinter<br />
verschwand.<br />
Braunpelz erwachte, sah sich um.<br />
- 147 -
Unterstadt. Schon einmal war sie hier gewesen <strong>–</strong> und genau wie letztes<br />
Mal lief ihr ein eiskalter Schauer über das Rückenfell, wenn sie sich hier<br />
umsah. Wandelnde Skelette, riesige golemartige, halb alchemistisch,<br />
halb mechanisch am Leben erhaltene Konstrukte aus Fleisch, Knochen<br />
und irgendwelchen anderen Apparaturen wanderten, ihre drei Arme<br />
schwingend, vor den Eingängen und bewachten diese. Zwei Untote<br />
standen aus Särgen direkt neben ihr auf, zahlten an den ?Gastwirt?<br />
ihre ?Zeche? und gingen von dannen, als wäre das eine Art<br />
Gastzimmer gewesen. Zugegebenermaßen <strong>–</strong> zweckdienlich, aber<br />
doch ein wenig zu beengt für jemanden wie Braunpelz, so ein kleiner<br />
Holzsarg.<br />
<strong>Die</strong> Särge und das madige Brot des Gastwirtes links liegen lassend ging<br />
Braunpelz auf den Windreitermeister zu <strong>–</strong> ein Kerl, der am liebsten<br />
einen großen Besen schwang und damit den Dreck der Fledermäuse<br />
schön gleichmäßig über dem Boden verteilte. ‚Das macht es für sie<br />
heimelig und gibt dem ganzen das richtige Ambiente’, hatte er ihr<br />
einmal erklärt. Doch wie auch immer diese Untoten das nennen<br />
mochten <strong>–</strong> es stank widerlich und war ekelhaft. Fast so schlimm wie die<br />
grüne Suppe unten, die durch unzählige Kanäle floß und von der<br />
Braunpelz weder ihren genauen Ursprung, ihre Zusammensetzung<br />
noch ihren Sinn wirklich wissen wollte.<br />
Auf die Frage, wo sie den Schwarzfels und damit auch den<br />
Pechschwingenhort finden könnte, zog der Fledermausführer lediglich<br />
einen seiner Schützlinge heran und hielt ihr diesen vor die Nase. Leicht<br />
zögernd kletterte die Taurin auf das zierliche Tier....und kaum saß sie<br />
auf dem Rücken des Fledertieres, ging es schon ab und durch die<br />
engsten Löcher, Gassen und Öffnungen von Unterstadt, durch die<br />
Kanalisation und einen Entlüftungsturm hinaus unter freien Himmel.<br />
Zum ersten Mal atmete sie wieder tief durch, hielt sich jedoch blitzartig<br />
die Nase wieder zu und eine Hand vor den Mund, roch die doch den<br />
modrigen Gestand von Fäulnis und Verderbtheit <strong>–</strong> die Pestländer <strong>–</strong><br />
unter sich. Dann endlich passierte die Fledermaus die stinkenden<br />
Ausläufer der östlichen Pestländer und bog über die kühlen Wipfel des<br />
Hügellanders ein.<br />
Eine frische Brise vom nahen Wasser war es schließlich, die Braunpelz’<br />
ganze Aufmerksamkeit aufbrachte: Eine riesige Mauer, geschlagen,<br />
um den Fluss zu einem See zu stauen. Riesige Zwergenköpfe spieen<br />
Wasser hinab, sorgten für eine beeindruckende Gischt.<br />
‚<strong>Die</strong> Allianz mag zwar voller engstirniger Kämpfer sein, doch ihre<br />
Bauten sind monumental.’ dachte Braunpelz, während die<br />
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Fledermaus ihren Weg weiter über die Bergkämme und dann in eine<br />
deutlich unwirtlichere Gegend suchte. Erst an einer kleinen Hütte, die<br />
vielleicht einmal ein Gasthaus werden wollte, machte sie Halt.<br />
Kargath. Der Name klang nach einer großen Siedlung. Viel mehr als<br />
ein Außenposten für eine Hand voll Orcs und Untote war es aber nicht.<br />
Wenigstens wussten diese hier nur zu gut, in welcher Richtung der<br />
Schwarzfels lag, warnten im gleichen Atemzug dann jedoch vor der<br />
schwarzen Drachenbrut.<br />
Auf die Erwähnung hin, Braunpelz müsse den Pechschwingenhort<br />
finden und dort jemandem zu Hilfe kommen, erhielt sie nur fiele Finger,<br />
die auf sie zeigten, begleitet von spöttischem Lachen. Eine Druidin,<br />
allein, dazu noch so jung und unerfahren, in die Schwarzfelsspitze zu<br />
schicken war schon ein Wahnsinn, der kaum zu überbieten war. Das<br />
jene kleine, dumme, unerfahrene, schwächliche Druidn jedoch gar in<br />
den Pechschwingenhort vordringen wollte, war etwas, das nicht mehr<br />
zum lachen, sondern zum fast ohnmächtig vor Ungläubigkeit werden<br />
war.<br />
Begleitet von allem Spott dieser Welt ging Braunpelz grummelnd in die<br />
ihr visierte Richtung. Kaum außer Sichtweite kreisten ihre Gedanken um<br />
einen ihrer tierischen Aspekte. Ihr Fell änderte die Farbe, viele Punkte<br />
sprossen überall auf ihrem Körper, ihre Hufe verschwanden und nur ein<br />
Augenblinzeln später rannte ein Gepard in Richtung Schwarzfels, ließ<br />
nur die Abdrücke einer Taurin im Sand zurück, die nicht weiterführen<br />
sollten.<br />
Den Schwarzfels zu finden war kein Problem gewesen <strong>–</strong> groß und<br />
mächtig standen die Tore in den Fels gehauen, drückten eine<br />
Bedrohlichkeit aus, die Braunpelz in dieser Form noch nie gespürt<br />
hatte. Ein Kribbeln unter ihrem Fell, das ihre Schritte langsamer und<br />
vorsichtiger werden ließ. Nun in Gestalt einer geschickten Katze wand<br />
sie sich um die Ecken, jederzeit bereit, sich zu verteidigen oder die<br />
Flucht zu ergreifen. Dann erstarrte sie.<br />
In einer dunklen Ecke hockend beobachtete sie eine kleine Gruppe<br />
Menschen, wie sie etwas vor sich hin brabbelten.<br />
Gemeinsprache. So nannten es die Menschen angeblich.<br />
Unverständliches Kauderwelsch, eine Mischung aus kehligen Worten,<br />
zischenden Lauten und spitzen Höhen <strong>–</strong> gänzlich ohne das<br />
Rhythmusgefühl und die darunter liegende melodische Art der<br />
Taurensprache oder die stolze Sprache der Orcs, die man sie gelehrt<br />
hatte.<br />
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Zwar verstand Braunpelz kein einzelnes Wort vom gesagten, dennoch<br />
konnte sie an den Gesten, die drei der Menschen machten erkennen,<br />
das sie in den Kampf gegen einen Drachen ziehen wollten. <strong>Die</strong>se<br />
flügelschlagende Geste zusammen mit dem gezogenen Schwert<br />
deuteten darauf hin <strong>–</strong> zumal sie dicke Pakete mit sich trugen:<br />
Offensichtlich viele Heiltränke, Heilkräuter, Bandagen, Vorräte,<br />
magische Reagenzien und allerlei anderes Zeug, das man bei harten,<br />
schweren Kämpfen nur zu gut brauchte. Und die wenigsten Menschen<br />
würden sich nur für einen Spaziergang in eine derart dicke, schwere<br />
Rüstung hüllen oder ihre Roben mit Schutzzaubern dieser Art belegen<br />
wie jene Drei es getan hatten.<br />
Neugierig und dennoch innerlich irgendwie sicher, das die Menschen<br />
sie zur rechten Stelle führen würden, folgte Braunpelz ihnen langsam<br />
einen kleinen Hügel hinauf, dann eine Treppe, über eine riesige Kette<br />
und schließlich durch einen Gang voller Orcs, mit denen Braunpelz<br />
ganz sicher keine nähere Bekanntschaft machen wollte <strong>–</strong> die<br />
Boshaftigkeit lag ihnen schon in den rot glühenden Augen.<br />
Als sie ihren Blick wieder von den Orcs und damit nach vorn richtete,<br />
wäre sie beinahe aus ihrem Versteck und damit der Verborgenheit<br />
aufgetaucht: Mehr als drei Dutzend Allianzler standen dort verteilt.<br />
Nachtelfen, Zwerge, Menschen, sogar Gnome drängten sich in einen<br />
kleinen Raum um eine leuchtende Kugel.<br />
War das der Pechschwingenhort? Braunpelz wusste nicht so recht, was<br />
sie von der ganzen Sache halten sollte. Interessiert sah sie einem der<br />
Zwerge <strong>–</strong> anhand seiner Rüstung vermutete sie einen Paladin....diese<br />
vielen goldenen Ornamente wären für einen Krieger sicherlich zu<br />
kitschig <strong>–</strong> zu, wie dieser auf die Kugel in der Mitte des Raumes zu ging.<br />
Ein grelles Leuchten erfüllte den Raum. Dann öffnete sich eine Art<br />
Portal, das einen Allianzler nach dem anderen in sich hinein sog.<br />
Ihre Chance. Wenn das der Pechschwingenhort war, dann müsste sie<br />
den Allianzlern folgen. Irgendwie....<br />
Mit einem beherzten Satz sprang Braunpelz in den Raum und damit in<br />
das Glühen hinein.<br />
Dann wurde alles strahlend hell.“ beendete Braunpelz die <strong>Geschichte</strong><br />
vorerst, indem sie zu einem großen Krug Wasser neben sich griff und<br />
einen kräftigen Schluck nahm.<br />
- 150 -
„Boah Mann <strong>–</strong> jetzt machst du ne Pause? Dabei wird es doch gerade<br />
erst spannend!“ fuchtelte Teborasque mit den Armen, das Ale im<br />
Kelch seiner rechten Hand dabei gleichmäßig im Raum verteilend.<br />
Vadarassar, dessen rechte Schulter schon triefend nass vor Ale war,<br />
blickte den Jäger nur einmal böse an, grinste dann breit. „Passiert<br />
doch nicht mehr viel. Sie hat die Allianz zertreten und das wars eben.“<br />
„Wat? Das waren mehr als drei Dutzend!“ lenkte Teborasque ein, nun<br />
feststellend, das sein Kelch auf wundersame Weise leer war. „Noch<br />
einen, Mann!“ orderte er flink einen neuen.<br />
Vadarassar zuckte nur mit den Schultern. „Und? Sind doch nur<br />
Allianzler.“<br />
„Gerüchteweise sollen die aber auch kämpfen können....“ gab<br />
Teborasque zu bedenken.<br />
„Gerüchteweise soll Thrall auf seiner Flucht umgekommen sein <strong>–</strong><br />
gefressen von einem Drachen mit sieben Köpfen, die den Körper <strong>eines</strong><br />
Einhorns hatten. Gerüchte eben <strong>–</strong> mehr nicht.“<br />
„Lass die Druidin doch einfach weitererzählen.“<br />
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Kapitel 27 <strong>–</strong> In der Höhle des Löwen unter Wölfen<br />
„Da war ich nun also. Mitten in einem dunklen Gang voller Allianzler,<br />
der nach Feuer und Schwefel roch und bei dem ich mir wünschte,<br />
lieber wieder in Mulgore zu sein.“ unterbrach Braunpelz mit ihrer<br />
Erzählung die beiden Streithähne, die einander fixierend ansahen und<br />
darüber stritten, ob und mit welcher Leichtigkeit die Druidin die<br />
ganzen Allianzschergen nun zerschlagen hätte.<br />
Auf die Worte der Druidin hin verstummten die beiden, sahen wieder<br />
zu ihr. Dann erst fuhr sie mit ihrer <strong>Geschichte</strong> fort.<br />
Endlich war das helle Leuchten weg, offenbarte dafür aber eine<br />
überaus unheimliche Umgebung: Eine hohe Decke und ein Raum, der<br />
mit Dracheneiern gesäumt war. Ein Drachkin stand auf einer Plattform<br />
am einen Ende dieses Raums, der so groß war, dass man problemlos<br />
den Dunkelmondjahrmarkt mitsamt einer ausgedehnten<br />
Gnomeweitwurfbahn hätte hierin unterbringen können.<br />
Gnomenweitwurf. Ein schöner, traditioneller Sport der Tauren. Leider<br />
verschlissen die guten Gnome zu schnell <strong>–</strong> und frische kamen nur sehr,<br />
sehr selten nach Mulgore. Ein mit Leder ausgestopfter, etwas<br />
gnomgroßer Ball bildete Ersatz für gnomarme Zeiten <strong>–</strong> wenn auch nur<br />
einen dürftigen.<br />
Während sie noch in Gedanken versunken war, sah sie, wie die<br />
Gruppe Allinazler sich formierte und in vier kleine Gruppen aufsplittete.<br />
Neugierig und gleichzeitig vorsichtig ging sie einige Schritte näher an<br />
die nun in den großen Raum hineinstürmenden Mob heran. Ein von<br />
oben herab rauschendes Fallgitter bremste jedoch ihre Neugier,<br />
schloß sie von der Begegnung, die jene Allianzler nun mit aller Kraft<br />
ausfochten, aus.<br />
Klingen flogen durch die Luft, Schmerzenschreie an allen Orten. Ein<br />
Zwergenkrieger schien panisch vor einem Mob wütender Orckrieger<br />
davon zu rennen, sprang hektisch von einem Vorsprung und legte<br />
dann erneut einen Sturm in Richtung Raummitte hin, um am anderen<br />
Ende des Raumes genau das gleiche zu tun. Nein <strong>–</strong> ein Kriegerkollege<br />
von ihm tat das gleiche, kam ihm auf halbem Weg entgegen.<br />
War das etwa eine Kampftaktik? Kontrolliertes-vor-dem-Gegnerweglaufen?<br />
Feige, aber effektiv. Denn während die Krieger ihre<br />
Bahnen durch den Raum drehten, machte sich der Rest an den Eiern<br />
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zu schaffen. Ganz im Speziellen dieser große Drachkin, obwohl<br />
Braunpelz den Grund für sein Handeln zuerst nicht erkannte.<br />
Als dann das letzte Ei auch in Flammen aufging und<br />
zusammenschrumpelte, brach schließlich ein Inferno los. Der Drache<br />
drehte durch und stürmte auf den erstbesten Allianzler, ausgerechnet<br />
einen Magier, wild entschlossen zu. Der Magier konnte weder der<br />
Wucht, noch der Wut oder den Pranken des Drachkin nichts entgegen<br />
setzen, wurde in die Luft gerissen und dort von den Pranken des<br />
Drachkins in Positionen gedreht, die selbst einem Chiropraktiker zur<br />
Ehre gereichen würden. Einen spitzen Schrei ausstoßend blieb ihm<br />
nichts anderes übrig, als mit den Füßen zu wackeln und zu hoffen, das<br />
die Schmerzen bald nachließen.<br />
BÄM <strong>–</strong> machtvoll donnerte ein dornenbesetzter Schild in die Seite des<br />
Drachkin. Doch stören ließ er sich dadurch nicht wirklich, verknotete<br />
dem Magier zunächst noch die Arme fertig, warf ihn daraufhin in eine<br />
Ecke und bedachte den Rest der Allianzlergruppe mit einer Wolke aus<br />
glühendheißem Feuer. Erst dann wandte er sich dem zu, der dort so<br />
unhöflich mit seinem Schild angeklopft hatte.<br />
Kampf gegen einen Drachen....diese Allianzler waren durchgedreht,<br />
aber doch irgendwie tapfer. Ja, in Sachen Mut und Tapferkeit waren<br />
sie der Horde ebenbürtig <strong>–</strong> das sah sie nun allzu deutlich. Und sie<br />
waren beharrlich, schlugen allesamt auf den Drachen ein, Magier<br />
woben ihre Zauber und schleuderten sie gegen den Drachkin, ein<br />
kompletter Flügel mit Jägern spannte gleichzeitig die Bögen und ließ<br />
Pfeile in die zentimeterdicke und mit dicken Schuppen besetzte<br />
Echsenhaut donnern, während die Begleiter der Jäger ihren Teil dazu<br />
beitrugen und sich in die Beine des Drachkins verbissen. Schurken, jene<br />
Gestalten, die Braunpelz nur schemenhaft wahrnahm, die die<br />
Dunkelheit sogar noch mehr liebten als der mit ihr befreundete<br />
Hexenmeister und die mit allerlei Tinkturen und Salben nur das<br />
Schlechteste anzustellen vermochten, schlichen hinter den Drachkin<br />
und rammten ihm ihre Dolche, Schwerter und vergifteten Pieken in<br />
den Rücken.<br />
Es war schließlich ein Menschenkrieger, der eine große, zweihändige<br />
Axt schwang und dessen Körper vor Wut geradezu glühte, der dem<br />
ganzen Kampf ein jähes Ende setzte. Mit aller Kraft hob er seine Axt,<br />
schwang sie und schlug dem Drachkin in jenem Schwung kurzerhand<br />
den Kopf von den Schultern. <strong>Die</strong>ser kugelte noch einige Meter weiter,<br />
schiere Zweifel an dem, was gerade geschehen war noch immer in<br />
den kargen und wenigen Gesichtszügen, die ein Drachengesicht nun<br />
einmal hatte, tief eingebrannt. Ein letzter Feuerstoß wollte noch dem<br />
- 153 -
Maul entgleiten, doch ohne Hals ging das nur sehr schwerlich. So blieb<br />
der Kopf mit offenen Augen und starrem Blick auf dem eigenen,<br />
langsam zusammensinkenden Körper liegen, während die Essenz des<br />
Drachen aufstieg und wie ein dünner Nebel durch die Ritzen der<br />
Steinwände kroch, schließlich ungesehen verschwand.<br />
Und jetzt endlich öffnete sich das Fallgitter. Noch immer in ihrer<br />
katzenhaften Gestalt und wohl versteckt wollte Braunpelz einen Schritt<br />
in den großen Raum und in die Nähe des Drachkins machen. war das<br />
vielleicht jener gewesen, den sie hätte retten sollen? Sie hoffte es<br />
nicht, befürchtete jedoch das Schlimmste. Was, wenn sie nun<br />
versagt....<br />
....ein Krachen schlug auf sie ein. Gedanken, so schwer und finster, das<br />
sie in ihrer Gesamtheit erschauderte. Ihre Beine zitterten und der<br />
behütende Mantel, der sie vor dem Augenlicht der Allianzler verbarg,<br />
bröckelte langsam.<br />
Mit zitternden Beinen und der Angst, jeden Moment entdeckt zu<br />
werden, lief sie rasch in einen der kleinen Unterstände, aus denen<br />
gerade eben noch massenhaft Orckrieger und kleinere Drachkin<br />
gestürmt waren. Der Gestank war widerlich <strong>–</strong> und der Dank hierfür galt<br />
einem kleinen Drachkin, der direkt neben der Nische lag und teils<br />
zerrissen, aufgeschlitzt, verbrannt, erfroren und von Pein zerfressen<br />
worden war. Das reichte, um den Deckmantel der Druidin gänzlich<br />
fallen zu lassen. Auch ihre katzenhafte Gestalt behielt sie nicht länger,<br />
duckte sich dafür so niedrig sie konnte.<br />
Wieder spürte sie diese schwarze Präsenz. Etwas abgrundtief Böses war<br />
in der Nähe und wuchs von Sekunde zu Sekunde weiter. <strong>Die</strong> Allianzler<br />
schienen diese Präsenz nicht zu spüren. Ungewöhnlich, schließlich<br />
hatten auch sie Druiden in ihren Reihen. Nachtelfen, die durch ihre<br />
Nähe zur Erdenmutter eigentlich die gleichen Empfindungen wie<br />
Braunpelz haben mussten. Vielleicht aber waren sie durch den Kampf<br />
auch nur zu abgelenkt, um ihren Empfindungen genug<br />
Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Das, oder sie waren einem<br />
anderen Zweig des druidischen Seins gefolgt als Braunpelz.<br />
<strong>Die</strong> Gruppe Allianzler machte sich nun bereit, hatte nach kurzer Rast<br />
und Umsorgung der Verletzten (insbesondere des sehr verdrehten<br />
Magiers, der nun nur noch auf seinem Stab gestützt und sehr, sehr<br />
gebückt laufen konnte, wenn man dieses Straucheln noch als Laufen<br />
bezeichnen mochte) erneut die Kampfbereitschaft hergestellt und<br />
stürmten nun in den nächsten Raum.<br />
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Eine Erschütterung des Bösen fuhr durch Braunpelz. Dann hörte sie eine<br />
durchdringende Stimme. Menschlich zwar, doch von einer derartigen<br />
Größe, das ihr sofort klar wurde, das diese menschliche Gestalt und<br />
Stimme nur eine Maske war, um etwas viel, viel mächtigeres zu<br />
verbergen.<br />
‚Ah. <strong>Die</strong> Helden. Ziemlich beharrlich. Euer Gefährte hier meinte sich mit<br />
meiner Macht zu messen.’ hörte sie, gefolgt von dem Befehl, jener<br />
‚Gefährte’ solle die anderen töten.<br />
Ein Gefährte? Eine böse Vorahnung strich über ihren pelzigen Rücken,<br />
ließ ihr Fell so starr aufrecht stehen, das sie jedem Stacheleber hätte<br />
Konkurrenz machen können. Neugierig und dennoch vorsichtig schlich<br />
sie näher an den Durchgang. Allerdings war Schleichen nicht<br />
unbedingt die Paradedisziplin der Tauren <strong>–</strong> Hufe auf Stein waren nun<br />
einmal alles andere als unüberhörbar. Ein durch den Raum<br />
schallendes Klackern war die Folge, zwar leise, jedoch vernehmbar,<br />
wenn man darauf achtete. Mit jedem Schritt setzte ihr Herz einen<br />
Schlag aus, ließ ihre Sinne schärfer werden, damit sie im schlimmsten<br />
Fall zur Flucht ansetzen könnte. Doch der von ihr erwartete Sturm der<br />
Allianzler auf sie blieb aus, sie hatten sich stattdessen um einen am<br />
Boden liegenden Drachen versammelt. Einen großen, roten Drachen.<br />
Und wenn Braunpelz gross sagte, dann meinte sie GROSS!<br />
Doch etwas stimmte nicht. Ein schwacher, dunkler Schatten lag auf<br />
seiner Seele, brannte in dem Körper dieses riesigen Wesens.<br />
Seine Stimme, allzu laut und deutlich, dröhnte genau das heraus,<br />
warnte die Allianz und auch sie davor, sich ihm zu stellen. Er sei eine<br />
Gefahr für sich und alle anderen.<br />
Dann ein Schrei <strong>–</strong> ein verzweifelte Hilfeschrei von ihm. Ein<br />
Name....Alexstraza....ein bettelndes Flehen um Hilfe an eben jenen<br />
Namen.<br />
Im selben Moment, in dem ein glühender Blitz in Braunpelz fuhr,<br />
durchfuhr es ihren Verstand ebenfalls.<br />
<strong>Die</strong> Blutelfin.<br />
Alexstraza.<br />
Aspekt des Lebens.<br />
- 155 -
War sie es, die um Hilfe gebeten hatte? Wieso dann gerade diese<br />
arme, kleine und schwache Taurin?<br />
Braunpelz verstand nichts mehr. Nichts außer einem <strong>–</strong> sie musste nun<br />
irgendetwas tun. Nur was?<br />
Der Kampf war losgebrochen. In blinder Wut, getrieben von diesem<br />
schwarzen Schatten in ihm, schlug der Drache auf die Allianzler ein,<br />
spie Feuer und schickte einen nach dem anderen auf die Bretter.<br />
Doch die Kämpfer der Allianz wussten sich zu wehren, warfen ihrerseits<br />
Zauber und Klingenschwünge zurück, um den schwachen, von Wut<br />
getriebenen Drachen immer näher an die Schwelle des Todes zu<br />
treiben.<br />
Der Tod...nein....der durfte diesen Drachen nicht ereilen. Auch wenn er<br />
eine Befreiung wäre....sie musste etwas dagegen unternehmen. Auch<br />
wenn sie nur klein, schwach und unerfahren war, sie durfte ihn nicht<br />
sterben lassen. Noch vor dem Eingang in den nächsten Raum stehend<br />
schloß sie die Augen und hob ihre Hände. Grünes Licht umwob sie,<br />
während ihre Gedanken nur um das eine kreisten: <strong>Die</strong> Essenz eben<br />
jenes Roten.<br />
Ein greller, lauter Schmerzenschrei hallte durch den<br />
Pechschwingenhort, als sich der Drache auf die Hinterläufe stellte, sich<br />
ein letztes Mal vor seinem Schicksal aufbäumte und schließlich, aus<br />
zahlreichen Wunden blutend, tot zu Boden sackte. <strong>Die</strong> Allianzler<br />
zögerten nicht lange, erklommen die Treppen und stürmten weiter,<br />
tiefer in den Pechschwingenhort hinein.<br />
Braunpelz jedoch blieb zurück, ihre Gedanken nur auf den Körper<br />
dieses Drachen gerichtet. Unendliche Minuten strichen ins Land, bis sie<br />
ihren Zauber schließlich vollendete.<br />
Das gleiche grünliche Leuchten, das vorher sie umgeben hatte,<br />
schwebte nun um den leblosen Körper des Drachen. Klar war die<br />
Essenz des gefallenen Giganten zu erkennen, wie sie einen Weg aus<br />
dem Körper suchte. Doch eine unsichtbare Barriere hielt sie zurück,<br />
hinderte sie am Verlassen des geschundenen Körpers. Dann schließlich<br />
glühte auch der Körper leicht auf.<br />
Mit einem Zischen sog der Riese Luft durch seine Nüstern, blähte sie<br />
und röchelte Blut hervor, spuckte es direkt vor sich auf den Boden.<br />
Noch fehlte ihm die Kraft dazu, seine Augen zu öffnen, doch seine<br />
Gedanken waren bereits wach.<br />
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„Was....ist geschehen?“ fragte die Stimme, die eben noch so hallend<br />
gesprochen hatte, nun mit einer Schwäche, die von grenzenloser<br />
Müdigkeit und Kraftlosigkeit zeugte.<br />
Braunpelz wankte den Gang hinein, sich an der Wand abstützend.<br />
„Bei den Ahnen, es ist gelungen.“ seufzte sie hervor und sank an der<br />
Seite des Riesen auf die Knie herab.<br />
„Du....wie dumm muss ein Wesen sein, das Unvermeidliche in Zweifel zu<br />
stellen und zu verhindern suchen?“ groll die kraftlose Stimme nun<br />
zornig. Gerade so, als habe er seinen eigenen Tod herbei gesehnt.<br />
„Ich tue, worum ich gebeten wurde. Von einer großen Lady. Und ich<br />
werde nicht scheitern.“ antwortete Braunpelz trotzig, ihre Hände auf<br />
die schuppige Seite der riesigen Reptils legend.<br />
Der Bereich des Pechschwingenhortes war dunkles Gebiet, böse und<br />
an vielen Stellen tot. Doch selbst in diesen Gegenden war die Energie<br />
des Lebens selbst noch präsent <strong>–</strong> mit der vulkanischen Quelle im<br />
Zentrum geradezu eine Ader zur Erdenmutter selbst. Und eben jene<br />
Ader war es nun, die Braunpelz und dieser Drache so dringend<br />
brauchten.<br />
„Ich flehe dich an, Erdenmutter. Schenke mir deinen Segen, um diesen<br />
treuen Sohn von dir zu retten. Gib mir deine Kraft, seine Wunden zu<br />
heilen.“ betete Braunpelz die Kraft herbei.<br />
Es dauerte einige Momente, ehe sie eine Reaktion erhielt. Dann spürte<br />
sie ein Beben unter sich. Der Boden schwankte und schüttelte sich, riß<br />
direkt neben den beiden einen kleinen Spalt auf und gab schließlich<br />
die erbetene Kraft frei.<br />
Mit einer Macht, die sie erst einmal in ihrem Leben gespürt hatte, traf<br />
sie die Kraft der Erdenmutter selbst, schenkte ihr unvorstellbare<br />
Energien. Doch anstatt selbst daran zu erstarken, konzentrierte sie sich<br />
allein auf den Drachen vor sich, ließ alle Energie durch ihre Hände in<br />
den Drachen gleiten. Der schrie von der plötzlichen Wucht der<br />
Energie, die seinen Körper durchströmte, lauthals auf, spie einen<br />
schwarzen Schleier, umsäumt von Blut aus, während sich die Wunden<br />
an seinem Körper zu schließen begannen.<br />
Als die Energie der Erdenmutter zu versiegen begann, raffte sich<br />
Braunpelz auf, um den Drachen einmal genauer anzusehen. Sein<br />
Körper war geheilt <strong>–</strong> und im Blick des Riesen lag nicht länger der<br />
- 157 -
dunkle Schleier des Widersachers, der ihm diesen aufgezwungen<br />
hatte. Er war klar und von Unglauben gezeichnet.<br />
Eine innere Zufriedenheit über eine Bitte, die sie gänzlich so erfüllt<br />
hatte, wie sie es sollte, durchdrang Braunpelz. Dann jedoch<br />
verschwamm alles vor ihren Augen, wurde mit einem Schlag<br />
nachtschwarz. Und ohne eine Möglichkeit zur Gegenwehr fiel sie<br />
geradewegs nach vorn hin über, verlor das Bewusstsein und war<br />
einfach weg.<br />
Als sie wieder aufwachte, lag sie mitten in den weiten, grünen Wiesen<br />
von Mulgore, nicht weit von Bloodhoof entfernt, jedoch weit genug,<br />
das sie niemand entdeckt hatte. Ein Schmetterling hatte es sich auf<br />
ihrer Nase gemütlich gemacht, kitzelte sie und sorgte so dafür, dass<br />
die Taurin zu blinzeln begann und mit einem plötzlichen Nieser die<br />
Augen ganz aufschlug.<br />
Eine ganz in rot gekleidete Blutelfe, begleitet von einem in eine rote<br />
Robe gekleideten Menschen stand vor ihr und sah auf sie herab. Ein<br />
Lächeln lag auf den Lippen der Blutelfe.<br />
„Du hast mir wiedergebracht, was ich als Verloren glaubte und mir ein<br />
Lächeln geschenkt, Druidin. Yserion hat mit keiner Silbe, die er sagte,<br />
übertrieben.“ sagte sie mit einer Stimme, die das Glück und die Freude<br />
in ihr noch weiter betonte.<br />
„Ihr seid Alexstraza, nehme ich an.“ stellte Braunpelz nach einigen<br />
Momenten fest.<br />
<strong>Die</strong> Blutelfe sah die Druidin an. Ein kurzes Zucken in den Augen war<br />
alles, was Braunpelz als Antwort erhalten sollte. Dann wandten sich die<br />
beiden rot gekleideten um.<br />
„Meine Dankbarkeit ist dir gewiss. Doch zudem sollst du dies hier als<br />
Geschenk erhalten. Lebe Wohl, Braline. Und behalte den Pfad, den du<br />
beschreitest, stets in deinem Herzen.“<br />
Mit diesen Worten gingen die beiden schnurstracks den Weg entlang,<br />
während Braunpelz auf das Bündel blickte, das die beiden<br />
zurückgelassen hatten. Als sie dann zurück auf den Weg blickte,<br />
waren die beiden nicht mehr länger da. Dafür aber zwei große<br />
Schatten, die kurz vor der Sonne sichtbar waren und dann immer<br />
kleiner wurden.<br />
- 158 -
<strong>Die</strong> Schatten von zwei roten Drachen. Einem großen und einem etwas<br />
kleineren.<br />
„In dem Bündel war das hier <strong>–</strong> eine komplette Lederrüstung,<br />
bewachsen mit viel Grün und so unglaublich bequem.“ vollendete<br />
Braunpelz schließlich die <strong>Geschichte</strong>.<br />
Vadarassar saß nun locker am Tisch, den Blick etwas<br />
zusammengekniffen, denn trotz s<strong>eines</strong> vorherigen Einwirkens war die<br />
Gaststätte wieder nahezu brechend voll, die Winterhauchstimmung<br />
hatte neuerlich die Oberhand gewonnen. Doch statt wild umher zu<br />
brüllen hatten die meisten der Erzählung von Braunpelz gelauscht.<br />
„Hinter der Allianz also her räumen, was? War ja schon immer große<br />
Mode von ihnen, das sie ihre Opfer einfach rumliegen lassen. Wären<br />
sie gründlicher, hätte es wohl die Geißel nicht gegeben.“ brummte<br />
Vadarassar.<br />
„Nu lass doch ma gut sein, Mann. Immerhin hat sie nen Drachen<br />
gesehen. Nee <strong>–</strong> sogar zwei. Sagma <strong>–</strong> weißt du, ob man die vielleicht<br />
mal für nen Ausflug oder so was bekommen kann? So ein kleiner<br />
Rundflug über Sturmwind beispielsweise. Nur der Drache, ich und nen<br />
paar von meinen Spielzeugen, eh?“ lachte Teborasque.<br />
„Du und deine Spielzeuge. Willst dich wohl selbst in die Luft jagen.“<br />
stellte Vadarassar fest.<br />
„Ey Mann. Ich hab Erfahrung. Meine Basteleien machen nur, was ich<br />
will.“<br />
„<strong>Die</strong> Erfahrung sieht man an deinen schwarzen Fingerspitzen. Und<br />
wenn du bewusst willst, das deine Gerätschaften unvermittelt in die<br />
Luft fliegen, dann bist du genau so durchgeknallt wie ein Goblin.“<br />
„Ach, bist ja bloß neidisch.“ grinste Teborasque und nahm einen<br />
erneuten, kräftigen Schluck aus seinem Kelch.<br />
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Kapitel 28 <strong>–</strong> Dunkelheit<br />
Gerade eben hatte sein ganzer Körper noch gebrannt, war er wie ins<br />
Feuer gesogen worden. Nun war endlich wieder die gewohnte Kühle<br />
eingekehrt. Eine beruhigende Kühle, die seinen Körper umgarnte.<br />
Er öffnete seine Augen.<br />
Eine Zelle. Modrig, alt, stinkend. Kein Ort, an dem ein lebendes Wesen<br />
gern und lange ausharren wollen würde. Doch leben...das tat<br />
Bwalkazz ja nun nicht mehr wirklich. Er wandelte zwar auf dieser Welt,<br />
doch das war es schon, was er mit dem Leben gemeinsam hatte.<br />
Sein Versuch aufzustehen wurde von schweren, eisernen Ketten, die<br />
um seinen Körper gewickelt worden waren, jäh unterbrochen. Ein<br />
Seufzen entglitt dem Magier, er schloß kurz seine Augen, öffnete sie<br />
wieder und stand nur einen Augenblick später zwei Meter weiter vorn<br />
und direkt vor einer schweren Tür, die aus Stein zu sein schien. <strong>Die</strong><br />
Ketten, vorher noch fest um den dürren Körper des Magiers gewickelt,<br />
plumpsten indes in sich zusammen, verloren die Kontur des Magiers<br />
und bildeten nun lediglich einen Haufen schwarzen Alteisens.<br />
Von den Ketten hatte er sich zwar befreien können, doch er sah sich<br />
außer Stande, diese massive Steintür aufzustemmen. Stattdessen<br />
spürte er Hitze dahinter und schwere Schritte, die näher kamen.<br />
Hitze und dieser schwarze Felsen. Das konnte doch nur der Schwarzfels<br />
sein...nur wie war er in die Brennende Steppe gekommen? Nicht<br />
einmal in seinen wildesten Träumen hätte er so etwas ersonnen. Der<br />
Portalzauber musste ziemlich schief gegangen sein.<br />
Mit einem Knirschen schob sich die Tür auf und zeigte das Antlitz einer<br />
Kreatur, die Bwalkazz noch nie in seinem Leben und danach gesehen<br />
hatte. Wie erstarrt blickte er auf die Fratze, die ihm, kurz überrascht,<br />
dann umso entschlossener fest an den dürren Handgelenken griff. Alle<br />
Kraft schien aus dem Magier zu weichen, Schwindel umgab ihn, als er<br />
in einen noch viel dunkleren Bereich gezogen wurde.<br />
„Weg? Was soll das heißen <strong>–</strong> Weg?“ brummte Vadarassar eine<br />
Trollmagierin an, die vor ihm stand und nicht einmal einen Hehl aus<br />
ihrer Abscheu Hexenmeistern gegenüber machte. Den<br />
Arkanitschnitter der Teufelswache im Rücken spürend ließ sie jedoch<br />
- 160 -
halbwegs kooperativ werden <strong>–</strong> wäre ja schließlich schade um die<br />
schöne, wie neu glänzende Robe gewesen.<br />
„Ich sags dir doch, Mann. Der Kerl, den du suchst, is nirgendwo in<br />
Unterstadt. Nichma bei den Tauren oder Blutelfen. Der hat sich in Luft<br />
aufgelöst.“<br />
„Hey, niemand löst sich einfach in Luft auf, Mann. Nichma so ne<br />
Schneeflocke wie Bwal.“ mischte sich Teborasque in die Unterhaltung<br />
ein, die Teufelswache etwas zur Seite drängend.<br />
„Und ich weiß genau, dass du es uns sagen kannst, Mann.“ sagte er<br />
dann mit deutlich sanfterer Stimme.<br />
<strong>Die</strong> Augen der Trollin visierten ihn an, sahen dann kurz an sich herab<br />
und wieder zu ihm.<br />
„Nimm deine Hand von meinem Hintern oder du brauchst ne Neue,<br />
Mann!“ zischte sie ihn an.<br />
„Hehey, du gefällst mir. Magst gleich mitkommen? Dann zeig ich dir<br />
meine Dolchesammlung.“<br />
Einen letzten bösen Blick auf den Hexenmeister werfend drehte sie mit<br />
einem verächtlichen Blick ihren Kopf zur Seite und riß die Arme nach<br />
oben.<br />
„Ich habe noch meine Zehennägel zu zählen, danke. Aber spiel doch<br />
mit deinem schwarzen Lappen und seinem Schoßhündchen noch<br />
etwas.“ sagte sie noch rasch, ehe sie von gleißendem Licht eingehüllt<br />
wurde und in einer Stichflamme verschwand.<br />
„Ich glaub die mag mich.“ grinste Teborasque den Hexenmeister an.<br />
„Haste gesehen, wie die mich angeguckt hat?“<br />
Vadarassar verdrehte die Augen. „Ja, ich bin mir sicher, die möchte<br />
dich am liebsten direkt vernaschen.“<br />
„Hey, dann haben wir beide ja genau das gleiche gedacht, Mann.“<br />
grinste Teborasque noch breiter und blickte dann wieder auf die<br />
Stelle, auf der die Magierin gerade noch gestanden hatte.<br />
„Verdammt <strong>–</strong> ich hab aber nichma ihren Namen!“<br />
„Ich glaube ich habe jemanden gefunden, der uns helfen konnte.“<br />
unterbrauch mit einem Mal Braunpelz Teborasque beim seiner<br />
‚Freundin’ nachtrauern und Vadarassar dabei, sich selbst zu fragen,<br />
- 161 -
wie dumm ein Troll denn nun sein konnte. Stattdessen drehte er sich zu<br />
der Stimme und blickte sowohl zu Braunpelz als auch ihrer Begleiterin.<br />
Er musste blinzeln und die Augen etwas schließen, so gleißend hell und<br />
vor allem grell war die Begleiterin der Taurin. Der Gestank von<br />
Rosenwasser, das Schillern einer goldenen, blank polierten Rüstung<br />
und das Glitzern von tausenden kleinen Edelsteinen in der Brustplatte<br />
blendeten und benebelten den Hexenmeister so sehr, das er<br />
fürchtete, gleich ein Wiedersehen mit seinem Mittagessen feiern zu<br />
können.<br />
„Das ist Charsi. Sie ist eine Blutelfenpaladina.“ erklärte Braunpelz den<br />
beiden.<br />
„Das is ja schwer zu übersehen, Mann. Obwohl...man könnte meinen<br />
sie is nen wandelnder Winterhauchbaum, der in Flammen steht.“<br />
spottete der Troll, noch immer breit grinsend.<br />
„Pöh, nur weil du dich in deine Lederlumpen kleidest, deren einzige<br />
Zierde blöde Eisennägel sind, heißt es ja noch lange nicht, dass ich auf<br />
ein wenig Grundeleganz verzichten muss.“ giftete Charsi zurück, und<br />
warf dem Troll mit ihren malachitfarbenen Augen einen abfälligen<br />
Blick zu.<br />
„Ich wollte ja eigentlich helfen, weil eure Kuh...Begleiterin mich nach<br />
einem Skele..Untoten Magier gefragt hatte. Zufällig habe ich ihn<br />
gesehen, während ich meine Stiefel poliert habe.“<br />
Jetzt war das Interesse von sowohl Vadarassar, der den Brechreiz<br />
gerade so unterdrücken konnte, wie auch Teborasque, der die langen<br />
Ohren der Blutelfin bewunderte, geweckt. Um derlei Aufmerksamkeit<br />
bereichert blickte sich Charsi zuerst einmal an, um sicherzustellen, das<br />
auch wirklich kein einziger Fleck auf ihrer Rüstung ihr makelloses<br />
Erscheinungsbild hätte trüben können. Erst dann erzählte sie ihre<br />
<strong>Geschichte</strong>.<br />
„Naja, ich saß also an der Ecke und habe die Stiefel poliert. <strong>Die</strong>se<br />
dämlichen Reitkodos, die machen auch wirklich überall hin. Und<br />
Kododung ist dabei doch so grässlich aggressiv <strong>–</strong> da wäre doch glatt<br />
die Goldgravur an meinen Stiefeln verblasst, wenn ich mich nicht<br />
direkt darum gekümmert hätte. Und so aus dem Augenwinkel sehe ich<br />
einen Untoten, wie eure pelzige Freundin hier ihn mir beschrieben hat,<br />
wie er ein Portal zaubert. Hat sich wohl von dem Schneeball der Kerle<br />
irgendwo an der Taverne durcheinander bringen lassen. Jedenfalls<br />
ging der Portalzauber in die Hose und ein Dämon hat nach ihm<br />
- 162 -
gegriffen. Und ob ihrs glaubt oder nicht <strong>–</strong> der Dämon sah glatt genau<br />
so aus wie dieser Illidan aus den Büchern!“<br />
Illidan?<br />
Alle drei erstarrten, als sie diesen Namen hörten. Ein Dämon war schon<br />
schlimm genug, ein Nachtelf war noch etwas schlimmer...doch eine<br />
Mischung aus beidem war widerlich und nicht vorstellbar böse. Kein<br />
angenehmer Gedanke...wirklich nicht.<br />
„Sprich endlich, du widerwärtiges Geschöpf!“ brüllte die tentakelige<br />
Gestalt auf den am Boden liegenden Bwalkazz ein.<br />
„Wir wissen von der Geißel. Du bist einer von ihnen <strong>–</strong> zweifellos. Also<br />
sprich endlich: Was hat diese verdammte Brennende Legion jetzt<br />
schon wieder vor? Sprich oder ich werde dir die Arme rausreißen!“<br />
„Nur zu. Selbst wenn ich die Wahrheit sage, wirst du es nicht glauben.“<br />
presste der Untote hervor, die Robe durch etliche<br />
Flammenpeitschenschläge bereits zerschlissen.<br />
„Na warte nur, dir werde ich beibringen was es heißt, wenn man nicht<br />
gehorcht! Ich werde dir die Welt unendlicher Qualen eröffnen!“ brüllte<br />
der Eredar, erneut die Peitsche schwingend, um diesmal Teile von<br />
Bwalkazz toten Fleischs zu spalten. Doch seine Reaktion war nicht viel<br />
mehr als ein Zucken, gefolgt von einem Blick auf die nun offene,<br />
schwarz blutende Wunde.<br />
Vadarassar blickte zu der Paladina, die mittlerweile wieder<br />
angefangen hatte, einen Teil ihrer Rüstung zu polieren. Endlich hatte er<br />
den Würgereiz gänzlich in den Griff bekommen, sah sie ernst an. „Das<br />
bedeutet also, unser Freund ist irgendwo in der Welt hinter dem Portal,<br />
das Illidan durchschritten hat.“<br />
Er atmete tief durch. Das Dunkle Portal....ausgerechnet jene Lokation,<br />
bei der er die letzten Wochen so viel Zeit verbracht hatte. Ironie des<br />
Schicksals? Oder spielte da mal wieder jemand ein böses Spiel mit<br />
ihm? Wenn ja, dann würde eben jener schrecklich leiden <strong>–</strong> das war<br />
gewiss.<br />
Noch während er dies ersann, bemerkte er, wie ein Dutzend schwer<br />
bewaffneter Wachen auf Kriegsworgs aus der Gasse in Richtung<br />
Haupteingang geritten kamen und weder auf die Festivitäten noch<br />
auf eventuell herumlundernde Trunkenbolde achteten. Etliche<br />
- 163 -
Dutzend Grunzer folgten hinter ihnen her, streng in kopflose-Hühner-<br />
Formation hin und her sausend und dicht an den vieren vorbei.<br />
„Ey, was ist denn los, Mann?“ rief Teborasque, einige schnelle Schritte<br />
neben einem Grunzer her machend. Der indes warf dem Jäger keinen<br />
Blick zu, antwortete dafür im Marschtakt.<br />
„Dunkles Portal. Offen. Dämonen strömen durch. Einsatz!“<br />
„Wir müssen auch zum Portal.“ beschloß Vadarassar, die anderen mit<br />
strengem Blick ansehend. Dann ging er auf Braunpelz zu und legte ihr<br />
eine Hand auf die Schulter.<br />
„Bleib du hier. Es wird eklig werden und viel gekämpft.“ sagte er der<br />
Taurin, die ihn mit fassungslosem Blick ansah.<br />
„Ich? Hier bleiben? Vergiss es <strong>–</strong> ich bin mit dabei. Und Charsi hier<br />
kommt auch mit.“<br />
„Wha...?“ antwortete die Paladina, vor Schreck die Helmpolitur fallen<br />
lassend. „Moment mal...ich und in die Verwüsteten Lande? Zum<br />
Dunklen Portal? Vergesst es! Habt ihr ne Ahnung wie staubig es da<br />
ist?!“<br />
„Lass sie ruhig hier. <strong>Die</strong> bremst uns nur aus. Außerdem geht es meinem<br />
Magen dann weitaus besser.“ brummte Vadarassar, erneut einen<br />
leichten Blick auf die hell strahlende Rüstung Marke Kronleuchter<br />
werfend.<br />
„Ach...der Herr ‚Ich bin das Böse in Person. Ich bin ein Schatten und<br />
ich bin der beste’ fühlt sich wohl von mir ausgebremst, was? Bitte, ich<br />
komme mit und trete dir in deinen fetten Hintern, Orc.“<br />
Braunpelz lächelte. Und auch Vadarassar schien zu lächeln, zeigte er<br />
doch deutlich seine gelben Zähne.<br />
Doch das war kein Lächeln...es war ein wütendes Zähne fletschen.<br />
„Aber glaub ja nicht, das ich auf dich warten werde, wenn du wieder<br />
anfängst, deine Rüstung zu putzen!“ brummte Vadarassar schließlich<br />
und hob seine Hände. Ein lilanes Glühen umgab ihn, ließ ihn eine<br />
Sphäre aus Licht und Dunkelheit vor sich bilden.<br />
Ein anderer Dämon, den er auf seinen Wegen an sich gebunden<br />
hatte, trat aus dem schmalen Übergang. Flammende Hufe<br />
verwandelten den Boden unter sich in rötlich glühende, dampfende<br />
- 164 -
Pampe. Zwei brennende Augen starrten die übrigen Anwesenden,<br />
dann den Hexenmeister an, während ein Meter hohe Flammen vom<br />
Rücken des schwarzen Rosses und um dessen Rückenstacheln<br />
loderten. <strong>Die</strong> Mähne aus reinem Feuer wehte ungezügelt, fast wütend,<br />
während das nun beschworene Höllenross vor dem Hexenmeister zum<br />
Stehen kam.<br />
Es war zwar nur ein Augenblick, jedoch einer, der unendlich<br />
anzudauern schien, den das Pferd den Hexenmeister mit Abscheu<br />
anstarrte. Dann folgte untergliedernder Gehorsam, der das Pferd sein<br />
Haupt senken ließ, die vorderen Beine Richtung Boden sinken und so<br />
den Aufstieg auf den aus Dämonenleder geformten Sattel<br />
ermöglichte.<br />
„Sollte mich das jetzt etwa beeindrucken?“ murmelte Charsi, ihrerseits<br />
die Hände in den Himmel streckend.<br />
Gleißend hell strahlte das Mondlicht auf sie herab, brannte es auf dem<br />
Boden vor ihr. Kreisförmig.<br />
Aus dem Lichtkegel trat ein weißes Pferd, rein aus Licht gemacht.<br />
Dann verblasste langsam die Weiße des Lichts, brachte eine dennoch<br />
silberne Stute zum Vorschein. Ihre lange Mähne war mit Goldfäden<br />
geflochten, goldene Rüstungsteile zierten den Körper des prachtvollen<br />
Pferdes und ein roter, mit Samt bestickter Sattel lud zum Aufsteigen ein.<br />
Das tat Charsi auch mit bewundernswerter Eleganz, einen kleinen<br />
Sprung mit einer anschließenden halben Schraube ausführend und<br />
damit punktgenau im Sattel landend.<br />
Tebo grinste Vadarassar an. „Ich glaub die Nummer hat deine grad<br />
überboten.“<br />
Vadarassar grummelte. „Immerhin kann sie mehr als nur putzen. Los,<br />
beeil dich gefälligst.“<br />
Teborasque winklte ab. „Jaja...pass ma auf. Ich zeig dir meinen<br />
Kleinen.“<br />
Zwei Finger auf die Zähne legend pfiff er schrill durch seine Hauer.<br />
„Fifi! Komm her!“ brüllte er hinterher. Und tatsächlich kam, zur Panik der<br />
Winterhauchfeiernden, ein großer, grüner Raptor wie aus dem Nichts<br />
und geradewegs auf Teborasque zugerannt, nahm den Jäger ins<br />
Visier und stürmte noch etwas schneller, den hornbesetzten Kopf wie<br />
zum Angriff senkend.<br />
- 165 -
Teborasque machte sich seinerseits bereit, stürmte dem Raptor<br />
entgegen und sprang knapp vor ihm in die Luft, erwischte das Horn<br />
mitten im Flug und landete seinerseits im Sattel, aus dem er beinahe<br />
wieder rausgeflogen wäre, hätte er nicht noch im Landen nach den<br />
Zügeln gegriffen, mit denen er sich nun oben hielt.<br />
„Na, wat sagste du meinem Kleinen, Mann?“ grinste Teborasque den<br />
Hexer an. Der jedoch blinzelte den Jäger nur kurz an.<br />
„Fi...fi...ahhhja....“ Dann blickte er abwartend zu Braunpelz, die nicht<br />
einmal ansatzweise Anstalten machte, irgendwie auf ein Reittier zu<br />
steigen.<br />
„Wir treffen uns am Pier in Ratschet. Beeilt ihr euch lieber.“ sagte sie<br />
stattdessen mit einem Lächeln, das Vadarassar nicht zu deuten<br />
wusste. Wieso....sollten sie sich beeilen? Kannte sie eine Abkürzung<br />
oder wieso wollte sie laufen?<br />
Ehe er sie fragen konnte, war sie schon in Richtung Haupttor gestürmt,<br />
noch im Gehen ihre Gestalt zu jener schlanken Gepardin formend, die<br />
ihr jene überragende Geschwindigkeit verlieh.<br />
Normalerweise....doch die Reittiere waren schneller als sie. <strong>Die</strong>ses<br />
kleine Wettrennen konnte sie schlicht nicht gewinnen.<br />
- 166 -
Kapitel 29 <strong>–</strong> <strong>Die</strong> verwüsteten Lande<br />
Im schnellen Galopp trieben die Reiter ihre tierischen Untersätze,<br />
stürmten durch Durotar, über die Brücke am Southfury und dann quer<br />
durch das Brachland, um nur Minuten später in Ratschet<br />
anzukommen. Erst als sie am Steg von ihren Tieren stiegen und diese<br />
ebenso spektakulär, wie sie vorher erschienen waren, nun auch<br />
wieder verschwanden, bemerkte Vadarassar eine Gestalt dort vorn<br />
am Steg, die ihm beängstigend vertraut war.<br />
Einige Schritte in Richtung Steg und das dort gerade anlegende Schiff<br />
brachten ihm Gewissheit: Es war tatsächlich Braunpelz, die es sich auf<br />
einem der Fässer gemütlich gemacht hatte und auf einen ihrer<br />
Lebkuchen biß, als würde sie hier schon stundenlang auf die anderen<br />
warten.<br />
„Da seid ihr ja endlich. Was hat euch aufgehalten?“ brach es aus ihr<br />
heraus, als sie den Hexenmeister hinter sich auftauchen sah. <strong>Die</strong>ser<br />
war seinerseits erst mal so baff, das ihm die Worte fehlten. Stattdessen<br />
senkte er den Blick und bestieg das mit den Segeln flatternde Schiff<br />
„Jetzt weiß ich wenigstens, wieso Fast-Food überwiegend aus<br />
Rindfleisch gemacht wird.“ tönte Charsi kichernd, während sie<br />
ihrerseits das Schiff bestieg und sich dafür einen bösen Blick der Druidin<br />
einfing.<br />
Einige lautstarke Diskussionen mit dem Kapitän und seiner Crew, das<br />
metallische Schneiden einer großen Axt und das Krachen einiger<br />
Zauber später setzte das Schiff volle Segel und legte ab in Richtung<br />
der östlichen Königreiche.<br />
„Urgh...“ brachte Braunpelz mit einem Mal hervor, als das Schiff schon<br />
in die weite See hinaus gestochen war.<br />
„Was ist los?“ fragte Vadarassar mit ernster Mine und der Feststellung,<br />
dass das Gesicht der Taurin einen leicht grünlichen Ton zu bekommen<br />
schien.<br />
„Ich...habe komplett vergessen...wie sehr ich diese<br />
Schiffsfahrten....hasse....“ seufzte sie, kurz darauf die Kabine im<br />
Laufschritt verlassend und sich der Reling zuwendend.<br />
„Was für eine Schlaffkuh.“ kicherte Charsi glockenhell, sich derweil auf<br />
einer übergroßen Bank breit machend, wie es nur eine Blutelfe tun<br />
- 167 -
konnte. „Und es hieß die Tauren wären soooo mutige, soooo starke<br />
Verbündete. Hachje...“<br />
Ein tiefes, abgrundtief dunkles Grummeln bebte durch Vadarassar,<br />
seine Augen fixierten die Blutelfe, die sich nun in aller Ruhe ihre Nägel<br />
zu feilen begann und den Hexenmeister nicht einmal <strong>eines</strong> Blickes<br />
würdigte.<br />
Nur ein Zauber....ein kleiner Fluch....vielleicht ein paar Warzen auf dem<br />
seideweißen Gesicht. Ja, eine richtig schöne, fette, rote Warze auf der<br />
Nase dieser Paladina, dieser Diva....diesem Miststück.<br />
Erneut entfuhr ihm ein tiefes Grummeln, während seine Hände leicht zu<br />
glühen begannen. Gerade wollte er mit dem Zauber beginnen, da<br />
klopfte Tebo auf seine Schulter.<br />
„Lass gut sein, Mann. Vielleicht is sie ja doch noch irgendwie nützlich.<br />
Und seis auch nur als Dose, auf der die ganzen Dämonen rumklopfen.“<br />
sagte der Troll mit einem breiten, versichernden Grinsen dem<br />
Hexenmeister gegenüber.<br />
Ein Knurren war alles, was Teborasque als Antwort erhielt. Allerdings<br />
setzte sich Vadarassar tatsächlich kurz darauf an einen Tisch, widmete<br />
sich lieber dem Grog, der von einer der Goblin-Bardamen gebracht<br />
wurde, während er sich fragte, wie um alles in der Welt jemand nur so<br />
wahnsinnig sein konnte, etwas derart unattraktives als Bardame<br />
einzustellen. <strong>Die</strong>se....na ja....zu kurz geratene Zwergin wäre vielleicht<br />
etwas für einen Gnom gewesen. Obwohl: Bei denen war man sich ja<br />
auch nicht wirklich sicher, ob die aus dem Reagenzglas kamen, von<br />
Bäumen fielen, aus irgendwelchen Erdlöchern wuchsen oder sich<br />
durch ihr ständiges, wildes Rumgehüpfe vielleicht einfach teilten.<br />
Vadarassar persönlich hegte ja den Verdacht, das zwei Gnome<br />
entstanden, wenn man einen Zwerg in der Mitte durchschnitt. Nur<br />
hatte er bislang leider nicht die Möglichkeit gehabt, diese Theorie zu<br />
erhärten <strong>–</strong> mangels eben jener Zwerge, die in seiner Umgebung<br />
schlichtweg nicht lebendig bleiben wollten.<br />
Mit einem mittlerweile leeren Krug Grog in der Hand, einem Jäger<br />
neben sich, der nach dem mittlerweile achten Krug in sich zusammen<br />
gesackt war und lallend und prustend mit dem Kopf auf dem Tisch lag<br />
und einer Blutelfenpaladina, die noch immer emsig dabei war, nicht<br />
vorhandene Flecken von ihrer goldenen Rüstung zu wischen, kam<br />
Vadarassar zu dem Entschluß, dass er nun auch erst einmal etwas<br />
frische Luft brauchte. Abfällig warf er der goldenen Tunte noch einen<br />
Blick zu, stieg dann die Treppe hinauf und auf das Oberdeck.<br />
- 168 -
Dunkel war es mittlerweile geworden. Angenehm dunkel <strong>–</strong> nur die<br />
frische Brise, die hier salzig und feucht wehte, störte ihn noch ein wenig<br />
und damit diese wunderschöne Ruhe.<br />
„Hast du deinen Magen wieder eingefangen?“ fragte Vadarassar die<br />
Taurin, als er sich der Reling damit auch ihr näherte.<br />
Ihr Blick wanderte zu ihm, zeigte noch einen leichten Grünstich und<br />
damit die deutliche Übelkeit der Taurin an. Und doch nickte sie<br />
erschöpft.<br />
„Es geht schon wieder.“ meinte sie, folgte dann dem Blick des<br />
<strong>Hexenmeisters</strong>, der in Richtung Sterne wanderte.<br />
„Es war keine gute Idee von dir, mitzukommen.“ brummte Vadarassar,<br />
den Himmel betrachtend. „Am Portal warten Tod und Verderben.<br />
Selbst ein Hexenmeister wie ich würde niemals allein dort hingehen.“<br />
„Ich werde unseren Freund nicht im Stich lassen. Auch wenn er<br />
vielleicht schon tot ist, verbindet uns alle etwas mit ihm. Nun...bis auf<br />
die Paladina.“ protestierte Braunpelz, rief bei Vadarassar ein<br />
langsames Nicken hervor.<br />
„Das mag stimmen.“ brummte der Hexenmeister noch, den Pfaden<br />
der Sterne mit beiden Augen folgend.<br />
In eben diesem Moment hätte er sich gewünscht, etwas anderes als<br />
ein der Verdammnis anheim gefallener Hexenmeister zu sein. Zum<br />
ersten Mal in seinem Leben hatte er etwas, das er beschützen konnte<br />
und auch wollte <strong>–</strong> und das war zur Abwechslung mal nicht nur seine<br />
eigene Haut. War es nun Schwäche oder Stärke, die er aus diesem<br />
komisch-kitschigen Gefühl ziehen konnte, sollte, vermochte oder<br />
würde? Er wusste es nicht, es scherte ihn eigentlich auch nicht. Alles,<br />
was er wusste war, dass er durch das Portal schreiten und den<br />
dämlichen Magier suchen würde.<br />
„Wie läuft das Verhör mit dem Untoten?“ groll eine dunkle Stimme.<br />
„Leider nicht sehr erfolgreich, Mylord. Er ist stur und beharrt darauf,<br />
nichts von einer Invasion zu wissen.“ gestand der Kerkermeister.<br />
„Narr!“ groll die Stimme so laut, dass der Kerkermeister zu Boden<br />
stürzte. „Natürlich will er uns das wissend machen. Er WILL es nicht<br />
wissen. Doch ich bin schlauer als er.“<br />
- 169 -
Ein großer Dämon schritt aus dem Dunkeln, drehte seinem im<br />
Größenvergleich winzigen Handlanger den Rücken zu.<br />
„Sende Streitkräfte in Richtung Portal. Wir werden ihnen einen<br />
gebührenden Empfang bereiten!“<br />
Endlich legte das Schiff in Booty Bay an. Es war zwar noch so früh, dass<br />
selbst die Sonne noch nicht aufgestanden und aus ihrem feuchten<br />
Meeresbett in Richtung Horizont gestiegen war, doch trotz der frühen<br />
Stunde saßen die drei in ihren Satteln und lief Braunpelz in ihrer felinen<br />
Gestalt neben ihnen den Dschungel hinauf.<br />
Es war gar nicht so lange her, dass sie vor den Katzen, den Löwen und<br />
Tigern und auch den Basilisken hier Furcht und darauf dann zumindest<br />
noch Respekt gespürt hatte. Nun war lediglich der Respekt geblieben<br />
<strong>–</strong> der selbe Respekt, den sie allem Lebenden entgegen brachte. Eine<br />
Gefahr waren jene Kreaturen nicht mehr für sie. Anstatt sie, wie noch<br />
vor einigen Monaten, auf leichte Beute hoffend anzustürmen, wichen<br />
sie ihr nun sogar absichtlich aus, duckten sich ehrfurchtsgebietend vor<br />
der in Katzenform reisenden Druidin. Ob es mit ihren drei Mitreisenden<br />
zusammenhing oder aber der Aura, die sie mittlerweile umgab <strong>–</strong> eine<br />
Erklärung wusste sie nicht wirklich. Nur ein schmales Grinsen huschte<br />
über das lange, katzenhafte Gesicht, ließ ihre Reißzähne aus dem<br />
Maul entblößt dar stehen.<br />
„Ich hoffe der Orc weiß wenigstens, in welche Richtung wir reiten<br />
müssen.“ pfiff Charsi durch ihr Helmvisier.<br />
„Ob du es glaubst oder nicht, Blutelfe, aber dass weiß dieser Orc<br />
tatsächlich. Allerdings müssen wir durch ein Allianzlerkaff durch.“<br />
„Das klingt doch einfach.“ meinte Charsi.<br />
„Das klingt doch gefährlich.“ meinte Braunpelz.<br />
„Das klingt nach SPASS, Mann!“ feierte Teborasque, triumphierend<br />
seinen Bogen in die Luft haltend. „Wieder mal Futter für meine Pfeile,<br />
Mann!“<br />
„Wir werden nicht kämpfen. Dazu ist weder Zeit noch hätte es Sinn.“<br />
grummelte Vadarassar. Sicher <strong>–</strong> die Zeit hätte er sich gern genommen,<br />
dieses Provinznest der Allianz zu bereinigen. Doch war sein Kopf noch<br />
hell genug, um diesen finsteren Wunsch zumindest so weit zurück zu<br />
drängen, dass er sich auf ihr eigentliches Ziel konzentrieren konnte.<br />
Und das Letzte, was er wollte war, dass ihn und seine Freunde eine<br />
ganze Meute wütender Allianzritter verfolgte, weil einige Spassvögel<br />
- 170 -
ihnen den Abendwein verdorben hatten. DAS wollte er sich immerhin<br />
für einen besonderen Tag aufheben und ihre Qualen genießen <strong>–</strong> und<br />
nicht nur ebenso im Vorbeireiten.<br />
Gerade am Kaff angekommen sahen sich die Vier untereinander an.<br />
„Jetzt brauchen wir eine Ablenkung.“ brummte Vadarassar und<br />
blickte auf die Blutelfe. <strong>Die</strong> realisierte diesen Blick zuerst nicht, sah den<br />
Hexenmeister dann fassungslos an und sah neben sich, ob sie vielleicht<br />
irgendein ekliges Krabbeltier auf den Schultern sitzen hatte. Doch da<br />
war nichts <strong>–</strong> wie befürchtet.<br />
„Wieso eigentlich ICH?“ zickte sie, die Arme vor der Brust kreuzend.<br />
„Weil DU bisher noch nichts produktives geleistet hast außer einem auf<br />
die Nerven zu gehen, weil DU und deine Art mit der Allianz mal auf Du<br />
und Du waren, weil DU entbehrlich bist und weil DU so was von den<br />
Hintern voll kriegst, wenn du nicht im nächsten Augenblick dort vorn<br />
stehst und die Wachen ablenkst. DESWEGEN! Und nun beweg dich,<br />
bevor ich dir Beine mache, Elfe!“ knurrte Vadarassar die Paladina an.<br />
Charsi öffnete ihren Mund, wollte ihre Schimpftriaden loslassen, schloß<br />
ihn dann aber wieder, stieg von ihrem Pferd und ging, ohne einen<br />
weiteren Mucks zu machen, in die Mitte des Marktplatzes und auf eine<br />
der Wachen zu.<br />
„Boah Vada, ich glaub du magst die Kleine wirklich nich, eh?“ grinste<br />
Teborasque den Hexenmeister an, der mit zufriedenem Blick zusah, wie<br />
die Blutelfe mit der Wache zu flirten begann. Einige andere Wachen<br />
kamen angeschlichen, sahen die Blutelfe und die Wache, wie sie in<br />
ein angestrengtes Gespräch von Nagellack, Rüstungspolitur,<br />
Frisurtipps, Kleidungsgeschmäckern, Stellungen im Bett und worüber<br />
Mann und Weib in so einer Situation sonst so schwafeln diskutierten<br />
und starrten dann nur stur eben dort hin. Das reichte den drei<br />
anderen, um hinter ihnen vorbei über eine Seitengasse zu schleichen<br />
und nach einigen hundert Metern wieder auf ihre Reittiere zu steigen.<br />
Das aus den Augenwinkeln sehend machte Charsi noch eine Geste<br />
des Abschieds, ließ rein beiläufig ein Stück Stoff fallen und ging kurz<br />
darauf ihrerseits auf die drei anderen zu. <strong>Die</strong> Menschenwache stand<br />
noch einen Moment wie versteinert dort, winkte ihr dann nach und<br />
bückte sich schließlich nach dem Stück Stoff.<br />
- 171 -
Nicht einmal zwei Sekunden später knallten die anderen Wachen aus<br />
ihren Verstecken und warfen sich ihrerseits auf das kleine Stückchen<br />
Stoff. Eine Prügelei entbrannte zwischen vier, fünf Wachen, Metall<br />
krachte auf Metall, Schwertgriffe und Schilde wurden als Schlagwaffen<br />
missbraucht, um den Rivalen ohnmächtig zu prügeln <strong>–</strong> nur wegen<br />
<strong>eines</strong> kleinen Stücks Stoff.<br />
Mich hoch erhobenem Haupt kam Charsi zu den drein, stieg ihrerseits<br />
auf ihr Pferd und setzte an, loszureiten.<br />
„Boah ey. Was haste denen denn da hingeworfen? <strong>Die</strong> sind ja total<br />
außer Rand und Band!“ stellte Teborasque fest, seinem Raptor einen<br />
kleinen Klaps mit den Zügeln verpassend.<br />
Charsi blinzelte den Troll kurz an, hob dann demonstrativ ihren Blick<br />
und wendete diesen nach vorn, als wolle sie damit ihre Überlegenheit<br />
über alle anderen in der Horde und sogar bei den Blutelfen kund tun.<br />
„Meinen Schlüpfer.“ sagte sie kühl und schnippisch.<br />
Vadarassar und Teborasque rissen die Augen auf, ihre Kiefer klappten<br />
herunter, ließen statt Worten nur noch ein unverständliches<br />
Kauderwelsch heraus quillen. Nur Braunpelz war noch zu einem<br />
kontrollierten Laut fähig.<br />
„Ich habs doch gewusst. Blutelfen sind allesamt Huren....“ grummelte<br />
sie leise.<br />
- 172 -
Kapitel 30 <strong>–</strong> Ein (Alb-)Traum wird wahr<br />
„Waffenträger Grol’Nak! Vortreten!<br />
Du und deine Einheit werdet die Westseite des Portals angehen!<br />
Kriegsrufer Zabrius <strong>–</strong> deine Axtwerfer rücken von Süden vor und<br />
decken die Grunzer von Bronc. Thralls Garde rückt derweil von der<br />
Mitte nach vorn und kümmert sich um erste Ausläufer. Habt ihr das alle<br />
verstanden?!“ brüllte der Kommandeur von Stonard. <strong>Die</strong> vier Anführer<br />
der einzelnen Einheiten nickten, zogen dann ihre Waffen und<br />
drängten hinaus, vorbei an den vier Reisenden, die gerade erst<br />
angekommen waren.<br />
Ein kurzer Blick des Kommandeurs reichte, um die Pestnarbe auf<br />
seinem Herzen erneut zu sehen und zu erkennen.<br />
„Hexenmeister...wieso ahnte ich, dass ihr Schwarzmalervolk<br />
ausgerechnet jetzt hierher kommen würdet? <strong>Die</strong> Dämonen ziehen<br />
euch doch an wie das Licht die Fliegen!“ knurrte der alte, in schwere<br />
Rüstung gekleidete Orc seinen Volksgenossen an, für den er gar nicht<br />
genug Verachtung aufbringen konnte.<br />
Erfolglos versuchte Vadarassar seinen Ärger zu verbergen, hätte er<br />
diesen vorlauten Vollidioten doch am liebsten in einen rauchenden<br />
Kadaver verwandelt. Stattdessen musste er gute Mine zum bösen Spiel<br />
machen, zog seine Mundwinkel so tief herunter, wie er konnte und<br />
musterte die provisorisch dargestellte Karte der Verwüsteten Lande.<br />
„Gibt es Probleme?“ fragte Braunpelz an Vadarassars Stelle, den<br />
Kommandanten mit einem möglichst neutralen bis freundlichen Blick<br />
ansehend.<br />
Der jedoch starrte noch immer auf den Hexenmeister ein, unfähig,<br />
seinen Blick von dieser Abscheulichkeit des orcischen Seins zu nehmen.<br />
„Das dunkle Portal öffnet sich.“ knurrte er die vier an. „Kein geringerer<br />
als Lord Kazzak kümmert sich persönlich darum, wie die Späher<br />
berichten. Und bei Thralls Hammer <strong>–</strong> wenn sich das Portal wirklich<br />
öffnen sollte, sind wir alle verloren.“<br />
„Jetzt sei mal nicht so melodramatisch.“ brummte Vadarassar. „<strong>Die</strong><br />
Dämonen wurden schon früher wieder zurückgeschlagen. Sie sterben<br />
ebenso wie jeder andere auch.“<br />
„Ich zweifle nicht daran, dass ein Hexenmeister wie du nicht in der<br />
Lage ist, die Ernsthaftigkeit der Lage einzuschätzen. Doch selbst mich<br />
überrascht die Blödheit, mit der ein Dämonenanhänger wie du das<br />
- 173 -
Unvermeidliche leugnet.“ knurrte der Orc erneut, Vadarassar wieder<br />
einmal böse anfunkelnd.<br />
„Es sind ja nicht nur die Dämonen. Auch die Allianz, verblödet wie<br />
immer, stellt sich lieber gegen unsere Grunzer, anstatt sich gegen die<br />
Dämonen zu werfen. Während unsere Kämpfer fallen, drehen sie<br />
Däumchen, um unseren Geschwächten Kameraden ihre Schwerter in<br />
den Rücken zu rammen. Feiglinge auf dem Feld, unehrenhafte<br />
Kampfschweine.“<br />
Anstatt noch weiter den Dialog mit dem Kommandanten zu suchen,<br />
drehte sich Vadarassar mitten im Gespräch um und verließ den<br />
Bunker, schwang sich auf sein Pferd.<br />
„Wo willst du denn jetzt hin?“ fragte ihn Braunpelz, die Hände in die<br />
Seiten stemmend. „Wir sollten ihnen hier helfen. Ich kann ihre Wunden<br />
versorgen...“ begann sie, wurde dann aber von Vadarassar<br />
unterbrochen.<br />
„Ich werde persönlich zum Portal reiten. Mit den Dämonen werde ich<br />
schon fertig. Und wenn nicht....wir werden sehen.<br />
Mit den Worten verschwand er, die Augen schließend und den Kopf<br />
kräftig schüttelnd.<br />
Das Portal öffnete sich....genau so wie in dem Albtraum, den er<br />
gehabt hatte. Nein, er durfte nicht zulassen, dass sich seine dunkle<br />
Vision erfüllte. Das durfte nicht geschehen. Deswegen ritt er allein.<br />
Schnell war der Staub der Verwüsteten Lande um ihn herum,<br />
kristallisierten die Sandkörner unter den brennenden Hufen s<strong>eines</strong><br />
Reittiers, aus dem er mit seinen Mithrilsporen mehr und mehr<br />
Geschwindigkeit heraus prügelte. Er war gerade erst an der<br />
improvisierten Festung der Allianz vorbei, als er schon den Kampflärm<br />
hörte, der von dem Portal bis zu ihm dringen musste.<br />
Als er schließlich auf der Anhöhe vor dem Portal auftauchte, sah er<br />
das flimmernde Portal, das Welle um Welle von höheren und niederen<br />
Dämonen ausspuckte. Dutzende Wellen brandeten auf Grunzer der<br />
Horde, Orcs, Tauren und Trolle gleichermaßen, während aus den<br />
hinteren Reihen die Kugeln, Pfeile und Bolzen, die Messer, Dolche und<br />
Äxte flogen und ihre Ziele suchten. Zahllose Leichname von bereits<br />
erlegten Dämonen lagen dort, ebenso wie eine große Zahl blutender,<br />
zerfetzter oder geköpfter Grunzer der Horde. Von dem<br />
Kommandanten unbemerkt kämpfte auf der anderen Seite jedoch<br />
ebenfalls die Allianz <strong>–</strong> mit mindestens ebenbürtiger Härte <strong>–</strong> gegen die<br />
- 174 -
dämonische Masse, die mit jedem Beben des Portals größer zu werden<br />
schien.<br />
Erneut gab Vadarassar seinem Reittier die Sporen, stürmte die Anhöhe<br />
hinab und zog seine glühende Magieklinge. Schwarze Wolken kreisten<br />
um seine Hände, dunkellila glühte es um ihn herum, während kleine<br />
schwarzlilane Löcher um ihn herum kreisten.<br />
Dann tat er, was ihm jeder Hexenmeister verboten und wovor man ihn<br />
einhellig gewarnt hatte.<br />
Er rief seine Dämonen. Alle zur selben Zeit.<br />
Jubtuk sprang aus einem der Portale, blickte den Hexenmeister mit<br />
einem verachtenden Blick an, während aus einem anderen Portal die<br />
bläuliche Wolke Hathmon schwebte, Fierneri aus einem dritten schritt,<br />
Haatom aus einem vierten und aus dem fünften und letzten schließlich<br />
sein jüngster Dämon trat <strong>–</strong> Zahzzeem, ein Teufelsjäger.<br />
Wie glühende Nadeln traf es Vadarassar, als seine Dämonen vor ihm<br />
standen. <strong>Die</strong> Welt kreiste um ihn, ließ ihn vor dunkler Macht<br />
benommen fast von seinem Pferd stürzen.<br />
„Er ist geschwächt! Jetzt können wir ihn versklaven! Jawohl, du blöder<br />
Hexer! Jetzt räche ich mich für deine ständigen Eskapaden und die<br />
Rumkommandiererei!“ fluchte Jubtuk, seine Hände vor Feuer glühen<br />
lassend.<br />
In eben diesem Moment spürte er aber schon zwei kräftige Kopfnüsse<br />
auf seinem Kopf. Eine von Haatom und eine von ausgerechnet<br />
Fierneri.<br />
„Au! Ey! Was soll das?! Wollt ihr euch etwa von dem Hannes versklaven<br />
lassen? Wir sind Dämonen! Wir halten zusammen!“ fluchte der Wichtel<br />
wieder.<br />
„Nein. Er hat mich vor der Verdammnis gerettet. Er ist mein Liebling, ich<br />
will ihm gehorchen.“ protestierte Fierneri, demonstrativ ihre Peitsche<br />
spannend, um Jubtuk damit einen neuerlichen Schauer über den<br />
Rücken zu jagen.<br />
„Er hat mich bezwungen und an seine Existenz gebunden. Wenn er<br />
stirbt oder vergeht, werde auch ich sterben.“ groll Haatom.<br />
- 175 -
„Bitte. Dann halt ohne eu....“ wollte der Wichtel hervor bringen, spürte<br />
in dem moment aber einen der Tentakel von Zahzzeem in seinem<br />
Rücken, der ihm schlagartig seine Kraft abzusaugen begann.<br />
„Hexer gerettet vor Tod. Hexer gut zu Zahzzeem. Zahzzeem gut zu<br />
Hexer.“ bellte der hundähnliche Dämon, den Wichtel langsam<br />
zusammen sacken lassend, ehe er seinen Tentakel von ihm löste.<br />
„Ihr...ihr seid doch alle....“ schimpfte Jubtuk, sah sich dann umringt von<br />
den vier Dämonen und auch Vadarassar, der sich nun etwas<br />
gefangen hatte und seinen Wichtel böse anstarrte.<br />
Noch immer blickte der Kleine Wichtel alle um sich herum böse an.<br />
Dann seufzte der Kleine, blickte gen Boden.<br />
„Wieso ist es mein Fluch, nicht endlich frei zu sein? Also <strong>–</strong> was willst du,<br />
Boss?“<br />
„Greift an. <strong>Die</strong> ganzen Dämonen dort! Wir müssen sie zurück schlagen.<br />
Fangt bei den Kommandanten an.“<br />
„Ja, Herr!“ grollen vier der Dämonen. Nur Jubtuk murmelte noch ein<br />
„Das ist doch lebensmüder Wahnsinn.“ hinterher, während sie sich auf<br />
den stürzten, der offenbar die Befehle im Hintergrund erteilte.<br />
Nicht Kazzak, aber einer seiner Offiziere, ihm äußerlich sehr ähnlich und<br />
nur deutlich kleiner, kommandierte die Dämonen, die ständig aus<br />
dem Portal traten und koordinierte den Angriff. Es lief gut, er hielt die<br />
Angreifer gut auf Distanz. Nur Dämonen umringten ihn in vielen<br />
Dutzend Metern Umkreis.<br />
Umso verblüffter war er, als er eine Axt gegen seine Seite rammen<br />
spürte. <strong>Die</strong> schwarze Arkanitklinge schnitt sich fast widerstandslos<br />
durch die dicke Rüstung des Dämonen und ließ schwarzes Blut aus<br />
einer breiten Wunde heraus quillen.<br />
„Was?! Wer wagt es, mich anzugrei....?!“ groll er, fasste Haatom in den<br />
Blick und wollte zuschlagen, fühlte im selben Moment jedoch eine<br />
Peitsche, die sich um seinen Hals legte und ihm den Atem raubte.<br />
Flammen schossen von unten gegen seine Brust, während etwas<br />
schattenhaftes seine Seele brennen ließ. Etwas biß ihn in seine<br />
hufbesetzten Beine, sog an seiner arkanen Macht.<br />
- 176 -
„Ich werde euch für diesen Frevel zerquetschen!“ groll der<br />
Dämonenanführer, nun selbst zu seiner Waffe greifend, um sie gegen<br />
die niederen Dämonen zu richten.<br />
„Dazu wird es nicht mehr kommen, du Ausgeburt der Legion!“ knurrte<br />
Vadarassar, seine Hände vor Schwärze prall gefüllt haltend. Zwei<br />
Schattenblitze verließen seine Hände, donnerten auf den Dämon zu,<br />
alles in ihrem Weg verderbend. Gemeinsam mit der Klinge von<br />
Haatom trafen sie den Riesendämon, rissen große Stücke verdorbenen<br />
Fleisches aus dem Körper und öffneten die Schleusen für einen<br />
Wasserfall aus schwarzem Blut.<br />
Schwindel umgarnte den Dämon, der mit letzter Kraft gegen die ihn<br />
quälenden Dämonen ankämpfte.<br />
Ein Schrei entglitt ihm. Ein Schrei, der dafür sorgte, dass alle Dämonen<br />
sich umdrehten und ihn anstarrten. Dann sahen sie auf einen<br />
Hexenmeister, der noch einen weiteren Schattenblitz auf den<br />
Verdammnisfürsten losdonnern ließ, um diesmal auf das viel zu weit<br />
geöffnete Mundwerk zu zielen, es nur Augenblicke später in einer<br />
großen Explosion auseinander reißen zu lassen.<br />
<strong>Die</strong> Explosion riss die Dämonen aus ihrer starren Befehlskette heraus.<br />
Unkontrolliert wuselten sie nun umher, hatten jedoch allesamt nur noch<br />
ein einziges Ziel: <strong>Die</strong>sen Hexenmeister, der ihren Kommandeur erlegt<br />
hatte.<br />
Vadarassar....zumindest er sollte sterben.<br />
Drei Verdammiswachen stürmten auf Vadarassar zu, schwangen ihre<br />
Klingen gegen ihn, von denen er nur eine parieren und den anderen<br />
beiden um Haaresbreite ausweichen konnte, ehe seine eigenen<br />
Dämonen an seiner Seite gegen die Meute kämpften.<br />
Mehr, immer mehr Dämonen strömten auf ihn zu. Von oben flatterte<br />
eine weitere Verdammniswache auf ihn zu, wollte ihm ungesehen von<br />
hinten ihre Klinge in den Rücken rammen.<br />
Ein schrilles Pfeifen war das Letzte, was sie hörte, als drei Pfeile<br />
nebeneinander an ihr vorbei sausten und ihren linken Flügel zerfetzten,<br />
aus dem Gleitflug einen Absturz machten und die harte Bruchladung<br />
auf nacktem Fels der Verdammniswache das Genick brach und der<br />
Kadaver drei Wichtel unter sich begrub.<br />
- 177 -
„Hey! Vier zum Preis von einem, Mann!“ jubelte eine sehr bekannte<br />
Stimme mitten aus dem Schlachtfeld.<br />
Teborasque. Braunpelz. Wieso waren sie hier? Was machten die<br />
beiden denn da?<br />
„Wolltest uns nich zu deiner Privatparty einladen, eh? Na warte, jetzt<br />
wird’s richtig spaßig!“ feierte der Trolljäger und schoß Salve um Salve in<br />
die Dämonenmassen, während Vadarassar verzweifelt gegen die<br />
Horden von Dämonen anzukämpfen versuchte.<br />
„Kameraden!“ brummte Vadarassar seine Dämonen an. „Geht jetzt<br />
zurück...und gebt mir eure Kraft.“<br />
„Aber immer doch <strong>–</strong> liebend gern!“ meinte Jubtuk, machte einen<br />
schnellen Salto nach hinten und verschwand in einem winzigen<br />
Netherlöchlein. Hathmon und Haatom folgten dem Befehl ebenso wie<br />
Zahzzeem, ließen nur Fierneri zurück.<br />
„Herr, ich will dich nicht zurück lassen.“<br />
„Mir geschieht nichts. Nun geh endlich.“ brummte Vadarassar seine<br />
Sukkubi an, die sich dann schließlich doch von ihm abwendete und<br />
ihrerseits in einem Netherwirbel verschwand.<br />
Von der Kraft der Dämonen, die sich ursprünglich in dieser Welt<br />
manifestiert und eben jene Kraft nun an ihren Herrn übergeben hatten<br />
getrieben, stieß Vadarassar einen Schrei aus, um sich und alles um sich<br />
herum in Flammen zu hüllen.<br />
„Verbrennt! VERBRENNT IM FEUER DER HÖLLE!“ brüllte er, im Umkreis<br />
von zwanzig Metern alles in Flammen setzend. Seine eigene Robe,<br />
seine Stiefel, Handschuhe, sogar seine Kopfbedeckung fingen<br />
ebenfalls Feuer, brannten auf seiner Haut und brachten ihm<br />
unvorstellbare Schmerzen ein. Doch auch alle Dämonen um ihn<br />
herum schrieen auf, wurden teilweise sofort, teilweise nur langsam von<br />
den Flammen verzehrt, ehe Vadarassar auf dem Boden zusammen<br />
sackte und sich auf seinem noch immer gezogenen Schwert<br />
abzustützen versuchte.<br />
Kraft...sie war nun gänzlich aus Vadarassar gewichen. Wenigstens<br />
hatte er viele in den Tod gerissen.<br />
„Du bist mächtig. Und mächtig dumm, Orc.“ groll eine dunkle Stimme<br />
hinter Vadarassar. Er schaffte es gerade noch, seinen Kopf zu drehen,<br />
- 178 -
wollte seine Hand mit dem Schwert hochheben und zu einem<br />
kräftigen Schlag ausholen. Doch sein Körper reagierte vor Schmerzen<br />
nicht mehr, ließ seine Bewegungen viel zu langsam für den Dämon<br />
hinter sich sein.<br />
Mühelos trat der Dämon das Schwert mit einem seiner Hufe weg, ließ<br />
die Klinge sausen.<br />
„Du hast meinen ersten Kommandanten erlegt. Einen jungen<br />
Schwächling. Doch MICH wirst du nicht erlegen können. Weder mich<br />
noch meine Streitmacht.“ groll nun die Stimme, für die Vadarassar ein<br />
Bild bekam.<br />
Kazzak.<br />
„Und jetzt, du dummer Orc, wirst du sterben.“ groll Kazzak, seine breite<br />
Klinge hebend, um sie dann unbarmherzig langsam auf Vadarassar<br />
niedergehen zu lassen.<br />
„Vergiss es!“ zischte eine andere Stimme. Braunpelz, in Gestalt <strong>eines</strong><br />
Geparden, stürmte auf den Verdammnislord zu, einen langen Satz aus<br />
voller Geschwindigkeit machend. Mitten im Flug änderte sich ihre<br />
Gestalt zu einem wilden Bären, dessen Augen rot glühten. Schaum<br />
quoll aus dem Maul des Bären, während er seine Klauen in die Seite<br />
des Dämonen rammte und ihn mit aller Macht zur Seite warf.<br />
Kazzak stolperte einige Schritte zur Seite, wäre beinahe über einen<br />
Stein gefallen, fing sich dann aber, um seine Klinge gegen den Bären<br />
zu richten. Der jedoch schlug gegen die Klinge, ließ sie im hohen<br />
Bogen Richtung Portal segeln und damit eine Verdammniswache<br />
aufspießen.<br />
„Geh zu Tebo! BEWEG DICH!“ brüllte der Bär lautstark. „Ich halte ihn<br />
auf!“<br />
Vadarassar rappelte sich auf, sah sich dann, reichlich wackelig auf<br />
den Beinen, nach dem Jäger um. Er wurde nicht fündig. hörte dann<br />
jedoch ein gequältes Stöhnen.<br />
Langsam schritt er in diese Richtung, fand Teborasque schließlich am<br />
Boden. Blut tropfte aus einer Wunde an seiner Brust, ein Schwert<br />
steckte in eben dieser.<br />
Das Schwert von Vadarassar. Jenes Schwert, das Kazzak ihm<br />
weggetreten hatte.<br />
- 179 -
Wie in seinem Albtraum langte er nach dem Griff s<strong>eines</strong> Schwertes,<br />
den glasigen Blick von Teborasque auf sich liegen fühlend. Hinter ihm<br />
schritten die Dämonen auf ihn zu und Braupelz brüllte lauthals,<br />
während Kazzak und nun auch noch einige andere Dämonen auf die<br />
bärenhafte Gestalt einprügelten.<br />
Es war wie in diesem Albtraum....wieso nur...wieso wurde er so gequält.<br />
Wieso waren sie gekommen? Wieso nur?<br />
Lautes Heulen hallte durch die Luft. Eine Gruppe Worgreiter stürmte<br />
auf das Portal zu, riss eine Lücke zwischen die Dämonen und das Portal<br />
und stürzte sich dann auf Kazzak und seine Gefolgschaft.<br />
„Los!“ knurrte Braunpelz, die mittlerweile aus dem Kampfgetümmel<br />
herausgekommen und zu Vadarassar gelaufen war. Dicke blutige<br />
Spuren zogen sich durch ihren bärigen Pelz, ließen ihren Blick glasig<br />
wirken.<br />
„Wir müssen hier weg.“<br />
„Aber...wohin denn?“<br />
„Durch das Portal. Schnell!“<br />
„Du bist doch total durchgeknallt. Hast du etwas auf den Kopf<br />
bekommen? Das überleben wir....“<br />
„TU WAS ICH SAGE!“ schäumte der Bär erneut.<br />
<strong>Die</strong>smal ließ sich Vadarassar auf keine Diskussion ein, zog seine Klinge<br />
aus dem Bauch von Teborasque, schulterte den blutenden und<br />
erledigten Jäger und wankte mit ihm zusammen hinter Braunpelz her<br />
auf das Portal zu.<br />
Nur Augenblicke später waren sie schon hindurch gegangen und<br />
verschwunden. Verschwunden in eine andere Welt.<br />
- 180 -
Kapitel 31 <strong>–</strong> Böse alte Bekannte<br />
Sie blinzelte. Ein grünlicher Hauch lag in der Luft, umgab sie und ließ ihr<br />
den ersten Gedanken, im smaragdgrünen Traum zu sein, im<br />
Gedächnis aufkeimen. Dann erst öffnete sie gänzlich ihre Augen und<br />
erhob sich.<br />
Nein, das hier schien nicht der smaragdgrüne Traum zu sein, wie sie ihn<br />
ursprünglich kannte. Es war anders <strong>–</strong> so anders, als sie die Landschaft<br />
kannte. Eine andere Welt, ein anderer Traum und dennoch so herrlich<br />
ähnlich.<br />
Zwei Gestalten lagen neben ihr. Ein schwarzer Orc und ein blauer Troll,<br />
beide zusammen gekauert und ungewöhnlich klein. Und beide lagen<br />
sie regungslos dort, bewegten nicht einmal ihre Brust.<br />
Braunpelz sank auf ein Knie und tippte die beiden an. Dann, mit einem<br />
Mal, öffneten sie ihre Augen und sahen die Druidin fragend an, ehe sie<br />
sich noch viel verwirrter umsahen.<br />
„Wo....sind wir?“ fragte der schwarze Orc, dessen Stimme sie nun klar<br />
als die von Vadarassar erkannte.<br />
Der blaue Troll sah an sich herab, rieb über seinen Bauch, als erwarte<br />
er irgendetwas. „Das muss das Totenreich sein, Mann.“ stellte er fst.<br />
Und Braunpelz stellte fest, dass dies offensichtlich Teborasque war.<br />
„Nein, das hier ist das, was wir Druiden den Smaragdgrünen Traum<br />
nennen.“ erklärte sie den beiden und stand auf, um sich selbst einmal<br />
im Kreus herum zu drehen. „Doch es ist....anders als sonst. Ich kenne<br />
diese Gegend nicht. <strong>Die</strong> Stimmen, das Leben hier ist so fremd.“<br />
Ein Brüllen in einiger Entfernung weckte ihre Aufmerksamkeit. Ein<br />
Brüllen, wie sie es schon einmal gehört hatte.<br />
Drache....<br />
Wenn es hier Drachen gab, dann waren sie vielleicht doch nicht<br />
woanders, sondern lediglich in einem anderen Teil des Traums<br />
gelandet, als Braunpelz bisher kannte.<br />
„Kommt <strong>–</strong> sehen wir nach, wer das war.“ sagte sie und lief kurz darauf<br />
einfach los.<br />
- 181 -
Vadarassar und Teborasque sahen der Gestalt von Braunpelz nach,<br />
blickten dann einander an und erhoben sich. Obwohl sie sich bis<br />
gerade noch so unbeschreiblich schwach gefühlt hatten, war nun<br />
jegliche Schwäche davon. Sie fühlten sich frei, nicht länger eingeengt<br />
in ihre lebenden Körper, konnten laufen, rennen, gleiten und fliegen,<br />
wie sie wollten. Doch anstatt sich zu sehr davon gehen zu lassen,<br />
konzentrierten sie sich auf Braunpelz, folgten der Druidin, so gut und<br />
schnell sie konnten.<br />
<strong>Die</strong> jedoch stoppte mit einem Mal und plötzlich, hörte sie doch erneut<br />
ein lautes Gebrüll. <strong>Die</strong>smal von zwei Drachen. Zwar verstand sie kein<br />
Drachisch, jedoch schwang eine betrübliche Boshaftigkeit mit in den<br />
Schreien des einen Drachen, während der andere sich mit aller Kraft<br />
gegen diese Boshaftigkezit zu stellen suchte.<br />
Ein erneutes Brüllen des zweiten Drachen verebbte mit einem Schlag<br />
in einem metallenen Gurgeln. Dann groll Donner am Horizont, ein<br />
großer Schatten legte sich über die drei.<br />
„Was ist los?“ fragte Vadarassar, sah zu der Druidin, die sich hinter<br />
einen großen Busch geduckt hatte. „Wieso hältst du so plötzlich an?“<br />
Braunpelz sah zu Vadarassar und legte nur einen Finger auf ihre<br />
Lippen, ehe sie wieder nach vorn blickte und den Schatten näher<br />
kommen sah. Den Schatten <strong>eines</strong> Drachen, der mit<br />
zusammengefalteten Flügeln auf die drei zu stürzte und kurz darauf auf<br />
den Boden krachte. Knochen brachen lautstark, der Rücken der<br />
riesigen Echse war in der Mitte durchgebrochen und der Kopf war um<br />
eine volle Umdrehung nach hinten gebogen. Ein überaus ungesunder<br />
Anblick, den dieser einhörnige, etwas merkwürdig aussehende Drache<br />
darbot.<br />
„Oh...was in Dreimenschennamen ist denn da pass....“ begann<br />
Teborasque, wurde aber sogleich von Vadarassar zu Boden gezogen.<br />
„Ey, was soll das?“ protestierte der Troll, bekam von Vadarassar dafür<br />
einen ernsten Blick spendiert, gefolgt von einem Finger, der auf einen<br />
noch viel größeren Schatten am Himmel zeigte.<br />
Schwarze Schuppen, lediglich durch stumpfe Platten aus Metall<br />
unterbrochen, blitzten von diesem Schatten am Himmel.<br />
„Ein anderer Drache.“ murmelte Braunpelz, musterte ihn genauer.<br />
„Und er sieht verletzt aus. Vielleicht sollten wir ihm hel...“ schlug sie vor,<br />
- 182 -
wollte gerade aufstehen und wurde ebenfalls von Vadarassar<br />
zurückgehalten.<br />
„Shh...still ihr beiden. Wisst ihr denn nicht, wer das dort ist?“ flüsterte er,<br />
nun so leise, wie er nur konnte.<br />
Noch während er den beiden erzählen wollte, wer diese Gestalt vor<br />
ihnen war, landete die Riesenechse mit einem lauten Grollen. Eine der<br />
Vorderpranken schob den Kadaver des erlegten Drachen hin und<br />
wieder her, als wolle er sichergehen, dass sein Kontrahent den Sturz<br />
auch wirklich nicht überlebt hatte.<br />
<strong>Die</strong> großen Nüstern des Schwarzdrachen blähten sich, giftig<br />
dreinblickende Augen, verzerrt von Wahnsinn und inneren Qualen<br />
sahen sich nach etwaigen Feinden um, ehe sich der große umdrehte<br />
und mit einem kräftigen Stoß seiner Hinterbeine erneut in die Lüfte<br />
stieg, um zu entschwinden.<br />
Erst als die Flügelschläge nicht mehr zu hören waren, ließ Vadarassar<br />
die beiden neben sich los und fiel kurz darauf auf seinen breiten<br />
Hintern.<br />
„Deathwing.“ stieß er heraus. „Dann ist es also wahr.“<br />
„Was ist wahr, Mann? Das die Riesenechsen einander umbringen?“<br />
fragte Teborasque verwundert. Doch Vadarassar schüttelte nur den<br />
Kopf.<br />
„Nein....es ist wahr: Deathwing lebt, obwohl man ihn für tot gehalten<br />
hat. Er ist.....schlimm....so böse, dass ich es nicht erklären kann. Kennt<br />
ihr denn nicht die <strong>Geschichte</strong>n?“<br />
Braunpelz blickte den schwarzen Orc fragend an. „<strong>Geschichte</strong>n von<br />
Deathwing? Doch, ich glaube ich erinnere mich an früher. <strong>Die</strong><br />
<strong>Geschichte</strong>n wurden uns abends am Feuer erzählt. Von Kriegen und<br />
einem schwarzen Drachen in Metallrüstung. <strong>Geschichte</strong>n von einer<br />
Schlacht der Orcs mit den Menschen und Elfen.“<br />
Vadarassar nickte nur kurz. „<strong>Die</strong> <strong>Geschichte</strong> des Verräters kennt ihr<br />
also nicht?“ brummte er die beiden an.<br />
„Deathwing hat seine ganze Art betrogen und wollte sie versklaven. Er<br />
wollte alles vernichten und nur sich als Herrscher zulassen. Nicht Angst<br />
oder Schrecken, sondern lediglich der Tod und vollständige<br />
Vernichtung waren sein Ziel. Er ist böser als alles Leben, sogar noch<br />
- 183 -
öser als die Brennende Legion, die nur um des Kampfes Willen<br />
Zerstörung bringt. Er bringt sie, weil er seinen Idealen folgt. Seinen<br />
eigenen, wirren Idealen...“ brummte der schwarze Orc, dann<br />
seufzend.<br />
„Wir müssen die anderen warnen, Mann. Dann können wir gegen ihn<br />
antreten und ihn endgültig umbringen!“ schlug Teborasque vor und<br />
wollte nach seinem Bogen greifen, griff stattdessen aber ins Leere. Erst<br />
nach weiteren fehlgeschlagenen Griffen an seinen Gürtel, seinen<br />
Rücken und dann den Griff in die nicht vorhandenen Taschen stellte er<br />
fest, dass sowohl er wie auch die anderen beiden nur als astrale Bilder<br />
ohne jede Ausrüstung, ohne Waffen oder gar Kleidung hinter diesem<br />
Busch hockten. Nur ein Schemen, nicht mehr und nicht minder.<br />
Braunpelz nickte Teborasque zu, blinzelte dann aber und setzte sich<br />
ebenfalls auf den Boden, direkt neben den schwarzen Orc, der<br />
Vadarassar sein sollte.<br />
„Er existiert. Doch wir wissen nicht wo. <strong>Die</strong>se Welt...sie ist anders als die<br />
Welt, die wir kennen. Wesen, die hier an einem Ort aufeinander<br />
treffen, können in Wirklichkeit ganz woanders, sogar am anderen Ende<br />
der Welt sein. Wir können sie nur warnen, dass er existiert....wenn man<br />
uns glaubt.“ gab die Druidin zu bedenken.<br />
„Na wie auch immer.“ bestand Teborasque weiter. „Wir müssen<br />
irgendwie zurück. Weißt du wie?“<br />
Braunpelz schloß die Augen und nickte kurz. Eine kurze Angst huschte<br />
durch ihre Gedanken <strong>–</strong> die Befürchtung, dass sie deshalb alle drei hier<br />
waren, weil ihre Körper in der Wirklichkeit aufgehört hatten zu<br />
existieren. Doch noch mitten in dieser Angst gefangen spürte sie ihren<br />
Körper, wie er geschunden an einem kalten Ort lag. Mit ihrem<br />
geistigen Selbst konnte sie ihn ertasten, fühlte genau den beständigen<br />
Herzschlag. Erst dann öffnete sie wieder ihre Augen.<br />
„Schließt eure Augen und konzentriert euch auf euren Körper und euer<br />
Selbst. Seht euch selbst vor euch und greift nach euch. Ihr müsst von<br />
ganzem Herzen zurück wollen <strong>–</strong> dann werdet ihr zurück kommen.“<br />
erklärte sie den beiden das grundlegende Vorgehen. Dennoch war ihr<br />
klar: Ohne eine Führung würden sie den Weg sicher nicht allein und<br />
sofort finden. Also griff sie nach den Händen der beiden.<br />
„Folgt mir.“ sagte sie, schloß dann ihre Augen und konzentrierte sich<br />
zuerst auf Teborasque, den Jäger. Zuerst spürte sie nichts, dann<br />
endlich, nach unendlich langen Minuten, jede davon so lang wie ein<br />
Jahrhundert, spürte sie die Vertrautheit des Jägers, schmeckte den<br />
- 184 -
Geruch seiner beschlagenen Lederrüstung auf ihrer Zunge. Durch<br />
dicke, schwarze Wände glitten die drei, ehe sie den Körper auf dem<br />
Boden liegend vorfanden.<br />
Sie löste ihren Griff, ließ die Essenz von Teborasque wieder in seinen<br />
Körper eintauchen, um sich dann auf Vadarassar zu konzentrieren.<br />
Das Gefühl der Nähe kam schlagartig, war nur ein Stück entfernt....nur<br />
eine Wand trennte sie, ehe sie den Hexenmeister wieder mit seinem<br />
Körper Eins werden ließ. Dann wandte sie sich um, glitt in Richtung ihres<br />
Körpers und verschmolz mit diesem.<br />
Ein tiefer Atemzug sog Luft in die Knochen der Druidin ein. Blitzartig riss<br />
sie ihre Augen auf, sah sich um.<br />
Eine schwarze Zelle, bedeckt mit Stacheln und Dornen. Ihre Kleidung<br />
war zerfetzt, große Risse zogen sich durch das Leder. Ihre Wunden<br />
jedoch waren größtenteils verheilt.<br />
Sie sah sich weiter um, sah in einer Nische neben sich Teborasque in<br />
einer großen, roten Lache s<strong>eines</strong> Blutes liegen, die blaue Haut blasser,<br />
als es üblich war. Schnell war sie auf ihren Beinen und ebenso schnell<br />
wieder auf dem Boden, hinab gerissen durch Schwindel und<br />
Schwäche. Ihr Körper bettelte um Ruhe, damit er sich wieder sammeln<br />
konnte, um ihr Gewicht zu tragen. Für einen Moment war sie gewillt,<br />
diese Bitte zu gewähren, sah dann aber wieder zu dem flach<br />
atmenden Troll und zwang sich dennoch auf die Beine, wankte zu ihm<br />
hin und zog die Lederrüstung auf.<br />
<strong>Die</strong> Schwertwunde <strong>–</strong> sie war nur notdürftig verbunden worden und<br />
würde ihn das Leben kosten, wenn nichts geschähe.<br />
So schnell sie konnte riß sie die Rüstung von seinem Körper herab, strich<br />
mit ihren Fingern über die Wunde. Teborasque, der trotz alledem bei<br />
Bewusstsein war, ächzte und zischte zwischen den breiten Hauern,<br />
während die Druidin eine Hand auf die Wunde, die andere auf den<br />
Boden legte.<br />
Doch da war kein Kalimdor unter ihr, das sie fragen konnte. Ein<br />
fremdes Land, fremde, unbekannte Lebensenergien, zerschlagen,<br />
uneins, unrein und unsauber. Verzweifelt suchte sie nach Energien des<br />
Lebens, die sie um Hilfe bitten konnte.<br />
- 185 -
Dann endlich fühlte sie etwas. Pflanzen, wandelnde Pflanzenwesen,<br />
die dem Leben zugetan waren. Tief in Gedanken versunken bettelte<br />
sie diese an, ihr einen Teil ihrer Kräfte zu geben, um ein Leben zu<br />
retten.<br />
<strong>Die</strong> Antwort kam zögerlich, misstrauisch, wie ein Fremder einem<br />
gänzlich anderen Wesen gegenüber nur sein konnte. Doch anstatt<br />
diesen bettelnden Fremden im Stich zu lassen, spürte sie die Energien,<br />
die durch ihren Körper strömten, konzentriert wurden und kurz darauf<br />
auf ihre andere Hand und in den Körper des Trolls hinüber glitten.<br />
Langsam, ganz langsam schloß sich die Wunde, stoppte die Blutung.<br />
Viel mehr konnte sie jedoch nicht ausrichten <strong>–</strong> den Rest würde<br />
Teborasque und seine Selbstheilungskraft allein machen müssen. Doch<br />
sein Leben war vorerst außer Gefahr.<br />
Erschöpft sank sie nun neben dem Trolljäger auf den Boden und<br />
behielt nur dank ihrer taurischen Sturheit das Bewusstsein, sah<br />
entkräftet an die schwarze Decke.<br />
Was war das hier nur für ein Ort? Wo war Vadarassar? Wie waren sie<br />
hier her gekommen? So viele Fragen...und keine wirklichen Antworten.<br />
Zumindest keine, die sie sich selbst geben konnte.<br />
Dann verließ sie ihre viel zu schwach ausgeprägte Sturheit und sie sank<br />
neben dem Troll zusammen, schlief langsam ein.<br />
- 186 -
Kapitel 32 <strong>–</strong> Dunkles Licht<br />
„Ooooohhh....“ ächzte der Trolljäger und versuchte sich langsam<br />
aufzurichten. <strong>Die</strong> Welt und alle Bilder eben selbiger kreiste um seinen<br />
Kopf, sein Magen schüttelte sich und hätte sich am liebsten auf dem<br />
Boden entleert, wenn denn etwas außer Luft in ihm gewesen wäre. So<br />
blieb ihm nur ein gurgelndes Ächzen, mit dem er wieder auf die Liege<br />
zurück sackte und kurz darauf eine große, fellige Hand an seiner Stirn<br />
spürte.<br />
„Der Erdenmutter sei Dank, du bist aufgewacht.“ seufzte ein großer,<br />
bräunlicher Fellschatten über Teborasque, den er als Braunpelz<br />
erkannte. Er blinzelte einige Male, sah die Druidin fragend an. Sie<br />
lächelte besorgt.<br />
„Du hast eine Menge Blut verloren. Selbst für einen Tauren wäre das<br />
lebensbedrohlich gewesen. Ein Wunder, dass du noch lebst.“ sagte<br />
sie.<br />
„Wo....sind...wir?“ lösten sich die Worte von seinen trockenen Lippen,<br />
die Braunpelz mit etwas abgestandenem Wasser aus einer Schale, die<br />
ihnen alle paar Stunden gereicht wurde, benetzte.<br />
„In einer Art Kerker.“ antwortete die Druidin knapp. „Irgendwelche<br />
durchgedrehten Orcs haben uns hier eingesperrt.“<br />
„Orcs....wo....wo ist Vada?“ brachte er hervor, durch die<br />
Wassertropfen langsam wieder Herr über die sich ständig drehende<br />
Umwelt werdend.<br />
„Nicht hier bei uns. Nur die Erdenmutter weiß, wo er steckt...“<br />
„Wieso muss eigentlich ICH diesen Fettsack hier rumtragen?! Der wiegt<br />
ja eine Tonne!“ grummelte Charsi, die unter dem schwarzgrünen<br />
Bündel auf ihrem Rücken kaum noch zu erkennen war. Eine scharfe,<br />
kratzige Stimme antwortete ihr, indem sie ihr mit einem scharfen Dolch<br />
in das Hinterteil piekste.<br />
„Weil ich auf deinen Hintern aufpasse du Weihnachtsbaum, Mann.<br />
Und jetzt beweg dich, bevor die Freaks wiederkommen.“ zischte die<br />
Stimme einer Gestalt, die glatt als Schatten durchgegangen wäre,<br />
wenn da nicht das grellrote Haar an ihrem Kopf gewesen wäre.<br />
- 187 -
Wieder spürte die Paladina eine Dolchspitze, die gezielt und mit<br />
stoischer Sicherheit eine Lücke in ihrer Plattenrüstung fand und ihren<br />
Weg direkt durch ihre seidene Reizwäsche auf ihre zarte Haut fand. Ein<br />
schrilles Quietschen entglitt dem vorher golden strahlenden Wunder,<br />
von dessen Glanz nun nur noch ein mattes Glimmen geblieben war.<br />
Dank dieser...Trollschurkin....hatte sie am Kampf teilnehmen „dürfen“,<br />
ihren Hammer gegen Dutzende Dämonen geschwungen und war<br />
schließlich, mit einem Dolch im Nacken, durch das Portal und hinter<br />
den drein her gestürmt.<br />
Nach einer halben Stunde war ein großes Feuer und ein Konstrukt, das<br />
wie ein Hordevorposten aussah, in Sichtweite gekommen. Dadurch<br />
motiviert beschleunigte Charsi ihren Schritt, ging schnurstracks an einer<br />
Horde Höllenbestien, die sich gerade mit einer ganzen Garnison<br />
Hordenwachen eine Schlägerei lieferten vorbei, ohne sie auch nur<br />
<strong>eines</strong> Blickes zu würdigen, ging an das Lagerfeuer und ließ ihr<br />
Reisegepäck kurz darauf zu Boden krachen, um sich ihrerseits auf einer<br />
kleinen, improvisierten Bank niederzulassen.<br />
Ihre erste Sorge galt nicht etwa dem stinkenden Orc, dessen noch<br />
immer teilweise glimmenden Kleider verkohlt am Körper hingen, an<br />
einigen Stellen mit der Haut verschmolzen waren und von<br />
dämonischen Klingen tiefe Schnitte aufwiesen, sondern ihrer arg in<br />
Mitleidenschaft gezogenen Rüstung. Wirklich eine Schande <strong>–</strong> Beule um<br />
Beule und Kratzer um Kratzer zog sich durch die filigranen<br />
Goldgravuren ihrer einst so glänzend schönen Plattenrüstung. Einige<br />
der Edelsteine waren herausgeschlagen worden, andere hatten Risse<br />
und wieder andere hatten sich mit einer dicken Rußschicht bedeckt<br />
oder verfärbt. Schnell zog sie ihre Politur nebst Tuch heraus und<br />
kümmerte sich um ihr angeschlagenes Edelmetall.<br />
„Was ist denn mit deinem Gefährten du wandelndes<br />
Modellpüppchen?“ schnauzte die Trollin die Paladina an, die ihren<br />
Blick nicht von der Rüstung löste.<br />
„Pff...der wird schon durchkommen. Ganz im Gegensatz zu meiner<br />
Rüstung. Sieh dir nur diesen Handschuh an! Ruiniert! Wieso sollte ich<br />
auch kämpfen?!“ grummelte die Blutelfe, sich vollends der Politur<br />
widmend.<br />
„Kauf dir halt neuen Tand.“ meinte die Schurkin und hob ein kl<strong>eines</strong>,<br />
mit Edelsteinen verziertes Mäppchen zwischen ihren beiden Fingern<br />
liegend in die Luft. „Ich wette Papas Kreditkarte hat mehr als genug<br />
Deckung, um dir einen ganzen Kleiderschrank voll zu packen.“ zischte<br />
die Schurkin mit einem bösen Lächeln auf den Lippen.<br />
- 188 -
Der Paladina indes fiel die Politur vor Schreck aus der Hand, als sie<br />
ihren Geldbeutel in Händen dieser Trolltussi liegen sah.<br />
„Mein Goldbeutel! Gib ihn sofort wieder her!“ brüllte sie, sprang auf<br />
und wollte danach greifen. Ungünstigerweise war die Schurkin aber<br />
mehr als einen Kopf größer und trotz leichterer Rüstung weitaus<br />
kräftiger gebaut als die Blutelfe, weswegen diese nur die Hand mit<br />
dem Goldbeutel hin die Höhe hielt und mit der anderen darin herum<br />
suchte.<br />
„Oh sieh mal einer an <strong>–</strong> die Silbermond Express-Karte. Sogar Platin.“<br />
stellte die Schurkin mit einem breiten Lächeln fest. „Und eine VIP-<br />
Schönheitssalonkarte, Windreiter-Prämienmeilenkarte, Schneesturm-<br />
Club. Und alles finanziert von Papa, was?“ spottete sie weiter.<br />
„Gib her du blöde Tussi, das ist MEINE Goldbörse! <strong>Die</strong> brauche ich.“<br />
schimpfte Charsi wie ein kl<strong>eines</strong> Kind, dem man den Lolli<br />
weggenommen hatte.<br />
Durch das ganze Geschrei kam Vadarassar langsam wieder zu sich.<br />
Sein Schädel dröhnte vor Kopfschmerzen, die durch das laute Gekeife<br />
der Paladina nur noch weiter zunahmen. Am liebsten wäre er direkt<br />
wieder ohnmächtig nach hinten hin umgekippt, fing sich jedoch<br />
gerade noch, um so etwas verhindern zu können. Stattdessen schlug<br />
er die Augen auf und sah eine Szene vor sich, die ihm ein breites<br />
Grinsen aufs Gesicht zauberte: Eine Trollschurkin, die ein glitzerndes<br />
Etwas über ihren Kopf hielt und Charsi, die wie von einem<br />
Riesenskorpiden gestochen um sie herum hüpfte und nach eben<br />
jenem glitzernden Etwas langte. Ein Anblick, bei dem er hätte<br />
stundenlang zusehen können. Doch gleich darauf glitt sein Blick links<br />
und rechts neben ihn.<br />
Kein Krachen und kein Brummen, keine besorgte, tiefe Stimme und<br />
kein Fauchen einer Katze. Kein Teborasque und keine Braunpelz. Dafür<br />
jede Menge unterschiedlicher Leute und ein Außenposten, den er<br />
vorher noch nie gesehen hatte.<br />
„Wo...bin ich...“ groll es aus ihm heraus. Das weckte die<br />
Aufmerksamkeit der Schurkin, die ihre Hände sinken ließ und sich dem<br />
Hexenmeister zuwand.<br />
„Ha! Hab es!“ jubelte Charsi, als sie der abgelenkten Schurkin endlich<br />
die Goldbörse aus den Fingern stibitzen konnte und sich damit, sie fest<br />
an ihr Herz drückend, auf die Bank zurück zog.<br />
- 189 -
„Willkommen in der Scherbenwelt, du Feuerteufel.“ begrüßte ihn die<br />
kratzige Stimme der Schurkin. „Thrallmar, um genau zu sein. <strong>Die</strong> erste<br />
Hordensiedlung hier <strong>–</strong> Brückenkopf im Kampf gegen die Legion.“<br />
Vadarassar blinzelte die Schurkin an. Dann musterte er sie eindringlich.<br />
Schwarze Lederkleidung. Eigentlich seine Farbe, doch die Figur<br />
war...nun....Trolle waren nicht so sein Fall. Außerdem standen zwei<br />
kleine Hauer aus ihren Mundwinkeln nach oben, blitzten messerscharf<br />
und sahen aus, als würde sie eben jene regelmäßig nachschärfen.<br />
Dolche blitzten an ihrem Gürtel <strong>–</strong> Vadarassar zählte auf den ersten<br />
Blick mehr als sieben Stück, alle in verschiedenen Größen, Formen und<br />
Farben. Einzige Gemeinsamkeit waren die grünlichen Tropfen an eben<br />
jenen Klingen, die gelegentlich auf dem Metall sichtbar wurden und<br />
sogleich wieder im schimmernden Metall verschwanden.<br />
Eigentlich wollte er aufstehen, um der Schurkin direkt in die Augen zu<br />
blicken, doch als er sich zum Aufstehen bewegte, brannte sein Körper,<br />
als läge er noch immer mitten in seinem Höllenfeuer. Der Wind pfiff<br />
durch seine zerfetzte Robe, ließ die Brandwunden an seiner Haut<br />
schrecklich schmerzen.<br />
„Wo...sind die anderen?“ fragte der Hexer beunruhigt, seinen Blick<br />
schließlich wieder umher gehen lassend.<br />
„Ich fürchte du bist der Einzige, den wir vor dem schlimmen Schicksal<br />
retten konnten, Mann.“ meinte die Schurkin, den Blick zu der Paladina<br />
richtend. „Und das ist ganz sicher nicht ihr Verdienst.“<br />
Charsi blickte von ihrer Rüstung, die sie noch immer inspizierte, auf.<br />
„Hey! Wenn ich nicht gewesen wäre, dann wärst du jetzt schon tot,<br />
ja?! Erinnerst du dich, wie ich den einen Kerl niedergeschlagen<br />
habe?“<br />
„Niedergeschlagen? Du hast ihn mit deinem Hammer gekitzelt und er<br />
hat sich halb tot gelacht!“<br />
„Immerhin hat er dich nicht mehr angegriffen!“ verteidigte sich die<br />
Paladina.<br />
„Geht mit Lachkrampf ja auch schwerlich. Trotzdem wäre mir sogar<br />
ein Murloc hilfreicher gewesen!“<br />
„Pah! Dann fang dir doch einen! Viel Spass mitten hier in der Wüste!“<br />
- 190 -
Vadarassar hielt sich eine Hand an die Schläfe und sah von der<br />
Blutelfe weg. „Wer...?“ brachte er nur hervor.<br />
<strong>Die</strong> Schurkin brummte den Hexenmeister an und deutete in Richtung<br />
Westen. Eine hohe, schwarze Mauer türmte sich dort auf, als wolle sie<br />
dem Hexenmeister auf diese Weise Angst und Schrecken machen.<br />
„Dort. In dieser Festung. Von einer Gruppe Höllenorcs, wenn ich die<br />
Wachen hier bei der Bezeichnung zitieren soll.“<br />
Vadarassar nickte, blickte dann wieder zu der Blutelfe, die leise<br />
fluchend ihre Rüstung polierte.<br />
„Meinst du....wir können sie austauschen?“ brummte er die Schurkin<br />
an, die breit grinste.<br />
„HEY! Das habe ich gehört, du schwarzes Bündel Ogerdung! DICH<br />
schleppe ich bestimmt nicht noch mal vom Schlachtfeld runter!“<br />
„Aber auch nur, weil du dich nicht mehr drauf traust, was du<br />
Goldliesel?“ zischte die Schurkin.<br />
„Genau, ich werde...moment....ich....AAARRRRGGHHHH!“ schimpfte<br />
die Blutelfe und ließ zwei grinsende, dunkle Kreaturen ihre kalte<br />
Schulter spüren.<br />
Vadarassar hatte keine Ahnung, wie er dazu gekommen war, diese<br />
Schurkin kennenzulernen. Doch sie war ihm schon jetzt auf Anhieb<br />
symphatisch.<br />
- 191 -
Kapitel 33 <strong>–</strong> Ein Verlies voller Helden<br />
„Habt ihr schon Ergebnisse?“ groll eine tiefe, dämonische Stimme<br />
durch die schwarzen Hallen des Tempels. Eine kleine Gestalt, die wohl<br />
einmal einen Draenei dargestellt haben sollte, kniete so tief hinter dem<br />
riesigen, schwarzen Geschöpf, dass er problemlos die einzelnen<br />
zwischen den Bodenfliesen herauswuchernden Pilzfäden erkennen<br />
und sich dazwischen hätte verstecken können.<br />
„Nein Mein Lord. Der Gefangene hat kein Wort über die Legion und<br />
ihre Invasionspläne verloren. Wir haben ihn so sehr ausgequetscht, wie<br />
wir konnten. Doch er schweigt noch immer.“ bekundete der <strong>Die</strong>ner<br />
das Scheitern s<strong>eines</strong>gleichen und wünschte sich im selben Moment,<br />
noch viel tiefer im Boden zu versinken.<br />
„Dann soll er zu s<strong>eines</strong>gleichen zurückkehren. Ich wünsche keine<br />
untoten Legionsmaden in meinem Tempel. Nehmt euch Drachen und<br />
werft ihn über der Nethersturmscherbe ab.“ groll die dunkle Stimme<br />
erneut, ging dann langsam durch einen Durchgang und entschwand<br />
aus dem Blickfeld.<br />
„Wie ihr befehlt, Lord Illidan.“ antwortete der <strong>Die</strong>ner, sank, obwohl es<br />
unmöglich zu sein schien, noch einige Millimeter tiefer auf den Boden,<br />
ehe er sich von eben diesem erhob und dann, so schnell ihn seine<br />
Hufe tragen konnten, gen Kerker verschwand.<br />
Eine Nacht war gekommen und gegangen sowie das Vorratslager des<br />
Gasthauses einmal komplett geleert worden, ein Fass Wein lag nun<br />
zerschlagen und, bis auf den letzten Tropfen s<strong>eines</strong> Inhaltes beraubt, in<br />
Stücken im Lagerfeuer inmitten des Hordenvorpostens Thrallmar.<br />
Thrallmar...sah dem dicken Schamanen ähnlich, ausgerechnet diesen<br />
Brückenkopf nach sich zu benennen. Vielleicht war es auch irgendein<br />
idealistischer Möchtegernkommandant gewesen, der, frisch aus der<br />
Kriegerschule in Razor Hill gekommen, seinem Vorbild entsprechend<br />
diesen Namen für einen aufgegebenen Orcstützpunkt gewählt hatte,<br />
ehe er repariert und gänzlich mit Kriegern besetzt worden war. Doch<br />
das kümmerte Vadarassar im Moment nicht wirklich, stattdessen<br />
stärkte er sich so gut er konnte mit den Vorräten der Siedlung und<br />
schwang die Nadel, um seine Robe so gut er konnte mit Flicken und<br />
neuen Stoffstücken zu versehen. Viel war nicht über geblieben <strong>–</strong> ein<br />
Tribut an seinen Ruf nach dem Höllenfeuer. Von einem ansässigen<br />
Schneider hatte er einige Rollen mit gänzlich fremdem Stoff erhalten <strong>–</strong><br />
Netherstoff nannte man diesen, von Magie und unendlicher Kraft<br />
- 192 -
getränkten Haufen gewebter Fäden. Mit überraschend wenig Mühe<br />
formte er sich daraus ein paar neue Handschuhe und eine frische<br />
Hose, während er der Trollin mit seinem letzten Krug Wein zuprostete.<br />
„Wie lange?“ fragte Vadarassar, während er die letzte Naht an der<br />
Hose fertig stellte. „Wie lange war ich weggetreten?“<br />
„Über zehn Tage und Nächte, Mann. Wärste nicht von den Höllenorcs<br />
mitgeschleift worden, wir hätten dich glatt zum Friedhof geschleppt.“<br />
krächzte die Schurkin mit ihrer rauen Stimme.<br />
„Ach <strong>–</strong> hätte ich dann die Leiche auch direkt schleppen dürfen? Na<br />
herrlich!“ grummelte Charsi, ihre Rüstung neben sich liegend und nun<br />
lediglich in feinste, hauchdünne Kleider gehüllt am Feuer sitzend.<br />
„Neee <strong>–</strong> du hättest dann das Grab ausheben und ihm die letzte Ölung<br />
verpassen dürfen, du Plattenpriesterin.“<br />
„Pöh <strong>–</strong> wozu bist DU eigentlich gut? Hast du überhaupt schon etwas<br />
nützliches geleistet?“ meinte Charsi mit verschränkten Armen,<br />
beleidigt drein blickend.<br />
„Wenn du schon so fragst: Nein, ich habe dir nur deinen blechernen<br />
Hintern gerettet, als dich fast <strong>eines</strong> dieser Wildschweine hier<br />
umgerannt hätte. <strong>Die</strong> arme Sau.“<br />
Vadarassar lächelte nur über die herrlich erfrischenden Angiftungen,<br />
die sich die beiden Damen einander an die Köpfe warfen. Herrlich....in<br />
solchen Momenten wünschte er sich, er könne das irgendwie<br />
festhalten und sich später immer wieder und wieder in Erinnerung<br />
rufen. <strong>Die</strong>ses Theater zwischen den beiden war besser als alle<br />
Gladiatorenkämpfe in den Arenen von Booty Bay.<br />
Endlich war er mit seiner Arbeit fertig und legte sie neben sich ab.<br />
Dann sah er zu den beiden Furien, die sich mit ihren Hasstriaden<br />
gegenseitig an die Kehle gefahren waren und einander selbige<br />
zudrückten.<br />
„Wir sollten uns jetzt ausruhen. Morgen in aller Frühe werden wir<br />
losziehen.“ grummelte der Hexenmeister, seine Kleidung ordnend.<br />
<strong>Die</strong> beiden Frauen ließen voneinander ab, starrten den Hexer an.<br />
„Was? Wo solls hingehen?“ fragte die Trollschurkin den Hexenmeister.<br />
- 193 -
„Für dich nicht unbedingt, doch die Blutelfe und ich werden zur<br />
Festung gehen und unsere Freunde rausholen.“ sagte er finster, aber<br />
entschlossen.<br />
Charsi klappte das Gesicht nach hinten. Ihr Kiefer fiel nach unten und<br />
hätte fast ein Loch in den Boden geschlagen, wäre ihre Haut nicht<br />
straff genug gewesen, um ihren Unterkiefer auf halber Strecke wieder<br />
nach oben federn zu lassen.<br />
„Bist....du....irre? <strong>Die</strong> haben Äxte. GROSSE Äxte und sind zu vielen<br />
Dutzenden oder Hunderten da drin! Und meine schöne Rüstung hat<br />
schon so viele....“<br />
„Halt den Rand und komm mit, Püppchen. Oder willst du wieder<br />
zurück zu Papa?“ groll Vadarassar die Paladina an.<br />
„Pff....Blutelfen. Kein Mumm in den Knochen. Keine Ehre. Immer nur<br />
ihre eigenen Zwecke. Überlass sie mir, ich treib sie an, Mann.“ bot die<br />
Trollschurkin mit einem finsteren Grinsen an, eine Hand an einen ihrer<br />
Dolche legend.<br />
„Was willst du eigentlich hier? Wer hat dich denn eingeladen, dich<br />
einfach so überall einzumischen? Wer bist du überhaupt?!“ zischte die<br />
Blutelfe beleidigt und gleichzeitig böse zur Schurkin.<br />
<strong>Die</strong> sah ihrerseits mit scharfem, fast tödlichem Blick zur Blutelfe, als<br />
wolle sie diese nur mit ihren Augen aufspießen. Dann spuckte sie einen<br />
Namen heraus, sah dann gleichzeitig zu dem Orchexer, dessen Blick<br />
ebenfalls Neugier bekundete.<br />
„Barra....so kannst du mich nennen. Und ich habe persönliche<br />
Gründe.“ brummte die Trollin mit ihrer krächzenden Stimme.<br />
„Welche?“ hinterfragte Vadarassar, der in ihren Augen einen kurzen<br />
Moment eine sanfte Seite zu sehen geglaubt hatte.<br />
„<strong>Die</strong> Kerle....sie haben meinen kleinen Bruder. Und niemand außer MIR<br />
darf ihm ein Haar krümmen!“ zischte sie wieder, drehte sich dann um<br />
und sagte kein Wort mehr. Das reichte auch...<br />
Obwohl Vadarassar noch viele Fragen hatte, beschloß er diese vorerst<br />
nicht weiter zu führen, legte sich stattdessen ebenfalls neben das<br />
Feuer und schloß die Augen.<br />
Es war zum verrückt werden. Eigentlich wollten sie einen Freund retten<br />
<strong>–</strong> und nun waren es schon drei oder gar vier, die er retten sollte. Wie<br />
- 194 -
ein guter Samariter kam er sich schon fast vor....wenn das die Leute in<br />
der Kluft der Schatten oder gar der Schattenrat erfahren würden...das<br />
wäre für seinen Ruf als finsterer Hexenmeister nicht unbedingt<br />
zuträglich.<br />
Mit allen möglichen Gedanken im Kopf schlief er schließlich ein, ließ<br />
nur eine wache Charsi zurück, die noch immer am Lagerfeuer saß und<br />
sich selbst fragte, wie sie nur auf die idiotische Idee gekommen war,<br />
mit diesem hässlichen, stinkenden Orc mitzukommen, als diese<br />
dämliche Taurin sie angesprochen hatte. Ob es diesen Untoten, dem<br />
sie immerhin auch hatte helfen wollen, wirklich gab, wusste sie nicht.<br />
Stattdessen durfte sie Tag für Tag immer wieder neue Eskapaden von<br />
dieser stinkenden, unästhetischen Horde ertragen.<br />
...und das alles ohne ein ordentliches Steak....wie frustrierend....<br />
<strong>Die</strong> Zellentür schob sich auf und ein roter, schrecklich missgebildeter<br />
Orc trat hinein, betrachtete die beiden Gefangenen genau. Ohne ein<br />
Wort zu sagen stellte er eine Schale Wasser auf den Boden und warf<br />
einen Laib trockenes, steinhartes Brot daneben, das beim Aufprall eine<br />
kleine Beule in den Steinboden brach. Dann wendete er sich um,<br />
schloß die Tür hinter sich wieder ab.<br />
Braunpelz erhob sich aus ihrer Nische, nahm die Schale mit Wasser und<br />
brachte sie zu Teborasque, der noch immer auf der Liege ausgebreitet<br />
lag und dessen Zustand sich glücklicherweise langsam verbesserte.<br />
Allerdings nicht so schnell, wie man hätte hoffen können. Dafür war<br />
die Ernährung, die den beiden zugetan wurde, lange nicht gut genug.<br />
Auch Braunpelz hatte indes einiges ihres Umfangs eingebüßt, spürte<br />
ihrerseits schon die Nachwirkungen ihrer erzwungenen Fastenzeit. Wie<br />
sehr wünschte sie sich jetzt ein großes Stück Alteraclochkäse auf<br />
einem frischen, selbstgebackenen Stück Mulgorewürzbrot oder einen<br />
gebackenen Sonnenschuppenlachs <strong>–</strong> komplett und in voller Größe<br />
natürlich. Doch stattdessen gab es nur dieses Brot hier, mit dem man<br />
genau so gut hätte Häuser bauen oder Schädel spalten können.<br />
Wahrscheinlich war es alles Taktik der Orcs <strong>–</strong> ihre Gefangenen durch<br />
die dürre Nahrung so zu schwächen, dass sie keine Gefahr mehr<br />
darstellten und auch nicht mehr fliehen konnten. An Flucht war aber<br />
dennoch nicht zu denken: Dazu war die Tür viel zu massiv und der<br />
Raum ohne jegliche weitere Öffnung oder gar Fenster ausgestattet.<br />
Ihre einzige Hoffnung war der Hexenmeister....aber wo der steckte und<br />
ob er, wie sie fürchtete, ebenfalls gefangen war und damit<br />
schreckliche Höllenqualen litt, konnte sie nicht wissen. Alles, was sie tun<br />
konnte, war sich um Teborasque zu kümmern und zu den Kräften der<br />
- 195 -
Natur zu beten, dass sie beide irgendwann und irgendwie aus diesem<br />
Gefängnis frei kommen sollten.<br />
Zwei Höllenorcs schritten auf den Zinnen entlang, trafen sich in der<br />
Mitte der Zinnen, trennten sich dann und schritten getrennt zum<br />
jeweiligen Ende der Mauer. Gerade hatte der eine sein Ende erreicht<br />
und wollte wieder umdrehen, als er ein goldenes Glitzern wahrnahm.<br />
Kurz darauf hörte er die zuckersüße Stimme einer Elfe.<br />
„Hallo du großer, starker Orc. Willst du mir nicht kurz helfen? Ich habe<br />
mich verlaufen und finde den Weg nicht.“ säuselte Charsi mit<br />
honigsüßer Stimme, den Orc mit ihrem grenzenlosen und stets<br />
zuverlässigen Charme umgarnend.<br />
Dummerweise war der Orc aber entweder zu blöd, um das Gesagte<br />
und den lieblichen Blick der Blutelfe zu verstehen, war taub oder so<br />
klug, dass er nicht darauf herein fiel. Ein kurzer Blick nach links und<br />
rechts, dann griff er seine Axt und stürmte auf die Blutelfe zu. Mitten im<br />
Ansturm hob er seine Axt, bereit, die Blutelfe mit einem Schlag in zwei<br />
Teile zu schneiden.<br />
Charsi wich zurück, wurde noch bleicher als ihre edle Haut eh schon<br />
war und suchte hinter einem silbrig schimmernden Schild aus<br />
Lichtenergie Schutz. Doch den Orc schreckte das nicht. Mit einem Mal<br />
setzte er zu einem Kampfschrei an und schwang die Axt in Richtung<br />
der Elfe.<br />
Wie aus dem Nichts hatte sich eine dünne Klaviersaite um seinen Hals<br />
gelegt, den Kriegsschrei noch im Entstehen abgewürgt und die<br />
Bewegung des Orcs jäh stocken lassen. Aus einem dünnen Schatten<br />
einer Mauerausbuchtung war es Barra, die hinter ihm geschlichen die<br />
Enden der Saite hielt und den Hals des roten Orcs nun so kräftig sie<br />
konnte hinter sich zog.<br />
Krachend fiel die große Axt aus den Händen des Höllenorcs, angelte<br />
die eine Hand nach der Saite, die seinen Hals zerquetschte und die<br />
pochende Halsschlagader immer weiter anschwillen ließ, während er<br />
mit der anderen erfolglos nach der Schurkin zu greifen versuchte. <strong>Die</strong><br />
indes zog immer kräftiger, hob dann ein Knie und drückte es dem Orc<br />
in den Rücken, ehe sie sich scharf drehte.<br />
Ein lautes Knirschen entfuhr dem Körper des Orcs, dann sackte er, mit<br />
weit aufgerissenem Mund und Augen, kraftlos zusammen. Voller Wut<br />
starrten seine glasigen Augen auf das über ihm, blickten auf die<br />
- 196 -
Trollschurkin und wünschten ihr den Tod an den Hals, ehe ihn der<br />
Lebensfunke verließ und das letzte Bisschen Luft leise gurgelnd aus<br />
dem Körper stieg.<br />
Ausdruckslos rollte Barra ihre Klaviersaite wieder auf und ließ sie an<br />
ihren Gürtel wandern, während Charsi sich alle Mühe gab, ihr<br />
Frühstück bei sich zu behalten.<br />
„Wo ist der Hexer hin?“ fragte Barra zischend. Kurz darauf hörte sie ein<br />
weiteres, gurgelndes Geräusch, dann zwei weitere Höllenorcs, die, am<br />
ganzen Leib brennend und mit schmerzverzerrten Gesichtern vor<br />
etwas flohen. Einer sackte direkt vor den beiden zu Boden. Sein<br />
Gesicht hatte bereits begonnen zu zerfließen. Der weiße Schädel trat<br />
unter Haut und Blut hervor, während die Augen noch immer<br />
hilfesuchend zu der Schurkin empor starrten. Doch die holte nur einmal<br />
mit ihrem Bein aus, verpasste dem Höllenorc einen kräftigen Tritt, der<br />
seinen Schädel nach hinten krachen ließ und die Pein mit einem<br />
lauten Knirschen beendete.<br />
„Jetzt weiß die halbe Festung, dass wir kommen.“ zischte Barra den<br />
Hexenmeister an, der sich die Hände rieb und über zwei weitere,<br />
schrecklich verunstaltete Orckadaver kletterte.<br />
„Na und? Sollen sie ruhig kommen. Meinetwegen alle gleichzeitig. Sie<br />
werden bezahlen...schrecklich bezahlen.“ knurrte der Hexenmeister.<br />
Dann betraten die drei das Bollwerk.<br />
- 197 -
Kapitel 34 <strong>–</strong> Ruhe und Sturm<br />
„Eindringlinge sind in das Bollwerk eingebrochen! Schlagt Alarm!“<br />
brüllten die Höllenorcs wild durcheinander. Schnell war die Garde da,<br />
verteilte sich gleichmäßig auf die Gänge der schwarzen Zitadelle.<br />
Doch von den Eindringlingen war nichts zu sehen <strong>–</strong> lediglich einige<br />
tote Wachen fand man, teilweise grausam zugerichtet. Das beruhigte<br />
die Wachen nicht, sorgte nur dafür, dass sie noch intensiver und<br />
verbissener nach dem Eindringling oder gar den Eindringlingen<br />
suchten.<br />
„Du und dein Kampflärm.“ groll die krächzende Stimme der Schurkin<br />
leise, während sie um eine Ecke lugte. „Jetzt wird der Weg schwerer<br />
werden.“<br />
Vadarassar grummelte, schritt dann an der Schurkin vorbei und mitten<br />
in den Gang, durch den eben noch die Wachen hindurch gestürmt<br />
waren. „So lange wir nicht so weiterschleichen, ist es mir egal. <strong>Die</strong><br />
beiden müssen befreit werden. Und das so schnell es geht.“<br />
Der Hexenmeister blickte zu seiner Rechten. Haatom stand dort, die<br />
schwere Axt auf der Schulter hin und her wiegend.<br />
„Bereit?“ groll der Orc seinen Dämon an.<br />
„Wenn ihr es befehlt....Meister.“ antwortete der Dämon mit dunkler<br />
Stimme.<br />
Vadarassar nickte ihm zu, ging dann los und auf die ersten Gegner los.<br />
Eigentlich waren die beiden Wachposten harmlos, widmeten sich<br />
ihrem Brettspiel. Doch als sie den Orc und seinen Dämon erblickten,<br />
zogen sie geschwind ihre Waffen, stürmten mit lautem Gebrüll auf den<br />
Hexenmeister zu.<br />
Der eine Orc sank direkt zu Boden, enthauptet durch einen gezielten<br />
Axtschwung des Dämons. Den Zweiten riss ein Schattenblitz, im<br />
rechten Moment von Vadarassar gewoben und dem Höllenorc<br />
entgegen geschleudert, zu Boden. Gerade wollte er sich noch<br />
aufrappeln, da traf ihn schon ein Fluch des <strong>Hexenmeisters</strong>. Finstere<br />
Worte prasselten auf ihn ein, ließen seine Haut Blasen werfen, während<br />
ihn ein inneres Feuer zu verschlingen schien. Ein letzter Versuch <strong>eines</strong><br />
Schmerzenschreis, dann sank er schon zu Boden und regte sich nicht<br />
weiter.<br />
- 198 -
„Los <strong>–</strong> weiter!“ groll Vadarassar hinter sich. Barra folgte der<br />
Aufforderung sofort, nur Charsi stand noch immer mit weit geöffnetem<br />
Mund dort, wusste nicht so recht, ob sie nun folgen oder weglaufen<br />
sollte.<br />
„Aber....wieso....das ist doch.“<br />
„Jetzt beweg dich du Dosenmilch! Sonst bist du die nächste!“ groll der<br />
Hexenmeister die Paladina an. Tief fuhr sie zusammen, folgte dann<br />
selbst hinter dem Hexenmeister her.<br />
Es ging um eine Ecke, dann tief nach unten und schließlich zu einem<br />
deutlich massigeren Orc, an dessen Seite mehrere <strong>Die</strong>ner standen.<br />
Eine gänzlich schwarze Rüstung glänzte auf seiner Brust, ein breites<br />
Schwert lag in seiner Hand und am Hosenbund baumelte ein großes<br />
Schlüsselbund.<br />
Der Kerkermeister. Zweifellos.<br />
„Kümmer du dich um die Kerle ringsum. Ich nehme mir den<br />
Kerkermeister vor.“ zischte die Trollin, im selben Moment in einen<br />
Schatten tretend, um erst teilweise, dann vollends zu verschwinden.<br />
Charsi gaffte mit einer Mischung aus Verwunderung und Schrecken<br />
hinter der Trollin her. Dann sah sie Vadarassar an, der sie kurz darauf<br />
am Kragen packte und neben sich zog.<br />
„Dein großer Auftritt. Du darfst auch mal kämpfen.“ groll der<br />
Hexenmeister dunkel.<br />
„Ich....ähh...kämpfen...?“ murmelte sie relativ fassungslos zurück.<br />
„Aber...ich habe doch noch....nie....“<br />
„Willst du mir erzählen, dass Papi dir alles gekauft hat oder was?“ groll<br />
der Hexenmeister dunkel.<br />
„Naja....also....eigentlich...“ begann sie zögerlich. Vadarassar<br />
verdrehte die Augen, wischte sich mit einer Hand durch sein langes,<br />
grünes Gesicht und strich dann über seine Hauer. Nicht nur eine<br />
scheinheilige Dose <strong>–</strong> auch noch eine, die komplett sponsored-bypapa<br />
war und in etwa so viel Kampferfahrung hatte wie ein Goldfisch.<br />
Wobei...Goldene Rüstung....Goldfisch....eigentlich hätte er schon viel<br />
früher auf diesen Gedanken kommen müssen.<br />
- 199 -
„Dann nimm jetzt gleich einfach dein Schild hier, halt es vor dich und<br />
tu so, als würdest du gefährlich aussehen. Vielleicht blendest du sie<br />
wenigstens mit deinem strahlenden Edelblechbeschlag.“ groll der<br />
Hexenmeister und begann, einen mächtigen Kampfzauber zu weben.<br />
Feuer knisterte zwischen seinen Fingern, kleine Flammen züngelten<br />
schon und kurz darauf flog ein gleißender Ball heißen Feuers in<br />
Richtung Decke und Meute, bildete dort einen dünnen, wolkenartigen<br />
Streifen, aus dem pures Feuer zu regnen begann. <strong>Die</strong> Höllenorcs<br />
reagierten panisch, sahen sich um und fragten sich, wer für dieses<br />
Hexenwerk verantwortlich war. Dann endlich sahen sie Vadarassar<br />
und die Blutelfe, zogen ihre Waffen und stürmten auf sie zu.<br />
„Beim Licht des Sonnenbrunnens, ich werde euch zerschl....“ begann<br />
Charsi, schwang ihren Streitkolben und schlug glatt daneben. Ohne<br />
auch nur einen Kratzer abbekommen zu haben rauschte die Meute<br />
an ihr vorbei und widmete sich Vadarassar, der sich den ersten<br />
vorknöpfte, mit Flüchen und Bannsprüchen belegte, während sein<br />
Dämon zwei andere <strong>Die</strong>ner in Schach hielt. Doch die Schläge von<br />
mehr als sechs <strong>Die</strong>nern unterbrachen seine Flüche, brachten ihn aus<br />
dem Konzept und zwangen ihn, statt starken, konzentrierten Flüchen<br />
eine große Zahl von Schimpfwörtern und Diffamierungen auf die<br />
<strong>Die</strong>ner loszulassen, während Charsi sich beleidigt dem Rücken einiger<br />
der <strong>Die</strong>ner widmete und mit ihrem Streitkolben gegen eben selbige<br />
schlug.<br />
„Hey! Was ignoriert ihr mich! Euch zeig ich es! Ihr verdammten<br />
Höllenorcs!“ schrie sie, den Streitkolben rhythmisch auf die Rücken<br />
hämmernd, was außer einer makaber klingenden Melodie aus<br />
klirrendem Metall, Schreien und Gegrunze keine Wirkung zu entfalten<br />
schien. Erst als sie in die Luft sprang und ihren Streitkolben mitten auf<br />
den Kopf <strong>eines</strong> der Monster donnerte reagierte eben selbiger, drehte<br />
sich langsam um und ging auf Charsi zu. <strong>Die</strong> sah ihn nur lächelnd an,<br />
ging rasch drei Schritte zurück und hob ihren Streitkolben drohend<br />
nach oben.<br />
„Warte nur...ich...ich habe eine Waffe...und ich werde sie einsetzen!“<br />
groll sie, sah dann wieder zu Vadarassar hinüber, der schon zwei seiner<br />
Widersacher zu Boden geschickt hatte. Blieben, den von Charsi<br />
abgezogen, noch immer drei übrig. Zu viele, als das er ihr hätte zu Hilfe<br />
eilen können.<br />
In ihrer Not sah Charsi zur Decke, deutete mit einem Mal verwundert zu<br />
eben selbiger. Der Höllenorc war überrascht, hob seinerseits den Kopf<br />
und starrte auf das, was sie vermutlich an der Decke gesehen hatte.<br />
- 200 -
<strong>Die</strong>sen Moment der Ablenkung nutzte Charsi, ging in die Hocke, stieß<br />
sich nach vorn ab und donnerte ihren Streitkolben mit aller Kraft in das<br />
Gemächt des roten Höllenorcs.<br />
Ein ohrenbetäubender Schrei, mehrere Oktaven höher als alle bisher<br />
gehörten, begleitete den auf Knie sinkenden Orc, dessen Augen sich<br />
mit Tränen füllten und Hände seinen Unterleib zu schützen suchten.<br />
Unfähig, sich noch irgendwie zu wehren, setzten Charsi von hinten zu<br />
einem kräftigen Schlag auf den Hinterkopf des knienden Höllenorcs an<br />
und schlug kräftig zu.<br />
Der Kerkermeister indes hatte die ganze Zeit über das Geschehen aus<br />
der Distanz beobachtet. Ein grüner Orc und eine dieser Blutelfinnen <strong>–</strong><br />
eigentlich keine Gegner für seine Wachen. Doch nun sah er, wie diese<br />
beiden Eindringlinge seine Untergebenen langsam zu besiegen<br />
schienen. Das durfte nicht passieren. Eine Mischung aus Zweifel, Wut<br />
und Angst lag in seinem Blick den er schnell abwandte und sich in<br />
Richtung Zellentrakt auf machte. Gerade wollte er losrennen, da sah<br />
er eine rothaarige Fratze so dicht vor seinem Gesicht, dass er sie hätte<br />
küssen können, wenn er auch nur einen Funken Leidenschaft für das<br />
längliche, blaue Gesicht hätte empfinden können.<br />
„Wohin so schnell, Dicker?“ krächzte die Trollstimme.<br />
Der Orc wollte antworten, spürte im selben Moment jedoch ein<br />
merkwürdiges Gefühl in seinem Unterleib. Dann füllte sich seine<br />
Rüstung mit einer warmen, klebrigen Flüssigkeit. Seine Hände glitten<br />
über die Ritzen seiner Rüstung, tasteten nach der Flüssigkeit und<br />
nahmen, als er darüber strich, eine rötliche Färbung an. Dann senkte<br />
er seinen Blick.<br />
Ein langer, spitzer Dolch hatte den Spalt zwischen zwei seiner<br />
Rüstungsplatten gefunden und sich in sein Fleisch gebohrt. Fassungslos<br />
starrte er auf den blanken Stahl, dann zurück zu der Trollschurkin, die<br />
ihre Waffe in diesem Moment ruckartig zur Seite drehte.<br />
Sterne explodierten vor den Augen des Kerkermeisters, der nach<br />
seinem Schwert griff und es der unverschämten Trollin in den Kopf<br />
stechen wollte. Doch in diesem Augenblick war sie schon<br />
verschwunden, stand nicht länger vor ihm. Nur der Dolch war noch<br />
da, steckte noch immer in seiner Rüstung und seinem Körper.<br />
Schmerzen grollen nun durch seine Glieder, schüttelten ihn und ließen<br />
ihn bei jedem Atemzug einige Blutstropfen hervor würgen. Hilfe <strong>–</strong> er<br />
musste um Hilfe rufen. Ja, die restlichen Wachen würden kommen und<br />
- 201 -
ihn retten. Er sammelte all seine Kraft, öffnete sein breites Mundwerk<br />
und wollte losschreien. Doch statt einem Schrei entglitt seinem Rachen<br />
nur ein gekrächztes Gurgeln.<br />
Ein weiterer Dolch hatte sich in seinen Körper gebohrt, diesmal von<br />
hinten und mitten durch seinen Hals. <strong>Die</strong> dünne, mit grünen Rinnsalen<br />
gesäumte Klinge ragte von hinten durch den Nacken bis in seinen<br />
Mund, berührte fast seine Zunge und schnitt so jegliches Wort ab.<br />
Schwall um Schwall quoll das Blut durch die durchtrennte Kehle, ehe<br />
der Kerkermeister auf die Knie sackte. Schmerzen, unendliche<br />
Schmerzen durchschossen seinen Körper, der einfach nicht verenden<br />
wollte, obwohl ihn eine unbändige Kälte heimsuchte.<br />
„Wo sind die Gefangenen? Eine Taurin und ein Troll. Sag es <strong>–</strong> und ich<br />
werde deine Pein beenden. Ansonsten lasse ich dich qualvoll<br />
sterben!“ zischte Barra, einen dritten Dolch von hinten langsam durch<br />
die Rüstung und in Richtung seiner Rippen schiebend. Nun explodierte<br />
auch der Brustkorb des Kerkermeisters, der einer Ohnmacht nahe<br />
einfach nicht aus dieser Welt gleiten konnte. Mit letzter Kraft hob er<br />
seinen rechten Arm, deutete auf einen Gang, der noch weiter in die<br />
Gewölbe hinein führte und zeigte drei Finger.<br />
„<strong>Die</strong> dritte Tür dort unten also.“ schlussfolgerte Barra, woraufhin sie<br />
zustimmendes Gegurgel hörte.<br />
Das reichte ihr als Bestätigung. Mit einem Ruck zog sie an dem Dolch,<br />
den sie ihm in den Nacken gerammt hatte, machte eine drehende<br />
Bewegung und durchschnitt das Genick des Kerkermeisters. Gänzlich<br />
seiner Kraft beraubt sackte der Körper zu einem kleinen Häufchen<br />
zusammen und hauchte nun endlich sein Leben aus. Barra indes<br />
zeigte keine Gemütsregung, entfernte ihre Dolche wieder aus dem<br />
Kadaver, reinigte sie an seiner eigenen Kleidung und steckte wie<br />
wieder in ihren Gürtel, ehe sie zu Vadarassar und Charsi blickte.<br />
„Seid ihr immer noch nicht fertig mit spielen?“ groll sie krächzend, ein<br />
kl<strong>eines</strong> Messer nehmend, um es auf einen der <strong>Die</strong>ner zu werfen.<br />
Zielsicher flog das kleine Stück Metall, traf den Wächter genau in der<br />
Stirn, schickte ihn zu Boden <strong>–</strong> und damit den Letzten der sechs <strong>Die</strong>ner<br />
des Kerkermeisters.<br />
„Und mir sagst du nach, ich wäre zu langsam, Orc.“ groll sie erneut,<br />
dann zu Charsi blickend. <strong>Die</strong> Blutelfe zitterte so sehr, dass ihre Rüstung<br />
klapperte.<br />
- 202 -
„Siehe da <strong>–</strong> das Püppchen hat ihre erste Beute gemacht.“ spottete<br />
sie, sah den Höllenorc am Boden abschätzend an. Dann drehte sie<br />
sich um und marschierte schnurstracks weiter hinunter.<br />
Vadarassar und Charsi sahen einander für einen Moment an, dann<br />
folgten beide, sich gegenseitig noch immer feindselige Blicke<br />
zuwerfend.<br />
Mittlerweile hockte Braunpelz kraftlos auf dem Boden vor der Liege,<br />
die Teborasque als Ruhestätte diente. Wie viele Tage und Nächte<br />
wohl vergangen waren, seit man sie eingesperrt hatte, konnte sie nicht<br />
einmal mehr ahnen. <strong>Die</strong>se nachtschwarzen Wände gaben keinen<br />
Anhaltspunkt auf Tag oder Nacht, lediglich die kleine Fackel draußen<br />
vor ihrer steinernen Zellentür spendete ein fahles Licht, das gerade<br />
ausreichte, damit man nicht über seine eigenen Beine stolperte. Seit<br />
unendlich langen Stunden hatten sie zwar Wasser, aber kein Brot oder<br />
andere Nahrungsmittel mehr bekommen. Zwar war schon das Brot,<br />
das sie vorher erhalten hatten, eher dazu gedacht, Nägel in Wände zu<br />
hauen, doch hatte man es mit Hilfe des Wassers wenigstens halbwegs<br />
in die gequält leeren Mägen würgen können, um sie zumindest<br />
ansatzweise für einige Minuten ruhig zu stillen. <strong>Die</strong>se erzwungene<br />
Fastenzeit jedoch war nicht förderlich für ihre Stimmung oder Tebos<br />
Gesundung. Dazu kam die Kälte, die von den Felswänden auf die fast<br />
unbekleideten Zelleninsassen nahezu ungebremst über ging. Hoffnung<br />
<strong>–</strong> ein Wort, dass die beiden zwar kannten, aber nicht viel länger dran<br />
glaubten. Vadarassar hätte sie retten können, war aber sicher auch<br />
irgendwo gefangen genommen worden. Und selbst wenn nicht,<br />
woher hätte er wissen sollen, wo er sie zu suchen hatte.<br />
Schlagartig wurde Braunpelz aus ihren Gedanken gerissen. <strong>Die</strong><br />
Wächter vor ihrer Zelle hatten etwas gebrüllt, dann war ihr Schreien<br />
schlagartig verebbt und ein nasses, klatschendes Geräusch, gefolgt<br />
von metallischem Klirren kündigte eine noch viel bedrückendere Stille<br />
an. Nun waren nicht einmal mehr die Unterhaltungen der Orcwachen<br />
draußen zu hören, die, auch wenn Braunpelz kein Wort davon<br />
verstand, wenigstens das Gefühl vermittelten, nicht gänzlich<br />
eingemauert und vergessen worden zu sein.<br />
Dann rüttelte etwas von außen an der Tür. Waren das die Wachen, die<br />
endlich das Essen brachten? Oder wollte man den beiden endlich das<br />
lang erwartete und viel zu lange herausgezögerte Ende zukommen<br />
lassen? Keiner von beiden wusste es, es war ihnen auch egal <strong>–</strong> viel zu<br />
sehr waren sie mittlerweile geschwächt, als das sie sich darum hätten<br />
sorgen machen können. Sie blieben in eine Ecke gekauert und sahen<br />
- 203 -
nur passiv auf die Tür, in die schließlich der Schlüssel hinein gesteckt<br />
und umgedreht wurde, ehe das schwere Portal aufgestemmt wurde.<br />
Ein Orc trat hinein. Zwei Hörner auf dessen Schädel zeichneten sich ab,<br />
gaben ihm etwas von einem Satyr. War dies der Henker, der Teufel,<br />
der sie nun endlich holen sollte? Niedergeschlagen senkten sie ihre<br />
Häupter, erwarteten das Ende.<br />
Doch statt einer Klinge oder einem Zauber, der sie zerschmetterte,<br />
wurde eine Fackel gehoben, die Licht auf das vorher dunkle Gesicht<br />
des Orcs warf. Braunpelz hob ihren Kopf, blinzelte kurz ob der<br />
plötzlichen Helligkeit. Dann weiteten sich ihre Augen, füllten sich mit<br />
Tränen. Sie wollte aufspringen, doch ihre Beine trugen ihr Gewicht<br />
nicht auf Anhieb. Strauchelnd stürzte sie in Richtung des Orcs, fiel in<br />
offene Arme.<br />
„Vada...ein Glück....du bist da!“ seufzte die Taurin, den Orc so fest an<br />
sich drückend, dass dieser unter seiner Maske rot anlief.<br />
Barra sah den Hexenmeister mit hochgezogener Braue an. „Sieh an <strong>–</strong><br />
ein Orc, der eine Liaison mit einer Taurin hat, was?“ krächzte sie, ging<br />
dann ihrerseits auf die Nische zu, in der sie den Troll gesehen hatte.<br />
„Und du <strong>–</strong> liegst mal wieder faul in der Gegend rum, was?“<br />
Teborasque blinzelte schwach, richtete sich dann schnell auf, als er<br />
sah, wer da vor ihm stand.<br />
„Schwester....ich wusste nicht, dass du....“ begann er, kassierte auf<br />
seinen plötzlichen Ausbruch von Emotionen hin jedoch eine gehörige<br />
Kopfnuss, die ihn zusammensacken und bewusstlos in den Armen der<br />
Trollin hängen ließ.<br />
„Halt die Klappe, kleiner Bruder. Wenn wir draußen sind, kannst du mir<br />
dein Leid klagen!“ krächzte die Trollin schnaubend, den Troll über ihre<br />
Schulter werfend, um kurz darauf aus der Zelle und in Richtung<br />
Ausgang zu gehen. Vadarassar folgte ihr, stützte Braunpelz, die noch<br />
immer nicht allein auf ihren Beinen stehen konnte.<br />
„Hey! Ich will auch helfen! Schließlich wärt ihr ohne mich gar nicht<br />
hier!“ meinte Charsi beleidigt, bekam als Antwort aber nur zwei<br />
Fackeln vor die Nase gehalten.<br />
Sie seufzte.<br />
Also mal wieder nur die Fackelträgerin.....<br />
- 204 -
Kapitel 35 <strong>–</strong> Im Nether<br />
Der Drache flog nun tiefer als vorher, zog seine Bahn über eine<br />
Ansammlung von Dämonen. Magische Stürme fegten um ihn herum,<br />
zerrten an den mächtigen, schwarzlilanen Schwingen, warfen ihn hin<br />
und her. Den Reiter jedoch beeindruckte das nicht, hielt er seine<br />
Fracht doch festgeschnürt auf seinem Schoß. Doch selbst wenn er sie<br />
verlor <strong>–</strong> hier an dieser Stelle wäre es nicht schlimm gewesen. Schließlich<br />
war er fast am Ziel seiner Reise.<br />
Mit kräftigen Flügelschlägen setzte der Netherdrache auf, legte sich<br />
sogleich flach auf den Boden, damit sein Reiter bequem absteigen<br />
konnte. Mit äußerster Argwohn stieg der Draenei ab, zog das fest<br />
verschnürte Paket aus Knochen und Fleisch von seinem Reitdrachen<br />
und warf es sich über die Schulter.<br />
Nur noch wenige Schritte, dann würde er seine Aufgabe endlich erfüllt<br />
haben. Hier, mitten in diesem nördlichsten aller Lager der Legion<br />
würden sie ihren <strong>Die</strong>ner sicher willkommen heißen. Und wenn er Recht<br />
gehabt hatte und doch nicht zur Legion gehörte...nun...dann würde er<br />
von hier aus sicher keinen seiner „Freunde“ mehr erreichen können,<br />
um sich zu rächen. So oder so war sein Meister also dieses hässliche<br />
Gerippe los.<br />
Mit einem kräftigen Schwung schleuderte er das Bündel einen kleinen<br />
Abhang runter, stellte dabei sicher, dass sich die magischen Fesseln in<br />
einigen Minuten auflösen würden und ging schnell zurück zu seinem<br />
Drachen. Zufrieden stieg er wieder auf den Rücken der großen<br />
Flugechse, schwang die Zügel und entschwand, von starken<br />
Flügelschlägen getragen, in der Finsternis der Netherstürme.<br />
Es dauerte einige Stunden, ehe das vormals verschnürte Bündel<br />
wieder zu sich kam. Zwei Lichtpunkte blitzten auf, ein Kiefer, der nun<br />
noch viel schiefer hing als er das jemals getan hatte, knirschte leise<br />
auf. Mit langsamen Bewegungen erhob sich das kleine<br />
Knochengebilde, unsicher, ob noch alles dran war. Viele Knochen<br />
waren gebrochen oder geborsten, wuchsen aber, obwohl kein Leben<br />
in diesem Körper mehr steckte, bereits wieder langsam zusammen.<br />
Dennoch fehlte dem geschundenen Leib jegliche Kraft, sich der<br />
zahllosen Dämonen, die ihn bereits umrundeten und interessiert<br />
musterten, zu erwehren.<br />
Bwalkazz war der Gefangenschaft entkommen. Jedoch nur, um jetzt<br />
und hier von einem noch viel schlimmeren Gegner aufgerieben und in<br />
- 205 -
Stücke zerfetzt zu werden. Einen tiefen Stoßseufzer loslassend schloß er<br />
die Augen und mit seiner untoten Existenz ab.<br />
„Guten Morgen.“ begrüßte Braunpelz den Hexenmeister, der am<br />
Rande von Thrallmar stand und seinen Blick in Richtung des schwarzen<br />
Bauwerks gerichtet hatte. Er antwortete nicht, brummte nur leise.<br />
„Hast du überhaupt geschlafen?“ fragte Braunpelz nach einigen<br />
Momenten des unsicheren Wartens.<br />
„Kaum.“ war die Antwort, die nun endlich vom Hexenmeister kam.<br />
„Wie geht es Tebo?“ schob er sogleich nach.<br />
Braunpelz seufzte, ging zu einem Stein neben Vadarassar und setzte<br />
sich darauf. „Es wird noch einige Tage dauern, bis er wieder bei<br />
Kräften ist. Er hatte Glück <strong>–</strong> bei dem Blutverlust wäre sogar ein<br />
Taurenkrieger schon verendet. Einmalige Zähigkeit, die diese Trolle<br />
haben.“ sagte sie leise und bedrückt.<br />
Vadarassar nickte langsam, blickte derweil immer weiter gen Westen.<br />
„Ich frage mich, was uns noch so alles erwartet. Das war knapp...sehr<br />
knapp diesmal. Fast hätten wir euch verloren.“<br />
<strong>Die</strong> Taurin sah den Hexenmeister an, blickte dann selbst ebenfalls in<br />
die Ferne. „Wir haben überlebt. Das ist das Wichtigste. Und wenn wir<br />
zusammen bleiben, wird das auch so bleiben.“<br />
Vadarassar nickte düster. Zusammen bleiben...das sagte Braunpelz so<br />
einfach. Nicht das sie die Wahl hätten.<br />
„Ich hoffe nur Bwalkazz lebt noch....oder wie auch immer er das<br />
nennt.“ grummelte er leise, spürte in diesem Moment, wie sich eine<br />
warme, fellige Hand auf seine Schulter legte.<br />
„Ich bin mir sicher, dass er noch lebt. Ich fühle es...irgendwie. Auch<br />
wenn wir hier nicht in unserer Heimat sind, wird die Erdenmutter auf ihn<br />
achten.“<br />
„Das hoffe ich, Brauni. Das hoffe ich wirklich. Ich habe mich zu sehr an<br />
den Kerl gewöhnt.“ brummte Vadarassar, den Satz und seine<br />
Mentalität in diesem Moment tausendfach verfluchend. Was war er<br />
nur für ein Waschlappen...in solchen Augenblicken hätte er sich am<br />
liebsten selbst erwürgt.<br />
Ein großer Dämon baute sich vor Bwalkazz auf. Eine bizarre, über vier<br />
Meter hohe, schlanke Frauengestalt. Auf ihrem Kopf trug sie eine<br />
- 206 -
Krone, deren Oberseite aus reinem Feuer bestand und an ihrem<br />
Rumpf waren nicht weniger als sechs Arme, die allesamt mit<br />
Schwertern bewaffnet waren. Zwei weitere Dämonen, groß, böse und<br />
diesem Dämondiener von Vadarassar nicht unähnlich, flankierten sie<br />
an beiden Seiten. Das war sein sicheres Ende....das wusste er genau.<br />
Vielleicht hätte er ihnen in gesundem Zustand etwas entgegen setzen<br />
können. Doch seine Arme schmerzten und auch mit aller<br />
Entschlossenheit gelang es ihm nicht, sich aufzuraffen und<br />
aufzustehen. Stattdessen blickte er in die blitzenden Klingen,<br />
erwartete, jeden Augenblick filettiert zu werden.<br />
Ein plötzliches Krachen riß ihn aus den Gedanken. Zuerst wusste er<br />
nicht, wo das Geräusch hergekommen war, musterte sich selbst, kam<br />
dann aber zu der Erkenntnis, dass er noch nicht getroffen worden war.<br />
Stattdessen machte die Dämonin eine Bewegung, die extrem<br />
ungesund aussah. Ihr Oberkörper knickte nach hinten weg, als wäre<br />
sie in der Mitte durchgebrochen. Und tatsächlich lag nur Sekunden<br />
später ihr Oberkörper mit dem halben Rücken auf dem Boden,<br />
während ihre Beine und der Rest ihres Rückens noch standen und kurz<br />
darauf nach vorn über kippten.<br />
<strong>Die</strong> Dämonen, die gerade noch an der Seite dieses weiblichen<br />
Scheusals gestanden hatten, blickten fassungslos auf die nun<br />
zuckende halbe Dämonin, die noch immer nicht verstand, was sie<br />
getroffen hatte. Erst ein weiterer Schlag, diesmal mitten in ihr Gesicht,<br />
beendete ihre Fassungslosigkeit. Und dann sah Bwalkazz die Ursache<br />
für das plötzliche, schmerzvolle Ende der Dämonin.<br />
Eine Taurin, gänzlich von schwarzer Rüstung und schwarzem Fell<br />
bedeckt, stand dort. In ihrer rechten Hand führte sie einen schweren<br />
Streitkolben, dessen harte, nagelbesetzte Spitze vor schwarzem<br />
Dämonenblut triefte. Ein rötlicher Schimmer wanderte um die Waffe,<br />
ließ Flammen und Blitze um den vorderen Bereich züngeln. <strong>Die</strong><br />
Dämonen reagierten schlagartig, stürmten unkontrolliert auf die Taurin<br />
zu, wollten sie mit einer unkoordinierten Attacke einfach zerreißen.<br />
Nahe kamen sie an die schwarze Taurin heran, sehr nahe. Dann holten<br />
sie aus, sahen noch die Taurin, wie sie in die Knie ging und kurz darauf<br />
mit voller Wucht auf den Boden sprang.<br />
Der Boden bebte, warf die vier Dämonen nieder, von denen zwei kurz<br />
darauf den schweren Streitkolben auf ihren Köpfen spürten und am<br />
eigenen Leibe merkten, dass selbst der härteste Dickschädel nicht so<br />
hart sein konnte wie ein Streitkolben, der von einer wütenden Taurin<br />
geführt wurde.<br />
- 207 -
<strong>Die</strong> beiden anderen Dämonen wollten die Chance ergreifen, stürmten<br />
gemeinsam auf die noch immer ausholende Taurin zu. Doch noch ehe<br />
sie diese erreichten, schoß ein Blitz auf sie zu, verschmorte den ersten,<br />
sprang weiter zum zweiten und brannte dessen rechten Arm sowie die<br />
darin gehaltene Waffe kurzerhand weg. Das reichte dem einzig<br />
überlebenden Dämon, um die Flucht zu ergreifen.<br />
Bwalkazz, der sich sicher war, nun der Nächste dieser wütenden,<br />
schwarzen Kuh zu sein, schloß die Augen ein weiteres Mal. Doch statt<br />
dem Kolben, der ihn treffen sollte, fühlte er eine Hand, die ihn berührte<br />
und antippte.<br />
„Lebst du noch, du Knochenhaufen?“ knurrte eine tiefe Stimme. der<br />
Freundlichkeit offenkundig so fremd war wie Bwalkazz ein Vollbad.<br />
Langsam öffnete er die Augen, blickte der vor ihm stehenden Taurin<br />
auf die Hufe <strong>–</strong> so dicht stand sie vor ihm. Kurz darauf packte ihn eine<br />
Hand, warf ihn auf eine Schulter...und erneut wurde der Magier<br />
fortgeschleppt.<br />
„Was guckt ihr denn so, als würdet ihr um was Trauern?“ hörten<br />
Vadarassar und Braunpelz mit einem mal eine ihnen nur zu vertraute<br />
Stimme hinter sich. Schlagartig drehten sie sich um, trafen sich dabei<br />
beinahe mit den Köpfen und blickten auf eine etwas gebückt da<br />
stehende Gestalt von Teborasque. Nicht, dass Trolle sonst etwa<br />
aufrecht gingen, doch im Moment ging Tebo noch gebückter als<br />
sonst. Besser gesagt: Er stand dort.<br />
„Hat dir der Doc nicht gesagt, du sollst dich noch einige Tage<br />
ausruhen, ehe du aufstehst?“ fragte Braunpelz, den Troll genau<br />
musternd. Doch der winkte ab.<br />
„Der Doc kann mich mal kreuzweise, Mann. Wenn ich stehen kann,<br />
dann reicht das. Hab schon lang genug gelegen. Was liegt an?“<br />
Vadarassar verengte die Augen. „Wenn wir das wüssten. Wir haben<br />
noch immer einen Magier zu suchen <strong>–</strong> und keinen Anhaltspunkt, wo er<br />
sein könnte.“<br />
„Korrektur, Grünhaut. DU hast keine Ahnung.“ krächzte eine Stimme<br />
hinter Vadarassar so dicht an sein Ohr, dass er fast erschrocken wäre,<br />
wenn er nicht genau gewusst hätte, dass sich Schurken über derartige<br />
Reaktionen geradezu diebisch amüsieren. So zeigte er äußerlich<br />
keinerlei Gemütsregung, drehte sich nur langsam mit dem Kopf zu der<br />
- 208 -
plötzlich aufgetauchten Schurkin und sah auf das Pergament in ihrer<br />
Hand, während er sich im Innersten fast in die Robe gemacht hätte.<br />
„Was soll denn das für eine Kritzelei sein? Abstrakte Kunst?“ grummelte<br />
der Hexenmeister.<br />
Barra grinste. „Dicht dran. Ein Lageplan, den ich von den<br />
Allianzflitzpiepen in ihrer Festung geklaut habe. Achja <strong>–</strong> die brauchen<br />
auch mal wieder neue Wachen. Wundert mich, dass die bei DEM Sold<br />
überhaupt freiwillig hier sind.“ grinste Barra, auf zwei dünne<br />
Lederbeutel deutend, in denen jeweils nur einige Silbermünzen<br />
steckten.<br />
Teborasque grinste breit. „Du hast früher schon immer gern lange<br />
Finger gemacht. Nur hast du da nicht zwischen Gut und Böse<br />
unterschieden. Stattdessen hast du....“<br />
„Halt deinen Rand, Bruder und lern erst mal, auf dich aufzupassen.<br />
Sonst fliegt vielleicht mal wieder ein herrenloses Schwert in deine<br />
Richtung.“<br />
Teborasque grummelte. Von einem ungelenkten Schwert getroffen<br />
werden, ohne es überhaupt gesehen zu haben und ihm ausgewichen<br />
zu sein <strong>–</strong> so etwas peinliches für einen Krieger. Er antwortete nichts,<br />
warf seiner Schwester dafür aber einen vielsagenden, vernichtenden<br />
Blick zu, der all seine Wut und seinen Frust spiegelte. Sie jedoch ging<br />
nicht darauf ein, entfaltete stattdessen die Karte und zeigte dort auf<br />
die Regionen, die bereits erkundet wurden.<br />
Ein kurzer Disput zwischen den Vieren, dann wurden die<br />
Zangarmarschen als das nächste Ziel vorgenommen. Laut den<br />
Maghar, einem Orcstamm, der hier ansässig und zur Abwechslung mal<br />
nicht böse war, gab es dort bereits zwei große Trolllager sowie eine<br />
Siedlung des Cenarius. Beides zwar noch recht improvisiert, doch<br />
immerhin schon relativ sicher. Jedenfalls sicher genug, als das man<br />
von dort aus mit der Suche beginnen konnte. Sogleich beschlossen die<br />
Vier einstimmig, am nächsten Morgen loszuziehen und Charsi, die<br />
nervtötende Paladina, zurück zu lassen, damit sie hier im Lager von<br />
einigen der verletzten und erfahrenen Kriegern mal das Kämpfen<br />
erlernte. Was auf sie zukam war ganz sicher nicht ungefährlich <strong>–</strong> und<br />
eine Belastung wie eine solche Paladina wäre nur ein Risiko für alle<br />
gewesen.<br />
- 209 -
<strong>Die</strong> letzten Stunden war Bwalkazz langsam immer mehr zu sich<br />
gekommen. Sein Körper gewann mit jeder Minute, die er in Freiheit<br />
war, mehr von seiner alten Kraft zurück. Doch noch zeigte er seiner<br />
vermeintlichen Retterin nicht, wie gut es ihm mittlerweile ging.<br />
Stattdessen schwieg er ebenso wie sie und musterte sie, während sie<br />
ihn auf ihrer Schulter einen langen Weg in Richtung einiger Felsen<br />
schleppte.<br />
Einige Totems steckten an ihrem Gürtel, verborgen unter einer Falte<br />
ihrer Rüstung. Eine Schamanin also. Außerdem fiel ihm noch etwas auf:<br />
Seit gut einer Stunde war sie langsamer geworden, ging nun<br />
ungleichmäßig und schwankte stärker hin und her, als sie das vorher<br />
getan hatte. War sie außer Atem?<br />
Noch ehe Bwalkazz seinen Gedanken zu Ende denken konnte,<br />
stoppte die Taurin und warf ihn recht rabiat in einen Stapel aus<br />
Decken. Erst begriff er nicht, was das sollte, dann folgten ihm ein<br />
Schild, der Streitkolben und einige Rüstungsteile, die nur wenige<br />
Zentimeter neben ihm ebenfalls auf den Boden knallten.<br />
Bwalkazz wühlte sich aus dem Stoffhaufen nach oben. Er erkannte<br />
eine kleine Höhle, in der er nun zwischen den Waffen und mehreren<br />
Bündeln lag und sah die Taurin in einer Ecke sitzen. Ihre rechte Hand<br />
strich über ihr rechtes Knie, während sie leise einige Formeln flüsterte.<br />
Der Magier brauchte keine zwei Augenblicke um darin den Grund für<br />
das plötzliche Schwanken der Taurin zu erkennen. Mit etwas Mühe<br />
befreite er sich aus dem Stoffberg und richtete sich auf.<br />
„Verzeih, kann ich dir helfen, Schamanin?“ fragte er vorsichtig. <strong>Die</strong>se<br />
Taurin hatte vor seinen Augen fünf Dämonen einfach niedergestreckt<br />
und es hinderte sie nichts daran, ihn ebenfalls der Liste ihrer Opfer<br />
hinzuzufügen.<br />
Ihr Blick wanderte von ihrem Bein zu ihm. Kälte lag in selbigem, eine<br />
Kälte, die Bwalkazz so angenehm vorkam, als wäre es seine eigene.<br />
„Ja, du kannst die Klappe halten und mich in Ruhe lassen!“ schnaubte<br />
sie den Magier an, den Blick im selben Moment wieder von ihm<br />
lösend.<br />
Oha....das würde nicht einfach werden. Sicher <strong>–</strong> hinter einer harten<br />
Schale war normalerweise ein weicher Kern. Doch die Schale von DER<br />
Taurin war offenbar härter als jede Plattenrüstung. Und leider hatte<br />
Bwalkazz gerade keinen Dosenöffner parat. Seiner eh schon sehr<br />
angeschlagenen Gesundheit zuliebe tat er also, was die Schamanin<br />
verlangte, drehte sich auf den Rücken und schloß dann die Augen.<br />
- 210 -
Etwas Extraschlaf würde ihm sicher gut tun. Ja <strong>–</strong> die erste ruhige Nacht<br />
seit langem. Das heißt <strong>–</strong> wenn die Schamanin nicht auf die<br />
Wahnsinnsidee kommen sollte, ihm doch noch den Schädel zu<br />
spalten.<br />
- 211 -
Kapitel 36 <strong>–</strong> Marsch in die Marschen<br />
„Boah, ihr glaubt nicht, was ich da sehe, Mann.“ stutzte Teborasque,<br />
sein Fernrohr wieder senkend. Dann blickte er zu den drei anderen<br />
unter sich und damit am Fuße des Vorsprungs, auf dem er sich<br />
niedergelassen hatte.<br />
„Was siehste denn? Wieder mal was zu fressen?“ krächzte Barra, ihren<br />
Dolch gerade aus einem der Felshetzer ziehend.<br />
„Pilze.“ sagte Tebo kurz und knapp, dann wieder sein Fernrohr<br />
hebend.<br />
„Sag ich doch <strong>–</strong> denkt immer nur ans fressen. Typisch mein Bruder.“<br />
„Ach halt doch den Rand, Mann. Komm doch hier hoch und schau<br />
selbst!“ knurrte Teborasque seine Schwester an, die sich das nicht<br />
nehmen ließ, ihren Dolch kurzerhand zwischen den Augen des<br />
Felshetzers zurückließ, dann auf die Anhöhe stieg und ihrem Bruder mit<br />
einem Griff sowie einem Ellenbogenschlag vors Kinn das Fernrohr<br />
wegzog.<br />
Pilze. Riesige Pilze. Und nicht nur ein paar, sondern ein ganzer Wald<br />
voller Pilze.<br />
„Du hast Recht, Mann. Ein Pilzwald. Interessant...“ krächzte sie, bekam<br />
kurz darauf einen kräftigen Tritt in die Seite. Vollkommen überrascht<br />
stürzte sie die Anhöhe runter und landete nach einigen Überschlägen<br />
halbwegs elegant auf ihrer Seite, von der sie sich schlagartig<br />
aufrappelte und böse nach oben starrte.<br />
Teborasque stand noch dort oben, hielt das von ihr fallengelassene<br />
Fernrohr wieder in seinen Händen und grinste sie an.<br />
„Mit dem Alter verlierste aber dein Gleichgewicht, Schwesterherz, wa?<br />
War die Lektion für euch Schurken nicht, niemals jemandem den<br />
Rücken zuzudrehen?“ grinste er breit, verstaute dann sein Fernrohr in<br />
einer seiner Taschen.<br />
Knurrend wollte Barra auf ihren Bruder losgehen, wurde aber von einer<br />
pelzigen Hand zurück gehalten.<br />
„Immer mit der Ruhe. Denk dran <strong>–</strong> wir haben noch einen langen Weg<br />
vor uns. Und ganz gesund ist er noch nicht.“ beschwichtigte Braunpelz<br />
die Trollin, die erst böse zu der Taurin blickte, dann kurz blinzelte und<br />
nickte.<br />
- 212 -
Dennoch drehte sie sich kurz zu Teborasque, hob ihre rechte Hand und<br />
zeigte ihm die geballte Faust, woraufhin Tebo einfach nur grinste und<br />
ihr die lange, rote Zunge rausstreckte.<br />
Vadarassar indes grinste breit und finster, stand jedoch schon einige<br />
Meter weiter vorn, sah über den felsigen Weg hinweg in das<br />
kommende Tal und die dortige Siedlung. Geschwister waren etwas<br />
schönes <strong>–</strong> vor allem ihre Zankereien. So etwas war immer zur<br />
Unterhaltung gut. Zwar würden sie sich nicht gegenseitig umbringen<br />
oder schwer verletzen, doch so blieb der Pepp auch über Wochen<br />
erhalten. Erfrischend anders, als diese ruhige Harmonie, die ihm die<br />
Füße einschlafen ließ.<br />
„Dort unten ist eine Stadt. Und ich sehe da laufende Bäume, Tauren<br />
und....Nachtelfen.“ grummelte Vadarassar, im Geiste schon einmal<br />
einige Zauber bereit legend, um letztere in einem kurzen, dafür aber<br />
umso blutigerem Intermezzo von dieser Welt zu schleudern.<br />
„Ich spüre sie. Druiden <strong>–</strong> sie sind m<strong>eines</strong>gleichen. Angehörige des<br />
Zirkels. Sie werden uns nichts tun.“ sagte Braunpelz sanft, ging<br />
kurzerhand an Vadarassar vorbei und auf die Siedlung zu.<br />
Der Hexenmeister sah der Taurin nach, blickte dann kurz zu den<br />
beiden Trollen, die sich gegenseitig drum stritten, wer von ihnen vor<br />
gehen sollte. Einer seiner Mundwinkel hob sich kurz, senkte sich dann<br />
aber wieder.<br />
„Sie werden uns also nichts tun.....schade. Vielleicht ein anderes Mal.“<br />
grummelte er, öffnete dann seine Fäuste und folgte der Taurin.<br />
Ein nasses Klatschen riß Bwalkazz aus seinen Träumen, ließ ihn seine<br />
Augen schlagartig aufreißen und hell aufglühen. War er jetzt<br />
zermanscht worden? Nein, sein Körper war noch da, schmerzte aber<br />
nicht mehr so sehr, wie noch gestern. Der Geruch, gefolgt von seinem<br />
Blick, zeigte ihm eine gegerbte, blutige Tierhälfte, die nun auf dem<br />
Boden vor ihm lag. Hinter ihr stand die Taurin, ein kl<strong>eines</strong>, dafür aber<br />
rötlich schimmerndes Messer in ihrer rechten Hand haltend.<br />
„Iß. Ich werde dich nicht weiter schleppen.“ knurrte die schwarze<br />
Taurin, ließ sich dann selbst nieder und riß ein Stück aus dem<br />
Fleischberg.<br />
- 213 -
Bwalkazz sah ihr einen Moment zu. <strong>Die</strong> Freundlichste war sie nicht <strong>–</strong><br />
und wirklich einschätzen konnte er sie auch nicht. Vielleicht war das<br />
ganze nur ein Trick, damit sie ihn in guter Verfassung irgendwo<br />
abliefern konnte. Doch etwas Nahrung konnte er wirklich vertragen.<br />
Zögerlich zog er eine fleischige Rippe aus dem Brocken und nagte<br />
daran. Dank s<strong>eines</strong> schiefen Kiefers fielen ihm die meisten<br />
Fleischbrocken daneben, doch das, was er hinunter schlang reichte,<br />
um ihn für die nächsten Tage auf den Beinen halten zu können.<br />
Abgesehen davon fühlte er sich hervorragend. <strong>Die</strong> Luft bebte<br />
geradezu vor Magie, Kräfte, die er sich nicht erklären konnte,<br />
schwängerten die Atmosphäre.<br />
„Danke.“ murmelte Bwalkazz leise, sich noch ein Stück nehmend.<br />
Doch die Taurin antwortete nicht, aß stattdessen noch einen Brocken.<br />
Für einen kurzen Moment dachte Bwalkazz nach. Er war stark genug <strong>–</strong><br />
ein kleiner Zaubertrick sollte funktionieren, wenn er sich darauf<br />
konzentrierte.<br />
Mit seinen Händen formte er eine glatte Fläche, sprach die Formel, die<br />
er in Kalimdor und speziell in Orgrimmar tausendfach am Tag hatte<br />
sprechen müssen, um die ganzen Bettler, Wanderer, Freunde,<br />
Bekannte und sonstige Nervensägen mit Wasser zu versorgen.<br />
Mit einem Schlag wurde die Höhle hell erleuchtet. Schimmernd<br />
tauchte eine große Karaffe in seinen Händen auf, füllte sich diese mit<br />
sprudelndem, noch immer hell leuchtendem Wasser. Dann endlich ließ<br />
das Glänzen nach und nur die Karaffe samt Inhalt stand nun auf<br />
seinen Handflächen.<br />
Bwalkazz nickte knapp, sah dann an seinem Zauberwerk vorbei und<br />
die Taurin, die ihn grimmig und mit gepacktem Streitkolben anstarrte,<br />
als wolle sie ihm in diesem Moment den Schädel spalten.<br />
„Hier <strong>–</strong> etwas Wasser für dich. Vom vielen Fleisch bekommt man....“<br />
begann der Magier, wurde aber unterbrochen.<br />
„Ich habe mein eigenes Wasser. Sauf deinen magischen Müll alleine.“<br />
knurrte sie ihn an, nahm dann wieder Platz. „Und wage es nicht, weiter<br />
in meiner Nähe zu zaubern.“<br />
Bwalkazz starrte verwirrt auf die Taurin. Schamanen waren starke<br />
Kämpfer, doch sie bezogen ihre wahre Macht aus der Natur und den<br />
Elementen. Zwar kannte er sich mit dieser Kunst nicht annähernd so<br />
gut aus, um ihre Ursprünge und Bindungen auch nur im Ansatz zu<br />
- 214 -
verstehen, doch das wusste er. Eigentlich waren Schamanen sehr<br />
magiebegabt. Merkwürdig.<br />
Seiner eigenen Knochen zuliebe fragte Bwalkazz nicht nach <strong>–</strong><br />
zumindest jetzt noch nicht. Ihm blieb nur, sie anzublicken und die<br />
eiskalte Schulter, die sie ihm zudrehte, zu mustern.<br />
„Elûne erleuchte Euren Weg, Druidin. Was führt euch zu uns?“ fragte<br />
die Nachtelfin mit melodischer Stimme die Taurin, die sich ihr gerade<br />
höflich vorgestellt hatte, während ihre Begleiter durchweg misstrauisch<br />
zu den Schildwachen blickten.<br />
„Wir sind auf der Suche nach einem Freund von uns. Ein Magier der<br />
Verlassenen. Wisst ihr etwas darüber?“ fragte Braunpelz mit<br />
freundlicher Stimme. Sie hegte keinen Gram gegen die Nachtelfen.<br />
Schließlich waren sie ebenso Kinder der Erdenmutter wie die Tauren,<br />
hatten seit über Zehntausend Jahren einen Bund, den Lehren der<br />
Erdenmutter und dem Waldgeist Cenarius zu folgen. <strong>Die</strong>ser war zwar in<br />
einer Schlacht gefallen, doch seine Lehren existierten unter den<br />
Druiden noch immer, wurden von Generation zu Generation<br />
weitergegeben. Und mit ihnen der Respekt vor allem Lebenden. Ein<br />
Umstand, den sich Braunpelz gern für jedes Wesen wünschte.<br />
<strong>Die</strong> Nachtelfe legte ihre glatte Stirn in flache, kaum sichtbare Falten,<br />
strich sich durch ihr dunkellilanes Haar, dass in einem fein gewobenem<br />
Zopf ihren gesamten, schmalen Körper entlang bis fast zum Boden<br />
reichte. Dann jedoch schüttelte sie den Kopf.<br />
„Leider nein. Bisher sind noch nicht viele Besucher in unser Lager<br />
gekommen. Lediglich zwei Verlassene <strong>–</strong> eine Priesterin und ein Krieger<br />
<strong>–</strong> sind vor einigen Tagen hier durch gekommen.“<br />
Braunpelz nickte knapp. Dann drehte sie sich um, wollte zu ihren<br />
Freunden zurück gehen, die in einigen Metern Entfernung bei einer<br />
Taurenwache standen und den Blick auf drei Menschenkrieger<br />
gerichtet hatten, deren Schwerter mehr verrieten als tausend Worte:<br />
<strong>Die</strong>se drei dort würden liebend gern einige Köpfe zu ihrer Sammlung<br />
hinzufügen.<br />
Noch im Gehen hielt die Nachtelfe ihre Kollegin zurück. „Wartet <strong>–</strong><br />
versucht es einmal in der Siedlung Zabra’Jin im Westen. Sie wird von<br />
den Trollen gehalten. Vielleicht haben sie etwas gesehen.“<br />
- 215 -
Braunpelz deutete eine kleine Verbeugung an. „Das werden wir<br />
machen. Habt Dank <strong>–</strong> und möge die Erdenmutter euch beschützen.“<br />
<strong>Die</strong> Nachtelfe lächelte, hob ihre Hand und sprach ihren Segen über<br />
ihre Seelenverwandte. Dann erst kehrte Braunpelz zu ihren drei<br />
Freunden zurück.<br />
„Wir müssen nach Westen.“ sagte Braunpelz, noch während sie auf<br />
ihre Freunde zu ging. <strong>Die</strong> hatten derweil ihre Waffen gezogen, standen<br />
kampfbereit da und warteten nur darauf, dass die Menschenkrieger<br />
auf sie zu stürmten. Das plötzliche Hinzugesellen einer Druidin ließ sie<br />
jedoch erstarren. So schnell sie konnten verstauten die Krieger wieder<br />
ihre Waffen und verschwanden in einem der Gebäude.<br />
Vadarassar sah den Kriegern traurig hinterher. Schade <strong>–</strong> das hätte<br />
spaßig werden können. Nur Teborasque grinste.<br />
„Hey Mann, das hast du aber verdammt gut gemacht. Ähh...nur wie?“<br />
Braunpelz sah ihn fragend an, dann zu der Stelle, wo bis vor wenigen<br />
Sekunden noch die kampfbereiten Krieger gestanden hatten und<br />
dann wieder zu den dreien. Verwundert zuckte sie mit den Schultern.<br />
Sie hatte ja auch nicht wissen können, dass diese Krieger sie für eine<br />
Wache gehalten hatten. So friedfertig der Zirkel auch war <strong>–</strong><br />
Drohungen und Angriffe wurden innerhalb des Einflussbereiches nicht<br />
geduldet. Wer es trotzdem wagte, wurde entwaffnet und auf die<br />
Unsanfteste aller Arten aus der Siedlung herausgeworfen <strong>–</strong> blaue<br />
Flecken, ausgeschlagene Zähne und gebrochene Nase inklusive.<br />
Anstatt sich noch weiter über derlei Dosenfutter Gedanken zu<br />
machen, brachen die vier schließlich in Richtung Westen auf. Vielleicht<br />
wussten die Trolle hier ja etwas.<br />
„Steh auf! Wir gehen los!“ schnaubte die Taurin, sich erhebend und<br />
dabei ihre Rüstung wieder vollends anlegend. Nur ihren Helm setzte sie<br />
noch nicht auf, ließ ihn unter ihrem rechten Arm gesteckt und<br />
beobachtete dann den Magier, wie er sich auf die Beine stemmte.<br />
<strong>Die</strong>ser Untote würde langsam sein <strong>–</strong> langsamer, als sie es gewohnt war.<br />
Nicht einmal ein halber Tag war vergangen, seit sie ihn aus den<br />
Fängen dieser Dämonen befreit und damit vor dem sicheren,<br />
qualvollen Tod bewahrt hatte, und schon ging er ihr auf die Nerven. Er<br />
würde sie aufhalten, sie ausbremsen und damit zu einer<br />
hervorragenden Beute für allerhand Gesindel der Legion machen. Bis<br />
- 216 -
Area 52 waren es so schon zwei Tagesmärsche <strong>–</strong> mit einem<br />
langsamen, schwachen Magier an ihrer Seite würden daraus sicher<br />
locker drei oder vier werden.<br />
Sie schnaubte erneut, packte den Untoten dann an einem Arm und<br />
zog ihn so kräftig voran, dass seine Schulter knackte.<br />
„Wieso hast du es so eilig?“ brummte der Magier, dessen Kräfte nicht<br />
einmal ansatzweise zurückgekehrt waren. Noch immer fühlte er sich<br />
matt und wäre am liebsten in eine Gruft geklettert, um dort eine<br />
ganze Woche über zu schlafen. Doch die Taurin gönnte ihm keine<br />
Ruhe, spornte ihn stattdessen an, sich zu bewegen.<br />
„Ich musste eine der Herrinnen des Invasionspunktes erschlagen, um<br />
dich Stück Knochendreck zu retten. Jetzt werden sie hinter uns her<br />
sein. Und weitaus stärker als die letzten. Jetzt beweg dich, sonst werfe<br />
ich dich diesen Kerlen zum Fraß vor.“ knurrte sie, verpasste dem<br />
Untoten einen weiteren Schlag, auf das er sich schneller bewegen<br />
möge.<br />
Bwalkazz stolperte nach vorn, wäre fast gestürzt, fing sie erst in<br />
allerletzter Sekunde. Dann ging er so schnell er konnte. Doch das war<br />
wiederum nicht schnell genug <strong>–</strong> auf einen Schritt der Taurin brauchte<br />
er vier Schritte, um überhaupt mithalten zu können. Schon nach einer<br />
halben Stunde strammen Fußmarsches hatten ihn seine Kräfte so weit<br />
verlassen, dass er sich nur noch mit Mühe auf den Beinen halten<br />
konnte.<br />
<strong>Die</strong> Taurin merkte das erst, als sie schon einige Dutzend Schritte von<br />
ihm entfernt war, drehte sich dann um und ging zu ihm zurück.<br />
„Was ist denn jetzt schon wieder?!“ schnaubte sie genervt.<br />
„Ich....kann nicht...weiter. Ich bin....noch zu....schwach.“ seufzte<br />
Bwalkazz atemlos, sank halb auf den Boden.<br />
„Entweder du läufst weiter oder ich lasse dich zurück. Dann kann sich<br />
die Legion mit dir beschäftigen.“ sagte sie unterkühlt, auf den Magier<br />
herab sehend.<br />
„Und wenn....du mich wieder...trägst?“ fragte der Magier, den Blick zu<br />
der schwarzen Taurin hinauf richtend. <strong>Die</strong> starrte ihn daraufhin mit<br />
einem Blick an, der ihm das Herz in der Brust hätte zerspringen lassen,<br />
wenn es denn überhaupt noch schlagen würde. Zu seinem Glück<br />
besaß Bwalkazz sein Herz nicht mehr in seinem Leib, hatte es, wie viele<br />
seiner anderen Organe feinsäuberlich in einem Glas Alkohol in seiner<br />
- 217 -
Gruft zurück gelassen. Brauchen tat er sie schließlich nicht mehr. Doch<br />
auch ohne ein funktionierendes Herz reichte der Blick, um ihm einen<br />
heißen Schauer über den Rücken wandern zu lassen.<br />
„Ich werde dich nicht wieder tragen. Und jetzt beweg dich.“<br />
schnaubte die Taurin erneut, drehte sich dann von ihm weg, um<br />
demonstrativ weiter zu gehen.<br />
„Dein Knie, eh?“ seufzte Bwalkazz hervor.<br />
<strong>Die</strong> Taurin erstarrte in der Bewegung, blickte knapp und mit den<br />
Augenwinkeln über ihre Schultern.<br />
„Du kannst mich....nicht tragen, weil dein rechtes....“ begann Bwalkazz<br />
und spürte kurz darauf, wie ein Streitkolben nur einen halben<br />
Zentimeter vor seiner Nase zum Stehen kam. Der Windzug jedoch traf<br />
ihn, wirbelte die wild umherstehenden Haare durcheinander und<br />
hätte ihm glatt das Herz in die Hose rutschen lassen, wenn er....na<br />
ja....wie eben schon gesagt.<br />
„Sprich den Satz weiter und ich erlöse dich von deinen Qualen. Und<br />
jetzt Bewegung.“<br />
Bwalkazz schluckte. Dann nahm er all seine Kraft zusammen, hielt sich<br />
an dem bereitwillig vor ihm hängenden Streitkolben fest und zog sich<br />
zurück nach oben. Mit dieser Schamanin war nicht zu scherzen. Ein<br />
falsches Wort reichte und sein Schicksal war besiegelt. Und für einen<br />
Augenblick wünschte er sich wieder zurück in die Hände seiner<br />
Häscher. Dort hatte er wenigstens gewusst, woran er gewesen war.<br />
Jetzt jedoch war es gänzlich ungewiss.<br />
- 218 -
Kapitel 37 <strong>–</strong> Von Pilzen und Sporen<br />
<strong>Die</strong> Luft waberte vor lauter Sporen, ein intensiver Geruch von Wasser,<br />
Moder, Schimmel, vielleicht auch Fäulnis schwang umher, benebelte<br />
die Sinne all jener, die sich allein auf ihren Geruchsinn verlassen<br />
wollten. Eines war sicher <strong>–</strong> die Zangarmarschen waren ein Ort, der in<br />
seiner Natürlichkeit kaum zu übertreffen war, ein krasser Gegensatz zur<br />
Höllenfeuerhalbinsel, die sie vorher erst gesehen und daher vermutet<br />
hatten, dass die gesamte Welt so trostlos aussehen würde.<br />
Braunpelz stand etwas abseits des Weges im Schlamm, bückte sich<br />
und begutachtete <strong>eines</strong> der hiesigen Krautgewächse. Mit einer<br />
Vorsicht, die man den großen, behäbig wirkenden Tauren niemals<br />
zugetraut hätte, strich sie mit ihren Fingern über die einzelnen Blätter<br />
der Pflanze. Deutlich fühlte sie die magischen Kräfte in dem Gewächs,<br />
eine Flammengewalt, die nicht erst zum Trank gebraut, sondern direkt<br />
absorbiert werden konnte. Leise murmelte sie einige Worte des Dankes<br />
an den Pilzwald, zog dann eine kleine Sichel hervor und trennte das<br />
Kraut kurz über der Wurzel ab. Noch im Aufrichten steckte sie ihre<br />
Sichel wieder weg, griff in einen ihrer Beutel und ließ ein f<strong>eines</strong> Pulver<br />
auf die nun abgeschnittenen Wurzeln rieseln, auf das sie neue Kraft<br />
erhalten und ihre Blütenpracht ein weiteres Mal wachsen lassen<br />
würden.<br />
Das Kraut in ihrer Hand drehte sie sich um, schritt durch den<br />
morastigen Boden langsam zurück auf den Weg, auf dem die drei<br />
bereits warteten. Ungewöhnlich still waren sie gewesen, während<br />
Braunpelz sich mit ihrem Kraut beschäftigte. Besonders die Trolle<br />
blickten mit einem zufriedenen Lächeln drein, als hätten sie beide<br />
gerade ein Liebesspielchen hinter sich....oder wären gerade noch in<br />
selbiges vertieft.<br />
„Eine Flammenkappe. <strong>Die</strong> sollte für dich gute <strong>Die</strong>nste leisten.“ sagte<br />
Braunpelz, reichte das frisch geschnittene Kraut an den Hexenmeister<br />
weiter, der seinerseits etwas fragend auf die Taurin blickte.<br />
„Und was soll ich damit machen?“ grummelte er mit seiner bekannt<br />
dunklen Stimme.<br />
„Essen.“ war das einzige Wort, das die lächelnde Taurin sagte.<br />
Vadarassar starrte sie an, versuchte in ihrem Lächeln irgendwo den<br />
Scherz zu finden. Doch ihre Augen glänzten mit einer Freundlichkeit<br />
und Verbindlichkeit, dass er nichts dergleichen darin erkennen konnte.<br />
Es war ihr ernst.<br />
- 219 -
Zögerlich zog er den Mundschutz seiner Schädelkappe herunter,<br />
zerknüllte das Kraut in seiner Hand und schob es schließlich in seinen<br />
Mund. Hungrig war er zwar, hätte jetzt am liebsten einen Eberbraten<br />
verputzt, doch stattdessen bekam er nur dieses bitter schmeckende<br />
Kraut, dass in seinem Mund ein kl<strong>eines</strong> Feuerwerk veranstaltete, ehe er<br />
es runterschluckte.<br />
Gerade in diesem Moment hatte er das Gefühl, wie ein Drache Feuer<br />
speien zu müssen, hielt sich schlagartig eine Hand vor den Mund.<br />
Beinahe hätte er sich verbrannt, fühlte er doch mit einem Schlag die<br />
Hitze, die sich seiner Handflächen bemächtigte. Eine flammende<br />
Energie, heiss und aus dem Innersten von ihm stammend, begann in<br />
ihm hoch zu kochen.<br />
Brennen....irgendwas oder irgendwer musste brennen. Nur....ahh....<br />
In diesem Moment sah Vadarassar eine übergroße Mücke, die nur<br />
wenige Schritt von den vieren entfernt entlang flog und sie wohl noch<br />
nicht bemerkt hatte. Hätte sie das, dann wäre sie mit Sicherheit auf sie<br />
zu geflogen, um sie anzugreifen. Eben genau so, wie es die letzten vier<br />
Dutzend von ihrer Art gemacht hatten. Doch diesmal würde er ihr<br />
keine Chance lassen, in die Fußstapfen ihrer Vorgänger zu treten....so<br />
diese Dinger überhaupt irgendwann außer zu ihrem Tod Fußstapfen<br />
ließen.<br />
Innerlich brannte Vadarassar nun, ließ das Feuer noch weiter lodern,<br />
wob einen kräftigen Flammenspruch. Wie in Trance griff er in eine<br />
kleine Kernledertasche, öffnete ihren Verschluß und ließ das gequälte<br />
Flüstern von Dutzenden Stimmen heraus quillen. Blindlings griff er einen<br />
der vielen Splitter, verschloß dann die Tasche und brachte die<br />
Stimmen damit wieder zum Verstummen.<br />
Den Splitter auf der Handfläche liegend wuchs der gewobene Zauber<br />
um den Splitter herum, verschlang diesen gänzlich, nahm ihn in sich<br />
auf. Ein mächtiger Feuerball, zum einen Teil in dieser, der physischen<br />
Welt, zum anderen in der astralen, in der die Seelen daheim waren,<br />
schwebte nun über der Hand des <strong>Hexenmeisters</strong>, die ebenfalls rot<br />
glühte und die Hitze des Feuerballs noch weiter anfachte. Dann flog<br />
der Ball los.<br />
Rasend schnell schoß das flammende Konstrukt aus Seele und Feuer<br />
auf das Insekt zu, ließ eine glimmende Spur unter sich zurück, bis es sein<br />
Ziel traf.<br />
- 220 -
Ein unnatürlicher Schrei entglitt der Riesenmücke, deren Körper von<br />
der Aufschlagstelle aus nach allen Seiten hin von einer<br />
erbarmungslosen Flamme aufgefressen wurde. Der mittlere Bereich<br />
ihres Körpers begann bereits als Asche zu Boden zu rieseln, während<br />
der Kopf noch intakt und unverbrannt ungläubig nach dem Ursprung<br />
dieser unendlichen Schmerzen suchte, dann den Hexenmeister fixierte<br />
und ihn als Attentäter begriff. Dann endlich verschlangen die<br />
Flammen auch den Kopf der Mücke, verwandelten ihn ebenfalls zu<br />
Asche, die langsam hinab in das Wasser rieselte und dort von<br />
Strömung und Wind fort getrieben wurde.<br />
Vadarassar nickte zufrieden und grinste finster.<br />
„Interessant.“ war das einzige Wort, das die Kraft dieses Krautes<br />
beschreiben konnte.<br />
„Barbecue, Mann!“ jubelte Teborasque, noch immer breit grinsend.<br />
Dann griff er nach den Händen seiner älteren Schwester und tanzte<br />
mit ihr Arm in Arm. Sie grinste ebenfalls, stimmte in den Tanz mit ein und<br />
lachte dabei kehlig.<br />
Vadarassar blickte aus den Augenwinkeln zu den beiden, die sich bis<br />
zum Lager die ganze Zeit über gezofft hatten und nun wirkten, als<br />
wären sie kleine Kinder, die feierten. Was war nur mit ihnen....<br />
„<strong>Die</strong> Sporen.“ meinte Braunpelz mit einem Lächeln auf den Lippen.<br />
„Was soll damit sein?“ brummte Vadarassar zurück?<br />
Anstatt es direkt und einfach zu sagen, hob Braunpelz ihre Hand und<br />
deutete auf einen der großen Pilze neben ihnen. Groß war gar kein<br />
Ausdruck <strong>–</strong> es gab in Azeroth nur wenige Bäume (vom Weltenbaum<br />
einmal abgesehen), die sich in Sachen Größe mit diesem<br />
Riesenchampignon hätten messen können.<br />
„<strong>Die</strong> Sporen dieser Pilze dürften ziemlich....nun...berauschend wirken.<br />
Jedenfalls auf einige.“<br />
„Besonders Trolle, was?“<br />
„Ganz genau. Deswegen haben die Trolle sicher auch ihr Lager<br />
inmitten der Pilze aufgeschlagen.“<br />
Vadarassar schüttelte den Kopf, ging dann weiter Richtung Westen.<br />
„<strong>Die</strong>se Dauerjunkies.“ brummte er, dem kleinen Holzplankenpfad<br />
weiter folgend.<br />
- 221 -
Obwohl man über dem Himmel von Nethersturm weder Sonne noch<br />
so etwas wie einen Mond erkennen konnte, wurde es abends merklich<br />
dunkler. Bwalkazz bemerkte dies deutlich, empfand es aber nicht als<br />
störend. Seine Augen waren mit seiner neuen Gestalt als Untoter weit<br />
besser geworden, als sie es zu seinen Lebzeiten jemals gewesen<br />
waren. Dank ihnen sah er, wie alle Untoten, sogar in pechschwarzer<br />
Dunkelheit so gut wie an einem sonnigen Frühlingsmorgen. <strong>Die</strong> Taurin<br />
neben ihm indes hatte schon mehr Probleme mit der Dunkelheit, ließ<br />
sich dies aber kaum anmerken. Bwalkazz bemerkte ihre Kurzsichtigkeit<br />
im Dunkeln erst, als sie schnurstracks auf einen größeren Felsen zu ging,<br />
keine Anstalten machte, um auszuweichen und mit einem Huf glatt<br />
davor knallte. Ärgerliche, nicht jugendfreie Flüche verließen das<br />
Mundwerk der schwarzen Taurin, ehe sie sich einen Weg um den Fels<br />
herum bahnte und so ihren Weg fortsetzte.<br />
„Ich kann uns Licht machen, wenn du dann besser siehst.“ bot<br />
Bwalkazz an, kassierte daraufhin nur ein wütendes Schnauben.<br />
„Red nicht, Knochensack. Das wird gesehen.“ schnaubte sie ihn an.<br />
„Und ein Sichtzauber? Nur eine Formel von mir und du kannst im<br />
Dunkeln so gut sehen wie ich. Es wäre....“<br />
Weiter kam er nicht, denn da hatte ihn schon ein kräftiger Griff am<br />
Kragen gepackt, einen Meter hoch gehoben und sein Gesicht kräftig<br />
vor das Gesicht der schwarzen Taurin gepresst. Ihr Versuch, ihre Augen<br />
böse blitzen zu lassen, scheiterte an der Dunkelheit, die sie fast<br />
verschlang.<br />
„Wag es, mir irgendwas magisches aufs Fell zu drücken und ich mach<br />
dir einen Knoten in deine Arme! Mit Magie will ich nichts zu tun haben.<br />
GAR NICHTS. Verstanden?!“ fuhr sie ihn an, ließ ihn schlagartig wieder<br />
fallen.<br />
„Und so was ist Schamane. Erdmagier <strong>–</strong> Vebundener der magischen<br />
Kräfte von allem Lebenden. Du bist doch selbst von Magie<br />
durchströmt, oder....“ platzte es aus Bwalkazz heraus. Offenbar ein<br />
Fehler, denn erneut konnte er seinen Satz nicht zu Ende bringen,<br />
wurde mittendrin gepackt, diesmal nicht am Kragen, dafür aber direkt<br />
an seinem Genick.<br />
„Ich bin NICHT von Magie durchströmt! Meine Kraft kommt von MIR<br />
und von keinem mystischen Sonstwas, KLAR?“<br />
- 222 -
„Irrrggghhh....“ röchelte Bwalkazz hervor, deutete mit zittrigen Fingern<br />
auf die Totems an ihrem Gürtel. Ihr Blick ging kurz auf selbige, dann<br />
presste sie sein Gesicht wieder kräftig gegen ihres.<br />
„Wenn du nicht willst, das ich dir <strong>eines</strong> nach dem anderen in deinen<br />
verschimmelten Hintern schiebe, dann hältst du den Rand und<br />
behauptest nie wieder, ich würde irgendwie diesen Zauberkrempel<br />
benutzen. Und jetzt beweg dich <strong>–</strong> damit meine ich deine Beine, nicht<br />
dein vorlautes Mundwerk!“ knurrte sie, schleuderte ihn kurzerhand<br />
einige Meter vor sich.<br />
Dankbar, dass hier keine weiteren Felsen, sondern in einiger Entfernung<br />
nur ein kleiner Abhang waren, krachte Bwalkazz auf den erdigen<br />
Boden, spuckte das klebrige Erdreich aus seinem Mund und sah zurück<br />
zu der Taurin, die ihren Weg fortsetzte <strong>–</strong> und geradewegs auf den<br />
Abhang zu.<br />
„Geh nicht weiter, dort ist...“ würgte er zwischen der ganzen Erde<br />
hervor, wurde aber von einem Brüllen unterbrochen.<br />
„Wenn du deine Klappe nicht geschlossen hältst, reiße ich dir deinen<br />
Kiefer komplett ab. Dann darfst du nur noch gurgeln!“ knurrte sie<br />
zurück, ging unbeeindruckt weiter.<br />
Bwalkazz stand auf, wollte gerade zu ihr und sie davon abhalten,<br />
weiter zu laufen, stockte dann aber und blickte kurz den Abhang<br />
runter.<br />
Drei Meter. Und unten keine Felsen. Naja <strong>–</strong> wenn sie meinte. Sonderlich<br />
schwer würde sie sich schon nicht verletzen. Und wenn doch <strong>–</strong> ihr Bier,<br />
nicht seins.<br />
Er hatte diesen Gedanken gerade zu Ende gedacht, als der rechte<br />
Huf der Taurin schon ins Leere trat. Jetzt begriff sie die Warnung des<br />
Magiers, ruderte wild mit den Armen, fand aber ihr Gleichgewicht<br />
nicht zurück und stürzte kurzerhand wie eine Kugel den kleinen<br />
Abhang herunter, um dort laut krachend und polternd liegen zu<br />
bleiben. Bwalkazz indes rutschte seinerseits vorsichtig die Klippe runter<br />
und ging dann auf sie zu.<br />
„Du scheinst die gleiche Vorliebe für Erde zu haben wie ich.“ sagte er,<br />
neben der dort liegenden Taurin stehend und grinsend.<br />
Glücklicherweise konnte sie in dieser Dunkelheit sein Grinsen nicht<br />
sehen <strong>–</strong> sonst hätte sie ihm wohl die letzten schwarzen Zähne aus<br />
- 223 -
seinem schiefen Kiefer in Hofzahnarztmanier entfernt <strong>–</strong> nämlich mit<br />
ihrem Streitkolben.<br />
Sie antwortete nicht, grummelte dafür nur. Ein Blick in ihre Augen<br />
zeigte mehrere entgleiste Gesichtszüge. Nicht unbedingt beruhigend.<br />
Rasch glitt sein Blick über ihren Körper. Sie war dank der schweren<br />
Rüstung gut gepolstert gelandet <strong>–</strong> gebrochen oder irgendwie<br />
aufgeschnitten war nichts. Nur einige blaue Flecken, die man unter<br />
ihrem schwarzen Fell eh nicht sah, würde sie als Erinnerung behalten.<br />
Abgesehen davon waren Tauren ja als unverwüstlich bekannt <strong>–</strong> so ein<br />
kleiner Sturz dürfte ihr also nichts ausgemacht haben. Fordernd stellte<br />
er sich also vor sie und sank auf ein Knie, um ihr in die Augen zu sehen.<br />
Auf seiner Handfläche bildete sich eine kleine Flamme, die ein fahles<br />
Licht über die beiden warf.<br />
„Nicht einschlafen, schwarze. Ich denke wir müssen weiter.“ imitierte<br />
Bwalkazz ihre Stimme und provozierte sie damit. Schlagartig griff eine<br />
Hand nach ihm, quetschte die Handfläche mit der Flamme<br />
kurzerhand aus und ließ die Dunkelheit zurück kehren.<br />
„Das war Absicht von dir. Gib es zu, du Klappergestell.“ grummelte die<br />
schwarze Taurin.<br />
„Ich hatte dich gewarnt, nicht weiter zu gehen. Aber du....“<br />
„Du hast gar nichts.“ fauchte sie, sich langsam aufrichtend. Mühsam<br />
stand sie auf, zuckte dann aber zusammen und sank schlagartig<br />
wieder in eine sitzende Position, ihre Hand von Bwalkazz wegziehend<br />
und schnell auf ihr rechtes Knie drückend. Erneut folgten nicht<br />
jugendfreie Flüche aller Sprachen, ehe sie den Magier mit einem<br />
bösen Blick anstarrte.<br />
„Das ist der Dank von dir, das ich dich aus den Fängen dieser<br />
Drecksdämonen gerettet habe. Du verwestes Stück Altfleisch.“<br />
Bwalkazz zuckte nur mit den Schultern. „Gesegnete der Geister haben<br />
normalerweise heilende Kräfte. Wo ist also dein Problem?“ meinte er<br />
kühl.<br />
Erneut hörte er ein Schnauben, während die Taurin wieder<br />
aufzustehen versuchte. <strong>Die</strong>smal gelang es ihr, auch wenn sie ihren<br />
rechten Huf nicht wirklich auf dem Boden aufsetzte.<br />
- 224 -
„Ich habe es dir schon mal gesagt. Oder ist dein Hirn schon verrottet?<br />
Ich bin NICHT gesegnet.“<br />
„Das kannst du einem Gnom erzählen. Ich habe doch Augen im Kopf<br />
und mein Schädel ist nicht leer.“<br />
<strong>Die</strong> Taurin knurrte, wollte sich den Magier wieder schnappen, um ihn<br />
kräftig durchzuschütteln. Doch dieser befand sich gerade so aus ihrer<br />
Griffweite. Und ihr Knie, das vor Pein brüllte, sie vor jeglicher plötzlichen<br />
Warnung böse warnte, hinderte sie daran, dies rasch genug zu<br />
ändern. Stattdessen hob sie ihre Faust, als wolle sie ihm eine kräftige<br />
Kopfnuss verpassen. Gerade wollte sie wieder grimmig losfluchen, als<br />
sie ein Geräusch hinter sich hörte.<br />
Klingen. Dutzende, hunderte von Klingen.<br />
<strong>Die</strong> Legion. <strong>Die</strong>smal nicht nur zwei oder drei, sondern ein gesamtes<br />
Lager, um die Häscher ihrer Peinigerin zu erlegen, sie damit zu rächen.<br />
„Jetzt sind wir beide dem Tode geweiht. Dank dir, du dreckiges Stück<br />
Altfleisch.“ zischte die Taurin, nun doch auf den Magier zu humpelnd,<br />
der plötzlich ihre Handgelenke ergriff.<br />
„Halt die Klappe und lass mich zur Abwechslung etwas machen.“<br />
- 225 -
Kapitel 38 <strong>–</strong> Im Kifferhimmel<br />
Wut kochte in den Soldaten der Brennenden Legion. Ein feiger Trupp<br />
Attentäter dieser verdammten Außenweltler hatte es gewagt, ihre<br />
Herrin brutal zu ermorden. Zwar würde sie ersetzt werden, wie schon<br />
viele Male vorher, doch die unbändige Wut über die Dreistigkeit und<br />
den schlagartigen Verlust feuerte die Teufelswachen,<br />
Verdammniswachen und Höllenbestien, die den Stoßtrupp bildeten,<br />
an, ihre Klingen tief in die Körper der Feinde zu schlagen. Zorn brannte<br />
in ihnen, ein Zorn, der auf die zwei niedergehen sollte wie der<br />
Schmiedehammer auf ein Stück glühenden Stahl in der<br />
Teufelsschmiede.<br />
Gerade eben hatte eine der am Himmel fliegenden<br />
Verdammniswachen ein Feuer gesehen. Sicher ein Lager, in dem sich<br />
die beiden von ihrem Marsch ausruhen wollten. Das hatte dem Trupp<br />
die Richtung gewiesen und sie neuerlich motiviert. Mit der Gewissheit,<br />
ihrem Ziel näher zu sein, als sie dachten, stürmten sie mit erneuerter<br />
Kraft voran. Endlich, nach einem Tag und sogar zwei Nächten würden<br />
sie ihre Beute bekommen.<br />
Brüllend stürmten die Teufelswachen voran, die Höllenbestien dicht<br />
hinter und die Verdammniswachen über ihnen. Ein kleiner Abhang,<br />
kein Hindernis für die tobenden Massen der Legion. Schnell war der<br />
Abhang genommen und der Ort gefunden, an dem das Feuer<br />
gebrannt haben musste. Tatsächlich fanden sie etwas verkohltes Holz,<br />
jedoch keinen der beiden Attentäter, die ihnen beschrieben worden<br />
waren. An einem kleinen grünen Fleck lagen zwei Schafe im Schatten<br />
<strong>eines</strong> Vorsprungs, der über den Hang ragte. Doch von Außenwäldlern<br />
keine Spur.<br />
„Sie sind sicher in diese Richtung <strong>–</strong> VORWÄRTS!!!“ brüllte eine der<br />
Verdammniswachen finster, feuerte die Meute aus insgesamt fünfzig<br />
Dämonen an, die daraufhin wie eine riesige, unkontrollierte Welle<br />
voran preschte. Das Schauspiel der wutentbrannt vorbei rasenden<br />
Dämonen dauerte nur zwei Minuten, dann hörte die Erde auf zu<br />
beben und sie verschwanden hinter einem weiteren Abhang, um<br />
weitere fünf Minuten später gänzlich der Ruhe der Nacht zu weichen.<br />
Mit einem plötzlichen Ploppen löste sich <strong>eines</strong> der Schafe in eine<br />
Rauchwolke auf, aus der Bwalkazz schritt. Ein zufriedenes Grinsen lag<br />
auf seinen verschrumpelten Lippen, ließ den schief hängenden Kiefer<br />
noch etwas krummer als sonst wirken.<br />
- 226 -
„Es hat funktioniert. Sogar besser, als ich gedacht hätte.“ sagte er zu<br />
dem anderen Schaf, das sich in diesem Moment ebenfalls in eine<br />
Rauchwolke verwandelte, aus der kurz darauf schwarzes Fell und<br />
damit die Taurin auftauchte. Eine Hand schoß aus der Wolke und<br />
packte ihn am Kragen, zog ihn an die Schamanin heran, die nur auf<br />
einem Bein stand, das rechte Bein leicht angewinkelt knapp über dem<br />
Boden hielt.<br />
„Wenn du das noch EINMAL machst, dann verwandle ich dich auch in<br />
etwas. Und dann unwiderruflich.“ knurrte sie ihn an.<br />
Bwalkazz löste sich mit ungewohnter Leichtigkeit aus ihrem Griff, ging<br />
einen Schritt zurück und strich seine gänzlich zerrissene, verdreckte und<br />
von Löchern durchzogene Robe glatt.<br />
„Als Schaf hast du mir besser gefallen.“ meinte er mit einem leichten<br />
Grinsen, ging dann an ihre rechte Seite und stellte sich neben ihr<br />
lädiertes Knie. „Und jetzt halt mal still.“<br />
<strong>Die</strong> Taurin beäugte ihn genau, wollte gerade wieder nach ihm greifen,<br />
als vor ihr schon Sterne vor lauter Schmerzen explodierten. <strong>Die</strong> Hände<br />
des Magiers hatten ihr Knie gepackt und drückten so kräftig zu, dass<br />
sie meinte, jeden Moment das Bewusstsein zu verlieren. Wie durch<br />
Watte gefiltert hörte sie die Stimme des Magiers, der sie zu beruhigen<br />
versuchte, um so offenbar seine eigene, verschrumpelte Haut zu<br />
retten.<br />
Dann verschwanden die Schmerzen mit einem Mal und ihr Blick wurde<br />
wieder klar. Sie wartete keine Sekunde, griff den Magier und packte<br />
ihn am Genick, um ihn kurzerhand vor sich zu heben und halb zu<br />
erwürgen.<br />
„Was sollte der Mist?“ knurrte sie ihn an, ging unbewusst einige Schritte<br />
nach vorn. Erst dann bemerkte sie es <strong>–</strong> ihr Bein trug ihr Gewicht, ohne<br />
sonderlich große Schmerzen zu verursachen.<br />
Ein Trick. Eindeutig. Sicher hatte dieser Kerl sie irgendwie betäubt oder<br />
sonst was gemacht. Dafür waren die Untoten ja bekannt. Vielleicht<br />
würde sie jetzt innerlich aufgefressen. Noch immer voller Misstrauen<br />
hob sie ihn noch ein weiteres Stück höher. „Jetzt rede schon!“<br />
schnaubte sie wieder.<br />
„Dsss grrrt schlllllchhhhh....“ würgte der Magier hervor, unfähig, ein<br />
Wort durch ihren festen Griff hindurch zu würgen. In solchen<br />
Momenten dankte er den Schöpfern dieser Pest, die ihn infiziert hatte,<br />
dass er nicht mehr zu atmen brauchte. Ansonsten wäre er sicher nun<br />
- 227 -
schon zum dritten oder vierten Mal von dieser schwarzen Taurin<br />
erdrosselt worden. So hinterließen ihre Strangulierungsversuche nur<br />
hässliche Spuren auf seinem Hals, jedoch nicht viel mehr.<br />
Endlich bemerkte sie, dass sie ihren Griff vielleicht erst lockern sollte,<br />
um eine Antwort zu erhalten. Kaum hatte sie diesen Gedanken zu<br />
Ende gedacht, tat sie es auch schon, woraufhin der Magier auch eine<br />
verständliche Antwort lieferte.<br />
„Magie...stoff...bandage. Hilft....etwas....“ würgte er hervor, wurde<br />
dann schlagartig auf den Boden fallen gelassen. Das unangenehme<br />
Gefühl einer weiteren Würgemarke um seinen Hals bildete sich und<br />
wieder wurde seine Robe um eine Schmutzflecken bereichert.<br />
Bwalkazz seufzte finster.<br />
„Reicht dir das jetzt langsam oder willst du mir vorher noch komplett<br />
den Kopf abreißen?“ brummte er, seinen Hals mit seinen knochigen<br />
Fingern abtastend. Glücklicherweise hielt sein Hals noch <strong>–</strong> seinen Kopf<br />
würde er also so schnell nicht verlieren. Wäre ja schließlich ein nicht zu<br />
verkennender Schönheitsmakel gewesen.<br />
Anstatt noch ein Wort zu sagen hob die Taurin nur die Nase und ging<br />
leicht humpelnd weiter gen Süden. Das sie in der Dunkelheit mit einem<br />
Male deutlich besser sehen konnte irritierte sie zwar, doch kümmerte<br />
sie das nicht weiter. Der Magier war nun vorerst genug gewürgt<br />
worden für diese Nacht. Wenn er wirklich drauf bestand, dann würde<br />
sie eben morgen weitermachen. So beließ sie es bei einem genervten<br />
Grummeln, machte sich auf, Area 52 zu finden.<br />
„Krasses Ding, Mann. Nur wieso verfolgt es uns?“ fragte Teborasque<br />
mitten im Rennen, sah zu seiner Schwester, die neben ihm her lief.<br />
„Wenn ich das mal wüsste, Mann. Hab es doch gar nich beklaut. Das<br />
hat ja nichma Taschen!“ entrüstete sie sich, ihrerseits ebenfalls<br />
rennend. Hinter den beiden Trollen und mit etwas Abstand rannten<br />
auch Braunpelz und mit noch etwas größerem Abstand auch<br />
Vadarassar wie von einer dieser Riesenmücken gestochen über den<br />
hölzernen Weg. Dicht hinter ihnen fauchte und knurrte eine Gestalt,<br />
die sie allerhöchstens einmal in einem Buch gesehen haben könnten.<br />
Drei spindeldürre Beine, deren blattförmige Füße sogar über die<br />
Wasseroberfläche laufen konnten, gefolgt von zwei Tentakeln, die nur<br />
zu gern nach Beute langen wollten und ein großer, hutförmiger Kopf,<br />
an dessen Seiten giftig gelbe Augen die vier fokussierten und als Beute<br />
- 228 -
identifiziert hatten. Ein Fennschreiter...und dieses Vieh war ganz und<br />
gar nicht gut drauf.<br />
„Friss mir meine Robe an und ich zünd dich an, du....Mistvieh.“ japste<br />
Vadarassar, seine Beine schon nicht mehr spürend. Sicher <strong>–</strong> ein paar<br />
Zauber oder Flüche hätten dem Ding den Gar ausmachen können.<br />
Doch was wenn nicht? Und abgesehen davon: Bis er den ersten<br />
Zauber beendet hatte, wäre er sicher schon mit seinem Oberkörper im<br />
Magen dieses riesigen Dinges gelandet. Naja, vielleicht hätte<br />
Braunpelz mit ihrer bärigen Erscheinung etwas daran ändern können,<br />
doch die rannte vor ihm her und stieß mit jedem Schritt ein lautes<br />
„Igittigittigitt!“ aus, floh wohl eher aus Ekel denn Angst vor diesem<br />
riesigen Monstrum.<br />
Erst als sie die Wachposten von Zabra’Jin passierten, verminderten sie<br />
ihr Tempo ein wenig. Dennoch liefen sie weiter, stürmten bis in das<br />
Gasthaus hinein und kippten dort, einer nach dem anderen, auf dem<br />
Teppich kurzerhand um, sackten müde und gänzlich erledigt<br />
zusammen.<br />
„Willkommen, Mann. Wieso so verspannt? Macht euch doch locker,<br />
Mann. Is doch alles nicht so schlimm.“ beruhigte sie der Trollgastwirt,<br />
lächelte die Vier freundlich an. Und tatsächlich hörten die Vier, wie<br />
draußen eine ganze Bande von Wachen sich um diesen<br />
wildgewordenen Fennschreiter kümmerte und ihn feinsäuberlich<br />
filettierte. Heute Abend würde es Schreitereintopf geben <strong>–</strong> eine<br />
Vorstellung, die Vadarassar schon jetzt den Magen herumdrehte. Er<br />
war es auch, der sich zuerst wieder aufrappelte. Was wohl auch damit<br />
zu tun hatte, dass er auf dem Körperstapel, den sie auf dem Boden<br />
gebildet hatten, ganz oben lag. Mit einem mühevoll finsteren Blick sah<br />
er den bis über beide Ohren grinsenden Trollgastwirt an, der einen<br />
großen Pilz hinter seinem Rücken hervor holte, einige der Sporen<br />
herauspflückte und in eine Pfeife stopfte.<br />
„Wir...suchen einen Freund von uns. Einen Untoten.“ groll der<br />
Hexenmeister den Gastwirt an, der es sich nicht nehmen ließ, sich<br />
seine Pfeife anzuzünden und zuerst schöne blaurote Rauchwolken in<br />
Richtung der Gruppe zu pusten. Dann wurde, obwohl Vadarassar es<br />
nicht hätte für möglich halten können, das Grinsen des Trolls noch<br />
breiter.<br />
„Hier fliegt viel rum, Mann. Tauren, Trolle, Orcs <strong>–</strong> manchmal sogar<br />
Gnome. Sogar nen Untoter, ja.“ stammelte der Troll mit einem Blick,<br />
der nicht zu beschreiben war. „Wenn ihr genaueres wissen wollt, müsst<br />
- 229 -
ihr zur krassen Stadt, Mann. Südöstlich, in den Wäldern von Terrokar.<br />
Hab hier nen Schreiben und ne Karte, Mann. Müsst ihr da hin bringen.“<br />
Vadarassar starrte den Gastwirt verklärt an.<br />
Wieder da raus? Wieder durch diese Marschen? Wieder an so einem<br />
Schreiter vorbei? Hatte der Troll da sein ganzes Hirn zu Sporen gekifft?<br />
„Du willst uns sagen wir sollen noch einmal quer durch diesen Sumpf<br />
rennen?“ groll er, ignorierte die beiden Trolle unter sich, die den Rauch<br />
des Gastwirtes genüsslich einsogen und deren Blicke sich immer mehr<br />
dem des Gastwirtes anzunähern begannen.<br />
„Nee, Mann. Fragt draußen meinen Kollegen, Mann. Der gibt euch<br />
Windreiter. <strong>Die</strong> bringen euch in die total krasse Stadt, Mann. Geht wie<br />
im Flug, richtig angenehm, Mann.“ säuselte der Troll, erneut an seiner<br />
Pfeife ziehend.<br />
Vadarassar verdrehte die Augen, half dann Braunpelz auf und riß dem<br />
Gastwirt das Schreiben aus der Hand, das er locker zwischen zwei<br />
Fingern in der Luft hielt und es wie ein Taschentuch zum Abschied<br />
wedelte.<br />
„Dann kommt <strong>–</strong> gehen wir.“ groll der Orc, wandte sich zum Ausgang<br />
und war schon auf halbem Weg, als er sah, wie Braunpelz recht hilflos<br />
auf Tebo und Barra deutete, die sich zwar aufgerappelt hatten, nun<br />
aber neben dem Gastwirt standen und im Wechsel an der<br />
Pilzsporenpfeife zogen.<br />
Ein Grummeln, das selbst einem Kernhund Angst gemacht hätte, groll<br />
durch die Magengegend von Vadarassar, als er langsam auf die<br />
beiden Trolle zu schritt, jeden mit zwei spitzen Fingern an jeweils einem<br />
Ohr packte und sie, begleitet von zwei schrillen Schreien, an ihren<br />
langen Ohrläppchen nach draußen zum Windreiter zerrte. Dort<br />
angekommen zeigte er nur kurz das Schreiben, lockerte dann selbst<br />
die beiden Windreiter, da der Troll, der das eigentlich hätte machen<br />
sollen, nur auf seinem Hintern saß und sich ebenfalls mit einer Pilzpfeife<br />
vergnügte.<br />
Vier Ohrfeigen und Kopfnüsse später saßen Barra und Tebo mit blauen<br />
Augen auf einem Windreiter, Braunpelz und Vadarassar auf dem<br />
anderen und hoben in Richtung der Wälder von Terrokar ab.<br />
„Trolle....“ groll der Hexenmeister böse und genervt.<br />
- 230 -
Kapitel 39 <strong>–</strong> Waffenstillstand<br />
Erneut kam eine Nacht und ging diese auch wieder, ehe endlich die<br />
Lichter einer mehr als übertechnisierten Stadt am Horizont<br />
auftauchten. Zufrieden nickte die schwarze Taurin, die weder sich<br />
noch ihrem untoten Begleiter in den letzten Tagen eine Rast gegönnt<br />
hatte. Zum Glück für beide war die Brennende Legion nicht wieder<br />
aufgetaucht. Wahrscheinlich rannten die gerade irgendwo in einem<br />
anderen Lager hinter ein paar Rochen her, wunderten sich, wo die<br />
beiden Attentäter nur stecken konnten. Und mit etwas Glück<br />
erwischten sie vielleicht den einen oder anderen Zwergenjäger auf<br />
ihrer wahnwitzigen Suche nach einem Unschuldigen. War aber auch<br />
egal <strong>–</strong> Hauptsache sie würden endlich in Sicherheit ankommen und<br />
könnten dann im Gasthaus etwas Ruhe finden.<br />
„Sag mir nicht, dass das dort diese Area 52 ist.“ brummte Bwalkazz, die<br />
Stadt musternd.<br />
„Genau das ist sie. Wieso? Entspricht sie nicht deinen Erwartungen an<br />
einen Misthaufen?“ brummte die Taurin ihren untoten Begleiter an. Der<br />
ließ sich durch die abfällige Bemerkung nicht persönlich angreifen,<br />
brummte selbst nur etwas.<br />
„Nun, es sieht aus wie aus dem Albtraum von Teborasque. Könnte<br />
aber auch von einem durchgeknallten Schriftsteller stammen, der<br />
verzweifelt versucht hat, irgendwie witzig zu sein.“<br />
„War bestimmt dein Schwager.“ brummte die Taurin, ging dann weiter<br />
und auf das eine Tor der Stadt zu. Zwei Goblins in schwarzen Anzügen<br />
und dicken, schwarzen Sonnenbrillen auf der Nase starrten die beiden<br />
Besucher an. Abschätzend musterten sie zuerst die schwarze Taurin,<br />
dann den Untoten, der nach dem langen Marsch noch viel toter als<br />
üblich aussah. Ein helles Blitzen erleuchtete die Umgebung um die<br />
beiden herum und im nächsten Moment fragten sie sich, wie sie denn<br />
die letzten Meter hier in diese Stadt gekommen waren.<br />
„Dort drüben ist das Gasthaus. Da können wir uns ausruhen. Und für<br />
dich haben sie sicher auch irgendwo einen dreckigen Putzeimer,<br />
damit du dich drin ausruhen kannst.“ schnaubte die Taurin, ging<br />
voran.<br />
„Ich hoffe sie haben auch Stroh dort.“ sagte Bwalkazz monoton.<br />
„Wieso sollten sie es haben? Musst du etwa?“<br />
- 231 -
„Nein, aber du siehst hungrig aus.“ meinte Bwalkazz grinsend.<br />
Der Windreiter war mitten in der Nacht gelandet und hatte die<br />
Reisenden auf einer kleinen Anhöhe abgesetzt, auf der sie sich gut<br />
hatten ausruhen können. Doch viel zu früh war es für sie hell<br />
geworden, wurden sie durch das damit entstehende Treiben in der<br />
Stadt aufgeweckt und sahen sich nun verwundert um.<br />
Eine Stadt <strong>–</strong> eine richtige, große Stadt, die nicht, wie die Siedlungen,<br />
die sie bisher gesehen hatten, überhastet aufgebaut worden war.<br />
Außerdem liefen Menschen zwischen Tauren, Draenei zwischen<br />
Blutelfen, Orcs zwischen Gnomen und merkwürdige<br />
Lichtabsonderlichkeiten zwischen riesigen humanoiden Vogelviechern<br />
umher. War das jetzt ein Traum? Hatten die Sporen schließlich auch<br />
noch die Hirne von Vadarassar und Braunpelz aufgeweicht?<br />
Ein lautes Stöhnen riss die beiden aus ihren Gedanken, ließ die Blicke<br />
auf die beiden Trolle wandern, die sich nur mit Mühe aufrafften und<br />
sich die Köpfe hielten.<br />
„Oooooh....Mein Schädel. Was....war das denn für ein Kraut, Mann.“<br />
ächzte Teborasque leise, sich eine Hand auf die Stirn drückend.<br />
„Ich habe keine Ahnung. Aber...ich habe einen Kater....wie von dem<br />
letzten Geburtstag von Maggo’ba.“ seufzte Barra, ebenfalls eine Hand<br />
auf ihre Stirn pressend.<br />
„Seid ihr beide jetzt wenigstens wieder normal?“ fragte Vadarassar<br />
grummelnd. <strong>Die</strong> Trolle antworteten nicht, seufzten nur etwas von<br />
wegen ‚nicht so laut’.<br />
Keine Antwort auf eine Frage...nagut, vielleicht hatten sie ihn nicht<br />
verstanden. Also raffte sich Vadarassar auf, stellte sich zwischen die<br />
beiden Trolle und legte seine Hände auf ihre Schultern, zog sie ein<br />
wenig an sich heran.<br />
„Ich habe gefragt, OB IHR WIEDER NORMAL SEID!?“ brüllte er mit<br />
einem Schlag, ließ die beiden Trolle spitze Schmerzensschreie, gefolgt<br />
von leidlichen „Jaja...auuuuu...“ ausstoßen. Dann sanken sie wieder<br />
auf ihre Betten und ließen einen breit grinsenden Hexenmeister zurück.<br />
„Das war jetzt aber wirklich nicht nett.“ meinte Braunpelz, den<br />
Orchexer tadelnd ansehend. Doch der grinste nur.<br />
- 232 -
„Ich weiß.“ sagte er genüsslich langsam und ließ sein Grinsen noch<br />
etwas breiter werden. Braunpelz blickte erstaunt drein, doch nicht auf<br />
ihn, sondern auf etwas, das hintern ihm war. Zuerst realisierte der<br />
Hexenmeister es nicht, dann drehte er sich aber um und sah eine<br />
kleine Gestalt in der Tür stehen.<br />
„Ein durchaus nicht respektables Benehmen für einen Angehörigen<br />
der Horde. Unser Kodex gebietet es, einander zu helfen und uns zu<br />
unterstützen, nicht auf diese Weise rechthaberisch oder gar boshaft zu<br />
sein.“ tadelte eine ernste Stimme, deren Ursprung zweifellos jene Figur<br />
dort war. Doch wer, das konnte man durch das helle Licht hinter ihr<br />
nicht wirklich aus machen. Nur das es eine Sie war <strong>–</strong> das hatte man<br />
anhand der sehr femininen, orcischen Stimme erkennen können.<br />
„Wer bist du denn? Meine Mutter oder wieso willst du mir Vorschriften<br />
machen?“ blaffte Vadarassar zurück. Das nun nötigte die Orcdame,<br />
zwei Schritte in das Gasthaus zu machen und sich so zu zeigen.<br />
Deutlich erkannte man die gut geschliffene, von reichlich Leder und<br />
Verzierungen gesäumte schwere Rüstung, sah man einen Streitkolben<br />
am Gurt hängen, ein Schild auf den Rücken geschnallt und zahlreiche<br />
Totems an eine Lederschlaufe unter der Schulter hängen.<br />
<strong>Die</strong> Orcschamanin, die sie offensichtlich war, machte eine<br />
Verbeugung.<br />
„Gestatten, Sophilia, Adeptus Primus des Thrall, Gesegnete der<br />
Erdenmutter, <strong>Die</strong>nerin der Elemente und Herold der Horde. Ich komme<br />
auf Geheiß unseres Kriegshäuptlings in diese Lande, um den Umstand<br />
<strong>eines</strong> verschwundenen Magisters der Verlassenen aufzudecken, ihn<br />
wieder nach Hause zu bringen <strong>–</strong> sei er lebendig oder, mögen die<br />
Geister mir diese Annahme verzeihen, schon verstorben. Wie ich von<br />
einigen Wachposten des Stützpunktes in Thrallmar erfuhr ist euer Ziel<br />
auch das Meine. Daher habe ich euch aufgesucht, in der Annahme,<br />
ehrenhafte, loyale Anhänger vorzufinden. Stattdessen sehe ich mich<br />
mit einem sadistischen Orchexenmeister und zwei mit sich selbst<br />
beschäftigten Trollen konfrontiert.“<br />
Vadarassar verschränkte die Arme vor der Brust. Ein Herold der Horde <strong>–</strong><br />
auch das noch. Er hatte zwar von ihnen gehört, wusste nur zu gut, dass<br />
sie die volle Befehlsgewalt des Kriegshäuptlings inne hielten, doch<br />
wieso war es ausgerechnet eine Artgenossin von ihm, wieso war sie<br />
hier und wieso in Dreiteufelsnamen stand sie jetzt hier vor ihm und hielt<br />
ihm eine Rede, als wäre er noch ein kleiner Akolyt, der sich nicht<br />
einmal allein die Stiefel zubinden konnte? Gab es da unten wirklich<br />
- 233 -
jemanden, der ihn so sehr hasste, ihm gerade jene scheinheilige Tuse<br />
aufs Auge drücken zu müssen?<br />
„Weshalb sollte sich der Kriegshäuptling ausgerechnet um jenen<br />
Magister sorgen? Es verschwinden und fallen mehr als genug<br />
Angehörige der Horde <strong>–</strong> seien es Orcs, Trolle, Untote oder sonst wer.“<br />
„Das ist korrekt.“ sagte die Orcschamanin, ging derweil auf die beiden<br />
Trolle zu und berührte beide mit ihrem rechten Zeigefinger, woraufhin<br />
die Kopfschmerzen schlagartig verschwanden und sie ohne weiteres<br />
Gejammere aufstehen konnten.<br />
„Jedoch ist es mehr als ungewöhnlich, wenn ein Magister, der von<br />
Lady Sylvanas geachtet wird, urplötzlich aus Orgrimmar verschwindet<br />
und angeblich in einem Land auftauchen soll, dass sich hinter einem<br />
Portal befindet, welches bereits vor vielen Jahren als versiegelt galt.<br />
Das Bild, das die Verlassenen von den Orcs und der übrigen Horde<br />
hierdurch erhalten könnten, ist nicht im Sinne des Kriegshäuptlings.<br />
Daher habe ich als oberste Pflicht die Wiederauffindung des Magisters<br />
zum Auftrag <strong>–</strong> im Namen der Allianz zwischen Untoten und Horde und<br />
dem Frieden zwischen uns. Ansonsten wäre selbiger durchaus<br />
gefährdet.“<br />
„So viel Ärger. Nur wegen einem Magier. Wenn er doch nur wüsste,<br />
wie prominent er mit einem Mal ist. Er würde glatt seinen Unterkiefer<br />
verlieren.“ witzelte Vadarassar, in den Augen der Heroldin jedoch<br />
keinen Anflug von Humor lesend.<br />
„Hast du wenigstens einen Anhaltspunkt, wo man ihn finden könnte?“<br />
brummte der Hexenmeister.<br />
<strong>Die</strong> Schamanin nickte. „In der Tat haben meine Ermittlungen bereits<br />
einige Früchte getragen. Nachdem ich hier in Shattrath mit mehreren<br />
Draeneipatroullien gesprochen habe, erhielt ich Hinweise auf das<br />
Schattenmondtal, den Schergrad oder die magischen Wirbel in<br />
Nethersturm. Jedoch ist das Gebiet viel zu groß, als das man es zu<br />
zweit hätte absuchen können.“<br />
Vadarassar hob eine Braue. „Zu zweit? Wer ist denn noch bei dir?“<br />
Tief in seinem Innersten betete Vadarassar zur ewigen Dunkelheit, dass<br />
ihm nicht noch so eine Tussi vor die Nase gesetzt wurde. Doch das war<br />
scheinbar gar nicht der Fall, denn die Orcschamanin drehte sich um,<br />
pfiff einmal schrill und ging dann in die Hocke.<br />
Ein Gepard schoß um die Ecke, erst auf die Schamanin zu, stockte<br />
dann mitten in der Bewegung und sprang stattdessen Teborasque an.<br />
Der war, gerade noch im Aufstehen begriffen, durch die Rückkehr<br />
s<strong>eines</strong> felligen Freundes derart überrascht, dass er den plötzlichen<br />
- 234 -
Ansturm mit einem Sturz auf den Rücken verband. Überglücklich,<br />
endlich seinen alten Freund an seiner Seite zu haben, gab er seinem<br />
Begleiter eine kräftige Umarmung, strich durch das getupfte Fell.<br />
„Jenes Tier war von Dämonen vor dem Portal, das mich in diese Welt<br />
führte, niedergestreckt worden. Seine Wunden waren tief, jedoch<br />
nicht unheilbar. Er bestand darauf, mich zu begleiten. Offensichtlich,<br />
weil er seinen Herrn hier vermutet hatte.“<br />
Er war gerade erst von seinem langen Flug nach Nethersturm zurück<br />
gekehrt, hatte seinen Drachen in den Verschlag gebracht,<br />
festgebunden und ihm die nötigsten Vorräte zukommen lassen, damit<br />
sein Flugtier sich für den nächsten Auftrag stärken konnte. Erst dann<br />
beschloß der Draenei, sich selbst auch eine Pause zu gönnen, betrat<br />
die Ruheräume der Garde und.....<br />
„Mal’thor. Geh keinen Schritt weiter.“ groll eine Stimme hinter ihm. Eine<br />
Stimme, die der Draenei nur zu gut kannte.<br />
So langsam und dennoch geschmeidig, wie es sein massiger Körper<br />
zuließ, drehte er sich um, blickte in das finstere Gesicht s<strong>eines</strong> Herrn.<br />
„Ihr wünscht, Mylord?“ fragte er, gemeinsam mit der Frage auf ein<br />
Knie sinkend.<br />
„Der Gefangene. Hast du sichergestellt, dass er von den Dämonen der<br />
Legion zerfetzt wurde?“ fragte die Stimme mit einer Strenge, die dem<br />
<strong>Die</strong>ner die Antwort schon vorweg nahm.<br />
„Mylord, ich habe ihn im nördlichsten Lager zwischen die Dämonen<br />
geworfen. Für ihn würde keine Rettung mehr bestehen. So seine<br />
<strong>Geschichte</strong> auch nur ansatzweise stimmen sollte, wird er sicher schon<br />
seit zwei Tagen....“<br />
„Schweig still!“ brüllte der riesige Dämon, der einstmals der hagere<br />
Dämonenjäger gewesen war. „Du hast nichts getan. Der Untote<br />
wurde aus seiner Umklammerung gerettet und lebt!“<br />
„Das....ist unmöglich, Mylord. Ich habe mein bestes getan, damit er....“<br />
versuchte sich der <strong>Die</strong>ner zu verteidigen. Doch der finstere Blick s<strong>eines</strong><br />
Herrn hatte ihn schon gepackt.<br />
„Du hast versagt! Und ich dulde keine Versager unter meiner<br />
Gefolgschaft.“ groll Illidan, mit einem Finger auf die Dämonenklinge<br />
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an Mal’thors Gurt deutend. Wie von Geisterhand erhob sich das<br />
Schwert aus der Scheide des Draenei und schwebte vor seinem<br />
einstmaligen Besitzer.<br />
„Bitte...Mylord....gebt mir doch noch eine Chance, meinen Fehler<br />
gutzumachen. Ich wer....“ versuchte der Draenei um sein Leben zu<br />
betteln, doch mit nur einer Fingerbewegung des Dämonenjägers<br />
sauste das Schwert einmal im Kreis, schlug den Kopf des Versagers mit<br />
einer Leichtigkeit von den Schultern, als wäre er nur locker aufgesetzt<br />
gewesen. Blankes Entsetzen stand noch auf der Mine des Draenei, der<br />
mit weit aufgerissenen Augen und einem Mund, der das Wort noch zu<br />
Ende formulieren versuchte, den eigenen Tod nicht fassen konnte. Der<br />
Körper jedoch sackte kraftlos in sich zusammen.<br />
„Ich gebe niemandem eine zweite Chance, noch einmal zu versagen.<br />
Rakh’Gor!“ brüllte der Dämon.<br />
Ein anderer Dämon, gerade einmal halb so groß wie Illidan, jedoch<br />
deutlich größer als ein Draenei, trat aus einer Ecke.<br />
„Ihr habt mich gerufen, Mylord?“ antwortete der Dämon, sich mit<br />
diesen Worten so tief verbeugend, dass seine Hörner den Boden<br />
berührten.<br />
„Schaff die Sauerei hier weg. Und dann kümmere dich um den<br />
Untoten. Töte ihn und jeden, mit dem er Kontakt hatte. Das Letzte, was<br />
ich gebrauchen kann, sind neugierige Hordler, die mich und meine<br />
Pläne stören. Und wehe dir du versagst. Dann wird es dir ähnlich<br />
ergehen. Hast du mich verstanden?“<br />
„Na....natürlich, Mylord.“<br />
Einige Stunden später standen schon eine große, leere Schale Früchte,<br />
vier Krüge Mondbeerensaft, ein halbvoller Kelch Wein und jede<br />
Menge Essensreste vor der schwarzen Taurin und Bwalkazz. Jetzt, da<br />
sie hier in der Gaststätte nicht mehr behelligt wurden, verschwanden<br />
die Zweifel an dem Magier so langsam und die <strong>Geschichte</strong>, die er ihr<br />
erzählt hatte <strong>–</strong> von einem riesigen Dämon, von Drachen, Draenei und<br />
einem riesigen Tempel im Süden faszinierten die grimmige Taurin nun<br />
doch. Vor allem die <strong>Geschichte</strong> um die Drachen interessierte sie<br />
zusehends. Interessanterweise fiel bei der gesamten Unterhaltung kein<br />
einziges Mal irgendein grimmiges Wort ihrerseits <strong>–</strong> so gut wie gar keins,<br />
um genau zu sein.<br />
- 236 -
Erst als Bwalkazz geendet hatte und noch einen Schluck aus dem<br />
Weinkelch nahm, nickte sie ihm zu. Ein gewisses Vertrauen war nun<br />
gebildet, die Gewissheit, dass er ihr nicht ohne weiteres ein Messer in<br />
den Rücken rammen würde <strong>–</strong> obwohl sie Untote noch immer<br />
abstoßend und ekelhaft fand.<br />
„Du suchst nun also deine Freunde, um wieder nach Hause zu<br />
kommen. Das klingt ja herzzerreißend. Da will man ja gleich losheulen.“<br />
spottete sie etwas, brummte nur, während sie sich ein Stück Brot<br />
angelte.<br />
„Genau das will ich versuchen, schwarze Taurin.“<br />
„Tayury. Nenn mich Tay <strong>–</strong> und nicht anders. Verstanden?“<br />
Bwalkazz nickte. Nun gut <strong>–</strong> wenn sie es wollte. Dann eben ab jetzt Tay.<br />
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Kapitel 40 <strong>–</strong> Der ferne Donner ganz nahe<br />
Hinter ihnen wurde die gewaltige Stadt, die ein so imposantes<br />
Leuchten emittierte, dass man sich schon an eine Versammlung der<br />
vereinigten Paladine erinnert fühlte, und wurde langsam immer kleiner.<br />
Shattrath war jener Ort, den sie in den letzten Stunden als sicheren<br />
Hain empfunden hatten. Es gab frisch zubereitete Speisen und man<br />
sah Kreaturen, die einem sonst nur einen eiskalten Schauer über den<br />
Rücken gejagt hätten.<br />
Doch nun wurde die Stadt kleiner, während Braunpelz und Vadarassar<br />
der Straße gen Osten folgten.<br />
„Warum gehen wir eigentlich hier entlang?“ hatte Braunpelz gefragt<br />
und von Vadarassar bisher keine Antwort erhalten. Stattdessen war er<br />
vor gegangen und blickte sich nach möglichen Wegweisern um.<br />
„Jetzt verrat mir schon <strong>–</strong> wieso?“ beharrte die Taurendame auf ihrer<br />
Frage, griff dabei nach der Schulter des <strong>Hexenmeisters</strong>. <strong>Die</strong>ser sah sie<br />
nun schließlich doch an und antwortete ihr.<br />
„Wie uns diese....Schamanin....beschrieben hat, sollen wir uns<br />
aufteilen, um den Spuren zu folgen. <strong>Die</strong> Trolle haben mir den letzten<br />
Nerv geraubt und ich würde eher in siedender Lava baden, als<br />
freiwillig auch nur einen Meter mit IHR diesen Weg hier entlang zu<br />
gehen. Außerdem vertraut sie dir <strong>–</strong> ebenso wie ich.“ erklärte sich der<br />
Hexenmeister, drehte sich dann wieder zu dem Weg und sah kurz<br />
darauf einen anderen Tauren. Doch sein Blick war...verfinstert. Es war,<br />
als habe sich der große Schatten über diesen gesenkt, während seine<br />
Blicke auf ein Bauwerk der Nachtelfen gerichtet war.<br />
Noch während Vadarassar über die Gründe s<strong>eines</strong> Verhaltens sowie<br />
die Geschwindigkeit, in der dieses Gebäude hochgezogen worden<br />
war nachsann, stürzte Braunpelz an ihm vorbei und auf ihren<br />
Artgenossen zu.<br />
„Wo gehen wir hin?“ fragte Bwalkazz, der schwarzen Taurin namens<br />
Tay knapp folgend.<br />
„Hat dich nicht zu interessieren. Und wieso kommst du eigentlich mit?“<br />
schnauzte die schwarze Taurin den Magier an, während sie dem Weg<br />
folgte.<br />
„Ich habe gerade nichts besseres zu tun. Also sag schon: Wo geht es<br />
hin?“<br />
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Ein tiefes Grollen drang an seine Ohren. Dann blieb die Taurin stehen,<br />
starrte ihn mit festen Augen an.<br />
„Damit du endlich die Klappe hältst: Ich gehe zurück zum dunklen<br />
Portal, dann nach Thunder Bluff und werde mit den Schamanen dort<br />
über den letzten Zirkel des Schamanismus reden. ALLEIN!“<br />
Wieder grummelnd drehte sie sich wieder zurück, wollte weitergehen.<br />
Thunder Bluff. <strong>Die</strong> Taurenstadt...ja sicher <strong>–</strong> da war Bwalkazz auch schon<br />
gewesen. Mit einem süffisanten Lächeln zog er eine Portalrune aus<br />
seiner Tasche und hielt sie vor sich.<br />
„Ich fürchte ich kann dir die lange Wanderung bedauerlicherweise<br />
ersparen. Jedoch müsstest du dafür....“ begann er, die Rune<br />
gleichsam streichelnd und dann vor sich auf den Boden werfend.<br />
Der Blick der schwarzen Taurin wandte sich ihm wieder zu. <strong>Die</strong>smal<br />
jedoch weiteten sich ihre Augen. Nicht etwa vor Überraschung,<br />
sondern vor blanken Panik.<br />
„Nicht, du dämlicher Knochensack!“ brüllte sie, stürmte auf den<br />
Magier zu und riß ihn mit sich, um einige Meter später mit ihm<br />
zusammen auf dem Boden zu landen, ihn unter sich zu begraben.<br />
„Ich wusste gar nicht, was du für mich empfindest. Ein einfaches<br />
Danke hätte doch auch gereicht.“ meinte Bwalkazz gewohnt kühl,<br />
Tays Oberweite deutlich an beiden Seiten s<strong>eines</strong> Schädels und noch<br />
durch ihre Rüstung fühlend. Im selben Moment wurde er wieder hoch<br />
gerissen, sah die Taurin, wie sie sich schnell wieder aufrappelte und mit<br />
einem Finger auf die Portalrune deutete. Das Portal donnerte, groll<br />
böse und veränderte seine Farbe ständig zwischen rot, lila, schwarz<br />
und dunkelblau. Dann explodierte es mit einem gewaltigen Knall,<br />
schleuderte beide etliche Meter zurück und hinterließ lediglich einen<br />
großen Krater.<br />
Wieder einmal spieen Bwalkazz und Tay den durchsetzten Boden aus.<br />
„Das wird langsam zur Gewohnheit.“ stellte Bwalkazz fest, sich gar<br />
nicht mehr die Mühe machend, seine Robe irgendwie zu reinigen.<br />
Kaum hatte er sich nur leicht erhoben, sah er in das strafende Gesicht<br />
der Taurin.<br />
„KEINE Portale oder Beschwörungen oder ähnliches in Nethersturm!“<br />
groll sie, so böse es ihr in diesem Moment gelang. Und das war nicht<br />
unbedingt sehr böse, denn die Netherblüten, die von ihrem Kopf<br />
herunter hingen, verliehen ihr den bizarren Anblick <strong>eines</strong> schwarzen<br />
- 239 -
Blumenmädchens. Sie verstand zuerst die Belustigung des Magiers<br />
nicht, griff sich dann an den Kopf und zog die Blüten von selbigem, sie<br />
in ihren Fingern noch zerquetschend.<br />
„Im besten Falle explodieren sie nur.“ murrte Tay, einige Schritte auf<br />
die Explosion zu gehend. Dann weiteten sich ihre Augen abermals vor<br />
Schrecken.<br />
„Und was sonst?“ fragte Bwalkazz, auf sie zu und dann neben sie<br />
gehend. Sein Blick wandte sich ebenfalls auf den kleinen Krater, den<br />
die Rune geschlagen hatte. Auch seine Augen weiteten sich, glühten<br />
nun heller als vorher.<br />
„Im schlechtesten Fall gibt es einen bösen Besucher.“ vollendete die<br />
Taurin den Satz, griff sogleich nach Schild und Streitkolben und stürzte<br />
voran.<br />
Ein Dämonenhund, vier Meter groß und mit zwei glühenden Köpfen<br />
saß dort inmitten des Explosionszentrums. <strong>Die</strong> gleißenden Nasen<br />
schnupperten nach Beute, visierten mit dem einen Kopf die Taurin und<br />
mit dem anderen den Magier an. Dann brach der Kampf schon los.<br />
Drachen...eine Armee von Drachen flog über die Lande, warf<br />
Schatten über die Höllenfeuerhalbinsel, als würde eine riesige,<br />
schwarze Wolke am Horizont entlang ziehen. Ein Trupp von Illidans<br />
besten Leuten war ausgerückt. Draenei, Dämonen, Zerschlagene,<br />
Blutelfen <strong>–</strong> all jene, die sich von dem Ruf ihres Herrn hatten blenden<br />
und lenken lassen, die aus Angst oder Respekt dem Befehl folgten,<br />
jenen einen Untoten aufzuspüren und zu töten. Es stand viel auf dem<br />
Spiel, zu viel, so meinte der einstige Dämonenjäger. Deswegen<br />
schickte er nicht nur einen, wie er es vorher bereits getan hatte,<br />
sondern sicherheitshalber eine ganze Gruppe.<br />
Wenn der Untote noch lebte, würde er sich entweder in eine der<br />
Biosphären in Nethersturm oder jene Goblinstadt gerettet haben.<br />
Andernfalls war er schon längst tot.....tot...als wäre er das nicht sowieso<br />
schon.<br />
Ein bitteres Grinsen lag auf dem Gesicht von Rakh’Gor. Er hatte der<br />
Legion den Rücken gekehrt, als seine Kameraden von den<br />
Dämonenklingen dieses Nachtelfen mit nur einem Hieb enthauptet<br />
worden waren und war seither einer der Kommandanten unter der<br />
Hand des Herrschers des schwarzen Tempels. <strong>Die</strong> meisten anderen<br />
- 240 -
Gefolgsleute fürchteten oder hassten ihn. Ihm war es nur Recht, denn<br />
so konnte er sie stets zu Höchstleistungen anspornen.<br />
Doch der Flug nach Nethersturm würde lange dauern. Selbst mit<br />
diesen räudigen Netherdrachen hier, die allerorten als die schnellsten<br />
Flugtiere überhaupt bekannt waren, war die Reise noch immer lang.<br />
„Und ich sage dir, wir müssen noch mal nach Zabra’jin, Mann!“ meinte<br />
Teborasque mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen. Doch<br />
Sophilia ließ sich davon nicht beirren, erkannte den durch die<br />
Pilzsporen angelockten Wahnsinn in den Augen des Trolls nur zu<br />
deutlich.<br />
„Unser Weg wird uns nicht dort entlang führen, Jäger. Stattdessen<br />
müssen wir den Pfaden zum Schergrad folgen. Für Pausen oder<br />
persönliche Amüsements ist weder Zeit noch Grund vorhanden.“<br />
„Ooooch, lass uns doch nur einen kleinen Abstecher...“ flüsterte<br />
Teborasque, noch immer breit lächelnd. Dann jedoch hielt ihm seine<br />
Schwester einen Dolch vor die Nase.<br />
„Abstecher...da kommt mir eine Idee. Ich kann dir ja etwas<br />
abstechen, Kleiner.“ grinste Barra breit. Gifte waren ihr Spezialgebiet<br />
und nach dem Erlebnis hier in den Zangarmarschen hatte sie für sich<br />
Vorkehrungen getroffen, nicht wieder unkontrolliert in den<br />
Sporenrausch zu verfallen. Das Tuch, das nun ihr Gesicht verunstaltete,<br />
war zwar nicht sonderlich chic, ließ sie aber dafür ihre Sinne bei sich<br />
behalten.<br />
„Och <strong>–</strong> ihr seid fies. Alle beide, Mann.“ meinte Teborasque beleidigt.<br />
Mit genügend Überzeugungskraft und einem Dolch im Rücken, der<br />
ständig bedrohlich piekste war er dennoch zum weiteren Marsch<br />
überredet worden. Allerdings führte der Weg kurz darauf durch ein<br />
Feld voller abgeschlagener Pilze und jede Menge Oger, die sich der<br />
Pilzernte nur zu gründlich widmeten. Zwei von ihnen stellten sich den<br />
drein in den Weg.<br />
„Halt! Ihr nicht stehlen Pilze! Sein unsere! Verschwinden sonst tot<br />
gehen!“ groll der eine Oger, offensichtlich ebenfalls ein<br />
magiekundiger. Der andere, lediglich ein Axtträger und somit wohl ein<br />
Krieger oder so was, brabbelte nur etwas. Offensichtlich waren die<br />
Ogerkrieger nicht mit genügend Intelligenz gesegnet, um ausreichend<br />
verständlich kommunizieren zu können.<br />
- 241 -
Diplomatisch wie üblich machte Sophilia einen Schritt nach vorn und<br />
deutete eine leichte Verbeugung an, ihre Gegenüber dabei jedoch<br />
nicht aus den Augen lassend. Ihr langes, rabenschwarzes Haar fiel ihr<br />
kurz und etwas ins Gesicht.<br />
„Lok’thar. Im Namen der ehrenwerten Horde grüße ich Euch. Unser<br />
Weg führt uns zum Schergrad. Es ist allein die Benutzung dieses Weges,<br />
die wir ersuchen. Eure Pilze interessieren uns nicht.“ erklärte sie<br />
freundlich und sachlich.<br />
<strong>Die</strong> beiden Oger gafften sich einander an, dann groll der eine wieder.<br />
„Ihr verschwinden sonst tot!“<br />
Sophilia verdrehte die Augen. Verhandlungen mit Zwergen waren<br />
schon schwer, jedoch mit einer ausreichenden Menge Alkohol im<br />
Gepäck gerade noch kontrollierbar. <strong>Die</strong>se Oger jedoch waren<br />
eindeutig dümmer als ein leerer Krug Bier.<br />
„Es ist nicht in unserem Sinne, jedoch werden wir, so ihr uns keine<br />
andere Wahl lasst, unseren Weg hier entlang fortsetzen. Und wir<br />
werden uns wehren, wenn ihr versuchen solltet, uns anzugreifen.“<br />
<strong>Die</strong>se letzte Bemerkung fasste der axtschwingende Oger offenbar als<br />
Bedrohung auf, machte kurz darauf einen kräftigen Schritt nach vorn,<br />
um mit seinem gewaltigen Hiebwerkzeug nach der Schamanin<br />
auszuholen. Doch noch ehe er wirklich zuschlagen konnte, hing auch<br />
schon Swift an seinem Hals und biß sich fest.<br />
Der Oger kam jetzt erst richtig in Rage, schüttelte sich und griff mit der<br />
freien Hand nach dem Kater, der sich mit Zähnen und Krallen so gut es<br />
ging in den fettleibigen Wanst vergrub. Der andere Oger indes hob<br />
seinen Stab, um seinerseits auf die drei Eindringlinge loszugehen.<br />
Mit einem Stoßseufzer griff Sophilia an ihren Gürtel, zog ein kl<strong>eines</strong><br />
Totem hervor. Eine Flamme, scheinbar ganz aus Holz, aber dennoch<br />
lodernd, saß in der Mitte des wunderschön gefertigten, magischen<br />
Utensils, strömte eine angenehme Wärme aus. Einige magische Worte<br />
verließen die Lippen der Schamanin, dann setzte sie das Totem schon<br />
locker auf den Boden. Ohne in den Boden gerammt zu sein oder von<br />
irgendetwas anderem gehalten stand das Totem auf der kleinen<br />
Spitze, schwebte tatsächlich einige Zentimeter über dem Boden und<br />
begann kurz darauf rötlich zu glühen.<br />
- 242 -
Ein roter Flammenkreis bildete sich kurz vor dem Totem, zog rote Risse<br />
nach allen Seiten und ließ kurz darauf und begleitet von einem kleinen<br />
Erdbeben eine Flammenwolke aufsteigen. <strong>Die</strong>se verdichtete sich,<br />
bildete Arme, Hände, Finger, bekam Augen und ward schließlich,<br />
nach einem Schauspiel, das weniger als eine Sekunde gedauert<br />
hatte, zu einem vollständigen Feuerelementar geworden.<br />
Mit noch immer ausdrucksloser Mine deutete Sophilia auf die beiden<br />
Oger.<br />
„Entferne diese Störer des Friedens im Namen von Horde und der<br />
Geister der Elemente.“ befahl sie dem Elementar. <strong>Die</strong>ser reagierte<br />
sofort, antwortete nur mit einem „Ja, Mylady.“ und widmete sich dem<br />
magieversierten Oger, während Barra und Teborasque den Geparden<br />
bei der Bekämpfung des anderen Ogers unterstützten.<br />
„Was haben wir denn mit diesen Nachtelfen zu schaffen? Ist doch gut,<br />
wenn sie dezimiert werden, oder nicht?“ brummte Vadarassar<br />
unzufrieden, durch jenes Gebäude gehend, das nun mehr einem<br />
Geisterhaus denn einem vorher bewohnten Hain der Druiden glich.<br />
Überall lagen Leichen von Nachtelfen, an einer Stelle lag sogar ein<br />
toter Taure. Einzig lebendig waren die riesigen Motten, die lästig wie<br />
riesige, bewegliche Spinnweben umher flatterten und Braunpelz dazu<br />
veranlassten, das Gebäude nicht zu betreten.<br />
„Es sind meine Brüder. Auch wenn sie Nachtelfen sind, folgen sie<br />
ebenfalls dem gleichen Pfad wie ich. Wie würdest du reagieren, wenn<br />
einige Hexenmeister auf Seiten der Allianz dem Tode nahe wären?“<br />
fragte die Taurin, sich mit Mühe von den Motten so weit wie möglich<br />
fern haltend.<br />
„Ich würde ihnen ein schnelles Ende machen.“ groll Vadarassar leise<br />
und eher zu sich selbst als zu Braunpelz. Tatsächlich würde er<br />
s<strong>eines</strong>gleichen auf der gegnerischen Seite viel lieber ein LANGSAMES<br />
und GRAUSAMES Ende machen wollen <strong>–</strong> ebenso wie es ihm einmal<br />
ergehen würde. Für ihn machte die Berufung keinen Unterschied:<br />
Gegner blieben Gegner und damit war es gegessen. Im Moment<br />
allerdings grummelte er umso mehr, denn anstatt ihren gemeinsamen<br />
Freund zu suchen durfte er sich nun durch Leichenberge wälzen. Zwar<br />
gab es Hexenmeister, die dem Tod und vor allem den dadurch<br />
hingerichteten Leichen durchaus einige perverse Fantasien<br />
abgewinnen konnten, doch für ihn waren tote Nachtelfen in etwa so<br />
erotisch wie Großmutters Durotanisches Allerlei aus Eberrippchen,<br />
Skorpidnieren und Glibberaalflossen.<br />
- 243 -
Er verzog das Gesicht, als er auf etwas Weiches getreten war. Der<br />
erste Schreck verflog allerdings, als er merkte, dass es ausnahmsweise<br />
keine Leiche, sondern lediglich die Finger einer solchen waren, die er<br />
gerade recht platt getreten hatte. Sie umklammerten eine<br />
merkwürdige Apparatur, die scheinbar noch immer in Betrieb war.<br />
Neugierig senkte Vadarassar seinen Oberkörper, musterte dieses<br />
fremdartige Gerät genauer.<br />
„Nie ist der Troll da, wenn man ihn brauchen könnte.“ grummelte er,<br />
prägte sich die Form genau ein und ging dann auf Braunpelz zu. <strong>Die</strong><br />
schlug nun verzweifelt mit ihrem Stab nach einer riesigen Motte, die<br />
sich nur zu gern mit der Druidin befasste. Es entbahr nicht unbedingt<br />
der Komik zuzusehen, wie jemand vor lauter Ekel und mit einem<br />
großen Stab nach etwas schlug, das diesen Angriffsversuchen<br />
problemlos ausweichen konnte und dabei so belustigt zischte. Ein<br />
Zauber, der die Flügel des Rieseninsekts in Flammen setzte, beendete<br />
die Bedrohung und ein kräftiger Huftritt tat ein Übriges.<br />
„Ich denke ich weiß die Ursache.“ meinte Vadarassar noch zu<br />
Braunpelz und deutete dann auf den verstörten Druiden auf der<br />
Straße, der noch immer sein Kinn in die Hände stemmte und nicht<br />
wirklich begreifen konnte, was geschehen war und wieso gerade er<br />
überlebt hatte.<br />
„Wir erzählen ihm noch eben die Sache und dann machen wir uns<br />
weiter auf den Weg. Dürfte schließlich noch ein nettes Stückchen sein,<br />
wenn ich mir den Wald so ansehe.“<br />
Krachend schlug ein Frostblitz in die Seite des riesigen Dämons ein, fror<br />
die Haut ringsum ein, auf die Tay nur Bruchteile von Sekunden später<br />
ihren Streitkolben niedergehen ließ. Das gefrorene Fleisch splitterte, riß<br />
eine tiefe Wunde in die Flanke des Hundedämons. Dessen beide<br />
Köpfe brüllten vor Schmerzen und Wut, fixierten die Taurin und stießen<br />
Flammen aus, denen die schwarze Kuh nur mit Mühe ausweichen<br />
konnte. Ein weiterer Frostblitz schoß knapp an ihren Ohren vorbei, ließ<br />
ihre Haarspitzen weiße Eiskristalle bilden.<br />
„Pass gefälligst auf, wo du deine Zauber hinschleuderst du Idiot. Sonst<br />
bist du gleich der Nächste, der unangespitzt in den Boden gerammt<br />
wird!“ groll die schwarze Taurin, dem Dämon einen weiteren Schlag<br />
mit dem Streitkolben verpassend. <strong>Die</strong>smal regneten einige kleine,<br />
weiße Objekte auf sie herunter, die sie erst auf den dritten Blick als die<br />
Zähne <strong>eines</strong> der beiden Köpfe erkannte, in den sie gerade eben ihren<br />
- 244 -
Streitkolben versenkt hatte. Der andere Kopf geriet dadurch nur noch<br />
mehr in Rage, biß nach ihr und erwischte ihre Schulter.<br />
Tay, die daraufhin laut aufschrie, konterte ihrerseits und biß zurück,<br />
rammte dem zweiten Kopf kurz darauf ihren Streitkolben auf die Nase,<br />
was den Dämon einige Schritte zurückstolpern ließ. Wütend brüllte der<br />
Dämon, riß beide Mäuler auf, um erneut Feuer zu speien. <strong>Die</strong>smal<br />
jedoch war Bwalkazz schneller, schleuderte den gerade gewobenen<br />
Frostblitz in Richtung der Mäuler und traf damit das Rechte.<br />
Zielstrebig schoß das eiskalte Projektil in den Dämon hinein, ließ das<br />
lodernde Feuer versiegen. Der Bauch der Bestie färbte sich schlagartig<br />
blau, bildete langsam Eiskristalle, ehe der Dämon knochensteif da<br />
stand. Ein letzter Streitkolbenschlag von Tay und das vorher so<br />
furchterregende Monster zerbarst in viele Dutzend Stücke, von denen<br />
nur die zahnlosen Köpfe intakt blieben. Wütend starrten sie noch den<br />
Magier und die Taurin an, während sie schon längst vom Leben<br />
verlassen worden waren.<br />
„Je höher sie wachsen, umso tiefer fallen sie.“ schlussfolgerte Bwalkazz<br />
und ging auf die Taurin zu, die sich ihre linke Schulterklappe abband<br />
und erleichtert feststellte, dass die Rüstung die spitzen Zähne des<br />
Dämons aufgehalten hatte. Dann und gänzlich überraschend griff sie<br />
nach dem Magier, zog ihn schlagartig an ihn heran.<br />
„Lass noch mal einen Zauber so dicht an mir vorbei gehen und ich<br />
füttere den nächsten Dämon mit dir.“ groll sie, um ihn dann wieder<br />
von sich weg zu schleudern.<br />
„Gern geschehen für die Hilfe.“ murrte der Magier.<br />
- 245 -
Kapitel 41 <strong>–</strong> Luftangriff<br />
<strong>Die</strong> Tür zum Gasthaus von Area 52 schwang auf. Eine lange, sehr<br />
dünne und fahl aussehende Gestalt schritt hindurch und wankte auf<br />
die Bar zu. Klar erkannte man den Staub von scheinbar unzähligen<br />
Flugstunden ohne Rast und ohne Möglichkeit, sich zu säubern. Mit<br />
nicht viel mehr als einem schwachen Glimmen in den Augen stand<br />
eben jene Trauergestalt, die so bedrohlich wirkte wie ein satter,<br />
zahnloser Tiger, vor dem Tresen und blickte den Goblinwirt an.<br />
„Ahh...potentielle Kundschaft...“ rieb sich dieser die Hände, sich sicher,<br />
nun einen großen, fetten Braten nebst seinem sündhaft teuren Ale an<br />
den neuen Gast verkaufen zu können. Und tatsächlich tat die Gestalt<br />
nur wenige Augenblicke, nachdem sich der Gastwirt des Gastes<br />
genährt hatte, seinen Mund auf.<br />
„Ich bin auf der Suche nach etwas, das ihr mir geben könnt.“ krächzte<br />
die Stimme wie von einer Säge geschwungen hervor.<br />
„Ohhh jaja, sicher kann ich ihnen helfen. Was darf es denn sein? Einen<br />
Netherrochenbraten vielleicht? Und dazu ein hervorragendes<br />
Festtagsale <strong>–</strong> frisch aus Booty Bay importiert. Eine Köstlichkeit wie....“<br />
bot der Gastwirt seine Güter feil, wurde dann jedoch durch die<br />
krächzende Stimme des Gastes unterbrochen.<br />
„Informationen. Ein Untoter. War er hier? Wann? Wo ist er hin?“ klang<br />
die krächzende Stimme auf, nun wesentlich schroffer als noch gerade<br />
vorher.<br />
„Ich ähh...also...ich weiß nicht, wovon ihr sprecht. Beruhigt euch doch<br />
erst mal und trinkt etwas Ale. Dann können wir vielleicht...“<br />
„Sauf deinen Dreck alleine. Wo ist der Untote?!“ groll die krächzende<br />
Stimme nun deutlich lauter, griff einer der hageren Arme nach dem<br />
Gastwirt und hob ihn hoch.<br />
Zwei Goblins, beide in dunkle Anzüge gehüllt, traten links und rechts<br />
neben den Gast und hoben jeder etwas, das wie sehr fantasievoll<br />
verschörkelte Gewehre aussahen.<br />
„Ihr solltet jetzt vielleicht gehen.“ sagte der eine Goblin mit ernster<br />
Stimme, seine Ernsthaftigkeit jedoch größtenteils von seiner schwarzen<br />
Brille verdeckt haltend.<br />
- 246 -
Wie in Zeitlupe ließ die Gestalt den Gastwirt langsam wieder sinken,<br />
lockerte den Griff und drehte sich zu den beiden anderen Goblins.<br />
„Ihr hättet mir die Informationen freiwillig geben sollen. Jetzt werdet ihr<br />
leiden....fürchterlich leiden.“ groll die Stimme.<br />
Dann, mit einem Schlag und einem hellen Blitzen, löste sich die Gestalt<br />
in einer Implosion auf und hinterließ nur eine dicke Staubschicht auf<br />
dem Boden. <strong>Die</strong> Wachen starrten einander ungläubig an. Doch ehe<br />
sie begriffen, was gerade passiert war, wackelte der Boden.<br />
Panikartig blickte einer zum Fenster hinaus, sah einen Netherdrachen<br />
mitsamt Reiter über das Gasthaus hinweg fliegen. Dann noch einen,<br />
dann zwei weitere und dann wurde der Himmel dunkel vor lauter<br />
Netherdrachen und deren Schwingen.<br />
„Sieh mal da hinten.“ meinte Bwalkazz, mittlerweile schon etliche<br />
Marschstunden von Area 52 entfernt zum Horizont deutend. „Was geht<br />
denn dort ab?“<br />
Tayury drehte sich grummelnd um, blickte zum Horizont. Dort, wo Area<br />
52 lag, loderten Feuerbälle, flogen Dinge in die Luft und flatterten helle<br />
und dunkle Flecken hin und her. Sie grummelte nur.<br />
„Sicher wieder irgendein Nationalfeiertag von diesen Goblins. Nichts<br />
wichtiges <strong>–</strong> wie üblich.“<br />
Ohne einen weiteren Gedanken an das Chaos, das hinter ihnen lag zu<br />
verschwenden, gingen die beiden schnurstracks weiter <strong>–</strong> geradewegs<br />
in Richtung Schergrad.<br />
Grimmig musterten die Oger ringsum der Straße die drei Eindringlinge,<br />
die es gewagt hatten, dem Weg in Richtung Schergrad zu folgen.<br />
Doch nachdem zwei ihrer Wachen und kurz darauf auch noch ihr<br />
Kommandeur von einem wütenden Feuergeist bei lebendigem Leibe<br />
gegrillt worden waren und die beiden Trolle, die in einigem Abstand<br />
und mit gezogenen Waffen hinter einer Orcin her gingen jeder einen<br />
der verschmorten Arme ihres Kommandeurs in Händen hielten und<br />
herzhaft davon abbissen, war die wütende Tapferkeit der Oger einer<br />
blanken Panik bis Todesangst gewichen. Glücklicherweise waren sie zu<br />
dumm um zu merken, dass sie, wenn sie gemeinsam gekämpft hätten,<br />
diese drei Eindringlinge locker besiegt hätten. So ließen sie diese<br />
einfach nur ziehen, jedoch keinen Meter aus den Augen.<br />
- 247 -
Endlich waren die drei an einer Höhle angekommen, die in den<br />
Schergrad führen sollte. Dutzende von Spinnen waren es aber, die den<br />
Weg blockierten.<br />
„Da kann Brauni ja froh sein, dass sie nicht hier is, Mann.“ meinte<br />
Teborasque grinsend, die Spinnen musternd. „Beim Anblick von den<br />
Viechern wäre sie glatt ausgetickt.“<br />
„Spinnen sind doch etwas natürliches, wie alle anderen Kreaturen<br />
dieser Welt. Wieso sollte eine so naturverbundene Taurendame wie<br />
eure so geschätzte Druidin durchdrehen?“ fragte Sophilia überrascht.<br />
natürlich war es unverständlich: <strong>Die</strong> Kinder der Erdenmutter hatten<br />
jegliches Leben zu lieben. Egal, ob nun ein schönes Reh, ein wilder<br />
Wolf oder halt eine schlanke Spinne.<br />
„Mach sie weg! Schnell <strong>–</strong> mach das Ding tot!“ brüllte Braunpelz, sich<br />
wild schüttelnd, nachdem sich erneut eine Motte auf ihren Rücken<br />
gesetzt hatte.<br />
Vadarassar seufzte, wob einen Flammenzauber, der die Motte<br />
umhüllen würde und ließ ihn auf selbige los. Das bescherte Braunpelz<br />
zwar einige dunkle Brandflecken in ihrem Rückenfell, doch diese<br />
würde sie so ja schließlich eh nicht sehen. Und Spiegel in ihrer Größe<br />
waren ebenso selten wie Paladine, die ernstzunehmende Gegner<br />
darstellten.<br />
Braunpelz lächelte, als sie endlich von diesem Krabbeltier befreit<br />
worden war. Dann blickte sie sich wieder um, versuchte die<br />
Orientierung auf der Straße zurück zu gewinnen. Um die Siedlung auf<br />
dem Weg hatten sie einen großen Bogen machen müssen, war sie<br />
doch überlaufen worden. Einziger Nachteil an dem kleinen Umweg<br />
war das massenhafte Krabbelzeug, durch das sie sich hatten kämpfen<br />
müssen. Glücklicherweise erblickten die beiden schnell wieder den<br />
Weg, gingen direkt darauf zu.<br />
„Fühlst du das auch?“ fragte Braunpelz, als sie den Klippen des<br />
Schattenmondtals immer näher kamen. Ein eisiger Schauer lief ihr über<br />
den Rücken. Und dieser Schauer war ausnahmsweise mal nicht durch<br />
das verbrannte Fell an ihrem Rücken verursacht.<br />
Vadarassar blickte sie fragend an. „Was meinst du?“<br />
„Ein Gefühl Wie....als wenn hier etwas Vertrautes wäre. Etwas<br />
Bekanntes...nur weiß ich nicht was.“ brauchte die Druidin hervor,<br />
blickte dann in den immer dunkler werdenden Himmel. Der schien mit<br />
- 248 -
einer unnatürlichen Fratze auf sie zurück zu starren. Glühende Augen,<br />
die sie fokussierten und direkt in ihre Seele blickten. Eine schattenhafte<br />
Stimme, die leise ihren Namen groll und ihr neuerlich Schauer über den<br />
Rücken jagte.<br />
Sie stemmte sich gegen ihre Angst, blickte den Augen entgegen. Ein<br />
Glitzern von schwarzem Stahl begleitete das Funkeln der Augen <strong>–</strong> und<br />
nun endlich begriff sie, glaubte aber sogleich, ihren Verstand zu<br />
verlieren. Denn dort oben erkannte sie niemand geringeres als jenen<br />
Aspekten, der seine Brüder und Schwestern verraten, seinen eigenen<br />
Schwarz ausgerottet, die Roten korrumpiert und die Blauen fast<br />
gänzlich vernichtet hatte. Neltharion war er einmal gewesen, doch<br />
seit Zehntausend Jahren war er unter einem anderen Namen bekannt,<br />
gefürchtet und gehasst.<br />
Deathwing, der Erdenwächter. Und sein eiskalter Blick starrte auf<br />
Braunpelz herab, durchbohrte sie wie eiskalte Speere und riß an ihrer<br />
Essenz. Vada....wieso beschützte er sie nicht, stellte sich vor sie oder<br />
griff diesen Titanen an? Nein, der Hexenmeister blickte stattdessen sie<br />
an, bewegte eine Hand vor ihrem Gesicht und strich durch ihr Fell.<br />
„Nozdormu ist bisweilen überaus einfallslos. Bereits vor so vielen Jahren<br />
war es ein Druide, der mich aufhielt. Und jetzt will er seinen Trick ein<br />
weiteres Mal wiederholen? <strong>Die</strong>s wird nicht geschehen. Nein! Meine<br />
Pläne werden nicht aufgehalten werden! Niemals!“ groll eine Stimme<br />
durch die Dunkelheit. <strong>Die</strong> Lichter blitzte, ließen Braunpelz in diesem<br />
Moment zusammen fahren, als hätte sie der Schlag getroffen. Mit aller<br />
Kraft stemmte sie sich gegen diese Macht, flehte die Erdenmutter und<br />
alles Leben um sich herum an, ihr beizustehen und ihren Körper, ihre<br />
Seele vor der Pein zu bewahren. Doch ihr Flehen schien ungehört zu<br />
verhallen.<br />
Mühevoll riß sie den Mund auf, wollte schreien, Vadarassar um Hilfe<br />
anflehen. Ja, mit seiner Hilfe könnte sie vielleicht diesen finsteren Blick<br />
zurück drängen. Doch ihre Zunge klebte am Gaumen, ließ keinen Laut<br />
aus ihrer Kehle dringen, während sie ruckartig und stoßweise atmete.<br />
Luft...sie musste doch atmen, wenigstens einen Atemzug machen und<br />
dann um Hilfe schreien. Stattdessen hielt sie eine schwarze Klaue am<br />
ganzen Körper gepackt, presste auch noch das letzte Bisschen Leben<br />
aus ihr heraus. Eine hässliche, drachenähnliche Fratze tauchte vor ihr<br />
auf, verunstaltet durch etliche Narben, rote Risse, aus denen etwas<br />
wie Lava drang, schwarzes Metall, glühende Augen und Hörner, die<br />
auf halber Länge eingerissen oder abgebrochen waren. <strong>Die</strong> Flügel,<br />
die diese Gestalt ausbreitete, hingen teilweise in Fetzen, waren<br />
- 249 -
ebenfalls mit Metallplatten geflickt worden. Und dann hörte sie die<br />
Stimme, diese schreckliche Stimme grollen.<br />
„Nichts hält mich auf. Auch du nicht, kleiner Druide. Auch du wirst dem<br />
Schicksal aller, die sich mir in den Weg stellen, folgen.“<br />
Erbarmungslos öffnete sich das Maul, wurde Braunpelz von der Klaue<br />
in selbiges gehoben. Sie konnte sich nicht wehren, versuchte zu<br />
schreien, doch erneut versagte ihr die Stimme. Nur ihre Arme waren es<br />
noch, die sich bewegten, die mit einem Mal etwas zu fassen<br />
bekamen. Eine Hand....eine dicke, nur zu vertraute Hand. Sie<br />
mobilisierte ihre letzten Kraftreserven, krallte sich so fest sie konnte an<br />
diese Hand, zog sie zu sich, bekam dann den ganzen Arm zu fassen,<br />
der sie langsam aus dem Griff des schwarzen Drachen heraus zog. Sie<br />
roch schon den fauligen Atem dieses verdorbenen Aspektes, fühlte,<br />
wie ein Würgereiz sich ihrer ermächtigte. Sie wollte sich übergeben,<br />
scheiterte aber an ihrem fast versiegelten Mund, schüttelte sich und<br />
zog gleichzeitig so kräftig sie konnte, während sie näher, immer näher<br />
an das mit messerscharfen Zähnen bestückte Drachenmaul heran<br />
geführt wurde. Noch drei Meter, dann zwei. Jetzt waren schon ihre<br />
Beine im Maul und der Arm schien langsam die Kraft zu verlieren.<br />
Panikartig zog sie noch kräftiger, dann schloß sich das Maul des<br />
Drachen und verfehlte ihre Hufe nur um Millimeter. Schlagartig öffnete<br />
sich die Klaue des Drachen und Braunpelz wurde nach oben<br />
gezogen. Wieder versuchte sie zu schreien, sog die Luft so kräftig sie<br />
konnte durch die Nase ein, presste sie dann mit aller Macht durch ihre<br />
Kehle. Erst kam nur ein Würgen, dann endlich der befreiende Schrei.<br />
„NEEEIIINNN!“ brüllte Braunpelz mit aller Kraft und Luft, die ihr zur<br />
Verfügung stand. So laut, dass die Krähen, die sich auf den Bäumen<br />
ringsum niedergelassen hatten, fluchtartig ihre Nester verließen und in<br />
alle Himmelsrichtungen verschwanden.<br />
Sie war am Leben....der Drache war weg. Stattdessen fühlte sie eine<br />
weiche, matschige Unterlage. Zuerst dachte sie, alles wäre nur ein<br />
Traum gewesen, dann spürte sie einen hämmernden Schmerz an ihrer<br />
Schläfe und kurz darauf, nur reichlich verschwommen, einen ihr nur<br />
allzu gut bekannten Hexenmeister. Der rechte Ärmel seiner Tunika war<br />
zerfetzt, ließ das darunter liegende Hemd klar sichtbar hervor stechen.<br />
Sie wollte fragen, was passiert war, fühlte dann die Stoffreste zwischen<br />
ihren Fingern. Wieder glitt ihr Blick zu dem Hexenmeister hinüber.<br />
„Du hast ja ein ziemliches Horn....ein Drittes wohl gemerkt.“ brummte<br />
Vadarassar die Taurin an, die kein Wort verstand.<br />
- 250 -
„Was....auu...ist passiert?“ ächzte Braunpelz hervor, nach Halt<br />
suchend, um sich aufzuraffen. Der Schwindel und das sich wild<br />
drehende Karussell in ihrem Kopf verhinderten dies effektiv, ließen sie<br />
mit einem Stoßseufzer wieder auf den Boden sinken.<br />
„<strong>Die</strong> Motte dahinten ist passiert.“ erklärte Vadarassar kurz. „Du bist in<br />
Panik geraten und weggerannt. Dann bist du gestolpert, gestürzt und<br />
mit dem Kopf auf den Felsen dort aufgeschlagen. Den Schatten sei<br />
Dank, dass dir nicht mehr passiert ist. Ich habe schon das Schlimmste<br />
befürchtet.“<br />
Braunpelz nickte langsam, hielt sich aber immer noch den Kopf.<br />
„Ich...glaube Deathwing lebt....irgendwo hier.“ brummte sie mit<br />
verzerrtem Gesicht. „Er plant etwas. Und er glaubt, dass wir<br />
es...verhindern könnten.“<br />
Vadarassar blickte ernst drein, strich ihr dann aber vorsichtig übers<br />
Gesicht. „Ein Traum <strong>–</strong> nicht mehr. Wenn er wirklich existieren würde,<br />
hätte er nur Schiß, sich mir zu zeigen.“<br />
„Nein...dazu war es...viel zu real.“ ächzte die Taurin hervor, sich nun<br />
doch aufrichtend. „Ich...war in seinen Fängen. Und er wollte...mich<br />
töten. Ohne das ich...etwas dagegen tun konnte.“<br />
„Jetzt hör mir mal zu. Selbst wenn dieser schwarze Drache hier<br />
irgendwo sein sollte, dann wäre es für ihn gesünder, wenn er sich<br />
irgendwo in einer Erdhöhle verkriechen würde. Denn wenn er dir auch<br />
nur ein Haar krümmt, reiße ich ihm seinen breiten Echsenhintern so weit<br />
auf, dass der Dunkelmondjahrmarkt drauf Platz findet <strong>–</strong> inklusive<br />
Illusionenrennbahn.“<br />
Braunpelz lächelte, hob eine Hand und strich vorsichtig über das<br />
Gesicht des <strong>Hexenmeisters</strong>. „Danke dir. Du bist so lieb.“ sagte sie leise<br />
und schloß dann die Augen.<br />
Vadarassar verzog das Gesicht. „Immer diese Beleidigungen. Sowas<br />
nehme ich persönlich.“ brummte er, hob dabei allerdings einen<br />
Mundwinkel.<br />
Zum Glück waren sie allein. Nicht auszudenken wie peinlich es<br />
gewesen wäre, wenn ausgerechnet diese scheinheilige<br />
Schamanentuse jetzt hier gewesen wäre. Ohhh....sein Ruf wäre<br />
komplett hin gewesen. <strong>Die</strong>se Labertasche hätte das Gesehene doch<br />
direkt durch die ganze Kluft der Schatten posaunt...<br />
- 251 -
Kapitel 42 <strong>–</strong> Auf der Flucht<br />
„Das kann doch jetzt nicht mehr wahr sein.“ grummelte Tay, die<br />
Hände in die Hüften gestemmt auf den Abgrund vor sich blickend.<br />
Deutlich erkannte man die Abrisskante auf dieser wie auch auf der<br />
anderen Seite des Abgrunds.<br />
„Gibt es ein Problem?“ fragte der Magier nach, bekam dafür einen<br />
Schwinger in seine Richtung, dem er gerade noch so ausweichen<br />
konnte.<br />
„Natürlich gibt es ein Problem, du vertrotteltes Stück Torf. <strong>Die</strong> Brücke<br />
zum Schergrad. Sie ist weg <strong>–</strong> demoliert.“ knurrte sie.<br />
Bwalkazz ging einen Schritt näher an den Abgrund, blickte nach<br />
unten. Zu seiner Verunsicherung sah er dort unten weder ein Ende des<br />
Abgrundes noch irgendwelche anderen möglichen Übergänge.<br />
„Dann wirst du wohl springen müssen.“ schlussfolgerte der Mager, die<br />
Taurin dabei nicht ansehend.<br />
„Ich werf dich gleich da rüber. Springen...das sind über fünfzig Meter!“<br />
groll sie, machte dann kehrt und ging flott den Weg wieder zurück.<br />
„Warte mal <strong>–</strong> wo willst du denn jetzt hin?“ fragte der Magier, sah noch<br />
einmal die Klippe herunter und dann wieder zu der Taurin, die ihren<br />
Schritt schon deutlich beschleunigt hatte.<br />
„Zurück zu Area 52. Vielleicht wissen die Goblins da etwas oder haben<br />
eine Idee, wie man die Brücke wieder aufbauen kann. Und wenn<br />
nicht, sollen sie ihre Hintern mal anstrengen.“<br />
Ein lautes Krachen durchfuhr die Höhle, ließ die tauben Spinnen<br />
ringsum davon aber nicht sonderlich zusammen zucken. Es war schon<br />
eher die Tatsache, dass eine ihrer Artgenossen plötzlich und von einer<br />
Ladung Schrot getroffen, zerbarst und sich gleichmäßig über den<br />
Höhlenboden verteilte. Laut zischelnd rasten sie auf ihre Schwester zu,<br />
wurden gleich darauf ebenfalls von Wurfmessern und Schrotladungen<br />
getroffen.<br />
„Du darfst ruhig mitkämpfen, Mann.“ motzte Teborasque die Orcin an,<br />
während er sein Gewehr nachlud. Sie indes machte keine Anstalten,<br />
nach ihrer Waffe zu greifen, hatte die Arme nur vor ihrer Brust<br />
- 252 -
verschränkt und sah den beiden Trollen zu, wie sie die<br />
Spinnenpopulation innerhalb der Höhle merklich dezimierten.<br />
„Das hier ist ihr natürlicher Lebensraum. Sie deswegen zu töten macht<br />
keinen Sinn und ist grausam. Sie werden uns sicher hindurch lassen,<br />
wenn wir ihnen im Gegenzug nichts tun.“ meinte sie lapidar.<br />
„Ja, sicher Mann.“ lachte Barra, zwei neue Wurfmesser aus ihrer<br />
Gürteltasche nehmend. „Kannst ja mal mit denen sprechen, Mann.<br />
Vielleicht sind die ja gesprächiger als die Oger eben.“<br />
So sehr man sich über die Taktlosigkeit und Primitivität von Trollen<br />
aufregen konnte, so Recht schien die Schurkin diesmal ausnahmsweise<br />
zu haben. Dennoch änderte das nichts an der Meinung von Sophilia,<br />
ihren Streitkolben nicht zu ziehen. Auch nicht, als eine Spinne<br />
geradewegs auf sie zu kam, die Giftzähne schon geifernd vor Gift und<br />
einer möglichen Beute, an der sie sich hätte laben können. Sie nahm<br />
einen kleinen Anlauf und sprang dann auf die Schamanin zu, die den<br />
Ernst der Lage nicht zu realisieren schien. Erst wenige Zentimeter vor<br />
dem Gesicht der Orcdame krachte ein Schuss durch die Höhle,<br />
schleuderte die Spinne zur Seite und riß ihren Körper in zwei Hälften.<br />
Lediglich einige Spritzer des grünen Spinnenblutes klebten nun auf<br />
dem Gesicht der Schamanin, das ausdruckslos nach vorn starrte, als<br />
hätte sie noch immer nicht begriffen, wie knapp sie gerade dem<br />
sicheren Tod entkommen war.<br />
„Guter Schuss, Mann!“ gratulierte Barra ihrem Bruder mit einem<br />
Handkantenschlag auf den Rücken, der ihn einige seiner Rippen<br />
knacken hören ließ. Schlagartig atmete der Trolljäger aus, fasste sich<br />
an die Brust.<br />
„Ich...war das nich, Mann. Das kam von da....“<br />
Den Satz brachte er nicht mehr zu Ende, sah er doch eine Gestalt, die<br />
ihm den Atem noch mehr raubte, als der Schlag seiner Schwester. Eine<br />
andere Trollin stand dort, hatte ihr qualmendes Gewehr geschultert<br />
und grinste breit.<br />
„Das Vieh is nu tot, Mann.“ sagte sie, dann zu der Schamanin<br />
gerichtet.<br />
„Kannst froh sein, dass ich gerade hier unterwegs war. Sonst wärste nu<br />
nen Spinnensnack geworden.“<br />
- 253 -
Etwas ungläubig sah die Schamanin endlich zu der Trolljägerin, die auf<br />
sie zu schritt. Ihre Lederkleidung war eng, betonte jedoch ihr überaus<br />
breites Becken noch mehr, als es bei Trolldamen eh schon der Fall war.<br />
Ihr Haar war zu einem Zopf gebunden und fiel nach hinten und damit<br />
einen Köcher, den sie, trotz ihrer Flinte, dort trug.<br />
„Wo wolltet ihr eigentlich grad hin? Im Schergrad is der Teufel los <strong>–</strong><br />
jede Menge Dämonen sind da aufgetaucht, Mann.“<br />
Jetzt endlich fand auch Sophilia wieder das Wort, erwachte aus der<br />
Starre, die ihren Blick noch immer starr nach vorn hatte blicken lassen.<br />
Sie sah die Jägerin zuerst dankend an, deutete dann nach Norden.<br />
„Verzeiht meine Manieren. Ich möchte mich zuerst vorstellen. Mein<br />
Name ist Sophilia, Schamanin im <strong>Die</strong>nste des Kriegshäuptlings und<br />
Herold der Horde. Wir sind auf der Suche nach einem der Unsrigen. Ein<br />
Vertreter der Verlassenen, verschwunden in dieser Welt und vermutlich<br />
irgendwo in Nethersturm befindlich.“ erklärte die Schamanin.<br />
<strong>Die</strong> Jägerin nickte. „Roxxy. Und hey, is ne miese Idee, nach<br />
Nethersturm gehen zu wollen. Nen paar Irre Blutelfen auf Drachen<br />
haben die Brücke gesprengt, Mann. Gibt keinen Landweg mehr<br />
rüber.“ erklärte die Jägerin, einige Schritte auf die drei zu gehend. Just<br />
in diesem Augenblick bemerkte sie auch, wie zwei Augen sie fixiert<br />
hielten. Ihr Blick traf eben selbige....und ein leichtes Kribbeln zog durch<br />
die Luft.<br />
„Das ist in der Tat ärgerlich. Wir sollten den Weg nach Shattrath zurück<br />
gehen, fragen, ob es einen Luftweg in eine der Städte in Nethersturm<br />
gibt. Kommt, wir sollten keine Zeit verlieren.“ sagte Sophilia, machte<br />
auf dem Absatz kehrt und ging in Richtung südlicher Höhlenausgang.<br />
Barra folgte ihr zwei Schritte, blieb dann stehen und sah zu ihrem<br />
kleinen Bruder.<br />
Der Stand noch immer unbewegt auf seinem Platz, blickte in die<br />
Augen der Trolljägerin und diese in Seine. Das die beiden mit dem Blick<br />
mehr austauschten als lediglich die Erkenntnis, welche Rüstungsteile sie<br />
wohl gerade trugen, war mehr als offensichtlich.<br />
„Beweg dich Kleiner. Bevor die Spinnen kommen. Turteln kannste<br />
woanders, Mann.“ zischte Barra, ihren Bruder mit einer ordentlichen<br />
Backpfeife zurück in die normale Welt holend.<br />
- 254 -
<strong>Die</strong> Berge starrten beängstigend auf die beiden Eindringlinge herab.<br />
Nachtschwarz waren sie...na ja...der Name „Schattenmondtal“ kam ja<br />
schließlich nicht von ungefähr. Außerdem schien es, als sei die Legion<br />
hier weitaus aktiver, als sonst überall. Höllenbestien gingen an den<br />
Seiten der Wege entlang, brandeten auf einen der Außenposten der<br />
Horde ein wie Regentropfen, duellierten sich mit Wachen und<br />
Magiern, die sich alle Mühe gaben, die Position zu halten, einen<br />
Dämon zu erschlagen, während drei weitere auftauchten. Nein, das<br />
hier war kein angenehmer Ort für einen Urlaub. Jedenfalls nicht für<br />
Braunpelz, der diese Region ganz und gar nicht zusagte. Vadarassar<br />
hingegen blickte mit leichter Sehnsucht auf die Dämonenhorden,<br />
dann die sprudelnden Vulkanfontänen in einiger Entfernung.<br />
Für ihn war diese Gegend wie geschaffen. Balsam für seine dunkle<br />
Seele und ganz besonders nach diesem kitschigen Wald sowie der viel<br />
zu hellen, lichtdurchfluteten Stadt, in der sie sich getrennt hatten. Hier<br />
und in diesem Posten würden sie fragen, ob jemand etwas von einem<br />
Untoten Magier gehört hatte.<br />
Der Kommandeur der Garde war Vadarassar leider nur zu bekannt. Es<br />
war eben jener Sturkopf der Orcs, der auch schon in Steinard die<br />
Nerven des <strong>Hexenmeisters</strong> enorm strapaziert hatte. Und er stand<br />
geradewegs im Eingang des Hordestützpunktes, versperrte den<br />
beiden den Weg hinein.<br />
„Da sieh mal einer an, welche Fliege sich von dem Dreck angezogen<br />
fühlt.“ grummelte der Gardekommandeur den Hexenmeister an, die<br />
Mundwinkel dabei noch tiefer ziehend, als es seine Gesichtsmuskeln<br />
üblicherweise möglich machten.<br />
„Zu schade. Ich hatte gehofft, Steinard wäre überrannt worden, als<br />
das dunkle Portal geöffnet wurde.“ groll Vadarassar im<br />
Näherkommen, als wolle er durch den Gardisten hindurch gehen.<br />
Doch dieser machte nicht einmal ansatzweise Platz, ergriff den<br />
Hexenmeister stattdessen am Kragen und hielt ihn fest.<br />
„Das wir die Positionen halten konnten, ist nicht der Verdienst<br />
d<strong>eines</strong>gleichen. Und ganz besonders DU bist mir ein Dorn im Auge,<br />
Nachtgewächs. Verzieh dich wieder in das Loch, aus dem du<br />
gekrochen bist, oder ich...“<br />
Seinen Satz brachte er nicht zu Ende, denn Vadarassar hatte<br />
seinerseits eine Hand auf die gelegt, die ihn am Kragen festhielt. Wie<br />
Schimmel wuchs ein rötlicher Belag die Hand entlang den Arm nach<br />
oben, verbreitete ein schreckliches Brennen und das Gefühl, die Hand<br />
- 255 -
würde dem Gardisten noch im Plattenhandschuh verfaulen. Ruckartig<br />
riß er sie los und taumelte zwei Schritte zurück, während das<br />
Anwachsen des roten Glühens zunahm. Zwei Wachen an den<br />
Toreingängen lockerten ihre Waffen, bereit, den Hexenmeister<br />
kurzerhand in handlichen Orcaufschnitt zu verwandeln.<br />
„Vada, bitte beruhig dich wieder.“ sagte eine sanfte Stimme, gefolgt<br />
von einer felligen Hand, die sich auf seine Schulter legte. Schlagartig<br />
verschwand das rote Glühen am Arm des Kommandanten, wanderte<br />
der Blick des <strong>Hexenmeisters</strong> zu der Taurendruidin, die neben ihm stand<br />
und mit ihren großen Augen wie ein kl<strong>eines</strong>, verängstigtes Kind auf den<br />
Orc wirkte.<br />
„Er wird uns hinein lassen, da ihm klar ist, dass wir nur Informationen zur<br />
Verschleppung <strong>eines</strong> unserer Freunde suchen.“ sagte die Taurin dann,<br />
den Blick dabei langsam in Richtung Kommandant richtend. Der<br />
realisierte nur langsam, dass er eben jener Taurin gerade seinen Arm<br />
zu verdanken hatte, trat schließlich zur Seite und ließ die beiden<br />
dennoch eintreten.<br />
Vadarassar grummelte. Er war mittlerweile so schlapp geworden, dass<br />
er sich von einer Druidin in seinen Flüchen unterbrechen ließ. Was für<br />
ein Waschlappen!<br />
Area 52 lag in Trümmern. Überall brannten kleine und große Feuer, war<br />
dort, wo vorher wilde Basteleien und das Geklimper vieler Hämmer<br />
und sonstiger Werkzeuge zu hören war, nur das Feuer das einzige<br />
Geräusch, das die vollständige Ruhe unterbrach.<br />
„Ich denke die Goblinwache dort vorne wurde getötet.“ stellte Tayury<br />
mit einem Blick in Richtung Eingang fest.<br />
„Woher diese Weisheit, Schwarze? Hat dir das die Erdenmutter gefl....“<br />
Weiter kam er nicht, denn gerade in diesem Moment knallte schon<br />
eine rüstungsbewehrte Faust auf seinen Kopf, brachte seine<br />
Gedanken und seine Frisur durcheinander.<br />
„Ich habe dir etwas gesagt! Und nein, ich denke nur, dass eine Axt im<br />
Schädel wenig gesundheitsfördernd ist.“ grummelte sie, kurz darauf<br />
einen großen, schwarzen Dämon aus dem Eingang schreitend. An<br />
seiner Seite standen zwei Blutelfen in ebenfalls dunklen Rüstungen,<br />
musterten die Umgebung.<br />
- 256 -
So schnell sie konnte duckte sich die Taurin, riß in dieser Bewegung<br />
den sich noch immer den Kopf reibenden Bwalkazz kurzerhand mit auf<br />
den Boden, drückte sein Gesicht in den Dreck.<br />
Mit einem schmatzenden Geräusch versuchte sich dieser gegen die<br />
schroffe Behandlung zu wehren, wurde von dem festen Griff der Taurin<br />
aber nur noch kräftiger in den Boden gedrückt. Erst als der Dämon<br />
samt Leibgarde verschwunden war, hob sie den Untoten wieder auf<br />
und in ihre Gesichtshöhe.<br />
Wütend spie Bwalkazz einige Erdbrocken aus und in Richtung der<br />
Taurin, ehe er ihr einen eiskalten Blick zuwarf.<br />
„Was sollte das denn? Ich habe doch nichts gesagt.“<br />
„Wolltest du aber. Und du hättest uns verraten. Wir müssen hier weg.“<br />
stellte die Taurin grummelnd fest.<br />
„Ach? Und wohin bitte? <strong>Die</strong> Brücke ist kaputt, wenn ich dich erinnern<br />
darf.“ mahnte Bwalkazz, die Arme verschränkend und abermals seine<br />
total verdreckte und zerfetzte Robe mit einem Stoßseufzer einfach so<br />
akzeptierend wie sie war. Naja....vielleicht würde sie durch den vielen<br />
Netherstaub ja etwas Extramagie erhalten. Schließlich stank hier die<br />
gesamte Umgebung nach magischer Energie.<br />
<strong>Die</strong> Taurin zeigte nach Nordosten. Dort zeichnete sich, ziemlich weit<br />
am Horizont, eine Art Kuppelbau ab.<br />
„<strong>Die</strong> Biosphären. Der Prinz von den Astralen hat mir was angeboten.<br />
Zeit, das Angebot anzunehmen.“ grummelte die Taurin, selbige Worte<br />
mit so wenig Begeisterung wie nur irgend möglich aussprechend.<br />
Dann stand sie schon auf, schleifte den Magier die ersten Schritte<br />
einfach mit sich, ehe sie dann zusammen in die Richtung gingen.<br />
<strong>Die</strong>smal allerdings deutlich schneller als die Tage zuvor <strong>–</strong> denn diesmal<br />
spürten sie, dass ihnen jemand auf den Fersen war.<br />
- 257 -
Kapitel 43 <strong>–</strong> Flucht durch eine andere Welt<br />
<strong>Die</strong> ehemals so wunderschön eingerichtete Taverne war mittlerweile<br />
nur noch ein Schlachtfeld. Ein metergroßes Loch klaffte in der Decke,<br />
Trümmer lagen an allen Orten. Einige der Gäste inklusive dem Gastwirt<br />
waren durch die schweren Steinbrocken erschlagen worden, andere<br />
nur eingeklemmt und dann von Schwertern und Äxten der Dämonen<br />
von ihrem langsam dahinsiechenden Schicksal erlöst worden. Einen<br />
der Goblins hatte es weniger gut getroffen. <strong>Die</strong> Hälfte s<strong>eines</strong> Gesichts<br />
war schon verbrannt, der rechte Arm mehrfach gebrochen und <strong>eines</strong><br />
seiner Beine hatte er in der Attacke der Netherdrachen nebst ihrer<br />
Reiter verloren. Nun hing er hier, fest verschnürt an einem der wenigen<br />
Pfosten, die noch intakt waren und erwartete sein langsames,<br />
qualvolles Ende.<br />
„Ich frage dich jetzt zum letzten Mal, du Wurm. Hast du diesen Untoten<br />
Magier gesehen und wenn ja wann, wo und wohin ist er gegangen?“<br />
fragte ein Blutelf, der sich vor dem Goblin aufgebaut hatte, einen<br />
Dolch an dessen Kehle hielt.<br />
Fargoth war noch nicht lange unter den Gefolgsleuten von Illidan.<br />
Eigentlich war er in diese Lande gekommen, um seine Kenntnisse des<br />
Dämonischen auszubauen, ihre Kräfte noch besser benutzen zu<br />
können und damit noch viel stärker zu werden. Doch seine Jugend<br />
und seine Gier nach Macht hatten den Blutelfhexenmeister noch mehr<br />
korrumpiert als das mit seinem Volk eh schon geschehen war. Nur zu<br />
begierig hatte er die Versprechungen von Illidan, einen Zugang zu<br />
nahezu grenzenloser Macht, einen nicht versiegen sollenden Strom<br />
von Mana zu erhalten, angenommen. Es waren nicht viele Monde<br />
vergangen, seit dieser Pakt geschlossen wurde. Und noch immer war<br />
Fargoth ein Initiant, jedoch würde er sich beweisen und bald schon in<br />
die höheren Zirkel des Dämonenjägers aufsteigen, von ihm respektiert<br />
und geachtet werden. Bald, sehr bald schon...und mit dem Auffinden<br />
dieses elenden Untoten Magiers würde er beginnen.<br />
„Ich...ich weiß nicht, wovon ihr sprecht ich...“ stammelte der Goblin,<br />
dem der Dolch langsam immer fester auf den Hals gedrückt wurde.<br />
Dann jedoch besann sich Fargoth, begriff, dass er dem Goblin das<br />
Ende so viel zu früh bringen würde, zog den Dolch zurück und rammte<br />
ihn stattdessen mit aller Kraft in die rechte Schulter des Goblins. Ein<br />
lautes, verzweifeltes Aufschreien groll durch die Ruine, ließ Staub herab<br />
und auf die Robe von Fargoth rieseln. Doch es kümmerte ihn nicht.<br />
Seine glühend grünen Augen fixierten nur den Goblin, starrten ihn<br />
- 258 -
öse an, während eine seiner Hände auf dessen Stirn gelegt war und<br />
langsam, ganz langsam, die Kraft des Goblins absaugte.<br />
„Ich werde ungeduldig. Jetzt sag mir schon, was du weißt. Sonst lernst<br />
du die Welt der Schmerzen im Übermaß kennen.“ zischte der<br />
Blutelfhexenmeister, den Dolch in der Wunde langsam drehend.<br />
„JAAAUUUUUUUUUU....ICH REDE....ich rede ja schon....“ brüllte der<br />
Goblin vor Schmerzen auf.<br />
„Er...er kam mit....einer Taurin....einer<br />
schwarzen...Taurin....Schamanin.....wollten....zu ihr....nach<br />
Hause.....Thunder Bluff.....über....Shattrath....vor zwei...Tagen....“<br />
stammelte der Goblin gepresst, die Schmerzen noch immer zu<br />
unterdrücken versuchend. Vergeblich <strong>–</strong> sie waren einfach zu schlimm.<br />
Für Fargoth reichte die Information. Der Untote lebte also, hatte sogar<br />
Begleitung. Doch da die Brücke schon vorgestern zerstört worden war,<br />
würden sich die beiden noch in Nethersturm aufhalten. Hier kämen sie<br />
nicht mehr lebend weg. Das war alles, was Rakh’Gor würde wissen<br />
müssen. Und das er diese Information besorgt hatte, die kein anderer<br />
vor ihm erlangen konnte, würde Fargoth als deutlich positives Zeichen<br />
für sich vermerken können.<br />
Dann richtete er seine Sinne wieder auf den Goblin. „Für dich habe ich<br />
keine Verwendung mehr.“ sagte er trocken, rammte den Dolch in den<br />
Bauch des Goblins und sog dann langsam alle Energie, die er<br />
bekommen konnte, von dem kleinen Goblinkörper in sich auf. <strong>Die</strong>ser<br />
schrie noch gequält, fühlte aber, wie ihm die Kraft zum schreien mit<br />
jeder Sekunde schwand. Schließlich hing nur noch ein welker Körper<br />
an dem Pfeiler, kalkblass, schwach, das Herz und die Atmung nicht<br />
mehr vorhanden. Nicht einmal mehr Blut tropfte aus den Wunden, die<br />
der Hexenmeister in den Körper geschlagen hatte. Fargoth hingegen<br />
glühte geradezu vor Energie, fühlte sich erfrischt und wieder um Jahre<br />
jünger.<br />
Mit einem siegessicheren Grinsen, schließlich eine wertvolle<br />
Information für seinen Gebieter erlangt zu haben, verließ er die<br />
Trümmer der Taverne.<br />
„Wenn ich gewusst hätte, dass ich so viel rennen muss, hätte ich mir<br />
die Beine <strong>eines</strong> Athleten zugelegt.“ ächzte Bwalkazz, als sie die eine<br />
Kuppel fast erreicht hatten. Auch Tayury schnaufte mittlerweile, war<br />
die Hatz sonst offensichtlich nicht gewohnt. Tief innerlich grummelte sie<br />
tief, wieso sie diesen dämlichen Untoten nicht einfach bei den<br />
- 259 -
Dämonen gelassen hatte. Das hätte ihr viel Ärger erspart. Außerdem<br />
würde sie Knie die ganze Rennerei sicher bald büßen lassen. Zwar<br />
spürte sie noch kein Pochen, doch das musste nichts bedeuten.<br />
„Halt die Klappe und lauf lieber!“ machte sie sich ihrem Unmut freie<br />
Luft. Es würde noch weit, sehr weit sein, bis sie bei dem Nexusprinzen<br />
ankommen würden. Doch innerhalb der Biosphären waren sie<br />
wahrscheinlich erst einmal relativ sicher. Vermutlich zumindest.<br />
Bwalkazz blieb vor der Außenseite der Kuppel stehen, betrachtete sie<br />
eingehend. „Was...soll das denn sein?“ fragte er die Taurin.<br />
„Quatsch nicht, beweg dich!“ schnaubte die, holte aus und verpasste<br />
Bwalkazz kurzerhand einen Tritt, der ihn nach vorne stolpern und nicht<br />
im Dreck, sondern in hohem, weichen Gras landen ließ. Sie folgte dicht<br />
hinter ihm, zog ihn am Kragen wieder auf die Beine und spornte ihn<br />
erneut an, weiter zu laufen.<br />
„Wie weit ist es denn noch?“ ächzte Bwalkazz, dessen geschundener<br />
Körper deutlichst nach einer Pause verlangte.<br />
„Noch sehr weit. Also beeil dich lieber, wenn du leben willst.“<br />
Ein ironisches Lächeln zog über die Lippen des Magiers. Er und<br />
leben...das war einmal. Doch leiden wollte er auch nicht wieder <strong>–</strong> und<br />
sich mit dieser Meckertaurin auf eine Diskussion einzulassen war so<br />
sinnvoll wie mit einem Felsbrocken zu streiten, wer zur Seite gehen solle.<br />
Also folgte er ihr wieder, verfluchte seine Knochen und deren Trägheit<br />
noch im Gehen.<br />
„Also Roxxy is dein Name, eh?” pfiff Teborasque im Gehen der<br />
Trolldame zu. „Angenehm. Nenn mich Tebo. Bin auch nen Jäger <strong>–</strong><br />
genau wie du.“<br />
„Ja, das sieht man.“ säuselte sie zurück, dicht neben Tebo her<br />
gehend. „Was is das eigentlich für nen Freund, den ihr da sucht?“<br />
fragte sie interessiert.<br />
„Nen Untoter Magier. Aber nich so viel von ihm <strong>–</strong> was is mit dir? Wieso<br />
biste denn so allein hier?“<br />
„Na...weil ich allein bin. Deshalb.“ antwortete Roxxy, ihre Nase in<br />
diesem Moment hebend und zur Seite blickend. Tebo reagierte<br />
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prompt, legte einen Arm um ihre Schulter und ließ die Hand<br />
kurzerhand knapp über ihrer Oberweite zum Ruhen kommen.<br />
„Ey!“ reagierte Roxxy, watschte Tebo eine und streckte ihn, der<br />
gänzlich überrascht war, erfolgreich auf den Boden nieder. „Ich geb<br />
das Tempo vor, Mann!“ motzte sie, dann kurzerhand auf ihn drauf<br />
springend.<br />
Sophilia und Barra verdrehten gleichzeitig die Augen, gingen<br />
anstandslos weiter.<br />
„Ohh neee, Mann. <strong>Die</strong> beiden können wir heute abschreiben.“ zischte<br />
Barra die Orcin an.<br />
„Du meinst, weil sie sich jetzt streiten werden?“ fragte Sophilia<br />
verwundert.<br />
„Du hast nich viel Erfahrung mit Trollen, wa?“ meinte Barra, zog ihre<br />
Kappe etwas tiefer ins Gesicht und verschränkte dann die Arme.<br />
„<strong>Die</strong> beiden sind wieder hier in den Marschen und bei den Sporen.<br />
Und das da sind die Anfänge des Paarungsrituals. Das dauert, Mann.“<br />
meinte sie, bei den Worten und den Gedanken, die ihr dabei in den<br />
Sinn kamen, leicht rot anlaufend. Nur Augenblicke nach ihren Worten<br />
flogen schon die Gewehre, Munitionsbeutel, Stiefelschäfte, die<br />
Rüstungen und auch die Hosen in Richtung der beiden Damen und sie<br />
hörten ein feuchtes Klatschen von den beiden, wie sie sich durch den<br />
Sumpf rollten und einander mit Bissen, Kratzern und jeder Menge<br />
Dingen, die nur Trolle wirklich tun oder verstehen konnten, noch mehr<br />
in Ekstase brachten.<br />
Sophilia und Barra blieb nichts anderes übrig, als beschämt in eine<br />
andere Richtung zu sehen und die Geräuschkulisse, die sich kurz<br />
darauf aufbaute, so gut es ging auszublenden.<br />
„In der Tat habe ich einen Untoten hier in diesen Landen gespürt.<br />
Einen, der gefangen gehalten und gequält wurde.“ sagte die alte<br />
Taurin, die an einem Feuer saß und zu den beiden Besuchern hinauf<br />
blickte.<br />
„Das Land hat ihn erkannt, für ihn um Hilfe gerufen, doch niemand<br />
schien den Hilfeschrei zu hören. Jetzt jedoch, da die Rufe verstummt<br />
sind, kommt ihr, ihn zu suchen. Ein Zufall, vielleicht ein Glücksfall. Doch<br />
der Untote ist nicht hier. Nicht mehr. Er verschwand vor einigen<br />
Nächten.“<br />
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Vadarassar nickte finster. Sie waren also zu spät...hoffentlich war<br />
Bwalkazz nichts zugestoßen. Eine Hoffnung, die durch das gerade<br />
Gesagte eher ein zynischer Funken denn wirklich Wahrheit gewesen<br />
war. Wenn er denn noch lebte, dann sicher nicht mehr im<br />
Schattenmondtal.<br />
„Wo wurde er denn gefangen gehalten? Kann es sein, dass man ihn<br />
nur an einen Ort gebracht hat, wo ihn das Land nicht mehr spüren<br />
könnte? Ein Ort, den es vielleicht fürchtet?“ fragte Braunpelz ihre<br />
Artgenossin mit einer Sicherheit, die der alten Taurendame zeigte, dass<br />
Braunpelz, obwohl sie noch sehr jung war, die Umstände der Natur<br />
sehr wohl verstand. Denn selbst das Leben und die Länder, die Bäume,<br />
Gräser und sogar die Pilze fürchten sich vor bestimmten Dingen. Das<br />
war auch der Grund, weshalb rings um das Dunkle Portal nie wieder<br />
etwas gewachsen war: <strong>Die</strong> Natur fürchtete sich vor dem Bösen, das<br />
aus dem Portal einstmals gekommen war und vielleicht wieder<br />
kommen würde.<br />
<strong>Die</strong> alte Taurin blickte auf, deutete dann gen Osten.<br />
„Dort <strong>–</strong> weit im Südosten, liegt ein schwarzer Tempel. Seine Anhöhen<br />
sind verflucht, seit der dunkle Lord eingetroffen ist. Niemand sollte sie<br />
betreten, so dieser sein Leben zu behalten wünscht.“<br />
Bingo. Genau dort würde Bwalkazz sicher festgehalten, wenn er denn<br />
noch am Leben war.<br />
Schnell verabschiedeten sich die beiden, sahen einander an und<br />
nickten sich zu: Dort, in diesem Tempel musste Bwalkazz festgehalten<br />
werden. Das er hier gewesen war, war eindeutig. Also machten sie<br />
sich auf den Weg, eben jenen Tempel ausfindig zu machen.<br />
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Kapitel 44 <strong>–</strong> Verrat unter Verbündeten<br />
<strong>Die</strong> riesigen Kuppeln waren beeindruckend. Kaum hatte man diese in<br />
einem dunklen Lila schimmernden Gebilde betreten, die von einer<br />
wirren Konstruktion aus magischen Prismen, Rohrleitungen und<br />
Materialien, die Bwalkazz gänzlich unbekannt waren, schien man in<br />
einer komplett anderen Welt umher zu laufen. Anders als in der kargen<br />
Wüste draußen blühte hier das Leben. Wasserquellen sprudelten,<br />
Raptoren und die unterschiedlichsten anderen Tiere liefen umher,<br />
kleine Falter saßen auf den mit Morgentau bedeckten Friedenblumen<br />
und futterten dort den süßen Nektar. Es war verblüffend <strong>–</strong> so viel<br />
Leben, als wäre man inmitten des Dschungels von Stranglethorn.<br />
Eine idyllische Atmosphäre...wenn man der Typ für so etwas war.<br />
Bwalkazz indes war genau so etwas nicht, freute sich aber über die<br />
farbliche Abwechslung zum ständigen Dunkelgrau der Wüste.<br />
Dann, inmitten dieser riesigen Kuppel, ragte eine Anhöhe nach oben,<br />
ein Felsplateau, das dem von Thunder Bluff alle Ehre gemacht hätte.<br />
Und genau wie in der Taurenstadt waren es magische Podeste, die<br />
stets zwischen oben und unten verkehrten, die Besucher von der<br />
Bodenebene nach oben trugen.<br />
„Dort ist es. Beweg dich, gleich sind wir da.“ spornte die schwarze<br />
Taurin den Untoten grimmig an. Doch der Magier war mittlerweile<br />
erschöpft, trug sich nur noch gerade so und schlapp auf die<br />
Transportplattform. Schlaf <strong>–</strong> er brauchte jetzt Schlaf. So ironisch es<br />
klang, doch selbst bereits tote Wesen wie er brauchten noch jene<br />
Eigenheit, die sonst den Lebenden vorbehalten war. Den Grund<br />
konnte er sich nicht erklären <strong>–</strong> für so etwas waren schließlich die<br />
Apotheker in Undercity da. Er wusste nur, was er selbst fühlte. Und<br />
eben das war eine unglaubliche Müdigkeit.<br />
„Jetzt beweg dich endlich. Wir sind ja gleich da. Dann kannst du<br />
deine Knochen wieder in deinen Sarg legen. Oder willst du hier direkt<br />
beerdigt werden?“ grummelte Tay.<br />
Bwalkazz antwortete nicht, folgte ihr einfach nur. Natürlich war sie<br />
auch erschöpft, waren sie doch zwei Tage und Nächte durch<br />
gelaufen, ohne Rast und ohne Pause. Das hätte zum einen zu lange<br />
gedauert und zum anderen hätte es das Risiko gehabt, von der<br />
Legion oder diesen Wahnsinnigen Blutelfen erwischt zu werden. Keine<br />
schöne Vorstellung, die sie die ganze Zeit über begleitet und<br />
angespornt hatte, ihr Äußerstes zu geben. Doch nun waren ihre Kräfte<br />
- 263 -
versiegt, schleppte sie nur noch ihr eiserner Wille auf <strong>eines</strong> der großen<br />
Gebäude zu. Dort, in eben jenem Gebäude, standen schon zwei<br />
Astrale Wachen, hielten die beiden zuerst auf, ehe sie die Taurin<br />
erkannten.<br />
„Ahhh, sieh einer an. <strong>Die</strong> Kriegerkuh kehrt zurück. Es freut mich, dich<br />
ein weiteres Mal in meinem Heim begrüßen zu dürfen, Tayury.“ flüsterte<br />
ein Hologramm in der Mitte des Raumes in einer derart fremdartigen<br />
Art und Weise, dass es Bwalkazz siedend heiss das Rückgrad herab<br />
floss. <strong>Die</strong>se Astralen hatten eine ganz eigene Art zu sprechen, sehr<br />
abgehackt, mehrfach verzerrt und mit einem Hall dahinter, als wären<br />
sie in einer riesigen Kathedrale. Einige Worte kamen verzögert,<br />
überlappten die anderen und klangen daher unwirklich fern, auch<br />
wenn man direkt vor einem stand.<br />
„Nexusprinz. Ihr habt mir einmal etwas angeboten, was ich ausschlug.<br />
Jedoch benötige ich nun zur Abwechslung eure Hilfe, eben jenes<br />
Angebot.“ sagte die schwarze Taurin so freundlich sie konnte <strong>–</strong> doch<br />
selbst das klang am ehesten wie eine rügende Zurechtweisung <strong>eines</strong><br />
kleinen Kindes, das gerade mit Wachsmalstiften das Bild des<br />
Kriegshäuptlings um einige zusätzliche Bart- und Haaransätze<br />
bereichert hatte.<br />
„Sieh an <strong>–</strong> die Taurin mit dem magischen Desinteresse wünscht meine<br />
Hilfe. Du spielst auf das Portal an, das ich dir einst anbot.“ hallte die<br />
Stimme erneut aus dem Hologramm.<br />
„Das ist richtig. Leider führt kein anderer Weg mehr....“<br />
„Wohl wahr. Wenn die Brücke zerstört ist und die Windreiter nicht mehr<br />
am Leben, ist es zweifellos der einzige Weg zurück nach Shattrath für<br />
dich.“ unterbrach die Astrale Gestalt den schwarzgefellten<br />
Redeschwall.<br />
„Woher...?“ fragte die Taurin, erschrak dann, als Bwalkazz sie mit seiner<br />
knochigen Hand in die Hüfte kniff. Ruppig drehte sie sich um, die Hand<br />
schon zu einer Kopfnuss auf den Untoten erhoben, als sie zum Eingang<br />
blickte und ihr Gesicht schlagartig nach hinten zu kippen schien.<br />
Ein riesiger Dämon stand dort im Eingang, flankiert von zwei<br />
Blutelfenwachen. Das Grinsen in der tief roten, dämonischen Fratze<br />
war fast so breit, dass er nicht durch den Eingang gepasst hätte. Und<br />
auf das verblüffte, schockierte Gesicht der Taurin reagierte er mit<br />
einem finsteren Lachanfall, der die Wände erzittern ließ.<br />
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„Haben wir dich am Ende doch noch erwischt, du totes Stück Fleisch.<br />
Und du hast dir eine Begleiterin gesucht, wie es aussieht. Wie<br />
bedauerlich für sie.“ groll der Dämon, sah zugleich das Hologramm<br />
hinter ihr flimmern.<br />
„Ihr kamt zu mir, weil ihr einen Untoten begehrtet. Er sei euer, jedoch<br />
nicht seine Gefährtin. <strong>Die</strong>se steht in meiner Schuld.“ echote der<br />
Nexusprinz, gab ein Zeichen und ließ zugleich seine Wachen an ihre<br />
Seiten gleiten.<br />
„Rede nicht so eingebildet, Prinz! Wenn du dich gegen den dunklen<br />
Lord stellen willst, dann wirst du schneller aus diesen Landen radiert als<br />
die elenden Goblins! Und jetzt gib sie heraus! Sie wird ebenso wie er zu<br />
unserem Herrn gebracht werden. Er wird über ihr Schicksal<br />
entscheiden.“<br />
Einen Moment lang herrschte Stille. Bwalkazz starrte Tayury an, die<br />
blickte kühl zurück, fühlte unter ihrer dicken Schale irgendwo doch<br />
gewisses Mitleid für den Untoten. Doch ihre Gedanken wurden von<br />
zwei astralen Armen unterbrochen, die sie packten und nach hinten<br />
schleiften.<br />
„Ich habe meine Entscheidung getroffen. Der Kodex muss eingehalten<br />
werden!“ hallte es erneut. Dann begann das mechanische Portal zu<br />
glühen, waberte leicht, als wäre die Oberfläche aus Wasser.<br />
„Nein! Ich werde nicht gehen! Lasst mich los ihr verdammten<br />
Energiedinger, sonst schlage ich eure Hel....“ brachte die Taurin noch<br />
hervor, wurde dann aber in ihrem wütenden Gekeife unterbrochen,<br />
als die beiden sie schlicht durch das Portal hindurch warfen.<br />
„Und dann bin ich auf meinem Raptor einfach mitten durch die<br />
Legion gestürmt. Mann, haben die da gegafft, als Pok’Lok dem<br />
Kommandeur der Kerle durchs Gesicht gelatscht ist!“ erzählte Roxxy<br />
mit einem breiten Grinsen, Tebo einen Ellenbogenstoß in die Rippen<br />
verpassend. Der grinste seinerseits nur ebenfalls breit, strich mit einer<br />
Hand durch ihr Haar, mit der anderen durch das Fell s<strong>eines</strong> Geparden,<br />
der dicht neben ihm her ging. Eine gewisse Eifersucht war in dem<br />
Gesicht der Katze zu erkennen, hatte sie doch zugesehen, wie diese<br />
beiden Trolle mehr als nur Freundschaft für sich empfanden.<br />
„Boah Mann, das war ja wirklich schrill.“ bestätigte Teborasque die<br />
Trolldame, die daraufhin nur laut und kehlig lachte.<br />
- 265 -
„Ne Mann, das war noch gar nix. Du hättest mich mal sehen sollen,<br />
wie ich diese dämlichen Häscher verarscht hab. Das Riesending wollte<br />
mich doch glatt zertreten <strong>–</strong> stattdessen hab ich’s in die Allianzfestung<br />
gelockt. Boah <strong>–</strong> haben die sich über den Besuch gefreut. Und danach<br />
gabs einigen Schrott mehr.“ feierte sie ihre Glanzleistung.<br />
Barra verdrehte die Augen. Normalerweise waren es ja die Männchen,<br />
die mit irgendwelchen hirnfreien Aktionen die Damen beeindruckten.<br />
Doch diese....Tussi war so schrill und abgedreht, die hatte den Spieß<br />
kurzerhand umgedreht. Seit nicht weniger als NEUN Stunden redete<br />
die Trolljägerin ohne Punkt und Komma von den absurdesten und<br />
lebensmüdesten Aktionen, die sie wohl nur aufgrund einer Legion<br />
Schutzengel überlebt hatte. Was ihr Bruder an ihr fand, konnte sie sich<br />
nicht erklären. Doch seit der ersten Minute, in der sie sich gesehen und<br />
unterhalten hatten, waren sie nicht mehr voneinander zu trennen. Es<br />
gab Momente, da hätte sie dieser Trine am liebsten einen Dolch in<br />
den Rücken gerammt, jedoch waren die nicht lang genug, um sie<br />
Wirklichkeit werden zu lassen.<br />
Wenigstens war mittlerweile das Gasthaus von Shattrath in Sicht. Hier<br />
würden die Vier nach einem Windreiter in Richtung Nethersturm<br />
fragen. Schließlich war dort sicher ihr Freund irgendwo <strong>–</strong> hofften sie<br />
jedenfalls.<br />
„Ich habe mit dem Gastwirt gesprochen. Er ist in der Lage und bereit,<br />
uns zwei Windreiter zu organisieren, auf das wir mit ihnen dorthin<br />
fliegen, wo wir hin wünschen. Nethersturm wäre in diesem Falle einen<br />
Tag mit selbigen entfernt.“ erklärte Sophilia den versammelten Trollen,<br />
von denen lediglich die Jäger kaum etwas mitbekamen. Zu vertieft<br />
waren sie in ihre Turtelei.<br />
Eine arkane Explosion riß sie mit einem Schlag von den Beinen,<br />
schleuderte sie einige Meter zur Seite und ließ die Wachen ringsum ihre<br />
Waffen ziehen. Zwar war es dank der Macht von Al’Dal der Legion<br />
nicht möglich, in Shattrath einzudringen, jedoch gab es noch mehr als<br />
genug andere böse Kreaturen auf dieser Welt, die den Frieden zu<br />
stören als ihr Ziel hatten. Entsprechend deutlich und vehement waren<br />
die Wachen bereit, gegen den Eindringling vorzugehen.<br />
„...me ein und reiße euch die Köpfe ab!“ brüllte eine schwarze Kuh, in<br />
diesem Moment realisierend, dass ihre Arme nicht mehr durch etwas<br />
gehalten wurden. Schlagartig griff sie nach ihrem Streitkolben, bereit,<br />
ihren scheinbaren Häschern den Gar aus zu machen. Das<br />
interpretierten die Wachen wohl als Bedrohung, schritten mit ebenfalls<br />
gezogenen Waffen auf sie zu.<br />
- 266 -
<strong>Die</strong> Taurin war mehr als verdutzt, mit einem Mal von derartigen<br />
Wachen umringt zu stehen. Doch statt ihre friedlichen Absichten zu<br />
bekunden und ihre Waffe zu senken hob sie ihre Stimme und<br />
schnauzte die Wachen an.<br />
„Was soll der Mist ihr Möchtegernblechdosen? Habt ihr keine<br />
Konservenfabrik, wo ihr als leere Kessel gebraucht werdet?!“ groll sie,<br />
die Wachen eine nach der anderen ansehend. <strong>Die</strong> starrten einander<br />
nur an, verstanden wohl nicht, was die Taurin damit gemeint haben<br />
konnte. Zögerlich ließen sie zuerst ihre Waffen sinken, hoben sie dann<br />
aber wieder, um weiter auf die Taurin zu zu gehen.<br />
„Haltet ein, ehrenhafte Stadtwachen. Ich möchte euch versichern,<br />
dass von dieser, meiner Schwester keine Gefahr ausgehen wird.“<br />
mischte sich sogleich Sophilia ein, ging einen Schritt auf die schwarze<br />
Taurin zu, die sie direkt als ebenfalls schamanistische Schülerin erkannt<br />
hatte.<br />
<strong>Die</strong>se Nachricht verstanden die wachen, nickten der Orcschamanin<br />
zu und steckten ihre Waffen weg. Nur zu <strong>–</strong> sollte die sich mit der dicken<br />
Kuh beschäftigen. Abgesehen davon hatte es gerade vor zwei<br />
Minuten zum Essen fassen geläutet. Folglich nickten sie nur kurz,<br />
drehten sich um und verschwanden in Richtung der<br />
Truppenversorgung.<br />
<strong>Die</strong> Taurin gaffte den mit einem Mal verschwindenden Wachen<br />
sprachlos hinterher, sah dann zu der Orcfrau, die auf sie zu ging.<br />
„Wer soll meine Schwester sein? Etwa du halbe Portion?“ groll sie, ihren<br />
Hammer nur geringfügig sinken lassend.<br />
Sophilia nickte sachte. „Natürlich. Alle Kinder und <strong>Die</strong>ner der<br />
Erdenmutter sind Brüder und Schwestern. Und ich freue mich, dass du<br />
hier bist, damit ich dich...“<br />
„Ich diene keiner Erdenmutter.“ unterbrach die Taurin mit fester,<br />
grummelnder Stimme. „Ich diene MIR und sonst niemandem.“<br />
„Das wage ich zu bezweifeln. In Anbetracht deiner Erscheinung sehe<br />
ich deutlich, wie sehr du mit der Erdenmutter verbunden bist. Sie<br />
spendet uns Kraft und beschützt uns.“<br />
Jetzt war es soweit <strong>–</strong> die Taurin war richtig wütend. Nicht nur, dass<br />
diese Tussi sie dort ebenfalls als irgendeine Magietrine beschimpft<br />
- 267 -
hatte, nein, sie bestand auch noch auf diesem uralten Schwachsinn,<br />
als wäre es irgendeine abgedrehte Religion.<br />
„Dann zeig doch mal, ob deine Erdenmutter dich auch vor so was<br />
beschützt!“ groll sie, hob mit einem Mal ihren Hammer und schwang<br />
ihn auf Sophilia zu.<br />
Nur die äußerste Spitze des Hammers berührte leicht die Schläfe der<br />
Orcschamanin, als die Taurin von einem Blitz getroffen wurde, ihr<br />
Hammer vor Schreck zu Boden krachte und sie ebenfalls nach hinten<br />
stolperte, über einen losen Stein stolperte und wie ein kl<strong>eines</strong>,<br />
unbeholfenes Kalb auf dem Hintern landete. Eine Welle aus Wut und<br />
Schmerz vermischte sich in ihrem Kopf, ließ alles, was sie sah, nur noch<br />
verschwommen an sie heran kommen. Sie sah nur noch, wie die<br />
Orcdame auf sie zu ging und sie berührte.<br />
„Beruhige dich, Schwester. Auch dich wird die Erdenmutter segnen.<br />
Du musst es nur wollen und daran glauben.“<br />
Eine heilende Welle schwang durch den Körper der Taurin, ließ ihre<br />
Sinne schlagartig zurück kehren. <strong>Die</strong> Schmerzen, sogar ihr dumpf<br />
hämmerndes Knie, verschwanden mit einem Mal, schrumpften zuerst,<br />
um sich dann schließlich inmitten einer kleinen Rauchwolke aus Luft<br />
aufzulösen.<br />
Jetzt erst realisierte sie, wo sie war und was eigentlich passiert war. Und<br />
erneut kochte ihre Wut hoch, ließ sie sich aufrappeln und schnauben.<br />
„Beruhige dich. Du bist hier in Sicherheit.“ beschwichtigte Sophilia die<br />
Taurin, wollte sie so gut es ging zurückhalten.<br />
„Lass mich in Ruhe, du Labertasche. Bwalkazz ist in Händen von<br />
diesem Irren und wird es nicht überleben, wenn ich ihm nicht helfe.“<br />
groll sie, wollte die Orcin wegschlagen. Doch die erstarrte ihrerseits.<br />
Auch die Trolle, ihrer drei, machten noch spitzere Ohren als sonst,<br />
starrten nun auf die Taurin.<br />
„Wer? Wie heißt er, hast du gesagt?“ fragte die Orcschamanin noch<br />
einmal, diesmal ganz langsam.<br />
„Herrje, hast du dir deine Totems in die Ohren gestopft oder wieso<br />
hörst du so schlecht? Bwalkazz, ein Untoter Magier! Er ist von einem<br />
Dämon verschleppt worden und wird nun zu Illidan und seinen<br />
Gefolgsleuten geschleppt.“ groll die Taurin, nun komplett aufstehend,<br />
um sich nach der schnellstmöglichen Richtung aus der Stadt heraus zu<br />
orientieren. Doch noch mitten im Umhersehen hatten sie zwei Hände<br />
- 268 -
ergriffen <strong>–</strong> es waren die Hände zweier der Trolle, die sie mit einem Mal<br />
so kräftig gepackt und ihren Kopf herunter gezogen hatte, dass sie<br />
sich nicht dagegen wehren konnte.<br />
„Wohin? Wo ist er?“ groll Teborasque die Taurin an. „Verrat es uns! Na<br />
los doch!“<br />
Schnaubend schlug die Taurin nach den beiden, wedelte sie weg wie<br />
lästige Fliegen und verschränkte dann die Arme vor der Brust.<br />
„Na wo ist Illidan wohl? Im Schattenmondtal natürlich, du dämlicher<br />
Troll!“<br />
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Kapitel 45 <strong>–</strong> Sanitöter<br />
Einige tote Hölleneber und zwei Dutzend verschmorte, ziemlich<br />
durchgedrehte Blutelfen später waren Vadarassar und Braunpelz<br />
endlich im äußersten Südosten angekommen. Im Gegensatz zu der<br />
Region vorher, die durch eine große, alte und zerschlagene Festung<br />
einen dunklen Schatten auf den Weg geworfen hatte, blickten sie nun<br />
auf ein weites, lediglich von Felsen bewachsenes Feld, über das<br />
Felshetzer huschten. Das wäre ja noch nichts besonderes gewesen,<br />
doch am Himmel über diesen Kristallen flatterten Wesen, die wie aus<br />
einem Traum zu sein schienen. Drachen, deren Gestalt nicht komplett<br />
aus Materie, jedoch auch nicht aus Rauch oder ähnlichem zu<br />
bestehen schienen. Das mussten die Netherdrachen sein, von denen<br />
die beiden schon oft gehört hatten.<br />
„Imposante Viecher, eh?“ brummte Vadarassar, zu Braunpelz<br />
blickend. <strong>Die</strong> nickte nur sachte, wirkte leicht geistesabwesend. Immer<br />
wieder blickte sie sich um, sah auf die Gesteinstrukturen ringsum.<br />
„Ich weiß nicht...das ganze hier...kommt mir irgendwie bekannt vor.“<br />
murmelte die Taurin leise, ihren Blick wieder und wieder zu allen Seiten<br />
hin schweifen lassend.<br />
„Hast du mir irgendwelche Reisen während meiner ‚Arbeit’ vor dem<br />
Dunklen Portal verschwiegen?“ fragte Vadarassar, dabei ein leichtes<br />
Grinsen auflegend. Er wusste, dass die Frage dumm war, schließlich<br />
war das Portal noch nicht lange genug offen, um diese Gegenden<br />
hier überhaupt ansatzweise erkunden zu können. Doch es änderte an<br />
ihrer Meinung nichts <strong>–</strong> Braunpelz ging langsamer, sah sich immer<br />
wieder um, ging schließlich sogar zu einer kleinen Felsformation neben<br />
der Straße und berührte sie.<br />
„Das hier kommt mir WIRKLICH bekannt vor. Ich weiß nur nicht....“<br />
murmelte sie wieder, stockte dann, als die Erinnerung langsam zurück<br />
kam.<br />
Ihre Augen weiteten sich schlagartig. Jetzt wusste sie, woher sie diese<br />
Gegend kannte. Ja, es war aus der Vision, die sie gemeinsam gehabt<br />
hatten. Jene Vision mit einem Kampf zwischen zwei Drachen. Hier in<br />
dieser Gegend hatten sie gestanden....vielleicht wäre...nein...das war<br />
doch nur eine Illusion.<br />
„So, du denkst das war nur eine Illusion, richtig?“ fragte eine karge, alt<br />
klingende Stimme vorlaut hinter ihr.<br />
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Mit einem großen Schreck drehte sich Braunpelz um, vermutete zuerst<br />
Vadarassar, der einfach nur seine Stimme verstellt hatte. Doch der<br />
Orchexenmeister stand nur da, die Hände so erhoben, als wolle er<br />
einen Zauber weben. Allerdings bewegte er sich nicht, blinzelte nicht<br />
einmal. Sein gesamter Körper war wie erstarrt, als würde die Zeit um ihn<br />
herum stehen. Braunpelz war verwirrt, sah dann auf einen kleinen<br />
Menschenmagier, dessen Hautfarbe ungesund blass und glanzlos<br />
wirkte und den eine breite Narbe über dem linken Auge zierte. <strong>Die</strong><br />
Kleidung bestand aus einer lediglich einfachen, roten Robe. Eine<br />
kümmerliche, schwache Gestalt von einem Allianzler. Doch seine<br />
Augen....seine Augen strahlten eine Macht aus, die Braunpelz<br />
imponierte. Etwas Altes lag in ihnen, das spürte sie sofort.<br />
„Mach dir keine Gedanken über deinen Gefährten. Er wird sich gleich<br />
von seinem Schock erholen. Allerdings habe ich seinen Zauber zu<br />
seinem eigenen besten unterbrochen. Ihr wollt ja schließlich noch<br />
nicht auffallen, nehme ich an.“ meinte der Magier keck, einige<br />
Schritte auf die Taurin zu gehend, um sie dann interessiert umrundend.<br />
„Hrm <strong>–</strong> in den Erzählungen wirkst du irgendwie größer. Doch auf die<br />
Körpergröße kommt es ja bekanntlich nicht an, wenn es um das<br />
Wirken von Zaubern geht, richtig?“ stellte der Magier fest, die Taurin<br />
langsam umrundend.<br />
Jetzt erst und mit einem Schlag erwachte Vadarassar aus seiner Starre,<br />
blinzelte verwirrt, weil der Mensch, dem er gerade seine Zauber um die<br />
Ohren hauen wollte, verschwunden war. Sein Blick ging zu Braunpelz,<br />
an deren Seite der Mensch stand. Sofort war seine Wut wieder da,<br />
glommen die Hände vor schwarzer Magie und endeten abrupt, als<br />
der Magier eine Hand hob.<br />
„Ich wünsche nicht mit dir zu kämpfen. Das wäre für dich eh äußerst<br />
ungesund. Ich will euch nur um Hilfe bitten, die gleichsam eure Eigene<br />
sein wird, um euren Freund zu retten.“<br />
Braunpelz und Vadarassar blickten fragend auf den roten Magier, der<br />
sich mit einem Grinsen präsentierte, als wäre er der einzige, der seine<br />
Worte verstanden hatte, während die kleinen Welpen um ihn herum<br />
nicht einmal das erste Wort begriffen hatten. Als er sich dann, nach<br />
einigen Sekunden endlich genug in der Ahnungslosigkeit, der<br />
Dummheit aller um ihn herum als derjenige mit dem überragenden<br />
Intellekt gesonnt hatte, fuhr er dennoch fort, den beiden die genauen<br />
Umstände zu erklären.<br />
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„Deine ‚Vision’, wie du sie gern bezeichnest, war keine solche. Eure<br />
astralen Existenzen haben stattdessen gesehen, was geschehen<br />
würde. Und in der Tat ist es geschehen. Vor nicht einmal einem Tag,<br />
um genau zu sein. Und an jenem Ort, den ihr beide gesehen habt.“<br />
erklärte der Magier lapidar, als wäre es das Normalste der Welt.<br />
„Allerdings mit einem kleinen Unterschied. Der Drache, den Deathwing<br />
zu töten suchte, ist noch nicht tot. Er wird es jedoch bald sein, wenn er<br />
keine Hilfe erhält. Er ist der Schlüssel zur Rettung eures Freundes und<br />
der Existenz all eurer kümmerlichen Leben.“ komplettierte der Magier<br />
die Erklärung.<br />
„Wie heißt du, Menschling und wieso sollten wir dir glauben?“ groll<br />
Vadarassar, nun auf Braunpelz und den Roten zugehend. Er traute<br />
diesem Kerl nicht <strong>–</strong> ebenso wenig, wie er keinem Menschen traute.<br />
Und Magiern traute er sowieso nicht <strong>–</strong> damit war dieser Kerl sogar mit<br />
doppeltem Misstrauen seinerseits gesegnet. Ein Spontanzauber <strong>–</strong> nur<br />
kurz etwas Terror verbreiten, ja, das würde reichen, um diesen Wurm<br />
von Braunpelz zu trennen und dann zu erlegen....er musste nur nahe<br />
genug heran.<br />
„Du darfst mich Krasus nennen, Orcling. Und du darfst mir glauben,<br />
weil es die Wahrheit ist, die ich spreche.“ erklärte der<br />
Menschenmagier dem immer näher kommenden Hexenmeister.<br />
Braunpelz blinzelte, ging dann einen Schritt vor und damit zwischen<br />
Vadarassar und den Menschenmagier.<br />
„Ich vertraue dir. Wirst du uns zu dem Drachen führen?“ fragte sie den<br />
Menschen, ließ den Hexenmeister mit einem verblüfft offen stehenden<br />
Mund erstarren.<br />
Der Mensch nickte, schritt dann auf die breite Ebene zu, die von vielen<br />
der Felshetzer bedeckt war. Gerade war er auf den Berg zu<br />
gegangen, hob dann seine rechte Hand und ließ einen Teil des Berges<br />
aufwabern. Wie eine Decke löste sich ein Teil auf, offenbarte einen am<br />
Boden liegenden Drachen, der übel verdreht dar lag und eine große,<br />
schwarze Blutlache unter sich hatte. Niemand hätte gedacht, dass in<br />
dieser Gestalt noch Leben stecken könnte. Doch wenn sie den Worten<br />
des Magiers glaubten, dann war dem wohl so.<br />
Voller Vertrauen ging Braunpelz auf den Magier und den am Boden<br />
liegenden Drachen zu. Vadarassar folgte ihr dicht, flüsterte ihr etwas<br />
zu.<br />
„Du willst mir doch nicht erzählen, dass du diesem Kerl traust. <strong>Die</strong><br />
Allianz ist hinterlistig <strong>–</strong> und die Menschen ganz besonders. Das ist<br />
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estimmt eine Falle, damit sie uns gefangen nehmen und<br />
ausquetschen können. Ich kenne diese hinterlistige....“ redete er auf<br />
die Taurin ein. Doch die hob nur eine Hand, legte sie dem<br />
Hexenmeister mit einem wissenden Lächeln auf den Lippen auf die<br />
Schulter.<br />
„Er ist kein Mensch. Auch wenn er uns das glauben machen will.<br />
Vertrau mir <strong>–</strong> er wird uns nichts tun.“ sagte sie mit sanfter Stimme, ging<br />
dann an den Drachen heran.<br />
Das, was dort am Boden lag, war eine beeindruckende Gestalt. Ein<br />
Drache, weit größer als diejenigen, die am Himmel kreisten. Jedoch<br />
nicht ganz so groß wie dieser rote Drache, den Braunpelz in den<br />
Katakomben der Blackrockspitze vor dem sicheren Tod gerettet hatte.<br />
Behutsam ging sie an die Seite des Drachen, strich über die tiefen<br />
Bisswunden an dessen Nacken.<br />
Der Körper war noch warm und sie spürte leise das Blut in dem Körper<br />
pulsieren. Zwar hatte der Kampf vieles in seinem Körper zerschmettert,<br />
doch würde es heilen können, wenn man ihm nur eine Chance gab.<br />
Nur war die Lebensenergie in dieser Region hier nicht die beste.<br />
Deutlich spürte Braunpelz, dass ausgerechnet hier, im<br />
Schattenmondtal, die Natur auf der Flucht war. Selbst die Elementare<br />
waren aufgebracht, wären sicher nicht zur Hilfe zu überzeugen. Es<br />
würde schwierig werden, genug Energie zu sammeln, damit das<br />
Leben dieses Drachen gerettet werden konnte.<br />
Mehrere Netherdrachen landeten um die Taurin und den Orc herum,<br />
schritten auf die beiden zu, schienen den Menschen aber gänzlich zu<br />
ignorieren. Auf einen Kampf vorbereitet legte sich Vadarassar schon<br />
seine Zauberformeln im Geiste zurecht, begann den ersten<br />
Kampfzauber zu weben, als sie die lispelnden, hauchenden Stimmen<br />
der Netherdrachen hörten.<br />
„Seid ihr gekommen, ihn zu retten? Bitte, nehmt unsere Kräfte, um<br />
Netheraku zu retten. Er ist unser Vater.“ hauchten zwei Dutzend<br />
Stimmen im Gleichklang wie ein Chor auf die beiden ein.<br />
Braunpelz blickte auf die Netherdrachen, seufzte und versuchte die<br />
Träne, die aus ihrem Auge quoll, wieder zurück zu pressen. Man konnte<br />
keine Lebensenergie erzeugen, nur umlenken. Doch ein Leben für ein<br />
anderes zu tauschen war ein Geschäft, das sie niemals einzugehen<br />
bereit gewesen wäre. Eher würde sie selbst sterben, als das sie so<br />
etwas grausames würde geschehen lassen.<br />
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„Bitte...sonst verlieren wir alles, was uns eint. Nehmt unsere Leben,<br />
damit hunderte andere frei leben können.“ hallte es erneut mit einer<br />
wehleidigen Betonung, die ihresgleichen noch suchen sollte.<br />
Dann nickte sie langsam. „Ich werde es versuchen. Aber niemand soll<br />
sterben <strong>–</strong> ich nehme nur so viel, wie ihr entbehren könnt.“ sagte sie,<br />
legte ihre Hände auf den Nacken des großen Netherdrachen und<br />
schloß die Augen.<br />
„Ich hoffe wir kommen nicht zu spät.“ grummelte Teborasque, der sich<br />
den Windreiter ausgerechnet mit seiner Schwester teilen musste. Wieso<br />
hatte Sophilia ausgerechnet Roxxy einen eigenen gegeben und ihn<br />
nicht mit auf selbigen gelassen?<br />
„Werden wir schon nicht, Mann. Wenn die Schamanin Recht hat, wird<br />
er erst im Laufe dieses Tages am Tempel ankommen. Und wir werden<br />
schon verhindern, dass sie ihn umbringen.“<br />
„Wieso ist sie eigentlich mitgekommen? Hat sie irgendwas mit ihm zu<br />
tun?“<br />
„Weiß nicht. Aus der schwarzen Kuh ist ja nichts rauszubekommen.<br />
Gegen die ist eine Khoriumschließkassette ein offenes Buch.“<br />
Reihenweise sanken die Netherdrachen vor und um Braunpelz mit<br />
schmerzverzerrten Seufzern zu Boden, rangen nach Luft und weigerten<br />
sich, die Spende ihrer Lebensenergie einzustellen. Sie waren bereit, für<br />
ihren Vater, ihren Herrn Netheraku ihr eigenes Leben zu geben.<br />
Braunpelz jedoch weigerte sich, dieses Opfer zuzulassen, nutzte ihre<br />
eigenen Kräfte, um sie aus der Verbindung hinaus zu drängen. Doch<br />
trotz all der Opfer, die jene Netherdrachen gebracht hatten, reichte<br />
es noch immer nicht. <strong>Die</strong> Wunden waren tief, die Verletzungen zu<br />
schwer, als das die Leben der eh schon geschwächten<br />
Netherdrachen hätten etwas verändern können.<br />
Verzweifelt flehte Braunpelz die Elemente dieser Welt darum an, ihr<br />
Zugang zu dem Quell des Lebens zu gestatten. Doch wieder und<br />
wieder erhielt sie keine Reaktion, stieß sie nur auf Verachtung. Dann<br />
aber fühlte sie eine neue, extreme Wärme.<br />
Krasus, der Menschenmagier hatte seine Hände auf die Schultern der<br />
Taurin gelegt und nun ebenfalls die Augen geschlossen. Eine Macht<br />
durchströmte sie mit einem Mal, eine Macht, die größer war als alles,<br />
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was sie jemals gekannt hatte. Eine uralte Kraft und gleichzeitig eine<br />
Stimme, die neben ihrer eigenen in die Tiefen der Welt groll.<br />
„Ich rufe euch, Elemente des Lebens, gehorcht dem Aspekt des<br />
Lebens oder es wird euer aller Untergang sein!“ groll die tiefe Stimme,<br />
ließ die vorher stummen Elementare in ein wildes, unkoordiniertes<br />
Geplapper ausbrechen. Dann endlich und mit einer Kraft, die jene,<br />
die von dem Menschenmagier ausging noch mehr übertraf, donnerte<br />
die Energie der Elemente des Landes auf sie ein.<br />
Ein strahlendes Licht umgab die Taurin, ließ die Lebenskraft geradezu<br />
aus dem Boden schießen und ringsum zum Glühen bringen. Nicht nur<br />
Netherakus Wunden begannen zu heilen, auch die fast leblos<br />
zusammengesackten Netherdrachen ringsum begannen zu glühen,<br />
fühlten, wie ihre Körper von einer Kraft durchflutet wurden, die sie nur<br />
in ihren besten Tagen gespürt hatten. Am meisten traf die Kraft jedoch<br />
Braunpelz selbst, die jene Kraft aber nur mit ihrer eigenen bündelte<br />
und ohne sich selbst auch nur ein Quenchen dieser Macht<br />
abzuzweigen in den Körper des fast toten Drachen fahren ließ. Das<br />
Licht, das dabei durch ihre Hände schoß war derart intensiv, dass<br />
Vadarassar sich die Augen zu halten musste, um nicht zu erblinden.<br />
Der Segen der Elemente....ja selbst diese gesamte Welt schien sich mit<br />
einem mal gegen das für Netheraku ersonnene Schicksal stemmen zu<br />
wollen, riß ihn vom Rande des Abgrunds des Todes in die Höhe und<br />
spendete ihm neue Kraft. Eine Kraft, die seine Schwingen erstrahlen<br />
ließ und seine Augen zum Aufblitzen brachte. Selbige riß er schlagartig<br />
auf, stieß einen markerschütternden Schrei aus, ehe sein Körper sich<br />
unter dem Beben des Bodens aufraffte.<br />
Mit neuer Kraft und in Erinnerung an seinen Beinahetod bei der<br />
Begegnung mit Deathwing durchlebte er seine letzten Sekunden noch<br />
einmal, spie eine von Schatten gesäumte Netherflamme und fixierte<br />
die drei, die keine Netherdrachen waren, mit seinem Blick.<br />
Eindringlinge im Gebiet der Netherschwingen, ganz offensichtlich.<br />
Eindringlinge wie Deathwing.<br />
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Kapitel 46 <strong>–</strong> Heiße Freundschaft<br />
Erwartungsfroh stand Illidan auf einer offenen Plattform weit oben am<br />
schwarzen Tempel. Seine Streitkräfte würden in Kürze zurück kehren,<br />
das spürte er. Und er wusste auch, dass sie mit einer Erfolgsmeldung<br />
zurückkehren würden. Denn Misserfolg <strong>–</strong> so etwas tolerierte er nicht.<br />
Folglich traute sich auch keiner seiner Kämpfer lebendig zu seinem<br />
Herrn zurück, um ihm von seinem Misserfolg zu berichten. Entweder sie<br />
erledigten den Auftrag oder starben bei dessen Erfüllung. Alles andere<br />
war inakzeptabel und wurde unmittelbar mit der schwersten aller<br />
Strafen geahndet: Der ewigen Seelenpein. Gegen jene war selbst<br />
seine Gefangenschaft von zehntausend Jahren wie ein Besuch in<br />
einem Wellnesshotel von Darnassus.<br />
Tatsächlich hörte er bald darauf die Netherdrachenschwingen und<br />
sah auch schon die Formation, die dicht über den Wolken flog und<br />
auf den schwarzen Tempel zu stürzte. Ein zufriedenes, finsteres Lächeln<br />
auflegend wandte er sich um und kehrte zurück nach drinnen und<br />
damit seine Gemächer. Dem Untoten würde er höchstpersönlich den<br />
Garaus machen. Ein Opfer von vielen auf seinem langen Marsch<br />
gegen all jene, die ihn verurteilt und verstoßen hatten. Denn nun<br />
würden sie sehen, was die wahre Macht war und wie man sie<br />
einsetzen sollte <strong>–</strong> rücksichtslos, ohne Grenzen und ohne<br />
irgendwelches, lästiges Ehrgefühl.<br />
„Was sucht ihr Eindringlinge in dem Reich der Netherschwingen?!<br />
Sprecht rasch.“ groll Netheraku, der mit einem Mal seine vollen Kräfte<br />
zurückerlangt hatte. Er fühlte sich kraftvoll, so mächtig, als wäre er<br />
gerade frisch geschlüpft und dennoch schon Jahrtausende alt. Sein<br />
Zorn allerdings ruhte auf diesen drei Eindringlingen. Anders konnte er<br />
sich nicht erklären, weshalb er hier am Boden und nicht hoch oben in<br />
den Lüften war, wie es für ihn doch alltäglich zu sein schien.<br />
Der bleiche Mensch in dem roten Gewand trat vor und hob die<br />
Hände schützend vor die Taurin und den Orc, die beide zwar einen<br />
bösen, aber sicher nicht bedrohlichen Eindruck machten. Wirklich<br />
drohen konnte Netheraku sowieso niemand. Kein Wesen im<br />
Schattenmondtal war dumm genug, sich mit ihm anzulegen.<br />
„Höre mich an. <strong>Die</strong>s hier sind nicht deine Feinde. Sie haben dich vor<br />
dem sicheren Tod und der Verdammnis bewahrt. Ohne sie würdest du<br />
nicht mehr deine Schwingen in die Luft erheben können.“ erklärte der<br />
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Magier mit einer Stimmlage, die wie die Worte <strong>eines</strong> mahnenden<br />
Vaters klangen. Ein Wortlaut, der Netheraku ganz und gar nicht gefiel.<br />
„Du sprichst sehr vorlaut für einen Menschen! Nenne deinen Namen!“<br />
groll Netheraku, den Menschen nun alleinig anstarrend. Seine Brut<br />
ringsum tat das gleiche, jedoch nicht einmal ansatzweise mit der<br />
Boshaftigkeit wie ihr Vater.<br />
„<strong>Die</strong> Sterblichen kennen mich unter dem Namen Krasus. Nozdormu<br />
schimpft mich Schicksalsbringer, der die Ströme der Zeit<br />
durcheinander wirft. Und wenn es die einzige Möglichkeit ist, dich zu<br />
überzeugen, nenne ich dir meinen wahren Namen.“ rief der Mensch<br />
zu dem sich immer höher aufrichtenden Netherdrachen empor, ehe er<br />
einige Schritte zur Seite ging und sowohl Braunpelz als auch<br />
Vadarassar deutete, möglichst weiten Abstand zu suchen.<br />
<strong>Die</strong> beiden verstanden den Grund nicht, sahen aber sogleich, wie<br />
Krasus zu wachsen begann. Er wuchs und wuchs, sein fahles, blasses<br />
Gesicht wurde länger, größer, die Haut veränderte sich, wurde grober,<br />
roter, die Augen wanderten nach hinten, während aus den Händen<br />
lange Krallen erwuchsen. <strong>Die</strong> Robe indes verschmolz mit dem Körper,<br />
bedeckte ihn nun komplett, wandelte sich in hellrote und dunkelrote<br />
Schuppen, die gleich darauf den gesamten Körper einnahmen. Auch<br />
die Stiefel, die er getragen hatte, waren nun mit Schuppen übersät,<br />
ließen ebenfalls Krallen an ihren Spitzen wachsen. Das blonde Haar<br />
verschwand, flatterte kurz nach oben und entblößte zwei gewaltige<br />
Flügel, die kräftig nach Luft schlugen, während er noch weiter wuchs.<br />
Zehn Meter, zwanzig, dreißig <strong>–</strong> über fünfzig Meter maß er nun in der<br />
Länge, als ein Schwanz hinaus peitschte und mit der dornenbesetzten<br />
Spitze einen Graben durch die etwas entfernte Straße schlug. Dann<br />
endlich war er ausgewachsen, blickte aus über fünfundsechzig Metern<br />
Größe und zwanzig Metern Höhe auf den erheblich kleineren<br />
Netheraku herab.<br />
„Korialstrasz.“ donnerte die Stimme nun, ließ den Mund von<br />
Vadarassar so weit aufklappen, dass sein Unterkiefer beinahe durch<br />
den Boden hindurch in die Ewigkeit des Raums gestürzt wäre, wenn da<br />
nicht noch einige Hautfetzen links und rechts dran gepappt wären,<br />
die den Sturz des selbigen gut zu bremsen wussten. Auch Netheraku<br />
war baff, blickte auf den erhaben auf ihn nieder sehenden Drachen,<br />
der sich zu seiner vollen Größe aufgeplustert hatte, die Schuppen<br />
aufstellte und damit noch viel ehrfurchtgebietender aussah, als es<br />
Drachen eh schon taten.<br />
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„Deine Wut ist verständlich. Sie ist gegen Deathwing gerichtet <strong>–</strong> den<br />
Zerstörer der Welten, korrumpierter Aspekt der Erde. Doch dein Ziel soll<br />
nicht er sein, sondern dein Schwarm. Ihn um dich zu einen und zu<br />
befreien ist deine Aufgabe. Nur so kannst du ihn schwächen und<br />
zurück schlagen.“ erklärte Korialstrasz mit unveränderter Erhabenheit<br />
dem weitaus kleineren Netherdrachen vor sich. „<strong>Die</strong> Gelegenheit<br />
hierfür wirst du haben, wenn jene hier ihren Freund zu befreien<br />
suchen.“<br />
In diesem Moment drehte Korialstrasz den Kopf. Er spürte, dass noch<br />
jemand kam. Andere, die scheinbar auch auf der Jagd nach dem<br />
verlorenen Magier waren. Ebenso schnell, wie er seine drachische<br />
Gestalt angenommen hatte, begann er wieder zu schrumpfen,<br />
verwandelten sich die Schuppen wieder in eine Robe, die Klauen zu<br />
Händen und sackte das lange, schuppige Gesicht wieder ins ich<br />
zusammen, bis nach wenigen Augenblicken vor der beeindruckten<br />
Menge nur noch der hagere, sehr blass wirkende Magier stand, der<br />
sich in Richtung Horizont drehte und dort die nahenden Windreiter<br />
erspähte.<br />
„Dort unten!“ rief Sophilia. „Da sind sie. Ich kann sie schon spüren!“<br />
Teborasque hatte sein Fernrohr bemüht und die Gegend nach dem<br />
Magier abgesucht. Das sie dabei auch noch Vadarassar und<br />
Braunpelz, die sich ja auf den Weg hierher gemacht hatten, fanden,<br />
war jetzt reine Glückssache. Aber offenbar hatten sie eine mindestens<br />
ebenso heiße Spur, wie sie jetzt gerade. Nur stutzte Teborasque, als er<br />
durch sein Fernrohr blickte.<br />
„Komisch. Ich hätte schwören können, dass da gerade nen großer,<br />
roter Drache stand, mann.“ rieb er sich über die Augen, blickte noch<br />
einmal hindurch und sah nun lediglich eine Menge Netherdrachen<br />
und einen in rot gekleideten Menschenmagier, der an der Seite von<br />
Braunpelz und Vadarassar stand.<br />
Barra verpasste ihm kurzerhand eine Kopfnuss und blickte selbst durch<br />
das Fernrohr, sah aber nichts anderes, als er gerade auch gesehen<br />
hatte.<br />
„Einbildung, Brüderchen. Keine von den Pilzen mehr für dich die<br />
nächste Zeit, klar?“ zischte sie ihren Bruder an, der daraufhin die<br />
Mundwinkel sinken ließ.<br />
„Ja Mama.“ motzte er dann nur und gab ihr einen Ellenbogenhieb<br />
nach hinten.<br />
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„Hey! Mach das noch mal und du fliegst hier runter, klar!“ zischte sie<br />
böse zurück, ihm daraufhin sein Fernrohr über den Kopf ziehend.<br />
Roxxy, die direkt neben ihnen her flog, kicherte nur, als sie<br />
beobachtete, wie sich die Geschwister stritten.<br />
Dann endlich landeten sie neben den vielen Netherdrachen und<br />
stiegen ab. Eine kurze Begrüßungsformel, dann die Vorstellung Marke<br />
‚das hier ist Roxxy, meine Freundin und die grimmige Taurin dort ist eine<br />
Freundin von Bwalkazz’ endete mit einem wütenden Schnauben von<br />
eben zuletzt Genannter, die daraufhin dem Trolljäger kurzerhand eine<br />
Kopfnuss verpasste, dass seine Zähne eine kleine Ode klapperten.<br />
„Ich bin weder grimmig noch seine Freundin. Und wer etwas anderes<br />
behauptet kriegt einen Einlauf mit meinem Streitkolben!“ knurrte sie,<br />
wandte sich dann den Drachen zu. „Wie sollen die uns denn helfen?“<br />
groll sie.<br />
„Der schwarze Tempel wird gut bewacht.“ erklärte Krasus der<br />
überraschten Taurin, die dem Menschen beinahe den Kopf abgerissen<br />
hätte, wäre da nicht eine Artgenossin im Weg gewesen.<br />
„Das der gut bewacht ist weiß ich selber, du wandelndes Feuerzeug.<br />
Beantworte die Frage, Smalltalk brauchen wir hier nicht.“<br />
Krasus räusperte sich, ersann für einen Moment, der schwarzen Taurin<br />
eine schrecklich juckende Hautkrankheit angedeihen zu lassen,<br />
verwarf diesen Gedanken dann aber wieder und sagte stattdessen<br />
„Wer zu Fuss in den Tempel geht, wird von vielen Wachen überrascht<br />
werden. Und Windreiter sind auch viel zu leicht zu entdecken. Ihr<br />
würdet mitsamt eurer Reittiere vom Himmel geholt, ehe ihr auch nur in<br />
der Nähe des Tempels wärt. Allein mit den Netherdrachen als Reittier<br />
werdet ihr auf die obersten Emporen des Tempels kommen und damit<br />
dann auch zu eurem Freund gelangen.“<br />
„Und wieso das? Haben die irgendeine Tarnkappe oder sonstigen<br />
magischen Firlefanz?“ brummte Tay noch immer verärgert.<br />
„Schwester, reg dich doch bitte ab. Sie sind ganz und gar nicht böse.<br />
Was hast du denn gegen sie und ihre Magie?“ fragte Braunpelz in<br />
einem beruhigenden Tonfall, auf ihre Artgenossin zu gehend.<br />
„Bleib mir vom Pelz du Hippie. Und ich mag Magie nicht, ich mag<br />
Magier nicht und nichts, was mit Magie zu tun hat. Also auch dich<br />
nicht, Blumenschmuserin!“<br />
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Vadarassar musste grinsen. <strong>Die</strong>se Taurin war ein unverschämtes,<br />
dickköpfiges, stures Stück schwarzes Fell in Form einer<br />
Taurenschamanin. Ihre Wortwahl war aggressiv, deutlich und<br />
messerscharf. Kurzum: Wäre sie ein Orc gewesen, er hätte ich Hals<br />
über Kopf in sie verliebt. Dazu noch der Hass auf Magier <strong>–</strong> perfekt!<br />
„Was glotzt du denn so, Fettsack?“ groll Tayury den Hexenmeister an,<br />
der daraufhin sein Grinsen noch breiter werden ließ.<br />
Hrm...Fettsack....na ja, dafür würde er sich noch etwas einfallen lassen.<br />
„Fett? Neben dir bin ich ein dünner Zweig.“ warf der Hexenmeister<br />
zurück. Mit einem Schlag veränderte sich die Gesichtsfarbe von Tayury<br />
<strong>–</strong> von Schwarz zu knallrot, was selbst durch ihr dickes, schwarzes Fell<br />
noch klar erkennbar war. Im Zeitlupentempo zog sie ihren Streitkolben<br />
vom Gürtel, hob ihn an und deutete damit auf den Hexenmeister.<br />
„Noch so eine Bemerkung und du musst dir keine Gedanken mehr<br />
über Zahnschmerzen machen. Verstanden?!“ groll sie böse.<br />
Doch Vadarassar grinste nur noch breit, zwinkerte ihr zu und hauchte<br />
noch einen Satz, ehe er schon auf einen der Netherdrachen stieg.<br />
„Aber sicher doch, Moppelchen.“<br />
„ICH BRING IHN UM!“ brüllte Tayury, wollte auf Vadarassar zu stürmen<br />
und ihm den Streitkolben so kräftig auf den Schädel donnern, dass er<br />
am Hinterteil wieder hinaus kam. Doch sie wurde erfolgreich von nicht<br />
weniger als zwei Trollen, einer Taurin und einer Orcschamanin zurück<br />
gehalten, zog diese aber trotzdem wie ein wilder Stier etliche Meter<br />
auf Vadarassar zu, ehe sich der Schaum, der sich vor ihrem Mund<br />
gebildet hatte, dünner wurde.<br />
Es vergingen noch einige Minuten und einiges an Überzeugungsarbeit,<br />
um wirklich alle auf einen Netherdrachen zu verfrachten. <strong>Die</strong> boten<br />
sich gern als Reittiere an <strong>–</strong> schließlich schuldeten sie der Druidin ihr<br />
Leben. Und jeder Freund der Druidin war auch ihr Freund. In einer<br />
kleinen Siebenerformation flatterten die Netherdrachen auf den<br />
schwarzen Tempel zu, ließen sowohl Netheraku wie auch Krasus am<br />
Boden zurück, damit diese noch einige Dinge besprechen konnten.<br />
„Das du das nur weißt, du blöder Schattenorc <strong>–</strong> wenn wir landen, reiße<br />
ich dir den Hintern auf!“ groll die Schamanin dem Hexenmeister zu, der<br />
dadurch nur noch breiter grinsen musste.<br />
„Ist das dein übliches Paarungsritual oder einfach nur persönliches<br />
Amüsement?“ kicherte er böse, hörte hinter sich kurz darauf, wie<br />
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erneut jemand ausrastete und drei panische Stimmen die wild auf<br />
dem Drachen umher wackelnde Taurin daran hinderten, schlagartig<br />
aufzuspringen und über die ganzen Netherdrachen hinweg in etlichen<br />
hundert Metern Höhe einen Seiltanz sondersgleichen zu veranstalten,<br />
um dann einen Hexenmeister zu erwürgen.<br />
Vadarassar lachte laut und herrlich amüsiert. Ja, diese Taurin war nach<br />
seinem Geschmack. Er musste wirklich aufpassen, dass er sich nicht in<br />
sie verliebte.<br />
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Kapitel 47 <strong>–</strong> Doppeltes Spiel<br />
Mit einem lauten Klatschen ließen die Reiter den Magier die letzten<br />
paar Meter von ihren gerade landenden Netherdrachen fallen. Das er<br />
sich bei dem Sturz nicht schon das Genick brach, war bedauerlich,<br />
jedoch für Illidan genau richtig <strong>–</strong> denn so würde er noch etwas Spass<br />
mit dem Magier haben, ehe er ihn entweder in seine Streitmacht<br />
integrierte oder dann doch und als Beispiel für alle, die sich gegen ihn<br />
zu stellen wagen sollten, exekutierte.<br />
„Ich habe euren Befehl ausgeführt, Mylord.“ berichtete Rakh’Gor<br />
seine Tat, sank vor dem Dämonenjäger auf ein Knie, deutete<br />
gleichzeitig auf den sich am Boden windenden Untoten Magier, der<br />
zwischen ihnen lag.<br />
„Ausgezeichnet, in der Tat. Du darfst gehen und dich um die Wache<br />
kümmern. Ich werde nach dir rufen, sobald ich weiß, was ich mit dem<br />
Untoten genau machen werde.“ groll Illidan, ehe sich Rakh’Gor mit<br />
einer tiefen Verbeugung verabschiedete und dann in einem der<br />
zahllosen Gänge verschwand.<br />
Indes, und völlig unbemerkt, landeten die sieben Netherdrachen auf<br />
einer der Anhöhen des Tempels. Das Netherdrachen hier ein und aus<br />
flogen und ihre Reiter mitbrachten, war normal. Folglich war auch<br />
keine Wache auf sie aufmerksam geworden. Wer hätte denn auch<br />
ahnen können, dass einige Leute derart bescheuert sein konnte,<br />
mitten in die Höhle des Löwen zu fliegen, ohne auch nur ansatzweise<br />
stark genug bewaffnet zu sein, es mit einer kompletten Armee von<br />
Dämonen, Draenei, Blutelfen und wer weiß noch für korrumpierten<br />
Wesen aufzunehmen? Selbst Illidan, dem sein Bruder jahrhundertelang<br />
den Wahnsinn nachgesagt hatte, wäre nicht auf einen solchen<br />
Gedanken gekommen. Und so verwunderte es auch nicht, dass die<br />
sieben problemlos durch die Gänge schleichen konnten, stets die<br />
Türen ringsum im Auge und die Schritte belauschend. So leise sie nur<br />
konnten schlichen sie von Nische zu Nische. Hier zeigte sich allerdings,<br />
dass Schleichen für Tauren in etwa so unmöglich war wie für einen Orc<br />
eine Fastenkur, die länger als zwanzig Minuten dauern sollte. <strong>Die</strong> Hufe<br />
klapperten auf dem steinigen Boden derart laut, dass es nur so durch<br />
die Gänge hallte.<br />
„Mach doch nicht so einen Krach, Mann.“ flüsterte Teborasque der<br />
schwarzen Taurendame zu.<br />
- 282 -
„Kann ich was für meine Hufe? Ich kann ja dich als Schuh nehmen!“<br />
groll sie zurück, fing sich daraufhin ein sechsfaches „PSSSSST!“ ein.<br />
„Braunpelz macht nicht so einen Krach. Du bist eben einfach zu fett<br />
und damit zu schwer, Mann.“ stach Barra in die selbe Wunde.<br />
„DAS IST....“ begann sie laut, begriff dann, dass sie schrie und besser<br />
still sein sollte. Mit gedämpfter Stimme fuhr sie dann fort.<br />
„....das ist kein Fett, das ist meine Rüstung! Eine ordentliche Rüstung<br />
wiegt nun einmal mehr als dieser Ledermüll!“<br />
„Also ich mag meine Rüstung so wie sie ist. Schön warm und<br />
gemütlich.“ verteidigte Braunpelz sich.<br />
„Ja <strong>–</strong> wie bei Muttern an der Zitze. Solltest du nicht irgendwo am Herd<br />
stehen und Tränke kochen?“ brummte Tay ihre Artgenossin an.<br />
„Pff <strong>–</strong> wenigstens bekenne ich mich zu meinen Wurzeln und leugne<br />
nicht meinen Ursprung.“ antwortete Braunpelz patzig.<br />
„ICH LEUGNE NICHT MEINEN URSPRUNG VERDAMMT NOCHMAL!“<br />
brüllte Tayury, dass es nur so durch die Gänge hallte.<br />
Sechs Augenpaare starrten die schwarze Taurin an, die in diesem<br />
Moment knallrot anlief und eine Hand vor ihren eigenen Mund hielt.<br />
„Ups...“ sagte sie noch, dann hörte man aber schon das Geklapper<br />
einiger Wachen, die auf die Gruppe zu kamen.<br />
„Gut gemacht, Madame Dickschädel.“ groll Teborasque der<br />
Taurendame zu, die nur noch die Arme verschränkte und dann ihre<br />
Waffe und ihren Schild zog. Barra indes schlich an der Wand vorbei,<br />
schien mit den Schatten Eins zu werden und spähte um die Ecke.<br />
In diesem Moment bogen zwei Wachen um die Ecke. Beides Blutelfen,<br />
beide in eine Rüstung gekleidet, die Charsi wohl neidisch gemacht<br />
hätte. Statt Gold bestanden sie aus reinem Adamit, verziert mit nicht<br />
weniger als drei Dutzend Diamanten auf jeder Schulter. Man hätte sie<br />
glatt für wandelnde Edelkronleuchter halten können, wären sie nicht<br />
mit gezogenen Schwertern auf die Gruppe zu gerannt und hätten<br />
einen Kriegsschrei losgelassen.<br />
Einer der Kriegsschreie verstummte allerdings ungewohnt schnell in<br />
einem Gurgeln, ließ nur das metallene Fallen <strong>eines</strong> Schwertes klingen,<br />
ehe die Gestalt leblos in sich zusammen sackte. Pikant an der Sache<br />
- 283 -
war, dass Barra mit ihrer Klaviersaite diesmal, im Gegensatz zu dem<br />
Orc, den sie damit erwürgt hatte, den dünnen Hals des Blutelfen<br />
problemlos durchschnitten hatte und nun den ungläubig drein<br />
blickenden Kopf des Blutelfwächters in Händen hielt. Der Mund formte<br />
gerade noch einen Schrei, konnte mangels Luft aber weder schreien<br />
noch etwas sagen. Dann endlich regten sich die Augen auch nicht<br />
mehr und die Trollschurkin ließ den Kopf wie einen Fußball zu Boden<br />
fallen, kickte ihn kurzerhand zur Seite und ging auf die nächste Wache<br />
los, die sich derweil einen Zweikampf mit der Taurenschamanin lieferte.<br />
Barra indes brachte das ganze schnell und leise zu Ende, rammte dem<br />
Blutelfen einfach einen Dolch von hinten durch den Hals, ließ ihn<br />
kurzerhand leise gurgelnd und unfähig irgendwie mehr zu tun<br />
zusammensacken.<br />
„Legt der Taurin einen Maulkorb an!“ zischte sie, ihren Dolch vom Blut<br />
befreiend. Tayury senkte den Blick, sagte jetzt vorerst gar nichts mehr.<br />
Zu wütend war sie im Moment...sie hätte platzen können....<br />
„Mylord! Wir haben Eindringlinge im Tempel!“ schrie eine der Wachen,<br />
die kurz darauf in das Allerheiligste von Illidan vordrang, um noch im<br />
selben Moment auf den Boden zu fallen und damit seine Ehrerbietung<br />
dem Dämonenjäger gegenüber zu erweisen.<br />
„Dann schickt Wachen hin und schaltet sie aus!“ knurrte dieser nur,<br />
den Untoten derweil in einer Hand haltend.<br />
Der Gardist nickte, kroch geradezu rückwärts durch die Tür und sagte<br />
nur leise „Jawohl Mylord. Es wird geschehen.“<br />
Fargoth hatte nur zu gut neben den Gemächern s<strong>eines</strong> Herrn<br />
gelauscht und sah hierin eine weitere Chance für sich, um zu<br />
beweisen, wie kostbar er sein würde. Ja, er würde die Eindringlinge<br />
selbst und allein erledigen. Schließlich war er ein Hexenmeister <strong>–</strong> und<br />
nicht irgendeiner, sondern ein Blutelfhexenmeister, einer der<br />
begabtesten und verdammtesten s<strong>eines</strong> Fachs. Niemand konnte sich<br />
mit ihm messen <strong>–</strong> NIEMAND würde ihn aufhalten. Und <strong>eines</strong> Tages<br />
würde er sogar diesen mächtigen Dämonenjäger als SEINEN <strong>Die</strong>ner<br />
haben. Jawohl, hierzu war er geboren. Hierzu waren alle Blutelfen<br />
geboren, zu herrschen, über die niederen, auf ihre eigenen Mächte<br />
vertrauenden, schwachen Kreaturen. Er war nicht schwach, ER würde<br />
ihnen ihre Kräfte entreißen, wie er es schon so viele Male vorher<br />
gemacht hatte.<br />
- 284 -
Leise schlich er durch die Gänge, hörte genau die Kampfschreie von<br />
zwei Wachen und eilte hinterher. Dann hörte er das Gurgeln, das<br />
Kullern, das wie ein zu Boden fallender Kopf klang und dann das<br />
Verenden der zweiten Wache.<br />
Seine Gegner waren stark. Er musste trickreich sein. Ja, er wusste auch<br />
schon wie.<br />
Geschickt zog er seinen Dolch, schnitt seine feine Robe vorn ein und<br />
steckte den Dolch dann so in das Loch, dass die Klinge nur ganz<br />
knapp seine zarte Haut verfehlte. Dann ließ er sich auf den Boden<br />
sacken, lag dort, als hätte man ihn niedergestreckt.<br />
„Los <strong>–</strong> um die Ecke dort. Da sind die Wachen her gekommen.“ zischte<br />
Barra, den Weg deutend.<br />
„Wieso bestimmst du jetzt den Weg?“ brummte Tayury die Schurkin an.<br />
„Weil ICH im Gegensatz zu DIR nicht den Krach von dreißig Legionen<br />
bei einem Schritt mache, Hufhirn. Und jetzt kommt!“ zischte die<br />
Schurkin zurück, ließ die erneut vor Wut kochende Tayury zurück. Wieso<br />
war sie nur mitgekommen? Wieso hatte sie sich durch diese<br />
Sentimentalität nur hierher schleppen lassen? Sie war doch<br />
bescheuert, sich wegen einem MAGIER in so eine Gefahr zu begeben!<br />
Zumal hier nichtmal eine Belohnung für sie heraus sprang! Wie<br />
grottendämlich war sie eigentlich? Innerlich verfluchte sich Tayury,<br />
diesen dämlichen Knochensack vor den Dämonen gerettet zu haben,<br />
ihn wieder und wieder aus dem Mist gezogen zu haben und dann jetzt<br />
schließlich hier zu stehen, sah bei den Gedanken zu dem<br />
Hexenmeister, der ja offenbar ein Meister der Flüche war. Hatte er<br />
einen für Schwachsinnigkeit auf sie gezaubert? Würde diesem Kerl ja<br />
nur zurecht passen.<br />
Mit einige Koordinationsproblemen bogen die sieben schließlich um<br />
die Kurve, erspähten dort einen scheinbar niedergestreckten Blutelfen,<br />
der an der Wand gelehnt lag und die sieben anlächelte, als er sie sah.<br />
„Hey Mann, was ist denn mit dir passiert?“ zischte Barra, die als Erstes<br />
bei dem Blutelfen stand. Doch der bedeutete ihr, nicht zu nahe zu<br />
kommen.<br />
„Vorsicht...überall...Fallen.“ spie Fargoth heraus, deutete dann nach<br />
links.<br />
- 285 -
„Dort...den Gang entlang...dann rechts ist ein....Untoter....er lebt...nicht<br />
mehr lange...Beeilt euch...“ brachte er noch hervor.<br />
<strong>Die</strong> sieben sahen einander an, stimmten dann zu, dass Vorsicht nun<br />
nicht mehr das Optimalste war. Schließlich war das Leben von<br />
Bwalkazz in Gefahr.<br />
„Roxxy <strong>–</strong> bleib bei ihm und pass auf ihn auf. Wir holen Bwalkazz und<br />
sind gleich wieder da. Halt die Stellung. Mann.“ orderte Barra und lief<br />
dann so leise sie konnte los. <strong>Die</strong> meisten anderen folgten, ließen Roxxy<br />
zurück, die erst den Blutelf betrachtete, dann hinter ihnen her sah und<br />
seufzte. Nicht etwa, weil sie nun hier warten musste, sondern weil sie<br />
von ihrem lieben Teborasque getre....<br />
Ihre Gedanken rissen ab, als sie spürte, wie sich eine Klinge in ihren<br />
Rücken bohrte. Schnell wanderte ihr besorgter Blick zu dem Blutelfen,<br />
der gerade noch an der Wand gelegen hatte. Doch der stand nun<br />
hinter ihr und führte die Klinge, rammte sie tief in ihren Rücken, bis sie<br />
zu ihrer Brust wieder hervor kam und drückte ihr eine Hand auf den<br />
Mund.<br />
„Nummer Eins <strong>–</strong> bleiben noch sechs.“ kicherte der Blutelf, die<br />
Trolljägerin mit einem weiteren Dolchstich gänzlich zu Boden<br />
streckend. Vor Roxxys Augen verwuschen die Farben, ihre Beine<br />
trugen ihr Gewicht nicht mehr und ihre Zunge klebte am Gaumen,<br />
während sie langsam gen Boden sackte. Ihre letzten Gedanken<br />
galten ihrem Geliebten, dann wurde es auch schon schwarz um sie.<br />
Gierig nach noch mehr Opfern fledderte der Blutelf schnell die Flinte<br />
vom Rücken der Trolljägerin. Unbeholfen, da er so ein Gerät nicht<br />
wirklich zu bedienen wusste, zielte er grob auf den Trolljäger, der als<br />
Letzter im Bunde gerade um die Ecke biegen sollte, und schoß.<br />
Der Schuß streifte den Trolljäger nur, warf ihn aber auf den Boden.<br />
Wütend raffte er sich auf, blickte auf den Ursprung des Schusses. Dann<br />
sah er den Blutelfen, wie er dort stand und mit der Waffe kämpfte, sie<br />
nach zuladen. Zu seinen Füßen lag Roxxy....in einer Blutlache. Der<br />
Dolch des Blutelfen steckte noch in ihrem Rücken. Dann endlich hatte<br />
Fargoth die Waffe nachgeladen, legte wieder an und schoß.<br />
<strong>Die</strong>smal verfehlte der Schuß komplett, doch Teborasque stand noch<br />
immer da, konnte nicht begreifen, was er sah. Seine Geliebte am<br />
Boden, der Blutelf, der im Mordrausch über ihr stand, hatte ihm das<br />
genommen, was ihm am Wertvollsten war, seine Geliebte, seine<br />
Zukunft, sein Ein und alles. Und nun trachtete er auch nach seinem<br />
- 286 -
eigenen Leben. Das reichte Teborasque. Sein Blut geriet in Wallung<br />
und dann....zum allerersten Mal in seinem Leben und mit einer Wucht,<br />
die mit der Explosion der Quelle der Ewigkeit vergleichbar war,<br />
passierte es: Er sah rot und drehte völlig durch.<br />
Von unbändigem Zorn getrieben sprintete er auf den Hexenmeister zu,<br />
machte Schritte, die größer waren als er selbst, schien mitten im<br />
Rennen abzuheben. Erneut schoss der Blutelf, traf Teborasque mit<br />
einem Streifschuß in der Magengegend. Doch das machte den Troll<br />
nur noch wütender. Noch mitten im Rennen zog er seine große<br />
Zweihandaxt vom Rücken, sah, wie der Blutelf derweil die Waffe<br />
fallenließ und einen Zauber wob. Ein Grüner ballen Magie traf den<br />
Trolljäger, Horror durchfuhr ihn, als ein dunkler Mantel sich über ihn<br />
legte und sich an seiner Gesundheit labte. Doch die Schmerzen, die<br />
der Zauber mit sich brachte, ließen die Wut in seinen Adern nur noch<br />
mehr anschwellen, der Horror versank im Zorn, der die Hand von<br />
Teborasque lenkte, ihn mit der Axt ausholen ließ und dem<br />
Hexenmeister, der gerade zum nächsten Zauber ansetzte, in einem<br />
unendlich schrecklichen Schwung entgegen schleuderte, den rechten<br />
Arm traf und ihn unterhalb des Ellenbogens glatt abtrennte.<br />
Fargoth schrie laut auf, blickte auf die Axt und seinen zu Boden<br />
fallenden Arm. Doch ehe er wirklich begreifen konnte, was geschehen<br />
war, sprang ihn auch schon der von der Wut wahnsinnig gewordene<br />
Troll an, ließ seine Axt einfach Axt sein und warf den Hexenmeister um.<br />
Seine Fäuste ballten sich, suchten ihr Ziel und fanden es im Gesicht des<br />
Blutelfhexenmeisters.<br />
„DU MÖRDER! DRECKSKERL! ICH MACH DICH KALT DU BASTARD!“<br />
brüllte Teborasque und donnerte seine Fäuste wieder und wieder in<br />
das Gesicht des Blutelfen. Ein Knacksen durchfuhr ihn, deutete ihm an,<br />
dass erst die Nase des Blutelfen und dann zwei seiner Finger unter den<br />
enormen Schlägen brachen. Doch der Schmerz bremste ihn nicht, er<br />
fachte seine Wut nur noch mehr an, ließ die Schläge in noch<br />
schnellerer und gnadenloserer Abfolge auf den Blutelfen eindonnern.<br />
Fargoth, dessen Gesicht mit jedem Schlag mehr zu einer breiigen<br />
Masse aus Fleisch und Blut wurde, versuchte seine Beine anzuziehen<br />
und den Troll abzuwerfen. Das gelang auch, jedoch schleuderte er ihn<br />
nur wenige Meter weit, von wo aus der Troll mit neuem Schwung und<br />
Elan zuerst auf <strong>eines</strong> der Beine des Blutelfen losging, es mit beiden<br />
Händen packte und in Positionen drehte, die selbst einem Unfallopfer<br />
fremd waren, den Unterschenkel dann im Wahnsinn einfach vom<br />
schreienden Blutelfen abriß und den Blutelfen dann mit seinem<br />
eigenen Bein zu verprügeln begann.<br />
- 287 -
Noch während seiner Eskapaden waren Braunpelz und Sophilia auf<br />
den wie ein Berserker tobenden Troll aufmerksam geworden, sahen<br />
aus einigen Metern Entfernung, wie Teborasque auf den leblos am<br />
Boden liegenden Blutelfen noch immer eindrosch und den schon<br />
gänzlich platten Schädel des Blutelfen weiter mit seinem eigenen Bein<br />
noch viel breiter schlug, als die steinernen Bodenfliesen darunter<br />
waren. Wieder und immer wieder brüllte er dabei die Worte „ICH<br />
BRING DICH UM DU VERDAMMTER MÖRDER!“ und schlug von seiner<br />
eigenen Wut angepeitscht noch kräftiger zu.<br />
„Hör auf! Tebo! Reg dich doch endlich ab! Er ist doch schon tot!“<br />
versuchten ihn die beiden, nicht gerade schwachen Damen von dem<br />
Blutelfen wegzuziehen, dessen Gesicht sich mittlerweile gleichmäßig<br />
über den Boden verteilt hatte. Doch der Jäger strampelte mit und<br />
schlug wild um sich, traf sowohl Sophilia wie auch Braunpelz hart im<br />
Gesicht und begann dann von neuem, auf den Hexenmeister<br />
einzuprügeln, ehe er heulend auf die Knie sank und zur leblos da<br />
liegenden Roxxy kroch, um ihren noch warmen Kopf in seinen Schoß<br />
zu legen. Tränen flossen Strömen über sein Gesicht, suchten nach<br />
Hoffnung in den Augen <strong>–</strong> vielleicht noch einen Lebensfunken. Doch<br />
da war nichts <strong>–</strong> ihr Körper begann schon auszukühlen.<br />
„Nein...bitte...neeeeiiiinnn...“ schrie der Jäger, dessen Tränenschwall<br />
kein Ende nehmen wollte.<br />
Fargoths Seele indes schwebte über seinem zerschlagenen Körper. Ein<br />
zufriedenes Grinsen lag auf dem schemenhaften Gesicht, das, im<br />
Unterschied zu seinem wirklichen, noch vollständig intakt war. Er hatte<br />
sein Leben zumindest damit enden lassen, die Gruppe zu dezimieren.<br />
Lord Illidan würde zufrieden sein, auch wenn er sein eigenes Leben<br />
dafür gegeben hatte. So wollte er davon schweben, wurde aber<br />
dann und mit einem Mal von einer Kraft gepackt, die er nicht<br />
verstand.<br />
Hinter der einen Ecke stand Vadarassar, die eine Hand in Richtung des<br />
Seelenschemens gerichtet.<br />
Fargoths Augen weiteten sich. Nein <strong>–</strong> das konnte, das durfte nicht sein.<br />
„NEIN! Du wirst keinen Splitter meiner Seele erhalten! Sie gehört MIR<br />
allein!“ waberte die Luft in einer Sprache, die nur Hexenmeister und<br />
jene, die in die dunkle Kunst des Seelendiebstahls eingeweiht waren,<br />
verstehen konnten.<br />
- 288 -
„Das habe ich auch nicht vor.“ groll Vadarassar böse, die Energien,<br />
auf die er sich konzentrierte, intensivierend. Fargoth schrie vor<br />
Schmerzen, konnte nicht glauben, dass ein Toter, ein Geist, der nicht<br />
mehr war als die reine Seele, solche Qualen erleiden konnte.<br />
„Von DIR werde ich keinen Splitter erhalten. Ich werde deine GESAMTE<br />
Seele in einem Kristall einsperren. NIEMAND tut so etwas einem meiner<br />
Freunde an. NIEMAND. Und du wirst die Ehre erhalten, deinem Herrn<br />
die Verderbnis zu bedeuten!“ groll Vadarassar, die schwarze Magie<br />
dann vollends über die Seele kommen lassend.<br />
„NEEEIIIIIIIIIIIIII.......“ schrie sie noch, ehe sich die Seele in lilanen Rauch<br />
auflöste, auf Vadarassar zu raste und in seiner hand auskristallisierte.<br />
Entstanden war nicht etwa ein Seelensplitter, wie er viele besaß,<br />
sondern ein Seelendiamant, der die gesamte Seele dieses<br />
verdammten Verbrechers beinhaltete. So würde sie niemals<br />
wiedergeboren werden, um erneut Schandluder zu treiben. Ein Verlust,<br />
denn auf der rechten Seite wäre er vielleicht nützlich geworden. Doch<br />
keiner, der nicht zu verschmerzen war.<br />
Mit tiefster Genügsamkeit steckte Vadarassar den Seelendiamanten in<br />
seine Robentasche, bereit, ihn gegen Illitan persönlich einzusetzen.<br />
Besiegt durch seinen eigenen Handlanger <strong>–</strong> das geschah diesem<br />
Mistkerl Recht.<br />
- 289 -
Kapitel 48 <strong>–</strong> Daemonicus Interruptus<br />
Der Todesschrei von Fargoth und das irre Gebrüll von Teborasque<br />
hatten bewirkt, dass kurzerhand mehr als drei Dutzend Wachen<br />
aufgetaucht waren, die nun mit gewetzten Waffen auf die verteilten<br />
Eindringlinge zu stürmten. Als die ersten jedoch erblickten, was jenem<br />
Blutelfhexenmeister widerfahren war, stockte der Vorstoß der Krieger.<br />
Einige in den vordersten Reihen mussten angewidert den Blick<br />
abwenden, andere liefen grün an und wieder andere übergaben sich<br />
in ihre eigenen Rüstungen. Einen Blutelf so zuzurichten hatte nicht<br />
unbedingt etwas mit Kraft oder Wut zu tun <strong>–</strong> nur ein total Wahnsinniger<br />
war in der Lage, jemanden derart grausam umzubringen und so zu<br />
verstümmeln.<br />
Angst und Zweifel, wer von den sechs übrigen Recken der Verursacher<br />
dieses Gemetzel war, ließen die Wachen unsicher von Charakter zu<br />
Charakter blicken. Es war schließlich Tayury, die einen kräftigen Schritt<br />
nach vorn machte und einmal laut „BUH!“ brüllte, woraufhin sich die<br />
Hälfte der Wachen vor Angst in ihre Rüstungen machte und panisch<br />
die Flucht ergriff. <strong>Die</strong> übrigen hoben ihre Schwerter, fürchtend, genau<br />
so zu enden wie ihr hexender Kollege. Doch ehe sie an Flucht denken<br />
konnten, prallte schon der mächtige Streitkolben der Taurin auf ihre<br />
Schädel ein, zermatschte kurzerhand einen davon und ließ die übrigen<br />
dann auch in Panik ihre Waffen und Schilde fallen lassend die Flucht<br />
ergreifen.<br />
Wut groll durch alle Gesichter, nur Braunpelz wirkte nachdenklich und<br />
sah auf die tote Trolljägerin herab, die Teborasque noch immer<br />
umklammert hielt. Er konnte einfach nicht fassen, dass das, was er so<br />
geliebt hatte, jetzt einfach nicht mehr sein sollte. Vorsichtig sank<br />
Braunpelz neben ihr auf ein Knie, strich über ihren Körper, als wolle sie<br />
damit etwas herausfinden.<br />
Dann weitete sie ihre Augen. Nein, die Trolljägerin war definitiv tot, der<br />
Puls war nicht mehr vorhanden und ihr Körper kühlte bereits aus. Doch<br />
die Seele, die den Körper beim Tod für gewöhnlich verließ, weigerte<br />
sich die leblose Hülle loszulassen. Mit aller Kraft klammerte sie sich noch<br />
in dieser Welt fest, hoffte auf eine Möglichkeit, doch noch hier zu<br />
bleiben. Ein eiserner Wille, der die Druidin beeindruckte. Und eine<br />
Möglichkeit, denn alles, was gestorben war und dennoch eine Seele<br />
besaß, konnte erneut erblühen. So war es mit den Pflanzen und so<br />
würde es auch mit dieser Jägerin sein.<br />
- 290 -
Sie griff in ihre kleine Gürteltasche, brachte ein unglaublich k<strong>eines</strong><br />
Objekt daraus hervor. Ein Samenkorn, nicht viel größer als eine<br />
Stecknadel und kleiner als ein Floh lag auf der großen braunen Hand<br />
der Druidin, die diesen kurz darauf auf die Trolljägerin fallen ließ.<br />
„Toter Körper und lebende Seele in einem. Erdenmutter, die du<br />
mächtig bist, deine <strong>Die</strong>nerin fleht um deine Gnade, beide wieder in<br />
einer lebenden Einheit auf dieser Welt wandeln zu lassen. Gib zurück,<br />
was viel zu früh genommen, gleiche das Ungleichgewicht aus und<br />
schenke ihr erneutes Leben. Erdenmutter, als deine <strong>Die</strong>nerin flehe ich<br />
dich um deinen Segen an. Bitte, lass mit diesem Samen neues Leben in<br />
die tote Hülle einkehren.“ hauchte Braunpelz betend, ihre Hände auf<br />
das Herz und die Wunde der Trolljägerin legend. Tayury indes wendete<br />
sich ablehnend ab. Erdenmutter <strong>–</strong> so ein Schwachsinn. Und doch<br />
drehte sie sich mit einem Mal ungläubig um.<br />
Ein strahlendes Licht ging von dem kleinen Samenkorn aus, wurde<br />
größer, immer größer und ließ den gesamten Korridor erstrahlen, hüllte<br />
alle ringsum in ein unendlich warmes Weiss. Und dann erklang eine<br />
Stimme, so sanft und fern, dennoch nah und unglaublich gütig. Eine<br />
Stimme, als käme sie direkt von den Titanen, die einstmals die Welten<br />
erschaffen hatten.<br />
„Du wünschst das Leben einer, die zu Unrecht fiel, zurück in die Welt zu<br />
schicken. Es ist, was nicht nur die Seele, sondern alle ringsum am<br />
meisten ersehnen. Dein Flehen ehrt die Macht, die dir gegeben. Das<br />
Geschenk einer zweiten Chance sei gewährt.“ hauchte eine Stimme,<br />
die überall und nirgends herzukommen schien.<br />
<strong>Die</strong> Dolchwunden auf Roxxys Körper verschwanden mit einem Mal,<br />
blätterten einfach von ihrem Körper ab, als wären sie nie da gewesen.<br />
Noch ein letztes mal pulsierte das Licht, dann verschwand es<br />
schlagartig und ließ die Sieben in der Dunkelheit des Ganges zurück.<br />
Roxxy blinzelte, holte einen tiefen Atemzug und riß dann die Augen<br />
auf. Teborasque, der noch immer neben ihr kniete, konnte es nicht<br />
glauben, riß sie empor und drückte sie so fest an sich, dass er sie<br />
beinahe erwürgte und damit fast ein weiteres Mal umbrachte.<br />
„Bei allen Zephyriumladungen <strong>–</strong> du lebst!“ jubelte der Trolljäger, hielt<br />
sie in seinen Armen und wollte sie gar nicht mehr loslassen, sah nur<br />
noch Braunpelz neben sich, die leicht hin und her wankte, von diesem<br />
Gebet offenbar geschwächt zu sein schien. Dann richtete sie sich<br />
jedoch auf und ging wieder zu ihrer Artgenossin.<br />
- 291 -
„Danke....ich....ich werde dir auf ewig dankbar sein, Mann....“ presste<br />
Teborasque noch unter Tränen heraus. Braunpelz stützte sich nur an<br />
der Wand ab, blickte zu Tayury, die ihre Augen noch immer weit<br />
aufgerissen hatte und starrte, als könne sie das gerade Geschehene<br />
einfach nicht erklären.<br />
„Danke nicht mir <strong>–</strong> danke der Erdenmutter, dass sie euch beiden eine<br />
zweite Chance gibt.“ brachte Braunpelz noch hervor, ehe sie tief<br />
durchatmete und sich erst mal sammeln musste.<br />
„Deine Freunde werden zu spät kommen, dich zu retten. Und sie<br />
werden meine Pläne nicht vereiteln. Bald schon werden genügend<br />
Drachen und Kämpfer auf meiner Seite stehen, damit wir Azeroth für<br />
uns nehmen können. Dann, wenn MEINE Streitmacht komplett ist,<br />
werde ich in meine Heimat zurück kehren und sie vor den Dämonen<br />
und allen, die es wagen, die Ruhe zu stören, beschützen. Und mit dir<br />
und deiner gesamten Horde fange ich an.“ groll Illidan. Doch ehe er<br />
seine Dämonenklinge heben und sie in den wehrlos am Boden<br />
liegenden Magier rammen konnte, wurde die Tür von außen<br />
aufgestoßen und Vadarassar, Barra und alle anderen stürmten voran,<br />
um sich gegen den einstigen Dämonenjäger zu stellen.<br />
„Gib ihn frei, dann werden wir dich verschonen!“ groll Vadarassar so<br />
tief er konnte, deutete auf Illidan, der die Klinge in diesem Moment<br />
sinken ließ und die kleine Gruppe nur mit einem breiten Grinsen<br />
betrachtete.<br />
„Ihr? Ihr wollt MICH aufhalten? Vermessen, SEHR vermessen von euch.<br />
Ihr wisst nicht, was euch erwartet!“ groll er seine zweite Klinge greifend,<br />
um kurz darauf einen kräftigen Sprung in Richtung eben jener Sieben<br />
zu machen, die Klingen hoch erhoben.<br />
<strong>Die</strong> erste Klinge traf das Schild von Tayury, wurde davon aber nicht<br />
abgewehrt, sondern schnitt es glatt in zwei Teile, die andere tat das<br />
gleiche mit ihrem Streitkolben und ließ sie damit gänzlich schutzlos<br />
zurück taumeln, ehe die beiden Trolle ihre Gewehre benutzten und<br />
Illidan eine Ladung Schrot mitten in die nicht vorhandenen Augen<br />
schossen. Der Dämonenjäger wehrte die Kugeln elegant mit seinen<br />
Klingen ab, stürmte dann wieder vor und baute sich drohend vor den<br />
sieben auf.<br />
„Ihr habt keine Chance. Ergebt euch und schließt euch meiner Armee<br />
an. Gemeinsam werden wir erst diese Welt und dann Azeroth von<br />
allem befreien, was eine Gefahr für den Frieden sein könnte. Es wird<br />
- 292 -
ein Reich aus gänzlicher Harmonie werden, frei von der dämonischen<br />
Bedrohung oder den Gefahren durch irgendetwas.“ groll der Dämon,<br />
seine Klingen drohend vor die Gruppe haltend.<br />
Keiner der sieben sagte einen Ton. Nur Vadarassar sagte etwas, griff<br />
dabei in seine Tasche und brachte dabei den Seelendiamanten<br />
hervor. In der Nähe dieses Überdämons begann er stark, sogar<br />
übermäßig stark zu glühen. Dann, mit einer Kühle, die selbst Bwalkazz<br />
zur Ehre gereicht hätte, sagte er nur vier Worte, während er auf Illidan<br />
deutete.<br />
„Brenne in der Hölle!“ donnerte hervor, gefolgt von einer magischen<br />
Formel, die den glühenden Seelendiamanten noch heller glimmen<br />
ließ. Ein Feuerball, weitaus mehr astraler Natur als üblich, entwuchs aus<br />
dem Diamanten, verschlang ihn und brannte so heiss, dass alle um<br />
Vadarassar schon einen Schritt zurück gingen. Dann und ohne die<br />
Mine zu verziehen, ließ er den Flammenball auf den Dämonenjäger los<br />
donnern.<br />
Der grinste nur lässig, hob seine Dämonenklinge und schlug auf den<br />
Feuerball ein, als wolle er ihn damit lässig zur Seite schlagen. Doch die<br />
Klinge fuhr glatt durch den Ball hindurch <strong>–</strong> mehr noch, schmolz, als sie<br />
durch ihn hindurch glitt in sich zusammen.<br />
Mit einem ungläubligen Blick traf der Ball den Dämonenjäger,<br />
verbrannte aber nicht seine Haut, sondern verschlang ihn von innen,<br />
ließ ihn in unendliche Schmerzen verfallen zusammen brechen. Doch<br />
er starb nicht, nein, er rappelte sich wieder auf, blickte aus glühenden<br />
Augen auf die Gruppe und fletschte die Zähne.<br />
„Dafür wirst DU brennen, Hexenmeister!“ groll er, hob seine Hand und<br />
ließ einen Blitz entfahren.<br />
Der Blitz schlug geradewegs im Oberlicht des Raumes ein, ließ es<br />
zerbersten und sich damit öffnen. Durch jenes Oberlicht strömten<br />
darauf Dutzende, hunderte und bald schon tausende von<br />
Netherdrachen auf Illidan zu, kreisten um ihn herum und füllten den<br />
Raum, bis dieses riesige Konstrukt vollends mit Netherdrachen gefüllt<br />
war.<br />
Illidan lachte wahnsinnig. „Ich sagte euch, ihr wisst nicht, was euch<br />
erwartet! Dein Zaubertrick hat mir meine Kräfte zerschlagen, doch um<br />
mich besiegen zu können, müsst ihr schon mehr bieten. Und jetzt,<br />
meine Drachen <strong>–</strong> greift sie an und brennt sie nieder! Lasst nur Staub<br />
von ihnen übrig!“<br />
- 293 -
Kapitel 49 <strong>–</strong> Der Herr über das Heer der Netherdrachen<br />
Gerade eben noch hatte alles so gut ausgesehen. <strong>Die</strong> Attacke von<br />
Vadarassar gegen Illidan schien eine Wirkung entfaltet zu haben, die<br />
weit über dem war, was sie wohl erwartet hätten. Doch nun waren sie<br />
von Drachen umzingelt <strong>–</strong> weit mehr, als sie jemals auf einem Haufen<br />
gesehen hatten. Scheinbar unendlich viele, glühende Augen fixierten<br />
sie, warteten nur auf den Befehl ihres Herren.<br />
<strong>Die</strong> sieben sahen ihr sicheres Ende gekommen, sechs von ihnen<br />
zitterten am ganzen Leib, erwarteten den kurzen, dafür umso<br />
schmerzvolleren und tödlicheren Angriff der Netherdrachen. Nur der<br />
Orchexenmeister war halbwegs ernst, schien mit irgendetwas<br />
beschäftigt. Dann schließlich ergriff er das Wort.<br />
„Vierhundertdreiundfünfzig.“ sagte er kühl und ohne Emotion im Satz.<br />
„Etwa siebzig für jeden von uns.“<br />
Sechs weitere Augenpaare fixierten den Hexenmeister, der das<br />
Gesagte mit einem ernsten, festen Gesicht als wirklich ernstgemeinte<br />
Tatsache betonte.<br />
„Haste ne Macke? So viel Kugeln kann ich gar nich abschießen, ehe<br />
wir aufgefuttert sind.“ protestierte Teborasque.<br />
„Drachen töten? Aber...ich kann doch keinen Drachen töten.“<br />
wimmerte Braunpelz, die Netherdrachen freundlich anblickend,<br />
obwohl sie dafür nur Fauchen kassierte <strong>–</strong> einerseits von dem<br />
angestarrten Netherdrachen, andererseits von der schwarzen Taurin<br />
neben ihr.<br />
„Klar, du wirst dich lieber zerfetzen lassen und dich dabei bei dem<br />
Drachen für deine Existenz entschuldigen, du Hippie.“ brummte Tayury,<br />
nun einen Stab in Händen haltend, um damit auf den nächstbesten<br />
Drachen loszugehen.<br />
Ein finsteres Lachen entglitt Illidan als er sah, wie diejenigen, die ihn<br />
gerade noch bedroht hatten, jetzt vor Angst schlotterten. Ein<br />
Hochgefühl, das ihm eine Leichtsinnigkeit verlieh, wie sie ihn schon<br />
früher begleitet und manchmal zum Verhängnis hat werden lassen.<br />
Doch nicht diesmal <strong>–</strong> dieses Mal würde er triumphieren und sie<br />
zerfetzen. Nicht selbst, sondern von seinen vielen<br />
Netherdrachendienern, die ihm treu ergeben waren.<br />
- 294 -
Ohne jede Kraftanstrengung packte er den am Boden liegenden<br />
Magier und schleuderte ihn mitten in die Gruppe.<br />
„Ich lasse eurem Freund die Ehre zuteil, mit euch zu sterben. Dann seid<br />
ihr wenigstens im Tode vereint. Und jetzt <strong>–</strong> greift an und lasst nichts von<br />
ihnen übrig!“ brüllte er, die Klingen vor seiner Brust kreuzend.<br />
Noch gerade hatten sie Bwalkazz aufgefangen, schon bildeten sie<br />
einen Kreis, um sich bestmöglich gegen die nun in Wellen<br />
angreifenden Netherdrachen zu verteidigen. Zwanzig Drachen<br />
bildeten die erste Welle, wurden von Flüchen, einem Kugelhagel,<br />
fliegenden Dolchen und einem schwingenden Kampfstab<br />
empfangen. Eine zweite Welle sollte folgen, stürmte schon auf die<br />
Gruppe zu, als mit einem Mal die Kuppel von einem hellen Blitz noch<br />
weiter aufgerissen wurde und eine donnernde Stimme zu brüllen<br />
begann.<br />
„Ihr werdet erst angreifen, wenn ICH es euch sage!“ groll die Stimme,<br />
die einem riesigen Schatten gehörte. War das Netheraku? Nein, dieser<br />
Schatten war größer, viel größer und viel dunkler. Nur leicht blitzte das<br />
Licht von stumpfen, schwarzen Metallplatten ab. Dann, im Licht einer<br />
der Wandfackeln, erkannten sie den Urheber dieses Schreis.<br />
Es war niemand geringeres als Deathwing. Jener Drache, von dem<br />
alle gehofft hatten, er wäre beim großen Krieg zu Tode gekommen.<br />
Seine Worte grollen, als kämen sie direkt aus einem Hochofen und<br />
wollten die Anwesenden sämtlichst verbrennen.<br />
Illidan blickte seinerseits mit abfälligem Blick zu dem großen,<br />
schwarzen Drachen über sich. Er kannte ihn noch von früher, auch<br />
wenn er ihn schon damals nicht wirklich gefürchtet hatte. Es war mehr<br />
eine Art Wut darüber, dass er einfach seinen Befehl mit einem Brüllen<br />
gestoppt hatte.<br />
„Ich habe euch einen Befehl gegeben! Zerstört diese Eindringlinge!“<br />
brüllte Illidan wieder den Netherdrachen ringsum zu. Doch die<br />
bewegten sich nicht, starrten nur auf Deathwing.<br />
„Nachtelf, obwohl du nun von dämonischem Blute bist, ist dein<br />
Verstand noch immer winzig. <strong>Die</strong>se meine Kinder folgten dir nur, weil<br />
ich es so wollte. Sie gehören zu mir <strong>–</strong> und sie sind noch nicht bereit. Der<br />
Kampf wird erst noch kommen.“ groll der schwarze Drache, Illidan kurz<br />
darauf einen Schlag mit dem Schweif verpassend, dem der Nachtelf<br />
jedoch zu einem großen Teil ausweichen konnte. Leicht strauchelnd<br />
kam er wieder auf seine Beine, starrte dann das Echsengesicht böse<br />
an.<br />
- 295 -
„<strong>Die</strong>s hier ist MEIN Reich. Niemand stellt sich über mich. NIEMAND!“<br />
brüllte er nun, seine verbliebene Klinge zückend, um sie Deathwing<br />
durch den Stahl hindurch in die Echsenhaut zu rammen.<br />
Eine magische Barriere packte Illidan, riß ihn umher und ließ ihn<br />
schließlich in der rechten Pranke von Deathwing landen, wo er gleich<br />
darauf von den dicken Krallen umschlungen wurde. Seine Klinge fand<br />
schlagartig eine der Klauen, wurde hinein gestoßen und durchstieß sie<br />
gänzlichst.<br />
Deathwing brüllte auf, spürte die Schmerzen, schien darunter aber<br />
nicht zu leiden, Viel mehr verzog er das Gesicht, als würde er jene Pein<br />
geradezu genießen.<br />
„Du magst stark sein, doch gegen mich wirst du nicht ankommen. Ich<br />
lasse sich nur am Leben, damit ich meine Ruhe habe und sich alle DIR<br />
als gefährlichstem Gegner widmen. Und in der Zwischenzeit wächst<br />
meine Armee, damit ICH MEINE Welt erobern und ENDLICH von dieser<br />
Pestilenz bereinigen kann.“ groll Deathwing, sah dabei auf die vielen<br />
Netherdrachen.<br />
Es waren keine schwarzen Drachen mehr. Nein, in seinen Augen<br />
waren sie durch diesen Unfall noch mehr geworden, stärker, als seine<br />
ursprüngliche Brut. Eine Urmacht, der Azeroth nichts entgegenzusetzen<br />
haben würde. Nichts würde ihn bremsen. Nicht einmal dieser<br />
verdammte Netheraku hatte es geschafft, war viel zu leicht zu<br />
beseitigen gewesen.<br />
„<strong>Die</strong>se Armee ist nicht deine.“ rief eine Stimme von oben herab.<br />
Deathwing blickte nach oben, wollte wissen, wer diesen Frevel wagte,<br />
IHN, als Herrscher von Azeroth zu verleugnen.<br />
Ein hagerer, bleicher Mensch mit roter Robe stand dort oben. Doch<br />
Deathwing blickte durch die Verkleidung hindurch, sah die viel<br />
mächtigere Existenz dahinter und groll laut.<br />
„Das Lieblingsschoßhündchen meiner ehemaligen Geliebten. Du wirst<br />
der Erste sein, der von meinen Nachkommen zerrissen wird.“ groll<br />
Deathwing böse, den Netherdrachen ein tiefes Grollen entgegen<br />
bringend. Sofort machten sich hundert Netherdrachen auf, um auf<br />
den Magier zuzustürmen. Der indes machte keine Anstalten ihnen<br />
auszuweichen oder gar seine Gestalt zu ändern. Brauchte er auch<br />
nicht, denn nur Momente später kam der Angriff zum Stehen und die<br />
- 296 -
Netherdrachen schwebten nur noch langsam über dem Magier, den<br />
sie eigentlich zerfetzen sollten.<br />
„Greift ihn an! Ihr sollt ihn zerfetzen. Ich bin euer Vater und Herr!“ groll<br />
Deathwing die Netherschwingen finster an.<br />
„Nein <strong>–</strong> du bist der Herr der schwarzen Drachen. Nicht der<br />
Netherschwingen!“ antwortete eine Stimme, die Deathwing nur zu gut<br />
kannte, die ihn allerdings an seinem eh schon maroden Verstand<br />
zweifeln ließ. Dann sah er ihn <strong>–</strong> Netheraku schwebte dort oben, war<br />
alles andere als ein Geist oder ein bloßes Hirngespinst. Ungläubig sah<br />
er, wie die Netherdrachen dort oben Kehrt machten, stattdessen an<br />
der Seite ihres Vaters, ihres Artgenossen schwebten und nun auf<br />
Deathwing zu kamen.<br />
Unbändige Wut brannte in ihm. Er wollte Netheraku endgültig<br />
zerschlagen, ihn zerschmettern. Doch ehe er seine ganze Kraft auf<br />
selbigen konzentrieren konnte, traf ihn schon ein konzentrierter<br />
Feuerstrahl direkt in die Seite.<br />
Korialstrasz, der rote Drache hatte sich ungesehen von den anderen<br />
aus seiner menschlichen Gestalt geschält und schwebte nun<br />
schwerelos über dem großen schwarzen Drachen, der Illidan in eine<br />
Ecke warf und sich schließlich den Drachen widmete.<br />
Flammen und Flüche wechselten die Kehlen, schossen auf die jeweils<br />
andere Fraktion. Illidan seinerseits stand auch nicht hilflos dar, mischte<br />
sich ein und traf mal jene, mal die andere Seite. Ein Verwirrspiel<br />
zwischen drei Fraktionen <strong>–</strong> der Seite von Illidan, Deathwing und<br />
Netheraku. <strong>Die</strong> Netherdrachen ringsum waren verwirrt, wirbelten<br />
teilweise unter der Kontrolle von Illidan, von Deathwing oder<br />
Netheraku umher, schlugen aufeinander ein, bekämpften sich oder<br />
wechselten spontan die Seiten. Ein Durcheinander von drei Mächten,<br />
die einander keinerlei Boden lassen wollten.<br />
„Interessant.“ brummte Vadarassar, das Geschehen wie alle anderen<br />
vom Boden aus beobachend. Nur Braunpelz stand über Bwalkazz<br />
gebeugt und untersuchte den zerschundenen untoten Körper des<br />
Magiers. Besonders markant fand sie die roten Würgemale in Form von<br />
Taurenfingern an seinem Hals, blickte Tayury streng strafend an, die<br />
ihrerseits so tat, als würde sie den Blick gar nicht bemerken.<br />
„Du hast ihn gewürgt.“ stellte die Braune fest, sich wieder aufrichtend,<br />
nachdem sie für den Magier getan hatte, was sie konnte.<br />
- 297 -
„Der hat genervt. Also habe ich ihn zum Schweigen gebracht.“<br />
brummte die schwarze Taurin nur, Braunpelz dann tief in die Augen<br />
blickend. „Und jetzt lass mich in Ruhe.“<br />
„Hör mir gut zu Schwester. Wenn du meinen Freunden weh tust, dann<br />
auch mir. Also entschuldige dich gefälligst.“ sagte Braunpelz mit einem<br />
Schlag, Tayury mit einer Hand am Handgelenk greifend.<br />
Wie Dolche bohrten sich die Augen Tayurys in die sonst so freundlichen<br />
Augen der braunen Taurin. Doch die ließ sich nicht beeindrucken, sah<br />
ihrerseits entschlossen zurück.<br />
„Lass meinen Arm los oder ich breche dir die Hand.“ groll die schwarze<br />
Taurin.<br />
„Versuch es doch, Schwester.“ antwortete Braunpelz, nun zum ersten<br />
Mal wirklich grimmig.<br />
„Hey Mädels <strong>–</strong> VORSICHT!“ brüllte Teborasque mit einem Mal, warf sich<br />
einfach gegen die beiden Tauren und schleuderte sie zur Seite. Keinen<br />
Moment zu spät, denn genau in diesem Moment krachte Netheraku<br />
auf den Boden und blieb dort zunächst zitternd liegen. Sofort stürmte<br />
Deathwing auf ihn hinab, um sein Werk endlich zu vollbringen. <strong>Die</strong>smal<br />
würde er ihn nicht einfach in Ruhe zum Sterben am Boden liegen<br />
lassen <strong>–</strong> er würde diesem verdammten Netherdrachen den Kopf<br />
abreißen, ihn auf einen Speer spießen und ihn als warnendes<br />
Mahnmal vor seinen Bau stellen, damit jeder wusste, dass man sich<br />
NIEMALS dem Aspekt der Erde in den Weg stellte.<br />
Korialstrasz brachte ihn vom Kurs ab, rammte ihn im letzten Moment in<br />
den Bauch und schlug seine Krallen tief in die Schuppen. Ein Beben<br />
ging durch den schwarzen Tempel, ließ Risse durch alle Wände fahren<br />
und die Wachen, die neugierig zum Eingang gelaufen waren,<br />
panikartig in Richtung Ausgang flüchten. Ohne nachzufragen waren<br />
Braunpelz und Sophilila zu Netheraku gelaufen und betrachteten den<br />
geschwächten Netherdrachen. Er war stark <strong>–</strong> ganz ohne Frage. Doch<br />
gegen einen Aspekt, selbst wenn dieser korrumpiert war, kam selbst er<br />
nicht an. Ein Glück nur, dass dieser aktuell mit etwas ganz anderem<br />
beschäftigt war.<br />
Brüllend rafften sich die beiden Drachen auf, fauchte Deathwing den<br />
kleineren roten Drachen an und schlug mit einer Vorderpranke nach<br />
ihm. <strong>Die</strong>se traf mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit und Präzision die<br />
Flanke des Roten, ließ ihn laut aufschreien und seinen Kopf damit weit<br />
- 298 -
erheben. Das reichte Deathwing, um den Kopf mit einem weiteren<br />
Prankenschlag zu erwischen.<br />
Benommen durch den Treffer taumelte der rote Drache zur Seite und<br />
krachte gegen einige Pfeiler, riss sie mit seinem Gewicht um, als wären<br />
es nur kleine Streichhölzer und blieb schließlich unter einigen Tonnen<br />
Stein und Gemäuer regungslos liegen. Jetzt wollte Deathwing sein<br />
Werk endlich vollenden, Netheraku umzubringen, spürte gleichzeitig<br />
aber ein Schwert, dass sich in seinen Nacken und an den dort<br />
angebrachten Metallplatten vorbei in seine Schuppenhaut bohrte.<br />
Wild wirbelte er herum, schüttelte Illidan ab.<br />
„Idiot. Du bist keine Gefahr für mich. <strong>Die</strong> Mächte, die du inne hattest,<br />
die Drachen, die du kontrolliertest <strong>–</strong> es war alles von mir. Und ich kann<br />
dir nehmen, was ich dir gegeben habe.“ groll der schwarze Drache,<br />
den Dämonenjäger schließlich mit seinen Augen fixierend.<br />
„Du irrst gewaltig, Drache. Ich werde dich erlegen, wie ich die<br />
Dämonen erlegt habe. Ohne deine Hilfe.“<br />
„Dummer, kleiner, wertloser Elf.“ groll Deathwing, gleich darauf wieder<br />
mit den Pranken nach Illidan schlagend<br />
Netheraku indes öffnete wieder seine Augen, spürte die Kraft, die er<br />
von der Druidin und der Schamanin erhielt und wie sich seine Wunden<br />
in Rekordzeit schlossen. Dann fand sein Blick wieder Deathwing und<br />
die Netherdrachen ringsum. Sie waren noch immer verwirrt, wem sie<br />
nun gehorchen sollten, standen zu großen Teilen unter dem Einfluß von<br />
jedem der beiden Bösewichte. Erst als Netheraku laut nach ihnen<br />
schrie, schien die Magie langsam zu vergehen, ihre Sinne wieder die<br />
Kontrolle über ihr Tun zurück zu kehren. Und dann einten sie sich,<br />
stießen auf Deathwing herab, rissen eine der riesigen Metallplatten aus<br />
seinem Rücken.<br />
Ein schriller Schrei entglitt dem schwarzen Drachen, der Illidan mit<br />
einem Ruck gegen eine Säule schlug und sich Netheraku zuwandte,<br />
der jetzt inmitten der Gruppe stand. Durch die Schmerzen in seinem<br />
Rücken blind vor Wut schlug er um sich, erwischte einige<br />
Netherdrachen und zermalmte sie unter sich, während er Schritt um<br />
Schritt näher kam.<br />
„Das....ist eure....einzige Chance...“ keuchte es unter jeder Menge<br />
Gestein hervor. Korialstrasz war es wohl, der sich aus den Steinen<br />
herauszugraben versuchte. Niemand schien wirklich zu verstehen, was<br />
der rote Drache mit diesen Worten gemeint haben wollte. Lediglich<br />
- 299 -
die Schurkin und der Hexer verstanden es, nickten beide und gingen<br />
etwas zur Seite, krallten sich beide die zwei Jäger und gingen<br />
unauffällig hinter einer Säule in Deckung.<br />
„Illidan war ein Narr. Ohne meine Mächte wäre er noch immer nur der<br />
Herrscher dieses Tempels und würde versuchen, die Legion in Schach<br />
zu halten. Seine Vermessenheit wird ihm nun dieses Schicksal auf ewig<br />
auferlegen. Und ICH werde über Azeroth herrschen.“ groll Deathwing,<br />
seine Pranke erhebend, um Netheraku mit nur einem Schlag endgültig<br />
den Gar aus zu machen.<br />
Von seinen Wunden größtenteils geheilt rollte dieser sich aber in letzter<br />
Sekunde weg und sprang den schwarzen Drachen wie ein Wolfshund<br />
an die Kehle, biß kräftig durch den schweren Metallpanzer in das<br />
Fleisch s<strong>eines</strong> Widersachers. Deathwing groll, schlug um sich und fügte<br />
Netheraku mehrere tiefe, stark blutende Schnittwunden zu, während<br />
er sich immer weiter aufrichtete.<br />
„Macht euch bereit.“ sagte Vadarassar, die Hand hebend und in<br />
Gedanken schon einige Zauber vorbereitend. <strong>Die</strong> Jäger legten mit<br />
ihren Flinten an und Barra hielt zwischen den Fingern beider Hände<br />
ihre Wurfmesser bereit. Dann senkte der Hexenmeister die Hand, ließ<br />
im selben Moment eine schwarz glühende Energiekugel los rasen,<br />
umschlossen von einem noch viel schwärzeren Glühen. Sofort folgten<br />
die Kugeln der Trolle, begleitet von den Messern der Schurkin.<br />
Beinahe gleichzeitig trafen Zauber, Kugeln und Messer die<br />
ungeschützte Stelle in Deathwings Rücken, ließen ihn laut aufschreien<br />
und zurück torkeln. Dann traf eine weitere Salve die gleiche Stelle,<br />
noch ein weiterer Zauber ließ das hervor quellende Fleisch verfaulen,<br />
sich nach innen fressend den Körper verderben, ehe ein Schwall Lava<br />
aus dem Körper und über die Rüstungen glitt.<br />
Deathwing groll, wandte sich um und ließ den gesamten Raum in<br />
Flammen aufgehen, hoffte so die Angreifer zu grillen. Nur ihren<br />
schnellen Reflexen und der nahen Steinsäule hatten sie es zu<br />
verdanken, nicht wirklich in Grillbriketts verwandelt worden zu sein.<br />
„Wertlose Horde. Ihr Würmer werdet mich nicht aufhalten! Ich bin<br />
mächtiger als eurer gesamtes Volk! Ich werde euch zerschmettern!“<br />
groll Deathwing, schrie dann auf, als Illidan, seinerseits wieder auf den<br />
Beinen, sein Schwert in die ungeschützte und schon verletzte Flanke<br />
des Riesendrachen rammte.<br />
- 300 -
Wutentbrannt schlugen die Gedanken wieder auf den Dämonenjäger<br />
um, krachten Krallen in Stein und verwüsteten alles, was ihnen im Weg<br />
stand.<br />
Dann, mit einem Mal, stand Krasus neben Vadarassar und den Trollen.<br />
„Jetzt ist der Punkt, an dem ihr fliehen solltet.“ sagte der Magier in<br />
strenger Stimme, den Restlichen um Netheraku herum zunickend. Der<br />
große Netherdrache verstand, nahm Druidin und Orcschamanin auf<br />
seinen Rücken, beorderte einige seiner Untertanen herbei, um den<br />
anderen ebenfalls eine Mitfluggelegenheit zu geben. Vier weitere<br />
flogen auf Vadarassar, Tebo, Roxxy und Barra zu, landeten nur wenige<br />
Zentimeter vor ihnen und blickten sie auffordernd an, aufzusteigen.<br />
„Wieso sollten wir fliehen? Mit dem Würmchen werden wir doch noch<br />
fertig.“ brummte Vadarassar und deutete auf Deathwing, der Illidan<br />
gerade wieder knapp verfehlt hatte und nun zu einem weiteren<br />
Feuerstoß ansetzte. Doch Krasus schüttelte den Kopf.<br />
„Du unterschätzt seine Macht bei weitem, Hexenmeister. Eure Kräfte<br />
sind groß, doch seine sind groß genug, um ganze Armeen deiner Sorte<br />
zu zerfetzen. Und wenn ihr bleiben würdet, dann wäre dies euer<br />
sicheres Schicksal sowie Ende. Nun geht. Flieht. Schnell.“<br />
Mit diesen letzten Worten hoben die Netherdrachen ab, trugen die<br />
Gruppe mit schweren Flügelschlägen aus dem Tempel heraus und<br />
dann mit höchster Geschwindigkeit Richtung Shattrath. Noch<br />
während sie die Grenze des Schattenmondtals, das an die Wälder von<br />
Terrokar grenze überflogen, hörten sie den Kampfeslärm zwischen<br />
Illidan und Deathwing. Doch die Schreie der Netherdrachen, die<br />
vorher so allgegenwärtig waren, waren nun verschwunden.<br />
- 301 -
Kapitel 50 <strong>–</strong> Endlich in Sicherheit<br />
Bwalkazz öffnete die Augen und spürte ein intensives Leuchten. Ein<br />
Naaru schwebte dort vor ihm, ließ eine unglaublich warme, intensive<br />
Energie auf ihn herab scheinen. Sein Blick ging weiter.<br />
Ein riesiger Raum, kreisförmig, angefüllt mit allerhand merkwürdigen<br />
Gestalten. Doch es war kein schlechter Ort, wie er schon so viele<br />
gesehen hatte. Stattdessen sah er nach einem Umsehen seine<br />
Freunde in einer Ecke stehen. Sogar Tayury sah er, jedoch hatte diese<br />
den Streitkolben gezogen und blickte grummelnd auf die Druidin auf<br />
der anderen Seite. Was...ging da vor? Dachten sie, diese Schamanin<br />
wolle ihm etwas zuleide tun und sie dachte das selbe von den<br />
anderen?<br />
Er wollte sich erheben und zwischen die beiden treten, wurde aber<br />
von dem Licht zurückgehalten, das in diesem Moment eine sanfte<br />
Melodie in seinem schmerzenden Schädel zu spielen begann.<br />
„Du brauchst keine Angst zu haben. Du bist hier sicher und ihr wird<br />
nichts geschehen.“ klang diese Melodie wie eine innere Stimme in<br />
Bwalkazz. Es war nicht einfach nur eine Stimme, die das gesagt hatte,<br />
es war wie eine tiefe Überzeugung, die ihm jeden Zweifel nahm und<br />
ihn sich stattdessen sanft aufsetzen ließ, um aus dieser Position das<br />
Geschehen in nur wenigen Metern Entfernung direkt zu sehen.<br />
„Wenn du eine blutige Nase haben willst, du Hippie, dann nur zu.“ groll<br />
Tayury, ihren neu gekauften Streitkolben schwingend. Braunpelz<br />
beeindruckte das nicht, sie verschränkte die Arme und blickte ihre<br />
schwarzfellige Artgenossin streng an.<br />
„Ich verlange eine Entschuldigung für dein Benehmen unserem Freund<br />
gegenüber. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ sagte sie kühl.<br />
„Einen Dreck bekommst du, Baumschmuserin! Nicht für die Dunstwolke<br />
dort.“ knurrte Tayury, nun eine Kampfhaltung einnehmend. Braunpelz<br />
tat es ihr ähnlich, hielt ihren Stab jedoch nur neben sich, statt ihn mit<br />
beiden Händen zu umklammern.<br />
„Dann willst du es nicht anders. Ich werde dir Manieren beibringen,<br />
Schwester.“<br />
„Halt die Klappe und kämpf, Blumenkind!“ groll Tayury, auf Braunpelz<br />
zu stürmend. <strong>Die</strong> hob nur eine Hand und begann Dinge zu flüstern.<br />
- 302 -
Magie <strong>–</strong> wieder diese widerliche Magie. Nein <strong>–</strong> Tay würde vor stürmen<br />
und dieser Druidin ihre Magie heraus klopfen. Nicht ernsthaft verletzen,<br />
nur diese elende Magie....<br />
Sie stockte mitten in der Bewegung. Eigentlich war sie nur noch einen<br />
Schritt von der Druidin entfernt, konnte aber keinen mehr machen.<br />
Ungläubig blickte sie nach unten, sah, wie ihr rechter Huf von Wurzeln<br />
umwachsen war, die explosionsartig aus dem Boden geschossen<br />
waren und nun nicht nur ihren Huf, sondern ihr gesamtes Bein<br />
umwucherten.<br />
„Was zum....was soll der Mist?“ brüllte Tayury, ihren Streitkolben gegen<br />
die Wurzeln schwingend, die immer weiter an ihr empor kletterten und<br />
jedes Vorankommen unmöglich machten. Erst jetzt traf der Stab von<br />
Braunpelz die schwarze Taurin, jedoch auch nur die Hand, ließ damit<br />
den Streitkolben aus ihrer Hand gleiten. Dann verließ ein glühendes<br />
Schimmern die Stabspitze, traf die Rüstung der Schamanin und ließ sie<br />
hell aufglühen. Einige Stellen wurden durch das Glühen transparent,<br />
schienen sich aufzulösen, während sie wie ein unsichtbares Feuer<br />
glühten. Der leichte Schlag mit dem Stab gegen den Rücken der<br />
Schamanin spürte sie daraufhin, als wäre er ihr direkt auf nacktes Fell<br />
gegangen, blickte die Druidin zornig an.<br />
Dann rastete Tayury aus, stieß eine kleine Dampfwolke aus ihren<br />
Nüstern und griff im Ducken nach ihrem Streitkolben, stieß sich mit<br />
beiden Beinen sowie ihren Armen vom Boden ab und riß damit die<br />
Wurzeln auseinander, um mit dem Überschuß an Schwung auf die<br />
Druidin zu springen, in der Hoffnung, ihr den Streitkolben vor den Kopf<br />
zu hämmern.<br />
Noch mitten im Sturz änderte Braunpelz ihr Aussehen, ließ ihre<br />
Erscheinung in einen Terrorbären verändern, der sich auf den Rücken<br />
rollte, kurz darauf dann aber die schwarze Taurin unter seinem hohen<br />
Gewicht fast begrub. Lange, spitze Klauen lagen auf dem Hals der<br />
Schamanin, eine andere Pranke auf ihrem Arm, der den Hammer hielt.<br />
„Entschuldige dich, du Sturkopf. Ich will dir nicht weh tun müssen.“ groll<br />
es aus der Bärenvisage und voller Wut, vermischt mit Mitleid.<br />
„Putz dir die Zähne, du Flohpelz. Du hast Maulgeruch!“ spuckte Tayury<br />
zurück, ein Knie anziehend um damit den Bären von sich zu<br />
schleudern. Doch schon im Flug änderte Braunpelz wieder ihre<br />
Gestalt, landete auf sanften Katzenpfoten, um im selben Moment<br />
ungesehen zu verschwinden.<br />
- 303 -
Noch immer leuchtete die Rüstung der schwarzen Taurin und ließ sie<br />
damit wie jene Lichtgestalt in der Mitte aussehen...na ja, fast<br />
zumindest. Etwas perplex, wo die Druidin hin war, drehte sie sich<br />
verunsichert einige Male um die eigene Achse, ehe sie mit einem Mal<br />
von jener Katze aus dem Nichts von der Seite angesprungen wurde,<br />
stolperte und erneut auf den Boden krachte. Dann fiel es der Katze<br />
auf <strong>–</strong> mit jenen Sinnen, die sogar eine krumm gezupfte Feder an einem<br />
in dreihundert Meter entfernten Specht bei Nebel erkennen konnten,<br />
sah sie das leichte Straucheln der Schamanin, wieder auf die Beine zu<br />
kommen, erkannte die Schwäche am Knie und stürmte kurzerhand auf<br />
selbiges los. Es tat ihr in tiefster Seele weh, ihrer eigenen Artgenossin<br />
eine schmerzhafte Lektion erteilen zu müssen, doch würde sie jetzt<br />
k<strong>eines</strong>falls kleinbei geben. Mit einem weiteren Sprung schickte sie die<br />
Taurin erneut ins Straucheln und auf den Boden, sprang dann<br />
kurzerhand an ihre Seite. Noch im Sprung verschwand das Katzenfell<br />
der Druidin, kehrte ihre taurische Gestalt zurück und griffen die Hände<br />
nach dem nach oben ausgestrecktem rechten Huf der Schamanin,<br />
zogen das Bein nach oben und setzte sie ihrerseits einen Huf auf das<br />
Knie der schwarzen Taurin.<br />
„Ich tue es ungern. Entschuldige dich endlich, dann höre ich auf.“<br />
grummelte Braunpelz, das Bein ein wenig drehend.<br />
Tayury schrie kurz auf, blickte die Druidin dann böse an. „Einen Dreck<br />
werde ich du verdAAAAUUUUUUUU!!!“<br />
Braunpelz fühlte, wie eine alte, nie geheilte Verletzung immer weiter<br />
aufriß und die Schamanin in ein Meer der Schmerzen hüllte. Eigentlich<br />
keine ernste Verletzung <strong>–</strong> es benötigte nur den rechten Zauber, um sie<br />
gänzlich zu beseitigen. Nur der dicke Kopf der schwarzen Taurin hatte<br />
es wohl verhindert. Nun....Zeit für den Nussknacker.<br />
„Los <strong>–</strong> du sollst dich entschuldigen!“ sagte Braunpelz nun mit ernster<br />
Mine, das Bein noch ein wenig verdrehend.<br />
Abgesehen von Gewimmer kam zuerst nichts, dann brüllte Tayury aus<br />
voller Lunge heraus.<br />
„ALSO GUT! ENTSCHULDIGUNG BWALKAZZ ES TUT MIR LEID UND NUN<br />
NIMM DEINE HÄNDE VON MIR DU MISTSTÜCK!“<br />
Schlagartig knallte der Huf der schwarzen Taurin auf den Boden, lagen<br />
dann aber die Hände der Druidin auf dem pochenden Knie und<br />
ließen selbige einen grünlichen Schimmer um selbiges herum kreisen.<br />
Binnen Sekundenbruchteilen waren die Schmerzen auf Tays Gesicht<br />
verschwunden, gab das Knie nur noch ein leises Knacksen von sich<br />
- 304 -
und nahm das grüne Leuchten in sich auf. Dann reichte Braunpelz<br />
ihrer Schwester die Hand.<br />
„Du und dein dicker Kopf. Wann lernst du endlich, dass das<br />
Gleichgewicht zwischen der Erdenmutter und deiner Existenz dein<br />
wahrer Quell der Macht ist?“ fragte Braunpelz, während Tayury<br />
aufstand und ungläubig einige Schritte machte. Tatsächlich <strong>–</strong> als hätte<br />
diese verdammte Baumkuschlerin ihr ein neues Knie besorgt. Sie<br />
schwieg nun, knurrte nur kurz und ging dann einige Schritte weg.<br />
„Wir werden uns wiedersehen. In Thunder Bluff. Irgendwann.“ brummte<br />
sie noch und ging dann durch <strong>eines</strong> dieser nach Magie stinkenden<br />
Portale. Magie...sie hasste sie. Doch noch mehr hätte sie gehasst,<br />
wenn diese verdammte Druidin und ihr Gefolge jetzt noch ihr<br />
knallrotes Gesicht unter dem Fell gesehen hätten. Und der nächste<br />
Kampf würde bestimmt nicht zum Vorteil der Druidin ausgehen. GANZ<br />
bestimmt nicht!<br />
„<strong>Die</strong> arme Tay.“ murmelte Sophilia hinter der schwarzen Taurin<br />
hinterher. „Ein Schamane, der seine Magie und Verbindung zur<br />
Erdenmutter leugnet, ist kein ganzer Schamane. So gut sie auch<br />
kämpft, diese Schwäche kann sie nicht ausgleichen. Was auch immer<br />
sie versucht.“<br />
„Sie wird schon noch klug werden. Irgendwann, hoffe ich.“ murmelte<br />
Braunpelz vor sich hin, blickte dann zu Bwalkazz, der schon langsamen<br />
Schrittes auf das Portal Richtung Undercity zu ging.<br />
„Du willst schon gehen?“ fragte sie.<br />
„Schon?“ fragte der Magier, hinter sich blickend. „Ich wollte mich mit<br />
Sylvanas treffen und habe schon Probleme, für meine leichte<br />
Verspätung eine Erklärung zu finden. Noch viel länger und sie macht<br />
mich lebendig.“ murrte der Magier.<br />
„Lebendig? Aber du....“<br />
„Du hast mich richtig verstanden.“ fügte er in gleicher Stimmlage<br />
hinzu. „Dann bringt sie mich noch mal um.“<br />
Sophilia stellte sich neben den Magier, klopfte ihm auf den Rücken<br />
und schlug damit eine riesige Staubwolke auf, die dann beide<br />
einhüllte. „Und eine neue Robe brauchst du auch. Ich werde dich<br />
begleiten. Auf meine Intervention hin wird Sylvanas sicher von einer<br />
Bestrafung absehen und die Spannungen innerhalb des<br />
Hordenbundes sollten sich auch wieder geben. Denn schließlich ist er<br />
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durch einen Bund von Trollen, Orcs, Tauren und einer Blutelfe gerettet<br />
worden.“<br />
Mit diesen Worten gingen die beiden durch das Portal Richtung<br />
Undercity.<br />
„Blutelfe...ich traue mich nicht zu fragen. Wo ist sie wohl....“ begann<br />
Vadarassar mit einem gequälten Unterton, als er mit einem Mal eine<br />
schrille Stimme hinter sich hörte.<br />
„Huhu du fetter Schattenorc, ich habe es geschafft!“ brüllte eine nur<br />
zu bekannte Stimme hinter Vadarassar und Braunpelz. Als beide nach<br />
hinten blickten, sahen sie einen Kronleuchter, der auf sie zu hüpfte.<br />
Nein...das war kein Kronleuchter, das war tatsächlich Charsi, die wie<br />
ein Kronleuchter behangen in einer neuen, gleißend goldenen<br />
Rüstung mit Edelsteinanhängern überall auf sie zu hüpfte, das alle<br />
Schurken ringsum sich vor Freude schon die Hände rieben. Stolz<br />
präsentierte sie eine Schriftrolle und zeigte mit den Lettern, die<br />
ebenfalls in goldener Schrift verfasst waren, auf die beiden<br />
baffen(Braunpelz) bis angewiderten(Vadarassar) Freunde.<br />
„...die Ausbildung zum Vergeltungspaladin mit ausreichendem Erfolg<br />
bestanden und darf nun den Kampf suchen. Na, Was sagt ihr?“ fragte<br />
die schillernde Blutelfe, deren Ohrringe allein mehr wert waren als die<br />
Rüstungen so mancher Krieger <strong>–</strong> Waffen und Reittier inbegriffen.<br />
„Das...ist doch wunderbar.“ versuchte Braunpelz so freundlich wie<br />
möglich zu sagen, schaffte es damit aber nicht, Vadas entgleisende<br />
Gesichtszüge damit zu überspielen.<br />
„Ich glaube ich brauche etwas gegen Kopfschmerzen.“ brummte<br />
dieser nur, sich die Hände an die Schläfen legend um sie zu massieren.<br />
„Ey, DAS is jetzt aber wirklich nicht nett. Ich habe mir wirklich Mühe<br />
gegeben und tagelang auf diese dämlichen Holzpüppchen<br />
eingedroschen. Wisst ihr überhaupt, wie hart die zuschlagen können?<br />
Das ist ja wirklich nichts für jeden.“<br />
„<strong>Die</strong> sind am Boden festgeschraubt und starr.“ brummte Vadarassar,<br />
seine Schläfen noch kräftiger massierend.<br />
„Pff <strong>–</strong> dann mach dus doch besser, du Grummeltroll. Ich gehe jetzt los<br />
und suche mir jemanden, der mit mir die Welt unsicher machen will.<br />
Hey, Hallo, ihr da drüben! Wollt ihr mit mir mitkommen? Ich kann richtig<br />
ordentlich austeilen!“ rief Charsi, kurz darauf zu dem nächstbesten<br />
Grüppchen Hordler zulaufend. Das diese kurz darauf panisch die<br />
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Flucht ergriffen lag ihrer Meinung nach wohl eher daran, dass der Orc<br />
gerade einen hatte fahren lassen. Oder war ihr Deo vielleicht schon<br />
wieder schwächer geworden? Eventuell hatte sie ja auch einen Fleck<br />
auf der Brustplatte....ja, genau das war es sicher!<br />
„Ich glaube ich fliege noch mal ins Schattenmondtal und mache dort<br />
Urlaub.“ brummte Vadarassar. Er wusste schon, wieso er Dämonen<br />
bevorzugte. <strong>Die</strong> konnte man wenigstens, wenn sie einem auf die<br />
Nerven gehen, in eine Zwischendimension einschließen und ihnen<br />
damit das Mundwerk verbieten. Vielleicht ging das ja auch mit<br />
nervigen Blutelfinnen....doch den passenden Zauber hatte er bisher<br />
noch nicht gefunden. Ein wirklicher Jammer...<br />
Braunpelz stupste ihn in die Seite und lächelte.<br />
„Und ich dachte wir beide sehen uns mal Nagrand an. Dort soll es zu<br />
dieser Jahreszeit richtig angenehm sein.“<br />
„Wieso wir?“ fragte Vadarassar, die Taurin fragend ansehend.<br />
„Naja <strong>–</strong> irgendeiner muss ja auf mich aufpassen. Und ich kenne grad<br />
keinen besseren als dich.“<br />
„Nee <strong>–</strong> die Rakete kommt da oben hin. Ja, genau Mann. Und da die<br />
Helme und dort das Eisenlager.“ erklärte Teborasque den beiden<br />
Goblins, die gerade mit den Bauarbeiten an Area 52 beschäftigt<br />
waren. <strong>Die</strong>se Ruine sollte schließlich wieder aufgebaut werden. Und<br />
rein zufällig war er der ranghöchste Gobliningenieur weit und breit, seit<br />
irgendein durchgedrehter Blutelf seinen Vorgänger auf recht brutale<br />
Weise ins Jenseits geschickt hatte. Roxxy beobachtete ihren<br />
Gefährten interessiert und kicherte, zog ihm dann den<br />
Goblinbergbauhelm ins Gesicht.<br />
„Ey! Lass das, ich muss mich konzentrieren. Ansonsten fliegt....“<br />
Ein lautes Krachen durchschnitt den Satz des Trolljägers und der eine<br />
Baukran brach donnernd in sich zusammen. Ein breites, zufriedenes<br />
Grinsen lag auf dem Gesicht von sowohl Roxxy wie auch Teborasque.<br />
Jaja...typisch Gobliningenieure. Nur wenn’s knallt, ists lustig. Und Area<br />
52 würde eh schon früh genug wieder fertig werden. Dafür würde er<br />
schon sorgen.<br />
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Epilog<br />
So viel grün und so viel Wasser. Eine Umgebung so voller Leben, dass<br />
Vadarassar von einem Schwindelanfall in den nächsten geriet und<br />
regelmässig die Invasionspunkte der Legion besuchte <strong>–</strong> nur um<br />
wenigstens für einige Zeit eine etwas angenehmere Luft zu atmen. Als<br />
er wieder einmal von einer seiner Eskapaden an einem der<br />
Invasionspunkte mit etlichen Überbleibseln der dahingeschiedenen<br />
Dämonen zu Braunpelz zurück kehrte, sah er Krasus neben ihr stehen.<br />
Nicht etwa, das er ihn direkt erkannt hätte <strong>–</strong> für ihn als Orc sahen alle<br />
Menschen gleich aus. Doch würde Braunpelz wohl nur einen solchen<br />
Menschenmagier in roter Robe direkt neben sich erlauben. Außerdem<br />
standen dicht neben ihm zwei Netherdrachen. Ein Umstand, der<br />
Vadas Schritt noch weiter beschleunigen ließ, damit er auch wirklich<br />
nichts verpasste.<br />
Ohne Not sich begrüßen zu müssen drehte sich Krasus um und hieß<br />
den Hexenmeister mit einem zufriedenen Nicken willkommen.<br />
„Der Kampf ist vorläufig vorüber. Deathwing ist wieder fort und<br />
niemand weiß wo genau.“ sagte der rote Magier mit dumpfer Stimme.<br />
„Was soll das heißen? Ist er Illidan und dir entkommen?“ brummte<br />
Vadarassar unzufrieden. Eigentlich hatte er einem großen, mächtigen<br />
Vertrauten Alexstraszas mehr zugetraut.<br />
„Jein. Seine Pläne wurden vereitelt. <strong>Die</strong> Netherschwingen sind nun<br />
gänzlich frei, Netheraku geniesst den Respekt von allen und sammelt<br />
sie, damit sie frei bleiben können. Doch Deathwing wird<br />
wiederkommen. Er ist besessen von der Idee, Azeroth nach seinem<br />
Wunsch zu formen. Wenn er eine neue Möglichkeit sieht, wird er sie<br />
nutzen.“<br />
„Und was ist mit Illidan?“ brummte Vadarassar, nur kurz nickend.<br />
„Der ist noch immer in seinem Tempel. Durch die Netherschwingen<br />
und den unbekannten Bund mit Deathwing hatte er eine Macht inne,<br />
die ihn unbesiegbar gemacht hätte. Doch eine Seele hat diese Macht<br />
zerrissen. Es muss irgendeine verdorbene Seele gewesen sein, die sich<br />
mit aller Kraft gegen ihn geworfen hat.“<br />
In diesem Moment blickte Vadarassar auf seine Robentasche. Der<br />
Seelendiamant, den er mit seiner Magie getränkt und gegen Illidan<br />
eingesetzt hatte. Er hatte iegentlich erwartet, dass er sein Seelenfeuer<br />
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nur intensivieren würde <strong>–</strong> tatsächlich hatte er damit diese magische<br />
Verbindung zerstört.<br />
„Illidan ist noch immer eine Gefahr für die Scherbenwelt, doch lange<br />
nicht mehr so groß wie vorher. Früher oder später wird er besiegt<br />
werden. Und das ist allein euch zu verdanken.“<br />
Mit einer einladenden Geste deutete Krasus auf die beiden<br />
Netherdrachen neben sich.<br />
„<strong>Die</strong>s sind Nerakis und Nernia. Sie wurden vor zwei Monden in Freiheit<br />
geboren und erhielten ihren Vater dank eures Einsatzes zurück. Sie<br />
wollen euch in Zukunft in diesen Landen hier als Wegbegleiter und<br />
Reittiere dienen. Sie sind zwar noch jung, doch schneller als alles, was<br />
die Allianz oder die Horde an Reittieren jemals wird züchten können.<br />
Ein kleiner Dank für alles, was ihr für dieses Land, die Netherschwingen<br />
und unsere ganze Art getan habt.“<br />
„Und wie geht es jetzt weiter?“ brummte Vadarassar, als der Magier<br />
mit einem Mal losging und sich von den nun vieren entfernte.<br />
„Das weiß nur Nozdormu genau. Nur <strong>eines</strong> weiß ich <strong>–</strong> das eure Kinder<br />
einmal die Verdammnis abwenden werden.“<br />
Mit diesen Worten verschwand der Magier mit einem Mal, ließ einen<br />
Hexenmeister mit einem weit offen stehendem Mund zurück.<br />
Er und KINDER? Mit wem? Etwa...Braunpelz? Hallo?! War diesem in<br />
Gummihaut gewickeltem Reptil in dem Tempel ein zu schwerer Stein<br />
auf die Birne gefallen?<br />
Den Kopf schüttelnd blickte er zu Braunpelz, die herzallerliebst lachte.<br />
Er und Kinder...das war ja schlimmer als Brennende Legion, Allianz und<br />
Fastenzeit zusammen.<br />
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