Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

Diagnosestellung der Nachgeburtsverhaltung des Rindes ist definiert als

ausbleibender Nachgeburtsabgang länger als 12 Stunden post partum (Grunert,

1983; Borsberry und Dobson, 1989; Dinsmore et al., 1996) und wird anhand des

Nachweises der Nachgeburt oder deren Teile ab diesem Zeitpunkt diagnostiziert

(Grunert, 1993). Im Material und Methodenteil aller verblindeter, randomisierter,

kontrollierter und aller randomisierter, kontrollierter Studien wird als Einschluss-

kriterium der Kühe eine klinische Untersuchung und die klinische Diagnose der

Erkrankung genannt. Es werden jedoch unterschiedliche Zeitspannen zum

Nachgeburtsabgang genannt. So werden Kühe in Studien aufgenommen, die ihre

Nachgeburt nach >2 Stunden (4,2 %), >8 Stunden (4,2 %), 24 Stunden (in 37,5 %

der Studien) oder 48 Stunden (4,2 %) nicht ausgestoßen haben. Auch gibt es

Studien, die keine zeitlichen Angaben machen (25 %). Der definierte Goldstandard

von 12 Stunden wird lediglich in 12,5 % der Studien erfüllt. In weiteren 12,5 % der

Studien werden andere Einschlußkriterien definiert. Hickey et al. (1984) nennen als

Einschlußkriterium das Vorliegen einer schweren Geburt. Zwar führen diese durch

Manipulationen bei geburtshilflichen Eingriffen zu einer erhöhten Inzidenz von

Nachgeburtsverhaltungen (Bostedt und Sobiraj, 1985; Kudlac, 1991; Echternkamp

und Gregory, 1999), dennoch liefern solche Einschlußkriterien Anlass zur Kritik, da

nicht alle Versuchstiere zwangsläufig eine Retentio secundinarum erleiden müssen,

was wiederum zu fehlerhaften Schlussfolgerungen führen kann. Königsson et al.

(2002) induzieren in ihrer Studie die Geburt mittels PGF2α -Gaben und

diagnostizieren die Erkrankung der Rinder ebenfalls anhand der Klinik. Diese

vollständige Versuchsbeschreibung entspricht dem geforderten Standard für

veterinärmedizinische Therapiestudien. Fecteau et al. (1996) extrahieren Placentome

der Versuchstiere nach Therapieende und überprüfen so den therapeutischen Erfolg

der eingesetzten Medikamente. Die Untersuchungen von Franz et al. (1979) und

Hickey et al. (1984) stellen eher metapyhlaktische als therapeutische Studien dar.

Die Versuchstiere sind nicht erkrankt. Weitere mögliche Ein- beziehungsweise

Ausschlusskriterien (außer Angaben über Alter und Rasse der Tiere), wie

beispielsweise das Fehlen von Vorerkrankungen oder das Vorliegen zusätzlicher

Erkrankungen, werden in der Studie von Brooks (2001) genannt. Die Versuchskühe

sollten einen bestimmten Bodymass-Index erfüllen und keine anderen

Krankheitssymptome aufweisen. Drillich et al. (2003, 2005, 2006 I, 2006 II) schließen

vorbehandelte Tiere beziehungsweise Tiere nach Sectio caesarea aus der

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