Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

Kuzma et al., 1993). Bei der Veröffentlichung von Roberts (1955) handelt es sich um

eine Fallserie. Diese Form der Studie beschreibt einen einzelnen Krankheitsverlauf

und den therapeutischen Erfolg der angewandten Intervention. Ihre Evidenz und

Übertragbarkeit auf generelle therapeutische Ansätze ist jedoch als kritisch zu

bewerten, da dieser Studientyp nach Cockcroft und Holmes (2003) keine statistische

Validität aufweist und auf eine Kontrollgruppe verzichtet wird. Die Studie von

Schjerven (1973) wurde zum Studientyp der „anderen kontrollierten Studien“

zugeordnet, so dass zunächst von einer höheren Evidenz ausgegangen werden

kann als bei der Fallserie von Roberts (1955). Allerdings vergleicht Schjerven (1973)

in seiner Studie die Wirkung einer medikamentellen Therapie und manueller

Zystenruptur mit der manuellen Ruptur allein. Es können in diesem Versuchsaufbau

daher keine verlässlichen Schlüsse über die Wirkung einer der beiden Interventionen

gezogen werden. Auch die Autoren Pribyl et al. (1962), Bierschwal (1966), Heidrich

und Fiebiger (1970), Romaniuk (1972), Christl (1976), Saalfeld und Hollman (1976),

Nessan et al. (1977), Bentele et al. (1979), Humke et al. (1979), Nanda et al. (1991)

sowie Kuzma et al. (1993) kombinieren eine hormonelle Behandlung mit der

manuellen Ruptur der Zysten, was bei der Bewertung der Studienergebnisse

berücksichtigt werden sollte. Kudlac et al. (1970) sowie McKay et al. (1957)

untersuchen ebenfalls die Wirkung der manuellen Zystenruptur und vergleichen

diese mit ausschließlichen Hormongaben. Kudlac et al. (1970) erreichen dabei in

ihrem Behandlungsarm (der Behandlungsgruppe) in der die Zysten durch manuelle

Ruptur entfernt werden, eine Trächtigkeitsrate von 35,7 % und somit geringere

Erfolge als in der Gruppe der hormonell therapierten Tiere.

Die Therapieform der manuellen Ruptur der Zysten birgt die Gefahr der Entstehung

von Blutungen, Oophoritiden und Verwachsungen am Ovar. Bedingt durch diese

Nebenwirkungen wird die Methode bald als obsolet angesehen (Roberts, 1971;

Bierschwal, 1975; Zaremba et al., 1985). Zaremba et al. (1985) treffen ihre Aussage

anhand einer Einzelfallbeschreibung. Sie beschreiben den Krankheitsfall einer

6 Jahre alten Schwarzbunten Kuh, die bei Anlieferung in einem Notschlachtbetrieb

eine hochgradige Anämie und Apathie aufwies. Vorberichtlich waren 12 Stunden

zuvor an beiden Ovarien dickwandige Zysten manuell gesprengt worden. In der

Bauchhöhle konnten nach Notschlachtung große Mengen Blut nachgewiesen

werden, deren Ursache Verletzungen an beiden Ovarien waren. Bei manueller

Sprengung insbesondere dickwandiger Zysten muss nach Aussagen der Autoren

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