Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

2 Literaturübersicht

2.1 Definition der evidenzbasierten Medizin

Sackett et al. (2002) definieren den Begriff der evidenzbasierten Medizin als den

gewissenhaften, ausdrücklichen und vernünftigen Gebrauch der gegenwärtigen

besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der

medizinischen Versorgung individueller Patienten. Die Praxis der evidenzbasierten

Medizin bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise und

Patientenpräferenz mit der bestmöglichen externen Evidenz aus systematischer

Forschung. Greenhalgh und Donald (Greenhalgh, 2003) definieren evidenzbasierte

Medizin alternativ wie folgt. Durch die systematische Formulierung relevanter und

beantwortbarer Fragen und die Anwendung mathematischer Prinzipien zur

Bestimmung von Wahrscheinlichkeiten und Risiken stellt die evidenzbasierte Medizin

eine Bereicherung der herkömmlichen ärztlichen Fertigkeiten in den Bereichen

Diagnostik, Therapie, Prävention und anderen dar (Donald et al., 2000).

Die evidenzbasierte Medizin ist als Bündel von Konzepten, Methoden und Techniken

zu verstehen, die Ärzten oder Tierärzten den Zugang zur sogenannten externen

klinischen Evidenz verschaffen soll und als Ziel die Lösung klinischer Fälle und

Probleme hat. Der Begriff „Evidenz“ wird dabei nicht im Sinne von „augenscheinlich“

oder „offensichtlich“ sondern der Erklärung des Oxford Dictionary of Current English

entsprechend als „available facts, circumstances, etc. indicating whether or not a

thing is true or valid“ gebraucht (Raspe und Homberger, 1999).

Zur Beantwortung einer klinischen Fragestellung werden bei Anwendung der

Prinzipien der evidenzbasierten Medizin alle verfügbaren Veröffentlichungen, die sich

mit dem entsprechenden Thema beschäftigen, zusammengetragen und genutzt. Die

so gefundene externe wissenschaftliche Evidenz ergibt sich aus dem jeweiligen

aktuellen Wissensstand der klinisch relevanten Forschung und trifft Aussagen über

die Genauigkeit diagnostischer Verfahren und prognostischer Faktoren, sowie über

die Wirksamkeit und Sicherheit therapeutischer und präventiver Maßnahmen.

Es ist bei der Findung der Evidenz daher von großer Bedeutung, dass die

verwendeten Publikationen von guter Qualität sind. Moher et al. (1995) definierten

die Qualität einer Studie oder eines Studiendesigns mit der „Wahrscheinlichkeit

unbefangene Ergebnisse hervorzurufen“.

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