Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

Darüber hinaus ist das Risiko der Entstehung resistenter Keime durch übermäßige

oder unsachgemäße Antibiotikagaben allgemein bekannt und zu berücksichtigen

(Bostedt et al., 1979; de Bois, 1982; Bostedt und Sobiraj, 1985). Außerdem muss das

Risiko der Rückstände von Hemmstoffen in tierischen Lebensmitteln stets

berücksichtigt werden.

Aufgrund dieser ungünstigen pharmakokinetischen Voraussetzungen für eine lokale

Therapie stellt die parenterale Antibiose eine therapeutische Alternative dar.

Spätestens wenn es zu Störungen des Allgemeinbefindens oder dem Anstieg der

Körpertemperatur kommt, ist neben der lokalen Antibiotikagabe eine parenterale

Behandlung indiziert (Grunert, 1983; Olson et al., 1986; De Kruif, 1994). Nach

Gustafsson (1984) und Paisley et al. (1986) werden nach parenteraler

Antibiotikagabe im Uterusgewebe vergleichbare Wirkstoffkonzentrationen erreicht

wie im Blut. Nach Gustafsson (1984) besteht der Vorteil der systemischen Therapie

gegenüber der Kombination aus manuellem Abnahmeversuch der Nachgeburt und

lokaler Antibiotikagabe in dem geringen Grad der Irritation des Uterusendometriums.

Die Arbeit wurde nicht in die Auswertung einbezogen, weil es sich nicht um eine

Therapiestudie zur Behebung der Nachgeburtsverhaltung handelt. Eine

Keimverschleppung ist im Gegensatz zur lokalen Antibiotikagabe nicht zu befürchten

(Arthur, 1979; Grunert, 1983; Bolinder et al., 1988).

Die systemische Verabreichung von Sulfonamiden, Cephalosporinen sowie

Trimethoprim ist ein wirksames Therapeutikum bei Infektionen des Uterus mit E. coli

(Gustafsson, 1984). Drillich et al. (2003, 2004) zeigten in einer randomisierten,

kontrollierten Studie einen mit der konventionellen Therapie gleichwertigen

Behandlungserfolg durch systemische Ceftiofurgaben. Die Fruchtbarkeitskennzahlen

„erster Östrus“ sowie die „Güstzeit“ zeigten keine signifikanten Unterschiede,

während Trächtigkeitsraten bis zum Tag 200 post partum statistisch signifikant höher

lagen. Die Autoren bewerten systemische Ceftiofurgaben bei Tieren mit einer

Temperatur von über 39 Grad als Möglichkeit, einen sinnvollen und reduzierten

Einsatz von Antibiotika bei lebensmittelliefernden Tieren zu praktizieren. Die Arbeit

von Drillich et al. (2006 I) untersuchte die Fragestellung, ob prophylaktische

Ceftiofurgaben wirksamer sind als die Strategie, nur solche Tiere antibiotisch

abzudecken, die Fieber zeigen. Die Ergebnisse dieser randomisierten, kontrollierten

Studie fordern ebenfalls einen gezielten Umgang mit Antibiotika, weil eine

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