Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

Interpretation der Testergebnisse „blind“ erfolgen. Zusätzlich sollten zwei

unterschiedliche Personen diese Bewertungen vornehmen, und die Häufigkeit

ihrer gleich lautenden Befunde sollte dokumentiert und in die Bewertung

einbezogen werden. Diese Form der Auswertung wird „Interobserver“-Variabilität

genannt.

- War die Durchführung des Goldstandards von dem Testergebnis abhängig?

Ein sogenanntes Verifikationsbias kann sich einschleichen, wenn nicht alle

Probanden durch den Test und den Goldstandard untersucht werden, sondern

die Durchführung des Goldstandards vom Testergebnis abhängt. Dies könnte der

Fall sein, wenn zum Beispiel der Goldstandard mit Risiken für den Patienten

verbunden ist und deshalb aus ethischen Gründen auf ihn verzichtet wird.

- Wie lauten die Ergebnisse des Tests?

- Wurde das Wahrscheinlichkeitsverhältnis (Likelihood Ratio) für den Test

angegeben, oder lässt es sich berechnen?

- Sind Sensitivität und Spezifität angegeben?

In der Epidemiologie wird der Begriff „Vortest-Wahrscheinlichkeit“ gebraucht. Er

beschreibt einen klinischen Verdacht, der während der klinischen Untersuchung des

Patienten und schon vor einer Durchführung eines Tests zur Diagnosesicherung

geäußert wird und ergibt sich somit aus Anamnese und klinischem Befund. Die

Vortest-Wahrscheinlichkeit ist meist abhängig von den Erfahrungen und der Intuition

des jeweiligen Arztes. Für viele Anamnesen gibt es festgelegte, konkrete Zahlen zu

Vortest-Wahrscheinlichkeiten, die in der Praxis genutzt werden können (Kunz und

Fritsche, 2002). Durch Verbindung des klinischen Verdachtes mit einem

Testergebnis entsteht die so genannte „Nachtest-Wahrscheinlichkeit“. Dabei kann

durch das Testergebnis der klinische Verdacht entweder bestärkt oder abgeschwächt

werden (Kunz und Fritsche, 2002).

Das Wahrscheinlichkeitsverhältnis, die Likelihood Ratio, errechnet sich durch Bildung

des Quotienten zwischen der Wahrscheinlichkeit eines positiven Tests bei

Vorhandensein der Krankheit mit der Wahrscheinlichkeit eines positiven Tests trotz

Fehlen der Krankheit. Der errechnete Wert entspricht dem „positiven

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