Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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3 Definition des Krankheitsbildes

3.1 Ovarialzysten des Rindes

Ovarialzysten werden als persistierende Graafsche Follikel mit abgestorbener Eizelle

definiert. Der zunächst ausschließlich auf morphologische Kriterien beruhende Begriff

der Ovarialzyste sagt nichts über deren Bedeutung als Sterilitätsfaktor aus (Grunert

et al., 1999).

Eine einheitliche Definition für das bovine Ovarialzystensyndrom existiert nicht, da

sich der Kenntnisstand über Ätiologie, Pathogenese, Morphologie und Biochemie

ständig verbessert hat und auch weiterhin präzisiert wird.

In den letzten beiden Jahrhunderten wurde die Problematik des bovinen

Ovarialzystensyndroms durch die Erscheinungsform der Nymphomanie oder der

Stiersucht beschrieben. Doch Ätiologie und Pathologie waren lange Zeit unbekannt.

In den 60er Jahren wurden Ovarialzysten pauschal als Sterilitätsfaktor angesehen

(Günzler, 1962). Erst nach und nach wurde diese Einschätzung relativiert. Das

Vorhandensein eines morphologisch diagnostizierbaren zystischen Ovarialgebildes

lässt laut Grunert (1972) nicht zwangsläufig eine Aussage über die Rolle als

Sterilitätsfaktor zu.

Durchschnittlich werden bei 6 % bis 40 % aller Tiere einer Milchkuhpopulation einmal

oder mehrfach Ovarialzysten diagnostiziert. Bei Erkrankung beträgt der finanzielle

Verlust pro Zysten-Kuh und Laktationsperiode nach Bartlett et al. (1986) 137 Dollars,

da es zu einer verlängerten Zwischenkalbezeit, einer verminderten Lebensmilch-

leistung, einer erhöhten Ausmerzrate sowie zu erhöhten Tierarztkosten kommt

(Noakes, 1996).

Erstmalig verwendet wurde der Begriff „cystic ovarian syndrome“ durch Jubb und

McEntee (1955). Auch Rieck (1958) beschrieb die Erkrankung als ein Syndrom, das

nicht allein das Ovar betrifft, sondern als Teil einer multiglandulären, Hypophyse,

Ovar und Nebennierenrinde betreffenden Erkrankung anzusehen ist. Schusser

(2000) sieht das bovine Ovarialzystensyndrom als einen Komplex von Symptomen

an, der charakteristisch für ein Krankheitsbild ist, jedoch durch uneinheitliche und

teilweise unbekannte Ätiologie gekennzeichnet ist.

Ovarialzysten entstehen aus dominanten Graafschen Follikeln, die weder ovulieren

noch atresieren (Zerbe et al., 1999 II). Die Zysten können solitär oder multipel, ein-

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