Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

abgeschlossen und die Nachgeburt wird ausgestoßen (Schulz und Merkt, 1956;

Grunert, 1983; Grunert, 1984 I; Schulz, 1993).

3.3.4 Pathologie des Nachgeburtsabgangs / Ätiologie der Nachgeburtsverhaltung

Eine Nachgeburtsverhaltung oder Retentio secundinarum liegt vor, wenn die fetalen

Teile der Plazenta nicht bis spätestens 24 Stunden post partum ausgestoßen worden

sind (Dyrendahl et al., 1977; Olson et al., 1984; Schukken et al., 1988; Bolinder et al.,

1988; Holt et al., 1989; Brooks, 2001; Risco und Hernandez, 2003). Die Autoren

Grunert (1983), Borsberry und Dobson (1989), Dinsmore et al. (1996) sowie Drillich

et al. (2003) sprechen hingegen bereits nach 12 Stunden post partum von einer

Nachgeburtsverhaltung und Van Werven et al. (1992) sowie Peters und Laven

(1996) bereits nach 6 Stunden. Lee et al. (1989) sehen einen Abgang der

Fruchthüllen erst nach 48 Stunden post partum als pathologisch an. Auch bezüglich

der Inzidenz der Erkrankung gibt es unterschiedliche Angaben. So geben

beispielsweise Joosten et al. (1988) eine Inzidenz von 6,6 % an, während

Fürstenberg et al. (1990) diese mit 15,9 % beziffern. Van Werven et al. (1992)

betonen die Abhängigkeit der Krankheitsinzidenz von der Definition der Erkrankung.

Durchschnittlich wird von einer Häufigkeit der Nachgeburtsverhaltung beim Rind von

8 % – 10 % ausgegangen (Kelton et al., 1989). Diese tritt beim Rind somit häufiger

auf als bei anderen Tierarten. Laut Grunert (1983) sind Milchrinder häufiger betroffen

als Fleischrinder. Darüber hinaus haben ältere Milchkühe generell ein erhöhtes

Risiko, an einer Nachgeburtsverhaltung zu erkranken (Kudlac, 1991). Nach Gröhn et

al. (1990) und Fleischer et al. (2001) stellt eine hohe Milchproduktion ebenfalls ein

Erkrankungsrisiko dar. Kühe, die bereits einmal von einer Nachgeburtsverhaltung

betroffen waren, erkranken häufig erneut (Grunert, 1984 II). Generell scheint der

Nachgeburtsverhaltung eine multifaktorielle Pathogenese zugrunde zu liegen. Häufig

lassen sich keine eindeutigen Ursachen feststellen (Laven und Peters, 1996).

Ein intaktes Immunsystem sowie gesunde uterine Abwehrmechanismen sind

Voraussetzung für einen physiologischen Abgang der Nachgeburt. Gunnik (1984)

sowie Heuwieser und Grunert (1987) wiesen bei erkrankten Rindern eine

verminderte Leukozytenzahl in den Kotyledonen mit geringer chemotaktischer

Aktivität nach. Auch ein gestörter Kollagenabbau innerhalb der Plazentome kann zu

einer gestörten Trennung von Kotyledonen und Karunkeln führen (Eiler und Hopkins,

1993; Eiler, 1997). Ursache für diese mangelhafte oder fehlende Ausreifung der

Plazenta kann eine verkürzte Trächtigkeitsdauer, beispielsweise durch Aborte oder

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