Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

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Untersuchungen zur evidenzbasierten Auswertung therapeutischer ...

Nachgeburtsverhaltung des Rindes in die jeweiligen Studienarten lag wie auch beim

Thema der Therapie der Ovarialzysten des Rindes beim Studientyp Fallserie. Gründe

für die unterschiedlichen Zuteilungen der Veröffentlichungen zu konkreten

Studientypen und Evidenzstufen sind mannigfaltig. So sind Veterinärmediziner

vermutlich nicht ausreichend vertraut mit der kritischen Beurteilung von Studien im

Sinne der evidenzbasierten Medizin und im Umgang mit den Definitionen von

Studientypen und Evidenzgraden. Arlt (2002) hat dieses Problem erkannt und einen

Leitfaden für die kritische Bewertung von Fachliteratur für Veterinärmediziner

veröffentlicht. Praktiker sowie wissenschaftlich arbeitende Tierärzte können so

erlernen, die Qualität von Publikationen zu beurteilen und unseriöse Forschungs-

ergebnisse zu erkennen (Artl et al., 2005). Weitere Gründe für die Fehleinteilungen

der Studientypen durch die Peer Reviewer liegen darüber hinaus an der Qualität der

Berichterstattung der Veröffentlichungen selber. So sind Zusammenfassungen oder

Methodenteile vieler Publikationen unvollständig. Erst bei gezielter Suche nach

festgelegten Einschlußkriterien, nach dem Vorliegen einer Randomisierung oder

einer Verblindung, die beispielsweise erst im Ergebnisteil oder einzelnen Grafiken

und Tabellen des Dokumentes genannt werden, kann eine korrekte Zuordnung zum

Studientyp erfolgen. Arlt et al. (2005) verweisen diesbezüglich auf die Einhaltung der

Vorgaben der „Good Clinical Practice“. Auch Richtlinien der International Cooperation

on Harmonisation of Technical Requirements for Registration of Veterinary Medicinal

Products (2000), des Committee for Medicinal Products for Veterinary Use (2001)

und der International Conference on Harmonisation of Technical Requirements for

Registration of Pharmaceuticals for Human Use (1998) sollen die Qualität

veterinärmedizinischer Studien verbessern und müssen deshalb stets berücksichtigt

werden. Laven und Peters (2006) fordern entsprechend das Einhalten von

Guidelines, wie sie beispielsweise für tiermedizinische Studien von der European

Agency for the Evaluation of Medical Products (EMEA), Veterinary Medicines and

Inspections, (2001) angeboten werden, um die Qualität von systematischen Reviews

und Metaanalysen zu verbessern. Eine Verbesserung der Beschreibung von Studien

sowie Metaanalysen fördern weiterhin Gruppen wie CONSORT oder QUORUM

(Moher et al., 1999, 2001). Die Umsetzung dieser Richtlinien scheint in

veterinärmedizinischen Fakultäten jedoch noch nicht standardmäßig stattzufinden.

Nach endgültiger Festlegung der Studientypen wurden Publikationen mit höherem

Evidenzgrad genauer auf ihre Qualität und Validität hin untersucht. Mit Hilfe der

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