Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

geb.uni.giessen.de

Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

Die Biomaterial-assoziierte Infektion 16

den gleichen Keim in verschiedenen Proben, die auf unterschiedlichen Wegen gewonnen

wurden, ist dies ein Befund mit hoher Aussagekraft.

2.6.2 Spätinfektionen

Allgemeinsymptome treten nur bei Patienten mit Bakteriämie und Abszessen auf.

Leukozytenzahl, BSG und CRP können im Normbereich liegen. Röntgennativaufnahmen

zeigen in der Regel eine Lockerung. Zusätzliche Zeichen, wie periostale Reaktionen und

endostale Erosionen (bei intramedullären Implantaten), können auftreten.

Der klinische Befund ist bei der Interpretation der röntgenologischen Veränderungen auf

Nativaufnahmen hilfreich, da die Infektionen im allgemeinen mit frühem Versagen und

schneller Lockerung der Prothese verbunden sind. Bei Arthroplastiken können

Arthrographien zusammen mit Punktion für Mikroskopie und Kultur wegweisend für die

Beurteilung der Lockerung sein. Auf diese Weise kann auch eine Lockerung erfaßt werden,

die auf Röntgennativaufnahmen nicht sichtbar ist. Falls der Schmerz durch Instillation von

Lokalanästhetika sofort gelindert wird, muß die Prothese als wahrscheinlich gelockert

beurteilt werden. Noch eingehendere bildgebende Verfahren führen nicht weiter. Mögliche

Artefakte durch das Metall machen Untersuchungen mittels Computertomographie (CT) und

Magnetresonanztomographie (MRT) meistens wertlos.

Molekularbiologische Verfahren unter Einsatz der Polymerasekettenreaktion (polymerase

chain reaction, PCR) zum Nachweis bakterieller DNA bieten den Vorzug der Schnelligkeit,

sind aber nicht standardisiert und erlauben keine Bestimmung der Antibiotikaempfindlichkeit.

Sinnvoll ist die PCR bei dringendem Verdacht auf eine Infektion bei gleichzeitig negativer

Kultur.

Die pathohistologische Untersuchung von Gewebeproben ist diagnostisch hilfreich. Der

Nachweis neutrophiler Granulozyten ist ein Indikator für eine Infektion. Verschiedene

Autoren haben unterschiedliche Grenzen für eine pathognomonische Zahl neutrophiler

Granulozyten gesetzt, variierend zwischen 5 bis 1 Zelle pro Gesichtsfeld bei 800-1000facher

Vergrößerung und Inspektion von mindestens 10 Feldern (BERENDT, 1999). Häufig findet

man nur fokale histologische Veränderungen mit mehreren negativen Proben und anderen, die

ohne Zweifel eine Infektion aufweisen. Diese Variabilität, die auch in tierexperimentellen

Studien mit infizierten Gelenkprothesen bei Hunden beobachtet wurde, ist wahrscheinlich auf

eine Infektion mit einer nur geringen Zahl von Bakterien in ungleichmäßiger Verteilung

zurückzuführen (BERENDT, 1999). Gefrierschnitte können zur Diagnose während der

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine