Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

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Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

Die Biomaterial-assoziierte Infektion 17

Operation beitragen, wobei wieder der Nachweis von Neutrophilen entscheidendes Kriterium

ist (ATHANASOU et al., 1995; FELDMAN et al., 1997).

Findet man eine Fistel, ist die Diagnose einer Infektion klar. Fisteln können mit einer

Mischflora, die sowohl aus Standortkeimen als auch aus pathogenen Erregern, einschließlich

Staphylococcus aureus, aeroben Gram-negativen Stämmen, Enterokokken und Anaerobiern,

bestehen kann, besiedelt sein. Abstriche aus Fistelgängen sind für die bakteriologische

Untersuchung ungeeignet, außer ggf. mit dem Ziel der Infektionskontrolle, bei der nach

Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) gefahndet wird.

Punktionen sind sinnvoll zur Gewinnung von Untersuchungsmaterial. Sensitivitäten und

Spezifitäten variieren aber je nach Untersucher und sind wahrscheinlich bedingt durch

unterschiedliche Punktionstechniken, Probenbehandlung und -verarbeitung sowie die

Kriterien, die für die endgültige Diagnose einer Infektion verwendet werden.

Die definitive mikrobiologische Diagnostik erfordert eine Kultur aus periprothetischem

Gewebe. Für eine optimale Diagnostik sollten tiefe Proben von unterschiedlichen Orten um

das Implantat herum gewonnen und unverzüglich untersucht werden. Der Chirurg muß

separate Instrumente verwenden, um eine Kreuz-Kontamination der Proben zu verhindern; die

Weiterverarbeitung der Proben sollte unter einer Laminar-Flow-Bank erfolgen.

Anreicherungsmedien sind indiziert. Die Diagnosekriterien einer Infektion, die auf der

Untersuchung operativ gewonnener Proben basieren, sind nicht standardisiert. Eine

prospektive Studie ergab, daß eine Infektion sicher dann diagnostiziert werden kann, wenn

aus drei oder mehr Proben periprothetischen Gewebes identische Mikroorganismen

angezüchtet werden. Die gleiche Studie empfiehlt 5 oder 6 Proben für ein Optimum an

Sensitivität und Spezifität (ATKINS et al., 1998).

2.7 Therapie

2.7.1 Frühinfektionen

Sie sollten aus zwei Gründen als Notfälle betrachtet werden:

die Infektion kann zu Bakteriämie und/oder zu Weichteilverlusten führen;

Fälle von Frühinfektionen haben gute Langzeitergebnisse, wenn aggressives Débridement

mit geeigneter systemischer und/oder lokaler antimikrobieller Therapie kombiniert wird,

wohingegen Zuwarten nachweislich zu schlechteren Ergebnissen führt.

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