Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

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Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

Die Biomaterial-assoziierte Infektion 20

Ein einzeitiger Wechsel kommt für Patienten in Betracht, bei denen ein stufenweises

Vorgehen zu hohe Narkoserisiken birgt und bei denen ein hochsensitiver Erreger gesichert ist.

Er ist selten erfolgreich bei Infektionen mit resistenten Bakterien.

2.7.2.3 Zweizeitiger Wechsel

Beim zweizeitigen Wechsel wird eine Exzisionsarthroplastik mit einer intensiven

antimikrobiellen Therapie, häufig über 6-12 Wochen, kombiniert, gefolgt von einer

Reimplantation einer neuen Prothese. Antibiotika können systemisch (i.v. oder oral) oder

lokal mit Antibiotika-haltigem Knochenzement verabreicht werden. Aus technischen Gründen

werden Antibiotika-haltige Knochenzement-Spacer gewöhnlich im Knie verwendet, um die

Beinlänge zu erhalten und eine Gewichtsbelastung zu erlauben. Sie werden seltener zur

Behandlung infizierter Hüften verwendet, um die Funktion einer Gridlestone-Pseudarthrose

zu verbessern, solange der Patient auf die Reimplantation wartet.

Die lokale Freisetzung von Antibiotika bietet Vorteile für Patienten und Chirurgen, da die

Nebenwirkungen einer systemischen Therapie nicht berücksichtigt werden müssen. Es ist

allerdings nötig, die Erreger und ihre Empfindlichkeit vor dem operativen Eingriff zu kennen,

was zusätzliche diagnostische Maßnahmen erfordert.

Die Erfolgsraten des zweizeitigen Wechsels von Hüft- und Knieendoprothesen scheinen

höher zu sein (90% und mehr) als beim einzeitigen Wechsel; allerdings beruhen die Daten

nicht auf vergleichenden und randomisierten Studien (BERENDT, 1999).

2.7.2.4 Arthrodese und Amputation

Die Qualität des Knochens am distalen Femur und der proximalen Tibia oder die

Weichteilverhältnisse (einschließlich der Extensoren-Funktion) können den Versuch einer

Reimplantation einer funktionierenden Knieendoprothese verhindern. In diesen Situationen

besteht die Möglichkeit der externen Stützung, der Arthrodese oder der

Oberschenkelamputation (HANSSEN et al., 1995). Ein Teil der Fälle führt zu

unbefriedigenden Ergebnissen. Dieser Anteil steigt, wenn das gewechselte Implantat sich

wiederum infiziert. Deshalb sollte dieses Risiko eingehend mit dem Patienten erörtert werden,

bevor mit einer Knierevision begonnen wird (HANSSEN et al., 1995).

2.7.2.5 Suppressionstherapie

Für eine kleine Gruppe von Patienten (Schwerkranke mit hohem Narkose- und

Operationsrisiko, Patienten mit offenkundigen Infektionen [Fisteln/Frühinfekten], aber

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