Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

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Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

Die Biomaterial-assoziierte Infektion 21

schmerzfrei und mit fixierter Prothese) sind das Streben nach radikaler Heilung und die

Chirurgie, die dafür erforderlich ist, nicht angebracht. Solche Fälle können für eine Langzeit-

Antibiotika-Suppression geeignet sein, besonders wenn die Infektion durch Keime

hervorgerufen wird, die gegenüber sicher anwendbaren und gut verträglichen Antibiotika

empfindlich sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist beachtlich, daß eine Kombination von

Fluorochinolonen mit Rifampicin gute bakterizide Aktivität in Abszessen, auf intrazelluläre

Erreger und in experimentellen Modellen von Biofilmen oder infizierten Biomaterialien

aufweist. Es gibt ermutigende Berichte über die Anwendung dieser antimikrobiellen

Kombination als unterstützende Maßnahme bei der Behandlung von Infektionen

orthopädischer Implantate (DRANCOURT et al., 1993; WIDMER et al., 1992).

2.8 Präventionsmöglichkeiten

2.8.1 Allgemeine Maßnahmen

Die Prävention orthopädischer Infektionen hängt in erster Linie von guter chirurgischer

Technik und Disziplin im OP-Saal ab. Das Hin- und Herlaufen des OP-Personals sollte auf

ein Minimum beschränkt werden. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Hautvorbereitung,

sterilem Arbeiten und der Weichteilpräparation zukommen. Diathermie sollte zurückhaltend

eingesetzt, Totraum und Weichteilschäden minimiert und die OP-Zeit möglichst kurz gehalten

werden. Ultrareine Luft im OP-Saal reduziert die Infektionsrate, ebenso prophylaktische

Antibiotika-Gaben.

In einigen Kliniken werden für Arthroplastiken Zelt-ähnliche Aufbauten verwendet, um das

OP-Feld vom übrigen OP-Saal abzuschirmen.

2.8.2 Intravenöse Antibiotikagaben

In vielen Kliniken werden perioperativ 1-3 Gaben eines Cephalosporins der 1. oder 2.

Generation verwendet; dort, wo MRSA endemisch sind, ist eine Prophylaxe mit

Glykopeptiden (Vancomycin) notwendig. Bei längeren OP-Zeiten oder größerem Blutverlust

werden die Dosen wiederholt gegeben, um wirksame Antibiotikaspiegel während der OP-Zeit

aufrechtzuerhalten. Es gibt nur unzureichende Hinweise, daß eine dreimalige prophylaktische

Antibiotika-Gabe der einmaligen überlegen ist (BERENDT, 1999).

2.8.3 Spätprophylaxe

Das Risiko einer hämatogenen Infektion der Arthroplastik muß bei allen Eingriffen beachtet

werden, bei denen eine vorübergehende Bakteriämie auftreten kann, z.B. bei

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