Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

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Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

Diskussion 75

1970 berichteten BUCHHOLZ et al. über die Depotwirkung von Antibiotika (Penicillin,

Erythromycin und Gentamicin), die unter den Knochenzement, der zur Verankerung der

Hüftarthroplastik diente, gemischt wurden. Durch die Diffusion in das umgebende Gewebe

konnten über Monate hohe lokale Antibiotikaspiegel mit nur geringer systemischer

Nebenwirkung erreicht werden. Der Erfolg war eine Reduktion der Zahl früher

Protheseninfektionen. Dies führte zum Einsatz Antibiotika-haltigen Knochenzements auch bei

der Behandlung der Osteomyelitis durch VOORHOEVE et al. (1973) und KLEMM (1979).

Anfangs wurden die osteomyelitischen Höhlen nach Débridement mit einer Gentamicin-

PMMA-Massivplombe gefüllt, später mit den heute gebräuchlichen Gentamicin-PMMA-

Kugel-Ketten (Septopal-Ketten, Biomet Merck) (KLEMM, 1979).

Zur Zeit wird Antibiotika-haltiger Knochenzement hauptsächlich zur Prävention von

Infektionen in der Gelenkersatzchirurgie eingesetzt, häufig in Kombination mit perioperativer

systemischer Antibiotikaprophylaxe.

5.1.2 Eigenschaften

Knochenzement auf der Basis von polymerisiertem Methylmethacrylat (PMMA) ist nach wie

vor das Mittel der Wahl zur Fixierung von Implantaten im Vollzementmantel. Nach

Anmischen des Zweikomponentensystems, bestehend aus Pulver (Polymer) und Flüssigkeit

(Methylmethacrylat), entsteht nach 5 bis 10 Minuten ein plastischer Teig, der als

Verankerungsmedium in den Knochen eingebracht wird. Knochenzement auf Acryl-Basis

ohne Zusatz von Antibiotika hat weder einen bakteriostatischen noch bakteriziden Effekt.

Voraussetzungen, die das im Knochenzement verwendete Antibiotikum erfüllen muß, sind

pulverförmige Darreichungsform (da Lösungen sich nicht mit dem hydrophoben Monomer

vermischen), Hitzestabilität (exotherme Polymerisation), chemische Stabilität,

Diffusionsvermögen und Stabilität im menschlichen Körper. Die allergene Potenz sollte

gering sein.

Kritisch muß die Beimischung von Antibiotika in Knochenzemente im Hinblick auf die

Veränderungen der physikalischen Eigenschaften, wie Viskosität, Aushärtungszeit und

mechanische Härte, betrachtet werden.

Zahlreiche Antibiotika wurden in in-vitro-Analysen auf Eigenschaften wie Stabilität im

Zement und Elution aus dem Zement untersucht. Gentamicin-haltiger Knochenzement ist

hinsichtlich der Untermischung und Freisetzung experimentell und klinisch besonders

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