Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

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Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

Diskussion 80

Revisionsoperationen aufgrund aseptischer Lockerung Prothesen- und Gewebsmaterial auf

Keime untersucht. Hierbei wurden häufig Koagulase-negative Staphylokokken, insbesondere

Staphylococcus epidermidis, gefunden.

In-vitro-Versuche zur Adhäsions- und Akkumulationsfähigkeit eines Schleim-produzierenden

S. epidermidis-Stammes auf Polymethylmethacrylat zeigten eine höhere Keimzahl als nicht

Schleim-produzierende S. epidermidis (KÖNIG et al., 1998). Deshalb wären aus

mikrobiologischer Sicht primär zementfreie Implantate bei Wechseloperationen zu wählen.

Soll das Implantat zementiert werden, so ist ein Antibiotika-haltiger Knochenzement indiziert,

der wirksam gegen die zuvor nachgewiesenen Keime ist. Unbeladener Knochenzement sollte

im Rahmen von Revisionsoperationen heutzutage obsolet sein, da PMMA ohne

bakteriostatische oder bakterizide Komponente einen idealen Adhäsionsort insbesondere für

Schleim-bildende S. epidermidis-Stämme bietet (KÖNIG et al., 1998).

5.2 Diskussion der eigenen Ergebnisse

5.2.1 Freisetzungskinetiken

Der Ermittlung der Freisetzungskinetiken von Antibiotika aus Knochenzement in vitro

dienten zwei Methoden: 1. die kontinuierliche Elution und 2. die statische Elution.

5.2.1.1 Kontinuierliche Freisetzung

Für die Untersuchung der kontinuierlichen Freisetzung von Antibiotika aus PMMA-

Knochenzement wurde ein nach GRASSO et al. (1978) modifiziertes Modell verwendet, das

die Verhältnisse im Menschen simuliert, wo Gewebsflüssigkeit (Blut, Wundsekret)

kontinuierlich das Antibiotikum aus dem Knochenzement eluiert. Die Flüssigkeit wird im

Menschen über Lymphe und Blut abtransportiert. Eine Abnahme der lokalen

Antibiotikumkonzentration ist unausweichlich.

Hinsichtlich möglicher Rückschlüsse auf die Verhältnisse im Menschen ist zu bedenken, daß

im Modell Penetration und Anreicherung des Antibiotikums in den umliegenden Knochen

außer acht gelassen werden. Weiter wurde ein Elutionsvolumen von 10 ml pro Stunde

angesetzt; wie groß es im Körper tatsächlich ist, ist unbekannt.

Die Freisetzung der Antibiotika aus den untersuchten Knochenzementen war initial hoch und

nahm im Untersuchungszeitraum kontinuierlich ab. Dies spricht für die Wirksamkeit

Antibiotika-haltiger Zemente, da die ersten Stunden nach einer Operation entscheidend für die

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