Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

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Antibiotika-haltige Knochenzemente: In vitro Untersuchungen der ...

Diskussion 81

Infektionsausbreitung sind („race for the surface“, GRISTINA et al., 1989; KÖNIG et al.,

1998).

5.2.1.2 Statische Freisetzung

Für die Untersuchung der statischen Freisetzung von Antibiotika aus PMMA-Knochenzement

wurden Testzylinder mit Ringerlösung eluiert. Die Untersuchungsmethode ist sinnvoll, um

die Freisetzung von Antibiotika aus verschiedenen Knochenzementen zu vergleichen und die

Gesamtfreisetzung zu ermitteln. Eine Übertragung auf die klinischen Verhältnisse ist nur

eingeschränkt möglich, da im menschlichen Körper ein Abtransport des Eluats erfolgt (s.o.).

In den Versuchen konnte gezeigt werden, daß nur ein geringer Anteil des im Knochenzement

inkorporierten Antibiotikums in den ersten 24 Stunden eluiert wurde. Dies steht im Einklang

mit klinischen Studien, in denen ebenfalls nur ein geringer Anteil des Antibiotikums in

Wunddrainagesekret und im Urin nachgewiesen werden konnte (TORHOLM et al., 1983).

5.2.2 Untersuchung der antimikrobiellen Wirkung

5.2.2.1 Diffusionsversuche

Eine einfache Methode zur Untersuchung der antimikrobiellen Wirkung Antibiotika-haltiger

Knochenzemente ist ein modifizierter Agardiffusionstest. Mit Bakterien beimpfte Agarplatten

wurden mit Testzylindern beschickt und inkubiert. Nach der Bebrütung zeigten sich

Hemmhöfe infolge der Diffusion des Antibiotikums aus dem Testzylinder und der

antimikrobiellen Wirkung. Die Abnahme des Hemmhofdurchmessers steht in Einklang mit

der verminderten Freisetzung des Antibiotikums aus dem Testzylinder über den

Beobachtungszeitraum.

Ein möglicher Einwand zu diesem Experiment ist, daß nur eine Seite des Prüfzylinders

Kontakt zur beimpften Agaroberfläche hatte. Ob eine Freisetzung aus Teilen des

Prüfzylinders, die keinen Kontakt mit der Agaroberfläche hatten, erfolgt, kann nicht gesagt

werden. Eine weitere Einschränkung ist der Anpreßdruck, mit dem das Plättchen aufgelegt

wurde. So könnte ein höherer Druck beim Auflegen des Plättchens zu einem größeren

Hemmhof führen.

Die Diffusionsversuche können als Beispiel für die Diffusion/Penetration des Antibiotikums

nach Ausbildung eines „interface“ zwischen dem eingebrachten PMMA und dem

umliegenden Knochen dienen.

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