Magazin 195902

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Magazin 195902

Haus kräftige Schäden mit wenigen bunten

Kreidestrichen markiert, dann marsmieren

die FadlZweige des Luftsdmtzhilfsdienstes

auf Anforderung der Lehrgangs

teilnehmer von alleine auf.

Die Angst vor dem Gebrauch der Kreide

ist unbegründet. Der geschickte Zeichner

wird bewundert, der Ungeschickte bereitet

mehr Freude. Bei Smrcibfehlern ist

ohnehin nur die Eile smuld.

Der LS-Lehrer muß jede Gelegenheit benutzen,

um durch ein freundlimes Wort,

ein kurzes Anspremen oder Zunicken in

näheren Kontakt mit seinen Hörern zu

kommen. Eine gute Gelegenheit bietet

sim durm Begrüßung vor Beginn der

Unterweisung mit Handschlag und Dank

für das Ersmeinen bei diesem schönen

oder schlechten Wetter. - Wetter ist

immer. - Freilich muß dann der LS-Lehrer

zu den ersten gehören, doch dieser

geringe zusätzliche Zeitaufwand lohnt

sim durch gewonnenen Kontakt sorgfältige

Vorbereitung und größere innere

Ruhe und Sicherheit. Aum die Lehrgangsteilnehmer

bedürfen einer inneren

Ruhe und Sammlung. Es ist nimt angängig,

sie nur durm Marterstühle und

-bänke am Einsmlafen hindern zu wollen.

Erwamsene passen nicht in Smulbänke

für lOjährige. Ein "SdlUlmilieu"

ist jedom nidlt immer zu vermeiden, da

die Grundausbildung meist in öffent­

Iimen Smulen durmgeführt werden muß.

Die Auswahl des bestmöglichen Raumes

gehört mit zur Unterrimtsvorbereilung.

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Unsere Lehrgangsteilnehmer sind Musterschüler

- wir haben keine gesetztime

"Schulpflicht", kein LS-Gesetz, das

sie zur Ausbildung zwingt. Sie kommen

aus Idealismus. Musterschülern sieht

man einiges narn. Der LS-Lehrer wird

Verständnis dafür haben, daß vielleicht

manche Hörer an eigenen Ansichten

etwas hartnäckig festhalten. Man achte

auch beim Unterricht die Meinung des

andern, ohne sich ihr anzuschließen. Es

ist falsch, als Lehrer den überlegenen

zu spielen. Ein guter Lehrer setzt sich

mit seinen Schülern zusammen - nicht

auseinander. Im Busen eines vor anderen

kräftig Zuredttgewiesenen bleibt

immer ein Stück Ressentiment, auch gegen

den Luftschutz im allgemeinen. Lamen

ist gesund, aber dieses Wohlbefinden

gehe nirnt auf Kosten eines Lehrgangteilnehmers,

der eine nimt gerade

geistvolle Antwort gegeben hat. Auch

mit den Wölfen soll man in diesem Falle

nicht heulen bzw. lamen. Schon im Lehrgang

muß man schützen und helfen. 14

Man bringe Verständnis auf, wenn die

Terminologie des Luftschutzes nimt ISO

schnell gemeistert wird. Worte wie

SelbstsdlU tzgemeinschaftszug, überörtliehe

Luftschutzführung, automatisme

Warn vermittlung fielen bis dato selten

im häuslimen Kreise. Nie darf ein LS­

Lehrer Ungeduld zeigen.

Warum hat der LS-Lehrer meist so viel

Angst, das Thema zu wiederholen? Wenn

ihm der Unterschied zwischen ballistischer

und aerodynamischer Rakete klar

ist. dann braucht es beim Durchschnitt

der Lehrgangsteilnehmer noch längst

nicht der Fall zu sein. Der Hörer ist aber

bei einer Wiederholung keineswegs gelangweilt,

zumal wenn der alte Stoff in

anderer Form gebracht wird - einzelne

Fragen eingestreut werden. Schnell wird

der LS-Lehrer auch hierin die nötige

übung erlangen. Auf die hC!lrTIp.idenp.

Frage: "Was war in meinem Vortrag unklar?

In welchem Punkt sind Sie anderer

Meinung?" wird der LS-Lehrer immer

Stimworte bekommen. 15

Mark Twain, der amerikanische Humanist,

hatte einmal im letzten Dorf von

Kentucky eine Rede gehalten. Nam

Schluß schüttelt ihm ein biederer Farmer

dankerfüllt die Hand: "Mein Herr, sprechen

Sie immer so natürlich?" Mark

Twain hat dieses Lob nimt vergessen,

sondern siili zeitlebens danach gerichtet.

Je natürlicher wir sprechen, je mehr wir

uns beim Unterricht als Lehrer vom Rhetorischen

fernhalten, um so größer unser

unterrichtlimer Erfolg, um so mehr

"glaubt" man uns. Wenn ein Lehrer

großsprecherism ist, geht der Schüler in

Abwehr. Schauspielerische Talente wenden

sim besser an die Intendanz. Das

Stichwort "Ernstfall" läßt bei uns alle

Dramen weit hinter sich.

Im Mittelpunkt unseres Unterrichts, unserer

vorwiegend praktismen Unterweisung

stehen, wie anfangs gesagt, die

Schüler, die Teilnehmer selbst. Das Ziel

ist der hilfsbereite Mensch. Die Luftschutzternnik

ist nur die Voraussetzung

dafür. Dieses Ziel ist nur durm eine ständige

aber unaufdringliche psydlOlogisme

Unterbauung zu erreichen.

Das Weltansehaulime könnte sich darauf

besduänken, daß gerade "der Luftschutz",

die Männer vom Bau, wissen,

welche Wirkungen die heutigen Angriffswaffen

besitzen und daß Angriffskriege

"zur Lösung" irgendwelcher politischer

oder wirtschaftlicher Fragen heutzutage

völlig sinnlos, ja unmenschlim sind. Unmenschlich

ist es auch, den Nachbarn in

seiner Not im Stich zu lassen. Mensch­

Jich ist allein retten und helfen I

Immer muß etwas mehr gegeben werden

als das rein Sachliche. Unsere Lehrgangsteilnehmer

sollen nicht nur zur Kenntnis

nehmen, sie sollen mitmachen, innerlich

bewegt werden. Sie sollen Wirkstoffe für

die Idee des Selbstschutzes werden, Neutronen

für die Kettenreaktion in der Werbung

anderer Helfer. Noch haben wir

Idealisten, norn ist alles übersehbar, aber

was wird bei einer Massenausbildung?

Dann muß der LS-Lehrer für seine Schüler

soviel Verständnis aufbringen, wie

diese für den Luftsdmtz. Dann darf der

Luftschutzlehrer nicht vergessen, daß zu

den schrecklimen Erinnerungen, die mit

dem Wort Luftsmutz verknüpft sind,

noch die Atomangst gekommen ist. das

Gefühl, einer neuen, geheimnisvoll-bösen

Zeit wehrlos ausgeliefert zu sein. 16

Nur ein LS-Lehrer, der auch den Gemeinschaftssinn,

das soziale Gewissen,

aktivieren will, sdlafft den einsatzbereiten

Helfer, den Samariter.

Guten Ab end ...

Ni e Schadenfreude zeigen!

Imme r wieder: lebendige Aussprache!

SchluBI

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