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Untitled - Helda

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SÜCIETAij<br />

PRO<br />

FAUNA S-r £L01*JL JEKNIQA


SUOMALAISEN ELÄIN- JA<br />

KASVITIETEELLISEN SEURAN<br />

VANAMON<br />

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KASVITIETRKLLISIÄ JULKAISUJA<br />

OSA 14<br />

ANNALES BOTANICI<br />

SOCIETATIS ZOOLOGIC/E-BOTANIC/E<br />

FENNIC/E<br />

VANAMO<br />

TOM. 14<br />

Viikin tiedekirjasto<br />

HELSINGIN YLIOPISTO<br />

IIKLSINKI 1930-19 10


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O S A 1 1. - TOM. 1 1.<br />

\:o I. .SoYiUNKi, Niii.o, Studien über di».'generative und vegetative<br />

Vermehrung der SamenpfJanzen in der alpinen Vegetation<br />

Petsamo-Lapplands. fl. Spezieller Teil. (1 Karle.) 19^9 1-X; l-'iU'i<br />

Suomenkielinen selostus: Tutkinmksia sieujenkasvien suvullisesta<br />

ja suvuttoniasta lisääntymisestä Petsamon I^apiii<br />

alpiinisessa kasvillisuudessa. 11. Erikoisosa 'i05<br />

Nro 2. Kasvitieteellisiä liedonanloja ja kirjoilelmia. Ii. - Noliiiae<br />

botanicae. II. 19'd) 1-11; I- IB<br />

K\LKL\, A.VRNO, Ranunculus borealis Trautv. in Finnland • L<br />

—»— Eine für Fennoskandia neue Rumex-Art H<br />

—»— Ein Beitrag zur Carex-FIora Fennoskandias .... 12


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SUOMALAISEN ELÄIN- JA KASVITIETEELLISEN SEURAN VANAMON<br />

KASVITIETEELLISIÄ JULKAISUJA<br />

OSA 14. N:o 1.<br />

ANNALES BOTANICI SoClETATIS ZoOLOGICiE-BOTANICiE FENN1C/T5 VANAMO<br />

TOM. 14. N:o 1.<br />

STUDIEN ÜBER DIE GENERATIVE UND<br />

VEGETATIVE VERMEHRUNG DER SAMEN-<br />

PFLANZEN IN DER ALPINEN VEGETATION<br />

PETSAMO-LAPPLANDS<br />

II. SPEZIELLER TEIL<br />

NIILO SÖYRINKI<br />

Mit einer Karte<br />

Suomenkielinen selostus:<br />

Tutkimuksia siemenkasvien siemenellisestä ja kasvullisesta lisääntymisestä<br />

Petsamon Lapin alpiinisessa kasvillisuudessa<br />

II. Erikoisosa<br />

HELSINKI 1939


H E L S I N K I 1939<br />

DNUCKEREI-A.G. DER FINNISCHEN LITERATUHGESELLSCHAFT


VORWORT.<br />

In diesem zweiten Teil meiner vermelirungsökologisclien Untersuchungen<br />

in der alpinen Vegetation Petsamo-Lapplands werden<br />

die auf sämtliche 197 Samenpflanzenarten des Untersuchungsgebietes<br />

bezüglichen Einzelbeobachtungen dargestellt, die der allgemeinen<br />

Behandlung im ersten Teil meiner Arbeit (SÖYRINKI 1938)<br />

zugrunde gelegen haben. Weil die Methode der Untersuchung<br />

schon dort (S. 16 - 20) beschrieben worden ist, können wir uns<br />

hier im Hinblick auf die folgende Darstellung lediglich mit einigen<br />

kurzen Bemerkungen begnügen.<br />

Die Häufigkeit (Frequenz) der einzelnen Pflanzenarten<br />

in den verschiedenen Pflanzengesellschaften ist durch die (irade<br />

der üblichen 7gradigen Frequenzskala (fqq - rr) angegeben (auf<br />

S. 68 im ersten Teil der Arbeit dargestellt), die R e i c h 1 i c h k e i t<br />

(Abundanz) wiederum durch diejenigen der ebenfalls 7gradigen<br />

Reichlichkcitsskala (cpp - pcc). Bei den mehr oder weniger seltenen<br />

Arten werden ausserdem die einzelnen Fundorte mitgeteilt. In<br />

dieser Hinsicht ist hervorzuheben, dass der östliche Teil des Gebietes<br />

von mir am genauesten durchforscht worden ist, weil ich mein<br />

hauptsächliches Wohnquartier im Geologenlager am Pilgujaur<br />

hatte; die Fundorte in den westlichen Fjelden sind deshalb bei<br />

mehreren Arten nach KALLIOLA (1932) angegeben, der dort (im<br />

Kammikivi-Gebiet) seine Untersuchungen ausgeführt hat, in<br />

einigen Fällen überdies nach ROIVAINEN (1927), CAJANDER (1932)<br />

und VALLE (1933 b); darauf wird an betreffender Stelle in Klammern<br />

hingewiesen.<br />

Zur Feststellung der S p r o s s h ö II e wurden gewöhnlich<br />

15 bzw. 20 willkürlich ausgewählte fertile Pflanzenindividuen<br />

(Sprosse) gemessen, und zwar in ihrer natürlichen Stellung, ohne<br />

sie künstlich aufzurichten; die gefundenen Grenzwerte (die Höhe<br />

des niedrigsten und des höchsten Sprosses am belr. Standort) sind


IV N. Söijrinki, Vennehruiig tl. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

in Klammern angegeben. Die Messungen sind - wenn nicht anders<br />

genannt - an so späten Zeitpunkten gemacht worden, dass die Art<br />

am betr. Standort schon ihr Längenwachstum beendet hatte, bei<br />

Arten mit postfloralem Wachstum also erst zur Zeit der Fruchtreife.<br />

Bei der Besprechung der S a m e n r e i f e sind zum Vergleich<br />

auch die in der Literatur vorgefundenen Beobachtungen aus den<br />

arktischen Ländern herangezogen worden, um in dieser Weise<br />

eine breitere Basis für das Verständnis der Vermehrungsökologie<br />

einer jeden Art zu erhalten. Inbetreff der S a m e n m e n g e n sei<br />

auf die zusammenfassende Tabelle im ersten Teil meiner Arbeit<br />

(Tab. 7, S. 132 - 139) hingewiesen, wo auch die Frucht- und Samenbildungsprozente<br />

angegeben sind.<br />

Uie Keim ungsvers u che wurden mit der Samenausbeute<br />

des Jahres 1929 in der Zeit 2. IV.-18. V. 1931 ausgeführt,<br />

die Samen des Sommers 1931 wiederum kamen 8.-20. IIL1932<br />

in den Versuch. Die der Frostwirkung ausgesetzten Samen wurden<br />

trocken in Papiertüten aufbewahrt. Wenn nicht anders genannt,<br />

gelten die mitgeteilten Werte für frostbehandelte Samen (näher<br />

im ersten Teil, S. 19-20).<br />

Es sei auch nochmals erwähnt, dass ich als S a m e n k e i m 1 i n g<br />

in Übereinstimmung mit LINKOLA (1930 a, S. 155) ein solches aus<br />

einem Samen entstandenes Pflanzenindividuum bezeichnet habe,<br />

das die ersten Jugendstadien der betr. Art vertritt und sich äusserlich<br />

deutlich von den ausgewachsenen Individuen derselben Art<br />

unterscheidet, weiter, dass der (empirische) K e i m 1 i n g s q u otient<br />

nach LINKOLA (1930a, S. 153; 1930b, S. 134) das Verhältnis<br />

der Keimlingszahl zur Anzahl der fertilen Sprosse (in Begrenzung<br />

auf den oberirdischen Teil) der betr. Art am Standort<br />

bedeutet (vgl. S. 19 im ersten Teil).<br />

In der Nomenklatur bin ich hauptsächlich HHTONEN (1933),<br />

im System LINDMAN (1926) gefolgt. Für die beigefügte Ubersichtskarte<br />

bin ich Herrn Dozent Dr. HEIKKI VÄYRYNEN zum Dank<br />

verpflichtet; dieselbe Karte ist in etwas weiterer Fassung von VÄY-<br />

RYNEN (1938) veröffentlicht worden. Ein detailliertes Bild vom<br />

nördlichen Teil des Untersuchungsgebietes geben die topographischen<br />

Messtischblätter 770/151 (Kolosjoki) und 770/452 (Raijeoaivi).<br />

Helsinki, im Dezember 1938.<br />

NIILO SÖYRINKI.


INHALTSVERZEICHNIS.<br />

Ciipressaceac<br />

Seite<br />

^<br />

Juniperus communis ^<br />

Pinaceae 2<br />

Pinus silvestris ssp. lapponica 2<br />

Sparganiaceae 3<br />

Sparganium hyperboreum 3<br />

Potamogeionaceae<br />

Potamogeton<br />

Juncaginaceae<br />

praelongus<br />

Triglochin palustrc<br />

Gramineae 5<br />

Anthoxanihum odoratum 5<br />

Ilierochloe odorata 8<br />

Milium effusum<br />

Phleum alpinum 10<br />

Alopecurus aequalis 12<br />

Arctagrostis latifolia 13<br />

Agrostis horealis 14<br />

Calamagrostis lapponica<br />

C. neglecta 18<br />

C. purpurea 19<br />

Deschampsia caespitosa 20<br />

D. alpina 22<br />

D. flexuosa 23<br />

D. atropurpurea 27<br />

Trisetum spicatwn 29<br />

Molinia caerulea 32<br />

Phippsia algida 32<br />

Melica nutans 36<br />

Poa pratensis ssp. alpigena 37<br />

P. glauca 38<br />

P. alpina 40<br />

P, rigens 43<br />

Festuca ovina 44


VI N. Söijrinki, Vennehruiig tl. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Seite<br />

Nardus stricta 47<br />

Agropyrum inutabile 48<br />

Cyperaceae 49<br />

Eriophorum polystachyum 49<br />

E. vaginaturn 51<br />

E. Scheuchzeri 52<br />

Scirpus acicularis 54<br />

S. caespitosus ssp. austriacus 55<br />

Carex dioeca 56<br />

C. dioeca SS{). parallela 57<br />

C. pauciflora 58<br />

C. capitata 59<br />

C. rupestris<br />

C. chordorrhiza 63<br />

C. Lachenalii ^>4<br />

C. brunnescens<br />

C. brunnescens X C. Lachenalii 71<br />

C. canescens<br />

C. caespitosa<br />

C. rigida 74<br />

C. aquatilis 79<br />

C. vaginatct 81<br />

C. niagellanica ssp. irrigua 83<br />

C. limosa 84<br />

C. rariflora 85<br />

C. niagellanica ssp. irrigua X C. rariflora 87<br />

C. polygama ssj). alpina 87<br />

C. Ilalleri 89<br />

C. holostotna 90<br />

C. alrata 92<br />

C. pedata 93<br />

C. ca pilla ris 95<br />

C. rostrata v. borealis 97<br />

C. rotundata 99<br />

C. saxatilis l'^l<br />

C. vesicaria v. alpigena 103<br />

C. lasiocarpa 103<br />

Jiincaceae 104<br />

Juncus filiformis 104<br />

J. triglumis 106<br />

J. biglumis 108<br />

J. trifidus HO<br />

Luzula parviflora 114<br />

L. \Vahlenbergii


Amialcs Hotanici Societalis Vanamo. Tom. M. N:o t. VII<br />

Seile<br />

Luzula arcuata ^^^<br />

L. arcuata ssp. confusa<br />

L. rnultiflora ssp. jrigida<br />

L. sudetica<br />

L. spicata 125<br />

L. spp 127<br />

Liliaceae 127<br />

Tofieldia palustris 127<br />

Orchidaceae l^*"^<br />

Coeloglossum viride<br />

Listera cordata 1


Vni A'. Söijrinki, Vcrniclirung d. Sainciipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Seite<br />

Ranunculus pygmaeus 195<br />

R. nivalis 198<br />

R. acer 201<br />

R. confervoides 205<br />

Thalictrum alpinum 206<br />

Criiciferae 210<br />

Cardami ne pratensis 210<br />

C. bellidifolia 211<br />

Draba rupestris 214<br />

D. nivalis 217<br />

Arabis alpina 218<br />

Crassulaceae 220<br />

Rhodiola rosea 220<br />

Saxifragaceae 222<br />

Saxijraga stellaris 222<br />

S. nivalis ssp. eu-nivalis 225<br />

S. nivalis ssp. tenuis 229<br />

S. aizoides 231<br />

S. cernua 234<br />

S. rivularis 236<br />

S. caespitosa 239<br />

Parnassia palustris 242<br />

Rosaceae 244<br />

Sorbus aucuparia v. glabrata 244<br />

Rubus saxatilis 245<br />

R. chnmaemorus 246<br />

Coimrum palustre 249<br />

Potentilla nivea 251<br />

P. Crantzii v. ternata 253<br />

Sibbaldia prociunbens 256<br />

Gewn rivale 260<br />

Dry as octopctala 262<br />

Filipcndula ulmaria 266<br />

Alchemilla alpina 267<br />

A. vulgaris ssp. glomerulans 268<br />

.-1. vulgaris ssp. acutidens 271<br />

Legnminosae 273<br />

Astragalus alpinus 273<br />

A.jrigidus 275<br />

Oxytropis campestris ssp. typica v. sordida 277<br />

Geraniaceae 280<br />

Geranium silvaticum 280


Annalcs Bot


X iV. Söyrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Seite<br />

Primiilaceae 342<br />

Trientalis europaea 342<br />

Gentianaceae 344<br />

Menyanthes trifoliata 344<br />

Scrophiilariaceae 346<br />

Veronica alpina 346<br />

Melampyrutn pratense 349<br />

il/. silvaticum 350<br />

Euphrasia latijolia 351<br />

Bartschia alpina 353<br />

J'edicularis sceptrum-carolinuin 356<br />

1\ lapponica 357<br />

Lenlibiilariaceae 360<br />

Pinguicula vulgaris 360<br />

F. villosa 362<br />

P. alpina 364<br />

Riibiaceae 366<br />

Galium uliginosum 366<br />

G. trifidum 367<br />

Caprifoliaceae 367<br />

Linnaea borealis 367<br />

Campamilaceae 369<br />

Campanula rotundifolia 369<br />

Composilae 371<br />

Solidago virga-aurea 371<br />

Antennaria dioeca 376<br />

Gnaphalium supinum 377<br />

G. norvegicum 380<br />

Petasites jrigidus 383<br />

Arnica alpina 384<br />

Saussurea alpina 386<br />

Cirsium heterophyllum 388<br />

Mulgedium alpinum 389<br />

Taraxacum officinale coll 390<br />

Ilieracium alpinum coll 393<br />

Archieracium spp 395<br />

Literaturverzeiclmis 397<br />

Suomenkielinen selostus 405


(Aipressaceae<br />

Jiiniperus communis L.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in den Heidegebüschen (p, st cp - st pc)<br />

sowie an sonnigen Felshängen (p, sp) bis in die oberen Teile der<br />

Regio alpina.<br />

Die Höhe der Individuen richtet sich bekanntlich nach der<br />

Dicke der winterlichen Schneedecke. Im Betala nana -Gebüsch<br />

steigt sie bis 1 m heran. Ein dem Erdboden entlang kriechendes<br />

Individuum mass 320 cm in der Länge. - Am Nordhang des Kiilopää<br />

in Laanila (Lapponia inarensis), wo die Art an der Birkengrenze<br />

einen etwa 50- 100 m breiten Wacholdergürtel bildete, wurde<br />

der Strauch bis 1.5 m hoch gefunden. - Auf den Naltastunturit<br />

(Lapponia kemensis) betrug der Durchmesser eines ganz niedrigen<br />

Stammes 25 cm. (Vgl. KRUUSE 1906, S. 282.)<br />

Fertilität. Im Jahre 1933 trug der Wacholder allgemein<br />

und gewöhnlich ziemlich reichlich sowohl Blüten als im Vorjahr entstandene<br />

Früchte.<br />

Die F 1 o r a t i o n hatte am 5. VII. 1933 noch nicht begonnen.<br />

Die Früchte hatten sich bis zum 5. VII. 1933 schon teilweise<br />

und bis zum 20. VII. allgemein gebläut. Nicht überall wirkten<br />

sie aber gesund, sondern waren stellenweise vorzeitig aufgeweicht<br />

und verdorben.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge scheinen<br />

bei der Art verhältnismässig selten vorzukommen. Nur einmal<br />

fand ich in einer Wacholdergruppe im Betula nana -Gebüsch einen<br />

diesjährigen und einen vorjährigen Keimling. Am Boden lagen<br />

reichlich abgefallene Früchte. Weiter bin ich ein paar etwa 10 cm<br />

hohen jugendlichen Individuen begegnet. - KONTUNIEMI (1932,


2 .Y. Söijrinki, Vcrnichriing d. Sainenjjfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

S. 43) hat auf seinen Probeflächen in den Birkenwäldern der subt<br />

alpinen Region keine Samenkeimlinge gefunden. An den Beobachtungsstellen<br />

LINKOLAS (1930 b, S. 139) auf den Südbergen Ladoga-<br />

Kareliens schwankt der Keimlingsquotient zwischen 0 und 0.4.<br />

Nach den Untersuchungen KUJALAS (1926 a, S. 113) werden bei<br />

der Art in den Wäldern Süd- und Mittelfinnlands verhältnismässig<br />

reichlich Keimlinge gebildet.<br />

Vegetative Vermehrung. Der Art ist ja bekanntlich<br />

ein vegetatives Vermehrungsvermögen abgesprochen worden.<br />

Im Betula nana -Gebüsch habe ich jedoch feststellen können, dass<br />

die dem Erdboden entlang kriechenden Stämme und Äste sich ziemlich<br />

allgemein bewurzeln. Bei ein paar beobachteten Pflanzen wurde<br />

die Verbindung des Wurzel schlagenden Triebes - in dem einen<br />

Fall ein starker und stattlicher Trieb - mit der Mutterpflanze nur<br />

noch durch einen vermorschten Stammteil aufrechterhalten. Eine<br />

Reproduktion und Wanderung auf vegetativem Wege scheint<br />

mithin einigermassen stattfinden zu können. - Auch LEMBERG<br />

(1933, S. 95) erwähnt Adventivwurzelbildung bei in den Sand<br />

vergrabenen Stämmen und Zweigen auf Dünenstandorten. Nach<br />

KUJALA (1926 a, S. 113) verjüngt sich die Art in den Wäldern lediglich<br />

mit Hilfe der kräftigen Keimpflanzen.<br />

Pinaceac<br />

Pinns silvestris L. ssp. lapponica (Fr.) Hn<br />

Oberhalb der von der Birke (Detiila tortnosa) gebildeten Baumgrenze<br />

habe ich auf den Fjeldheiden der Petsamofjelde im ganzen<br />

vier Pinus silvestris-Individuen von 6-65 cm Höhe gefunden. Die<br />

Pflanzen sahen gesund aus, nur bei der grössten war der Gipfel<br />

zweigabelig als Folge einer Verletzung des ursprünglichen Gipfels,<br />

der gerade im Austrocknen war. Die Fundstellen lagen in etwa<br />

5-8 km Entfernung von den nächsten Individuen der Art in der<br />

Waldregion. In den inneren Teilen der Fjelde sind Jungpflanzen<br />

der Art nicht beol)achtet worden (vgl. KALLIOLA 1932, S. 99).


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 3<br />

Sparganiaceae<br />

Sparganiiim hijperboreum Laest.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt<br />

im Gebiet zerstreut vor; man findet sie in den während des Sommers<br />

oft mehr oder minder vollständig austrocknenden Weihern der<br />

Senken (st fq, st pc - st cp), desgleichen an den Ufern der Fjeldseen<br />

(p, pc-cp) bis etwa 2.5 tief vor.<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig mehr oder minder<br />

spärlich; an mehreren Beobachtungsstellen ist sie ausschliesslich<br />

steril angetroffen worden, kein einzigesmal habe ich sie reichlich<br />

blühend gefunden.<br />

F 1 o r a t i 0 n. An sonnigen Standorten war das Blühen am<br />

24. VII. 1933 schon itn Ausklingen, an weniger günstigen aber<br />

erst im Beginnen. In einem Fjeldweiher stand die Art noch am<br />

9. VIII. im Beginn der Blüte,<br />

Same n reife. Die Früchte waren an den frühesten Standorten<br />

am 4. IX. 1933 nahezu fertig ausgebildet (lösten sich beim<br />

Verwahren nicht ab). Augenscheinlich bleibt die Fruchtreife besonders<br />

in ungünstigen Sommern an vielen Standorlen unvollständig.<br />

In welchem Umfang die Art in den arktischen Ländern reife<br />

Samen zu erzeugen vermag, geht aus den Literaturangaben nicht<br />

deutlich hervor. BERLIN (1884, S. 68) hat sie zwar in Südgrönland<br />

im August 1883 mit Früchten angetroffen, in Nordgrönland hat<br />

er die Art dagegen nur steril gesehen. HARTZ (1894, S. 12) hat<br />

wiederum in Westgrönland im J. 1889 vorjährige Früchte gefunden,<br />

und PORSILD (1931, S. 10) erwähnt blühende ebenso wie fruchttragende<br />

Individuen aus Südgrönland (60° - 62°). Auf keinen<br />

Fall bleibt es aber sicher, dass die Früchte wirklich reif waren.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden; die jungen Keimlinge<br />

hatten am 24. VH. 1933 im allgemeinen zwei Laubblätter.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind im Gebiet selten, wie auch schon auf Grund des niedrigen<br />

Fertilitätsgrades sowie der unsicheren Samenreife anzunehmen<br />

, ist. Nur an einer einzigen Stelle bin ich ihrer begegnet, und zwar in<br />

einem etwa 10x25 m grossen Fjeldweiher am Südosthang des


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Ralipcsoaivi. Im seichten Wasser ebenso wie am nassen Torfufer<br />

des Weihers wuchsen da insgesamt 16 junge und 5 ältere Keimlinge.<br />

Sonst habe ich vergebens nach Keimlingen gesucht. Auf jeden Fall<br />

hat aber die Art Voraussetzungen zur fruktifikaliven Vermehrung<br />

im Gebiet. - Vgl. die Beobachtungen PANTSARS (1933, S. 68-74)<br />

über einige andere Sparganiiim -Arten im See Äyräpäänjärvi.<br />

Die vegetative Vermehrung ist stark, wie bekanntlich<br />

bei den Sparganiiim -Arten.<br />

Potamogetonaceae<br />

Poiamogeion praelongus Wulf.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; nur am Ufer des Sees Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi habe<br />

ich ein von den Wellen losgerissenes steriles Individuum gefunden.<br />

Die vegetative Vermehrung ist bekanntlich stark.<br />

Jiincaginaceae<br />

Triglochin palustre L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; man findet sie in Graskrautmooren (p, cp - sp)<br />

nur in den untersten Teilen der alpinen Region.<br />

Fundorte. Pilgujaur, am S- und SE-Ufer in der Höhe<br />

der letzten Birken; Kiergipori, an mehreren Stellen in Bachufermooren<br />

etwas oberhalb der Waldgrenze; Vilgiskveljaur, in den<br />

Quellenmooren am SE-Ufer; an der Nordseite des Kuattesoaivinjunne<br />

in Felsenmooren (zusammen mit Carex liolosioma und Scirpiis caespitosiis)]<br />

im Kammikivigebiet p - st r nach KALLIOLA (1932, S. 99.<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich zerstreut, mitunter<br />

sogar ziemlich reichlich; oft ist sie aber nur mehr oder minder spärlich<br />

fertil und bisweilen auch ausschliesslich steril vorgefunden<br />

worden.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Das Blühen war im J. 1933 am 15. VH. im<br />

vollen Gang und am 20. VH. im Ausklingen.


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 5<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 25. VII. 1933 im allgemeinen<br />

schon weit entwickelt. Am 4. IX. waren die Stengel in<br />

grossen Zügen verwelkt, die Früchte hatten sich aber nicht geöffnet<br />

und zeigten nur mehr oder minder unvollständig entwickelte Samen.<br />

Es bleibt also fraglich, ob die Art im Gebiet wirklich reife Samen<br />

erzeugen kann, auch wenn sich ihre Früchte dort äusserlich betrachtet<br />

wohl normal entwickeln.<br />

In Grönland bildet die Art nach PORSILD (1920 b, S. 31) auf<br />

der Insel Disko reichlich Früchte, doch nicht in allen Jahren. Nach<br />

S0RENSEN (1933, S. 166) reifen die Früchte gut in Ostgrönland<br />

(71° - 73°30'), soweit man nach den vorjährigen Fruchtständen<br />

schliessen kann. Auch GELTING (1934, S. 221) hat in Ostgrönland<br />

zwischen 73°15' und 76°20' N, wo die Art selten vorkommt, aufgesprungene<br />

Früchte angetroffen.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge oder aus<br />

Samen entstandene Individuen habe ich bei der Art im Gebiet<br />

nicht gefunden, obgleich ich an mehreren Stellen nach solchen<br />

gesucht habe; auch in Vesilahti (Tavastia australis) waren auf<br />

einer Bachufermoorwiese am 10. IX. 1933 keine Keimlinge zu<br />

finden. - Die Art hat augenscheinlich nur mehr oder minder schwache<br />

Voraussetzungen zur fruktifikativen Vermehrung im Gebiet.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art besitzt ein ganz<br />

kurzes Rhizom. Aus diesem entspringen waagerechte unterirdische<br />

Ausläufer, die sich auch verzweigen könneji. Am Ende des Ausläufers<br />

entwickelt sich eine Knospe, aus der ein neues Individuum<br />

hervorwächst (vgl. BBUNDIN 1898, S. 109-110). Die Länge der<br />

Stolenen betrug in Vesilahti (Tavastia australis) bis 14 cm.<br />

Gramineae<br />

Anthoxantluim odoratiim L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig zu finden; ihre Standorte sind die Heidewiesen (Deschampsia<br />

flexuosa - Anthoxanthiim -Heidewiese fqq, cpp, übrige Heidewiesen<br />

p, pc - st cp). Krautwiesen (st fq, st cp), kräuterreiche Moorgebüsche<br />

(p, sp), Felsliänge (st r, sp) und Bachufer (st r, st pc),<br />

ja sogar die Salix herbacea-Schnccbödcn (r, pc).


6 A'. Söyrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die II ö h e der Individuen betrug im J. 1933 in der Geranium<br />

silvaticurn - Trollius -Wiese durchschn. 22 (IG - 35) cm (vgl. KONTU-<br />

NIEMI 1932, S. 35).<br />

Fertilität. Abgesehen von den Schneeböden blüht die<br />

Art regelmässig und gewöhnlich ziemlich reichlich. In der Descliampsia<br />

flexuosa - Anthoxantliiiin -Heidenwiese wurden auf 1 m^ 28<br />

und 30, in der Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese (4 untersuchte<br />

Probequadrate) 23 (7 - 39) und in der Trollius - Polygonum<br />

viuiparum -Wiese 24 (9, 25 und 38) blühende Sprosse gezählt. In<br />

den Weidengebüschen blüht die Art gewöhnlich spärlich und auf<br />

den Schneeböden habe ich sie ausschliesslich steril vorgefunden.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Im J. 1931 befand sich die Art in der Geranium<br />

silvaiicum - Trollius-Vliese am 10. VII. in voller Blüte, in der<br />

Deschampsia flexuosa - Anthoxanthum-Ueidcwiesc am 25. VII. im<br />

Ausblühen. - Im J. 1933 war das Blühen in der Geranium silvaiicum-Trollius-Wiese<br />

im unteren Teil eines Hanges am 5. VII.<br />

eben im Beginnen, im oberen Teil des gleichen Hanges im vollen<br />

Gang und am 12. VII. in der ganzen Siedlung bereits im Ausklingen.<br />

In einer artenreichen Siedlung der Carex rigida - C. Lachenalii-<br />

Heidewiese war die Art am 23. VII. im Aufblühen und am<br />

9. VIII. im Ausblühen und in der Deschampsia flexuosa - Anihoxanihum<br />

-Heidewiese am 24. VII. im Ausblühen. In der Alchemilla -<br />

Trollius -Wiese am Fusse eines schattigen Abhangs wurde die<br />

Art am 26. VII. in Blüte beobachtet, und an einem späten Schneebodenhang<br />

blühte sie noch am 20. VHI. - In den subalpinen Birkenwäldern<br />

hatte die Art im allgemeinen um den 4. VII. volle Blüte<br />

erreicht (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 35).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Samen in der Geranium<br />

silvaiicum - Trollius -Wiese am 19. VHI. reif, in der Deschampsia<br />

flexuosa - Anthoxanthum-lleidemese am 24. VHI. Von voller Blüte<br />

bis zur Samenreife vergingen etwa 40 Tage.<br />

Im J. 1933 hatte die Samenstreuung am 8. VHI. in der<br />

Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese sowie an sonnigen Bachufern<br />

bereits begonnen und war am 18. VHI. an diesen Standorten<br />

im allgemeinen schon abgeschlossen. In der Lijcopodium alpinum -<br />

Solidago — Deschampsia flexuosa -Heidewiese wurden die Samen<br />

am 18. VIH. reif gefunden, - Vom Blütebeginn bis zur Samenreife<br />

vergingen in der Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese etwa 34 Tage.


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 7<br />

- Nach den Beobachtungen SiPirÄs (1935) beanspruchte das Heranreifen<br />

der Samen, vom Ende der Blüte bis zur Ausstreuung der<br />

Samen berechnet, in Ähtävä (Ostrobottnia media) eine Zeit von<br />

30 Tagen; die Ähren blühten 7-8 Tage und das Stäuben der Blüte<br />

dauerte 1 Stunde.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

im J. 1931 in der Geraniiun silvaticiini - Trollius -Wiese (fehlgeschlagene<br />

Blüten in Klammern): 7 (+4), 9 (+7), 11 (+ 13),<br />

12 (+ 4), 12 (+ 4), 12 (+ 4), 16 (+ 1), 16 (+ 6), 16 (+ 7). 18 (+ 9)<br />

und 20 (4- 3), durchsclin. also 13.7 (+ 5.8) Stück, im Haingebüsch<br />

durchschn. 13.6 (+ 4.7) (Grenzwerte 4-25) und in der Deschampsia<br />

jlexiiosa - Anihoxantlmm -Hcidewicse durchschn. (20 untersuchte<br />

Sprosse) 15.5 (+ 5.2) Stück. - Nach den Beobachtungen EKLUNDS<br />

(1929, S. 15) in Antrea (Karelia australis) belief sich die Anzahl der<br />

Früchte im Blütenstand durchschn. auf 31 (vgl. auch SIMEOxN 1928).<br />

Keimung der Sa m en im K e i m u n g s v c r s u c h.<br />

Die am 24. VHI. 1931 von der Deschampsia flexuosa - Aiühoxanihiim-Heidewiese<br />

und am 19. VIII. 1931 von der Geranium silvaticiim<br />

- Trolliiis -Wiese eingesammelten vollentwickelten Samen<br />

keimten zu 74 bzw. 87 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte am 7. Tage ein, war in der 2. bis 3. Woche<br />

am kräftigsten und dauerte mit Unterbrechungen in der ersten<br />

Probe 18, in der letzteren 14 Monate fort. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren noch nach 19 Monaten teilweise lebend.<br />

Die K e i m ung der Samen in der Natur findet<br />

zum Teil im Beginn der Vegetationsperiode (am 11. VH. 1931 jüngere<br />

Keimlinge), zum Teil auch später im Sommer statt. So fand ich am<br />

26. VH. 1931 gerade in Keimung begriffene Keimlinge zusammen<br />

mit fortgeschrittneren und noch am 23. VIH. 1933 ziemlich neulich<br />

gckeimte Keimlinge.<br />

K c i ni 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind auf meinen Beobachtungsstellen ziemlich regelmässig vorgekommen.<br />

Der Keimlingsquoticnt bewegt sich an den Bachufern<br />

und Felshängen bei O.25-I.0, sein Höchstmass an den offenen<br />

Bachrändern erreichend. In der Deschampsia flexiiosa - Anthoaan//Hun-Heidewiese<br />

wurden auf 2 x O.i ni^ insgesamt 8 jüngere<br />

und 11 ältere, in der Geranium silvaticum - Trollius-^Niesc auf<br />

3 X 0.1 m2 22 jüngere und 43 ältere und in der TroUius - Polijgo-<br />

Ann. Bot. Soc. ZooI.-Hot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 2


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

num viviparum-Wiese auf 3x0.i jn^ 27 jüngere und 89 ältere<br />

Keimlinge gefunden, also wenigstens am letztgenannten Standort<br />

im Vergleich zur Anzahl der blühenden Sprosse sowie zum Samenertrag<br />

erheblich viel. Auf meiner Probefläche (2x0.i m^) im Haingebüsch<br />

zählte ich insgesamt 2 jüngere und 4 ältere Keimlinge<br />

und in einem kräuterreichen Moorgebüsch erhielt ich als Keimlingsquotienten<br />

2. Auch in schneebodenartigen "Wiesenvertiefungen,<br />

desgleichen in der Lijcopodium alpinum - Solidago - Deschampsia<br />

flexuosa -Wiese habe ich Samenkeimlinge der Art angetroffen und<br />

einmal fand ich in einer Siedlung der Drijas -Heide einen durch<br />

Besamung aus der Umgebung entstandenen Keimling. - KONTU-<br />

NIEMI (1932, S. 35) hat auf seinen Probeflächen in den subalpinen<br />

Birkenwäldern nur spärlich Keimlinge gefunden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur fruktifikativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium scheint im Gebiet frühestens<br />

im dritten Jahr erreicht werden zu können. In der Kultur spielt<br />

sich dagegen die Entwicklung der Art recht rasch ab; die im Anfang<br />

des Sommers 1932 in den Garten versetzten, im vorangehenden März<br />

im Laboratorium aufgekeimten Pflanzen blühten bereits im gleichen<br />

Jahr. KUJALA (1926 a, S. 108) misst der Art in Süd- und Mittelfinnland<br />

eine Lebensdauer von höchstens 2 Jahren zu. Nach LINKOLA<br />

und THRIKKA (1936, S. 29) ist die Art jedoch in Südfinnland ausdauernd,<br />

und dasselbe habe ich in Mitteleuropa feststellen können<br />

(vgl. auch HEGI 1906-31, I, S. 199).<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet lockere<br />

Rasen. Die Ausläufer des Wurzelstocks erreichen nach meinen<br />

Beobachtungen eine Länge von 0.5 - 1 cm und die Sprossgründe<br />

bewurzeln sich reichlich. Die Pflanze ist also einigermassen zu<br />

einer Wanderung an ihrem Standort fähig und die sich bewurzelnden<br />

Sprosse dürften wohl recht wahrscheinlich auch Selbständigkeit<br />

erreichen können.<br />

Hierochloe odorata Wg<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; ihre Standorte sind spät ausapernde, schneebodenartige<br />

Wiesen (r, pc - st cp) sowie Krautgebüsche (r, sp).


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 9<br />

Fundorte. Kiergipori, auf einer vom Wasser erodierten<br />

Wiese am Boden einer Senke; Rahpesoaivi, auf einer Wiese am<br />

Rande des Schneebodens an der N-Seite des Fjeldes; Vilgiskoddeoaivi:<br />

an wiesenartiger Steile im Krautgebüscli am Ufer eines Baclies am<br />

E-Hang, im Krautgebüscli am SE-IIang; Kammikivitunturi, auf<br />

einer Moorwiese zwischen den Schmelzwasserweihern am Gipfel<br />

(KALLIOLA 1932, S. 99).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

F1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen auf der wassererodierten<br />

Wiese am Kiergipori am 10. VII. im Beginnen. - Im J. 1933 begann<br />

das Blühen im Krautgebüsch am 6. VII. und auf der vorgenannten<br />

Wiese am 19. VII.<br />

Samenreife. Auf der Wiese in der Senke waren die Früchte<br />

am 3. IX. 1931 reif und der Halm im Verwelken, so auch am<br />

4. IX. 1933.<br />

S a m e n m e n g e. Die Art setzt nur sehr wenig volle Früchte<br />

an, wie auch SINCLAIE und VOLKART (KIECHNER, LOEW und<br />

SOHBÖTEK 1909, S. 157) festgestellt haben. In 10 am 3. IX. 1931<br />

von der genannten Wiesensiedlung eingesammelten Blütenrispen<br />

waren insgesamt nur 4 vollentwickelte Früchte zu finden, alle<br />

übrigen waren halbentwickelt oder ganz unentwickelt geblieben.<br />

Die Anzahl der Ährchen (weiblichen Blüten) pro Spross war 12,<br />

13, 14, 14, 14, 20, 21, 24, 26 und 31, durchschn. also 18.9. - Im<br />

J. 1933 war das Entwicklungsprozent der Früchte gleich niedrig.<br />

Keimung der Samen im Keimungsversuch.<br />

Alle vier am 3. IX. 1931 eingesammelten vollentwickelten Samen<br />

keimten im JAOOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

erfolgte in der 1. und 2. Woche.<br />

Keimlingsvcrhältnisse. Es ist mir nicht gelungen<br />

Samenk^imlinge der Art zu finden, obgleich ich solchen auf der<br />

vorgenannten Wiese, wo die Art reichlich vorkam und wo auch<br />

die Voraussetzungen für die Samejikeimung - wie man an den<br />

Keimlingsquotienten einiger anderen Arten schliessen konnte -<br />

günstig lagen, besonders nachgesucht habe. Das Fehlen der Keimlinge<br />

ist natürlich in erster Linie als eine Folge der äusserst niedrigen<br />

Besamung zu verstehen. Da aber keimungsfähige Samen offenbar<br />

wenigstens in den meisten Jahren gebildet werden, dürfte die


1 o N. Söijrinki, Vcnnehruiig d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Art - wenngleich in ganz beschränktein Masse - Voraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung im Gebiet haben".<br />

Die vegetative Vermehrung ist, wie bekannt, dank<br />

den unterirdischen Ausläufern der Art kräftig (vgl. RAUNKIAER<br />

1895-99, S. 604; BRUNDIN 1898, S. 71-72; METSÄVAINIO 1931,<br />

S. 63).<br />

Milium effiisum L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; ich habe sie nur an einer Stelle am NE-Hang des<br />

Jönkiergioaivi (in der Gruppe der Onkitunturit) gleich oberhalb<br />

der Birkenwaldgrenze in einer Geranium silvaliciim -reichen Krautwiesensiedlung<br />

angetroffen.<br />

Fertilität. Die Art l)lühte ziemlich reichlich (etwa 30 fertile<br />

Sprosse waren an der Stelle).<br />

F 1 o r a t i 0 n. Das Blühen war am Standort am 15. VIII. 1933<br />

gerade im Ausklingen. - In den subalpinen Birkenwäldern waren<br />

die Blütenrispen am 11. VII. 1933 soeben hervorgebrochen und<br />

am 26. VII. war das Blühen im vollen Gang (vgl. KONTUNIEMI 1932,<br />

S. 38).<br />

K E i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlingc der Art<br />

waren an der Beobachtungsstelle nicht zu finden. KUJALA (1926 a,<br />

S. 67) hat im Lärchenforst von Raivola bei der Art reichlich Samenkeimlinge<br />

angetroffen. Auf den Probeflächen KONTUNIEMIS (1, c.)<br />

in den subalpinen Birkenwäldern sind sie spärlich vorgekommen,<br />

wie auch in der Felsenvegetation in Pummanki auf der Fischerhalbinsel;<br />

in den Wäldern auf der Karelischen Landenge waren sie<br />

dagegen verhältnismässig reichlich zu finden.<br />

Die vegetative Ver m e h r u n g ist bekanntlich stark<br />

(vgl. KUJALA 1926 a, S. 67).<br />

Phleum alpiiuiin L.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; ihre Standorte sind die Krautwiesen, besonders<br />

deren später ausapernde Siedlungen (p, st pc - sp), etwas frischgründige<br />

Heidewiesen (p, pc - st cp), die I^achufer (p, st pc) und<br />

die Schneeböden (p, st pc).


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 11<br />

Fertilität, Die Art blüht sogar auf den Schneeböden<br />

regelmässig und gewöhnlich ziemlich reichlich.<br />

Fl oration. Im J. 1931 hatte das Blühen am 11. VII. in<br />

der Geranium silvaiiciim - Trollius -Wiese noch nicht begonnen;<br />

auf einer Bachuferwiese war es am 25. VII. im Ausklingen. - Im<br />

J. 1933 befand sich die Art am 19. VII. in der Geranium silvaücum -<br />

Trollius-'Wiese und am 24. VII. an einem Quellenbach im Aufblühen.<br />

Auf einer beschatteten Wiese in einer Senke wurde am<br />

8. VIII. volle Blüte notiert, desgleichen auf einem am 5. Juli von<br />

seiner Schneedecke befreiten Schneeboden am 25. VIII.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früciite waren in der Geranium silvaticum -<br />

Trollius-Wie&e am 4. IX. 1933 reif und der Halm hatte zu vergilben<br />

begonnen. Vom Aufblühen bis zur Samenreife vergingen<br />

also etwa 47 Tage. - Auf den am spätesten ausapernden Standorten<br />

können die Samen wenigstens in den ungünstigsten Sommern oder<br />

nach schneereichen Wintern nicht volle Reife erreichen. So fand<br />

ich in den am 4. VII. 1933 von der Ranunculus «cer-Wiese eingesammelten<br />

vorjährigen Biütenständen nur wenige, in manchen<br />

Ähren überhaupt keine vollentwickelten Früchte vor.<br />

Nach KHUUSE (190G, S. 27G) bildet die Art in Angmagsalik<br />

in üstgrönland reife Früchte. PORSILD (1920 b, S. 32) wiederum<br />

hat auf der Insel Disko in (irönland festgestellt, dass die Früchte<br />

nur in Ausnahmefällen an den günstigsten Standorten reifen. Die<br />

Samenstreuung hat nicht noch vor dem Ende der Vegetationsperiode<br />

stattgefunden, sonderji die Ähren sind unter dem Schnee geblieben.<br />

Die Samen haben sich jedoch im Keimungsversucii als fortpflanzungsfähig<br />

erwiesen.<br />

Die K e i m u n g der S a m en in der Nat u r fiiulet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä rt n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

siiul an den früher ausapeniden Standorten ziemlich regelmässig,<br />

obwohl nicht reichlich zu finden. Auf einer Schneebodenwiese in<br />

einer Senke schätzte ich den Keimlingsquotienten zu 1. Auf zwei<br />

0.1 m^-Quadraten der artenreichen Carex riV/irffl-Wiese wurden<br />

6 junge und 11 ältere Keimlinge gezählt (die Sprossdichte der Art<br />

betrug in der Siedlung ü). Auf den am spätesten ausapernden Schneebodenstandorten<br />

sind gar keine Samenkeimlinge angetroffen wor-


12 N. Söyrinki, Vermehrung d. Satnenpfl. i, d. alpinen Vegetation. II.<br />

den, ihre Entstehung ist dort ja auch in sehr hohem Masse von der<br />

Günstigkeit der einzelnen Somnierperioden abhängig.<br />

Die Art hat also mehr oder weniger günstige Voraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung im Gebiet.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird erst nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Sprosse wachsen aus<br />

einem langsam fortsclireitenden, ziemlich waagerechten Rhizom bogig<br />

empor und treiben am Grunde Wnrzeln. Eine vegetative Wanderung<br />

ist also bei der Art in einigem Umfang möglich und die wurzelschlagenden<br />

Sprosse dürften auch Selbständigkeit erreichen können.<br />

Alopecuriis aequalis Sobol.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; man findet sie in den im Laufe des Sommers mehr<br />

oder minder vollständig austrocknenden Weihern und Pfützen (p, cp).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 in einem früh ausgetrockneten<br />

Weiher am 18. VII. im Beginnen (auf dem noch nassen<br />

Boden in der Mitte des Weihers waren die Ähren eben im Aufbrechen),<br />

am 24. VII. im vollen Gang und am 29. VII. (in der<br />

Mitte des Weihers am 9. VIII.) im Ausklingen. In einem anderen<br />

Weiher war die Art am 9. VIII. in voller Blüte und in einer schattigen<br />

Vertiefung am 23. VIII. im Ausblühen. - Im J. 1931 war das<br />

Blühen im See Kuivakurunjärvi in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

am 2. VIII. im vollen Gang.<br />

S a m e n r e i f e. Die Samenstreuung hatte am 5. IX. 1933<br />

bereits begonnen. Vom Aufblühen bis zur Samenstreuung vergingen<br />

etwa 49 Tage. - An den spätesten Standorten bleiben die Früchte<br />

oft über den Winter ungestreut, wie man im Vorsommer beobachten<br />

kann, und auch die Samenreife wird nicht immer erreicht. - BERLIN<br />

(1884, S. 74, Alopecuriis fiilvus Sm.) hat die Art im August blühend<br />

in Süd- und Ostgrönland beobachtet.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt. Sie ist jedoch in hohem Masse<br />

von den Standortsverhältnissen abhängig. So fanden sich am


Annales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o l. 13<br />

18. VII. 1933 schon reichlich diesjährige Keimlinge in den zuerst<br />

ausgetrockneten peripheren Teilen eines Weihers, nach der Mitte<br />

zu wurden sie aber immer seltener und waren ganz neulich gekeimt,<br />

und in der Mitte selbst, wo der Boden noch nass war, fehlten sie<br />

überhaupt.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge der Art<br />

sind ziemlich regelmässig und gewöhnlich auch reichlich zu finden.<br />

In zwei Weihern, in denen der Boden von einer dicken, schwarzen,<br />

mit feinem Sand bedeckten Humusschicht gebildet war, betrug<br />

der Keimlingsquotient 20; sowohl jüngere als ältere Keimlinge<br />

waren reichlich vorhanden, sogar an solchen Stellen, wo die<br />

Art sonst nicht vorkam. Jüngere Keimlinge waren am reichlichsten<br />

im Schutze der den Boden bedeckenden flachen Steine, jedoch<br />

auch auf blosser Erde sowie an den Rändern der beim Austrocknen<br />

entstandenen Spalten anzutreffen. Die Keimlinge scheinen auch<br />

auf verhältnismässig trockner Unterlage gut auszukommen (siehe<br />

oben). - Im J. 1931 suchte ich ohne Erfolg nach Keimlingen der<br />

Art in einer ausgedehnten Siedlung der Alopemms aequalis - Ranunculus<br />

reptans -Assoziation im See Kuivakurunjärvi in Pummanki;<br />

vielleicht war die Unterlage allzu nass oder die Samen waren in<br />

den vorangehenden Jahren nicht gereift.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung sind<br />

im Gebiet im allgemeinen recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird erst nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich<br />

durch die auf dem Boden kriechenden, wurzelnden Stengel statt<br />

(vgl. RAUNKIAER 1895-99, S. 601). Die vegetative Vermehrung<br />

war immer am stärksten auf nasser Unterlage in der Mitte der<br />

Weiher und Pfützen, also gerade dort, wo die Voraussetzungen der<br />

Art zur fruktifikativen Vermehrung am schwächsten waren.<br />

Arctagrostis latifolia (RBr.) Griseb.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle am Südhang des Vilgiskoddeoaivi<br />

(Illemoaivi) in einer kleinen Graskrautmoorsiedlung (cp) angetroffen<br />

worden.


14 A'. Söijrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

Die H ö h e der Individuen betrug an einem Baclirand im subalpinen<br />

Birkenwald zwischen dem Jönkiergioaivi und dem Fluss<br />

Luotnjoki bis 118 cm (vgl. KHUUSE 1905, S. 201; OSTENFELD 1910,<br />

S. 6; POKSILU 1912, S. 366; VAAGE 1932, S. 65; GELTING 1934,<br />

S. 184).<br />

Fertilität. Die Art hatte iin J. 1931 ziemlich reichlich<br />

fertile Sprosse.<br />

S a m e n r e i f e. Nähere Beobachtungen über die Zeit des<br />

Blühens und über die Samenreife fehlen. - Aus dem Bereich der<br />

arktischen Länder liegen von den Spitzbergen keinerlei Angaben<br />

über das Reifen der Samen vor (ANDERSSON und HESSELMAN 1900,<br />

S. 74). Nach SIMMONS (1906, S. 177) entwickeln sich die Blütenstände<br />

spät, nur im J. 1902 hat er die Art in Ellesmereland Anfang August<br />

blühend gesehen. In Nordostgrönland blüht die Art nach OSTEN-<br />

FELD und LUNDAGER (1910, s. 13) selten und ist nicht mit reifen<br />

Samen gefunden worden. In Ostgrönland (71° - 73° 30'N) blüht<br />

die Art nach SORENSEN (1933, S. 134) sehr spät, er nimmt aber<br />

an, dass Früchte gelegentlich wohl gebildet werden können; nach<br />

GELTING (1934, S. 184) wiederum reifen die FMichte zwischen 73°15'<br />

und 76° 20' N in Ostgrönland, die Fruchtentwicklung ist aber oft<br />

mehr oder minder unvollständig. Auf der Insel Disko in Westgrönland<br />

fruchtet die Art reichlich (PORSILD 1920 b, S. 35). Auf Novaja<br />

Semlja hat LYNGE (1923, S. 102) im Gribovii Fjord reife Samen<br />

angetroffen; die Art blüht dort im allgemeinen spät.<br />

Die vegetative Vermehrung findet mit Hilfe der<br />

kräftigen Ausläufer statt.<br />

Agroslis borealis Ilartm.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie auf mehr oder minder feuchten und extremen<br />

Schneeböden (fq, sp), in frischgründigen Krautwiesen (st fq, st cp),<br />

in der Deschampsia flexiiosa - Anihoxaniimm- und Carex rigida-<br />

C. Lachenalii -Ileidewiese (st f([, sp), an mehr oder minder schattigen<br />

Felshängen (p, sp) und an den Bachufern (p, st pc).<br />

Die 11 ö h e der Individuen betrug im J. 1933 auf einem<br />

Bachuferschneeboden durclischn. 16 (6-23) cm und in der Carex


Annales Botanici Societatis.Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 15<br />

rigida-C. Laclienalii -llcidcwiQsc IC).5 (8-25) CNI (vgl. KRUUSK<br />

1906, S. 277).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

reichlich oder ziemlich reichlich.<br />

Fl oration. Im J. 1931 war die Art an einem Bachufer<br />

am 23. VII. im Aufblühen und in der Deschampsia jlexuosa - Anthoxanthum-Heidewiese<br />

am 25. VII. in voller Blüte. Auf dem Phippsia<br />

aUjida-Schneehoden hatte das Blühen am 20. VIII, noch nicht<br />

begonnen.<br />

Im J. 1933 war die Art am 21. VII. an den Bachufern meist im<br />

Aufblühen, und am 8. VIII. waren die Früchte schon weit entwickelt.<br />

Auf dem Phippsia algida-i^chneehoden waren die Blütenrispen<br />

am 21. VIII. erst im Hervorbrechen (Phippsia selbst hatte<br />

schon reife Früchte!), und in einer nach dem 11. Juli ausgeapcrten<br />

Oxyria digijna -Schneebodengesellschaft hatte die Art am 2. IX.<br />

noch nicht zu blühen begonnen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 wirkten die Früchte am 30. VIII.<br />

am W-Felshang ziemlich reif, die Halme waren aber noch grün. -<br />

Im J. 1933 war die Samenreife an den Bachufern in der späteren<br />

Hälfte des August allgemein erreicht worden. In der Ranunculus<br />

acer -Wiese waren die Früchte reif am 2. IX., und der Halm hatte<br />

alleweil zu vergilben begonnen. Im vorhergehenden Sommer hatten<br />

sich die Verhältnisse aber offenbar weniger günstig gestaltet, denn<br />

die Blütenstände standen in der letztgeiu\nnten Assoziation noch<br />

am 4. VII. 1933 in grossen Zügen unausgestreut mit halbentwickelten<br />

Früchten da. - An den allerspätesten Standorteji kommen die Samen<br />

augenscheinlich nur währeiul ausnahmsweise günstiger Vegetationsperioden<br />

zur Reife.<br />

In Angmagsalik in Ostgrönland bildet die Art nach KIIUUSE<br />

(1906, S. 277) reife Früchte; nach POKSILD (1920 b, S. 34) fruchtet<br />

sie reichlich auf Disko in Westgrönland.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Samen betrug in der am<br />

W-Felshang am 30. VIII. 1931 gesammelten Probe (in Klammern<br />

halbentwickelte und unejitwickelte Früchte) (i (-|-9 | 10),<br />

11 (+9 + 11), 13 ( + 6-1-3), 16 ( + 9+8), 21 (+2-1-9), 28 ( + 4 1 10),<br />

28 (+10+8), 37 (+10+16), 49 (+8 1-11) und 59 ( t-3 + 12), durchschn.<br />

also 27.i ( + 7.0 + 9.8). Die Unenlwickelten waren zum grössten


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Teil im Knospenstadium gebliebene Blüten, ein Teil hatte sich<br />

zwar geöffnet, ihre Entwicklung aber nicht weiter fortgesetzt.<br />

Keimung der Samen im Keimungsversuch.<br />

Von den am 30. VIII. 1931 am W-Felshang eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten nach Frostbehandlung 81 % und ohne<br />

Frostbehandlung 82 % und von den halbentwickelten (65 Stück)<br />

42 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte am<br />

2. Tage ein und erfolgte hauptsächlich in der 1. Woche, um dann<br />

in der 4. Woche ihren Abschluss zu finden. Die ungekeimten Samen<br />

waren tot (weich).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (jüngere Keimlinge am<br />

14. VII. 1933 wahrgenommen).<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge der Art<br />

sind an mehreren Beobachtungsstellen, bisweilen gar ziemlich<br />

reiclilicli angetroffen worden. Der Keimlingsquotient variiert<br />

zwischen O.i und 2. Am zahlreichsten waren die Keimlinge in frischgründigen<br />

Wiesen am Rande der Schneeböden sowie an den Bachufern<br />

und verwitterten Felshängen, ich habe sie aber auch in der<br />

Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese, desgleichen auf den Schneeböden<br />

gefunden, einigemal sogar in so spät ausapernden Siedlungen,<br />

dass die Früchte offenbar gar nicht in allen Sommern zur Reife<br />

kommen. Ein durch Besamung aus der Umgebung entstandener<br />

jüngerer Keimling wurde auf einer Probefläche im Carex rotundala-<br />

Moor angetroffen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung sind<br />

im Gebiet günstig.<br />

Das blüh reife Stadium wird erst nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet dichte, bisweilen<br />

sogar recht feste Rasen. Die Ausläufer des Rhizoms sind<br />

sehr kurz (weniger als 1 cm lang); eine eigentliche vegetative Wanderung<br />

kann also nicht stattfinden, indem aber die Sprosse reichlich<br />

wurzeln, scheint es möglich, dass sie nach eventueller Ablösung<br />

von der Mutterpflanze ihr Leben selbständig fortsetzen können.


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 17<br />

Calamagrostis lapponica (\Vg) HII<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt<br />

zerstreut (p, sp) in den Flechtenheiden des Gebietes vor.<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich mehr oder minder<br />

spärlich; oft findet man sie sogar auf weiten Flächen ganz steril<br />

und nur selten habe ich sie reichlich fertil gesehen.<br />

F1 o r a t i o n. Das Blühen hatte im J. 1933 am 20. VIII. noch<br />

nicht begonnen, war aber am 30. VIII. bereits nahezu im vollen<br />

Gang; ein Teil der Blüten hatte sich jedoch noch nicht geöffnet.<br />

Alle Blütenrispen waren nicht normal entwickelt, sondern manche<br />

waren nur zur Hälfte hervorgebrochen und verkümmert. Der Halm<br />

war im allgemeinen noch grün.<br />

Samenreife. Reife Früchte habe ich bei der Art im Gebiet<br />

nicht angetroffen und solche werden auch aller Wahrscheinlichkeit<br />

nach nur in sehr geringem Masse gebildet. In den am unteren Hang<br />

des Kammlkivitunturi am 30. VIII. 1931 eingesammeilen Proben<br />

waren nur einige halbentwickelte und keimungsunfähige Samen<br />

zu finden; ein Teil der Blüten hatte sich gar nicht geöffnet. Doch<br />

war der Hahn beim Einsammeln schon vergilbt.<br />

BERLIN (1884, S. 75) hat die Art in Nordgrönland (82° N) Anfang<br />

August im J. 1883 fertil gefunden, Angaben über das Reifen der<br />

Samen fehlen indes.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Auf Grund der Beobachtungen<br />

über die Fertilität und die Samenreife ist schon zu schliessen,<br />

dass die Samenkeimlinge der, Art jedenfalls sehr seilen sein müssen.<br />

Ich habe auch in der Tat nur einen ein paar Jahre alten Keimling<br />

gefunden, der wahrscheinlich zu dieser Art gehört; es war bei Pitkäjärvi<br />

auf dem Gipfel des Kaskamatunturi, wo die Art auf erodiertem<br />

Torfboden üppig (bis 92 cm hoch) vegetierend und auch reichlich<br />

fertil vorkam. Sonst habe ich keine Spur von Keimlingen gesehen;<br />

sogar auf dem durch die Flechtenheiden ziehenden Fusspfad am<br />

Nordhang des Kammikivitunturi, wo die Art ziemlich reichlich<br />

wuchs und manche andere Pflanzen durch zahlreiche Samenkeimlinge<br />

vertreten waren, konnte ich ihrer keine finden.<br />

Die Art hat also äusserst schwache Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet.<br />

Die vegetative Vermehrung ist bekanntlich stark<br />

mit Hilfe des kräftigen Rhizoms.


18 N. Söijrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. cl. alpinen Vegetation, II.<br />

Calamagrostis neglecta (Ehrh.) G. M. Scli.<br />

Häufigkeit und V o r k o in m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in den Bachuferwiesen (st fq, sp - st cp),<br />

den rieidewiesen (p, sp) und den Graskrautmooren (p, pc - sp),<br />

desgleichen an feuchten Stellen aln Rande der Schneeböden<br />

(p, pc-sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel mehr oder minder<br />

spärlich; in den Graskrautmooren sowie am Rande der Schneeböden<br />

ist sie oft ganz steril vorgekommen.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war die Art am 25. VII. in der artenreichen<br />

Carex rigida -Wiese eines Bachufers in voller Blüte. - Im<br />

J. 1933 war das Blühen an den Bachufern am 20. VIL im Beginnen<br />

und am 12. VIII. im Ausklingen; auf den Schneel)öden blühte die<br />

Art noch am 12. VIII. nicht.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 4. IX. 1933 in den<br />

Bachuferwiesen allgemein reif und der Halm bereits vergilbt. Die<br />

Samenentwicklung scheint sehr unvollständig zu sein; die meisten<br />

Blüten hatten sich gar nicht geöffnet und nur wenige vollentwickelte<br />

Samen waren zu finden. — Auf den allerspätesten Standorten kommen<br />

die Früchte wenigstens in normalen Sommern überhaupt nicht<br />

zur Reife.<br />

Auf Spitzbergen dürfte die Art nach ANDERSSON und HESSEL-<br />

MAN (1900, S. 77) nicht blühend oder mit Früchten gesammelt<br />

worden sein, wenngleich sie dort höchst wahrscheinlich doch blüht;<br />

ASPLUND (1918, S. 10) gibt an, dass er am 10. VIII. 1915 in Advent<br />

Bay wohlentwickelte, aber nicht blühende Blütenstände angetroffen<br />

hat. KiiuusE (1902, S. 302, var. borealis Lange) hat auf<br />

Jan Mayen im J. 1900 Früchte von zwei vorhergehenden Jahren<br />

gefunden. Nach demselben Forscher (1906, S. 277) bildet die Art<br />

reife Früchte in Angmagsalik in Ostgrönland. Nach SORENSEN<br />

(1933, S. 136) fruchtet die Art in Ostgrönland (zwischen 71° und<br />

73° 30' N) offenbar schwach, und GELTING (1934, S. 186) hat an der<br />

nörillichsten Lokalität (zwischen 73°15' und 76° 20' N) nicht reife<br />

Samen gefunden. Auf Disko in Westgrönland ist die Fruchtentwicklung<br />

ausgiebig (PORSILD 1920 b, S. 37). Von Novaja Semi ja<br />

liegen keine Angaben bezüglich des Blühens oder der Fruchtreife vor.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Als Folge der schwachen<br />

Besamung sind die Samenkeimlinge der Art im Untersuchungs-


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 19<br />

gebiet selten. Nur einmal habe ich in einer Bachuferwiese, wo die<br />

Art dominierend vorkam, einen jüngeren und einige ältere Keimlinge<br />

gefunden; die meisten wuchsen ganz am Rande des Baches,<br />

wo die aus abgestorbenen Blättern gebildete Streuschicht nicht<br />

so dicht war wie in der Mitte der Siedlung und die Voraussetzungen<br />

der Salnenkeitnung sich also besser gestalteten als dort. - SUOMA-<br />

LAINEN (1930, S. 184) hat bei der Art auf einer Meeresstrandwiese<br />

in Südfinnland reichlich Samenkeimlinge festgestellt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung sind<br />

im Gebiet ziemlich schwach.<br />

Das blüh reife Stadium wird erst nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung ist bekanntlich stark<br />

mit Hilfe des kräftigen Rhizoms.<br />

Calamagrostis purpurea Triii.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man begegnet ihr in der Calamagrostis purpurea -Heidewiese<br />

(fqq, cpp), in den Krautgebüschen (p, sp) und den Krautund<br />

Heidewiesen am Rande der Schneeböden (p, sp) sowie an den<br />

Bachuferii (st r, sp).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 in der Calamagrostis<br />

purpurea-lleidcwicse durchschnittlich 76 (53-104) cm (vgl. NOR-<br />

MAN 1895- 1901, S. 593, C. phragmiioides; KONTUNIEMI 1932,<br />

S. 36).<br />

Fertilität. Die Art blüht meistens mehr oder minder spärlich,<br />

in der Calamagrostis purpurea -Heidewiese aber bisweilen auch<br />

reichlich; in den Gebüschen ist sie oft ganz steril.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. lm J. 1931 befand sich die xVrt in der Calamagrostis<br />

purpurea -Heidewiese am Rande kleiner, inmitten derFjeldheiden<br />

gelegener Vertiefungen am 3. IX. im Aufblühen. - Im J. 1933 war<br />

das Blühen am 20. VI II. in den Lichtungen eines Gebüsches schon<br />

im Ausklingen; in der Calamagrostis pupurea -lic'idewicsc am Rande<br />

der vorerwähnten Verlief ungen war die Art in beginnender Blüte<br />

am 23. VIII. und am Fusse eines Schneebodenhangs am 2. IX.<br />

(vgl. KONTUNIEMI I.e.).


20 N. Söyrinki, Vermehrung cl. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

S a m e n r e i f e. Die Samenentwicklung liat sich bei der Art<br />

im Gebiet als sehr schwach erwiesen. In den am 1. IX. 1933 im<br />

Krautgebüsch gesammelten Proben befanden sich nur einige kleinwüchsige<br />

Früchte, der grösste Teil der Blüten war ungeöffnet geblieben;<br />

doch hatte der Halm schon begonnen, gelb zu werden. An<br />

den am spätesten ausapernden Standorten mag die Samenreife<br />

sogar in den allerbesten Jahren kaum erreicht werden.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht angetroffen, obgleich ich in den Siedlungen der<br />

Calamagrostis purpurea -Heidewiese besonders nach ihnen gesucht<br />

habe. Das Fehlen der Keimlinge ist aber als Folge der unsicheren<br />

Besamung reclit vers ländlich. - KONTUNIEMI (1932, S. 36) hat<br />

auf seinem Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern, wo die<br />

Art gleichfalls eine niedrige Samenproduktion zu entwickeln scheint,<br />

nur einen jüngeren Keimling gefunden.<br />

Die Art hat höchstens sehr schwache Voraussetzungen zur<br />

generativen Vermehrung im Gebiet.<br />

Die vegetative Vermehrung ist bekanntlich stark.<br />

Deschampsia caespitosa (L.) FB.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar findet man sie auf mehr oder minder spät ausapernden,<br />

steinigen Schneeböden (st r, pcc - sp); an den Lagerplätzen<br />

der Geologen kommt sie als Anthropochor vor.<br />

Fundorte: Kiergipori: an zwei Stellen 1 Individuum, an<br />

einer dritten, gleich oberhalb der Waldgrenze, etwa 10 Individuen;<br />

Raijoaivinjunne, an einer Stelle etwa 10 Individuen; Vilgiskoddeoaivi<br />

(Illemoaivi), 1 Individuum am N-Hang (vgl. SÖYBiNia 1932); Njoammelatshohki,<br />

1 Individuum am NE-Hang.<br />

Fertilität. Die Art ist gewöhnlich mehr oder minder spärlich<br />

fertil, an einigen Stellen ist sie nur steril angetroffen worden.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen hatte im J. 1933 am 4. IX. noch<br />

nicht begonnen, ein Teil der Blütenrispen war jedoch schon völlig<br />

entfaltet und die übrigen befanden sich gerade im Hervorbrechen.<br />

Die vorjährigen Blütenstände waren an einer Beobachtungsstelle<br />

sämtlich zum Teil in ihrer Scheide eingeschlossen geblieben, an ein<br />

paar anderen Standorten war die Art aber vielleicht wohl doch zur


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 21<br />

Blüte gekornmen. - In der subalpinen Region stand die Art am 15.<br />

VIII. 1933 am Ufer des Luotnjoki inbeginnenderBlüte. - Im J. 1931<br />

war das Blühen am 27. VII. bei der Geologenhütte am Pilgujaur<br />

an der oberen Grenze der subalpinen Birkenwaldzone im vollen<br />

Gang.<br />

S a m e n r e i f e. An ihren natürlichen Standorten auf den Schneeböden<br />

kann die Art offenbar höchstens nur in den allergünstigsten<br />

Jahren reife Samen erzeugen, an Kulturstandorten dagegen wahrscheinlich<br />

ziemlich oft.<br />

Auf Spitzbergen scheint die Art (f. borealis Trautw.) kaum reife<br />

Früchte zu erzeugen (ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 76);<br />

ASPLUND (1918, S. 10) hat dort am 8. und 10. VIII. 1915 wohlentwickelte,<br />

aber nicht blühende Blütenstände angetroffen. In<br />

Ellesmereland blüht die Art (var. arctica Trin.) nach SIMMONS (190G,<br />

S. 174) spät, kaum vor Anfang August; Angaben über die Fruchtreife<br />

fehlen. In Westgrönland (zwischen 71°-73°N) finden Blühen<br />

und Fruchtbildung in günstigen Jahren statt (POBSILD 1912, S. 365,<br />

var. piimila Lebed.). Auf Novaja Semi ja blüht die Art spät (LYNGE<br />

1923, S. 107); Angaben über die Samenreife fehlen.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art im Gebiet nicht angetroffen, und solche können auch<br />

an den natürlichen Standorten höchstens sehr selten gebildet werden;<br />

an Kulturstandorten habe ich nach ihnen nicht gesucht. -<br />

In Pummanki auf der Fischerhalbinsel, wo die Art in der alpinen<br />

Region in feuchten Wiesen, Gebüschen usw. vorkommt, habe ich<br />

mehreremals Keimlinge gefunden. - SUOMALAINEN (1930, S. 186)<br />

hat auf einer Meeresstrandwiese in Südfinnland reichlich Samenkeimlinge<br />

konstatiert.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind im besten Fall äusserst schwach. - Schon früher, im<br />

ersten Teil dieser Arbeit (S. 214), habe ich auf die Möglichkeit hingewiesen,<br />

dass das Vorkommen der Art auf den Schneebödcn vielleicht<br />

durch die Renntiere verursacht sein könnte, die oft zur Sommerzeit<br />

an solchen Stellen Schutz vor den Mücken und Bremsen<br />

suchen und so leicht zu einer Besamung aus der Waldregion beitragen<br />

können.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet bekanntlich<br />

feste Rasen, die einen beträchtlichen Umfang erreichen. Die


22 N. Söijrinki, Verniehrung d. Sanieni)fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Teilung der Individuen nach dem Absterben der inneren Partien<br />

dieser Rasen sowie das Selbständigwerden einzelner Sprosse dürften<br />

einigerinassen möglich sein.<br />

Deschampsia alpina (L.) R. et Sch.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art konmit im<br />

Gebiet selten vor; ihre Standorte sind spät ausapernde Sclineebüden,<br />

die sich die ganze Vegetationsperiode hindurch mehr oder<br />

minder feucht erhalten (st r, st cp - pcc).<br />

Fundorte. Vilgiskoddeoaivi (Illemoaivi): an zwei Stellen<br />

am NE-Hang mehrere Indiv., am E-IIang zerstreut mehrere Indiv.;<br />

NE vom Vilgiskoddeoaivi in einem Bachbett einige Indiv.; zwischen<br />

Raijoaivi und Kuattesoaivinjunne an zwei Stellen jel Indiv.; Kuorbgas:<br />

am oberen Teil des S-Hangs wenige Indiv., an der N-Seite des<br />

Gipfels mehrere Indiv. zusammen mit Phippsia algida.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 am NE-Hang<br />

des Vilgiskoddeoaivi durchschn. 40 (23 - 49) cm (vgl. FRIES 1869 a,<br />

S. 143; RESVOLL 1917, S. 106; ASPLUND 1918, S. 10).<br />

Fertilität. Die Art hat gewöhnlich ziemlich reichlich<br />

fertile Sprosse. Statt Samen entwickeln sich in den Blütenständen<br />

aber nur Bulbillen (RESVOLL 1917, S. 219). Am 30. VIII. 1933<br />

beobachtete ich Blüten mit hängenden Staubfäden.<br />

B u 1 b i 11 e n k e i m 1 i n g e habe ich an meinen Beobachtungsstellen<br />

ziemlich reichlich angetroffen. Die Ausstreuung der Bulbillen,<br />

obgleich diese in den Blütenständen schon weit entwickelt<br />

waren, hatte am 20. VIH. 1931 noch nicht begonnen. Am 7. VII.1933<br />

fand ich in vorjährigen, am Boden liegenden Blütenrispen keimende<br />

Bulbillen, manche noch zwischen den Blütenhüllen eingeschlossen;<br />

die Bulbillen können also überwintern (vgl. ANDERSSON und HES-<br />

SELMAN 1900, S. 77; PORSILD 1920 b, S. 38).<br />

Vegetative Vermehrung. Auch die Bulbillen sind<br />

ja in Wirklichkeit vegetative Vermehrungsorgane, auch wenn sie<br />

sich an Stelle der Blüten entwickeln. Im übrigen bildet die Art<br />

dichte Rasen. Teilung der Individuen und Selbständigwerden einzelner<br />

Sprosse dürften in einigem Umfang möglich sein.


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 23<br />

Desclianipsia flexuosa (L.) Trin.<br />

Häufigkeit und V o r k o ni m e n. Die ArL isl im Gebiet<br />

sehr liäufig; man findet sie in den Heidewiesen (in der Deschampsia<br />

flexiiosa - AnthoxanÜiiim-und der Lycopodium alpiniim - Solidago-<br />

Deschampsia jlexiiosa -Ileidewiese fqq, cpp - cp, in den übrigen<br />

Typen st fq, st cp), ferner in den Krautwiesen (st fq, sp - st cp),<br />

der Mijrtilliis -Heide (fqq, cp), den Flechtenheiden (p, st pc - sp),<br />

im Betula nana -Gebüsch (fqq, st cp), in der Salix herbacea -Schneebodenvegetation<br />

(fqq, cp) und in der Felsenvegetation (p, sp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J, 1933 in der Lycopodium<br />

alpinum - Solidago - Deschampsia flexiiosa -Heidewiese durchschn.<br />

30 (20 - 45) cm und in der Geranium silvalicum - Trolliiis -Wiese<br />

37 (20-50) cm (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 36).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel mehr oder minder<br />

spärlich; bisweilen ist sie auf recht weiten Flächen nur steril angetroffen<br />

worden. Die Anzahl der fertilen Sprosse auf 1 m^ war in der<br />

Lycopodium alpinum - Solidago - Deschampsia flexuosa -Heidewiese<br />

(5 m^ untersucht) durchschn. 0(3- 11), in der Geranium siluaiicuni-<br />

T/-o//i«s-Wiese (4 m2) 3 (0- 12) und im BeUlla nana -Gebüsch (4 m^)<br />

0.5 (0 - 2).<br />

Obgleich der Fertilitätsgrad der Art also gewöhnlich recht<br />

niedrig liegt, scheint er jedoch in bestimmten Jahren bedeutend<br />

gesteigert zu werden. In diese Richtung sprechen die Keimlingsbeobachtungen,<br />

namentlich die verhältnismässig grosse Zahl der<br />

älteren Keimlinge an einigen Beobachtungsstellen. Und im Juli<br />

1938 stellte ich während einer Exkursion im westlichen Finnisch-<br />

Lappland in der alpinen Region der Fjelde Ounastunturi und Pallastunturi<br />

allgemein recht reichlich fertile Sprosse des vorigen Sommers<br />

fest. Da die Art im Sommer 1938 selbst im Gebiet wieder nur spärlich<br />

fertil war - genau wie in meinen drei Beobachtungsjahren und auch<br />

in den zwischenliegenden Sommern in Petsamo-Lappland - kann<br />

man wohl mit Recht annehmen, dass ihre Blühfrequenz auch in den<br />

Petsamofjelden von einem .Jahr zum anderen beträchtlichen Schwankungen<br />

unterworfen sein kann. Nach einer Ruheperiode folgt also<br />

aller Wahrscheinlichkeit nach wenigstens ein Jahr mit einer vielfach<br />

reichlicheren Blütenentwicklung. - Als Beispiel davon, dass die<br />

Fertilität auch bei anderen grasartigen Pflanzen in hohem Masse<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 3


24 Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

variieren kann, sei erwälint, dass Carex firma im J. 1936 in den<br />

Bayerischen Alpen in allen ihren Siedlungen sehr spärlich, im J. 1937<br />

dagegen überall reichlich blühte.<br />

F1 o r a t i 0 n. Im J. 1931 befand sich die Art am 3. IX. auf<br />

den Flechtenheiden erst im Aufblühen. Im oberen Teil der subalpinen<br />

Region begann das Blühen beim Geologenlager des Kammikivitunturi<br />

am 24. VIII.<br />

Im J. 1933 war das Blühen auf den Flechtenheiden schon aln<br />

8. VIII. im Beginnen und in den an Südhängen gelegenen Siedlungen<br />

aln 12. VIII. im Ausklingen. In der Geranium silvalicum - Trolliiis-<br />

Wiese war die Art am 8. VIII. noch nicht in Blüte (am 23. VIIL<br />

ausgeblüht), desgleichen noch nicht am 18. VIII. in der Lijcopodiiim<br />

alpinum - Solidago - Descliampsia flexuosa-lleidewiese. - In den<br />

subalpinen Birkenwäldern l)lühte die Art im allgemeinen zwischen<br />

26. VII. und 11. VIIL, in den letzten Waldungen an der Grenze<br />

der baumlosen Region hatte das Blühen aber am 8. VIII. noch<br />

nicht begonnen und trat also später ein als in den alpinen Flechtenheiden<br />

(vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 36).<br />

Samenreife. Aus den Blütezeiten geht schon deutlich<br />

hervor, dass die Samenentwicklung in sehr hohem Masse von den<br />

"Witterungsverhältnissen der einzelnen Vegetationsperioden abhängig<br />

ist. In den ungünstigsten Jahren kann die Art im Gebiet wahrscheinlich<br />

gar keine reifen Samen erzeugen. Im J. 1933, als die Art verhältnismässig<br />

früh ins Blühen kam, waren die Früchte sogar auf den<br />

Flechtenheiden und Wiesen noch am 4.- 5. IX. ganz klein und<br />

die Halme grün. Die Keimungsversuche ergaben jedoch, dass ein<br />

kleiner Teil der Samen schon keimungsfähig war - jedenfalls nach<br />

statlgefundener Nachreifung in Papiertüten bei Zimmertemperatur.<br />

An den vorjährigen Blütenständen in der Myrlilliis -Heide hatten<br />

sich keine Früchte entwickelt, sondern die Art war bereits mitten<br />

im Aufblühen vom Winter überrascht worden. Aus den Keim-<br />

Ii ngsbeobach tungen ist jedoch zu schliessen, dass die Besamung<br />

in allen Jahren im Gebiet nicht ganz gleich schwach bleibt, sondern<br />

dass keimungsfähige Samen in den besten Sommern offenbar ziemlich<br />

allgemein entstehen.<br />

In Ellesmereland haben die Beobachtungen SIMMONS' (1906,<br />

S. 176) zu dem Ergebnis geführt, dass die Art dort selten blüht und<br />

dass reife Früchte nur sehr selten gebildet werden, denn im sehr


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 25<br />

gii)istigen Jahr 1899 waren die Blütenstäncle Anfang August erst<br />

im Hervorl)rechen und audi keine überjährigen waren zu finden,<br />

(Vgl. auch SIMMONS 1909, S. 105 über die systemaüsclie Stelhing<br />

der Art.) KONTUNIEMI (1932, S. 36) hat in der subalpinen Region<br />

am 29. VIII. 1930 reife Früchte festgestellt.<br />

Die Anzahl der Blüten am Spross war im J. 1931 in<br />

einer Schneeboden wiese 12, 19, 20, 24, 27, 28, 28, 29, 31, 32, 38, 38,<br />

46, 54 und 60, durchschn. 32.4, in der Geranium silvaticiim-Trollius-<br />

Wiese 18, 19, 20, 24, 28, 32, 33, 31, 34, 36, 38, 42, 50, 52 und 60, durchschn.<br />

34.7 und in der artenreichen Carex rigida -Wiese 21, 32, 34, 34,<br />

34, 37, 43, 44, 48, 48, 53, 66, 67, 70 und 82, durchschn. 47.5 Stück.<br />

Die Ährchen waren in der Regel zweiblütig, nur in Ausnahmefällen<br />

war die eine Blüte verkümmert. In der letztgenannten Probe (vom<br />

Pilguoaivi) trugen jedoch 4 Blütenstände insgesamt 45 dreiblütige<br />

Ahrchen mit normal entwickelten zwittrigen Blüten. In der Literatur<br />

habe ich keine Angaben über solche Fälle bei der Art finden können.<br />

- Nach EKLUND (1929, S. 15) trug die Art in Antrea (Karelia australis)<br />

durchschn. 52.7 Ährchen (also nicht Blüten) in der Rispe.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Von den 20 am 4. IX. 1933 von der Geranium silvaiicum - Trollius-<br />

Wiese eingesammelten Blütenständen wurden - weil die Entwicklung<br />

der Samen so weit nachgeblieben war, dass man überhaupt keine<br />

vollentwickelten auswählen konnte - alle Ährchcn abgetrennt und<br />

am 28. IX. 1933 im Freien in einen Saatkasten mit Gartenerde ausgestreut.<br />

Im gleichen Herbst bis zum 8. XI. kamen 30 Samen zur<br />

Keimung (alle keimten in der ersten Versuchswoche) und im folgenden<br />

Frühjahr bis zum 14. V. noch einige weitere. Die Keimlinge<br />

waren alle völlig lebenskräftig. Das Resultat gibt also zur Hand, dass<br />

die Samen schon auf einem verhältnismässig frühen Stadium keimungsfähig<br />

sind.<br />

Die K e i m u n g der S a men i n der Nat u r scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 23. VII. 1933<br />

jüngere Keimlinge auf dem Salix /terftacc«-Schneeboden). Eine<br />

Herbstkeinuing vor der Überwinterung kann wegen der späten<br />

Samenreife in der Natur wenigstens allgemeiner kaum in Frage<br />

kommen, nach dem Keimungsversuch zu schliessen dürfte sie indes<br />

in günstigen Jahren wohl möglich sein (vgl. auch SÖYKINKI 1938,<br />

S. 171).


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s c. Obwohl die Besamung der<br />

Art oft mehr oder minder unsicher ist, habe ich an mehreren Beobachtungsstellen<br />

Samenkeimlinge angetroffen, in der Regel jedoch<br />

nur spärlich. In der Lijcopodiiirn alpiniim - Solidago - Descbampsia<br />

flexuosa-Heidewiese wurden auf 5x0.25 m^ insgesamt 8 ältere<br />

Keimlinge gefunden und in der Geranium silvaticum - TroUiiis-<br />

Wiese auf 4x0.i m^ 1 junger und 13 ältere. In der Mijrtilliis -Heide<br />

waren nur 1 bis 2 Keimlinge auf 1 m^ und im Betula nana -Gebüsch<br />

auf den untersuchten 4x0.25 m^ überhaupt keine zu finden. Auf<br />

der Cetraria nivalis -Heide habe ich einigemal ziemlich reichlich<br />

Keimlinge auf dem nacktem Boden der Erosionsfleckchen beobachtet;<br />

mehrere waren tot - wahrscheinlich vertrocknet. Auf den<br />

Salix herbacea -Schneeböden wurden Samenkeimlinge auf den Probeflächen<br />

regelmässig, im besten Fall 13 Stück auf einem Quadratmeter<br />

angetroffen, obwohl die Art immer nur äusserst spärlich<br />

fertil war. An einem W-Felshang am Kammikivitunturi erhielt<br />

ich als Keimlingsquotienten 5, an einigen anderen Felsenstandorten<br />

wiederum habe ich vergebens nach Keimlingen gesucht. Ein paarmal<br />

habe ich einen durch Besamung aus der Umgebung entstandenen<br />

jüngeren Keimling an einem Bachuferstandort gefunden, wo die<br />

Art sonst nicht vorkam.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder weniger begrenzt, - KUJALA (1926 a, S. 62)<br />

hat festgestellt, dass die Keimpflanzen der Art in der geschlossenen<br />

Waldvegetation in Süd- und Mittelfinnland wegen der schwachen<br />

Fertilität der Art äusserst spärlich sind. In einer Lichtung hat er<br />

einmal reichlich Keimlinge angetroffen; auf trocknem Heideboden<br />

sind sie oft auf Viehmist vorgekommen. Nach KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 36 - 37) ist die fruktifikative Vermehrung in den subalpinen<br />

Birkenwäldern wahrscheinlich gering.<br />

Das blüh reif e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat bekanntlich<br />

ein kriechendes Rhizom, mit dessem Hilfe sie an ihrem Standort<br />

weiterwächst, während die älteren Sprossteile allmählich absterben.<br />

Die Internodien des Hhizoms sind ziemlich kurz, in der Lycopodium<br />

alpiniim - Solidago - Deschampsia flexiiosa-llcidcmesc betrug ihre<br />

Länge bis 4 cm (vgl. KUJALA 1926 a, S. 62).


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 27<br />

Deschampsia atropiirpurea (Wg) Sclieele<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlicli häufig; man findet sie in den Heidewiesen (in der Deschampsia<br />

atropiirpurea-Tcichcn Carex / ij/ir/rt - C. Lac/jena/ii-Heidewiese fqq<br />

und cpp, in den übrigen Typen st fq und sp), den verhältnismässig<br />

spät ausapernden Krautwiesen (st fq, sp), auf den weniger extremen<br />

Schneeböden (st fq, pc - sp) und an den Bachufern (p, sp).<br />

Die H 0 h e der Individuen betrug im J. 1933 in der Lycopodium<br />

alpinum - Solidago - Deschampsia flexiiosa -Heidewiese durchschn.<br />

23 (10-30) cm und in der Carex rigida-C. Lachenalii-Heidewiese<br />

ebenso 23 (17-35) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

mehr oder minder reichlich, nur auf den Schneeböden kann man<br />

sie gelegentlicli steril vorfinden. Die Zahl der fertilen Sprosse<br />

war in der Deschampsia atropiirpurea -reichen Carex rigida -<br />

C. Lachenalii-Wiese 100 und 125 auf 1 m^.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 begann das Blühen auf einer schattigen<br />

Wiese am 23. VII. und auf dem Salix herbacea-Schneehoden<br />

am 11. VIII. Auf einem um den 7. Juli ausgeaperten Schneeboden<br />

waren die Blütenrispen am 9. VIII. im Hervorbrechen und das<br />

Blühen begann am 25. VHI. In der Carex rigida-C. Lachenalii-<br />

Heidewiese am Rande der Schneeböden war die Art am 2. IX.<br />

soeben ausgeblüht..<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Samen in der Deschampsia<br />

atropiirpurea -reichen Carex rigida - C. Lachenalii -Wiese am<br />

28. VIII. reif und der Halm hatte bereits zu vergilben begonnen.<br />

Im .1. 1933 waren die Früchte an den offenen Bachufern schon<br />

am 8. VHI. reif. Auf den schattigen Wiesen hatte die Samenstreuung<br />

am 29. VHI. begonnen und die Halme waren vergilbt. In der<br />

Rammciiliis acer-Wiese wurden am 2. IX. reife Früchte festgestellt;<br />

im vorhergehenden Sommer war die Entwicklung der Art in der<br />

Siedlung nicht so weit gekommen, denn in den am 4. VH. 1933<br />

eingesammelten vorjährigen Blütenständen hatten sich keine Samen<br />

gebildet, sondern die Art war gerade im Aufblühen vom Schnee<br />

bedeckt worden. Das gleiclie war der Fall auch an den übrigen<br />

späteren Standorten. So hatten sich die vorjährigen Halme auf<br />

dem um den 7. Juli ausgeaperten Schneeboden teilweise ganz grün


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

erhalten, und das Blühen hatte noch gar nicht begonnen, als die<br />

Pflanze den Herbstfrösten zum Opfer gefallen war. Die Samenreife<br />

ist also jedenfalls an den späteren Standorten in hohem Masse von<br />

den Witterungsverhältnissen der einzelnen Jahre abhängig, obgleich<br />

sie an den günstigsten Stellen wenigstens normal mit grosser Sicherheit<br />

erreicht werden kann.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 etwa 37 Tage.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

im J. 1931 in der Descliampsia alropurpiirea-reichen Carex rigida-<br />

C. Lachenalii -Wiese (die halbentwickelten und unentwickelten<br />

in Klammern) 27 (+ 13 -r 31), 33 (+ 11 + 20), 39 (+ 16 + 16),<br />

41 (+ 18 + 20), 42 (-f 6 + 15), 42 (+ 15 + 46), 43 (+ 6 + 4),<br />

45 (+ 19 + 12), 46 (+ 17 + 24) und 53 (+ 28 + 11), durchschn.<br />

41.1 (+14.9 + 19.9). Von den unentwickelten waren die meisten<br />

ungeöffnete Blüten, ein Teil wieder hatte zwar geblüht, aber sich<br />

nicht weiter entwickelt.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 28. VIII. 1931 in der Deschampsia atropurpurea -reichen<br />

Carex rigida — C. Lachenalii -Wiese eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten nach Frostbehandlung zu 86 % und ohne Frostbehandlung<br />

zu 82 % und die halbcntwickelten zu 29 % im JACOB-<br />

SENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 1. Tage ein<br />

und dauerte 5 (ohne Frostbehandlung 4) Wochen; die überwiegende<br />

Mehrzahl der Samen keimte in der 1. und 2. Woche.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 15. VII.<br />

1933 jüngere Keimlinge). Ein Teil der Samen keimt aber offenbar<br />

erst später im Laufe der Vegetationsperiode, denn Ende August<br />

befanden sich unter den normal entwickelten zweiblättrigen Keimlingen<br />

auch etwas jüngere, die nur mit einem Blatt versehen waren.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge kommen an<br />

den Standorten der Art ziemlich regelmässig und oft auch verhältnismässig<br />

reichlich vor. Am zahlreichsten findet man sie an relativ<br />

früh ausapernden Stellen, die doch während der Vegetationsperiode<br />

mässig feucht bleiben, wie z.B. die frischgründigen Krautwiesen<br />

am Rande der Schneeböden; auf einer solchen Wiese habe ich den<br />

Keimlingsquotienten zu 5 gefunden. In der Deschampsia alropiir-


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 29<br />

piirca -reichen Carex rigida - C. Lachenalii -Wiese wurden auf<br />

2x0.1 m2 insgesamt 20 jüngere und 20 ältere Keimlinge (100 und<br />

125 fertile Sprosse auf 1 m^) und in einer Siedlung der Lijcopodiiim<br />

alpinum - Solidago - Deschampsia f lexiio s a-Heidcwicsc 5 jüngere<br />

und 1 älterer Keimling auf 2x0.25 m^ gefunden (2 und 6 fertile<br />

Sprosse auf 1 m^). An den Schneebodenstandorten habe ich einzelne<br />

Keimlinge angetroffen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet kleine,<br />

lose Rasen. Die Ausläufer des Rhizoms sind sehr kurz (unter 1 cm),<br />

und eine vegetative Wanderung ist also nicht möglich, die reichlich<br />

wurzelnden Sprosse können aber offenbar selbständig ihr Leben<br />

fortsetzen, wenn sie aus irgend einem Grunde ihre Verbindung mit<br />

der Mutterpflanze verloren haben.<br />

Trisetiim spicatiim (L.) Rieht.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie auf den mehr oder<br />

minder spät ausapernden Schneeböden (p, pc - st cp), an schattigen<br />

Felshängen (st r, sp) und auf spät ausapernden Wiesen am<br />

Rande der Schneeböden (r, sp — st cp).<br />

Fundorte. Pilguoaivi: Schneeboden im Bachbett am N-Hang<br />

(pc), Schneeboden am E-Hang (sp); Kiergipori: Scimeeboden an<br />

einem Bachufer (pc), Talschlucht am N-Hang an der Waldgrenze<br />

(sp); Rahpesoaivi: Felsschlucht auf dem Fjeld (sp), Schneeboden am<br />

Fusse des SE-Hangs (pc); N-Felshang am Vilgiskveljoki-Fluss (sp);<br />

N-Felshatig in einer Talschlucht zwischen dem Rahpesoaivi und dem<br />

Vilgiskoddeoaivi (sp); Schneeboden am Bachufcr am E-Ende des<br />

Sees Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi; Vilgiskoddeoaivi: auf den Schneeböden<br />

und spät ausapernden Wiesen am NE- und E-Hang zerstreut,<br />

N-Hang an der SE-Seite des Fjeldes (sj)); Schneeboden an einem<br />

See E vom Kuorbgas am oberen Lauf des Selvakkajoki (st pc). - Im<br />

westlichen Teil des Gebietes ist die Art nicht angetroffen worden.


30 A'. Söyrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die H ö h e dor Individuen betrug im J. 1933 auf einem Schneeboden<br />

durchschn. 22 (15-28) cm (vgl. KJELLMAN 1874, S. 42;<br />

KRUUSE 1906, S. 278; OSTENFELD 1923 b, 232; SORENSEN 1933,<br />

S. 157).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig reichlich oder ziemlich<br />

reichlich an allen Standorten.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen begann im J. 1933 auf den Schneeböden<br />

am 21. VII. und war an den frühesten Stellen am 12. VIII.<br />

schon beendet. An den am spätesten ausapernclen Standorten waren<br />

die Blütenstände am 9. VIII. erst im Hervorbrechen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art auf einem Schneeboden<br />

am 1. IX. reife Früclite und der Halm hatte bereits zu vergill)en<br />

begonnen. - Im J. 1933 waren die Samen in der TroUiiis -<br />

Polygonum viuiparum -VJicse am 30. VIII. reif und die Pflanze war<br />

beinahe ganz vergilbt. Auf einem verhältnismässig früh ausapernden<br />

Schneeboden hatte die Samenstreuung am 4. IX. begonnen. In<br />

allen Jahren geht die Entwicklung aber nicht gleich günstig vor sich,<br />

denn in den vorjälirigen Blütenständen an der letztgenannten Stelle<br />

hatten die Blüten sich gar nicht geöffnet und ein Teil der Rispen<br />

war sogar halb in der Scheide zurückgeblieben, wie ich am 21. VII.<br />

feststellen konnte (vgl. RESVOLL 1917, S. 104). In den ungünstigsten<br />

Sommern wird die Samenreife also offenbar höchstens an den<br />

allerfrühesten Standorten erreicht.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 etwa 40 Tage (vgl. CLEVE 1901, S. 56).<br />

Nach ANDERSSON und HESSELMAN (1900, S. 76) ist es sehr zweifelhaft,<br />

ob die Art auf Spitzbergen reife Früchte erzeugen kann.<br />

In Ostgrönland hat KRUUSE (1906, S. 278) in Angmagsalik reichlich<br />

reife Früchte beobachtet, so auch PORSILD (1920 b, S. 38) auf<br />

der Insel Disko in Westgrönland. In Ostgrönland zwischen 71° und<br />

73°30' N waren die Früchte nach SORENSEN (1933, S. 157) Mitte<br />

August noch nicht reif, und GELTING (1934, S. 214) hat zwischen<br />

73°15' und 76°20' N keine wirklich reifen Samen beobachtet. An der<br />

Nordküste Grönlands fand OSTENFELD (1923 b, S. 232) im Sommer<br />

1917 vorjährige Blütenrispen mit festsitzenden Früchten. Auf<br />

Novaja Semlja entwickelt sich die Art nach LYNGE (1923, S. 127)<br />

spät; Angaben über die Blütezeiten oder die Samenreife teilt er<br />

nicht mit.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 14. N:o 1. 31<br />

Samen m eng e. Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

im J. 1931 auf einem Schneeboden (die halbentwickclten und unentwickelten<br />

in Klammern) 20 (+ 15 + 53), 35 (+ 8 + 17),<br />

40 (+ 21 + 23), 48 (+ 3 + 23), 49 (+ 21 + 9), 53 (+ 5 + 44),<br />

57 (+ 10 + 18), 57 (+ 11 +20),68(+ 17 + 13) und 72 (+21 + 14),<br />

durchschn. 49.9 (+ 13.2 + 23.4). Die unentwickelten waren zum<br />

Teil ungeöffnete Blüten, zum Teil solche, die sich zwar geöffnet,<br />

aber nicht weiterentwickelt hatten.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 1. IX. 1931 vom Schneeboden eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten sowohl nach als ohne Frostbehandlung<br />

zu 99 % und die halbentwickelten zu 04 % im JACOiiSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 4. Tage ein und schloss<br />

in der 2. Woche ab.<br />

Die K e i m 11 n g der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 21. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf einem Schneeboden).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art regelmässig und bisweilen auch ziemlich reichlich vor, denn<br />

die Samen kommen doch meistens zur Reife und auch die Standortsverhältnisse<br />

sind für die Keimung recht günstig. Auf ein paar<br />

ziemlich spät ausa])ernden Schneeboden erhielt ich als Keimlingsquotienten<br />

0.1 und an einem schattigen, schneebodenartigen Felshang<br />

3; an der letztgenannten Stelle bildeten Drepanodadus undnatus<br />

und die Lebermoose eine beinahe geschlossene Moosdecke.<br />

In der T rollins — Polygonum viviparuni-Vliese wurden in einer<br />

Siedlung auf 3 x O.i m^ insgesamt 4 jüngere und 4 ältere Keimlinge<br />

gefunden (12, 7 bzw. ü fertile Sprosse auf 1 m^).<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung sind<br />

im Gebiet verhältnismässig günstig.<br />

Das blühreife Stadium wird nach mehreren (wenigstens<br />

3) Jahren erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet ziemlich<br />

kleine, dichte Rasen. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen;<br />

da die Sprosse aber reichlich wurzeln (vgl. GELTING 1934, S. 214),<br />

können sie wahrscheinlich nach eventueller Ablösung von der Mutterpflanze<br />

selbständig weiterleben. - Nach RESVOLL (1917, S. 105)<br />

hat die Art keine vegetative Vermehrung.


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Molinia coenilea (L.) Moencli<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; man findet sie auf den Bachuferwiesen an der unteren<br />

Grenze der alpinen Region (r, pc).<br />

Fundorte. Onkitunturi: an einer Stelle am E-Hang des Rieppetshohki.<br />

Nach KALLIOLA (1932, S. 100) im Tal zwischen den Kjelden<br />

Keskitunturi und Kaulatunturi, desgleichen in der Felsschlucht<br />

am Kotseijoki-Fluss. - In Laanila (Lapponia inarensis) wuchs die<br />

Art ziemlich reichlich am N-Hang des Kiilopää an den Bachufern<br />

bei der Birkengrenze und auch auf einer spät ausapernden feuchten<br />

Wiese etwas höher hinauf.<br />

Fertilität. Die Art hatte im J. 1933 am Onkitunturi ziemlich<br />

reichlich fertile Sprosse, so auch an den Beobachtungsstellen<br />

in Laanila.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 in den subalpinen<br />

Birkenwäldern an den Bachufern am U. VIII. stellenweise im<br />

Beginnen, stellenweise im vollen Gang und am 15. VIII. im Ausklingen.<br />

- In Laanila befand sich die Art am 5. VIII. 1933 in der<br />

Waldregion im Aufblühen und auf dem Kiilopää in der Knospe.<br />

K e i m I i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge waren an<br />

der Beobachtungsstelle am Onkitunturi nicht zu finden. Die Möglichkeiten<br />

der Art zur generativen Vermehrung im Gebiet dürften wohl<br />

auch ziemlich gering sein.<br />

Vegetative Ver m e h r u n g. Die Art bildet aus einem<br />

langsam fortschreitenden Rhizom mit ganz kurzen Internodien<br />

kleine, feste Rasen (vgl. RAUNKIAER 1895-99, S. 579-581;<br />

BRUNDIN 1898, S. 46-17; XMETSÄVAIXIO 1931, S. 75-81). Die<br />

wurzelnden Sprosse können wahrscheinlich auch selbständig werden.<br />

Phippsia algida (Seland.) R. Br.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie auf den Schneeböden<br />

(p, st pc - st cp) an spät ausapernden, weichgründigen und oft<br />

durch langsam fliessendes oder sickerndes Wasser die ganze Vegetationsperiode<br />

hindurch nass gehaltenen Stellen (vgl. KONTUNIEMI<br />

und SÖYIIINKI 1932).


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 14. N:o 1.<br />

Fundorte. Pilguoaivi(njunnc), am NE-Hang au der SE-Seite<br />

des Fjeldes etwas oberhalb der Waldgrenze; Ralipesoaivi, in der<br />

Felsschlucht oben auf dem Fjeld; zwischen Saarijärvi (Stuor Vilgiskoddejaur)<br />

und Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi am SW- und NW-Ufer<br />

eines kleinen Sees; am S-Ufer des Sees Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi;<br />

Vilgiskoddeoaivi (Illemoaivi); am Fusse des NE-Hangs zusammen<br />

mit Deschampsia alpina, am E-Hang an zwei Stellen; Kuorbgas<br />

(Palopää): unter dem E-Hang in der Felsschlucht mit perennierendem<br />

Schnee, etwas südwestlich von der vorgenannten Stelle am<br />

Ufer eines kleinen Sees, an der NE- und N-Seite des Gipfels; am<br />

Bachufer zwischen dem Kuorbgas und dem nördlich davon gelegenen<br />

Fjeld (Pohjoinen Kuorbgas).<br />

Die Länge der am Boden wachsenden Sprosse misst gewöhnlich<br />

nur wenige Zentimeter; an einem Quellenbach betrug sie jedocli<br />

10 cm und die Breite der grössten Individuen belief sich auf 19 cm<br />

(vgl. FEIES 1869 a, S. 142- 143; FEILDEN 1898, S. 431; KRUUSE<br />

1905, S. 200 und 1906, S. 278; SORENSEN 1933, S. 141).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel an allen ihren Standorten<br />

sehr reichlich.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Die Art kommt nach ihrer Befreiung vom Schnee<br />

sehr rasch in Blüte. Diese Eigenschaft ist für sie auch dringend<br />

nötig, weil die Firnmassen oft bis weit in den Sommer hinein an<br />

den Standorten liegen bleiben, so besonders nach schneereichen<br />

Wintern. Als Beispiel davon, wie gross die Unterschiede in der<br />

Entwicklung der Art auch an derselben Stelle iu den verschiedenen<br />

Jahren sein können, sei erwähnt, dass ein Standort, an dem die<br />

Pflanze am 26. VII. 1931 mit reifen Früchten gefunden wurde, am<br />

5. VII. 1933 noch von einer etwa 5 m dicken Firnmasse bedeckt<br />

war; am 24. VII. war der Schnee soeben weggeschmolzen, von der<br />

Pflanze konnte man aber erst nur einige grüne Blätter nebst vorjährigen<br />

Sprossen finden.<br />

Im J. 1933 blühte die Art (üso wegen der inächtigen Firnmassen<br />

im allgemeinen verhältnismässig spät; an den frühesten Standorten<br />

war sie am 17. VII. im Aufblühen. In einer Siedlung, die am 7. VII.<br />

noch von einer Schneekruste bedeckt war, befand sich die Pflanze<br />

am 23. VII. schon allgemein in der Blüte. Die Präflorationszeit<br />

betrug also etwa (


31 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

in Ostgrönland etwa 10 Tage (GELTING 1931, S. 195) gefunden<br />

worden.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte kommen augenscheinlich selljst<br />

an den allerspätesten Standorten in der Regel zur Reife. - Im J. 1931<br />

wurden schon am 26. VII. reife Samen beobachtet (s. oben),<br />

und am 1. IX. waren die Früchte an der Stelle in grossen Zügen<br />

ausgestreut und die Pflanze selbst schon vergilbt, - Im J. 1933<br />

hatte die Samenstreuung am 8. VIII. an den frühesten Standorten<br />

begonnen. In der Siedlung, die am 7. VII. noch unter einer Firnkruste<br />

lag, waren die Samen am 9. VIII. reif, und am 13. VIII.<br />

hatte die Ausstreuung begonnen.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

also im J. 1933 etwa 22 Tage. Die ganze Vegetationsperiode von der<br />

Ausaperung bis zur Samenstreuung dauerte etwa «]) 37 Tage.<br />

Auf Spitzbergen ist die Fruchtbildung besonders reich und<br />

gleiclimässig (ANDEESSON und HESSELMAN 1900, S. 73), und völlig<br />

reife Früchte sind wenigstens von Anfang August bis September<br />

zu finden. In Ellesmereland hat SIMMONS (1906, S. 171) schon im<br />

Juli reife Samen beobachtet. In Ostgrönland hat KRUUSE (1906,<br />

S. 278) in Angmagsalik reife Früchte gefunden, desgleichen SOREN-<br />

SEN (1933, S. 141) auf Ymcr Island in 1,000 m Höhe (am 12. VIII.)<br />

und GELTING (1934, S. 195) zwischen 73°15' und 76°20' N. In Nordwestgrönland<br />

(78° N) ])eobachtete OSTENFELD (1925, S. 8) am<br />

15.-16. VII. die Pflanze mit Früchten und Blüten. Auf Novaja<br />

Semlja hat LYNGE (1923, S. 104) völlig reife Früchte am 16. VII. 1921<br />

in Belushii Bay und am 19. VIII. in Pankratyeff Peninsula getroffen.<br />

Samen m enge. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im J. 1931 auf einem Schneeboden auf dem Vilgiskoddeoaivi (unentwickelte<br />

Blüten in Klammern) 9 (+ 4), 11 (4- 4), 11 (+ 6), 12 (4 3),<br />

13 (+ 4), 13 (+ 4), 15 (+ 3), 15 (+ 9), 18 (+ 11) und 24 (+ 2),<br />

durchschn. 14.i (+ 5.o).<br />

K e i m ung der Sa m e n im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 26. VII. 1931 vom Rahpesoaivi und am 20. VIII. 1931<br />

vom Vilgiskoddeoaivi eingesammelten Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 89 bzw. 98 % und die letzteren ohne Frostbehandlung<br />

zu 97 % im JAcoBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

am 4. Tage ein und dauerte im ersten Frühjahr nahezu 3 Monate;<br />

währeiul dieser Periode keimte ungefähr die Hälfte von den Samen.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toin. 14. N:o 1. 35<br />

Im folgenden Frühjahr (elwa 13 Monate vom Beginn des Versuclies)<br />

setzte die Keimung wieder unmittelbar ein, als die Heizung des<br />

Apparates wiederaufgenommen wurde, und erfolgte gleiciizeitig<br />

schon in der ersten Woche. Die dabei noch übriggebliebenen Samen<br />

waren tot (weich).<br />

Von den am 8. VIII. 1933 eingesammelten und am 28. IX. 1933 im<br />

Freien in einen Saatkasten mit Gartenerde ausgesäten Samen keimten<br />

im gleichen Herbst bis zum 8. XI. 1 % und im folgenden Frühling<br />

bis zum 31. V. noch weitere 11 %; die Bewässerung war augenscheinlich<br />

für die Art unzulänglich gewesen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 26. VIL 1931 waren die<br />

jüngeren Keimlinge schon verhältnismässig weit entwickelt). Vor<br />

Blütebeginn liabe ich jedoch an den Standorten der Art noch keine<br />

diesjährigen Keimlinge beobaclitet. - Nach den Keimungsversuchen<br />

zu schliessen kann die Keimung der Samen desselben Jahrgangs auf<br />

zwei Vegetationsperioden verteilt werden; auch die Möglichkeit der<br />

Herbstkeimung ist nicht ganz ausgeschlossen.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art an meinen Beobachtungsstellen regelmässig und auch<br />

verhältnismässig reichlich gefunden. Der Kcimlingsquotient variiert<br />

zwischen 2 und 10; im Vergleich zu den Samenlnengeii liegen die<br />

Quotienten also recht hoch. Es ist daher möglich, dass die Standortsverhältnisse<br />

sich für die Keimung der Samen sehr günstig<br />

gestalten: der Boden ist gewöhnlich mehr oder minder nackt, weich<br />

und nass. Die Anzahl der Keimlinge scheint zusammen mit dem<br />

Feuchtigkeitsgrad des Standorts zuzunehmen; der höchste Keimlingsquotient<br />

wurde auf dem Vilgiskoddeoaivi iu einer Phippsia<br />

algida -Siedlung festgestellt, die ganz vom langsam fliessenden<br />

Wasser bedeckt war. - RESVOLL (1917, S. 112) hat Samenkeimlinge<br />

der Art aus Norwegen dargestellt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung sind<br />

also im Gebiet recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e S t a d i u m wird erst nach mehreren (wenigstens<br />

3) Jahren erreicht; auch nach RESVOLL (1917, S. 113) ist das<br />

Jugendstadium mehrjährig.Die Angabe RIKLIS(1917, S. 178-179), die<br />

Art sei terophyt (vielleicht z.T. auch ausdauernd), ist irreführend,<br />

denn es handelt sich um eine typische pollakanthische Pflanze.


36 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art biklet kleine,<br />

lockere Rasen. Ein vegetatives Wanclerungsvermögen fehlt ihr<br />

gänzlich, die reichlich wurzelnden Sprosse können aber offenbar<br />

verhältnismässig leicht von der Mutterpflanze abgelöst werden<br />

und selbständig weiterleben.<br />

Melica nutans L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten. Ich bin ihr nur an einer Stelle, und zwar in der Geranium<br />

silvaticum - TroUius -Wiese am Rande einer Vertiefung auf dem<br />

Kiergipori (sp) begegnet; ausserdem erwähnt KALLIOLA (1932,<br />

S. 100) die Art vom Felshang Kotselpahta am Kotseljoki-Fluss.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 in der Geranium<br />

silvaticum - Trollius -Wiese durchschn. 36 (21 - 45) cm (vgl. NOR-<br />

MAN 1895- 1901, S. 590 und KONTUNIEMI 1932, S. 38).<br />

Fertilität. Die Art blühte in der Geranium silvaticum -<br />

Trollius -Wiese in den Jahren 1931 und 1933 ziemlich spärlich.<br />

Fl oration. Die Art befand sich im J. 1933 am 19. VII.<br />

in voller Blüte und war am 25.VII. ausgeblüht (vgl. KONTUNIEMI I.E.).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 wirkten die Früchte am 3. IX.<br />

reif (der Halm war noch beinahe grün). - Im J. 1933 wurde die<br />

Art am 23. VIII. mit vollentwickelten Früchten beobachtet, und<br />

bis zum 4. IX. hatten sich diese schon ganz braun gefärbt. - KONTU-<br />

NIEMI (I.e.) hat in den subalpinen Birkenwäldern am 7. VIII. 1930<br />

reife Früchte angetroffen.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

im J. 1931 (als Mittelwert von 20 Sprossen) 5.5 (+1.5 halbentwickelte<br />

und 0.2 unentwickelte).<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Geranium silvaticum - Trollius-Vliese<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten zu 92 % im<br />

JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung erfolgte in der<br />

2. bis 4. Woche.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. An meiner Beobachtungsstelle<br />

in der Geranium silvaticum - Trollius -Wiese am Kiergipori<br />

habe ich nach einer längeren Suche am 25. VII. 1933 nur 3 Samenkeimlinge<br />

der Art gefunden; es waren Keimlinge des 2. und 3. Jahres.


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 37<br />

Die Art hat also auf jeden Fall Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung an der Stelle. - KUJALA (1926 a, S. 124) hat in den<br />

Lärchenforsten von Raivola Samenkeimlinge der Art gefunden.<br />

In der Felsenvegetation Ladoga-Kareliens waren Keimlinge nach<br />

LINKOLA (1930 b, S. 139) recht selten zu finden, und KONTUNIEMI<br />

(1932, S. 38) hat auf seinen Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern<br />

nur einen Keimhng wahrgenommen.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird erst nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung mit Hilfe des ausläufertreibenden<br />

Rhizoms ist bekanntlich kräftig.<br />

Poa pratensis L. ssp. alpigena (Fr.) Hiit.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man begegnet ihr in den Krautwiesen - besonders<br />

in frischgründigen Siedlungen am Fusse der Schneebodenhänge<br />

- (p, sp), den Heidewiesen (st r, sp), auf den Schneeböden<br />

(st r, sp - st pc), an Bachufern (st r, sp - st pc) und auf Felsblöcken<br />

(p, st cp), bisweilen sogar auf den Flechtenheiden (r, sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich mehr oder minder<br />

spärlich, nur selten ziemlich reichlich; stellenweise kann man sie<br />

auch völlig steril finden.<br />

Fl or a tion. Im J. 1933 befand sich die Art auf den Felsblöcken<br />

und in der Cladonia alpesiris-llculc am 23. VII. im Aufblühen<br />

und am 20. VIT. in voller Blüte und auf einer Wiese am<br />

letztgenannten Tage ebenso in voller Blüte. Auf einem um den<br />

7. Juli ausgeaperten Schneeboden begann das Blühen am 25. VIII.<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 1. IX. 1933 auf der<br />

Cladonia alpesiris -Heide reif und der Halm hatte zu vergilben<br />

begonnen. Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen also<br />

etwa 40 Tage. Nur ein Teil der Samen war vollentwickelt. - Auf<br />

den spätesten Standorten können die Früchte offenbar nur in<br />

allergünstigsten Jahren volle Reife erreichen. An den Felsblöcken<br />

wiederum vertrocknen die Blütenstände oft schon früh im Laufe<br />

der Vegetationsperiode und die Samenbildung bleibt dann völlig aus.<br />

In Ostgrönland hat KRUUSE (1906, S. 280) bei Poa pratensis<br />

in Angmagsalik reife Früchte beobachtet, und nach GELTING (1934,


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

S. 198, P. alpigenä) erzeugt die Art dort zwischen 73°15' und 76°20'<br />

allgemein reife Samen, nur an den trockensten Stellen vertrocknen<br />

die Blütenstände. In Westgrönland bildet die Art auf Disko reichlich<br />

Früchte (PORSILD 1920 b, S. 40). Von Novaja Semlja fehlen Angaben<br />

über die Samenreife (LYNGE 1923, S. 113).<br />

Keimlingsverhältnisse. Die Samenkeimlinge der<br />

Art haben sich im Gebiet als sehr selten erwiesen. Obgleich ich nach<br />

ihnen an mehreren Stellen auf den Felsblöcken und Schneeböden<br />

sowie an den Bachrändern gesucht habe, gelang es mir nur einen<br />

einzigen unbestreitbar der Art zugehörenden jüngeren Keimling<br />

zu finden; es war an einer wiesenartigen Stelle am Rande der Cladonia<br />

alpestris -Heide. Das Fehlen der Keimlinge dürfte wohl seine<br />

Ursache in erster Linie in der spärlichen Besamung haben, denn<br />

wenigstens an einigen Beobachtungsstellen waren die Standortsverhältnisse<br />

für die Samenkeimung augenscheinlich günstig. - Auf<br />

den von LINKOLA (1930 b, S. 139) untersuchten Südbergen in Ladoga-<br />

Karelien hat Poa pratensis keine Samenkeimliiige gehabt.<br />

Die Art hat offenbar nur mehr oder minder schwache Voraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung im Gebiet.<br />

Die vegetative. Vermehrung ist kräftig mit Hilfe<br />

des ausläufertreibenden Rhizoms (vgl. LYNGE 1923, S. 114; GELTING<br />

1934, S. 198).<br />

Poa glauca Valil<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie in den Spalten und an den Absätzen der Felswände<br />

(r, sp - cp), auf den Felsblöcken (r, sp) und in der Geranium<br />

silvaticiim — Trolliiis-Wiese (rr, sp).<br />

Fundorte. Kiergipori, Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese<br />

am Rande einer von Fjeldheiden umgebenen Senke; Pilguoaivi,<br />

Felsblock am SE-Hang; Kuorbgas-Fluss, auf einigen Felsblöcken;<br />

Felsenwand am Kotseljoki-Fluss, auf den Absätzen (cp); Luotnoaivi,<br />

in Felsspalten am NW-Hang (sp). - In der subalpinen Region an einer<br />

Felsenwand am W-Ende des Onkitunturinjärvi-Sees (sp), in der<br />

Erde und im Geröll am Fusse der Wand (st cp). Auch am N-Hang<br />

des Kaskamatunturi bei Pitkäjärvi an einer Felsenwand in der<br />

Kiefernwaldzone beobachtet.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 14. N:o 1. 39<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 wurde die Art am 6. VII. auf dem<br />

Felsblock am SE-Hang des Pilguoaivi mit Blütenständen beobachtet;<br />

in der Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese war die Art am 25. VII.<br />

völlig ausgebildet, das Blühen hatte aber noch nicht begonnen. An<br />

der Felsenwand am Onkitunturinjärvi in der Birkenwaldregion blühte<br />

die Art am 11. VIII.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 war die Samenstreuung am 3. IX.<br />

in der Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese im Beginnen (der<br />

Halm befand sich im Vergilben). - Im J. 1933 hatte die Art auf<br />

dem Felsblock am SE-Hang des Pilguoaivi am 13. VIII. reife Früchte.<br />

Die Samenreife wird also wenigstens in der Regel noch während<br />

der Vegetationsperiode erreicht.<br />

In Ostgrönland hat HARTZ (1895 a, S. 182) bei der Art auf Danmarks<br />

0 reife Früchte beobachtet, so auch KRUUSE (1906, S. 279)<br />

in Angmagsalik; zwischen 71° und 73°30' N in Ostgrönland reifen<br />

die Früchte im August (SORENSEN 1933, S. 145), und auch zwischen<br />

73° 15' und 76°20' N macht die Art reife Samen (GELTING 1934,<br />

S. 209). Auf Disko in Westgrönland fruchtet die Art nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 42) reichlich.<br />

Same n meng e. Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

im J. 1931 in der Geranium siluaticum - Trollius-Wiese (als Mittelwert<br />

von 15 Sprossen) I.7 (+ 11.7 halbentwickelte und unentwickelte).<br />

Die unentwickelten waren z.T. ungeöffnete Blüten,<br />

z.T. solche, die sich zwar geöffnet, aber nicht weiterentwickelt<br />

hatten. - Im J. 1933 lag das Entwicklungsprozent in der vom<br />

Felsblock eingesammelten Probe in grossen Zügen gleich niedrig.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3, IX. 1931 von der Geranium siloaticum - Trollius-Wiese<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen (25 Stück) keimten zu<br />

68 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

am 4. Tage ein und schloss in der 4. Woche ab. Der Rest der Samen<br />

war tot (weich).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Nach Samenkeimlingen der<br />

Art habe ich auf dem Felsblock am SE-Hang des Pilguoaivi gesucht,<br />

doch ohne Erfolg. Auch in der Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese<br />

am Kiergipori wurden keine Samenkeimlinge auf den untersuchten<br />

4x0.1 m^ gefunden (insgesamt 25 fertile Sprosse auf l m-). In<br />

Pummanki auf der l'ischerlialbinsel iiabe ich dagegen am NE-Hang<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bol. Fenn. Vanuuio, 14, n:o 1. 4


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

des Kuivatuntiiri an einer verwitterten Felsenwand, wo die Art ziemlich<br />

reichlich vorkam, ältere Keimlinge festgestellt, und zwar betrug<br />

liier der Keimlingsquotient O.i. Die Seltenheit der Keimlinge wird<br />

durch die niedrige Entwicklungsfrequenz der Früchte wohl einigermassen<br />

verständlich, doch hätte man etwas höhere Keimlingszahlen<br />

erwarten können, weil ja die Art in der Regel reichlich blüht. -<br />

LINKOLA (1930 b, S. 139) hat in der Felsenvegetation in Ladoga-<br />

Karelien Samenkeimlinge bei der Art gefunden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind augenscheinlich mehr oder minder gering.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet ziemlich<br />

kleine, lockere Rasen. Die länge der Ausläufer beträgt an den<br />

Felsenstandorten höchstens 2 bis 3 cm, in der Geranium silvaticiim -<br />

Trollius -Wiese belief sie sich bis auf 4.5 cm. Auch ein Selbständigwerden<br />

wurzelnder Sprosse dürfte einigermassen möglich sein können.<br />

Poa alpina L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in den Krautwiesen (fq, sp), auf den Schneeböden<br />

(p, pc - sp) und an mehr oder weniger schattigen oder sonnigen<br />

Felshängen (p, st pc - sp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 an einem Schneebodenfelsen<br />

durchschn. 27 (16-43) cm und in der Geranium silvaticum<br />

- Trollius -Wiese 28 (14-41) cm (vgl. NOEMAN 1895 - 1901,<br />

S. 580; KEUTJSE 1906, S. 280; RESVOLL 1917, S. 110; LYNGE 1923,<br />

S. 116).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und sogar an den<br />

spät ausapernden Schneebodenstandorten gewöhnlich ziemlich<br />

reichlich.<br />

F 1 0 r a t i o n. Im J. 1931 hatte das Blühen in der Geranium<br />

silvaiicum - Trollius-Wiese am 11. VII. noch nicht begonnen; am<br />

26. VII. war es im Ausklingen. - Im J. 1933 befand sich die Art<br />

an der vorgenannten Stelle am 12. VII. in voller Blüte. Auf den<br />

Wiesen am Fusse der Schneebodenhänge war sie am 22. VII. im<br />

Aufblühen, und auf den Schneeböden wurde das Blühen dann<br />

durch die ganze Vegetationsperiode bis in den September hinein<br />

fortgesetzt. In einer nach dem 11. Juli ausgeaperten Siedlung der


Annales Botanici vSocietatis Vananio. 'J'oin. 1 1. N:o 1, 41<br />

artenreichen Oxijria digijna -Schneebodengcseilschaft waren die<br />

Blütenstände am 2. IX. ausgebildet, das Blühen hatte aber noch<br />

nicht begonnen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte an einem<br />

W-Felshang am 30. VIII. reif und der Halm hatte zu vergilben<br />

begonnen. - Im J. 1933 hatte die Art in der Geranium silvaticum -<br />

7>oZ/ius-Wiese am 8. VIII. reife Früchte und die Pflanze war in<br />

grossen Zügen vergilbt; am 23. VIII. waren die Halme an der Stelle<br />

schon ganz vertrocknet. In der Trollius - Polygonum viviparum-<br />

Wiese hatte die Samenstreuung am 30. VIII. bereits begonnen<br />

(der Halm war vergilbt). - An den allerspätesten Standorten konnten<br />

es die Samen offenbar nicht vor Ende der Vegetationsperiode zur<br />

Vollreife bringen. So war der Fall auch im Jahr zuvor gewesen,<br />

denn im Vorsommer 1933 fand ich auf den Schneeböden noch ganz<br />

grün gefärbte vorjährige Blütenstände, in denen sich keine Früchte<br />

entwickelt hatten.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 in<br />

der Geranium silvaticum - Trollius -Wiese etwa 27 Tage.<br />

In Ostgrönland hat KKUUSE (1906, S. 280) in Angmagsalik<br />

reichlich reife Früchte beobachtet; zwischen 73°15' und 76°20' N<br />

in Ostgrönland blüht die Art nach GELTING (1934, S. 202 und 204)<br />

spät im August, und es ist nicht sicher, ob die Samen immer zur<br />

Reife kommen können. In Wcstgrönland fruchtet die Art reichlich<br />

auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 41). Von Novaja Semlja liegen keine<br />

Beobachtungen über die Samenreife vor (LYNGE 1923, S. 113).<br />

Same n meng e. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im J. 1931 am W-Fclshang (die halbentwickelten und unentwickelten<br />

in Klammern) 5 (+ 2 + C3), 7 (+6+91), 9 (+ 1 + 37),<br />

9 (+ 3 + 99), 12 (+ 7 + 60), M (+3+50), 18 (+G + 24),<br />

19 (+ 5 + 92), 33 (+ 4 + 55) und 38 (+ 3 + 55), durchschn. 16.4<br />

(+ 4.0 + 62.6). Die unentwickelten waren z.T. ungeöffnete Blüten,<br />

z.T. solche, die sich zwar geöffnet, aber nicht weiter entwickelt<br />

hatten. - In einer im J. 1933 von der Geranium silvaticum - Trollius-<br />

Wiese eingesammelten Probe war die Entwicklungsfreqiicnz ungefähr<br />

die gleiche.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 30. VIII. 1931 vom W-Felshang eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten zu 94 % und die halbentwickelten


i N. Söijrinki, Verniehruiig d. Sanicnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

(39 Stück) zu 46 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die<br />

Keimung setzte ein am 3. Tage und erfolgte in aller Hauptsache<br />

in der 1. Woche; in der 3. Woche schloss sie ab. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren tot (weich).<br />

Während des Versuches wurden 9 Fälle von Polyembryonie festgestellt,<br />

und zwar entstanden dabei aus jedem Samen zwei normal<br />

entwickelte Koleoptilen. In der Literatur habe ich keine Angaben<br />

über ein solches Verhalten bei der Art gefunden.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 22. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf einer Schneebodenwiese).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge sind bei<br />

der Art im Gebiet allgemein, doch nicht besonders reichlich zu<br />

finden. In der Felsenvegetation variierte der Keimlingsquotient<br />

zwischen 0.3 und 3; an sonnigen, verwitterten S- und W-Felscn lag<br />

er in der Regel höher als an schattigen Nordhängen und Schneebodenfelsen.<br />

In der Trollius - Polygonum uiviparum-Wiesa wurden<br />

auf 3x0.1 m^ insgesamt 2 jüngere und 5 ältere Keimlinge gefunden<br />

(2, 8 bzw. 9 fertile Sprosse auf 1 m^), wiederum in der Geranium<br />

silvaticum - Trollius -Wiese, wo die Art nur spärlich vorkam, auf<br />

4x0.1 m^ kein einziger (insgesamt 2 fertile Sprosse auf 4 m'-^). Auf<br />

den übrigen Wiesen iiabe ich vereinzelte Keimlinge auf meinen Probeflächen<br />

angetroffen. An den sehr spät ausapernden Schneebodenstandorten,<br />

wo die Samenreife in vielen Jahren ausbleibt, waren<br />

die Keimlinge sehr selten. - VILBERG (1929, Tab. II, III, IX und X)<br />

hat auf seinen Probeflächen in der Loodvegetation in Estland keine<br />

Keimlinge angetroffen.<br />

Die Art hat günstige Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird erst nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch RESVOLL (1917, S. 108) festgestellt hat.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet kleine,<br />

lockere Rasen. Ein vegetatives Wanderungsvermögen fehlt ihr<br />

gänzlich, und da ilie Sprossgründe wenigstens in der Regel keine<br />

Wurzeln treiben, erscheint auch das Selbständigwerden einzelner<br />

Triebe kaum möglich.<br />

Von der in ihren Blütenständen Keimbulbillen statt der Samen<br />

erzeugenden Form, f. vivipara (L.), habe ich im Gebiet nur 2 Indi-


Annales Botanici Socielatis Vananio. Toni. 11. N:o 1. 43<br />

viduen (2 fertile Sprosse insgesamt) an fenchter Stelle am Fasse<br />

eines Felsliangs auf dem Kammikivitunturi gefunden. Die beiden<br />

Individuen trugen nur wenige Bulbillen, die am 30. VIII. 1931<br />

ziemlich weit entwickelt waren.<br />

Poa rigens liii<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Ge})ict<br />

sehr selten; sie ist nur auf dem Housutunturi an den Absätzen eines<br />

NW-Felshangs und auf dem Salix herbacea -Schneeboden am Fusse<br />

des gleichen Felsens (sp) angetroffen worden (vgl. KALLIOLA 1932,<br />

S. 100).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 durchsclin.<br />

29 (20-47) cm (vgl. KRUUSE 1906, S. 281, Poa cenisia; LYNGE<br />

1923, S. 119, P. arctica; OSTENFELD 1923 b, S. 231, P. arctica).<br />

Fertilität. Die Art blühte im J. 1933 ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war am 21. VIII. 1933 im Beginnen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte gelangen bei der Art an der Stelle<br />

offenbar nur in den günstigsten Sommern zur Reife. Am 21 .VIII. 1933<br />

fand ich vorjährige Blütenstände, in denen sich keine Satnen entwickelt<br />

hatten.<br />

Auf Jan Mayen hat KRUUSE (1902, S. 301, Poa cenisia) die Art<br />

mit alten Früchten angetroffen. In Ostgrönland macht die Art reife<br />

Früchte in Angmagsalik (KRUUSE 1906, S. 281, P. cenisia) und<br />

zwischen 73°15' und 76°20'N (GELTING 1934, S. 207, P. arctica).<br />

In Westgrönland erzeugt die Art nach PORSILB (1920 b, S. 40,<br />

P. arctica) reichlich Früchte auf Disko. Von Novaja Semlja finden<br />

sich keine Beobachtungen über die Samenreifc (LYNGE 1923, S. 113,<br />

P. arctica).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge konnte ich<br />

bei der Art an der Beobachtungsstelle trotz längerem Nachsuchen<br />

nicht finden. Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind also augenscheinlich sehr gering.<br />

Die vegetative Vermehrung ist kräftig mit Hilfe<br />

des ausläufertreibenden Bhizoms. Die Länge der Internodien<br />

betrug auf dem Housutunturi bis 10 cm.


44 N. Söijrinki, Veniiehrung d. Sanieiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Festuca ovina L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in der Dryas -Heide (fqq, st cp - cp), der<br />

Cetraria nivalis - Alecioria -Heide (p, st pc - st cp), der Cetraria nivalis-Heide<br />

- besonders in den Erosionsflecken - (st r, pc-stcp), in<br />

den Kraut- und Heidewiesen (in beiden st fq, pc - sp), den Gebüschen<br />

(r, st pc), auf den Schneeböden - auch in verhältnismässig<br />

spät ausapernden Siedhmgen - (p, pc), an mehr oder weniger<br />

sonnigen Felsen (st fq, st cp - sp) sowie an Bachufern (r, pc).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 in der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria-Weiåe durchschn. 16 (7-24) cm (vgl. KKUUSE<br />

1906, S. 281; LYNGE 1923, S. 108; KONTUNIEMI 1932, S. 37).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Fjeldheiden und den<br />

Felsen gewöhnlich reichlich oder ziemlich reichlich, in den Wiesen<br />

und Gebüschen dagegen zumeist mehr oder minder spärlich. Auch<br />

auf den Schneeböden ist sie oft fertil angetroffen worden.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art auf den Fjeldheiden<br />

am 19.-20. VII. im allgemeinen im Aufblühen; auf einem<br />

spät ausapernden Schneeboden hatte das Blühen am 1. IX. noch<br />

nicht begonnen. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel war die<br />

Art am 4. VIII. in der xeropliilen Dnjas-llekk l)ereits ausgeblüht.<br />

Im J. 1933 war das Blühen in den Fjeldheiden und den Krautwiesen<br />

am 19. VII. im Beginnen, am 23. VII. im vollen Gang und<br />

am 26. VII. im Ausklingen. An einem schattigen Felshang wurde<br />

die Art am 12. VIII. im Anfl)Iülien beol)aclitet (vgl. KONTUNIBMI<br />

1. c.).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte am W-Felshang<br />

am 30. VIII. reif und die Halme z.T. vergilbt. - Im J. 1933 hatte<br />

die Art am 25. VIH. auf der Cetraria nivalis — Alectoria-Heide<br />

reife Samen und der Halm befand sich im Vergilben. - An den<br />

allerspätesten Standorten können die Früchte offenbar höchstens<br />

in den günstigsten Jahren noch vor Abschluss der Vegetationsperiode<br />

volle Reife erreichen.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 in<br />

der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide wohl 37 Tage.<br />

Auf Spitzbergen hat man bei der Art (var. violacea) nicht reife<br />

Samen angetroffen (ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 71). In


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 4. N:o 1. 15<br />

Ostgrönland haben HARTZ (1895 a, S. 182) anf Danmarks 0 und<br />

GELTING (1934, S. 192, var. brevifoliä) zwischen 73° 15' und 76°20' N<br />

reife Früchte gefunden. In Westgrönland erzeugt die Art nach<br />

PoRSiLD (1920 b, S. 45) auf Disko reichlich Früchte. Von Novaja<br />

Senilja fehlen Beobachtungen über das Blühen und die Sarnenreife<br />

(LYNGE 1923, S. 108, var. brevifoliä).<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

im J. 1931 am W-Felshang (als Mittelwert von 20 Sprossen) I.9<br />

(+ 35.1 halbentwickelte und unentwickelte). Die unentwickelten<br />

waren z.T. ungeöffnete Blüten, z.T. solche, die sicii zwar geöffnet,<br />

aber nicht weiter entwickelt hatten. - Nach EKLUND (1929, S. 16)<br />

hatte die Art in Antrca (Karelia australis) 21-22 Ährchen in der<br />

Rispe.<br />

Keim u n g der S a m c n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 30. VIII. 1931 vom W-Felshang eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen (36 Stück) keimten zu 89 % und die halbentwickelten<br />

zu 0 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

setzte am 3. Tage ein und erfolgte hauptsächlich in der 1. Woche;<br />

in der 2. Woche schloss sie ab. Die übriggebliebenen Samen waren<br />

tot (weich).<br />

Von den am 25. VIII. 1933 von der Cetraria nivalis - Aledoria-<br />

1 leide eingesammelten, am 27. IX. 1933 im P'reien in einen Saatkasten<br />

mit Gartenerde ausgesäten vollentwickelten Samen (50 Stück)<br />

keimten 80 % im gleichen Merbst bis zum 8. XI. Die Keimung<br />

begann in der 3. Woche, wo die meisten Samen zur Keimung kamen.<br />

Im folgenden Frühling enstanden (bis zum 31. V.) keine neuen Keimlinge.<br />

Die K e i m u n g der S a m en in der Natur findet<br />

nach meinen Beobachtungen im Anfang der Vegetationsperiode statt<br />

(jüngere Keimlinge am 15. VII. 1933 in den Erosionsfleckchen der<br />

Cetraria nivalis -Weide). Eine Herbstkeimung schon vor der Üi)erwinterung<br />

im Jahr der Samenreife kann im Gebiet offenbar jedenfalls<br />

nicht allgemeiner in Frage kommen, auch wenn sie nach dem<br />

Keimungsversuch zu schliessen wohl möglich erscheint (vgl. SÖY-<br />

RINKI 1938, S. 171).<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge der Art<br />

waren an meinen Beobachtungsstellen ziemlich häufig zu finden.<br />

An den Felshängen variierte der Keimlingsquotient zwischen O.05


64 N. Söijrinki, Verinehruiig d. Sainenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

und O.B; an den sonnigen S- und W-Hängen lag er regelmässig höher<br />

als an den schattigen N-Felsen, wo die Samenreife oft mehr oder<br />

minder unsicher ist. Auf der Drijas -Heide wurden in den moosreichen<br />

Siedlungen durchschn. 6 (0-21) ältere Keimlinge auf<br />

0.1 m^ gefunden (12 Quadrate untersucht). In einer Astragalus<br />

frigidus -reichen Siedlung erhielt ich als Keimlingsquotienten 2.<br />

Die dicke Moosschicht (Hijlocomium splendens, Rhijtidiadelphus<br />

triquetriis, Rhijtidiiim rugosum, Camptothecium nitens u.a.) bedeutet<br />

also für die Keimlinge kein unüberwindliches Hindernis. Bisweilen<br />

habe ich jedoch auch tote Keimlinge beobachtet, die mit ihren<br />

Wurzeln nicht den Mineralboden erreicht hatten.<br />

In den xerophilen Siedlungen der Drijas -Heide hat die Art regelmässig<br />

relativ reichlich Keimlinge gehabt; in einer äusserst windoffenen<br />

Siedlung in Pummanki auf der Fischerhalbinsel war der<br />

Keimlingsquotient 1. Auf der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide,<br />

ebenso in den Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis -Heide, wo<br />

auch nackter Boden reichlich vorhanden ist und die Samen also<br />

leicht zur Keimung kommen können, habe ich Keimlinge ebenfalls<br />

in ziemlich reicher Zahl festgestellt. Die toten Keimlinge, auf<br />

welche man oft an solchen Stellen stösst, erzählen aber von den<br />

Gefahren - vor allem die Trockenheit die dort das Leben der<br />

Pflanzen bedrohen. - Auf den Wiesen, desgleichen an den Bachufern<br />

sind auf meinen Probeflächen einzelne Keimlinge vorgekommen.<br />

Die Art hat günstige Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet.<br />

Die grosse Anzahl der älteren Keimlinge im Vergleich zu den<br />

jüngeren verdient Beachtung. Sie dürfte wohl ihre Erklärung zum<br />

Teil in der Herbstkeinuing haben, wahrscheinlicher aber darin, dass<br />

die Entstehungs- und Erhaltungsmöglichkeiten der Keimlinge in<br />

den verschiedenen Jahren beträchtlich variieren und bestimmte<br />

Altersklassen also lange nicht gleich stark vertreten sind.<br />

KUJALA (1926 a, S. 115) hat bei der Art reichlich Samenkeimlinge<br />

an moosfreien Flecken in den Wäldern Süd- und Mittelfinnlands<br />

festgestellt und LINKOLA (1930 b, S. 139) ziemlich regelmässig<br />

in der Felsenvegetation in Ladoga-Karelien. KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 37) hat auf seinen Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern<br />

keine Keimlinge gefunden, wohl dagegen in der Felsenvegetation<br />

in Pummanki auf der Fischerhalbinsel. - V^IL«P:R(} (1929, Tab. 1 - XI


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 4. N:o 1. 17<br />

und S. 36, 10 und 71) hat auf seinen Probefläclien in der Loodvegetation<br />

Estlands relativ spärlich Keimlinge bei der Art angetroffen.<br />

Das blühreife Stadium wird erst nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet bekanntlich<br />

verhältnismässig dichte Rasen. Die Länge der Ausläufer betrug<br />

in der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide 2 bis 3 ein; das Individuum<br />

greift also an seinem Standort ziemlich rasch um sich, und weil<br />

die einzelnen Sprosse reichlich wurzeln, dürften wohl auch sie<br />

Selbständigkeit erreichen können. - Über die Wanderung der Art<br />

auf Dünenstandorten s. bei RESVOLL (1906, S. 275), GRAEBNEE<br />

(1910, S. 275) und LEMBEEG (1933, S. 123).<br />

Die in den Blütenständen statt Samen Keimbulbillen erzeugende<br />

Form, f. vivipara (L.) Neum., habe ich im Gebiet nicht angetroffen.<br />

Nardiis strida L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie in der Nardiis stricta-<br />

Heidewiese (fqq, cpp) und in den übrigen Heidewiesen (st r, st pc - sp)<br />

sowie an den Bachufern (st r, st pc - st cp).<br />

Fertilität. Die Art blüht an allen Standorten gewöhnlich<br />

ziemlich spärlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich im J. 1933 in der Nardus<br />

strida- Heidewiese am 15. VII. im Aufblühen (die Griffel waren schon<br />

da, die Stäubfäden aber noch in der Blüte eingeschlossen) und in<br />

einer anderen Siedlung in einer lieferen Senke ebenso am 25. VII.<br />

Am Bachufer wurde die Art am 20. Vlll. mit frischen Staul)fäden<br />

beobachtet.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

in der am 3. IX. 1931 von der Nardus strida -Heidewiese eingesammelten<br />

Probe (in Klammern die Summe der unentwickelten<br />

und halbentwickelten) 0 (+ 15), 0 (+ 16), 0 (+ 17), 0 (+ 18),<br />

0 (+ 19), 0 (+ 20), 1 (+ 15), 1 (+ 19), 2 (+ 16) und 3 (+ 19),<br />

durchschn. 0.? (+ 17.4). In der am 4. IX. 1933 eingesammelten<br />

Probe war das Entwicklungsprozent nicht höher.<br />

Auch in den Alpen ist die Samenproduktion bei der Art in<br />

grösseren Höhenlagen sehr schwach; in der Schweiz bildet sie ober-


18 N. Söijrinki, Verinehruiig d. Sainenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

halb 2,550 m offenbar keine Samen mehr (DE COULON 1923, S. 297-;<br />

vgl. BRAUN 1913, S. 26). Nach DE COULON entstehen die Samen,<br />

entweder infolge verkümmerter Staubfäden oder nicht befruchtungsfähigen<br />

Pollens, parthenogenetisch. - In Antrea (Karelia<br />

australis) hatte die Art nach EKLUND (1929, S. IG) durchschn.<br />

14 Früchte in der Ähre.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Wegen der geringen Zahl der volleritwickelten Samen wurde der<br />

Keimungsversuch mit halbentwickelten ausgeführt. Diese, die<br />

am 3. IX. 1931 von der Nardus strida-lleidewicse eingesammelt<br />

waren, keimten zu 6 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Keimungsfähige Samen werden also etwas mehr gebildet, als die<br />

niedrige Anzahl der vollentwickelten erweist. Beim Einsammeln<br />

war die Pflanze noch ganz grün. Die Keimung erfolgte in der 3. bis 8.<br />

Woche.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

habe ich im Gebiet nicht gefunden, obgleich ich nach ihnen in einer<br />

wohlentwickelten Siedlung der Nardus strida -Heidewiese besonders<br />

suchte. Das Fehlen der Keimlinge ist schon auf Grund der<br />

schwachen Besamung leicht verständlich und ausserdem bieten<br />

die Siedlungen dieser Assoziation der Keinmng nur verhältnismässig<br />

wenig Voraussetzungen, weil die aus den abgestorbenen oberirdischen<br />

Teilen und der oft oberflächlichen Wurzelstockmasse der Pflanze<br />

gebildete Streuschicht fest dem Boden anliegt. An den Bachufern,<br />

wo die Art nicht dichte Siedlungen bildet und die Keimungsbedingungen<br />

auch sonst günstiger sind, dürften die Möglichkeiten zur<br />

Entstehung der Keimlinge dagegen etwas grösser sein.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder weniger schwach.<br />

Vegetative Ver m e ii rung. Die Art hat bekanntlich<br />

ein ganz kurzgliedriges Rliizom, mit dessen Hilfe sie langsam am<br />

Standort vorwärtswandert.<br />

Agropijruin mutabile Drobov<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; ich habe sie nur an einer Stelle, und zwar in der Geranium


Aniiales Botaiiici Societatis Vanamo. 'I'oni. 11. N:o 1. 49<br />

silvaticum - Trollius -Wiese (st pc) am Rande einer Senke am<br />

Kiergipori angetroffen.<br />

Fertilität. Im J. 1933 hatte die Art an der Stelle 7 fertile<br />

Sprosse.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen hatte am G. IX. 1933 noch nicht<br />

begonnen, sondern die Stanbfäden sowie die Griffel lagen in den<br />

Blüten eingeschlossen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Sanicnkeimlinge habe ich<br />

bei der Art am Standort nicht gefnnden. Mög'lichkeiten zu ihrer<br />

Entstehung sind auch äusserst wenig vorhanden, weil die Samen<br />

offenbar liöchstens nur sehr selten zur Reife kommen können.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein ziemlich<br />

kurzgliedriges Rhizoni, mit dessen Hilfe sie am Standort weiterwandert.<br />

Cijperaceae<br />

Eriophorum polystachyiim L'.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man begegnet ihr in den Graskrautmooren (fq, st cp - cpp)<br />

und Moorgebüschen (p, sp), an den Fjeldseen und -weihern<br />

(p, cp - cpp) sowie den Bachufern (p, sp) - ja sogar auf den Schneeböden<br />

(st r, pc).<br />

Die Ii 0 h e der Individuen betrug im J. 1933 im Eriophorum<br />

polystachyiim -Moor durchschn. 40 (29-54) cm (vgl. NORMAN 1895-<br />

1901, S. 541).<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blüht gewöhnlich zerstreut oder mehr<br />

oder minder spärlich, seltener reichlich. Im Eriophorum polystachyum-<br />

Moor wurden in einer Siedlung 10, 24 bzw. 33 fertile Sprosse auf<br />

1 m2 gezählt.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich im J. 1933 im Gebiet am<br />

4.-7. VII. ziemlich allgemein in voller Blüte; an den frühesten<br />

Standorten war sie am 4. VII. sciion ausgeblüht. An einem schattigen<br />

Bachufer wurde die Art am 25. VII. in voller Blüte beobachtet,<br />

desgleichen am 14. VIII. in einem Moor am Fusse eines Schneebodenhangs.<br />

- Im J. 1931 hatte das Blühen auf einem spät ausapernden<br />

Schneeboden am 20. VIII. noch nicht begonnen.


50 N. Söijrinki, Verinehruiig d. Sainenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Samenreife. Im J. 1933 waren die Früchte in einer wiesenartigen<br />

Graskrautmoorsiedlung am 9. VIII. reif und die Ausstreuung<br />

hatte begonnen. Im Eriophorum polystachyiim -Moor wurden am<br />

26. VIII. reife Samen beobachtet (die Sprosse im Vertrocknen).<br />

Wenigstens in günstigen Jahren wird die Samenreife also - die<br />

allerspätesten Standorte ausgenommen - allgemein erreicht.<br />

Auf Spitzbergen sind reife Früchte bei der Art (ß triste Th. Fr.)<br />

nicht angetroffen worden (ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 81);<br />

nach ASPLUND (1918, S. 18) wäre es jedoch nicht als unmöglich<br />

anzusehen, dass solche in günstigen Jahren entstehen können. In<br />

Ostgrönland hat SÖEENSEN (1933, S. 129, var. tristis Th. Fr.) zwischen<br />

71° und 73°30' N vom Juliende an reife Früchte beobachtet, und<br />

nach GELTING (1934, S. 181) werden solche auch zwischen 73°15'<br />

und 76°20' N gebildet. In Westgrönland erzeugt die Art reichlich<br />

Früchte auf Disko (PORSILD 1902, S. 167 und 1920 b, S. 74). In<br />

Nordwestgrönland (77° N) hat ÜSTENFELD (1925, S. 7) Früchte<br />

beobachtet. In Ellesmereland blüht die Art vom Ende des Juni<br />

und die Fruchtköpfe erscheinen früh (SIMMONS 1906, S. 153).<br />

Auf Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 99, f. triste Th. Fr.) nur<br />

einige Individuen mit reifen Früchten angetroffen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

nach meinen Beobachtungen im Anfang der Vegetationsperiode<br />

statt (am 18. VII. 1933 jüngere Keimlinge in einer Graskrautmoorsiedlung).<br />

K e i m Ii n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Sainenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art an mehreren Beobachtungsstellen angetroffen, doch<br />

waren sie nicht auf allen Probeflächen zu finden. Der Keimlingsquotient<br />

variierte in den Graskrautinooren gewöhnlich zwischen 1<br />

und 3; an den nassesten Stellen, wo das Grundwasser ganz an der<br />

Oberfläche stand, fehlten indes die Keimlinge oft. So wurde im<br />

Eriophorum polijstachijiim -Moor an einem unterirdischen Quellenbacii,<br />

wo der Boden ganz nass und schwankend weich war, kein<br />

einziger Keimling gefunden, obgleich einige andere Arten in der<br />

Siedlung wohl durch solche vertreten waren. Desgleichen an den<br />

trockensten Standorten, die schon früh mit einer harten Kruste<br />

bedeckt werden und also den Samen nur wenig Gelegenheit zur<br />

Keimung darbieten, habe ich keine Keimlinge angetroffen. An<br />

nackten, feuchten Seeufern sind einzelne Keimlinge beobachtet


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 1 I. X:() 1. 51<br />

worden. - PORSILD (1902, S. IÖ7) erwähnt Samenkeimlinge der Art<br />

von Disko in Westgrönland.<br />

Die Art hat günstige Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung mit Hilfe der waagerechten<br />

unterirdischen Ausläufer ist bekanntlich kräftig. Nach<br />

METSÄVAINIO (1931, S. 90) schwankt die Länge der Ausläufer zwischen<br />

3 und 44.5 cm (vgl. auch RAUNKIAEU 1895 - 99, S. 425 - 426).<br />

Eriopliorum vaginatum L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in den Zwergstrauchmooren (fqq,<br />

sp-stcp) und auf den Moorbülten an den Ufern der Fjeldseen<br />

und -weiher (fq, sp - st cp), desgleichen in den Graskrautmooren<br />

(r, sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht melir oder minder spärlich oder<br />

zerstreut; reichlich blühend ist sie nirgends im Gebiet angetroffen<br />

worden, dagegen an einigen Standorten völlig steril.<br />

F I 0 r a t i 0 n. An den spätesten Stellen wurde die Art am<br />

5. - 8. Vn. 1933 noch in der Blüte festgestellt, obgleich sie sonst<br />

allgemein schon ausgeblüht hatte.<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 18. VH. 1933 in den<br />

Zwergstrauchmooren schon ausgebildet und angebräunt. Die Samenstreuung<br />

wird im allgemeinen frühzeitig vor Ende der Vegetationsperiode<br />

vollendet. - Auf Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 100)<br />

Ende August 1921 in den südlichen Fjorden reife Früchte beobachtet.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 18. VH. 1933<br />

jüngere Keimlinge am Ufer eines Weihers).<br />

K e i m Ii n g s V e r Ii ä 1 t n i s s e. Obgleich die Besamung bei<br />

der Art als Folge des spärlichen Blühens relativ schwach bleiben<br />

muss, sind Samenkeimlinge jedoch in der Regel, wenn auch selbstverständlich<br />

nicht reichlich zu finden. Im Empelrum - Riibus chamae-<br />

/norus-Zwergstrauchmoor wurden in einer Siedlung auf 4x0.26 m'^


52 N. Söljrinki, Vermehrung


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 1 I. X:() 1. 53<br />

ich am Rande einer Phippsia «/(/ü/a-SclineebodengesellscliafL an<br />

den vorjährigen Blütensländen nur halbentwickelte Früchte.<br />

Von Spitzbergen erwähnt EKSTAM (1898, S, 48) reife Früchte;<br />

nach ANDERSSON und HESSELMAN (1900, S. 82) scheinen sie an den<br />

günstigsten Stellen zu reifen. In Ostgrönland hat KRITUSE (1906,<br />

S. 271) im Juli-August in Angmagsalik und S0RENSEN (1933,<br />

S. 133) von Ende Juli zwischen 71° und 73°30'N reife Früchte<br />

beobachtet; GELTING (1934, S. 182) hat solche zwischen 73° 15'<br />

und 76°20' N festgestellt. In Westgrönland erzeugt die Art reife<br />

Früchte nach KRUUSE (1898, S. 388) in Egedesminde und nach<br />

PORSILD (1902, S. 167 und 1920 b, S. 47) reichlich auf Disko. In<br />

Nordwestgrönland (77° N) hat OSTENFELD (1925, S. 7) Früchte<br />

gefunden. In Ellesmereland blüht die Art nach SIMMONS (1906,<br />

S. 150) spät, die Früchte entwickeln sich aber schnell. Auf Novaja<br />

Semlja waren die Früchte in den südlichen Fjorden im J. 1921 in<br />

den letzten Tagen des August (und wahrscheinlicii auch schon früher)<br />

reif (LYNGE 1923, S. 99-100).<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der vollentwickelten Früchte<br />

am Spross betrug im J. 1931 auf dem Schneeboden 115, 122, 125,<br />

158 und 162, durchschn. 136.o (+ wenige halbentwickelte und unentwickelte).<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v c r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 vom Schneeboden eingesammelten Samen<br />

keimten nach Frostbehandlung zu 55 % und ohne Froslbehandlung<br />

zu 41 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

am 5. Tage ein und erfolgte hauptsächlich in der 1. bis 2. Woche;<br />

in der 10. (bei den frostbehandellen schon in der 2.) Woche sciiloss<br />

sie ab. Die übriggebliebenen Samen waren tot (weicli).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 24. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge an einem Bachufer).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s c. Samenkeinilinge waren bei<br />

der Art an meinen Beobachtungsstellen sowohl an den Sceufern<br />

und Bachrändern als auf den Schneeböden in der Regel ziemlich<br />

reichlich zu finden; der Keimlingsquotient variierte zwischen 2 und 5.<br />

Die Standorte sind auch sehr günstig für die Keimung der Samen,<br />

denn der Boden wird gewöhnlich beinahe über die ganze Vegeta-


54 N. Söljrinki, Vermehrung


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 1 I. X:() 1. 55<br />

Scirpus caespitosus L. ssp. austriacus (Palla) A. & G.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie im Scirpus caespitosus-Moor (fqq,<br />

cpp), in den übrigen Graskrautmooren (st r, sp), am Rande feuchter<br />

Felsenflächen (p, st cp) und an Bachufern (p, st cp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich, nur in den<br />

Grossseggenmooren habe ich sie einigemal steril angetroffen. Die<br />

Anzahl der fertilen Sprosse war in einer Siedlung des Scirpus caespito-<br />

sus-MOOTGS 700 bzw. 800 Stück auf 1 m^ (vgl. NORMAN 1895- 1901,<br />

S. 540).<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich am 4. VII. 1933 im allgemeinen<br />

im Ausblühen; an einem N-Felshang wurde sie jedoch<br />

noch in voller Blüte beobachtet.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte aln 25. VIII.<br />

im Gebiet in grossen Zügen ausgestreut. - Im J. 1933 hatte die Art<br />

im Scirpus caespitosus -Moor am 13. VIII. reife Früchte. - In Westgrönland,<br />

auf Disko, erzeugt die Art nach PORSILD (1920 b, S. 48)<br />

reichlich Früchte.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Früchte (Samen) am Spross<br />

betrug im J. 1931 im Scirpus caespitosus-Moor (die unentwickelten<br />

in Klammern) 1 (+ 2), 2. 2, 2 (+ 1), 2 (+ 1), 2 (+ 1), 2 (+ 1), 3. 3<br />

und 3, durchschn. 2.2 (+ 0.«).- Vgl. SIMEON (1928).<br />

K e i m u n g der S a m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 25. VIII. 1931 vom Scirpus caespitosus-Moor eingesammelten<br />

Samen kamen im JACOBSENschen Keinuingsapparat nicht<br />

zur Keimung. Die Samen waren nach 9 Monaten vom Beginn des<br />

Versuches alle und nach IG Monaten noch teilweise lebend (hart).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 21. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge an einem Bachufer).<br />

K e i m l i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

regelmässig an den Standorten der Art vor. Der Keimlingsquotient<br />

variierte an meinen Beobachtungsstellen an den Bachufern zwischen<br />

0.06 und 0.2; im Vergleich zu der Samenmenge waren die Quotienten<br />

also relativ hoch. Im Drepanoctadus intermedius - D. badius -<br />

Scirpus caespitosus-Moor wurden in einer Siedlung auf 2x0.26 m'^<br />

insgesamt 11 jüngere und 71 ältere Keimlinge gefunden (700 bzw.<br />

Ann. Bot, Soc. Zool.-Rot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 5


56 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

800 fertile Sprosse auf 1 m^). Das Grundwasser lag in der Siedlung<br />

ganz an der Oberfläche.<br />

Die Art hat recht günstige Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet bekanntlich<br />

mehr oder minder feste Bülten. Eine Verselbstäntligung der reichlich<br />

wurzelnden Sprosse dürfte ebenfalls möglich erscheinen (vgl. RAUN-<br />

KIAER 1895 - 99, S. 436 und S. 439; METSÄ VAINIO 1931, S. 106 - 112).<br />

Car ex dioeca L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt im<br />

Gei)iet zerstreut vor; man findet sie in den Graskrautmooren - besonders<br />

in eutroplien Siedlungen - (st fq, sp), den Zwergstrauchmooren<br />

(r, st pc) sowie den Moorgebüschen (st r, sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich zerstreut oder ziemlich<br />

spärlich; stellenweise ist sie sogar ganz steril vorgekommen.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 war das Blühen am 8. VII. in den<br />

Graskrautmooren im Ausklingen; im Moorgel)üsch wurde die Art<br />

am 15. VII. in voller Blüte beobachtet. - Im J. 1931 befand sich<br />

die Art auf den Mooren in der subalpinen Region am 6. VII. in voller<br />

Blüte.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 8. VIII. 1933 in einer<br />

eu Irophen Graskrautmoorsiedlung am S-IIang reif. - Im allgemeinen<br />

wird die Samenreife schon früh vor Ende der Vegetationsperiode<br />

erreicht.<br />

Die K e i m ung der Sa m e n i n d e r Natur findet<br />

offenbar hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode statt;<br />

ein Teil der Samen kommt aber erst etwas verspätet zur Keimung,<br />

denn einige von den am 13. VIII. 1933 von mir gefundenen jüngeren<br />

Keimlingen befanden sich noch auf einem relativ frühen Stadium.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Nach Samenkeimlingen der<br />

Art habe ich an drei verschiedenen Beobachtungsstellen gesucht.<br />

An der ersteren, in einem Seggengebüsch, wo die Strauchschicht<br />

aus Betiila nana und Salix glaiica zusammengesetzt war, wurden<br />

keine Keimlinge wahrgenommen. In einer kleinen, wiesenartigen


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 4. N:o 1. 57<br />

üiilroplien Graskrautmoorsicdlung fand ich einen jüngeren nnd<br />

2 ältere Keimlinge (Keimlingsquolient O.i); in der Moosdecke herrschten<br />

Drepanociadiis intermedins, ]). uncinatiis und CAimpiolhccium<br />

trichoides vor. In einer Siedlung des Cnrex rariflora -Moores wurden<br />

wiederum 11 jüngere Keimlinge auf 2x0.25 m^ festgestellt. Die<br />

Siedlung war ganz nass, die dicke Moosschicht war hauptsächlich<br />

von Sphagmun Lindbergii, Drepanociadiis exanniilaliis und Calliergon<br />

sannenlosiim gebildet.<br />

Die Art hat augenscheinlich ziemlich günstige Voraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung im GebieL<br />

Die vegetative Vermehrung ist bekanntlich kräftig<br />

mit Hilfe des ausläuferlreil)en(len Rliizoms (vgl. z.li. RAUNKIAER<br />

1895-99, S. 464; METSÄ VAINIO 1931, S. 187-192).<br />

Carex dioeca L. ssj). parallela (Laest.) Soinf.<br />

Häufigkeit und V o r k o tn ni e n. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie in den eutro])hen<br />

Graskrautmooren - besonders in wiesenartigen, an den Bachläufen<br />

gelegenen Siedlungen - (st fq, sp - cp), auf Zwergslrauchnioorbülten<br />

ininitten der Graskrautmoorsiedlungen (r, st cp) und an<br />

Bachufern (st r, sp - st cp).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich ziemlich reichlich,<br />

seltener spärlicher.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art wurde am 19. VII. 1933 in einer Moorsiedlung<br />

am Ufer eines Fjeldsees noch im Ausblühen beobachtet,<br />

obgleich das Blühen im allgemeinen schon beträchtlich früher abgeschlossen<br />

worden war.<br />

S a m e n r c i f e. Die Früchte waren am sonnigen Bachufer<br />

schon am 21. VII. 1933 ausgewachsen. Anfang Sejjtember waren<br />

die Sprosse in grossen Zügen vergilbt, viele Früchte sassen aber<br />

noch fest in den Ähren. Auch wurden im Sommer 1933 vorjährige<br />

Blütenstände mit unausgestreuten Früchten wahrgenomnu'u. - Der<br />

Brandpilz (Ciniractia caricis coli.) kommt oft in den Blütenständen<br />

vor.<br />

Auf Spitzbergen kommen die Früchte wahrscheinlich zur Reife<br />

(ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 81). In Ostgrönland (73° N)<br />

hat DUSEN (1901, S. 51) am 10. VIII. reife Früchte angetroffen,


58 A\ Süijriiiki, Verniehriiiig d. Sanienpfl. i, d. alpinen Vegetation. II.<br />

«<br />

desgleichen SDRENSEN (1933, S. 117) in den inneren Teilen der<br />

Fjorde zwischen 71° und 73°30' N Ende Juli und Anfang August;<br />

nach GELTING (1934, S. 168) reifen die Früchte zwischen 73°15'<br />

und 76°20' N. Auf Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 95) keine<br />

reifen Früchte festgestellt.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode statt, z.T. erfolgt<br />

sie aber etwas später, denn am 19. VII. 1933 wurden auch einige<br />

vor kurzem entstandene Keimlinge zusammen mit den früher<br />

aufgekeimten gefunden.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Beobachtungen über die<br />

Samenkeimlinge wurden an drei verschiedenen Standorten ausgeführt.<br />

In einer kleinen wiesenarligen Braunmoorsiedlung, wo<br />

die Art nur ziemlich spärlich blühte, konnte ich keine Keimlinge<br />

finden. In einer Siedlung am Bachufer war der Keimlingsquotient O.2;<br />

die meisten Keimlinge kamen ganz an der Wassergrenze vor. An<br />

der dritten Beobachtungsstelle im bültigen Moorkomplex am Ufer<br />

eines Sees war der Quotient 0.5. Die Keimlinge wuchsen an den<br />

nassesten Stellen, wo die Bodenschicht von Calliergon sarmentosum,<br />

Drepanodadus fluitans und D. revolvens gebildet war, dagegen wurden<br />

keine in den Sphagnum-Flecken gefunden, desgleichen auch<br />

nicht in der Polytrichum striciiim -Decke auf den Bülten, wo die<br />

Art sonst ebenfalls vorkam.<br />

Die Art hat offenbar günstige Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung ist kräftig mit Hilfe<br />

des ausläufertreibenden Rhizoms.<br />

Carex pauciflora Lightf.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten, indem sie nur an einer Stelle, und zwar am Hände eines<br />

Moorkomplexes am E-Hang des Pilguoaivi etwas oberhalb der<br />

Waldgrenze (st cp auf etwa 1 m^) angetroffen wurde.<br />

Fertilität. Die Art blühte im J. 1933 an der Stelle ziemlich<br />

reichlich.


Aiinales Botaiiici Societatis Vanamo. Tom. 1 J. N:o 1. 59<br />

F 1 o r a t i o n. In einer Moorsiedlung in der snbalpinen Region<br />

befand sich die Art am 11. VII. 1933 im Ausblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren an der Fundstelle am<br />

Pilguoaivi am 2G. VIII. 1933 reif und lösten sich bei Berührung<br />

leicht ab.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

iln Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (2 fortgeschrittene<br />

jüngere Keimlinge am 26. VIII. 1933).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. An der Fundstelle am Pilguoaivi<br />

wurden 2 jüngere und 5 ältere Keimlinge festgestellt (Keimlingsquotient<br />

0.2). Die meisten Keimlinge kamen in der Calliergon<br />

sarmeniosum -Decke zwischen den Bülten vor, ein paar aber auch<br />

in der Sphagnum-Matte am Fusse der Bülten. - Die Art hat also<br />

tatsächlich Voraussetzungen zur generativen Vermelirung an der<br />

Stelle.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative V e r m e h r u n g findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des kriechenden lAhizoms statt (vgl. z.B. METSÄVAINIO 1931,<br />

S. 183- 187).<br />

Carex capitata Soland.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie auf den Flechtenheiden (st r, pc -<br />

st pc), in der Dnjas -Heide (r, pc) ebenso wie auf den mehr oder<br />

weniger sonnigen Felsen (r, pc).<br />

Fundorte. Pilguoaivi, Cetraria nivalis -Heide am W-Hang<br />

in der Nähe des topographischen Zeichens; Rahpesoaivi, Cladonia<br />

alpestris -Matte am S-Hang der Felsschlucht in der Mitte des<br />

Fjeldes; N-Fels am Ufer des Vilgiskveljoki; Raijoaivi, Cetraria<br />

nivalis-lleklc auf dem Scheitel des Fjeldes; Kammikivitunturi,<br />

/)r//a.s-Heide; Kuorbgas-Fluss, N-Felsenflächen am Ufer; Bieppetshohki<br />

(Onkitunturit), an 4 Stellen auf den Flechtejiheiden und den<br />

Felsen; Jönkiergioaivi, an 3 Stellen auf den Flechtenheiden; Luolnoaivi,<br />

Cladonia alpestris -Heide am NW-Hang. - Pitkäjärvi: Kaskamatunturi,<br />

am N-Felshang an der Kieferiigrenze, desgleichen<br />

an der Baumgrenze; Kalguoaivi (Akanpää), an Cetraria nivalis-


60 N. Söljrinki, Vermehrung


Annales liotanici Societatis Vananio. Toni. M. N:o 1. 61<br />

weiblichen Blüten scheint sich zu ausgebildeten Früchten zu entwickeln.<br />

Man dürfte auch keinen Grund haben, au der Keimfähigkeit<br />

der Samen zu zweifeln.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind an ilireji heutigen Standorten zwar mehr oder minder<br />

gering, in der Wirklichkeit aber in sich offenbar günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadi u m wird nacli mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Art hat ein kriechendes<br />

Hliizoni, aus dem die Sprosse dicht nebeneinander herauswachsen<br />

und mit dessen Hilfe sie langsam am Standort weiterkommt.<br />

CAirex rupestris All.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man liegegnet ihr in der Dryas -I leide (fq, sp - st cp,<br />

in Carex nipeslris-reichen Siedlungen cpp) sowie an mehr oder<br />

weniger sonnigen Felsenflächen und -hängen (p, sp-c()).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Drijas -Heiden gewöhnlich<br />

ziemlich spärlich, in Carex nipeslris -reichen Siedlungen sowie auf<br />

Felsen aiier zerstreut oder sogar ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art wurde im J. 1933 am 4. VII. am N-Felshang<br />

in voller I^lüte beobachtet, an den S-I längen war sie dagegen<br />

schon ausgeblüht. - Im J. 1931 war das Blühen am 9. VII. auf<br />

einem SW-Felsen im Ausklingen.<br />

S a m e n reif e. Die Früchte waren im ,1. 1933 am S-Felshang<br />

am 11. VIII. reif. - Im .7. 1931 waren die Sprosse am SW-Felsen<br />

schon am 13. VIII. unterhalb des Blütenstandes vergilbt; die Samenstreuung<br />

hatte am W-Felshang am 30. VIII. noch nicht begonnen<br />

(die Früchte waren aber reif und der obere Teil des S[)rosses bereits<br />

dürr).<br />

Auf Spitzliergen dürften nach den Angaben ANDERSSON un{l<br />

IIESSELMANS (1900, S. 81) die Früchte reifen. In Ostgrönland<br />

zwischen 71° und 73°3()' N reifen die Früchte im Juli (SOKENSEN 1933,<br />

S. 121); zwischen 73°ir)' und 7G°20' N hat GELTING (1934, S. 171)<br />

reife Früchte angetroffen. In Westgrönland erzeugt die Art reichlich<br />

Früchte auf Disko (PÜRSILD 1920 b, S. 56). Auf Novaja Semlja<br />

beobachtete LYNGE (1923, S. 97) die Art Mitte Juli 1921 in voller


62 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

Blüte in Matotshkin Shar; Angaben über die Samenreife fehlen<br />

jedoch.<br />

Same n meng e. Die Entwicklung der Blüten zu Früchten<br />

ist bei der Art im Gebiet sehr mangelhaft, an vielen Standorten wird<br />

nach meinen Beobachtungen aus den Sommern 1931 und 1933 kaum<br />

ein einziger Samen gebildet, sondern die Blüten verkümmern schon<br />

früh. Am W-Felshang auf dem Kammikivitunturi betrug die<br />

Anzahl der Früchte (Samen) am Spross im J. 1931 (die unentwickelten<br />

in Klammern) 0 (+3), 0 (+3), 0 (+3), 0 (+3), 0 (-f 4),<br />

0 (+ 5), 0 (+ 6), 0 (+ 6), 0 (+ 6), 1 (+ 2), 1 (+ 2), 1 (+ 2), 1 (+ 2),<br />

1 (+ 4), 1 (+ 6), 2 (+ 1), 2 (+ 1), 2 (+ 2), 2 (+ 2) und 4 (+ 2),<br />

durchschn. O.o (+ 3.3); in diesem Fall lag aber das Entwicklungsprozent<br />

ungewöhnlich hoch. In den vom W-Felshang auf dem<br />

Vuoggoaivi sowie vom SE-Felsen am Kuorbgas-Fluss eingesammelten<br />

Blütenständen dagegen waren keine vollentwickelten Früchte<br />

zu finden; die Anzahl der unentwickelten (= der weiblichen Blüten)<br />

betrug an der erstgenannten Stelle durchschnittlich 2.7 (1 - 5)<br />

und an der letzteren 3.o (1 - 7) Stück pro Spross. - Der Brandpilz<br />

(Ciniraciia caricis coli.) trat gelegentlich ziemlich häufig in den<br />

Blütenständen auf.<br />

K e i m u n g der S a m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 30. VIII. 1931 vom W-Felshang auf dem Kammikivitunturi<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen (26 Stück) keimten zu<br />

69 % im jACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

in der 2. Woche ein und dauerte im ganzeji 14 Monate; die erste<br />

Keimungsperiode wurde nach einer Ruhepause von der zweiten<br />

im folgenden Frühjahr schon vor der Wiederaufheizung des Apparates<br />

gefolgt.<br />

Die Keimung der Sa m en in der Nat u r scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 20. VII. 1933<br />

ein fortgeschrittener jüngerer Keimling).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Aus der schwachen Besamung<br />

ist schon zu schliessen, dass die Keimlinge der Art im Gebiet zu<br />

den Seltenheiten gehören müssen. Ich habe auch im ganzen nur<br />

an drei verschiedenen Felsenstandorten je einen jüngeren Keimling<br />

und überdies einige ältere Keimlinge (Keimlingsquotient O.os) am<br />

SE-Felshang am Kuorbgas-Fluss finden können, obgleich ich<br />

verhältnismässig viel Zeit uiul Mühe auf das Suchen verwendet luibe.


x\nnales Botanici Societalis Vanamo. Toin. 1 1. N:o 1. G3<br />

Auch die Beschaffenheit der Standorte trägt ohne Zweifel etwas<br />

scliuld an der geringen Zahl der Keimlinge, denn auf den oft sehr<br />

xerophilen Felsen bieten sich den wenigen Samen überhaupt keine<br />

optimalen Keimungsmöglichkeiten. Nur an den feuchteren Randpartien<br />

der Felsen sowie in den Spalten mit losem Bodenmaterial<br />

gestalten sich die Verhältnisse gelegentlich günstiger.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

(iebiet sind relativ schwach.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung ist kräftig mit Hilfe<br />

des wandernden Rhizoms.<br />

Carex chordorrhiza Elirh.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie im untersten Teil der alpinen Region in den<br />

Graskrautmooren (r, sp - cp) und den Moorgebüschen (rr, sp).<br />

Fundorte. S-Ufer des Pilgujaur, Carex aquaälis-reiches<br />

Seggengebüsch; Pilguoaivi, an 2 Stellen im Graskrautmoor im unteren<br />

Teil des S- und E-Hangs; Kiergipori, Betiila nana - Salix glauca-<br />

Seggengebüsch. - Nach KALLIOLA (1932, S. 101) im Kammikivigebiet<br />

p - r in den Graskraulmooren.<br />

Fertilität. Die Art blühte im J. 1933 im Graskrautmoor<br />

reichlich, im Seggengebüsch dagegen ziemlich spärlich.<br />

Flora t i o n. Die Art befand sich am 15. VH. 1933 im Graskrautmoor<br />

im Ausblühen.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Keimlingsuntersuchungen<br />

wurden an zwei Beobachtungsstellen ausgeführt. Im Betula nana -<br />

Salix glauca -Seggengebüsch am Kiergipori wurden keine Keimlinge<br />

festgestellt; im Carex rostrata -Moor am Pilguoaivi fand ich<br />

1 jüngeren und 4 ältere Keimlinge auf einer Fläche von etwa 4 m^<br />

(Keimlingsquotient O.oi). Die Siedlung war ganz nass, und die<br />

zusammenhängende Moosschicht von Drepanocladus fhiitaiis, D. intermedius,<br />

Calliergon sarmentosiun, C. stramineiirn und Sphagnum<br />

Warnstorfii gebildet.


82 N. Söljrinki, Vermehrung


Aiinales Botaiiici Societatis Vanamo. Tom. 1 J. N:o 1. 65<br />

(lesgleichen auch niclit am 13. VIII. in der arienreichen Oxijria<br />

digyna -vSchncel)odenvegetation.<br />

Im J. 1933 war die Art in de« llcidewieseji sowie den verhältnismässig<br />

früh ausaperndeji Schneebodejisiedlungen am 8. VII. im<br />

allgemeinen iji voller Blüte bzw. im Ausblühen, Auf den späteren<br />

Schiieeböden setzte das Blühen dann allmählich während der<br />

Vegetationsperiode ein, in dem Masse die Firnwehen, die in diesem<br />

Sommer i)esonders mächtig waren, wegschmolzen. In einer um<br />

den 7. Jnli ansgeaperten Schneebodensiedlnng z.B. war das Blühen<br />

am 23. VII. im Beginnen und am 29.VII. im Ausklingen, und in<br />

einer noch am 11. Juli unter einer dicken F'irndecke gelegenen<br />

Siedlung der artenreichen Oxijria digijna -Schneebodenvegetation<br />

wurde die Art am 2. IX. erst im Ausblühen beobachtet.<br />

S a m e n reif e. Im J. 1931 hatte die Art an ihren frühesten<br />

Schneebodenstandorten am 13. VIII. ausgebildete Früchte; in der<br />

Carex rigida - C Lachmalii -Heidewiese waren die Früchte am<br />

17. VIII. offensichtlich reif und am 28. VIII. lösten sie sich bei<br />

Berührung leicht ab (Sprosse zum grossen Teil vertrocknet). In<br />

einer Siedlung der Plüppsia «/f/Zc/rt-Schneebodenvegetation wurden<br />

am 1. IX. reife Früchte beobachtet (Sprosse unter dem Blütenstand<br />

vergilbt).<br />

Im J. 1933 waren die Früchte in den früher ausa])ernden Schneebodcnsiedliingen<br />

und den Ileidewiesen am 12. VIII. reif, und vor<br />

Ende August hatte die Ausstreuung bereits grösstenteils stattgefunden.<br />

Auf dem um den 7. Juli ansgeaperten Schneeboden wurden<br />

am 25. VIII. und in der/Cza^r/« ^i/^;//«'/— Lebermoos-Scluieebodengesellschaft<br />

am 2. IX. reife Früchte feslgestelit (Sprosse im Vergilben).<br />

- Im J. 1929 hatte die Art auf dem Salix In-rbacea -i^chncMboden<br />

in Pummanki auf der Fischerhalbinsel am 25. VIII. noch<br />

nicht reife Früchte, wohl dagegen am 28. VIII. in der Mijrtillns-<br />

Meide.<br />

Die Sanu'u können also im allgemeinen wäiirend der Vegetationsperiode<br />

volle Keife erreichen, die extremsten Schneebodenstandorte<br />

jedoch ausgeju)mmen, wo sie offenbar oft mitten in ihrer h^ntwicklung<br />

vom Winter überrascht werden. In ungünstigsten Jahren kann<br />

solches aber auch in früher ausapernden Siedlungen eintreffen;<br />

so fand ich Anfang Juli 1933 vielerorts auf den Schneeböden vorjährige<br />

Blütenstände mit noch festsitzenden, halbwüchsigen I'rüch-


66 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

ten; die Sprosse waren in ihrem unteren Teil noch ganz grün gefärbt.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 auf<br />

dem Sehneeboden etwa 33 Tage.<br />

Von Spitzbergen hat man keine bindende Beweise über die<br />

Fähigkeit der Art, reife Früchte zu erzeugen; nach NATHORST (1883,<br />

S. 65) ist es wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht möglich,<br />

nach ANDERSSON und HESSELMAN (1900, S. 80) wiederum scheint<br />

die Art überhaupt keine Fruchtbildung zu haben. Auf Jan Mayen<br />

hat KRUUSE (1902, S. 301, Carex lagopina) im J. 1900 allgemein<br />

alte Früchte angetroffen. In Ostgrönland macht die Art reife<br />

Früchte in Angmagsalik (KRUUSE 1906, S. 273); desgleichen zwischen<br />

73°15' und 76°20' N, an ungünstigen Stellen bleibt indes die<br />

Fruchtreife aus (GELTING 1934, S. 161). In Westgrönland (Disko)<br />

erzeugt die Art nach PORSILD (1920 b, S. 51) reichlich Früchte. Auf<br />

Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 94) Ende August 1921 reife<br />

Früchte wahrgenommen.<br />

Same n m eng e. An den Blütenständen werden regelmässig<br />

Früchte gebildet. Die Anzahl der Früchte (Samen) pro Spross<br />

betrug im J. 1931 auf eijiem N-Felsen (die unentwickelten in Klammern)<br />

25 (+ 20), 27 (+ 7), 40 (+ 2), 45 (+ 20), 53 (+ 10), 60 (+ 4),<br />

67 (+ 4), 68 (4- 18), 73 (+ 15) und 76 (+ 3), durchschn. 53.4<br />

(+10.3), in einer Deschampsia atropiirpiirea-rcichcn Siedlung der<br />

Carex rigida - C. Lrtc/ienaZii-Heidewiese 17 (+12), 20 (+13),<br />

21 (+ 8), 21 (+ 13), 24 (+ 17), 25 (+ 9), 26 (+ 1), 26 (+ 4), 30 (+ 8)<br />

und 49 (+ 13), durchschn. 25.9 (+ 9.8) und auf einem Schneeboden<br />

durchschn. 36.4 (+ 7.8) Stück.<br />

K e i m u n g d er Samen im K e i m u n g s v e r s u c lu<br />

Die am 1. IX. 1931 vom N-Felsen und am 28. VIII. 1931 von der<br />

Deschampsia atropiirpnrea -reichen Carex rigida - C. Lachenalii-<br />

Heidewiese eingesammelten vollentwlckellen Samen keimten nach<br />

Frostbehandlung zu 82 bzw. 100 % und die ersteren ohne Frostbehandlung<br />

zu 81 % im .lACOBSENschen Keimungsapparat. Von<br />

den am 13. VIII. 1931 vom Schneeboden eingesammelten Samen<br />

keimten dagegen nur 12 %; ol)W()hl äusserlich durchaus den vollentwickelten<br />

gleich, waren sie offenbar noch zu jung. Die Keimung<br />

setzte in der 2. Woche ein, als die meisten Samen zur Keimung<br />

kamen, und dauerte 4 (bei der letzten Probe 7) Wochen.


Aniiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I 1. N:o 1. 67<br />

Von (Ien am 25. VIII. 1933 eingesammelten und dann am<br />

27. IX. 1933 in einen Saatkaslen mit Gartenerde im Freien ausgesäten<br />

vollentwickelten Samen kam kein einziger im gleichen Herbst (bis<br />

zum 8. XL) zur Keinmng; im folgenden Frühling keimten bis<br />

zum 31. V. 44 %. Die Bewässerung war augenscheinlich während<br />

des Versuches für die Art nicht hinreichend genug.<br />

Die K e i m ung der S a,m en in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 17. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge auf einem Schneebodenfelsen).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Carex Lachenalii gehört zu<br />

denjenigen Pflanzenarten, deren Samenkeimlinge im Gebiet an ihren<br />

verschiedenen Standorten im allgemeinen mehr oder minder reichlich<br />

zu finden sind. Eine Ausnahme bilden natürlich solche extreme<br />

Siedlungen, in denen die Vegetationsperiode so kurz abgemessen<br />

ist, dass die jährlichen Lebensbetätigungen der Pflanze nicht mehr<br />

ordentlich aberledigt werden können, sondern ihr ganzes Dasein<br />

bedroht wird. Infolgedessen wurden z.B. in den am allerspätesten<br />

ausapernden Siedlungen der artenreichen Oxijria digijna -Schneebodenvegetation<br />

entweder nur einzelne oder gar keine Keimlinge<br />

wahrgenommen. Sonst aber habe ich auf den Schneeböden wie<br />

auch an den Felsen- und Bachuferstandorlen regelmässig Keimlinge<br />

angetroffen. Der Keimlingsquotient variierte zwischen 0.5 und<br />

10; die höchsten Werte wurden - wie gewöhnlich bei Pflanzen<br />

feuchter Standorte - an solchen Stellen festgestellt, wo sich der<br />

Boden die ganze Vegetationsperiode hindurch frisch erhält, sowie<br />

an den Bachufern und auf den von Sickerwasser durchtränkten<br />

Schneeböden und Felsenabsätzen. An den letztgenannten Stellen<br />

habe ich gelegentlich selir reiclilich jüngere Keimlinge im Schutze<br />

flacher, lose am Boden liegender Steini)löcke auf nacktem, feuchtem<br />

Ilunuis beobachtet.<br />

In der Carex rigida - C. Lachenalii -Ileidewiese waren Samenkeimlinge<br />

der Art ebenfalls häufig zu finden; durchschnittlich<br />

wurden auf O.i m^ (10 Probequadrate untersucht) 6.7 jüngere und<br />

17 ältere Keimlinge gefunden (durchschn. 32 fertile Sprosse auf 1 m^).<br />

Die Bodenschicht, die gewöhnlich in der Hauptsache von Pohjtrichum<br />

alpiniim und Lebermoosen gebildet ist, bietet den Samen<br />

eine vortreffliche Keinninterlage und schützt überdies die jungen


68 N. Söijrinki, Vermehrung (t. San)en])fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Keimlinge gegen äussere Einwirkungen. In solchen Fleckchen<br />

dagegen, wo eine feste, von den abgefallenen Blättern der dominierenden<br />

Carex rigida gel)ildcte Streuschicht statt der Moosschicht<br />

den Boden bedeckt und das Vordringen der Keimwurzel in die<br />

Humusschicht verhindert, sind die Möglichkeiten zur Entstehung<br />

der Keimlinge sehr gering, und man findet ihrer oft überhaupt keine<br />

vor. In den übrigen Ileidewiesen habe ich vereinzelte Keimlinge<br />

auf meinen Probeflächen angetroffen. In der Trollius - Polygonum<br />

vivipanim -Wiese wurden auf 3 x O.i m^ insgesamt 10 jüngere<br />

Keimlinge und 1 älterer (insges. 5 fertile Sprosse auf 3 m^) und<br />

in der Raiuinciiliis «cer-Wiese 9 jüngere und 11 ältere Keimlinge<br />

auf 0.1 m^ (10 fertile Sprosse auf 1 m^) gefunden. - Unterhalb der<br />

Schneebodenhänge habe ich einigemal Samenkeimlinge der Art<br />

in solchen Siedlungen festgestellt, wo erwachsene Pflanzen nicht<br />

mehr vorkamen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Ciebiet sind reciit günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Ver m e h r u n g. Die Art bildet mehr oder<br />

minder lockere Hasen aus einem Hhizom mit kurzen Internodien.<br />

Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen, die Sprossgründe<br />

wurzeln aber reichlich und ermöglichen dadurch eine Verselbständigung<br />

der einzelnen Sprosse (vgl. RESVOLL 1917, S. IIG).<br />

Carex bnmnescens (Fers.) Poir.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist imCiebiet<br />

ziemlich häufig; ihre Standorte sind Heidewiesen (st fq, sp - cp),<br />

Krautwiesen - besonders später ausapernde Siedlungen in kleinen<br />

Vertiefungen - (st r, pc-sp), Haingebüsche (p, sp), Schneeböden<br />

- vor allem solche Siedlungen, wo der Boden im Laufe des Sommers<br />

zu einer mehr oder minder liarten Kruste vertrocknet - (p, sp),<br />

sonnige Felsenabsätze und Steinliaufen (st r, sj)) ebenso wie Bachufer<br />

(st r, st pc). - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel habe ich<br />

die Art auch in der Myrtilliis -lleidc (p, sp) angetroffen.<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J, 1933 auf dem Bachuferschneeboden<br />

durchschn. 13 (5-23) cm. Die Pflanze war aber


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 4. N:o 1. 69<br />

vielleicht noch nicht ganz ansgewachsen, denn die Früchte waren<br />

nicht reif. Die höchsten vorjährigen Sprosse massen an der Stelle<br />

40 cm (vgl. KRUUSP: 1906, S. 274).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und an den Felsen<br />

sowie oft auch auf den Wiesen und den Schneeböden reichlich oder<br />

ziemlich reichlich; auf der AJyriilliis -Heide in Pummanki wurde<br />

nur mehr oder minder spärliches Blühen konstatiert.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art auf der Wiese<br />

in einer Senke am 10. VII. in voller Blüte, an den früher ausapernden<br />

Standorten war sie indes schon ausgeblüht. - Am Ufer des Pilgujar<br />

an der oberen Grenze der subalpinen Region stand die Art am<br />

8. VII. in voller Blüte.<br />

Im J. 1933 war das Blühen am 5. VII. auf der Wiese in der<br />

Senke im Beginnen und an den S-Felsen im Ausklingen. Auf den<br />

lleidewiesen befand sich die Art am 8. VII. allgemein in voller<br />

Blüte (auf der Nardiis s/r/c/o-Heidewiese in einer Vertiefung am<br />

19. VII. im Ausblühen). Auf dem Schneeboden wurde sie in einer<br />

Siedlung am 9. VIII. noch in voller Blüte notiert, und in einer<br />

um den 7. Juli ausgeaperten Siedlung war sie am 25, VIII. soeben<br />

ausgeblüht.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte am 18. VIII.<br />

im Ilaingebüsch ausgebildet und augenscheinlich reif. In der Carex<br />

rigida - C. Lachenalii -Ilcidewiese wurden am 28. VIII. reife Früchte<br />

festgestellt (Sprosse unter der Ähre vergilbt), desgleichen am 3. IX.<br />

in einer Schneebodenwiese, die Samenstreuung hatte aber noch nicht<br />

begonnen.<br />

Im J. 1933 hatte die Art im Haingebüsch am 17. VH. schon<br />

nahezu ausgewachsene Früchte; auf den Heidewiesen waren sie<br />

reif am 13. VHI. - In günstigen Jahren wird die Samenreife also<br />

allgemein erreicht, die spätesten Schneebodenstandorte vielleicht<br />

ausgenommen. In ungünstigen Sommern dagegen bleibt die Besäum<br />

ng viel bescheidener; so wurden Anfang Juli 1933 auf den<br />

Heidewiesen reichlich vorjährige Blütenstände beobaciitet, an denen<br />

sich bis zum Einbruch des Wiuters noch keine Samen entwickelt hatten.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 auf<br />

den Heidewiesen etwa 30 Tage.<br />

In Ostgrönland hat KRUUSE (1900, S. 274) die Art in Angmagsalik<br />

am 0. VIII. in der Frucht angetroffen, desgleichen BERLIIV (1884,


70 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

S. 73, Carex Personii) im August 1883 in Südgrönland. In Westgrönland<br />

beobachtete ROSENVINGE (1892, S. 720, Carex vitilis) die<br />

Art blühend im Juni - Juli, in der Frucht im August; nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 51) erzeugt die Art daselbst in Mainland (66° - 67° N)<br />

Früchte.<br />

Samenmenge. Ein erheblich hoher Prozentsatz der Blüten<br />

entwickelt sich zu Früchten weiter, soweit es die Länge der Vegetationsperiode<br />

am Standort nur zulässt. Die Anzahl der Früchte<br />

(Samen) am Spross betrug im J. 1931 im Haingebüsch (die unentwickelten<br />

in Klammern) 15 (+ 1), 19, 22, 22 (+ 1), 22 (+ 5), 27,<br />

27 (+ 3), 28, 28 (+ 1), 30 (+ 5), 34 (+ 2), 38 (+ 1), 40 (+ 1),<br />

46 (+ 1) und 47 (+ 1), durchschn, 29,6 (+ I.5), und auf der Schneebodenwiese<br />

in einer Vertiefung 20 (+ 2), 20 (-f 2), 24 (-f 1), 26,<br />

34 (+ 1), 36 (+ 3), 38, 38 (+ 1), 39 (+ 1) und 40 (+ 20), durclischn,<br />

31.5 (+ 3.1) Stück,<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s 11 c Ii,<br />

Die am 18. VIII, 1931 im Haingebüsch und am 3, IX. 1931 von<br />

der Schneebodenwiese eingesammelten vollentwickelten Samen<br />

keimten zu 80 bzw. 92 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte ein und erfolgte liauptsächlich in der 3, Woche.<br />

In der letzteren Probe dauerte sie 5 Monate, in der ersteren 15 Monate,<br />

und einige Samen kamen in dieser erst nach einer Stillstandperiode<br />

bei der wiederaufgenommenen Heizung des Apparates zur Keimung.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren noch nach 19 Monaten vom<br />

Beginn des Versuches teilweise lebend (hart).<br />

Während des Versuches wurde ein Fall von Polyembryonie<br />

festgestellt, und zwar entstanden aus dem betr. Samen 2 Koleoptilen,<br />

In der Literatur habe ich keine Angaben über ein solches Verhalten<br />

bei der Art gefunden.<br />

Die Keimung der Samen in der Natu r findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 11. VII, 1931 jüngere<br />

Keimlinge auf der Schneebodenwiese),<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art an mehreren Beobachtungsstellen festgestellt. In solchen<br />

Siedlungen, wo die Früchte allgemein volle Reife erreichen und<br />

wo die Keimungsbedingungen überdies günstig sind, wurden in<br />

der Regel mehr oder minder reichlich Keimlinge gefunden. In zwei<br />

Schneebodenwiesensiedlungen, in denen die Bodenoberfläche als


Annales liotanici Societatis Vananio. Toni. M. N:o 1. 71<br />

Folge der erodierenden Wirkung des Wassers zum grossen Teil<br />

blossgelegt war, erhielt ich als Keimlingsquotienten 5, ebenso in<br />

einer heidewiesenartigen Schneebodenrandsiedlung. Im Geranium<br />

silvaticum - T rollins -Haingebüsch wurden auf 2 x O.i m^ insgesamt<br />

17 jüngere und 54 ältere Keimlinge (5 fertile Sprosse auf 2 m^)<br />

und in einer Siedlung der Salix herbacea -Schneebodenvegetation<br />

auf 2 m^ insgesamt 59 jüngere und 18 ältere Keimlinge gefunden.<br />

An der letzteren Stelle kamen die Keimlinge reichlich in der lockeren<br />

Polijirichiim alpiniim -Matte vor, mieden dagegen deutlich die<br />

dichten Conostomiim tetragoniun -Teppiche, in denen die Keimungsbedingungen<br />

für die Samen recht schwierig waren.<br />

An solchen Standorten, wo die Bodenoberfläche nach dem<br />

Abdunsten der Frühlingsfeuchtigkeit zu einer mehr oder minder<br />

harten Kruste vertrocknet, waren die Samenkeimlinge weniger<br />

zahlreich vertreten. In der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese<br />

iiabe ich nur vereinzelte Keimlinge angetroffen; wahrscheinlich<br />

hat aber auch die Unsicherheit der Samenreife ihren Anteil daran<br />

gehabt, denn Samenkeimlinge von Carex Lachenalii waren allgemein<br />

zu finden. In der Lycopodiwn alpinuni - Solidago - Deschampsia<br />

/iexuosa-Heidewiese wurden auf 5x0.25 m^ insgesamt 1 jüngerer<br />

und 5 ältere Keimlinge festgestellt (insges. 5 fertile Sprosse auf 5 m'^).<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - Die Ende April 1932 im Laboratorium in Helsinki zur<br />

Keimung gebrachten, im Anfang des Sommers im Botanischen<br />

Garten ausgepflanzten Individuen entwickelten einige schwache<br />

Blütenstände schon am Ende des gleichen Sommers.<br />

Vegetative V e r m c h r u n g. Die Art bildet mehr oder<br />

minder dichte Hasen. Die Länge der Ausläufer beträgt höchstens<br />

2 bis 3 cm. Eine vegetative Wanderung kommt nicht in Frage,<br />

die wurzelnden Sprosse können aber wahrscheinlich nach ihrer<br />

Ablösung von der Mutterpflanze selbständig weiterwachsen.<br />

Carex brunnescens (Pers.) Poir. x C. Lachenalii Schk.<br />

Dieser Bastard ist im Gebiet selten, und zwar ist er an folgenden<br />

Stellen angetroffen worden: am N-Ende des Pilgujaur in der Höhe<br />

Ann. Hot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanarno, 14, n:o 1. C


72 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

der Waldgrenze an einem niedrigen, schneebodenartigen N-Abhang<br />

(st pc); zwischen den Flüssen Soukkerjoki und Kuorbgas-joki in<br />

einer Deschampsia atropurpurea -reichen Siedlung der Carex rigida -<br />

C. Lachenalii -Heidewiese (st cp); etwas östlich von Säräslaki am<br />

Rande einer GraskrauLmoorsiedlung (pc); Vuoggoaivi (Onkitunturi),<br />

in einem sommertrocknen Bachlauf am W-Hang des Rieppetshohki<br />

(sp), desgleichen am E-Hang (pc). - Näher bei SÖYRINKI (1933 b).<br />

Carex canescens L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; man findet sie hauptsächlich im unteren Teil der<br />

alpinen Region an den Quellenbächen und Quellen (p, st pc - sp)<br />

sowie in den Graskrautmooren (st r, sp) an quelligen Stellen und<br />

am Rande der Moortümpel.<br />

F u n d o r t e. Pilgujaur, im Graskrautmoor am S-Ufer des<br />

Sees an der Grenze zur subalpinen Region; (an der Mündung des<br />

Pilgujoki im ol)ersten Teil der Birkenwaldzone); Pilguoaivi: an einem<br />

Quellenbach am SE-Hang, am Bachufer zwischen Pilguoaivi und<br />

Rahpesoaivi, an einer Quelle etwas oberhalb der vorgenannten<br />

Stelle; Vilgiskveljaur, in den Quellenmooren am SE-Ufer; Kuorbgas<br />

(= Palopää): an einem Quellenbach (nach KALLIOLA 1932, S. 101),<br />

an einem Moortümpel am E-Hang des Fjeldes an den Quellen des<br />

Selvakkajoki.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art war am 15. VH. 1933 im Graskrautmoor<br />

schon ausgeblüht. Am Quellenbach wurden am 21. VH. noch<br />

blühende Sprosse beobachtet, obgleich die Früchte z.T. schon weit<br />

entwickelt waren.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im J. 1933 im sonnigen<br />

Quellenmoor am 27. VH. ausgebildet; am Ufer des Pilgujoki im<br />

obersten Teil der Birkenwaldzone lössten sie sich am 8. VHI. bei<br />

Berührung leicht ab. An spät ausapernder Stelle an einer Quelle<br />

waren die ersten Früchte reif am 5. IX., die Sprosse hatten sich in<br />

grossen Zügen grün erhalten. - Am Quellenbach wurden festsitzende<br />

vorjährige Früchte noch am 24. VH. 1933 beobachtet. - In günstigen<br />

Sommern wird die Samenreife also allgemein erreicht.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 4. N:o 1. 73<br />

In Westgrönland erzeugt die Art Früchte auf Disko (POHSILD<br />

1920 b, S. 51).<br />

Die Keimung der S a in e n in d e r N a t u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt, z.T. aber etwas verspätet,<br />

denn am 27. VII. 1933 wurden am Quellenbacli jüngere Keimlinge<br />

auch auf recht frühem Stadium gefunden.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. An meinen zwei BeobacliLungsstelleii,<br />

an einem Quellenhach und im bültigen Qucllenmoor,<br />

hatte die Art ziemlich reichlich Samenkeimlinge; der Kcimlingsquotient<br />

betrug an den beiden Standorten 5. Die lockere Moosscliicht<br />

war an der ersteren Stelle von Paliidella sqiiarrosa und Lebermoosen,<br />

an der letzteren wiederum von Torfmoosen und Paludella<br />

gebildet; die Keimungsbedingungen waren also - wie auch sonst<br />

an den Standorten der Art - reciit gut.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach meiireren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet ziemlich<br />

feste Rasen, denn die Ausläufer des Rhizoms sind ganz kurz (vgl.<br />

METSÄ VAINIO 1931, S. 166-171). Eine vegetative Wanderung ist<br />

also nicht möglich, die reichlich wurzelnden Sj)rosse dürften aber<br />

Selbständigkeit erreichen können.<br />

Carex caespitosa L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; man begegnet ihr im unteren Teil der ali)inen Hegion<br />

an Jiachufern (r, sp - st cp) und in den Graskrautmooren an Moortümpeln<br />

und Quellen (r, st cj)) sowie auch in den Moorgebüschen<br />

(r, st cp). - Die Art ist im Gebiet nicht typisch, sondern wahrscheinlich<br />

durch Bastardierung (mit C. ]'nncella'?) entstanden.<br />

Fundorte. Pilguoaivi: an einem Bachufer am Slvllang,<br />

am Bacliufer zwischen Pilguoaivi und Hahpesoaivi; Vllgiskveljaur:<br />

in den Quellenmooren am SE-Ufer, in den Moorgebüschen am NW-<br />

Ufer; im Kammikivigebiet nach KALLIOLA (1932, S. 101) fq an<br />

Fjeldweihern und Bächen (Frequenzangabe offenbar zu hoch). -


92 N. Söljrinki, Vermehrung


Annales liotanici Societatis Vananio. Toni. M. N:o 1. 75<br />

riyida - C. Lachenalii-Wic^c an einem l^acluifer 29 (21 -37) cni<br />

und in einer Siedking der Salix herbacea -Sclmeebodenvegetalion<br />

10 (4-14) cm. - Oft bilden die stattlicheren und die kleinwüchsigeren<br />

Formen ilire eigenen scharf begrenzten Siedlungen<br />

unmittelbar nebeneinander in den Carex rigida - C. Lachenalii-<br />

Heidewiesen am Fusse der Schneebodenhänge. - Vgl. NORMAN<br />

(1895- 1901, S. 560); KRUUSE (1906, S. 275); KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 36).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel an allen ihren Standorten,<br />

ausser auf den extremen Schneeböden, wo man sie auch steril<br />

vorfinden kann. In der Carex nV/irf« - C. Lac/iena/ii-Heidewiese<br />

blüht sie gewöhnlich ziemlich reichlich oder sogar reichlich, in<br />

den übrigen Heidewiesen sowie auf den Fjeldheiden im allgemeinen<br />

mehr oder minder spärlich oder zerstreut, stellenweise aber ziemlich<br />

reichlich, wie gelegentlich auch an ihren anderen Standorten. Die<br />

Anzahl der fertilen Sprosse betrug in der Carex rigida - C. Lachenalii<br />

-Heidewiese durchschn. 183 (55-370) auf 1 m^ (9 m^ wurden<br />

untersucht).<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art in der Cladonia<br />

a/pes/m-Heide am 6. VII. in voller Blüte und am 10. VII. im Ausblühen.<br />

In einer verhältnismässig früh ausapernden Schneebodensiedlung<br />

war das Blühen am 14. VII. un vollen Gang und am 18. VII.<br />

im Ausklingen, auf den spätesten Schneeböden hatte es aber am letztgenannten<br />

Tage noch nicht begonnen. In der artenreichen Carex<br />

rigida-C. Lacheimliiwar die Art am 25. VII. ausgeblüht.<br />

Im J. 1933 war das Blühen am 4. VII. auf den Fjeldheiden der<br />

N-Hänge im vollen Gang oder im Ausklingen, an den S-Hängen<br />

war die Art dagegen schon abgeblüht. In den am frühesten ausapernden<br />

Heidewiesensiedlungen wurde am 8. VII. volle Blüte<br />

beobachtet. In der Carex rigida - C. Lacheiialii-llaidcwiese sowie<br />

auf den Schneeböden blühte die Art auffallend spät, indem<br />

hier die mächtigen Firnmassen ihre Entwicklung erheblich beeinträchtigten.<br />

In einer Siedlung der erstgenannten Assoziation, wo<br />

die Art am 7. VII. nach der Überwinterung noch ganz grau am<br />

Boden lag, befand sie sich am 17. VH. in voller Blüte, und in einigen<br />

anderen Siedlungen am Fusse eines N-Hangs in der Höhe der Waldgrenze<br />

waren die Blütenstände am 21. VII. noch nicht hervorge-


76 N. Söljrinki, Vermehrung


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 1 I. X:() 1. 77<br />

(ler Früchte (Samen) am Spross l)etrug im J. 1931 in der Carex rigida<br />

- C. Lachenalii -Heidewiese (die nnentwickelten in Klammern)<br />

19 (+ 10), 25 (4- 24), 30 (+3), 31 (+ 3), 34 (+ 12), 39 (+ 43),<br />

45 (+ 19), 46 (+ 13), Gl (+ 11) und 63 (+ 20), durclischn. 39.8<br />

(-1-15.8), in der Deschampsia airopurpurea-reichcn Carex rigida -<br />

C. Lachenalii -Wiese 13 (+ 23), 16 (+ 17), 19 (+ 22), 20 {+ 17).<br />

25 (+ 20), 25 (-}- 24), 29 (+ 12), 29 (+ 13), 30 (+ 25) und 33 (-f 19),<br />

durchschn. 23.9 (+ 19.2) und in der artenreichen Carex rigida -Wie^e<br />

am Bachufer 0 (-}- 115), 3 (-f 145), 8 (+ 149), 9 (+ 136), 12 (-f 185),<br />

14 (+ 140), 15 (+ 147), 19 (-f 110), 28 {+ 127) und 36 (-f 105),<br />

durchschn. 14.4 (+ 136.o) Stück. - An der letztgenannten Stelle, wo<br />

die Pflanze sehr üppig vegetierte und auch eine sehr grosse Blütenmenge<br />

entwickelt hatte, war die Intensität der Fruchtbildung<br />

also (als Folge einer Bastardierung?) äusserst schwach.<br />

K e i m u n g der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Carex rigida-C. Lachenalii-lleidü-<br />

Aviese und von der artenreichen Carex rigida -Wiese eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten zu 15 bzw. 6 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat, die am 28. VIII. 1931 von der Deschampsia<br />

atropiirpiirea -reichen Carex rigida - C. Lachenalii -Wiese eingesammelten<br />

nach Frostbehandlung zu 3 %, ohne Frostbehandlung überhaupt<br />

nicht. Die Keinuing setzte in der 2. (in der letztgenannten Probe<br />

in der 7.) Woche ein und dauerte im ganzen 15 (14) Monate. Sie<br />

erfolgte in zwei Perioden, und zwar begann die zweite Periode im<br />

folgenden Frühjahr nach der Wiederaufheizung des Apparates. Die<br />

übriggebliebenen Samen waren noch nach 19 Monaten teilweise<br />

lebend (hart).<br />

Die K e i m u n g d e r Samen i n tl e r Nat u r findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 13. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in den Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis -Hoide).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Im Hinblick auf die Häufigkeit<br />

ebenso wie die Fertilität der Art sind ihre Samenkeimlinge<br />

im Gebiet nur spärlich zu finden. Ich habe solche gewiss<br />

an verhältnismässig vielen Beobachtungsstellen wahrgenommen,<br />

gewöhnlich aber nur wenige, und auf mehreren Probeflächen haben<br />

sie völlig gefehlt. An manchen Standorten - vor allem auf den<br />

Fjeldheiden - sind zwar die Verhältnisse für das Keimen der Samen<br />

und für die Weiterentwicklung der Keimlinge so ungünstig, dass


78 N. Söljrinki, Vermehrung


Aiinales Botaiiici Societatis Vanamo. Tom. 1 J. N:o 1. 79<br />

entblössten Stellen war der Erfolg jedoch etwas besser. Auf der<br />

Cladonia aZpes/n's-Heide entfernte ich im Sommer 1929 die Flechtendecke<br />

von 4x1 m^ ohne dass dabei auch nur ein einziger<br />

Keimling wahrgenommen wurde, im Sommer 1931 stand auf den<br />

Probeflächen insgesamt 1 jüngerer Keimling. Auf der Cetraria<br />

nivalis -Heide habe ich wiederum in den kleinen Erosionsfleckchen<br />

Samenkeimlinge der Art angetroffen, gelegentlich sogar mehrere<br />

beisammen, dagegen nie in der geschlossenen Flechtendecke. Am<br />

N-Hang des Kammikivitunturi beobachtete ich einen älteren Keimling<br />

auf dem über die Cetraria nivalis -Heide ziehenden Fusspfad»<br />

wo einige andere Arten eine verhältnismässig reichliche generative<br />

Erneuerung aufwiesen; die Art kam sonst in der unmittelbaren<br />

Nähe nicht vor, wohl aber etwas höher oben am Hang. - Einigemal<br />

wurden durch Besamung aus der Umgebung entstandene jüngere<br />

Keimlinge am Boden kleiner, ausgetrockneter Pfützen in der Fjeldheide<br />

beobachtet.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind weniger günstig. - KONTUNIEMI (1932, S. 36) hat auf<br />

seinen Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern keine Samenkeimlinge<br />

der Art angetroffen.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat bekanntlich<br />

ein kräftiges Rhizom, mit dessem Hilfe sie rasch am Standort vorwärtswandert.<br />

Carex aquatilis Wg<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig, und zwar findet man sie in den Graskrautmooren<br />

(fq, sp - cpp) und den Moorgebüschen (fq, sp - cp) sowie an den<br />

Ufern der Fjeldseen und -weiher (p, st cp - cp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Graskrautmooren gewöhnlich<br />

mehr oder minder spärlich, bisweilen aber auch zerstreut oder<br />

ziemlich reichlich, so oft an den Ufern. In den Moorgebüschen<br />

ist der Fertilitätsgrad in der Regel äusserst niedrig, und die Art<br />

kann auf weiten Flächen ausschliesslich steril vorkommen.


80 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

F 1 o r a t i o n. Ini J. 1933 war das Blühen aln Rande eines<br />

Gebüsches am S-Hang am 7. VII. im vollen Gang und in den Graskrautmooren<br />

am 14. - 15. VII. ebenso.<br />

Sam e n r e i f e. Die Postflorationszeit ist bei der Art sehr<br />

lang, und völlig reife Früchte sind deshalb gar nicht angetroffen<br />

worden. Im J. 1931 waren die Sprosse am 3. IX. noch ganz grün,<br />

und die Samen waren nicht völlig ausgebildet. - Im J. 1933 hatte<br />

die Art am 5. IX. grüne Sprosse, die Blütenstände hatten indes<br />

bereits zu vergilben begonnen und ein Teil der Samen war möglicherweise<br />

ausgebildet. Im vorhergehenden Jahr war die Entwicklung<br />

nicht so weit gekommen, denn Anfang Juli 1933 wurden vorjährige<br />

Blütenstände noch mit grösstenteils festsitzenden, halbwüchsigen<br />

Früchten wahrgenommen. - Die Besamung ist also bei der Art im<br />

Gebiet sehr unsicher, wahrscheinlich wird die Samenreife nur in<br />

den allergünstigsten Jahren in bedeutenderem Umfang erreicht.<br />

- Der Brandpilz (Ciniraciia caricis coli.) greift stellenweise die<br />

Blütenstände an.<br />

In Westgrönland hat PORSILD (1902, S. 167, var. stans und<br />

1920 b, S. 54, Carex stans) auf Disko reichlich reife Früchte wahrgenommen.<br />

In Nordgrönland hat BEELIN (1884, S. 71) die Art<br />

im August 1883 mit Früchten angetroffen. In Ellesmereland erzeugt<br />

die Art nach SIMMONS (1906, S. 144, var. stans) reichlich Früchte.<br />

Von Novaja Semlja fehlen Beobachtungen über die Fruchtreife<br />

(LYNGE 1923, S. 93).<br />

Samen m enge. Die Anzahl der weiblichen Ähren pro Spross<br />

betrug im J. 1931 im Carex aqiiatilis-Moor durchschn. 4.5 (3-6)<br />

Stück. Die Menge der Früchte (Samen) ])ro Ähre war (die »halbentwickelten»<br />

und unentwickelten in Klammern) 3 (+ 1 +.116),<br />

6 (+ 1 + 103), 8 (+ 8 + 39), 15 (+ 11 + 15), 17 (+ 1 + 21),<br />

31 (+ 1 + 33), 31 (+ 4 + 20), 59 (+ 4 + 16), 68 (+ 14 + 64)<br />

und 91 (+ 1 + 62), durchschn. 33.o (+ 4.6 + 49.o). Die Anzahl<br />

der Früchte am Spross betrug also 148.i (-j- 20.7 -f- 220.i), auch<br />

die »vollentwickelten» waren aber noch nicht ganz ausgebildet (am<br />

3. IX. 1931 eingesammelt); die Werte ge])en also nur die Menge<br />

solcher Früchte an, die bei andauerndem günstigem Wetter noch<br />

vor Abschluss der Vegetationsperiode wahrscheinlich zur vollen<br />

Reife gekommen wären.


Aniiales Botanici Societatis Vanamo. Tom. I 1. N:o 1. 81<br />

Keimung der Sa m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 vom Carex aqiiatilis-Moor eingesammelten<br />

Samen keimten niclit im JACOBSENschen Keinningsapparat; nacii<br />

17 Monaten waren sie tot (weich). Die Samen waren noch nicht<br />

ganz ausgebildet,<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht gefunden, obgleich diese auf mehreren Probeflachen<br />

reichlich vorgekommen ist. Auf Grund der unsicheren<br />

Samenreife wird man zu dem Schluss genötigt, dass die Voraussetzungen<br />

der Art zur generativen Vermehrung im Gebiet sehr gering<br />

sind. - PoßSiLD (1902, S. 167, var. slans) hat in Westgrönland auf<br />

Disko Samenkeimlinge beobachtet.<br />

Die vegetative Vermehrung ist mit Hilfe des wandernden<br />

Rhizoms bekanntlich kräftig.<br />

Carex vaginat a Tausch<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; ihre Standorte sind die Drijas -Heide (fq, st cp - cp;<br />

in den feuchteren Siedlungen stellenweise cpp), die Krautwiesen<br />

(sl fq, st c]) - sp), die Descliampsia flexiiosa - Anlhoxantlnim -Heidewiese<br />

(p, st cp), die Heidegebüsche (p, sp), das Carex va(jinata-Moor<br />

(fqq, cpp), übrige Graskrautmoore (r, st cp), anmoorige Bachufer<br />

(st r, step), und sonnige Felshänge (st r, ])cc - st pc).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im .1. 1933 in der Geranium<br />

silvniicum - T rollins-Wiese durchschn. IG (10-24) cm (vgl. NOR-<br />

MAN 1895- 1901, S. 553).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Wiesen gewöhnlich<br />

spärlich, ebenso auf der Dnjas -Heide, ausser in deren feuchteren<br />

Siedlungen, in denen sie ziemlich reichlich blüht, wie auch im Carex<br />

vaginata -Moor und an den Bachufern. In einer C. vaginata -reichen<br />

Siedlung der Drijas-UeuUi wurden 55 bzw. 95 fertile Sprosse auf<br />

1 ni" gezählt.<br />

Flora tion. Im .1. 1931 befand sich die Art am 10. VII.<br />

in der (leranium silvalicnm - T rollins-WWsa im Ausblühen; in der<br />

subalpinen Hegion wurde sie am (>. VH. in den Graskrautmooren<br />

in voller Blüte beobachtet. - Im J. 1933 war das Blühen am 5. VII.<br />

auf den Wiesen der S-Hänge in grossen Zügen abgeschlossen, im


82 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

Bacliufermoor am N-Hang aber noch beinahe im vollen Gang<br />

(vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 36).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art in einer Carex vaginata<br />

-reichen Siedhing der Drijas -Heide am 23. VIII. ausgebildete<br />

Früchte. - Im J. 1933 waren die Früchte am sonnigen Bachufer<br />

am 9. VIII. reif. In der Geranium silvaticum— Trollius -Wiese hatte<br />

die Ausstreuung am 23. VIII. begonnen, die meisten Früchte sassen<br />

aber noch am 4. IX. an der Ährchenachse fest (Sprosse im Vergilben).<br />

- An den Blütenständen werden in der Regel nur wenige vollentwickelte<br />

Früchte gebildet. - Der Brandpilz (Cintractia caricis coli.)<br />

kommt bei der Art oft reichlich vor.<br />

In Ostgrönland erzeugt die Art nach GELTING (1934, S. 175,<br />

Carex sparsiflora) reichlich reife Früchte (ein Fundort).<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 23. VIII. 1931 von der Carex vaginata -reichen Dry as -Heide<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten zu 28 % im JACOB-<br />

SENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte in der 8. Woche<br />

ein und fuhr dann mit Unterbrechungen langsam fort. Nach einer<br />

längeren Pause setzte sie am folgenden Frühjahr nach der Wiederaufheizung<br />

des Apparates wieder stärker ein und war noch im vollen<br />

Gang, als der Versuch nach 19 Monaten abgebrochen wurde. Die<br />

übriggebliebenen Samen waren dabei noch grösstenteils lebend<br />

(hart). - Beim Einsammeln waren die Samen noch nicht reif, wenngleich<br />

ausgebildet.<br />

Keimlingsverhältnisse. Die Samenkeimlinge der<br />

Art haben sich im Gebiet als sehr selten erwiesen: im ganzen habe<br />

ich nur einen jüngeren und einen älteren Keimling gefunden, und<br />

zwar am 25. VII. 1933 in der Geranium silvaticum - 7Vo//ius-Wiese;<br />

an allen anderen Beobachtungsstellen habe ich vergebens nach<br />

ihnen gesucht, obgleich die Art mehrmals reichlich auf den Probeflächen<br />

vorgekommen ist. Vielleicht ist die Seltenheit der Keimlige<br />

als Folge der mehr oder minder schwachen Fruchtbildung im Gebiet<br />

zu verstehen, bemerkenswert ist aber, dass die Art auch in günstigeren<br />

Verhältnissen auffallend wenig zur fruktifikativen Vermehrung<br />

zu greifen scheint. So hat LINKOLA (1930 a, S. 163) in der Wiesenvegetation<br />

in Ladoga-Karelien bei ihr keine Samenkeimlinge angetroffen,<br />

und KONTUNIEMI (1932, S. 36) hat auf seinen Probeflächen


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 4. N:o 1. 83<br />

in den subalpinen Birkenwäldern nur 1 älteren Keimling wahrgenommen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder minder schwach.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des ausläufertreibenden Rhizoms statt (vgl. METSÄVAIMIO<br />

1931, S. M3- 145, Carex sparsifloru).<br />

Carex magellanica Lain. ssp. irrigiia (Wg) Hiit.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie hauptsächlich im unteren Teil<br />

der alpinen Region in den Graskrautmooren - besonders in eutrophen<br />

Siedlungen und am Rande kleiner, oft austrocknender Senken -<br />

(p, sp - st cp) sowie in den Moorgebiischen (st r, sp - st cp).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 im Carex rariflora-<br />

Moor durchschn. 12 (7-17) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 550).<br />

Fertilität. Die Art blüht an allen Standorten regelmässig<br />

und gewöhnlich reichlich, nur selten spärlicher.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art war im J. 1933 bis zum 15. VII. im allgemeinen<br />

ausgeblüht, im Graskrautmoor an einem Quellenbach<br />

wurde sie jedoch noch am 18. VII. im Ausblühen beobachtet.<br />

Samenreife. Die Früchte waren im J. 1933 am Rande<br />

dner austrocknenden Senke in einer Moorsiedlung am 9. VIII. reif<br />

und fielen bei Berührung leicht ab, ebenso am 13. VIII. im Carex<br />

rariflora-Moor. Die Ausstreuung findet allgemein noch vor Abschluss<br />

der Vegetationsperiode statt. - Die Entwicklungsfrequenz<br />

der Blüten zu Früchten ist in der Regel hoch.<br />

Die Keim u n g der S a m en in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge im Graskrautmoor an einem Quellenbach).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge sind an<br />

den Standorten der Art ziemlich allgemein zu finden, denn neben<br />

der verhältnismässig reichlichen Besanmng gestalten sich auch<br />

die Keimungsbedingungen meistens recht günstig. In einer austrocknenden,<br />

beinahe moosfreien, weichgründigen Senke im Graskrautnioor<br />

war der Keimlingsquotient 1, in einem Detiila nana-


84 N. Söljrinki, Vermehrung


Annalcs Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 85<br />

entwickelt. - Der Braridpilz {Cintradia caricis coll.) ist an den<br />

Blütejiständen walirgeiioinmeii wordeji.<br />

K e i 111 1 i n g s V e r li ä 1 t II i s s e. Sainenkeiiiilingc liabe ich<br />

bei der Art im Gel)iet nicht gefunden, nicht einmal in der etwa<br />

3x3 m^ messenden Moortümpelsiedlung an der Waldgrenze des<br />

Kiergipori, wo der nasse, schlammige Boden fast nackt dalag und<br />

den Samen ganz augenscheinlich eine sehr gute Keimunterlage<br />

darbot. Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind also offenbar sehr gering.<br />

Vegetative V e r m e Ii r u n g. Die Art hat ein langes,<br />

ausläuferartiges Rhizom, das starke Wurzeln treibend rasch am<br />

Standort - oft ganz an der Bodenoberfläche - weiterwandert (vgl.<br />

METSÄ VAINIO 1931, S. 133- 13G). Sowohl die ferlilen als die sterilen<br />

Sprosse sind wie bei Carex chordorrliiza bogig aufsteigend.<br />

Carex rarijlora (Wg) Sin.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man begegnet ihr im Carex rariflora -Moor (fqcj, c])p)<br />

und in den übrigen Graskrautmooren (fq, c]) - sp) ebenso wie den<br />

Zwergstrauchmooren (]), st pc).<br />

Die II ö h e der Individuen betrug im .T. 1933 im Carex rariflora-<br />

Moor durchschn. 14 (9-26) cm (vgl. KRUUSE 1906, S. 275).<br />

Fertilität. Die Art l)lüht in der Hegel mehr oder minder<br />

reichlich oder zerstreut, nur ausnahmsweise s])ärlich. Die Zahl<br />

der fertilen Sprosse war im .1. 1933 im Carex rariflora -Moor 95 bzw.<br />

100 auf 1 m2.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art wurde im J. 1933 im Carex rariflora-<br />

Moor am Ufer eines Fjeldsees am 6. VII. in voller Blüte beobachtet,<br />

an den am frühesten ausapernden Standorten befand sie sich aber<br />

schon im Ausblühen. - In der subalpinen Region war das Blühen<br />

am 4. VII. in einer Moorsiedlung im vollen Gang.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im .1. 1933 in sonnigen<br />

Graskrautmoorsiedlungen am 8. VIII. reif und die Ausstreuung<br />

hatte am 13. VIII. soeben begonnen. Im allgemeinen wurde die<br />

Samenreife frühzeitig vor Ende der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Im vorhergehenden Sommer war die Entwicklung aber bedeutend<br />

langsamer gewesen, denn Anfang .Tuli 1933 konnte ich stellenweise


86 N. Söljrinki, Vermehrung


Aiinales Botaiiici Societatis Vanamo. Tom. 1 J. N:o 1. 87<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein ausläufertreibendes,<br />

kräftige Wurzeln schlagendes Rhizom, mit dessen<br />

Hilfe sie effektiv am Standort weiterwandert.<br />

Carex magellanica Lam. ssp. irrigiia (Wg) Hiit. x C. rariflora Sm.<br />

Dieser Bastard ist im Gebiet sehr selten; er ist nur an einer<br />

Stelle gefunden worden, und zwar am Kiergipori etwa 300 - 400 m<br />

westlich vom N-Ende des Pilgujaur im Betiila nana - Salix glauca-<br />

Seggengebüsch eines Bachufers gleich oberhalb der Waldgrenze<br />

(auf etwa 2 m^ st cp). - Näher bei SÖYRINKI (1933 a).<br />

Carex pohjgama Schk. ssp. alpina Aarno Cajander<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie hauptsächlich im unteren Teil<br />

der alpinen Region in den Graskrautmooren (p, st pc - cp), an<br />

mehr oder minder sumpfigen Bachufern und an Bachrändern<br />

(p, st pc - cp) sowie auf feuchten Felsen (r, st pc). - Vgl. CAJANDER<br />

(1935, S. 69).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

zerstreut an allen ihren Standorten.<br />

Floration. Die Art befand sich im J. 1933 im Scirpiis caespilosiis<br />

-Moor an der Waldgrenze am 6. VH. im Aufl)lühen und an<br />

den Baclmfern am 8. - 10. VH. im allgemeinen im Ausblühen. -<br />

In der subalpinen Region war das Blühen am 11. VH. am Flussufer<br />

im Ausklingen.<br />

Samenreife. Die Früchte waren im J. 1933 an sonnigen<br />

Bachufern am 12. VI II. ausgebildet und offensichtlich reif, die<br />

Ausstreuung hatte jedocii noch am 4. IX. nicht begonnen (Sprosse<br />

im Vergilben). - Im J. 1931 hatte die Art am 30. VHI. ausgebildete<br />

Früchte in einem Bachufermoor am NW-Hang, und die Sprosse<br />

waren teilweise vergilbt.<br />

In Westgrönland hat ROSENVINGE (1892, S. 721) die Art in<br />

Isaromiut am 18. VIII. 1888 mit naiiezu reifen Früchten angetroffen.<br />

Ann. Hot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 7


88 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

S a m e n m e n g e. An den Blütenständen werden fast regelmässig<br />

Früchte gebildet, oft sind diese aber vom Brandpilz (Cintracüa<br />

caricis coli.) beschädigt. Die Anzahl der Früchte (Samen)<br />

am Spross betrug im J. 1931 im Bachufermoor (die unentwickelten<br />

und verdorbenen in Klammern) 0 (+ 46), 1 (+ 49), 1 (+ 65)^<br />

2 (+ 49), 2 (+ 92), 5 (+ 31), 5 (+ 73), 5 (+ 92), 6 (+ 40), 12 (+ 68),<br />

18 (+ 34), 20 (+ 53), 23 (+ 93), 41 (+ 59) und 47 (+ 18), durchschn,<br />

12.5 (+ 57.5). - In einer am 4. IX. 1933 vom Bachufer eingesammelten<br />

Probe waren die Schläuche zum grossen Teil leer.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c lu<br />

Die am 30. VIII. 1931 vom Bachufermoor am NW-Hang eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten zu 13 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte in der 4. Woche<br />

ein und schloss in der 7. Woche ab. Die übriggebliebenen Samen<br />

waren noch nach 19 Monaten vom Beginn des Versuches grösstenteils<br />

lebend (hart).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden.<br />

Keimlingsverhältnisse. Das Vorkommen der Samenkeimlinge<br />

der Art habe ich nur an zwei Standorten untersucht,,<br />

und zwar in einem Bachufermoor (von etwa 4x4 m^ Grösse),<br />

wo die Art dominierend auftrat, und ferner am sumpfigen Bachrand,<br />

beides am NW-Hang des Kammikivitunturi. Der Keimlingsquotient<br />

war an der erstgenannten Stelle O.05, an der letzteren O.2. Aus diesen<br />

Beobachtungen zu schliessen kommen Keimlinge also nur weniger<br />

zahlreich vor, wahrscheinlich als Folge der niedrigen Entwicklungsfrequenz<br />

sowie der schwachen Keimfähigkeit der Samen. An den<br />

Bachufern werden die Früchte überdies während der Frühlingsüberschwemmungen<br />

offenbar leicht vom Wasser weggespült.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind wahrscheinlich weniger günstig.<br />

Das blühreife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein kräftiges,,<br />

ausläufertreibendes Rhizom, mit dessem Hilfe sie effektiv am<br />

Standort weilerwandert (vgl. CAJANDER 1935, S. 8-9).


Annales liotanici Societatis Vananio. Toni. M. N:o 1. 89<br />

Carex Halleri Gunner.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Arl ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig, und zwar begegnet man ihr an scliattigen oder<br />

mehr oder minder sonnigen Felsliängen (st fq, sp - st pc), an Bachufern<br />

(p, sp), in melir oder minder spät ausapernden Siedlungen der<br />

Krautwiesen (st r, st pc - sp) ebenso wie auf der 7>7a.s-I leide (r, pc).<br />

Die H Ohe der Individuen variiert an den verscliiedenen Standorten<br />

der Art beträclitlich. Sie betrug im J. 1933 am schattigen Felshang<br />

durchschn. 23 (11 -35) cm und am Bachufer durchschn.<br />

38 (18-53) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 558, Carex alpina).<br />

Fertilität. Die Art blüht an allen Standorten regelmässig<br />

und gewöhnlich ziemlich reichlich oder reichlich.<br />

Fl ora tion. Im J. 1931 befand sich die Art am 9. VII. an<br />

den N-Felshängen im allgemeinen im Ausblühen, auf einem Schneebodenfeisen<br />

wurde sie jedoch am 10. VII. noch in voller Blüte festgestellt.<br />

- Im J. 1933 war das Blühen an den S-Hängen am 5.- 7. VII.<br />

im Ausklingen, an spät ausapernden Standorten hatte es aber noch<br />

nicht begonnen; an einem schattigen Bachufer war die Art am<br />

20. VII. im Ausblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 wurde die Art am 27. VIII. auf<br />

einem N-Felsen mit reifen Früchten wahrgenommc]i (Sprosse unter<br />

dem Blütenstand im Vergilben). - Im .1. 1933 waren die Früchte<br />

an weniger beschatteten Bachufern und Felsen am 11. VIII. reif<br />

und losten sich bei Berührung leicht ab. - Im allgemeinen kommen<br />

die Früchte rechtzeitig vor Ende der Vegetationsperiode zur Reife;<br />

Anfang Juli 1933 wurden jedoch an den am spätesten ausapernden<br />

Standorten vorjährige Blütenstände mit noch festsitzenden Früchten<br />

beobachtet.<br />

In Ostgrönland hat SÖRENSEN (1933, S. 108) zwischen 71° und<br />

73°30' N die Art Ende Juli mit beinahe reifen Früchten angetroffen;<br />

nach GELTING (1934, S. 158, Carex alpina) erzeugt sie reife Früchte<br />

zwischen 73°15' und 76°20' N. In Westgrönland ist die Fruchtbildung<br />

reichlich nach PORSILD (1920 b, S. 53).<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich mit relativ<br />

grosser Regelmässigkeit zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte<br />

(Samen) am Spross betrug im J. 1931 am N-Felshang (als Mittelwert<br />

von 10 Sprossen) 41,4 ( f- 8.3 unentwickelte).


90 N. Söljrinki, Vermehrung


Amiales Botanici Societalis Vanamo. 'I\)ni. I 1. N:o 1. 91<br />

F u n dort e. Ralipcsoaivi, am Rande der Felsscliliiclit oben<br />

auf dem Fjeld; westlich vom Vilgiskoddeoaivi (Illemoaivi) auf den<br />

Felsen am Wasserfall des Selvakkajoki; Kuattesoaivinjunne, in<br />

Felsenmooren zusammen mit Scirpns caespitosiis und Triglochin<br />

paluslre, desgleichen auch auf trockneren Felsenflächen; Kammikivitunturi<br />

und Kuorhgas nach CAJANDER (1932); (audi von mir am<br />

W-IIang des Kuor})gas heohachtet); IIousutunturi nacli ROIVAINEN<br />

(1927); I.uotnoaivi: mehrere kleine Siedlungen am NW-IIang, an<br />

einer Stelle an der Felswand am NE-Hang (vgl. SÖYIUNKI 1936);<br />

Kalguoaivi (Akanjiää) bei Pitkäjärvi, an mehreren Stellen am<br />

E-Hang des zweiten Gipfels an den Rändern feuchter Felsenflächen<br />

(vgl. ROIVAINEN 1927).<br />

Fertilität. Die Art blüht an allen Standorten regelmässig<br />

und gewöhnlich zerstreut, seltener ziemlich reichlich oder spärlich.<br />

F1 o r a t i o n. Die Art hatte im J. 1933 an den frühesten Standorten<br />

bis zum 8. VII. schon ausgeblüht; au einer si)ät ausapernden<br />

Stelle waren die Blütenstände am 5. VII. noch nicht hervorgebrochen<br />

(am 24. VII. hatten sich die Früchte in der Siedlung schon<br />

weit entwickelt).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art am 22. VIII. reife<br />

Früchte hoch oben am W-Hang des Kuorbgas, und die Sprosse<br />

waren unter dem Blütenstand im Vergilben. - Im J. 1933 waren die<br />

Früchte an den E-Felsenflächen am 1. VIII. reif und die Ausstreuung<br />

war im Beginnen; bis zum 20. VIII. war die Samenstreuuiig im<br />

Gebiet in grossen Zügen erledigt. Die Samen kommen also während<br />

der Vegetationsperiode gut zur Reife.<br />

In Westgrönland erzeugt die Art nach PORSILD (19201), S. 53)<br />

reichlich Früchte auf Disko.<br />

S a m e n m eng e. An den Blütenständen werden regelmässig<br />

Früchte gebildet. Die Anzahl der Früchte (Samen) am Spross<br />

betrug im J. 1931 im Felsenmoor (als Mittelwert von 20 Sprossen)<br />

15.7 (+ 17.4 unentwickelte).<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 22. VIII. 1931 vom Felsennioor am W-Iiang des Kuorbgas<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 33 % und ohne Frostbehandlung zu 25 % im JACOiiSENscIien<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte in der erstgenannten Probe<br />

erst im folgenden Frühjahr nach 14 Monaten vom Beginn des Vcr-


92 N. Söljrinki, Vermehrung


Annalcs Botanici Societatis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 93<br />

vicluen); Kalguoaivi (Akaiipää) bei Pitkäjärvi, a ti 2 Stellen am<br />

E-Hang des zweiten Gipfels am Fusse der Felsen (pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig, wegen des spärlichen<br />

Auftretens hat sie aber an jeder Beobachtungsstelle nur ein paar<br />

fertile Sprosse gehabt.<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 1. VIII. 1933 am<br />

E-Hang des Kalguoaivi beinahe ausgebildet. - In Ostgrönland hat<br />

KRUUSE (1906, S. 274) die Art in Angmagsalik am 25.-26. VIII.<br />

in der Frucht wahrgenommen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 1. VIII. 1933<br />

weit entwickelte jüngere Keimlinge).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Untersuchungen über das<br />

Vorkommen der Keimlinge habe ich am E-Hang des Kalguoaivi<br />

bei Pitkäjärvi angestellt, wo an zwei verschiedenen Stellen zwei<br />

fertile Sprosse nebst einigen sterilen Individuen auftraten. An der<br />

einen Stelle, in einer Carex riipestris -Siedlung am Fusse eines Felshangs,<br />

wurden keine Keimlinge wahrgenommen; an der anderen<br />

unter einer ziemlich steilen Felswand dagegen gelang es mir 4 jüngere<br />

Keimlinge nebst einigen mehrere Jahre alten .lungpflanzen zu finden.<br />

Die Art hat also tatsächlich Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die reichlich wurzeltreibenden<br />

Sprosse entspringen ganz nebeneinander aus dem waagerechten<br />

Rhizom, das sehr langsam weiterkriecht.<br />

Carex pedata \Vg<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in der Celraria nivalis - Alecloria-<br />

Heide(fq, sp - st pc) und in den gleiclifalls windoffenen und erodierten<br />

Siedlungen der xerophilen Dnjas -Heide (fq, st pc) sowie auf sonnigen<br />

Felsen und erratischen Inlocken (p, sp - st pc). - VALLES (1933 b,<br />

S. 262) Bemerkung, die Art wachse nur auf kalkhaltigen Fjelden,<br />

ist irrtümlich.


91 N. Söijrinki, Vermehrung cl. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. Tl.<br />

Die II ö h e der Individuen betrug im J. 1933 auf der Cetraria<br />

nivalis - Alecioria-Heide durchschn. 8.5 (4-14) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

reichlich oder ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art am 9. VII. im<br />

Gebiet im Ausblühen. - Im J. 1933 war das Blühen am 4. VII.<br />

an den S-Hängen schon abgeschlossen, an den N-Hängen aber<br />

noch teilweise im Ausklingen.<br />

Same n reife. Im J. 1931 hatte die Art auf der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria -Heide am 2. IX. reife Früchte und die Sprosse<br />

waren schon unter dem Blütenstand vergilbt; die Ausstreuung<br />

hatte indes noch nicht begonnen. - Im J. 1933 waren die Früchte<br />

am 13. VIII. reif und am 25. VIII. teilweise ausgestreut. - Die<br />

Samenreife wird also wenigstens normal rechtzeitig vor Ende der<br />

Vegetationsperiode erreicht.<br />

In Ostgrönland zwischen 71° und 73°30' N waren die Früchte<br />

nach S0EENSEN (1933, S. 118) von Mitte Juli bei den meisten Individuen<br />

reif und in der ersten Hälfte des August hatte die Ausstreuung<br />

grösstenteils stattgefunden; nach GELTING (1934, S. 169) macht<br />

die Art dort reife Früchte zwischen 73°15' und 76°20' N. In Ellesmereland<br />

hat SIMMONS (1906, S. 143) im Anfang des August Früchte<br />

angetroffen.<br />

S a m e n m e n g e. An den Blütenständen werden ziemlich<br />

regelmässig Früchte gebildet, ein bedeutender Teil der Blüten<br />

verkümmert aber gewöhnlich, ohne sich weiterzuentwickeln. Die<br />

Anzahl der Früchte (Samen) am Spross betrug im J. 1931 in der<br />

Cetraria nivalis - Alectoria-Heide (die unentwickelten in Klammern)<br />

0 (+ 6), 1 (+ 3), 2 (+ 1), 2 (+ 2), 2 (+ 7), 4 (+ 5), 5 (+ 2), 5 (+ 6),<br />

G (+ 2) und 7 (+3), durchschn. 3.4 (+ 3.?). Gelegentlich habe<br />

ich jedoch auch mehr als 10 vollentwickelte Früchte an einem<br />

Spross wahrgenommen.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen (98 Stück) keimten zu<br />

92 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

in der 4. Woche ein und dauerte in der ersten Periode 4 Monate,<br />

im folgenden Frühjahr nach der Wiederaufheizung des Apparates<br />

keimte überdies noch 1 Samen nach 14 Monaten vom Beginn des


Aiinales Botaiiici Societatis Vanamo. Tom. 1 J. N:o 1. 95<br />

Versuches. Die übriggebliebenen Samen waren noch nacli 19 Monaten<br />

lebend (hart).<br />

Die Keimung d e r S a m e n in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 21. VII. 1931 ziemlich<br />

fortgeschrittene jüngere Keimlinge in einer Siedlung der xerophilen<br />

Dryas -Heide).<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge der Art<br />

sind im Gebiet sowohl an den Felsenstandorten als in der xerophilen<br />

Dryas- und der Cetraria nivalis ~ Alecioria -Heide allgemein zu<br />

finden. In zwei Siedlungen der letztgenannten Assoziation erhielt<br />

ich als Keimlingsquotienten 1; die Quotienten lagen also im Hinblick<br />

auf die Samenmenge relativ hoch. Die Keimungsbedingungen sind<br />

auch in den Siedlungen der Assoziation wohl einigermassen günstig,<br />

weil der nackte Mineralboden reichlicli zutage tritt, oft sind aber<br />

alle feineren Bestandteile durch den ungehindert tobenden Wind<br />

so vollständig abgetragen worden, dass die Samen nur den groben<br />

Kies als Keimbett haben. Und auch sonst dürften die Verhältnisse<br />

an diesen extrem trocknen Standorten für die kleinen Pflanzenkinder<br />

keineswegs ideal sein. Die Untersuchungen haben jedoch ergeben,<br />

dass die Keimlinge die Schwierigkeiten erfolgreich zu überstehen<br />

vermögen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das blühjeife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet ziemlich<br />

kleine, feste Rasen. Eine Fähigkeit zur vegetativen Wanderung<br />

fehlt ihr gänzlich, eine Teilung des Individuums beim Absterl)en der<br />

älteren Partien dürfte aber wahrscheinlich möglich sein.<br />

Carex capillaris L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. ' Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie in der Dryas -Heide<br />

- besonders an feuchteren Stellen - (p, st pc - sp), in eutrophen,<br />

oft mehr oder minder wiesenartigen GraskrauImooren (st r, st cp - cj)),


96 N. Söljrinki, Vermehrung


Annales Bolanici Socictatis Vananio.^ Toni. 14. N:o 1. 97<br />

Die K e i 111 u n g der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 22. VII. 1933 fortgeschrittene<br />

jüngere Keimlinge an einem Bachufer).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Sanienkeimlinge treten bei<br />

der Art ziemlich regelmässig im Gebiet auf. Der Keimlingsquotiet<br />

variierte an meinen Beobachtungsstellen in den Graskrautmooren<br />

und an den Bacliufern zwischen 0.5 und 1, an einem S-Felsliang<br />

betrug er 0.2. Die Keimungsbedingungen sind an den erstgenannten<br />

Standorten im allgemeinen günstig, weil der Boden ziemlich feucht<br />

ist, andererseits wiederum meidet die Art die nassesten Siedlungen<br />

und sucht trocknere wiesenartige Braunmoore auf, in denen die<br />

Erhaltung und die Weiterentwicklung der Keimlinge schon ziemlich<br />

leicht ist. Aus dem letztgenannten Grunde sind also auch die älteren<br />

Keimlinge im Keimlingsbestand relativ zahlreich vertreten. -<br />

In der Drijas -Heide habe ich nicht besonders nach Keimlingen<br />

gesucht; auf meinen Probequadraten kam die Art nur spärlich vor.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r c i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet kleine,<br />

feste Rasen. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen, die<br />

wurzelnden Sprosse können aber wahrscheinlich nach ihrer eventuellen<br />

Trennung von der Mutterpflanze selbständig weiterwachsen<br />

(vgl. HEGI 1906 - 31, II, S. 97; METSÄ VAINIO 1931, S. 137 - 138).<br />

Carex rostrata Stok. var. borealis lln<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; ihre Standorte sind die Graskrautmoore (fq, cj) - cpp) sowie<br />

das seichte Wasser der See- und Teichufer (st fq, cp - cpp).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und oft ziemlich<br />

reichlich oder zerstreut, stellenweise aber nur mehr oder minder<br />

spärlich. Die Zahl der fertilen Sprosse war in einer Siedlung des<br />

Drepanocladus inlermedius - Scorpidiim - Carex rostrala -Moores<br />

18 bzw. 50 auf 1 m^.


98 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Fl oratio n. Im J. 1933 war das Blühen in den Graskrautmooren<br />

an der Grenze der subalpinen Region am 15. VII. im vollen<br />

Gang und am 23. VII. abgeschlossen, höher oben wurde aber die Art<br />

an schattigen Stellen noch am 22. VII. im Aufblühen und am 27. VII.<br />

in voller Blüte wahrgenommen. Im seichten Wasser an den Ufern<br />

der Fjeldteiche war das Blühen im allgemeinen am 19. VII. im<br />

Beginnen, am 24. VII. im vollen Gang und am 29. VII. im Ausklingen;<br />

am 8. VIII. war das Blühen auch an den spätesten Stellen<br />

in grossen Zügen abgeschlossen. - In der subalpinen Region befand<br />

sich die Art am 28. VII. in den Graskrautmooren im Ausblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 5. IX. 1933 in den<br />

Graskrautmooren noch nicht völlig ausgebildet, und die Pflanze<br />

war noch ganz sommerlich gefärbt. Im vorhergehenden Sommer<br />

war die Entwicklung nicht einmal so weit gekommen, denn Anfang<br />

Juli 1933 wurden reichlich vorjährige Blütenstände mit festsitzenden,<br />

ganz leeren Schläuchen vorgefunden. - Offenbar können die Früöhte<br />

im Gebiet nur in den allergünstigsten Vegetationsperioden volle<br />

Reife erreichen.<br />

In Westgrönland blüht die Art und macht wahrscheinlich auch<br />

reife Früchte in Tasermiut (etwa 60° N), nach POESILD (1932, S. 50).<br />

Samen m enge. Die Entwicklung der Blüten zu Früchten<br />

ist bei der Art im Gebiet im allgemeinen sehr schwach, und die<br />

Besamung bleibt also auch in solchen Jahren, in denen sie vielleicht<br />

stattfinden könnte, recht besclieiden. In der am 5. IX. 1933 vom<br />

Drepanocladiis intermedins - Scorpidium - Carex rosiraia -Moor eingesammelten<br />

Probe betrug die Anzahl der weiterentwickelten<br />

Früchte pro Spross (als Mittelwert von 10 Sprossen) nur O.7 Stück,<br />

alle übrigen Schläuche waren leer. Oft hat sich am ganzen Blütenstand<br />

kein einziger Samen gebildet, einigemal habe ich jedoch an<br />

derselben Ähre mehrere weiterentwickelte Früchte wahrgenommen<br />

(vgl. PANTSAR 1933, S. 49).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art im Gebiet nicht angetroffen, obgleich ich nach ihnen<br />

in mehreren Siedlungen der Graskrautmoore und an den Ufern<br />

der Seen und Teichc gesucht habe, und zwar an solchen Stellen,<br />

wo manche andere in viel bescheidnerer Abundanz vorkommende<br />

Arten durch Keimlinge vertreten waren. Das Fehlen der Keimlinge<br />

wird ja wohl durchaus verständlich, wenn wir die schwache Frucht-


Aiinales Botaiiici Societatis Vanamo. Tom. 1 J. N:o 1. 99<br />

bildung und die unsichere Samenreife in Betracht ziehen, die es<br />

verursachen, dass die Mögliclikeiten zur Entstehung der Keimlinge<br />

wenigstens normal äusserst schwach sind.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gel)iet sind also offenbar höchstens sehr gering.<br />

PANTSAB (1933, S. 49) hat im Äyräpäänjärvi-See (Isthmus carelicus)<br />

Samenkeimlinge der Art auf dem Wasser schwimmend wahrgenommen.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des kräftigen, wandernden Rhizoms statt (vgl. z.B. METSÄ-<br />

VAiNio 1931, S. 116-119).<br />

Carex rotundata Wg<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig, und zwar findet man sie in den Graskrautmooren<br />

(fq, cpp - st cp), desgleichen in den Zwergstrauchmooren (st r, sp).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 im Calliergoii<br />

sarmentosiim - Drcpanocladiis jliiitans coli. - Carex rotundata-Moov<br />

durchschn. 32 (23 - 41) cm und im Carex rariflora -Moor durchschn.<br />

17 (13-25) cm (vgl. KRUUSE 1906, S. 276).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich mehr<br />

oder minder reichlich oder zerstreut, seltener spärlicher. Die Anzahl<br />

der fertilen Sprosse auf 1 in^ war im J. 1931 im Calliergon sarmentosiim<br />

- Drepanocladiis fluitans coli. - Carex rotundata -Moor 105 bzw.<br />

120 und im J. 1933 in derselben Siedlung 55 bzw. 02. Die Art blühte<br />

also an der Stelle im J. 1931 beträchtlich reichlicher als im J. 1933<br />

(die Fcrtilitätswerte in der ganzen Siedlung waren entsprechend<br />

cp und st cp), denn die Deckungsprozente waren in beiden Jahren<br />

die gleichen.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich im J. 1933 am 4. - 5. VII.<br />

in den Graskrautmooren im allgemeinen in voller Blüte und an<br />

den frühesten Stellen schon im Ausblühen. Am N-Hang hatte<br />

das Blühen aber am 8. VII. noch nicht begonnen und war am 15. VII.<br />

im vollen Gang.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 hatte die Art in einer ziemlich<br />

trocknen Graskrautmoorsiedlung am S-Hang am 13. VIII. reife<br />

Früchte. Im Calliergon sarmentosiim ~ Drepanocladiis fluitans coli.


100 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

- Carex rotundata-Moor waren die Früchte am 29. VIII. allgemein<br />

reif, und die Blätter hatten zu vergilben begonnen. - Im J. 1931<br />

waren die Früchte im Calliergon sarmentosum - Drepanocladus<br />

fliiitans coli. - Carex rotundata -Moor am 3. IX. noch nicht ganz<br />

reif und die Sprosse waren grün. - An den frühesten Standorten<br />

wird die Samenreife also rechtzeitig erreicht, an den spätesten<br />

dagegen in den ungünstigsten Jahren offenbar überhaupt nicht.<br />

In Ostgrönland ist die Art nur ohne Früchte angetroffen worden<br />

(GELTING 1934, S. 173, unter Carex saxatilis), weil sie nach der<br />

Mitteilung von SÖRENSEN unter dem Wasser blüht. In Westgrönland<br />

erzeugt sie reichlich Früchte auf Disko (PORSLLD 1920 b, S. 58).<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Früchte (Samen) am Spross<br />

betrug im J. 1931 im Calliergon sarmentosum - Drepanocladus<br />

fluüans coli. - Carex rotundata -Moor (die unentwickelten in Klammern)<br />

0 (+ 78), 0 (+ 78), 1 (+ 87), 1 (+ 130), 2 (+ 72), 2 (112),<br />

ö (+ 67), 7 (+ 1G6), 10 (+ 141) und 14 (+ 172), durchschn. 4.3<br />

(+ 110.3). Die Fruchtentwicklung war also in der Siedlung sehr<br />

schwach. Im J. 1933 wurde jedoch stellenweise eine bedeutend<br />

reichlichere Besamung festgestellt.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 vom Calliergon sarmentosum - Drepanocladus<br />

fluitans coli. - Carex rotundata -Moor eingesammelten »vollentwickelten»<br />

Samen (75 Stück) keimten nur zu 5.3 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung . erfolgte in der 3. und<br />

4. Woche. Die übriggebliebenen Samen waren nach 19 Monaten<br />

tot (weich). - Die Samen waren beim Einsammeln nicht ganz reif<br />

(lösten sich in der Papiertüte auch später nicht von der Ährchenachse<br />

ab).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 17. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in einer Graskrautmoorsiedlung).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind im Gebiet ziemlich allgemein, wenngleich gewöhnlich nicht<br />

reichlich an Zahl anzutreffen. Im Calliergon sarmentosum - Drepanocladus<br />

fluitans coli. - Carex rotundata -Moor wurden in einer Siedlung<br />

auf 4 X 0,25 m^ insgesamt 30 jüngere und 2 ältere Keimlinge gefunden<br />

(durchschn. 86 fertile Si)rosse auf 1 m-). Die Siedlung war ganz<br />

nass und die Möglichkeiten zur-Weiterentwicklung der Keimlinge


Annales Botanici Soeielatis Vanamo. Toni. 1 I. N:o 1. 101<br />

gestalteten sich trotz den ziemlich guten Keimungsbedingungen<br />

recht ungünstig. Im Eriophorum pohjslachijiim -Moor wurde in<br />

einer schwankend weichgründigen Siedlung insgesamt 1 jüngerer<br />

Keimling auf 3 X O.25 m^ festgestellt (3, 4, bzw. 4 fertile Sprosse auf<br />

1 m'^). In einem kleinen Bachufernioor war der Keimlingsquotient 1,<br />

und in einer ziemlich trocknen braunmoorartigen Siedlung wurden<br />

5 jüngere Keimlinge nebst einigen älteren gefunden. An den nackten<br />

Torfufern der Fjeldweiher sowie am Boden ausgetrockneter Tümpel<br />

habe ich einzelne Keimlinge beobachtet.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind ziemlich günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung ist kräftig mit Hilfe<br />

des wandernden Rhizoms.<br />

Carex saxaülis L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie im Carex saxaiilis -Moor (fqq, cpp - cp) sowie<br />

in den eutrophen Moorsiedlungen der Bachufer (r, sp).<br />

Fundorte. Zwischen Pilguoaivi und Rahpesoaivi, am Bachufer<br />

auf etwa 1 m^ cp; Raijoaivi, ein einem kleinen Bachufermoor<br />

am SE-Hang; westlich von Raijoaivi eine kleine, ziemlich trockne<br />

Siedlung (zusammen mit Carex rotiindata); Kuorbgas: eine etwa<br />

30 X 30 m- messende Siedlung am Fusse des S-Hangs, kleine Siedlungen<br />

am NW-Hang; östlich von Säräslaki am W-lIang kleine<br />

Siedlungen am Rande feuchter Felsen (zusammen mit Scirpus<br />

caespitosiis); Rieppetshohki (Onkitunturit), an einem Bachufer am<br />

E-Hang auf etwa 1 m- cp.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 im Carex saxatilis-<br />

Moor durchschn. 28 (19-45) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht im Carex saxaiilis -Moor gewöhnlich<br />

ziemlich reichlich oder zerstreut, in den Bachufersiedlungen<br />

aber mehr oder minder spärlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich am 18. VII. 1933 im Bachufermoor<br />

im Aufblühen bzw. in voller Blüte,


102 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 21. VIII. 1933 am<br />

S- und W-Hang ausgebildet und wahrscheinlich reif (lösten sich<br />

beim Verwahren ab) und die Sprosse fingen an zu vergilben. Die<br />

Samen kommen also wenigstens in günstigen Jahren rechtzeitig<br />

zur Reife. - Die Intensität der Samenbildung scheint aber in den<br />

verschiedenen Siedlungen beträchtlich zu variieren. An den meisten<br />

Stellen war die Fruchtentwicklung ziemlich reichlich, an einigen<br />

wurden dagegen nur leere Schläuche festgestellt; in den erstgenannten<br />

Siedlungen waren die Schläuche dunkel rotbraun gefärbt, in den<br />

letzteren wiederum beinahe braun. Möglicherweise können die<br />

unfruchtbaren Siedlungen durch Bastardierung entstanden sein.<br />

Von Spitzbergen ist nicht bekannt, ob die Art dort reife Früchte<br />

erzeugen kann (ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 78). In Ostgrönland<br />

reifen die Früchte zwischen 71° und 73°30' N im Juli -<br />

August (S0RENSEN 1933, S. 122); nach GELTING (1934, S. 172)<br />

macht die Art reife Früchte zwischen 73°15' und 76°20' N. In Westgrönland<br />

ist die Frucliterzeugung reichlich auf Disko (PORSILD<br />

1920 b, S. 58). Auf Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 96, Carex<br />

pulla) Ende August 1921 in den südlichen Fjorden offenbar reife<br />

Früchte wahrgenommen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

in solchen Siedlungen, in denen die Art imstande war, fortpflanzungsfähige<br />

Früchte zu produzieren, verhältnismässig zahlreich vorgefunden.<br />

Der Keimlingsquotient war in einer ausgedehnten,<br />

frischgründigen Siedlung des Carex saxatilis-Moors 1, in einer<br />

ziemlich trocknen Siedlung am Rande eines Felsens wiederum 0.5.<br />

Der Boden war an der ersteren Stelle fast nackt, nur fleckenweise<br />

von Calliergon sarmentosum bedeckt; an der letzteren Stelle fehlte<br />

die Moosschicht ganz. - In denjenigen Siedlungen dagegen, in<br />

denen die Samenbildung ausgeblieben war, habe ich trotz gleicher<br />

Standortsverhältnisse keine Keimlinge wahrnehmen können. Die<br />

Unfähigkeit zur Samenerzeugung scheint mithin eine konstante<br />

Eigenschaft zu sein (vgl. oben).<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind also im allgemeinen günstig.


Annalos Hotanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 103<br />

Das 1) 1 ü h r c i f e wS t a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Ver m e h r u n g findet effektiv mit<br />

Hilfe des kräftigen, wandernden Hhizoms statt.<br />

Carex vesicaria L. var. alpigena Fr.<br />

Häufigkeit und V o r k o ni m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

selir seilen; sie ist nur an einer Stelle, und zwar in einem moorigen<br />

J^achhett am E-Ende eines kleinen, am Fusse des NE-Hangs des<br />

Vilgiskoddeoaivi gelegenen Sees angetroffen worden.<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blühte im .J. 1933 an der Stelle zerstreut.'<br />

S a m e n r e i f e. Die Schläuche waren im J. 1933 am 8. VH I.<br />

schon heinahe ausgebildet, und am 5. IX. befand sich die Pflanze<br />

in\ Vergilben. Die Fruchtbildung war al)er äusserst schwach und<br />

die Schläuche wurden fast ohne Ausnahme ganz leer gefunden;<br />

an 15 Sprossen waren insgesamt nur 2 annähernd fertiggebildete<br />

Früchte zu finden.<br />

K. e i m 1 i n g s v e r h ä I t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art an der Beobachtungsstelle nicht angetroffen. Aus der<br />

Samenl)ildung zu schliessen sind ja auch die Möglichkeiten zu ihrer<br />

Entstehung äusserst gering. - In Visuvesi, Kirchsp. Ruovesi (Tavastia<br />

australis) waren die Keimlinge der Art ziemlich häufig in<br />

einer ausgedehnten Seeufersiedhuig; die meisten kamen an den<br />

nassesten Stellen vor, wo der Boden entweder ganz nackt oder<br />

von einer dünnen, anliegenden Drepanodadiis fluitans coli. -Schicht<br />

bedeckt war.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des kräftigen, wandernden Rhizoms statt (vgl. z.B. METSÄ-<br />

VAiNio 1931, S. 113-115). '<br />

Carex lasiocarpa Ehrh.<br />

L<br />

H ä u f i g k e i t und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten, und zwar findet man sie im unteren Teil der alpinen<br />

Hegion in den Graskrautmooren an quelligen Stellen (r, st cp).<br />

1 , 1;<br />

Ann. Hot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vaiuuno, i/i, n:(i l. 8


104 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

Fundorte. Vilgiskveljaur, in den Quellenmooren am SE-<br />

Ufer; Raijoaivinjunne, Graskrautmoor an der W-Seite in der Nähe<br />

der letzten Birken.<br />

Fertilität. Die Art blühte im Sommer 1933 ziemlich<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 waren die Blütenstände am 10. VIT.<br />

im Hervorbrechen; am 25. VII. war das Blühen in grossen Zügen<br />

abgeschlossen. - In der subalpinen Region wurde die Art am 11. VII.<br />

in einem Graskrautmoor in voller Blüte beobachtet.<br />

Samenreife. Die Pflanze war am 4. IX. 1933 noch beinahe<br />

grün, nur der obere Teil des Blütenstandes hatte bereits zu vergilben<br />

begonnen. Die Fruchtbildung war aber völlig ausgeblieben:<br />

an den untersuchten 20 Sprossen waren alle Schläuche leer. - Im<br />

arktischen Norwegen ist die Samenerzeugung ebenfalls oft sehr<br />

schwach (NORMAN 1895- 1901, S. 547, Carex filiformis).<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht gefunden, obgleich ich nach ihnen im Quellenmoor,<br />

wo sich die Keimungsbedingungen recht günstig gestalteten, besonders<br />

gesucht habe. Auf Grund der Beobachtungen über die Samenentwicklung<br />

dürfte die Art auch kaum Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet haben.<br />

Die vegetative Vermehr ung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des kräftigen, wandernden Rhizoms statt (vgl. RAUNKIAER<br />

1895-99, S. 463; METSÄVAINIO 1931, S. 120- 123, Carex filiformis).<br />

Jimcaceae<br />

Juncus filiformis L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; ihre Standorte sind schneebodenartige Vertiefungen<br />

inmitten der Fjeldheiden (fq, cpp - st cp), etwas feuchtgründige<br />

Heidewiesensiedlungen (st fq, st cp - sp), die Graskrautmoore (st r,<br />

st cp - pc) sowie die Ufer der Fjeldbäche und -weiher (st fq, cp - sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Juncus filiformis -Siedlungen<br />

am Boden der Vertiefungen gewöhnlich mehr oder minder


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 1 I. X:() 1. 105<br />

reichlich oder zerstreut, an den übrigen Standorten dagegen im<br />

allgemeinen spärlicher. In den Graskrautmooren ist sie stellenweise<br />

völlig steril aufgetreten.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 wurde die Art am 14. VII. an einem<br />

Bachufer zum erstenmal blühend beobachtet und von diesem Tage<br />

an blühte sie im Gebiet fortdauernd wenigstens bis zum 25. VIII.<br />

Das Blühen dauerte auch an ein und demselben Standort sehr<br />

lange an, und oft kamen sowohl noch nicht aufgeblühte Knospen<br />

als ausgeblühte Blüten ganz nebeneinander, sogar an demselben<br />

Spross vor (z.B. am 29. VII. in einer Juncus /i/i/ormis-Siedlung<br />

am Boden einer Vertiefung und am 8. VIII. in einer anderen Siedlung).<br />

Deshalb und infolge der kurzen Blütezeit der einzelnen<br />

Blüten waren in jeder Siedlung regelmässig jmr wenige Blüten<br />

auf einmal geöffnet, so dass man ohne eine nähere Betrachtung<br />

den Eindruck erhalten konnte, die Art befände sich entweder im<br />

Auf- oder im Ausblühen. - LOEW (1894, S. 359-3G1) erwähnt<br />

ähnliches, sich nach mehreren Tagen wiederholendes Blühen bei<br />

vielen Juncaceen, und SIPILÄ (1935, S. 129) hat dieselbe Erscheinung<br />

bei Juncus filifonnis in Ähtävä (Ostrobottnia media) wahrgenommen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die ersten Früchte am<br />

9. VIII. an den frühesten Stellen schon weit entwickelt und am<br />

15. VIII. ausgebildet. In einer Juncus /i/i/ormis-Siedlung in einer<br />

Vertiefung hatte die Art am 4. IX. ausgebildete Früchte, in denen<br />

die Samen offenbar reif waren, die Ausstreuung hatte aber noch<br />

nicht begonnen. Im vorhergehenden Sommer dagegen hatten<br />

sich die Blüten an der Stelle im allgemeinen überhaupt nicht geöffnet,<br />

sondern waren mit eingeschlossenen Narben und Staubfäden<br />

vom Winter überrascht worden; nur wenige hatten sich zu halbwüchsigen<br />

Früchten weiterentwickelt. - Im J. 1931 hatte das<br />

Blühen in der artenreichen Carex rigida -Wiese am spät ausapernden<br />

Bachufer am 3. IX. noch nicht begonnen (im J. 1933 war die Art<br />

an der Stelle am 9. VIII. schon z.T. ausgeblüht). - In ungünstigen<br />

Sommern kommen die Samen im Gebiet offenbar gar nicht zur<br />

Reife und auch in günstigen Jahren kaum an den spätesten Standorten.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 etwa<br />

«) 46 Tage. - Nach den Beobachtungen von SIPILÄ (1935, S. 129)


106 N. Söijrinki, Vermehrung d, Sainenpfl. i. cl. alpinen Vegetation. 11.<br />

brauchte die Art in Ähtävä (Ostrobottnia media) vom Aufblühen<br />

der einzelnen Blüte bis zum Beginn der Samenstreuung 21 Tage;<br />

die Bestäubungszeit einer Blüte betrug 2 Stunden.<br />

Die K e i m u n g d er Sa m en in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

l)ei der Art nur an zwei Beobachtungsstellen an der oberen Grenze<br />

der subalpinen Region vorgefunden. Am oberen Lauf des Pilgujoki<br />

in der Höhe der letzten Birken wurden am nassen, nackten Torfufer<br />

mehrere jüngere und ältere Keimlinge wahrgenommen und am<br />

Luotnvaara beobachtete ich gleich oberhalb der Waldgrenze auf<br />

einem feuchten, moorigen Fusspfad, wo die Art fertil vorkam,<br />

einen jüngeren Keimling. Höher .oben auf den Kjelden habe ich<br />

dagegen keine Keimlinge angetroffen, nicht einmal in den Jiinciis<br />

füiformis -Siedlungen am Boden der Vertiefungen, in denen die Art<br />

verhältnismässig reichlich blühte; in einer Siedlung stellte ich jedoch<br />

ein wahrscheinlich aus Samen entstandenes jüngeres Individuum<br />

fest. Das Fehlen der Keimlinge ist aber in erster Linie nur als eine<br />

natürliche Folge der unsicheren Samenreife zu verstehen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind schwach.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein kriechendes,<br />

kurzgliedriges Rhizom, mit dessen Hilfe sie langsam am Standort<br />

weiterwandert (vgl. z.B. RAUNKIAER 1895-99, S. 383; METSÄYAINIO<br />

1931, S. 198-200).<br />

Jimciis triglumis L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie im unteren Teil der alpinen Region an den<br />

Bachufern (r, st pc - pc), auf feuchten Schneeböden (r, st pc) und<br />

in den Erosionsfurchen der Dnjas -Heide (rr, sp).<br />

F u n dort e. Kiergipori, an 3 Stellen am Bachufer, an einer<br />

Stelle auf dem Schneeboden (zusammen mit Juncus biglumis);<br />

Rieppetshohki (Onkitunturit), am unteren Teil des N-Hangs, in den<br />

Erosionsfurchen der Dryas -Heide; Luotnvaara, in einem Baehbott<br />

am N-Hang; im Kammikivigebiet nach KALLIOLA (1932, S. 102) st r<br />

auf den Schneeböden. ;


Annales Botanici Soeielatis Vanamo. Toni. 1 I. N:o 1. 107<br />

F e r I i 1 i I ä 1. Die Ari blüht in der Hegel mehr oder minder<br />

reichlich.<br />

1 o r a l i o n. Die Ari wurde im J. 1933 in den Erosionsfurchen<br />

der 7>;y«.v-Meide am 11. VII. im Ausblühen beobachtet. An den<br />

l^achufern war das Blülien am 21. VII. abgeschlossen, auf dem<br />

Schneeboden aber erst im Beginnen.<br />

S a m e n reif e. Die Samenstreuung hatte bis zum 4. IX. 1933<br />

an den Bachufern stattgefunden. Die Samen kommen also rechtzeitig<br />

vor Ende der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

Von Spitzbergen liegen keine Angaben über die Samenreife vor<br />

(ANDERSSON und IIESSELMAN 1900, S. 83). In Ostgrönland macht<br />

die Art (var. Copelandi Buchen.) reife Früchte zwischen 73° 15'<br />

und 7(>°20'N (GELTING 1931, S. 2IR)). In Westgrönland erzeugt<br />

sie nach PORSILD (1920 b, S. 60) reichlich Früchte auf Disko. (Vgl.<br />

auch BiiRLiN 1881, S. 1)7.)<br />

Die K e i m u n g d er Sa m e n in der Natu r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 11. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in den Erosionsfurchen der Dnjas -Heide).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge sind an<br />

den Standorten der Art in der Hegel ziemlich reichlich zu finden.<br />

An einem Bacluifer war der Keimlingsquotient 2, und ungefähr<br />

gleich zahlreich waren die Keimlinge auch an meinen übrigen<br />

3 Beobachtungsstellen vertreten. Die Standortsverhältnisse waren<br />

für die Keimung der Samen sowie die Entwicklung der Keimlinge<br />

auch recht geeignet, denn der Boden war hier gewöiiulich feucht<br />

und weich und überdies mehr oder minder nackt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

(lebiet sind günstig.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e S t a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetativ e V e r m e h r u n g. Die Art bildel kleine,<br />

lockere Hasen. Eine Fähigkeit zur vegetativen Wanderung fehlt<br />

ihr gänzlich, das Selbständigwerden wurzeljider Sprosse dürfte aber<br />

einigermassen möglich sein.


108 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Jimcus bigliimis L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie auf feuchten, mehr oder minder<br />

spät ausapernden Schneeböden (fq, sp - pc) und schneebodenartigen<br />

N-Felsen (fq, sp - pc), an den Bachufern (p, sp - pc), in<br />

relativ trocknen, wiesenartigen Graskrautmooren (p, st pc - pc)<br />

und in den Erosionsfurchen der Fjeldheiden (r, st pc - pc).<br />

Die n ö h e der Individuen betrug im J. 1933 auf den N-Felsen<br />

durchschn. 12 (G - 21) cm (vgl. KJELLMAN 1874, S. 40; EKSTAM<br />

1894, S. 174; NORMAN 1895- 1901, S. 524; FEILDEN 1898, S. 429;<br />

Kruuse 1906, S. 268; S0RENSEN 1933, S. 158).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich oder ziemlich<br />

reichlich.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Im J. 1933 war das Blühen am 5. VII. an den<br />

am frühesten ausapernden Standorten schon abgeschlossen und<br />

die Früchte waren ziemlich weit entwickelt. Auf einem N-Felsen<br />

befand sich die Art am 9. VII. im Ausblühen. In einer Siedlung<br />

der Phippsia afr/ida-Schneebodenvegetation, wo am 7. VII. noch<br />

kein Lebenszeichen von der Art zu beobachten war, wurde sie<br />

am 17. VII. im Aufblühen festgestellt, desgleichen in einer anderen<br />

Schneebodensiedlung am 21. VII.<br />

Samenreife. Im J. 1933 hatte die Art am 9. VIII. reife<br />

Früchte in einer Siedlung der Phippsia algida -Schneebodenvegetation,<br />

und bis zum 4. IX. war die Samenstreuung im Gebiet im<br />

allgemeinen erledigt, die allerspätesten Standorte jedoch ausgenommen.<br />

- Im J. 1931 waren die Früchte am 20. VIII. auf dem<br />

Phippsia algida -Schneeboden ausgebildet. - Die Sanienreife wird<br />

also auch in den am spätesten ausapernden Siedlungen während<br />

der Vegetationsperiode erreicht, ausser vielleicht in den ungünstigsten<br />

Sonmiern.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 in<br />

der Phippsia algida -Sclineebodenvegetation 23 Tage; die Länge<br />

der Präflorationszeit l)etrug etwa (» 10 Tage, die ganze Vegetationsperiode<br />

dauerte also etwa (» 33 Tage. - CLEVE (1901,<br />

S. 55 und 83) fand als Präflorationszeit in Schwedisch-Lappland<br />

18 und als Länge der ganzen Vegetationsperiode 75 Tage (aufgesprungene<br />

Früchte); RESVOLL (1917, S. 68 und 71) teilt als ent-


Annales Botanici Societatis Vanamo, Tom. 1 1. N:o 1. 109<br />

spreciiende Werte aus Norwegen 20 und > 41 Tage mit; nach<br />

GELTING (1934, S. 215) betrug die Präflorationszeit in Ostgrönland<br />

18 Tage.<br />

Auf Spitzbergen hat NATHORST (1883, S. 38) die Art am 23. VIII.<br />

1882 in Lommebay mit reifen Kapseln angetroffen; auch EKSTAM<br />

(1898, S. 48) hat reife Früchte beobachtet; nach ANDERSSON und<br />

HESSELMAN (1900, S. 83) dürften die Früchte regelmässig vom<br />

Ende August oder Anfang September beginnend reifen. In Ostgrönland<br />

(65° N) hat BERLIN (1884, S. 67) die Art im September<br />

und KRUUSE (190G, S. 268) in Angmagsalik im August mit Früchten<br />

beobachtet; S0RENSEN (1933, S. 158) fand ausgeleerte Früchte auf<br />

Ymer Island (zwischen 71° und 73°30' N) schon Anfang August;<br />

nach GELTING (1934, S. 215) reifen die Früchte zwischen 73° 15'<br />

und 76°20' N. In Westgrönland erzeugt die Art reichlich Früciite<br />

auf Disko nach PORSILD (1920 b, S. 60). In Nordwestgrönland<br />

(77° N) hat OSTENFELD (1925, S. 10) am 20.-27. VIII. junge<br />

Früchte wahrgenommen. Auf Novaja Senilja hat LYNGE (1923,<br />

5. 90) am 21. VIII. 1921 in Pomorskaja reife, aufgesprungene<br />

Früchte festgestellt; aufgesprungene vorjährige Früchte kamen<br />

selbst an den nördlichsten Standorten vor.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte betrug im J. 1931<br />

in einer Siedlung der Phippsia algida -Schnee])odcnvegetation<br />

2 Stück an jedem Spross, die Zahl der Samen pro Frucht wiederum<br />

30, 31, 31, 34, 31, 37, 38, 10, 41 und 43, durchsciin. 35.9 (alle Samen<br />

waren vollentwickelt). Die mittlere Zahl der Samen pro Spross<br />

betrug also 71.8 Stück.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u e li.<br />

Die am 20. VIII. 1931 von der Phippsia algida-^chmehodcnwegetation<br />

eingesammelten Samen keimten nach Frostbehandhing<br />

zu 18 % und ohne Frostbehandlung zu 21 % im JAOOBSENschen<br />

Keimungsapparat. In den beiden Proben setzte die Keimung am<br />

6. Tage ein und schloss in der 2. Woche ab. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten tot (weich). Die Samen waren<br />

beim Einsammeln nicht reif, obwohl sonst ausgebildet (die Kapseln<br />

sprangen beim Verwahren nicht auf).<br />

Die am 12. VIIL 1933 vom N-Schneebodenfelsen eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten


1 K) N. Söyrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Samen kamen im gleichen Herbst und auch im folgenden Frühling<br />

bis zum 31. V. gar nicht zur Keimung. Die Bewässerung war für die<br />

Art während des Versuches offenbar nicht ausreichend.<br />

Die K e i m u n g d e r S a men i n d e r Nat u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 17. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge auf einem Schneebodenfelsen).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n 1 s s e. Samenkeimlinge treten an<br />

den Standorten der Art regelmässig und gew()hnlich auch ziemlich<br />

reichlich auf. Der Keimlingsquotient variierte an meinen Beobachtungsstellen<br />

zwischen 0.2 und 3; am höchsten lag er an weichgründigen<br />

Bachufern, wo der nackte Boden allgemein zutage tritt,<br />

ebenso auf feuchten, weniger extremen Schneeböden und N-Felsen,<br />

doch auch in spät ausa})ernden Schneebodensiedlungen wurden<br />

stellenweise ziemlich zahlreich Keimlinge vorgefunden, denn die<br />

Samen reifen auch in diesen wenigstens normalenfalls rechtzeitig.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e S t a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Ver m e h r u n g. Die Art hat ein ganz<br />

kurzes Rhizom und bildet kleine, lockere Hasen. Eine vegetative<br />

Wanderung im eigentlichen Sinne findet nicht statt; die wurzelnden<br />

Sprosse können möglicherweise einigermassen Selbständigkeit<br />

erreichen.<br />

J uncus tr if idus L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m en. Die Art ist im tiebiet<br />

häufig, und zwar findet man sie in der Cetraria nivalis - Alcctoria-<br />

Heide (fcjtj, sp - st pc), in den Erosionsflecken der Cetraria nivalis-<br />

Heide (fq, sp-stpc), in der xerophilen Dnyrti--Heide (fq, sj) - st pc),<br />

der Lycopodium alpinum - Solidago - Deschanipsia flexuosa -Heidewicse<br />

(fq, sj) - j)c), den übrigen Heidewiesen (st r, st pc - pc), an<br />

mehr oder minder trocknen Felshängen (p, sp - st pc) und auf<br />

grusigen Schneeböden (st r, st pc).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im .). 1933 in der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria-Meide durchschn. 7.5 (4-11) cm bis zur Spitze<br />

des Hüllblattes gemessen (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 525; KUUUSK<br />

1900, S. 209).


Aiinalcs Bolanici Societalis Vanamo. Tom. 11. N:o 1. Ill<br />

e r t i 1 i t ä t. Die Ari blüht in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

F 1 o r a l i 0 n. Im J. 1931 befand sich die Art am 14. VII. auf<br />

den Fjeldheiden im allgemeinen im Ausblühen; am W-Felshang<br />

auf dem Gipfel des Hiej)petshohki wurde sie am 20. Vll. noch in<br />

nahezu voller Blüte wahrgenommen; am Rande eines Schneel)odens<br />

hatte das l^lühen am 10. VII. noch nicht begonnen.<br />

Im .J. 1933 war das Blühen am 4. VII. an den S-IIängen und<br />

auf sonnigen Fjeldheiden im allgemeinen im vollen (iang, stellenweise<br />

sogar im Ausklingen; höher oben auf den Fjelden hatte es<br />

aber noch nicht überall begonnen, in der Cetraria nivalis - Alecioria-Heide<br />

am Gipfel des Vilgiskoddeoaivi noch am 6. VII. nicht.<br />

In den Schneebodensiedhuigen kam die Art erst bedeutend später<br />

zur Blüte; so wurde sie am 23. VII. im Aufblühen und am 9. VI 11.<br />

sowie am 12. VIII. in voller Blüte festgestellt.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Samen auf den sonnigen<br />

Fjeldheiden am 2. IX. reif und die Si)rosse waren teilweise vergilbt;<br />

die Ausstreuung hatte aber noch nicht begonnen. Vom Ende der<br />

Blüte bis zur Samenreife vergingen etwa 51 Tage. - In Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel hatte die Art in einer äusserst windoffenen<br />

Siedlung der xeroj)hilen Drijas-Heide am 4. VIII. ausgebildete<br />

Früchte.<br />

Im J. 1933 waren die Sameji am 20. VIII. auf den Fjeldheiden<br />

der S-Ilänge stellenweise reif und die Kapseln befanden sich im<br />

Aufspringen; am 25. VIII. war die Samenstreuung daselbst im<br />

Gang und die Sprosse waren zum grossen 4\M1 vergilbt. An beschatteten<br />

Stellen wurde die Samenreife natürlich weiter gegen das Ende<br />

der Vegetationsperiode hin verschoben und auf den am spätesten<br />

ausaperndeji Standorten konnte sie wahrscheinlich gar nicht erreicht<br />

werden. Vom Ende der Blüte bis zur Sanienreife vergingen etwa<br />

47 Tage. - Im allgemeinen kommen die Samen also während der<br />

Vegetations])eriode zur Reife.<br />

In Ostgrünland macht die Art reichlich reife Früchte in Angmagsalik<br />

(KRUUSB 1906, S. 2Ü9); in Süd- und Ostgrönland hat<br />

BERLIN (1881, S. 07) sie im August und September 1883 mit Früchten<br />

angetroffen. In Westgrönland blüht die Art reichlich auf Disko<br />

nach PoRSiLD (1920 b, S. (>1), erzeugt aber nicht in allen .lahren<br />

Früchte.


112 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Saineii])fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Samen m enge. Die Blüten entwickeln sich ziemlich regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte am Spross<br />

war im J. 1931 in der Cetraria nivalis - Alccloria-lleide (die unentwickelten<br />

in Klammern) 1, 1. 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1 (+ 1),<br />

2, 2, 2 (+1), 3 und 3, durchschn. 1.4 (+ O.i), in der xerophilen<br />

Dryas -Heide in Pummanki 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1,<br />

2, 2, 2, 2 und 2, durchschn. 1.3 und auf den W-Felsen durchschn.<br />

1.0 Stück. Die Anzahl der Samen pro Frucht betrug in der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria -Heide (die unentwickelten in Klammern) 5, 8,<br />

9 (+ 3), 10, 11, 12, 12 (+ 2), 13, 17, 17, 17 (+ 2), 18, 19, 19 und 20,<br />

durchschn. 13.8 (+0.5), in der xerophilen Dryas-Heide 7, 8, 8,<br />

10, 10, 10, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 19 und 19, durchschn. 12.o<br />

und auf den W-Felsen 6 (+ 3), 7, 7 (+ 3), 8, 9 (+ 4), 9 (+ 4),<br />

10, 10 (+2), 11, 12, 14, 16, 16, 16 (+ 1) und 19, durchschn. 11.3<br />

(+ l.i) Stück. Die Anzahl der vollentwickelten Samen pro Spross<br />

betrug also in der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide 18.G, in der<br />

xerophilen Drj/rts-Heide 15.i und auf den W-Felsen 11.3.<br />

Im J. 1929 belief sich die Anzahl der Früchte am Spross in<br />

Pummanki in der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide auf 2.3 (1 - 4)<br />

und in der Empetnim -Heide auf 2.4 (1 - 4), Die Anzahl der Samen<br />

pro Frucht betrug in der ersteren 10.8 (8 - 15), in der letzteren<br />

15.4 (12-21), die Anzahl der Samen am Spross entsprechend<br />

24.8 bzw. 30.9.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide,<br />

am 4. VIII. 1931 von der xerophilen Dryas-Heide und am 30. VIII.<br />

1931 vom W-Felsen eingesammelten vollentwickelten Samen<br />

keimten nach Frostbehandlung zu 1, 14 und 1 % und die Samen<br />

von der erstegenannten Stelle ohne Frostbehandlung zu 10 %<br />

im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die warm aufbewahrten<br />

begannen am 5. Tage, die frostbehandelten in der 2. bis 5. Woche<br />

zu keimen, und die Keimung dauerte 2 bis 6 Monate; nur ein Samen<br />

keimte erst im folgenden Frühjahr nach der Wiederaufheizung<br />

des Apparates nach 14 Monaten vom Beginn des Versuches. Die<br />

übriggebliebenen Samen waren noch nach 18 Monaten lebend (hart).<br />

Die am 28. VHI. 1929 in Pummanki von der Cetraria nivalis-<br />

Alectoria-Heide und der Enipetrum-Heide eingesammelten Samen


Annales Botanici Societatis Vanamo, Tom. 1 1. N:o 1. 113<br />

keimten ohne Frostbeliaiidlung zu 22 bzw. 1 %. Die Keimung<br />

setzte in der ersteren Probe am 5. Tage, in der letzteren in der<br />

2. Woche ein. Der Versuch wurde nach 1.5 Monaten abgeschlossen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode statt, teilweise<br />

aber auch erst später, denn in der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide<br />

wurden auf einem Probequadrat, von dem ich am 14, VII. 1931<br />

alle jüngeren Keimlinge - 34 an der Zahl - entfernt hatte, am<br />

15. VIII. 1931 weitere 6 jüngere Keimlinge vorgefunden. Möglicherweise<br />

ist der Zeitpunkt der Keimung auf den xerophilen Standorten,<br />

wo die Frühlingsfeuchtigkeit relativ rasch verfliegt, in einigem<br />

Masse auch von den Sommerregen abhängig.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

findet man regelmässig, wenngleich gewöhnlich nur mehr oder<br />

minder spärlich an den charakteristischen Standorten der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria -Heide und der xerophilen Drijas -Heide sowie<br />

in den Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis -Heide, ci)enso auf<br />

den Felsen vor. Der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

zwischen O.os und 0.5. Die Zahlenverhältnisse der<br />

Keimlinge können aber auch an demselben Standort in den verschiedenen<br />

Jahren bedeutend schwanken. So wurden in der Cetraria<br />

nivalis ~ Alectoria-Heide auf einer Probefläche zu 1 m^ am 7. VIH.<br />

1929 keine Keimlinge wahrgenommen, am 14. VII. 1931 waren<br />

da aber 34 jüngere und 10 ältere und am 15. VHI. 1931 überdies<br />

6 jüngere Keimlinge. Diese Unterschiede könnten vielleicht von<br />

einer ungleichen Samenreifc in den verschiedenen Vegetationsperioden<br />

herrühren, wahrscheinlich gehen sie aber auch auf andere<br />

Ursachen zurück, denn wenngleich an jenen Standorten nackter<br />

iioden reichlich vorhanden ist, stellen sich die Verhältnisse für die<br />

zarten Keimlinge jedoch durchaus nicht optimal, besteht ja der<br />

Boden oft als Folge der starken Deflation nur aus grobem Kies und<br />

lässt die Gefahr der Austrocknung sehr nahe liegen. - In der Lycopodium<br />

alpinum - Solidago - Deschanipsia flexiiosa -Heidewiese wurden<br />

auf 3 X 0.25 m^ keine Keimlinge gefunden (2, 7, bzw. 25 fertile<br />

Sprosse auf 1 m^).<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind in grossen Zügen günstig.


111 N. Söijrinki, Vennelirung d. Samenpfl. i, d. alpinen VogeLalion. 11.<br />

KONTUNIPLMI (1932, S. 32) hat bei der Art auf seinen Proi)eflächeii<br />

in den subalpinen Birkenwäldern nicht Samenkeimlinge<br />

wahrgenommen.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative, Vermehrung. Die Art hat ein langsam<br />

kriechendes, verzweigtes Rhizom, aus dem die Sprosse dicht ne-<br />

])encinander herauswachsen, wodurch es zur Bildung fester Rasen<br />

kommt. Das Individuum breitet sich gewöhnlich vom Zentrum<br />

nach aussen hin ringförmig aus, indem seine inneren Teile allmählich<br />

absterben. Der Durchmesser eines solchen fortdauernd weiterwachsenden<br />

Hasens betrug 42 cm; die Pflanze war beinahe kreisförmig<br />

und offenbar aus einer einzigen Keimpflanze entstanden<br />

(vgl. SCHRÖTER 1923-21), II, S. 159-160).<br />

Luzuln parviflora (Ehrli.) Desv.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt im<br />

(iebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie in der Drijas -Heide<br />

(st r, sj)), den Heidewiesen (st r, sp - st c])), den Moorgebüschen<br />

(st r, s]) - cp), den Graskrautmooren (r, sp), auf den Absätzen<br />

der N-Felsen und am Fusse derselben (r, sp - pc) sowie an den<br />

Ufern der Fjeldbäche und -seen (st r, sp - st pc).<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blüht der Hegel nach ziemlich reichlich<br />

oder reichlich, nur in den Moorgebüschen habe ich sie an ein<br />

paar Stellen steril vorgefunden.<br />

F 1 o r a t i o ji. Im .1. 1933 war das Blühen am 5. VH. im Carex<br />

vaginala -Moor am S-Hang schon abgeschlossen; am N-Felshang<br />

wurden die ersten Individuen am G. VII. im Aufblühen beobachtet,<br />

desgleichen in einer Heidewiesensiedlung.<br />

S a m e n r e i f e. Im .J. 1933 hatte die Art am 20. VHI. reife<br />

Samen am Ufer eines Fjeldsees, und im (iraskrautmoor war die<br />

Ausstreuung schon teilweise erledigt. In der Lijcopodium alpiniim -<br />

Solidayo - Deschnmpsia //c.r/io.s«-Heidewiese wurden am 29. VI II.<br />

reife Sameji festgestellt. - im J. 1931 war die Ausstreuung am<br />

3. IX. im Aiilacomniiim -reichen Moorgebüsch im Beginnen.<br />

- Die Samen kommen also meistens schon während der Vegetationsperiode<br />

zur Heife, die ungünstigsten Jahre vielleicht ausgenommen.


Annales Botanici Soeielatis Vanamo. Toni. 1 I. N:o 1. 115<br />

In Westgrojiland erzeugt die Art reichlich Früchte auf Disko<br />

(PORSILD 1920 1), S. 61).<br />

K e i m u n g der S a m e n i ni K e i ni u ji g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 vom Aulacornniiun /)«/;i.s7re-reichen Moorgebiisch<br />

eingesammelten Samen keimten zu 99 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte in der 2. Woche<br />

ein, war am kräftigsten in der 4. bis 0. Woche und dauerte 2 Monate,<br />

ein Samen kam jedoch erst nach 0 Monaten zur Keimung. - Die<br />

Samen verschleimen etwas.<br />

Die K e i m u n g der S a m e n i n der N a tur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 15. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge an einem Seeufer).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Samenkeimlinge der<br />

Art sind im (iebiet aller Wahrscheinlichkeit nach häufig, weil<br />

die Samenreife allgemein erreicht wird und auch die Keimungsbedingungen<br />

an den Standorten - die Heidewiesen ausgenommen -<br />

relativ günstig sind. An der oberen Grenze der subalpinen Region<br />

suchte ich nach Keimlingen der Art am Ufer des Pilgujaur, wo<br />

sie allgemein in der Nähe der Mutterindividuen auftraten; an ein<br />

])aar Stellen wurden mehrere jüngere Keimlinge ganz nebeneinander<br />

auf den Moorbülten gleich oberhalb der Wassergrenze wahrgenommen.<br />

Ausserdem fand ich auf einer Probefläche im Aulaconmiiim<br />

paliistre -reichen Moorgebüsch insgesamt 9 ältere Keimlinge auf<br />

3x0.1 m^ (die Art blühte im Sommer 1931 nicht an der Stelle).<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind offenbar günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadi u m wird nach mehreren .Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Art hat ein waagerechtes,<br />

verzweigtes Hhizom, dessen Ausläufer 2 bis 4 cm lang<br />

sind. Die Sprossgründe wurzeln reichlich. Eine vegetative Wanderung<br />

findet also, wenngleich nicht stark, statt.<br />

Liizula Walilenbergii (Buch.) Uiipr.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im (iel)iet<br />

ziemlich selten; man begegnet ihr an Hachufern (st r, sp - st pc)^<br />

auf feuchten Schneeböden und schattigen Felsen (st r, st pc - sp)


116 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Saineii])fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

in mehr oder minder trocknen Graskrautmooren (r, st pc - sp)<br />

und in der Cetraria niDalis - Alecioria-Heide (rr, st pc). - Die<br />

Angabe VALLES (1933 b, S. 263), die Art sei in den Zwergstrauchsiedlungen<br />

der Regio alpina in Petsamo sehr verbreitet, ist irreführend.<br />

Fundorte. Kiergipori, an 2 Stellen am Bachufer; Rahpesoaivi,<br />

am Rande einer Phippsia algida -Schneebodensiedlung<br />

in der Felsenschlucht oben auf dem Fjeld; am oberen Lauf des<br />

Vilgiskveljoki auf N-Schneebodenfelsen; zwischen Rahpesoaivi<br />

und Vilgiskoddeoaivi auf N-Schneebodenfelsen; Vilgiskoddeoaivi,<br />

am N-Hang im Carex rigida -Moor, am SE-Hang in einer wiesenartigen<br />

Graskrautmoorsiedlung; Kammikivitunturi, im Carex vaginata<br />

-Moor am N-Hang; Läntinen Ortoaivi (KALLIOLA 1932, S. 102);<br />

Felsschlucht des Flusses Kotseljoki (KALLIOLA); Rieppetshoiiki<br />

(Onkitunturit), Schneebodenfels am N-Hang; Jönkiergioaivi (Onkitunturit),<br />

in der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide; Njoammelatshohki,<br />

am Fusse eines Felsens am NE-Hang.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 auf dem Schneebodenfelsen<br />

7 bis 17 cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel mehr oder minder<br />

reichlicli.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war am 8. VH. 1933 in einer Graskrautmoorsiedlung<br />

schon abgeschlossen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art am 23. VIH. reife<br />

Samen im Carex vaginata -Moor. - Im J. 1933 waren die Früchte<br />

am Bachufer etwas oberhalb der Waldgrenze schon am 21. VII.<br />

ausgebildet; die vorjährigen Früchte waren an der Stelle teilweise<br />

aufgesprungen, manche hatten aber unreif den Winter empfangen<br />

müssen und waren noch geschlossen. Am Fusse eines NE-Felsens<br />

befand sich die Art am 16. VHI. im Ausstreuen. - Die Samen kommen<br />

also offenbar im allgemeinen rechtzeitig zur Reife, ausser in<br />

den ungünstigsten Jahren.<br />

Von Spitzbergen kennt man keine reifen Früchte; die einzigen<br />

am 16. VIII. 1882 eingesammelten Individuen haben zwar geblüht,<br />

zeigen aber keine Fruchtbildung (ANDERSSON und HESSELMAN<br />

1900, S. 82). Auf Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 92) am<br />

27. VHI. 1921 in Pomorskaya reife Samen angetroffen.


Annales Botanici Soeielatis Vanamo. Toni. 1 I. N:o 1. 117<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Früchte pro Spross betrug<br />

im J. 1931 im Carex vaginata -Moor (die unentwickelten in Klammern)<br />

9 (+ 1), 11, 21 und 30 (+ 1), durchschn. 17.8 (+ O.S). Die<br />

Zahl der Samen in der Frucht war 1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3,<br />

3, 3, 3, 3, 3, 3, 3 und 3, durchschn. 2.G. Die Anzahl der Samen am<br />

Spross betrug also 45.5 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 23. VIII. 1931 vom Carex vaginata -Moor eingesammelten<br />

Samen keimten (nach trockner Frostbehandlung) nur zu 1 % im<br />

JACOBSENschen Keimungsapparat, und zwar nach 19 Monaten.<br />

Die Samen waren dabei noch alle lebend (hart).<br />

Die am 2. IX. 1933 vom N-Felsen eingesammelten, am 28. IX.<br />

1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten Samen<br />

kamen im gleichen Herbst bis zum 8. XI. nicht zur Keimung, im<br />

folgenden Frühjahr keimten aber bis zum 14. V. insgesamt 93 %.<br />

Die Keimung erfolgte recht gleichzeitig. - Aus den Versuchsergebnissen<br />

zu schliessen hat die Art offenbar irgendwelche besondere<br />

Ansprüche hinsichtlicli der Frostwirkung, der .Keimunterlage oder<br />

einiger anderen Faktoren. - Die Samen verschleimen ein wenig.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 21. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge an einem Bachufer).<br />

K c i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Untersuchungen über das<br />

Auftreten der Keimlinge habe ich an zwei verschiedenen Bachuferstandorten<br />

angestellt. An den beiden Beobachtungsstellen<br />

wurden reichlich sowohl jüngere als ältere Keimlinge vorgefunden;<br />

die Keimlingsquotienten lagen bei 5 bzw. 10. An allen Standorten<br />

der Art stellen sich die Verhältnisse allerdings nicht ebenso vorteilhaft;<br />

indem aber die Besamung der Regel nach relativ reichlich ist<br />

und die Keimungsbedingungen sich überhaupt gut gestalten, müssten<br />

wohl auch Keimlinge allgemein zu finden sein.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind offenbar günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein waagerechtes,<br />

verzweigtes Rhizom. Die Ausläufer sind etwa 1 bis 4.5 cm


1 K) N. Söyrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

lang, und die Sprossgründe wurzeln reichlich; eine vegetative Wanderung<br />

kann also in gewissem Umfang stattfinden.<br />

Liiziila arciiata (Wg) S\v.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie auf den mehr oder minder<br />

s{)ät ausai)ernden Schneeböden und schneebodenartigen Felsen<br />

(p, ,stcp—sp), desgleichen auf den windoffenen Fjeldrücken in<br />

der Cetraria nivalis - Alectoria - und der xerophilen Drijas -I leide<br />

(in beiden r, sp).<br />

F u n d o r t e. Pilguoaivi, Cassiope Iiijpnoides -Schneeboden am<br />

H-Iiang; Kiergipori: Schneeboden am Ufer des kleinen Sees, Schneeboden<br />

am Hang einer liachravine au der Waldgrenze; Uahjiesoaivi,<br />

Phippsia algida -Schneeboden und N-Hang der Felsschlucht oben<br />

auf dem Fjeld; am oberen Lauf des Vilgiskveljoki am N-Schneebodenfelsen;<br />

Housutunturi, Salix herhacea -Schneeböden am NW-<br />

Hang; im Kammikivigebiet st r nach KALLIOLA (1932, S. 102);<br />

am Gipfel des Kammikivitunturi nach VALLE (1933 b, S. 263);<br />

neben Felsblöcken auf dem Gipfel des Hieppetshohki (Onkitunturit);<br />

Jönkiergioaivi (Onkitunturit), Cetraria nivalis - Alectoria -Heide<br />

(nicht typisch); Luotnvaara, xerophile Drijas -Heide oben auf dem<br />

Fjeld.<br />

Die H Ohe der Individuen betrug im J. 1933 auf dem N-Schneebodenfelsen<br />

durchschn. 17 (6-29) cm. - Im allgemeinen ist die<br />

Pflanze im Gebiet robuster und gröber gebaut als die Individuen,<br />

die ich in Pummanki auf der Fischerhalbinsel beobachtet habe.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Hegel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 war das Blühen am 9. VH. auf<br />

dem N-Schneebodenfelsen schon abgeschlossen; in der Cassiope<br />

/j/7/jnoiV/es-Schneebodenvegetation war es am 17. VH. im vollen<br />

Gang. In einer Schneebodensiedlung an der Waldgrenze wurden<br />

am 21. VH. einige Individuen in voller Blüte zusammen mit den<br />

ausgeblühten wahrgenommen. - Im J. 1931 befand sich die" Art<br />

am 10. VH. am N-Felshang in voller Blüte bzw. im Ausblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 hatte die Art auf dem N-Schneebodenfelsen<br />

am 12. VIII. reife Früchte und die Ausstreuung war


Annales Botanici Societatis Vanamo, Tom. 1 1. N:o 1. 119<br />

eben im Beginnen; in der xerophilen Drijas -Heide wurde sie am<br />

15. VIII. im Ausstreuen beobachtet. - Wenigstens in günstigen<br />

Sommern scheint die Samenreife auch an den am spätesten ausapernden<br />

Standorten erreiciit zu werden.<br />

Auf Spitzbergen kommen die Samen vielleicht zur Reife (AN-<br />

DERSSON und HESSBLMAN 1900, S. 82; nur einmal gefunden). In<br />

Ostgrönland macht die Art reife Früchte in Angmagsalik nach<br />

KRUUSE (1906, S. 270).<br />

K e i m ung der Sa m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 12. VIII. 1933 vom N-Schneebodenfelsen eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen kamen im gleichen Herbst bis zum 8. XI. nicht zur Keimung,<br />

im folgenden Frühjahr keimten aber 71 % bis zum 14. V. Die<br />

Keimung setzte ganz gleichzeitig ein.<br />

Die Keimung der Sa m en in d e r N a t u r findet<br />

im Anfang der Vegetations})erio(le statt (am 19. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf einem Schneeboden).<br />

K e i m 1 i n g s V e r Ii ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

findet man an den Schneeboden- und Felsenstandorten auch in<br />

deren spät ausapernden Siedlungen regelmässig vor, sogar in der<br />

Pliippsia algida -Schnecbodenvegetation habe ich solche angetroffen.<br />

Die Pflanzendecke ist an diesen Standorten gewöhnlich mehr oder<br />

minder lückenhaft, und wenn auch noch die Bewässerung den<br />

Ansprüchen der Art entspricht, kann die Keimlingszahl ziemlich<br />

hoch ansteigen; so betrug der Keimlingsquotient auf einem vom<br />

kleinen Quellenbach angefeuchteten Schneeboden 5.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadi u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert am<br />

Standort mit Hilfe ihres Hhizoms, dessen Ausläufer einige cm lang<br />

werden.<br />

Liiziila arciiata (Wg) Sw. ssp. confusa (Lindeb.) A. Bl.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie in der Cetraria nivalis - Alecloria-<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-IJot. Fenii. Viiiuimo, 14, ii:o 1. ü


120 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Saineii])fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Heide (fqq, sp - pc), in der Cetraria nivalis -Heide - l)eson(lers in<br />

den Erosionsflecken - (st fq, st pc - pcc) sowie in der xerophilen<br />

Drijas -I leide (fq, st pc - pc).<br />

Fertilität. Die Art blühte im Sommer 1933 allgemein<br />

ziemlich reichlich oder reichlich, in den Jahren 1929 und 1931<br />

aber deutlich spärlicher.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 am 1. VII. im Gebiet<br />

schon abgeschlossen; am 20. VIII. wurden einige Sprosse im Nachblühen<br />

festgestellt.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im J. 1933 am S-Hang<br />

schon am 15. VII, ausgebildet und am 8. VIII. hatte die Samenstreuung<br />

im Gebiet fast allgemein ])egonnen. - In Pummanki auf<br />

der Fischerhalbinsel wurden am 28. VIII. 1929 in der Cetraria nivalis<br />

- yl/ec/ori«-Heide reife Samen l)eobachtet. - Die Samen kommen<br />

also recht gut noch im Laufe der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

Auf Spitzbergen hat EKSTAM (1898, S. 48) bei der Art reife<br />

Früchte angetroffen. In Grönland hat BERLIN (1884, S. 68) die<br />

Art im August und September 1883 mit Früchten wahrgenommen,<br />

in Nordgrönland (76° N) NATJIORST (1884, S. 28) im J. 1883. In<br />

Ostgrönland liat HARTZ (1895 a, S. 182) auf Danmarks 0 die Art<br />

mit reifen Früchten beobachtet und DUSÉN (1901, S. 53) zwischen<br />

70° und 75° N am 10. VIII. zum Teil mit geöffneten und entleerten<br />

Kapseln; KRUUSE (1906, S. 270) fand reichlich reife Früchte in<br />

Angmagsalik und SORENSEN (1933, S. 162) zwisclien 71° und 73°30' N<br />

in Ostgrönland; nach GELTING (1934, S. 217) reifen die Früchte<br />

dort zwischen 73°15' und 76°20' N. In Westgrönland hat KRUUSE<br />

(1898, S. 388) bei der Art nahezu reife Früchte in den Schären<br />

von Egedesminde und PORSILD (1920 b, S. 62) eine reichliche Fruchterzeugung<br />

auf Disko festgestellt. In Nord westgrönland (77° N)<br />

fand OSTENFELD (1925, S. 10) am 9. VHl. reife Samen. Auf Novaja .<br />

Semlja reifen die Früchte überall (Ende August 1921) nach LYNGE<br />

(1923, S. 91).<br />

K e i m u n g der S a men i m K e i m u n g s v e r s u c h. N<br />

Die am 13. VIII. 1933 von der Cetraria nivalis -Hculc eingesammeK<br />

ten, am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen kamen bis zum 8. XI. im gleiclien Herl)st nicht<br />

zur Keimung, im folgenden Frühjahr keimten aber 82 % bis zum<br />

14. V. Die Keimung setzte recht gleichzeitig ein.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. I I. N:o 1. 121<br />

Die am 28. III. 1929 von der Cetraria nivalis ~ Alectoria-WQ'KXQ<br />

in Pummanki eingesammelten Samen keimten oiine Frostl^ehandhing<br />

zu 11 % im JACOBSENschen Keimnjigsapparat. Die Keimung<br />

setzte in der 2. Woclie ein und dauerte 5 Wochen. Die übriggebliel)ejien<br />

Samen waren alle ganz frisch, als der Versuch nach ß Wochen<br />

- also offenbar zu früh - abgebrochen wurde.<br />

Die K e i m u n g der Samen in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 15. VII. 1933 hatten<br />

die jüngeren Keimlingein den Erosionsfleckchen der Cetraria niualis-<br />

I leide schon 2 Blätter).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den Standorten der Art allgemein und gelegentlich auch verhältnismässig<br />

reichlich vor. Der Keimlingsquotient variiert an<br />

meinen Beobachtungsstellen zwischen O.os und 3. Die Keinilingszahlen<br />

sind also im Vergleich zu der Konkurrenzfreiheit der Siedlungen<br />

nicht hoch, hierbei ist aber darauf Rücksicht zu nehmen,<br />

dass die Verhältnisse an diesen extremeji, wijidoffenen Standorten<br />

in übriger Hinsicht äusserst schwer sind. Der Boden besteht als<br />

Folge der Windtätigkeit hauptsächlich nur aus grobem Kies,<br />

in welchem Hungersnot und die Gefahr der Austrocknung oft drohen.<br />

Tote Keimlinge, denen man jiicht selten begegnet, erzählen vom<br />

Kampf gegeji die unerbittliche Natur.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet ziemlich<br />

feste und dicke Rasen. Die meisten Ausläufer des Rhizonis sind<br />

ganz kurz, ein Teil von ihnen erreicht jedoch eine Länge von etwa<br />

3 bis 5 cm; eine vegetative Wanderung findet also, wenngleich<br />

nur in ziemlich bescheidenem Masse statt.<br />

Luzula miiltiflora (Ehrli.) Lej. ssp. frigida (Buch.) Iliit.<br />

11 ä u f i g k e i t und V o r k o m m en. Die Art ist im Gebiet<br />

selteji l)is ziemlich selten; man begegnet ihr an den Ufern der Fjeldbäche<br />

und -seen (]), sp - ])c) sowie in feuchlgründigen Wiesensiedlungen<br />

(r, st pc).


122 N. Söijrinki, Vcrineliruiig d. Sameiipfl, i. cl. alpinen VegetaUon. II.<br />

Fundorte, E-Ufer des Pilgujaur; Pilgiioaivi, in der Carex<br />

rigida - C. Laclienalii -Heidewiese am E-Hang; Saarijärvi, am<br />

Bachufer am SW-Ende des Sees; am Ufer des kleinen Sees siidwestlicii<br />

vom Saarijärvi; Vilgiskoddeoaivi, auf einer feucliten Wiese<br />

im unteren Teil des N-Hangs; im Kammikivigebiet p nach KAL-<br />

LIOLA (1932, S. 102).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig ziemlich reichlich.<br />

Fl oration. Im J. 1933 befand sich die Art am 12. VII.<br />

am Bachufer in voller Blüte und am 15. VII. am Ufer des Pilgujaur<br />

im Ausblühen In einer feuchten Wiesensiedlung war das Blühen<br />

am 8. VIII. im Ausklingen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 20. VIII. 1933 am<br />

Ufer eines Fjeldsees ausgebildet. - Die Samen kommen offenbar<br />

im allgemeinen vor Ende der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

In Ostgrönland hat KRUUSE (1906, S. 270, ß congesta [Taylor]<br />

Lge) in Angmagsalik reife Samen angetroffen. In Westgrönland<br />

erzeugt die Art reichlich Früchte auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 63).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 8. VIII. 1933<br />

hatten die jüngeren Keimlinge 2 Blätter).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Keimlingsl)eobachtungen<br />

habe ich nur am einem Standort angestellt, und zwar auf einer<br />

moorigen Bachuferwiese, wo die Bodenscliiclit hauptsächlich von<br />

Sphagnum sp. nebst Lebermoosen zusammengesetzt war. An der<br />

Stelle wurden mehrere sowohl jüngere als ältere (zweitjährige) Keimlinge<br />

gefunden; der Keimlingsquotient war 3. - KUJALA (1926 a,<br />

S. 115) hat bei Liiziila miiltiflora coli, in den Wäldern Süd- und<br />

Mittelfinnlands reichlich Jungpflanzen auf noch baumlosen Brandkuliurböden<br />

konstatiert.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet dürften offenbar günstig sein.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet verhältnismässig<br />

kleine, feste Hasen. Eine vegetative Wanderung findet<br />

nicht statt, das Selbständigwerden der wurzelnden S])rosse dürfte<br />

aber einigermassen möglich sein.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. I I. N:o 1. 123<br />

Liiziila siidetica (Willd.) DC.<br />

Häufigkeit ii ji ci V o r k o ni ni e n. Die Ari ist im Gcl)iet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in der Lijcopodiiim alpiniini - Solidago<br />

- Descharnpsia flexiiosa -I leidewiese (ftj, st cp - sp), den übrigen<br />

Ileidewiesen (st r, st cp - st pc), den Moorgebüsclien (r, st pc), den<br />

mehr oder minder wiesenarligen Graskrantinooren (st r, st pc),<br />

an den Ufern der Fjeldbäche und -seen (p, sp - st pc) sowie an<br />

den Rändern der Schneebodensiedlungen (r, st pc).<br />

Die II ö h e der Individuen betrug im J. 1933 in der Lijcopodium<br />

idpiniim - Solidago - Descharnpsia jlexiwsa -Ileidewiese durclischn.<br />

19 (10-29) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Hegel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

F 1 0 r a t i 0 II. Die Art befand sich im J. 1933 an den Bachund<br />

Seeufern am 5. VII. allgemein im Aufblühen und am 15. VII.<br />

im Ausblülien. In einer Carcx brunnescens -reiclicn Heidewiesensiedlung<br />

wurde sie am 8. VII. im Aufl)]ühen beol)achtet; am 24. VII.<br />

blühte ein Individuum an einem Bachufer, wo die Art sonst schon<br />

ausgebildete Früchte hatte.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im J. 1933 an den Bachufern<br />

am 23. VII. schon ausgebildet, ebenso am Rande einer Siedlung<br />

(k'r Salix herhacea -Sclineebodenvegetation. In der Lijcopodium<br />

alpinum - Solidago - Descharnpsia //e.iHosrt-Ileidewiese halte die<br />

Art reife Samen am 18. VIII., die Ausstreuung halle aber am<br />

29. VIII. noch nicht staltgefunden. - Die Samen kommen also<br />

wenigstens in günstigen Jahren allgemein vor Ende der Vegetalions-<br />

])eriode zur Reife. - Die vorjährigen Früchte waren in der Regel<br />

aufgesj)rungen und entleert; an ein paar Stellen fand ich sie jedoch<br />

an den Bachufern und in den Ileidewiesen z.T. geschlossen.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 29. VIII. 1933 von der Lijcopodium alpiniim - Solidago ~<br />

Deschampsia //e.r//o.s«-Ileidewiese eingesammelten, am 27. IX. 1933<br />

im Freien im Saatkasten in (iartenerde ausgesäten Samen kamen<br />

im gleichen Herbst bis zum 8. XI. nicht zur Keimung, im folgenden<br />

Frühjahr keimten aber 90 % bis zum 11. V. Die Keimung setzte<br />

ganz gleichzeitig ein.


124 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Saineii])fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Keimung der Sa m en in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt, teilweise aber wohl etwas<br />

verspätet (am 2{i. VII. 1933 hatten die jüngeren Keimlinge am<br />

Bachufer im allgemeinen 2 Blätter, einige aber erst nur ein einziges).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Sanienkeimlinge der Art<br />

wurden im Gebiet regelmässig melir oder minder reichlich gefunden.<br />

An feuchten Bachufern sowie in wiesenartigen Braunmooren konnte<br />

der Keimlingsquotient bis 10 ansteigen; an diesen Standorten waren<br />

die Keimlinge sogar auf den Bülten an solchen Stellen zu finden,<br />

wo die Art sonst nicht vorkam, am zahlreichsten waren sie aber in der<br />

unmittelbaren Nähe der Mutterindividuen in der lockeren Moosschicht,<br />

die hauptsächlich von Paliidella sqiiarrosa, Drepanodadiis<br />

intermedins und Lebermoosen zusammengesetzt war. An einem<br />

Standort wurden neben den lel)enden auch einige tote Keimlinge<br />

des zweiten Jahres angetroffen. Auf der nackten Fliesserdc am<br />

Rande einer Siedlung der Salix herbacea -Schneebodenvegetation<br />

lag der Keimlingsquotient bei 2; auch an dieser Stelle traten sowohl<br />

jüngere als ältere Keimlinge auf. In der Lijcopodinm alpiniim -<br />

Solidago - Desclwmpsia //e.riJ0.sa-Heidewiese wurden auf 5x0.25 m^<br />

insgesamt 1 junger und 40 ältere Keimlinge gefunden (durchschn.<br />

5 fertile Sprosse auf 1 m-); die meisten waren vom 2. Jahr. Die<br />

überraschend niedrige Zahl der jüngeren Keimlinge findet vielleicht<br />

ihre Erklärung darin, dass die Besamung der Art im vorhegerhenden<br />

recht ungünstigen Sommer (1932) in den Siedlungen in mehr oder<br />

minder grossem Umfang ausge])lieben war. Oft standen mehrere<br />

Keimlinge ganz nel)eneinander, offenbar an der Stelle, wo das<br />

Mutterindividuum umgefallen war. Einigemal wurden auch unentleert<br />

am Boden liegende Kapseln beobachtet, in denen aus allen<br />

3 Samen ein kräftiger Keimling herausgewachsen war.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e S t a d i u m wird nach meiireren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet ganz kleine<br />

Rasen aus kurzem Rhizom. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen,<br />

und auch das Selbständigwerden einzelner Sprosse<br />

dürfte höchstens in äusserst geringem Masse möglich sein (vgl. HEGE<br />

190Ü-31, II, S. 184; METSÄ VAINIO 1931, S. 204).


Annalos Botanici SocielaLis Vanamo. 'I'oni. I I. X:o 1. 125<br />

Liizula spicata (L.) Lam. & DC.<br />

Häufigkeit und V o r k o in m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in der Cetraria nivalis - A/ec/o/i«-Heide<br />

(fq, sp - st pc), der Cetraria niualis-Heule - besonders iji den<br />

Erosionsfleckchen - (fq, pc - sp), der Drijas -Meide (p, st pc - pc),<br />

den Heidewiesen (st r, st ])c - pc), den friscligründigen Krautwiesen<br />

(st r, sp - pc), an den Bachufern (r, st pc) und auf den<br />

Schneel)öden (r, pc).<br />

Die Höhe der Indivichien betrug im J. 1933 in der Cetraria<br />

niDalis - Alectoria-Ue'ule durclischn. 15 (12-18) cm (vgl. GELTING<br />

1934, S. 218).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

ziemlich reichlich oder reichlich, seltener spärlicher.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Im J. 1933 hatte die Art ])is zum 4. VH. im<br />

(iebiet auf den Fjeldheiden im allgemeinen ausgeblüht; auf einer<br />

Wiese am N-Hang war sie aber erst im Aufblühen und auf einer<br />

Heidewiese am 8. VH. in voller Blüte.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die Früchte am 29. VH.<br />

auf den Fjeldheiden der S-Hänge schon ausgebildet und am 8. VHI.<br />

hatte die Samenstreuung begonnen. - Im J. 1931 befand sich die<br />

Art am 2. IX. in der Cetraria nivalis ~ Alectoria-Heide im Ausstreuen<br />

und die Sprosse waren unter dem Blütenstand vergilbt. -<br />

Die Samen kommen also im allgemeinen schon früh vor Ende der<br />

Vegetationsperiode zur Reife.<br />

In Ostgrönland (G5° N) hat BEELIN (1884, S. 68) die Art im<br />

September 1883 mit Früchten angetroffen; zwischen 71° und<br />

73°3()' N auf Ymer Island beobachtete SOKENSEN (1933, S. IÜ3)<br />

vom 1. VHI. an und zwischen 73°15' und 7()°20' N GELTING (1934,<br />

S. 118) iMitle Juli 1933 reife Früchte.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im J. 1931 in der Cetraria niualis - Alectoria-Heide O, K), 11, 11,<br />

13, 13, 14, 14, 14, 15, IG, 17, 17, 17 und 18, durchschn. 13.7. Die<br />

Zahl der Samen in der Frucht war (die unentwickelten in Klammern)<br />

2 (+ 1), 2 (+ 1), 2 (+ 1). 2 (+ 1), 3, 3, 3, 3, 3, 3. 3, 3. 3, 3 und 3,<br />

durchschn. 2.7 (+ 0.3). Die Anzahl der Samen pro Spross betrug<br />

also 37.1 Stück.


126 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

K e i rn u n g der S a m e ji im K e i in ii n g s v e r s ii c li.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis - Alecioria-llciåc eingesammelten<br />

Samen keimten ohne Frostheiiandlung üherlianpt nicht,<br />

nacli trockner Frostbehandlung aber zu G % im JACOUSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte erst nach 12 Monaten<br />

ein und fuhr noch fort, als der Versuch nach 19 Monaten abgebrochen<br />

wurde. Die übriggebliebenen Samen waren alle lebend<br />

(hart). - In den Versuchen LÜDIS (1932, S. XLVIII) hat die Art<br />

sich als Frostkeimer erwiesen.<br />

Die am 9. VIII. 1933 von der Cetraria nivalis-IWUIQ eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen keimten im gleichen Herbst bis zum 8. XI.<br />

zu 3 % und im folgenden Frühjahr bis zum 14. V. zu 86 %, im<br />

ganzen also zu 89 %. Die Keimung erfolgte im Frühjahr ganz<br />

gleichzeitig. - Die Samen verschleimen reichlich.<br />

Die Keimung der Sa m e n in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 13. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in den Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis -Heide.<br />

K e i m 1 i n g s V e r ii ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind im Gebiet allgemein zu finden. An den charakteristischen<br />

Standorten in der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide sowie in den<br />

blossgelegten Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis -Heide, wo<br />

der nackte Mineralboden reichlich zutage tritt, variierte der Keimlingsquotient<br />

zwisclien 1 und 5. Im Hinblick auf die extremen<br />

Verhältnisse liegen die Quotienten also relativ hoch, denn die Keimlinge<br />

müssen an diesen äusserst trocknen Stellen oft im groben<br />

Kies um ihr Dasein kämpfen, indem alle feineren Bestandteile des<br />

Bodens durch die starke Deflation abgetragen worden sind. Die<br />

toten Keimlinge, die liier und da neben den lebenden vorzufinden<br />

sind, zeugen in ihrer eigenen Weise von den strengen Lebensi)edingungen.<br />

Auf dem durch die Cetraria nivalisziehenden Fussl)fad<br />

am N-Hang des Kammikivitunturi liabe ich ebenfalls Keimlinge<br />

der Art angetroffen, desgleichen in den Spalten der Flechtendecke,<br />

nie aber in der geschlossenen Vegetation. In der Drijas-<br />

Heide dagegen wurden in der üi)i)igen Moosdecke einer Aslraijalus<br />

Irigidns -veichQw Siedlung einige Keimlinge wahrgenommen. In der<br />

Trollins - Polygonum viviparnni-V^ie^c fand ich auf 3 X O.i m^<br />

(insges. 7 fertile Sprosse auf 3 m-) insgesamt 1 jüngeren und 2 ältere


Annales Botanici Societatis Vanamo, Toni. 1 1. X:o 1. 127<br />

Keimlinge nnd in der Deschainpsia fle.vuosa - Anthoxanlluirn -Vlculcwiese<br />

anf 2 X O.i m^ (2 fertile Sprosse auf 2 m^) insgesamt 1 jüngeren<br />

Keimling.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

KONTUNIEMI (1932, S. 38) hat auf seinen Probeflächen in den<br />

subalpinen Birkenwäldern, in denen die Art spärlich aufgetreten<br />

ist, keine Samenkeimlinge gefunden, ebenso auch nicht in der<br />

Felsenvegetation in Pummanki auf der Fischerhalbinsel. Sell)st<br />

habe ich jedoch auf den Absätzen der Steilfelsen am N-lIang des<br />

Kuivatunturi in Pummanki bei der Art ältere Keimlinge beobachtet<br />

(als Keimlingsquotient ergal) sich O.2).<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art l)ildet feste Rasen.<br />

Eine vegetative Wanderung findet nicht statt, die wurzelnden<br />

Sprosse dürften aber gelegentlich Selbständigkeit erreichen können<br />

(vgl. HEGI 1906-31, II, S. 182).<br />

Liizula spp.<br />

Durch Besamung aus der Umgebung entstandene Luziila -Keimlinge,<br />

die nicht genau zu bestimmen waren, habe ich an mehreren<br />

Stellen auf meinen Probeflächen in den (iraskrautmooren, ebenso<br />

in den Heide- und den Krautwiesen sowie an den Bachufern vorgefunden.<br />

Die Keimlinge kamen der Regel nach einzeln vor; einmal<br />

wurden jedoch reichlich jüngere Li/z»/«-Keimlinge an einem<br />

Fjeldhang im sommertrocknen Bachlauf wahrgenommen, desgleichen<br />

in eijier Ileidewiesensiedlujig mehrere ältere Keimlinge<br />

an einer Stelle, wo nicht einmal sterile ausgewachsene Individueji<br />

anzutreffen waren. - Diese Beobachtungen zeugen also an ihrem<br />

Teil von der Intensität und Bedeulung der generativen Vermehrung<br />

innerhalb der (lattung.<br />

Liliaceae<br />

Toficldin paliisiris Iluds.<br />

Häufigkeit und o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie an den Bachufern (st fcj, sj) - st pc),


128 N. Söyrinki, Verniehruiig d. Saineiipfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

an mehr oder minder feuchten Felshängen sowie am Rande der<br />

Felsfläclien (p, st pc), in den Graskrautmooren-in deren eutrophen,<br />

weniger nassen Siedlungen - (st r, sp - st pc), in der Dryas- (und<br />

der Carex riipestris-) Heide (st r, st pc), der Cetraria nivalis - Alecloria<br />

-Heide (st r, st pc - pc) und den frischgründigen Krautwiesen<br />

(st r, sp - st j)c).<br />

Fertilität. Die Art l)lüht regelmässig ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 befand sich die Art an sonnigen<br />

Stellen an den Bachufern sowie in der Dryas- und der Cetraria nivalis<br />

- Alectoria -Heide am 4.-5. VII. in voller Blüte und am 11. VII.<br />

im Ausl)lühen. In den Graskrautmooren und an weniger sonnigen<br />

Bachufern war das Blühen am 9.- 10. VII. allgemein im vollen<br />

Gang und am 20. VII. im Ausklingen oder schon abgeschlossen;<br />

in schattigen Verliefungen sowie an N-Felshängen wurde die Art<br />

aber am 20.-21. VII. erst in voller Blüte, stellenweise sogar im<br />

Aufblühen wahrgenommen. - In der Birkenwaldregion war die<br />

Art am Flussufer am 4. VII. in der Knospe und am 11. VII. in<br />

voller Blüte.<br />

Im J. 1931 wurde die Art am 19.-20. Vll. an den Bachufern<br />

und den Felsen allgemein in voller Blüte, an den frühesten Stellen<br />

aber im Ausblühen beobachtet. - In der subalpinen Region war<br />

das Blühen in den Graskrautmooren am 7. VII. im ISeginnen und<br />

am 17. VII. im Ausklingen.<br />

S a m e n r e i f e. Im .1. 1933 waren die Samen an sonnigen<br />

Standorteji am 12. VIII. reif und am 4. IX. hatte die Ausstreuung<br />

an den Bachufern im allgemeinen begonnen (Sprosse iji grossen<br />

Zügen vergilbt). - In der subalpinen Region hatte die Art am<br />

11. VIII. reife Samen am Flussufer. - Im .1. 1931 waren die Samen<br />

an den Bachufern am N-IIang am 28. VIII. noch nicht reif, aber<br />

doch ausgebildet. - Die Samenreife wird also in günstigen Jahren<br />

allgemein vor Ende der Vegetationsperiode erreicht, in ungünstigen<br />

aber wenigstens an den si)ätesten Standorten wahrscheinlicii nicht.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenreife vergingen im .1. 1933 an<br />

den sonnigen Bachufern etwa 38 Tage.<br />

Von Spitzbergen hat man keine Beobachtungen über die Samenreife<br />

(NATIIORST 1883, S. 61; ANDERSSON und MESSELMAN 1900,<br />

S. 83). In Oslgrönland macht die Art reife Früchte in Angmagsalik


Annales Bütanici SocieLalis Vanamo. Toni. I I. X:() 1. 129<br />

(KRUUSE 1906, S. 208); auf Ymer Island waren dio Früchle nach<br />

S011ENSEN (1933, S. 165) Mitte August noch nicht reif. Nach PORSILD<br />

(1920 a, S. 355) reifen die Früchte in Grünland spät, und auch nach<br />

günstigen Sümmern findet man nur selten reife Früchte, sondern<br />

diese reifen erst unter dem Schnee. In Westgrönh\nd erzeugt die<br />

Art reichlich Früchte auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 63).<br />

S a m e ji m e n g e. Die Blüten entwickeln sich fast ohne Ausnalime<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früciite am S])ross<br />

betrug im J. 1931 am Bachufer l, 4, 4, 5, 5, 5, 5 (+ 1), 6, 6, 6,<br />

6, 6, 6, 6, 6, 7, 7, 7, 7 und 10, durclischii. 5.9 (-)- O.05 unentwickelte).<br />

Die Zahl der Samen in der Fruclit war (die hall)entwickelten und<br />

unentwickelten in Klammern) 4 (+ 0 + 23), 5 (+ 0 + 9), 15,<br />

16 (+ 1 + 4), 18, 19, 19 (+ 2 + 0), 22 (+ 1 + 0), 23 (+ 1 + 0)<br />

und 35 (+ 2 -f 0), durchschn. 17.g (4- O.7 + 3.o). Die Anzahl der<br />

vollentwickelten Samen pro Spross betrug also 103.8 Stück.<br />

Keimung der Samen i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 28. VIII, 1931 vom Bachufer am N-Hang eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung zu 40 %<br />

und ohne Frostbehandlung zu 33 % im JACOUSENschen Keinuingsapparat.<br />

Die Keimung setzte in der 2. Woche ein und schloss in<br />

der ersteren Probe nach 2, in der letzteren nach 4 Monaten ab;<br />

in der 3. bis 5. Woche war sie am kräftigsten. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten alle tot (weich). - Die Samen waren<br />

beim Einsammeln nicht reif und die Früchte wie auch die Sprosse<br />

noch in grossen Zügen grün.<br />

Die Keim u n g der Sa m en in d er Na t u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 20. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge auf dem W-Felsen und am 20. VH. 1933 am Bachufer).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

treten im Gebiet allgemein und gewöhnlich auch ziemlich reichlich<br />

auf. Der Keimlingsquotient variierte an meinen Beobachtungsstellen<br />

an den Bachufern und den Felsen im allgemeinen zwischen<br />

0.5 und 5. Unter günstigen Bedingungen kommen die Keimlinge<br />

aber noch bedeutend zahlreicher vor: an einem locker besiedelten,<br />

weichgründigen Hachufer lag der Keimlingsquotient bei 20. In einer<br />

Astragalus frigidiis -reichen Wiesensiedlung am sommertrocknen<br />

Bachlauf war der Quotient 3; die Keimlinge können also auch in<br />

der geschlossenen Vegetation auskommen, soweit nur geeignete


130 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Feiichligkeitsverhältnisse herrschen. An den für diese Art so<br />

abweichenden Standorten in der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide<br />

habe icli nicht nacii Keimlingen gesucht, aller Wahrscheinlichkeit<br />

nach dürften sie aber auch daselbst zu finden sein, denn<br />

offenbar hat gerade die Möglichkeit zur fruktifikativen Vermehrung<br />

die Art zu diesen konkurrenzfreien Siedlungen herangelockt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

(iebiet sind günstig.<br />

PoRSiLD (1920 a, S. 357) hat bei der Art in Grönland Samenkeimlinge<br />

angetroffen.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch die Beobachtungen von PORSILD in Grönland<br />

(1920 a, S. 356) erwiesen haben.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein gewöhnlicli<br />

mehr oder minder senkrechtes Rhizom, welches an seinem<br />

oberen Ende oft kurze, wurzelnde Äste trägt, bisweilen aber schon<br />

früher verzweigt sein kann. So wurde am Rhizom eines Individuums<br />

in 4 cm Tiefe ein etwas bogig fast waagerecht abstehender, reichlich<br />

Wurzeln treibender, 2.8 cm langer Ast beobachtet, der einen<br />

Spross mit vorjährigem Fruchtstand nebst einem kurzen Nebenspross<br />

trug; das »Mutterindividuum» selbst hatte sowohl in diesem<br />

(1933) als im vorigen Jahr gel)lüht. Die Pflanze kann also in<br />

bestimmten Fällen mit Hilfe ihres Rhizoms am Standort etwas<br />

vorwärtswandern. Eine Verselbständigung der einzelnen Sprosse<br />

ist offenbar auch möglich. - Vgl. PORSILD (1920 a, S. 356).<br />

Orchidaceae<br />

Coeloglossiim viride (L.) Hn<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten bis selten, und zwar ist sie im unteren Teil der alpinen<br />

Region in den Krautwiesen (st r, s]) - st pc), den Heidewiesen<br />

(r, pc) sowie in der Drijas -Heide (r, pc) gefunden worden. )<br />

F u n dort e. Pilguoaivi: in einer Wiesensiedlung am Fusse<br />

eines erratischen Blockes am SE-Hang, in einer Astragalus frigidusreichen<br />

Wiese am NW-Hang; Kiergipori, in einer kleinen wiesenartigen<br />

Vertiefung; Rahpesoaivi, auf einer Wiese unter dem E-Hang;


Annales Botanici Societatis Vanamo, Toni. 1 1. X:o 1. 131<br />

im Kammikivigehiet p nacli KALLIOLA (1932, S. 102); Kammikivitunturi,<br />

an nasser Stelle nacli VALLE (1933 b, S. 261); liieppetsliohki<br />

(OnkitunluriL), in der Dnjas -Heide am NW-Hang; Jönkiergioaivi<br />

(Onkitunturit), in der artenreicheji Carex riyida -Wiese am N-Haiig.<br />

Die H o h e der Individuen betrug im J. 1933 auf der Wiese<br />

am SE-Hang durchschn. 8 (5 - 12) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901,<br />

S. 508).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 wurde die Art am 10. VII. auf<br />

einer Wiese in voller Blüte beobachtet, desgleichen im subalpinen<br />

Birkenwald am Iß. VII. - Im J. 1933 war das Blühen im Geljiet<br />

am 5. VII. im Beginnen und am 18. VII. im Ausklingen; im subalpinen<br />

Birkenwald war es am 11. VII. im vollen Gang.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren Ende August 1933 ausgebildet.<br />

Die Samenreife wird ohne Zweifel wenigstens in günstigen<br />

Jahren noch im Laufe der Vegetations])eriode erreicht.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht gefunden. KONTUNIEMI (1932, S. 24) hat sie auch<br />

in den subalpinen Birkenwäldern nicht angetroffen. Wegen iiirer<br />

winzigen Grösse (der Embryo ist bekanntlich ungegliedert) sind<br />

aber die Keimlinge der Orchideen auch sehr schwer zu beobachten.<br />

Aus der Fruchtentwicklung zu schliessen müsste ja die Art \^oraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung im Gebiet haben.<br />

Die vegetative Ver m e h r u n g findet bekanntlich durch<br />

die sich jährlich erneuernde Wurzelknolle statt,<br />

List er a cordala (L,) HBr,<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; man findet sie im untersten Teil der alpinen Region<br />

in den Gebüschen (rr, sp - ])c).<br />

F u n dort e. Pilguoaivi: im Beinla nana -Gebüsch am N-Ilang,<br />

im Aulacomnium paliistre -reichen Moorgebüsch am Fusse des<br />

SE-Hangs. - Am E-Ufer des Pilgujaur auf den Moorbülten unter<br />

den letzten Birken.<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blühte im Moorgebüsch reichlich, im<br />

Beliila /K//ja-Gebüsch wurde sie dagegen nur sleril angetroffen.


132 iV. Söijrinki, Vcrinelirung cl. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

F I o r a t i o n. Die Art befand sich im J. 1933 am Ufer des<br />

Pilgujaur an der oberen Grenze der subalpinen Region am 8. VII.<br />

in voller Blüte, ebenso am 11. VII. im Hainbirkenwald vom Geranium<br />

-Typ am Ala-Pilgujaur.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 10. VIII. 1931 im<br />

Moorgebüsch nahezu ausgebildet. Augensclieinlich konnte die<br />

Samenreife an jener Stelle noch vor Ende der Vegetationsperiode<br />

erreicht werden.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht angetroffen. Auch KUJALA (1926 a, S. 75) hat<br />

sie nicht in der Waldvegetation in Süd- und Mittelfinnland vorgefunden,<br />

wie auch nicht KONTUJSIEMI (1932, S. 27) in den subalpinen<br />

Birkenwäldern. Die Art dürfte indes recht wahrscheinlich<br />

in einigem Umfang Voraussetzungen zur generativen Vermelirung<br />

im Gebiet haben.<br />

V e g e t a t i v e Ver rn e h r u n g. Die Art wandert effektiv<br />

am Standort mit Hilfe der dem Stengelgrund entspringenden waagerechten<br />

Wurzelsprosse (vgl. WARMING 1884, S. 36; BRUNDIN<br />

1895 und 1898, S. 62- 63; RAUNKIAER 1895-99, S. 313).<br />

Salicaceae<br />

Salix reliculata L.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art kommt<br />

im Gebiet zerstreut vor; man findet sie in der Dnjas -Heide<br />

(fq, sp - st pc), an den Bachufern (p, st cp - st pc), in verhältnismässig<br />

trocknen, eutrophen Graskrautmooren (p, st cp - st pc),<br />

auf eutrophen, frischgründigen Wiesen (j), st cp - sj), in der Thaliclriim<br />

alpimim - Potenlilla Crantzii -Wiese fcjq, cp) und auf artenreichen<br />

N-Felsen (st r, st pc).<br />

Fertilität. Die Art blülit in der Regel, gewöhnlich aber<br />

nur ziemlich S])ärlich oder zerstreut, seltener reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 an einem N-Felshan^<br />

am 6. VII. im Beginnen und am 10. VII. im vollen Gang; in einem<br />

Bachufermoor befand sich die Art am 18. VH. im Ausblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 liatte die Art am 25. VIII. an einem<br />

Bachufer am N-Hang reife Samen. - Im J. 1933 waren die Samen


Annalcs Botaniei Socictatis Vanamo, 'rom. 11. N:o 1. 133<br />

in dor Dnjas -Heide am N-Ilang am 20. Vlll. reif und die Ausstreuung<br />

war eben im Beginnen. - Im allgemeinen kommen die<br />

Samen während der Vegetaliojisperiode wohl zur Reife.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 etwa 45 Tage. Nach CLEVE (1901, S. 83) war die Präflorationszeit<br />

in Schwediseh-Lappland 22 Tage und die Florations-<br />

+ Postfloralionszeit 39 Tage, die ganze Vegetationsperiode dauerte<br />

also 61 Tage.<br />

Auf Spitzbergen hat NATHORST (1883, S. 29) die Art am 1, VII.<br />

1882 in Beisund in der Blüte wahrgenommen; EKBTAM (1898, S. 48)<br />

erwähnt reife Früchte angetroffen zu haben (vgl. audi AJN^DERSSON<br />

und riESSELMAN 1900, S. 70). Auf Novaja Semlja ist die Art reichlich<br />

fertil beobachtet worden, Angaben über die Samenreife fehlen<br />

indes (LYNGE 1923, S. 18).<br />

K e i m u n g d er Sa m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2G. VIII. 1929 von der -Heide eingesammelten Samen<br />

keimten nicht im JACOBSENschen Keimungsapparat, sondern waren<br />

nach 1.5 Monaten tot (weich).<br />

Die Keimung der Sa m en in der Nat u r findet<br />

nach den Beobachtungen SYLVINS (1906, S. 329) in Torne Lappland im<br />

Vorsommer nach der Überwinterung statt. Selbst liabe ich nicht<br />

mit Sicherheit jüngere Keimlinge bei der Art wahrgenommen.<br />

K e i ni 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge liabe ich<br />

bei der Art ziemlich regelmässig an meinen Beobachtungsstellen<br />

an den weichgründigen Baciiufern angetroffen. Der Keimlingsquotient<br />

variierte, soweit er zu schätzen war, etwa zwischen 1 und 2.<br />

Keimlinge kamen also verhältnismässig reichlich vor in Anbetracht<br />

dessen, dass nur die älteren berücksichtigt wurden, indem die<br />

jüngeren nicht mit Sicherheit zu konstatieren waren. An diesen<br />

Standorten gestalten sich aber auch die Möglichkeiten der Samenkeimung<br />

gewöhnlich recht günstig. Doch habe ich auch in der<br />

Dnjas -Heide, wo die Verhältnisse in dieser Hinsicht viel schwieriger<br />

liegen, .Samenkeimlinge der Art vorgefunden. Sie kamen in dieser<br />

Assoziation aber am meisten an den etwas feuchteren Stellen vor,<br />

wo die Moosdecke nicht so üppig entwickelt war wie im allgemeinen<br />

in den Siedlungen. - LINDMAN (1887, S. 100) hat auf dem Dovre<br />

und SYLVÉN (I.e.) in Torne Lappnunk vSamenkeimlinge der Art<br />

eingesammelt.


131 N. Söijrinki, Vermehrung (i. Sanienpl'l. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadi u m wird natiirlicii erst nacli mehreren<br />

Jahren erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art kriecht l)ekanntlich<br />

mit Hilfe ihres in der Erde liegenden, wurzeltreibenden Sprosssystems<br />

am Standort weiter.<br />

Salix herhacea L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gel)iet<br />

häufig; ihre Standorte sind die Salix herbacen -Sclmeebodenvegetation<br />

(fqq, cpp), die übrigen Schneebodensiedlungen (fq, cp - st pc),<br />

die I leidewiesen (fq, cp - st pc), die frischgründigen, meiir oder<br />

minder spät ausapernden Krautwiesen (st fq, st cp - sp) sowie<br />

die Cetraria nivalis - Alecloria -I IQ'UXQ (p, sp - st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Schneeböden in der<br />

Hegel ziemlich spärlich, gelegentlich aber sogar ziemlich reichlich,<br />

wie oft auch auf den frischgründigen Krautwiesen; in den am<br />

spätesten ausapernden Schneebodensiedlungen ist die Art steril.<br />

Auf den Ileidewiesen blüht die Art regelmässig mehr oder minder<br />

spärlich; gleiches ist der Fall gewöhnlich auch in der Cetraria nivalis<br />

- Alectoria -I leide, in dieser Assoziation kann sie aber bisweilen<br />

auch recht reichlich blühen.<br />

I" 1 0 r a t i o n. Im J. 1933 war die Art am 4. VII. in der<br />

Cetraria nivalis - Alectoria -IWule schon ausgeblüht; auf den Krautwiesen<br />

am Hände der Schneeböden war das Hlühen im vollen Gang,<br />

auf den Schneeböden selbst hatte es aber noch nicht begonnen,<br />

sondern auch die Siedlungen der relativ früh ausapernden Salix<br />

herhacea -Schneebodenvegetation waren an vielen Stellen von den<br />

Firnmassen bedeckt, die in diesem Sommer mächtiger als gewöhnlich<br />

waren. Am 13. VII. wurde die Art auf den am frühesten ausapernden<br />

Schneeböden in voller Blüte und am 17. VII. im Ausblühen<br />

wahrgenommen, in den spätesten Siedlungen war sie aber<br />

erst am 23. VII. iti voller Blüte. Auf den Ileidewiesen befand sich<br />

die Art am 8. VII. allgemein im Ausblühen.<br />

Im J. 1931 war das Blühen am 9. VII. auf den frühesten Schneeböden<br />

schon im Ausklingen, in den am sj)ätesten ausapernden


Aniialcs Botanici SocieLatis Vaiiaino. Toin. 11. N:o 1. 135<br />

Siedlungen hatte es aber nocii jiiclit begonnen. In einer Sietllung<br />

der Raniinciiliis nivalis -Schneebodenvegetaiion wurde die Art am<br />

17. VII. in voller Blüte i)eobaclitet.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 befanden sich am Rande des<br />

Schneebodens am SE-Iiang am 23. VII. die ersten Kätzchen im<br />

Stadium des Ausstreuens; in der Cetraria nivalis - Aledoria -Heide<br />

begann die Ausstreuung am 26. VII. Auf den am frühesten ausapernden<br />

Ileidewiesen waren die Samen am 8. VIII. teilweise ausgestreut,<br />

ebenso am 18. VIII. in der Lijcopodiiini alpiniun- Solidago<br />

- Deschampsia flexuosa -I leidewiese. In einer ziemlich spät ausapernden<br />

Conostomum teiragonum -reichen Siedlung der Salix<br />

herbacea -Schneebodenvegetation hatte die Ausstreuung am 2. IX.<br />

begonnen.<br />

Die Samenreife wird also in günstigen Jahren im allgemeinen<br />

so früh erreicht, dass die Ausstreuung schon vor Ende der Vegetations))eriode<br />

erledigt werden kann. In allen Jahren läuft al)er die<br />

Entwicklung der Art nicht gleich günstig ab; so fand ich Anfang<br />

Juli 1933 auf den Schneeböden an vielen Stellen vorjährige teilweise<br />

aufgesprungene Früchte, die der Winter überrasclit hatte,<br />

ehe die Samenstreuung vollzogen worden war. HESVOLL (1917,<br />

S. 60) berichtet über entsprechende Fälle in Norwegen und ist<br />

bereit, in der eventuell sich erst in den folgenden Frühjahr hinschiebenden<br />

Ausbreitung der Samen eine Anpassung an die kurze<br />

Vegetations])eriode zu sehen: der Entwicklungsgang, der in normalen<br />

Verhältnissen im Laufe eines Sommers erledigt wird, wäre<br />

in dieser Weise auf zwei Sommer verteilt. Meines Erachtens darf<br />

aber der Sache nicht eine so weittragende Erklärung gegeben werden,<br />

dass man von einer Anpassung reden könnte. (Vgl. auch GI^LTING<br />

1931, S. 116.)<br />

Auf den Beeren-Inseln hat HANSSEN am 1. IX. 1923 fruchttragende<br />

Individuen gesammelt (HANSSEN und IIOLMKÜE 1925,<br />

S. 219). (Auf Spitzbergen kommt die Art nicht vor.) In Ostgrönland<br />

macht die Art nach KIIUUSE (1906, S. 265) reichlich reife<br />

Früchte in Angmagsalik, die Ausstreuung findet statt im August;<br />

GELTING (1931, S. 116) hat zwischen 73°15' und 76°20'N reife<br />

Früchte festgestellt. In Weslgrönland ist die Fruchterzeugung<br />

reichlich auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 65). (Vgl. auch NATHOUST<br />

1884, S. 27.)<br />

Ann. Hot. Soc. Zool.-Hot. Fonn. Vaiiaiiii), 14, n:o I. 10


1 36 N. Söyrinki, Vennehrung d, Samejipfl. i. (i. alpinen Vegetation. II.<br />

K e i m ii n g der S a m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 8. VIII. 1933 von einer Heidewiesensiedlung eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen keimten nicht im gleichen Herbst und auch<br />

nicht im folgenden Frühjahr bis zum 31. V.; ebenso kamen die<br />

am 25. VIII. 1929 von der Salix /jerörtcea-Schneebodenvegetation<br />

eingesammelten Samen nicht zur Keimung im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat, sondern waren nach 1.5 Monaten tot (weich).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

offenbar wenigstens zum Teil nacli der Überwinterung im Anfang der<br />

Vegetationsperiode statt, denn am 17. VII. 1933 faiul ich in einer<br />

Siedlung der Cassiope hypnoides -Schncebodenvegetation 3 junge<br />

Keimlinge, bei denen das erste Laiibblatt erst im Hervorbrechen<br />

war. Die Art befand sich an der Stelle eben im Ausblülien, und<br />

sogar an den am frühesten ausapernden Standorten hatte die Samenstreuung<br />

im Ujitersuchungsgebiet noch nicht begonnen; die Keimlinge<br />

mussten also ohne Zweifel aus vorjälirigen Samen entstanden<br />

sein. Nach mehreren Forschern (z.B. WICHURA 1854; FOCKE 1873,<br />

S. 385; WINKLER 1876, S. 102) erfolgt ja die Keimung bei den Salix-<br />

Arten unmittelbar nach der Samenreife, indem die Keimkraft<br />

sonst rasch erlischt. Im Norden scheint dies aber nicht immer der<br />

Fall zu sein. Eine Keimung nach der Sanienreife ohne Überwinterung<br />

braucht im Gebiet natürlich keineswegs ausgeschlossen zu sein;<br />

besonders an solchen Standorten, wo die Samen schon früh vor<br />

Ende der Vegetationsperiode ausgestreut werden, ist dies ja leicht<br />

möglich (s. näher bei SÖYRINKI 1938, S. 168- 170).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlingc sind im<br />

Hinblick auf die Häufigkeit der Art im Gebiet selten; ich habe sie<br />

nur vereinzelt auf den Schneebüden an mehr oder minder nackten<br />

und feuchten Stellen vorgefunden. Selbst in der Salix herbacea-<br />

Schneebodenvegetation waren die Keimlinge auf meinen Probeflächen<br />

nur durch wenige Individuen vertreten. Die Beschaffenheil<br />

der Siedlungen ist ja offenbar hieran zum Teil schuld, denn die<br />

Möglichkeiten der Samenkeinning sind überhaupt ziemlich gering,<br />

weil die Bodenoberfläche nach dem Entweichen der Frülilingsfeuchtigkeit<br />

zu einer harten Kruste vertrocknet und überdies oft<br />

von einer Slreudecke aus abgefallenen Salix lierbacea -Blättern<br />

bedeckt ist. Doch findet man in der Assoziation Samenkeimlinge


Annales Botanici Societatis Vanamo, Tom. 1 1. N:o 1. 137<br />

einiger anderen Arten regelmässig vor. Auf meinen Probefläclien<br />

in den verschiedenen Heidewiesensiedlungeii habe ich Samenkeimlinge<br />

der Art gar nicht gefunden, obgleich sie auf diesen gewöhnlich<br />

reichlich aufgetreten ist. - Das im allgemeinen spärliche Blühen<br />

der Art ist natürlich neben der Beschaffenheit der Standorte die<br />

wichtigste Ursache zur Seltenheit ihrer Keimlinge, doch auch in<br />

Kenntnis dieser Tatsachen Hessen sich immerhin etwas grössere<br />

Keimlingszahlen erwarten, weil die Samen ja in der Hegel immerhin<br />

zur Reife kommen. - SYLVJIIN (1906, S. 329) hat in Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge bei der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

(iebiet sind ziemlich gering.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach vielen Jahren erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art kriecht mit Hilfe<br />

des unterirdischen Sprosssystems ziemlich effektiv am Standort<br />

weiter (vgl. WAKMING 1886 b, S. 56).<br />

Salix polaris Wg<br />

II ä u f i g k e i t und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, ujid zwar findet man sie auf mehr oder minder feuchten<br />

Schneebüden und Schneebodenfelsen (st r, st cp - cp).<br />

F u n dort e. N-Felshang am oberen Lauf des Vilgiskveljoki;<br />

N-Felshang zwischen Rahpesoaivi und Viigiskoddeoaivi; Schneeboden<br />

zwischen Kuattesoaivi und Kuattesoaivinjunne; Schneeboden<br />

in der Nähe des Soukkerjoki zwischen Läntinen Ortoaivi und dem<br />

Kammikivitunturi; Kammikivitunturi, unter dem obersten Felshang<br />

cp nach KALLIOLA (1932, S. 102); Kuorbgas (Paloj)ää), auf den<br />

Schneeböden am N-lIang.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Hegel S])ärlich oder sehr<br />

spärlich.<br />

I" 1 o r a t i o n. Die Art befand sicii am 9. VII. 1933 an einem<br />

N-Schneebodenfelsen teilweise in voller Blüte, teilweise im Aufblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren auf dem Schneeboden<br />

am N-Mang des Kuorbgas am 22. VIII. 1931 reit. - Nach den Beobachtungen<br />

von CLEVE (1901, S. 51 und 82) betrug die Vegetationsperiode<br />

in Schwedisch-Lappland 51 Tage, davon entfielen auf<br />

die Präflorationszeit 15 Tage.


138 N. Süijrinki, Vermehrung d. Sainenpfl. i. (i. alpinen Vegetation. II.<br />

Auf Spitzhergen reifen die Früchte regelmässig von Anfang<br />

August oder vielleicht Ende Juli bis Anfang September (ANDERSSON<br />

und HESSELMAN 1900, S. 67). Auf Novaja Semlja hat EKSTAÄI<br />

(1897, S. 180) reife oder fast reife Früciite beobachtet; nach LYNGE<br />

(1923, S. 17) erzeugt die Art dort reichlich I'rüchte.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art niclit gefunden. Das Fehlen der Keimlinge an meinen<br />

Beobachtungsstellen dürfte in erster Linie als eine P'olge des spärlichen<br />

Blühens zu verstehen sein. Die Besamung wird überdies<br />

noch dadurch beinträchtigt, dass die Pflanze an einigen Standorten<br />

entweder nur weibliche oder nur männliche Blüten entwickelt,<br />

weshalb das Suchen nach Keimlingen wenigstens im letzteren Fall<br />

schon von vornherein zum Misslingen bestimmt ist. - SYLVÉN (1906,<br />

S. 329) hat Samenkeimlinge der Art in Torne La[)pmark eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder minder schwach.<br />

Vegetative V o r m e h r u n g. Die Art wandert mit<br />

Hilfe des im Boden kriechenden, wurzeltreibenden Sprosssystems<br />

am Standort weiter (vgl. HOLM 1885, S. 51).<br />

Salix myrsinites L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; sie lebt in der Dryas -Heide (fq, sp) und den eutrophen<br />

Graskrautmooren (p, st cp - sp), ferner an braunmoorartigen<br />

Stellen an den Bachufern (p, st cp - sp), bisweilen auch auf den<br />

der Cetraria nivalis - Alectoria-Haide ähnlichen, windoffenen Fjeldrücken<br />

(st pc).<br />

Fertilität. Die Art l)lüht gewöhnlich reichlich oder ziemlich<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war am 4. VII. 1933 im Gebiet<br />

sogar an den N-Hängen schon abgeschlossen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im J. 1933 am 20. VH.<br />

ziemlich allgemein reif sowohl in der Dryas -Heide als in den Graskrautmooren,<br />

und die Ausstreuung war im Beginnen. - Am N-Haiig<br />

des Kaskamatunturi bei Pitkäjärvi hatte die Samenstreuung an einem<br />

Bachufer in der Kiefernwaldregion am 31. VII. noch nicht begonnen.<br />

Auf den Haututunturit (Lapponia inarensis) wurde die Art am


Annales Botanici Soeielatis Vanamo. Toni. 1 I. N:o 1. 139<br />

5. VIII. in einer schattigen Ravine in der subalpinen Hegion im<br />

Ausstreuen wahrgenommen.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 21. VII. 1933 vom Bachufermoor eingesammelten, am<br />

28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen kamen im gleichen Herbst und auch im folgenden Frühling<br />

bis zum 31. V. nicht zur Keimung.<br />

Die Keimung der Sa m en in der Natur findet<br />

offenbar hauptsächlich im Jahr der Samenreife statt, möglicherweise<br />

aber z.T. erst nach der Überwinterung, denn am 21. VII.1933<br />

fand ich jüngere Keimlinge mit vollentwickelten Keimblättern au<br />

einer Stelle, wo die Samenstreuung gerade erst begonnen hatte<br />

(vgl. SÖYRiNKi 1938, S. 168- 170).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind im Gebiet allgemein und gewöhnlich reichlich zu finden. Am<br />

zahlreiciisten begegnet man ihnen an weichgründigen, braunmoorarligen<br />

Bachufern, wo der Boden oft mehr oder minder nackt ist<br />

und den Samen eine vortreffliche Keinmnterlage darbietet; an einer<br />

solchen Stelle betrug der Keimlingsquotient etwa 10 und an einer<br />

anderen etwa 15. In der Dry as -Heide habe ich Keimlinge der Art<br />

in kleinen Vertiefungen angetroffen, in denen die Bodenfeuchtigkeit<br />

grösser und die Moosdecke weniger üppig war als sonst gewöhnlich<br />

in den Siedlungen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

(iebiet sind recht günstig.<br />

Vegetative V e r ni e h r u n g. Die Stämme und Äste<br />

der Art kriechen gewöhnlich in der Moosdecke weit umher, reichlich<br />

Adventivwurzeln treibend; das Individuum kann sich also auf<br />

diese Weise effektiv ausbreiten. Fine Verselbständigung der wurzelnden<br />

Sprosse nach dem Vermorschen der älteren Teile scheint<br />

ebenfalls wahrscheinlich.<br />

Salix (jlaiica L.<br />

Häufigkeit u n d V o r k o m m e n. Die Ari ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in den Weidengebüschen (fqcj, c]) - st cp),<br />

den Bcliila nana -Gebüschen (st fcj, sp - st cp), den Graskrautmooren<br />

(p, st i)c - pc), den Zwergstrauchmooren (p, st pc), den


131 N. Söijrinki, Vermehrung (i. Sanienpl'l. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Fjeldheiden (p, st pc), den Krautwieseri (j), st pc - pc), der Carex<br />

rigida - C. Lachenalii -Heidewiese (p, st pc - pc) und auf den mehr<br />

oder minder feuchten und extremen Schneeijoden (st r, pc).<br />

Die H ö Ii e der Individuen variiert je nach dem Standort<br />

heträchtlicii; sie l)etrug im Haingebüsch bis 200 cm, im Beliila nana-<br />

Gebüsch bis 80 cm, im Carex aqiiatilis -Moor bis ÖO cm und in der<br />

Cetraria nivalis -IMda bis 25 cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 494;<br />

KRUUSE 1906, S. 266; PORSILD 1912, S. 372).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Gebüschen gewöhnlich<br />

zerstreut, an den Moorstandorten ziemlich spärlich und auf den<br />

Fjeldheiden spärlich, an den letztgenannten Standorten kommt<br />

sie oft auf weiten Flächen nur steril vor. In der Carex rigida -<br />

C. Lachenalii -Heidewiese sowie in den Sclineebodensiedlungen<br />

hal)e ich die Art ausschliesslich steril wahrgenommen.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war am 4. VII. 1933 an sonnigen<br />

Standorten bereits abgeschlossen, an schattigen N-IIängen aber<br />

eben im vollen Gang, und in der unmittelbaren Nähe der ungeschmolzenen<br />

Firnmassen hatten sich sogar die Laubblätter noch<br />

nicht entfaltet.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im J. 1933 an den frühesten<br />

Standorten am 23. VII. reif und die Samenstreuung war itu Beginnen;<br />

am 26. VII. befand sich die Art an offenen Stellen im allgemeinen<br />

im Ausstreuen. Am schattigen Ufer eines Fjeldteiches<br />

l)egann die Samenstreuung am 8. VIII. - In Westgrönland erzeugt<br />

die Art reichlich Früchte auf Disko, mit Ausnahme jedoch der<br />

dürftigsten Standorte (PORSILD 1920 b, S. 66).<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 8. VIII. 1933 eingesammelten, am 28. IX. 1933 im Freien<br />

im Saatkasten in (iartenerde ausgesäten Samen kamen niciit im<br />

gleichen Herbst und auch nicht im folgenden Frühling bis zum<br />

31. V. zur Keimujig.<br />

Die K e i m u n g d e r S a m en in der Natur findet<br />

wahrscheinlich wenigstens hauptsächlich schon im Jahr der Samenreife<br />

statt, wie auch die Beobachtungen NORMANS (1895- 1901,<br />

S. 494) in 0stfinmarken ergeben haben. Es scheint aber als käme<br />

ein Teil der Sanien erst nach der (Überwinterung im Anfang des<br />

folgenden Sommers zur Keinuing, denn am 22. VH. 1933 fand<br />

ich schon jüngere Keimlinge, die also kaum aus diesjährigem Sameti


Annales Botanici Societatis Vanamo, Tom. 1 1. N:o 1. 111<br />

entstanden sein konnten (vgl. SYLVÉN 1900, S. 329; S(")YIIINIA<br />

1938, S. 168-170).<br />

K e i ni 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Eine exakte Feststellung<br />

der Keimlingszahleji bereitet oft Schwierigkeiten, weil die Art gewöhnlich<br />

zusammen mit anderen 5a/Lr-Arten auftritt. Jedenfalls sind<br />

aber Keimlinge ziemlich allgemein und an günstigen Stellen auch<br />

reichlich zu finden; so habe ich einigemal an weichgründigen Bachufermooren<br />

den Keimlingsquotienten auf etwa 5-10 geschätzt.<br />

Am Boden der während der Vegetationsperiode austrocknenden<br />

Weiher kommen Keimlinge ebenso wie im .lugendstadium verharrende,<br />

sterile Individuen gelegentlich zahlreich vor. Auf den<br />

Fjeldheiden habe ich in der geschlossenen Vegetationsdecke keine<br />

Keimlinge ])ei der Art angetroffen, wohl dagegen in den nackten<br />

Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis -Heide; die Keimlinge können<br />

also auch an diesen verhältnismässig trocknen und windoffenen<br />

Stellen ihr Fortkommen finden. - Die hier und da in den Schneebodensiedlungen<br />

sowie in der Carex ri(ji(la-C. iMchenalii-\\QU\Cwiese<br />

wachsenden sterilen Individuen dürften augenscheinlich aus<br />

windverschleppten Samen entstanden sein. - SYLVÉN (I.e.) hat<br />

in Torne Lap])mark Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadi u m wird natürlich erst nach vielen<br />

Jahren erreicht.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Stämme und Äste<br />

der Art kriechen oft am Boden in der Moos- oder Flechtendecke<br />

und treiben kräftige Adventivwurzeln, mit deren Hilfe die einzelnen<br />

S])rossteile nach ihrer Ai)lösung vom Mutlerindividuum<br />

offenbar selbständig weiterleben können. In der Cetraria niualis-<br />

Ileide habe ich Sprosse herausgegraben, die nur noch durch fast<br />

völlig vermorschte Teile mit dem IIau])tstamm in Ver])indung<br />

standen. - Als Beispiel vom Bewurzelungsvermögen der Art sei<br />

erzählt, dass drei von den Salix (jlaiica -7.\\'c\gon, die ich am 4. VII.<br />

1933 am Bande einer Firnwehe als Merkzeichen in den weichen<br />

Boden eingesteckt halte, Adventivwurzeln getrieben halten und<br />

am 2. IX. 1933 lebenskräftig weiterwuchsen. Die Zweige waren<br />

etwa 75 cm hoch und l)eim Einstecken bis auf einen Blattbüschel<br />

an der Sj)itze von mir enllaubl worden.


142 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Salix lappomim L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich liäufig; man begegnet ihr in den Graskrautmooren<br />

(fq, st cp - st pc), den Moorgebüsclien (p, st cp - st pc), an den<br />

Rändern der Pfützen und Senken (p, st pc) und in der Carex rigida<br />

- C. Lachenalii -Heidewiese (r, pc).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im Carex aqiiaiilis -Moor<br />

bis CO cm und im Carex rotimdata -Moor bis 40 cm (vgl. NORMAN<br />

1895- 1901, S. 494).<br />

Fertilität. Die Art l)lüht in der Regel mehr oder minder<br />

spärlich, oft kommt sie sogar ganz steril am Standort vor.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war am 4. VH. 1933 bereits abgeschlossen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im J. 1933 am Rande<br />

eines Wassertümpels am 18. VH. reif und eben im Aufspringen.<br />

In einem Moorgel)üsch wurden zwar schon am 15. VII. aufgesprungene<br />

Kapseln wahrgenommen, sie waren aber offenbar zu früh,<br />

noch ehe die Samen reif waren, vertrocknet.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

habe ich hier und da in den Graskrautmooren und am Boden ausgetrockneter<br />

Tümpel angetroffen, der Regel nach aber nur wenige<br />

Individuen zusammen mit Keimlingen anderer SaÜx-Avlm, wie<br />

man schon auf Grund der niecbigen Fertilität der Art annehmen<br />

kann. - SYLVÉN (190G, S. 329) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind also ziemlich gering.<br />

Vegetative Vermehrung. Ein Selbständigwerden<br />

der am Boden kriechenden, wurzeltreibenden Teile des Sprosssystems<br />

ist offenbar möglich.<br />

Salix plujlicifolia (L. p. ]>.) Sm.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie in den Weidengebüschen<br />

(p, st cp - sp), den Graskrautniooren (r, sp), am I{and eder Weiher<br />

und Pfützen (p, st pc), in der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese<br />

(st r, ])c) und sogar auf den Schneeböden an Bachufern (st r, pc).


Annales Botanici Socictatis Vananio. Toin. 14. X:o 1, 143<br />

Die II ö h e der Individuen betrug im kräuterreichen Moorgehüscli<br />

am Bacliufer etwa 2 m (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 497).<br />

Fertilität. Die Art ist auf meinen Probeflächen in den<br />

Weidengehüschen gewöhnlich steril aufgetreten, an den Rändern<br />

der Weiher und Pfützen haiie ich aber gelegentlich reichlich blühende<br />

Individuen angetroffen. In der Carex rujida - C. Lachenalii -Heidewiese<br />

sowie auf den Schneeböden kommt die Art stets nur ganz<br />

kleinwüchsig und steril vor.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art hatte bis zum 5. VII. 1933 im Gebiet<br />

allgemein ausgeblüht, im subalpinen Birkenwald wurde sie aber<br />

noch an einer spät ausapernden Stelle blühend wahrgenommen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Samenstreuung hatte im J. 1933 am<br />

Rande einer Wassersenke am 19. VII. schon begonnen; am schattigen<br />

Ufer eines Fjeldweihers war sie am 8. VIII. im Ausklingen und<br />

im Schutze eines W-Felsen am 11. VIII. im Beginnen. - Am S-Ufer<br />

des Pilgujaur an der oberen Grenze der subalpinen Region befand<br />

sich die Art schon am 15. VII. im Ausstreuen.<br />

K e i m ung der S a men i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 19. VII. 1933 eingesammelten, am 28. IX. 1933 im Freien<br />

im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten Samen kamen nicht im<br />

gleichen Herbst und auch nicht im folgenden Frühling bis zum<br />

31. V. zur Keimung."<br />

K e i m 1 i ji g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art im Gebiet nicht mit Sicherlieit feststellen können, obgleich<br />

sie dort - aus der Samenreife zu schliessen - ohne Zweifel vorkommen<br />

müssen, denn die Art wächst gewöhnlich zusammen mit<br />

anderen, reichlicher auftretenden -Arten, was die Keimlingsbestimmung<br />

erschwert. In Pummanki auf der Fischeriialbinsel<br />

habe ich jedoch reichlich Samenkeimlinge der Art am nackten,<br />

feuchten Torfufer des Marskentänlampi wahrgenommen. Auch<br />

die einzeln in den Schneeboden- und Heidewiesensiedlungen anzutreffenden<br />

sterilen Individuen sind offenl)ar aus windverschleppten<br />

Samen entstanden. - Nach NORMAN (1895- 1901, S. 197) findet<br />

man im arktischen Norwegen Samen des gleichen Sommers gelegentlich<br />

reichlich im Aufkeimen. SYLVÉN (190G, S. 329) hat in Norrbotten<br />

in Schweden Samenkeinilinge der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind augenscheinlich mehr oder weniger günstig.


144 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Saineii])fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Vegetative Vermehrung. Eine Teilung der Individuen<br />

durch Seibständigwerden wurzeltreil)ender Sprosse dürfte möglich<br />

sein (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 497).<br />

Salix nigricans (Sm. p. p.) Enand.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar findet man sie an den Ufern der Teiche und Tümpel<br />

sowie der Bäche (rr, pc - pcc), am Rande der Graskrautmoore<br />

(rr, pcc) und in feuchtgründigen Wiesen (rr, pcc).<br />

Fundorte. Pilguoaivi: am Rande der Graskrautmoore am<br />

S-I Iang (1 Indiv.), am Ufer eines Wassertümpels am NE-Hang (1 cjund<br />

1 ? -Indiv.); am Teichufer zwischen Rahpesoaivi und Vilgiskoddeoaivi<br />

(1 ? -Indiv.); am Wasserfall des Selvakkajoki östlich vom<br />

Vilgiskoddeoaivi (1 Indiv.); im vSoukkerjoki- (»Soukkujoki»-) Gebiet<br />

nach KALLIOLA (19.32, S. 103); Hieppetshohki (Onkitunturit), in der<br />

Jianancaliis ore/-Wiese am N-Hang (1 Indiv.).<br />

Die H ö h e der Individuen l)etrug am Rande des Wassertümpels<br />

2.5-3 m und am Teichufer etwa 1 m (vgl. NORMAN 1895- 1901,<br />

S. 496).<br />

Fertilität. Von der Art wuirden im .1. 1933 gleich viele<br />

fertile und sterile Individuen angetroffen.<br />

I" 1 o r a t i 0 n. Das Blühen war im J. 1933 am 5. VII. am<br />

Rande des Wassertümpels im Ausklingen, ebenso am 8. VII. am<br />

Wasserfall; am Teichufer hatte die Art am letzgenannten Tage<br />

soeben ausgeblüht.<br />

S a m e n r e i f e. Die Samen waren am 18. VII. 1933 am Rande<br />

des Wassertümpels reif und die Kapseln im Aufspringen.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 18. VII. 1933 eingesammelten, am 29. IX. 1933 im Freien<br />

im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten Samen kamen nicht im<br />

gleichen Herbst und auch nicht im folgenden Frühling bis zum<br />

31. V. zur Keinuing.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

l)ei der Art niciit angetroffen. Auf Grund der Beobachtungen über<br />

die Samenreife müssten jedoch Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet wohl vorhanden sein.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Das Selbständigwerden<br />

wurzeltreibender Sprosse dürfte einigermassen möglich sein.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. I I. N:o 1. 145<br />

Salix lanata L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in den Weidengebüschen (st fq,<br />

st cp - sj)), den Krautwiesen (st r, st pc) und an feuchten N-Felshängeji<br />

(p, sp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im Haingebüsch bis etwa<br />

2 m (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 493).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich zerstreut.<br />

Fl o rati on. Das Blühen war im .T. 1933 am 4. VH. an<br />

sonnigen Stellen schon abgeschlossen, an den N-Hängen war es<br />

aber in der Nähe der ungeschmolzenen Firnmassen erst im l^eginnen<br />

und weiter vom Schnee im vollen Gang; an dem am spätesten ausapernden<br />

Stellen wurde die Art am 9. VH. noch teilweise in der<br />

Knospe wahrgenommen (vgl. VALLE 1930, S. 2).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im .J. 1933 in einer Haingebüschsiedlung<br />

schon am 8. VH. im Aufspringen; bis zum 21. VH.<br />

hatte die Samenstreuung in den Gebüschen grösstenteils stattgefunden.<br />

- Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 180) reife<br />

oder fast reife Früchte festgestellt, LYNGE (1923, S. 17) dagegen<br />

hat die Art nur steril angetroffen.<br />

K e i m u n g d e r S a m e n i m K e i m n n g s v e r s u c h.<br />

Die am 8. VH. 1933 eingesammelten, am 28. IX. 1933 im Freien<br />

im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten Samen (75 Stück) kanien<br />

nicht im gleichen Herbst und auch nicht im folgenden Frühling<br />

bis zum 31. V. zur Keimung.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

scheinen im Gebiet ziemlich allgemein und an günstigen Standorten<br />

auch mehr oder minder reichlich anzutreffen zu sein, obgleich<br />

eine genaue Feststellung der Zahlenverhältnisse - wie gewöhnlich<br />

bei den Salix-Artci\ - oft mit Schwierigkeiten verknüpft ist. Am<br />

N-Hang des Kuivatunturi in Pummanki auf der Fischerhalbinsel,<br />

wo die Art zusammen mit Salix (jlauca auftrat, schätzte ich den<br />

Keimlingsquotienten bei beideji auf 5.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind offenbar günstig.<br />

Vegetative Ver m e h r u n g. Die am Boden in der<br />

Moosdecke kriechenden Stämme sowie die basalen Teile der Aste<br />

treiben ])ei der Art gewöhnlich reichlich Adventivwurzeln, mit


146 N. Söyrinki, Vcnuehruiig d. Sanicnpfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

(leren Hilfe die einzelnen Sprosse nach dem Vermorschen der älteren<br />

Teile wahrscheinlich wohl selbständig weiterwachsen können.<br />

Salix spp.<br />

Weidenkeimlinge, die nicht genau nach der Art zu bestimmen<br />

waren, hal)e ich ausser in Gesellschaft mit den ausgewachsenen<br />

Individuen in den Gel)üschen und den Graskrautmooren allgemein<br />

auch an vielen anderen Standorten angetroffen, wo sich den vom<br />

Wind hergewehten oder in irgendeiner anderen Weise zum Standort<br />

gelangten Samen eine geeignete Keimunterlage dargeboten hat.<br />

Am reichlichsten treten solche von der Mutterpflanze weit abgekommene<br />

Keimlinge an feuchtgründigen Bachufern auf, ebenso<br />

in den Graskrautmooren, in denen sich die Keinningsbedingungen<br />

recht gut gestalten. So fand ich in einer zum Einsinken weichgründigen<br />

Siedlung des Eriophoriim pohjslaclujiirn -Moors insgesamt<br />

7 jüngere und 2 ältere »SV/Zü--Keimlinge auf 3x0.25 m^ und im<br />

Drepanocladiis intermedins - D. badiiis - Scirpiis caespitosus -Moor<br />

insgesamt 4 jüngere und 4 ältere Keimlinge auf 2x0.25m2; auf<br />

den beiden Probeflächen wuchsen nicht einmal sterile ältere Individuen.<br />

Auch auf den Wiesen, den Schneeböden und an feucliLen<br />

Felshängen habe ich solche Keimlinge wahrgenommen, desgleichen<br />

am 13oden ausgetrockneter Wassertüm])el. Diese ausserhalb der<br />

eigentlichen Standorte der beireffenden Art entstandenen Keimlinge<br />

sterben natürlich in den allermeisten Fällen schon früh ab,<br />

einige von ihnen können aber auch älter werden und so tatsächlich<br />

das Verbreitungsgebiet der Art erweitern. Gerade auf diese Weise<br />

dürfte das Vorkommen einzelner, gewöhnlich mehr oder minder<br />

kümmerlicher und steriler -Individuen an ihren oft sehr<br />

abweichenden Standorten zu erklären sein. Obgleich also selbst<br />

zur generativen Vermehrung unfähig, sprechen sie jedoch für die<br />

hohe Intensität dieser Vermehrungsweise bei den Arten der Gattung.<br />

In der Nähe der Mutterpflanzen treten ÅV/ZLT-Keimlinge unter<br />

günstigen Bedingungen äusserst reiclilich auf; in Pummanki auf<br />

der Fischerhalbinsel fand ich sie auf dem nackten, feuchten Torfufer<br />

des Marskentänlampi auf vielen Quadratmetern l)einahe Seite<br />

an Seite. - Nach FÜCKE (1873) kommen die Weidenkeimlinge in<br />

grosser Massenhafligkeit am Weserufer vor; er hält die Keimi)flanzen


Annalcs Botanici Soeictalis Vanamo. Tom. 11. N:o 1. 147<br />

der Weiden üherlianpt nicht für selten, wohl ai)er die gewisser<br />

hybrider Weiden. Auch HEINTZE (1914, S. 25ü) hat zahlreiche<br />

junge Salix-KcunVmgc am Flussufer in Schwediseh-Lappland<br />

angetroffen.<br />

Belulaccae<br />

lielLila toiiuosa Led., em. Gunnarss.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Oherhall) der Grenze<br />

der subalpinen Birkenwälder gedeihen noch hier und da an den<br />

Hachufern, im Schutze der Felsen und an anderen edaphisch<br />

günstigen Stellen kleine Jiirkengruppen. Höher hinauf verschwinden<br />

diese Vorposten der Waldformalion schnell, vereinzelte niedrige<br />

und gewöhnlich strauchartige liirken kommen aber an geschützten<br />

Stellen noch in den flachen inneren Teilen des Gebietes, weit von<br />

der eigentlichen Baumgrenze vor. Zwischen den Fjelden Haijoaivi<br />

und Rahpesoaivi fand ich am Ufer eines kleinen Fjeldsees etwa<br />

2 m hohe Birkensträucher (am Ufer desselben Sees habe ich an<br />

zwei Stellen eine Siedlung der Phippsia alyida -Schneebodenvegetation<br />

angetroffen), desgleichen am Ufer eines Sees östlich<br />

vom Kuorbgas ein etwa 150 cm hohes und ein zweites, etwas<br />

kleineres Individuum.<br />

Fertilität und Ver m e h r n n g. Die in den inneren<br />

Teilen des Fjeldgebietes wachsenden strauchartigen Birken sind<br />

ohne Ausnahme steril, unter den letzten baumartigen Individuen<br />

habe ich dagegen auch fertile vorgefunden. In einer kleinen Birkengruppe<br />

am Kiergipori, wo die Stämme der Bäume grösstenteils<br />

dem Boden entlang wuchsen, beobachtete ich im Sommer 1931<br />

Fruchtbildung und im Sommer 1933 wiederum Blütenknos])en des<br />

folgendeji Jahres. Keimungsfähige Samen dürften aber an diesen<br />

höchstgelegenen Standorten nur in ganz begrenztem Masse erzeugt<br />

werden (vgl. auch IIÜLMERZ und ORTENHLAI) 1880, S. 54; KIHLMAN<br />

1890, S. 242-243; NORMAN 1895-1901, S. 490; KONTUNIP^MI<br />

1932, S. 41). Die Vermehrung findet offenbar hauptsächlich durch<br />

13asalsprosse statt (KU.JALA 1929, S. 15), teilweise durch die Adventivwurzeln<br />

treibenden, am Hoden liegenden Stämme und Äste. Eine<br />

Hesanuing durch den Wind aus der Waldregion dürfte wohl auch


166 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Saineii])fl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

bei der Vernielirung der Art von Bedeutung sein; die gelegentlich<br />

auf den Fjeldheiden sowie in den Mooren und an den Bachufern<br />

vorkommenden ganz kleinen, einzeln stehenden Individuen sind<br />

wahrscheinlich gerade auf diese Weise entstanden.<br />

Betula nana L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gel)iet<br />

sehr häufig, und zwar findet man sie in den Fjeldheiden (fq,<br />

st cp - sp), den Ileidegehüschen (fqij, c])p - cp), den Weidengehüschen<br />

(fq, st cp - st pc), den Zwergstrauchmooren (fqq, cp),<br />

den Graskrautmooren (p, sp - st ])c), den Meidewiesen (st r, sp - ])c),<br />

den Krautwiesen (st r, st pc - pcc), auf den Felsen (p, sp - pc)<br />

und den verhältnismässig früh ausapernden Schneehöden (st r,<br />

pc - pcc).<br />

Die I I ö h e der Individuen beträgt im Betula nana -Gebüsch<br />

bis 50 - ()0 cm (durchschn. 30 - 40 cm). In der Cetraria nivalis-<br />

I leide wird die Zwergbirke nur 10-12 cm hoch und die Stämme<br />

wandern gewöhnlich lange Strecken dicht dem Boden angedrückt<br />

(vgl. KTIUUHE 1906, S. 266). - Der basale Stammdurchmesser mass<br />

bei einem Individuum im Hetula nana -Gebüsch 5.5 cm. KIHLMAN<br />

(1890, S. 223) hat in Orlow auf der Kola-Halbinsel einen 4 cm<br />

dicken Stamm gemessen, dessen Alter x + 75 Jahre betrug (vgl.<br />

NORMAN 1895- 1901, S. 491; KESO 1908, S. 8-10; VAAGE 1932,<br />

S. 42; S0RENSEN 1933, S. 22).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Fjeldheiden und in den<br />

Gebüschen allgemein, doch nur ziemlich spärlich oder zerstreut.<br />

In den (iraskrautmooren und auf den Wiesen kommt sie gewöhnlich<br />

steril vor, auf den Schneeböden ist dies in der Regel der Fall.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 am 4. VII. im Gebiet<br />

schon allgemein abgeschlossen, am Bachufer im Birkenwald an<br />

der oberen (irenze der subalpinen Region wurde die Art jedoch<br />

am 6. VII. noch in voller Blüte wahrgenommen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 hatte die Art auf den Fjeldheiden<br />

der Südhänge am 25. VIII. reife Früchte, und am 6. IX. hatte<br />

die Ausstreuung vielerorts schon begonnen. Die Blätter waren in<br />

einigen Siedlungen schon am 20. VIII. rot gefärbt und fielen beim<br />

Berühren leicht ab. - Im .1. 1931 machten die Früchte auf sonnigen


Annalcs Botanici Soeictalis Vanamo. Tom. 11. N:o 1. 119<br />

Fjelclrückcn am 2, IX. wenigstens teilweise einen reifen lundriick;<br />

die Blattverfärbnng war am 19, VIII. im Beginnen. - Die Samenreife<br />

wird also wenigstens allgemein vor l^Lnde der Vegetalionsj)erio(lc<br />

erreicht.<br />

Auf Spitzbergen macht die Art zwar Früchte, es ist aber unsicher,<br />

ob diese reifen können (NATHORST 1883, S. (il); audi ANDERSSON<br />

und IIESSELMAN (1900, S. BG) haben keine Angaben über die Fruchtreife.<br />

In Ostgrönland haben HARTZ (1895 a, S. 182) auf Danmarks 0<br />

KRUUSE (190(), S. 266) in Angmagsalik und (IELTING (1931, S. 33)<br />

zwischen 73°15' und 76°20' N reife Früchte angetroffen. In Westgrönland<br />

ist die Fruchterzeugung reichlich auf Disko nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 67). Auf Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 16) die<br />

Art nur steril vorgefunden.<br />

S a m e n meng e. Die Anzahl der weiblichen Kätzchen pro<br />

Individuum betrug im J. 1931 in der Cetraria nivalis - Alecloria-<br />

Meide 2, 2, 5, 6, 6, 7, 7, 9, 9, 14, 16, 17, 26, 54 und 60, (hirclischn.<br />

16,0 Stück. Die Zahl der Früciite (Samen) am Kätzchen war 34,<br />

49, 53, 53, 55, 58, 63, 70, 75 und 76, durchschn. 58.ß. Die Anzahl<br />

der Samen pro Individuum betrug also 937.c. - Im J. 1929 war die<br />

Zahl der Samen am Kätzchen in der Cetraria nivalis-We'idQ in<br />

IHimmanki auf der Fischerhalbinsel durchschn, 53,<br />

K e i m u n g d e r S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX, 1931 von der Cetraria nivalis - Alectoria -Ih'uh eingesammelten<br />

Samen keimten zu 10 % im .lACOHSENschen Keimungsapparat,<br />

Die Keimung setzte am 5. Tage ein und dauerte 3 Monate.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren jioch nach 19 Moiuiten teilweise<br />

lebend (hart). Die Samen waren beim Einsammeln vielleicht<br />

noch nicht ganz reif, - Die am 28. VIII, 1929 von der Cetraria<br />

invalis-liculc in Fummanki auf der Fischerhalbinsel entnommenen<br />

Samen keimten ohne Frostbehandlung zu 34 %, Die Keinuing<br />

begann am 6, Tage und dauerte 3 Wochen; der Versuch wurde<br />

nach 1,5 Monaten abgebrochen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 13. - 11. VI I. 1933<br />

schon häufig jüngere Keimlinge).<br />

K e i m I i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind im (lebiet allgemein anzutreffen. Am reichlichsten kommen<br />

sie in den Moorgebüschen, den (iraskrautmooren und an anderen


1 K) N. Söyrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

solchen Standorten vor, die sich die ganze Vegetationsperiode<br />

hindurch mehr oder minder feucht erhalten und so den Samen ein<br />

günstiges Keimbett bieten. Im Aulacomniiim paliistre-reichen<br />

Moorgebüsch fand ich insgesamt 11 jüngere Keimlinge nebst 1 älteren<br />

auf 5x0.1 m^ und im Betiila nana-reichen Carex aqnalilis-Moor<br />

im ganzen 15 jüngere und 4 ältere auf 3 xO.25 m^; in der Bodenschicht<br />

der letztgenannten Siedlung dominierten Torfmoose zusammen<br />

mit Aulacomniiim pahistre und Polijirichiim stricliim. In einer<br />

Siedlung des Carex rariflora -Moors, wo die Moosschicht hauptsächlich<br />

von Sphagnum Lindbergii gebildet war, wurden 13 jüngere<br />

Keimlinge auf 2 X 0,25 m^ vorgefunden, im Empetrum - Ruhm chamaemorus<br />

-Zwergstrauchmoor wiederum 32 ältere Keimlinge auf<br />

4 X 0.25 m^.<br />

An den hinsichtlich ihrer Feuchtigkeitsverhäitnisse weniger<br />

günstigen Standorten sind die Keimlingszahlen in der Regel niedriger.<br />

Im Beilila nana-Gebüsch fand ich nur 2 jüngere Keimlinge<br />

insgesamt auf 4x0,25 m^; die Moosdecke war auf den Probeflächen<br />

hauptsächlich von Ilijlocomiiim splendens, Pleuroziiim Schreberi<br />

und Dicranum -Arten gebildet. In der Mijrtillus- und der ürijas-<br />

Heide (sowie der ebenso moosreichen Empetrum - Dicranum -Heide<br />

in Pummanki auf der Fischerhalbinsel) wurden Keimlinge hauptsächlich<br />

in den feuchteren Vertiefungen und den vom Wasser erodierten<br />

moosfreien Furchen angetroffen. Auf den Flechtenheiden habe<br />

ich auf meinen Probeflächen in der geschlossenen Vegetationsdecke<br />

keine Keimlinge gefunden; auch fehlten sie im J. 1931 auf den 4<br />

Probeflächen zu 1 m^ der Cladonia alpeslris -Meide, von denen ich<br />

die Flechtendecke im J. 1929 entfernt hatte. Dagegen kamen in<br />

den Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis -Heide Keimlinge bisweilen<br />

verhältnismässig reichlich in der Nähe der Mutterindividuen<br />

vor, desgleichen auf dem durch die Cetraria nivalis -I leide ziehenden<br />

Fusspfad am N-Hang des Kammikivitunturi. In einer Siedlung<br />

der Cetraria nivalis - Alectoria -Meide wurde der Keimlingsquotient<br />

auf 2 geschätzt - in den Bachufermooren kann er aber bis 20 ansteigen.<br />

Aus der grossen Häufigkeit der Art im Gebiet sowie au^ dem<br />

beträchtlichen Ausbreitungsvermögen ihrer Früchte folgt, dass<br />

die Samenkeimlinge ganz allgemein auch in solchen Siedlungen<br />

auftreten, in denen sogar sterile ältere Individuen der Art nicht


Annales Botanici Soclctalis Vanamo. Tom. 1 1. N:o 1. 151<br />

melir wachsen. Von solclien Standorten, wo die aus der Umgebung<br />

stammenden Samen leicht zu keimen anfangen, sind vor allem die<br />

Graskrautmoore, Bachufer und feuchtgründigen Schneeböden zu<br />

erwähnen; an diesen sind die Keimlinge der Art oft verhältnismässig<br />

zahlreich vertreten. Im Calliergon sarmentosiim - Drepanodadiis<br />

jlmtans coli. - Carex rotiindata -Moor fand ich in einer Siedlung<br />

auf 4x0.25 m^ insgesamt 13 jüngere und 1 älteren Keimling, im<br />

Drepanocladus intermedins - Scorpidiiim - Carex roslrala -Moor auf<br />

2 X 0.25 m- 8 jüngere und 2 ältere und in einer schwankend weichgründigen<br />

Siedlung des Erioplioriirn polystachyum-Moors auf 3x0.25 m^<br />

9 jüngere nebst 1 älteren. Diese Keimlinge gehen zwar zum hauptsächlichsten<br />

Teil - wie es die Zahlenverhältnisse der jüngeren und<br />

der älteren Keimlinge ergel)en - schon ehe sie den zweiten Sommer<br />

erreicht haben, unter, einigen aber kann es gelingen, sich zu ausgewachsenen<br />

Individuen weiterzuentwickeln und so das Verbreitungsgebiet<br />

der Art auf wieder neue Standorte zu erweitern. -<br />

SYLVÉN (1906, S. 324) hat Samenkeimlinge der Art in Norrbotten<br />

und in Torne Lappmark eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind reciit günstig.<br />

Das b 1 ü h r c i f e Stadium wird natürlich erst nach vielen<br />

Jahren erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die am Boden in der<br />

Moos- oder Fleciitendecke wandernden Stämme und Äste der<br />

Zwergbirke treiben kräftige Adventivwurzeln (vgl. KIHLMAN 1890,<br />

S. 213; KESO 1908, S. 8; SOKENSEN 1933, S. 22); an einem von mir<br />

untersuchten Individuum mass die stärkste Adventivwurzel 5 mm<br />

im Durciischnitt. Nach dem Vermorschen der älteren Teile werden<br />

die wurzelnden Sprosse selbständig und setzen ilir Wachstum<br />

weiter fort. In der Cetraria nivalis -Heide habe ich kräftige Si)rosse<br />

beobachtet, die noch durch einen langen, völlig vermorschten<br />

Stammteil mit dem Mutterindividuum verbunden waren.<br />

Polijgonaccac<br />

Riimex acetosa L. ssp. Inpponiciis Iliit.<br />

Ii ä u f i g k e i t u n d V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man begegnet ihr auf den Schneeböden - wo sie gewöhn-<br />

nn. Hot. Soc. Zool.-Hot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 11


152 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Hell die am allerspätesten ausapernden Siedlungen meidet - (fqq,<br />

st cp - st pc), in der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese (fqq,<br />

stcp-sp), den übrigen Heidewiesen (st r, sp - st pc), den Krautwiesen<br />

- besonders in den melir oder minder spät ausapernden Siedlungen<br />

- (st fq, st cp - sp), in den Krautgebüschen (st fq, st cp - sp),<br />

an den Bachufern (p, sp) sowie in feuchteren Vertiefungen der moosreichen<br />

Heiden (p, sp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 auf dem Schneeboden<br />

im Bachlauf durchschn. 39 (20 - 53) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Schneeböden, ebenso<br />

in der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese und den feuchtgründigen<br />

Krautwiesen gcwöhnlicli ziemlich reichlich oder zerstreut,<br />

in den Gebüschen wiederum mehr oder minder spärlich. In den<br />

trockensten Wiesensiedlungen sowie an den am spätesten ausapernden<br />

Schneebodenstandorten tritt sie der Regel nach steril<br />

auf.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Die Blütezeit variiert je nach dem Standort<br />

beträchtlich. Im J. 1931 befand sich die Art an den am frühesten<br />

ausapernden Standorten am 10. VII. in voller Blüte, auf dem Schneeboden<br />

in einem Bachlauf aber erst am 23. VII. und auf dem Salix<br />

/jeröacea-Schneeboden am 27. VII. In Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

war das Blühen in einer Vertiefung der Mijrlillus -Heide<br />

am 31. VII. im Ausklingen. - Am Ufer des Pilgujaur an der oberen<br />

Grenze der subalpinen Region wurde die Art am 18. VII. in beginnender<br />

und in den subalpinen Birkenwäldern am 20. VII. in voller<br />

Blüte l)cobachtet.<br />

Im J. 1933 war das Blühen an den frühesten Standorten am<br />

5, VII. im Beginnen, teilweise sogar im vollen Gang. Im Haingebüsch<br />

war die Art am 17. VH. im Aufblühen und am 23. VH.<br />

in voller Blüte. Auf einem um den 7. Juli ausgeaperten Schneeboden<br />

begann das Blühen am 23. VH., war am 29. VH. im vollen<br />

Gang und am 9. VI II. im Ausklingen. An den extremsten Schneebodenstandorlen<br />

wurde die Art erst am 8. VHI. im Aufblühen<br />

wahrgenommen. - Am Ufer des Pilgujaur wurde am 15. VH. volle<br />

Blüte notiert. ^<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte in der Ranunculus<br />

acer -Wiese am 13. VHI. reif. Auf dem Schneeboden im<br />

Bachlauf halte die Ausstreuung am 1. IX. teilweise stattgefunden;


Aniialcs Botanici Societatis Vanamo. Tom. M. N:o 1. 153<br />

von voller Blüte bis zur Samenstreuung vergingen also an dieser<br />

Stelle < 40 Tage.<br />

Im J. 1933 hatte die Art an den am frühesten ausapernden<br />

Standorten am 8. VIII. reife Früchte. Auf dem um den 7. Juli<br />

ausgeaperten Schneeboden waren die ersten Früchte am 25. VIII.<br />

reif. Vom Blütebeginii bis zur Samenreife vergingen an der letztgenannten<br />

Stelle etwa 33 Tage; die Länge der Präflorationszeit<br />

betrug etwa IG Tage. - Im allgemeinen kommen die Samen im<br />

Gebiet verhältnismässig gut im Laufe der Vegetationsperiode zur<br />

Reife, die allerspätesten Standorte vielleicht ausgenommen.<br />

Sam e n m e n g e. An den Blütenständen werden regelmässig<br />

I'rüchte gebildet. Die Anzahl der Früchte (Samen) pro Spross<br />

betrug im J. 1933 auf dem Schneeboden im Bachlauf (die halbentwickelten<br />

und unentwickelten zusammengerechnet in Klammern)<br />

40 (+ 2). 69 (+ 18), 72 (+ 19), 88 (+ 8), 89 (+ 23), 116 (+ 69),<br />

123 (+ 78), 12G (+ 46), 138 (+ 203) und 175 (+ 38), durchschn.<br />

103.6 (+50.4), in der Deschanipsia atropurpiirea-reichcn Carex<br />

rigida - C. Lachenalii -Heidewiese 43 (+ 65), 65 (+ 10), 79 (+ 17),<br />

79 (+ 47), 98 (+ 96), 105 (+ 61), 110 (+ 65), 114(+ 34), 125 (+ 40)<br />

und 126 (+ 44), durchschn. 94.4 (+ 47.9) und in der Ranimculiia<br />

rtcer-Wiese durchschn. 64.5 (+ 23.ö) Stück.<br />

Keimung der Samen i m K e i m u n g s v e r s u ch.<br />

Die am 1. IX. 1931 vom Schneeboden im Bachlauf, am 28. VIII. 1931<br />

von der Deschanipsia alropiirpiirea -reichen Carex rigida - C. Lachenalii-Heidewiese<br />

und am 13. VIII. 1931 von der lianuncnlus acer-<br />

Wiese eingesammelten Samen keimten zu 85 (ohne Frostbehandlung<br />

zu 86), 87 bzw. 93 % im JACOBSENSchen Keimungsapparat.<br />

Die Keinuing setzte am 4. oder 5. Tage ein und war in der<br />

1. bis 2. Woche am kräftigsten. In der ersten Probe schloss sie in<br />

der 11. (ohne Frostbehandlung in der 7.), in den anderen in der<br />

4. und 5. Woche ab. Die übriggebliebenen Samen waren nach<br />

13 Monaten tot (weich). - Die am 28. VIII. 1929 von einer Vertiefung<br />

der Mijrlilliis -Meide in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

eingesammelten Samen keimten ohne Frostbehandlung zu 87 %.<br />

Die Keinuing begann am 4. Tage und dauerte 5 Wochen. Der<br />

Versuch wurde nach I.5 Monaten abgebrochen.<br />

Die K e i m u n g d e r Samen i n d e r Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VII. 1931 jüngere


1 154 N. Söyrinki, Vennehrung d, Samejipfl. i. (i. alpinen Vegetation. II.<br />

Keimlinge am Ufer des Pilgujaur an der oberen Grenze der subalpinen<br />

Region und am 13. VII. 1933 in der Salix herbacea-Schncebodenvegetation).<br />

Die Beobaclitungen von KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 31, Riimex arifoliiis) in den subalpinen Birkenwäldern deuten nach<br />

derselben Richtung hin. Nach SYLVÉN (190G, S. 317, R. arifoliiis)<br />

erfolgt die Keimung in Torne Lappmark im »Frühling».<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge sind abgesehen<br />

von den am spätesten ausapernden Schneebodensiedlungen<br />

sowie solchen Wiesensiedlungen, in denen die Art in der Regel<br />

einzig steril auftritt, fast ohne Ausnahme an sämtlichen Standorten<br />

der Art vorzufinden. Der Keimlingsquotient variiert an meinen<br />

Beobachtungsstellen auf den Schneeböden und an den Bachufern<br />

zwischen 1 und 10; unter den allergünstigsten Bedingungen kann<br />

er aber offenbar noch höher steigen. In einer Siedlung des Geranium<br />

silvaliciim - Trolliiis-Haingehüschcs fand ich auf 2x0.i m^ insgesamt<br />

28 jüngere und 57 ältere Keimlinge (im ganzen nur 1 fertiles<br />

Individuum auf 2 m- im Beobachtungsjahr 1931). In der Carex<br />

rigida - C. Lac/iena/ii-Heidewiese wurden auf 8x0.i m^ insgesamt<br />

5 jüngere und 45 ältere (durchschn. 2.5 fertile Sprosse auf 1 m^)<br />

und in der Calamagrostis purpurea-Heidewiese auf 2x0.25 m^<br />

10 jüngere und 8 ältere Keimlinge (keine fertilen Individuen auf<br />

2 m^, in der Siedlung pc fertil) vorgefunden. Unterhalb der Sciineebodeniiänge<br />

findet man Keimlinge ziemlich oft auch in solchen<br />

Siedlungen vor, in denen die Art gewöhnlich nicht mehr zu blühen<br />

vermag, gelegentlich selbst an solchen Stellen, wo nicht einmal<br />

sterile ältere Individuen wachsen. Wenigstens in den letztgenannten<br />

Fällen handelt es sich natürlich um Keimlinge, die durch Besamung<br />

aus den höher gelegenen Schneebodensiedhingen entstanden sind.<br />

Auch in der Geranium silvaliciim - Trolliiis -Wiese fand ich ältere<br />

Keimlinge in einer Siedlung, in der die Art nur steril auftrat, durchaus<br />

wahrscheinlich ist aber, dass sie an diesem Standort in bestimmten<br />

Jahren wirklich blühen kann.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

LINDMAN (1887, S. 100) hat Keimlinge der Art (Rumex acelosa)<br />

auf dem Dovre und SYLVÉN (190G, S. 317, R. arifoliiis) in Torne<br />

La[)})mark eingesammelt. Auf den Probeflächen von KONTUNIEMI<br />

(1932, S. 31, R. arifoliiis) in den subalpinen Birkenwäldern sind sie


Ainiales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 11. X:o 1. 155<br />

ebenfalls vorgekommen, reichlich anch in der Felsenvegetation in<br />

Pummanki anf der Fischerhalbinsel.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jaiiren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein ziemlich<br />

senkrecht hinaufwachsendes Rhizom, das am oberen Ende gewöhnlich<br />

mehrere Sprosse trägt. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen,<br />

die einzelnen Sprosse wurzeln aber reichlich, und sie<br />

dürften nach einer eventuellen Ablösung von der Mutterpflanze<br />

ihr Leben selbständig weiterführen können.<br />

Oxijria digijna (L.) Hill<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich liäufig; man findet sie auf den mehr oder minder spät<br />

ausapernden und feuchtgründigen Schneeböden (fq, cp - st cp),<br />

in den verhältnismässig spät ausapernden Krautwiesensicdlungen<br />

am Fusse der Schneeböden (st fq, st c]) - sp), an den N-Felshängen<br />

(p, sp - st pc) ebenso wie an den Ufern der Fjeldbäche (p, sp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 auf dem N-Schnee-<br />

})0(lenfelsen durchschn. 19 (7-30) cm, in der artenreichen Oxjjria<br />

-Schneebodcnvegetation 18 (7-27) cm und in der Kiaeria<br />

Slarkei - Lebermoos-Schneebodenvegetation 11 (5-15) cm. Die<br />

Messungen sind zur Zeit der Fruchtreife gemacht worden, denn die<br />

Stengel wachsen nach der Blütezeit nocli beträchtlich in die Länge<br />

(vgl. b:KSTAM 1898, S. 30; NORxMAN 1895- 1901, S. 180; LYNGE 1923,<br />

S. 23; VAAGE 1932, S. 11).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich ziemlich reichlich<br />

oder reichlich, auf den am allers])ätesten ausa])ernden Schneeböden<br />

jedoch spärlicher; auf den Krautwiesen kann sie gelegentlich ganz<br />

steril auftreten.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Blütezeit variiert je nach dem Zeitpunkt<br />

des Vegetationsbeginns an den verschiedenen Standorten beträchtlich.<br />

Im J. 1931 befand sich die Art an den am frühesten ausapernden<br />

Stellen am 9. VII. im Aufblühen ujul am 15.-18. VII.<br />

in voller Blüte, am 23. VII. war sie stellejiweise schon ausgeblüht.<br />

In der liaiuiiiciiliis -Schneebodenvegetation hatte das Blühen<br />

am 17. VII. noch nicht begonnen, desgleicheji nicht an einem


156 N. Söyrinki, Verniehruiig d. Saineiipfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

N-Schnecl)odenfelsen am 20. VII. In einer extremen Siedlung<br />

der artenreichen Oxijria digijna -Sclineebodenvegetation wurde die<br />

Art am 13. VIII. erst im Aufblühen beobachtet.<br />

Im J. 1933 war die Art an den frühesten Bachufer- und Felsenstandorten<br />

am 4. VII. schon in voller Blüte, auf den Schneeböden<br />

lag sie aber grösstenteils noch in winterlicher Ruhe unter den<br />

Firnmassen vergraben und kam dann allmählich zur Blüte, nachdem<br />

der Schnee am Standort abgeschmolzen war. Auf einem<br />

um den 7. Juli ausgeaperten Schneeboden z.B. befand sich die<br />

Art am 23. VII. z.T. im Aufblühen, z.T. in voller Blüte; am 29. VII.<br />

war sie an der Stelle schon teilweise ausgeblüht, blühende Sprosse<br />

wurden aber noch am 9. VIII. wahrgenommen. In der artenreichen<br />

Oxijria digijna -Schneebodenvegetation fand ich in einer Siedlung,<br />

die am 11. VII. noch unter einer dicken Firnwehe lag, noch am<br />

2. IX. Individuen in voller Blüte.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Samenstreuung auf<br />

dem Bachuferschneeboden, wo die Art am 23. VH. in voller Blüte<br />

beobachtet wurde, am 1. IX. bereits begonnen, an den allerspätesten<br />

Standorten aber noch nicht. - Im J. 1933 waren die Früchte an<br />

den am frühesten ausapernden Bachuferstandorten am 21. VII.<br />

ausgebildet, und die Ausstreuung hatte sogar in den weniger<br />

extremen Schneebodensiedlungen am 12. VIII. schon begonnen.<br />

Auf einem um den 7. Juli ausgeaperten Schneeboden waren die<br />

Früchte am 14. VIII. ausgebildet und am 24. VIII. teilweise ausgestreut.<br />

In einer Siedlung der artenreichen Oxijria digijna -Schneebodenvegetation,<br />

die am 11. VII. noch vom Schnee bedeckt war,<br />

kamen am 2. IX. neben den blühenden Individuen auch solche<br />

mit schon ausgewachsenen Früchten vor. - Die Samejireife wird<br />

also sogar an den extremsten Standorten wenigstens teilweise<br />

noch vor l^nde der Vegetationsperiode erreicht, ausser vielleicht<br />

in den ungünstigsten Jahren - auch der Sommer 1933 gestaltete<br />

sich an den am spätesten ausapernden Schneebodenstandorten nicht<br />

günstig, weil die Vegetations])eriode wegen der aussergewöhnlich<br />

dicken Firnmassen ausnahmsweise spät begann.<br />

Die Länge der Vegetationsperiode von der Ausaperung bis zur<br />

Samenreife betrug im J. 1933 etwa 38 Tage, davon die Fräflorationszeit<br />

etwa 16 Tage. HESVOLL (1917, S. 124) gibt als entsj)rechen(le<br />

Werte aus Norwegen 41 bzw. 20 Tage an.


Annales Botanici Soclctalis Vanamo. Tom. 1 1. N:o 1. 157<br />

Auf Spitzbergen liat EKSTAM (1898, S. 30) nahezu reife Früchte<br />

in Advent Bay sclion am 27. VII. (1897) beobachtet und völlig<br />

reife Anfang August; nach ANDEUSSON und HESSELMAN (1900, S. 66)<br />

ist die Fruchterzeugung dort reichlich, und die Früchte beginnen<br />

in der ersten Hälfte des August zu reifen. In Grönland hat BERLIN<br />

(1884, S. 59) die Art im August und September 1883 mit Früchten<br />

angetroffen. In Ostgrönland fand DUSÉN (1901, S. 49) am 7. VIII.<br />

reife Früchte zwischen 70° und 75° N; nach KRTJUSE (1906, S. 264)<br />

macht die Art dort reichlich reife Früchte in Angmagsalik und<br />

nach GELTING (1934, S. 89) reifen die Früchte zwischen 73°15'<br />

und 76°20' N. In Westgrönland erzeugt die Art reichlich Früchte<br />

auf Disko nach PORSILD (1920 b, S. 68). In Nordwestgrönland<br />

(77° N) hat OsTENFELü (1925, S. 15) reife Früchte angetroffen.<br />

In Ellesmereland ist die Fruchtproduktion reichlich nach SIMMONS<br />

(1906, S. 129). Auf Novaja Seniija erzeugt die Art reife Früchte<br />

(EKSTAM 1897, S. 155), und nach LYNGE (1923, S. 23) reifen die<br />

Früchte dort sehr wahrscheinlich im ganzen (iebiet.<br />

Samen m e n g e. An den Blütenständen werden in der Hegel<br />

reichlich Früchte gebildet. Die Anzahl der Früchte (Samen) am<br />

Spross betrug im J. 1931 auf dem Bachuferschneeboden (die unentwickelten<br />

in Klammern) 33 (+ 74), 66 (+ 125), 80 (+ 11),<br />

81 (-)-- 10), 88 (-f 7), 98 (+ 8), 103 (+ 3), 105 (+ 1), 128 (+ 10)<br />

und 156 (+ 32), durchschn. 93.8 (+ 28.i) und auf dein N-Schneeboodenfelsen<br />

21 ( j- 10), 29 (+ 4), 36 (+ 1), 38 (+ 57), 56 (+ 4),<br />

58 (+ 15), 76 (+ 8), 90 (+ 8), 106 (+ 9) und 124 (+ 5), durchschn.<br />

63.4 (+ 12.i) Stück.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m ungs v e r s u c h.<br />

Die am 1. IX. 1931 vom Bachuferschneeboden und an demselben<br />

Tag.> vom N-Schneebodenfelsen eingesammelten Samen keimten<br />

zu 94 % (sowohl nach als ohne Frostbehandlung) bzw. 89 % im<br />

.lACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte in alleti<br />

Prol)cn am 2. Tage ein und erfolgte hauptsächlich in der 1. Woche;<br />

sie schloss in der ersten Probe in der 8. (oluie Frostbehandlung in<br />

der 3.) und in der letzteren in der 11. Woche ab. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten tot (weich).<br />

Von den am 25. VIII. 1933 vom Bachuferschneeboden eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen keimten im gleichen Herbst bis zum 8. XI.


158 iV. Söyrinki, Verniehruiig d. Sanieiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

5 % (in (ler 2. Woche) und im folgenden Frühjahr bis zum 14. V.<br />

weitere 35 %. Die Bewässerung war für die Art während des Versuches<br />

augenscheinlich nicht genügend.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

schon früh im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 9. VII. 1933<br />

jüngere Keimlinge auf einem Schneebodenfeisen). Nach den Beobachtungen<br />

SYLVÉNS (1906, S. 319) erfolgt die Keimung in Torne<br />

Lappmark im Frühling.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind an den meisten Standorten ziemlich reichlich zu finden, weil<br />

die Besamung im allgemeinen recht ausgiebig ist und auch die<br />

Keimungsbedingungen überhaupt sich günstig gestalten. Der<br />

Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen auf<br />

den Schneebüden und N-Felsen sowie an den Bachufern gewöhnlich<br />

zwischen 0.5 und 10; am höchsten steigt er an von Sickerwasser<br />

angefeuchteten Felshängen mit Ansammlungen von Humus oder<br />

Verwitterungsboden in den Spalten und an den Absätzen. In den<br />

am spätesten ausapernden Schneebodensiedlungen, wo die Samenreife<br />

schon mehr oder minder unsicher ist, kommen Keimlinge<br />

nur spärlich vor oder fehlen gänzlich; so fand ich in einer extremen,<br />

zu den moosreichen Schneebodengesellschaften vermittelnden Siedlung<br />

der artenreichen Oxijria digijna -Schneebodenvegetation, in<br />

der die Bodenschicht hauptsächlich von Kiaeria Starkei und Lebermoosen<br />

gebildet war, nur ältere Keimlinge hier und da (der Keimlingsquotient<br />

war O.i). In den Wiesensiedlungen am Fusse der<br />

Schneebodenhänge, in denen die Art ganz steril vorkommen kann,<br />

sind die Keimlinge ebenfalls selten, und oft stammen sie wahrscheinlich<br />

- wie auch die älteren Individuen - aus Samen, die von<br />

den Schneeböden hierher gelangt sind, denn man findet einzelne<br />

Keimlinge am Rande der Schneeböden auch in solchen Siedlungen,<br />

in denen nicht einmal sterile ältere Pflanzen mehr auftreten.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

LINDMAN (1887, S. 100) hat auf dem Dovre Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt, desgleichen SYLVÉN (I.e.) in Torne Lappmark.<br />

KKUUSE (1906, S. 264) hat in Angmagsalik in Ostgrönland reichlich<br />

Keimlinge und junge Individuen beobachtet.


Annales Botanici Soeielatis Vanamo. Toni. 1 I. N:o 1. 159<br />

Das b 1 Ü 11 r e i f e Stadium wird nacli melireren Jaliren<br />

erreicht, wie audi die Beobachtungen von SYLVÉN (I.E.) und RES-<br />

VOLL (1917, S. 124) erwiesen liaben.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art liat ein gewöhnlich<br />

mehr oder minder senkrecht aufsteigendes Rhizom, das am<br />

oberen Ende gewöhnlich an kurzen Ästen mehrere Sprosse trägt.<br />

Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen und auch ein Selbständigwerden<br />

der einzelnen Sprosse kommt im allgemeinen nicht<br />

in Frage, weil die Rhizomäste oft keine Wurzeln treiben. In den<br />

spät ausapernden Schneebodensiedlungen hai)e ich jedoch Individuen<br />

herausgegraben, bei denen sich kräftige Nebenwurzeln an<br />

den Sprossgründen entwickelt hatten; die Rhizomäste waren überdies<br />

oft fast waagerecht und bis 10 cm lang, wodurch die Sprosse<br />

nach ihrer eventuellen Ablösung also relativ weit von der Mutterpflanze<br />

zu stehen kommen. Es scheint also als wäre die Art imstande,<br />

die an diesen Standorten schwach gewordene generative Vermehrung<br />

wenigstens in einigem Umfang auf vegetativem Wege zu ersetzen. -<br />

Auch HOLM (1885, S. 51) hat ])ei der Art auf Novaja Semi ja Nebenwurzelbildung<br />

festgestellt, ebenso GELTING (1934, S. 89) in Ostgrönland,<br />

und EKSTAM (1897, S. 155) schreibt, dass »nach KJELL-<br />

MAN findet vegetative Vermehrung durch Individualisierung der<br />

Nebenachsen statt.» Nach RESVOLL (1917, S. 125) wiederum hat<br />

die Art keine Nebenwurzein und also auch keine vegetative Vermehrung.<br />

In Kanada hat HOLM (1922, S. 21 B und Fig. E) bei der Art<br />

waagerechte Ausläufer wahrgenommen und er schreil)t, dass die<br />

meisten Individuen aus diesen und nur wenige aus Sanienkeimlingen<br />

entstanden waren. Ein solches Verhalten der Art mutet indes<br />

äusserst rätselhaft an und auch GELTING (1. c.) erwähnt, dass er<br />

entsprechendes in Ostgrönland nicht beobachten konnte.<br />

Polygonum vivipariim L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig, und zwar findet man sie auf den Krautwiesen<br />

(fqq, cp - st c])), in der Deschampsia flcxiiosa - Anthoxanlhum -Heidewiese<br />

(fqq, cp - st cp), den übrigen Heidewiesen (p, sj) - ])c), der


1 160 N. Söyrinki, Vennehrung d, Samejipfl. i. (i. alpinen Vegetation. II.<br />

Drijas -Heide - ausser in den xeropliilen Siedlungen - (fqq, cp - st cp),<br />

in den Weidengehüschen (fq, st cp - sp) und den Graskrautmooren<br />

(r, pc), an Felshängen (p, sp) und Bachufern (p, st pc), ebenso<br />

auf den Schneeböden (st r, st pc).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 am N-Felshang<br />

durchschn. 10(5-16) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 481; FEIL-<br />

DEN 1898, S. 428).<br />

Fertilität. Die Art hat in den Wiesen, den Haingebüschen<br />

und der Dnjas -Heide, ebenso an den Felsen und den Bachufern<br />

gewöhnlich ziemlich reichlich Blütenstände, in den Moorgebüschen<br />

und auf den Schneeböden wie auch in den Graskrautmooren dagegen<br />

nur spärlich oder gar keine. An den Blütenständen werden aber<br />

in der Regel hauptsächlich Keimbulbillen und nur im oberen Teil<br />

Blüten gebildet, ja sogar ganz l)lütenlose Individuen kommen vor.<br />

In den Zahlenverhältnissen zwischen Blüten und Bulbillen habe<br />

ich keine besonderen Regelmässigkeiten festgestellt, sondern sowohl<br />

an sonnigen Stellen als an beschatteten Hängen haben einige Individuen<br />

verhältnismässig zahlreich Blüten getragen, andere wiederum<br />

fast oder gar keine (vgl. CLEVE 1901, S. 52).<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen in der Geraniiini<br />

sUvalicum - Trolliiis -Wiese am S-Hang am 11. VII. im Beginnen und<br />

in der artenreichen Carex rigida -Wiese an einem Bachufer am 25. VH.<br />

im Ausklingen. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel befand<br />

sicli die Art auf den subalpinen Wiesen am 29. VH. im allgemeinen<br />

im Ausblühen, stellenweise aber noch in voller Blüte.<br />

Im J. 1933 wurde die Art am 5. VII. an einem Bachlauf am<br />

S-Hang schon in voller Blüte beobachtet, ebenso am 11. VII. in der<br />

Dryas -Heide und am 19. VH. in der Geranium silvaliciini - Trollius-<br />

Wiese. Im Geranium silvalicum - Trollius-Ihi'iugchüsch hatten sich<br />

die Blüten am 17. VH. noch nicht geöffnet. An einem schneebodenartigen<br />

N-Felshang war das Blühen am 22. VH. im vollen Gang, auf<br />

einem spät ausapernden Schneeboden hatte es al)er am 9. VI II. noch<br />

nicht begonnen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Blüten fallen gewöhnlich ab ohne sich<br />

zu Früchten weiterzuentwickeln. An den am 24. VHI. 1931 von<br />

tier Thalicirnm alpinum - Poientilla Cranlzii -Wiese eingesammelten<br />

20 Blütenständen wurden insgesamt 3 ausgebildete Früchte vorgefunden,<br />

in den am 19. VI IL 1931 von der Geranium silvalicum -


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. I I. N:o 1. 161<br />

Trolliiis-WicüQ und am 18. VIII. 1931 vom Geranium silualicum-<br />

Trolliiis -Haingebüsch entnommenen Proben dagegen keine einzige.<br />

Im J. 1933 war jedoch die Fruclitbildung an einigen Standorten<br />

vielleicht etwas reichlicher; am 8. VIII. beobachtete ich<br />

in der Geranium silvaticum - Trolliiis -Wiese Individuen mit ausgebildeten<br />

Früchten, die am 23. VIII. ausgestreut waren (vgl.<br />

SIMEON 1928, S. 20 und 128- 129). - CLEVE (1901, S. 52 und 83)<br />

fand als Länge der Präflorationszeit in Schwedisch-Lappland<br />

40 Tage und als diejenige der ganzen Vegetationsperiode 90<br />

Tage.<br />

Auf Spitzbergen hat man bei der Art nicht reife Früchte angetroffen<br />

(EKSTAM 1898, S. 29; ANDERSSON und MESSELMAN 1900,<br />

S. 65), desgleichen auch nicht auf Novaja Semlja (EKSTAM 1897,<br />

S. 155). In Ostgrönland fand SÖRENSEN (1933, S. 51) wohlentwickelte<br />

Früchte am 7. VIII. auf Ymer Island; die Bulbillen waren<br />

schon ausgestreut. In Westgrönland werden nach PORSILU (1920 b,<br />

S. 69) auf Disko auf reichem Boden in günstigen Sommern spät<br />

Früchte gebildet. In Ellesmereland blüht die Art nach wSIMMONS<br />

(1906, S. 128) sehr spärlich.<br />

Die K e i m 1) u 1 1) i 1 1 e n waren im J. 1931 auf der Drijas-<br />

Heide am 21. VII. ausgebildet; in der Geranium silualicum - Trolliiis-<br />

Wiese waren sie am 19. VIII. ausgestreut, ebenso am 24. VIII.<br />

in der Deschampsia ßexuosa - Antlioxanlhum-llQu\c\\ioi>c. - Im<br />

J. 1933 waren die l^ulbillen am 11. VII. in der Drijas -l lc'uic ausgebildet<br />

und auf den Wiesen der Südhänge fielen sie am 17. VII.<br />

bei Berührung leicht ab; am 25. VII. hatte die Ausstreuung in der<br />

Geranium silvaticum ~ Trollius-\Wiciic begonnen und am 8. VIII.<br />

war sie erledigt, so auch in der Trollim - PoUjyoniim vivipanim-<br />

Wiese am 30. VIII. (lilätter ausgetrocknet). An einem schneebodenartigen<br />

N-Felshang hatte die Ausstreuung am 12. VIII. begonnen.<br />

Auf Spitzbergen beginnt die Ausstreuung der Bulbillen Mitte<br />

August oder möglicherweise noch früher (ANDERSSON und MESSEL-<br />

MAN 1900, S. 65). In Ostgrönland fand DUSEN (1901, S. 48) am<br />

7. VIII. zwisclien 70° und 75° N reife, SüRENSEN (1933, S. 51)<br />

am 8. VI. in Traill Island wohlentwickelte und (GELTING (1931,<br />

S. 90) am 20. VI. zwischen 73°15' und 76°20' N abgefallene Bulbillen.<br />

Auf Novaja Semlja entstehen sehr reichlich reife Bulbillen<br />

nach LYNGE (1923, S. 24).


162 iV. Söljrinki, Vermehrung d. Sainenpfl, i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Die Keimung der B u 11) i 11 e ii in der Natur findet<br />

im Gebiet nach der Überwinterung im Anfang der Vegetationsperiode<br />

statt; am 5. VII. 1933 fand ich schon ziemlich weit entwickelte<br />

jüngere Keimlinge in einer Wiesensiedlung am Boden einer<br />

Senke. Auch in Torne Lappmark erfolgt die Keimung nach der<br />

Überwinterung nach CLEVE (1901, S. 53), ebenso in den norwegischen<br />

Fjelden nach RESVOLL (1917, S. 127). Eine Keimung schon<br />

vor der Ausstreuung, also an den BHitenständen, von RESVOLL<br />

selten beobachtet, habe ich im alpinen Gebiet der Petsamofjelde<br />

nicht wahrgenommen, wohl dagegen in der Waldregion auf einer<br />

Wiese in Salmijärvi. In Südfinnland ist diese letztgenannte Keimungsart<br />

keineswegs selten, wie die Untersuchungen von LINKOLA<br />

(1935, S. 35) erwiesen haben und wie ich auch selbst in Vesilahti<br />

(Tavastia australis) in mehreren Jahren festgestellt habe. In Südfinnland<br />

keimen die Bulbillen auch sonst nach LINKOLA hauptsächlich<br />

im Herbst und nur in geringerer Zahl nach der Überwinterung.<br />

- ROSENVINGE (1892, S. 701) erwähnt aus Grönland<br />

Individuen mit keimenden Bulbillen, ebenso hat HARTZ (1895,<br />

S. 340) am 15. VI. auf Danmarks 0 in Grönland solche eingesammelt,<br />

Keimlingsverhältnisse. Auf Grund der niedrigen<br />

Besamung ist schon mit Recht anzunehmen, dass die Samenkeimlinge<br />

der Art im Gebiet äusserst selten sein müssen. So ist es auch<br />

in der Tat, denn obwohl die Art auf einer Menge von Probeflächen<br />

mehr oder minder reichlich aufgetreten ist, habe ich bei ihr auf<br />

den Petsamofjelden keine Samenkeimlinge wahrgenommen. In<br />

Pummanki auf der Fischerhall)insel fand ich dagegen am 29. VII.<br />

1929 im Haingebüsch am Kiviaidantunturi 3 jüngere, mit wohlentwickeltcn<br />

Keimblättern nebst 1 bzw. 2 kleinen Laul)blättern<br />

versehene Keimlinge. - Aber auch in anderen Gegenden scheinen<br />

die Samenkeimlinge der Art äusserst selten zu sein: nach den Literaturangaben<br />

ist bisher nur von SYLVÉN (1906, S. 313) in Torne<br />

Lappmark ein einziger Keimling gefunden worden. LINDMAN<br />

(1887, S. 100) erwähnt zwar die Art unter solchen, bei denen er<br />

auf dem Dovre Samenkeimlinge wahrgenommen hat, er meint<br />

damit aber ohne Zweifel Bulbillenkeimlinge ebenso wie HEINTZE<br />

(1914, S. 254, 256 und 260), der berichtet, auf im Wasser schwimmenden<br />

Torfstücken in Schwedisch-Lappland Keimlinge angetroffen<br />

zu liaben. Sogar auf den Probeflächen LINKOLAS (1935,


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 1G3<br />

S. 35) in der Wiesenvegetation in Ladoga-Karelien war die Art<br />

nur durch Bulbillenkeimlinge vertreten.<br />

B u 1 b i 11 e n k e i ni 1 i n g e kommen in der Regel auf allen<br />

Standorten der Art und im allgemeinen mehr oder minder reichlich<br />

vor. Sie gedeihen sowohl in der üppigen und lückenlosen Moosmatte<br />

der Drijas -Heide als an den mehr oder minder offenen und<br />

konkurrenzfreien Bachufer- und Felsenstandorten. Der Quotient<br />

der Bulbillenkeimlinge variiert an meinen verschiedenartigen Beobachtungsstellen<br />

zwischen O.2 und 10. In der Trollim - Polygonum<br />

vivipanim-Wiese fand ich auf 3x0.i m^ insgesamt 19 Bulbillenkeimlinge<br />

(25, 35 bzw. 50 fertile Sprosse auf 1 m^), in der Geranium<br />

silvaticiim - Trolliiis-Wiese auf 3x0.i m^ 24 Keimlinge, in der<br />

Dnyas-Heide auf 4x0.im2 30 Keimlinge (insgesamt 46 fertile<br />

Sprosse auf 4 m^), in der Deschampsia flexiiosa - Anlhoxanthum-<br />

Heidewiese auf 2x0.i m^ 4 Keimlinge (35 und 45 fertile Sprosse<br />

auf 1 m^), in der Ramincnliis acer -Wiese 26 Keimlinge in 0.1 m^<br />

(14 fertile Sprosse auf 1 m^) und im Haingebüsch in Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel durchschn. 45 Keimlinge auf O.i m^ (4 Probequadrate<br />

untersucht). Die jüngeren und älteren Keimlinge sind<br />

wegen Zeitersparnis zusammengerechnet worden, weil sie sich<br />

im Spätsommer schon nicht immer ohne weiteres voneinander<br />

unterscheiden lassen, beide Altersklassen waren aber in der Hegel<br />

vertreten und auch die zu den ausgewachsenen Individuen vermittelnden<br />

Jugendstadien sind bei der Art häufig. Einigemal<br />

wurden auch tote Keimlinge wahrgenommen. In den GraskrauLmooren<br />

habe ich sogar in solchen Siedlungen Keimlinge angetroffen,<br />

in denen die Art keine fertilen Sprosse entwickelt hatte. Auch<br />

auf den Schneeböden fehlten die Ihilbillenkeimlinge jiiclit. - Auf<br />

Spitzbergen vermehrt sich die Art nach EKSTAM (1898, S. 29) reichlich<br />

vermittels ihrer Bulbillen. LINKOLA (1935, S. 37 und 41) hat<br />

die Zahlenverhältnisse der verschiedenen Jahresklassen des Jugendstadiums<br />

in der Wiesenvegetation in Ladoga-Karelien untersucht;<br />

die Bulbillenkeimlinge waren dort bei der Art sehr reichlich vertreten.<br />

]3ie Entwicklung der Jiulhilleukeimlinge z u m b 1 ü h r e i f e n<br />

I n d i V i d u u m nimmt mehrere Jahre in Anspruch, wie auch<br />

die Beobachtungen von HESVOLL (1917, S. 127) in den norwegischen<br />

Fjelden erwiesen haben. LINKOLA (1935, S. 35-37) hat in Südfinnland<br />

die Entwicklungsdauer der Art eingehend studiert und


1 K) N. Söyrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

ist dabei zu dem Scliluss gekommen, dass es nicht als ganz ausgeschlossen<br />

zu betrachten ist, dass die Blühreife ausnahmsweise schon<br />

im fünften Sommer erreicht werden kann, in der Regel geschieht<br />

dies nach ihm aber frühestens im sechsten Sommer. Im Kulturversuch<br />

LINKOLAS blühte die Art im zweiten Sommer, nur ein<br />

scliwächliches Individuum am Ende des ersten Sommers.<br />

Eine vegetative Vermehrung auf anderem Weg<br />

als mittels der Bulbillen findet nicht statt. Auch eine Teilung der<br />

Individuen scheint nicht möglich, weil das Rhizom mehr oder<br />

minder knollenartig und unverzweigt ist.<br />

Carijophyllaceae<br />

Stellaria nemorum L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle an der unteren Grenze der<br />

alpinen Region in der Athyrium alpestre -Wiese (st cp) angetroffen<br />

worden, und zwar am N-Hang des Rieppetshohki (Onkitunturit).<br />

Fertilität. Im J. 1931 kam die Art an der Stelle ganz<br />

steril vor, im J. 1933 spärlich fertil (3 fertile Sprosse).<br />

S a m e n r e i f e. Das Blühen war am 2. IX. 1933 abgeschlossen,<br />

die Blüten waren aber verkümmert, ohne sich zu Früchten<br />

weiterzuentwickeln, - An einem Bachufer im subalpinen Birkenwald<br />

hatte die Art reife Früchte am 15. VIII. 1933.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä I t n i s s e. Am 2. IX. 1933 fand ich<br />

an der Beobachtungsstelle einen jüngeren Keimling, der zu seinen<br />

Keimblättern 2 Paar Laubblätter entwickelt hatte. Die Art hat<br />

also der ujisicheren Besamung ungeachtet in einigem Umfang<br />

Voraussetzungen zur generativen Vermehrung an der Stelle, denn<br />

auch ein Samentransport anderswoher ist sehr schwer anzunehmen.<br />

- SYLVÉN (190G, S. 295) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt. KUJALA (192G a, S. 127) hat Samenkeimlinge<br />

auf mehreren Probeflächen in den Lärchenforsten von Raivola<br />

(Isthnuis carelicus) vorgefunden, KONTUNIEMI (1932, S. 33) hat<br />

sie sehr spärlich in der Felsenvegetation in Pummanki^auf der<br />

Fischerhalbinsel und in einigem Umfang in Raivola angetroffen.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich<br />

kräftig mit Hilfe der längs dem Boden wandernden Ausläufer statt.<br />

c


Annales Botanici Soeielatis Vanamo. Toni. 1 I. N:o 1. 165<br />

Stellaria calijcantha (Led.) Bong.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt<br />

im Gebiet zerstreut vor; man findet sie in den verhältnismässig<br />

spät ausapernden Wiesensiedlungen (p, st pc - sp), den Krautgebüschen<br />

(j), st pc - st cp), an mehr oder minder schattigen Felsiiängen<br />

sowie am Fasse derselben (p, st pc - pc) und an den Bachufern<br />

(st r, st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht im allgemeinen mehr oder minder<br />

reichlich, in den Gebüschen jedoch stellenweise spärlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 wurde die'Art am 26. VII. auf der<br />

Wiese in einer Senke in voller Blüte wahrgenommen. - Im J. 1933<br />

war das Blühen auf offenen Bachuferwiesen am 5. VII. im Beginnen,<br />

am 12.-14. VII. im vollen Gang und am 23. VII. abgeschlossen.<br />

Auf der Wiese in der Senke war die Art am 5. VII. erst 2 -3 cm<br />

iioch und ohne Blütenknospen; am 19. VII. waren die ersten Blüten<br />

schon ausgeblüht, und am 8. VIII. waren die Früchte teilweise<br />

ausgebildet. An den am frühesten ausapernden Felsenstandorten<br />

war das Blühen am 21. VII. schon abgeschlossen, am Fusse eines<br />

NE-Iiangs fand ich aber die Art am 10. VIII. in voller Blüte und<br />

auf den Schneebodenfelsen am SE-Hang des Vilgiskoddeoaivi sogar<br />

noch am 30. VIII.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die ersten Samen am 1. IX.<br />

in der Rammculus acer -Wiese augenscheinlich reif, die Ausstreuung<br />

hatte aber nicht begonnen, und die letzten Blüten hatten sich erst<br />

neulich entfaltet. - Im J. 1933 hatte die Art in den Gebüschlichtungen<br />

reife Früchte am 20. VIII. (keine Blüten mehr); in einer dichten<br />

Siedlung des kräuterreichen Moorgebüsches waren die ersten Früchte<br />

reif am 29. VIII., das Blühen fuhr aber noch fort. An den am<br />

spätesten ausapernden Standorten wurden kaum reife Samen<br />

gebildet. - An den günstigsten Stellen wird die Samenreife also<br />

rechtzeitig vor Ende der Vegetationsperiode erreicht, an den<br />

ungünstigsten dagegen offenbar nur in den besten Jahren.<br />

In Ostgrünland hat KKUUSE (190G, S. 229) in Angmagsalik<br />

nicht Früchte wahrgenommen. In Westgrönland erzeugt die Art<br />

nach PoKSiLD (1920 b, S. 73) reichlich Früchte auf Disko.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im J. 1931 in der Ranunculus «ccr-Wiese (die aln 1. IX. noch blühenden<br />

samt den verkümmerten Blüten in Klammern) 2 (+ 2), 2 (+ 5),


1 166 N. Söyrinki, Vennehrung d, Samejipfl. i. (i. alpinen Vegetation. II.<br />

2 (+ G), 3 (+ 5), 3 (+ 8), 4 (+ 5), 4 (+ 6), 4 (+ 7), 5 (+ 2).<br />

5 (+ 16), 6 (+ 5), 6 (+ 6), 6 (+ 7). 7 (+ 8) und 8 (+ 13),<br />

durchschn. 4.5 (+ 6.7). Die Zahl der Samen in der Frucht war<br />

(die halbentwickelten und unentwickelten zusammengerechnet<br />

in Klammern) 8 (+ 5), 13 (-}- 3), 15 (+ 2), IG (+ 1), 18 (+ 1),<br />

20 (+ 4), 20 (+ 6), 21 (+ 4), 27 (+ 2) und 32 (+ 4), durchschn.<br />

19.0 (+ 3.2). Die Anzahl der vollentwickelten Samen pro Spross<br />

betrug also 84.7 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 1. IX. 1931 von der Raminciiliis acer-Wiese eingesammelten<br />

Samen keimten sowohl nach als ohne Frostbehandlung<br />

nur zu 1 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

erfolgte in den beiden Proben in der 4. Woclie, und die Samen<br />

waren nocii nach 18 Monaten völlig lebend (hart).<br />

Die am 4. IX. 1933 von der Ranunculus acer-Wiese eingesammelten,<br />

am 29. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen kamen im gleichen Herbst bis zum 8, XI. nicht<br />

zur Keimung, im folgenden Frühjahr keimten aber 42 % bis zum<br />

14. V. Die Keimung erfolgte ziemlich gleichzeitig.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt, offenbar aber wäiirend einer<br />

längeren Zeit, denn am 12. VII. 1933 hatte ein Teil von den jüngeren<br />

Keimlingen schon 1 Laubblattpaar enlwickelt, während die anderen<br />

erst ganz vor kurzem aufgekeimt waren.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

findet man gewöhnlich ziemlich reichlich vor, ausser jedoch an<br />

den am spätesten ausapernden Standorten, an denen die Samenreife<br />

offenbar oft ausl)leibt. Am zahlreichsten kommen die Keimlinge<br />

auf frischgründigen Wiesen sowie an den Bachufern vor,<br />

wo die Keimungsbedingungen sich recht günstig gestalten. In einer<br />

Rumex acetosa ssp. lapponicus -reichen Schneel)odenwiese, die nur<br />

eine ganz dünne, lückenhafte (hauptsächlich von Brijum sp. gebildete)<br />

Bodenschicht trug, war der Keimlingsquotient 10; auf der<br />

in der unmittelbaren Nähe gelegenen Nardiis strida -Meidewiese<br />

fand ich dagegen in einem etwa O.5 m^ grossen Stellaria calijcantha-<br />

Flecken nur einen einzigen jüngeren Keimling, denn der Boden<br />

war so dicht von den abgestorbenen Teilen des Ilauptgrases bedeckt,<br />

dass die Samen nur äusserst schwer zur Keimung kamen. - SYLVÉN


Annales Botanici Societatis Vanamo, Tom. 1 1. N:o 1. 167<br />

(1906, S. 297, Stellaria alpestris) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge<br />

der Art gesammelt.<br />

Die Voraussetznngen der Art znr generativen Vermehrnng im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü Ii r e i f e Stadin m wird naeh SYLVÉN (i.E.)<br />

recht rasch erreicht, er hält es sogar für wahrscheinlich, dass<br />

die Art in der Natur schon im ersten Sommer blühen kann.<br />

Auch in den Petsamofjeklen scheint die Entwicklung der Art ziemlich<br />

rasch vor sich zu gehen, denn an meinen Beobachtungsstellen<br />

waren in der Regel nur wenige ältere Keimlinge zu finden, was<br />

bedeuten kann, dass sie ohne eine nähere Untersuchung nicht<br />

melir zu erkennen sind. Jedenfalls wird das Stadium der Blühreife<br />

im Gebiet frühestens erst im 2. Jahr erreicht, im ersten Sommer<br />

ist es nicht möglich (vgl. auch MOE 1867).<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich kräftig<br />

mit Hilfe der längs dem Boden krieciienden Ausläufer statt.<br />

Cerastium lapponiciim Cr.<br />

Ii ä u f i g k e i t u n d V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; ihre Standorte sind mehr oder minder spät ausapernde<br />

Schneel)öden sowie die Ufer der Schneebodenbäche<br />

(fq, st pc - sj)), schneebodenartige N-Felsen (st fq, st pc) und spät<br />

ausapernde Wiesensiedlungen am Rande der Schneeböden (st r,<br />

st pc - pc).<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blülvt sogar an den extremsten Standorten<br />

der Regel nach mehr oder minder reichlicli (vgl. RP:SVOLL<br />

1917, S. 138, Ceraslium trigijnum).<br />

F 1 o r a t i o n. Im .J. 1931 befand sich die Art auf der Schneebodcnwiese<br />

am Boden einer Senke am 11. VII. im Aufblühen,<br />

desgleichen am 23. VII. am Rande eines Schneebodenbaches. -<br />

Im J. 1933 hatte das Blühen an den frühesten N-Hängen am 9. VII.<br />

schon begonnen. Auf der Schneebodenwiese in der Senke war<br />

die Art am 12. VII. im allgemeinen im Aufblühen und am 19 VII.<br />

in voller Blüte bzw. im Ausblühen. lu einer um den 7. Juli ausgeaperten<br />

Schneebodensiedlung begann das Blühen am 23. VII.,<br />

war am 29. VII. im vollen Gang und am 9. VIII. im Ausklingen,<br />

Ann. Bot, Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 12


168 N. Süijrinki, Vermehrung d. Sainenpfl. i. (i. alpinen Vegetation. II.<br />

auf den extremsten Sclmeebodejistandorten wurde die Art aber<br />

am 8. VIII. noch in voller Blüte beobachtet.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art am 20. VIII. ausgebildete<br />

Früchte iji einer Siedlung der Pliippsia alijida -Schneebodenvegetatioii.<br />

- Im J. 1933 waren die Samen an den frühesten<br />

Standorten am 8. VIII. allgemein reif, auf der Schneebodenwiese<br />

in einer Senke waren sie schon ausgestreut. Auf dem um den 7. Juli<br />

ausgeaperten Schneel)0(len hatte die Ausstreuung am 25. VIII.<br />

begonnen (noch einzelne verspätete Blüten). - Die Samenreife wird<br />

offenbar wenigstens in günstigen Sommern sogar an den allerspätesten<br />

Standorten erreicht.<br />

Die Präflorationszeit dauerte im J. 1933 auf dem Schneeboden<br />

etwa 16 Tage und die Florations- + Postflorationszeit cbis zur<br />

Samenstreuung


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 1G3<br />

vegclation eingesaiiiineltcii Saineji keiinlcn nach Frostbehajidlung<br />

zu GO % und ohne Froslbehajullung zu 61 % im jACOBSENschcii<br />

Keinuingsapparat, Die Keinuing setzte am 2. (ohne Frostbeliandlung<br />

am 4.) Tage ein und erfolgte grösstenteils in der 1. Woche;<br />

in der 2. (3.) Woche schloss sie al). Die üi)riggel)liel)enen Samen<br />

waren nach 18 Monaten tot (weich). - Die Samen waren beim Einsammeln<br />

noch nicht reif und die Früciite waren bei der Lagerung<br />

in den Papiertüten nicht aufgesprungen.<br />

Die am 25. VIII. 1933 vom Schneeboden eingesammelten, am<br />

27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen keimten im gleichen Herbst bis zum 8. XI. zu (5 % und<br />

im folgenden Frühjahr bis zum 14. V. weiter zu etwa 20 %. Die<br />

Keimung begann im Herbst in der 1. Woche. - Die Bewässerung<br />

war während des Versuches offenbar nicht ausreichend für die Art.<br />

Die K e i m u n g der Samen in der Na t u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VII. 1931 ziemlich<br />

weit entwickelte jüngere Keimlinge iji der Alchcmilla acutidcns-<br />

Wiese am Rande eines Schneebodens und am 19. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf eijiem ziemlich spät ausapernden Schneeboden).<br />

Eine Keimung schon vor der Überwinterung im Jahr der Samenreife,<br />

die aus dem Keinmngsversnch zu schliessen aji den frühesten<br />

Standorten möglich sein könnte, habe ich in der Natur jiicht festgestellt.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä I t n i s s e. Die Standorte bieten der Art<br />

überhaupt recht günstige Keimungsbedingungen dar, ujid weil<br />

auch die Samen im allgemeineji rechtzeitig zur Reife kommen,<br />

ist davon natürlich die Folge, dass auch die Samenkeimlinge im<br />

(iebiet der Regel nach mehr oder minder reichlich zu finden sind.<br />

Der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

auf den Schneeböden und an den Bachufern zwischen 2 und 10.<br />

Am zahlreichsten findet man die Keimlinge auf ganz nacktem,<br />

von fliessendem Wasser angefeuchtetem Bodeji, z.B. in gewissen<br />

Siedlungen der Phippsia algida -Schneebodenvegetation. Auf feuchtgründigen,<br />

an die Schneeböden grenzenden Wiesen kommeji Keimlinge<br />

ebenfalls verhältnismässig reichlich vor. Einmal habe ich<br />

einen jüngeren, offenbar durch Besanuing aus den höher hinauf<br />

an demselben Hang gelegenen Schneebodensiedlungen entstandenen<br />

Keimling in der Dcschampsia flexiiosa - Anlhoxanthiim A


170 N. Söyrinld, Venuelirung d. Samciipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

angetroffen. - Am NE-Hang des Kuivatunturi in Punimanki auf<br />

der Fischerhalbinsel war der Keimlingsquotient O.5, der Standort<br />

war aber auch trockner als bei der Art im allgemeinen. - SYLVÉN<br />

(1906, S. 298, Cerastiiim irigijniiin) hat in Torne Lap])mark Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt. HESVOLL (1917, S. 137, Fig. 33)<br />

schildert Keimlingsstadien aus den norwegischen P'jeldon.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadi u m wird nach mehreren .Jahren<br />

erreicht. Die J3eol)achtungen von SYLVÉN (I.e.) deuten nach (knselben<br />

Richtung hin (vgl. auch RESVOLL I.e.).<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat einen am<br />

Boden kriechenden, verzweigten Stengel, aus dem hier und da<br />

Adventivwurzeln entspringen. Eine eigentliche vegetative Wanderung<br />

ist ausgeschlossen, das Selbständigwerden einzelner Sprosse<br />

ist aber offenbar in einigem Umfang möglich (vgl. WAUMING 1920,<br />

S. 254; ScHiiÖTEii 1923-2(), II, S. 6-14).<br />

Cerastiiim alpiniim L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie auf den mehr oder minder sonnigen<br />

Felsen sowie den erratischen Blöcken (st fq, sp - st pc), in der<br />

Dnjas -Heide (st fq, st pc - sp), den TroUiiia ~ Polygonum vivipanimund<br />

Geranium silualicum ~ Trollius -Wiesen (j), st pc), bisweilen<br />

sogar auf den Schneeböden (r, st pc).<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

Fl o rat i o n. Im J. 1931 hatte das Blühen am 11. VII. in<br />

der Geranium silvaliciim - Trollius -Wiese noch nicht begonnen;<br />

in der Dnjas -Hc'idc befand sich die Art am 16. VII. im Aufblühen<br />

und auf den Felsen ol)en auf den Fjelden am 18. - 20. VII. in voller<br />

Blüte. Auf dem Schneeboden waren die Blüten am 23. VII. noch<br />

nicht ejitfaltet. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel war die<br />

Art am 1. VIII. auf den Meeresuferwiesen abgeblüht, in der Drijas-<br />

Ileide war sie am 4. VIII. im Ausblühen. P<br />

Im J. 1933 hatte das Blühen auf den Felsen oben auf den Fjelden<br />

am 4. VII. schon l)egonnen und war am 7.-10. VII. allgemein


Allnalos Botanici Soeietatis Vananio. Toni. 1 J. N:o 1. 171<br />

im vollen Gang nnd am 19. VII. im Ausklingen. In der Geraniiim<br />

silvalicum - Trolliiis-Vliese war das Blülieii am 19. VII. noch<br />

l)einalie im vollen Gang und am 25. VII. abgesclilossen. Am Bacliufer<br />

auf dem Sclineeboden wurde die Art am 31. VII. in voller<br />

Blüte beobachtet.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Sameji am 27. VIII.<br />

auf den N-Felsen reif; am 30. VIII. hatte die Ausstreuung auf der<br />

Dnjas -Heide sowie auf deji W-Felsen grösstenteils stattgefunden.<br />

In Pummanki waren die Samen am l.'VIII. auf den Meeresstrandwiesen<br />

schon beinahe reif. - Im J. 1933 liatte die Samenstreuung<br />

in der Geranium silualicum - T rollins-Wiese am 8. VIII. bereits<br />

begonnen; auf sonnigen Felsen war sie am 12. VIII. im allgemeinen<br />

schon erledigt. - Die Samen kommen also frühzeitig vor Ende der<br />

VegelaLions})eriode 7Air Reife.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 in der<br />

Geranium silvalicum - Trollius-Wio^e etwa 20 Tage. CLEVE (1901,<br />

S. 83) fand als Präfloralionszeit in Schwetlisch-Lappland 30 Tage<br />

und als Länge der ganzen Vegetatiojisperiode 04 Tage, RESVOLL<br />

(1917, S. 70) als Präflorationszeit in Norwegen 20 Tage.<br />

Auf Spitzbergen setzt die Art nach EKSTAM (1898, S. 27) reichlich<br />

reife Frucht an; die ersten reifen Früchte wurden in Advent Ray<br />

am 9. VIII. (1897) angetroffen. ANDERSSON und HESSELMAN<br />

(1900, S. 59) wiederum, die diese Artengruppe systematisch neueingeteill<br />

haben, schreibeji: »Dass die Art reife Frucht auf Spitzbergen<br />

erzeugt, sollte sicher sein. Die Fruchterzeugung scheijit<br />

ungleichmässig zu sein, das Material ist aber allzu unvollständig,<br />

um einige sichere Schlüsse zu gestatteji.» Nach WARMING (1920,<br />

S. 287) bildet die Art reife Früchte iji ganz Grönland, auf S])itzbergen<br />

und wahrscheinlich auch anderswo im arktischen Gebiet.<br />

(Ül)er Grönland vgl. auch HARTZ 1895 a, S. 182; DUSÉN 1901, S. 21;<br />

PoRSiLi) 1920 b, S. 74; OSTENFELD 1925, S. 11; LID 1932, S. 10;<br />

GELTING 1934, S. 35. Alle diese Forscher haben reife P'rüchte angetroffen.)<br />

Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 152) reife Früchte<br />

beobachtet, desgleicheji LYNGE (1923, S. 25).<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im .1. 1931 auf den W-Felsen 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 2,<br />

2, 2, 3, 4, 4 und 5, durchschn. 1.9, auf den N-Felsen durchschn.


172 iV. SöijrinJd, Vcnnclirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

1.5 (1-2) und in der Dryas-Meide durchschn. 1.2 (1-2) Stück<br />

(+ 0.1 verkümmerte Blüten). Die Zahl der Samen in der Frucht<br />

war (die unentwickelten wurden niclü gezählt) auf den W-Felsen<br />

1, 5, C, 6, 6, 7, 9, 9, 10. 11, 12, 12, 13, 14, 14, 14, 17, 18, 19 und 21,<br />

durchschn. II.3, auf den N-Felsen durchschn. lO.c und in der<br />

Drijas -Heide 2, 2, 2, 3, 3, 3, 4, 4, G, 6, 7, 7, 8, 8, 8, 8, 8, 10, 12 und 26,<br />

durchschn. 6.9. Die Anzahl der vollentwickelten Samen i)ro Spross<br />

betrug also auf den W-Felsen 21.5, auf den N-Felsen 15.9 und in<br />

der Dr/yas-Heide 8.3 Stück.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 30. VHI. 1931 vom W-Felsen eingesammelten Samen<br />

keimten nach Frostbehandlung zu 93 % und ohne Frostbehandlung<br />

zu 55 % im .lACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

setzte am 5. Tage (ohne Frostbehandlung in der 2. Woche) ein<br />

und dauerte 8 (21) Monate. Die übriggebliebenen Samen waren<br />

nach 21 Monaten hauptsächlich lei)end. Die am 27. VHI. 1931 vom<br />

N-P'elsen eingesammelten Samen (68 Stück) keimten nacli Frostbehandlung<br />

zu 98 %; die Keimung begann am 7. Tage und schloss<br />

in der 7. Woche ab. Die am 30. VHI. 1931 von der Dnjas -Heide<br />

verwahrten Samen keimten nach Frostbehandlung zu 100 % und<br />

ohne Frostbehandlung zu 99 %. Die Keimung setzte am 3. (2.)<br />

Tage ein und dauerte 11(6) Wochen. - Am kräftigsten war die<br />

Keimung im allgemeinen in der 2. bis 4. Woche.<br />

Die Keimung der Sa m e n in der Nat u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VH. 1931 waren die<br />

jüngeren Keimlinge auf der Drijas-Heide schon ziemlich weit<br />

entwickelt).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n 1 s s e. Samenkeimlinge sinil im<br />

Gebiet an den verschiedenen Standorten der Art ziemlich regelmässig<br />

und gewöhnlich auch ziemlich reichlich zu finden. Der<br />

Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungstellen zwischen<br />

0.5 und 5; am höchsten steigt er an Felshängen, deren Si)alten und<br />

Absätze mit feinem Verwitterungsboden bedeckt sind, der den<br />

Keimlingen ein recht passendes Wuchsbett schafft. In der Dnjas-<br />

Heide habe ich Keimlinge der Art sowohl in den windoffenen<br />

xerophilen Siedlungen, in denen der grobkörnige Mineralboden<br />

zwischen den Vegetationsflecken zutage tritt, als in den von einer<br />

dicken Moosschicht bedeckten Siedlungen vorgefunden; der Ver-


Annales Botaiüci Societalis Vanamo. Toni. l -l. X:o 1. 173<br />

Irocknungsgcfahr ungeachtet kommen die Keimlinge jedoch in<br />

den erstgeiiajinteii Siedlungen im allgemeinen zahlreicher vor,<br />

denn in der üppigen IVIoosmatte der letzteren kann die Keimwurzel<br />

nur mit Mühe den Mineralboden erreichen. - Auch an den Schneebodenstandorten<br />

habe ich gelegentlich ziemlich reichlich Keimlijige<br />

angetroffen. - SYLVÉN (190G, S. 299) hat in Torne Lappmark Samenkeimlingc<br />

der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht; nach den Beobachtungen von SYLVÉN (I.E.) dauert das<br />

Jugendstadium mehrere (mehr als 2) .Jahre.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet mehr oder<br />

minder lockere, von der Ilauptwurzel befestigte Hasen. Eine<br />

vegetative Wanderung ist also ausgeschlossen, und weil die Adventivwurzelbildung<br />

an den basalen Teilen der Sprosse überdies schwach<br />

ist, wird auch eine VerselbUändigung derselben nur in bescheidenem<br />

Masse möglich (vgl. WARMIXG 1886 b, S. 50 und 1920, S. 250; KJELL-<br />

MAN bei EKSTAM 1897, S. 152; HESVOLL 1917, S. 140).<br />

Sagina intermedia Fenzl<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie auf den Schneeböden und den schneebodenartigen<br />

Felsen (r, st pc).<br />

Fundorte. Westlich vom Vilgiskoddeoaivi auf den Felsen<br />

am Wasserfall des Selvakkajoki; Kuorbgas (Palopää): auf dem<br />

Schneeboden am N-Iiang (zusammen mit Salix polaris), auf Felsen<br />

an der Südseite des Gipfels.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die ersten Samen auf dem<br />

Schneeboden am N-lIang des Kuorbgas am 22. VIII. reif. - Im J.<br />

1933 hatte die Ausstreuung auf dem Felsen an der S-Seite des<br />

Kuorbgas stattgefunden. - Die Samenreife wird also rechtzeitig vor<br />

Ende der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Auf Spitzbergen sehe!nl die Fruchterzeugung nach ANDEESSON<br />

und MESSELMAN (1900, S. 65) gleichmässig und reichlich zu sein;


171 N. Söyrinki, Vennehruiig d. Sanieni)fl. i. d. alpinen Vcgclation. 11.<br />

reife Früclite sind Ende Augnsl und Anfang SejvLember angetroffen<br />

worden. In Ostgrönland macht die Art reife Samen zwischen 73°15'<br />

und 76°2()'N nach GELTING (1934, S. 52). In Westgrönland ist<br />

die Fruchtproduktion reichlich bei Disko (PORSILD 1920 1), S. 70).<br />

In Nordwestgrünland (77° N) fand OSTENFELD (1925, S. 12) die<br />

Art am 7. IX. mit Früchten. In Ellesmereland beobachtete SIM-<br />

MONS (1906, S. 119) am 30. VII. 1899 sowohl Blüten als Früchte.<br />

Auf .Jan Mayen fand KRUUSE (1902, S. 298, Sagina nivalis) im<br />

Sommer 1900 zahlreiche vorjährige FMichte mit wohlentwickelten<br />

Samen und GANDHUP (1923, S. 11) reife und aufgesprungene Kapseln<br />

im Sommer 1919. Auf Novaja Semlja dürften nach EKSTAM<br />

(1897, S. 153) wenigstens in normalen Jahren reife Früchte erzeugt<br />

werden; nach LYNGE (1923, S. 30) reifen die Früchte dort.<br />

Die K e i m ung der Samen in der Na t u r sclieint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden.<br />

K e i m Ii n g s V e r h ä 1 t n 1 s s e. Nach Samenkeimlingen liabe<br />

ich an den beiden Fundstellen am Kuorbgass gesucht. Der Keimlingsquotient<br />

war auf dem ziemlich spät ausapernden, feuchtgründigen<br />

Sc]inee])oden am N-IIang O.s und auf dem relativ trocknen,<br />

schneebodenartigen Felsen an der S-Seite des Gi'|)fels O.2; sowohl<br />

jüngere als ältere Keimlinge wurden vorgefunden. - SYLVÉN (1906,<br />

S. 305) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

HESVOLL (1917, S. 129, Fig. 29) schildert eine zweijährige<br />

Keimpflanze von Spitzbergen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermelirung im<br />

Gebiet sind also offenbar günstig.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. Nach den Beobachtungen von SYLVÉN (I.E.) blüht<br />

die Art in Torne Lappmark kaum früher als im 3. Jahr, in<br />

den Petsamofjelden geht die Entwicklung al)er noch langsamer<br />

vor sich.<br />

V e g e t a t i v e V e r m e h r n n g. Die Individuen der Art<br />

bilden kleine, von der riau])twurzel liefestigte Basen. Eine vegetative<br />

Wanderung fehlt also, und auch eine Verselbständigung<br />

der Sprosse findet nicht statt (vgl. KJELLMAN bei F.KSTAM 1897,<br />

S. 154; BESVOLL 1917, S. 130).


Aiiiiales Bolanici SocicLaLis Vanamo, 'roni. 1 1. N:o 1. 175<br />

Sagina Liimad Presl<br />

Häufigkeit u ji (1 V o r k o in iii e n. Die Art. koniniL im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie auf den melir oder<br />

minder feuchten Sclineeböden sowie den Sclineebodenfelsen (st fq,<br />

st pc - st cp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

Fl o rati on. Im J. 1931 wurde die Art am 11. VII. an<br />

schneebodenartiger Stelle am Boden einer Senke im Aufblühen<br />

wahrgenommen; auf den eigentlichen Schneeböden hatte das Blühen<br />

an jenem Tage nocht nicht begonnen. - Im J. 1933 waren die Blütenknos})en<br />

am Boden der Senke am 5. VII. noch nicht entwickelt, am<br />

19. VII. waren die ersten Blüten im Aufblühen und am 25. VII. war<br />

das Blühen im Ausklingen. An den am spätesten ausai)ernden Staiulorten<br />

wurde die Art am 8. VIII. noch in voller Blüte beobachtet,<br />

im allgemeinen war sie aber auf den Schneei)öden schon ausgeblüht.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Samenstreuung an<br />

der erwähnten schneebodenartigen Stelle am Boden der Senke<br />

am 19. VIII. grösstenteils stattgefunden. - Im J. 1933 hatte die<br />

Ausstreuung in derselben Siedlung am 8, VIII. begonnen; vom<br />

Blütebeginn bis zur Samenstreuung vergingen also an der Stelle<br />

etwa 20 Tage. - Im allgemeinen scheint die Samenreife im Gebiet<br />

frühzeitig vor Ende der Vegetationsperiode erreicht zu werden,<br />

ausser vielleicht in den ungünstigsten Jahren an den allcrspätesten<br />

Standorten.<br />

In Grönland erzeugt die Art reife Früchte (WAKMING 1920,<br />

S. 303). In Ostgrönland bildet sie reichlich keinmngsfähige Samen<br />

im August in Angmagsalik nach KHUUSE (1906, S. 228); in einem<br />

Basen wurden 257 Blüten und Früchte gefunden.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich fast regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte am Spross<br />

betrug im J. 1931 auf dem Schneebodeji (die verkümmerteji Blüten<br />

in Klammern) 1,1,1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 2 (+ 1), 2 (-}- 1), 3, 3, 3, 3, 3,<br />

3 (+ 1), 3 (-f- 1), 5 und 6, durchschn. 2.4 O.s). Die Zahl der Samen<br />

in der FnichL war (sämtliche Samen waren vollentwickeH) ()8, 71,<br />

73, 78, 79, 80, 83, 83, 90 und 128, durchschn. 83.a. Die Anzahl<br />

der vollentwickelten Samen ])ro S])ross l)eLrug also 199.o Stück.


176 N. Söijrinld, Vennehrung d. Sanicnpfl. i, d. ali)inen Vegetation. II.<br />

Keimung der S a m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 19. VIII. 1931 vom Schiiechoden eingesammelten Samen<br />

keimten nach FrosLhehandlung zu 62 % und ohne Frostl)ehandhing<br />

zu 50 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

setzte in der ersten Probe in der 7., in der letzteren in der 2. Woche<br />

ein und fuhr dann allmälilicli fort bis zum Ende des Versuches<br />

nach 21 Monaten. Die übriggcbliel)enen Samen waren lebend (hart).<br />

Die Keimung d e r S a m e n in d e r N a t u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 11. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge an der schneebodenartigen Stelle am Boden der vorerwähnten<br />

Senke).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

sind im Gebiet an allen Standorten allgemein und auch mehr oder<br />

minder reichlich zu finden. Der Keimlingsquotient variiert an<br />

meinen Beobachtungsstellen zwischen 1 und 10; am höchsten<br />

findet man ihn auf nackten, sandigen Sclmeel)oden, die über den<br />

grössten Teil der Vegetationsperiode vom fliessenden Wasser angefeuchtet<br />

werden. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel fand<br />

ich nur spärlich Keimlinge am NE-Hang des Kuivatuuturi, wo<br />

die Art an ziemlich trocknen Absätzen auftrat. - SYLVÉN (1906,<br />

S. 305) hat in Torne Lap])mark Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - SCHRÖTER (1923-26, III, S. 962) erwähnt, dass die<br />

Art sowohl in den Alpen als im arktischen Gebiet einjährig sei;<br />

ich habe sie aber in den Petsamofjelden, ebenso wie SYLVÉN (I.E.)<br />

in Torne Lappmark nur mehrjährig angetroffen und gleiches<br />

ist nach meinen Untersuchungen auch in den Bayerischen Alpen<br />

der Fall.<br />

Die vegetative Vermehrung fehlt wie bei der vorigen<br />

Art gänzlich; auch das Selbständigwerden einzelner Sprosse<br />

ist ausgeschlossen.<br />

Mimiarlia biflora (L.) Sch. & Thell. ^<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art kommt<br />

im Gebiet zerstreut vor; man findet sie an mehr oder minder feucliten


Aniuiles Botanici Societatis Vananio. 'J'om. I I. N:o 1. 177<br />

Felshängen sowie in den Spalten der Felsenflächen (st fq, sl pc - sp),<br />

in mehr oder minder feuchten Schneebodensiedlungen (st r, st pc)<br />

sowie auf frischgründigen, spät ausapernden Wiesen am Fasse<br />

der Schneebodenhänge (r, pc).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 auf dem Schneebodenfelsen<br />

bis 7 cm (vgl. KKUUSE 1906, S. 228).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich oder sogar<br />

sehr reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 befand sich die Art am 4. VII.<br />

auf den N-Felsen im Aufblühen, stellenweise sogar in voller Blüte,<br />

und am 9. VII. war sie zum Teil bereits ausgeblüht. An den am<br />

frühesten ausaperndeji Schneebodenstandortcn war das Blühen<br />

am 22. VII. schon abgeschlossen, in den s])äLcsten Siedlungen<br />

hatte es aber am 19. VII. noch nicht begonnen und Individuen<br />

in voller Blüte wurden noch am 12. VIII. wahrgenommen. - NOR-<br />

MAN (1895- 1901, S. 171) berichtet, dass die Art im arktischen<br />

Norwegen ausnahmsweise zweimal in demselben Sommer blüiien<br />

kann.<br />

S a m e n r e i f e. Im .1. 1931 waren die Samen aul den<br />

N-Felsen am 27. VIII. grösstenteils ausgestreut. - Im J. 1933<br />

hatte die Samenstreuung an den N-Felshängen am 12. VIII. begonnen.<br />

Im allgemeinen wird die Samenreife im Gebiet schon früh<br />

während der Vegetationsperiode erreicht. - BESVÜLL (1917, S. 134,<br />

Alsine biflora) beobachtete, dass die Art im warmen Sommer 1901<br />

zweimal reife Früchte bildete, zum erstenmal an den Seitensj)rossen<br />

erster, zum zweitennuil an denjenigen zweiler Ordnung.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenstreuung vergingen im Sommer<br />

1933 auf den N-Felsen etwa 39 Tage. Nach CLEVE (1901, S. 51<br />

und 82) war die Präflorationszeit in Schwe(lisch-Lap])land IG Tage<br />

und die ganze Vegetationsperiode 48 Tage.<br />

Auf Spitzbergen hat EKSTAM (1898, S. 29) am 7. VIII. 1897<br />

in Advent Bay die Art in voller Fruchtreife angetroffen; nach<br />

ANJ)ERSSON und HESSELMAN (1900, S. 04) ist die Fruchterzeugung<br />

reichlich und regelmässig. In Ostgrönlaiid lud HARTZ (1895 a,<br />

S. 178) auf Danmarks 0 am 18. IX. 1891 aufges]mingene Früchte<br />

wahrgenommen; nach KRUUÖE (1900, S. 228) maciit die Art dort<br />

reichlich und reife Früchte in Angmagsalik und nach GELTING<br />

(1934, S. 49) reifen die Früchte zwischen 73°15' und 7ü°20'N im


178 iV. SöijrinJd, Vcnnclirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Juli. In Westgrönland setzt die Art auf Disko reichlich Früchte<br />

an (PoiisiLü 1920 1), S. 71). Nach WARMING (1920, S. 310) scheint<br />

die Fruchti)roduktion in Grönhuid bis hinauf nach 70°-71° N<br />

reichlich und regelmässig zu sein. Auf Jan Mayen fand KRUUSE<br />

(1902, S. 298) zahlreiche vorjährige Früchte im Sommer 1900. Auf<br />

Novaja Semlja reifen die Früchte nach LYNGE (1923, S. 28) (ausgeleerte<br />

vorjälirige Früchte).<br />

Keimung der Sa m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 27. VIII. 1931 vom N-Felsen eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen (32 Stück) keimten zu 31 % im .lACOBSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 3. Tage ein und schloss<br />

sclion in der 1. Woche ab. Die übriggebliebenen Samen waren<br />

noch nach 19 Monaten lebend (hart).<br />

Die K c i m u n g d e r S a m en in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 9. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge am N-Felshang). Nach SYLVÉN (1906, S. 304) erfolgt<br />

die Keimung in Tome Lappmark im »Frühling».<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Keimungsbedingungen<br />

gestalten sich an den Standorten der Art überhaupt verhältnismässig<br />

günstig, und weil auch die Samenproduktion ausgiebig ist, sind<br />

Keimlinge gewöhnlich ziemlich reichlich zu finden. Der Keimlingsquotient<br />

variiert an meinen Beobachtungsstellen zwischen<br />

0.5 und 5. Am zaiilreichsten treten die Keimlinge an den vom<br />

sickernden Wasser feuchten N-Felshängen, ebenso wie auf frischen<br />

Schneeböden auf, während sie an trockneren Felshängen und in<br />

den Spalten sonnenoffener Felsenflächen spärlicher vertreten sind.<br />

- HARTZ (1895 a, S. 178) erwähnt in Ostgrönland auf Danmarks 0<br />

Samenkeimlinge der Art angetroffen zu haben. SYLVÉN (I.e.)<br />

hat sie in Torne Lapi)mark eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e 1 f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch die Beobachtungen von SYLVÉN (I.e.) erwiesen<br />

haben. - In den Kulturversuchen BESVOLLS (1917, S. 133) begann<br />

das Blühen im 3. Sommer.<br />

Vegetative Ver m e h r u n g. Die Individuen der Art<br />

bilden oft dichte Basen, die jedoch immer nur durch die Ilauptwurzel<br />

befestigt sind. Eine vegetative Wanderung ist also aus-


Aiinalcs liotanici Socictatis Vanamo, Tom. 11. N:o 1. 179<br />

gcsclilossen, ehejiso auch das SelhsläiuligwerdeTi der Sprosse, da<br />

jegliche Adventivwiirzell)ildiing fehlt (vgl. RESVOLL I.E.).<br />

Arenaria ciliala L. ssp. pseudofrujida Osteiif. & Dahl ^<br />

Häufigkeit und V o r k o m ni en. Die Art ist im Gel)iet<br />

selten; ihre Standorte sind mehr oder minder sonnige Felsenfläclien<br />

und -hänge (r, sp - cp), el)enso das Verwitterungsgeröll der Hacliufer<br />

(rr, cp).<br />

F u n d 0 r t e. Haijoaivinjunne, an den Felsenflächen im nordöstlichen<br />

Teil des Fjeldes; Kammikivitunturi, am N-IIang oberhalb<br />

des Geologenlagers im W'rwitterungsgeröll der Bachufer;<br />

Felswand am Kolseljoki (Ivolsel])ahta); Kaulatunluri, an dem nach<br />

Salmijärvi fülirenden Fusspfad und am Gipfel des Fjeldes zwischen<br />

Felsenflächen (HOIVAINEN 1927, S. KALLIOLA 1


171 N. Söyrinki, Vennehruiig d. Sanieni)fl. i. d. alpinen Vcgclation. 11.<br />

reife Früchte angetroffen. In Weslgrönland erzeugt die Art reichlich<br />

Früchte auf Disko nach PORSILD (1920 1), S. 70). (Vgl. auch<br />

WARMING 1920, S. 105.)<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich regelmässig<br />

zu Früciiten weiter. Die Anzahl der Früchte pro Individuum<br />

betrug im J. 1931 am Bachufer am Kammikivitunturi 7, 9, 9, 10,<br />

13, 14, 14, 14, 15 und IG, durchschn. 12.i. Die Zahl der vollentwickelten<br />

Samen in der Frucht war 2, 3, 4, 4, 4, 4, 4, 4, 5, 5, 6, C,<br />

7, 7 und 8, durchschn. 4.9. Die Anzahl der Samen pro Individuum<br />

betrug also 59.3 Stück.<br />

Keimung der Sa ni e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 28. VIII. 1931 vom Bachufer am Kammikivitunturi eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten zu 30 % im JACOB-<br />

SENSchen Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 3. Tage ein<br />

und war am kräftigsten in der 1. Woche; sie fuhr noch fort, als<br />

der Versuch nach 20 Monaten abgebrochen wurde. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren lebend (hart).<br />

Die am 12. VIII. 1933 auf dem Raijoaivinjunne von Felsenstandorten<br />

eingesammelten, am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten<br />

in Gartenerde ausgesäten Samen keimten im gleichen Herbst<br />

bis zum 8. XI. nicht, im folgenden PYühjahr bis zum 14. V. aber<br />

zu etwa 25 %.<br />

Die K e i m ung der Sa m en in d c r N a t u r findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 10. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf dem Raijoaivinjunjie).<br />

K e i m Ii n g s V e r Ii ä 1 t n i s s e. vSamenkeimlinge findet man<br />

regelmässig und gewöhnlich auch ziemlich reichlich an den Standorten<br />

der Art. Auf den Felsen treten die Keimlinge sowohl in den<br />

Spalten als in den von feineren Bestandteilen gefüllten kleinen<br />

Vertiefungen oft zahlreich auf. Im Verwitterungsgeröll der Bachufer<br />

am N-IIang des Kammikivitunturi war der Keimlingsquotient 5;<br />

die meisten Keimlinge wuchsen auf dem beinahe nackten Mineralboden<br />

ganz am Rande des Baches, viele sogar im Wasser, sie kamen<br />

aber auch weiter seitwärts in der mehr oder minder geschlossenen<br />

Vegetation vor. - SYLVÉN (190G, S. 302) hat in Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art (ß norvegica) eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 181<br />

Das 1) 1 ü Ii r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreielit. Nacli SYLVÉN (I.E.) dauert das Jugendstadium in Torne<br />

Lappmark wenigstens einige Jahre.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Individuen der Art<br />

bilden gewölmlich kleine, dichte Rasen, die nur von der Ilauptwurzel<br />

befestigt sind. Eine vegetative Wanderung ist also ausgeschlossen<br />

und auch eine Individualisierung der Sjjrosse kann nicht<br />

stattfinden, da jede Adventivwurzelbildung fehlt.<br />

Viscaria alpina (L.) G. Don<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie auf beschatteten<br />

oder sonnigen Felsen (p, st pc - sp), an den Bachufern (st r, st pc - sp)<br />

und in der Dnjas -Heide (rr, pc). - Vgl. auch TANNER (1930).<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blüht gewöhnlich m«*Jir oder minder<br />

reichlich, seltener spärlicher.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Im J. 1933 befand sich die Art am 20. - 21. VH.<br />

auf den Felsen und an den Bachufern ziemlich allgemein in voller<br />

Blüle, am 1. VHI. war sie teilweise und am 15. VHI. allgemein ausgeblüht.<br />

An den am spätesten ausapernden Standorten war das<br />

Blühen aber erst am 31. VII. im Beginnen und Individuen in voller<br />

Blüte wurden noch am 20. VIII. wahrgenommen, desgleichen<br />

vereinzelte Blüten am 4. IX.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte am Bachufer<br />

am N-Hang am 28. VHI. ausgebildet, die Samenstreuung hatte<br />

aber noch nicht begonnen. - Im J. 1933 waren die Früchte am<br />

4. IX. auf den Felsen und an den Bachufern im allgemeinen reif,<br />

die Ausstreuung hatte aber auch jetzt niclit begonnen. Die Samenreife<br />

wird also in einen ziemlich s])äten Zeitpunkt verlegt, sogar<br />

an den spätesten Standorten werden jedoch offenbar wenigstens<br />

in einigem Umfang keinmngsfähige Samen gebildet, die ungünstigsten<br />

Jahre ausgenommen. - Von voller Blüte bis zur Samenreife<br />

vergingen im J. 1933 etwa 40 Tage.<br />

Im arktischen Norwegen hat NOIUIAN (1895- 1901, S. 137)<br />

die Art am 23. VII. mit reifen Früchten angetroffen. In Grönland<br />

bildet sie nach WARMING (1920, S. 320) allgemein reife Früchte.<br />

In Wcstgrönland reifen alle Früchte in günstigen Sommern auf


182 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Disko (PoRSiLD 1920 1), S. 76). In Südostgrönland hat LID (1932,<br />

S. 11) im J. 1931 Pflanzen mit reichlich reifen Samen angetroffen.<br />

S a m e n m e n g e. Ein beträchtliciier Teil der Blüten entwickelt<br />

sich nicht zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte<br />

am Spross war im .1. 1931 am Bachufer (die verkümmerten Blüten<br />

in Klammern) 0 (+ 8), 0 (+ 9), 0 (+ 12), 0 (+ 15), 2 (+ 6),<br />

3 (+6), 7 (+2), 7 (+2), 7 (+3), 7 (+ 13), 8 (+ 1), 8 (+ 1),<br />

9, 10 (+19), 11, 11, 12, 12 (+4), 14 (+8) und 15 (+7),<br />

durchschn. 7.2 (+ 5.8). Die Zahl der Samen in der Frucht war (die<br />

halbentwickelten in Klammern, die unentwickelten wurden nicht<br />

berücksichtigt) 20 (+ 6), 30 (+ 9), 34 (+ 1), 36 (+ 2), 39 (+ 3),<br />

44-(+ 4), 45 (+ 2), 49 (-fl), 50 und 63 (+5), durchschn. 41.o<br />

(-f 3.3). Die Anzahl der vollentwickelten Samen pro Spross betrug<br />

also 295.2 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 28. VIII. 1931 vom ]3achufer eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten zu 19 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte am 7. Tage ein und schloss in der<br />

4. Woche ab. Die ül)riggeb]iebenen Samen waren nacli 18 Monaten<br />

hauptsächlich tot (weich). Die Samenstreuung hatte am Tage<br />

der Einsammlung noch nicht begonnen (viele Früchte waren jedoch<br />

beim Aufbewahren in der Papiertüte aufgesprungen) und die Stengel<br />

waren ganz grün.<br />

Die K e i m u n g de r S a m en in der Nat u r findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 20. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge an den Bachufern). Nach den Beobachlungen von<br />

SYLVÉN (1906, S. 291) erfolgt die Keimung im »Frühling». ^<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Trotz der späten Samenreife<br />

sind Keimlinge der Art im Gebiet allgemein zu finden. An<br />

meinen vier Beol)achtungsstellen an den Bachufern und auf den<br />

Felsen variierte der Keimlingsquotient zwischen 2 und 5. Im Vergleich<br />

zu den Samenmengen lagen die Quotienten also durchaus<br />

nicht hoch; auch die Keinmngsbedingungen waren besonders an<br />

den Bachufern auf dem mehr oder minder konkurrenzfreien, oft<br />

vom Verwitterungsgrus bedeckten Boden verhältnismässig gut.<br />

Auf der Drijas -Heide habe ich in der dichten Moosmatte in der<br />

Nähe der ausgewachsenen Individuen vergebens nach Keimlingen<br />

gesuclit. - SYLVIN (I.E.) erwähnt Samenkeimlinge der


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 183G3<br />

Art von mehreren Stellen in Schweden. PORSILD (1920 b, S. 76)<br />

liat in Westgrönland auf Disko Keimlinge vorgefunden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Ja liren<br />

erreicht, wie es auch die Beobachtungen von SYLVÉN (I.E.) erweisen.<br />

In den Kulturversuchen blühte die Art nach WARMING (1920, S.<br />

235) im 3. Sommer.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Individuen der Art<br />

sind nur von der Hauptwurzel befestigt; jegliche vegetative Vermehrung<br />

ist ausgeschlossen, denn auch die einzelnen Sprosse sind<br />

infolge fehlender Adventivwurzelbildung einer Verselbständigung<br />

unfähig (vgl. WARMING 1886 b, S. 56 und 1920, S. 234).<br />

Silene acaiilis L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie in der Dr/yas-Heide<br />

(st r, st pc - sp), auf Felsenflächen und mehr oder minder sonnigen<br />

Felshängen (st r, st pc - sp), desgleichen an Bachufern auf (irusboden<br />

(rr, sp).<br />

Fundorte. Raijoaivinjunne, auf Felsen im nordöstlichen<br />

Teil des Fjeldes; westlicli vom Vilgiskoddeoaivi auf Felsen am<br />

Wasserfall des Selvakkajoki und in einem trocknen Baclilauf unterhalb<br />

desselben auf Grus; Kammikivi-Gebiet, in der Drijas -Heide<br />

(KALLIOLA 1932, S. 104); Kolselvaara (Kammikivitunturi), an<br />

einem W-Felshang gleich oberhalb der Waldgrenze; in einer Bachschlucht<br />

zwischen dem Kaulatunluri und dem Kammikivitunturi<br />

(VALLE 1933 b, S. 266); Luotnvaara, auf Felsen ebenso wie in der<br />

xerophilen Dnjas -llvnlo am Gipfel; Njoammelatshohki, auf Felsen<br />

am N-Hang.<br />

I' e r t i 1 i t ä t. Die Art blüht in der Regel mehr oder minder<br />

reichlich.<br />

Fl ora tion. Im J. 1933 stand die Art am 8. VH. auf den<br />

Felsen an sonnigen Stellen in voller Blüte, war teilweise sogar<br />

bereits ausgeblüht, an beschatteten Stellen wiederum im Aufblühen.<br />

- Im J. 1931 war das Blühen in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

am 29. VH. allgemein abgeschlossen, nur an schattigen Felshängen<br />

Ann. Hot. Soc. Zool.-lJot. Fenn. Vanamo, 14, n:0 1. 13


184 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

wurden einige Individuen im Ausblühen beobachtet (vgl. VALLE<br />

1930 und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 hatte die Samenstreuung an<br />

sonnigen Felsen am 12. VIII. teilweise schon stattgefunden. -<br />

Im J. 1931 waren die Samen auf den Meeresstrandwiesen in Pummanki<br />

am 1. VIII. reif. - Die Samenreife wird an allen wStandorten<br />

im Gebiet frühzeitig vor Ende der Vegetationsperiode erreicht. -<br />

CLEVE (1901, S. 52 und 83) fand als Präflorationszcit in Schwedisch-Lappland<br />

23 Tage und als Länge der ganzen Vegetationsperiode<br />

61 Tage. Im arktischen Norwegen kann die Art nach den<br />

Beobachtungen von NORMAN (1895- 1901, S. 131) bisweilen zweimal<br />

im gleichen Sommer reife Früchte produzieren, zum zweitenmal<br />

im September. ^<br />

Auf Si)itzbcrgen hat EKSTAM (1898, S. 24) Mitte August 1897<br />

in Advent Bay allgemein reife Früchte angetroffen; nach ANDERS-<br />

SON und HESSELMAN (1900, S. 54) reifen die Früchte regelmässig<br />

im August. In Grönland haben mehrere Forscher reife Früchte<br />

wahrgenommen (vgl. HARTZ 1895 a, S. 182; DUSÉN 1901, S. 17;<br />

KRUUSE 1906, S. 227; PORSILD 1920 b, S. 75; OSTENFELD 1925,<br />

S. 12; LID 1932, S. 10; GELTING 1934, S. 54). Nach WARMING (1920,<br />

S. 333) befanden sich al)er in den Früchten viele in ihrer Entwicklung<br />

eingegangene Samen und oft nur 2-4 vollentwickclte; er<br />

sieht in dieser Erscheinung eine Folge der unvollständigen Befruchtung.<br />

In Ellesmercland tritt die Art am Ende des Juni in<br />

Blüte, und oft sind dann die Rasen vollbesät mit Blüten und später<br />

mit Kapseln (SIMMONS 1906, S. 128). Auf .Jan Mayen hat GANDRUP<br />

(1923, S. 11) Anfang August 1919 zahlreiche aufgesprungene Kapseln<br />

mit wenigen Samen beobachtet. Auf Novaja Semlja erzeugt<br />

die Art nach EKSTAM (1897, S. 149) regelmässig und nach LYNGE<br />

(1923, S. 31) reichlich reife Früchte, nach dem letzteren Forscher<br />

dürften die Samen in günstigen Jahren nördlich bis nach Lichutin<br />

Island reifen.<br />

Keimung der Samen im K e i ni u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 1. VIII. 1931 von der Meercsstrandwiese in Pumnianki auf<br />

der Fischerhalbinsel eingesammelten Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 99 % und ohne Frostbehandlung zu 95 % im<br />

jACOBSENschen Keinmngsapparat. Die Keinning setzte am 2.<br />

(ohne Frostbehandlung am 3.) Tage ein und erfolgte grösstenteils


Aniuiles Botanici Societatis Vananio. 'J'om. I I. N:o 1. 185<br />

in der 1. Woche; in der 8. (10.) Woche schloss sie ab. Die üi)riggehliehenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten lot (weich).<br />

Die am 12. VIII. 1933 von sonnigen Felsenflächen eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen keimten im gleichen Herbst bis zum 8. XI.<br />

(18. X.) zu 28 % und im folgenden Frühjahr bis zum 14. V. weiter<br />

zu 19 %, im ganzen also zu 77 %. Die Keimung begann im Herbst<br />

in der 1. Woche und erfolgte im Frühling sehr gleichzeitig.<br />

Die K e i m u n g der S a m en in d er Na t u r findet<br />

nach meinen Beobachtungen im Anfang der Vegetationsperiode<br />

statt (am 10. VII. 1933 jüngere Keimlinge auf sonnigen Felsen),<br />

nach dem Keimungsversuch im Freien zu schliessen könnte aber<br />

auch eine Keimung im Jahr der Samenreife ohne vorherige Überwinterung<br />

in einigem Umfang möglich sein. CLEVE (1901, S. 103)<br />

hat indessen in Torne La})})niark keine Herbstkeimung festgestellt.<br />

Nach SYLVÉN (190(), S. 287) erfolgt die Keimung im<br />

»Frühling».<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge sind an den<br />

Felsenstandorten ziemlich reichlich zu finden, denn in den vom<br />

Humus oder Verwitterungsboden angefüllten Sj)alten und kleinen<br />

Vertiefungen bieten sich für die Entstehung und das Fortbestehen<br />

der Keimlinge verhältnismässig gute Voraussetzungen dar. An<br />

einem W-Felshang war der Keimlingsquotient (das Verhältnis der<br />

Keimlingszahl zur Zahl der Blüten) 0.5. - In Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel fand ich im Sommer 1929 auf G X O.i m^ der Dnjas-<br />

Heide keine Keimlinge, im Sommer 1931 aber insgesamt 2 Keimlinge<br />

an den Stellen der vormals herausgegrabenen Torfstücke.<br />

Auf einer Meeresstrandwiese, wo die Art eigene Siedlungen gebildet<br />

hatte, war der Keimlingsquotient O.i; die ])olsterarlige, dem Boden<br />

dicht anliegende WachsUimsweise der Pflanze beeinträchtigte liier<br />

stark die Entstehung der Keimlinge, weil den Samen nur wenig<br />

Boden übrig blieb. - Einmal fand ich einen mit 3 Keimblättern<br />

versehenen Keimling. - SYLVIN (I.E.) hat in Tome Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt. Nach KKUUSK (190G,<br />

S. 227) sind Keimlinge und jüngere Individuen in Angmagsalik<br />

in Ostgrönland häufig anzutreffen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Veniiehrung im<br />

(lebiet sind recht günstig.


186 N. Söyrinld, Vennehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetalioii. II.<br />

Das b 1 Ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie es auch die Beobaciitungen von SYLVÉN (I.e.) erweisen.<br />

Im Kulturversuch blühte die Art jiacii RESVOLL (1917, S. 142- 143)<br />

im 3. Sommer.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Individuen der Art<br />

bilden dichte, polsterartige, ziemlich grosse Rasen (die indes im<br />

Gebiet nicht einen so grossen Umfang erreichen, wie ich sie in den<br />

Bayerischen Alpen beobachtet habe), die von der Ilauptwurzel<br />

befestigt sind. Die dem Boden dicht angedrückten Sprosse treiben<br />

zwar Adventivwurzeln, diese sind aber zu schwach um sie selbständig<br />

zu ernähren; die vegetative Vermehrung ist also ganz ausgeschlossen<br />

(vgl. WARMING 1886 b, S. 56 und 1920, S. 239; RESVOLL<br />

1917, S. 144). WARMING berichtet jedoch, dass die Adventivwurzeln,<br />

wenn der Rasen von den Gärtnern zweigeteilt worden<br />

ist, sich so kräftig entwickeln, dass eine vegetative Vermehrung<br />

stattfinden kann.<br />

Ranunculaceae<br />

Caltlia palustris L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt<br />

im Gebiet zerstreut vor; man findet sie an den früher oder später<br />

ausapernden Bachufern - oft von dem einen Ufer zum anderen<br />

übergreifende Siedlungen bildend - (st fq, sp - c[)), an den Ufern<br />

der Teiche und Tümpel (st r, sp), in den Graskrautmooren (st r, sp)<br />

und den kräuterreichen Moorgel)üschen (r, sj)).<br />

Die II 0 h e der Individuen betrug im .1. 1933 am Bachuferschneeboden<br />

durciischn. 18 (10-29) cm und im Wasser im steinigen<br />

Bachlauf bis 50 (durchschn. etwa 40) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901,<br />

S. 46).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich oder sehr<br />

reichlich.<br />

Flora tion. Im J. 1931 befand sich die Art an den am<br />

frühesten ausapernden Standorten am 11. VII. im Ausblühen,<br />

desgleichen am 23. VII. auf dem Sclineeboden. - Im .1. 1933 war<br />

das Blühen an den Bachufern am 4.-6. VII. allgemein im vollen<br />

Gang und am 15. VII. im Ausklingen. Auf dem Schneeboden


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 187<br />

Iiarrte die Art am 7. VII. nocli unter der Firnkrustc; am 13. VII.<br />

war sie in der Knospe und am 23. VII. in voller Blüte; blühende<br />

Individuen wurden an der Stelle noch am 9. VIII. beobachtet. -<br />

In den subalpinen Birkenwäldern war das Stadium der vollen<br />

Blüte an den Bachufern am 4. VII. schon überschritten (vgl.<br />

VALLE 1930).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die Samen an den am<br />

früliesten ausapernden Bachufern am 8. VIII. reif, und stellenweise<br />

hatte die Ausstreuung schon begonnen. Am Bachufer auf<br />

dem Schneeboden war die Samenstreuung am 25. VIII. eben im<br />

Beginnen und am 5. IX. hatte sie im ganzen Gebiet allgemein<br />

stattgefunden. Die Samen kommen also rechtzeitig im Laufe der<br />

Vegetationsperiode zur Reife, ausser vielleicht in ungünstigsten<br />

Jahren an den allers])ätesten Standorten. - Die Blüten entwickeln<br />

sich beinahe regelmässig zu Früchten weiter.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenstreuung vergingen im J. 1933<br />

etwa 33 Tage und die ganze Vegctationsi)eriode dauerte am Bachufer<br />

auf dem Schneeboden etwa 49 Tage. - Auf Novaja Semi ja<br />

hat EKSTAM (1897, S. 148) reife Früchte spärlich angetroffen; nach<br />

LYNGE (1923, S. 33) erzeugt die Art dort reife Samen.<br />

K e i m ung der Sa m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 25. VIII. 1933 vom Bachuferschneeboden eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen kamen im gleichen Herbst bis zum 8. XI. nicht zur Keinmng,<br />

im folgenden Frühjahr keimten sie aber bis zum 14. V. zu 13 %.<br />

Die Bewässerung war für die Art während des Versuches offenbar<br />

zu knapp. - In den Versuchen von CLEVE (1898, S. 24) mit eben<br />

zur Beife gelangten Samen erfolgte die Keinmng unmittell)ar<br />

ohne Ruhezeit.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

nach meinen Beobachtungen im Anfang der Vegetationsj)eriode<br />

statt (am 14. VII. 1933 jüngere Keimlinge). Nach CLEVE (1898,<br />

S. 25) und SYLVÉN (19()(), S. 280) erfolgt die Keinmng in Schweden<br />

ohne Ruhepause gleich nach der Samenreife; das zahlreiche Vorkommen<br />

jüngerer Keimlinge im Anfang der Vegetationsperiode<br />

vor der Samenreife desselben Sommers erweist jetloch, dass eine<br />

solche Keimung in den Petsamofjelden jedenfalls keine grössere<br />

Bedeutung besitzen kann, auch wenn sie vielleicht möglich wäre.


188 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Auch in Südfiniiland keimt die Art zum l)eträclillichen Teil erst<br />

nach der Überwinterung, wie ich in Vesilahti (Tavastia australis)<br />

festgestellt habe. In den Bayerischen Alpen habe ich gleicherweise<br />

nach der Überwinterung stattfindende Keimung wahrgenommen.<br />

K e i m I i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Als Folge der reichlichen<br />

Samenproduktion sowie der günstigen Keimungsbedingungen an<br />

den Standorten der Art sind ihre Samenkeimlinge im Gebiet in<br />

der Regel mehr oder niinder reichlich zu finden. Der Keimlingsquotient<br />

variiert an meinen Beobachtungsstellen von 3 bis 10.<br />

Am besten gedeihen die Keimlinge auf ganz nassem Boden; in den<br />

Bächen und den Wassertümpeln wachsen sie oft ganz unter dem<br />

Wasser. Am Boden des Pilgujaur fand ich sogar in den etwa 10 m<br />

weit vom Ufer in 1 m Tiefe gelegenen Sparganiiim hijperboreiimund<br />

MijriophijUum -Siedlungen am 15. VII. 1933 jüngere<br />

Caltha -Keimlinge vor. - SYLVEN (190G, S. 280) erwähnt Keimlinge<br />

der Art von mehreren Stellen in Schweden. In Südfinnland kommen<br />

Keimlinge nach meinen Beobachtungen an den Standorten der<br />

Art regelmässig und gewöhnlich mehr oder minder reichlich vor.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das ]) 1 ü h r e i f e St a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht; nach den Beobachtungen von SYLVÉN (1900, S. 281)<br />

dauert das Jugendstadium mindestens 2 Jahre.<br />

Vegetative Vermehrung. EKSTAM (1897, S. M8)<br />

gibt an, dass nach KJELLMAN spärliche vegetative Vermehrung durch<br />

Individualisierung der Nebenachsen vorkomme. Keinesfalls dürfte<br />

aber dieser Vermehrungsmöglichkeit eine nennenswerte Bedeutung<br />

beigemessen werden können. - Die an den Stengeln wurzelschlagende<br />

Form (f. radicans) ist im (Vebiet nicht angetroffen worden.<br />

T rollins europaeiis L.<br />

Häufigkeit u n d V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig, und zwar findet man sie in der Geranium silvaiiciim- Trolliiis-<br />

und der Trollius - Pohjgomim viviparum -Wiese (in beiden fqq,<br />

cp-stcp), in den übrigen Krautwiesen (st fq, sp - st cp), den Krautgebüschen<br />

(st fq, sp - st cp), iji der Deschampsia flexiwsa - Anllioxanllmm<br />

-Ileidewiese (st fq, st ])c - sp), an mehr oder minder


Annales Botanici Societalis Vananio. Toni. 14. N:o 1. 189<br />

feuchlen Felshängen von schneehodenarligeni Charakter (st fq,<br />

st pc - sp) sowie an den Bachläufen (p, st pc).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 11)33 in der Trolliiis- Polygonum<br />

viviparunidurchschn. 33 (18-17) cni und an einem<br />

N-Felsh:\ng 15 (28 - (50) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 19 und<br />

KONTUNIEMI 1932, S. 31).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

zerstreut oder ziemlich reichlich, nur in Ausnahmefällen tritt sie<br />

völlig steril auf. Die Zahl der fertilen Individuen auf 1 m^ betrug<br />

in der Geranium silvalicum - Trollins-Wiese (5 Probequadrate)<br />

10 (8-12) (Deckung 10-25%) und in der Trollius - Polygonum<br />

viviparum -Wiese 3, 5 und 5 (Deckung 1-10%).<br />

F 1 o r a t i o n. Im Jahre 1931 war das Blühen in der Geranium<br />

silvalicum - Trollius-Wiese am 10. VII. im vollen Gang und am<br />

19. VIT. ])ereits abgeschlossen, gleicherweise auch an den offenen<br />

Bachrändern. An den späten Nordhäugen hatte die Floration am<br />

15. VII. noch nicht begonnen und in voller Blüte befindliche Individuen<br />

wurden dort noch am 27. VII., desgleichen am 29. VII.<br />

an den schattigen Hängen der Steilfelsen in Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel ziemlich reichlich gefunden. - In den subalpinen<br />

Birkenwäldern hatte das Blühen am 6. VII. begonnen und war<br />

am 16. VII. in grossen Zügen abgeschlossen.<br />

Im Jahre 1933 war die Art auf sonnigen Wiesen und Bachrändern<br />

am 4.-5. VII. allgemein in voller Blüte und um den<br />

12. - 14. VII. bereits im Ausblühen; an den etwas beschatteten<br />

unteren Hängen war aber das Blühen auch zu dieser Zeit noch<br />

vielerorts im vollen Gang. In den Haingebüschen war die Art<br />

am 17.- 18. VII. im Ausblühen, teilweise aber auch noch in voller<br />

Blüte. An nordexponierten Felshängen ebenso wie auf frischgründigen<br />

Wiesen an den Rändern der Schneeböden war das Blühen<br />

erheblich verspätet; so wurde in einer Alchemilla - Trollius-<br />

Wiese auf dem Vuoggoaivi am 26. VII. volle Blüte verzeichnet<br />

und noch am 12. VIII. begegnete ich blühenden Individuen am<br />

Fusse der Schneebodenhänge des Haijoaivi, desgleichen am 15. VIII.<br />

auf dem Luotu vaara. Auf dem Illemoaivi fand icli welke Blüten<br />

mit anhaftenden Perianthblättern noch am 30. Vlll. vor. - In den<br />

subaljiinen Birkenwäldern war das Blühen an offenen Stellen am<br />

4. VII. im vollen Gang und am 11. VH. im Abklingen, in schattigen


190 N. Söyrinki, Vcnnehrimg d. Saincnpfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Hainen blülite die Art aber noch am erstgenannten Tage vollanf<br />

(vgl. VALLE 1930 und 1933 a; KONTUNIEMI 1932, S. 34).<br />

S a ni e n r e i f e. Im Jahre 1931 waren die Samen in der Geranium<br />

silvaticiim - 7>o//i«.s--Wiese am 19. VIII. reif und die Samenstreuung<br />

war im Beginnen. Im allgemeinen hatte die Samenstreuung<br />

auf weniger beschatteten Wiesen, an Felshängen und Bachrändern<br />

am 30. VIII. bereits stattgefunden. - Im sul)alpinen Gebiet öffneten<br />

sich auf einer sonnigen Moorwiese die ersten Früchte schon am<br />

28. VII.<br />

Im Jahre 1933 hatte die Samenstreuung in der Geranium silvalicum<br />

- Trollius-V\liese am 8. VIII. schon begonnen und war am<br />

23. VIII. in grossen Zügen erledigt. Im Haingebüsch hatte die<br />

Samenstreuung in den Lichtungen am 13. VHI. bereits begonnen,<br />

vJ<br />

an schattigeren Standorten waren die Samen vollentwickelt. In<br />

der Trollius - Polygonum viviparum -Wiese war die Samenstreuung<br />

am 30. VIII. im Beginnen. Die Samenreife wurde also auf den<br />

meisten Standorten nocli zu guter Zeit vor Abschluss der Vegetationsperiode<br />

erreicht. - In den subalpinen Birkenwäldern hatte<br />

die Samenstreuung am 11. VHI. bereits begonnen.<br />

Von voller Blüte bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

in dar Geranium silvaticum - Trollius-V^iose im J. 1931 etwa 40<br />

und imJ. 1933 etwa 35 Tage.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich mit ziemlich<br />

grosser Regelmässigkeit zu Früchten weiter; im J. 1933 traf ich<br />

indes in der Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese in ihrer Entwicklung<br />

einigernuissen zurückgebliebene Früchte, die vielleicht<br />

unter der Trockenheit zu leiden gehabt hatten, sowie am 15. VHI.<br />

in der AlcJiemilla - Trollius-Wiciic offenbar vom Frost beschädigte<br />

Blüten an. Die Blütenzahl ])ro S])ross beträgt in der Regel 1, nur<br />

im Ausnahmefall 2; einmal fand ich in einer Astragalus jrigidusreichen<br />

Wiese einen Spross mit 3 Blüten. - Die Anzahl der Früchte<br />

in je einer Blüte (bzw. wSpross) war im J. 1929 im Haingebüsch in<br />

Pummanki 24, 24, 25, 25, 26, 29, 30, 31, 32 und 33, durchschn.<br />

28 Stück. Die mittlere Samenzahl einer Frucht betrug 10 und<br />

des ganzen Sprosses also 280.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 19. VHI. 1931 aus dem Geranium silvaticum - Trollius-<br />

Haingebüsch und am 24. VHI. 1931 von der Thaliclrum alpiruirn-


Aiinales Holaiiici Socielalis Vanamo. Tom. 11. X:o 1. 191<br />

Potenlilla Cranlzii -Wiese eijigesainmelten Samen keimten (nach<br />

trockner Frostl)elian(llinig) nur zu I ])zw. 2 % im JACousENschen.<br />

Keimungsapparat, und zwar nacli 4 bzw. 14 Monaten. Die vSamen<br />

waren noch nach 18 Monaten fast olnie Ausnahme friscii (hart).<br />

Von den am 8. VI 11. 1


192 N. Söyrinld, Vennehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetalioii. II.<br />

Keimlingen der Trollblume begegnet, u.a. fand ich einmal einen<br />

älteren Keimling in einer dickmoosigen Siedlung der Drijas -Heide.<br />

Unter den normalen Keimlingen habe ich vereinzelt solche<br />

mit 3 Keimblättern gefunden, einmal auch einen einkeimi)lättrigen,<br />

entstanden durch Verwachsung der Keimblattstiele und des basalen<br />

Spreitenabschnitts, desgleichen einen offenbar dreikeimblättrigen,<br />

bei welchem zw^i der Keimblätter fast bis zu ihrer Spitze verwachsen<br />

waren, während das dritte bis auf halbem Wege der Spreite<br />

eine Zweispaltung aufwies.<br />

Die Art besitzt im Gebiet recht günstige Voraussetzungen zur<br />

fruklifikativen Vermehrung.<br />

SYLVÉN (1900, S. 281) hat in 'l'orne Lap{)mark Samenkeimlinge<br />

bei der Art eingesammelt. Nach den Beobachtungen KONTUNIEMIS<br />

(1932, S. 31) vermehrt sich die Art auch in den subalpinen liirkenwäldern<br />

verhältnismässig reichlich durch Samen. LINKOLA (1935,<br />

S. 18 und 11) hat die Zahlenverhältnisse der verschiedenen Jahresklassen<br />

des Jugendstadiunis in der Wiesenvegetation Ladoga-<br />

Kareliens untersucht; Samenkeimlinge waren dort recht reichlich<br />

vorhanden.<br />

Die Entwicklung zum b 1 ü h r e i f e n Individuum<br />

nimmt recht viele Jahre in Anspruch. Im ersten Sommer bildet<br />

sich nur ein einziges Laubblatt, das in den nächsten Jahren jedesmal<br />

nur durch ein etwas grösseres ersetzt wird, während gleichzeitig<br />

die unterirdischen Teile erstarken; erst nach einigen Jahren bilden<br />

sich mehrere Blätter. Die relative Häufigkeit der älteren Keimlinge<br />

führt sich auch zum Teil gerade auf ihre langsame Entwicklung<br />

zurück, die es bedingt, dass die jungen Pflanzen auch nach einigen<br />

Jahren noch zu den Keimlingen zu zählen sind, offenbar wirken<br />

aber hierauf auch einige andere Umstände ein. - Nach SYLVÉN<br />

(I.e.) dauert die Jugendzeit in Lappland mehrere (mehr<br />

als 2) Jahre; im Keimungsjahr bildet sich eine Blattrosette mit<br />

ziemlich wenigen Blättern. LINKOLAS (1935, S. 10-19) Untersuchujigen<br />

geben jedoch zur Hand, dass bei der Pflanze auch in<br />

Südfinnland im ersten .lahr regelmässig nur ein einziges Laubblatt<br />

und im zweiten Sommer auch nur eines, zuweilen zwei, gebildet<br />

werden. Die Pflanze blüht nach den Beobachtungen LINKOLAS (I.e.<br />

und 1937) auf einem Wiesenstandort in Ladoga-Karelien frühestens


Aniialcs Botanici Societalis Vanamo.. Tom. 1 1. N:o 1. lO.'i<br />

im 9. Jahr; in der Knltur blühten aber von den Keimlingen 10 %<br />

schon im 3. Sommer.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art besitzt einen<br />

recht kurzen Wurzelstock, der reichlich kräftige Nebenwurzeln<br />

in den Juoden entsendet. Bisweilen können aber vom Wurzelstock<br />

auch kurze Verzweigungen ausgehen, die ebenfalls Nebenwurzeln<br />

tragen, weshalb eine Ablösung der Seitentriebe von der Mutterpflanze<br />

möglich erscheint, obzwar ihr wohl allerdings offenbar<br />

nur eine recht geringe Bedeutung zukommen dürfte.<br />

Ranunciiliis reptans L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; man begegnet ihr in den während der Vegetationsperiode<br />

mehr oder minder völlig austrocknenden Tüm])cln und<br />

an den Ufern der Fjeldteiche (p, st cp - c])), submers sogar am<br />

Boden der Fjeldseen etwa bis zur Tiefe von 1 m (st r, st cp).<br />

Fundorte. Pilgujaur, am NW-Ende des Sees in etwa 1 m<br />

Tiefe auf sandigem Dyboden zusammen mit Isoeies lacustrc, Sparganium<br />

hijperhoreum und Mijriopliyllum spicaiiim; Pilguoaivi, in<br />

einem Tümpel am NE-IIang submers mit Eqiiisetiim limosiim,<br />

Callüriclic venia und Ilippiiris vulgaris; Kiergipori, am Boden<br />

eines ausgetrockneten Tümpels zusammen mit Alopeciiriis ac(pialis;<br />

Rahpesoaivi, am Ufer eines Teiches am Fusse des SK-Mangs zusammen<br />

mit Alopeciirus aeqiialis; am Ufer des kleinen Sees zwischen<br />

Saarijärvi und Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi in etwa 50 cm Tiefe<br />

zusammen mit Sparganium Iiijperborcnm, Scirpiis acicularis und<br />

Mijriophijlliim spicaliim; Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi, auf dem<br />

Sandufer am E-Ende des Sees von den Wellen losgerissene Individuen<br />

zusammen mit einigen anderen Wasserpflanzen; Kammikivi-Gebiet,<br />

p nach KALLIOLA (1932, S. 101).<br />

Die Höhe der Blätter der sterilen Pflanze betrug im .1. 1933<br />

am Boden des Pilgujaur an der oberen Grenze der subalpinen Begion<br />

bis 4.5 cm.<br />

Fertilität. Die Landform blüht in der Ilegel reichlich,<br />

submers tritt die Art dagegen stets steril auf (vgl. B()SENVIN(JK<br />

1892, S. ()7(); PANTSAU 1933, S. 83).


191 N. Söyrinki, Vermehrung (1. Sanienpfl. i. (1. alpinen Vegetation. 11.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 waren die ersten Bliiteji am 25. VII.<br />

eben im Aufgehen, am 8. VIII. war das Blühen beinahe im vollen<br />

Gang und am 23. VIII. im Ausklingen, einzelnen Blüten begegnete<br />

man aber noch am 4. IX. - Im sul)alpinen Birkenwald befand<br />

sich die Art am Boden eines ausgetrockneten Tümpels am 11. VIIL<br />

in voller Blüte. - Im J. 1931 wurde die Art am 2. VIII. am Ufer<br />

des Sees Kuivakurunjärvi in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

in beginnender Blüte beobachtet.<br />

S a m e n r e i f c. Im J. 1933 waren die ersten Früchte am<br />

23. VIII. ausgebildet und am 4. IX. war die Fruchtreife im allgemeinen<br />

erreicht (einzelne Blüten wairden noch beobachtet); die Ausstreuung<br />

hatte jedoch nicht begonnen. Wenigstens in günstigen Sommern<br />

wird die Samenreifc also erreicht. - In Ostgröiiland macht die<br />

Art nacii KKUUSE (19()Ü, S. 239) reife Früchte in Angmagsalik. In<br />

Westgrönland blüht sie auf Disko spärlich, erzeugt aber Früchte,<br />

wenngleich nicht jedes Jahr und audi nicht an allen Stellen (PORSILD<br />

1920 b, S. 80).<br />

K e i m 1 i n g s v e r Ii ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

ist es mir nicht gelungen im Gebiet zu finden, oJ)gleich die Keinuingsbedingungen<br />

an den Standorten offenbar günstig sind (an (len<br />

beiden Beobachtungsstellen traten reichlich Keimlinge von Alopecuriis<br />

aeqiialis auf). Vielleicht liegt der Grund hierzu darin, dass<br />

die Samenreifc in den meisten Jahren doch nicht so früh erreicht<br />

wird wie im Sommer 1933, sondern von den Wilterungsverhältnissen<br />

stark abhängig ist; man könnte natürlich auch vernuiten,<br />

dass die Keimfähigkeit der Samen aus irgendeinem Grunde sehr<br />

niedrig wäre. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel, wo die Art<br />

zusammen mit Alopcciirns aeqiialis an den Ufern und am flachem<br />

Boden des Sees Kuivakurunjärvi umfangreiche Siedlungen gebildet<br />

hatte, waren ebenfalls keine Samenkeimlinge vorhanden, hier<br />

fehlten aber auch die Alopecuriis -Keimlinge gänzlich.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind offenbar höchstens sehr gering.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Art wandert bekanntlich<br />

am Standort mit Hilfe des längs dem Boden wachsenden,<br />

ausläuferartigen, an den Knoten wurzeltreibenden Stengels. Die<br />

Länge der Internodien betrug bei der Wasserform bis 5.5 cm, bei<br />

der I.andform bis 3.3 cm.


Annales Botanici Societalis Vananio. Toni. 14. N:o 1. 195<br />

Raiiiinciiliis pijgmaeiis Wg<br />

n ä u f i g k e il und V o r k o ni ni e ji. Die Art ist im Geiiiet<br />

zieinlicli liäufig, und zwar findet nian sie auf mehr oder minder<br />

feuchten und spät ausapernden Schneeböden (fq, st cp - st pc),<br />

an sclineebodenartigen N-Felshängen (st fq, sj) - pc) und auf spät<br />

ausa])ernden, feuclitgründigen Wiesen am Rande der wSchneehöden<br />

(st r, sp - pc).<br />

Die Höhe der Indivi(kien l)etrug im J. 1933 auf dem Schneeboden<br />

nach der Erreichung der Fruchtreife, zu welclier Zeit erst<br />

das Längenwachstum aufhört, durchschn. 11 (3-18) cm (vgl.<br />

NORMAN 1895- 1901, S. 13; FEILDEN 1898, S. 393; KRUUSE 190ß,<br />

S. 239).<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blüht selbst an den am s])äteslen ausapernden<br />

Standorten der Regel nach reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art auf den Schneebüden<br />

am 9.-10. VII. schon ziemlich allgemein in voller Rlüte<br />

und am IG.-18. VII. im Ausblühen. An den spätesten Stellen<br />

war die Floration am 10. VII. im Beginnen, und am 13. VIII. war<br />

sie im Gebiet abgeschlossen.<br />

Im .1. 1933 war das Blühen an den frühesten Stellen am 4. VII.<br />

schon im vollen Gang und am 9. VII. teilweise abgeschlossen, im<br />

allgemeinen jedoch erst am letzgenannten Tag im vollen (rang.<br />

Auf einem um den 7. Juli ausgeaperten Schneeboden wurde die<br />

Art am 13. VII. in der Knospe, am 23. VII. in voller Blüte und<br />

am 29. VII. im Ausblühen wahrgenommen. In einer extremen<br />

Siedlung der artenreichen Oxyria dujijna -Schneebodenvegelation<br />

war das Blühen am 2. IX. vor kurzem abgeschlossen.<br />

Sa men reife. Im .1. 1931 hatte die Samenstreuung nji den<br />

am frühesten ausapernden Standorten am 13. VIII. schon stattgefunden<br />

und selbst in den extremsten Siedlungen am 1. IX. zum<br />

grossen Teil. - Im .J. 1933 waren die Früchte an den frühesten<br />

Standorten am 21. VII. bereits ausgebildet, und sogar auf dem<br />

um den 7. Juli ausgea])erLen Schneeboden war die Ausstreuung<br />

am 9. VIII. im Beginnen. An den allerspätesten Stellen waren<br />

die Früchte aber noch im Anfang des September erst im Beginn<br />

ihrer Entwicklung. - Die b>uchlreife wird also allgemeiji frühzeitig<br />

vor Ende der Vegetationsperiode erreicht, ausser an den spätesten


191 N. Söyrinki, Vermehrung (1. Sanienpfl. i. (1. alpinen Vegetation. 11.<br />

Standorten in ungünstigsten Sommern oder nach seiir schneereichen<br />

Wintern.<br />

Die ganze Vegetationsperiode von der Ausaperung bis zur<br />

Samenstreuung dauerte im J. 1933 etwa 33 Tage. - CLEVE (1901,<br />

S. 51 und 82) fand als Präflorationszeit in Sch\ve(liscli-La])plan(I<br />

17 Tage und als Länge der ganzen Vegetationsperiode 49 Tage.<br />

RESVOLL (1917, S. 150) stellte als entsprechende Werte in Norwegen<br />

9- 12 und 22 Tage fest. In Ostgrönland dauerte die Präflorationszeit<br />

nach GELTING (1934, S. 95) etwa 10 Tage.<br />

Auf Spitzbergen hat EKSTAM (1898, S. 23) bei der Art reife<br />

Früchte angetroffen; nach ANDERSSON und HESSELMAIN (1900,<br />

S. 48) reifen sie dort Anfang August und später. In Ostgrönland<br />

blüht und fruchtet die Art reichlich zwischen 66°20' und 75° N,<br />

ebenso in Angmagsalik (KBUUSE 1905, S. 167 und 1906, S. 239);<br />

nach GELTING (1934, S. 95) reifen die Früchte zwischen 73°15'<br />

und 76°20' N. In Westgrönland ist die Fruchtproduktion reichlich<br />

auf Disko (PORSILÜ 1920 b, S. 78). In Nordwestgrönland (77° N)<br />

fand OSTENFELD (1925, S. 13) die Art am 20. VIII. mit Frücliten.<br />

In Ellesmereland hat SIMMONS (1906, S. 114) im August reife Samen<br />

(auch Blüten) angetroffen. Auf Novaja Semlja beobachtete EKSTAM<br />

(1897, S. 146) reife Früchte, und LYNGE (1923, S. 39) fand sie überall<br />

in den letzten Wochen des August.<br />

Same n meng e. Die Blüten entwickeln sich fast ohne Ausnahme<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte (Samen) pro<br />

Blüte (am Stengel wird immer nur eine Blüte gebildet) betrug im<br />

J. 1931 auf dem Sclmeeboden am Vuoggoaivi (die halbentwickelten<br />

und unentwickelten in Klammern) 20 (+ 0 + 25), 23 (+ 11 + 0),<br />

32 ( f l + 59), 34 (+ 1 + 6), 55 (+ 4 + 7), 55 (+ 5 + 79),<br />

56 (+ 0 + 9), 57 (+ 0 + 29), 62 (+ 1 + 6) und 75 (+ 0 + 47),<br />

durchschn. 46.9 (+ 2.3 + 26. ?) und in einer extremen Schneebodensiedlung<br />

am Rahpesoaivi 16 (+ 0 + 36), 19 (+ 3 + 81),<br />

H) (+4 4-04), 34(_|_ 2 + 76), 37 (+ 0 + 16), 45 (+ 1 + 84),<br />

46 (+ 4 + 49), 49 (+ 2 + 29), 60 (+ 2 + 4) und 67 (+ 3 + 39),<br />

durchschn. 39.2 (+ 2.i + 47.8) Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 vom Schneeboden am Vuoggoaivi eingesammelten<br />

vollentwickeltcn Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 91 % und ohne Frostbehandlung zu 83 % und die am 1. IX. 1931


Annalcs liotanici Socictalis Vanamo. Tom. 11. N:o 1. 197<br />

vom exlrcincn Schnecboden am Rahpesoaivi vcrwalirteji nach<br />

Frosthehandlung zu 55 % im JACOBSENsclien Keimiingsapparat.<br />

Die Keimung setzte in der 2. Woclie ein und schloss bei den ersteren<br />

in der 9., bei den letzteren in der 6. Woche ab. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren noch nach 18 Monaten teilweise lebend (hart).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

der Regel nacli im Anfang der Vegetationsperiode statt; zur Blütezeit<br />

der Art treten jüngere Keimlinge an den Standorten schon<br />

allgemein auf. Auf einem Schneeboden fand ich aber reichlich<br />

ganz neulich aufgekeimte Keimlinge noch am 9. VIII. 1933, als<br />

die Samenstreuung an der Stelle schon begonnen hatte. Offenbar<br />

handelte es sich jedoch nicht um Keimlinge aus Samen desselben<br />

Sommers, sondern die vorjährigen Samen keimten aus irgendwelchem<br />

Grunde zum grossen Teil erst jetzt - vielleicht war die<br />

Frühlingsfeuchtigkeit allzu rasch entschwunden und erst die Sommerregen<br />

iiatten diese Samen ins Leben erweckt. - Nach SYLVÉN<br />

(1900, S. 272) erfolgt die Keimung in Torne Lappmark im »Frühling».<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den Standorten der Art gewöhnlich reichlich vor; der Keimlingsquotient<br />

variiert an meinen Beobachtungsstellen im allgemeinen<br />

von 5 bis 10. Am zahlreichsten treten die Keimlinge auf mehr<br />

oder minder nacktem Boden an den Schneebodenbächen auf, desgleichen<br />

in solchen Siedlungen, die sich wenigstens im Beginn der<br />

Vegetationsperiode eine längere Zeit feucht halten, ebenso wie auf<br />

frischem Humus an den Absätzen der Schneebodenfelsen. An<br />

den am allcrspätesten ausapernden Standorten sind Keimlinge<br />

gewöhnlich nur in geringer Zahl anzutreffen oder können stellenweise<br />

sogar gänzlich fehlen, wenn die Samenreife durch die Kürze<br />

der Vegetationsperiode unsicher gemacht worden ist. - Unter den<br />

normal gebauten Keimlingen habe ich einige mit 3 Keimblättern<br />

festgestellt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

LINDMAN (1887, S. 100) hat auf dem Dovre und SYLVÉN (I.e.)<br />

in Torne Lappmark- Samenkeimlinge der Art eingesammelt,<br />

desgleichen RESVOLL (1917, S. 87) in Norwegen. GELTING (1931,<br />

S. 95) wiederum hat in Ostgrönland ohne Erfolg nach Keimlingen<br />

und jungen Individuen auf einem vertrockneten Schneeboden gesucht


191 N. Söyrinki, Vermehrung (1. Sanienpfl. i. (1. alpinen Vegetation. 11.<br />

und zieht daraus den Schluss, dass die Zeit der Frühlingsfeuchligkeit<br />

zu kurz ist, um den Keimlingen die nötige Widerstandsfähigkeit zu<br />

gehen.<br />

Das b l ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie es auch die Beobachtungen RESVOLLS (I.e.) erweisen.<br />

In Kultur kann die Art nach RESVOLL dagegen schon<br />

im 3. Sommer ins Blühen kommen. - RIKLI (1917, S. 179 und 186)<br />

vernmtet, dass die Art wenigstens teilweise einjährig sei und<br />

SCHRÖTER (1923-26, III, S. 963) gibt sie auch als solche an. Im<br />

Norden stimmt dies aber nicht, und soweit ich aus eigener Erfahrung<br />

die allgemeinen Vegetationsverhältnisse in den Alpen kenne und aus<br />

Herbariumbelegen habe schliessen können, ist gleiches auch dort der<br />

Fall.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein ganz<br />

kurzes, senkrechtes Rhizom, das gewöhnlich unverzweigt ist und<br />

jedesmal nur einen fertilen Spross trägt (vgl. JE:SSEN 1911, S. 381,<br />

Abb. 28 A, wo ein Individuum mit 3 fertilen Sprossen aufgezeichnet<br />

ist). In Ausnahmefällen kann das Rhizom sich aber auch verzweigen,<br />

und indem die Äste reichlich wurzeln, dürften die Sprosse<br />

offenbar selbständig weiterleben, falls sie auf irgend eine Weise<br />

von der Mutterpflanze abgelöst werden. Auch nach KJELLMAN<br />

(EKSTAM 1897, S. 146) findet vegetative Vermehrung durch Individualisierung<br />

der Nebenachsen statt.<br />

Ranuiuiiliis nivalis L.<br />

Häufigkeit und Vorkom m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; man begegnet ihr auf den mehr oder miiuler feuchten<br />

und spät ausapernden Schneeböden (p, sp - cj)), an schneebodenartigen<br />

N-Felshängen (p, sp) und auf feuchtgründigen, spät ausapernden<br />

Wiesen am Rande der Schneeböden (st r, sj) - st cp).<br />

F u n d o r t e. Kiergipori, Schneeboden an der IvSeitc gleich<br />

ol)erhalb der Waldgrenze; Rahpesoaivi, Phippsia algida -Schneeboden<br />

und N-Felshang in der Foisschluchl oben auf dem Fjeld; N-b\ishang<br />

mit Schneeböden am oberen Lauf des-Vilgiskveljoki; Raijoaivinjunne,<br />

Schneebodenfelsen im nordöstlichen Teil des l'jeldes;<br />

Raijoaivi (VALLE 1933 b, S. 267); Schneeboden am S-Ufer des<br />

Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi; Schneebodenwiese im Bachlauf zvvi-


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 199<br />

schen dem Pilguoaivi und dem Vilgiskoddeoaivi; Vilgiskoddeoaivi,<br />

Schneebodenwiesen in der oben zwisclien den Gipfeln gelegenen<br />

Talsenke, N-Felshang unten am Kusse des SE-Hangs des Fjeldes;<br />

Schneebodensiedlungen zwischen dem Vilgiskoddeoaivi und dem<br />

Kuorbgas um den oberen Lauf des Selvakkajoki; Kuorbgas, Sclineebodenschluclit<br />

mit perennierendem Schnee am Fusse des E-Hangs;<br />

im Kammikivi-Gebiet r nach KALLIOLA (1932, S. 105); Kaulatunturi<br />

und Kammikivitunturi nach VALLE (1933 b, S. 267); Riepi)etshoiiki<br />

(Onkitunturit), Schneeböden und feuchte Wiesen am N-lIang;<br />

Luotnoaivi, Sclineeboden an der N-Seite des Gipfels.<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 zur Zeit der<br />

Fruchtreife, wo das Längenwachstum erst aufhört, durchschn.<br />

24(15-35) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. IG).<br />

Fertilität. Die Art blüht der Hegel nach reichlich, nur<br />

auf den Wiesen am Rande der Schneeböden spärlicher.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen an den am frühesten<br />

ausapernden Standorten am 9. VII. teilweise schon abgeschlossen<br />

und am Rande der Firnwehen im vollen Gang, am 17. VII. war<br />

es auf den Schneeböden allgemein im Ausklingen. - Im J. 1933<br />

war die Art auf den Wiesen am Rande der Schneeböden am 4. VII.<br />

ausgeblüht; auf den Schneeböden war sie am 8. - 10. VII. allgemein<br />

in voller Blüte, an den extremsten Stellen jedoch erst am<br />

24. VII., teilweise sogar noch später (vgl. VALLE 1930).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Samenstreuung an den<br />

am früiiesten ausapernden Schneeböden am 13. VIII. schon zum Teil<br />

stattgefunden. - Im J. 1933 waren die Früchte auf den weniger<br />

extremen Schneeböden am 12. VIII. reif und die Ausstreuung war<br />

im Beginnen. Am 5. IX, war die Samenstreuung überall erledigt,<br />

ausser in wenigen allerspätesten Siedlungen, und selbst in diesen<br />

waren die Früchte schon ausgebildet. - Die Samenreife wird also<br />

allgemein frühzeitig vor Ende der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Von voller Blüte bis zur Ausstreuung der Früchte vergingen<br />

im J. 1933 etwa 34 Tage. - CLEVE (1901, S. 51 und 82) erhielt als<br />

Präflorationszeit in Schwedisch-Lappland 10 Tage und als Länge<br />

der ganzen Vegetationsperiode 38 Tage. RESVOLL (1917, S. 152)<br />

fand als entsprechende Werte iji Norwegen 5 und 22 Tage.<br />

Auf Spitzbergen hat EKSTAM (1898, S. 23) reife Früchte bei der<br />

Art vorgefunden; nach ANDERSSON und IIESSELMAN (1900, S. 49)<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, l 'i, n:o 1. ''*


200 iV. Söyrinki, Vermehrung cl. Saineni)fl. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

dürften sie dort in der ersten Hälfte des August reifen. In Ostgrönland<br />

fand GELTING (1934, S. 94), dass die Früchte in erstaunlich<br />

kurzer Zeit reiften. In Westgrönland erzeugt die Art reichlich Früchte<br />

auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 78). In Ellesinereland fruchtet<br />

die Art nach SIMMONS (1900, S. 110) im August. Auf Novaja Semlja<br />

reifen die Früchte nach LYNGE (1923, S. 38). Im arktischen Sibirien<br />

fand KJELLMAN reife Früchte (EKSTAM 1897, S. 146).<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte (Samen) pro Blüte<br />

(am Stengel wird immer nur eine Blüte gebildet) betrug im J. 1931<br />

durchschn. 17.o Stück (+ 3.5 halbentwickelte und 90.3 unentwickelte).<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 vom Ranunculus ''-Schneeboden eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 75 % und oline Frostbehandiung zu 87 % im JAConSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte in der 3. Woche ein und<br />

dauerte 3 (ohne Frostbehandlung 4) Monate. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten hauptsächlich lebend (hart).<br />

Die am 12. VIII. 1933 vom N-Sclineebodenfelsen eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen keimten im gleichen Herbst bis zum 8. XI. überhaupt nicht<br />

und auch im folgenden Frühjahr nur zu 3 % in der Zeit zwischen<br />

14. und 31. V. - Die Bewässerung war während des Versuches<br />

offenbar für die Art nicht ausreichend.<br />

Die K e i m u n g der S a m en in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt; zur Blütezeit der Art kommen<br />

jüngere Keimlinge an den Standorten schon ziemlich allgemein<br />

vor (am 4. VH. 1933 reichlich jüngere Keimlinge an den Rändern<br />

der Schneeböden, in viel geringer Zahl und später aufgekeimte<br />

weiter oben, wo die Art erst im Aufblühen begriffen war, und gar<br />

keine in der Nähe der Firnwehen, wo sie erst knospte).<br />

K c i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

findet man im Gebiet allgemein reichlich vor; der Keimlingsquotient<br />

variiert an meinen Beobachtungsstellen auf den Sclineeböden<br />

und an N-Felshängen von 5 bis 20. Am zahlreichsten begegnet man<br />

den Keimlingen auf weichgründigen, oft über den grössten Teil der<br />

Vegetationsperiode vom sickernden Wasser feucht gehaltenen


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 201G3<br />

Schneel)ödcn am Fasse der Felshänge vor. Gerade an solchen<br />

wStellen, wo die Bodenschicht hanptsächlich aus Lebermoosen<br />

zusammengesetzt ist, bildet die Art ihre schönen Siedlungen. Die<br />

Keimlinge scheinen jedoch noch auch in ziemlich geschlossener<br />

Vegetationsdecke zu gedeihen, wenn nur die Feuchtigkeit am<br />

Standort genügend ist; so habe ich solche am Schneebodenrand<br />

in einer vom kleinen Bächlein bewässerten Siedlung dor Al che mill a<br />

(jlomerulans -Wiese angetroffen, in der die Art vorkam. - SYLVÉN<br />

(1906, S. 274) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge der Art<br />

eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein mehr<br />

oder minder senkrechtes, gewöhnlich kurzes - nach JEHSEN (1911,<br />

S. 373) bis 5 cm langes - Rhizom, das der Regel jiach unverzweigt<br />

ist und nur einen ausgewachsenen Spross trägt. Selten findet man<br />

jedoch auch Individuen, die am kurzen Hhizomast noch einen<br />

zweiten Spross entwickelt haben, der auch reichlich Nebenwurzeln<br />

treibt und nach eventueller Ablösung von der Mutterpflanze sich<br />

offenbar selbständig ernähren kann. - Auch nach den Beobachtungen<br />

KJELLMANS (EKSTAM 1897, S. 14Ü) kann vegetative Vermehrung<br />

durch Individualisierung der Nebensprosse s])ärlich stattfinden,<br />

nach RESVOLL (1917, S. 152) aber fehlt sie gänzlich.<br />

Ranimciilus acer L.<br />

Häufigkeit u n d V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in der lianiinciiliis r/cer-Wiese (fqq, cpp),<br />

in den übrigen Krautwieseji (f(j, sp - st cp), den Krautgebüschen<br />

(fq, sp - st c])), den lleidewiesen (st r, st pc - sp), ebenso an den<br />

Bachufern (st r, st pc - sp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im .1. 1933 in der naminciiliis<br />

rtcer-Wiese durchschn. 31 (17- 46) cm und in der Trolliiis - Polijgoniirn<br />

vivipanim -Wiese 20 (13-34) cm (vgl. NORMAN 1895-<br />

1901, S. 23; KRUUSE 1906, S. 240; KONTUNIEMI 1932, S. 30, Rammculiis<br />

'^propinqmis).


202 A'. Söyrinki, Vermehrung d. Sainenpll. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Fertilität. Die Arl blüht in den Krautwiesen sowie den<br />

Haijigel)üscheii gewöhnlich ziemlich reichlich oder zerstreut, an<br />

den übrigen Standorten spärlicher. In den kräuterreichen Moorgebüschen<br />

kann sie gelegentlich ganz steril vorkommen.<br />

Fl oration. Im J. 1931 befand sich die Art auf offenen<br />

Wiesen am 10. VII. ziemlich allgemein in voller Blüte und am<br />

19. VII. im Ausblühen, blühende Individuen wurden aber noch<br />

am 26. VII. angetroffen. An den N-Hängen war das Blühen an<br />

den frühesten Stellen am 16. VII. im vollen Gang, auf den Wiesen<br />

am Rande der Schneel)odesiedlungen aber erst im Beginnen und<br />

am 27. VII. im vollen Gang. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

befand sich die Art am Fusse der Steilfelsen am 29. VII. allgemein<br />

in voller Blüte und stellenweise noch am 2. VIII. - In der<br />

subal])inen Region war die Floration an offenen Stellen am 17. VII.<br />

und in den Birkenwäldern am 20. VII. im allgemeinen im Ausklingen.<br />

Im J. 1933 war das Blühen auf offenen Wiesen sowie in den<br />

Ilaingebüschen der S-IIänge am 4. - 5. VII. im Beginnen; am<br />

15. - 20. VII. stand die Art im Gebiet allgemein in voller Blüte<br />

und am 25. - 29. VII. war sie im Ausblühen. In den am spätesten<br />

ausapernden Siedlungen am Rande der Schneeböden wurde aber<br />

erst am 12. VIII. volle Blüte verzeichnet und einzelne Blüten<br />

waren noch am 2. IX. zu finden. - In den subalpinen Birkenwäldern<br />

war das Blühen am 4. VII. im Beginnen, am 11. VII. beinahe im<br />

vollen Gang und am 20. VII. in grossen Zügen abgeschlossen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte am 13. VIII.<br />

in der Raniinculiis acer -Wiese wohl ausgebildet, aber noch nicht<br />

ganz reif; auf der Schneebodenwiese in einer Senke hatte die Ausstreuung<br />

am 19. VIII. begonnen. - Im J. 1933 hatte die Art am<br />

8. VIII. reife Früchte auf offenen Wiesen, und stellenweise hatte<br />

die Ausstreuung schon begonnen. Im Ilaingebüsch am SE-IIang<br />

hatte die Ausstreuung am 13. VIII. teilweise und in der Trolliiis<br />

-Polygonum vivipariim-Wieso am 30. VIII. grösstenteils stattgefunden,<br />

ebenso am 2. IX. in der Jiaminciilns acer-Wiese (vereinzelte<br />

Blüten noch offen). - Die Samen kommen also im aligemeinen<br />

frühzeitig vor Ende der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 auf sonnigen Wiesen etwa 35 Tage. - Nach den Beob-


Aiinalcs Holanici Socielatis Vanamo. 'I'oiii. 1 t. N:o 1. 203<br />

achtungeii SiriLÄs (1935) brauchte die Ari in Älilävä (Oslrohotlnia<br />

media) vom Ausblühen einer einzelnen Blüte bis zum Beginn der<br />

Samenstreuung etwa 30 Tage; die Blütezeit betrug 4 Tage.<br />

In Ostgrönland macht die Art nach KRUUSE (190G, S. 240)<br />

reichlich reife Früchte in Angmagsalik. Auf Novaja Semlja hat<br />

EKSTAM (1897, S. 148) reife Früchte nicht angetroffen, er sclireibt<br />

aber, dass solche wenigstens in günstigen .Jahren erzeugt würden;<br />

nach LYNGE (1923, S. 34) reifen die Früchte dort.<br />

Same n m e n g e. Die I^Uiten entwickeln sich ziemlich regelmässig<br />

zu Früchten weiter, ausser offenbar die allerletzten an den<br />

spätesten Standorten. Die Anzahl der Synkarpien am Spross<br />

betrug im J. 1931 in der lianuncnliis accr -Wiese (die verkümmerlen<br />

Blüten in Klammern) 1, 1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2 (+ 1), 2 (+ 1),<br />

2 (+ 1), 3, 3, 3, 4 und 4, durchschn. 2.i (+ O.2), auf der Schncebodenwiese<br />

in einer Senke 1 (+ 1), 1 (+ 1), 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2,<br />

2(+ 1), 2(+ 1), 3, 3, 3, 3, 3, 3, 5 und 0, durchschn. 2.G ( F O.2)<br />

und im J. 1929 im Haingebüsch in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 5, 5 und 5, durclischn. 2.7.<br />

Die Zahl der Früchte (Samen) pro Synkarpium war in der lUmiinciiliis<br />

acer -Wiese (die halbentwickelten und unentwickelten<br />

in Klammern) 16 (+ 7 + 10), 17 (+ 0 + 8), 23 (+3 + 1),<br />

30 (+ 0 4- 28) und 31 (+ 10 + 0) und durchschn. an 20 Blüten<br />

27.5 (+ 5.8 + 9.3), auf der Schneebodenwiese 14 (+ 0 + IG),<br />

15 (+ 1 + 18), 16 (+ 0 + 16), 16 (+ 0 + 17), 16 (+ 1 f- 16),<br />

18 (+ 7 + 4), 20 (+ 0 + 14), 22 (+ 1 + 5), 26 (+ 4 + 5) und<br />

28 (+3+ 10), durchschn. 19.i (+I.9+II.4) und im Haingebüsch<br />

durchschn. an 20 Blüten lO.o (+ 2.7 + 6.0). Die Anzahl<br />

der vollentwickelten Samen pro Spross betrug also in der linniinciiliis<br />

acer -Wiese 57.8, in der Schneebodenwiese 49.9 und im Ilaingebüsch<br />

27.0 Stück (vgl. SIMEON 1928, S. 122- 125; EKLUND 1929,<br />

S. 19).<br />

K e i m u n g d e r S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 von der Raniiiiciilus «cer-Wiese eingesammelten<br />

Samen keimten zu 59 % (ohne Frostbehandlung zu 51 %)<br />

und die am 19. VI 11. 1931 von der Schneel)odenwiese verwalirlen zu<br />

70 % im .JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keinning setzte<br />

in der 2. Woche ein und dauerte bei den ersteren 3 (ohne l'rostbehandlung<br />

5), bei den letzteren 15 Monate; am kräftigsten war


20 I N. Söijrinld, Vermehrung d. Sainenpfl. i. d. aljjinen Vegetation. II.<br />

sie ill (ler 4. l)is 8. Woche. Die übriggebliel)eiieji Samen waren<br />

nach 18 Monaten hauptsächlicli lebend (hart).<br />

Die am 8. VIII. 1933 von der Schneebodeiiwiese eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in (iartenerde<br />

ausgesäten Samen kamen im gleichen Herbst und auch im folgenden<br />

Frühjahr bis zum 31. V. gar nicht zur Keimung (vgl. LINKOLA<br />

1935, S. 22).<br />

Die K e i m u n g der Samen in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge). Nach SYLYÉN (1906, S. 27()) erfolgt die Keimung<br />

in der Regel im Frühling, in seinen Versuchen hat er aber Herbstkeimung<br />

schon im Jahr der Samenreife festgestellt. Auch KONTU-<br />

NIEMI (1932, S. 30, Ranimcaliis *propinqiiiis) hat Frühjahrskeimung<br />

beobachtet. Nach den Untersuchungen LINKOLAS (1935, S. 22)<br />

keimt die Art auch in Südfinnland im Frühling, nur im Keimungsversuch<br />

teilweise vor der Überwinterung, in der Natur dagegen<br />

nicht einmal auf entblösster Erde. JESSEN (1911, S. 358) hat in<br />

Dänemark junge Keimlinge im August vorgefunden.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

treten im Gebiet allgemein ziemlich reichlich auf. Besonders auf<br />

feuchtgründigen Wiesen, die auch sonst die beliebtesten Standorte<br />

der Art bilden, sind sie zahlreich vertreten. In der Raniinciilas acev-<br />

Wiese wurden 25 jüngere und 55 ältere Keimlinge auf O.i m^ gezählt<br />

(50 fertile Sprosse auf 1 m^); die Siedlung war an einem kleinen<br />

Quellenbach am Fusse eines Schneebodenhangs gelegen und hatte<br />

eine von Oncopliorus Wahlenhergii und Lebermoosen zusammengesetzte<br />

Bodenschicht. In der Trolliiis ~ Polygonum vivipanim-<br />

Wiese fand ich auf 3x0.i m^ insgesamt G jüngere und 66 ältere<br />

(1, 10 bzw. 12 fertile Sj)rosse auf 1 m^), in der Geranium silualicum<br />

- Trollius-VJiQiHi auf 3x0.i m^ 1 jüngeren und 18 ältere (keine<br />

fertilen Individuen auf den Probequadraten) und im Haingebüsch<br />

in Pummanki auf der Fischerhalbinsel auf 4x0.i m^ 47 jüngere<br />

und 67 ältere Keimlinge. Auf der wassererodierten Schneebodenwiese<br />

einer Senke war der Keimlingsquotient 2 und die jüngeren<br />

Keimlinge waren etwa doppelt so zahlreich vertreten wie die älteren.<br />

Auf meinen Probeflächen auf den Heidewiesen und in den kräuterreicheii<br />

Moorgebüschen habe ich einzelne Keimlinge angetroffen.<br />

Am N-Hang des Kuivatunturi in Pummanki, wo die Art auf den


Annales Hotanici Socielatis Vananio. Tom. l'l. N:o 1. 205<br />

vom Verwitterungsgrus bedecktcji Al)sätzen reichlich vorkam,<br />

war der Keimlijigsquolieiit 15. - Die zu den ausgewachsenen Individuen<br />

vermittelnden Jugendstadien sind an verschietlenen Standorten<br />

gewöhnlich häufig zu finden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

SYLVÉN (190Ü, S. 275) hat von mehreren Stellen in Schweden<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt. KUJALA (1026 a, S. 118)<br />

hat bei seinen Untersuchungen in der Wald vegetation in Südund<br />

Mittelfinnland reichlich Keimlinge und auch Jugendstadien<br />

angetroffen und KONTUNIEMI (1932, S. 30, Raiuinciiliis *propinqiius)<br />

fand ziemlich reichlich Keimlinge in den subalpinen Birkenwäldern.<br />

Auf den Probeflächen von SUOMALAINEN (1930, S. 186) auf einer<br />

Meeresstrandwiese sind Keimlinge e])enfalls aufgetreten. LINKOLA<br />

(1935, S. 41) hat die Zahlenverhältnisse der verschiedenen Jahresklassen<br />

des Jugendstadiums in der Wiesenvegetation in Ladoga-<br />

Karelien untersucht; Samenkeimlinge waren dort recht reichlich<br />

vorhanden.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. Nach den Untersuchungen LINKOLAS (1935, S. 21-24;<br />

1937) dauert die Entwicklung in der Wiesen vegetation in<br />

Ladoga-Karelien mindestens 6 Jahre; in den Petsamofjelden nimmt<br />

sie aber offenbar noch mehrere Jahre in Ans])ruch. Im Kulturversuch<br />

blühte die Art nach LINKOLA im 2. Sommer, nach SYLVIN<br />

(1906, S. 276) wiederum im 1. Sommer.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Art hat bekanntlich<br />

ein ziemlich kurzes, mehr oder minder senkrechtes Rhizom, das<br />

aber oft mehrere, am Grunde reichlich wurzelnde S])rosse trägt.<br />

Die Individualisierung der Nebensprosse ist also offenbar in einigem<br />

Umfang möglich.<br />

lianiinculus cunfervoides (Fr.) A. & G.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar findet man sie iji den Fjeldseen und -bächen<br />

(r, st pc - sp) auf Samlboden.<br />

F u n d o r t e. Pilgujaur, am nordwestlichen Ende des Sees<br />

an der oberen Grenze der sul)alpinen Region; am S-Ufer des Pieni


206 iV. Söyrinki, Vermehrung cl. Saineni)fl. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

Vilgiskodcleoaivijvjärvi, von den Wellen losgerissene Individuen<br />

zusammen mit einigen anderen Wasserpflanzen; Kuorbgas-Fluss<br />

zwischen Ala-Soukkerjärvi und Soukkerjoki, auf 0.6 m tiefem Wasser.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 befand sich die Art an einem Seeufer<br />

im subalpinen Birkenwald am 21. VII. in voller Blüte bzw. im<br />

Ausblühen. Im Fjeldbach war das Blühen am 20. VIII. abgeschlossen.<br />

Same n reife. Im J. 1933 waren die Früchte im Fjeldbach<br />

am 20. VIII. teilweise schon ausgebildet. Die am Ufer des Fjeldsees<br />

vorgefundenen Individuen hatten am 5. IX. ihre ersten Früchte ausgestreut,<br />

und auch die übrigen waren ausgebildet. Die Samen<br />

kommen also wenigstens in günstigen Sommern rechtzeitig vor<br />

Ende der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 33)<br />

Mitte August reife Früchte angetroffen; die Art bildet sogar im<br />

Schmelzwasser reife Früchte. In Ostgrönlanci macht die Art reichlich<br />

reife Früchte in Angmagsalik (KRUUSE 1906, S. 238). In Westgrönland<br />

erzeugt sie in günstigen Sommern reichlich Früchte auf<br />

Disko nach PORSILD (1920 b, S. 77; vgl. auch PORSILD 1912, S. 375).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Nur einen einzigen Samenkeimling<br />

der Art habe ich im Gebiet angetroffen, und zwar einen<br />

zweitjälirigen an der oberen Grenze der subalpinen Region am<br />

Ufer des Pilgujoki, wohin die Samen leicht vom Fundort der Art<br />

am nordwestlichen Ende des Pilgujaur nahe beim Auslauf des<br />

Flusses verschleppt worden sein konnten. Das Aufsuchen der<br />

Keimlinge ist indessen aus natürlichen Gründen dermassen mit<br />

Schwierigkeiten verknüpft, dass man nach den Beobachtungen<br />

über die Samenreife wohl mit Recht annehmen dürfte, dass die<br />

Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im Gebiet<br />

nicht ganz gering sind.-Vgl. auch SYLVÉN (1900, S. 279).<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat einen si)roden,<br />

an den Gliedern wurzeltreibenden Spross, dessen einzelne Teile<br />

ihr bekanntlich als Vermehrungsmittel dienen.<br />

Thalicirum alpiimm L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im (iebiet<br />

ziemlich häufig; sie kommt vor in der Dnjas -Heide (fq, sp - st cp),


Aiinales Botanici Societatis Vaiianio, Tom. 11. N:o 1. 207<br />

der Tlialicirum alpiniim - Poientilla Cranizii -Wiese (fqq, ci)p),<br />

auf den übrigen Krautwiesen (p, sp - st cp), in Bacliläufen sowie<br />

an braunmoorarligen Bacliufern (p, sp - st cp) und sonnigen oder<br />

mehr oder minder spät ausapernden und feuchten Felshängen<br />

(p, st pc - st C])).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 am N-Felshang<br />

durchschn. 15 (7-21) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 39; KRUUSE<br />

190C, S. 237).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf frischgründigen Wiesen<br />

sowie an den Bachufern und den Felshängen gewöhnlich ziemlich<br />

reichlich oder gar reichlich, in der Drijas -Heide ebenso wie auf<br />

den trocknen Wiesen wiederum zerstreut oder nur spärlich; selten<br />

kann sie sogar ganz steril am Standort auftreten.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen auf den Wiesen<br />

und in der Drijas -Heide am 10. VII. ziemlich allgemein im vollen<br />

Gang und am 19. VII. im Ausklingen oder schon abgeschlossen. -<br />

Im subalpinen Gebiet wurden die ersten Individuen am offenen<br />

Moorrand am G. VII. in der Blüte beobachtet und an\ 16. VIL<br />

war die Floration am Flussufer abgeschlossen.<br />

Im J. 1933 befand sich die Art auf sonnigen Wiesen und in der<br />

Dnjas -Heide am 4. - 5. VII. in voller Blüte oder schon im Ausblühen.<br />

Am Fusse schattigcr Felshänge war das Blühen aber stellenweise<br />

erst am 20. VII. im Beginnen und am 20. VII. im vollen Gang.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art in der Thalictrum<br />

alpinnm - Potent ilia Crrtn/zii-Wiese am 24. VHI. reife Früchte<br />

und die Stengel waren teilweise vergilbt. Am W-Felshang hatte<br />

die Ausstreuung am 30. VHI. bereits stattgefunden.<br />

Im J. 1933 waren die Früchte auf sonnigen Wiesen am 18. VIL<br />

schon weit entwickelt ujul am 12. VHI. sogar an schattigen Stellen<br />

teilweise ausgebildet. Am 4. IX. hatte die Ausstreuung im Gebiet<br />

allgemein stattgefunden und selbst an den spätesten Stamlorten<br />

waren die Früchte ausgebildet. - In günstigen .lahren wird die<br />

Samenreife also rechtzeitig erreicht, in ujigünstigen dagegen offenbar<br />

an den schattigsten Stellen nicht.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenstreuung vergingen im J. 1933<br />

etwa 45 Tage.-Nach CLEVE (1901, S. 50 und 83) dauerte die Präflorationszeit<br />

in Schwedisch-Lappland 26 Tage und die ganze Vegetationsperiode<br />

84 Tage.


208 N. Söljrinki, Vennelirung d. Sanienpfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

In Ostgrönland (65° N) hat BERLIN (1884, S. 19) die Art Anfang<br />

September 1883 mit Blüten und Früchten beobachtet; nach KEUUSE<br />

(1906, S. 237) finden sich in Angmagsalik unter den Früchten sehr<br />

viele schlecht entwickelte, reife Samen hat er nicht wahrgenommen;<br />

SEIDENFADEN (GELTING 1934, S. 97) hat am 15. VIII. 1929 reife<br />

Früchte vorgefunden. In Westgrönland erzeugt die Art reichlich<br />

Früchte auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 81). Auf Novaja Semlja<br />

hat EKSTAM (1897, S. 118) reife Früchte spärlich angetroffen; nach<br />

LYNGE (1923, S. 40) reifen die Früchte dort offensichtlich.<br />

Sam e n m enge. Die Art erzeugt verhältnismässig spärlich<br />

Früchte, denn ein beträchtlicher Teil der wenigen Anlagen verkümmert<br />

regelmässig (vgl. KRUUSE 1906, S. 237; RESVOLL 1917,<br />

S. 155; LYNGE 1923, S. 40). Die Anzahl der fruchtbildenden Blüten<br />

betrug im J. 1931 in der ThaUclriim alpinum - Poteniilla Crantzii-<br />

Wiese (die verkümmerten in Klammern) 3 (+ 1), 5, 5 (+ 1),<br />

5 (+ 1), 5 (+ 1), 5 (+ 1), 5 (+ 1). 6, 6 (+ 1), 6 (+ 1), 7, 7,<br />

7(+L), 7(+L). 7(4-1), 8(+L), 9(+L), 9(+L), 9 (+2)<br />

und 10 (-f 1), durchschn. 6.e (+ O.s). Die Zahl der Samen (Früchte)<br />

])ro Synkarpium war durchschn. 1.3 (+ 0.5 halbentwickelte und<br />

1.3 unentwickelte). Die Anzahl der vollentwickelten Samen am<br />

Spross betrug also 8.6 Stück.<br />

Keimung der Sa m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 24. VIII. 1931 von der Thaliclnim alpinum - Poteniilla<br />

Crantzii -Wiese eingesammelten vollentwickelten Samen kamen<br />

im JACOBSENschen Keimungsapparat nicht zur Keimung; sie waren<br />

noch nach 18 Monaten lebend (hart). - Von den am 4. IX. 1933<br />

von einer schattigen Uri/as-Heide eingesammelten, am 28. IX. 1933<br />

im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten Samen (35 Stück)<br />

keimte kein einziger noch im gleichen Herbst bis zum 8. XI., im<br />

folgenden Frühjahr aber keimten 3 Stück (9 %) bis zum 14. V.<br />

- Einer von den Keimlingen hatte 3 Keimblätter.<br />

Die K e i m u n g der S a m en in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge in einem sommertrocknen Bachlauf).<br />

K e i ni 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge fijidet nuin<br />

ziemlich allgemein, aber gewöhnlich nur mehr oder minder spärlich<br />

an den Standorten der Art vor. Der Keimlingsquotient variiert<br />

iin meinen Beobachtungsstellen auf den Felsen und an den Bach-


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 209<br />

ufern von O.OÖ bis 2; am höchsten steigt er an weicligriindigen, L)raiinnioorartigen<br />

Bacimfern sowie in kleinen, vom Wasser erodierten,<br />

sommertrocknen Bachläufen, die den Samen günstige Keimungsbedingungen<br />

darbieten. In der Thalictrum alpiiuim - Potcniilla<br />

Crantzii -Wiese, wo die üppige, von vielen Arten zusammengesetzte<br />

Moosschicht die Entstehung der Keimlinge offenbar stark beeinträchtigt,<br />

wurden auf 2x().i m^ insgesamt nur 4 ältere Keimlinge<br />

gefunden (36 und 52 fertile Sprosse pro 1 m-). Auf der Drijas -Heide<br />

treten die Keimlinge gewöhnlich einzeln in kleinen Vertiefungen<br />

und Erosionsfurchen auf, in der geschlossenen Moosdecke aber<br />

selten; in dieser Assoziation blüht ja die Art auch spärlicher. Einmal<br />

habe ich einen älteren Keimling auf einer Moorbülte angetroffen,<br />

an einer Stelle, wo die Art sonst nicht in der unmittelbaren Nähe<br />

vorkam.<br />

Die im allgemeinen relativ geringe Zahl der Keimlinge dürfte<br />

ihre Erklärung offenbar in erster Linie in der spärlichen Besamung<br />

finden. An den allerspätesten Standorten kommen die Früchte<br />

überdies in ungünstigen Sommern kaum zur Reife und vielleicht<br />

entwickeln auch die Samen nur eine schwache Keimkraft. Immerhin<br />

aber besitzt die Art ziemlich günstige Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet.<br />

LINDMAN (1887, S. 100) hat auf dem Dovre Samenkeimlinge<br />

bei der Art angetroffen. HEINTZE (1914, S. 254) fand einen Keimling<br />

auf einem vom Wasser verschleppten Torfslück in Schwedisch-<br />

Lappland.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e S t a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. Im Kulturversuch blühte die Art nach HESVÜLL (1917,<br />

S. 154) im 4. Sommer.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein mehr<br />

oder minder waagerechtes (vgl. JESSEN 1911, S. 419), verzweigtes<br />

ujid schui)piges, ausläuferartiges Rhizom. Die sprosstragenden<br />

(nieder sind mit etwa 0.5 bis O.CÖ mm dicken Nebenwurzeln versehen<br />

und die Internodien erreichen bis 7 cm Länge; die Pflanze wandert<br />

also ziemlich effektiv am Standort weiter. Die Angabe HESVOLLS<br />

(1917, S. 157), die Art besitze keine vegetative Vermehrung, ist also<br />

irrtümlich. Nach IIEGI (1900-31, III, S. 589) wiederum ist die<br />

Art mit einem kurzen, walzlichen Wurzelstock versehen und mich<br />

GELTING (1931, S. 97) hat sie ein kurzes waagerechtes Bhizom.


210 N. Söljrinki, Vennelirung d. Sanienpfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Criiciferae<br />

Cardamine pratensis L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m ni e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie auf feuchten, grusigen<br />

Schneeböden (p, sp - st pc) sowie an den Ufern der Bäche und<br />

Teiche (st r, sp - st pc).<br />

Fundorte. Pilgujaur, am E-Ufer des Sees an der oberen<br />

Grenze der subalpinen Region; Pilguoaivi, am Quellenbach am<br />

Ufer eines Tümpels am NW-Hang; am Bachufer zwischen dem<br />

Pilguoaivi und dem Hahpesoaivi; Kiergij)ori: Schneeboden am Ufer<br />

des Teiches, an zwei Stellen auf dem Schneeboden im nördlichen Teil<br />

etwas oberhalb der Waldgrenze; Vilgiskveljoki, Schneeboden am<br />

N-Felshang am oberen Lauf des Fhisses; an einem Bachufer zwischen<br />

den Fjelden Rahpesoaivi und Vilgiskoddeoaivi; Phippsia algida-<br />

Schneeboden am S-Ufer des Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi; Kuorbgas:<br />

unter dem E-Hang in einer Felssciüucht mit perennierendem Schnee<br />

zusammen mit Phippsia algida, Schneeboden am N-Hang; auf Schneeboden<br />

auf den Fjelden Säräslaki und Housutunturi nach KALLIOLA<br />

(1932, S. 105).<br />

Fertilität. Die Art blüht seiir spärlicii, gewöhnlich kommt<br />

sie ausschliesslich steril am Standort vor.<br />

Fl oration. Im J. 1933 wurde die Art am 22. VH. auf<br />

einem Schneeboden in der Knosj)e beobachtet. An einem schneebodenarligen<br />

Bachufer war das Blühen am 8. VlII. beinahe im<br />

vollen Gang und am 5. IX. in grossen Zügen abgeschlossen (einige<br />

Blüten waren noch offen). — Am Ufer des Pilgujaur an der oberen<br />

Grenze der subalpinen Region befand sich die Art am 12. VTI. im<br />

Aufblühen. . ^<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 5. IX. 1933 am schneebodenartigen<br />

Bachufer erst im Beginn ihrer Entwicklung, und<br />

es dünkte in keiner Weise wahrscheinlich, dass sie noch vor Abschluss<br />

der Vegetationsjjeriode zur Reife gelangt wären. Offenbar<br />

kann die Art im Gebiet höchstens nur sehr selten und in den allergünstigsten<br />

Jahren reife Früchte erzeugen.<br />

Im arktischen Norwegen scheint die Art keine Samen zu bilden,<br />

sondern die scheinbar reifen Früchte wurden immer leer gefunden<br />

(NÜKMAN 1895- 1901, S. 73). Von Spitzbergen erwähnt EKST^iM


Aniiales Botanici Socictatis Vanamo. Tom. 14. N:() 1. 211<br />

(1898, S. 19) die Art am 31. VII. 1897 am Kap Thordsen mit fast<br />

reifen Früchten nebst völlig reifen vorjährigen Früchten, diese<br />

Angabe scheint al)er nach ANDERSSON und HESSELMAN (1900,<br />

S. 33) einer Nachprüfung bedürftig. Nach den letztgenannten<br />

Forschern ist die Pollenbildung auf Spitzbergen sehr schwach,<br />

und sie halten es fürs wahrscheinlichste, dass die Art dort zur Samenbildung<br />

unfähig ist. In Grönland erzeugt die Art keine Samen<br />

(ROSENVINGE 1892, S. G73; KIIUUSE 1905, S. 165; PORSILD 1920 b,<br />

S. 82). Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 138) nicht reife<br />

Früchte beobachtet, er schreibt aber, dass KJELLMAN nahezu<br />

reife Früchte am 31. VII. 1878 bei .Jugor Sharr gefunden habe;<br />

LYNGE (1923, S. 45) hat keine reifen Samen angetroffen, die meisten<br />

Früchte waren steril.<br />

K e i m 1 i n g s V e r Ii ä 1 t n i s s e. Sanienkeimlinge habe ich,<br />

wie schon aus den Beobachtungen über die Fruchtreife zu schliessen<br />

ist, bei der Art nicht vorgefunden. Es scheint sehr fraglich, ob<br />

die Art überhaupt Möglichkeiten zur generativen Vermehrung im<br />

(lebiet besitzt.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet an den<br />

Hosettenblättern im liasalen Teil der abgefallenen Blättchen Bulbillenkeimlinge,<br />

die der Pflanze als Verniehrungsnütlel dienen (NORMAN<br />

18G5 und 1895- 1901, S. 73; FRIES 1809 b, S. 152; NATJIORST 1883,<br />

S. 17; WARMING 1885, S. 51; SIMMONS 1906, S. 96; HESVOLL 1917,<br />

S. 164- 165; S0RENSEN 1933, S. 12). Solche Buli)illenkeimlinge treten<br />

an (Ien Standorten der Art oft in reiciilicher Zahl auf, an festsitzenden<br />

Blättern habe ich sie aber nie wahrgenommen, wie auch nicht<br />

KRUUSE (1906, S. 236) in Ostgrönlaiid. - KJELLÄIAN (EKSTAM<br />

1897, S. 138) vernuitet, dass auch eine Individualisierung der Nebensprosse<br />

in geringem Umfang stattfinden könnte.<br />

Cardamine bellidifolia L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie auf sonnigen oder<br />

beschatteten Felsen (st fq, st pc - sp), auf mehr oder minder<br />

feuchten, grusigen oder steinigen Schneeböden (st r, st pc - sp),<br />

ebenso in den Kraut- und Ileidewiesensiedlungen am Fusse der<br />

Schneebodenhänge (r, pc - pcc).


212 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Höhe der Individuen mit reifen Früchten betrug im<br />

J. 1933 am N-Felshang durchschn. 0.5 (3-9) cm (vgl. NORMAN<br />

1895- 1901, S. 76; KRUUSE 1906, S. 236; VAAGE 1932, S. 28).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich, auf den Kraut- und Heidewiesen am Rande der<br />

Schneeböden kann sie jedoch steril vorkommen.<br />

F 1 o r a t i o n. Im .1. 1931 war das Blühen am 9. VII. an den<br />

N-Felshängen im vollen Ganz bzw. im Ausklingen. Auf dem Schneeboden<br />

wurde die Art am 15. VII. im Aufblühen beobachtet, in<br />

einer Siedlung der Jianiinculus nivalis -Schneebodenvegetalion teilweise<br />

erst am 17. VII.<br />

Im J. 1933 war die Art aji den S-Felshängen am 1. VII. schon<br />

ausgeblüht, auf den N-Felsen war sie aber im allgemeinen erst<br />

in der Knospe oder im Aufblühen. An den am frühesten ausapernden<br />

Schneebodenstandorten war das Blühen am 19. VII. im Ausklingen,<br />

an den späteren aber erst im Beginnen oder im vollen<br />

Gang, und auf einem extremen Schneeboden gleich oberhalb der<br />

Waldgrenze hatte die Floration am 21. VII. noch nicht begonnen.<br />

Einzelne Blüten wurden auf den Schneeböden noch am 12. VIII.<br />

wahrgenommen.<br />

S a ni e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte auf den Felsen<br />

oben auf den Fjelden am 11. VIH. reif. Am 3. IX. hatte die Samenstreuung<br />

selbst auf spät ausapernden Schneeböden teilweise stattgefunden.<br />

- Im J. 1933 waren die ersten Früchte an den S-Felshängen<br />

am 4. VH. schon weit entwickelt; am ll.VHI. hatte die<br />

Ausstreuung sogar auf den N-Felsen schon begonnen. - Die Samenreife<br />

wird also allgemein frühzeitig im Laufe der Vegetationsperiode<br />

erreicht.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 am N-Felshang etwa 38 Tage. - CLEVE (1901, S. 50<br />

und 82) erhielt als Präflorationszeit in Schwedisch-Lappland 16 Tage<br />

und als Länge der ganzen Vegetationsperiode 45 Tage.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 76)<br />

die Art am 12. VI II. mit aufgesi)rungenen Früchten wahrgenommen.<br />

Auf Spitzbergen setzt die Art nach EKBTAM (1898, S. 19) regelmässig<br />

reife Fruciit an, bereits am 9. VII. (1897) standen viele<br />

Individuen in Advent Bay in voller Fruchtreife; nach ANDERSSON<br />

und HESSELMAN (1900, S. 34) war die Art in der späteren Hälfte


Annales Botanici Socictatis Vananio. Tom, 1 1. X:o 1. 21.*^<br />

des Anglist im allgemeinen bereits ansgehlülit nnd hatte reife Früclite.<br />

In Ostgrönland fand KRUUSE (1906, S. 236) reichlich reife Früchte<br />

in Angmagsalik, desgleichen S0RI']NSEN (1933, S. 42) zwischen<br />

71° und 73°30'N und GELTING (1931, S. 63) zwischen 73°15' und<br />

76°20' N; nach dem letztgenannten Forscher reifen die Früchte<br />

jedoch nicht immer an den spätesten Standorten. In Westgrönland<br />

erzeugt die Art reichlich Früchte auf Disko (PORSILTJ 1920 1),<br />

S. 82). In Nordwestgrönland (77° N) fand OSTENFELÜ (1925, S. 12)<br />

nahezu reife Früchte am 20. VIII. Von der Nordküste Grönlands<br />

erwähnt er (1923 b, S. 23o) vorjährige Früchte mit einigen Samen.<br />

In Ellesmereland beobachtete SIMMONS (1906, S. 97) reife Früchtc<br />

schon vor Ende Juli. Auf Novaja Semlja gelangt die Art nach<br />

EKSTAM (1897, S. 138) regelmässig zur Reife; LYNGE (1923, S. 44)<br />

hat dort vom 3. VIII. an reife Früchte angetroffen.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich fast ohne Ausnahme<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte am Spross<br />

(Stengel) betrug im J. 1931 im Schneebodengeröll 1, 1, 2, 2, 2,<br />

2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 4, 5, 5, 5 und 6, durchschn. 2.8. Die Zahl<br />

der Samen in der Frucht war (die unentwickelten in Klammern)<br />

2, 2 (+2), 4, 4 (+2), 5, 5 (+ 1), 5 (+ 1), 5 (+ 1), 5 (+ 1),<br />

5 (+ 1), 7 (+ 1), 8, 8, 8 (+ 2), 8 (+ 3), 9, 9 (+ 3), 10, 11 und 12,<br />

durchschn. 6.6 (-f- O.9). Die Anzahl der vollentwickelten Samen<br />

pro Spross betrug also 18.6 Stück. - Die Samenzahl pro Individuum<br />

kann gelegentlich recht hoch ansteigen; so wurden am S-Felshang<br />

bei einem Individuum mit zahlreichen fertilen Sprossen 51 ausgebildete<br />

Früchte gezählt.<br />

K e i m u n g der S a m e n. i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 vom Schneebodengeröll eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten nach Frostbehandlung zu 92 % und<br />

ohne Froslbehandlung zu 98 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte am 3. Tage ein und erfolgte hauptsächlich<br />

in der 1. Woche, nur 3 von den frostbehandelten Samen<br />

keimten später, der letzte nach 12 Monaten. Die übriggei)liel)enen<br />

Samen waren noch nach 19 Monaten lebend (hart).<br />

Die K e i m u n g der S a m e n i n d e r N a t u r findet<br />

früh im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 4. VII. 1933<br />

schon jüngere Keimlinge am N-Felshang). Nach SYLVÉN (1906,<br />

S. 248) erfolgt die Keinuing im »Frühling» (Sommer).


214 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

K e i m 1 i II g s v e r h ä 1 t n i s s e. Sainenkeinilinge der Art<br />

sind im Gebiet in der Regel mehr oder minder reichlich zu finden.<br />

Der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

von 2 bis 10. Am zahlreichsten treten die Keimlinge an den N-Felshängen,<br />

ebenso auf feuchten Schneeböden auf, ziemlich reichlich<br />

aber auch an sonnigen Felshängeii und in den vom Humus oder<br />

Verwitterungsboden gefüllten Spalten der Felsenflächen. Einmal<br />

fand ich mehrere sowohl jüngere als ältere Keimlinge in kleinen<br />

wassererodierten Vertiefungen in der Dryas -Heide, wohin die<br />

Samen offenbar von dem in der Nähe gelegenen Felshang verschleppt<br />

worden waren. Auch die in den Kraut- und Heidewiesensiedlungen<br />

am Rande der Schneeböden gelegentlich vorkommenden,<br />

oft sterilen Individuen dürften meistenfalls ihre Entstehung einem<br />

- augenscheinlich durch das Wasser vermittelten - Samentransport<br />

von höher hinauf liegenden Standorten zu verdanken haben. -<br />

SYLYÉN (1906, S. 218) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt. GELTING (1934, S. G3) hat in Ostgrönland<br />

Keimlinge angetroffen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie das auch die Beobachtungen von SYLVÉN (I.E.)<br />

erweisen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Individuen der Art<br />

tragen gewöhnlich mehrere, oft sogar zahlreiche Sprosse, die aber<br />

nur von der Hauptwurzel befestigt und ernährt werden, weil an<br />

den Nebensprossen keine Wurzelbildung stattfindet. Eine vegetative<br />

Vermehrung jeder Art. ist also völlig ausgeschlossen (vgl.<br />

WARMING 1885, S. 5 und 53; 1880 b, S. 59; EKSTAM 1897, S. 139).<br />

Draba nipestris R, Br., Lindbl.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar findet man sie auf trocknen, mehr oder minder<br />

sonnigen Felsen (r, pc - sp).<br />

F u n dort e. Vilgiskoddeoaivi, auf der niedrigeren Anhöhe<br />

nördlich vom Gipfel; Kuorbgas-FIuss (Kuorpukasjoki), an einem


Annalcs liotanici Socictatis Vanamo. Toin. 11. N:o 1. 215<br />

SE-Felshang ani Ufer; Rieppelsliohki (OnkitiintnriL), auf Felsblöckcn<br />

am W-Hang; Luotnoaivi, an der W-Seite des südwestlichen<br />

Gipfels.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art war am 7. VII. 1933 auf den S-Felsen<br />

im allgemeinen ausgeblüht, einige Individuen waren jedoch erst<br />

im Aufblühen begriffen.<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 11. VIII. 1933 am<br />

W-Hang schon ausgebildet. - Am 28. VIII. 1931 hatte die Ausstreuung<br />

am SE-Felshang grösstenteils stattgefunden. - In Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel hatte die Samenstreuung am 2. VIII.<br />

1931 auf den S-Felsen bereits begonnen. - Die Sainenreife wird also<br />

schon frühzeitig im Laufe der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 100)<br />

am 9. VIII. reife Früchte gefunden. Auf Spitzbergen sind reife<br />

Früchte am 28. VII. in Crossbay (auch noch blühende Iiidivichien)<br />

angetroffen worden (RESVOLL 1917, S. 173, Draba liirta). In Südgrönland<br />

fand BERLIN (1884, S. 21) die Art fruchttragend im August<br />

1883. In Ostgrönland (zwischen 70° und 75° N) beobachtete DUSÉN'<br />

(1901, S. 24, D. hirta) am 10. VIII. reife Früchte; KRUUSE<br />

(190C, S. 234) hat solche reichlich in Angmagsalik angetroffen,<br />

desgleichen OSTENFELD und LUNDAGER (1910, S. 24, D. hirta)<br />

vorjährige Früchte in Nordostgrönland im J. 1908. In Westgrönland<br />

erzeugt die Art sehr reichlich Früchte auf Disko (PORSILD<br />

1920 b, S. 88). In Ellesmereland hat SIMMONS (1906, S. 94, D. hirta)<br />

Fruchtbildung festgestellt. Im Land der West-Eskimos (zwischen<br />

05° und 71° N in Nordamerika) fand KJELLMAN (1883, S. 40, 1). hirta)<br />

reife Früchte. Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 180) reife<br />

oder fast reife Früchte wahrgenommen.<br />

K e i ni u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. VIII. 1931 vom vS-Felsen in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten nach<br />

F>ostbehandlung zu 68 % und ohne Frostbehandlung zu 82 %<br />

im JAOOBSENschen Keinuiiigsai)parat. Die Keimung setzte am<br />

4. Tage ein, war am kräftigsten in der 1. bis 2. Woche und dauerte<br />

etwa 3 Monate fort; von den frostbehandelten Samen keimten<br />

id)er 7 % erst im folgenden Frühjahr (nach 14 Monaten) nach der<br />

Ann. Bot. Soc. Zoül.-Bot. Fenn. Vanamo, I't, n:o 1. 15


216 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Wiederauflieizung der Apparates. Die übriggebliebenen Samen<br />

waren noch nach 19 Monaten grossenteils lebend (hart).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur kann<br />

vielleicht schon unmittelbar nach der Samenreife vor der Überwinterung<br />

stattfinden, denn am 2. VIII. 1931 fand ich keine jüngeren<br />

Keimlinge an einer Stelle, wo die Samenstreuung erst neulich begonnen<br />

hatte (vorjährige Keimlinge waren ziemlich reichlich vorhanden);<br />

wohl dagegen fand ich solche am 28. VIII. 1931 an einer<br />

anderen Beobachtungsstelle, wo die Ausstreuung schon grösstenteils^<br />

stattgefunden hatte. Auf Grund dieser Beobachtungen lassen<br />

sich jedoch natürlich noch immer keine sicheren Schlüsse l)ezüglich<br />

des faktischen Tatbestandes ziehen. - Nach SYLVÉN (1906, S. 261,.<br />

Draba hirtä) scheinen die Samen schon im Herbst des Jahres der<br />

Samenreife keimungsfähig zu sein.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge der Art<br />

iiabe ich an zwei Beobachtungsstellen aufgesucht, und zwar auf einem<br />

trocknen Verwitterungsfelsen bei der Talschlucht Lumikuru in<br />

Pummanki und am vorerwähnten SE-Felshang am Kuorbgas-<br />

Fluss. An den beiden Standorten betrug der Keimlingsquotient<br />

etwa 2 (an der ersteren Stelle wurden keine jüngeren Keimlinge<br />

})eobachtet), und die Keimlinge kamen sowohl auf dem feinem<br />

Verwitterungsgrus der Absätze als in der dünnen Erdschicht der<br />

Spalten sichtlich gut fort; während längerer Trockenperioden unterliegen<br />

jedoch wahrscheinlich sehr viele von ihnen dem Vertrocknungstod.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch aus den Beobachtungen RESVOLLS (1917, S. 161)<br />

hervorgeht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Individuen der Art<br />

entwickeln gewöhnlich ziemlich reichlich Sprosse, diese werden<br />

aber nur von der Hauptwurzel ernährt, weil jede Wurzelbildung<br />

an den Sprossgründen völlig ausbleibt. Eine vegetative Vermehrung<br />

kann also nicht stattfinden (vgl. WARMING 1885, S. 3-4).


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 217G3<br />

Draba nivalis Liljebl.<br />

Häufigkeit und V o r k o ni m c n. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle, und zwar auf S-Felsen auf<br />

dem Hieppetshohki (Onkitunturit) (st ep) angetroffen worden.<br />

Fertilität. Die Art blühte im J. 1933 an der Stelle reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art war am 4, VII. 1933 teilweise schon<br />

ausgeblüht, teilweise stand sie aber noch in voller Blüte, einige<br />

Individuen sogar im Knospenstadium.<br />

S a m e n r e i f e. Die ersten Früchte waren am 4. VII. 1933<br />

schon weit entwickelt. Offenbar kommen die Samen früh im Laufe<br />

der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 103)<br />

die Art von G. VIII. bis 1. IX. mit reifen Früchten wahrgenommen.<br />

In Ostgrönland macht sie reife Früchte zwisclien 73°15' und 7G°20' N<br />

nach GELTING (1934, S. 79). In Westgrönland fand WAIIMING<br />

(1885, S. 10) Anfang August 1884 reife Früchte in Ilolstenborg;<br />

nach PORSILD (1920 b, S. 87) erzeugt die Art reichlich Früchte<br />

auf Disko. In Nordwestgrönland (76°30' und 77° N) reifen die<br />

Früchte (OSTENFELD 1923 a, S. 201 und 1925, S. 13). In Ellesmereland<br />

hat SIMMONS (1906, S. 92) schon früh reife I'rüchte beobachtet.<br />

Auf Novaja Semlja fand LYNGE (1923, S. 48) solche Anfang<br />

August in Mashigin.<br />

Die K e i m u n g der S a jn en in der Natur findet<br />

wenigstens teilweise im Anfang der Vegetationsperiode statt, denn<br />

am 4. VII. 1933 fand ich einen jüngeren Keimling, bei dem<br />

die ersten Laubblütter eben hervorbrachen. Der Umstand, dass<br />

nicht mehr jüngere Keimlinge vorhanden waren, könnte aber<br />

vielleicht auch dafür sprechen, dass die Keimung hauptsächlich<br />

schon vor der Überwinterung erfolgte, - Nach SYLVIN (1906,<br />

S. 261) scheint die Art in Torne Lappmark im »Frühling» zu keimen.<br />

K c i m 1 i n g s V c r h ä 1 t n i s s e. An der Beobachtungsstelle<br />

wurden am 4, VII. 1933 ein junger und zahlreiche ältere Keimlinge,<br />

ebenso zu den ausgewachsenen Individuen vermittelnde<br />

Jugendstadien in den Spalten und Vertiefungen der Felsenflächc<br />

vorgefunden. - Die Voraussetzungen der Art zur gejierativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind also offenbar günstig, - SYLVÉN (1,C,)<br />

hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge der Al l eingesammelt.


218 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Das b 1 ii h r e i f e Stadium wird nach niehrereu Jahren<br />

erreicht, wie es auch die Beobachtungen von SYLVÉN (I.E.) erweisen.<br />

Die vegetative Vermehrung fehlt wie bei Draba<br />

nipestris gänzlich (vgl. WARMING 1885, S. 10).<br />

Arabis alpina L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie an feuciiten, schneebodenartigen Stellen<br />

am Fusse schattiger Felshänge (st r, st pc - pc).<br />

F u n d o r t e. Kuorbgas, in einer Felsschlucht mit perennierendem<br />

Schnee am Fusse des E-Hangs; Kammikivitunturi,<br />

südlichster Hochgipfel und Housutunturi, am Fusse der Felswände<br />

nach KALLIOLA (1932, S. 105); Luotnoaivi: in einer Kluft<br />

unter der Felswand am NW-Hang, oben an der N-Seite des südwestlichen<br />

Gipfels, am Fusse eines Felsens unter dem NE-Hang;<br />

(in der Birkenwaldregion im Schutze einer ausgehöhlten Felswand<br />

etwa 250 m vom W-Ufer des Onkitunturinjärvi-Sees).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig ziemlich reichlich.<br />

Fl orat i on. Im J. 1933 wurden blühende Individuen am<br />

16. VIII. auf dem Gipfel des Luotnoaivi angetroffen, an den beiden<br />

anderen Fundstellen auf demselben Fjeld war die Art aber schon<br />

ausgeblüht. In der Felsenschlucht unter dem Kuorbgass war<br />

das Blühen am 21. VIII, noch beinahe im vollen Gang. - Im J. 1931<br />

war die Floration am 3. VIII. am NE-Hang des Kuivatunturi<br />

in Pummanki auf der Fischerhalbinsel bereits abgeschlossen.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren in der Felsenkluft am<br />

NW-Hang des Luotnoaivi am 16. VIH. 1933 schon ausgebildet.<br />

An den am frühesten ausapernden Standorten kommen die Samen<br />

also rechtzeitig zur Reife, an den extremsten Stellen scheint dies<br />

aber nach schneereichen Wintern (wie im Sommer 1933) oder in<br />

sonst ungünstigen Sommern fraglich zu sein. - Unter der Felswand<br />

am ünkitunturinjärvi in der subalpinen Region waren die<br />

Samen am 11. VIH. 1933 reif und ilie Ausstreuung hatte schon<br />

begonnen. - CLEVE (1901, S. 19 und 83) fand als Präflorationszeit<br />

in Schwedisch-Lappland 18 Tage und als Länge der ganzen Vege-


Annales Hotanici Socielatis Vananio. Tom. l'l. N:o 1. 219<br />

tationsperiodc 68 Tage und RESVOLL (1917, S. 162) als Präflorationszeit<br />

in Norwegen 12 Tage.<br />

Auf Spitzbergen hatte die Art am 29. VII. 1896 junge Früchte<br />

in Kap Bohenian (ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 34). In<br />

Ostgrönland erzeugt sie reichlich reife Samen in Angmagsalik<br />

nach KHUUSE (1906, S. 236), und S0RENSEN (1933, S. 38) fand<br />

reichlich fruchtende Individuen in der Nähe der Nordgrenze der<br />

Art. In Westgrönland scheinen sich die Früchte nacii WARMING<br />

(1885, S. 11), regelmässig zu entwickeln und nach PORSILD (1920 1),<br />

S. 83) ist die Fruchtbildung reichlich auf Disko. Auf Jan Mayen<br />

beobachtete KRUUSE (1902, S. 300) im J. 1900 vorjährige Fruchtstände<br />

mit zahlreichen wohlentwickelten Samen. Auf Novaja<br />

Semlja gelangt die Art nach EKSTAM (1897, S. 139) regelmässig<br />

zur Reife, und nach LYNGE (1923, S. 42) werden reife Samen offenbar<br />

gebildet.<br />

Die K e i m ung der Sa m en in d e r N a t u r scheint<br />

im Anfajig der Vegetationsperiode stattzufinden. Nach SYLVIN<br />

(1906, S. 249) keimt die Art im Frühling, in der Kultur aber schon<br />

im Herbst.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

habe ich in Pummanki auf der Fischerhalbinsel am NE-Hang des<br />

Kuivatunturi aufgesucht, wo sie, ungeachtet der relativen Trockenheit<br />

des Standorts, reichlich (der Keinilijigsquotient war 10) im<br />

Verwitterungsgeröll auf den Terrassen der Felswand vorkamen.<br />

In optimalen Verhältnissen können die Keimlinge äusserst zahlreich<br />

auftreten, so fand ich an demselben Hang in einer etwa 5 m<br />

tiefen, leuchten Felsenhöhle, in der nur ein fertiles Individuum<br />

vorhanden war, insgesamt etwa 100 jüngere und ältere Keimlinge.<br />

Auch unter der ausgeiiöhlten Felswanil am Onkitunturinjärvi in<br />

der Birkenwaldregion hatte die Art reichlich Keimlinge. An den<br />

am spätesten ausai)ernden Standorten dagegen sind die Keijnlinge<br />

wahrscheinlich bedeutend spärlicher vertreten. - In Grönland<br />

vermehrt sich die Art nach den Beobaclitungen WARMINGS (1885,<br />

S. 10-11) besonders an entblössten Stellen aus Samen. LFN'DMAN<br />

(1887, S. 100) hat auf dem Dovre und SYLVI^^N (I.E.) in Torne<br />

Lappmark Sanienkeindinge der Art eingesammelt.<br />

Die Art dürfte offenbar günstige Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im (lebiet besitzen.


171 N. Söyrinki, Vennehruiig d. Sanieni)fl. i. d. alpinen Vcgclation. 11.<br />

Das b 1 ii h r e i f c Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. Nach SYLVÉX (I.e.) dauert die Entwicklung mehrere<br />

(mehr als 2) Jahre. In der Kultur hat die Art jedoch schon im<br />

2. Jahr geblüht (WYDLER 1859, S. 298; RESVOLL 1917, S. 1G2-<br />

163).<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Art hat einen oft<br />

verzweigten, mit seinem basalen Teil den Boden entlang kriechenden<br />

Spross, der in aller Hauptsache von der Hauptwurzel befestigt<br />

und ernährt wird, denn die Sprossgründe zeigen nur eine sehr<br />

schwache Adventivwurzelbildung. WAKMING (1885, S. 11) hält es<br />

jedoch nicht für ganz ausgeschlossen, dass auch die einzelnen Sprosse<br />

bisweilen Selbständigkeit erreichen könnten; indes nach meinen<br />

Beobachtungen kann die vegetativ^e Vermehrung keine nennenswerte<br />

Bedeutung für die Art haben.<br />

Crassulaceac<br />

Rhodiola rosea L.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle an einem N-Felshang und<br />

in den Felsenbachläufen am Wasserfall am oberen Lauf des Selvakkajoki<br />

westlich vom Vilgiskoddeoaivi (st cp) gefunden worden.<br />

Fertilität. Die Art blühte an der Stelle ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art war am 8. VH. 1933 teilweise schon<br />

ausgeblüht, die an den schattigsten Stellen wachsenden Individuen<br />

standen aber erst in voller Blüte oder in der Knospe, - In Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel war das Blühen am 29. VII. 1931 an den<br />

Steilfelsen allgemein abgeschlossen und die Früchte hatten sich<br />

eine Strecke weit entwickelt, nur wenige Individuen befanden<br />

sich noch im Ausblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Die ersten Samen waren am 5. IX. 1933<br />

ausgestreut und auch die letzten nahezu reif; die Laubblätter<br />

hatten bereits ihre rote Herbstfärbung angenommen. - Die Samenreife<br />

wird also wenigstens in günstigen Sommern an der Stelle<br />

noch rechtzeitig erreicht.<br />

Auf den Beeren-Inseln ist die Art nach HANSSEN und IIOLMBOE<br />

(1925, S. 228) im Juli und August mit grossen nichtreifcn Früchten


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 221G3<br />

eingesammelt worden. In Ostgrönland erzeugt sie reichlich Früchte<br />

in Angmagsalik nach KRUUSE (1906, S. 244), und GELTING (1934,<br />

S. 56) hat zwischen 73°15' und 76°20' N reife Samen festgestellt.<br />

In Westgrönland setzt die Art reichlich Früchte auf Disko (PORSILD<br />

1920 b, S. 90). Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 135)<br />

sie mit reifen Früchten beobachtet, und nach LYXGE (1923, S. 52)<br />

reifen die Samen dort offenbar.<br />

Die Keimung der Samen in der Natu r scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden; nach SYLVÉN<br />

(1906, S. 238) erfolgt sic im »Frühling» (Sommer).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Beobachtungen über das<br />

Vorkommen der Samenkeimlinge habe ich an mehreren Stellen<br />

in Pummanki auf der Fisclierhalbinsel angestellt, wo die Art ziemlich<br />

Iväufig an mehr oder minder schattigen Felshängen und auch<br />

hier und da auf den Wiesen und in den Gel)üschen auftritt. Auf<br />

den Terrassen und in den Klüften der Felshänge waren Keimlinge<br />

der Regel nach ziemlich reichlich zu finden, ebenso beobachtete<br />

ich auf einer Alchemilla glomenilans -reichen Wiese zahlreiche<br />

Keimlinge in der Nähe der ausgewachsenen Individuen (der Keimlingsquotient<br />

war hier 10); aus einigen abgefallenen Früchten<br />

waren mehrere Keimlinge hervorgebrochen. - SYLVÉN (I.e.) hat in<br />

Torne Lappmark Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind offenbar mehr oder weniger günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e S t a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie es auch die Beobachtungen SYLVÉNS (c.l.) erweisen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein dickes,<br />

fleischiges Rhizom, das gewöhnlich mehrere Sprosse trägt. Eine<br />

vegetative Wanderung findet nicht statt, es scheint aber möglich,<br />

dass die einzelnen Sprosse oder Sprossgruppen beim Wachstum<br />

des Rhizoms und nach dem Vermodern seiner älteren Teile Selbständigkeit<br />

erreichen und mit Hilfe der Nebenwurzeln weiterwachsen<br />

können. - Nach WARMING (1886 b, S. 56) ist die vegetative<br />

Vermehrung bestenfalls schwach; nach K.IELLMAN (EKSTAM 1897,<br />

S. 135) kann sie im geringen Masse durch Individualisierung der<br />

Nebenachsen stattfinden.


222 N. Söijrinki, Vernielirung d. Saineiipf], i. d. al])iiicn Vegetation. II.<br />

Saxijragaceae<br />

Saxifraga slellaris L.<br />

H ä u f i g k e i t und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gel)iet<br />

ziemlich häufig; man fijidet sie auf mehr oder minder feucliten<br />

und extremen Schneeböden (fq, st pc - st cp), an melir oder minder<br />

schattigen Felshängen (p, st pc - sp), an steinigen oder sandigen<br />

Bach- und Seeufern (st r, st pc - sp), ebenso in der Carex rigida -<br />

C. Lac/je/}f//ii-Ileidewiese am Rande der Schnee])odensiedlungen<br />

(r, st pc - st cp).<br />

Die II ö h e der Individuen betrug im J. 1933 auf dem Kiaeria<br />

- Lebermoos-Schneeboden durchsclin. G.s (3-8) cm (vgl.<br />

Norman- 1895- 1901, S. 297; KRUUSE 190G, S. 241).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich, gelegentlich sogar sehr reiciilich selbst in den am<br />

spätesten ausapernden Schneebodensiedlungen.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im .J. 1931 auf den am frühesten<br />

ausapernden Sclineeböden am 6. VII. im Beginnen und am<br />

15.-20. VII. allgemein im vollen Gang und am 13. VIII. abgeschlossen.<br />

In einer extremen Siedlung der artenreichen Oxijria<br />

(ligijna -Schneebodenvegetation befand sich die Art aber am letztgenannten<br />

Tage erst im Aufblülien. Einzelne Blüten wurden auf<br />

den Schneeböden noch am 1. IX. beobachtet.<br />

Im J. 1933 war das Blühen auf den Schneeböden am 9. VII.<br />

im Beginnen und am 19.-23. VII. ziemlich allgemein im vollen<br />

Gang. Wegen der mächtigen I'irnmassen an den schattigsten<br />

Standorten wurde aber die Floration im Gebiet über den ganzen<br />

Sommer verteilt. In einer jiach dem 7. Juli ausgeapertcn Siedlung<br />

der Pliippsia algida -Schneebodenvegetation hatte die Art am<br />

17. VII. erst Blattrosetten mit ganz kurzen, knospentragenden<br />

Stengeln; am 9. VIII. war sie an der Stelle in voller Blüte und<br />

am 20. VIII. bereits ausgeblüht. Auf einem moosreichen Schneeboden<br />

wurde die Art am 20. VIII. in voller Blüte beobachtet und<br />

in einer extremen Siedlung der artenreichen Oxyria digyna -Schncebodenvegetation<br />

am 2. IX. teilweise im Aufblühen, teilweise in<br />

voller Blüte.-An einem Bachufer hatte die Art schon am 12. VII.<br />

volle Blüte erreicht.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 223<br />

S a ni c n r e i f e. Im J. 1931 waren die ersten Früclite in<br />

(ler Carex rigida - C. Lachenalii-llQiCiewic^c am 17. VIII. eben<br />

ini Aufspringen, aber aucli Bliilen waren nocli in der Siedlung<br />

vorhanden. Auf einem ziemlich spät ausapernden Schneeboden<br />

hatte die SaniensLreuung am 1. IX. teilweise stattgefunden (auch<br />

Blüten waren aber noch zu finden).<br />

Im J. 1933 liatte die Art am 8. VIII. weit entwickelte Früchte<br />

auf den am früliesten ausapernden Schneel)öden. An einem S-Felshang<br />

war die Samenstreuung am 20. VIII. grösstenteils erledigt. Auf<br />

dem Kiaeria S/ar/cei - Lebermoos-Sclineeboden waren die ersten<br />

Früchte am 2. IX. im Aufspringen und auch die letzten hatten<br />

sich schon eine Strecke weit entwickelt. - Abgesehen von den allersj)ätesten<br />

Standorten wurde die Samenreife also noch vor Abschluss<br />

der Vegetationsperiode erreicht. In den extremslen Schneebodensiedlungen<br />

aber wird die Pflanze offenbar nicht selten mit unreifen<br />

Samen vom Winter überrascht, denn im Anfang des Sommers 1933<br />

fand ich sie an einigen Stellen nur mit ungeöffneten vorjährigen<br />

Früchten und noch grün gefärbten Stengeln.<br />

In West-, Süd- und Ostgrönland, in Skandinavien und im arktischen<br />

Amerika erzeugt die Art nach WAIIMING (1886 a, S. 12<br />

und 1909, S. 221) reife Früchte. KRUUSE (1906, S. 241) hat in<br />

Ostgrönland reichlich reife Früchte angetroffen.<br />

Same n menge. Die Blüten entwickeln sich fast regelmässig<br />

zu Früchten weiter - soweit es nämlich die Länge der Vegetationsperiode<br />

am betreffenden Standort zugibt. Die Anzahl der Früchte<br />

am Stengel betrug im J. 1931 am N-Schneebodenfelsen (die verkümmerten<br />

Blüten in Klammern) 1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3,<br />

3, 3, 3(+ 1), 4, 4 und 5 (+ 1), durchschn. 2.7 (+O.i) und in der<br />

Carcx rigida - C. lAicheiKdii -Heidewiese ebenfalls von 1 bis 5,<br />

durchschn. 2.7 (-}- O.o) Stück. Die Zahl der Samen in der Frucht<br />

war am N-Schneebodenfelsen (die halbentwickelten in Klammern,<br />

die wenigen unentwickelten wurden nicht gezählt) 79 (+ 1),<br />

87 (+ 4), 91 (+ 5), 115 (+ 1), 133 (+ 3), 136 (+ 2), 147 (+ 5),<br />

151 (+ 5), 163 (+ 2) und 213 (+ 0), (hirchsclin. 131.5 (-|- 3.i).<br />

Die Anzahl der vollentwickeJten Samen jjro Stengel betrug also<br />

an der Stelle 355.o Stück.<br />

K e i m u n g d e r S a m e ji i m K e i m u n g s v e r s u c Ii.<br />

Die am 1. IX. 1931 vom N-Schneebodenfelsen und am 17. VIII. 1931


191 N. Söyrinki, Vermehrung (1. Sanienpfl. i. (1. alpinen Vegetation. 11.<br />

von der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung zu 37 bzw.<br />

88 % und die ersteren ohne Frostbehandlung zu 45 % im JACOB-<br />

SENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 7. Tage<br />

(ohne Frostbehandlung in der 2. Woche) ein, war am kräftigsten<br />

in der 2. Woche und dauerte etwa 4 Monate fort. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten grösstenteils tot (weich). -<br />

Der grosse Unterschied in der Keimfähigkeit der beiden Portionen<br />

könnte möglicherweise seine Erklärung darin finden, dass die<br />

Samenstreuung beim Einsammeln an der erstgenannten Stelle<br />

schon grösstenteils stattgefunden hatte, an der letzteren dagegen<br />

el)en erst im Beginnen war; an der ersteren Stelle wären also die<br />

lebenskräftigsten Samen schon ausgestreut worden, während an der<br />

letzteren gerade solche in den Versuch gelangten. - Nach den Beobachtungen<br />

LINDMARKS (1902, S. 36) bricht die Keimwurzel 2 Wochen<br />

nach dem Aussäen hervor.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 13. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf dem Schneeboden, am 23. VII. 1931 waren sie ziemlich<br />

weit entwickelt), - Nach LINDMARK (I.E.) keimen die Samen<br />

erst im folgenden Frühling; auch in den Versuchen haben sie sogar<br />

nach vorangehendem Gefrieren nicht früher gekeimt. Nach SYLVÉN<br />

(1906, S. 230) erfolgt die Keimung im »Frühling».<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

ziemlich regelmässig an den Standorten der Art vor, abgesehen<br />

jedoch von den am spätesten ausapernden Siedlungen, in denen<br />

die Samenreife mehr oder minder unsicher ist. Der Keimlingsquotient<br />

variiert an meinen Beobachtungsstellen auf den weniger<br />

extremen Schneeböden sowie an den Bachufern und N-Felshängen<br />

von 0.2 bis 3; im Hinblick auf die Sanienmenge wie auch die im<br />

allgemeinen verhältnismässig günstigen Keimungsbedingungen steigt<br />

er also nicht sehr hoch. Selbst auf spät ausapernden Schneeböden<br />

können aber Keimlinge relativ zahlreich auftreten; so war der<br />

Keimlingsquotient in einer Deschampsia «/p/ua-Siedlung 1. Auch<br />

in der Phippsia algida -Schneebodenvegetation habe ich Keimlinge<br />

der Art angetroffen, desgleichen in einer extremen Siedlung der<br />

artenreichen Oxijria digyiia -Schneebodenvegetation.


Aiinales Botanici Socictatis Vanamo. Toni. 14. N:o 1. 225<br />

Unter optimalen Bedingungen kommen die Keimlinge gelegentlich<br />

sogar sehr reichlich vor. In einer Siedlung der Carex rigida-<br />

C. Lachenalii -Heidewiese am Rande extremer Schneebodenvegetation<br />

wurden auf O.i m^ 30 jüngere und 81 ältere Keimlinge gezählt.<br />

Die Bodenschicht war an der Stelle von Polijtrichum alpimim und<br />

Lebermoosen zusammengesetzt, die für die Samen ein geeignetes<br />

Keimbett bildeten; in den moosfreien Flecken dagegen, in denen<br />

der Boden von einer festen Streuschicht abgefallener Carex rigida-<br />

Blätter bedeckt war, wurden keine Keimlinge gefunden. - SYLVÉN<br />

(I.e.) hat in Tome Lappmark Sanienkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie es auch die Beobachtungen von SYLVÉN (I.E.) und<br />

RESVOLL (1917, S. 176) erwiesen haben. LINDMARK (I.E.) gibt vom<br />

Dovre ein augenscheinlich schon im zweiten Jahr blühendes Individuum<br />

an; in den Petsamofjelden kann die Entwicklung der Art aber<br />

auf keinen Fall so rasch ablaufen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein kurzes,<br />

mehr oder minder senkrechtes Rhizom, das gewöhnlich mehrere<br />

Sprosse trägt. Eine vegetative Vermehrung kann nur durch Selbständigwerden<br />

der wurzelnden Sprosse stattfinden (vgl. V^AIIMING<br />

1886 a, S. 10 und 1909, S. 216; LINDMARK 1902, S. 39-10), sie<br />

scheint aber keine grössere Bedeutung im Gebiet zu besitzen<br />

(nach LINDMARK können die Nebensprosse bisweilen ausläuferartig<br />

sein). - Die an den Blütenständen Bulbillen erzeugende und<br />

sich durch diese vermehrende arktische Form (var. comosa Retz.)<br />

(vgl. WARMING 1886 a, S. 12; HARTZ 1895, S. 332; EKSTAM 1898,<br />

S. 12; GANDRUP 1923, S. 12), ist im Gebiet nicht angetroffen worden.<br />

Saxifraga nivalis L. ssp. eii-nivalis l^r.-Bl.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie an mehr oder minder<br />

sonnigen Felshängen (j), sp - pc) sowie an schneebodenartigen Stellen<br />

am Fusse der Felsen (r, pc - i)cc).


226 N. Söijrinld, Vennehrung d. Samenpfl. i. tl. alpinen Vegetation. IL<br />

F II n (1 o r t e. Kicrgipori, am Fiisse eines Drijas -Felsens;<br />

Rahpesoaivi, am N-Hang der Felsschlucht oben auf dem Fjeld<br />

(auch ssp. tenuis'}); Vilgiskoddeoaivi: am SE-IIang der niedrigeren<br />

Anliöhe nördlich vom Gipfel, an einem W-Felshang im unteren Teil<br />

des NE-Haiigs; Kuorbgas-Fhiss: am SE-Felshang am Ufer, auf<br />

N-Felsen am entgegengesetzten Ufer; Kammikivi-Gebiet, st r nach<br />

KALLIOLA (1932, S. 105); Kammikivitunturi nach VALLE (1933 b,<br />

S. 268); Hieppetshohki (Onkituntnrit): am W-Hang des Gipfels, an<br />

der W-Seite des Fjeldes an N-Felsen, desgleiclieii an S-Felsen;<br />

Njoammelatshohki, oben am NE-Hang (ssp. tenuis'?); Luotnoaivi,<br />

an einer Felswand am W-Hang des nördliclien Gipfels; Kaskamalunturi<br />

bei Pitkäjärvi, am Fusse eines Felsens am N-Hang (ssp.<br />

tenuis'}), (in der Kiefernwaldregion an einer Felswand am N-Hang);<br />

(in der Birkenwaldregion am Onkitunturinjärvi-See an einer ausgehöhlten<br />

E-Felswand sowie am Fusse derselben).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich zerstreut oder ziemlich<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen an sonnigen Felsen<br />

am 17. VII. abgeschlossen, an schattigen aber noch im vollen Gang.<br />

- In Purnmanki auf der Fischerhalbinsel war die Art am 29. VII.<br />

an den Steilfelsen allgemein abgeblüht, nur wenige Individuen<br />

wurden noch im Ausblühen beobachtet.<br />

Im J. 1933 war die Art am 4. VII. am W-Felshang auf dem<br />

Gipfel des Hieppetshohki schon ausgeblüht und litt augenscheinlich<br />

an Wassermangel. Am N-Felsen war das Blühen am 6. VII. im<br />

Beginnen und am 12. VII. im vollen Gang, am Fusse eines Felsens<br />

aber erst am 20. VII.<br />

Samenreife. Im J. 1931 hatte die Samenstreuung am<br />

1. IX. sogar am N-Felshang grösstenteils stattgefunden und die<br />

Stengel waren vergilbt. - Im J. 1933 war die Ausstreuung<br />

am N-Felsen am 11. VIII. im Beginnen, ebenso an der E-Felswand<br />

am Onkitunturinjärvi in der Birkenwaldregion und am 31. VII.<br />

in der Kiefernwaldregion am N-Hang des Kaskamatunturi. - Die<br />

Samenreife wird also schon frühzeitig vor Ende der Vegetations-<br />

])eriode erreicht.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 am N-Felshang etwa 36 Tage. - CLEVE (1901, S. 48<br />

und 83) fand als Präflorationszeit in Schwedisch-Lappland 17 Tage


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 227G3<br />

und als Länge der ganzen Vegetationsperiode 51 Tage, nach RESVOLL<br />

(1917, S. 179) waren die entsprechenden Daten in Norwegen 16 und<br />

> 41 Tage.<br />

Auf Spitzbergen schreibt EKSTAM (1898, S. 44) in Advent Bay<br />

schon am 8. VIII. (1897) reife Früchte angetroffen zu haben und<br />

am 17. VIII. waren sie an den meisten Stellen reif; nach ANDERSSON<br />

und HESSELMAN (1900, S. 22) dürften reife Früchte jährlich erzeugt<br />

werden, die Fruchtreife erfolgt aber wahrscheinlich sehr spät,<br />

denn noch am 22. VIII. (1898) wurden in Treurenberg Bay keine<br />

reifen Früchte vorgefunden. In Ostgrönland hat HARTZ (1895 a,<br />

S. 182) auf Danmarks 0 reife Früchte wahrgenommen, desgleichen<br />

KRUUSE (1906, S. 241) reichlich in Angmagsalik; LID (1932, S. 10)<br />

hat die Art bei 68° N mit reifen Samen angetroffen und GELTING<br />


228 N. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

21 %) im JACOBSENscheii Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

am 7. Tage (nacli Frostbehandlung in der 2. Woche) ein und dauerte<br />

3.5 Monate; sie erfolgte in zwei Perioden mit einer eingeschalteten<br />

Pause von etwa 2 Monaten. Die übriggebliebenen Samen waren<br />

noch nach 18 Monaten grossenteils lebend (hart). Das schwache<br />

Resultat kann vielleicht darauf beruhen, dass die Samen aus den<br />

letzten Früchten stammten und nicht mehr so keimkräftig waren<br />

wie sicherlich in den früher herangereiften Früchten, die ihre Samen<br />

schon ausgestreut hatten. - Nach LINDMARK (1902, S. 45) beginnt<br />

die Keimung 2 Wochen nach dem Aussäen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden. - LINDMARK<br />

(1902, S. 46) hält es für glaublich, dass die Keimung erst nach der<br />

Winterruhe erfolgt, obgleich die Samen in der Kultur schon eine<br />

Zeit nach dem Heranreifen keimen können.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge sind ziemlich<br />

allgemein, wenn auch nicht gerade reichlich an den Standorten<br />

der Art vorzufinden. Der Keimlingsquotient variiert gewöhnlich<br />

von 0.2 bis 3; im Vergleich zu der Samenproduktion bleibt er<br />

also ziemlich bescheiden. An den trockensten, nur unbedeutend<br />

verwitterten Felsen, die den Samen nur äusserst geringe Gelegenlieiten<br />

zur Keimung bieten, können die Keimlinge gelegentlich<br />

gänzlich fehlen. Aber auch im allgemeinen sind die Keimungsbedingungen<br />

an den Standorten der Art relativ schlecht, weil diese gewöhnlich<br />

mehr oder minder steile Hänge darstellen, von welchen die<br />

feineren Bestandteile - und damit natürlich oft auch die Samen<br />

selbst - leicht weggespült werden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind jedoch im allgemeinen günstig. - SYLVÉN (1906,<br />

S. 230) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

LINKOLA (1930 b, S. 140) hat bei seinen Untersuchungen<br />

in der Felsenvegetation am Ladogasee an zwei Stellen Keimlinge<br />

beobachtet (der Keimlingsquotient variierte von 1 bis 3).<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch aus den Beobachtungen SYLVÉNS (I.e.) hervorgeht.<br />

Nach LINDMARK (i.e.) wiederum blüht die Art frühestens<br />

im 2. oder 3. Jahr, eine so rasche Entwicklung ist aber in den<br />

Petsamofjelden nicht möglich.


Annalcs Botanici Socictalis Vanamo. Tom. 11. N:o 1. 229<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein gewöhnlich<br />

kurzes, mehr oder minder senkreclites Rhizom. Eine vegetative<br />

Wanderung ist also ausgeschlossen, nach LINDMARK (I.E.) kann al)er<br />

bei der Art auf höheren Fjelden, wo die Samenbildung unsicherer<br />

ist, eine sehr kräftige vegetative Individuenbildung durch Ablösung<br />

der Sprosse vom Mutterindividuum eintreten. In den Petsamofjelden<br />

kann jedoch auch dieser Vermehrungsmöglichkeit keine besondere<br />

Bedeutung beigemessen werden (vgl. WARMING 1886 a, S. 14;<br />

EKSTAM 1897, S. 132). - GANDRUP (1923, S. 8) erwähnt die Art auf<br />

Jan Mayen vivix)ar angetroffen zu haben, er meint aber offenbar<br />

Saxifraga stellaris (vgl. op.c., S. 12).<br />

Saxifraga nivalis L. ssp. tenuis (\Vg) Br.-Bl.<br />

Ii ä u f i g k e i t und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar begegnet man ihr auf feuchten Schneeböden<br />

sowie an schattigen, schneebodenarligen Fclshängen<br />

(p, st pc - st cp). - Vgl. SMITH (1920, S. 196).<br />

Fundorte. Kiergipori, an den Quellenbächen am Ufer des<br />

Teiches auf Schneeboden; Vilgiskveljoki, auf Schneedöden und Felsen<br />

am N-Hang am oberen Lauf des Flusses; Haijoaivinjunne, am<br />

Felshang an der N-Seite des Fjeldes; Vilgiskoddeoaivi, auf Schneeböden<br />

am SE-Iiang; im Kanimikivi-Gebiet r nach KALLIOLA (1932,<br />

S. 105); Rieppetshohki (Onkitunturit), an zwei Stellen auf Schneebodenfelsen<br />

am NW-Hang; am N-Hang des Fjeldes zwischen Rieppetshohki<br />

und Jönkiergioaivi; Njoammelatshohki, im unteren Teil<br />

des W-Hangs auf dem Schneeboden am Fusse eines Felsens. - Siehe<br />

auch unter Saxifraga nivalis ssp. en-nivalis.<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 am N-Schneebodenfelsen<br />

durchschn. 9(4-12) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich.<br />

Fl oration. Im J. 1931 war das Blühen am N-Felshang<br />

am 9. VII. schon im Ausklingen, am Quellenbach auf dem Schneeboden<br />

wiederum am 15. VII. teilwesie im Beginnen, teilweise im<br />

vollen Gang.<br />

Im J. 1933 war die Art am N-Felshang am 9. VII. ausgeblüht,<br />

auf den am frühesten ausapernden Schneeböden stand sie in voller<br />

Blüte. Auf dem Schneeboden am Quellenbach waren am 5. VII.


20 I N. Söijrinld, Vermehrung d. Sainenpfl. i. d. aljjinen Vegetation. II.<br />

nur Blattrosetten vorhanden, am 19. YII. ging das Blühen seinem<br />

Ende entgegen, wie allgemein auf den vSchneeböden. An den extremsten<br />

Stellen wurde das Blühen aber wegen der dicken Firnweheji<br />

in einen bedeutend späteren Zeitpunkt verlegt. So befand<br />

sich die Art an einem Schneebodenfelsen am 26. VII. in voller<br />

Blüte, ebenso am 16. VIII. in einer lebermoosreichen Schneebodensiedlung,<br />

und blühende Individuen wurden noch am 30. VIII.<br />

beobachtet.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Samenstreuung am<br />

3. IX. am Quellenbach auf dem Schneeboden bereits stattgefunden<br />

und die Stengel waren vertrocknet. - Im J. 1933 hatte die Ausstreuung<br />

am N-Felsen am 12. VIII. begonnen, auf den Schneeböden<br />

aber noch nicht, doch waren die Früchte in den weniger<br />

extremen Siedlungen schon ausgebildet. - Im allgemeinen wird<br />

die Samenreife rechtzeitig vor Abschluss der Vegetationsperiode<br />

erreicht, ausser an den allerspätesten Standorten, wo die Samen<br />

nach schneereichen Wintern (wie im Sommer 1933) oder in sonst<br />

ungünstigen Jahren offenbar wenigstens zum grossen Teil ihre<br />

Entwicklung nicht zu Ende bringen können.<br />

Auf Spitzbergen haben ANDERSSON und HESSELMAN (1900,<br />

S. 22) die Art am 25. VIII. 1898 bei Grey Hook mit halbreifen<br />

Früchten angetroffen. In Ostgrönland erzeugt sie nach GELTING<br />

(1934, S. 127) reife Samen zwischen 73° 15' und 76°20' N. In Ellesmereland<br />

ist die Fruchtproduktion reichlich nach SIMMONS (1906,<br />

S. 68). Auf Novaja Semlja fand LYNGE (1923, S. 61) am 5. VIII. 1921<br />

reife Früchte in Mashigin.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 12. VIII. 1933 vom N-Felshang eingesammelten, am 28. IX.<br />

1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten vollentwickelten<br />

Samen keimten im gleichen Herbst bis zum 8. XI. noch<br />

gar nicht und im folgenden Frühjahr bis zum 14. V. nur zu 5 %.<br />

Die Bewässerung war für die Art während des Versuches offenbar<br />

nicht ausreichend.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 19. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf dem Schneeboden am Quellenbach).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den meisten Standorten der Art verhältnismässig reichlich vor;


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 231G3<br />

der Keiinliiigsquotient variierte an meinen Beobachtungsstellen von<br />

0.5 bis 5. Die Keimungsbedingungen sind an den Standorten im<br />

allgemeinen recht gut, weil diese oft weit in den Sommer hinein<br />

feucht bleiben und auch mehr oder minder nackter Boden gewöhnlich<br />

vorhanden ist. Auf den extremsten Schneeböden wird die<br />

Keimlingszahl jedoch natürlich trotz der Günstigkeit der ül)rigen<br />

Faktoren durch die Unsicherheit der Samenreife vermindert.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Eine vegetative Vermehrung kann höchstens in<br />

geringem Masse durch Selbständigwerden einzelner Sprosse stattfinden.<br />

Saxifraga aizoides L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie an den Bachufern<br />

(p, sp - cp) sowie an mehr oder minder feuchten und schattigen<br />

Felshängen und am Fusse derselben (st r, st pc - cp) auf basischem<br />

Gesteinsgrund; f. auraniia Hn ist auf dem Luotnvaara und an<br />

zwei Stellen am NW-Hang des Luotnoaivi angetroffen worden.<br />

- Vgl. auch SÖYRiNKi (1936).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im Jahre 1933 am Fusse<br />

eines Felsens bis 12 cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

Flora tion. Im J. 1931 hatten sich die ersten Blüten an<br />

einem Bachufer am 16. VII. entfaltet, an N-Felsen hatte das Blühen<br />

aber am 20. VII. noch nicht begonnen; am 25. VIII. war die Floration<br />

im Gebiet in grossen Zügen abgeschlossen. - In Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel befand sich die Art am 29. VII. an den<br />

Hängen der Steilfelsen im Aufblühen.<br />

Im J. 1933 fand ich eine einzige Blüte am 4. VII. an einem N-Felshang,<br />

wo die Pflanze erst nur ein paar Zentimeter hoch war. An den<br />

Bachufern begann das Blühen am 11. VII. und noch am 21. VII.<br />

war die Art im allgemeinen im Aufblühen; am 4. IX. waren sogar<br />

die letzten Blüten verschwunden. An den am frühesten ausapernden<br />

N-Felshängen wurde die Art am 26. VH. in beinahe voller Blüte,<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n.-o 1. 16


191 N. Söyrinki, Vermehrung (1. Sanienpfl. i. (1. alpinen Vegetation. 11.<br />

an den spätesten aber erst mit Knospen wahrgenommen. An den<br />

Steilfelsen am NW-Hang des Luotjioaivi war das Blühen am 16. VIII.<br />

noch beinahe im vollen Gang, ebenso am 2. IX. auf den Schneebodenfelsen<br />

am N-Hang des Vuoggoaivi (vgl. VALLE 1930 und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte an den Bachufern<br />

am N-Hang des Läntinen Ortoaivi und des Kammikivitunturi<br />

am 30. VIII. noch nicht reif, nur die ersten waren ausgebildet,<br />

die meisien dagegen halbwüchsig, und die ganze Pflanze<br />

war noch sommerlich grün gefärbt.<br />

Im J. 1933 waren die ersten Früchte am 4. IX. an einem Bachufer<br />

an der Waldgrenze aufgesprungen, und auch die letzten hatten<br />

sich schon eine Strecke weit entwickelt, an schattigen Stellen hatte<br />

die Art aber noch nicht reife Samen. An den am spätesten ausapernden<br />

schneebodenartigen Felsenstandorten waren sogar die<br />

ersten Früchte noch in beginnender Entwicklung und konnten<br />

aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vor Ende der Vegetationsperiode<br />

zur Reife gelangen. - Auch im vorhergehenden Jahr hatte die<br />

Art den Winter grösstenteils mit unreifen Samen empfangen müssen,<br />

denn Anfang Juli 1933 fand ich an allen Standorten nur spärlich<br />

aufgesprungene vorjährige Früchte, die meisten waren geschlossen<br />

und viele noch ganz klein. So war der Fall auch am vorgenannten<br />

Bachufer an der Waldgrenze.<br />

Die Samenproduktion ist bei der Art im Gebiet also in recht<br />

bedeutendem Masse von den Wettergöttern abhängig. An den<br />

frühesten Standorten dürften wohl in allen Sommern reife Samen<br />

jedenfalls in einigem Umfang erzeugt werden, an den spätesten<br />

Stellen dagegen bleibt die Fruchtreife in den ungünstigsten Sommern<br />

oder nach schneereichen Wintern (wie im Sommer 1933) offenbar<br />

völlig aus; in den besten Jahren ist die Besamung jedoch offensichtlich<br />

mehr oder minder ausgiebig (vgl. CLEVE 1901, S. 48; LIND-<br />

MARK 1902, S. 32).<br />

Auf Spitzbergen sind reife Früchte nicht angetroffen worden<br />

(EKSTAM 1898, S. 15; ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 28).<br />

Nach WARMING (1886 a, S. 27 und 1909, S. 176) macht die Art<br />

reife Früchte in West-, Süd- und Ostgrönland. In Ostgrönland<br />

erzeugt die Art nur verhältnismässig selten Früchte in Angmagsalik<br />

nach KRUUSE (1906, S. 243), reife Früchte hat KRUUSE nicht<br />

beobachtet und nur wenige alle Fruchtstände; SORENSEN (1933,


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 233G3<br />

S. 75) fand auf Ymer Island reife Früchte Mitte August, die Art<br />

blüht dort bis zum Wintereinbruch und überhaupt spät, nach<br />

(IELTING (1934, S. 119) bildet sie reife Früchte zwischen 73°15'<br />

und 76°2()' N. In Westgrönland blüht die Art nach PORSILD (1920 b,<br />

S. 91) bei Disko an den meisten Standorten noch s])ät im Sommer<br />

nicht und deswegen bleibt auch die Fruchtproduktion gewöhnlich<br />

aus. Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 129) nicht reife<br />

Früchte beobachtet; LYXGE (1928, S. 53) hat im Sommer 1921<br />

aufgesprungene, offenbar reife vorjährige Früchte vorgefunden.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich - soweit die<br />

Witterungsverhältnisse es gestatten - ziemlich regelmässig zu<br />

Früchten weiter. Die Anzahl der (noch nicht reifen) Früchte pro<br />

Spross betrug im J. 1931 am Bachufer (die verkümmerten Blüten<br />

in Klammern) 1, 1, 1, 1, 1 (+ 1), 2, 2, 2, 2, 2, 2 (+ 1), 3, 3, 3, 3 (+ 1),<br />

4, 4, 4, 4 und 5, durchschn. 2.5 (+ O.2). Die Zahl der »vollentwickelten»<br />

Samen in der Frucht war 13, 47, 53, 56, 89, 94, 100, 108, 119<br />

und 145, durchschn. 83.o (überdies liaibentwickelte und reichlicli<br />

unentwickelte). Die Anzahl der »vollentwickelten» Samen pro<br />

Spross betrug also 207.5 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 30. VIII. 1931 vom Bachufer eingesammelten »vollentwickelten»<br />

Samen keimten zu 11 %"im JACOiiSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte in der 2. Woche ein und dauerte<br />

6 Monate. Die Keimlinge waren alle schwach und die übriggebliebenen<br />

Samen nach 18 Monaten tot (weich). Dieses schwache Resultat<br />

war jedoch besser als zu erwarten gewesen wäre, waren ja<br />

die Früchte beim Einsammeln noch nicht reif, und erweist, dass<br />

die Samen schon auf ganz frühem Stadium wenigstens in einigem<br />

Umfang keimungsfähig sind. - Nach LINDMARK (1902, S. 27) keimen<br />

die Samen in etwa Iß Tagen.<br />

Die K e i m u n g der S a m en in der Natur findet<br />

hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode statt, teilweise<br />

aber offenbar erst später, denn einige von den jüngeren Keimlingen<br />

befanden sich noch am 25. VIII. 1931 auf einem verhältnismässig<br />

frühen Stadium. - Nach den Beol)aclitungen LINDMARKS (I.e.)<br />

und SYLVÉNS (1906, S. 230) erfolgt die Keinning im Frühling.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge kommen bei<br />

der Art im Gebiet eigentlich reichlicher vor als man auf Grund der


24 I N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Beobachtungen über die Sanienreife annehmen könnte. In den<br />

Saxifraga aizoides -Siedlungen der Bachufer variierte der Keimlingsquoticnt<br />

an meinen drei Beobachtungsstellen von 2 bis 3.<br />

Die meisten Keimlinge wuchsen ganz am Bachrand auf der dicken,<br />

untergetauchten oder etwas aus dem Wasser emporragenden Moosmatte<br />

(hauptsächlich Philonotis tomentella, Drepanocladiis revolveiis<br />

und Calliergon trifarium), während nur verhältnismässig wenige<br />

drinnen im dichten Geflecht der Saxifraga aizoides -Sprosse Platz<br />

gefunden hatten. An einem N-Felshang war der Keimlingsquotient<br />

O.i; an den am spätesten ausapernden Standorten, wo die<br />

Samenreife noch unsicherer wird, sind Keimlinge aber nur ausnalimsweise<br />

zu finden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind also mehr oder weniger günstig. - LTNDMAIN (1887,<br />

S. 101) hat auf dem Dovre und SYLVÉN (i.E.) in Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - Nach LINDMARK (I.e.) blüht die Art im 3. Jahr, eine<br />

so schnelle Entwicklung scheint aber in den Petsamofjelden nicht<br />

möglich zu sein.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat einen längs<br />

dem Boden kriechenden, verzweigten und reichlich feine Adventivwurzeln<br />

treibenden Spross, mit dessen Hilfe sie auf vegetativem<br />

Wege dichte Siedlungen bildet (vgl. WARMING 1886 a, S. 26, 1886 b,<br />

S. 57 und 1909, S. 173; LINDMARK I.E.).<br />

Saxifraga cernua L.<br />

Häufigkeit und Vorkomme n. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie, an mehr oder minder sonnigen Felshängen<br />

(r, st pc), ebenso auf den Schneeböden (r, sp - st cp).<br />

Fundorte. Kuorbgas, auf dem Schneeboden an der N-Seite<br />

des Gipfels; Kuorbgas-Fluss: am SE-Felshang am Ufer, auf N-Felsen<br />

am entgegensetzten Ufer; Housutunturi, auf Schneeboden am<br />

N-Hang; Hieppetshohki (Onkitunturit), am S-Felsen an der W-Seite<br />

des Fjeldes; Luotnoaivi, auf dem Schneeboden ol)en an der N-Seite<br />

des südwestlichen Gipfels.


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 14. N:o 1. 235<br />

Fertilität. Die Art blüht ziemlicli reichlich. Am Spross<br />

wird regelmässig nur eine Blüte gebildet, die übrigen haben sich,<br />

wie im allgemeinen bei der Art, zu Brutknospen verwandelt (vgl.<br />

z.B. WARMING 1886 a, S. 3; EKSTAM 1898, S. 10).<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 war die Art am 11. VIII. am S-Felshang<br />

ausgeblüht, auf schattigem Sclmeebodeii wurden aber noch<br />

am 16. VIII. einige Blüten angetroffen. - In Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel war das Blühen an den Hängen der Steilfelsen<br />

am 29. VII. 1931 abgeschlossen.<br />

S a m e n r e i f e. Fruchtbildung ist bei der Art im Gebiet<br />

nicht eingetreten, sondern alle Blüten verkümmerten ohne sich<br />

weiterzuentwickeln. Nach den Literaturangaben ist aber das gleiche<br />

auch überall anderswo der Fall (vgl. z.B. WARMI.NG 1886 a, S. 6;<br />

EKSTAM 1897, S. 133; LINDMARK 1902, S. 79; SIMMONS 1900, S. 75;<br />

RESVOLL 1917, S. 186; HEGI 1906-31, IV, S. 617-018); Samen<br />

sind bei der Art sie gefunden worden.<br />

Die K e i m b u 1 b i 11 e n waren am S-Felshang »reif» am<br />

11. VIII. 1933. - Auf Spitzbergen hat EKSTAM (1898, S. 17) reife<br />

Bulbillen in Advent Bay Mitte August angetroffen; in Nordwestgrönland<br />

(77° N) fand OSTENFELD (1925, S. 18) solche am 27. VIII.<br />

und auf Novaja Semlja LYNGE (1923, S. 55) in Arkhangel Bay<br />

am 12.-13. VIII.<br />

K e i m u n g der Bulbillen i ni K e i m u n g s v e rs<br />

u c h. Die am 11. VIII. 1933 vom S-Felshang eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Brutknospen (50 Stück) keimtem im gleichen Herbst bis zum<br />

11. X. zu 88%; l)is zum 31. V. 1934 erschienen keine weiteren<br />

Keimlinge mehr. Die Keimung setzte am Ende der 1. Woche ein<br />

und erfolgte sehr gleichzeitig.<br />

K e i m Ii n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Da keine Samen erzeugt<br />

werden, sind bei der Art natürlich auch keine Samenkeimlinge zu<br />

finden. B u 1 b i 11 e n k e i m 1 i n g e findet man dagegen gewöhnlich<br />

verhältnismässig reichlich aji den Standorten der Art vor. An<br />

einem SE-Felshang schätzte icli den Keimlingsquotienten auf 2,<br />

auf einem N-Felsen wiederum auf 3.<br />

Die Entwicklung der Bulbillenkeimlinge zum blühreifen<br />

I n d i V i d u u m nimmt mehrere Jahre in Anspruch. - Nach<br />

den Beobachtungen LINDMARKS (1902, S. 77) und RESVOLLS (1917,


236 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

S. 186) kann das Blühen frühestens im 3. Jahr erfolgen, möglicherweise<br />

aber erst später.<br />

Vegetative Vermehrung. Ausser an den Blütenständen<br />

bildet die Art Brutknospen auch unten am Stengelgrund,<br />

wo sie sich zu wurzeltreibenden Nebensprossen entwickeln, die<br />

also nach ihrer Trennung von der Mutterpflanze selbständig weiterleben<br />

können. - Ausläuferbildungen, die man bei der Art in den<br />

arktischen Ländern wahrgenommen hat (WARMING 1909, S. 180;<br />

RESVOLL 1917, S. 188), habe ich im Gebiet der Petsamofjelde nicht<br />

festgestellt, wie auch nicht LINDMARK (I.e.) bei den skandinavischen<br />

Individuen und GELTING (1934, S. 121) in Ostgrönland.<br />

Saxifraga riviilaris L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m en. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie auf mehr oder minder feuchten<br />

und spät ausapernden Schneeböden (st fq, st pc - st cp) sowie<br />

an schneebodenartigen N-Felshängen (p, st pc - sp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 am N-Felshang<br />

durchschn. 3.5 (1 - 7) cm, sie kann aber im Gebiet bis zu 10 cm<br />

ansteigen (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 306; FEILDEN 1898, S. 422;<br />

RESVOLL 1917, S. 189; GANDRUP 1923, S. 12; VAAGE 1932, S. 22).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

ziemlich reichlich oder reichlich.<br />

Fl oration. Im J. 1931 war die Art am 23. VII. auf den<br />

Schneeböden schon allgemein ausgeblüht, an den am spätesten<br />

ausapernden Stellen wurde sie aber noch am 13. VIII. teilweise<br />

in Blüte beobachtet. - In Pumnianki auf der Fischerhalbinsel war<br />

das Blühen am 29. VII. an den Hängen der Steilfelsen abgeschlossen.<br />

Im .1. 1933 war die Art an den frühesten Standorten am 9. VII.<br />

teilweise ausgeblüht, auf den eigentlichen Schneeböden befanden<br />

sich aber erst wenige Individuen im Aufblühen. Am 21. VH. war<br />

das Blühen in den am frühesten ausapernden Schneebodensiedlungen<br />

abgeschlossen, in den extremsten war es am 9. VIII. im vollen<br />

Gang. Am Quellenbach auf einem Schneeboden konnte man am<br />

5. VII. von der Art nur Blaltrosetten beobachten, am 19. VII.<br />

war sie beinahe in voller Blüte und am 8. VI II. hatten sich die<br />

Früchte schon weit entwickelt.


Aniialcs Botanici Socictalis Vanamo, Tom. I I. N;o 1. 237<br />

S a m c n r t'i f e. Im J. 1931 hatte die Samenstreuiing seihst<br />

an ziemlich spät ausapermleii Standorten am l. IX. grösstenteils<br />

stattgefunden. - Im J. 1933 hatte die Ausstreuung am 12. VIII.<br />

an den frühesten Stellen schon begonnen, und Anfang September<br />

waren die Früchte auch in den spätesten Siedlungen allgemein<br />

reif. - Die Samen kommen also rechtzeitig vor Ende der Vegetationsperiode<br />

zur Reife, ausser wahrscheinlich in den ungünstigsten<br />

Sommern an extremsten Standorten.<br />

Nach WARMING (1886 a, S. 9-10 und 1909, S. 215) hat man<br />

bei der Art auf Spitzbergen, in Grönland und auch anderswo im<br />

arktischen Gebiet reife Früchte angetroffen. Auf Spitzbergen<br />

dürften die Früchte regelmässig reifen (ANDERSSON und HESSEL-<br />

MAN 1900, S. 29). In Ostgrönland erzeugt die Art reife Früchte<br />

zwischen 73°15' und 7G°20' N nach GELTING (1934, S. 129). In<br />

Nordwestgrönland (77° N) beobachtete OSTENFELD (1925, S. 19)<br />

sie am 20. VIII. mit Früchten. Auf .Tan Mayen fand KRUUSE<br />

(1902, S. 300) viele alte Früchte im Sommer 1900 und GANDRUP<br />

(1923, S. 12) reife Früchte im August 1919. Auf Novaja Semlja<br />

kommen die Samen nach LYNGE (1923, S. 59) gut zur Reife.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich regelmässig<br />

zu Früchten weiter (vgl. WARMING 188G a, S. 9). Am Stengel<br />

wird gewöhnlich nur eine Blüte gebildet, selten 2 (vgl. RESVOLL<br />

1917, S. 192) Die mittlere Blütenzahl war im J. 1931 auf dem<br />

Schneeboden l.i Stück. Die Anzahl der Samen in der Frucht betrug<br />

(die halbentwickelten in Klammern, die unentwickelten wurden<br />

nicht gezählt) 11 (+ 5), 25 (+ 8), 31 (+ 2), 32 (+ 2), 33 (+ 5),<br />

81 (+ 3), 81 (+ 5), 82 (+ 4), 92 (+ 1), und 129 (-{- 8), durchschn.<br />

59.7 (+ 4.3). Die Samenzahl pro Stengel war also 02.7 Stück.<br />

Keimung der Sa m e n i m K c i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 1. IX. 1931 vom Schneeboden eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten nach Frostbehandlung zu 87 % und<br />

ohne Frostbehandlung zu 67 % im .lACOBSENschen Keimungsaj)parat.<br />

Die Keimung setzte am (>. (ohne Frostbehandlung am 5.)<br />

Tage ein, war am kräftigsten in der 2. Woche und dauerte 13 Moiuite.<br />

Die übriggel)liebenen Samen waren nach 18 Monaten tot (weich).<br />

Die am 12. VIII. 1933 vom Schneeboden eingesammelten,<br />

am 29. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen keimten im gleichen Herbst bis zum 8. XI. noch gar nicht,


238 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

im folgenden Frühjahr aber bis zum 14. V. zu 63 % ziemlich gleichzeitig.<br />

- Nach den Untersuchungen LINDMARKS (1902, S. 55) keimen<br />

die Samen in etwa 10 Tagen. Die Keimuug erfolgt erst im folgenden<br />

Frühling, nur mit einer starken Frostwirkung kann man sie früher<br />

hervorrufen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 9. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge an einem schneebodenartigen N-Felshang).<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge findet man<br />

regelmässig und gewöhnlich mehr oder minder reichlich an den<br />

Standorten der Art vor. Der Keimlingsquotient variiert auf den<br />

Schneel)öden und an den N-Felshängen im allgemeinen von 2<br />

bis 10. Die Keimungsbedingungen gestalten sich denn auch an den<br />

Standorten überhaupt äusserst günstig, weil der Boden weit in<br />

den Sommer hinein feucht und weich bleibt und überdies oft mehr<br />

oder minder nackt ist. An den am allerspätesten ausapernden Stellen<br />

sind die Keimlinge jedoch spärlicher vertreten; so wurde der Keimlingsquotient<br />

in einer Siedlung der Phippsia algida -Schneebodenvegetation<br />

auf 0.3 geschätzt. In optimalen Verhältnissen kommen<br />

die Keimlinge gelegentlich sehr zahlreich vor: in Pummanki auf<br />

der Fischerhalbinsel war der Keimlingsquotient am N-Hang des<br />

Kuivatunturi in einer etwa 5 m tiefen, feuchten Felshohle 50 (20 fertile<br />

Sprosse wuchsen an der Stelle). Einmal habe ich einen älteren<br />

Keimling auf der Ranunculus acer -Wiese am Rande der Schneebodensiedlungen<br />

vorgefunden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig. - POKSILD (1902, S. 121 und 213) hat<br />

auf Disko in Westgrönland an zwei Stellen Samenkeinilinge bei<br />

der Art wahrgenommen. SYLVÉN (1906, S. 233) hat sie in Torne<br />

Lappmark eingesammelt, desgleichen SIMMONS (WAKMING 1909,<br />

S. 211) in Island.<br />

Das b 1 ü h r e i f e St a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - LIJNDMAKK (1902, S. 57) vermutet, dass die Art an<br />

günstigen Stellen schon im 2. Jahr blühen könnte, höher hinauf<br />

auf den Fjelden geht die Entwicklung aber langsamer vor sich.<br />

V e g e t a t i v e V e r m e h r u n g. Die Art bildet an den<br />

Sprossgründen oft Ausläufer, und auch die wurzeltreibenden Nebensprosse<br />

können Selbständigkeit erlangen (vgl. WARMING 1886 a,


Annalcs Botanici Socictatis Vanamo. 'I'oni. 14. N:o 1. 239<br />

S. 7-8 unci 1909, S. 210; LINDMARK 1902, S. 58-59; GELTING<br />

1934, S. 129). Nach WARMING Averdcn die Ausläufer bis 6 cm lang;<br />

selbst habe ich im Schneebodengeröll solche von 4.5 cm Länge<br />

gemessen, gewöhnlich sind sie aber noch kürzer.<br />

Saxifragci caespitosa L.<br />

Häufigkeit und Vor k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; man begegnet ihr auf sonnigeji, gelegentlich aber<br />

auch auf schattigen, schneebodenartigen Felsen (]), st pc - st cp),<br />

ebenso auf erratischen Felsblöcken (r, st cp).<br />

Fundorte. Pilguoaivi, auf einem erratischen Block am<br />

SE-IIang; Kiergipori, auf einem Dnjas -Felsen; Vilgiskveljoki,<br />

am N-Felshang am oberen Lauf des Flusses; Raijoaivinjunne, am<br />

Felshang im nordwestlichen Teil des Fjeldes; Vilgiskoddeoaivi:<br />

auf dem Gipfel etwa 100 m südlich vom topographischen Zeichen,<br />

auf der niedrigeren Anhöhe nördlich vom Gipfel, am N-Hang auf<br />

einem erratischen Block, am Fusse des W-Hangs am Ufer des<br />

Patjärvi am SW-Felshang; Itäinen Ortoaivi, am Felsen auf<br />

dem Gipfel; Kuorbgas-Fluss, am SE-Felshang am Ufer; Kammikivitunturi<br />

nach VALLE (1933 b, S. 268); Rieppetshohki (ünkitunturit),<br />

an der W-Seite des Fjeldes auf Felsen; Luotnvaara, auf den<br />

Felsen am Gipfel; Njoammelatshohki, an der Felswand am NE-IIang;<br />

(in der Birkenwaldregion: am Onkitunturinjärvi-See an einer E-Felswand<br />

und am Fusse derselben; an Felsen an der E-Seite des Pilguvaara).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 am N-Felshang<br />

durchschn. 3 (1 - 6) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 307; FEILDEN<br />

1898, S. 423; VAAGE 1932, S. 20).<br />

Fertilität Die Art blüht in der Hegel reichlich oder ziemlich<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Im J. 1933 war das Blühen am 6. VII. auf<br />

den Gipfelfelsen der Fjelde im vollen Gang und an den S-Hängen<br />

im Ausklingen oder teilweise schon abgeschlossen. Am N-Felshang<br />

befand sich die Art am 9. VII. in voller Blüte und am 22, VII. im<br />

Ausblühen, oberhalb einer Firnwehe aber am 10. VH. erst im<br />

Aufblühen. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel war die Art<br />

am 29. VII. 1931 an den Steilfelsen schon längst ausgeblüht.


240 N. Söljrinki, Vcrmehruivg (l,,Saiucnpfl. i. d. alpinen Vegetation, II.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die Früchte am 11. VIII.<br />

reif am SW-Felsen und die Samenstreuung war im Beginnen,<br />

ebenso am 12. VIII. an den frühesten N-Hängen; am 15. VIII.<br />

hatte die Ausstreuung an melirercn Stellen bereits stattgefunden. -<br />

In der subalpinen Region begann die Samenstreuung schon am<br />

28. VII. - In Pummanki waren die ersten Früchte auf den Meeresstrandwiesen<br />

am 1. VIII, 1931 aufgesprungen. - Die Samenreife<br />

wird also frühzeitig im Laufe der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Die Blüten entwickeln sich regelmässig zu Früchten weiter.<br />

Von voller Blüte bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 am N-Felshang etwa 34 Tage. - CLEVE (1901, S. 49 und 82)<br />

fand als Präflorationszeit in Schwedisch-Lappland 17 Tage und<br />

als Länge der ganzen Vegetationsperiode 47 Tage,<br />

Auf Spitzbergen hat EKSTAM (1898, S. 18) bei der Art reife<br />

Früchte angetroffen; nach ANDERSSON und HESSELMAN (1900,<br />

S. 30) ist die Fruchtproduktion gleichmässig und reichlich; BROWN<br />

(1908, S, 318) fand die Art auf Prince Charles Foreland fruchtend<br />

im August. In Ostgrönland hat DUSÉN (1901, S. 33) am 26. VIII.<br />

zwischen 70° und 75° N reife Früchte beobachtet und nach GELTING<br />

(1934, S. 120) reifen sie zwischen 73° 15' und 76°20' N. In Westgrönland<br />

ist die Fruchterzeugung reichlich auf Disko nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 91), Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 134)<br />

nicht völlig reife Früchte angetroffen, er meint aber, dass solche<br />

in normalen Jahren erzeugt werden dürften; nach LYNGE (1923,<br />

S. 54) kommen die Samen dort gut zur Reife. Vgl. auch WARMING<br />

(1909, S. 194).<br />

K e i m u n g d e r S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 1. VIII, 1931 von der Meeresstrandwiese in Pummanki<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten zu 95 % (ohne<br />

Frostbehandlung zu 93 %) im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte am 5. (ohne Frostbehandlung am 4.) Tage<br />

ein und erfolgte in der 1. und 2. Woche, nur 3% von den nicht<br />

frostbehandelten Samen keimten in der 3. Woche. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten tot (weich).<br />

Von den am 12. VIII. 1933 vom N-Schneebodenfelsen eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen keimten 2 % im gleichen Herbst bis zum 8. XI.<br />

und weitere 14 % im folgenden Frühjahr bis zum 31. V., und zwar


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 14. N:o 1. 211<br />

während einer längeren Zeit. - Nach LINDJVIAKK (1902, S. 5 und 24)<br />

keimen die Samen in der Kultur gleich nach dem Heranreifen;<br />

die Keimung erfolgt in etwa 10 Tagen.<br />

Die K e i m u n g der S a m e n in der Natur findet<br />

allgemein im Anfang der Vegetationsperiode statt, teilweise aber<br />

auch später, denn am 6. VII. 1933 fand ich schon jüngere Keimlinge<br />

auf einem erratischen Block und am 8. VII. 1933 am S-Felshang,<br />

am 13. VIII. 1933 al)er wiederum reichlich ganz neulich<br />

aufgekommene Keimlinge an der erstgenannten Stelle. Möglicherweise<br />

stammten die letzteren Keimlinge aus solchen vorjährigen<br />

Samen, die während der kurzen Zeit der Frühlingsfeuchtigkeit (am<br />

6. VII. litten die Keimlinge an der Stelle schon sichtl)ar an Wassermangel)<br />

noch nicht ins Leben geweckt worden waren, sondern<br />

erst nach den Sommerregen; es ist aber nicht ausgeschlossen, dass<br />

auch die diesjährigen Samen, die an der Stelle teilweise ausgestreut<br />

waren, schon zur Keimung gekommen wären. - Nach LIXDMARK<br />

(1902, S. 5) keimen die Samen vermutlich schon vor der Überwinterung,<br />

weil sie (teilweise) früh heranreifen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge sind an<br />

den Standorten der Art gewöhnlich mehr oder minder reichlich zu<br />

finden. Der Keimlingscpiotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

von 0.5 bis 10 und die Keimlinge sind sowohl an S- als an<br />

N-Felsen ungefähr gleich zahlreich vertreten; an den der Sonne<br />

und den Winden am meisten ausgesetzten Stellen fallen sie aber<br />

offenbar oft der Trockenheit zum Opfer. - In Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel kamen Keimlinge im losen Sand der Meeresstrandwiesen<br />

ziemlich reichlich vor.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig. - LINDMAN (1887, S. 101) hat auf dem<br />

Dovre Samenkeimlinge der Art eingesammelt. LINKOLA (1930 b,<br />

S. 140) fand Keimlinge an einer Stelle in der Felsenvegetation in<br />

Ladoga-Karclien.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht (vgl. RESVOLL 1917, S. 193). Nach LINDMARK (1902, S. 25)<br />

blüht die Art im 3. Jahr.<br />

Vegetative V c r m e h r u n g. Die Individuen der Art<br />

bilden kleine, dichte Rasen, die in der Regel nur von der Ilauptwurzel<br />

befestigt und ernährt werden, indem die Wurzelbildung


242 X. Söyrinlci, Verniehruiig d. Saincnpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

an den Sprossgründen ausbleibt. Eine vegetative Vermehrung findet<br />

also wenigstens normal nicht statt (vgl. WARMING 188G a, S. 18;<br />

EKSTAM 1897, S. 134). Nach LINDMARK (I.E.) kann jedoch an<br />

feuchten Standorten eine Individualisierung der Nebensprosse<br />

möglich sein.<br />

Parimssid palustris L.<br />

n ä u f i g k e i t und Vorkomme n. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie vorwiegend im unteren Teil<br />

der alpinen Region in braunrnoorartigen Graskrautmooren (st fq,<br />

sp - st cp), in den Krautgebüschen (st r, st pc - sp), auf feuchtgründigen<br />

Krautwiesen (r, st pc - st cp) und an Bachufern (st r,<br />

st pc - sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Graskrautmooren und<br />

an den Bachufern gewöhnlich ziemlich reichlich, an den übrigen<br />

Standorten wiederum zerstreut.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 wurde ein blühendes Individuum<br />

am 23. VII. auf einer Moorwiese am S-Hang beobachtet, sonst<br />

war die Art im Gebiet erst in der Knospe. Im übrigen war das<br />

Blühen sowohl an offenen Stellen als in den Gebüschen am 8. - 12.<br />

VIII. im vollen Gang (doch waren auch noch Knospen zu finden)<br />

und am 26. VIII. im Ausklingen; einzelne Blüten mit anhängenden<br />

Perianthblättern kameji noch am 4. IX. vor. - In der subalpinen<br />

Hegion befand sich die Art am 20. VII. in den Graskrautmooren<br />

im Aufblühen und in der Kiefernwaldregion am 1. VIII. in den<br />

I'lussuferbrüchern in voller Blüte.<br />

Im J. 1931 war das Blühen im Gebiet am 26. VIII. im Ausklingen.<br />

- In Pummanki auf der Fischerhalbinsel war die Floration<br />

am 1. VII. auf den Meeresstrandwiesen beinahe im vollen Gang. -<br />

In der subalpinen Region war die Art in den Graskrautmooren<br />

am 28. VII. im Aufblühen und am 21. VIII. in grossen Zügen<br />

ausgeblüht (vgl. VALLE 1930 und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die ersten Früchte am<br />

4. IX. an offenen Stellen an den Bachufern und in den Graskrautmooren<br />

eben im Aufs])ringen; vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung<br />

der Samen vergingen also etwa 42 Tage. - Im J. 1931 waren die<br />

Früchte am 26. VIII. in der Thaliclrum alpinum- Potcntilla Cranlzii-


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 243G3<br />

Wiese allgemein schon weit entwickelt. - Die Samen kommen also<br />

wenigstens in mehr oder minder günstigen Jahren offenbar ziemlich<br />

gut zur Reife, in den schlechtesten Sommern scheint dies dagegen<br />

nicht sehr wahrsciieinlich zu sein.<br />

Die Keimung der Sa m e n in d e r N a t u r scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden, wie auch die<br />

Beobachtungen SYLVÉNS (1906, S. 234) erweisen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

liabe ich nur mehr oder minder spärlich an meinen Beobachtungsstellen<br />

vorgefunden. In einer Drepanocladiis intermedins -reichen<br />

Braunmoorsiedlung, in der die Art ziemlich reichlich auftrat,<br />

begegnete ich einigen jüngeren und älteren Keimlingen, sonst habe<br />

ich einzelne Keimlinge hier und da in Moorwiesen und -gebüschen<br />

angetroffen. In der Thalidrnm alpinnm - Pofentilla Crantzii -<br />

Wiese kamen auf 2 X O.i m^ keine Keimlinge vor, obgleich die Art<br />

13 bzw. 15 fertile Sprosse auf 1 m^ hatte. - In Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel fand ich im J. 1931 in einer Siedlung der Dnjas-<br />

I leide an der Stelle eines im Sommer 1929 herausgegrabenen Torfstücks<br />

3 Keimlinge.<br />

Das spärliche Vorkommen der Keimlinge steht ohne Zweifel<br />

im Zusammenhang mit der späten Blütezeit und der daraus folgenden<br />

mehr oder minder unvollständigen Samenentwicklung.<br />

Es kann aber wohl möglich sein, dass die Art stellenweise doch<br />

bedeutend reichlicher Samenkeimlinge besitzt als es an meinen<br />

Beobachtungsstellen der Fall war. Jedenfalls dürften ihr mehr<br />

oder minder günstige Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet zu Gebote stehen.<br />

LINDMAN (1887, S. 100) hat auf dem Dovre Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt, desgleichen SYLVÉN (190G, S. 234) in Norrbotten<br />

und Torne Lappmark. IlP:RNTZE (1914, S. 254) hat auf einem<br />

vom Wasser verschleppten Torfstück in Schwedisch-Lappland<br />

einen Keimling angetroffen.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Sta d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch SYLVÉN (I.E.) vernuitet.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein mehr<br />

oder minder senkrechtes Rhizom, das gewöhnlich unverzweigt<br />

ist, weshalb also eine vegetative Vermehrung gänzlich ausgeschlossen<br />

ist. Nach den Beobachtungen von METSÄVAINIO (1931, S. 23Ü - 239)


24 I N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

kann sich das Rhizom jedoch in zwei Zweige teilen, und weil an<br />

jedem für sich Nebenwurzeln gebildet werden, kann eine Individualisierung<br />

der einzelnen Sprosse vielleicht möglich sein; eine nennenswerte<br />

Bedeutung dürfte aber dieser Vermehrungsweise nicht<br />

zukommen.<br />

Rosaceae<br />

Sorbus auciiparia L. var. glabrala (W. & G.) Hedl.<br />

In den inneren Teilen des Gebietes, und zwar am N-IIang des<br />

Vilgiskoddeoaivi habe ich drei aufreclit wachsende, einstämmige<br />

S'orftns-Individuen von 125, 80 bzw. 60 cm Höhe angetroffen.<br />

Die zwei ersteren wuchsen am Rande der MijrUlhis -Heide im<br />

unteren Teil des Hangs, das dritte wiederum höher hinauf in einer<br />

kleinen verwandten Heidesiedlung. Die Bäumchen hatten am<br />

7. VII. 1933 schon vollentwickelte Blätter, die in keiner Weise<br />

von der Kälte gelitten hatten. Sie waren natürlich alle steril und<br />

augensclieinlich aus von Vögeln verschleppten Samen entstanden<br />

(vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 259-200). - Nach den Untersuchungen<br />

KUJALAS (1920 a, S. 119) sind Samenkeinilinge der Art sehr<br />

häufig in den Wäldern Süd- und Mittelfinnlands zu finden, und<br />

auch dort haben die Vögel einen bedeutenden Anteil an der Samenverbreitung.<br />

KONTUNIEMI (1932, S. 44) dagegen fand nur einzelne<br />

Keimlinge in den subalpinen Birkenwäldern, in denen die<br />

Samenreife mehr oder minder unsicher ist. Auch LINDMAN (1887,<br />

S. 101) hat auf dem Dovre in der Birkenregion Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt. LINKOLA (1930 b, S. 140) hat auf seinen<br />

Beobachtungsstellen in der Felsenvegetation am Ladogasee ebenfalls<br />

Keimlinge vorgefunden.<br />

Obgleich sowohl die Wald- als die eigentliche Baumgrenze von<br />

der Fjeldbirke (Beliila tortiiosa) gebildet sind, wachsen diese einzelnen<br />

Ebereschen jedoch noch oberhalb der letzten Birkensträucher,<br />

ja sogar noch hier ihren baumförmigen Wuchs beibehaltend. Auch<br />

auf den südlicher gelegenen Fjelden Finnisch-Lapplands scheint<br />

die Eberesche die am höchsten hinaufsteigende Baumart zu sein,<br />

denn auf den Nattastunturit (Lapponia kemensis) kamen kleinwüchsige<br />

Individuen ziemlich reichlich oberhalb der Birkengrenze<br />

vor, die letzten ganz auf den Gipfeln der Fjelde. - KALLIOLA (1932,


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 14. N:o 1. 15<br />

105) hat im Kammikivi-Gebiet kleine - auch blühende - Bäume<br />

an der Grenze der subalpinen Region angetroffen.<br />

Hubiis saxatilis L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

iiiemlicli selten; man findet sie an mehr oder minder sonnigen Stellen<br />

am Fusse der Felsen (p, sp - st cp), im Betula -Gebüsch<br />

(st r, s])) und auf den Krautwiesen (r, sp).<br />

F u n d o r t e. Pilguoaivi, auf der Wiese am Fusse eines erratischen<br />

Felsblocks am SE-Hang; Kiergipori, auf der Wiese am<br />

Hände einer nordexjionierten Senke; Rahpesoaivi: am Rande des<br />

Belula nana -Gebüsches in der Felsschlucht auf dem Fjeld, am<br />

Fusse eines Felsens am E-Hang; Vilgiskoddeoaivi: am Fusse eines<br />

Felsens auf der niedrigeren Anhöhe nördlich vom Gipfel, im Betula<br />

nana -Gebüsch am N-Hang; am Fusse eines Felsens zwischen dem<br />

Läntinen Ortoaivi und dem Kanmiikivitunturi; Kotselvaara<br />

(Kammikivitunturi), am Fusse eines W-Felsha-ngs gleich oberhalb<br />

der Waldgrenze; nach KALLIOLA (1932, S. 105) im Kammikivi-<br />

Gebiet in den Betula nana -Gebüschen an der Grenze der subalpinen<br />

Hegion; Kalguoaivi (Akanpää) bei Pitkäjärvi, am E-IIang des<br />

2. Gipfels auf einer Felsenwiese.<br />

Fertilität. Die Art blüht fast regelmässig und gewohnlicii<br />

ziemlich reichlich oder reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich im J. 1933 an einer offenen<br />

Stelle am Rande des Betula na/i«-Gebüsches am 5. VII. schon in<br />

voller Blüte, sonst wurde sie aber am 5. - 7. VII. sogar in S-Exposition<br />

nur mit Knospen beobachtet. Auf der Wiese am E-IIang einer<br />

Senke war das Blühen am 19. VII. allgemein im Auskliiigen (am<br />

5. VII. hatte es noch nicht begonnen), aber noch am 25. VII. kamen<br />

blühende Individuen an der Stelle vor. Am Fusse eines Felsens<br />

am E-Hang war die Art am 1. VIII. ausge])lüht, an einer anderen<br />

Stelle dagegen am 8. VIII. noch nicht völlig (vgl. KONTUNIEMI<br />

1932, S. 31).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im .1. 1933 auf der Wiese<br />

am Rande der Senke am 23. VIII. schon weit entwickelt und am<br />

4. IX. teilweise rötlich gefärbt. Die Samen waren aber mehr oder<br />

minder schwach ausgebildet und kaum keinningsfähig. Überdies


246 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

hatten sich an diesem sowie auch au den übrigen Standorten nur<br />

wenige Blüten weiterentwickelt, die überwiegende Mehrzahl war gleich<br />

nacii der Blütezeit verkümmert. In den vorjährigen Blütenständen<br />

konnte man keine Spuren einer Fruchtbildung finden. - Es bleibt<br />

also fraglich, ob die Art überhaupt im Gebiet fortpflanzungsfähige<br />

Samen zu erzeugen imstande ist; jedenfalls ist es nur in den allergünstigsten<br />

Jahren und auch dann offenbar nur in ganz begrenztem<br />

Masse möglich.<br />

In Westgrönland hat HARTZ (ROSENVINGE 1892, S. 654; HARTZ<br />

1894, S. 23) die Art am l. IX. 1889 mit nahezu reifen (?) Früchten<br />

in Tascrsuak bei Tasermiut angetroffen. Im arktischen Norwegen<br />

hat NORMAN (1895- 1901, S. 232) schon am 28. VII. reife Früchte<br />

wahrgenommen. KONTUNIEMI (1932, S. 31) hat in der subalpinen<br />

Region bei der Art am offenen Hang am 22. VIII. 1930 reife Früchte<br />

festgestellt, im geschlossenen Wald aber nicht.<br />

K e i m 1 i n g s V e r Ii ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht vorgefunden, obgleich ich nach ihnen an einigen<br />

solchen Standorten besonders gesucht habe, an denen die Standortsverhältnisse<br />

offenbar relativ günstig für die Entstehung der<br />

Keimlinge waren. Nach den Beobachtungen über die Samenentwicklung<br />

kann die Art ja in der Wirklichkeit höchstens sehr begrenzte<br />

Voraussetzungen zur generativen Vermehrung im Gebiet besitzen.<br />

- KUJALA (1926 a, S. 77) hat in der Waldvegetation in Süd- und<br />

Mittelfinnland an mehreren Stellen Samenkeimlinge der Art angetroffen,<br />

auf den Probeflächen KONTUNIEMIS (I.e.) in den subalpinen<br />

Birkenwäldern sind sie aber nicht aufgetreten.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art vermehrt sich<br />

bekanntlich durch lange, oberirdische Ausläufer oder kurze, unter-<br />

irdische Sprosse (vgl. NORMAN I.e.; BRUNDIN 1898, S. 49; KUJALA<br />

1926 a, S. 76).<br />

Rubiis chamaemorus L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig, und zwar begegnet man ihr in den Zwergstrauchmooren<br />

(fqq, cp - cpp), den Moorgebüschen (st fq, sp), im Betula nana-<br />

Gebüsch (p, st pc - sp), in der Mijriillus -Heide (fq, st pc - sp),<br />

der Cladonia alpestris-Heide (rr, pc), der Deschainpsia atropiirpurea-


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. l 1. N:o 1. 217<br />

reichen Carex rigida - C. Lachenalii -Hcidewiese (fq, sp - st cp)<br />

und in den auf den Steinblöcken entstandenen Torfbülten bis zu<br />

den Gipfeln der Kjelde hinauf.<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Zwergstrauchmooren im<br />

allgemeinen ziemlich reichlich oder zerstreut, nur in den trockensten<br />

Siedlungen spärlich. Auch in den Moorgebüschen blüht sie gelegentlich<br />

ziemlich reichlich, der Regel nach jedoch nur spärlich, ebenso<br />

wie in der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese. Im Betula<br />

nana -Gebüsch kommt die Art gewöhnlich, in der Myrtilliis- und<br />

der Cladonia alpestris -Heide regelmässig steril vor. - Die Anzahl<br />

der weiblichen Blülen auf 1 m^ betrug im Empetriim - Rubiis chamaemonis<br />

-Zwergstrauchmoor durchschn. 23 (20 - 28) Stück (4 Probequadrate<br />

wurden untersucht), dazu 7-10 männliche Blüten auf<br />

l m^. - Über die Zahlenverhältnisse zwischen den Blüten beider<br />

Geschlechter vgl. NORMAN (1895- 1901, S. 237) und RESVOLL (1928,<br />

;S. 116).<br />

F1 o r a t i o n. Im J. 1933 war das Blühen am 4. VII. im<br />

Gebiet allgemein im vollen Gang, an den frühesten Stellen jedoch<br />

schon im Ausklingen. In grossen Zügen war die Art am 10. VII<br />

bereits ausgeblüht, im Zwergstrauchmoor am Ufer eines Fjeldsees<br />

war sie aber am 8. VH. erst in der Knospe, und an einem schattigen<br />

Hang wurden noch am 21. VII. blühende Individuen angetroffen.<br />

— In der subalpinen Region war das Blühen am 4. VII. grösstenteils<br />

abgeschlossen und die Früchte hatten sich in den Heidemooren<br />

schon eine Strecke weit entwickelt, an den schattigsten Stellen<br />

befand sich Art jedoch noch in voller Blüte. - Im J. 1931 war die<br />

Floration in der subalpinen Region in offenen Moorsiedlungen<br />

am 6. VII, im Ausklingen. In Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

wurden am 4. VIII. einige Individuen im Nachblühen wahrgenommen<br />

(vgl. VALLE 1930).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die Früchte am 25. VII.<br />

in sonnigen Zwergstrauchmooren schon gross und rot gefärbt,<br />

und am 1. VHI. hatte die Art schon völlig reife, gelbe Früchte<br />

auf dem Kalguoaivi bei Pitkäjärvi. In den Zwergstrauchmooren<br />

waren die Früchte am 10. VHI, ziemlich allgemein reif, in einem<br />

dichten Moorgebüsch aber erst am 29, VHI. (die letzten jedoch noch<br />

nicht). - Im .1. 1931 waren die Früchte am 12. VHI. in den Zwergstrauchmooren<br />

reif.<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 17


266 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Sanienrcife wird also frühzeitig vor Ende der Vegetationsperiode<br />

erreicht. - Oft werden die Früchte von den Nachtfrösten<br />

verdorben; so waren sie im Sommer 1931 stellenweise in den Frostnächten<br />

des 6.-7. und des 7.-8. VIII. beschädigt worden. In der<br />

subalpinen Region waren die Früchte wiederum im Moor beim<br />

Gasthaus Haukilampi in der Nacht 5. - 6. VIII. 1933 so hart gefroren,<br />

dass man sie eine längere Zeit im Mund halten musste, elie sie<br />

erweichten (auch die Blätter der Pflanzen waren vereist). Den<br />

Samen reifer Früchte dürften die Fröste indessen keinen Schaden<br />

beibringen können. - Der Durchmesser der Früchte kann sich im<br />

Gebiet bis auf 2.5 cm belaufen.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 237)<br />

am 24. VII. reife F'rüchte angetroffen. Auf Spitzbergen dürften<br />

die Früchte nie zur Reife kommen (NATHORST 1883, S. 64; vgl.<br />

auch ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 18 und ASPLUND 1918,<br />

S. 34). In Grönland hat man reife Früchte nicht wahrgenommen<br />

(HARTZ 1894, S. 7), nach den von 0. HANSEN eingesammelten<br />

Proben scheint die Art jedoch solche zu erzeugen (ROSENVINGE<br />

1896 a, S. 65). - Vgl. auch RESVOLL (1928, S. III).<br />

S a m e n m e n g e. Am Spross wird nur eine Blüte gebildet.<br />

Die Anzahl der Samen i)ro Frucht (Spross) betrug im J. 1931 im<br />

Empeirum - Ruhiis chamaemorus -Zwergstrauchmoor (die unentwickelten<br />

wurden nicht gezählt, halbentwickelte waren nicht vorhanden)<br />

7, 8, 9, 9, 10, 11, 14, 16, 16 und 19, durchschn. 12.o Stück.<br />

K e i m ung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 12. VIII. 1931 vom Einpetriim - Riihiis chamaemorus-Tj-wcrgstrauchmoor<br />

eingesammelten Samen kamen in 13 Monaten nicht<br />

zur Keimung im JACOESENSchen Keimungsapparat, Die Samen<br />

waren im Fruchtstein eingeschlossen, der hart blieb, aber reichlich<br />

vom Schimmelpilz Aspergillus niger überzogen wurde.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden,<br />

teilweise aber erst später, denn am 10. VIII. 1933 fand ich unter<br />

den weiter entwickelten einen ziemlich neulich entstandenen jüngeren<br />

Keimling.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

treten in den Zwergstrauchmooren ziemlich regelmässig auf; in<br />

den trockensten Siedlungen, in denen die Art auch nur spärlich


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 249G3<br />

blülit, können sie jedoch fehlen. Im Einpelruin - Riibiis cliainaemoriis-<br />

Zwergstrauchmoor wurden auf 4 x O.25 m^ insgesamt 10 jüngere<br />

und 42 (+4 tote) ältere Keimlinge gezäiilt (durchschn. 23 fertile<br />

Sprosse auf 1 m-). Aus derselben Frucht entstehen offenbar nicht<br />

selten mehrere Keimlinge, denn sie wachsen oft grupjjenweise mit<br />

ungekeimten Samen dicht nebenan. Mit Hilfe ihrer sehr langen<br />

llauptwurzel saugen die Keimlinge durch die dicke Sphagnum -Matte<br />

hindurch Nahrung aus dem darunterliegenden Torf. - In den Moorgebüschen,<br />

ebenso an den nackten Torfufern der Fjeldteiche habe ich<br />

einzelne Keimlinge angetroffen. Im Beiula nana -Gebüsch sowie auf<br />

den Fjeldheiden kann das Aufkommen von Keimlingen aus eigener<br />

Besamung wegen der äusserst niedrigen Fertilität nur selten in<br />

Frage kommen, ein Samentransport durch Tiere ist aber leicht<br />

möglich. Die in den Sphagnum -Bülten auf den Steinblöcken<br />

wachsenden Individuen haben ja offenbar den Vögeln für ihr Dasein<br />

zu danken. - NORMAN (1895- 1901, S. 239), der in lebendiger W^eise<br />

die Verbreitung der Art durch Tiere schildert, hat Hunderte von<br />

keimenden Samen an vorjährigen Bärenexkrementen im arktischen<br />

Norwegen angetroffen. SYLVÉN (1906, S. 216) hat in Norrbotten<br />

ältere Keimlinge eingesammelt. RESYOLL (1925, S. 230 und 1928,<br />

S. 80) hat nur einigemal Keimlinge der Art vorgefunden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü Ii r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht (vgl. RESVOLL 1925, S. 234 und 1928, S. 89).<br />

Die vegetative Vermehrung ist bekanntlich kräftig<br />

mit Hilfe des wandernden Rhizoms (vgl. RESVOLL 1925, S. 236 und<br />

1928, S. 86; METÖÄVATNIO 1931, S. 215).<br />

Comarum paliistre L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in den Graskrautnu)oren (fcf, sp - c[)),<br />

den Moorgebüschen (fq, sp - cp) und an den Bachufern (st r,<br />

st pc - sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewcihnlich mehr oder minder<br />

spärlich, nur selten ziemlich reichlich, an mehreren Stellen wurde<br />

sie ganz steril vorgefunden.


250 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Fl ora ti o n. Das Blühen war im J. 1933 in offenen Graskrautmooren<br />

am 19. VII. im Beginnen (etwa am 1. VIII. im vollen<br />

Gang) und am 8. VIII. im Ausklingen. In einer schattigen Talsenke<br />

wurde die Art am 11. VIII. erst im Aufblühen wahrgenommen,<br />

desgleichen am 21. VIII. unter dem E-Hang des Kuorbgas (vgl.<br />

VALLE 1930).<br />

Die Blüten werden sehr häufig^von verschiedenartigen Dipteren<br />

besucht. Am 25. VII. 1933 durchsuchte auch ein Vertreter einer<br />

kleinwüchsigen Bombiis -Art, des regnerischen Wetters ungeachtet,<br />

sorgfältig die Blüten in einem Moorgebüsch an der oberen Grenze<br />

der subalpinen Region.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren im J. 1933 an offenen<br />

Stellen am 23. VIII. schon ausgebildet (Laubblätter dunkelrot<br />

gefärbt) und am 4. IX. offenbar reif. An den schattigsten Standorten<br />

konnte die Samenreife dagegen nicht vor dem Abschluss der<br />

Vegetationsperiode erreicht werden, und in den ungünstigsten<br />

Sommern bleibt der Samenertrag im Gebiet aller Wahrscheinlichkeit<br />

nach sehr bescheiden.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im J. 1933<br />

etwa 47 Tage. - Nach den Beobachtungen SIPILÄS (1935) brauchte<br />

die Art in Ähtävä (Ostrobottnia media) vom Ausblühen einer<br />

einzelnen Blüte bis zur Samenreife 20 Tage. - In Westgrönland<br />

hat PoKSiLD (1920 b, S. 95) auf Disko bei der Art keine reifen Früchte<br />

wahrgenommen und auch in den von anderen entnommenen Proben<br />

nicht.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

wenigstens teilweise im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden<br />

(am 15. VII. 1933 ein jüngerer Keimling); nach SYLVÉN<br />

(1906, S. 117) dürfte sie im Frühling erfolgen.<br />

Keimlingsverhältnisse. Die Samenkeimlinge der<br />

Art sind im Gebiet ziemlich selten, wie man schon aus der spärliclien<br />

Fertilität schliessen kann. Einmal habe ich einige ältere Keimlinge<br />

in einer Graskrautmoorsiedlung eines Bachufers angetroffen und<br />

überdies zwei ältere Keimlinge an wiesenartiger Stelle einer Moorgebüschsiedlung.<br />

An der oberen Grenze der subalpinen Region<br />

am S-Ufer des Pilgujaur fand ich am 15. VII. 1933 in den Graskrautmooren<br />

einen jüngeren und ziemlich zahlreich ältere Keimlinge.<br />

Die Zahlenverhältnisse der verschiedenen Altersklassen


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 251G3<br />

sprechen ohne Zweifel dafür, dass die Besamung in bestimmten<br />

Jahren mehr oder minder vollständig ausbleibt. - In Südfinnland<br />

habe ich auf den Moorwiesen ziemlich reichlich Samenkeimlinge<br />

bei der Art beobachtet. - SYLVÉN (I.E.) hat in Schweden Keimlinge<br />

eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind ziemlich gering.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch aus den Beobachtungen SYLVENS (I.E.) hervorgeht.<br />

Eine vegetative Vermehrung findet bekanntlich<br />

mit Hilfe des kriechenden Rhizoms kräftig statt (vgl. z.B. METSÄ-<br />

VAiNio 1931, S. 247-249).<br />

Potentin a nivea L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar bewohnt sie trockne, mehr oder minder sonnige<br />

Felsen (r, st cp).<br />

Fundorte. Vilgiskoddeoaivi, auf der niedrigeren Anhöhe<br />

nördlich vom Gipfel; Rieppetshohki (Onkitunturit): am W-Felshang<br />

oben auf dem Gipfel, an der W-Seite des Fjeldes an einem S-Felshang<br />

(etwa ß X 50 m^).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

Fl oration. Im J. 1931 war das Blühen am W-Felshang<br />

auf dem Rieppetshohki am 9. VH. im vollen Gang, am 16. VII. im<br />

Ausklingen und am 18. VII. abgeschlossen. - Im J. 1933 befand<br />

sich die Art an der vorgenannten Stelle am 4. VII. teilweise in<br />

voller Blüte, teilweise schon im Ausblühen; auf dem Vilgiskoddeoaivi<br />

war sie am 17. VII. bereits grösstenteils ausgeblüht.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte am W-Felshang<br />

am 13. VIII. reif. - Im J. 1933 hatte die Art am 11. VIII. reife<br />

Früchte am S-Felshang; von voller Blüte bis zur Samenreife vergingen<br />

im Ge])iet etwa 35 Tage. - Die Samenreifc wird also frühzeitig<br />

im Laufe der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Auf Spitzbergen soll die Art reife Früchte erzeugen (ANDERSSON<br />

und HESSELMAN 1900, S. 20). In Ostgrönland hat HARTZ (1895 a,<br />

S. 182) auf Danmarks 0 reife Früchte angetroffen, desgleichen


252 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

GELTING (1934, S. 104) zwischen 73° 15' und 76°20' N. In Nordgrönland<br />

fand OSTENFELD (1915, S. 379) am 3. VIII. 1912 fruchttragende<br />

Individuen zwischen 81° und 82° N und in den von WULFF<br />

an der Nordküste im J. 1917 entnommenen Proben hat er vorjährige<br />

Samen wahrgenommen (OSTENFELD 1923 1), S. 239 und<br />

261). JESSEN (1913, S. 32) hat bei grönländischen Herbariumexemplaren<br />

reife Früchte festgestellt, nach seiner Mitteilung ebenso<br />

WARMING. Auf Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 64, var. pirinatifida<br />

Lehm.) im J. 1921 wohlentwickelte vorjährige Samen vorgefunden.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der fruchttragenden Blüten<br />

am Stengel betrug im J. 1931 am W-Felshang durchschn. 0.4 (+ l.o<br />

verkümmerte). Die Zahl der vollentwickelten Früchte (Samen)<br />

am Stengel belief sich auf 1.4. Die Samenproduktion war also an<br />

der Stelle recht niedrig. Im J. 1933 dagegen stellte ich fest, dass<br />

die Anlagen sich vielfacii reichlicher zu Früchten entwickelt hatten.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 vom W-Felshang eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen (13 Stück) keimten zu 100 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 3. Tage ein und schloss<br />

in der 2. Woche ab.<br />

Von den am 11. VIII. 1933 vom S-Felshang eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen keimten etwa 42 % schon im gleichen Herbst bis zum 8. XI.<br />

und im folgenden Frühjahr weitere 37 % bis zum 14. V., insgesamt<br />

also etwa 80 %.<br />

Die Keimung der S a m e n i n der Natur findet<br />

wenigstens zum betleutendsten Teil im Anfang iler Vegetationsperiode<br />

statt (am 18. VII. 1931 hatten sich die jüngeren Keimlinge<br />

schon weit entwickelt), aber auch in einigem Umfang erst später<br />

im Laufe des Sommers, denn am 11. VIII. 1933 wurden neben<br />

den weiter gekommenen ziemlich neulich entstandene, nur mit<br />

Keimblättern versehene jüngere Keimlinge wahrgenommen. Indem<br />

die Samenstreuung an der Stelle noch nicht begonnen hatte, musste<br />

es sich also um Keimlinge aus solchen vorjährigen Samen handeln,<br />

die noch nicht während der kurzen Zeit der Frühlingsfeuchtigkeit,<br />

sondern erst später nach ausgiebigen Sommerregen ins Leben<br />

erwacht waren. - Über eventuelle Herbstkeimung sclion vor der


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. l 1. N:o 1. 217<br />

Überwinterung nach erfolgter Samenreife habe ich keine Beobachtungen<br />

angestellt. Nach dem Keimungsversuch in Gartenerde<br />

zu schliessen könnte sie wohl möglich sein, die grosse Häufigkeit<br />

der im Anfang der Vegetationsperiode aufgekommenen Keimlinge<br />

lässt indes ihre Bedeutung höchst gering erscheinen.<br />

K e i m I i n g s V e r h ä I t n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

habe ich an zwei BeobachLungsstellen aufgesucht, und zwar am Wund<br />

S-Felshang auf dem Rieppetshohki. An beiden Stellen wurden<br />

verhältnismässig reichlich Keimlinge vorgefunden (Keimlingsquotient<br />

etwa 1), die es an diesen xerophilen Standorten auf verwitterten<br />

Felsenflächen ebenso wie in von feineren Bestandteilen<br />

ausgefüllten Spalten sicher ziemlicii gut hatten; während längerer<br />

Trockenperioden leiden sie aber offenbar an Wassermangel. - Am<br />

W-Felshang wurde ein älterer Keimling etwa 25 m seitwärts von<br />

den nächstgelegenen ausgewachsenen Individuen angetroffen. -<br />

SYLVÉN (19GG, S. 218) hat in Torne Lappmark Samenkeinilinge<br />

der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - In Kultur blühte die Art nach RESVOLL (1917, S. 19ü-<br />

197) im 3. (2.) Sommer.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Art liat ein mehr<br />

oder minder aufrechtes Rhizom, das gewöhnlich an kurzen Ästen<br />

mehrere Sprosse trägt. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen,<br />

die Sprossgründe treiben aber gelegentlich Adventivwurzeln,<br />

und JESSEN (1913, S. 28) schreil)t, dass die Sprosse mit Hilfe dieser<br />

Selbständigkeit erreichen können. RESVOLL (I.e.) wiederum hat bei<br />

der Art keine vegetative Vermehrung festgestellt, und nach GELTING<br />

(1934, S. 101) findet eine solche auch offenbar nicht statt. Auch<br />

in den Petsamofjelden kann diese Vermehrungsmöglichkeit nicht<br />

in Rechnung getragen werden.<br />

Polenlilla Cianlzii (Cr.) Heck. var. leniala A. 131.<br />

Häufigkeit und Vor k o m m e n. Die Art ist im (iebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in den Krautwiesen (fq, st pc - cp;


254 N. Söyrinki, Vermehrung cl. Samenpfl, i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

in der Thalictnim alpimim - Potentilla Crantzii-Wiese fqq, cpp),<br />

an Felshängen (p, sp - st cp) sowie an den Bachufern (st r, st pc),<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig an allen Standorten<br />

und gewöhnlich ziemlich reichlich oder reichlich.<br />

Fl oration. Im J. 1931 war das Blühen am 10. VII. in<br />

grossen Zügen im vollen Gang und am 20. VII. im Ausklingen. -<br />

Im J. 1933 befand sich die Art an S-Felshängen sowie auf sonnigen<br />

Wiesen und Bachufern am 7. VII.4m Aufblühen, und am 21. VIL<br />

war sie allgemein ausgeblüht. An schattigsten Stellen aber war<br />

die Floration erst am 11. VIII. im Ausklingen, und am N-Hang<br />

des Säräslaki wurden noch am 21. VIII. einzelne Blüten beobachtet.<br />

S a m e n r e i f e. Im J, 1931 waren die Samen am 24. VIIL<br />

reif in der Thalictnim alpimim - Potentilla Crantzii -Wiese und<br />

die Laubblätter waren vertrocknet, ebenso am 27. VIII. am SE-<br />

Felshang. - Im J. 1933 hatte die Art am 12. VIII. reife Früchte<br />

an sonnigen Standorten. - Die Samen kommen also frühzeitig vor<br />

Ende der Vegetationsperiode zur Reife, die allerspätesten Standorte<br />

ausgenommen.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im J. 1933<br />

an sonnigen Stellen etwa 37 Tage. - CLEVE (1901, S. 82) erhielt<br />

als Präflorationszeit in Schwedisch-Lappland 30 Tage und als<br />

Länge der ganzen Vegetationsperiode 82 Tage. - In Ostgrönland<br />

hat GELTING (1934, S. 101) zwischen 73°15' nnd 76°20'N reife<br />

Früchte angetroffen.<br />

S a m e n m e n g e. An den Blüten werden ziemlich regelmässig<br />

Früchte gebildet. Die Anzahl der fruchtbaren Blüten am Stengel<br />

betrug im J. 1931 in der Thalictnim alpimim - Potentilla Crantzii-<br />

Wiese (die verkümmerten in Klammern) 1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 2 (-f 1),<br />

2 (+ 1), 3, 3, 3, 3, 3, 3, 3, 3, 3 (+ 1), 4 und 4, durchschn. 2.5(+0.2)<br />

und am SE-Felshang 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3,<br />

3 und 5, durchschn. 2.o. Die Zahl der Früchte (Samen) in der Blüte<br />

war an der ersteren Stelle (die unentwickelten in Klammern, halbentwickeltc<br />

waren nicht vorhanden) 2 (+ 26), 2 (+ 27), 4 ( f 18),<br />

4 (+ 20), 4 (+ 23), 4 (+ 25), 5 (+ 19), 5 (+ 23), 5 (+ 26), 6 (+ 19),<br />

6 (+ 22), 6 (+ 22), 6 (+ 24), 7 (+ 18), 7 (+ 22), 8 (+ 17), 8 (+ 25),<br />

9 (+18), 9 (+21) und 9 (+24), durchschn. 5.8 (+22.o) und<br />

am SE-Felshang 4 (+ 19), 7 (+ 24), 8 (+ 17), 8 (+ 18), 8 (+ 30),


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. l 1. N:o 1. 217<br />

9 (+17), 9 (+18), 9 (+21), 9(+2G), 10 (+19), 12 (+17),<br />

12 (+ 20), 12 (+ 21), 12 (+ 22), 13 (+ 12), 13 (+ 18), 15 (+ 20),<br />

16 (+18), 19 (+20) und 23 (+ 13), durchsdm. 11.4 (+19.5).<br />

Die Anzahl der vollentwickelten Samen pro Stengel betrug also<br />

in der Thalictriim alpiniim - PotentiUa Cranizii -Wiese 14.5 und<br />

am SE-Felsliang 22.8 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c Ii.<br />

Die am 24. VIII. 1931 von der Thalictriim alpiniim - PotentiUa<br />

Cranizii-Wiesv. und am 27. VIII. vom SE-Felshang eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung zu 53 bzw.<br />

49 % und die letzteren ohne Frostbehandhing zu 39 % im JACOB-<br />

SENschen Keinmngsa])parat. Die Keimung setzte am 5. (ohne<br />

Frostbehandlung am 6.) Tage ein und dauerte bei den ersteren<br />

2.5 Monate, bei den letzteren mit Unterbrechungen 14 (ohne Frostbehandlung<br />

18) Monate. Die übriggebliebenen Samen waren nach<br />

18 Monaten liaupsächlich tot (weich).<br />

Die Keimung der Samen in d e r N a t u r findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in einer Wiesensiedlung am Seeufer).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den Standorten der Art gewöhnlich ziemlich reichlich, gelegentlich<br />

sogar recht zahlreich vor. Der Keimlingsquotient variiert an<br />

meinen Beobachtungsstellen an den Felshängen von O.i bis 5; am<br />

höchsten liegt er an sonnigen Verwitterungsfelsen, am niedrigsten<br />

an schattigen N-Hängen, an denen die Samenreife offenbar in<br />

allen Jahren nicht allgemein vollendet werden kanji. In einer<br />

Astragalus frigidiis -reichen Wiesensiedlung am sommertrocknen<br />

Baclilauf, in fler die Art reichlich vorkam, war der Keimlings-<br />

(piotient 10. In der Thalictriim alpiniim - PotentiUa Crantzii -Wiese<br />

wurden auf 2x0.i m^ insgesamt 8 jüngere und 22 ältere (33 und<br />

50 fertile Sprosse auf 1 m^) und in der Trolliiis - Polygonum viviparum-Wiosc<br />

auf 3x0.i m^ 12 ältere Keimlinge gezählt (0, 1 bzw.<br />

2 fertile »Sprosse auf 1 m-). - Auf einer Meeresstrandwiese in Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel war der Keimlingsquotient 2. -<br />

SYLVÉN (1906, S. 220) hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.


256 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Das b 1 ü h r e i f c Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Das Rhizom der Art bildet<br />

ziemlich lange, mehr oder minder waagerecht waclisende Äste,<br />

die verhältnismässig reichlich Nebenwurzeln treiben. Eine eigentliche<br />

vegetative Wanderung findet nicht statt, eine Verselbständigung<br />

der einzelnen Sprossteile ist aber wahrscheinlich, denn bei<br />

den in der Trolliiis - Polygonum vivipanim -Wiese herausgegrabenen<br />

Individuen war ein Teil von den Nebenwurzeln an den<br />

Rhizomästen so kräftig entwickelt, dass sie die Sprosse nach der<br />

Abtrennung von der Mutterpflanze offenbar recht gut ernähren<br />

konnten. - Nach GELTING (1934, S. 101) besitzt die Art in Ostgrönland<br />

eine reichliche vegetative Vermehrung.<br />

Sibbaldia procumbens L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie auf den Schneeböden (fq, sp - cp), den<br />

Heidewiesen (fq, st pc - st cp), auf verhältnismässig spät ausapernden,<br />

frischgründigen Krautwiesen am Rande der Schneebodensiedlungen<br />

(fq, st pc - st cp) und in den Spalten der Felshänge<br />

(st r, pc).<br />

Die H 0 Ii e der Individuen betrug im .1. 1933 auf dem Sclmeeboden<br />

eines Bachlauts durchschn. (j.5'(2- 10) cm. In einer Schneel)odensiedlung<br />

in der subalpinen Region mass sie bis 19 cm (vgl.<br />

NORMAN 1895- 1901, S. 252).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Schneeböden ebenso<br />

wie auf den Krautwiesen am Rande der Schneebodensiedlungen<br />

in der Regel reichlich oder ziemlich reichlich, auf den Heidewiesen<br />

gewöhnlich zerstreut. An den extremsten Schneebodenstandorten<br />

kann sie gelegentlich ganz steril vorkommen.<br />

F 1 o r a t i o n. Im .T. 1931 befand sich die Art auf den Wiesen<br />

am Rande der Schneeböden am 9. VII. stellenweise schon in voller<br />

Blüte, auf den Schneeböden selbst aber erst im Aufblühen. Am<br />

16.-18. VII. war das Rlühen auf den Schneeböden ziemlich allgemein<br />

im vollen Gang und am 25. VH. abgeschlossen, in der Raniinciiliis<br />

uiya/is-Schneebodenvegetation jedoch am 17. VII. erst<br />

im Beginnen.


Anuales Botanici Societatis Vanamo. Tom, 14. N:o 1. 257<br />

Im J. 1933 war die Art in der Ranimculiis acer-Wiese am<br />

4. VII. im Aufblühen und in den Spalten am S-Felshang am 0. VII.<br />

in voller Blüte. Auf den Schneebüden war die Floration am lü. VII.<br />

ziemlich allgemein im Beginnen und am 29. VII. im Ausklingen.<br />

In einer um den 7. Juli ausgeaperten Schneebodensiedlung waren<br />

die Knospen am 13. VII. in den Blattrosetten verborgen, am 23. VII.<br />

war das Blühen eben im Beginnen, am 29. VII. im vollen Gang<br />

und am 9. VIII. im Ausklingen (im J. 1931 am 23. VII.); ein vereinzelter<br />

blühender Spross wurde an der Stelle noch am 25. VIII.<br />

wahrgenommen (vgl. VALLE 1930).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte in der Alcheniilla<br />

(jlomeriilans -Wiese am Rande einer Schneebodensiedlung<br />

ani 13. VIII. ausgebildet. In der Deschanipsia flexiiosa - Antho-<br />

.ranZ/mm-Heidewiese hatte die Samenstreuung am 24. VIII. begonnen<br />

und die Stengel waren vertrocknet. An einem spät ausapernden<br />

N-Schneebodenfelsen var die Ausstreuung am 1. IX. eben im Beginnen<br />

(Stengel z.T. vertrocknet).<br />

Im J. 1933 hatte die Art am 8. VIII. reife Früchte am Rande<br />

einer Siedlung der Salix herbacea -Schneebodenvegetation, ebenso<br />

am 25. VIII. auf einem um den 7. Juli ausgeaperten Schneeboden.<br />

Die Samenstreuung hatte in der Lycopodiurn alpiniim - Solidago -<br />

Deschampsia //e.i7/o.s'rt-Heide wiese am 18. VI II. stellenweise und in<br />

der Trolliiis - Polygonum viviparum -Wiese am 30. VIH. grösstenteils<br />

schon stattgefunden^<br />

Die Samen kommen also im Gebiet allgemein während der Vegetationsperiode<br />

zur Reife. - Die Länge der Präflorationszeit betrug<br />

im J. 1933 auf dem Schneeboden etwa KJ Tage und die der ganzen<br />

Vegetationsperiode vom Ausapern bis zur Samenreife etwa 49 Tage.<br />

- RESVOLL (1917, S. 6G und 201) fand als entsprechende Daten in<br />

Norwegen 12 und 41 Tage; sie erwähnt auch von CLEVE die Zahlen<br />

16 und 48 Tage, solche habe ich aber nicht in den von ihr zitierten<br />

Arl)eiten CLEVES gefunden.<br />

In Oslgrönland (zwischen 70° und 75° N) hat DUSÉN (1901,<br />

5. 15) die Art am 7. VIH. mit reifen Früchten vorgefunden, und<br />

nach KRUUSE (1906, S. 221) erzeugt sie reichlich Früchte in Angmagsalik;<br />

alte leere Fruchtstände sind häufig zu finden. In Südostgrönland<br />

hat LII) (1932, S. 10) Exemplare mit reifen Samen eingesammelt.<br />

In Westgrönland setzt die Art reichlich Früchte auf


258 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Disko nach PORSILD (1920 b, S. 95). Auf Jan Mayen hat KRUUSE<br />

(1902, S. 298) im Sommer 1900 vorjährige Fruchtstände wahrgenommen.<br />

Nach JESSEN (1913, S. 59) bildet die Art ohne Zweifel<br />

allgemein reife Früchte.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich fast regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der fruchttragenden Blüten am<br />

Stengel betrug im J. 1931 in der Alchemilla glomeriilans-WicsQ<br />

(die verkümmerten in Klammern) 4, 5, 5, 6, 7, 7, 8, 8, 8, 8 (+ 2),<br />

9, 9, 9(+ 1), 10, 10, 10 (+ 1), 11,^11, 12 und 13 (+ 1), durchschn.<br />

8.5(4-0.3), am N-Schneebodenfelsen 3, 4 (+ 1), 5, 6, 6, 6 (+2),<br />

7, 7, 7, 8, 9, 10, 10, 10 (+1), 11, 11, 11 (+2), 12, 12 und<br />

15, durchschn. 8.5 (+0.4), in der Deschampsia flexiiosa - Antho-<br />

;ran//ium-Heidewiese 3, 3 (+ 1), 4, 4, 4, 4, 5, 5, 5, 5 (+ 1), 6, 6,<br />

6, 6, 7, 7, 7, 8, 8 und 9, durchschn. 5.6 (+ O.i) und im J. 1929 in der<br />

Salix herbacea -Schneebodenvegetation in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

5-11, durchschn. 8.o Stück. Die Zahl der Früchte (Samen)<br />

pro Blüte war in der Alchemilla glomemlans -Wiese (die unentwickelten<br />

in Klammern, halbentwickelte waren nicht vorhanden)<br />

4, 4, 4, 5, 6, 6, 6, 6, 7, 7 (+ 2), 8, 8, 8, 9, 9, 10, 10, 12, 12 und 14,<br />

durchschn. 7.8 (+ O.i), am N-Schneebodenfelsen 3, 4, 4, 5, 5, 5,<br />

6, 6, 6, 6, 6, 8, 8, 8, 10, 10, 11, 12, 12 (+ l)und 14, durchschn. 7.5<br />

(+O.oö), in der Deschampsia flexiwsa - Anthoxanthiim-Heidewiese<br />

1, 2, 3, 4, 4,4, 4, 4, 5, 5, 5, 5, 5, 5 (+ 1), 6, C, 7, 7, 7 und 9, durchschn.<br />

4.9 (+O.oö) und in der Salix /lerftacea-Schneebodenvegetation<br />

7.0 (+ x) Stück. Die Anzahl der vollentwickelten Samen pro Stengel<br />

betrug in der Alchemilla glomemlans -Wiese 66.3, am N-Schneebodenfelsen<br />

63.8, in der Deschampsia flexuosa - Anthoxanthumlleidewiese<br />

27.4 und in der Salix /jerAocea-Sclineebodenvegetation<br />

56.0 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 von der Alchemilla glomemlans-^iese,<br />

am 1. IX. 1931 vom N-Schneebodenfelsen und am 24. VIII. 1931<br />

von der Deschampsia flexuosa - Anthoxanthiim -Heidewiese eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 47, 76 bzw. 100 %, die letzteren ohne Frostbehandlung<br />

zu 99 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

setzte vom 6. Tage bis zur 2. Woche ein, war am kräftigsten in<br />

der 2. bis 4. Woche und dauerte 8 bis 12 Wochen. Die übriggeblie-


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 259G3<br />

benen Samen waren nach 18 Monaten grösstenteils tot (weich). -<br />

Die Samen vom 26. VIII. 1926 von der Salix //erftacea-Schneebodenvegetation<br />

in Pummanki kamen während eines Monats nicht<br />

2ur Keimung; sie waren offenbar unreif.<br />

Von den am 25. VIII. 1933 von der Salix /jerftacea-Schneebodenvegetation<br />

eingesammelten, am 28. IX. 1933 im Freien im<br />

Saatkasten in Gartenerde ausgesäten Samen keimte kein einziger<br />

noch im gleichen Herbst bis zum 8. XL, im folgenden Frühjahr<br />

keimten aber 46 % bis zum 14. V. und zwar während einer längeren<br />

Zeit.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 9. VII. 1931 schon ziemlich<br />

reichlich jüngere Keimlinge in einer noch ganz feuchten Siedlung<br />

der Salix lierbacea -Schneebodenvegetation, nur eine Strecke<br />

weit von den abschmelzenden Firnwehen).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge treten an<br />

den Standorten der Art in der Regel ziemlich reichlich auf. Der<br />

Keimlingsquotient variiert auf den Schneoböden von 1 bis 5; in<br />

mehr oder weniger weichgründigen Siedlungen liegt er gewöhnlich<br />

höher als in solchen, in denen die Oberfläche - wie z.B. in der Salix<br />

herbacca -Schneebodenvegetation - rasch zu einer harten Kruste<br />

vertrocknet. Wegen der fleckenartigen Wachstumsweise der Pflanze<br />

kommen die Keimlinge besonders auf den Wiesen gewöhnlieh<br />

gruppenweise in der Nähe der Mutterindividuen vor. So fand<br />

ich in der artenreichen Carex rigida -Wiese auf einem Probequadrat<br />

zu 0.1 m^ 15 jüngere Keimlinge, auf einem anderen dagegen keinen<br />

einzigen (auf der ersteren Probefläche 32 fertile Sprosse auf 1 m^,<br />

auf der letzteren 2). In der Trollius - Polygonum vivipanim -Wiese<br />

wurden auf 3x0.i m^ insgesamt 3 jüngere und 10 ältere (5, 9 bzw.<br />

12 fertile Sprosse auf 1 m-), in der Carex rigida - C. Lachenalii-<br />

Heidewiese auf 7x0.i m^ 25 jüngere und 15 ältere (durchschn.<br />

4.5 fertile Sprosse auf 1 m^) und in der Descharnpsia flexiiosa - Anthoa;an//jn/n-Heidewiese<br />

auf 2 X0.1 m^ 1 jüngerer und 11 ältere Keimlinge<br />

gefunden (9 bzw. 21 fertile Sprosse auf 1 m^). In der Lijcopodiiim<br />

alpinum - Solidago - Descharnpsia flexiiosa -Heidewiese, wo<br />

die Art mehr oder minder spärlich vorkommt, habe ich einige<br />

vereinzelte Keimlinge wahrgenommen, ebenso in den Spalten der<br />

Felshänge.


260 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Am Rande der Sclmeebodensiedlungen habe icli gelegentlich<br />

vereinzelte Keimlinge an solchen Stellen vorgefunden, wo die Art<br />

sonst nicht vorkam; sie sind also aus weiter von der Mutterpflanze<br />

hergelangten Samen entstanden. - SERNANDER (1899,<br />

S. 43-44) hat in der Nadelwaldregion Mittclskandinaviens bei den<br />

Mutterindividuen Samenkeimlinge beobachtet. SYLVÉN (190Ü,<br />

S. 222) hat in Torne Lappmark Keimlinge eingesammelt, desgleichen<br />

HESVOLL (1917, S. 201) in Norwegen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü Ii r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch SYLVÉN (I.e.) und RESVOLL (I.e.) festgestellt<br />

haben. Am Ende des ersten Sommers hatten die Keimlinge 1 bzw.<br />

2 Laubblätter entwickelt (nach SYLVÉN und RESVOLL eine kleine<br />

Rosette mit wenigen Blättern). Zu den ausgewachsenen Individuen<br />

vermittelnde Jugendstadien sind ziemlich häufig.<br />

Vegetative V e r m e Ii r u n g. Die Art bildet lockere<br />

l^asen aus gewöhnlich verzweigtem Rhizom, dessen mehr oder<br />

minder waagerecht wachsende Äste besonders auf den Schneeböden<br />

oft reichlich ziemlich kräftige Nebenwurzeln treiben. Eine<br />

vegetative Wanderung im eigentlichen Sinne findet nicht statt,<br />

die wurzelnden Sprossteile können aber offenbar nach ihrer Trennung<br />

von der Mutterpflanze selbständig weiterleben. - Auch JESSEN<br />

(1913, S. 54) hält die vegetative Vermehrung in einigem Umfang<br />

für möglich (vgl. auch SCHRÖTER 1924, S. 644).<br />

Geum rivale L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie in den Krautgebüschen (fq,<br />

sp - cp) und an Bachufern (st r, st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht allgemein, aber gewöhnlich<br />

nur ziemlich spärlich oder zerstreut.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 befand sich die Art an den frühesten<br />

Stellen am 17. VII. in voller Blüte und am 23. VII. im Ausblühen,<br />

im allgemeinen war die Floration aber am erstgenannten Tage<br />

erst im Beginnen und am 8. VIII. in grossen Zügen abgeschlossen.<br />

In den innersten Teilen des Fjeldgebietes wurden noch am 5. IX.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 261G3<br />

Blüten beobaclitet. - Im J. 1931 war die Art am 20. VII. in den<br />

subalpinen Birkenwäldern in voller Blüte (vgl. KONTUNIEMI<br />

1932, S. 26).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 5. IX. 1933 im Gebiet<br />

ziemlich allgemein reif und an den frühesten Standorten hatte<br />

die Ausstreuung schon teilweise stattgefunden. Die allerletzten<br />

Blüten ausgenommen wird die Samenreife also in günstigen Sommern<br />

rechtzeitig erreicht, in schlechten Jahren läuft die Entwicklung<br />

aber nicht gleich glücklich ab, denn im Anfang des Sommers fand<br />

ich stellenweise mehrere vorjährige Fruchtstände mit festsitzenden,<br />

halbwüchsigen Samen.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im .1. 1933<br />

etwa 50 Tage. - Nach den Beobachtungen SiPiiÄs (1935) in Ähtävä<br />

(Ostrobottnia media) brauclite die Art vom Ausblühen einer einzelnen<br />

Blüte bis zum Beginn der Ausstreuung 30 Tage; die Blütezeit<br />

einer Blüte (der Staubblätter) betrug l Tage.<br />

Die Keimung der Samen in der Natu r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge im kräuterreichen Moorgebüsch). Die Beobachtungen<br />

von KONTUNIEMI (1932, S. 2ß) in den subalpinen Birkenwäldern<br />

deuten nach derselben Richtung hin. In Südfinnland hat LINKOLA<br />

(1935, S. 28) in der Natur nur Früiijahrskeimung festgestellt, obwohl<br />

die Art in den Versuchen teilweise schon im Herbst vor der Überwinterung<br />

keimte.<br />

K e i m 1 i n g s V e r Ii ä 11 n i s s c. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art im Gebiet regelmässig ziemlich reichlich bis reichlich<br />

vor. Der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

in den Ilaingebüschen und kräuterreichen Moorgebüschen<br />

ebenso wie in den wiesenartigen Lichtungen derselben von 1 bis 10.<br />

Die Keimungsbedingungen sind denn auch an den Standorten<br />

recht gut, weil der frische^ Boden gewöhnlich von einer mehr oder<br />

minder lockeren Moosschicht bedeckt ist, die die Samen nicht<br />

von der Keimung verhindert, eher die zarten Keimpflanzen schützt.<br />

Und weil auch die Samenreife im allgemeinen gesichert ist, sind<br />

die relativ hohen Keimlingsquotienten wohl verständlich. - SYLVÉN<br />

(190(), S. 223) hat an mehreren Stellen in Schweden Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt. KONTUNIEMI (1932, S. 26) hat sie auf seinen<br />

Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern in einigem Umfang


262 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

und am Steilfelscn Haikarapahta in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

reichlich vorgefunden. LINKOLA (1935, S. 41) hat die Zahlenverhältnisse<br />

der verschiedenen Jahresklassen des Jungpflanzenstadiums<br />

in der Wiesenvegetation in Ladoga-Karelien untersucht. -<br />

Bei einem Keimling waren die Stiele der Keimblätter und überdies<br />

die Spreiten bis über die Mitte zusanmiengewachsen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - Nach den Untersuchungen LINKOLAS (1935, S. 29-30)<br />

dauert das Jugendstadium in der W^iesenvegetation in Ladoga-<br />

Karelien mindestens 8 Jahre; in Kultur blühte im 2. Sommer etwa<br />

die Hälfte der Individuen und im 3. die grosse Mehrzahl, aber<br />

auch jetzt noch nicht alle.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat bekanntlich<br />

ein mehr oder minder schräg nach oben gerichtetes Rhizom. Eine<br />

vegetative Wanderung ist ausgeschlossen, und auch die einzelnen<br />

Sprosse dürften wenigstens normal nicht Selbständigkeit erreichen<br />

können. KUJALA (1920 a, S. 128) hat jedoch die Art - offenbar<br />

irrtümlich - in die Gruppe der sich vegetativ vermehrenden Waldpflanzen<br />

verlegt.<br />

Dry as octopetala L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig, und zwar begegnet man ihr in der Drijas -Heide<br />

(fqq, cp - st cp) sowohl in moosreichen als in xerophilen, windoffenen<br />

Siedlungen, in denen der Schneeschutz im Winter offenbar<br />

mehr oder minder mangelhaft ist, überdies - meistens in der Nähe<br />

der Dnjas -Heide - auf sonnigen oder auch beschatteten Felsen<br />

(p, st pc - sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig an allen Standorten<br />

und an geschützten Stellen oft ziemlich reichlich, in xerophilen<br />

Siedlungen dagegen der Regel nach ziemlich spärlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im .1. 1933 war das Blühen auf den offenen<br />

Fjeldrücken am 4. VII. schon im Ausklingen und an etwas geschützten<br />

Stellen im vollen Gang. Am N-Hang hatten sich die Blüten<br />

am 8. VII. stellenweise noch nicht entfaltet und einzelne Blüten<br />

wurden noch am 20. VII. beobachtet.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 263G3<br />

Im J. 1931 war die Art an offenen Stellen am 9. VII. in grossen<br />

Zügen ausgeblüht, am N-Hang stand sie aber noch in voller Blüte<br />

und einzelne Blüten kamen noch am 20. VII. vor. - In Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel befanden sich viele Individuen an den<br />

schattigen Hängen der Steilfelsen noch am 29. VII. eben in voller<br />

Blüte (vgl. VALLE 1930 und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. Im J, 1933 hatte die Ausstreuung am Gipfel<br />

des Vuoggoaivi am 26. VII. schon teilweise stattgefunden, ebenso<br />

am 11. VIII. am W-Hang. An N-Hängen war die Ausstreuung<br />

am 20. VIII. im Beginnen und selbst an den schattigsten Stellen<br />

waren die Früchte am 4. IX. reif. - Im J. 1931 hatte die Art an<br />

den N-Hängen am 23. VHI. allgemein reife Früchte, desgleichen<br />

in der Dnjas -Heide am Meeresufer in Pummanki am 1. VIII. -<br />

Die Samenreife wird also allgemein schon frühzeitig vor Ende<br />

der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 226)<br />

am 13. VIII. reife Früchte beobachtet, nicht selten sind sie aber<br />

leer, ohne einen entwickelten Samen. Auf Spitzbergen fand<br />

NATHORST (1883, S. 13) am 17. VII. 1882 ziemlich weit entwickelte<br />

Früchte; nach EKSTAM (1898, S. 10) setzt die Art dort regelmässig<br />

reife Früchte an; nach ANDERSSON und HESSELMAN (1900, S. 20)<br />

ist die Fruchtproduktion bisweilen reichlich, mitunter jedoch sehr<br />

ungleichmässig. In Ostgrönland hat HARTZ (1895 a, S. 182 und<br />

212) reife Früchte angetroffen, diese können aber auch leer sein;<br />

DUSEN (1901, S. 13) hat zwischen 70° und 75° N nur selten Früchte<br />

beobachtet; nach VAAGE (1932, S. 24) reifen sie dort in der ersten<br />

Hälfte des August und nach SÖRENSEN (1933, S. 59) im August;<br />

nacli GELTING (1934, S. 99) bringt die Art reichlich reife Früchte<br />

zwischen 73°15' und 76°20' N hervor. In Nordgrönland (81° - 82° N)<br />

fand OSTENFELD (1915, S. 379) die Art (f. minor) am 3. VHI. 1912<br />

in beginnender Fruchtbildung. Auf Novaja Semlja beobachtete<br />

V. BAER (1838) bei der Art reife Früchte und nach EKSTAM (1897,<br />

S. 127) werden solche dort regelmässig erzeugt; auch LYNGE (1923,<br />

S. 62, var. minor) hat solche angetroffen.<br />

Samen m enge. Ein bedeutender Teil der Blüten verkümmert<br />

oft sowohl an xerophilen als an frischeren Standorten früher<br />

oder später ohne sich zu ausgewachsenen Früchten weiterzuentwickeln.<br />

Aber auch solche Früchte, die äusserlich betrachtet völlig<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Rot. Fenn. Vanamo, l-i, n:o 1. 18


264 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

ausgebildet sind und ein normal entwickeltes Flugorgan besitzen,<br />

sind sehr oft leer (vgl. HARTZ 1895 a, S. 212; NORMAN 1895- 1901,<br />

S. 226). Die Anzahl der mit einem ausgebildeten Flugorgan versehenen<br />

Früchte (solche ohne Flugorgan waren nicht vorhanden)<br />

in der Blüte betrug im J. 1931 in einer Carex uaginala-reichen<br />

Siedlung der Dnjas -Heide 47, 52, 53, 55, 56, 57, 59, 59, 61 und 62,<br />

durchschn. 56.i, in einer Empetriim -reichen Siedlung in Pumrnanki<br />

33, 34, 37, 38, 40, 40, 42, 44, 50 und 52, durchschn. 41.o und in<br />

einer xerophilen Siedlung in Pummanki 24, 25, 29, 35, 37, 37, 39<br />

und 44, durchschn. 33.8 Stück (an dieser Stelle war die Fruchtbildung<br />

bei sehr vielen Blüten ganz ausgeblieben). Wie aber aus<br />

den Keimungsversuchen hervorgeht, bedeuten diese Zahlen noch<br />

lange nicht, dass fortpflanzungsfähige Samen in der gleichen Reichlichkeit<br />

erzeugt würden.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 23. VHI. 1931 von der Carex vagiimta-reichcn, am 1. VHI,<br />

1931 von der Enipetrum-reichen und am 4. VHI. 1931 von der<br />

xerophilen Siedlung der Dryos-Heide eingesammelten, mit normal<br />

entwickeltem Flugorgan versehenen Samen keimten zu 18, 45<br />

(oline Frostbehandlung zu 40) bzw. 38 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimnng setzte in allen Proben am 3, Tage<br />

ein nnd schloss schon in der 1. Woche ab. Die ül)riggebliebenen<br />

Samen (Früchte) waren nach 4 Monaten tot (weich), und zwar<br />

war die überwiegende Mehrzahl ganz leer.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 20. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge in der Dryas -Heide ebenso wie an W- und N-Felsen). -<br />

Nach SYLVÉN (1906, S. 224) erfolgt die Keimung im »Frühling»<br />

(Sommer).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art überhaupt an allen Standorten vor, gelegentlich aber<br />

- besonders in moosreichen Siedlungen el)enso wie auf mehr oder<br />

minder glatten Felsen - erst nach längerem Suchen. In xerophilen<br />

Siedhingen der Dry as-Heide, in denen der nackte Mineralboden<br />

reichlich zutage tritt, desgleichen auf verwitterten Felsen sind<br />

die Keimlinge gewöhnlich leicht zu beobachten, aber auch hier<br />

kommen sie nicht sehr zahlreich vor; der Keimlingsquotient variiert<br />

an meinen Beobachtungsstellen von O.i bis 0.5. In einer xerophilen


Annalcs Botanici Socictatis Vanamo. 'I'oni. 14. N:o 1. 265<br />

Siedlung auf dem Gipfel des Vuoggoaivi wurden auf einer Probefläche<br />

von 2 ni^ im Sommer 1929 2 jüngere und 5 ältere, im Sommer<br />

1931 wiederum 4 jüngere und 4 ältere Keimlinge wahrgenommen.<br />

In Pummanki fand ich an einer äusserst windoffenen Stelle, wo<br />

der Boden mit grobem Verwitterungsgrus bedeckt war, nur jüngere<br />

Keimlinge; wahrscheinlich konnten sich die Keimlinge in diesen<br />

extremen Verhältnissen selten über den Winter im Leben erhalten,<br />

denn der Schneeschutz war in der Siedlung offenbar sehr mangelhaft.<br />

In den moosreichen Siedlungen der Drijas-Heida treten die<br />

Keimlinge am häufigsten in kleinen, oft etwas feuchten Vertiefungen<br />

auf, in denen die Moosdecke ganz locker ist oder mehr oder minder<br />

völlig fehlt, denn durch die dicke, unberührte Moosschicht kann<br />

die Keimwurzel nur mit Mühe den Nährboden erreichen. Das<br />

Entfernen der Bodenschicht wirkt ganz erheblich auf die Entstehungsmüglichkeiten<br />

der Keimlinge ein: in Pummanki fand<br />

ich im J. 1929 auf 8 Probeflächen zu O.i ni^ insgesamt 7 ältere Keimlinge,<br />

an den Stellen der damals herausgehobenen Torfstücke<br />

dagegen im J. 1931 im ganzen nicht minder als 107 Keimlinge<br />

(2 bis 27 auf der Probefläche), vorwiegend jüngere. Aus diesem<br />

Beis[)iel geht also hervor, dass das relativ spärliche Vorkommen<br />

der Keimlinge in erster Linie von den Standortsfaktoren verursacht<br />

ist sowie dass die Art unter günstigen äusseren Bedingungen eine<br />

recht intensive Samenverjüngung aufweiseji kann. - Mit Hilfe<br />

ihres Flugorgans gelangen die Früchte natürlich über kürzere<br />

Distanzen leicht auch zu solchen Stellen, wo die Art sonst nicht vorkommt.<br />

So fand ich einige jüngere Keimlinge im Carex holostoma-<br />

Felsenmoor in der Nähe der Dnjas -Heiden, desgleichen in einer<br />

Siedlung der Salix polaris -Schneebodenvegetation. - SYLVÉN<br />

(1906, S. 224) hat in Torne Lai)pmark Samenkeimlinge der Art<br />

eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind günstig.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadin m wird erst nach vielen Jahren<br />

erreicht, wie auch SYLVÉN (I.e.) festgestellt hat. In Kultur i)lühte<br />

die Art nach REÖVOLL (1917, S. 204) sehr si)ärlich im 4. Jahr.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die Art hat bekanntlich<br />

einen verzweigten, am Boden kriechenden S])ross, der durch die


266 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Hauptwurzel befestigt ist und wenigstens normal nur feine Adventivwurzeln<br />

entsendet. Eine eigentliche vegetative Wanderung ist<br />

also ausgeschlossen, und auch ein Selbständigwerden der einzelnen<br />

Teile des Sprosssystems ist im Gebiet nicht festgestellt worden,<br />

obgleich es vielleicht möglich sein könnte. - Nach den Beobachtungen<br />

WARMINGS (1886 b, S. 56) findet vegetative Vermehrung höchstens<br />

spärlich statt. Nach EKSTAJIH (1897, S. 127) ist eine Individualisierung<br />

der Nebensprosse möglich, wenngleich wahrscheinlich<br />

von geringer Bedeutung. HAGLUND (1905, S. 33) sclireibt,<br />

dass die wurzelnden Sprossteile Selbständigkeit erreichen können.<br />

Nach GELTING (1934, S. 99) muss die vegetative Vermehrung bei<br />

der Art selten sein.<br />

Filipendula uimaria (L.) Maxim.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten; ihre Standorte liegen im untersten Teil der alpinen<br />

Region in den Krautgebüschen (p, st pc - st cp), besonders an den<br />

Bachufern.<br />

Fundorte. Pilguoaivi, im Geranium silvaticiim - Trolliiis-<br />

Haingebüsch am SE-Hang; Kiergipori, an mehreren Stellen gleich<br />

oberhalb der Waldgrenze in Haingebüsclien und kräuterreichen<br />

Moorgebüschen; im Kammikivi-Gebiet p nach KALLIOLA (1932,<br />

S. 106).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

zerstreut.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 am 11. - 12. VIII.<br />

im vollen Gang und am 5. IX. in grossen Zügen abgeschlossen. -<br />

In der subalpinen Region befand sich die Art im Bruchwald am<br />

26. VII. im Aufblühen und in der Kiefernwaldregion hatte sie<br />

am Flussufer am 31. VII. das Stadium der vollen Blüte bereits<br />

überholt (vgl. VALLE 1930 und 1933 a; KONTUXMEMI 1932, S. 21).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 5. IX. 1933 noch<br />

ganz klein und konnten offenbar nicht vor dem Einbruch des Winters<br />

volle Reife erreichen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die<br />

Art höchstens nur selten in äusserst günstigen Jahren imstande,<br />

fortpflanzungsfähige Samen zu erzeugen. - Nach den Beobachtungen<br />

SiPELÄs (1935) vergingen in Ähtävä (üstrobottnia media) vom


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 267G3<br />

Ausblühen einer einzelnen Blüte bis zum Beginn der Samenstreuung<br />

40 Tage; die einzelnen Blütenstände blüten 9 bis 13 Tage.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeinilinge habe ich<br />

bei der Art im Gebiet nicht vorgefunden; aus den Beobachtungen<br />

über die Samenreife geht ja auch hervor, dass sie dort höchstens<br />

nur äusserst geringe Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

besitzen kann. - SYLVÉN (1906, S, 224) hat in Scliweden an einer<br />

Stelle Samenkeimlinge der Art eingesammelt. Nach den Untersuchungen<br />

KUJALAS (1926 a, S. 118) kommen sie in der Waldvegetation<br />

in Süd- und Mittelfinnland reichlich vor, und auch<br />

SUOMALAINEN (1930, S. 186) hat sie auf einer Meeresstrandwiese<br />

am Finnischen Meerbusen angetroffen. KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 24 - 25) hat auf seinen Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern<br />

und auch in der Felsenvegetation in Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel keine Keimlinge vorgefunden.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat bekanntlich<br />

ein kräftiges Rhizom, mit dessem Hilfe sie effektiv am Standort<br />

weiterwandert. - KUJALA (I.E.) hat jedoch die Art irrtümlicherweise<br />

in die Gruppe der einer vegetativen Vermehrung entbehrenden<br />

Waldpflanzen verlegt.<br />

Alchemüla alpina L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur auf den Felsenwiesen des Läntinen Ortoaivi<br />

angetroffen worden (vgl. KALLIOLA 1932, S. 106).<br />

Fertilität. Die Art blüht ziemlich reiclilich, ebenso in<br />

Pummanki auf der Fischerhalbinsel, wo sie häufiger vorkommt.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich am 2. VIII. 1931 im Bachufergeröll<br />

in Pummanki in voller Blüte.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode statt, denn am<br />

2. VIII. 1931 hatten sich die jüngeren Keimlinge überhaupt schon<br />

ziemlich weit entwickelt (hatten 1 oder 2 Laubblätter), einige aber<br />

waren offenbar erst ganz neulich aufgekommen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

habe ich an zwei Standorten in Pummanki aufgesucht: im Bachufergeröll<br />

und an den Absätzen der NE-Felswand am Kuivatunturi.


268 N. Söijrinld, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Keimlinge kamen an beiden Beobachtungsstellen ziemlich<br />

reichlich auf der von verwittertem Schiefergestein gebildeten Unterlage<br />

vor (der Keimlingsquotient lag an beiden Standorten etwa<br />

bei 1). - Die Art hat also in der alpinen Region der Fischerhalbinsel<br />

offenbar günstige Voraussetzungen zur generativen Vermehrung,<br />

aller Wahrscheinlichkeit nach wohl auch am Läntinen Ortoaivi.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein verhältnismässig<br />

langes, mehr oder minder waagerechtes, verzweigtes Rhizom,<br />

dessen Äste der Regel nach Nebenwurzeln treiben. Eine eigentliche<br />

vegetative Wanderujig findet nicht statt, die einzelnen Sprossteile<br />

können aber offenbar nach der Abtrennung vom Mutterindividuum<br />

selbständig weiterwachsen.<br />

Alchemilla vulgaris ssp. glomeriilans (Bus.) N. & A.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig, und zwar findet man sie auf den Krautwiesen<br />

(p, sp; in der Alchemilla {vulgaris ssp.] glomeriilans -Wiese fqq, cpp),<br />

in Krautgebüschen (fq, sp - st cp), in wiesenartigen Graskrautmoorsiedlungen<br />

(p, st pc - sp) und an den Ufern der Schneebodenbäche<br />

(r, pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

ziemlich reichlich oder zerstreut, in den Gebüschen aber mitunter<br />

spärlich.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Im J. 1931 war das Blühen auf sonnigen Wiesen<br />

am 10. VII. im Beginnen und am 19. VII. etwa im vollen Gang.<br />

In der Alchemilla glomeriilans-y^icsc am Fusse eines Schneebodenhangs<br />

befand sich die Art am 17. VII. im Aufblühen und<br />

am Bachufer am Rande einer Deschampsia alpina -Schneebodensiedlung<br />

am 20. VIII. eben in voller Blüte. - In den subalpinen<br />

Birkenwäldern wurde die Art am 17. - 18. VII. in voller Blüte<br />

beobachtet.<br />

Im J. 1933 waren die Blütenstände in der AZc/ie/ni/Zag'/o/nerfi/ans-<br />

Wiese am 4. VII. noch nicht herangCAvachsen. Auf sonnigen<br />

Wiesen befand sich die Art am 17. VII. schon im Ausblühen, am<br />

Rande einer Graskrautmoorsiedlung am N-Hang wiederum am


Anuales Botanici Societatis Vanamo. Tom, 14. N:o 1. 269<br />

14, VII, im Aufblühen, etwa am 23, VII, in voller Blüte und am<br />

29, VII. im Ausblühen (vgl, KONTUNIEMI 1932, S, 21).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 13, VIII. 1931 in<br />

der Alchemilla glornerulans-Wiese schon ausgebildet; vom Blütebeginn<br />

bis zur Samenreife vergingen also an der Stelle 27 Tage.<br />

- Die Samenreife wird aller Wahrscheinlichkeit nach allgemein<br />

rechtzeitig im Laufe der Vegetationsperiode erreicht, die exzeptionell<br />

spät ausapernden Standorte vielleicht ausgenommen. - In Westgrönland<br />

erzeugt die Art reichlich Früchte auf Disko nach PORSILD<br />

(1920 1), S. lOÜ).<br />

Samen m e n g e. Nur ein Teil von den Blüten entwickelt<br />

sich in der Regel zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte<br />

(Samen) am SJJROSS betrug im J. 1931 in der Alchemilla (jlomerulans-<br />

Wiese (die halbentwickelten und unentwickelten in Klammern)<br />

IG (+ 4Ö + 178), 31 (+ .38 + 2.1()), 38 (+ 52 + 161), 40 (+ 10 +77),<br />

43 (+ 26 + 121), 51 (+ 49 + 155), 56 (+ 31 + 117), 61 (+ 37 +124),<br />

82 (+ 91 + 292) und 95 (+ 91 + 125), durchschn. 51.9 (+ 47.4<br />

+ 159.6) Stück, Die unentwickelten waren z.T. im Knospenstadium<br />

stehengebliebene Blüten, z.T. solche, die sich zwar geöffnet, aber<br />

r.icht weiter entwickelt hatten.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 von der Alchemilla glomernlans-V^ic&e, eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten sowohl nach (trockner)<br />

Froslbehandlung als ohne Frostbehandlung nur zu 1 % im JACOB-<br />

SENschen Keinuingsapparat. Die Keinmng erfolgte in der 8. Woche<br />

und die Samen waren noch nach 18 Monaten lebend (hart). - Auch<br />

bei LINKOLA (1935, S. 26) keimten die Samen der Alchemilla -Arten<br />

nur schwach (zu 0 bis 4 %) im Keinuingsapparat, nach Frostbehandlung<br />

in winterlicher Gartenerde aber erheblich besser (zu 31 bis 63 %).<br />

Die K e i m ung der Sa m e n in der Nat u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VII, 1931 jüngere<br />

Keimlinge in einem Moorgebüsch an der oberen Grenze der subalpinen<br />

Region); die Beobachtungen von KONTUNIEMI (1932, S, 21)<br />

deuten nach derselben Richtung hin. Nach SYLYÉN (1906, S, 214)<br />

keimt Alchemilla vulgaris im Frühling, und nach den Beobachtungen<br />

LINKOLAS (1935, S, 26) erwies sich die Keimung der Alchemilla -Arten<br />

als eine ausgeprägte Frühjahrskeiniung,


270 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Keimlingsverliältnisse. Samenkeimlijige treten an<br />

(len verschiedenen Standorten der Art regelmässig und oft auch<br />

ziemlich reichlich auf. Der Keimlingsquotient variierte auf den<br />

Wiesen von O.2 bis 5. Im Haingebüsch in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

wurden auf 4x0.i m^ insgesamt 20 jüngere und 32 ältere<br />

Keimlinge gefunden. Im frischgründigen Geranium silvaticum -<br />

7Yo//iizs-Haingebüsch zählte ich auf 2x0.i m^ insgesamt 66 jüngere<br />

und 70 ältere .4/c/zemi//«-Keimlinge (2 fertile Sprosse von A. glomeriilans<br />

und 7 von .4. aciitidens auf 2 m^). Selbst am Bachufer<br />

am Rande einer Siedlung der Deschampsici alpina -Schneebodenvegetation<br />

hatte die Art noch Samenkeimlinge. - LINDMAN (1887,<br />

S. 100) hat Akliemilla vulgaris-KcimUngG auf dem Dovre und<br />

SYLVÉN (1906, S. 214) in Torne Lappmark eingesammelt. KUJALA<br />

(1926 a, S. 118) hat Keimlinge der Alchemilla-Arten (unter diesen<br />

A. glomerulans) in Süd- und Mittelfinnland oft in hainartigen Wäldern<br />

und auf Brandflächen vorgefunden. VILBERG (1929, Tab. II - V<br />

und VII - IX; S. 71) hat in der Loodvegetation in Estland Alchimilla<br />

vulgaris -Samenkeimlinge festgestellt. KONTUNIEMI (1932, S. 21)<br />

beobachtete auf seinen Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern<br />

nur wenige Keimlinge, in der Vegetation der Steilfelsen in<br />

Pummanki waren sie dagegen sehr reichlich vertreten. - LINKOLA<br />

(1935, S. 41) hat die Zahlenverhältnisse der verschiedenaltrigen<br />

Jungpflanzenstadien bei Alchemilla vulgaris (darunter /1. glomerulans)<br />

in Ladoga-Karelien in der Wiesenvegetation untersucht.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - Nach SYLVÉN (1906, S. 215) blüht die Art in der Natur<br />

kaum früher als im 3. Jahr. Die Untersuchungen LINKOLAS (1935,<br />

S. 26-28; 1937) in Ladoga-Karelien haben jedoch an den Tag<br />

gebracht, dass das Jugendstadium in der natürlichen Wiesenvegetation<br />

mindestens 8 Jahre dauert; in der Kultur blühten von<br />

Alchemilla pastoralis im zweiten Sommer 2 Individuen (etwa 5 %),<br />

die übrigen im dritten Sommer.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein melir oder<br />

minder schräg aufwärtsgerichtetes Rhizom, das nur kurz verzweigt-<br />

ist. Eine vegetative Wanderung ist also ausgeschlossen<br />

und auch ein Selbständigwerden der einzelnen Sprosse dürfte


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. l 1. N:o 1. 217<br />

wenigstens normal nicht möglich sein. - Nach JESSEN (1913, S. lOü)<br />

trägt das Rhizom nicht so viel Äste wie bei Alchemilla alpina,<br />

und eine vegetative Vermehrung kann nur in geringem Umfang<br />

stattfinden.<br />

Alchemilla vulgaris (L.) ssp. acutidens (Bus.) N. & A.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie auf den Krautwiesen (st fq, sp - st cp;<br />

in der Alchemilla {vulgaris ssp.J acutidens -Wiese* und der Alchemilla<br />

acutidens - TroUius -Wiese fqq, cp - cpp), in den Krautgebüschen<br />

(p, sp - st cp) und an Felshängen (st r, st pc - st cp).<br />

Die H ö h e der Individuen betrug im J. 1933 in der Geranium<br />

silvalicum - Trollius -Wie^e durchschn. 10(10-22) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig an allen Standorten<br />

und gewöhnlich ziemlich reichlich oder zerstreut, an schattigen<br />

Stellen aber gelegentlich spärlicher.<br />

Floratio n. Im J. 1933 war das Blühen in der Geranium<br />

silvaticum - Trollius -Wiese im unteren Teil eines S-Hangs am<br />

5. VII. im Beginnen, höher hinauf an demselben Hang jedoch<br />

schon im vollen Gang und am 19. VII. war die Floration in der<br />

ganzen Siedlung abgeschlossen. Im kräuterreichen Moorgebüsch<br />

befand sich die Art am 25. VII. im Ausblühen und in der Alchemilla<br />

acutidens - Trollius-Wiese am Fusse eines N-Hangs am 26. VII.<br />

erst im Aufblühen. - Im J. 1931 war das Blühen in der Alchemilla<br />

acutidens-Wiese am Rande einer Schneebodensiedlung am 18. VII.<br />

im Beginnen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 hatte die Art am 8. VIII. reife<br />

Früchte in der Geranium silvaticum - Trollius -Wiese im oberen<br />

Teil eines S-Hangs, und am 23. VIH. hatte die Ausstreuung schon<br />

stattgefunden; im unteren Teil derselben Siedlung war die Ausstreuung<br />

am letztgenannten Tage eben im Beginnen. Vom Blütebeginn<br />

bis zur Samenstreuung vergingen an der Stelle etwa 49 Tage.<br />

- Im J. 1931 hatte die Art am 19. VIII. reife Früchte in derselben<br />

Siedlung, und die Blätter waren vergilbt; am 3. IX. war ein bedeutender<br />

Teil von den Samen bereits ausgestreut. - Im allgemeinen<br />

wird die Samenreife im Gebiet offenbar schon rechtzeitig vor Ende<br />

der Vegetationsperiode erreicht, ausser an den am allerspätesten


272 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

ausapcrndeii Standorten, wo sie in ungünstigen Sommern wahrscheinlich<br />

mehr oder minder unvollständig bleibt.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c Ii.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Geranium silvaticum - Trollius-Wiese<br />

eingesammelten Samen kamen im JACOBSENschen Keimungsapparat<br />

nicht zur Keimung; noch nach 18 Monaten waren sie lebend (hart).<br />

- Von den am 8. VIII. 1933 an derselben Stelle eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen keimte kein einziger noch im gleichen Herbst bis zum 8. XI.,<br />

im folgenden Frühjahr keimten aber 19 % bis zum 11. V., und zwar<br />

während einer längeren Zeit. - Vgl. auch unter Alchemilla glomerulans.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge in der Alchemilla aciüidens -Wiese am Rande einer<br />

Schneebodensiedlung). - Vgl. aucli unter A. glomerulans.<br />

K e i ni 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

au den Standorten der Art regelmässig und gewöhnlich mehr oder<br />

minder reichlich vor. Der Keimlingsquotient betrug in einer Siedlung<br />

der Alchemilla acutidens -Wiese in einem kleinen Bachlauf am<br />

Rande eines Schneebodens ganze 25, im kräuterreichen Moorgebüsch<br />

an einem Bachufer wiederum 5. In der Geranium silvalicum- Trollius-<br />

Wiese wurden auf 4 x O.i m^ insgesamt 9 jüngere und 4 ältere (durchschn.<br />

5 fertile Sprosse auf 1 nr) und in der Thaliclrum alpinum -<br />

Potentilla Crantzii -Wiese auf 2 X O.i m"'^ 3 jüngere und 10 ältere<br />

Keimlinge vorgefunden (keine fertilen Sprosse auf den untersuchten<br />

Quadratmetern, wohl aber sonst in der Siedlung). - In Pummanki auf<br />

der Fischerhalbinsel war der Keimlingsquotient auf den von Verwitterungsgrus<br />

bedeckten Absätzen amNE-Hang des Kuivatunturi 1.<br />

- Einer von den jüngeren Keimlingen hatte 3 normal entwickelte<br />

Keimblätter. - Vgl. auch unter Alchemilla glomerulans.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht (vgl. unter A. glomerulans).<br />

Die vegetative Ver m e h r u n g fehlt wenigstens normal<br />

wie bei A. glomerulans.


Annales Botanici vSocictatls Vanamo. Tom. 11. N:o 1. 273<br />

Legiiminosae<br />

Astragalus alpinus L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie auf den Krautwiesen<br />

(r, st cp), in llaingebüsclien (r, sp —step) und in der Dryas-llQidc<br />

(r, pc).<br />

Fundorte. Pilguoaivi, auf der Wiese am SE-Hang neben<br />

einem erratischen Felsblock; Kiergijjori, an einer wiesenarligen Stelle<br />

in der Nähe des Vilgiskveljoki; Vilgiskoddeoaivi (Illemoaivi): an<br />

zwei Stellen im Haingebüsch am S-Hang, im Hainge])üscli am<br />

N-Hang, auf der Wiese am Ufer eines Teiches am Fusse des NW-<br />

Hangs, auf der Wiese am Fusse eines Felsens am W-Hang; Kammikivi<br />

-Gebiet, in der Drijas -Heide pc nach KALLIOLA (1932,<br />

S. 106); (in der subalpinen Region am Ufer des Selvakkajoki nördlich<br />

vom Vuoggoaivi).<br />

Fertilität. Die Art blüiit in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. lm J. 1933 befand sich die Art auf der Wiese<br />

am SE-Hang am ü. VII. in voller Blüte, am Rande eines Haingebüsches<br />

am S-Hang aber erst im Aufblühen, desgleichen am 8. VH.<br />

auf der Wiese am Ufer eines Fjeldteiches. - In der subalpinen Region<br />

ging das Blühen am i. VH. schon seinem Ende entgegen und am<br />

11. VH. war es in grossen Zügen abgeschlossen. In der Nadelwaldregion<br />

wurden am Ufer des Ivalonjoki (Lapponia inarensis) noch<br />

am 2. VIII. blühende Individuen beobachtet. - Im J. 1931 war<br />

die Floration am 17. VII. am Flussufer in der sul)alpinen Region<br />

im Ausklingen und e!)enso am 4. VHI. in der /J/7/rt6--Heide in<br />

Pummanki auf der Fischerhalbinsel (vgl. VALLE 1930).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 13. VHI. 1933 reif<br />

auf der Wiese am SE-Hang. - In Pummanki hatte die Art am<br />

26. VIII. 1929 reife Früchte auf den Meeresstrandwiesen und<br />

in der Dryas -Heide. - Offenbar wird die Samenreife im Gebiet<br />

allgemein im Laufe der Vegetationsperiode erreicht. Die Samen<br />

sind aber oft durch Larven parasitierender Insekten verdorben,<br />

die also die Besamung bedeutend herabsetzen (vgl. SCHRÖTER<br />

1923-26, IV, S. 1015).


274 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenreife vergingen im J. 1933 etwa<br />

38 Tage (vgl. CLEVE 1901, S. 83). - Auf Novaja Semlja hat EKSTAM<br />

(1897, S. 125) nicht reife Früchte beobachtet, so auch nicht LYNGE<br />

(1923, S. 67).<br />

K e i m 11 Ii g der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 26. VIII. 1929 von der Meeresstrandwiese und am 27. VIII.<br />

1929 von der Dryas -Heide (20 Stück) in Pummanki eingesammelten<br />

Samen keimten in 6 Wochen zu 9 bzw. 30 % im JACOB-<br />

SENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 2. Tage ein<br />

und war noch im Gang, als der Versuch abgebrochen wurde.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VII. 1933 waren die<br />

ersten Laubblätter bei den jüngeren Keimlingen auf der Wiese<br />

am Ufer eines Fjeldteiches im Hervorbrechen). - Nach SYLVÉN<br />

(1906, S. 195) erfolgt die Keimung im Frühling.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Menge der Samenkeimlinge<br />

scheint an den verschiedenen Standorten der Art beträchtlich<br />

zu variieren, wahrscheinlich je nach dem, wie stark die Besamung<br />

durch die Insektenbeschädigungen beeinträchtigt worden ist. Auf<br />

der Wiese am Ufer eines Fjeldteiches fand ich ziemlich reichlich<br />

sowohl jüngere als ältere Keimlinge, am SE-Hang des Pilguoaivi<br />

auf einer etwa 3 m^ grossen Wiese dagegen nur einen jüngeren<br />

Keimling, obgleich die Art auch hier ziemlich reichlich vorkam. -<br />

In Pummanki wurde auf der Meeresstrandwiese, wo die Art zusammen<br />

mit Saxifraga opposüifolia nebst einigen anderen Arten im<br />

losen Sand wuchs, kein einziger Keimling angetroffen, in der<br />

Dryas-Heide aber fand ich an der Stelle eines im Sommer 1929<br />

herausgegrabenen Torfstücks im J. 1931 einen Keimling. - SYLVÉN<br />

(I.e.) hat in Torne Lappmark (auch oberhalb der Birkengrenze)<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder minder günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die in der Erde kriechenden<br />

basalen Teile der Stengel treiben in einigem Umfang Adventivwurzeln,<br />

die eine Verselbständigung der einzelnen Sprosse ermöglichen<br />

dürften.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 275G3<br />

Astragalus frigidiis (L.) Bge<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar in moosreichen Siedlungen der<br />

Dnjas -Heide (fq, sp - st cp) ebenso wie auf artenreiclien Krautwiesen<br />

(st r, st cp - sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig und gewöhnlich<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 hatte das Blühen in der Dnjas-<br />

Heide am Gipfel des Fjeldes Vuoggoaivi am 9. VII. noch nicht<br />

begonnen, tiefer unten befand sich aber die Art im Aufblühen. Am<br />

16. - 18. VII. war die Floration im Gebiet allgemein im vollen<br />

Gang und am 21. VII. abgeschlossen. - In einer Braunmoorsiedlung<br />

in der Birkenwaldregion wurde die Art am 9. VII. in voller Blüte<br />

wahrgenommen.<br />

Im J. 1933 war das Blühen iji der Dry as-Heide am unteren<br />

Hang des Vuoggoaivi am 4. VII. im Beginnen und am 11. VII.<br />

im Ausklingen; auf dem Gipfel des Fjeldes hatte die Floration am<br />

4. VII. noch nicht begonnen, am 11. VII. war sie im vollen Gang<br />

und am 18. VII. abgeschlossen. Auf der Wiese an einem sommertrocknen<br />

Bachlauf befand sich die Art am 21. VII. in voller Blüte,<br />

und im Schatten eines N-Felshangs kamen blühende Individuen noch<br />

am 26. VII. vor (vgl. VALLE 1930 und 1933 a, Phaca jrigida).<br />

Samenreife. Im J. 1931 waren die Früchte in der Dryas-<br />

Heide am unteren Hang des Vuoggoaivi am 13. VI II. bereits ausgebildet;<br />

am 30. VIII. hingen sie noch ungeöffnet da, obgleich<br />

die Stengel schon vertrocknet waren.<br />

Im J. 1933 hatte die Art am 15. VIII. reife Früchte an der<br />

vorgenannten Stelle. Auf der Wiese am sommertrocknen Bachlauf<br />

war die Pflanze am 4. IX. ganz vertrocknet, die Früchte sassen<br />

aber noch fest an den Blütenständen und auch die Samenstreuung<br />

hatte nicht begonnen. - Die Früchte kommen also allgemein gut<br />

im Laufe der Vegetationsperiode zur Beife.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen im J. 1933<br />

in der Drijas -Heide etwa 42 Tage. - Auf Novaja Semlja hat<br />

EKSTAM (1897, S. 125, Phaca iimhellata Hook.) bei der Art reife<br />

Früchte beobachtet und LYNGE (1923, S. 69) fand am 31. VHI. 1921<br />

ausgebildete Samen in Bessimyannii Fjord, die Früchte waren


276 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

aber noch niclit aufgesprungen. Im arktischen Amerika ist die<br />

Art im Juli mit jungen Früchten eingesammelt worden (OSTETS'FELD<br />

1910, S. 54, Phaca frUjida).<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich ziemlich regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Blütenstände am Spross<br />

betrug im J. 1931 in der Dry as-Heide am Vuoggoaivi 1, 1, 1,<br />

I, 2, 2, 2, 2, 3 und 3, durchschn. l.s; die Zahl der Früchte pro Blütenstand<br />

war an der Stelle (die verkümmerten Blüten in Klammern)<br />

10 (+ 3), 12, 14, 18, 19, 19 (+ 2), 20, 21, 21, 21, 23, 23, 25 (+ 1),<br />

28 und 28, durchschn. 20.o (+0.4 ) und in der Dr/yas-Heide am<br />

Kammikivitunturi 6, 6 (+ 1), 7, 8, 9, 9, 9 (+ 1), 10, 10, 10, 10 (+ 2),<br />

II, 11 (+ 1), 12, 12, 13, 14, 14, 15 und 17, durchschn. ll.o (+ O.3).<br />

Die Anzahl der Früchte am Spross betrug in der Dnjas -Heide<br />

am Vuoggoaivi 36.2 Stück.<br />

Trotz der reichlichen Fruclitbildung bleibt der Samenertrag<br />

bei der Art jedoch recht niedrig, denn die Samen sind fast regelmässig<br />

von Larven parasitierender Insekten beschädigt, wie es<br />

auch in den Alpen (ScimÖTER 1923-26, IV, S. 1015) der Fall ist.<br />

Und auch in solchen Frücliten, die nicht von den Parasiten besuclit<br />

worden sind, ist die Samenentwicklung recht schwach: nur selten<br />

findet man 1 bis 2 vollentwickelte Samen in einer Frucht, in den<br />

meisten sind sämtliche Anlagen früher oder später verkümmert.<br />

Die Keimung der Samen in d e r N a t u r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge im Scirpiis caespilosiis -Moor im obersten Teil der subalpinen<br />

Region).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art im Gebiet im allgemeinen nur mehr oder minder spärlich<br />

vor, wie schon auf Grund der niedrigen Samenproduktion mit<br />

Recht anzunehmen ist. In der Dnjas -Heide traf ich an einer<br />

Stelle mehrere jüngere Keimlinge an, und zwar wuchsen die meisten<br />

am Rande einer kleinen erodierten Vertiefung, einige aber auch<br />

in der üppigen, unberührten Moosdecke. Anderswo habe ich in<br />

dieser Assoziation vergebens nach Keimlingen gesucht, nicht einmal<br />

in einer etwa 4x4 m^ grossen Aslragahis frigidiin-reichen<br />

Siedlung wurde ein einziger angetroffen. Auf der Wiese am Rande<br />

eines sommertrocknen Bachlaufs fand ich einen jüngeren und<br />

einen älteren Keimling ganz nebeneinander und am Fusspfad am


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 277G3<br />

N-IIang des Kainiiiikivituiituri einen jüngeren Keimling (die Art<br />

wächst höher oben an demselben Hang). - Im obersten Teil der<br />

subalpinen Region in der Nähe der Waldgrenze am Fusse des<br />

Vuoggoaivi wurden mehrere jüngere und ältere Keimlinge im Scirpiis<br />

caespüosiis -Moor wahrgenommen; die Keimlinge kamen sowohl<br />

in den beinahe moosfreien Rimpi-Flecken auf frischem Boden als<br />

auf den Torfmoosbülten vor.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind also mehr oder weniger begrenzt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert bekanntlich<br />

mit Hilfe langer, unterirdischer Ausläufer effektiv am Standort<br />

weiter (vgl. z.Ji. SCHKÖTER 1923- 2Ü, IV, S. 486).<br />

Oxylropis campestris (L.) DC. ssp. lijpica (Beck) Hiit. var. sordida<br />

(Willd.) Pers.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie sowohl in moosreichen als in xerophilen<br />

Siedlungen der Drijas -Heide (fq, st cp - st pc), in der<br />

Ceiraria nivalis- und der Cetraria nivalis - Alccloria-llitiCm (in<br />

beiden p, st cp - st pc) und an mehr oder minder sonnigen Felshängen<br />

(st r, st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig an allen Standorten<br />

und oft ziemlich reichlich oder reichlich. Die Anzahl der Blütenstände<br />

pro Individuum variierte im J. 1933 in der Ceiraria nivalis-<br />

Alectoria -Heide von 1 bis 38.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 war die Art an den S-Hängen sowie<br />

auf den Gipfeln der Fjelde am 4. VH. schon ausgeblüht, an N-Hängen<br />

war das Blühen aber eben im vollen Gang und am 11. VII. in<br />

grossen Zügen abgeschlossen. Im Nachblühen befindliche Individuen<br />

wurden in der Ceiraria nivalis - Alectoria-Heide noch am<br />

26. VII. angetroffen.<br />

Im J. 1931 war die Floration am 9. VH. im Gebiet allgemein<br />

abgeschlossen, auch am N-Hang fand ich nur ein blühendes Individuum.<br />

- In Pummanki auf der Fischerhalbinsel waren einige<br />

Individuen am 29. VII. im Nachblühen begriffen. - Die Farbe


278 N. Söijrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation, IL<br />

der Blüten kann beinahe weiss, blau bzw. rosa sein (vgl. VALLE<br />

1930 und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die Früchte auf sonnigen<br />

Fjeldheiden schon am 26. VII. stellenweise reif und die Ausstreuung<br />

war im Beginnen. - Im J. 1931 hatte die Art am 4. VIII. reife<br />

Samen in der xerophilen Dryas -Heide in Pummanki. - Die Samenreife<br />

wird also schon früh im Laufe der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Mitunter ist ein Teil der Samen durch parasitierende Insektenlarven<br />

verdorben, die Besamung bleibt aber auch dessenungeachtet ziemlich<br />

ausgiebig (vgl. SCHRÖTER 1923-26, IV, S. 1015; SIMEON 1928,<br />

S. 136- 137).<br />

Auf Novaja Semlja bringt die Art nach EKSTAM (1897, S. 125)<br />

regelmässig reife Früchte hervor. LYNGE (1923, S. 68) hat am<br />

21. VIII. 1921 in Admiralty Peninsula reife Samen angetroffen;<br />

die Samen bleiben dort lange an den Schoten haften, in den vorjährigen<br />

Früchten waren solche noch weit in den Sommer 1921<br />

hinein zu finden.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 4. VIII. 1931 von der xerophilen Dryfl^-Heide in Pummanki<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten zu 75 %<br />

im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte schon<br />

am 1. Tage ein, als die Keimwurzel aus einigen Samen hervorbrach,<br />

war am kräftigsten in der 1. Woche und fuhr dann allmählich<br />

fort, bis der Versuch (also zu früh) nach 20 Monaten abgeschlossen<br />

wurde. Die übriggebliebenen Samen waren lebend (hart).<br />

Von den am 26. VH. 1933 von der Cetraria nivalis - Alectoria-<br />

Heide eingesammelten, am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten<br />

in Gartenerde ausgesäten Samen keimten 13 % im gleichen Herbst<br />

bis zum 8. XI. und weitere 17 % im folgenden Frühjahr bis zum<br />

31. V. Die Keimung begann im Herbst schon in der 1. Woche<br />

und erfolgte im Frühling während einer längeren Zeit.<br />

Die Keimung der Sa m en in der Natur findet<br />

wenigstens allgemein im Anfang der Vegetationsperiode statt (am<br />

16. VH. 1931 war das erste Laubblatt bei den jüngeren Keimlingen<br />

am W-Felshang schon hervorgebrochen). Eine Keimung schon<br />

vor der Überwinterung, die nach dem Keinmngsversuch besonders<br />

in günstigen Sommern möglich erscheinen könnte, habe ich im<br />

Gebiet nicht festgestellt. - SYLVÉN (1906, S. 197) hat bei der Art


Annales Botanici Societatis Vananio. Tom. 14. N:o 1. 279<br />

in der Natur nur Frühjahrskeimung wahrgenoirimen, in der Kultur<br />

haben sich die Samen aber schon im Herbst des Jahres der Samenreife<br />

keimungsfähig erwiesen.<br />

K e i m Ii n g s V e r h ä I t n i s s e. Samenkeimlinge sind regelmässig<br />

und oft auch ziemlich reichlich an den Standorten der Art<br />

anzutreffen. Der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

an den Felshängen und in der xerophilen Dryas -Heide<br />

von 0.2 bis 5. Die Quotienten liegen also in Anbetracht der extremen<br />

Verhältnisse recht iioch, denn oft wachsen die Keimlinge im blossen<br />

groben Kies, weil alle feineren Bestandteile (Kirch die starken Winde<br />

abgetragen worden sind. Auf einer Probefläclie (2 m^) der xerophilen<br />

Dryas -Heide wurden im Sommer 1929 3 jüngere und 9 ältere, im<br />

Sommer 1931 wiederum 9 jüngere und 8 ältere Keimlinge vorgefunden.<br />

In der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide betrug der Keimlingsquotient<br />

in einer Siedlung 2. Audi in den Erosionsflecken der<br />

Cetraria nivalis -Heide sind Keimlinge aufgetreten. In den nioosreichen<br />

Siedlungen der Dryas -Heide begegnet man nicht selten<br />

Keimlingen, die ihre kräftige Hauptwurzel durcli die dicke Moosschicht<br />

hindurch in den Torf- und Mineralbodeu eindringen lassen<br />

und so ihre Naiirungsaufnaiime sichern. - Einmal fand ich 3 jüngere<br />

Keimlinge am Fusse eines Felshangs in einer Siedlung der artenreichen<br />

Oxyria dUjyna -Schneebodenvegetation; die Art wuchs<br />

höher oben an demselben Hang, woher die Samen also leicht verschleppt<br />

worden sein kounten. - SylvÉIX (I.e.) hat auf Öland Sanienkeimlinge<br />

bei der Art eingesammelt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e S t a d i u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch SYLVÉN (I.E.) erwähnt.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Individuen der Art<br />

bilden oft reichlich Nebensprosse, die aber immer mir durch die<br />

Hauptwurzel ernährt werden, da sie keine Adventivwurzeln treiben.<br />

Eine vegetative Vermehrung ist also völlig ausgeschlossen.<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 19


280 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Geraniaceae<br />

Geranium silvaticum L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie in der Geranium<br />

silvaticum - Trollius -Wiese (fqq, cp - cpp), auf den übrigen Krautwiesen<br />

(p, sp - st cp) und in den Haingebüschen (fq, st cp - cpp).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 in der Geranium<br />

silvaticum - Trollius-Vliese durchschn. 26 (13-34) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht an ihren verschiedenen Standorten<br />

regelmässig und gewöhnlich ziemlich reichlich oder reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen in der Geranium<br />

silvaticum-Trollius-Wiese am 10. VII. im Beginnen, am 19. VII.<br />

im vollen Gang und am 26. VII. im Ausklingen. Im Haingebüsch<br />

am N-Hang befand sich die Art am 16. VII. im Aufblühen, desgleichen<br />

am Ufer des Pilgujaur an der oberen Grenze der subalpinen<br />

Region. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel war das Blühen<br />

auf schattigen Wiesen am Fusse der Steilfelsen am 29. VII. im<br />

vollen Gang. - In den subalpinen Birkenwäldern war die Floration<br />

am 16.-17. VH. allgemein im vollen Gang und am 21. VII. im<br />

Ausklingen, an den schattigsten Stellen jedoch erst am 28, VII.<br />

Im J. 1933 befand sich die Art in der Geranium silvaticum -<br />

Trollius- u.a. sonnigen Wiesen am 5. VII. im Aufblühen, am 12. VII.<br />

in voller Blüte und am 19. VII. im Ausblühen, im unteren Teil<br />

der Siedlungen aber erst am 25. VII. Im Haingebüsch am S-Hang<br />

war die Floration am 17. VH. im vollen Gang und am 29. VH.<br />

im Ausklingen. In der Alchemilla acutidens - Trollius -Wiese<br />

am Fusse eines N-Hangs wurde die Art am 26. VH. im Aufblühen<br />

beobachtet und am Boden einer kleinen Senke am 8. VHI. noch<br />

beinahe in voller Blüte; an N-Hängen war sie stellenweise am<br />

16. VHI. noch im Ausblühen begriffen. - In den subalpinen Birkenwäldern<br />

war das Blühen am 4. VH. im Beginnen, am 11. VII.<br />

ziemlich allgemein im vollen Gang und am 26. VH. in grossen<br />

Zügen abgeschlossen (vgl. VALLE 1930 und 1933 a; KONTUNIEMI<br />

1932, S. 25). - Zweimal habe ich ein weissblühendes Individuum<br />

wahrgenommen.<br />

Sa me n reife. Im J. 1931 hatte die Art am 19. VHI. reife<br />

Früchte in der Geranium silvaticum - Trollius -Wiese (Stengel


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 281G3<br />

im Vertrocknen), ebenso am 24. VIII. in der Thalictrum alpinum -<br />

Potentilla Crantzii -Wiese am NW-Hang.<br />

Im J. 1933 waren die ersten Früchte in der Geranium siluaticum<br />

- Trollius-Wiese am 25. VII. ausgebildet und die Rosettenblätter<br />

schon teilweise rot oder gelb gefärbt. Die Samenstreuung war<br />

am 8. VIII. im Beginnen und am 23. VIII. hatte sie zum grossen<br />

Teil stattgefunden (Blätter allgemein ganz vertrocknet). Vom<br />

Blütebeginn bis zur Samenstreuung vergingen also etwa 24 Tage. -<br />

Im allgemeinen kommen die Früchte rechtzeitig vor Ende der<br />

Vegetationsperiode zur Reife. - In Ivalo (Lapponia inarensis)<br />

waren die Samen auf den Wiesen am Fhissufer am 2. VIII. reif<br />

und lösten sich bei Berührung leicht ab. In den subalpinen Birkenwäldern<br />

waren die Früchte am 11. VIII. ausgebildet.<br />

S a m e n m e n g e. Ein beträchtlicher Teil der Blüten entwickelt<br />

sich in der Regel nicht zu Früchten weiter, wie es auch<br />

KONTUNIEMI (1932, S. 26) in den subalpinen Birkenwäldern festgestellt<br />

hat. Die unfruchtbaren Blüten sind teilweise schon von<br />

Anfang an zu männlichen Blüten verkümmert (LINDMAN 1887,<br />

S. 47 - 48), die anderen wiederum sind sonst aus irgendwelchem<br />

Grunde mitten in ihrer Entwicklung eingegangen. Die Anzahl der<br />

Früchte am Stengel betrug im J. 1931 im Geranium silvaticum-<br />

Tro/Zius-Haingebüsch (die unfruchtbaren Blüten in Klammern)<br />

0(+5), 0(+7), 0(+9). 1(4-5), L(+5), 1 (+6), 1 (+8),<br />

1(4-11). 2 (+3), 2(4-6), 2 (+9), 2 (+9), 3 (+5), 4 (+4),<br />

5 (+ 6), 5 (4- 8), 6 (4- 8), 7 (4- 2), 7 (4- 5) und 9 (4- 1), durchschn.<br />

3.0 (4-6.i), in der Geranium siluaticum - Trollius-Wiese 1(4-5),<br />

1 (4- 5), 1 (+ 5), 1 (4- 6), 2 (4- 2), 2 (4- 8). 3 (4- 2), 3 (+ 3),<br />

3(4-4), 3 (+6), 3(4-15), 4(4-1), 4(4-5), 4 (+6), 4(4-6),<br />

5 (4- 2), 5 (4- 7), 6 (4- 3), 6 (4- 4) und 6 (4- 4), durchschn. 3.4<br />

(-f 5.o) und in der Thalictrum alpinum - Potentilla Crantzii-Wiese<br />

1(4-2), 1(4-5), 1(4-7), 3(4-2), 3(4-2), 3(4-2), 3(4-4),<br />

3(4-4), 3(4-5), 3(4-6), 3(4-6), 3(4-7), 3(4-10), 4, 5(4-5),<br />

5(4-6), 6 (+2), 6 (+3), 6 (+5) und 6 (4-11), durchschn. 3.6<br />

(+ 4.7) Stück. Die Zahl der Samen pro Frucht war im Geranium<br />

siluaticum - Trollius -Haingebüsch (die Fruchtblattzahl bei der<br />

Gattung ist bekanntlich 5; halbentwickelte Samen waren nicht<br />

vorhanden) 1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3, 4, 4, 4, 5, 5, 5, 5 und 5,<br />

durchschn. 3.3 (+ 1.7 unentwickelte), in der Geranium siluaticum -


282 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

7>o//niS -Wiese ebenso durchschn. 3.3 (ü - 5) (+1.?) und in der<br />

Thaliclrum alpimim - Poteiüilla Crantzii-Vliese 0, 0, 1, 1, 1, 2, 2,<br />

2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3, 4, 4 und 5, durchsclin. 2.3 (+ 3.?) Stück.<br />

Die Anzalil der vollentwickelten Samen pro Stengel betrug also im<br />

Geranium silvaliciim - Trolliiis -Haingcbüsch 9.9, in der Geranium<br />

silvaticiim-T rollins -V^iQse 11.2 und in der Thalictrum alpinum-<br />

Poientilla Crantzii -Wiese 8.3 Stück.-Vgl. SIMEON (1928, S. 130-137);<br />

EKLUXD (1929, S. 22).<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 18. VIII. 1931 vom Geranium silvaticum-T rollins -Haingebüsch,<br />

am 19. VIII. 1931 von der Geranium silvaticum - TroUius-<br />

Wiese und am 24. VIII. 1931 von der Thalictrum alpinum - Potentilla<br />

Crantzii -Wiese eingesammelten Samen keimten zu 100, 96 bzw.<br />

100 % im JACOBSENsciien Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

in der 2. bzw. 3. Woche ein und dauerte 11 bis 13 Monate ziemlich<br />

gleich massig.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 10. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge in einer ziemlich spät ausapernden Wiesensiedlung<br />

am Boden einer Senke). - WITTE (SYLVÉN 1906, S. 175) hat in<br />

Schweden Ilerbstkeimung beobachtet, nacli SYLVÉN keimt die<br />

Art jedoch in der Natur gewöhnlich im Früliling. Auch KONTUNIEMI<br />

(1932, S. 25) hat in den subalpinen Birkenwäldern Ilerbstkeimung<br />

(vor der Überwinterung?) neben der Frühjahrskeimung festgestellt.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den Standorten der Art regelmässig, aber gewöhnlich weniger<br />

zahlreich vor. In zwei Wiesensiedlungen war der Keimlingsquotient<br />

0.6 bzw. 2; im Vergleich zu den Samenmengen lagen die Quotienten<br />

also ziemlich hoch. In der Geranium silvaticum - Trolliiis -Wiese<br />

wurden auf 4x0.i m^ insgesamt 1 jüngerer und 3 ältere (durchschn.<br />

9 fertile Sprosse auf 1 m^), in der Thalictrum alpinum - Patentilla<br />

Crantzii -Wiese auf 2 X O.i ni^ 9 ältere (4 bzw. 8 fertile Sprosse<br />

auf 1 m^) und im Geranium silvaticum - Trollius -Haingebüsch<br />

auf 2 X 0.1 m^ 4 ältere Keimlinge vorgefunden (23 bzw. 37 fertile<br />

Sprosse auf 1 m^). Die verhältnismässig hohe Zahl der älteren<br />

Keimlinge ist beachtenswert; sie Hesse sich vielleicht in einigem<br />

Umfang durch die Möglichkeit der Ilerbstkeimung erklären, lieber<br />

aber dadurch, dass die Entstehung der Keimlinge in den verschiede-


Aniiales Botanici Societalis Vanamo. Toin. 14. N:o 1. 283<br />

nen Jahren beträchtliclien Scliwankungen nnLerworfen ist, wie es<br />

auch bei manchen anderen Arten im Gebiet der Fall zu sein scheint,<br />

und dass die Entwicklung der Keimlinge überdies sehr langsam<br />

vor sich geht. - Bei einem jüngeren Keimling waren die Stiele<br />

der beiden Keimblätter vollkommen zusammengewachsen, wodurch<br />

die Blattspreiten aufrecht gegeneinander zu stehen kamen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig. - LINDMAN (1887, S. 100) hat auf dem Dovre<br />

Samenkeimlinge bei der Art eingesanmielt, desgleichen SYLVÉN<br />

(190C, S. 175) an mehreren Stellen in Schweden. HEINTZI-] (1914,<br />

S. 260) hat in Schwedisch-Lappland Keimlinge auf vom Wasser<br />

transportierten Torfstücken wahrgenommen. Nach den Untersuchungen<br />

KUJALAS (1926 a, S. 119) hat die Art reichlich Samenkeimlinge<br />

in den Hainwäldern in Süd- und Mittelfinnland. KONTU-<br />

NIEMI (I.e.) hat in den subalpinen Birkenwäldern ziemlich reichlich<br />

Keimlinge angetroffen.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach melireren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Individuen der Art<br />

haben ein mehr oder minder schräg aufwärts strebendes Rhizom,<br />

das an gewöhnlich kurzen Ästen mehrere Sl)rosse trägt (vgl. METSÄ-<br />

VAiNio 1931, S. 250). Die Hiiizomäste können mitunter Nebenwurzeln<br />

treiben und eine Individualisierung der einzelnen Sprosse<br />

ist vielleicht nicht gänzlich ausgeschlossen, sie dürfte aber wenigstens<br />

keine praktische Bedeutung besitzen.<br />

Callürichaceae<br />

CMllitriche venia L., ein. Lomir.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m en. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie in während der Vegetationsperiode mehr<br />

oder minder vollständig austrocknenden Weihern (r, st cp - sp),<br />

ebenso am Boden der Fjeldseen (r, st pc - sp).<br />

Fundorte. Pilguoaivi, in zwei Weihern am NW-Hang<br />

etwas unterhalb des topographischen Zeichens; am S-Ufer des<br />

kleinen Sees zwischen Saarijärvi und Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi<br />

(in 0.5 m Tiefe); Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi, am E-Ufer des Sees


302 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

von den Wellen losgerissene Individuen zusammen mit einigen<br />

anderen Wasserpflanzen.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel, auch submers,<br />

reichlich.<br />

F 1 0 r a t i o n. Die Art hatte im J. 1933 an den früh ausgetrockneten<br />

Rändern eines Weihers am 18. VII, schon allgemein<br />

ein ziemlich weit entwickeltes Fruchtpaar und am 29. VII. 3 bis 4<br />

Fruchtpaare aufeinander. In den mitteleren Teilen des Weihers<br />

konnte man am erstgenannten Tag nur junge Keimlinge finden,<br />

am 9. VIII. waren aber auch diese schon in der Blüte.<br />

Samenreife. Die ersten Früchte waren am 29. VII. 1933<br />

schon ausgebildet. Die Samenreife wird also wenigstens zum grossen<br />

Teil früh vor Ende der Vegetationsperiode erreicht. - Im arktischen<br />

Norwegen hat NORMAN (1895 -1901, S. 281) schon am 7. VII.<br />

reife Früchte angetroffen. Nach SEIDELIN (1919, S. 327) reifen die<br />

Früchte in arktischen Ländern (vgl. BERLIN 1881, S. 37; PORSILD<br />

1920 b, S. IOC; SGRENSEN 1933, S. 23).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VII. 1933 waren die<br />

Keimlinge in der Mitte eines ausgetrockneten Weihers noch ganz<br />

jung, an den Rändern dagegen schon weit entwickelt). - HARTZ<br />

(1895 a, S. 278, ß minima) hat in Ostgrönland auf Danmarks 0<br />

Mitte Juli ausschliesslich Samenkeimlinge vorgefunden.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

an einer Stelle am Boden eines ausgetrockneten Weihers aufgesucht,<br />

wo sie ziemlich reichlich auftraten. Die Art hat also offenbar günstige<br />

Voraussetzungen zur generativen Vermehrung im Gebiet.<br />

Das blühreife Stadium wird schon im 1. Sommer<br />

erreicht, denn wie oben erwähnt, standen die diesjährigen Keimlinge<br />

am 9. VIII. schon in der Blüte.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art ist sowohl einals<br />

mehrjährig (vgl. z.B. SYLVÉN 1900, S. 187). Wahrscheinlich<br />

kann eine vegetative Vermehrung wenigstens in einigem Umfang<br />

vermittels wurzelschlagender Sprossteile stattfinden, denn an<br />

meiner Beobachtungsstelle am Boden des ausgetrockneten Weihers<br />

kamen auch solche Individuen vor, die offenbar auf diese Weise<br />

entstanden waren (vgl. SERNANDER 1901, S. 157 und wSEIDELIN<br />

1910, S. 330).


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 285G3<br />

Violaceae<br />

Viola epipsila Led.<br />

Häufigkeit u n cl Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie in den Moorgebüschen<br />

(st fq, sp - st cp), den Graskrautmooren (p, sp - st pc), in feuchtgründigen<br />

Wiesensiedlungen (st r, sp - cp), an den Bachufern<br />

(st r, st pc - sp), auf mehr oder minder spät ausapernden Felsen<br />

(st r, st pc) und auf den Schneeböden (r, sp - cp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Moorgebüschen und den<br />

Graskrautmooren in der Regel spärlich, stellenweise kann sie sogar<br />

ganz steril vorkommen. Auf den Kraut- und Heidewiesen blüht<br />

sie wiederum gewöhnlich ziemlich reichlich oder reichlich, ebenso<br />

auf den Felsen und den Schneeböden.<br />

F 1 0 r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen am Rande eines<br />

Moorgebüsclies am 9. VII. im vollen Gang und auf der Wiese am<br />

Fusse eines Schneebodenhangs am IG. VII. im Beginnen. - In der<br />

subalpinen Region befand sich die Art am 6. VII. in voller Blüte<br />

in einem offenen Graskrautmoor. - Im J. 1933 war die Floration<br />

an den Rändern der Moorgebüsche und der Graskrautmoore sowie<br />

auf den früher ausapernden Wiesen am 6.-8. VII. im vollen Gang<br />

und am 15. VII. im Ausklingen, im geschlossenen Gebüsch war die<br />

Art aber noch am 21. VH. in der Blüte. - Auf den Raututunturit<br />

(Lapponia inarensis) wurden in einer schattigen Felsschlucht noch<br />

am 5. VIII. blühende Individuen wahrgenommen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte in der Ranunculus<br />

«cer-Wiese am 13. VIII. ausgebildet. - Im J. 1933 waren<br />

die Früchte am 23. VII. am Rande einer südexponierten Graskrautmoorsiedlung<br />

schon weit entwickelt, ebenso am 11. VIII.<br />

an einem Schneebodenhang. Auf dem Kuorbgas waren die Samen<br />

an einer schneebodenartigen Stelle an der S-Seite des Gipfels am<br />

21. VIII. ausgebildet, desgleichen am 25. VIII. in einer um den<br />

13. Juli ausgeaperten Schneebodensiedlung. - Die Samen kommen<br />

also allgemein während der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

S a m e n m enge. Die Blüten entwickeln sich fast regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Samen pro Frucht (Stengel)<br />

betrug im J. 1931 in der Ranunculus acer -Wiese durchschn. 7.g Stück<br />

(4- 7.3 halbentwickelte und unentwickelte). ,


286 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

K e i in II n g der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 von der Ranunculus acer-Wiese eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen (75 Stück) keimten nach (trockner)<br />

Frostbehandlung zu 3 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung erfolgte nach 14 Monaten und die übriggebliebenen<br />

Samen waren noch nach 18 Monaten lebend (hart).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 15. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in einem Moorgebüsch), teilweise aber offenbar etwas verspätet,<br />

denn am 2. IX. 1933 wurden auf einer spät ausapernden<br />

artenreichen Carex rigida -Wiese jüngere Keimlinge sowohl mit<br />

ausschliesslich Keimblättern als mit einem Laubblatt angetroffen.<br />

Auch SYI.VÉN (1906, S. 158) hat noch am 1. IX. 1903 neulich aufgekommene<br />

Keimlinge wahrgenommen.<br />

Keimlingsverhältnisse. Obgleich die Art oft nur<br />

spärlich blüht, sind ilire Samenkeiinlinge im Gebiet doch ziemlich<br />

häufig zu finden. In den Moorgebüschen habe ich an einigen Beobachtungsstellen<br />

hauptsächlich vereinzelte Keimlinge angetroffen;<br />

am Ufer des Pilgujanr im obersten Teil der subalpinen Region<br />

betrug der Keimlingsquotient im Carex aquatilis -reichen Moorgebüsch<br />

ganze 3. In der artenreiclien Carex rigida-Wiese wurden<br />

auf 2 X 0.1 m^ insgesamt 18 ältere Keimlinge vorgefunden und<br />

etwa gleich viel jüngere, die immer nicht mit Sicherheit von Viola<br />

biflora auseinanderzuhalten waren. Sogar in einer ziemlich spät<br />

ausapernden Schneebodeiisiedlung wurden ältere Keimlinge angetroffen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind also (ziemlich) günstig. - SYLVÉN (I.E.) hat in Norrbotten<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe der unterirdischen Ausläufer kräftig statt.<br />

Viola palustris I..<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie an Bachläufen sowie an'Wassertümpeln<br />

(st r, st cp).


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 287G3<br />

F u n (1 o r t e. Pilgiioaivi, an cijieni Baeliufer am Fiisse des<br />

E-Hangs; Hahpesoaivi: am Ufer eines Teiches im unteren Teil des<br />

SE-Hangs, in einem Baclilauf und in einer Pfütze am Fusse des<br />

E-Hangs.<br />

Fertilität. Die Art blüht zerstreut oder ziemlich spärlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war am 25. VII. 1931 am Bachufer<br />

abgeschlossen, ebenso am 24. VII. 1933 am Ufer des Weihers.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 8. VIII. 1933 im<br />

Bachlauf und in der Pfütze am Rahpesoaivi ausgebildet. Die<br />

Samen kommen also während der Vegetationsperiode offenbar gut<br />

zur Reife,<br />

In Ostgrönland hat BERLIN (1884, S, 27) die Art im September<br />

1883 mit Früchten wahrgenommen; KBUUSE (1906, S, 231) hat<br />

in Angmagsalik oft spät im August viele vollentwickelte Früchte<br />

angetroffen (vgl. auch KRUUSE 1911, S. 101). In Westgrönland<br />

erzeugt die Art reife Früchte nach ROSENVIINGE (1892, S. 067-<br />

668).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VIII. 1933 waren die<br />

jüngeren Keimlinge schon weit entwickelt).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

habe ich am Rahpesoaivi sowohl im feuchten Bachlauf als am<br />

nackten Ufer des Weihers aufgesucht, und zwar kamen sie an<br />

beiden Stellen ziemlich reichlich vor; der Keimlingsquotient betrug<br />

etwa 5. Die Keimlinge traten reichlich auf dem ganz nackten,^<br />

feuchten Boden auf, nur wenige wurden in den Sphagnum compactiim<br />

-Bülten am Rande des Bachlaufs oder zwischen den Lel)ermoosen<br />

(Lopliozia alpesiris, Orihocaiilis Floerkei, Scapania snbalpina<br />

u.a.) gefunden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind also offenbar günstig. - BRUNDIN und SYLVÉN (SYLVÉK<br />

1906, S. 158) haben in Schweden Samenkeimlinge der Art eingesammelt,<br />

KUJALA (1926 a, S. 131) hat in den Hainwäldern Südund<br />

Mittelfinnlands oft Keimlinge angetroffen.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

. Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe der unterirdischen Ausläufer kräftig statt.


288 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Viola canina L. ssp. montana (L.) Fr.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten bis sehr selten; sie ist nur im westlichen Teil des Rieppetshohki<br />

(Onkitunturit) an sonnigen Felshängen (sp) angetroffen worden.<br />

Fertilität. Die Art blühte im J. 1933 ziemlich spärlich.<br />

S a m e n r e i f e. Die Samenstreuung hatte am 11. VIII. 1933<br />

teilweise schon stattgefunden. Die Samen kommen also frühzeitig<br />

im Laufe der Vegetationsperiode zur Reife. - Im arktischen Norwegen<br />

hat NORMAN (1895-1901, S. 112) die Art am 31. VII. mit<br />

reifen Früchten angetroffen. In Westgrönland erzeugen die kronenlosen<br />

Blüten Früchte (ROSENVINGE 1892, S. 669).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint im<br />

Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden, wie auch die Beobachtungen<br />

SYLVÉNS (1906, S. 158) erweisen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Samenkeimlinge der<br />

Art sind im Gebiet selten. Ich habe sie an zwei S-Felshängen aufgesucht<br />

und fand an beiden Stellen nur einen jüngeren Keimling<br />

in der Nähe der Mutterindividuen. Auf jeden Fall hat aber die<br />

Art Voraussetzungen zur generativen Vermehrung im Gebiet. -<br />

SYLVÉN (I.e.) hat in Västergötland reichlich Samenkeimlinge bei<br />

der Art festgestellt.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet gewöhnlich<br />

mehrere Sprosse aus einem mehr oder minder schräg aufsteigenden<br />

Rhizom. Eine vegetative Vermehrung ist ausgeschlossen, nicht<br />

einmal eine Individualisierung der einzelnen Sprosse erscheint möglich.<br />

Viola biflora L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man begegnet ihr auf den Krautwiesen - am reichlichsten<br />

in frischgründigen, verhältnismässig spät ausapernden<br />

Siedlungen am Rande der Schneeböden - (fq, sp - cp), auf den<br />

Heidewiesen (p, st pc - sp), in den Krautgebüschen (st fq, sp - st pc)<br />

und an mehr oder minder sonnigen oder an schattigen, schneebodenartigen<br />

Felsen (p, st pc - sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich, nur in Ausnahmefällen an besonders ungünstigen<br />

Stellen spärlicher.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. l 1. N:o 1. 217<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen auf sonnigen Wiesen<br />

am 10. VII. im Ausklingen; an den N-Hängen war es aber erst<br />

im vollem Gang oder im Beginnen und an den frühesten Stellen<br />

am 16. VII., an den spätesten am 20. VII. im Ausklingen. - Am<br />

Bachufer an der oberen Grenze der subalpinen Region ging die<br />

Flora tion am 6. VII. ihrem Ende entgegen.<br />

Im J. 1933 befand sich die Art am 4. VII. auf sonnigen Wiesen<br />

in voller Blüte und an den frühesten Stellen der N-Hänge im Aufblühen,<br />

in den am spätesten ausapernden Siedlungen waren aber<br />

noch nicht einmal Knosjjen vorhanden. In der Alchernilla aciitidens<br />

-Trolliiis -Wiese am Fusse eines N-Hangs wurde die Art am26. VII.<br />

teilweise in voller Blüte, teilweise im Ausblühen beobachtet und<br />

auf dem Gipfel des Luotnoaivi war ein Individuum noch am 16. VIII.<br />

in einer Spalte am N-Felshang in voller Blüte begriffen. - In den<br />

subalpinen Birkenwäldern ging das Blühen am 4. VII. seinem<br />

Ende entgegen (vgl. VALLE 1930 und 1933 a).<br />

Sa me n reife. Im J. 1931 hatten die ersten Früchte (die<br />

obersten am Stengel) am 13. VIII. in der Alchernilla glomeriilans-<br />

Wiese am Rande einer Schneebodensiedlung ihre Samen ausgestreut.<br />

Im J. 1933 waren die ersten Früchte am 18. VII. auf sonnigen<br />

Wiesen schon nahezu ausgebildet und am 8. VIII. hatte die Ausstreuung<br />

auf den früher ausapernden Wiesen und in den Gebüschen<br />

grösstenteils stattgefunden, el)enso am 30. VIII. in der Trolliiis -<br />

Polygonum vivipariim -Wiese. Am spät ausapernden N-Felshang<br />

waren die Samen reif am 2. IX. - Die Samenreife wird also - die<br />

wenigen allerextremsten Standorte ausgenommen - im Geliiet<br />

rechtzeitig vor Ende der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenstreuung vergingen im J. 1933<br />

auf sonnigen wiesen


290 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

7, 8, 8, 9 und 9 (+ 2), diirchschn. 7.o(+ 0.4 ). Die Anzahl der vollentwickelten<br />

Samen pro Spross betrug also 13.3 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 von der Alchemilla glomenilans-'Wie&e eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nach (trockner)<br />

Frostbehandlung nur zu 1 % im JACOBSENschen Keimungsapparat,<br />

und zwar in der 5. Woche. Die Samen waren noch nach 18 Monaten<br />

lebend (hart).<br />

Von den am 2. IX. 1933 vom N-Felshang eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen keimte kein einziger im gleichen Herbst und auch nicht<br />

im folgenden Frühjahr bis zum 31. V. Vielleicht war die Bewässerung<br />

während des Versuches für die Art nicht ausreichend oder<br />

die Frostwirkung auch jetzt noch nicht stark genug, denn nach<br />

KINZEL setzt die Keimung ein Gefrieren der Samen im feuchten<br />

Zustand voraus.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 4. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in der Alchemilla glomeriilans-Wiese), teilweise aber<br />

vielleicht etwas später, denn am 2. IX. 1933 fand ich auf einer<br />

spät ausapernden artenreichen Carex rigida-Wiese einige jüngere<br />

Keimlinge erst mit Keimblättern, während die meisten schon ein<br />

Laubblatt entwickelt hatten. - Nach NORMAN (1895- 1901, S. 115)<br />

kann die Keimung im arktischen Norwegen schon vor der Überwinterung<br />

im Jahr der Samenreife erfolgen; diese Wahrnehmung<br />

dürfte aber nicht richtig sein. Nach SYLVÉN (1906, S. 161) keimt<br />

die Art im »Frühling» (Sommer).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

regelmässig und gewöhnlich ziemlich reichlich oder reichlich an<br />

den Standorten der Art vor. Der Keimlingsquotient variiert an<br />

meinen Beobachtungsstellen von O.2 bis 5; er ist ungefähr gleich<br />

gross sowohl in der mehr oder minder geschlossenen, wiesenartigen<br />

Vegetation als an schneebodenartigen Felsen und sonnigen Verwitterungshängen.<br />

Im Vergleich zu den Samenmengen liegen die<br />

Quotienten im allgemeinen hoch. In der Trollius - Polygonum<br />

viviparum -Wiese wurden auf 3 x O.i ni^ insgesamt 7 jüngere und<br />

21 ältere, in der Alchemilla glomeriilans -Wiese auf O.i m^ 5 jüngere<br />

und 5 ältere und in der artenreichen Carex rigida -Wiese auf 2 X O.i m^


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 291G3<br />

12 ältere und etwa gleich viel jüngere Keimlinge gefunden (die<br />

letzteren konnten nicht immer mit Sicherheit von den Viola epipsila-<br />

Keimlingen unterschieden werden). In der Athyriiini a/pes/re-Wiese<br />

fand ich in einer Siedlung sowohl Keimlinge als sterile ältere Individuen,<br />

die wahrscheinlich durch Besamung von den höher oben<br />

an demselben Hang gelegenen Standorten der Art entstanden waren.<br />

Desgleichen beobachtete ich aul" meiner Probefläche in der Tlialiclniiii<br />

alpinum - Polentilla Crantzii-^iese 2 jüngere Keimlinge, obgleich<br />

die Art sonst in der Siedlung nicht vorkam. - Bei einem jüngeren<br />

Keimling war das eine Keimblatt zweiteilig; wahrscheinlich hatte<br />

der Keimling ursprünglich 3 Keimblätter, von denen 2 bis zur Blattspreite<br />

zusammengewachsen waren.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig. - LINDMAN (1887, S. 101) hat auf dem<br />

Dovre und SYLVÉN (I.e.) in Torne Lappmark Samenkeimlinge bei<br />

der Art eingesammelt.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - Nach SYLVÉN (I.E.) nimmt die Entwicklung mindestens<br />

3 Jahre in Anspruch, in den Petsamofjelden dauert sie aber<br />

offenbar eine noch längere Zeit, denn mehrere Jahre alle Jugendstadien<br />

sind ziemlich häufig.<br />

Vegetative Ver m e h r u n g. Die Art hat ein mehr oder<br />

minder senkrecht gestelltes Rhizom, das mitunter auch verzweigt<br />

sein kann. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen, die<br />

Rhizomäste treiben aber Nebenwurzeln, mit deren Hilfe die einzelnen<br />

Sprosse nach ihrer eventuellen Trennung von der Mutterpflanze<br />

augensichtlich selbständig weiterleben können. Dieser<br />

Vermehrungsmöglichkeit dürfte indes im Gebiet keine nennenswerte<br />

Bedeutung beigemessen werden können.<br />

Oiiagraceae<br />

Epilobium palustre L. var. lapponiciim liausskn.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie in den Moorgebüschen<br />

(st r, sp - st cp) und in den Graskrautmooren (r, st pc - sp) im<br />

untersten Teil der alpinen Region.


292 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Fundorte. Pilguoaivi, am Fusse des SE-Hangs an zwei<br />

Stellen im Moorgebüsch und ebenso an zwei Stellen im Graskrautmoor;<br />

Kiergipori, an einer Stelle im Moorgebüsch an einem<br />

Bachufer und ebenso im Graskrautmoor gleich oberhalb der Waldgrenze;<br />

Vilgiskveljaur, im Moorgebüsch am nordwestlichen Ende<br />

des Sees; im Kammikivi-Gebiet r nach KALLIOLA (1932, S. 106).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich ziemlich reichlich<br />

oder zerstreut.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Das Blühen war im J. 1933 sowohl in den Moorgebüschen<br />

als in den Graskrautmooren am 20.-23. VII. allgemein<br />

im vollen Gang und am 9. VIII. abgeschlossen, an den spätesten<br />

Stellen aber erst im Ausklingen.<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 9. VIII. teilweise schon<br />

weit entwickelt und am 6. IX. hatte die Samenstreuung im Gebiet<br />

allgemein begonnen; von voller Blüte bis zur Ausstreuung der<br />

Samen vergingen < 48 Tage. - Die Samenreife wird also - die<br />

ungünstigsten Jahre vielleicht ausgenommen - noch vor Ende<br />

der Vegetationsperiode erreicht. - In Westgrönland blüiit die Art<br />

(var. labradoricum Hausskn.) gewöhnlich und erzeugt gelegentlich<br />

Früchte auf Disko nach PORSILD (1920 b, S. 109).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 17. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge im Moorgebüsch). - Nach HAUSSKNECHT (1884, S. 11)<br />

keimen nahezu alle Epilobium -Arten ohne zuvor eine Ruhezeit<br />

zu benötigen. In den Versuchen CLEVES (1898, S. 14-15) keimten<br />

die Samen der Art nicht unmittelbar nach der Samenreife.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

an einer braunmoorarligen Stelle zwischen den Moorgebüschen aufgesucht,<br />

und zwar kamen am Standort mehrere sowohl jüngere als<br />

ältere Keimlinge vor. Überdies wurden auf einer Probefläche im<br />

Aiilacomniiim pa/us/re-reichen Moorgebüsch insgesamt 9 jüngere<br />

Keimlinge auf 3X0.i m^ gefunden (insgesamt 2 fertile vSprosse auf<br />

3 m^). - Die Art hat also offenbar günstige Voraussetzungen zur<br />

generativen Vermehrung im Gebiet. - LINDMAN (1887, S. 100) hat<br />

auf dem Dovre und SYLVÉN (1906, S. 152) an einigen Stellen in<br />

Schweden Samenkeimlinge der Art einjgesammelt. In Südfinnland<br />

habe ich an den Standorten der Art oft reichlich Keimlinge wahrgenommen.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 293G3<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art bildet bekannllicli<br />

waagerechte, ausläuferartige Basalsprosse, die als vegetative<br />

Vermehrungsmittel dienen.<br />

Epilobium davuricum Fisch.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle in einer verhältnismässig<br />

trocknen Braunmoorsiedlung (sp) im unteren Teil der alpinen<br />

Region zwischen dem Pilguoaivi und dem Rahpesoaivi angetroffen<br />

worden.<br />

Fertilität. Die Art blühte an der Stelle im Sommer 1933<br />

reichlich.<br />

Fl or a tion. Das Blühen war am 18. VIII. 1933 teilweise<br />

im Beginnen, teilweise schon im vollen Gang. - In einem Bachufermoor<br />

in der Birkenwaldregion wurde die Art am 26. VII. 1933 in<br />

voller Blüte beobachtet.<br />

Samenreife. Die Samenstreuung hatte am 6. IX. 1933<br />

an der Stelle begonnen. Von voller Blüte bis zur Ausstreuung der<br />

Samen vergingen 50 Tage. Die Samen kommen also wenigstens<br />

in günstigen Jahren gut vor Ende der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

- Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895-1901, S. 274) am<br />

5. VIII. bei der Art reife Früchte beobachtet.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 18. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge). - Nach SYLVÉN (1906, S. 153) scheint die Keimung<br />

im Frühling (Vorsommer) zu erfolgen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Art hatte an der Beobachtungsstelle<br />

am 18. VII. 1933 ziemlich reichlich Samenkeimlinge;<br />

der Keimlingsquotient belief sich auf 5. Besondcrns die älteren<br />

Keimlinge waren zahlreich vertreten; vielleich waren die Samen<br />

im vorhergehenden sehr schlechten Sommer nur teilweise zur Reife<br />

gelangt und die jüngeren Keimlinge deswegen spärlicher an Zahl.<br />

Offenbar hat die Art immerhin günstige Voraussetzungen zur<br />

generativen Vermehrung am Standort. - SYLVÉN (I.e.) hat in<br />

Torne Lappmark ältere Keimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das blüh reife Stadium scheint nach mehreren .lahren<br />

erreicht zu werden (vgl. SYLVÉN I.E.).


294 N. Söijrinki, Vermehrung d. Saineiipfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Die vegetative Vermehrung dürfte durch Individualisierung<br />

der einzelnen Sprosse in einigem Umfang möglich sein.<br />

Epilobium anagallidifoliiim Lain.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; ihre Standorte sind mehr oder minder feuchte Schneeböden<br />

und schneebodenartige Bachufer (fq, st cp - sp), die Carex rigida -<br />

C. Lachenalii -Heidewiese (fq, st cp - st pc), feuchtgründige Wiesensiedlungen<br />

am Rande der Schneeböden (p, st pc - st cp), Moorgebüsche<br />

(p, st pc - st cp) und Graskrautmoore der Bachufer<br />

(st r, st pc - sp).<br />

Die H ö h c der Individuen mit ausgebildeten Früchten betrug<br />

im J. 1933 auf dem Schneehoden durchschn. 9(4-19) cm (vgl.<br />

NORMAN 1895- 1901, S. 267; KRWSE 1906, S. 225).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Schneeböden und den<br />

Wiesen, ebenso an den Bachufern regelmässig und gewöhnlich<br />

ziemlich reichlich oder reichlich, in den Moorgebüschen dagegen<br />

der Regel nach mehr oder minder spärlich; in den am spätesten<br />

ausapernden Schneebodensiedlungen kann sie gelegentlich steril<br />

auftreten (vgl. RESVOLL 1917, S. 206).<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Im J. 1931 war das Blühen an den am frühesten<br />

ausapernden Wiesenstandorten am 10. VIT. im Beginnen und<br />

am 25. VII. abgeschlossen, auf den Schneeböden hatte es aber<br />

am letztgenannten Tage vielerorts noch nicht begonnen und am<br />

Fusse schattiger N-Felsen wurde die Art am 13. VIII. teilweise<br />

erst im Aufblühen wahrgenommen; in einer extremen Siedlung<br />

der artenreichen Oxijria digijna -Schneebodenvegetation hatte die<br />

Floration auch jetzt noch nicht begonnen.<br />

Im J. 1933 war das Blühen auf früh ausapernden Wiesen und<br />

in den Moorgebüschen am 10. VII. allgemein im vollen Gang und<br />

am 21. VII. ai)geschlossen; an einem Schneebodenbach blühte die Art<br />

am 23. VII. vollauf. In einer um den 7. Juli ausgeaperten Schneebodensiedlung<br />

entfalteten sich die ersten Blüten am 29. VII.,<br />

und am 9. VIII. befand sich die Art an der Stelle im Ausblühen.<br />

Auf einem extremen Schneeboden am N-IIang des Säräslaki wurde<br />

sie noch am 21. VIII. in voller Blüte wahrgenommen.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 295G3<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art in der Raniinciiliis<br />

öcer-Wiese am 13. VIII. reife Früchte und die vSamenstreuung<br />

war eben im Beginnen. Auf ziemlich spät ausapernden Schneeliöden<br />

waren die Früchte am 1. IX. ausgebildet.<br />

Im J. 1933 hatte die Samenstreuung am 8. VIII. an den am<br />

frühesten ausapernden Wiesenstandorten und in den Moorgebüschen<br />

schon begonnen, desgleichen am 2. IX. in der Ranunculus<br />

acer -Wiese. Auf dem um den 7. Juli ausgeaperten Schneebodeu<br />

waren die Früchte am 25. VIII. ausgebildet. - Die Samen kommen<br />

also ziemlich allgemein während der Vegetationsperiode zur Reife,<br />

an den extremsten Standorten jedoch offenbar nur in den günstigsten<br />

Sommern.<br />

Die Präflorationszeit dauerte im J. 1933 auf dem Schneeboden<br />

etwa 22 Tage und die ganze Vegetationsperiode von der Ausaperung<br />

bis zur Samenreife etwa (» 49 Tage. - RESVOLL (1917, S. 69) fand<br />

als Präflorationszeit in Norwegen 24 - 27 Tage. - In Ostgrönland<br />

erzeugt die Art reichlich Früchte in Angmagsalik nach KRXJUSE<br />

(1906, S. 225), desgleichen in Westgrönland auf Disko nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 108).<br />

Samenmenge. Die Blüten entwickeln sich fast ohne Ausnahme<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte am Spross<br />

betrug im J. 1931 in der Ranunculus acer -Wiese (die verkümmerten<br />

Blüten in Klammern) 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 2,<br />

2, 2 und 2, durchschn. 1.4 und am N-Schneebodenfelsen 1, 1, 1,<br />

1,1,1,1, 2,2, 2, 2, 2, 2, 2,3,3,3 (+ l), 4, 4 und 4, durchschn. 2.i (-f O.i)<br />

Stück. Die Anzahl der Samen in der Frucht war in der Ranunculus<br />

acer -Wiese (die unentwickelten wurden nicht gezählt, halbentwickelte<br />

waren nicht vorhanden) 38, 56, 59, 64, 65, 74, 76, 76, 82 und 87,<br />

durchschn. 68.o und am N-Schneebodenfelsen (die unentwickelten<br />

in Klammern, halbentwickelte waren nicht vorhanden) 47 (-f 21),<br />

69 (+ 17), 71 (+ 7), 72 (+ 2), 74 (+ 8), 75 (+ 2), 78 (+ 7),<br />

80 (+8), 87(4-4) und 90 (+5), durchschn. 74.3 (+8.i) Stück.<br />

Die Anzahl der vollentwickelten Samen pro Spross betrug in<br />

der Ranunculus «cer-Wiese 95.2 und am N-Schneebodenfelsen<br />

156.0 Stück.<br />

K e i m u n g d er Sa m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VIII. 1931 von der Ranunculus «cer-Wiese und am<br />

1. IX. 1931 vom N-Schneebodenfelsen eingesammelten vollent-<br />

Ann. Hot. Soc. Zool.-Bot. Feim. Vanamo, 14, n:o 1. 20


296 A'. Söljrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpiiienVegetation. II.<br />

wickelten Samen keimten zu 96 bzw. 87 %, die letzteren ohne<br />

Frostbehandlung zu 97 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte am 4. Tage ein und erfolgte grösstenteils in<br />

der 1. Woche; in der ersteren Probe schloss sie in der 2., in der<br />

letzteren in der 4. (ohne Frostbehandlung in der 3.) Woche ab.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren nach 18 Monaten tot (weich).<br />

Von den am 2. IX. 1933 von der Carex rigida - C. Lachenalii-<br />

Heidewiese eingesammelten, am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten<br />

in Gartenerde ausgesäten Samen keimte kein einziger noch im<br />

gleichen Herbst bis zum 8. XL, im folgenden Frühjahr keimten<br />

16 % bis zum 31. V. und zwar sehr gleichzeitig; nur ein Keimling<br />

entstand etwas später als die übrigen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 10. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge im Bachufermoor). - Nach SYLVÉN (1906, S. 153) erfolgt<br />

die Keimung im »Frühling» (Sommer).<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge findet man<br />

beinahe regelmässig und gewöhnlich mehr oder minder reichlich<br />

an den Standorten der Art vor. Der Keimlingsquotient variiert<br />

auf den Schneeböden und an schneebodenartigen Bachufern gewöhnlich<br />

von 5 bis 20. An den am allerspätesten ausapernden Standorten,<br />

wo die Samenreife schon mehr oder minder unsicher ist,<br />

können die Keimlinge gelegentlich fehlen, doch habe ich sie selbst<br />

noch in der Phippsia a/g-ida-Schneebodenvegetation angetroffen.<br />

Neben der in der Regel ausgiebigen Samenproduktion wirken die<br />

günstigen Keimungsbedingungen erheblich auf die Reichlichkeitsverhältnisse<br />

der Keimlinge ein. Der Boden bleibt an den Standorten<br />

weit in den Sommer hinein feucht und weich und ist überdies<br />

gewöhnlich mehr oder minder nackt. Aber auch in verhältnismässig<br />

dicht bewachsenen Siedlungen kommen die Keimlinge zahlreich<br />

vor, wenn nur die Bewässerung ausreichend ist. Im Aulacomnium<br />

paluslre-Tcichen Moorgebüsch wurden auf 2x0.i m^ insgesamt<br />

41 jüngere und 7 ältere (26 fertile Sprosse auf 2 m^), in der Ranunculus<br />

acer -Wiese auf O.i m^ 54 jüngere und 7 ältere (40 fertile Sprosse<br />

auf 1 m^) und in der artenreichen Carex rigida - C. Lachenalii -Wiese<br />

auf 4x0.1 m^ 26 jüngere und 11 ältere Keimlinge gefunden. Oft<br />

kann man zahlreiche Keimlinge ganz nebeneinander aus einer<br />

abgefallenen Frucht hinaufwachsen sehen. Gelegentlich habe


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 297G3<br />

ich einen durch Besamung aus der Umgebung entstandenen älteren<br />

Keimling auf einer Probefläche wahrgenommen, wo die Art sonst<br />

nicht auftrat - die Samen können ja mit Hilfe ihres Flugorgans<br />

leicht verbreitet werden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig. - SYLVÉN (I.e.) hat in Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium scheint verhältnismässig rasch<br />

erreicht zu werden; im zweiten Sommer sind die Keimlinge gewöhnlich<br />

nicht mehr ohne eine nähere Untersuchung von den älteren<br />

.lugendstadien zu erkennen. - RESVOLL (1917, S. 207) berichtet auf<br />

den Schneeböden in Norwegen bei 2 Jahre alten Individuen Floration<br />

wahrgenommen zu haben. Es ist vielleicht nicht ganz ausgeschlossen,<br />

dass die Entwicklung der Art günstigstenfalls auch<br />

in den Petsamofjelden gleich schnell vor sich gehen kann, an den<br />

am spätesten ausapernden Standorten wird die Blühreife aber<br />

erst nach einer bedeutend längeren Zeit erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung findet durch die am<br />

Boden kriechenden, wurzelschlagenden Nebensprosse statt (vgl.<br />

RESVOLL 1917, S. 208).<br />

Epilobiiim lactiflorum Hausskii,<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie auf spät ausapernden Wiesen (r, st pc) und<br />

in Haingebüschen (rr, st cp).<br />

Fundorte. Pilguoaivi, im Geranium silvaiicum - Trollius-<br />

Haingebüsch am SE-Hang; Kiergipori, an zwei Stellen in der Rumex<br />

aceiosa ssp. lapponicus -reichen Schneebodenwiese in den Vertiefungen<br />

inmitten der Fjeldheiden; im Kammikivi-Gebiet r nach<br />

KALLIOLA (1932, S. 106).<br />

Fertilität. Die Art blüht ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 im Haingebüsch<br />

am 17. Vn. im vollen Gang und ging am 19. VII. auf der Schneebodenwiese<br />

seinem Ende entgegen.<br />

Same n reife. Im J. 1933 hatte die Samenstreuung bei den<br />

frühesten Individuen auf der Schneebodenwiese am 8. VI II. bereits<br />

begonnen. - Im J. 1931 waren die Samen im Haingebüsch am


298 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

18. VIII. reif, die Ausstreuung hatte aber noch nicht begonnen; auf<br />

der Schneebodenwiese war die Samenstreuung am 3. IX. im Beginnen.<br />

- Die Samen kommen also rechtzeitig vor Ende der Vegetationsperiode<br />

zur Reife. - In Westgrönland erzeugt die Art reichlich<br />

Früchte auf Disko nach PORSILD (1920 b, S. 108).<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich fast regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im J. 1931 auf der Schneebodenwiese (die verkümmerten Blüten<br />

in Klammern) 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3, 3, 3, 4, 4, 4, 4 (+ 1),<br />

5, 5, 5, 5 (+ 1). 6 und 7, durchschn. 3.8 (+ O.i) und im Geranium<br />

siluaticiim - Trollius-Haingehüsch durchschn. l.o. Die Zahl der<br />

Samen pro Frucht war auf der Schneebodenwiese (die unentwickelten<br />

in Klammern, halbentwickelte waren nicht vorhanden) 40 (+ 42),<br />

41 (+ 40), 65 (+ 16), 67 (+ 31), 69 (+ 14), 71 (+31), 72 (+ 19),<br />

74 (+ 26), 77 (+ 16) und 83 (+ 42), durchschn. 65.9 (+ 27.?) und<br />

im Geranium silvaiicum - TroUius -Haingebüsch durchschn. 50.i<br />

(die unentwickelten wurden nicht gezählt). Die Anzahl der vollentwickelten<br />

Samen pro Spross betrug also auf der Schneebodenwiese<br />

250.4 und im Geranium silvaiicum - TroUius -Haingebüsch 50.i<br />

Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Schneebodenwiese und am 18. VHI. 1931<br />

vom Geranium silvaiicum - TroUius -Haingebüsch eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten zu 90 (ohne Frostbehandlung<br />

zu 86) bzw. 100 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die<br />

Keimung setzte bei den ersteren am 2., bei den letzteren am 4. läge<br />

ein und erfolgte grösstenteils in der 1. Woche; bei den ersteren<br />

schloss sie in der 4. (ohne Frostbehandlung in der 1.), bei den letzteren<br />

in der 3. Woche ab. Die übriggebliebenen Samen waren<br />

nach 18 Monaten tot (weich).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

allgemein im Anfang der Vegetationsperiode statt, teilweise aber<br />

offenbar etwas verspätet, denn am 18. VIII. 1931 wurden im Haingebüsch<br />

neben weiter fortgeschrittenen jüngeren Keimlingen auch<br />

solche festgestellt, die augenscheinlich erst ziemlich neulich aufgekeimt<br />

waren. - Nach SYLVÉN (1906, S. 154) erfolgt die Keimung<br />

im Frühling (im Sommer).


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 209G3<br />

K e i m 1 i n g s v e r li ä 11 n i s s e. Sarnenkeimlinge kamen an<br />

den Standorten der Art recht reichlich vor. Der Keimlingsquotient<br />

betrug in der Riimex aceiosa ssp. lapponicus -reichen Schneebodenwiese<br />

nicht weniger als 20; die Keimungsbedingungen gestalteten<br />

sich denn auch an der Stelle überhaupt sehr günstig, nur an solchen<br />

Flecken, wo eine dicke Streuschicht am Boden lag, fehlten die<br />

Keimlinge. Bei umgefallenen Mutterindividuen konnte man Keimlinge<br />

äusserst zahlreich ganz nebeneinander beobachten. Im Geranium<br />

silvaticum - Trolliiis -Haingebüsch wurden auf einem Probequadrat<br />

zu 0.1 m^ 215 jüngere und 29 ältere, auf einem anderen<br />

29 jüngere und 7 ältere Keimlinge gefunden (6 bzw. 2 fertile Sprosse<br />

auf 1 m^); auch hier war also das fleckenweise Auftreten der Keimlinge<br />

deutlich ausgeprägt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig. - SYLVÉN (I.e.) hat in Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium scheint nach melireren Jahren<br />

erreicht zu werden.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Individuen der Art<br />

bilden gewöhnlich ziemlich reichlich Sprosse aus ganz kurzem<br />

Rhizom. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen, eine Individualisierung<br />

der einzelnen wurzelschlagenden Sprosse erscheint<br />

aber möglich.<br />

Epilobiiim aiiagallidifolium Lam. x E. lactiflorum Maiisskn.<br />

Der Bastard ist im Gebiet sehr selten; er ist nur an einer Stelle<br />

angetroffen worden, und zwar in einer Felsschlucht mit einer<br />

perennierenden Firnwehe an einem etwa 1,300 m östlich vom Topographenzeichen<br />

des Kuorbgas gelegenen See (ein Rasen von 20<br />

cm Durchmesser). - Näheres bei SÖYRINKI (1933 c).<br />

Epilobium llornemannii Rchb.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie hauptsächlich im unteren<br />

Teil der alpinen Region an Quellen und Quellenbächen (st r, st - st cp)<br />

und auf spät ausapernden Wiesen (r, sj)).


300 N. Söyrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation, II.<br />

Fundorte. Pilgujaur, am S-Ufer des Sees aii einer Quelle<br />

in der Höhe der letzten Birken; Pilguoaivi, an zwei Stellen an den<br />

Quellenbächen am Fusse des E-Hangs; Kiergipori, auf der Schneebodenwiese<br />

am Ufer des Tciches, desgleichen am Rande einer Senke;<br />

südlich vom Saarijärvi an einer Bachuferquelle; im Kammikivi-Gebiet<br />

st r nach KALLIOLA (1932, S. 106); Luotnoaivi, an einem Quellenbach<br />

im unteren Teil des E-Hangs.<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Die Art befand sich im J. 1933 auf der Schneebodenwiese<br />

am N-Hang einer Senke am 19. VII. in voller Blüte;<br />

an den Quellenbächen war das Blühen am 23. VH. eben im Beginnen<br />

und am 9. VIII. im Ausklingen. - In der subalpinen Region wurde<br />

die Art im Bruchwald am 11. VII. im Aufblühen beobachtet.<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am Quellenbach am<br />

27. VIII. 1933 reif und die Ausstreuung war eben im Beginnen;<br />

vom Blütebeginn bis zur Sanienstreuung vergingen am Standort<br />

etwa 35 Tage. - Die Samen kommen also wenigstens in mehr oder<br />

minder günstigen Jahren im Laufe der Vegetationsperiode zur<br />

Reife. - An einem Bachufer im subalpinen Birkenwald hatte die<br />

Samenstreuung am 15. VI II. 1933 bereits begonnen.<br />

In Ostgrönland erzeugt die Art reichlich reife Früchte in Angmagsalik<br />

nach KRUUSE (190G, S. 225). In Westgrönland hat HARTZ<br />

(1894, S. 55) in Mudderbugten (69°40' N) reife Früchte angetroffen<br />

und auf Disko bildet die Art nach POKSILD (1920 b, S. 108) in nicht<br />

zu kalten Sommern reichlich Früchte.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 19. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge auf der Schneebodenwiese).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Beobachtungen über das<br />

Auftreten von Samenkeimlingen habe ich an drei Standorten angestellt.<br />

Auf der Schneebodenwiese am N-Hang einer Senke war<br />

der Keimlingsquotient 10 und an einem Quellenbach 5; an den<br />

beiden Beobachtungsstellen wurden sowohl jüngere als ältere<br />

Keimlinge gefunden. An einem anderen Quellenbach wiederum<br />

suchte ich vergebens nach Keimlingen. - Auf jeden Fall hat also<br />

die Art mehr oder minder günstige Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet.<br />

•v


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 301G3<br />

Vegetative Ver m e li run g. Die Individuen der Art<br />

bilden gewöhnlich ziemlich zahlreich wurzeltreibende, am Grunde<br />

etwas bogig hinaufwachsende Sprosse aus ganz kurzem Rhizom.<br />

Eine vegetative Wanderung findet also nicht statt, ein Selbständigwerden<br />

der einzelnen Sprosse ist aber wahrscheinlich möglich.<br />

Chamaenerium angiistifoliiim (L.) Scop.<br />

I I ä u f i g k e i t und Vorkommen. Die Art kommt<br />

im Gebiet zerstreut vor; man findet sie im unteren Teil der alpinen<br />

Region auf Krautwiesen (st r, sp), an den Absätzen der S-Felshänge<br />

(p, sp - st cp) und auf erratischen Felsblöcken (p, sp - pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich ziemlich reichlich,<br />

bisweilen verkümmern aber die Knospen schon ehe die Blüten<br />

sich entfaltet haben; so ist der Fall besonders auf den erratischen<br />

Blöcken, auf denen die Art oft stark kümmert (vgl. NORMAN 1895<br />

- 1901, S. 262). Die am höchsten sitzenden Knospen vertrocknen<br />

nicht selten auch bei solchen Individuen, bei denen die untersten<br />

Blüten sich ganz normal entwickeln.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 an den S-Hängen<br />

am 20. VII. im Beginnen, etwa am 10. VIII. im vollen Gang und<br />

am 20. VIII. an den frühesten Standorten im Ausklingen. Auf<br />

dem Kaskamatunluri bei Pitkäjärvi befand sich die Art am 31. VII.<br />

in voller Blüte, desgleichen auf den Nattastunturit (Lapponia<br />

kemensis) am 3. VIII. - In der Nadelwaldregion bei Pitkäjärvi<br />

hatten sich die letzten (obersten) Blüten an der Landstrasse am<br />

31. VII. schon entfaltet, in der Birkenwaldregion zwischen Kuvernöörinkoski<br />

und Haukilampi aber am 6. VIII. noch nicht; am<br />

27. VIII. war die Art bei Haukilampi in grossen Zügen ausgeblüht.<br />

Im J. 1931 war die Floration in der Birkenwaldregion an der<br />

Landstrasse am 28. VII. allgemein im Beginnen und am 21. VIII.<br />

z.T. im vollen Gang, z.T. schon abgeschlossen. - In Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel befand sich die Art am 4. VIII. auf den<br />

subalpinen Wiesen beinahe in voller Blüte (vgl. VALLE 1930 und<br />

1933 a, Epilohiiim (mgiisiifoliiinv, KONTUNIEMI 1932, S. 23).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren an einem SW-Hang an<br />

der Waldgrenze am 1. IX. 1933 teilweise ausgel)ildet (sprangen bei


302 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

der Aufbewahrung in der Papiertüte auf), die Samen waren aber<br />

erst halbwüchsig. Oberlialb der Waldgrenze liingegen wurden<br />

nirgends ausgewachsene Früchte wahrgenommen, sondern diese<br />

waren auch an solchen Standorten, wo die Blüten sich normal<br />

entwickelt hatten, ohne Ausnahme früher oder später verkümmert.<br />

Die Art ist im Gebiet also offenbar höchstens nur sehr selten in den<br />

allergünstigsten Sommern imstande, reife Samen zu erzeugen.<br />

In Grönland blüht die Art nach WARMING (188Ü b, S. 57) so<br />

spät, dass sie wenigstens oft ihre Samen nicht zur Reife bringen<br />

kann. Nach PORSILD (1920 b, S. 109 und 1935, S. C9-71) blüht<br />

sie auf Disko reichlich, aber spät, und man hat nirgends in Grönland<br />

reife Samen festgestellt. - In den subali)inen Birkenwäldern<br />

erzeugt die Art keimungsfähige Samen (KONTUNIEMI I.E.); schon<br />

am 25. VIII. (1930) hatte sie aufgesprungene Früchte an der<br />

Landstrasse.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art im Gebiet nicht gefunden, wie es ja auch schon die<br />

Beobachtungen über die Fruchtbildung erwarten lassen; glücklichstenfalls<br />

kann die Art höchstens nur sehr geringe Voraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung im Gebiet haben. Es wäre jedoch<br />

wohl auch leicht denkbar, dass ein Transport der mit einem Flugorgan<br />

ausgerüsteten Samen aus der subalpinen Region her stattfinden<br />

könnte. - SYLVÉN (1906, S. 150) hat an einigen Stellen in Schweden<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt. KUJALA (1926 a, S. 132 und<br />

1926 b, S. 26-27) hat reichlich Keimlinge sowohl in Süd- und<br />

Mittel- als in Nordfinnland auf den Waldbrandflächen angetroffen.<br />

KONTUNIEMI (I.E.) hat in den subalpinen Birkenwäldern nur einige<br />

Keimlinge an einer Feuerstätte vorgefunden. Über die Vermehrung<br />

der Art auf den Waldbrandflächen vgl. auch SARVAS (1937, S. 16).<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des wandernden Rhizoms kräftig statt.<br />

Halorrhagidaceae<br />

Mijriophijlliim spicatiini L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar findet man sie submers am Boden der Fjeldseen<br />

(st r, sp).


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 303G3<br />

Fundorte. Zwischen Saarijärvi und Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi<br />

am S-Ufer des kleinen Sees (in etwa 0.5 m tiefem Wasser zusammen<br />

mit Sparganium lujperboreum, Scirpus acicularis und Ranunculus<br />

reptans); Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi, am E-Ufer des Sees<br />

von den Wellen losgerissene Individuen zusammen mit manchen<br />

anderen Wasserpflanzen; (am NW-Ufer des Pilgujaur an der oberen<br />

Grenze der subalpinen Region von etwa 1 m Tiefe an zusammen<br />

mit Isoeies lacusire, Sparganium hyperboreum und Ranunculus<br />

repians; im Syväjärvi am Vilgiskveljoki etwas unterhalb der Waldgrenze).<br />

Fertilität. Die Art ist im Gebiet ausschliesslich steril<br />

angetroffen worden.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht vorgefunden, und es ist fraglich, ob sie überhaupt<br />

irgendwelche Voraussetzungen zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet besitzt.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe wurzeltreibender Sprossteile und der Überwinterungsknospen<br />

statt (vgl. BRUNDIN 1898, S. 110-111; SERNAXDER 1901, S. 100;<br />

GLÜCK 1924, S. 102).<br />

Hippuris vulgaris L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar findet man sie in Weihern und Seen im Wasser<br />

oder längs dem ausgetrockneten Boden wachsend (st r, sp - pc).<br />

Fundorte. Pilguoaivi, am NE-Hang in der Nähe des topographischen<br />

Zeichens in einem ausgetrockneten Weiher zusammen<br />

mit Alopecurus fulvus und Calliiriche vcrna und in einem anderen<br />

Weiher im Wasser bis 40 cm lief zusammen mit Equiseium limosum<br />

und Calliiriche verna; Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi, am E-Ufer des<br />

Sees von den Wellen losgerissene Individuen zusammen mit manchen<br />

anderen Wasserpflanzen; in einem Weiher an der W-Seite des<br />

Kuattesoaivinjunne; in einem Weiher zwischen dem Läntinen Ortoaivi<br />

und dem Itäinen Ortoaivi nach KALLIOLA (1932, S. lOü); (am Ufer<br />

des Syväjärvi am Vilgiskveljoki etwas unterhalb der Waldgrenze).


304 JY. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

Fertilität. Die Art blüht mehr oder minder spärlich oder<br />

kommt ganz steril am Standort vor.<br />

Samenreife. Über die Fruchtentwicklung im Gebiet habe<br />

ich keine Beobachtungen. - Nach SEIDELIN (1910, S. 310) sind<br />

die Früchte in den arktischen Ländern im allgemeinen leer; in den<br />

von Scoresby Sound (etwa 70° N) in Ostgrönland eingesammelten<br />

Herbariumproben hat sie entwickelte Früchte gesehen. In Angmagsalik<br />

(66° N) in Ostgrönland erzeugt die Art reife Früchte<br />

nach KRUUSE (1906, S. 224), und SORENSEN (1933, S. 47) hat auf<br />

Ymer Island (zwischen 71°15' und 73°30 N) am 16. VIII. vollentwickelte<br />

Früchte angetroffen. In Westgrönland blüht die Art nach<br />

PoRSiLD (1920 b, S. III) gewöhnlich reichlich auf Disko, wegen<br />

der Fröste reifen aber nicht alle Früchte. (Vgl. auch KRUUSE 1898,<br />

S. 385; PoRSiLD 1912, S. 380.) Auf den Beeren-Inseln sind am 4. IX.<br />

1923 blühende Sprosse angetroffen worden (HANSSEN und HOLMBOE<br />

1925, S. 232). Von Novaja Semlja fehlen Beobachtungen über<br />

Floration und Fruchtreife (vgl. LYNGE 1923, S. 71). Auf Spitzbergen<br />

kommt die Art überhaupt nicht vor.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht angetroffen; möglicherweise kann sie doch in<br />

einigem Umfang Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet haben. - KRUUSE (1906, S. 224) erwähnt in Angmagsalik<br />

in Ostgrönland Samenkeimlinge angetroffen zu haben.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich<br />

effektiv mit Hilfe des Rhizonis statt (vgl. BRUNDIX 1898, S. 90).<br />

Umbelli ferae<br />

Angelica archaiigelica L. ssp. eu-archangelica Thell.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie in Hain- und Moorgebüschen<br />

(p, sp - pc), auf Krautwiesen (r, st pc - pc), auf feuchten, steinigen<br />

Schneeböden (st r, st pc - pcc) und an Bachufern (st r, st pc - pcc).<br />

Die Höhe der Individuen l)etrug im J, 1933 im kräuterreichen<br />

Moorgebüsch bis 127 cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 318; KRUUSE<br />

1906, S. 246; KONTUNIEMI 1932, S. 22).<br />

Fertilität. Die Art blüht an allen Standorten, obgleich<br />

sie als mehrjähriger Hapaxanth in manchen Jahren an einer Stelle


Annales Botanici Societatis Vanamo. Tom, 14. N:o 1. 305<br />

auch ganz steril auftreten kann. Im Sommer 1933 waren die fertilen<br />

Individuen in den Gebüschen stellenweise ziemlich zahlreich, auf<br />

den Schneeböden hatte die Art wiederum im vorhergehenden<br />

Sommer reichlicher geblüht, wie man an den noch aufrechten<br />

vorjährigen Stengeln feststellen konnte.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 in den Gebüschen<br />

am 29. VII. im Beginnen und am 9. VIII. im Ausklingen. Auf der<br />

Wiese am Rande einer Senke entfalteten sich die ersten Blüten<br />

am 8. VIII., und oben am N-Hang des Kuorbgas hatte die Floration<br />

in einer Siedlung der Pliippsia algida -Schneebodenvegetation<br />

am 21. VIII. noch nicht begonnen (vgl. KONTUNIEMI 1932,<br />

S. 22).<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 4. IX. 1933 in den<br />

Gebüschen ziemlich allgemein reif; auf der Wiese am Rande der<br />

Senke waren sie ausgebildet, die Samen waren aber noch weich.<br />

Auf den Schneeböden kommen die Samen offenbar nur in den<br />

günstigsten Jahren zur Reife.<br />

In Westgrönland blüht und fruchtet die Art reichlich auf Disko<br />

nach PoßSlLD (1920 b, S. 115), sehr oft können aber wegen der<br />

Herbstfröste nur die frühesten Dolden ihre Früchte zur Reife bringen;<br />

nach HOLTTUM (1922, S. 101) bildet die Art offenbar reife<br />

Samen in Westgrönland. LID (1932, S. 6) hat in Südostgrönland<br />

reichlich Individuen mit reifen Samen vorgefunden.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 15. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge im Moorgebüsch). - Nach KRUUSE (1906, S. 246) erfolgt<br />

die Keimung im Frühling.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

ziemlich allgemein und gelegentlich auch reichlich an den Standorten<br />

der Art. In solchen Gebüschsiedlungen, in denen die Art<br />

individuenreicher vorkommt und die Sanienreife jährlich erreicht<br />

werden kann, sind gewöhnlich sowohl jüngere als ältere Keimlinge<br />

nebst weitergekommenen Jugendstadien vertreten; in einem Carex<br />

aqiiatilis-Tc'ichcn Moorgebüsch an der Waldgrenze war der Keimlingsquotient<br />

20. An solchen Standorten wiederum, wo die Art<br />

nur spärlich wächst oder die Verhältnisse sonst weniger günstig<br />

sind, fehlen oft entweder die jüngeren oder die älteren Keimlinge<br />

gänzlich - mitunter natürlich sogar beide weil nur in bestimm-


306 A'. Söljrinki, Vermehrung d. Samenpfl. i. d. alpiiienVegetation. II.<br />

ten Jahren Früchte erzeugt werden. Aber noch unter überraschend<br />

schwierigen Bedingungen kann man Keimlinge beobachten; so<br />

fand ich ziemlich reichlich ältere Keimlinge in einer Siedlung der<br />

Salix polaris -Sclineebodenvegetation. Die Art hatte zwar auch<br />

im Jahr zuvor an der Stelle geblüht, hatte aber augenscheinlich<br />

ihre Früchte nicht zur Reife bringen können, da jetzt keine jüngeren<br />

Keimlinge zu finden waren.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind günstig. - HARTZ (1894, S. 56) hat in Westgrönland<br />

(69°40' N) Samenkeimlinge bei der Art unter den Mutterpflanzen<br />

vorgefunden, desgleichen PORSILD (1902, S. 182 und 1920 b, S. 115)<br />

reichlich auf Disko; HOLTTUM (1922, S. 101) hat reichlich Jungpflanzen<br />

angetroffen. In Ostgrönland hat KRUUSE (1906, S. 246<br />

und 1911, S. 95) reichlich Keimlinge in der unmittelbaren Umgebung<br />

der abgestorbenen Elternindividuen walirgenommen. wSYL-<br />

VÉIS' (1906, S. 142) hat in Torne Lappmark Keimlinge eingesammelt.<br />

KONTUNIEMI (1932, S. 22) hat in den subalpinen Birkenwäldern<br />

in geschlossenen Beständen keine Keimlinge vorgefunden, in einem<br />

feuchten Graben an der Landstrasse beobachtete er aber 266 jüngere<br />

Keimlinge neben einem fertilen Individuum vom vorigen Jahr;<br />

an den Steilfelsen in Pummanki auf der Fischerhalbinsel kamen<br />

Keimlinge ziemlich reichlich vor.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - Nach KRUUSE (1906, S. 246) dauert die Entwicklung<br />

mindestens 4 Jahre; nach SYLVÉN (1906, S. 143) ist sie mehrjährig.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art ist ein mehrjähriger<br />

Ilapaxanth, wie auch schon MOE (1867) festgestellt hat, und hat<br />

keine vegetative Vermehrung. - PORSILD (1920 b, S. 116) schreibt, dass<br />

die Art in Westgrönland »perennial» sei und dass nach dem Absterben<br />

eines Individuums aus Knospen neue entstehen. Solches habe ich<br />

aber in den Petsamofjelden nicht wahrgenommen, sondern alle zur<br />

Blühreife gelangten Individuen waren im folgenden Sommer völlig tot.<br />

Coriiaceae<br />

Corniis siiecica L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man begegnet ihr in der Mijrtilliis -Heide (st fq,


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 307G3<br />

cpp - sp), im Betlila nana -Gebüsch (st fq, cp - sp), auf den Heidewiesen<br />

(p, cpp - sp, l)esonders oft und reichlich am oberen Rande<br />

der Siedlungen der Lijcopodium alpinuni ~ Solidago - Deschampsia<br />

flexuosa -Heidewiese), den Krautwiesen (r, cp - st pc), auf den<br />

Bülten der Zwergstrauchmoore (p, cpp - sp) und in der Drijas-<br />

Heide (r, st pc).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 im Betida nana-<br />

Gebüsch durchschn. 10 (3 - 16) cm (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 24).<br />

Fertilität. Die Art blüht der Regel nach mehr oder minder<br />

spärlich, nur selten ziemlich reichlich oder reichlich; gelegentlich<br />

kommt sie ganz steril am Standort vor,<br />

F 1 o r a t i o n. Die ersten Blüten öffneten sich im J. 1933<br />

an sonnigen Hängen und auf den Bülten der Zwergstrauchmoore<br />

am 4. VH.; das Blühen war an diesen Standorten am 11. VH. im<br />

vollen Gang und am 15. VH. im Ausklingen. In der Lijcopodium<br />

alpinum - Solidago - Deschampsia flexuosa -Heidewiese befand sich<br />

die Art am 18. VH. in voller Blüte und auf der Wiese am N-Hang<br />

einer Senke am 19. VH. im Aufblühen und am 8. VHI. im Ausblühen.<br />

- In den subalpinen Birkenwäldern war die Floration am<br />

4. VII. im Beginnen und am 11. VH. im vollen Gang. - Im J. 1931<br />

war die Art in den subalpinen Birkenwäldern am 7. VH. im Aufblühen<br />

und am 16. VII. allgemein in voller Blüte, teilweise jedoch<br />

noch im Aufblühen (vgl. VALLE 1930; KONTUNIEMI 1932, S. 24).<br />

Samenreife. Die Laubblätter waren am 20. VHI. 1933<br />

an den S-Hängen stellenweise schon ganz rot gefärbt und fielen<br />

bei Berührung leicht ab. Die Blüten verkümmern aber beinahe<br />

regelmässig, ohne sich zu Früchten weiterzuentwickeln; so war<br />

es im Sommer 1933 auf den Fjeldheiden, Krautwiesen und den<br />

Heidewiesen ohne Ausnahme der Fall. Im unteren Teil der alpinen<br />

Region fand ich jedoch am 29. VIII, auf einer Moorbülte an etwa<br />

20 Sprossen rot gefärbte Früchte, von denen einige normal ausgebildet<br />

waren, desgleichen am 6, IX. kleine rote Früchte auf<br />

einer anderen Bülte. Reife Samen werden also im Gebiet nur in<br />

sehr geringem Masse gebildet, in den ungünstigsten Jahren und höher<br />

oben auf den Fjelden kaum überhaupt welche, - In der Birkenwaldregion<br />

waren die Früchte am Flussufer am 16, VHI, schon ausgebildet,<br />

weich und rot gefärbt, und in Liinahamari am Petsamo-<br />

Fjord wurden am 27, VHI, reichlich reife Früchte angetroffen.


308 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Fruchtreife vergingen im J. 1933 auf<br />

der Moorbülte etwa 56 Tage. - Im arktischen Norwegen hat<br />

NORMAN (1895- 1901, S. 123) am 12. VIII. reife Früchte wahrgenommen;<br />

in bestimmten Jahren blüht die Art dort nicht oder<br />

Früchte werden nicht entwickelt, desgleichen oft nicht an den<br />

extremsten Standorten nach Norden oder nach oben hin. - In<br />

Grönland scheint die Art nach ROSENVINGE (1892, S. 681 und<br />

1896 a, S. 67) nur sehr selten Früchte zu erzeugen; er erwähnt<br />

im ganzen nur drei Fälle von mit reifen Früchten beobachteten<br />

Individuen. Nach OLSEN (1914, S. 136) hat man in Grönland im<br />

August und September reife Früchte angetroffen, nähere Angaben<br />

gibt er aber nicht.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht vorgefunden, obgleich sie oft reichlich auf den<br />

Probeflächen aufgetreten ist. Aus den Beobachtungen über die<br />

Fruchtbildung gellt ja auch hervor, dass die Art nur sehr begrenzte<br />

Voraussetzungen zur generativen Vermehrung im Gebiet besitzen<br />

kann.<br />

SYLVÉN (1906, S. 135) hat in Norrbotten in Schweden Samenkeimlinge<br />

bei der Art eingesammelt. KUJALA (1926 a, S. 105) hat<br />

auf einer Meeresstrandwiese im westfinnischen Küstenge])iet (Pohjanmaa)<br />

an mehreren Stellen Samenkeimlinge vorgefunden, in den<br />

Wäldern dagegen nur sehr wenig. KONTUNIEMI (1932, S. 24) hat<br />

auf seinen Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern keine<br />

Keimlinge wahrgenommen; der Blühreichtum scheint dort in verschiedenen<br />

Jahren beträchtlich zu schwanken.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des wandernden Rhizoms effektiv statt.<br />

Empetraceae<br />

Empetrum nigrum L. coli.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr häufig; die artenarmen Fjeldheiden (fqq, cpp - sp), die Dnjaslleide<br />

(fqq, cpp - sp), die Heidewiesen (st fq, st pc - pcc), das<br />

Betala nana -Gebüsch (fqq, cp - st cp), die Weidengebüsche<br />

(p, pc - pcc), die Zwergstrauchmoore (fqq, cpp - st cp), Felshänge<br />

(p, st pc - pc) und Schneeböden (st r, pc - pcc) sind ihre Wohnorte.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 309G3<br />

Die Höhe der kriechenden Individuen steigt in der Cetraria<br />

nivalis -Heide bis auf 4 cm (vgl. KESO 1908, S. 11).<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Fjeldheidcn, im Betula<br />

nana -Gebüsch und in den Zwergstrauchmooren gewöhnlich ziemlich<br />

spärlich, seltener zerstreut oder ziemlich reichlich; auf den<br />

Heidewiesen und in den Weidengebüschen, desgleichen auf den<br />

Schneeböden kommt sie in der Regel steril vor.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art blüht bekanntlich sehr früh, bis Anfang<br />

Juli hatte sie im Gebiet in sämtlichen drei Beobachtungsjahren<br />

schon ausgeblüht.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die ersten Früchte auf<br />

den sonnigen Fjeldheiden schon am 23. VH. schwarz gefärbt und<br />

am 6. IX. waren sie im Gebiet ziemlich allgemein ganz reif. - Im<br />

J. 1931 waren die Früchte auf den offenen Fjeldrücken am 15. VIII.<br />

schwarz gefärbt und am 2. IX. teilweise reif. In Pummanki auf<br />

der Fischerhalbinsel hatte die Art in einer Siedlung der xerophilen<br />

Drj/as-Heide am 4. VHI. schwarze Früchte. - Im J. 1929 waren<br />

die Früchte an den frühesten Standorten am 31. VIH. erst halb<br />

verfärbt. - Die Samenreife wird also in günstigen Jahren im Gebiet<br />

allgemein erreicht, in ungünstigen Sommern dagegen offenbar<br />

höchstens nur an den frühesten Stellen. Die Früchte bleiben grösstenteils<br />

über den Winter an der Pflanze haften.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 485)<br />

vom 12. VII. bis zum 21. VIII. reife Früchte angetroffen; an den<br />

höchstgelegenen Standorten blüht die Art nicht oder die Früchte<br />

werden nur halbreif. Im Untersuclmngsgebiet CLEVES (1901, S. 82)<br />

in Schwedisch-Lappland kamen die Früchte während der Vegetationsperiode<br />

nicht zur Reife. - Auf Spitzbergen sind nach den<br />

Angaben von NATHORST (1883, S. 64) und ANDERSSON und HESSEL-<br />

MAN (1900, S. 32) keine Früchte angetroffen worden und auch<br />

an den ausgeblühten Fruchtanlagen Hess sich keine beginnende<br />

Entwicklung beobachten; ANDERSSON hat jedoch in den von<br />

NATHORST aus Advent Bay mitgebrachten Mytilusschichten wohlentwickelte<br />

Fruclitsteine vorgefunden (vgl. auch NATHORST 1883,<br />

S. 17). Später hat aber WIRÉN (1922, S. 3G8) in Green Harbour<br />

reife Früchte angetroffen, ebenso II. M. CLUTTERRUCK (SUMMER-<br />

HAYES und ELTON 1928, S. 235) in Aldert Dirkses Bay eine Pflanze<br />

mit reifen blauschwarzen Beeren; in den günstigsten Sommern


310 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

können also wenigstens in einigem Umfang reife Samen erzeugt<br />

werden. - In Süd- und Ostgrönland hat BERLIN (1884, S. 60) die Art<br />

im August und September mit Früchten angetroffen. Nach WARMING<br />

(1886 a, S. 38-39) macht sie reichlich reife Früchte in Grönland.<br />

Nach ROSENVINGE (1892, S. 661) beginnt die Fruchtreife dort im<br />

Juli, selten findet man aber noch vor Anfang August reife Früchte<br />

in grösseren Mengen. In Ostgrönland hat KRUUSE (1905, S. 153<br />

und 1906, S. 227) an günstigen Stellen reichlich reife Früchte wahrgenommen,<br />

an ungünstigen Standorten reifen sie aber nicht in<br />

Angmagsalik; nach VAAGE (1932, S. 47, Empelrum hermaphroditiim)<br />

wird die Fruchtreife in Eirik Raudes Land (zwischen 71°30' und<br />

75°40' N) von Mitte August an erreicht. GELTING (1934, S. 145)<br />

hat zwischen 73°15' und 76°20' N reife Früchte festgestellt,<br />

OSTENFELD und LTJNDAGER (1910, S. 29) beobachteten aber solche<br />

nicht nördlich des 76° N. In Nordwestgrönland fand SIMMONS<br />

(1909, S. 59) am 11. VIII. 1899 reife Früchte; nach PORSILD (1920 b,<br />

S. 107) erzeugt die Art reichlich Früchte auf Disko in Westgrönland.<br />

Same n menge. Die Anzahl der Früchte pro Individuum<br />

betrug im J. 1931 in der Cetraria nivalis - Alectoria-Hcklc (an<br />

den meisten Standorten ist die Begrenzung des Individuums wegen<br />

der Wuchsart der Pflanze oft unmöglich) durclischn. 5.4. Die Zahl<br />

der Samen in der Frucht war am Standort durchschn. 6.7 (die unentwickelten<br />

und halbentwickelten wurden nicht berücksichtigt) und<br />

in der xerophilen Dnjas -Heide in Pummanki 7.6. Die Anzahl der<br />

vollentwickelten Samen pro Individuum betrug also in der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria-Heide 36.2 Stück. - Wegen der grossen Sprossdichte<br />

ist die Besamung verhältnismässig ausgiebig, obgleich die<br />

Art auch gewöhnlich nur mehr oder minder spärlich blüht.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis -Heide und am 4. VIII.<br />

1931 von der xerophilen Dryas-Heide eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten zu 4 bzw. 1 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte bei den ersteren in der 8. Woche<br />

ein und schloss nach 3 Monaten ab, bei den letzteren erfolgte sie<br />

nach 13 Monaten. Die Samen waren noch nach 18 Monaten völlig<br />

hart. - Die am 17. VIH. 1931 aus Vogelexkrementcn entnommenen<br />

Samen keimten zu 4 %. - Nach HAGERUP (1927, S. 1) bildet Em-


Annales Botanici Societatis Vanamo. Tom, 14. N:o 1. 311<br />

peirum nigrum reichlich Früchte in Dänemark, doch nur wenige<br />

Samen keimen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

grösstenteils im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden<br />

(am 13. VII. 1933 hatten die jüngeren Keimlinge in den Erosionsflecken<br />

der Cetraria nivalis -Heide teilweise schon zwei Paar<br />

Laubblätter), einigermassen aber auch etwas später, denn am<br />

31. VII. 1931 fand ich in der Empelrum - Dicranuni -Heide in<br />

Pummanki auf der Fischerhalbinsel einen ganz neulich entstandenen<br />

Keimling. - Nach den Beobachtungen SYLVÉNS (1906, S. 173) erfolgt<br />

die Keimung im Sommer (»Frühling»), doch hat er in Torne Lappmark<br />

und Norrbotten neulich aufgekommene Keimlinge noch im<br />

August und Anfang September wahrgenommen. Nach KONTUNIEMI<br />

(1932, S. 39) keimen die Samen den ganzen Sommer hindurch, nuitmasslich<br />

jedoch vorwiegend gegen den Herbst.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Das Auftreten der Keimlinge<br />

ist bei der Art im Gebiet weitgehend von der Beschaffenheit<br />

des Standorts, d.h. von den Keimungsbedingungen abhängig. In<br />

den Siedlungen der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide und der<br />

xerophilen Drijas -Heide, in denen nackter Boden reichlich vorhanden<br />

ist und die Samen - trotz der extremen Trockenheit - offenbar<br />

ziemlich leicht zur Keimung kommen, findet man Keimlinge regelmässig<br />

und mitunter auch relativ reichlich vor: bis 4 kann der<br />

Keimlingsquotient an solchen Stellen ansteigen. Gleicherweise<br />

kommen die Keimlinge in den Erosionsfleckchen der Cetraria<br />

nivalis-Heide allgemein vor, in der unberührten Vegetation habe<br />

ich sie in den Siedlungen dieser Assoziation dagegen nicht wahrgenommen.<br />

In der Cladonia alpestris -Heide wurde auf insgesamt<br />

6.5 m^ durch Abtragen der Bodenschicht im J. 1931 im<br />

ganzen nur 1 jüngerer Keimling gefunden, im J. 1931 wiederum<br />

standen auf denselben Probeflächen auf 4x1 m^ 3 jüngere Keimlinge.<br />

Auf dem durch die Flechtenheiden ziehenden Fusspfad<br />

am N-Hang des Kammikivitunturi hatte die Art ziemlich reichlich<br />

Keimlinge.<br />

Die Mijrtilhis -Heide hat sich ebenso steril wie die Cladonia<br />

alpestris -Heide erwiesen: auf meinen Probeflächen fand ich auf<br />

insgesamt 9.5 m^ nur einen jüngeren Keimling. In feuchteren<br />

Senken inmitten der Siedlungen kann man jedoch einzelnen<br />

Ann. Bot. Soc. Zool-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 21


312 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Keimlingen begegnen. In einer moosreiehen Siedlung der Drijas-<br />

Heide in Pummanki wurden im J. 1926 insgesamt 14 ältere Keimlinge<br />

auf 6x0.1 m^ gezählt, im Sommer 1931 wiederum an den<br />

Stellen der damals herausgegrabenen Torfstücke insgesamt 5 Keimlinge.<br />

Auf meinen übrigen Probeflächen habe ich dagegen auf<br />

insgesamt 6 x O.i m^ keinen einzigen Keimling festgestellt. Im<br />

Beiiila nana -Gebüsch wurden 5 jüngere und 3 ältere Keimlinge<br />

auf 4x0.25 m^ gefunden.<br />

Im Einpetnim - Rnbiis chamaemoriis -Zwergstrauchmoor treten<br />

Keimlinge ziemlich regelmässig auf. In einer Siedlung wurden<br />

im Sommer 1931 auf 2x0.25 m^ insgesamt 7 ältere und im J. 1933<br />

wiederum auf 2x0.25 m^ (in unberührter Vegetation) 5 jüngere<br />

und 6 ältere Keimlinge gefunden. Auch orientierende Beobachtungen<br />

in einigen anderen Siedlungen haben Keimlinge hervorgebracht.<br />

Die dicke (hauptsächlich von Sphagnum- und Dicranum -Arten<br />

zusammengesetzte) Bodenschicht scheint ihre Entstehung nicht<br />

zu verhindern, weil die Feuchtigkeitsverhältnisse günstig sind.<br />

An Felsenstandorten sind die Keimlinge hier und da vertreten.<br />

In der Lycopodium alpiniim - Solidago - Deschampsia flexuosaund<br />

der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese habe ich nur<br />

ein paar vereinzelte Keimlinge wahrgenommen. Gerade solchen -<br />

offenbar aus ornitochor verbreiteten Samen entstandenen - Keimlingen<br />

dürften die in diesen Assoziationen wachsenden sterilen<br />

Individuen ihren Ursprung verdanken. Gleiches ist die Sache auf<br />

den Schneeböden, wo man ebenfalls auf vereinzelte Keimlinge<br />

stossen kann. Einmal habe ich sogar auf einer Probeflächc im<br />

Calliergon sarmeniosum - Drepanocladus fliiitans coli. - Carex rotundata<br />

-Moor einen durch Besamung aus der Umgebung entstandenen<br />

älteren Keimling wahrgenommen. - Die Samenkeimlinge besitzen<br />

also offenbar nicht wenig Bedeutung bei der Ausbreitung der Art<br />

auf neue Standorte.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind je nach den Standorten mehr oder weniger günstig. -<br />

SYLVÉN (1906, S. 172) hat in Norrbotten und Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt. Nach den Untersuchungen<br />

KUJALAS (1926 a, S. 33-34) vermehrt sich die Art in der Waldvegetation<br />

Süd- und Mittelfinnlands spärlich aus Samen, Keimlinge<br />

hat er nur ein paarmal angetroffen. Auch auf den Waldbrand-


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1-1. N:o 1. 313<br />

flächen in Nordfinnland hat er spärlich Keimlinge vorgefunden<br />

(1926 b, S. 25-26), die Art vermehrt sich jedoch anfangs nur<br />

durch diese, wenngleich langsam. Nach KONTUNIEMI (1932, S. 39)<br />

ist die Samenerneuerung in den subalpinen Birkenwäldern spärlich.<br />

Nach SARVAS (1937, S. 21-22) entsteht der Keimlingsbestand<br />

auf den Waldbrandflächen in Nordfinnland nicht auf einmal unmittelbar<br />

nach dem Brand, sondern allmählich im Laufe der ersten<br />

3-5 Jahre, Auf lOjährigen Brandflächen findet man junge Keimlingsstadien<br />

nur spärlich vor.<br />

Die Entwicklung zum b 1 ü h r e i f c n Individuum geht<br />

sehr langsam vor sich. Auf den trocknen Fjeldrücken sind die<br />

basalen Teile des Stengels, ebenso die untersten ausgetrockneten<br />

Blätter oft schon bei wenige Zentimeter messenden Pflänzchen,<br />

die noch in vielen Jahren nicht zum Blühen fertig sind, von der<br />

Krustenflechte Ochrolcchia siibtartarea ssp. frigida überzogen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die längs dem Boden<br />

kriechenden Sprosse der Art treiben gewöhnlich Adventivwurzeln,<br />

die der Begel nach ziemlich schwach sind. Die Sprossteile können<br />

jedoch mit ihrer Hilfe nach ihrer Ablösung von der Mutterpflanze<br />

selbständig weiterwachsen; auf den Fjeldheiden habe ich Sprosse<br />

wahrgenommen, die nur noch durch ein vermodertes Stammstück<br />

mit der Mutterpflanze in Vcr])indung standen, desgleichen<br />

solche, die schon ganz selbständig geworden waren. Die Art ist<br />

also imstande, auf vegetativem Wege am Standort weiterzuwandern<br />

(vgl. HAGLUND 1905, S. 31; KESO 1908, S. 11-12; GELTING<br />

1934, S. 145; über die vegetative Vermehrung in der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria-llGide, siehe SÖYRINKI 1938, S. 239). - Nach<br />

HAGERUP (1927, S. 1 -2 und 12) vermehrt sich Empetnim nigrum<br />

hauptsächlich vegetativ oder kann sich wenigstens so erhalten,<br />

während sich wiederum E. liermaphrodiium hauptsächlich aus<br />

Samen fortpflanzt.<br />

Pirolaceae<br />

Pirola rotundifolia L., em. Fern.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten und bewohnt die Dryas -Heide (st r, st pc - i)c) sowie die<br />

Krautwiesen (r, st pc - pc).


314 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Fundorte. Rieppetshohki (Onkitunturit), auf den Drijas-<br />

Heiden des N-Hangs; Pilguoaivi, auf einer Astragalus frigidiisreichen<br />

Wiese am NW-Hang; Kiergipori, in einer Wiesensiedlung in<br />

der Nähe des Ralipesoaivi; Raijoaivi, auf einer Wiese; im Kammikivi-<br />

Gebiet p - st fq nach KALLIOLA (1932, S. 106).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich mehr oder minder<br />

spärlich (vgl. WARÄHNG 1885, S. 18).<br />

F 1 0 r a t i o n. üas Blühen war im J. 1933 in der Drijas -Heide<br />

am N-Hang am 11. VH. im Beginnen und am 25. VIT. im Ausklingen,<br />

an den Wiesenstandorten war es am 12.-18. VH. im<br />

vollen Gang. - Im J. 1931 befand sich die Art in der Dry as -Heide<br />

am 21. VH. in voller Blüte (vgl. VALLE 1930).<br />

Samenreife. Die Früchte dürften in günstigen Jahren im<br />

Gebiet wohl zur Reife kommen, direkte Beobachtungen fehlen jedoch.<br />

- In Ostgrönland zwischen 73°15' und 76°20' N macht die Art<br />

nach GELTING (1934, S. 154, var. grandiflora [Rad.] DC.) reife<br />

Samen. In Westgrönland hat man nacli Angaben WARMINGS (1908,<br />

S. 62) reife Früchte angetroffen, obgleich sie dort selten sein dürften.<br />

In Ellesmereland reifen die Früchte nach SIMMONS (1906, S. 40,<br />

var. grandiflora) wahrscheinlich nur selten. Auf Novaja Semija<br />

hat EKSTAM (1897, S. 123, Pirola grandiflora) nicht reife Früchte<br />

beobachtet.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht wahrgenommen; augensichtlich kann die Art<br />

jedoch in einigem Umfang Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet besitzen. - KUJALA (1926, S. 93) hat in der<br />

Waldvegetation in Süd- und Mittelfinnland keine Samenkeimlinge<br />

bei der Art vorgefunden.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe der unterirdischen Ausläufer effektiv statt.<br />

Pirola minor L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie auf den Krautwiesen (fq, st cp - pc),<br />

den Heidewiescn (p, st cp - pc), in den Krautgebüschen (p, st cp -- pc)<br />

und auf den Schneeböden (st r, sp - pc).


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1-1. N:o 1. 315<br />

Fertilität. Die Art blüht auf den Krautwiesen beinahe<br />

regelmässig und gelegentlich auch ziemlich reichlich; in den Gebüschen<br />

blüht sie spärlich oder kommt - ebenso wie auf den Heidewiesen<br />

- ganz steril vor. Auf den Schneeböden blüht die Art mitunter<br />

ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1931 in der Geranium<br />

silvaticum- Trollius -Wiese am 26. VII. und in einer Schneebodensiedlung<br />

noch am 20. VIII. im vollen Gang. - Im J. 1933 befand<br />

sich die Art in der Geranium silvaticum - Trollius -Wiese am<br />

19. VII. im Aufblühen und am 25. VII. in voller Blüte; im Moorgebüsch<br />

hatten sich die Blüten am 23. VII. noch nicht entfaltet,<br />

die Knospen waren aber schon angeschwollen. - In den subalpinen<br />

Birkenwäldern wurde die Art am 18. VII. im Aufblühen ange-<br />

troffen (vgl. VALLE 1930; KONTUNIEMI 1932, S. 30).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Samen in der Geranium<br />

siluaiicum-Trollius ANiciic am 3. IX. reif, die Ausstreuung hatte<br />

aber noch nicht begonnen. - Im J. 1933 waren die Früchte am<br />

8. VIII. in derselben Siedlung beinahe ausgebildet; die Samenstreuung<br />

hatte am 6. IX. noch nicht begonnen, obgleich die Samen<br />

reif waren (erst bei der Aufbewahrung in der Papiertüte sprangen<br />

die Früchte auf). - Die Samen kommen also wenigstens an den<br />

frühesten Standorten im Laufe der Vegetationsperiode zur Reife,<br />

an den spätesten dagegen offenbar höchstens nur in den allergünstigsten<br />

.Jahren.<br />

In Ostgrönland hat KRUUSE (190G, S. 252) in Angmagsalik nur<br />

sterile Blüten wahrgenommen. In Südgrönland liat man nach<br />

WARMING (1908, S. 63) reife Früchte angetroffen. In Westgrönland<br />

blüht die Art nach POHSILD (1920 1), S. 116) spät auf Disko,<br />

die Samen reifen aber wenigstens in warmen Sommern.<br />

Samen m e n g e. Die Anzahl der Früchte (Blüten) am Spross<br />

betrug im J. 1931 in der Geranium silvaticum - Trollius ANicse<br />

durchschn. 6.o (3 - 8) Stück; die zuoberst am Stengel sitzenden<br />

Früchte waren jedoch kleinwüchsig und vielleicht teilweise steril.<br />

Die Zahl der winzigen, mit einem undifferenzierten Embryo versehenen<br />

Samen in der Frucht ist bekanntlich sehr hoch.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s n c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Geranium silvaticum - Trollius-Wiese<br />

eingesammelten Samen kamen im JAOOBSENschen Keinningsapparat


316 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

jniclit zur Keimung; sie waren noch nach 18 Monaten offenbar<br />

ebend.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Samenkeimlinge der<br />

Art sind im Gebiet sehr selten. Ich habe insgesamt nur ein etwa<br />

zwei Jahre altes aus Samen entstandenes Individuum an einer moorwiesenartigen<br />

Stelle zwischen den Gebüschen im unteren Teil der<br />

alpinen Region vorgefunden, obgleich die Art auf vielen Probeflächen<br />

vorhanden war. Die Voraussetzungen der Art zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet sind also sehr gering. - Es sei erwähnt,<br />

dass die Keimlinge der Pirola -Arten überall grosse Seltenheiten<br />

darstellen, überdies sind die winzigen, unterirdischen Keimpflanzen<br />

in der Natur auch nur äusserst schwer zu beobachten (vgl. SYLVÉN<br />

1906, S. 134 und KUJALA 1926 a, S. 96-97). - KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 30) hat auf seinen Probefläclien in den subalpinen Birkenwäldern<br />

keine Samenkeimlinge dor Art angetroffen.<br />

Die vegetative Vermehrung ist bekanntlich kräftig.<br />

Pirola minor L. x P. rotundifolia L., ein. Fern.<br />

Dieser Bastard ist im Gebiet sehr selten; er ist nur am N-Hang<br />

des Kuattesoaivi an einer wiesenartigen Stelle (pc) angetr^iffen<br />

worden. Er befand sich am 20. VIII. 1933 im Ausblühen.<br />

Pirola secimda L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten; man findet sie in der Cladonia alpestris -Heide (r, sp - pc),<br />

in der Drijas -Heide (r, pc) und an schattigen Felshängen (r, pc).<br />

F u n d 0 r t e. Rieppetshohki (Onkitunturit): in der Cladonia<br />

alpestris -Heide am NW-Hang, an einem NW-Felshang, in der<br />

Cladonia alpestris -Heide am SE-Hang; Jönkiergioaivi, an zwei<br />

Stellen in der Drijas -Heide am W-Hang; Vilgiskoddeoaivi, an<br />

einem Felshang an der N-Seite des Fjeldes; im Kammikivi-Gebiet<br />

p-str nach KALLIOLA (1932, S. 106); Kaskamatunturi bei Pitkäjärvi,<br />

oben am N-Hang.<br />

Fertilität. Die Art blüht mehr oder minder spärlich,<br />

meistens kommt sie ganz steril vor.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 317G3<br />

F 1 o r a t i o n. Die Knospen waren im J. 1933 in der Cladonia<br />

alpestris -Heide am 11, VII. noch nicht geöffnet; am 26. VII. l)efand<br />

sich die Art an der Stelle im Ausblühen (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 30).<br />

Same n reife. Auf den Fjeldheiden kann die Samenreife<br />

wahrscheinlich vor Ende der Vegetationsperiode erreicht werden,<br />

an den spätesten Standorten aber höchstens nur in günstigen Sommern,<br />

denn im J. 1933 fand ich die vorjährigen Blütenstände am<br />

N-IIang mit geschlossenen Früchten.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge hal)e ich<br />

bei der Art nicht vorgefunden, möglicherweise sind Jedoch in ganz<br />

geringem Umfang Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet vorhanden. - KUJALA (1926 a, S. 97) hat in Mittel-Pohjaumaa<br />

(Ostrobottnia media) im frischen Fichtenwald des Oxalis -<br />

Myrülliis -Typs drei aus Samen entstandene Individuen angetroffen.<br />

KONTUNIEMI (1932, S. 30) fand in den subalpinen Birkenwäldern<br />

einen älteren Keimling im Filices - Geranium-Typ.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe der unterirdischen Ausläufer effektiv statt.<br />

Ericaceae<br />

Ledum palustre L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie vorwiegend im untersten<br />

Teil der alpinen Region auf artenarmen moos- und flechtenreichen<br />

Zwergstrauchheiden (st r, pc - st cp), im Betula nana -Gebüsch<br />

(st r, pc - st cp) und in den Zwergstrauchmooren (st r, pc - st pc).<br />

Fundorte. Pilguoaivi, im Zwergstrauchmoor am NE-Hang<br />

gleich oberhalb der Waldgrenze; Kiergipori, an drei Stellen auf den<br />

Fjeldheiden und an einer Stelle im Zwergstrauchmoor; Vilgiskoddeoaivi,<br />

am N-Hang im Beiula nana -Gebüsch; Kamniikivi-<br />

Gebiet, st r nach KALLIOLA (1932, S. 106); Rieppelshohki (Onkitunturit);<br />

an zwei Stellen am W-Hang auf Flechtenheiden, am<br />

E-Hang in der Empetnun -Heide und im Rciula nana -Gel)üsch;<br />

Jönkiergioaivi, an einer Stelle in der Cladonia alpeslris -Heide oben<br />

auf dem Fjeld.<br />

Fertilität. Die Art blüht sehr spärlich. Im J. 1933 wurden<br />

nur ein paar blühende Individuen oberhalb der Waldgrenze im


318 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Zwergstrauchmoor am NE-Hang des Pilguoaivi angetroffen, an<br />

sämtlichen übrigen Standorten war die Art ganz steril. Es kann doch<br />

möglich sein, dass sie periodisch in bestimmten Jahren reichlicher<br />

Blüten entwickelt.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich im Zwergstrauchmoor oberhalb<br />

der Waldgrenze im J. 1933 am 5. VII. noch beinahe in voller<br />

Blüte und am 14. VII. im Ausblühen. - In den subalpinen Zwergstrauchmooren<br />

war das Blühen am 4. VII. schon allgemein im<br />

Ausklingen, nur an den schattigsten Stellen noch im vollen Gang<br />

(vgl. VALLE 1930).<br />

Samenreife. Die ersten Früchte waren am 6. IX. 1933<br />

im Zwergstrauchmoor oberhalb der Waldgrenze aufgesprungen,<br />

die übrigen waren aber noch halbwüchsig oder ganz klein. Die<br />

Samen kommen also wenigstens in einigem Umfang zur Reife.<br />

Im arktischen Norwegen kann es nach NORMAN (1895-1901,<br />

S. 435) eintreffen, dass die Art in höheren Lagen blüht, ohne<br />

Früchte zu entwickeln; bis 319 m hinauf sind Früchte wahrgenommen<br />

worden. In Westgrönland erwähnt WARMING (1885,<br />

S. 41) im J. 1884 an vielen Stellen reife vorjährige Früchte angetroffen<br />

zu haben. Nach PORSILD (1920 b, S. 131) sind die grönländischen<br />

Arten aber Ledum deciimbens und L. groenlandiciim,<br />

nicht L. paliistre. OSTENFELD (1910, S. 59, L. palusire var. deciimbens)<br />

hat in Proben aus dem arktischen Nordamerika leere vorjährige<br />

Früchte angetroffen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art im Gebiet nicht vorgefunden; indes dürften Voraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung in ganz begrenztem Masse<br />

vorhanden sein. - SYLVÉN (1906, S. 133) hat an zwei Stellen in<br />

Schweden Samenkeimlinge eingesammelt. KUJALA (1926 a, S. 133)<br />

erwähnt einmal reichlich Jungpflanzen an der schattigen Wand<br />

einer Moorgrube angetroffen zu haben. Selbst habe ich im Sommer<br />

1938 in Pelso (Ostrobottnia borealis) zahlreich sowohl jüngere als<br />

ältere Keimlinge in den Bültenzwischenräumen eines Moorkomplexes<br />

festgestellt; offenbar erneuert sich die Art in der Moorvegetation der<br />

Waldregion allgemein reichlich fruktifikativ. - SARVAS (1937, S. 23)<br />

hat auf den Waldbrandflächen keine Samenkeimlinge vorgefunden.<br />

Vegetative Vermehrung. Die am Boden kriechenden<br />

Stengel der Art treiben Adventivwurzeln, mit deren Hilfe eine


Annales Botanici Societatis Vanamo. Tom, 14. N:o 1. 319<br />

Verselbständigung einzelner Sprosse und offenbar auch eine vegetative<br />

Wanderung in einigem Umfang möglich erscheint (vgl.<br />

WARMING 1885, S. 40-41 und KESO 1908, S. 15-16). Nach WAR-<br />

MING ist die Bedeutung der vegetativen Vermelirung jedoch augenscheinlich<br />

gering, weshalb die Samen die wichtigsten Vermehrungsmittel<br />

der Art darstellen. Nach SARVAS (I.E.) erneuert sich die<br />

Art auf den Waldbrandflächen aus ihren unterirdischen Teilen.<br />

Loiseleuria prociimbens (L.) üesv.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in der Cetraria nivalis - Alecioria -Heide<br />

(fqq, st cp - sp), der Cetraria nivalis-licida (p, st pc -pc), auf<br />

übrigen artenarmen Fjeldheiden (r, pc), auf Heidewiesen (st r,<br />

sp - pc), in weniger spät ausapernden Schneebodensiedlungen<br />

(p, st pc - pc) und an Felshängen (st r, pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Cetraria nivalis - Alectoria<br />

-Heide der Regel nach mehr oder minder reichlich, an den<br />

übrigen Standorten dagegen spärlicher. Auf den Heidewiesen und<br />

den Schneeböden kommt sie gewöhnlich steril vor.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Im J. 1931 war das Blühen in der Cetraria<br />

nivalis - A/ec/ona-Heide am 6. VH. noch beinahe im vollen Gang<br />

und am 14. VIL abgeschlossen; an den N-Hängen kamen blühende<br />

Individuen stellenweise noch am 16. VII. vor. - Im J. 1933 war<br />

die Art auf sonnigen Fjeldheiden am 4. VII. in grossen Zügen ausgeblüht,<br />

an den schattigsten Stellen stand sie aber noch am 9. VII.<br />

in voller Blüte. In der Cassiope hijpnoides -Schneebodenvegetation<br />

war die Floration am 7. VII. teilweise im vollen Gang, teilweise<br />

im Beginnen, und am 17. VII. im Ausklingen (vgl. VALLE 1930<br />

und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Samen in der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria-Heide am 2. IX. reif; von voller Blüte bis zur<br />

Samenreife vergingen in der Assoziation etwa (» 58 Tage. - Im<br />

J. 1933 hatte die Art am 25. VIII. reife Samen in der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria -Heide der S-Hänge, und die Ausstreuung war<br />

eben im Beginnen; am 5. IX. waren die Samen an offenen Standorten<br />

ziemlich allgemein reif. - Die Samen kommen also an den


320 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

frühesten Stellen allgemein während der Vegetationsperiode zur<br />

Reife, an den am spätesten ausapernden dagegen offenbar nur in<br />

abweichend günstigen Jahren.<br />

Nach WARMING (1885, S. 32 und 55; 1908, S. 17) hat man bei<br />

der Art in Ost- und Westgrönland, desgleichen in Finmarken reife<br />

Früchte angetroffen; in Grönland wird die Fruchtreife aber nicht<br />

immer erreicht. Nach KRUUSE (1906, S. 254) bildet die Art reichlich<br />

reife Früchte in Angmagsalik in Ostgrönland. Nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 132) erzeugt sie reichlich Früchte auf Disko in Westgrönland.<br />

Same n meng e. Die Blüten entwickeln sich ziemlich regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte pro Individuum<br />

betrug im J. 1931 in der Cetraria nivalis - Alecioria -Heide 5, 6,<br />

8, 17, 19, 19, 20, 21, 22, 23, 27, 29, 51, 52 und 75, durchschn. 26.3.<br />

Die Anzahl der Samen in der Frucht war (die unentwickelten und<br />

halbentwickelten wurden nicht gezählt) 30, 44, 45, 45, 53, 54,<br />

55, 57, 58 und 67, durchschn. 50.8. Die Anzahl der vollentwickelten<br />

Samen pro Individuum betrug also 1336.o Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten zu 80 % (ohne<br />

Frostbehandlung zu 79 %) im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte in der 3. (ohne Frostbehandlung in der 4.)<br />

Woche ein, war am kräftigsten in der 4. bis 10. Woche und schloss<br />

nach 15 (6) Monaten ab. Die übriggebliebenen Samen waren nach<br />

18 Monaten tot (weich). - Nach den Versuchen LÜDIS (1932, S. IL)<br />

wiesen die Samen nach Frostbehandlung eine ausgesprochene Forderung<br />

der Keimung auf.<br />

Die am 6. IX. 1933 von der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide<br />

eingesammelten, am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in<br />

Gartenerde ausgesäten Samen kamen im gleichen Herbst und auch<br />

im folgenden Frühling bis zum 31. V. gar nicht zur Keimung. Es<br />

musste offenbar irgendwo in den äusseren Bedingungen ein Fehler<br />

vorhanden gewesen sein, denn die Samen galten als völlig lebenskräftig<br />

und gesund.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

sowohl im Anfang der Vegetationsperiode als später im Laufe<br />

des Sommers statt (am 14. Vll. 1931 wurden von einer Probe-


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 321G3<br />

fläche in der Cetraria niya/is - ^/ec/orm-Heide alle jüngeren Keimlinge,<br />

15 an der Zahl, entfernt; am 15. VIII. 1931 befanden sich<br />

an der Stelle wieder 9 jüngere Keimlinge, die teilweise ganz neulich<br />

aufgekommen waren). - Nach SYLVEIN (1900, S. 132) erfolgt die<br />

Keimung im »Frühling» (Vorsommer).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge treten an<br />

den charakteristischen Standorten der Art in der Cetraria nivalis ~<br />

Alectoria-Heide regelmässig und oft auch ziemlich reiclilich vor.<br />

Der Keimlingsquotient betrug in einer Siedlung 1, in einer anderen<br />

wiederum 3. Des extremen Charakters der Standorte ungeachtet<br />

sind die Keimlinge augenscheinlich imstande, siegreich um ihr<br />

Dasein zu kämpfen, wie aus der Häufigkeit der versciiieden alten<br />

Jungpflanzen zu ersehen ist. So fand ich auf einer Probefläche<br />

von 1 m^ Grösse 5 jüngere Keimlinge nebst 74 älteren'Keimlingen<br />

und äusserlich noch sehr bescheidenen .Tungpflanzen. Sich an den<br />

grobkörnigen Mineralboden andrückend, von losen Steinen oder<br />

den Mutterpflanzen geschützt, setzen sie Jahr um Jahr ihre Entwicklung<br />

in dieser unfruchtbaren Umgebung fort.<br />

Auch an den Felsenstandorten findet man gewöhulich Samenkeimlinge<br />

neben den IVIutterindividuen. Auf den Heidewiesen,<br />

ebenso auf den Schneeböden habe ich vereinzelte sowohl ältere<br />

als jüngere Keimlinge, durch Besamung aus günstigeren Standorten<br />

entstanden - die leichten Samen werden ja oft weit verbreitet,<br />

angetroffen. Einige von diesen Keimlingen wachsen dann mit<br />

der Zeit zu kümmernden, gewöhnlich ihr ganzes Leben lang steril<br />

bleibenden Individuen an, durch derlei die Art gerade an diesen<br />

Standorten vertreten ist.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig. - SYLVÉN (I.E.) hat in Torne Lappmark an<br />

zwei Stellen Keimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadin m wird natürlich erst nach vielen<br />

Jahren erreicht.<br />

Vegetative V e r m e h r u n g. Die dicht am Boden<br />

liegenden, polsterförniig verbreiteten Individuen der Art sind<br />

durch ihre kräftige Hauptwurzel befestigt, die Äste treiben aber<br />

mitunter auch ziemlich reichlich feine Adventivwurzeln. Nach<br />

den Beobachtungen WARMINGS (1885, S. 32) werden diese bisweilen<br />

so kräftig, dass eine vegetative Vermehrung mit ihrer Hilfe


322 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

möglich sein dürfte. KIHLMAN (1890, S, 213) sagt, dass die Nebenwurzeln<br />

meistens zu schwach sind, um die Aste selbständig befestigen<br />

und ernähren zu können. HAGLUND (1905, S. 21) berichtet über<br />

Individuen, die offenbar aus abgelösten Sprossen entstanden waren.<br />

Selbst habe ich auf den Petsamofj eklen keine vegetative Vermehrung<br />

feststellen können, und diese dürfte dort auch wenigstens<br />

keine praktische Bedeutung besitzen.<br />

Phyllodoce coenilea (L.) Bab.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie auf den artenarmen Fjeldheiden<br />

an mehr oder minder schattigen Hängen und in moosreichen Vertiefungen<br />

(st fq, st cp - sp), im Betala na/i«-Gebüsch (p, sp), auf<br />

den Heidewiesen (st r, st pc - st cp), in den Zwergstrauchmooren<br />

(st r, sp), an N-Felshängen (p, st pc), an den Bachufern (st r, st pc)<br />

und auf den Sclineeböden (r, st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht an allen Standorten regelmässig<br />

und gewöhnlich ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art im Gebiet am<br />

6.-10, VII. allgemein in voller Blüte und am 20. VH. an den<br />

schattigsten Stellen im Ausblühen, sonst war sie am letztgenannten<br />

Tag schon ausgeblüht. Auf dem Kuorbgas wurden am 22 VIII.<br />

im Nachblühen befindliche Individuen angetroffen, die jedoch<br />

nur wenige Blüten trugen.<br />

Im J. 1933 war das Blühen an den am frühesten ausapernden<br />

Standorten am 4. VH. im vollen Gang, teilweise schon im Ausklingen,<br />

und am 14. VH. abgeschlossen. An den spätesten Stellen<br />

hatte es am 5. VH. noch nicht begonnen, am 22. VH. war es allgemein<br />

im Ausklingen. Auf den Schneeböden wurden jedoch noch<br />

am 25. VH. blühende Individuen beobachtet (vgl. VALLE 1930<br />

und 1933 a).<br />

Samenreife. Im J. 1931 waren die Früchte in der Myrlillus<br />

-Haide an einem schattigen N-Hang am 3. IX. ausgebildet, die<br />

Samenstreuung hatte aber noch nicht begonnen. - Im J. 1933<br />

hatte die Ausstreuung im Beliila nö/i«-Gebüsch am 24. VIH.<br />

schon stattgefunden und am 5. IX. waren die Früchte überall<br />

ausgebildet. - Die Samenreife wird also in günstigen Sommern


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 323G3<br />

allgemein erreicht, in den schlechtesten dagegen offenbar an den<br />

spätesten Standorten nicht.<br />

In Ost- und Westgrönland hat man bei der Art reife Früchte<br />

angetroffen (WARMING 1885, S. 20 und 1908, S. 22; KRUUSE 1897,<br />

S. 382 und 1906, S. 252; PORSILD 1920 b, S. 133). Im Untersuchungsgebiet<br />

CLEVES (1901, S. 83) in Torne Lappmark kamen die Samen<br />

während der Vegetationsperiode nicht zur Reife.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Mijrtillus -Heide eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten zu G4 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte in der 2. Woche ein, als der grösste<br />

Teil der Samen zur Keimung kam, und schloss in der 7. Woche ab.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren nach 18 Monaten tot (weich).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art im Gebiet ziemlich allgemein, gewöhnlich aber nur<br />

spärlich an der Zahl vor, wie es auch schon der Charakter der Standorte<br />

voraussetzen lässt. Nur selten begegnet man mehreren Keimlingen<br />

zusammen; so fand ich in einer relativ spät ausapernden<br />

Salix herbacea -reichen Heidewiesensiedlung auf kleiner Fläche<br />

etwa 15 ältere Keimlinge und auf dem Kaskamatunturi bei Pitkäjärvi<br />

am Fusse eines N-Felsens, wo die Art zusammen mit Saxifraga<br />

aizoides wuchs, gleichfalls mehrere ältere Keimlinge. An den Felshängen<br />

sind Keimlinge ein paarmal auch an solchen Stellen angetroffen<br />

worden, wo die Art sonst nicht zu finden war, desgleichen<br />

in einer Siedlung der Cassiope /«ypnoi


324 JY. Söijrinki, Vermehrung d. Sameiipfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

Vegetative Vermehrung Die Individuen der Art<br />

sind von einer kräftigen Hauptwurzel befestigt; die im Boden<br />

kriechenden verzweigten Stengel treiben überdies ziemlich reichlich<br />

gewöhnlich schwache Adventivwurzeln. Nach WAIIMING (1885,<br />

S. 20) können aber diese nicht die Hauptwurzel ersetzen. Nach<br />

den Beobachtungen KIHLMANS (1890, S. 213) sind die Adventivwurzeln<br />

öfters zu schwach, um die betreffenden Zweige selbständig<br />

befestigen und ernähren zu können. HAGLUND (1905, S. 13) wiederum<br />

erwähnt von der Mutterpflanze abgelöste bewurzelte Sprosse<br />

angetroffen zu haben. Selbst habe ich im Betula nana -Gebüsch<br />

und desgleichen in einer spät ausapernden Heidewiesensiedlung<br />

Individuen herausgegraben, die besonders im basalen Teil der Äste<br />

oft so kräftige Adventivwurzeln gebildet hatten, dass sie offenbar<br />

durch diese allein befestigt und ernährt werden konnten. Es scheint<br />

also recht wahrscheinlich, dass eine vegetative Vermehrung durch<br />

Selbständigwerden einzelner Sprossteile im Gebiet wenigstens in<br />

einigem Umfang stattfindet.<br />

Cassiope hypnoides (L.) Don.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie auf weniger spät<br />

ausapernden, im Laufe des Sommers völlig austrocknenden Schneeböden<br />

(fq, cpp - sp) und an schneebodenartigen Felshängen (p, sp),<br />

gelegentlich sogar an trocknen Verwitterungshängen (r, pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel mehr oder minder<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen im Gebiet am<br />

C. - 10. VH. allgemein im vollen Gang und am 15. VII. in den<br />

am frühesten ausapernden Siedlungen abgeschlossen. An den<br />

spätesten Standorten befand sich die Art aber am letztgenannten<br />

Tage erst im Aufblühen, und noch am 27. VII. wurde sie in einer<br />

Schneebodensiedlung in voller Blüte wahrgenommen. - Im J. 1933<br />

stand die Art auf den am frühesten ausapernden Standorten am<br />

4. - 7. VII. in voller Blüte, an den schattigsten aber erst bedeutend<br />

später, so wurde sie in einer Schneebodensiedlung gleich an der<br />

Waldgrenze am 21. VH. in voller Blüte beobachtet (vgl. VALLE<br />

1930, Andromeda hypnoides).


Annales Botanici Societalis Vanamo, Tom. 11. N:o 1. 325<br />

S a ni c n r e i f c. Im J. 1931 hatte die Art auf dem Cassiope<br />

hijpnoides-Schncchodcn am 3. IX. reife Früchte und die Samenstreuung<br />

war eben im Beginnen; von voller Blüte bis zur Ausstreuung<br />

der Samen vergingen an der Stelle etwa 51 Tage. - Im J. 1933<br />

waren die Früchte am 6, IX. im Gebiet allgemein ausgebildet. -<br />

In günstigen Jahren wird die Samenreife also im Laufe der Vegetationsperiode<br />

erreicht, in den ungünstigsten dagegen wenigstens<br />

an den spätesten Standorten nicht, denn im Sommer 1933 waren<br />

die vorjährigen Früchte stellenweise durcligehends geschlossen und<br />

mit unreifen Samen.<br />

Auf Spitzbergen wurde nacli ANDERSSON und HESSELMAN (1900,<br />

S. 18) die Art an ihrer einzigen Fundstelle in Green Harbour am<br />

1. VIII. 1868 in voller Blüte vorgefunden. Nach WARMING (1885,<br />

S. 30 und 1908, S. 24) sind reife Früclite in Ost- und Westgrönland,<br />

Island und Skandinavien angetroffen worden. In Ostgrönland<br />

erzeugt die Art reichlich reife Früchte in Angmagsalik nach KiiuusE<br />

(1906, S. 253), und GELTING (1931, S. 146) hat zwischen 73°15'<br />

und 76°20' reife Früclite festgestellt. In Westgrönland ist die<br />

Fruchtproduktion reichlich auf Disko nach PORSILD (1920 b, S. 134).<br />

Im Untersuchungsgebiet CLEVES (1901, S. 83) in Torne Lappmark<br />

kamen die Samen während der Vegetationsperiode nicht zur Reife.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c Ii.<br />

Die am 3. IX. 1931 von einer Siedlung der Cassiope lujpnoides-<br />

Schneebodenvegetation eingesammelten vollentwickelten Samen<br />

keimten zu 75 % im .lACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

setzte am 4. Tage ein und erfolgte hauptsächlicli in der<br />

2. Woche; die letzten Keimlinge erschienen nach etwa 7 Mouaten.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren nach 18 Monaten tot (weich).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 17. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in einer Siedlung der Cassiope hijpnoides -Schneebodenvegetation).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art im Gebiet gewöhnlich einzeln vor, nur in einer Siedlung<br />

der Cassiope hijpnoides -Schneebodenvegetation beobachtete ich<br />

6 jüngere Keimlinge nebst mehreren älteren zusammen. Die ungünstigen<br />

Keimungsbedingungen tragen die hauptsächliche Schuld<br />

an dem spärlichen Auftreten der Keimlinge, denn der schon ver-


326 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

hältnismässig früh zu einer harten Kruste austrocknende Boden<br />

beeinträchtigt stark die Entstehung und Entwicklung der Keimlinge.<br />

Ausserden ist die Samenreife in den am spätesten ausapernden<br />

Siedlungen mehr oder minder unsicher. - Auf den Schneebodenfelsen<br />

habe ich auch gelegentlich einzelne Keimlinge wahrgenommen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder weniger günstig. - SYLVÉN (1906, S. 131)<br />

hat in Torne Lappmark Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das blüh reife Stadium wird erst nach vielen Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die in der Erde kriechenden<br />

Sprosse der Art treiben reichlich Adventivwurzeln, wodurch<br />

eine ziemlich effektive vegetative Ausbreitung zustandekommt (vgl.<br />

WARMING 1885, S. 29; KIIILMAN 1890, S. 213; HAGLUND 1905, S. 26).<br />

Andromeda polifolia L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig, und zwar sind ihre Standorte die Zwergstrauchmoore (fqq,<br />

cp - sp), die Graskrautmoore (st fq, st cp - st pc), das Betiila nana-<br />

Gebüsch (fq, st cp - st pc), moosbedeckte Senken zwischen den<br />

artenarmen Fjeldheiden (fq, st cp - sp) und die Dnjas -Heide<br />

(r, sp - st pc), ferner findet man sie in den Bachläufen und an<br />

den Ufern der Weiher (st fq, st cp - sp), desgleichen an den Rändern<br />

der Felsenflächen (p, sp - st pc).<br />

Fertilität. Die Art blühte im J. 1933 an den meisten<br />

Standorten reichlich, in den Zwergstrauch- und Graskrautmooren<br />

kam sie jedoch der Regel nach ganz steril vor.<br />

F 1 0 r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 an den N-Hängen<br />

am 4.-6. VH. stellenweise noch im Beginnen, im allgemeinen<br />

war es aber schon im vollen Gang und am 18. - 20. VII. im Ausklingen<br />

(vgl. VALLE 1930).<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 20. VIII. 1933 in den<br />

Spalten einer sonnigen Felsenfläche schon beinahe ausgebildet.<br />

An den allermeisten Standorten verkümmerten aber im genannten<br />

Jahr die Fruchtanlagen fast durchweg; so wurde in den am 6. IX.<br />

1933 von einer Zwergstrauchmoorsiedlung gleich oberhalb der<br />

Waldgrenze entnommenen Proben nur eine einzige vollentwickelte


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 327G3<br />

Frucht angetroffen. - Die Besamung bleibt also im Gebiet offenbar<br />

sehr niedrig, denn auch vorjährige Früchte waren in den Siedlungen<br />

überhaupt nicht zu finden. - Im arktischen Norwegen kann die<br />

Floration nach NORMAN (1895- 1901, S. 425) mitunter ausbleiben,<br />

oder die Art blüht ohne zu fruchten.<br />

Keimlingsverhältnisse. Die Keimlingssuche ist im<br />

Gebiet sehr mager ausgefallen: im ganzen habe ich nur einen einzigen<br />

offenbar zu dieser Art gehörenden jüngeren Keimling gefunden,<br />

und zwar am 25. VIII. 1931 im Drepanocladiis intennedius-<br />

D. hadius - Scirpiis caespitosus -Moor am Kammikivitunturi. Aus<br />

den Beobachtungen über die Fruchtbildung zu schliessen kann die<br />

Art ja auch nur recht geringe Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet haben. - Im Sommer 1938 beobachtete<br />

ich bei der Art in Pelso (Ostrobottnia borealis) zahlreich Keimlinge<br />

in den feuchten, beinahe nackten Bültenzwischenräumen eines<br />

Moorkomplexes. Offenbar hat die Art also unter günstigen Bedingungen<br />

eine recht intensive Samenverjüngung. - SYLVÉN (1906,<br />

S. 129) hat an zwei Stellen in Schweden Samenkeimlinge der Art<br />

eingesammelt.<br />

Die vegetative Ver m e h r u n g findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des ausläufertreibenden Rhizoms kräftig statt (vgl. z.B. SYLVÉN<br />

1906, S. 130; KESO 1908, S. 37-38).<br />

Arctostaphijlos alpina (L.) Spr.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; mau findet sie in der Cetraria nivalis -Heide (fqq, st cp - sj)),<br />

der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide (fqq, sp - st pc) und der<br />

Dnjas -Heide (]), sp - st pc).<br />

Die Höhe der Individuen beträgt in der Cetraria nivalis -Heide<br />

3 bis 4 cm und ihr Flächendurchniesser l)is 110 cm.<br />

F e r t i 1 i t ä t. Die Art blüht der Regel nach mehr oder minder<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art blüht bekanntlich sehr früh (vgl. WAR-<br />

MING 1886 c, S. 16); in allen drei Beobachtungsjahren halte sie<br />

bis zum Anfang des Juli im Gebiet regelmässig schon ausgeblüht.<br />

Am 13. VII. 1929 wurden jedoch noch blühende Individuen am<br />

Ann. IJot. Soc. Zool.-Hot. Fenn. Vanamo, 1'», n:o I. [22


328 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

NE-Hang des Nujakantunturi in Pummanki auf der Fisclierhalbinsel<br />

angetroffen (vgl. VALLE 1930).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte am 2. IX.<br />

im Gebiet ziemlich allgemein reif. - Im J. 1933 waren sie an den<br />

S-Hängen am 23. VII. halb, stellenweise sogar ganz rot gefärbt,<br />

am 8. VIII. beinahe schwarz und am 20. VIII. völlig schwarz und<br />

reif (die Laubblätter waren stellenweise schon gar.z rot gefärbt).<br />

Anfang September hatte die Art überall im Gebiet reife Früchte.<br />

- Die Samenreife wird also allgemein im Laufe der Vegetationsperiode<br />

erreicht, die allerschlcchtesten Jahre vielleicht ausgenommen.<br />

- Die Anzahl der Samen in der Frucht ist gewöhnlich 5, nur<br />

selten 4.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 422)<br />

am 26. VIII. reife Früchte angetroffen. In Ostgrönland reifen<br />

die Früchte in Eirik Randes Land (zwischen 7r30' und 75°40' N)<br />

nach VAAGE (1932, S. 46) selten vor Ende August; nach SGRENSEN<br />

(1933, S. 97) erzeugt die Art reichlich Früchte zwischen 71° und<br />

73°30' N, die Fruchtreife fällt in den August; nach GELTING (1934,<br />

S. 146) macht die Art reife Samen zwischen 73°15' und 76°20'N,<br />

die Präflorationszeit war 17 Tage. In Westgrönland ist die Fruchtproduktion<br />

reichlich auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 134). Auf<br />

Novaja Semlja hat LYNGE (1923, S. 72) die Art nur steril angetroffen.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis - Alecioria-Heide eingesammelten<br />

Samen kamen im JACOBSENschen Keimungsapparat<br />

überhaupt nicht zur Keimung. Die im Fruchtstein eingeschlossenen<br />

Samen waren noch nach 19 Monaten völlig hart. - Nach KIRCHNER,<br />

LÜEW und SCHRÖTER (1923, S. 82) scheint über die Keimung der<br />

Art nichts positives bekannt zu sein. In den Versuchen LÜDIS<br />

(1932, S. XLVIII- IL) hat die Art sich als Frostkeimer erwiesen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt, wahrscheinlich aber auch<br />

etwas später. - Die Keimblätter sind dünn, unterhalb der Mitte<br />

zu einem mehr oder minder deutlich ausgeprägten Stiel verschmälert,<br />

nach oben hin ziemlich gleich breit, schmal spatelförmig, stumpf<br />

oder seicht eingeschnitten, 5-6.5 mm lang und I.2-I.5 mm breit;<br />

die Nervatur ist ziemlich deutlich. - SYLVÉN (1906, S. 129) hat<br />

keine Keimpflanzen angetroffen.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1-1. N:o 1. 329<br />

K e i m 1 i n g s V e r Ii ä 1 t n i s s e. Samenkeiiiilinge der Art<br />

sind im Gebiet ziemlich häufig in der Cetraria nivalis - Alectoria-<br />

Heide in der Nähe der Mutterindividuen anzutreffen, ebenso<br />

in der Cetraria nivalis -Heide in den Erosionsflecken, in denen<br />

der Mineralboden nackt zutage tritt. Gelegentlich kommen die<br />

Keimlinge sogar ziemlich zahlreich vor; der Keimlingsquotient<br />

variiert an meinen Beobachtungsstellen von O.2 bis 2. In der<br />

geschlossenen Flechtendecke der Siedlungen sind die Samenkeimlinge<br />

dagegen sehr selten. Am N-lIang des Kammikivitunturi fand<br />

ich auf dem durch die Cetraria nivalis -Heide führenden Fusspfad,<br />

wo die Art reichlich wuchs, auf einer Fläche von etwa 20 m^<br />

mehr als 50 jüngere und 30 ältere Keimlinge, in der unberührten<br />

Vegetation daneben aber nur einen älteren Keimling als Resultat<br />

einer längeren Suche.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig. - SYLVÉN (I.e.) hat in Torne Lappmark ältere<br />

Keimlinge bei der Art eingesammelt. SARVAS (1937, S. 23) fand<br />

auf seinen Waldbrandflächen in Nordfinnland keine Keimlinge<br />

der Art.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadium wird erst nach recht vielen<br />

Jahren erreicht. Die von einer langen, kräftigen Hauptwurzel<br />

befestigten Keimlinge entwickeln im ersten Sommer höchstens<br />

nur ein kleines, nahezu ganzrandiges Laubblatt - die meisten liatten<br />

am 29. VHL 1931 nur eine Knospe an der Spitze des Stengels<br />

zwischen den Keimblättern. Im zweiten Sommer bilden die Keimlinge<br />

ein Paar seicht gesägte Blätter, unter denen die Keimblätter<br />

nebst dem eventuellen Laubblatt des ersten Jahres vertrocknet<br />

festsitzen. Und so fährt dann die Entwicklung Jahr um Jahr<br />

allmählich fort.<br />

Vegetative Vermehrung. Die dicht am Boden<br />

liegenden Stämme und Äste der Art treiben Adventivwurzeln,<br />

die eine Individualisierung der einzelnen Sprossteile und als Folge<br />

der Wachstumsweise der Pflanze auch eine vegetative Wanderung<br />

ermöglichen (vgl. WARMING 1886 C, S. 13; KIHLMAN 1890, S. 213;<br />

HAGLUND 1905, S. 34; GELTING 1934, S. 146). Die Art wurzelt im<br />

allgemeinen nicht so dicht wie z.B. Empetriim, die Wurzeln können<br />

aber sehr kräftig werden. In der Cetraria nivalis -Meide beobachtete


330 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

ich an einem Individuum nel)en mehreren kleineren Adventivwurzeln<br />

zwei solche von etwa 1 m Länge und 4 mm Dicke. Auch<br />

habe ich Sprosse wahrgenommen, die nur noch durch ganz vermorschte<br />

Stengelteile mit der Mutterpflanze in Verbindung standen<br />

und also ausschliesslich von den Adventivwurzeln ernährt wurden<br />

(vgl. auch SöYRiNKi 1938, S. 225, 235 und 239).<br />

Oxycoccus microcarpiis Turcz.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie in den Zwergstrauchmooren<br />

(fqq, cp - st cp) und den Graskrautmooren (st fq, sp - st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Zwergstrauchmooren<br />

der Regel nach mehr oder minder spärlich, in den Graskrautmooren<br />

kommt sie allgemein ganz steril vor.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Das Blühen war im J. 1933 im Gebiet am 6. VII.<br />

im Beginnen und am 21. VII. im Ausklingen.<br />

Samenreife. Die ersten Früchte waren im J. 1933 auf<br />

den Bülten in einem Zwergstrauciimoor gleicli oberhalb der Waldgrenze<br />

am 6. IX. rot gefärbt. Die Samenreife wird also in günstigen<br />

Sommern wenigstens teilweise erreicht, in ungünstigen Jaliren scheint<br />

es dagegen nicht möglich. So waren sämtliche wenigen vorjährigen<br />

Früchte im Sommer 1933 nur hali)wüchsig. In einer kleinen Moorsiedlung<br />

etwas unterhalb der Waldgrenze fand ich jedoch eine reife<br />

vorjährige Frucht.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 421)<br />

am 23. VIII. reife Früchte angetroffen, weiter nordwärts ist jedoch<br />

die Art in grösseren Höhenlagen steril. In Südgrönland hat BERLIN<br />

(1884, S. 53) weder Blüten noch Früchte beobachtet.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich bei<br />

der Art im Gebiet nicht mit Sicherheit festgestellt; auf einer Moorbülte<br />

wurde zwar eine ganz junge Keimpflanze vorgefunden, die<br />

recht wahrscheinlich der Art angehörte, sich aber nicht genau<br />

bestimmen Hess. Aus den Beobachtungen über die Fertilität und<br />

Fruchtreife geht ja auch schon hervor, dass die Art nur äusserst<br />

begrenzte Voraussetzungen zur generativen Vermehrung haben<br />

kann; eine Verbreitung der Samen aus der Waldregion durch Vögel<br />

dürfte allerdings wohl in einigem Umfang möglich erscheinen.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 331G3<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert bekanntlich<br />

mit Hilfe der am Boden kriechenden, wurzelschlagenden Sprosse<br />

effektiv am Standort weiter (vgl. KESO 1908, S. 31 - 32 und METSÄ-<br />

VAiNio 1931, S. 281 -282).<br />

Vacciniiim vitis-idaea L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr häufig; sie bewohnt die Cladonia alpestris- und die Cetraria<br />

nivalis -Heide (fqq, cp - st cp), die Cetraria nivalis - Alectoria -Heide<br />

(fqq, st cp - sp), die Mijrtillus -Heide (st fq, st cp - sp), die Drijas-<br />

Heide (st fq, sp), die Lycopodium alpiniim - Solidago - Deschampsia<br />

flexiiosa -Heidewiese (fq, cp - st cp), die Krautwiesen (st r, pc)<br />

das Betula nana -Gebüsch (fqq, cp - st cp), die Krautgebüsche<br />

(r, pc), die Zwergstrauchmoore (fqq, st cp - st pc) und die Schneeböden<br />

(r, pcc).<br />

Die H ö h e der Individuen beträgt in der Cetraria nivalis -Heide<br />

bis 2.5 - 3 cm und im Betula nana -Gebüsch durchsclin. 5.3 (2 - 9) cm<br />

(vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 415; KESO 1908, S. 26; KONTUNIEMI<br />

1932, S. 40).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Fjeldheiden ziemlich<br />

spärlich oder spärlich; im Betula nana-Gebüsch und in den Zwergstrauchmooren<br />

kommt sie oft steril vor, in den Krautgebüschen,<br />

den Wiesen und auf den Schneeböden ist dies die Regel.<br />

F 1 0 r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen auf den Fjeldheiden<br />

am 10. VH. erst ziemlich allgemein im Beginnen, am<br />

14.-16. VH. im vollen Gang und am 27. VII. im Ausklingen;<br />

höher hinauf auf den Fjelden wurde nocli am 18. VII. stellenweise<br />

beginnendes Blühen wahrgenommen. - Im J. 1933 befand sich<br />

die Art auf den Fjeldheiden am 4. VII. allgemein schon in voller<br />

Blüte und am 14. VH. im Ausblühen, an den N-Hängen konnte<br />

man aber noch am 18, VH. blühende Individuen beobachten. Oben<br />

auf den Fjelden hatte das Blühen am 8. VH. teilweise noch nicht<br />

begonnen (vgl. KONTUNIEMI I.E.).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte im Gebiet<br />

am 2. IX. noch halb weiss und derb, erst bei der Aufbewahrung<br />

wurden sie ganz rot. - Im .1. 1933 waren die Früchte auf sonnigen<br />

Fjeldheiden am 14. VHI. halb und am 24. VHI. ganz rot gefärbt,


332 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

und am 6. IX. hatte die Art allgemein völlig reife Früchte. - Die<br />

Samen kommen also in günstigen Jahren vor Abschluss der Vegetationsperiode<br />

gut zur Reife, in den schlechtesten dagegen offenbar<br />

höchstens nur zum Teil.<br />

Im arktisclien Norwegen hat man die Art nach NORMAN (1895<br />

- 1901, S. 415) in günstigen Sommern nördlich vom 71° N mit<br />

reifen Früchten festgestellt; an den am höchsten gelegenen, ebenso<br />

an den nördlichsten Standorten blüht sie in den meisten Jahren<br />

nicht oder bildet wenigstens keine Früchte. In Westgrönland<br />

hat HARTZ (1894, S. 12- 13) im J. 1889 nur sehr wenig vorjährige<br />

Früchte angetroffen. KRUUSE (1898, S. 382, ß piimilum) hat im<br />

Archipel von Egedesminde reichlich reife Früchte wahrgenommen<br />

(vgl. auch WARMING 1908, S. 53; PORSILD 1920 b, S. 136). KJELL-<br />

MAN (1883, S. 38) fand im Land der West-Eskimos (in Nordamerika<br />

zwischen 65° und 71° N) reife vorjährige Früchte im Sommer 1879.<br />

Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1894, S. 173 und 1897, S. 124,<br />

f. piimila) niclit Fruchtbildung beobachtet; LYNGE (1923, S. 72,<br />

f. pumila) fand die Art dort am 5. VII. 1921 mit Blütenknospen<br />

in Goose Bay.<br />

Same n meng e. Die Anzahl der Blüten am Spross betrug<br />

im J. 1931 in einer Siedlung der Cetraria nivalis-Heide 1, 1, 1,<br />

2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3, 3, 3, 3, 4, 4, 4, 4, 4 und 5, durclischn. 2.9, in einer<br />

anderen durchschn. 2.o (1 - 3) (in der Assoziation also 2.5 Stück)<br />

und im J. 1929 in der Cladonia alpestris -Heide 2, 3, 3, 3, 3, 3, 4,<br />

4, 4, 4, 4, 4, 5, 5 und 6, durchschn. 3.8 Stück. Ausnahmsweise kann<br />

die Blütenzahl jedoch beträchtlich grösser sein, so wurden im<br />

Sommer 1931 in der Cladonia alpestris -Heide an den Grenze<br />

der subalpinen Region 16 Blüten an einem Spross gezählt (in Südfinnland<br />

habe ich an sonnigem Waldrand etwa 75 Blüten an einem<br />

Spross mit mehreren Blütenständen wahrgenommen). - Die Anzahl<br />

der vollentwickelten Samen (die unentwickelten und halbentwickelten<br />

wurden nicht gezählt) war im J. 1931 in der Cetraria<br />

nivalis-Heide 3, 4, 4, 5, 5, 5, 7, 11, 11 und 21, durchschn. 7.6 und<br />

in der Cetraria nivalis - Alectoria-He\de 1, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 4,<br />

4, 5, 6, 7, 7, 8, 8, 8, 8, 14 und 16, durchschn. 5.7 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten zu 11 % im


Annales Botanici Societatis Vanamo. Tom, 14. N:o 1. 333<br />

JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte in der<br />

4. Woche ein und dauerte mit Unterbrechungen 15 Monate. Die<br />

übriggebliebenen Samen waren nach 18 Monaten grösstenteils<br />

lebend. - Die Früchte waren beim Einsammeln erst halb rot.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint im<br />

Anfang den Vegetationsperiode stattzufinden.<br />

Keimlingsverhältnisse. Die Samenkeimlinge der<br />

Art haben sich im Gebiet als recht selten erwiesen, im ganzen<br />

habe ich ihrer nur 7 Stück aufgefunden. Auf den Fjeldheiden<br />

habe ich auf allen meinen Probeflächen in der unberührten Vegetation<br />

keinen einzigen Keimling wahrgenommen, in der Cetraria<br />

nivalis - Alecioria -Heide beobachtete ich aber an einer Stelle, wo<br />

Vögel im Sand gebadet hatten, einen jüngeren Keimling und in<br />

einer anderen Siedlung ebenfalls auf nacktem Boden einen jüngeren<br />

und einen im vorhergehenden Sommer entstandenen Keimling.<br />

Überdies wurden auf einer Probefläche im Empctriim - Rubus<br />

chamaemorus -Zwergstrauchmoor in der üppigen Sphagnum- und<br />

Dicranum-Dccke ein jüngerer Keimling und zwischen den Lebermoosen<br />

(Lophozia ventricosa und Orthocaiilis kunzeana) einer Moorbülte<br />

am Teichufer 3 zwei oder drei Jahre alte Keimlinge (die vertrockneten<br />

Keimblätter sassen noch fest am Stengel) angetroffen.<br />

- Im Hinblick auf die grosse Häufigkeit der Art im Gebiet sind<br />

die Samenkeimlinge also sehr spärlich vertreten, in erster Hand<br />

natürlich deshalb, weil die Art allgemein nur spärlich blüht und<br />

die Samen überdies offenbar nicht in allen Jaliren ordentlich zur<br />

Reife kommen können. Auf den Fjeldheiden sind dazu noch die<br />

Standortsverhältnisse für die Samenkeimung sehr ungünstig.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind also ziemlich gering. Die Samenkeimlinge dürften<br />

doch in einigem Umfang Bedeutung bei der Ausbreitung der Art<br />

auf neue Standorte haben.<br />

Aus den Literaturangaben geht hervor, dass die Art sich allgemein<br />

nur spärlich aus Samen verjüngt. SYLVÉN (1906, S. 128)<br />

hat in Schweden nur einen Keimling gefunden. Nach den Untersuchungen<br />

KUJALAS (1926 a, S. 15-16) ist die fruktifikative Vermehrung<br />

bei der Art in den Wäldern Süd- und Mittelfinnlands<br />

unerwartet gering; Keimlinge sind nur an solchen Stellen vorgekommen,<br />

wo die Oberflächenvegetation, besonders die Hylocomia-


334 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

ceen-Moosdecke, fehlte. Auf den Waldbrandflächen in Nordfinnland<br />

hat er (1926 b, S. 29-30) keine Samenkeimlinge angetroffen,<br />

ebensowie auch nicht SARVAS (1937, S. 19). LINKOLA hat nach<br />

der Mitteilung KUJALAS Keimlinge an einer Feuerstelle in Vuoksenniska<br />

wahrgenommen. Nach den Beobachtungen von KONTUNIEMI<br />

(1932, S. 40) besitzt die Art in den subalpinen Birkenwäldern nur<br />

eine sehr schwache generative Verjüngung; er hat nur 4 jüngere<br />

Keimlinge an einer Buhestelle der Vögel vorgefunden. SÖDERGÅRD<br />

(1935) hat im schnell verlandeneden Küstengebiet des Bottnischen<br />

Meerbusens bei Vaasa reichlich Samenkeimlinge angetroffen.<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des wandernden Bhizoms effektiv statt.<br />

Vaccinium uliginosiim L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in der Dnjas- und der Cetraria nivalis -Heide<br />

(fqq, st cp - sp), der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide (fqq, spst<br />

pc), der Cladonia alpestris -Heide (r, pc), im Betala nana -Gebüsch<br />

(p, st cp - st pc), in den Zwergstrauchmooren (fqq, st cp - sp), den<br />

Graskrautmooren (r, st pc - pc), auf den Krautwiesen (r, pc) und an den<br />

Felshängen sowie in den Spalten der Felsenflächen (p, st pc - pc).<br />

Die H ö h e der Individuen beträgt in der Cetraria nivalis -Heide<br />

bis 5 cm und im Betiila AZÖAJÖ-Gebüsch durchschn. 15 (3-29) cm<br />

(vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 419; KESO 1908, S. 23).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Dnjas -Heide gelegentlich<br />

ziemlich reichlich, im allgemeinen aber auf den Fjeldheiden mehr<br />

oder minder spärlich, ebenso wie im Betiila nana-Gchüsch und in den<br />

Zwergstrauchmooren. Auf den Felsen blüht sie gewöhnlich zerstreut.<br />

Fl or a tion. Im J. 1931 war das Blühen auf den Fjeldheiden<br />

am 10.-14. VII. ziemlich allgemein im vollen Gang. In<br />

der subalpinen Begion wurde die Art am 6. VH. in einer trocknen<br />

Heidemoorsiedlung in voller Blüte beobachtet. - Im J. 1933 befand<br />

sich die Art im Gebiet am 4. - 8. VII. allgemein in voller Blüte.<br />

Auf sonnigen Felsen war die Floration am 10. VH. schon im Ausklingen,<br />

an den N-Hängen aber erst am 18. VH.<br />

Sa me n reife. Im J. 1931 waren die Früchte auf sonnigen<br />

Fjeldheiden am 2. IX. reif. - Im J. 1933 hatte die Art am 13. VHI.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 335G3<br />

reife Früchte in der Cetraria nivalis-Heide, ebenso am 18. VIII.<br />

im Beiula nana -Gebüsch. - In der Kiefernwaldregion am Fusse<br />

des Kaskamatnnturi bei Pitkäjärvi wnrden am 31. VII. reife Früchte<br />

wahrgenommen. - Die Samen kommen also in günstigen Jahren<br />

allgemein rechtzeitig vor Ende der Vegetationsperiode zur Reife<br />

und auch in ungünstigen Sommern offenbar zum grossen Teil.<br />

Von voller Blüte bis zur Fruchtreife vergingen im J. 1931 etwa<br />

50 und im J. 1933 etwa 40 Tage. - Im arktischen Norwegen hat<br />

NORMAN (1895- 1901, S. 419) am 23. VII. reife Früchte angetroffen.<br />

An den höchstgelegenen Standorten blüht die Art nicht oder bildet<br />

wenigstens keine Früchte; in bestimmten Jahren ist sie beinahe<br />

völlig steril. In Süd-, Ost- und Westgrönland erzeugt die Art (auch<br />

var. microphijlliim) allgemein und gelegentlich reichlich reife Früchte<br />

(vgl. BERLIN 1884, S. 52; WARMING 1885, S. 48-49 und 1908,<br />

S. 49; HARTZ 1895 a, S. 182; KRUUSE 1897, S. 382 und 190G, S. 254;<br />

DUSÉN 1901, S. 43; PORSILD 1912, S, 381 und 1920 b, S. 13; VAAGE<br />

1932, S. 47; SORENSEN 1933, S. 101; GELTING 1934, S. 150). Die<br />

Früchte reifen gewöhnlich im August, GELTING hat jedoch schon<br />

am 20. VII. zwischen 73°15' und 76°20'N in Ostgrönland reife<br />

Früchte angetroffen. In Nordostgrönland haben OSTENFELD und<br />

LUNDAGER (1910, S. 30) Ende August 1906 und 1907 spärlich reife<br />

Beeren beobachtet. Auf Novaja Semlja fand LYNGE (1923, S. 72,<br />

f. nücrophijlla) die Art steril in Matotclikin Shar.<br />

Samen in enge. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im J. 1929 in der Drijas -Heide in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

1, 1, 1, 1, 1, 1, 1, 2, 2, 3, 3, 3, 4, 4 und 8, durchschn. 2.4.<br />

Die Zahl der vollentwickelten Samen in der Frucht war an der<br />

vorgenannten Stelle (die unentwickelten und halbentwickelten wurden<br />

nicht gezählt) 9, 11, 13, 14, 20, 21, 23, 24, 03 und Ü4, durchschn.<br />

26.2 und in der Cetraria -Heide im J. 1931 3, 4, 6, 6, 8,<br />

9, 16, 22, 28 und 31, durchschn. 13.3. Die Anzahl der vollentwickelten<br />

Samen pro Spross betrug also in der Drijas -Heide 62.Ö Stück.<br />

- Die grössten Beeren massen im J. 1933 in der Cetraria nivalis-<br />

Alecloria-Heide 12X10 mm (vgl. WARMING 1885, S. 49 und NOR-<br />

MAN 1895- 1901, S. 419).<br />

K e i m ung der S a m e n 1 m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Cetraria nivalis-Heide eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten zu 4 % im JACOBSENschen Kei-


336 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

mungsapparat. Die Keimung erfolgte in der 3. und 8. Woche,<br />

und die übriggebliebenen Samen waren noch nach 18 Monaten<br />

grösstenteils lebend (hart). - Nach den Versuchen LÜDIS (1932,<br />

S. XLVIII- IL) hat die Art sich als Frostkeimer erwiesen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 18. VII. 1931<br />

jüngere Keimlinge im Scirpiis caespitosus-Moor).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Die Samenkeimlinge der<br />

Art haben sich im Gebiet als sehr selten erwiesen. Ich habe sie<br />

nur an zwei Stellen angetroffen: am Kammikivitunturi fand ich<br />

einen jüngeren Keimling in der Drijas-Heide auf nassem Boden<br />

am Rande einer kleinen Vertiefung und am Vuoggoaivi einige<br />

jüngere Keimlinge im Scirpiis caespitosus -Moor an der oberen<br />

Grenze der subalpinen Region. An sämtlichen übrigen Beobachtungsstellen<br />

ist es mir dagegen nicht gelungen, Samenkeimlinge zu entdecken,<br />

nicht einmal auf nacktem Boden in den Siedlungen der<br />

Cetraria nivalis - Alectoria-Heide und in den Erosionsfleckclien<br />

der Cetraria nivalis -Heide, wo sonst eine recht intensive fruktifikative<br />

Verjüngung stattfindet. - Die Seltenheit der Keimlinge ist<br />

natürlich zum bedeutenden Teil als eine Folge der spärlichen Fertilität<br />

und Samenproduktion zu verstehen, doch Hessen sich wénigstens<br />

etwas höhere Keimlingszahlen erwarten, weil die Besamung stellenweise<br />

immerhin verhältnismässig reichlich ist. Es müssen hier<br />

also - auch unter Berücksichtigung der Beschaffenheit der Standorte<br />

- noch andere Ursachen vorliegen, etwa Hesse sich an eine schwache<br />

Keimfähigkeit der Samen denken.<br />

Die Art hat offenbar nur geringe Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet. - HARTZ (1895 a, S. 178) hat ein paar Samenkeimlinge<br />

auf Danmarks 0 in Ostgrönland wahrgenommen. SYL-<br />

VÉN (1906, S. 128) hat an einer Stelle in Schweden SamenkeimHnge<br />

der Art eingesammelt. Nach KUJALA (1926 a, S. 133) sind Samenkeimlinge<br />

der Art in der Waldvegetation Süd- und Mittelfinnlands<br />

sehr selten; auf den W^aldbrandflächen in Nordfinnland hat er<br />

(1926 1), S. 29) keine Keimlinge angetroffen, desgleichen auch nicht<br />

SARVAS (1937, S. 19).<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des wandernden Rhizoms statt (vgl. WARMING 1885, S. 45<br />

und 51; KESO 1908, S. 23 -24; METSÄVAIXIO 1931, S. 274-275).


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 337G3<br />

Vacciniiim myrtilliis L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig, und zwar begegnet man ihr in der Mijrtillus -Heide (fqq,<br />

cpp), der Cladonia alpestris -Heide (fqq, st cp - cp), im Betiila<br />

nana -Gebüsch (fqq, cp - st cp), in den Zwergstrauchmooren (st r,<br />

cp - sp) und auf den Krautwiesen (r, st pc).<br />

Die Höhe der Individuen beträgt im Betala /m/ja-Gebüsch<br />

durchschn. 11 (3-20) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 417; KESO<br />

1908, S. 20; KONTUNIEMI 1932, S. 40).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Mijrtillus -Heide oft<br />

mehr oder minder reiclilich, stellenweise aber nur ziemlich spärlich,<br />

wie gewöhnlich auch in der Cladonia alpestris -Heide. Im<br />

Belula nana -Gebüsch blüht sie oft ziemlich reichlich oder zerstreut,<br />

in den Zwergstrauchmooren und den Krautwiesen der Hegel nach<br />

spärlich.<br />

F 1 o r a t i o ji. Im J. 1931 befand sich die Art im Gebiet am<br />

10. VII. im Ausblühen, teilweise jedoch noch in voller Blüte. -<br />

In der subalpinen Region war das Blühen am 6. VII. allgemein<br />

im vollen Gang.<br />

Im J. 1933 war die Art an den am s])ätesten ausapernden Standorten<br />

am 4.-5. VH. in voller Blüte, sonst aber im Ausblühen. -<br />

In den subalpinen Birkenwäldern ging das Blühen am 4. VII. seinem<br />

Ende entgegen und war am 11. VH. in grossen Zügen abgeschlossen.<br />

- Die Blüten sondern reichlich Honig ab; am 5. VII. 1933 besuchte<br />

ein Individuum einer kleinen Bombus -Art die Blüten auf dem<br />

Rahpesoaivi (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 40).<br />

Samenreife. Im J. 1931 waren die Früchte in der Mijrtilliis-Heide<br />

am NW-Hang am 29. VHI. teilweise reif, die meisten<br />

waren jedoch noch unreif und viele sogar ganz weiss. Die Laubblätter<br />

waren am 19. VHI. in der Cetraria nivalis-Heide rötlich<br />

gefärbt.<br />

Im J. 1933 wurden die ersten reifen Früchte in der Cetraria<br />

nivalis -Heide am S-Hang am 12. VIH. und am N-Hang am 14. VIH.<br />

beobachtet, desgleichen im Betala /jrt/jrt-Gebüsch am 18. VHI.<br />

In der Mijrtillus -Heide waren die Früchte am 23. VHI, am SE-<br />

Hang durchgehends reif und bis zum Anfang des September allge-


338 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

mein im ganzen Gebiet. Die Laubblätter waren in der Cetraria<br />

nivalis-Heide stellenweise am 11. VIII. schon ganz rot. - Die<br />

Samen kommen also in günstigen Jahren rechtzeitig vor Ende<br />

der Vegetationsperiode zur Reife, in den ungünstigsten Sommern<br />

dagegen scheint dies höchstens nur teilweise möglich; so waren<br />

die Früchte am 1. IX. 1929 im Gebiet ohne Ausnahme unreif.<br />

Im arktischen Norwegen hat NORMAN (1895- 1901, S. 417)<br />

am 28. VII. reife Früchte angetroffen. An den höchsten Standorten<br />

• tritt die Art auf den Fjelden stets steril auf. In guten Jahren reifen<br />

die Früchte nördlich des 71° N.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Früchte am Spross betrug<br />

im J. 1929 in einer Siedlung der Myrtilliis -Heide in Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel 1, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 4, 4, 4, 6, 6, 6, 6 und 7,<br />

durchschn. 4.o, in einer anderen 1, 1, 1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 4<br />

und 6, durchschn. 2.5 und in der Cladonia alpesiris-llekle 1, 1,<br />

1, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3 und 5, durchschn. 2.3 Stück. Die Zahl<br />

der Samen in der Frucht war im J. 1931 in der Myrtilliis-Heide<br />

(die unentwickelten und halbentwickelten zusammengerechnet<br />

in Klammern) 12 (+ 43), 15 (+ 51), 16 (+ 48), 17 (+ 36), 17 (+ 40),<br />

22 (+48), 22 (+ 49), 23 (+ 33), 24 (+ 48) und 26 (+ 29),<br />

durchschn. 19.4 (+ 42.5) Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 29. VIII. 1931 von der Mijrtillus-Heide eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nur zu 1 % im JAcoBSENschen<br />

Keimungsapparat, und zwar in der 7. Woche. Die Samen waren<br />

noch nach 18 Monaten teilweise lebend (hart).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Samenkeimlinge der<br />

Art sind im Gebiet sehr selten. Im ganzen habe ich nur zwei mit<br />

2 bzw. 3 Laubblättern versehene jüngere Keimlinge am 8. VIII. 1933<br />

auf einer Torfbülte an der Waldgrenze angetroffen. Überdies fand<br />

ich auf einer Probefläche der Mijrtilliis -Heide in Pummanki 2 ältere,<br />

etwa 3 Jahre alte Keimlinge (in dieser Assoziation wurden insgesamt<br />

13.5 m^ untersucht). Die Seltenheit der Keimlinge in der Mijriilhis-<br />

Heide ist auffallend, denn die Besamung dürfte in den günstigsten<br />

Jahren stellenweise recht ausgiebig sein, habe ich doch bis 65 fertile<br />

Sprosse auf einem Quadratmeter gezählt. Die Standortsverhältnisse


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 339G3<br />

sind jedocli in den Siedlungen für die Entstehung und das Fortkommen<br />

der Keimlinge höchst ungeeignet, weil der Boden regelmässig<br />

von einer Streuscliicht aus abgefallenen MijrUllus -Blättern<br />

bedeckt ist und überdies zu einer harten Kruste vertrocknet. Ausserdem<br />

ist die Samenreife in schlechten Sommern mehr oder minder<br />

unsicher.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder minder schwach. - SYLVÉN (1906, S. 127-<br />

128) hat an mehreren Stellen in Schweden Samenkeimlinge eingesammelt.<br />

Nach den Untersuchungen KUJALAS (1926 a, S. 27-28)<br />

hat die Art nur eine ziemlich geringe fruktifikative Vermehrung<br />

in der Wald vegetation Süd- und Mittelfinnlands. Er liat zwar<br />

an vielen Stellen Samenkeimlinge vorgefunden, gewöhnlich aber<br />

nur auf mehr oder minder nacktem Boden und stets gering an<br />

Zahl. Auf den Waldbrandflächen in Nordfinnland hat er (1926 b,<br />

S. 29-30) keine Keimlinge wahrgenommen. KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 40) fand keine Keimlinge auf seinen Probeflächen in den subalpinen<br />

Birkenwäldern, wohl dagegen an einer Feuerstelle im Staatsforst<br />

Korpikylä (Isthmus carelicus). SÖDERGÅRD (1935) hat im<br />

schnell verlandenden Küstengebiet des Bottnischen Meerbusens<br />

bei Vaasa recht reichlich Samenkeimlinge der Heidelbeere angetroffen.<br />

SARVAS (1937, S. 18) hat auf den Waldbrandflächen in<br />

Nordfinnland auf zwei Probeflächen (beides lOjälirige CT-Brandflächen)<br />

an stark verbrannten Stellen Samenkeimlinge festgestellt.<br />

Selbst beobaclitete ich ziemlicli zahlreich Keimlinge am Fusspfad<br />

auf der Uferterrasse eines Sees in Ruovesi (Tavastia australis).<br />

Die vegetative Vermehrung findet bekanntlich mit<br />

Hilfe des wandernden Rhizoms kräftig statt.<br />

Diapensiaceac<br />

Diapensia lapponica L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig, und zwar findet man sie in der Cetraria nivalis-<br />

Alecioria- und der xerophilen 7)n;as-Ileide (fq, st c]) - st pc), der


340 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Cetraria nivalis-lleiåe (stfq, st pc - pc), an sonnigen oder schattigen<br />

Felshängen (p, st cp - pc) und auf den Schneeböden (r, pc - pcc).<br />

P" e r t i Ii t ä t. Die Art blüht in der Cetraria nivalis - Alectoriaund<br />

der xerophilen Drijas-Heide ebenso wie an den Felsenstandorten<br />

gewöhnlich ziemlich reichlich; in der Cetraria nivalis -Heide kommt<br />

sie oft und auf den Schneeböden in der Regel steril vor.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art an sonnigen<br />

Standorten am 6. VII. allgemein im Ausblühen; an einem schattigen<br />

N-IIang war sie am 10. VII. in voller Blüte und an spät ausapernder<br />

Stelle am Fusse eines Steilhangs wurde noch am 27. VII. ein eben<br />

blühendes Individuum beobachtet. - Im J. 1933 war das Blühen<br />

an den S-Hängen und teilweise sogar an den N-Hängen schon<br />

am 4. VII. abgeschlossen, an den spätesten Standorten war es<br />

aber erst im vollen Gang oder im Beginnen und blühende Individuen<br />

kamen noch am 11. VII. vor (vgl. VALLE 1930 und 1933 a).<br />

S a m c n r c 1 f e. Die Samen waren in der Cetraria nivalis-<br />

Alectoria -Heide am 2. IX. 1931 reif und die Ausstreuung eben<br />

im Beginnen. Vom Ende der Blüte bis zur Samenstreuung vergingen<br />

etwa 58 Tage. - Die Samen kommen also an den typischen<br />

Standorten der Art wenigstens normal während der Vegetationsperiode<br />

zur Reife, an abweichend spät ausapernden Stellen dagegen<br />

scheint es jedenfalls in den ungünstigsten Jahren nicht möglich.<br />

Im Untersuchungsgebiet CLEVES (1901, S. 83) in Torne Lappmark<br />

wurde die Samenreife nicht noch vor Abschluss der Vegetationsperiode<br />

erreicht. In üstgrönland erzeugt die Art nach KKUUSE<br />

(1906, S. 251) reichlich reife Früchte in Angmagsalik. In Westgrönland<br />

ist die Fruchtbildung reichlich auf Disko nach PORSILD (1920 b,<br />

S. 136).<br />

Same n m enge. Die Blüten entwickeln sich nahezu regelmässig<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Samen in der Frucht<br />

betrug im J. 1931 in der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide (die<br />

unentwickelten wurden nicht gezählt, halbentwickelte waren nicht<br />

vorhanden) 39, 61, 68, 72, 77, 79, 90, 91, 96 und 115, durchschn.<br />

78.8 Stück.<br />

K e i m ung der Sa m en im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 2. IX. 1931 von der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide eingesammelten<br />

vollcntwickeltcn Samen kamen im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat überhaupt nicht zur Keimung; sie waren noch


Annales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1-1. N:o 1. 341<br />

nach 18 Monaten teilweise lebend (hart). Ebenso keimten die am<br />

6. IX. 1933 von der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen im gleichen Herbst und auch im folgenden Frühling<br />

bis zum 31. V. nicht. - Auch sonst hat man meines Wissens<br />

nirgends, weder in Laboratoriums- noch in Freilandversuchen die<br />

Art zur Keimung bringen können.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 14. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge in der Cetraria nivalis - Alecioria-Heide, am 16. VII.<br />

1931 in der Salix herbacea -Schneebodenvegetation), vielleicht<br />

aber auch etwas später. - Nach den Beobachtungen SYLVÉNS (1906,<br />

S. 116) erfolgt die Keimung im Frühling (Juni - Juli).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art im Gebiet allgemein und gelegentlich sogar reichlich<br />

vor. Der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

in der Cetraria nivalis - Alectoria- und der xerophilen Drijas-<br />

Heide ebenso wie an den Felshängen von 1 bis 10 (die Blüte als<br />

Einheit). An den erstgenannten, äusserst trocknen Standorten<br />

wachsen die Keimlinge oft direkt auf dem groben Kies, weil der<br />

starke Wind alle feineren Bestandteile des Bodens abgetragen hat. In<br />

den verschiedenen Jahren scheint die Keimlingszahl nicht viel zu<br />

variieren. Auch in in den Erosionsfleckchen der Cetraria nivalis-<br />

Heide habe ich auf nacktem Boden Keimlinge angetroffen, nie<br />

dagegen in der unberührten Vegetationsdecke, wo die Samenverjüngung<br />

auch bei den übrigen Arten äusserst spärlich ist. - Auf<br />

den Schneeböden begegnet man verhältnismässig oft Keimlingen,<br />

die offenbar aus vom Wind oder dem Schmelzwasser hergetriebenen<br />

Samen entstanden sind. So fand ich in einer Siedlung der Salix<br />

herbacea -Schneebodenvegetation, wo die dichte Bodenschicht von<br />

Pohjtrichum alpiniim und Lebermoosen zusammengesetzt war,<br />

einen jüngeren und 6 ältere Keimlinge auf 2x0.25 m^; keine ausgewachsenen<br />

Individuen waren an der Stelle vorhanden. Einige<br />

von diesen Keimlingen können sich gelegentlich zu kümmerliclien,<br />

ihr Leben lang steril bleibenden Individuen weiterentwickeln und<br />

zeugen so für die Ausbreitungsintensität der Art.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind günstig. - SYLYÉN (I.E.) hat in Torne Lapp-


342 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

mark Samenkeimlinge der Art eingesammelt. Nach KRUUSE (1906,<br />

S. 251) sind Keimlinge ebenso wie junge Individuen häufig in Angmagsalik<br />

in Ostgrönland.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird erst nach vielen Jahren<br />

erreicht (vgl. SYLVÉN 1906, S. 117). Verschiedenaltrige Jugendstadien<br />

kommen allgemein vor.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Individuen der Art<br />

bilden gewöhnlich kleine, dichte Rasen, diese werden aber nur<br />

durch die Hauptwurzel befestigt und ernährt, und eine jegliche<br />

vegetative Vermehrung ist gänzlich ausgeschlossen (vgl. WARMING<br />

1886 b, S. 35).<br />

Prinmlaceae<br />

Trientalis europaea L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; sie kommt vor im Betula nana -Gebüsch (fq, st cp - sp),<br />

in den Haingebüschen und den kräuterreichen Moorgebüschen<br />

(st fq, st cp - st pc), den Seggengebüschen (p, sp - st pc), den Heidewiesen<br />

(st fq, st cp - st pc), den Krautwiesen (p, st cp - st pc),<br />

in der Mijrtilliis-Heide (p, st cp - st pc), an den Ufern der Fjeldbäclie<br />

und -weiher (st r, sp - st pc) sowie auf relativ früh ausapernden<br />

Schneeböden (r, st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüiit an sämtlichen Standorten allgemein,<br />

und zwar im Betala nana -Gebüsch ebenso wie auf den<br />

Heide- und Krautwiesen oft zerstreut oder ziemlich spärlich, an<br />

den übrigen Standorten mehr oder minder spärlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen im Gebiet am 10. VII.<br />

allgemein im vollen Gang und am 23. VH. abgeschlossen. An schattigen<br />

Standorten' blühte die Art jedoch erst bedeutend später:<br />

in der Alchemilla glomerulans -Wiese am N-Hang wurde sie am<br />

17. VH. im Aufblühen beobachtet und in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

am Fusse des NE-Steilhangs des Kuivatunturi am 3. VIH.<br />

in voller Blüte. - In der subalpinen Region befand sich die Art<br />

an offenen Standorten am 6. VH. in voller Blüte, in schattigen<br />

Birkenwäldern aber noch am 16. VH. Bei der Geologenhütte am<br />

Pilgujaur in der Nähe der Waldgrenze war das Blühen am 14. VH.<br />

im vollen Gang und am 23. VH. abgeschlossen.


Annales Botanici Societatis Vanamo. Tom, 14. N:o 1. 343<br />

Im J. 1933 befand sich die Art im Gebiet am 4. -6. VII. ziemlich<br />

allgemein in voller Blüte und am 17. VII. im Ausblühen. An<br />

den am spätesten ausapernden Standorten war sie aber am 5. VII.<br />

noch nicht aufgeblüht und stand am 19. VII. erst in voller Blüteam<br />

Ufer eines Teiches sogar erst am 24. VII. - In den subalpinen<br />

Birkenwäldern war das Blühen an sonnigen Stellen am 6. VII.<br />

im vollen Gang, an beschatteten Hängen dagegen erst am 19. VII.;<br />

bei der Geologenhütte am Pilgujaur war es am 4. VII. im Beginnen<br />

und am 19. VII. in grossen Zügen abgeschlossen. - Auf den Raututunturit<br />

(Lapponia inarensis) wurde die Art in einer schattigen<br />

Felsenschlucht am 5. VIII. im Ausblühen wahrgenommen (vgl.<br />

VALLE 1930 und 1933 a; KONTUNIEMI 1932, S. 33).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 waren die Früchte in der Geranium<br />

silvaticum - Trolliiis-Wiese, am 19. VIII. reif, in der Deschampsia<br />

flexuosa - Anilioxantlnim -Heidewiese dagegen noch nicht<br />

am 24. VIII. - Im J. 1933 hatten sich die Früchte in der Geranium<br />

silvaücum - Trollius-Wiese am 8. VIII. schon weit entwickelt,<br />

und am 23. VIII. waren die Laubblätter bei vielen Individuen<br />

schon ganz vertrocknet. Am 6. IX. waren viele Früchte an der<br />

Stelle aufgesprungen, die Samen waren aber noch nicht ausgestreut,<br />

desgleichen auch nicht im Betula nana-Gebüsch am 1. IX. - Bei<br />

der Geologenhütte am Pilgujaur im obersten Teil der subalpinen<br />

Region waren die ersten Früchte am 10. VIII. aufgesprungen, also<br />

etwa 37 Tage nach dem Beginn der Blüte.<br />

S a m e n m e n g e. Wenngleich die Früchte wenigstens in<br />

günstigen Sommern im Gebiet allgemein zur Reife kommen, bleibt<br />

der Samenertrag an den meisten Standorten doch sehr gering,<br />

denn die Blüten verkümmern regelmässig grösstenteils, ohne sich<br />

zu Früchten weiterzuentwickeln. Überdies können auch die Samen<br />

unvollständig ausgebildet sein. Im J. 1931 erzeugte die Art an<br />

meiner Beobachtungsstelle in der Geranium silvaücum - Trollius-<br />

Wiese kaum einen einzigen fortpflanzungsfähigen Samen, und<br />

auch im Sommer 1933 kamen solche nur in wenigen Früchten<br />

zustande; gleicherweise schwach war die Entwicklung auch an den<br />

übrigen Standorten. - Die Zahl der Blüten am Spross beträgt gewöhnlich<br />

1, seltener 2.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden.<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 23


314 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Keimlingsverliältnisse. Die Samenkeimlinge der<br />

Art sind im Gebiet sehr selten, wie schon aus den Beobachtungen<br />

über die Samenproduktion zu verstehen ist. Im ganzen habe ich<br />

nur zwei jüngere Keimlinge angetroffen, und zwar am 17. VII. 1933<br />

im untersten Teil der alpinen Region am Rande eines Gebüsches<br />

an braunmoorartiger Stelle, wo die Moosschicht von Paliidella<br />

squarrosa gebildet war. Die Keimlinge waren 15 mm hoch und<br />

hatten 3 bzw. 4 Laubblätter von hellerer Färbung als bei den vegetativ<br />

entstandenen Individuen; die Samen sassen fest am Stammende.<br />

An den übrigen Standorten habe ich keine Keimlinge<br />

wahrgenommen, obgleich die Art oft reichlich auf den Probeflächen<br />

aufgetreten ist.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind gering. - SYLYÉN (1906, S. 122) erwähnt in Schweden<br />

einen jüngeren Keimling gefunden zu haben. Nach den Untersuchungen<br />

KUJALAS (192G a, S. 100-101) ist auch die Samenverjüngung<br />

in den Wäldern Süd- und Mittelfinnlands von Bedeutung<br />

für die Art, wenngleich die Keimlinge ziemlich selten waren<br />

und an solchen Stellen vorkamen, wo die Moosdecke fehlte oder<br />

dünn war und günstige Feuchtigkeitsverhältnisse herrschten. KON-<br />

TUNIEMI (1932, S. 34) hat in den subalpinen Birkenwäldern und<br />

aucli an den Steilfelsen in Pummanki auf der Fischenhalbinsel<br />

keine Keimlinge ])ei der Art angetroffen, obgleicli er eigens nach<br />

ihnen gesucht hat.<br />

Die vegetative Vermehrung findet mit Hilfe des<br />

wandernden Rhizoms effektiv statt (vgl. z.B. BEUNDIN 1898, S. 98;<br />

KUJALA 1926 a, S. 99-101; METSÄ VAINIO 1931, S. 285-288).<br />

Gentianaceae<br />

Menyanthes trifoliata L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor; man findet sie in den Graskrautmooren (st fq,<br />

st cp - sp), desgleichen an den Ufern der Weiher und Pfützen im<br />

Wasser (st fq, st cp - sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht in den Zwergstrauchmooren<br />

mehr oder minder spärlich oder kommt ganz steril vor; an den


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 345G3<br />

Ufern der Weiher und Pfützen blüht sie gewöhnlich ziemlich spärlich,<br />

gelegentlich aber sogar zerstreut.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Das Blühen war im J. 1933 an den Ufern und<br />

ebenso in den Zwergstrauchmooren am 8. - 9. VII. ziemlich allgemein<br />

im Beginnen. An einem Teichufer am SE-Hang ging es am 24. VII.<br />

seinem Ende entgegen und war am 8. VIII. im Ausklingen, in<br />

einem anderen Weiher wiederum erst am 20. VIII. - Am Ufer des<br />

Pilgujaur an der oberen Grenze der subalpinen Region befand sich<br />

die Art am 15. VII. in voller Blüte.<br />

Samenreife. Die Samen waren am 5. IX. 1933 reif am<br />

Teichufer am SE-Hang; an den spätesten Standorten kamen sie<br />

dagegen offenbar nicht vor Abschluss der Vegetationsperiode zur<br />

Reife. In den ungünstigsten Jahren dürften die Samen im Gebiet<br />

kaum volle Reife erreichen können.<br />

Im arktischen Norwegen bildet die Art nach NORMAN (1895-<br />

1901, S. 446) an vielen Stellen keine reifen Früchte In Südgrönland<br />

hat ROSENVINGE (1896 b, S. 242) nicht reife Früchte angetroffen,<br />

obgleich die Art allgemein fertil auftrat. In Westgrönland (64° N)<br />

hat PoRsn.D (1935, S. 73) am 20. VIII. 1921 völlig reife Samen und<br />

vertrocknete Blüten wahrgenommen (vgl. auch PORSILD 1920 b,<br />

S. 139).<br />

Samenmenge. Die Samenproduktion der Art scheint sehr<br />

niedrig zu bleiben. Im J. 1933 verkümmerten die Blüten grösstenteils,<br />

an bestimmten Standorten sogar alle, ohne sich weiterzuentwickeln.<br />

Am Teichufer am SE-Hang hatten sich an 10 Blütenständen<br />

im ganzen nur 5 Früchte entwickelt. Die Anzahl der Samen<br />

in der Frucht war durchschn. 1.8 (1 - 3) und pro Blütenstand also 0.».<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art nicht angetroffen. Die Voraussetzungen der Art zur<br />

generativen Vermehrung im Gebiet sind ja auch aller Wahrscheinlichkeit<br />

nach sehr gering. - SYLVÉN (1906, S. 120) hat in Schweden<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt. PANTSAK (1932, S. 102)<br />

fand keine Keimlinge am Äyräpäänjärvi-See (Isthmus carelicus).<br />

Die vegetative Vermehrung findet mit Hilfe des<br />

kräftigen, wandernden Rhizoms effektiv statt (vgl. ROSENVINGE<br />

1896 b, S. 242; BRUNDIN 1898, S. 69-70; METSÄ VAINIO 1931,<br />

S. 291 -297). iRMiscii (1861, S. 124) fand auf Nebenwurzeln, die<br />

zufällig von der Achse losgetrennt waren und im moorigen Boden


316 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

lagen, gar nicht selten Adventivsprosse, oft einige beisammen.<br />

Selbst habe ich in den Fjeldweihern herumschwimmende, wurzelschlagende<br />

Sprossfragmente wahrgenommen.<br />

Scrophulariaceae<br />

Veronica alpina L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

zienilich häufig; sie bewohnt frischgründige Wiesen besonders am<br />

Rande der Schneeböden (fq, st cp - st pc), feuchte Schneeböden und<br />

schneebodenartige N-Felshänge (st fq, sp - st pc), ferner begegnet<br />

man ihr in der Deschampsia flexiiosa - Anthoxanthiim -Heidewiese<br />

(p, sp - st pc), in der Carex rigida - C. Lachenalii -Heidewiese -<br />

besonders in artenreichen Siedlungen an den Baclmfern - (st r,<br />

sp - st pc) und in den Krautgebüschen (st r, st pc).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 am N-Felshang<br />

durchschn. 6.5 (3 - 9) cm (vgl. NORMAN 1895 - 1901, S. 453; ICßUUSE<br />

1906, S. 248).<br />

Fertilität. Die Art blüht regelmässig an allen Standorten,<br />

und zwar auf den Wiesen und an weniger spät ausapernden<br />

Schneebüden und N-Felshängen gewöhnlich ziemlich reichlich oder<br />

zerstreut, in den spätesten Siedlungen dagegen spärlich.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Die Blütezeit variiert je nach dem Zeitpunkt der<br />

Ausaperung beträchtlich. Im J. 1931 befand sich die Art in der<br />

Ranunculus acer-Wiese am 11. VII. allgemein im Aufblühen und<br />

in der artenreichen Carex rigida - C. Lachenalii -Wiese am 25. VH.<br />

im Ausblühen. Auf spät ausapernden Schneeböden war das Blühen<br />

aber am 13. VIH. erst teilweise im Beginnen, teilweise im vollen<br />

Gang.<br />

Im J. 1931 war die Art an den am frühesten ausapernden Wiesenstandorten<br />

am 8. VII. im Aufblühen und am 19. VII. im Ausblühen.<br />

In der Ranunculus acer -Wiese wurden die ersten Blüten<br />

am 12. VII. beobachtet, allgemein befand sich die Art aber erst<br />

am 19. VII. im Aufblühen. In den am frühesten ausapernden<br />

Schneebodensiedlungen war das Blühen am 22. VII. im Beginnen<br />

und am 12. VIII. im Ausklingen, an den spätesten Standorten<br />

wurde die Floration aber bis zum Ende des August fortgesetzt und


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 347G3<br />

in einer extremen Siedlung der artenreichen Oxijria digyna -Schneebodenvegetation<br />

hatte sie selbst am 2. IX. noch nicht begonnen.<br />

Samenreife. ImJ. 1931 hatte die Samenstreuung in der<br />

lianunculiis acer -Wiese am 19. VIII. sclion begonnen; in der<br />

Deschampsia flexuosa - Anihoxanthiun -Heidewiese war sie am<br />

24. VIII. im Beginnen und am W-Felshang am 30. VIII. abgeschlossen.<br />

- Im J. 1933 befanden sich die ersten (untersten) Früclite<br />

auf den Wiesenstandorten am 8. VIII. eben im Aufspringen. Auf<br />

den am frühesten ausapernden Schnceböden waren die Samen<br />

am 2. IX. reif, in den spätesten Siedlungen wurde die Samenreife<br />

dagegen nicht während der Vegetationsperiode erreicht, wie es<br />

offenbar wenigstens sehr oft der Fall ist und auch RESVOLL (1917,<br />

5. 209) in Norwegen festgestellt hat (vgl. auch CLEVE 1901, S. 40).<br />

In Ostgrönland hat HARTZ (1895 a, S. 179) auf Danmarks 0<br />

im September 1891 reife aufgesprungene Früchte angetroffen, und<br />

KRUUSE (1906, S. 248) fand reichlich reife Früchte in Angmagsalik.<br />

In Westgrönland setzt die Art (var. imalaschkensis) nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 140) gewöhnlich reichlich Früchte. Nach MATIIIESEN<br />

(1921, S. 380) bildet die Art in Grönland reichlich Früchte und<br />

bringt ihre Samen normal zur Reife.<br />

Same n menge. Die Anzahl der Früchte pro Spross betrug<br />

im J. 1931 in der Rammciiliis acer -Wiese (die verkümmerten<br />

Blüten in Klammern) 3, 3(4-3), 4(+ 1), 5, 5 (+ 1), 5 (+2), 6,<br />

6, 6, 6. 7, 7 (+ 1), 7 (+ 2), 8, 8 (+ 1), 10, 10 (+ 2), 11, 12 und 14,<br />

durchschn. 7.2 (+ O.7) und in der Deschampsia flexuosa - Anthoxanihum<br />

-Heidewiese 1 (+ 1), 1 (+ 1), 1 (+ 1), 1 (+ 1), 1 (+ 3),<br />

2 (+ 1), 2 (+ 2), 3, 3 (+ 1), 3 (4- 1), 3 (+ 1), 3 (+ 2), 4, 4 und 4,<br />

durchschn. 2A (+ l.o) Stück. Die Zahl der Samen in der Frucht<br />

war in der Ranunculus acer -Wiese (die halbentwickelten in Klammern,<br />

unentwickelte waren nicht vorhanden) C, 10, 19, 22 (+ 2),<br />

26 (+ 2), 27 (+ 1), 33, 35 (+ 1), 45 (+ 2) und 46 (+ 2), durchschn.<br />

26.9 (4- 1.0) und in der Deschampsia flexuosa - Anthoxanthum-<br />

Heidewiese 5, 17 (4- D. 23 (4- 1), 26, 27 (4- 1) und 28 (4- 3),<br />

durchschn. 21.o (4- l.o) Stück. Uio Anzahl der vollentwickelten Samen<br />

pro Spross betrug also in der Ranunculus acer-Wiese 193.7 und in<br />

der Deschampsia flexuosa - Anthoxanthum-Heiåe^iese 50.4 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 19. VIII. 1931 von der Ranunculus acer-Wiese und am


348 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

24. VIII. 1931 von der Deschampsia flexiiosa - Anlhoxanthiim -Heidewiese<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 79 bzw. 85 % und die ersteren ohne Frostbehandlung<br />

zu 98 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

setzte am 7. (ohne Frostbehandlung am 5.) Tage ein und dauerte<br />

bei den ersteren 11 (ohne Frostbehandlung 10), bei den letzteren<br />

18 Monate; die meisten Samen keimten in der 2. Woche. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 18 Monaten hauptsächlich lebend.<br />

Die am 8. VIII. 1933 von der Ranunculus acer-Wiese eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde<br />

ausgesäten Samen kamen im gleichen Herbst bis zum 8. XI. nicht<br />

zur Keimung, im folgenden Frühling keimten aber 85 % bis zum<br />

14. V. Die Keimung erfolgte gleichzeitig.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode (am 7. VII. 1933 jüngere Keimlinge<br />

in der artenreichen Carex rigida - C. Laclienalii -Wiese), gelegentlich<br />

aber wahrscheinlich etwas verspätet statt. - Nach SYLVÉN (1906,<br />

S. 80) erfolgt die Keimung im »Frühling» (Vorsommer); auch in<br />

Kultur keimte die Art im Frühling.<br />

K e i m l i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art an mehreren Beobachtungsstellen vorgefunden, in der<br />

Regel aber nur in ziemlich geringer Zahl. Der Keimlingsquotient<br />

variierte an den Schneeboden- und Felsenstandorten gewöhnlich<br />

von 0.6 bis 1; in den am spätesten ausapernden Siedlungen, in denen<br />

die Samenreife mehr oder minder unsicher ist, kamen mitunter<br />

keine Keimlinge vor. Auf einer wassererodierten Wiese am Boden<br />

einer Senke, wo der nackte Mineralboden reichlich zutage trat, betrug<br />

der Keimlingsquotient 3. Auch in der unberührten Wiesenvegetation<br />

habe ich auf einigen Probeflächen Keimlinge angetroffen: in der<br />

Trollius - Polygonum viviparum - \Niese wurden auf 3 x O.i m^ insgesamt<br />

3 jüngere (nur ein fertiler Spross insgesamt auf 3 m^), in der<br />

Deschampsia flexuosa - A ntlioxanlhum-lleidcwicsc auf 2 x O.i m^<br />

3 ältere (5 fertile Sprosse auf 2 m^) und in der artenreichen Carex<br />

rigida - C. Lachenalii -Wiese auf 2 X O.i m^ 3 jüngere Keimlinge<br />

festgestellt; in der Ranunculus acer -Wiese waren die Keimlinge<br />

ziemlich reichlich vertreten.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind im allgemeinen günstig. - LINDMAN (1887, S. 101) hat


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 349G3<br />

auf dem Dovre und SYLVÉN (I.E.) in Torne Lappmark Samenkeimlinge<br />

der Art eingesammelt.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch SYLVÉN (I.E.) und RESVOLL (1917, S. 209) festgestellt<br />

haben. Nach der letztgenannten Forscherin blühte die Art in<br />

Kultur spärlich im 3. Sommer.<br />

Vegetative Vermehrung. Die melirjährigen basalen<br />

Teile der Sprosse kriechen längs dem Boden und treiben Wurzeln,<br />

wodurch eine vegetative Wanderung in ziemlich bescheidenem<br />

Masse zustandekommt (vgl. WAEMING 1889, S. 204 und RESVOLL<br />

I.e.).<br />

Melampijriim pratense L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar findet man sie hauptsächlich in den Zwergstrauchmooren<br />

(st r, st cp - sp) und im Betula nana -Gebüsch (r, st cp - sp)<br />

im untersten Teil der alpinen Region.<br />

Fundorte. Zwischen dem Pilguoaivi und dem Rahpesoaivi<br />

im Beiula nana -Gebüsch am Bachufer; Kiergipori, an zwei Stellen<br />

im Zwergstrauchmoor; Raijoaivinjunne, im Zwergstrauchmoor an<br />

der Baumgrenze; am Südende des Saarijärvi im Betula nana -Gebüsch;<br />

(am NW-Ufer des Pilgujaur im Zwergstrauchmoor gleich unterhalb<br />

der Baumgrenze).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel reichlich, nur wenige<br />

Individuen bleiben steril.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 war das Blühen im Gebiet am 10. - 12.<br />

VII. allgemein im vollen Gang, teilweise aber erst im Beginnen, und<br />

am 20. VII. im Ausklingen. - In den subalpinen Birkenwäldern<br />

befand sich die Art am 4. VII. an den frühesten Stellen schon in<br />

voller Blüte, im allgemeinen aber erst im Aufblühen und am 11. VII.<br />

in voller Blüte. - Im J. 1931 war das Blühen in einer Zwergstrauchmoorsiedlung<br />

am 25. VII. nocii beinahe im vollen Gang. - In den<br />

subalpinen Birkenwäldern wurde die Art am IG. - 18. VII. allgemein<br />

in voller Blüte wahrgenommen (vgl. KONTUNIEMI 1932,<br />

S. 27-28).<br />

Samenreife. Die Ausstreuung der Samen hatte im Gebiet<br />

am 6. IX. 1933 stattgefunden, und die Pflanze war bereits ganz


350 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

vertrocknet. Die Samenreife wird also reclitzeitig vor Abschluss<br />

der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Keimung der Samen im Keimungsversuch.<br />

Die am 6. IX. 1933 im etwas anmoorigen Beiiila nana-Gebüsch<br />

aus der Moosdecke herausgesuchten, am 27. IX. 1933 im Freien<br />

im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten Samen (83 Stück) keimten<br />

im gleichen Herbst und auch im folgenden Frühjahr bis zum 31. V.<br />

nicht, nicht einmal die Keimwurzel brach hervor.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur wird bekanntlich<br />

schon im Herbst vor der Überwinterung durch das Hervorbrechen<br />

der Keimwurzel eingeleitet (vgl. z.B. BEUISDIN 1898,<br />

S. 11-12); die Keimblätter dagegen folgen erst im Frühling nach.<br />

Die Keimung scheint ziemlich spät zu erfolgen, denn am 6. IX. 1933<br />

war die Keimwurzel im Betula nana -Gebüsch nur bei zweien von den<br />

85 Samen, die ich aus der Moosdecke heraussuchte, hervorgebrochen.<br />

Vielleicht liegt es auch nicht ganz ausser Zweifel, dass die Samen<br />

sämtlich schon im Jahr der Samenreife zur Keimung kämen, denn bei<br />

Melampijnim crisiatum ist ja nach SYLVÉN (1906, S. 39) festgestellt<br />

worden, dass die Keimfähigkeit selbst länger als ein Jahr erhalten<br />

bleibt.<br />

Vermehrungsverhältnisse. Die Art gehört bekanntlich<br />

zu den einjährigen Pflanzen und verfügt über keine anderen<br />

Vermehrungsmittel als die Samen.<br />

Melampyrum silvaticiim L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle gleich oberhalb der Waldgrenze<br />

angetroffen worden, und zwar in einer Cornus suecica -reichen<br />

Wiesensiedlung am NE-Hang des Jönkiergioaivi (Onkitunturit).<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich an der Beobachtungsstelle<br />

am 17. VIII. 1933 im Ausblühen. - In den subalpinen Birkenwäldern<br />

war das Blühen am 4. VII. allgemein im Beginnen und<br />

am 11. VII. im vollen Gang, einzelne Blüten kamen aber noch am<br />

26. VII. vor (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 28).<br />

Samenreife. Die ersten Samen waren am 17. VIII. 1933<br />

reif an der Beobachtungsstelle am Jönkiergioaivi, - In den sub-


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 351G3<br />

alpinen Birkenwäldern war die Samenstreuung am 11. VIII. im<br />

Beginnen.<br />

Vermehrungsverhältnisse. Als einjährige Pflanze<br />

vermehrt sich die Art ausschliesslich durch Samen.<br />

Euphrasia latifolia Pursh<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man begegnet ihr auf den Krautwiesen (fq, st cp- sp),<br />

in der Cetraria nivalis - Alecioria -Heide (st fq, sp), in den Krautgebüschen<br />

(st r, sp - st pc), in wiesenartigen Graskrautmooren<br />

(r, st pc) und an sonnigen Felshängen (r, st pc); in Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel findet man sie auch häufig in der Drijas-<br />

Heide.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 in der Geranium<br />

silvaiiciim - Trollius -Wiese durchschn. 7.o (3 - 16) cm und in<br />

der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide 2.3 (1-4) cm. In der letztgenannten<br />

Assoziation trugen die Individuen der Art neben den<br />

Keimblättern oft nur ein Laubblattpaar und eine bzw. zwei Früchte<br />

an der Spitze des Stengels (vgl. BERLIN 1884, S. 56; KRUUSE 1905,<br />

S. 176 und 1906, S. 250; POKSILD 1912, S. 382 und 1920 b, S. 142;<br />

VAAGE 1932, S. 48; GELTING 1934, S. 155).<br />

Fertilität. Alle Individuen der Art blühen fast ausnahmslos<br />

an sämtlichen Standorten.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen hatte im J. 1933 in sonnigen<br />

Wiesen am 12. VII. begonnen, am 19. VII. war es ungefähr im<br />

vollen Gang und am 8. VIII. im Ausklingen, einzelne Blüten wurden<br />

aber in der Geranium silvaticum - Trollius -Wiese noch am<br />

23. VIII. wahrgenommen. In der Trollius - Polygonum viviparum-<br />

Wiese war die Art am 30. VIII. völlig ausgeblüht. In der Cetraria<br />

nivalis - Alectoria-Hckle befand sie sich am 29. VII. im Ausblühen.<br />

- Im J. 1931 hatte die Art am 26. VII. in der Geranium silvaticum -<br />

Trollius-Wiese das Stadium der vollen Blüte noch nicht erreicht;<br />

in der Cetraria nivalis ~ Alectoria-Heide war sie am 15. VIII.<br />

teilweise ausgeblüht (am 14. VII. befand sich die Art in der Assoziation<br />

noch ganz im Keimlingsstadium).


352 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die ersten (untersten)<br />

Früchte am 8. VIII. auf den sonnigen Wiesen schon aufgesprungen;<br />

in der T rollins - Polygonum viuiparum -Wiese waren die ersten<br />

Samen reif am 30. VIII. In der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide<br />

hatte die Samenstreuung am 25. VIII. teilweise stattgefunden und<br />

auch die letzten Samen waren schon reif (die Pflanze war rot gefärbt).<br />

- Die Samen kommen also frühzeitig vor Abschluss der Vegetationsperiode<br />

zur Reife.<br />

In Ostgrönland erzeugt die Art reichlich Früchte (vgl. KRUUSE<br />

1905, S. 177 und 1906, S. 250; SGRENSEN 1933, S. 105; GELTING<br />

1934, S. 155), desgleichen in Westgrönland auf Disko nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 142).<br />

Keimung der Samen im Keimungsversuch.<br />

Die am 25. VIII. 1933 von der Cetraria nivalis - Alectoria-Heide<br />

eingesammelten, am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in<br />

Gartenerde ausgesäten Samen kamen im gleichen Herbst und<br />

auch im folgenden Frühjahr bis zum 31. V. überhaupt nicht zur<br />

Keimung. - Wahrscheinlich haben die Samen besondere Anforderungen<br />

in bezug auf die Keimunterlage oder irgendwelche andere<br />

äussere Faktoren.<br />

Vermehrungsverhältnisse. Die Art ist, wie bekannt,<br />

einjälirig und vermehrt sich lediglich aus Samen. Ihr ganzer Energievorrat<br />

ist also während der Vegetationsperiode auf die Erzielung<br />

einer möglichst schnellen und ausgiebigen Samenproduktion eingestellt,<br />

unter weitgehender Vernachlässigung des vegetativen<br />

Aufbaus. - In der Cetraria nivalis - Alectoria -Heide, wo ich das<br />

Auftreten der Art eingehender beobachten konnte, wachsen ihre<br />

Individuen oft zu mehreren besammen, gewöhnlich auf dem nackten,<br />

groben Kies. Diese winzigen, zarten Pflänzchen wirken in<br />

dieser unfruchtbaren, xerophilen Umgebung sehr fremd, und es<br />

erscheint geradezu rätselhaft, wie sie in solchen extremen Verhältnissen<br />

auskommen können. Das reichliche Vorkommen des entblössten<br />

Bodens bietet jedoch den Samen genug Möglichkeiten zur<br />

Keimung, und so erhält sich die Art am Standort von einem Jahr<br />

zum anderen.


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 353G3<br />

Bartschia alpina L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in den moosreiclien Siedlungen der Dryas-<br />

Heide (fqq, st cp - sp), in den Krautwiesen (st fq, st cp - st pc),<br />

den Krautgebüschen (st fq, sp - st pc), in den Graskrautmoorsiedlungen<br />

an den Bachufern (fq, st cp - st pc) und an mehr oder<br />

minder sonnigen Felshängen (st fq, sp - pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht an allen Standorten regelmässig<br />

und zwar gewöhnlich zerstreut, an den Felsenstandorten gelegentlich<br />

sogar reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen im Gebiet am 10. VII.<br />

allgemein im Beginnen, am 16. -19. VII. im vollen Gang und<br />

am 26. VII. abgeschlossen; an den N-Hängen konnte man noch<br />

am 16. VII. beginnendes Blühen beobachten. - In der subalpinen<br />

Region waren die ersten Individuen am Moorrand am 6. VII. in<br />

der Blüte.<br />

Im J. 1933 befand sich die Art in den Wiesen und den Bachufermooren<br />

am 4.-5. VII. ziemlich allgemein im Aufblühen, am<br />

8.-10. VII. in voller Blüte und am 18.-20. VII. im Ausblühen;<br />

an geschützten Stellen wurden aber Individuen in voller Blüte<br />

noch am 22. VII. wahrgenommen. An den am frühesten ausapernden<br />

Stellen auf den Felsen und den Dnjas-Heiden war die Art am<br />

4. VII. schon in voller Blüte und am 11. VII. im Ausblühen (vgl.<br />

VALLE 1930).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 hatte die Art am 24. VIII. im Gebiet<br />

allgemein reife Früchte auf den Wiesen und in den Bachufermooren.<br />

- Im J. 1933 waren die Früchte auf sonnigen Wiesen am 13. VIII.<br />

ausgebildet und am 20. VIII. befand sich die Samenstreuung im<br />

Beginnen. An schattigen Standorten hatten sich die Früchte am<br />

4. IX. noch nicht geöffnet, obzwar sie wohl schon reif waren. -<br />

Die Samen kommen also im Gebiet allgemein im Laufe der Vegetationsperiode<br />

zur Reife, ausser vielleicht in den ungünstigsten<br />

Jahren an den allerspätesten Standorten.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung der Samen vergingen<br />

im J. 1933 auf sonnigen Wiesen etwa 47 Tage. - In Grönland hat<br />

WARMING (1886 b, S. 10) im Sommer 1884 vielerorts Reste von<br />

reifen vorjährigen Früchten wahrgenommen. In Ostgrönland erzeugt


354 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

die Art nach KKUUSE (1905, S. 177), insofern man auf Grund des<br />

eingesammelten Materials schliessen kann, überall Früchte; in Angmagsalik<br />

hat er (1906, S. 249) reichlich reife Früchte angetroffen.<br />

In Westgrönland bildet die Art reichlich Früchte auf Disko (POESILI><br />

1920 b, S. 141). Nach MATHIESEN (1921, S. 413) ist die Fruchtbildung<br />

gut und reichlich überall in Grönland; als Untersuchungsmaterial<br />

dienten Herbariumbelege und Alkoholmaterial.<br />

Samenmenge. Die Blüten entwickeln sich ziemlich regelmässig<br />

zu Früchten weiter, die Samen sind aber oft entweder zum<br />

Teil oder gar alle durch Larven parasitierender Insekten zerstört.<br />

Die Anzahl der Früchte am Spross betrug im J. 1931 in einer kräuterreichen<br />

Siedlung der üryas- Heide (die verkümmerten Blüten in<br />

Klammern) 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 4, 6, 6, 6, 7, 8, 8, 9, 10,10,10,10<br />

und 11, durchschn. 6.i und in einer Carex vaginata-reichen Siedlung<br />

derselben Assoziation 2, 2, 2, 4, 4, 4 (+ 2), 5, 5, 6, 6, 7, 8, 8, 8, 9<br />

(+ 1), 10, 10, 10, 11 (+ 1) und 12 (+3), durchschn. 6.7 (+O.4)<br />

Stück. Die Zahl der Samen in der Frucht war an der erstgenannten<br />

Stelle (alle Samen vollentwickelt; P = von Parasiten besuchte<br />

Frucht) 0 (P), 0 (P), 18, 22 (P), 28 (P), 34, 34, 40, 43, 46, 50, 53, 54,<br />

58 und 75, durchschn. 37.0 und in der letztgenannten Siedlung 0 (P),<br />

0 (P), 0 (P), 6 (P), 26 (P), 27 (P), 29 (P), 39 (P), 40 (P), 41 (P), 50, 56,<br />

60, 65 und 69, durchschn. 33.9 Stück. Die Anzahl der vollentwickelten<br />

Samen pro Spross betrug also in der kräuterreichen<br />

Dryas-Heide 225.7 und in der Carex vaginata -reichen Dr//as-Heide<br />

227.1 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 30. VIII. 1931 von der kräuterreichen Dryas-Heide eingesammelten<br />

Samen keimten nach Frostbehandlung zu 3 % und<br />

ohne Frostbehandlung zu 6 %, die am 23. VIII. 1931 von der Carex<br />

vaginata -reichen Dryas-Heide eingesammelten wiederum überhaupt<br />

nicht im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung<br />

setzte am 6. Tage (nach Frostbehandlung in der 2. Woche) ein<br />

und schloss in der 2. (ohne Frostbehandlung in der 3.) Woche ab.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren nach 18 Monaten grösstenteils<br />

tot (weich).<br />

Die am 4. IX. 1933 von der Dryas-Heide eingesammelten, am<br />

27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen kamen im gleichen Herbst und auch im folgenden Frühjahr


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 355G3<br />

bis zum 31. V. gar nicht zur Keimung. - Die Samen der Art haben<br />

offenbar spezielle Anforderungen in bezug auf ihre Keimung. - Nach<br />

den Versuchen LÜDIS (1932, S. XLVIII) hat die Art sich als Frostkeimer<br />

erwiesen.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 15. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in einem Graskrautmoor). - Nach SYLVÉN (1906, S. 8G)<br />

scheint die Keimung im »Frühling» (Vorsommer) zu erfolgen.<br />

Keimlingsverhältnisse. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art an ihren verschiedenen Standorten im Gebiet ziemlich<br />

allgemein vor. Am zahlreichsten treten sie in weichgründigen Bachufermooren<br />

auf, in denen die Feuchtigkeitsverhältnisse günstig<br />

und die Moosdecke mehr oder minder lückenhaft ist, wodurch die<br />

Samen leicht zur Keimung kommen. Der Keimlingsquotient variiert<br />

an solchen Stellen von 1 bis 10, an den Felshängen wiederum von<br />

0.1 bis 1. In der Wiesenvegetation sind die Keimlinge der Regel<br />

nach ebenfalls vertreten; der Keimlingsquotient betrug in einer<br />

Astragalus frigidus -reichen Bachuferwiese 3. Selbst die üppige<br />

Moosschicht der Drijas-Hcide bereitet den Keimlingen keine unüberwindlichen<br />

Schwierigkeiten, obgleich sie in dieser Assoziation doch<br />

am liebsten kleine Vertiefungen mit einer dünneren Moosdecke<br />

aufsuchen; auf 4x0.i m^ wurden insgesamt 6 jüngere und 1 älterer<br />

Keimling gefunden (7 - 20, durchschn. 14 fertile Sprosse auf 1 m-).<br />

In Pummanki auf der Fischerhalbinsel zählte ich im Sommer 1929<br />

auf 8x0.1 m2 der Dri/as-Heide insgesamt 6 jüngere Keimlinge,<br />

im Sommer 1931 wiederum an den Stellen der damals herausgegrabenen<br />

Torfstücke 10 Keimlinge. In einem kräuterreichen Moorgebüsch,<br />

wo Aiilacoiimiiim paliislre in der Bodenschicht dominierte,<br />

kamen 2 ältere Keimlinge insgesamt auf 5 X O.i m^ vor (0-12,<br />

durchschn. 4.5 fertile Sprosse auf 1 m^).<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig. - LINDMAN (1887, S. 100) hat auf dem Dovre<br />

Samenkeimlinge bei der Art eingesammelt.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. Im ersten Sommer entwickeln die Keimlinge allgemein<br />

nur ein Laubblattpaar. - In den Alpen blüht die Art nach SOUEÖTEU<br />

(1923-26, II, S. 608) im 4. oder 5. Jahr.


356 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert bekanntlich<br />

mit Hilfe des kriechenden Rhizoms am Standort weiter.<br />

Pedicular is sceptriim-carolinum L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar findet man sie im unteren Teil der<br />

alpinen Region in den Graskrautmooren (p, sp - st cp), den Krautgebüschen<br />

(st r, sp - st pc), an den Bachufern (p, sp) und am<br />

Rande der Schneeböden (r, pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich mehr oder minder<br />

reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art in den Graskrautmooren<br />

am 23. VH. im Aufblühen und am 27. VH. in voller<br />

Blüte. In Pummanki auf der Fischerhalbinsel war sie am 2. VIII.<br />

ausgeblüht. - Im J. 1933 war das Blühen in den Graskrautmooren<br />

am 19. VII. ziemlich allgemein im Beginnen und am 25. VII. im<br />

vollen Gang, an schattigen Stellen hatte es aber am 29. VII. noch<br />

nicht begonnen. Am sonnigen Bachufer beendeten die ersten Individuen<br />

ihr Blühen schon am 22. VII., und ganz allgemein war die<br />

Floration im Gebiet am 13. VHI. abgeschlossen, wenige verspätete<br />

Individuen ausgenommen; am Rande einer Schneebodensiedlung<br />

wurde die Art jedoch noch am 27. VIII. in der Blüte beobachtet.<br />

S a men reife. Die Früchte waren im J. 1933 in den Graskrautmooren<br />

am 27. VIII. allgemein ausgebildet und am 4. IX.<br />

waren sie teilweise aufgesprungen; vom Blütebeginn bis zur Ausstreuung<br />

der Samen vergingen etwa 47 Tage. - Wenigstens in günstigen<br />

Jahren wird die Samenreife also rechtzeitig im Laufe der Vegetationsperiode<br />

erreicht. Ein beträchtlicher Teil der Fruchtanlagen<br />

verkümmert aber früher oder später, an vielen Standorten werden<br />

nur wenige zu ausgebildeten Früchten entwickelt.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 17. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in den Graskrautmooren).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä It n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den Standorten der Art im Gebiet allgemein und ziemlich oft<br />

sogar reichlich vor; der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen<br />

von 0.1 bis 10. Die Keimlinge wachsen der Regel


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 357G3<br />

nach in der unmittelbaren Nähe der Mutterpflanzen; so fand ich<br />

am Fusse eines im vorhergelienden Sommer geblühten Individuums<br />

in einer ziemlich trocknen wiesenartigen Braunmoorsiedlung, wo<br />

die Bodenschicht von Pahidella sqiiarrosa gebildet war, 30 jüngere<br />

Keimlinge. Oft sucht man aber umsonst nach Keimlingen auch<br />

im Umkreis solcher Individuen, die im vorigen Jahr geblüht haben,<br />

obgleich überdies noch die Keimungsbedingungen am Standort<br />

ohne Zweifel günstig sind. Die Ursache zum Fehlen der Keimlinge<br />

liegt in solchen Fällen offenbar in erster Hand darin, dass<br />

die Fruchtanlagen bei der Art - wie schon oben erwähnt - so oft<br />

verkümmern, wodurch die Samenbildung mehr oder minder vollständig<br />

ausbleiben kann. In den schlechtesten Jahren ist die Vegetationsperiode<br />

auch möglicherweise so kurz, dass die Samenreife<br />

nicht allgemein erreicht werden kann. - Im Sommer 1932 war die<br />

Besamung offenbar recht schwach geblieben, denn im Sommer<br />

1933 waren die jüngeren Keimlinge bei der Art mit einigen Ausnahmen<br />

überall bedeutend geringer an Zahl als die älteren.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü Ii r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein aufrechtes,<br />

verzweigtes Rhizom. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen,<br />

die Rhizomäste treiben aber reichlich kräftige Nebenwurzeln, mit<br />

deren Hilfe die einzelnen Sprosse nach ihrer Ablösung vom Mutterindividuum<br />

offenbar selbständig weiterleben können. - Nach MATIIIE-<br />

SEN (1921, S. 445) kann vegetative Vermehrung durch Absterben<br />

des Rhizoms der Mutterpflanze in Frage kommen.<br />

Pedicularis lappoiüca L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie im Bclula /um«-Gebüscli (fq, sp - st cp),<br />

in den moosreichen Zwergstrauchheiden (fq, sp - st pc), den<br />

Flechtenheiden (st r, pc), der Drijas-Hcida (fq, st c]) - st ])c), den<br />

Heidewiesen (st fq, sj) - st pc), in frischgründigen Krautwiesensiedlungen<br />

(p, st pc) und auf weniger s])ät ausapernden Schneeböden<br />

(st r, pc).


358 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 im Betala nana-<br />

Gebüsch durchschn. 16(11-22) cm und in der Lycopodium alpiniim<br />

- Solidago - Deschampsia flexuosa -Heidewiese 10 (6 - 14) cm<br />

(vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 458).<br />

Fertilität. Die Art blüht an den meisten Standorten, der<br />

Regel nach aber nur ziemlich spärlich oder spärlich, im Betala nana-<br />

Gebüsch und auf den Heidewiesen jedoch gelegentlich zerstreut<br />

oder ziemlich reichlich.<br />

F 1 0 r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen auf offenen Fjeldheiden<br />

am 10. VII. im vollen Gang und am 16. VII. im Ausklingen,<br />

an beschatteten Hängen aber am erstgenannten Tage erst im Beginnen.<br />

Auf den Schneeböden befand sich die Art am 16. VII. im Aufblühen<br />

und in der Salix herbacea -Schneebodenvegetation am<br />

27. VII. in voller Blüte. - In der subalpinen Region begann die<br />

Floration am 6. VII. und war am 17. VII. abgeschlossen.<br />

Im J. 1933 war die Art an den am meisten der Sonne zugänglichen<br />

Stellen auf den Fjeldheiden am 4. VII, schon ausgeblüht, im allgemeinen<br />

war das Blühen aber auf diesen erst im vollen Gang und<br />

am 11. VII. in grossen Zügen abgeschlossen; an den N-Hängen^<br />

wurden noch am 18. VII, stellenweise Individuen in voller Blüte<br />

wahrgenommen. Auf den Heidewiesen waren die Blütenknospen<br />

am 8. VII, noch klein, und am 14. VII, war die Floration im Beginnen<br />

oder im vollen Gang. Auf den Scluieeböden wurde das<br />

Blühen wegen der mächtigen Firnschneemassen in diesem Sommer<br />

auf einen sehr späten Zeitpunkt verschoben: in den am frühesten<br />

ausapernden Siedlungen war es zwar am 26. VII, im vollen Gang,<br />

in den spätesten dagegen am 8. VIII, teilweise erst im Beginnen,<br />

und blühende Individuen wurden noch am 15. -16. VIII, wahrgenommen.<br />

- In den subalpinen Birkenwäldern war die Art am<br />

11, VII. in grossen Zügen ausgeblüht, in schattigen Vertiefungen<br />

befand sie sich aber erst am 19. VII. im Ausblühen (vgl. VALLE<br />

1930 und 1933 a; KONTUNIEMI 1931, S. 29).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 begann die Samenstreuung auf<br />

den Fjeldheiden am 16. VIII.; von voller Blüte bis zur Ausstreuung<br />

der Samen vergingen etwa 37 Tage. - Im J. 1933 hatte die Ausstreuung<br />

am 9. VIII. begonnen und bis zum 1. IX. war sie im Gebiet<br />

- die Schneebodenstandorte ausgenommen - in grossen Zügen<br />

erledigt. - Die Samenreife wird also an den typischen Standorten


Annales Botanici Socielatis Vananio. Toni. l t. N:o 1, 359<br />

der Art allgemein vor Abschluss der Vegelalions])eriode erreicht.<br />

Die Besamung bleibt jedoch bedeutend geringer als man a priori<br />

annehmen könnte, denn obgleich die Blüten sich ja ziemlich regelmässig<br />

zu Früchten weiterentwickeln, sind die Samen oft durch<br />

Larven parasitierender Insekten verdorben, wie es auch bei den<br />

in den Alpen wachsenden Pediciilaris-Artcn nach den Beobachtungen<br />

J. BRAUNS (SCHRÖTER 1923-26, IV, S. 1015) hier und da der<br />

Fall ist.<br />

In Westgrönland erzeugt die Art nach WARMING (1889, S. 220)<br />

allgemein Früchte, gewöhnlich entwickelt sich jede Blüte am Blütenstand<br />

zu einer Frucht; nach PORSILD (1920 b, S. 112) blüht die<br />

Art reichlich auf Disko, die Samenbildung bleibt aber oft aus (wenig<br />

Humnielbesuche nach MATIIIESEN 1921, S. 426). In Ostgrönland<br />

zwischen 71° und 73°30' N scheint die Fruchtbildung nach SOKEN-<br />

SEN (1933, S. 108) normal und reichlich zu sein, und nach (IELTING<br />

(1934, S. 157) reifen die Samen zwischen 73° 15' und 76°20' N. Auf<br />

Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 119) reife Früchte nicht angetroffen,<br />

er schreibt aber, dass solche wenigstens in günstigen Jahren<br />

gebildet werden dürften; LYNGE (1923, S. 77) macht keine Angaben<br />

über die Fertilität und Samenreife.<br />

K e i m u n g der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 28. VIII. 1929 von der Mijrlilliis-llcidc in Pummanki auf<br />

der Fischerhalbinsel eingesammelten vollentwickelten Samen kamen<br />

im JACOiiSENschen Keimungsapparat nicht zur Keimung. Der<br />

Versuch wurde nach 1.5 Monaten abgebrochen, und die Samen<br />

waren damals noch völlig lebend (hart).<br />

Die am 8. VIII. 1933 vom Betiila na/m-Gebüsch eingesammelten,<br />

am 28. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in (iartenerde<br />

ausgesäten Samen (50 Stück) keimten im gleichen Herbst noch<br />

nicht, im folgenden Frühjahr aber bis zum 14. V. zu 12 %.<br />

Die Keimung der Samen in der Natu r findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 15. VH. 1933 jüngere<br />

Keimlinge in einer moosreichen Fjeldheidensiedlung). - Nach den<br />

Beobachtungen SYLVÉNS (1906, S. 88) scheint die Keimung in Torne<br />

Lappmark im Frühling zu erfolgen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

bei der Art im Gebiet in der Regel nur mehr oder minder spärlich<br />

vor. Am häufigsten sind sie in der Dnjas -Meide zu finden, wo sie<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Hot. Feim. Vanamo. 14, n:o 1. 24


360 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

am besten in kleinen, etwas feuchten Vertiefungen mit einer mehr<br />

oder minder lückenhaften Moosdecke gedeihen. Doch können sie<br />

auch in der üppigen, zusammenhängenden Moosschicht von Hijlocomiuni<br />

splenderis, Pleiirozium Schreberi, Camptotlieciiim Irichoides<br />

usw. auskommen; so fand ich in einer Siedlung auf 2x0.i m^<br />

mit unberührter Bodenschicht insgesamt 3 jüngere Keimlinge<br />

(2 fertile Sprosse insgesamt auf 2 m^). Im Betiila nana -Gebüsch,<br />

auf moosreichen artenarmen Fjeldheiden und auf den Krautwiesen<br />

habe ich auch gelegentlich verdnzelte Keimlinge angetroffen, nie<br />

aber reichlich, t^inmal wurde ein älterer Keimling auf dem Schneeboden<br />

am Fasse eines N-Hangs, wo die Art sonst nicht vorkam,<br />

wahrgenommen.<br />

Die geringe Anzahl der Keimlinge erklärt sich offenbar zum<br />

grossen Teil durch die wegen des niedrigen Fertilitätsgrades und<br />

der Insektenbeschädigungen spärliche Samenproduktion der Art.<br />

Überdies gestalten sich die Keimungsbedingungen an den Standorten<br />

der Art sehr oft weniger gut entweder wegen der dichten<br />

liodenschicht, wie im Betula nana -Gebüsch und auf den Fjeldheiden,<br />

oder wegen der vertrockneten Bodenoberfläche und der<br />

Streuschicht auf den Heidewiesen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder weniger günstig. - SYLVÉN (I.E.) hat in<br />

Torne Lappmark Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. Im ersten Sommer hatten die Keimlinge bis zum Ende des<br />

August erst ein Laubblattpaar entwickelt.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert mit Hilfe<br />

des waagerechten Rhizoms effektiv am Standort weiter (vgl. WAR-<br />

MING 188G 1), S. 58 und 1889, S. 220).<br />

Lenlibiilariaceae<br />

Pinguicula vulgaris L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie in den Graskrautmooren, besonders<br />

in braunmoorartigen Siedlungen an den Bachufern (p, sp - st pc),<br />

an den Bachrändern (p, sp - st pc), in der Cetraria nivalis - Ale-


Ahnales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 361<br />

c/o/i«-lleide (st fq, sp - j)c) und an mehr oder minder sonnigen<br />

Felshängen (p, st pc - pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel mehr oder minder<br />

reichlich oder zerstrent.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 befand sich die Art am 14. VII.<br />

in voller Blüte in der Cetraria nivalis - Alcctoria-\\OU\Q, desgleichen<br />

am 19. VII. im Drepanocladiis intermedins - D. badiiis - Scirpiis<br />

caespitosns-'Moor und am 20. VII. am W-Felshang auf dem Gipfel<br />

des Vuoggoaivi. - Im J. 1933 war das Blühen am 4. VII. im vollen<br />

Gang an S-Felshängen, am 9. - 12. VII. in der Cetraria nivalis-<br />

Alectoria -Heide ebensowie an sonnigen Bachrändern und am 20. VII.<br />

im Drepanocladns intermedins - I). badins - Scirpns caespitosns -Moor.<br />

Am N-IIang wurde die Art am Bachufer am 11. VIII. in voller<br />

Blüte angetroffen, und am NE-Felshang kamen blühende Individuen<br />

noch am 16. VIII. vor.<br />

Sa men reife. Im J. 1931 waren die ersten Früchte am<br />

2. IX. in der Cetraria nivalis - Alectoria-\\c\


362 N. Söljrinki, Vermelirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

gesammelten vollentwickelten Samen keimten nach Frostbehandlung<br />

zu 5 % und ohne Frostbehandlung zu 4 % im JACOiiSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte in der 3. Woche ein und<br />

schloss in der 11. (ohne Frostbehandlung in der 9.) Woche ab.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren noch nach 18 Monaten lebend<br />

(hart). - Die Keimpflanzen sind nur mit einem Keimblatt versehen<br />

(vgl. z.B. SYLVÉN 1905, S. 135- 138).<br />

Die K e i m u n g d e r Samen i n der Nat u r scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 14. VII. 1931<br />

jüngere Keimlinge in'der Cetraria nivalis - Aledoria-Heide).<br />

K e i m 1 i n g sverhältnisse. Samenkeimlinge findet man<br />

an den Standorten der Art regelmässig vor. In der Cetraria nivalis -<br />

Alecloria -Heide variierte der Keimlingsquotient von 0.2 bis O.s;<br />

die winzigen Keimlinge wuchsen gewöhnlich auf ganz nacktem<br />

Mineralboden zwischen den Vegetationsflecken, oft nur vom groben<br />

Kies umgeben. An Felshängen, deren Spalten mit feinem Humus<br />

oder Verwitterungsboden ausgefüllt sind, kommen die Keimlinge<br />

erheblich zahlreicher, vor, und der Keimlingsquotient kann bis<br />

5 ansteigen. An den Standorten der Art in den Graskrautmooren<br />

sind die Keimungsbedingungen gewöhnlich recht günstig, weil<br />

die Feuchtigkeit ausreichend und auch der Boden oft mehr oder<br />

minder nackt ist. Als Folge davon sind die Keimlinge ziemlich<br />

reichlich vertreten: der Keimlingsquotient variierte an meinen<br />

Beobachtungsstellen von 3 bis 10. Die meisten Keimlinge wuchsen<br />

an ganz moosfreien Stellen in mehr oder minder weicher und feuchter<br />

Erde.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig. - HARTZ (ROSENVINGE 1892, S. 084) hat in<br />

Tasermiut in Grönland Samenkeimlinge bei der Art wahrgenommen.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Die vegetative Vermehrung fehlt bei der Art<br />

gänzlich (vgl. z.B. BBUNDIN 1898, S. 108- 109).<br />

Pinguicula villosa L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich selten, und zwar findet man sie auf den Sphagnum -Bülten


Ahnales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 363<br />

der Zwergstrauchmoore (fq, sj) - pc), ja sogar in ziemlich trocknen,<br />

heidemoorartigen Siedlungen derselben.<br />

F u n dort e. Pilguoaivi: an einer Stelle am NE-Hang, in<br />

zwei Siedlungen am SW-Hang; Kiergipori: an einer Stelle im südlichen<br />

Teil in der Nähe des Teiches, an zwei Stellen im nördlichen<br />

Teil; Saaritunturi, an einer Stelle; Rahpesoaivi, an einer Stelle<br />

oben auf dem Kjeld; zwischen den Kjelden Rahpesoaivi und Vilgiskoddeoaivi<br />

am Ufer des Teiches südlich vom E-Ende des Pieni<br />

Vilgiskoddeoaivinjärvi; (am Pilgujaur in der Nähe der Geologenhütte<br />

in einer Heidemoorsiedlung an der Waldgrenze).<br />

K e r t i 1 i t ä t. Die Art l)lüht gewöhnlich reichlich,<br />

K 1 o r a t i o n. Im J. 1933 befand sich die Art am 5. VII. in<br />

voller Blüte in einer ziemlich trocknen Zwergstrauchmoorsiedlung<br />

auf dem Rahpesoaivi, und am 8. VII. waren die ersten Blüten<br />

im Empeiriim - Riibiis chaniaeinonis -Zwergstrauchmoor abgefallen.<br />

Am 21. VII. war das Blühen im Gebiet im allgemeinen abgeschlossen,<br />

nur vereinzelte Blüten kamen noch vor. - In der subalpinen<br />

Region stand die Art im Zwergstrauch moor am 11. VII. noch<br />

grösstenteils in Blüte. - Im J. 1931 wurde die Art am 14. VII.<br />

in einer Heidemoorsiedlung an der Waldgrenze in voller Blüte<br />

wahrgenommen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 hatte die Art im Empetrum - Rnbus<br />

c/ja/nrtemoriis-Zwergstrauchmoor am 10. VIII. reife Samen und<br />

die ersten Krüchte waren schon aufgesprungen, üie Postflorationszeit<br />

bis zur Ausstreuung der Samen dauerte also etwa 33 Tage. -<br />

Im allgemeinen wird die Samenreife im Gebiet rechtzeitig vor<br />

Ende der Vegetationsperiode erreicht.<br />

Die K e i m u n g der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden. - Die Keimpflanzen<br />

haben nur ein Keimblatt.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

allgemein an den Standorten der Art sowohl in den echten Zwergstrauchniooren<br />

als in deren trockneren heidemoorartigen Siedlungen<br />

vor. In einer Siedlung des Empetrum - Riibus chamaemorus-<br />

Zwergstrauchmoors wurden auf 2x0.25 m^ im Sommer 1931 insgesamt<br />

8, im Sommer 1933 wiederum 2 Keimlinge in der dicken und<br />

dichten Spliagniim-Mixiit festgestellt (im J. 1933 hatte die Art<br />

3 bzw. 1 fertile Sprosse auf 1 m^).


364 N. Söljrinki, Vermelirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind günstig.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht (vgl. auch MOE 18G7).<br />

Die vegetative Vermehrung fehlt gänzlich (vgl.<br />

WARMING 188G c, S. 28).<br />

Pingiiiciila alpina L,<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie an den Bachufern und in den Bachläufen<br />

(st fq, st cp - st pc), an mehr oder minder feuchten Felshängen<br />

und an den Rändern der Felsenflächen (p, st cp - st pc),<br />

desgleichen in der Dryas-Heide (r, st cp - pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht in der Regel ziemlich reichlich<br />

oder reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen an den am frühesten<br />

ausapernden Bachuferstandorten am 10. VII. im Ausklingen. An<br />

den N-Hängen war es am 9. VII. im vollen Gang und am 20, VII.<br />

im Ausklingen, an den spätesten Stellen jedoch am 18. VII. erst<br />

im vollen Gang. - In der sul)al])inen Region befand sich die Art<br />

am G. VII. allgemein in voller Blüte, am IG. VII. war sie bereits<br />

ausgeblüht.<br />

Im J. 1933 war das Blühen an den Felsen- und Bachuferstandorten<br />

am 4. - 7. VII. allgemein im vollen Gang, an den frühesten<br />

Stellen sogar beinahe im Ausklingen, und am 18. VII. abgeschlossen.<br />

An schattigen N-IIängen war die Art aber erst am 11. VII. in voller<br />

Blüte, und an den am spätesten ausapernden Stellen wurden noch<br />

am 2G, VII. blühende Individuen wahrgenommen. - In der subalpinen<br />

Region befand sich die Art am 11. VII, im Ausblühen (vgl.<br />

VALLE 1930 und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1931 war die Samenstreuung am 23. VIII.<br />

an den Bachufern der N-Hänge im Beginnen und am 28. VIII.<br />

hatte sie im Gebiet, die allerspätesten Standorte ausgenommen,<br />

in grossen Zügen stattgefunden. Von voller Blüte bis zur Ausstreuung<br />

der Samen vergingen etwa 45 Tage. - Im J. 1933 war die<br />

Samenstreuung bis zum 4. IX. allgemein erledigt. - Die Samen<br />

kommen also regelmässig rechtzeitig während der Vegetations-


Ahnales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 365<br />

Periode zur Reife, ausser vielleicht in schlechtesten Jahren an den<br />

am spätesten ausapernden Standorten.<br />

S a m e n m e n g e. Die Blüten entwickeln sich nahezu ohne<br />

Ausnahme zu Früchten weiter. Die Anzahl der Samen pro Frucht<br />

(Stengel) betrug im J. 1931 in der Dnjas-Heidc (die unentwickelten<br />

in Klammern, halbentwickelte waren nicht vorhanden) 147 (-f- 11),<br />

153 (+ 8), 179 (+ 11), 184 (+ 15), 213 (4- 18), 248(4- 13) und<br />

255 (+ 37), durchschn. 197.o (+ 16.i) Stück.<br />

Keimung der Sa m e n i m K e i m ungs v e r s u c h.<br />

Die am 23. VIII. 1931 von der Dryas-Heidc eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen keimten nach Frostbehandlung zu 2 % und ohne<br />

Frostbehandlung zu 4 % im JACOBSENschen Keimungsapparat,<br />

und zwar die ersteren in der 2., die letzteren in der 2. bis 5. Woche.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren noch nach 18 Monaten lebend<br />

(hart). - Die Keimpflanzen haben nur ein Keimblatt, wie schon<br />

WARMING (1886 c, S. 29) festgestellt hat.<br />

Die K e i m ung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 8. VII. 1933 jüngere<br />

Keimlinge am Ufer des Pilgujaur an der oberen Grenze der subalpinen<br />

Region).<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den Standorten der Art an den Bachufern und den Felsen regelmässig<br />

und oft sogar reichlich vor. Der Keimlingsquotient variiert<br />

an meinen Beobachtungsstellen von 1 bis 10, und zwar ist er am<br />

niedrigsten an den Felshängen sowie in früh austrocknenden Bachläufen,<br />

am höchsten steigt er an feuchten, weichgründigen Bachufern,<br />

wo der Boden mehr oder minder nackt oder nur mit einer<br />

lockeren Moosschicht l)edeckt ist. In der /Jr//«s-I leide ist die Art<br />

immer nur spärlich auf meinen Probeflächen aufgetreten und ich<br />

habe auch keine Keimlinge auf den Probequadraten in der unberührten<br />

Moosdecke wahrgenommen, in Pummanki auf der Fischerhalbinsel<br />

fand ich aber im Sommer 1931 auf 10 Probeflächen zu<br />

0.1 m^, die ich im J. 1929 cnlblösst hatte, insgesamt 27 jüngere<br />

und ältere Keimlinge. Die Samen hatten also hier nach der Abtragung<br />

der Moosschicht ein gar geeignetes Keimbett gefunden.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig.


366 N. Söijrinki, Vcrmehniiig d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung. Nach SCHRÖTER (1923<br />

-26, III, S. 806) vermehrt sich die Art in den Alpen durch die<br />

in den Achseln der obersten Laubblätter entstehenden Brutzwiebelchen;<br />

ich habe aber solche bei der Art weder in den Petsamofjelden<br />

noch in den Bayerischen Alpen vorgefunden und auch in der übrigen<br />

Literatur sind mir keine Angaben über solche begegnet. Die Art<br />

hat also im Gebiet und offenbar audi sonst keine vegetative Vermehrung.<br />

Riibiaceae<br />

Galium uliginosiini L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

selten, und zwar begegnet man ihr hauptsächlich in den kräuterreichen<br />

Moorgebüschen im untersten Teil der alpinen Region (st r,<br />

st cp - sp).<br />

F u n d o r t e. Kiergipori, an zwei Stellen an den Bachufern<br />

gleich oberhalb der Waldgrenze; am Wasserfall südlich von Saarijärvi;<br />

(Rieppetshohki, Onkitunturit, am Fusse des NW-Hangs etwas<br />

unterhalb der Waldgrenze).<br />

Fertilität. Die Art blüht ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art wurde im Sommer 1933 in einem Moorgebüsch<br />

am 12. VII. in der Knospe angetroffen; am 25. VII. war<br />

sie in voller Blüte in einem Betiila nana -reichen Moorgebüsch, am<br />

12. VIII. wiederum in einer anderen Siedlung derselben Assoziation.<br />

Samenreife. Die Früchte waren am 4. IX. 1933 im Betula<br />

nana -reichen Moorgebüsch noch nicht ausgebildet, sondern die<br />

meisten waren noch ganz klein. Die Samenreife wird also auf einen<br />

sehr späten Zeitpunkt verschoben und kann offenbar nur in günstigsten<br />

.lahren erreicht werden. - Nach den Beobachtungen SIPILÄS<br />

(1935) in Ähtävä (Ostrobottnia media) vergingen vom Ausblühen<br />

einer einzelnen Blüte bis zum Beginn der Samenstreuung 25 Tage; die<br />

Blütezeit einer Blüte betrug 5 Tage,<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

an den Standorten der Art im (iebiet gar nicht vorgefunden, obgleich<br />

ich speziell nach ihnen gesucht habe. Aus der Samenreife zu schlies-


Annalcs Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 367<br />

sen dürfte die Art auch höchstens nur schwache Voraussetzungen<br />

zur jienerativen Vermehrung im Gebiet besitzen. - In Vesilahti<br />

(Tavastia australis) habe ich reichlich Samenkeimlinge bei der Art<br />

angetroffen. - SYLVÉN (1906, S. 66) hat in Schweden Keimlinge<br />

eingesammelt.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein kriechendes,<br />

verzweigtes und reichlich Adventivwurzeln treibendes Rhizom,<br />

mit dessen! Hilfe sie effektiv am Standort weiterwandert; auch<br />

die Sprossgründe schlagen Wurzeln.<br />

Galium frifidum L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle im kräuterreichen Moorgebüsch<br />

(st pc), und .zwar am Fusse des SW-Hangs des Pilguoaivi im untersten<br />

Teil der alpinen Region angetroffen worden.<br />

Fertilität. Die Art blühte an der Stelle ziemlich reiclilich.<br />

F I o r a t i o n. Die Art hatte am 8. VIII. 1933 noch einige<br />

Blüten, im allgemeinen waren die Früchte aber schon weit entwickelt.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge gelang es<br />

mir an meiner Beobachtungsstelle nicht zu finden. Es dürfte jedoch<br />

möglich sein, dass die Art in einigem Umfang Voraussetzungen<br />

zur generativen Vermehrung im Gebiet besitzt, weil die Samenreife<br />

offenbar erreicht werden kann.<br />

Die vegetative Vermehrung findet mit Hilfe des<br />

kreichenden, verzweigten und wurzeltreibenden Rhizoms statt.<br />

Caprifoliaceae<br />

Linnaea borealis L.<br />

H ä u f i g k e i t und V o r k o m m e n. Die Art ist im Ciebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie im Belula nana -Gebüsch (fq, st cp-sj)),<br />

auf den artenarmen Fjeldheiden (p, st pc - pc) und an den Felshängen<br />

(r, pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht beinahe regelmässig an allen<br />

Standorten und zwar gewöhnlich zerstreut oder ziemlich reichlich,<br />

im Betula nana -Gebüsch kommt sie aber gelegentlich ganz steril vor.


368 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 war das Blühen im Gebiet am 11. VII.<br />

im Beginnen und am 18.-24. VII. allgemein im vollen Gang. An<br />

den am frühesten ausapernden Standorten war die Art schon am<br />

26. VII. im Ausblühen, in den obersten Teilen der Fjelde an vielen<br />

wStellen aber erst am 21. VIII. - Auf den Nattastunturit (Lapponia<br />

kemensis) befand sich die Art am 3. VIII. im Ausblühen, desgleichen<br />

am 5. VIII. auf den Raututunturit (Lapponia inarensis). - In den<br />

Birkenwäldern in den obersten Teilen der subalpinen Region war<br />

das Blühen am 19. VII. im vollen Gang und am N-Hang des Kaskamatunturi<br />

in der Kiefernwaldregion am 31. VII. im Ausklingen. -<br />

Im J. 1931 war die Floration im Gebiet am 19. VII. im Beginnen<br />

und am 2G. VII. im vollen Gang (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 39).<br />

S a m e n r e i f e. Die Früchte waren am 4. IX. 1933 an sonnigen<br />

Fjeldheiden ausgebildet. Die Blüten waren aber regelmässig<br />

an allen Standorten mit wenigen Ausnahmen verkümmert, ohne<br />

sich weiterzuentwickeln, wodurch die Samenproduktion also sehr<br />

gering blieb. - Nach den Beobachtungen KUJALAS (1926 a, S. 44)<br />

bildet die Art reichlich Früchte in den Wäldern Süd- und Mittelfinnlands.<br />

In Westgronland hat man auf Disko nach PORSILD<br />

(1920 b, S. 146) weder in der Natur noch bei kultivierten Individuen<br />

Früchte angetroffen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge habe ich<br />

bei der Art im Gebiet nicht vorgefunden, obgleich ich nach ihnen<br />

an mehreren Stellen in der Nähe der ausgewachsenen Individuen<br />

gesucht habe. Wegen der spärlichen Besamung kann die Art ja<br />

auch nur in geringem Masse Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet haben.<br />

Auch in günstiger gelegenen Gegenden sind die Samenkeimlinge<br />

bei der Art überall sehr selten. WITTROCK (1878, S. 26) und SYLVÉX<br />

(1906, S. 65) haben beide in der Natur nur einen Keimling<br />

vorgefunden. KUJALA (I.e.) hat bei seinen Untersuchungen<br />

in der Waldvegetation in Süd- und Mittelfinnland nur auf zwei<br />

Probeflächen in Mittel-Pohjanmaa (Ostrobottnia media) Samenkeimlinge<br />

bei der Art angetroffen, KONTUNIEMI (I.e.) wiederum<br />

nur an einer Stelle in den subalpinen Birkenwäldern. SÖDER-<br />

GARD (1935) fantl im sciinell verlandenden Küstengebiet bei Vaasa<br />

vier Jungpflanzen mit Keimblättern. Er ist aber der Meinung, dass<br />

die Ausbreitung durch Samen nicht ganz selten sei, denn er hat


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 369G3<br />

reichlich Linnaea -Juiigpflaiizen mit einein Umriss von 1 dm angetroffen.<br />

Nach seiner Mitteilung hat LINKOLA in Muonio (Lapponia<br />

kemensis) einmal Keimlinge der Art gefunden. SARVAS (1937, S. 23)<br />

hat auf seinen Waldbrandflächen in Nordfinnland keine Keimlinge<br />

wahrgenommen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ])ekanntlich<br />

einen am Boden kriechenden, ausläuferartigen und \vurzeltreil)enden<br />

Stengel, mit dessen Hilfe sie rasch am Standort weiterkommt (vgl.<br />

z.H. KESO 1908, S. 4G und KUJALA 1926 a, S. 43- 47).<br />

Campaniilaceae<br />

Campanula rotundifolia L.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig, und zwar findet man sie an sonnigen Felshängen<br />

und auf erratischen Blöcken (st fq, sp - st pc), auf den Kraulwiesen<br />

(p, sp - pc), in der Dryas-Heide (p, st pc) und an den<br />

Bachufern (st r, st pc - pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich ziemlich spärlich<br />

oder zerstreut, gelegentlich kann sie sogar ganz steril vorkommen.<br />

F 1 0 r a t i o n. Im J. 1933 war das Blühen auf sonnigen Felsen<br />

am 20. VH. schon beinahe im vollen Gang und am 11. VHL abgeschlossen;<br />

in der Geranium silvaticum - Trollim -Wiese war es<br />

am 25. VH. noch nahezu im Beginnen und am 8. VHI. im vollen<br />

Gang. Im allgemeinen blüht die Art recht langsam, und Blüten<br />

kommen oft am Standort zusammen mit ausgewachsenen Früchten<br />

vor; sogar am 4. IX. waren sie noch zu finden.<br />

Im J. 1931 hatte die Floration am 18. VII. im Gebiet noch nicht<br />

begonnen; am 30. VHI. war sie am W-Felshang im Ausklingen. -<br />

In Pummanki auf der Fischerhalbinsel befand sich die Art am<br />

29. VH. auf den subalpinen Wiesen allgemein in voller Blüte und<br />

am 4. VHI. in der windoffenen, xerophilen Drijas-l hndc auf dem<br />

Kiviaidantunturi im Ausblühen (vgl. VALLE 1930 und 1933 a).<br />

S a m e n r e i f e. lm J. 1933 waren die ersten Früchte am<br />

13. VIII. auf den S-Felsen schon ausgebildet und die Samen rot<br />

gefärbt. An den meisten Standorten hatte die Art am 4. IX. ausgewachsene<br />

Früchte, obgleich stellenweise auch noch Blüten vorkamen.<br />

- Wenigstens in günstigen Jahren erzeugt die Art also


370 N. Söijrinki, Vcrmehniiig d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

im Gebiet allgemein reife Samen, in ungünstigen Sommern scheint<br />

es aber an den spätesten Standorten nicht möglich.<br />

Nach den Beobachtungen SIPILÄS (1935) vergingen in Ähtävä<br />

(Ostrobottnia media) vom Ausblühen einer einzelnen Blüte bis<br />

zum Beginn der Samenstreuung etwa 25 Tage. - Auf Spitzbergen<br />

war die Art nach ASPLUND (1918, S. 36) am 13. VIII. 1915 an der<br />

einzigen Fundstelle in Colesbay noch nicht zum Blühen gelangt,<br />

die Knospen waren aber schon ziemlich gross angeschwollen. In Ostgrönland<br />

hat HARTZ (1895 a, S. 182) bei der Art auf Danmarks 0 reife<br />

Samen angetroffen, desgleichen KBUUSE (1906, S. 256) in Angmagsalik;<br />

nach SORENSEN (1933, S. 88) kann sie dort zwsichen 71° und<br />

73°30' N oft reife Samen erzeugen, und nach (GELTING (1934, S. 131)<br />

bringen viele Individuen zwischen 73°15' und 76°20'N ihre Samen<br />

noch vor den Merbstfrösten zur Reife. In Westgrönland ist die<br />

Fruchtbildung reichlich auf Disko nach PORSILÜ (1920 b, S. 147).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur kann nach<br />

WARMIXG (1877, S. 84) und CLEVE (1898, S. 64) bei der Art gleich<br />

nach der Samenreife vor der Überwinterung stattfinden; nach<br />

CLEVE können jedoch nur die frühesten Samen schon im Herbst<br />

zur Keimung kommen. Auch SYLVÉN (1906, S. 55) hat Herbstkeimung<br />

wahrgenommen. - In der alpinen Region dürfte die Keimung<br />

vor der Überwinterung wegen der späten Samenreife dagegen<br />

wenigstens normal nicht möglich sein; die von mir vorgefundenen<br />

jüngeren Keimlinge waren ja auch im Anfang der Vegetationsperiode<br />

entstanden.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Die Samenkeimlinge der<br />

Art sind im Gebiet viel seltener als man auf (irund der Fertilität<br />

und auch der Samenreife annehmen könnte. Ich habe sie an keiner<br />

einzigen Beobachtungsstelle in der Felsenvegetation angetroffen,<br />

obgleich die Standortsverhältnisse - soweit man auf Grund des<br />

Vorkommens der Keimlinge vieler anderen Arten schliessen konnte<br />

- oft mehr oder weniger günstig waren. In der alpinen Region der<br />

Petsamofjelde fand ich im ganzen nur einen älteren Keimling auf<br />

einer Astragalus frigidiis-rcichcn Bacluiferwiese. In Pummanki<br />

auf der Fischerhalbinsel hatte die Art dagegen überraschend reichlich<br />

sowohl ältere als jüngere Keimlinge auf dem Kiviaidantunturi<br />

in einer äusserst windoffenen und xerophilen Siedlung der Dnjas-<br />

Heide, wo die Vegetation nur als isolierte Flecken den nackten.


Ahnales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 371<br />

groben Mineralhoden bedeckte. Der KeiniliiigsquoUenl betrug<br />

in der Siedlung 5, und die zu den ausgewachsenen Individuen vermittelnden<br />

Jugendstadien zeugten dafür, dass die Art sich auch<br />

wirklich durch die Keimlinge vermehrte.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind mehr oder minder gering. - LINDMAN (1887, S. 100)<br />

hat auf dem Dovre und SYLVÉN (1900, S. 52) an mehreren Stellen<br />

in Schweden Samenkeimlinge der Art eingesammelt. An den Beobachtungsstellen<br />

LINKOLAS (1930 b, S. 138) in der Felsenvegetation<br />

am Ladogasee hatte die Art nur mehr oder minder spärlich Samenkeimlinge,<br />

obgleich sie dort ziemlich reichlich vorkam. VILUERG<br />

(1929, S. U und 71; Tab. II-Xl und XIII) hat in in der Loodvegetation<br />

in Estland Keimlinge bei der Art festgestellt.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadin m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. - WARMING (1887, S. 86) erzählt, dass die aus den im<br />

Herbst aufgekeimten Samen entstandenen kultivierten Individuen<br />

schon im folgenden Sommer zur Blüte kamen.<br />

Die vegetative Vermehrung findet mit Hilfe der<br />

unterirdischen Ausläufer ziemlich effektiv statt (vgl. KUJALA<br />

1926 a, S. 135).<br />

Coinpositac.<br />

Solidago virga-aiirea L.<br />

Häufigkeit und V^ o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man begegnet ihr in der Li/copodiiim alpimim - Solidago -<br />

Dcschanipsia /ZexMos«-Heidewiese (fqq, st cp - sp), auf den übrigen<br />

Heidewiesen (st fq, st cp - st pc), den Krautwiesen (fq, cp - st cp),<br />

den artenarmen moosreichen Fjeldheiden (st fq, sp - st pc), im<br />

Betida nana -Gebüsch (fq, st cp - st pc), in den Krautgebüschen<br />

(st fq, sp - st ])c), an mehr oder minder sonnigen Felshängen (st fq,<br />

sp - pc) und in der Salix /jcrftacea-Schneebodenvegetation (st fq,<br />

st pc - pc), gelegentlich auch in übrigen mehr oder minder früh<br />

ausapernden Schneebodensiedlungen.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 in der Lgcopodium<br />

alpimim - Solidago - Desclmmpsia -Heidewiese durchschn.<br />

18(7-35) cm und in der Geraninni silvaliaim ~ Trolliiis


372 N. Söljrinki, Vermelirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

27 (14-38) cm; unterhalb-eines feuchten Schneebodenhangs mass<br />

die Höhe bis 50 cm (vgl. KONTUNIEMI 1932, S. 32).<br />

Fertilität. Die Art blüht an ihren meisten Standorten,<br />

und zwar an den Felshängen ebensowie auf den Heide- und Krautwiesen<br />

gewöhnlich zerstreut, mitunter . sogar ziemlich reichlich.<br />

In den Gebüschen, desgleichen auf den Fjeldheiden und den<br />

Schneeböden blüht sie mehr oder minder spärlich oder kommt ganz<br />

steril vor.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 begannen die ersten Individuen ihr<br />

Blühen am 10. VII. und waren etwa am 23, VII. in voller Blüte;<br />

am 27. VII. hatte das Blühen, die Schneebodenstandorte ausgenommen,<br />

überall im Gebiet begonnen. Am 24. VIII. befand sich<br />

die Art auf den Kraut- und den Heidewiesen allgemein im Ausblühen,<br />

obgleich auch noch Individuen in nahezu voller Blüte<br />

vorkamen. - In den subalpinen Birkenwäldern wurden die ersten<br />

Blüten am 18. VH. wahrgenommen.<br />

Im J. 1933 war das Blühen an sonnigen Hängen am 11. VII.<br />

im Beginnen und etwa am 22. VII. im vollen Gang, im allgemeinen<br />

war es aber auf den Kraut- und den Heidewiesen am 19.-23. VIL<br />

im Beginnen; in der Geraniiim silvaticiim - TroUiiis -Wiese befand<br />

sich die Art am 19. VII. im Aufblühen und am 8. VIII. im Ausblühen,<br />

die letzten Individuen aber erst am 23. VIII.; in der Lijcopodiiim<br />

(ilpiiuim - Solidago - Deschampsia flexuosa -Heidewiese war<br />

die Art am 23. VII. im Aufblühen, etwa am 8. VIII. in voller Blüte<br />

und am 18. VIII. im Ausblühen, blühende Individuen kamen<br />

aber noch am 29. VIH. und einige sogar am 5. IX. vor. In der<br />

Mijrtilliis -Heide war die Floration am 9. VHI. im vollen Gang<br />

und am Fusse der Schneebodenhänge stellenweise noch am 2. IX.<br />

(vgl. VALLE 1930 und 1933 a; KONTUNIEMI 1932, S. 32).<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1932 hatte die Art am 27. VIH. reife<br />

Samen an den am frühesten ausapernden Standorten, die Ausstreuung<br />

hatte aber am 3. IX. nur in geringem Umfang begonnen. -<br />

Im J. 1933 waren die ersten Früchte an den S-Hängen am 12. VHI.<br />

ausgebildet, auf den Heidewiesen waren sie jedoch am 5. IX. noch<br />

nicht reif. - In ungünstigen Jahren scheinen die Früchte im Gebiet<br />

zum grossen Teil unreif zu bleiben, denn im Sonmier 1933 fand<br />

ich auf den Heidewiesen reichlich festsitzende nichtreife vorjährige<br />

Früchte. Auch in günstigen Sommern können die am spätesten


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 373G3<br />

blühenden Individuen ihre Samen offenbar nicht zur Reife bringen.<br />

- Im arktischen Norwegen blüht die Art nach NORMAN (1895- 1901,<br />

S. 350) oft so spät, dass sie nicht reife Früclite erzeugen kann,<br />

oder diese sind leer.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der zu Früchten weiterentwickelten<br />

Körbchen am Si)ross betrug im J. 1931 in der Geranium<br />

silvuiicurn - Trolliiis -Wiese (die verkümmerten Körbchen in Klammern)<br />

8, 8 (+ 1), 8 (+ 5), 9, 9, 9 (+ 1), H), 10 (-[- 3), 12 (+ 1)<br />

und 13, durchschn. 9.G (+ l.i), am W-Felshang 3( 4- 1), 3 (+3),<br />

4 (+3), 5, 5(+l), 6 (+2), 7, 7(+l), 7(^-l), 7(-fl), 7 (+1),<br />

7 (+ 3), 8, 8 (+ 1), 8 (+ 4), 9, 9 (+ 1), 9 (+ 1), 9 (+ 1) und<br />

12(4- 2), durchschn. 7.o (-f- l.i), in der artenreichen Carex ri


374 N. Söljrinki, Vermelirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

ö/ii-Wiese 378.? und in der Descliampsia flexuosa - Anihoxanllmrn-<br />

Heidewiese 230.i Stück.<br />

Nach EKLUND (1929, S. 26) hatte in Antrea (Karelia aiistralis)<br />

ein kleines Individuum 98, ein grösseres 419 Körbchen, Die Anzahl<br />

der Früchte im Körbciien war durclischn. 24 und die Diasporensummen<br />

beliefen sich hier also auf 2,352 bzw. 10,056.<br />

Keimung der Samen im K e i ni u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Geranium silvaticum - T rollins ANiase,<br />

am 30. VIII. 1931 vom W-Felshang, am 3. IX. 1931 von der artenreichen<br />

Carex rigida —C. Lachenalii-Wiese und am 24. VIII. 1931<br />

von der Deschampsia flexuosa - Anthoxanthurn -Heidewiese eingesammelten,<br />

mehr oder minder weit entwickelten Samen keimten<br />

zu 4, 12, 22 bzw. 0 % im jACOBSENschen Keimungsapparat. Die<br />

Keimung setzte am 4. Tage ein und schloss in der 2. Woche ab.<br />

Die übriggebliebenen Früchte waren beinahe ohne Ausnahme leer,<br />

und es dünkt gar nicht wahrscheinlich, dass sie aucli bis zum Ende<br />

der Vegetationsperiode fortpflanzungsfähige Samen gebildet hätten.<br />

Die tatsächliche Besamung bleibt bei der Art also viel geringer<br />

als äusserlich anzunehmen wäre - ja es scheint sogar fraglich, ob<br />

keimungsfähige Samen an allen Standorten in jedem Sommer<br />

überhaupt erzeugt werden. Das gleiche scheint jedoch l)ei der Art<br />

wenigstens gelegentlich auch in Südfinnland der Fall zu sein, denn<br />

im Dezember 1936 fand ich in Vesilahti (Tavastia australis) in den<br />

winterständigen SolidagoSpTossen beinahe ausnahmslos nur leere<br />

Früchte, obgleich die Ausstreuung im allgemeinen noch nicht<br />

begonnen hatte (vgl. auch NORMAN 1895- 1901, S. 350).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet<br />

hauptsächlich im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 9. VII.<br />

1931 jüngere Keimlinge am Fusse eines N-Felshangs), teilweise<br />

aber auch später im Laufe des Sommers. - Nach SYLVÉN (1906,<br />

S. 29) erfolgt die Keimung der Regel nach im Frühling, obgleich<br />

die Samen (in Südschweden) schon vor der Überwinterung keimungsfähig<br />

zu sein scheinen. Nach KONTUNIEMI (1932, S. 33) keimt<br />

die Art in den subalpinen Birkenwäldern offenbar meistens im<br />

I'rü Illing.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

allgemein und oft auch ziemlich reichlich im Gebiet an allen Standorten,<br />

wo die Art fertil vorkommt. Der Keimlingsquotient variiert


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 375G3<br />

an meinen Beobachtnngsstellen in der Felsenvegetation von O.s<br />

bis 10. In der Geranium silvaticiini - Trollius -Wiese wurden auf<br />

4x0.1 m^ insgesamt 3 jüngere und 32 ältere (insgesamt 23 fertile<br />

Sprosse auf 4 m^), in der Thalictriim alpinuin - Potentilla Crantzii-<br />

Wiese auf 2x0.i m^ 24 ältere (12 fertile Sprosse auf 2 m^), in der<br />

Lycopodium alpiniim - Solidago - üescliampsia flexiiosa -Heidewiese<br />

auf 5x0.25 m^ 1 jüngerer und 9 ältere (31 fertile Sprosse auf 5 m^)<br />

und im Bctida nana-Gebüsch auf 4x0.25 m- 10 ältere Keimlinge<br />

(2 fertile Sprosse auf 2 m^) gezählt. Auch anderswo habe ich auf<br />

den Kraut- und Heidewiesen einzelne Keimlinge angetroffen, desgleichen<br />

in der Mijrtillus-Heide, wo sie am liebsten kleine, etwas<br />

feuchtgründige Senken aufsuchen. An den Felsen und auf den<br />

Schneebüden habe ich mehrmals auch in solchen Siedlungen<br />

Keimlinge vorgefunden, in denen die Art sonst nicht auftrat, ebenso<br />

in den Graskrautmooren und an den Bacluifern, wohin die Samen<br />

dank ihres Flugorgans leicht durch den Wind verschleppt werden.<br />

Die Keimlingsbeobachtungen geben also zur Hand, dass die<br />

Besamung wegen der Häufigkeit der Art im Gebiet doch ausgiebiger<br />

ist, als man auf Grund der Beobachtungen über die Samenbildung<br />

voraussetzen könnte. - Die im Vergleich zu den jüngeren hohe<br />

Anzahl der älteren Keimlinge verdient Beachtung; sie findet ihre<br />

Erklärung teilweise darin, dass die Entwicklung der Keimlinge<br />

sehr langsam vor sich geht, teilweise offenbar in dem Umstand,<br />

dass die Samenbildung in bestimmten Jahren ausgiebiger als normal<br />

ist. So waren die Keimlinge im Sommer 1933 auf einigen Probeflächen<br />

in der Regel glcich (etwa 3 Jahre) alt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind in grossen Zügen günstig. - SYLVÉN (190G, S. 29) hat<br />

in Torne Lappmark Samenkeimlinge der Art eingesammelt. - HEINTZE<br />

(1914, S. 254) erwähnt in Schwedisch-Lappland einen älteren Keimling<br />

auf einem vom Wasser verschleppten Torfstück angetroffen<br />

zu haben. Nach den Untersuchungen KUJALAS (1926 a, S. 103 - 101)<br />

hat die Art in den Wäldern Süd- und Mittelfinnlands in geschlossenen<br />

Beständen nur recht spärlich Samenkeimlinge, in erster<br />

Hand als Folge der niedrigen Fertilität; auf Schlägen, wo das Moos<br />

verschwunden ist und die Art reichlicher blüht, kommen die Keimlinge<br />

dagegen reichlich vor. LINKOLA (1930 b, S. 138) hat in der<br />

Felsenvegetation am Ladogasee regelmässig Keimlinge angetroffen,<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fean. Vanamo, 14, n:o 1. 25


376 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

obgleich die Art nur spärlich an den Beobachtungsstellen auftrat.<br />

KONTUNIEMI (1932, S. 32) hat in den subalpinen Birkenwäldern<br />

in allen Waldtypen Keimlinge vorgefunden, in einigen sogar reichlich,<br />

ebenso wie in der Felsenvegetation in Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel, in den Wäldern Südfinnlands hat er dagegen<br />

ebenso wie KUJALA nur spärlich Keimlinge festgestellt. Nach<br />

SARVAS (1937, S. 17) hat die Art auf den Waldbrandflächen in<br />

Nordfinnland Samenkeimlinge besonders an stark gebrannten<br />

Stellen. VILBERG (1929, Tab. V, VII und XIII) hat auf seinen.<br />

Probeflächen in der Loodvegetation Estlands zwei Keimlinge angetroffen.<br />

Das blüh reife Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. Im ersten Sommer entwickeln die Keimlinge nur zwei<br />

kleine Laubblätter.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein mehr oder<br />

minder aufrechtes, seltener beinahe waagerechtes Rhizom, das oft<br />

verzweigt ist. Die Rhizomäste treiben kräftige Nebenwurzeln, mit<br />

deren Hilfe die einzelnen Sprossteile nach dem Vermodern der<br />

älteren Rhizompartien sich offenbar selbständig ernähren können<br />

(vgl. KUJALA 1926 a, S. 103- 104 und 1926 b, S. 28). - Nach SAR-<br />

VAS (1937, S. 17) ist das Rhizom verhältnismässig kurz und unverzweigt.<br />

Antennaria dioeca (L.) Gaertn.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art kommt im<br />

Gebiet zerstreut vor, und zwar an mehr oder minder sonnigen<br />

Felshängen und an den Rändern der Felsenflächen (fq, st cp - sp),<br />

desgleichen in weniger frischen Siedlungen der Krautwiesen (p, sp).<br />

Fertilität. Die Art blüht ziemlich reichlich oder zerstreut.<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 an S-Felsen und<br />

auf den Wiesen am 4. - 5. VH. schon im vollen Gang und am 20. VH.<br />

abgeschlossen. An beschatteten Hängen blühte die Art dagegen<br />

beträchtlich später, und zwar war sie an den spätesten Standorten<br />

am 16. VI II. noch nicht aufgeblüht.<br />

S a m e n r e i f e. Die Samenstreuung hatte an S-Felsen am<br />

4. IX. 1933 teilweise sciion stattgefunden, an den spätesten Standorten<br />

kamen die Früchte dagegen aller Wahrscheinlichkeit nach


Ahnales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 377<br />

nicht vor Abschluss der Vegetationsperiode zur Reife. Auch im<br />

vorhergehenden Sommer war die Samenreife an vielen Stellen<br />

unvollständig geblieben, wie man aus den noch festsitzenden Früchten<br />

beobachten konnte.<br />

In Ostgrönland fand KRUUSE (1906, S. 261, var. hyperborea)<br />

die Art in Angmagsalik am 18. VIII. mit Früchten. - Nach den<br />

Beobachtungen SIPILÄS (1935) vergingen in Ähtävä (Ostrobottnia<br />

media) vom Ausblühen eines einzelnen Blütenstandes bis zum<br />

Beginn der Samenstreuung 15 Tage; die Blütenstände blühten<br />

7 Tage.<br />

Die Keimung der Samen i n d e r Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden. - Nach den Beobachtungen<br />

SYLVÉNS (1906, S. 24) erfolgt sie im Frühling.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeinilinge findet man<br />

bei der Art im Gebiet nur spärlich vor. Im ganzen habe ich solche nur<br />

an drei Beobachtungsstellen angetroffen: an einem S-Felshang<br />

mehrere ältere Keimlinge und an zwei S-Felsen je einen jüngeren<br />

Keimling in der Nähe der ausgewachsenen Individuen. An vielen<br />

Standorten ist offenbar die Unsicherheit der Samenreife die nächste<br />

Ursache zum Fehlen der Keimlinge. Auf jeden Fall hat aber die<br />

Art Voraussetzungen zur generativen Vermehrung im Gebiet. -<br />

SYLVJÉN (I.e.) hat in Schweden Samenkeimlinge eingesammelt.<br />

KUJALA (1926 a, S. 135) hat in der Waldvegetation einmal<br />

besonders reichlich Jungpflanzen auf einer Brandfläche angetroffen.<br />

ViLBEßG (1929, Tab. II-IX und XIII; S. 71) fand auf<br />

seinen Probeflächen in der Loodvegetation Estlands drei Keimlinge.<br />

Die vegetative Vermehrung findet mit Hilfe des<br />

oberirdische Ausläufer treibenden Rhizoms effektiv statt (vgl.<br />

BRUNDIN 1898, S. 70).<br />

Gnaphaliiim siipiniim L.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man findet sie in der Salix herbaceci -Schneebodenvegetation,<br />

desgleichen in anderen, gewöhnlich weniger spät ausapernden<br />

Schneebodensiedlungen (fq, s]) - cp), an schneebodenartigen N-Felsen<br />

(st fq, st pc), in der Deschampsia flexiiosa - Anthoxanthum- und<br />

der Carex rigida - C. Lachenniii -Heidewiese (in beiden st fcj,


378 N. Söijrinki, Vcrmehniiig d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. IL<br />

SJ) - st pc) und auf frischgründigen Krautwiesen am Rande der<br />

Schneeböden (p, st pc - pc).<br />

Die Ii ö h e der Individuen betrug im J. 1933 am N-Schneebodenfelsen<br />

durclischn. 7(3-11) cm und in der Salix herbacea-<br />

Sclineebodenvegetation 8(5-13) cm (vgl. NORMAN 1895- 1901,<br />

S. 354; KRUUSE 1906, S. 260).<br />

Fertilität. Die Art blüht der Regel nach ziemlich reichlich,<br />

gelegentlich sogar reichlich, an den am spätesten ausapernden<br />

Schneebodenstandorten jedoch gewöhnlich spärlich.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1933 war das Blühen auf den Krautwiesen<br />

am Rande der Schneeböden am 19. VII. stellenweise schon<br />

im vollen Gang; in der artenreichen Carex rigida - C. Lachenalii-<br />

Wiese hatte es am 23. VII. noch nicht begonnen (grosse Knospen),<br />

am 9. VIII. war es im Ausklingen. In einer um den 7. Juli ausgeaperten<br />

Schneebodensiedlung befand sich die Art am 29. VII.<br />

im Aufblühen und am 9. VIII. in voller Blüte, am 25. VIII. war<br />

sie an der Stelle ausgeblüht. An den am spätesten ausapernden<br />

Schneebodenstandorten wurde das Blühen wegen der mächtigen<br />

Firnmassen auf einen sehr späten Zeitpunkt verschoben; so war<br />

es in einer extremen Siedlung der artenreichen Oxyria digyna -Schneebodenvegetation<br />

am 2. IX. erst im Beginnen.<br />

Im J. 1931 war die Floration in der vorgenannten Siedlung der<br />

artenreichen Carex rigida-C. Lachenalii-Wiese am 25. VII. schon<br />

im Ausklingen. In der Salix herhacea -Schneebodenvegetation<br />

befand sich die Art am 27. VII. in voller Blüte und am 10. VIII.<br />

im Ausblühen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die Früchte an den Wiesenstandorten<br />

am 8. VIII. stellenweise schon reif und die Ausstreuung<br />

hatte begonnen. Am 2. IX. hatte die Samenstreuung auf den<br />

Schneebodenwiesen grösstenteils stattgefunden und auch auf den<br />

eigentlichen Schneeböden waren die Früchte, die am spätesten<br />

ausapernden Siedlungen ausgenommen, allgemein reif.<br />

Im J. 1931 hatte die Samenstreuung an den am frühesten ausapernden<br />

Wiesenstandorten am 19. VIII. teilweise stattgefunden.<br />

In der Deschainpsia flexiiosa - Anthoxanthiim -Heidewiese waren<br />

die Früchte am 24. VIII. reif. - Die Samenreife wird also im Gebiet<br />

rechtzeitig vor Abschluss der Vegetationsperiode erreicht, ausser


Annales Botaniei Societalis Vanamo. Tom. 11. N:o 1. 379<br />

an den allerspätesten Standorten, wo sie offenbar nur in den<br />

günstigsten Jahren möglich ist.<br />

Von voller Blüte bis zur Samenstreuung vergingen im J. 1933<br />

auf den Schneebodenwiesen etwa 20 Tage. - In Ostgrönland hat<br />

KRUUSE (1906, S. 260) bei der Art in Angmagsalik reife Früchte<br />

angetroffen. Nach LID (1932, S. 8) hatten die Anfang September<br />

1931 in SE-Grönland eingesammelten Individuen ihre Samen schon<br />

ausgestreut. In Westgrönland erzeugt die Art reichlich Früchte<br />

auf Disko (PORSILD 1920 b, S. 151).<br />

S a m e n m enge. Die Anzahl der Körbchen am Spross betrug<br />

im J. 1931 auf der Schneebodenwiese 1, 2, 2, 2, 2, 3, 3, 3, 3, 3, 4,<br />

5, 5, 5, 5, 6, 6, 6, 6 und 6, durchschn. 3.9. Die Zahl der Früchte<br />

(Samen) im Körbchen war (die unentwickelten in Klammern,<br />

halbentwickelte waren nicht vorhanden) 0 (-f- 47), 1 (+ 17),<br />

1 (+ 25), 7 (+ 35), 12 (4- 25), 20 (+ 32), 22 (+ 6), 36 (+ 10),<br />

39 (+4) und 40 (+5), durchschn. 17.8 (+20.(5). Die Anzahl der<br />

vollentwickelten Samen pro Spross betrug also 69.1 Stück.<br />

Keimung der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 19. VIII. 1931 von der Schneebodenwiese eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten zu 100 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 3. Tage ein, war am<br />

kräftigsten in der 2. Woche und schloss in der 4. Woche ab.<br />

Die am 8. VIII, 1933 von der Schneebodenwiese eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen (50 Stück) keimten im gleichen Herbst noch gar nicht, im<br />

folgenden Frühling bis zum 14. V. aber zu 38 %.<br />

Die K e i m u n g der S a men i n den Natur findet<br />

im Anfang der Vegetationsperiode statt (am 11. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge auf einer Schneebodenwiese). - Nach SYLVIN (1906,<br />

S. 22) scheint die Keimung im »Frühling» (Vorsommer) zu erfolgen.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

regelmässig an den Standorten der Art, die am allerspätesten ausapernden<br />

Schneebodcnsiedlungen ausgenommen. Der Keimlingsquotient<br />

variiert auf den Schneeböden gewöhnlich von 0.5 bis 5,<br />

und zwar liegt er am niedrigsten in solchen Siedlungen, in denen<br />

der Boden hart vertrocknet oder von einer dichten Moosschicht<br />

I)edeckt ist, wie oft in der Salix herbacea -Schneebodenvegetation.


380 N. Söyrinki, Veriuelirung d. Saineiipfl. i. d. alpinen Vegetation. 11.<br />

An solchen Stellen wiederum, wo der Boden als Folge der Tätigkeit<br />

des Schmelzwassers oder aus anderen Gründen mehr oder minder<br />

nackt ist und den Samen also gute Gelegenheiten zur Keimung<br />

bietet, sind die Keimlinge zahlreich vertreten und der Keimlingsquotient<br />

kann gelegentlich bis 10 ansteigen. An den extremsten<br />

Schneebodenstandorten, wo die Samen offenbar nicht in allen Jahren<br />

zur Reife gelangen, können die Keimlinge gänzlich fehlen. Auf<br />

den Heidewiesen findet man Keimlinge gewöhnlich nur mehr oder<br />

minder vereinzelt vor, in frischgründigen Siedlungen dagegen reichlicher.<br />

So wurden in einer Siedlung der Carex riyida - C. Lachenalii-<br />

Heidewiese auf 3 x O.i m^ insgesamt 9 jüngere und 11 ältere Keimlinge<br />

gezählt (insgesamt 30 fertile Sprosse auf 3 m-).<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig. - SYLVÉN (I.E.) hat in Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht, wie auch aus den Beobachtungen RESVOLLS (1917, S. 217)<br />

hervorgeht. Ende August 1933 hatten die jüngeren Keimlinge<br />

zwei Paar kleine Laubblättcr entwickelt.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein mehr oder<br />

minder aufrechtes Rhizom, das kurze, etwa 1 cm lange, am Sprossgrunde<br />

reichlich mit Nebenwurzeln versehene Äste entsendet. Ein<br />

Selbständigwerden der einzelnen Sprosse nach ihrer eventuellen<br />

Ablösung vom Mutterindividuum ist also möglich und die Pflanze<br />

kann ausserdem kleine Rasen bildend in einigem Umfang am Standort<br />

weiterkommen (vgl. RESVOLL I.E.).<br />

Giuiplialinni noruegicum Gunner.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie auf den Krautwiesen - besonders<br />

in frischgründigen, verhältnismässig spät ausapernden Siedlungen -<br />

(st fq, sp - st pc), den Heidewiesen (p, st pc - sp) und in der Salix<br />

herbacea -Schneebodenvegetation ebenso wie in anderen weniger<br />

spät ausapernden Schneebodensiedlungen (p, st pc - pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht selbst auf den Schneeböden<br />

beinahe regelmässig und zwar gewöhnlich ziemlich reichlich.


Annales Botanici Socielatis Vananio. Toni. l t. N:o 1, 381<br />

F 1 o r a t i 0 n. Das Blühen war im J. 1933 an den S-Hängen<br />

am 22. VII. teilweise schon im vollen Gang; in der Geranium silvaticiim<br />

- Trolliiis -Wiese war es am 19. VII. im Beginnen, am 25. - 27.<br />

VII. im vollen Gang und am 8. VIII. abgeschlossen. Auf den Schneeböden<br />

befand sich die Art am letztgenannten Tage im allgemeinen<br />

erst im Aufblühen. In einer um den 7. Juli ausgeaperten Schneebodensiedlung<br />

hatte das Blühen am 9. VIII. noch nicht begonnen.<br />

- Im J. 1931 war die Art in der artenreichen Carex rigida-<br />

C. Lachenalii-Wiese am 25. VII. im Aufblühen; in der Salix her-<br />

/>rtcea-Schneebodenvegetation hatte das Blühen am 27. VII. noch<br />

nicht begonnen.<br />

S a m e n r e i f e. Im J. 1933 waren die Früchte auf früh ausapernden<br />

Wiesen der S-Hänge am 20. VIII. reif und die Ausstreuung<br />

war eben im Beginnen, desgleichen am 23. VIII. in der Geranium<br />

silvaticum - Trollius -Wiese. Auf der Schneebodenwiese am Boden<br />

einer Senke hatte die Samenstreuung am 4. IX. teilweise stattgefunden.<br />

- Im J. 1931 waren die Früchte an der letztgenannten<br />

Stelle am 3. IX. reif, die Ausstreuung hatte aber noch nicht begonnen,<br />

- Die Samenreife wird also im Gebiet allgemein rechtzeitig<br />

im Laufe der Vegetationsperiode erreicht, an den am spätesten<br />

ausapernden Standorten jedoch offenbar nur in den günstigsten<br />

Jahren.<br />

Vom Blütebeginn bis zur Samenstreuung vergingen im J. 1933<br />

in der Geranium silvaticum - Trollius -Wiese etwa 35 Tage. - In<br />

Ostgrönland erzeugt die Art nach KRUUSE (190Ü, S. 260) reichlich<br />

Früchte in Angmagsalik, alte Blütenstände sind häufig. PORSILD<br />

(1920 b, S. 151) macht keine Angaben über die Fertilität auf Disko<br />

in Westgrönland.<br />

S a m e n m e n g e. An den Blütenständen werden regelmässig<br />

Früchte gebildet. Die Anzahl der Körbchen am Spross betrug<br />

im J. 1931 auf der Schneebodenwiese am Boden einer Senke 8, 9,<br />

10, 10, 10, 10, 10, 11, 12, 13, 13, 13, 14, 15, 15, 15, 19, 21, 23 und 26,<br />

durchschn. 13.9. Die Zahl der Früchte (Samen) im Körbchen war<br />

(die unentwickelten in Klammern, halbentwickelte waren niciit<br />

vorhanden) 13 (+ 20), 24 (-f 18), 27 ( f 6), 31, 32 (+ 4), 33 (+ 1),<br />

33 (+ 6), 36 ( f 1), 36 (+ 1) und 38 (+ 1), durchschn. 30.3<br />

(-f 5.8). Die Anzahl der vollentwickelten Samen pro Spross betrug<br />

also 421.2 Stück.


382 A". Söijrinki, Vermehrung d. Samcnpfl. i. cl. alpinen Vegetation. II.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Schneebodenwiese eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten zu 99 % im JACOBSENschen Keimungsapparat.<br />

Die Keimung setzte am 4. Tage ein und erfolgte<br />

hauptsächlich in der 1. Woche; die letzten Samen keimten in der<br />

4. Woche.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

Anfang der Vegetationsperiode statt (am 10. VII. 1931 jüngere<br />

Keimlinge auf einer Schneebodenwiese). - Die Beobachtungen<br />

SYLVÉ>^S (1906, S. 23) deuten nach derselben Richtung hin.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

im Gebiet fast regelmässig und mitunter sogar sehr reichlich an<br />

den Standorten der Art vor. Der Keimlingsquotient kann auf<br />

feuchtgründigen Schneebodenwiesen, auf denen die Moosschiclit<br />

mehr oder minder locker und der Boden oft vom Schmelzwasser<br />

erodiert ist, bis 20, ja sogar bis 50 ansteigen. Audi anderwärts<br />

liabe ich auf den Kraut- und Heidewiesen in der Regel Keimlinge<br />

angetroffen, wenngleich weniger zahlreich. In der Salix Iierbacea-<br />

Schneebodenvegetation trifft man Keimlinge ebenfalls oft in der<br />

Nähe der Mutterpflanzen an. In der Lycopodiiim alpiniim - Solidago<br />

- Deschampsia flexiwsa -Heidewiese fand icii zwei ältere Keimlinge<br />

auf meiner Probefläche in einer Siedlung, in der die Art sonst<br />

nicht vorkam, ebenso in der Thalictnim alpiniim - Patentilla Crantzii-<br />

Wiese. Diese durch Besamung aus der Umgebung entstandenen<br />

Keimlinge zeugen für die Verbreitungsintensität der mit einem<br />

Flugorgan versehenen Samen.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind recht günstig. - SYLVÉN (I.E.) hat in Torne Lappmark<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Vegetative Vermehrung, Die Art hat ein mehr<br />

oder minder schräg aufsteigendes Rhizom, das oft mehrere Sprosse<br />

trägt. Eine vegetative Wanderung ist ausgeschlossen, eine Individualisierung<br />

der wurzeltreibenden Sprosse scheint aber in einigem<br />

Umfang möglich.


Annalcs Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 383<br />

Petasites jrigidus (L.) FR.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlicli selten, und zwar findet man sie an den anmoorigen Ufern<br />

der Fjeldljäche (p, cp - st cp), ebenso in den Graskrautmooren<br />

(r, st cp - sp).<br />

Fundorte. Pilguoaivi; Rahpesoaivi; Raijoaivi, oben am S-<br />

Hang; zwischen dem Rahpesoaivi und dem Vilgiskoddeoaivi an zwei<br />

Stellen; Vilgiskoddeoaivi: in einem Graskrautmoor am SE-Hang,<br />

an 4 Stellen an den Bachufern am S-Hang; Kuorbgas, hoch oben<br />

am S-Hang in einem Graskrautmoor; Kammikivitunturi, in einem<br />

Moortümpel am Fusse des S-Hangs; im Kammikivi-Gebiet p nach<br />

KALLIOLA (1932, S. 108); Ricppetshohki (Onkitunturit), an einem<br />

Bachufer am E-Hang.<br />

Fertilität. Die Art ist meist ganz steril, bisweilen blüht<br />

sie jedoch mehr oder minder spärlicli oder zerstreut.<br />

F 1 o r a t i o n. Die Art befand sich am (3. VH. 1933 in voller<br />

Blüte in einer Graskrautmoorsiedlung am SE-Hang des Vilgiskoddeoaivi.<br />

S a m e n r e i f e. Ausgebildete Früchte habe ich bei der Art<br />

im Gebiet überhaupt nicht angetroffen, sondern die Fruchtanlagen<br />

waren bei sämtlichen von mir untersuchten Individuen früher<br />

oder später verkümmert. Die Samenbildung ist also bei der Art<br />

offenbar höchstens sehr schwach und wegen der niedrigen Fertilität<br />

überdies mehr oder minder lokal.<br />

Auf Spitzbergen blüht die Art nach NATHORST (1883, S. 64)<br />

sehr selten an günstigen Stellen und scheint dann auch Samen zu<br />

entwickeln. EKSTAM (1898, S. ü) berichtet, dass DE GEER nach<br />

NATHORST am 30. VIII. 1882 an der Westseite des Ekman Bay<br />

reife Früchte vorgefunden hat. Nach ANDERSSON und HESSELMAN<br />

(1900, S. 11) dürften dagegen auf Spitzbergen nicht reife Früchte<br />

angetroffen worden sein. Gegen die letztgenannten polemisiert aber<br />

ASPLUND (1918, S. 37) und glaubt, dass die von DE GEER gefundenen<br />

Früchte reif waren. Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897, S. 115)<br />

reife Früchte wahrgenommen und er scheibt, dass KJELLMAN<br />

solche in Ostsibirien angetroffen hat. FEILDEN (1898, S. 424) hat<br />

nördlich von Malyushin Shar auf Novaja Semlja bei der Art keine<br />

Anzeichen von etwaigem Blühen gesehen.


384 N. Söljrinki, Vermelirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

K e i m 1 i n g s v e r h ä 1 t n i s s e. Samenkeinilinge habe ich<br />

bei der Art nicht angetroffen. Aus den Beobachtungen über die<br />

Samenentwickliing zu schliessen dürfte die Art auch höchstens<br />

nur recht geringe Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet besitzen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert mit Hilfe<br />

des kräftigen, waagerechten Rhizoms effektiv am Standort weiter<br />

(vgl. z.B. ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 12).<br />

Arnica alpina (L.) Olin<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur in der xerophilen Dryas-Heide und am<br />

angrenzenden W-Felshang auf dem Gipfel des Rieppetshohki (Onkitunturit)<br />

angetroffen worden (sp - st cp).<br />

Fertilität. Im J. 1931 blühte die Art an der Beobachtungsstelle<br />

nur spärlich (im ganzen etwa 10 fertile Sprosse), im J. 1933<br />

dagegen reichlich (etwa 80 fertile Sprosse).<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen am 9. VII. im Beginnen<br />

und am 16. VII. im vollen Gang. - Im J. 1933 befand sich<br />

die Art am 4. VII. an der Stelle allgemein schon in voller Blüte,<br />

teilweise aber erst im Aufblühen; am 11. VII. waren die meisten<br />

Individuen schon ausgeblüht und auch die letzten standen bereits<br />

in voller Blüte.<br />

Same n reife. Im J. 1931 waren die Früchte am 13. VIII.<br />

reif; vom Blütebeginn bis zur Samenreife vergingen also etwa<br />

35 Tage. - Im J. 1933 hatte die Samenstreuung am 26. VII. teilweise<br />

schon stattgefunden. - Die Früchte kommen also schon früh im<br />

Laufe der Vegetationsperiode zur Reife.<br />

Von Spitzbergen hat man keine Beobachtungen über völlig reife<br />

Früchte (vgl. ANDERSSON und HESSELMAN 1900, S. 10), NATHORST<br />

(1883, S. 8) hat jedoch die Art am 17. VIII. 1882 in Kolbay fruchtend<br />

angetroffen. In Ostgrönland sind die Samen nach VAAGE (1932,<br />

S. 52) zwischen 71°30' und 75°40' N reif von Mitte August an;<br />

nach GELTING (1934, S. 134) reifen sie zwischen 73° 15' und 76°20' N.<br />

In Westgrönland erzeugt die Art nach PORSILD (1920 b, S. 153)<br />

reichlich Früchte auf Disko. Auf Novaja Semlja hat EKSTAM (1897,


Ahnales Botanici Societatis Vanamo. Toni. 1 1. N:o 1. 385<br />

S. 180) reife oder fast reife Früchte wahrgenoninien; LYNGE (1923,<br />

S. 80) hat die Art dort blühend beobachtet. In Ellesmereland<br />

hatte SIMMONS (1906, S. 22) nicht Gelegenheit zu untersuchen, ob<br />

die Früchte sich entwickeln, und auch die anderen Forscher haben<br />

keine Angaben ül)er reife Früchte.<br />

S a m e n m eng e. Ani Spross wird in der Regel ein Körbchen<br />

gebildet (vgl. HARTZ 1894, S. 40; SIMMONS 1906, S. 22; HOLM 1922,<br />

S. 63 B). Die Körbchen entwickeln sich beinahe ohne Ausnahme<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte (Samen) pro Körbchen<br />

betrug im J. 1933 durchschn. 52.4 vollentwickelte und 6.6<br />

unentwickelte.<br />

Keimung der Sa in e n i ni K e i ni u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 13. VHI. 1933 eingesammelten vollentwickelten Samen<br />

keimten nach Frostbeliandlung zu 46 % und ohne Frostbeliandlung<br />

zu 44 % im JACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte<br />

am 3. Tage ein und erfolgte in aller Hauptsache in der 1. Woche;<br />

in der 2. Woche schloss sie ab. Die übriggebliebenen Samen waren<br />

nach 4 Monaten tot (weich).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur sclieint im<br />

Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (am 16. VH. 1931<br />

ein jüngerer Keimling).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Die Samenkeimlinge sind<br />

am Standort viel seltener, als man auf Grund der Samenproduktion<br />

erwarten könnte; selbst wenn man auch die niedrige Fertilität der<br />

Art in bestimmten Jahren berücksichtigt. Im ganzen habe ich an<br />

der Beobachtungsstelle nur einen jüngeren und 2 ältere (etwa drittjährige)<br />

Keimlinge gefunden, und zwar am trocknen W-Verwitterungshang.<br />

Die Keimlinge hatten eine recht lange, verzweigte<br />

Hauptwurzel, die tief in den feinen Verwitterungsgrus eingedrungen<br />

war. - Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet sind also offenbar ziemlich begrenzt.<br />

Das b l ü h r e i f e Stadi u m wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht. In der Kultur geht aber die Entwicklung viel rascher<br />

vor sich, denn die im März 1931 im Lal)oralorium in Helsinki zur<br />

Keimung gebrachten und im Anfang des Sommers im Botanischen<br />

Garten ausgepflanzten Individuen blühten schon im Juli desselben<br />

Jahres. Die Pflanzen waren auch vegetativ üppiger ausgebildet<br />

als am äusserst xerophilen Standort der Art auf dem Uieppelshohki


386 N. Söyrinki, Vermehrung rl. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

und hatten in der Regel mehrere Körbchen entwickelt, während<br />

sie - wie schon oben erwähnt - draussen auf dem Fjeld stets nur<br />

mit einem Körbchen am Spross vorgefunden wurden.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein starkes,<br />

verzweigtes, waagerechtes Rhizom, mit dessen Hilfe sie effektiv<br />

am Standort vorwärts wandert,<br />

Saiissurea alpina (L.) DC.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet,<br />

häufig; man begegnet ihr auf den Krautwiesen (fq, st cp - sp),<br />

in der Drijas-Hoide (st fq, sp), in den Krautgebüschen (st fq, sp)<br />

in braunmoorartigen Graskrautmooren und an anmoorigen Bachufern<br />

(st fq, sp - st pc), an sonnigen oder schattigen Felshängen<br />

(p, sp - st pc) und auf wiesenartigen Schneeböden (st r, st pc - pc).<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 in der Geranium<br />

silvaiicum - T rollins-V^iose durchschn. 17 (10-28) cm (vgl. NOR-<br />

MAN 1895- 1901, S. 375).<br />

Fertilität. Die Art blüht fast ausnahmslos mehr oder<br />

minder spärlich; auf den Schneeböden kommt sie in der Regel<br />

ganz steril vor, desgleichen oft auch an anderen Standorten.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Im J. 1931 war das Blühen am 19. VIII. in der<br />

Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese im vollen Gang und am<br />

29.-30. VIII. auf mehr oder minder sonnigen Wiesen und Felsen<br />

ebenso wie in den Graskrautmooren und an den Bachufern allgemein<br />

abgeschlossen. An schattigen N-Hängen und in den obersten<br />

Teilen der Fjelde befand sich die Art am 22.-24. VIII. erst im<br />

Aufblühen. - In Pummanki auf der Fischerhalbinsel begann das<br />

Blühen auf den subalpinen Wiesen am 31, VII. und hatte am 4. VIII.<br />

schon beinahe seinen Höhepunkt erreicht.<br />

Im J. 1933 hatten sich die ersten Körbchen auf den S-Felsen<br />

und sonnigen Wiesen am 20. VII. geöffnet und am 8. VIII. waren<br />

sie ausgeblüht. In der Geranium silvaiicum - Trollius -Wiese befand<br />

sich die Art am 8. VIII. im Aufblühen und am 23. VIII. z.T. im<br />

Ausblühen, z.T. noch in voller Blüte. In den Krautgebüschen war<br />

die Art am 9. VIII. im allgemeinen erst in der Knospe, und an<br />

schattigen Felshängen in den obersten Teilen der Fjelde wurde sie<br />

am 30. VIII. an vielen Stellen gerade im Aufblühen wahrgenommen<br />

(vgl. VALLE 1930 und 1933 a; KONTUNIEMI 1932, S. 31).


Annales Botaniei Societalis Vanamo. Tom. 11. N:o 1. 387<br />

S a m e n r e i f o. Im J. 1931 waren die Früchte ani 3. IX.<br />

in der Geranium silvaticum - Trolliiis -Wiese ausgebildet, aber<br />

noch nicht reif, und die Stengel waren grün gefärbt. - Im J. 1933<br />

waren die Früchte am 4. IX. reif an den am frühesten ausapernden<br />

Standorten, die Ausstreuung hatte al)er nicht begonnen, - An<br />

vielen Standorten bleibt die Samenreife offenbar in der Regel mehr<br />

oder minder unvollständig und in den ungünstigsten Jahren scheint<br />

dies z.T. selbst an früh ausapernden Standorten der Fall zu sein,<br />

denn im Sommer 1933 fand ich an offenen Bachufern stellenweise<br />

reichlich noch festsitzende nichtreife vorjährige Früchte. - KONTU-<br />

NIEMI (I.e.) hat in der subalpinen Region an offener Stelle am<br />

25. VIII. 1930 reife Früchte wahrgenommen.<br />

S a m e n m e n g e. Die Anzahl der Körbchen am Spross betrug<br />

im J. 1931 in der Geraniiim siluaticiun - Trollius (die verkümmerten<br />

in Klammern) 3(-f- 1), 4, 4, 4, 4, 5, 5, 5, 6 und 6,<br />

durchschn. 4.Ü (-f O.i) Stück. Die Früchte sind, wie audi CLEVE<br />

(1901, S. 37) aus Torne Lappmark erwähnt, ziemlich oft durch Larven<br />

parasitierender Insekten verdorben oder sonst schwach entwickelt.<br />

Die Anzahl der Früchte (Samen) im Körbchen war (die halbentwickelten<br />

und unentwickelten sowie die von den Parasiten beschädigten<br />

in Klammern; L = Larvenbesuch) 0 (-f 7; L), 0 (+ 9),<br />

0 (+ 10; L), 0 (+ 12), 0 (+ 13; L), 0 (+ 16; L), 1 (+ 12), 2 (+ 7),<br />

2(+9;L), 4 (+8), 7 (+3), 7 (+8), 8 (+2), 8 (+5), 9 (+2),<br />

10, 11, 11 (+ 5), 11 (+ 7) und 12 (+ 3), durchschn. 5.2 (+ G.g).<br />

Die Zahl der vollentwickelten Samen pro Spross betrug also<br />

23.9 Stück.<br />

Keimung der Samen im K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 3. IX. 1931 von der Geranium silvaticum - Trollius-Wiese<br />

eingesammelten vollentwickelten Samen keimten zu 55 % im<br />

jACOBSENschen Keimungsapparat. Die Keimung setzte am 4. Tage<br />

ein und erfolgte in aller Hauptsache in der 1. und 2. Woche, nur<br />

ein Samen kam in der 3. und einer in der 11. Woche zur Keimung.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren nach 4 Monaten tot (weich). -<br />

Das Resultat war unerwartet positiv, denn die Früchte wirkten<br />

beim Einsammeln noch nicht reif und lösten sich auch in der<br />

Papiertüte nicht vom Körbchenboden ab.<br />

Die Keimung der SAMEN in der Natur scheint im<br />

Anfang der Vegetationsperiode stattzufinden (vgl. SYLVÉN 1906, S. 35).


388 N. Söyrinki, Vermehrung rl. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Keimlingsverhältnissc. Die Samenkeimlinge der<br />

Art haben sich im Gebiet als sehr selten erwiesen. Im ganzen habe<br />

ich nur einen jüngeren Keimling am 18. VII. 1931 im Scirpiis<br />

caespitosiis -Moor an der Waldgrenze am N-Hang des Vuoggoaivi<br />

gefunden. Der niedrige Fertilitätsgrad und das häufige Ausbleiben<br />

der Samenreife machen das Fehlen der Keimlinge an vielen Beobachtungsstellen<br />

zwar verständlich, indem aber die Art wenigstens<br />

an ihren frühesten Standorten keimungsfähige Samen zu erzeugen<br />

imstande ist, Hesse sich ein etwas reichlicheres Vorkommen der<br />

Keimlinge gewiss erwarten.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind also offenbar recht schwach. - SYLVÉN (I.E.) hat in<br />

Torne Lappmark 2 jüngere Keimlinge gefunden. KONTUNIEMI<br />

(I.e.) hat auf seinen Probeflächen in den subalpinen Birkenwäldern<br />

keine Samenkeinilinge bei der Art angetroffen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art hat ein kräftiges,<br />

waagerechtes Rhizom, mit dessen Hilfe sie effektiv am Standort<br />

weiterwandert.<br />

Cirsium Iieterophijllum (L.) Hill<br />

Hänfigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

ziemlich häufig; man findet sie auf den Krautwiesen (p, sp - st cp),<br />

in den Krautgebüschen (p, sp - cp) und an den Bachufern (st r<br />

sp — st pc).<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich mehr oder minder<br />

spärlich, gelegentlich aber zerstreut; oft kommt sie ganz steril am<br />

Standort vor.<br />

F 1 o r a t i o n. Im J. 1931 war das Blühen in der Tlialiciriiin<br />

alpimim - Potentilla Crantzii-Vliese am NW-Hang am 24. VHI.<br />

im Beginnen und auf den Wiesen an den S- und W-Hängen am<br />

30. VIII. - 3. IX. im vollen Gang. - In der subalpinen Hegion befand<br />

sich die Art an der Landstrasse am 21. VIII. in voller Blüte. In<br />

Pummanki auf der Fischerhalbinsel hatten sich die ersten Blüten auf<br />

den subalpinen Wiesen am 1. VIH. geöffnet.<br />

Im J. 1933 waren die ersten Individuen auf sonnigen Wiesen<br />

und Bachufcrn am 8. VIII. aufgeblüht, und am 20. VIII. befand<br />

sich die Art an diesen Standorten in voller Blüte. In den Gebüschen


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 389G3<br />

war das Blühen an S-Hängen am 26. VIII. im vollen Gang, aber<br />

noch am 6. IX. wurden allgemein Blüten wahrgenommen, obgleich<br />

die frühesten Körbchen schon ausgeblüht waren (vgl. VALLE 1930<br />

und 1933 a; KONTUNIEMI 1932, S. 23).<br />

S a m e n r e i f e. Die Fruchtreife kann im Gebiet offenbar<br />

nur in den günstigsten Sommern erreicht werden, denn noch am<br />

6, IX. 1933 waren die Früchte selbst an den am frühesten ausapernden<br />

Standorten halbwüchsig; die meisten waren überdies<br />

schon von Anfang an verkümmert. - Im arktischen Norwegen ist<br />

die Art nach den Beobachtungen NORMANS (1895 - 1901, S. 371)<br />

oft steril oder die Früchte entwickeln sich nicht oder auch sind die<br />

Samen leer. Nach KONTUNIEMI (I.E.) reifen die Früchte in der<br />

subalpinen Region an offenen Stellen (am 25. VIII. 1930 reife Früchte<br />

an der Landstrasse), in geschlossenen Wäldern dagegen kaum.<br />

Keimlingsverhältnisse. Aus den Beobachtungen<br />

über die Fertilität und die Samenreife geht schon hervor, dass die<br />

Art nur ganz begrenzte Voraussetzungen zur generativen Vermehrung<br />

im Gebiet besitzen kann. Ich habe auch im ganzen nur 2 einige<br />

Jahre alte, äusserlich noch auf dem Keimlingsstadium stehende<br />

Individuen in der Thalictrum alpiniiin - Poientilla Crantzii ANicsc<br />

angetroffen. Es scheint aber auch möglich, dass die pappusversehenen<br />

Früchte mit dem Wind aus der Waldregion hinauf zu den<br />

Fjelden verschleppt werden können, wie schon NORMAN (1895- 1901,<br />

S. 371) schreibt; eine grössere Bedeutung dürfte indes dieser Möglichkeit<br />

natürlich nicht beizumessen sein. - KONTUNIEMI (I.E.)<br />

hat auf seinen Probeflächen in geschlossenen Beständen der<br />

subalpinen Birkenwälder bei der Art keine Samenkeimlinge gefunden,<br />

in einem Graben an der Landstrasse dagegen 18 jüngere und<br />

1 älteren Keimling auf 1 m^.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert bekanntlich<br />

mit Hilfe des waagerechten Rhizoms kräftig am Standort weiter.<br />

Mulgedium alpimiin (L.) Less.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

sehr selten; sie ist nur an einer Stelle am S-Hang des Kuorbgas<br />

angetroffen worden, wo sie eine etwa 2 m^ grosse Siedlung im Schutze<br />

eines Steinblocks bildete.


390 iV. Söijrinki, Vermehrung d. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

Die Höhe der Individuen variierte im J. 1933 an der Stelle<br />

von 74 cm bis hinauf zu 105 cm (vgl. NORMAN 1895- 1901, S. 383;<br />

KONTUNIEMI 1932, S. 28).<br />

Fertilität. Die Art blühte im Sommer 1933 reichlich<br />

(50 fertile Sprosse an der Stelle).<br />

F 1 o r a t i o n. Das Blühen war im J. 1933 an der Stelle am<br />

21. VIII. im vollen Gang. - In den subalpinen Birkenwäldern<br />

befand sich die Art am 17. VIII. im Ausblühen (vgl. VALLE 1930<br />

und 1933 a; KONTUNIEMI I.E.).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge kamen an<br />

der Beobachtungsstelle nicht vor und es scheint recht fraglich,<br />

ob die Art dort überhaupt zur generativen Vermehrung fähig ist. -<br />

KONTUNIEMI (I.E.) hat auf seinen Probeflächen in den subalpinen<br />

Birkenwäldern nur relativ spärlich Keimlinge angetroffen.<br />

Vegetative Vermehrung. Die Art wandert mit<br />

Hilfe des kräftigen, waagerechten Rhizoms am Standort weiter<br />

(vgl. z.B. WYDLER 1860, S. 555).<br />

Taraxacum officinale L. coli.<br />

Häufigkeit und Vorkommen. Die Art ist im Gebiet<br />

häufig; man begegnet ihr auf den Krautwiesen (fq, sp - st pc), in<br />

der Deschampsia flexaosa - Anthoxantham -Heidewiese (fq, sp - st pc),<br />

in den Krautgebüschen (st fq, st cp - st pc), auf feuchtgründigen<br />

Schneeböden ebenso wie an den Ufern der Schneebodenbäche<br />

(st fq, st pc - sp) und an mehr oder minder schattigen Felshängen<br />

(p, st pc - pc). - Die auf den Schneeböden gewöhnlich vorkommende<br />

Art ist Taraxacum croceum Dahlst.<br />

Die Höhe der Individuen betrug im J. 1933 am N-Schneebodenhang<br />

durchschn. 26 (18 - 35) cm.<br />

Fertilität. Die Art blüht gewöhnlich zerstreut, gelegentlich<br />

sogar ziemlich reichlich; in den Gebüschen blüht sie jedoch oft<br />

nur spärlich oder kann stellenweise wenigstens in bestimmten Jahren<br />

ganz steril auftreten, wie mitunter wohl auch an ihren übrigen<br />

Standorten.<br />

F 1 0 r a t i 0 n. Im J. 1931 war das Blühen an den am frühesten<br />

ausåpernden Schneebodenstandorten am 15. VII. im Beginnen


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 301G3<br />

und am 23. VII. im vollen Gang, in den spätesten Siedlungen stand<br />

aber die Art erst am 13. VIII. in voller Blüte.<br />

Im J. 1933 befanden sich die ersten Individuen an den S-Hängen<br />

am 5. VII. in voller Blüte und am 17. VII. war die Art auf sonnigen<br />

Wiesen schon allgemein ausgeblüht. An den am frühesten ausapernden<br />

Schneebodenstandorten war das Blühen am 21. VII. im<br />

vollen Gang und am 8. VIII. im Ausklingen; in den spätesten Siedlungen<br />

dagegen, wo vom schneereichen Winter noch mächtige<br />

Firnmassen im langsamen Abschmelzen begriffen waren, befand<br />

sich die Art am letztgenannten Tage z.T. in voller Blüte, z.T. erst<br />

im Aufblühen, und noch am 2. IX. wurden blühende Individuen<br />

wahrgenommen.<br />

S a m e n r e i f e . Im J. 1931 waren die Früchte in der Raniinciiliis<br />

acer-Wiese am Fusse eines Schneebodenhangs am 13. V^III.<br />

reif und die Ausstreuung war eben im Beginnen. - Im J. 1933 waren<br />

die Früchte auf den Wiesen der S-Hänge am 19. VII. reif und<br />

die Ausstreuung befand sich im Beginnen. In relativ spät ausapernden<br />

Schneebodensiedlungen hatte die Samenstreuung am<br />

23. VIII. begonnen. - Die Samen kommen bei der Art also allgemein<br />

rechtzeitig vor dem Abschluss der Vegetationsperiode zur Reife,<br />

nur die am allerspätesten blühenden Individuen bilden augenscheinlich<br />

eine Ausnahme.<br />

Von voller Blüte bis zur Sömenstreuung vergingen im .1. 1933<br />

auf sonnigen Wiesen etwa 14 Tage. - Nach den Beobachtungen<br />

SiPiLÄs (1935) brauchten die einzelnen Körbchen in Ähtävä (Ostrobottnia<br />

media) vom Ausblühen bis zum Beginn der Samenstreuung<br />

5-10 Tage; die Körbchen blühten 3-4 Tage.<br />

Auf Spitzbergen setzt Taraxacum croceiini nach ANDERSSON<br />

und HESSELMAN (1900, S. 14) wahrscheinlich reife Früchte. In<br />

Ostgrönland hat KRÜUSE (1906, S. 259) bei derselben Art in Angmagsalik<br />

reichlich reife Früchte im August angetroffen; nach GEL-<br />

TING (1934, S. 141) bildet ssp. braclujceras (Dahlst.) nicht jeden<br />

Sommer reife Früchte zwischen 73°15' und 76°20' N. In Westgrönland<br />

erzeugt T. croceiim nach PORSILD (1920 b, S. 154) reichlich<br />

Früchte auf Disko. Auf Novaja Semlja bringt T. olficinale nach<br />

EKSTxVM (1897, S. 116) reichlich reife Früchte hervor.<br />

S a m e n m e n g e. Die Körbchen entwickeln sich in der Regel<br />

zu Früchten weiter. Die Anzahl der Früchte (Samen) im Körbchen<br />

Ann. Bot. Soe. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1. 26


392 N. Söyrinki, Vermehrung rl. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

belrug im J. 1931 in der Raiumciiliis rtcer-Wiese 46, 49, 51, 58,<br />

73, 77, 79, 80, 82 und 84, durchschn. 68.o Stück.<br />

K e i m u n der Samen im K e i m u n g s v e r s u c Ii.<br />

Die am 13. VIII. 1931 von der Raniinciiliis «cer-Wiese eingesammelten<br />

vollentwickelten Samen keimten nach Frosthehandlung<br />

zu 81 % und ohne Frostl)ehandlung zu 78 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat. Die Keimung setzte bei den ersteren am 3.,<br />

bei den letzteren am 2. Tage ein und schloss in der 2. (1.) Woche ab.<br />

Die übriggebliebenen Samen waren nach 4 Monaten tot (weich).<br />

Die Keimung der Samen in der Natur findet im<br />

(iebiet offenbar wenigstens in der Hauptsache im Anfang der Vegetationsperiode<br />

statt (am 4. VII. 1933 jüngere Keimlinge auf den<br />

Wiesen am Rande der Schneeböden). - Nach SYLVÉN (1906, S. 48)<br />

sind die Samen gleicli nach erlangter Reife keimungsfähig.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge findet man<br />

an den verschiedenen Standorten der Art beinahe regelmässig und<br />

gewöhnlich auch ziemlich reichlich vor. Der Keimlingsquotient<br />

variiert an meinen Beobachtungsstellen von 1 bis 10; am höchsten<br />

steigt er auf feuchtgründigen, relativ spät ausapernden Wiesen<br />

am Rande der Schneebodensiedlungen, ebenso wie an mehr oder<br />

minder schattigen, verwitterten Felshängen, die den Samen reichlich<br />

Gelegenheiten zur Keimung darbieten. Auch in d^r üeschampsia<br />

flexiiosa - Anthoxanihnm -Heidewiese habe ich Keimlinge angetroffen<br />

und selbst an den Schneebodenstandorten sind sie stellenweise<br />

ziemlich zahlreich vertreten. Sogar in solchen Siedlungen, in denen<br />

die Art im betr. Beobachtungssommer ausschliesslich steril vorkam,<br />

waren Keimlinge oft zu finden. Für die Flugfähigkeit der pappusversehenen<br />

Früchte zeugt der Umstand, dass man an offenen,<br />

feuchten Bachufern mehrmals Keimlingen auch an solchen Stellen<br />

begegnen kann, an denen die Art sonst gar niciit vorkommt.<br />

Die Voraussetzungen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gebiet sind reciit günstig. - LINDMAN (1887, S. 101) hat auf<br />

dem Dovre und SVLVÉN (I.e.) an mehreren Stellen in Schweden<br />

Samenkeimlinge der Art eingesammelt. VILBERG (1929, Tab. II - V,<br />

VII, IX und XIII; S. 63 und 71) fand auf seinen Probeflächen in<br />

der Loodvegetation Estlands Taraxacum -Keimlinge.<br />

Das b 1 ü h r e i f e Stadium wird in den Petsamofjelden<br />

nach mehreren .lahren erreicht. In der Kultur geht die Entwicklung


Aiinales Botanici Societatis Vanamo. Tom. 14. N:o 1. 393G3<br />

dagegen viel rascher vor sich, denn die im März 1932 im Laboratorium<br />

in Helsinki zur Keimung gebrachten, im Beginn des Sommers<br />

im Botanischen Garten ausgepflanzten Individuen blühten<br />

schon im Juli desselben Jahres. - SYLVÉN (1906, S. 49) hat auf<br />

Buderatboden in Südschweden im Frühling aufgekeimte Individuen<br />

schon im Frühling des folgenden Jahres in der Blüte wahrgenommen<br />

und schreibt, dass die Art nach HILDEBBAND in Deutschland schon<br />

im Keimungsjahr blüht.<br />

Eine vegetative Vermehrung ist wenigstens in der<br />

Begel gänzlich ausgeschlossen; nach KJI


394 N. Söyrinki, Vermehrung rl. Sanienpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

nen; vom Blüteheginn bis zur Samenstreuung vergingen etwa<br />

30 Tage. Auf (ien Wiesen waren die Früchte am 4. IX. ziemlich<br />

allgemein reif. - Im J. 1931 hatte die Art am 30. VIII. ausgebildete,<br />

aber noch nicht reife Früchte am W-Felshang. - An den am frühesten<br />

ausapernden Standorten kommen die -Samen also im Laufe der<br />

Vegetationsperiode gut zur Reife, an den spätesten werden sie<br />

dagegen wenigstens recht oft in mehr oder minder halbwüchsigem<br />

Zustand vom Winter überrascht.<br />

In Ostgrönland erzeugt die Art nach KRUUSE (1906, S. 259)<br />

reichlich reife Früchte in Angmagsalik. Nach PORSILD (1932, S. 78)<br />

ist die Fruchtproduktion reichlich in Grönland.<br />

Keimung der S a m e n i m K e i m u n g s v e r s u c h.<br />

Die am 30. VIII. 1931 vom W-Felshang eingesammelten vollentwickelten<br />

Samen (80 Stück) keimten zu 4 % im JACOBSENschen<br />

Keimungsapparat, und zwar in der 2. bis 4. Woche. Die übriggebliebenen<br />

Samen waren nach 3 Monaten tot (weich). - Die Früchte<br />

waren l)eim Einsammeln noch nicht reif, wenngleich ausgebildet.<br />

Die am 12. VIII. 1933 vom SE-Moränenhang eingesammelten,<br />

am 27. IX. 1933 im Freien im Saatkasten in Gartenerde ausgesäten<br />

Samen keimten im gleichen Herbst noch gar nicht, im folgenden<br />

Frühjahr aber bis zum 14. V. zu 56 %. Die Keimung erfolgte<br />

beinahe gleichzeitig.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang ,der Vegetationsperiode stattzufinden (am 17. VII. 1931<br />

jüngere Keimlinge auf einem Felsblock in der subalpinen Region).<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 11 n i s s e. Samenkeimlinge der Art<br />

findet man ziemlich regelmässig im Gebiet vor. Am reichlichsten<br />

vertreten sind sie an den Felsenstandorten; der Keimlingsquotient<br />

variiert an diesen von 5 bis 10, und besonders an sonnigen Verwitterungshängen<br />

kommen die Keimlinge zahlreich vor, aber auch<br />

oft in den Spalten fester Felsenflächen. In der Lijcopodium alpiniim<br />

- Solidago - Descliampsia (lexiiosa -Ileidewiese wurden auf 5 xO.25 m^<br />

insgesamt 4 ältere Keimlinge gezählt (keine fertilen Individuen<br />

auf den untersuchten 5 Quadratmetern und auch in den Siedlungen<br />

nur wenige). Auch sonst habe ich an den Wiesenstandorten einzelne<br />

Keimlinge angetroffen, obgleich die Art auf den Probeflächen<br />

stets nur spärlich auftrat.


Annalcs Botanici Societalis Vanamo. Tom. I I. N:o 1. 395<br />

Die Vorausselziingen der Art zur generativen Vermehrung im<br />

Gel)iet sind günstig.<br />

Das 1) 1 ii h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreiclit.<br />

Eine vegetative Vermehrung dürfte bei der Art<br />

niclit möglich sein, jedenfalls kann sie keine praktische Bedeutung<br />

besitzen.<br />

Archieraciiim spp.<br />

Häufigkeit und V o r k o m m e n. Die Archieracium-<br />

Arten, die nicht näher bestimmt wurden und hier als kollektive<br />

Einheit behandelt werden, kommen im Gebiet ziemlich selten vor,<br />

und zwar begegnet man ihnen an mehr oder minder sonnigen Felshängen<br />

(st r, st c]) - sp), auf den Krautwiesen (r, st pc) und an<br />

den i^achufern (r, st pc - i)c).<br />

Fertilität. Die »Art» blüht der Hegel nach ziemlich reichlich.<br />

F 1 o r a t i 0 n. Das Blühen war im J. 1933 an sonnigen Felshängen<br />

am 23. VII. im Beginnen und am 11. VIII. im Ausklingen.<br />

Auf schattigen Wiesen befand sich die »Art» am 8. VIII. im Aufblühen<br />

und am N-Felshang erst am 2. IX. - In den subalpinen<br />

Birkenwäldern war das Blühen am 2G. VII. im Beginnen. - Im<br />

,1. 1931 begann die Floration an den am frühesten ausapernden<br />

Standorten am 23. VII.<br />

Die Keimung der Samen in der Natur scheint<br />

im Anfang der Vegetationsperiode zu erfolgen. - Nach SYLVÉN<br />

(1906, S. 52) scheint Arcliieradum sp. in Torne Lappmark im »Frühling»<br />

(Vorsommer) aufgekeimt zu haben.<br />

K e i m 1 i n g s V e r h ä 1 t n i s s e,» Samenkeimlinge findet man<br />

bei den Archieracien im Gebiet gewöhnlich ziemlich reichlich vor;<br />

der Keimlingsquotient variiert an meinen Beobachtungsstellen an<br />

den Felsen und den Bachufern von 1 bis 5. In Pummanki auf der<br />

Fischerhalbinsel begegnete ich einem durch Besamung aus der<br />

Umgebung enlstandenen Keimling an der Stelle eines ausgegrabenen<br />

Torfstücks in der J)nj(is-liQU\e.<br />

Die »Art» hat also günstige Voraussetzungen zur generativen<br />

Vermehrung im Gebiet. - SYLVÉX (I.E.) hat bei Archieraciiim sp.


396 N. Söljrinki, Vermelirung d. Samenpfl. i. d. alpinen Vegetation. II.<br />

in Torne Lappmark Sanienkeinilinge eingesammelt. KUJALA (192G<br />

a, S. 122) hat im Lärchenforst von Raivola (Isthmus carelicus)<br />

Keimlinge der Archieraciuin-Arten angetroffen. KONTUNIEMI (1932,<br />

S. 27) fand nur einige Keimlinge auf seinen Probefläclien in den<br />

subalpinen Birkenwäldern vor.<br />

Das 1) 1 ü h r e i f e Stadium wird nach mehreren Jahren<br />

erreicht.<br />

Eine vegetative Vermehrung dürfte kaum möglich<br />

sein.


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VALLE, K. J., 1930, Kasvifenologisia havaintoja Petsamosta. Luonnon Ystävä,<br />

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Ibid., 37, S. 20-21.<br />

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VÄYRYNEN, HEIKKI, 1938, Petrologie des Nickelerzfeldes Kaulatunturi -<br />

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—»— 1885 Biologiske Optegnelser om Granlandske Planter. 1. Cruciferae,<br />

Ericineae. Ibid., 15, S. 1 - 56.<br />

—»— 1886 a. Id. 2. Papaveraceae, Saxifragaceae, Empetrum, Streptopus.<br />

Ibid., 16, S. 1 -40.<br />

—>>— 1886 b, Om Bygningen og den förmodede Bestovningsmaade af nogle<br />

gronlandske Blomster. Overs. K. D. Vidensk. Selsk. Forhandl. 1886,<br />

S. 1 - 59.<br />


SUOMENKIELINEN SELOSTUS.<br />

TUTKIMUKSIA SIEMENKASVIEN SIEMENELLLSESTÄ JA<br />

KASVULLISESTA LISÄÄNTYMISESTÄ PETSAMON LAPIN<br />

ALPIINISESSA KASVILLISUUDESSA.<br />

IL ERIKOISOSA.<br />

Tämä Petsamon Lapin alpiinisen kasvillisuuden lisääntymisekologiaa selvittelevien<br />

tutkinuisten toinen osa sisältää sen havaintoaineiston, johon<br />

teoksen ensimmäisessä osassa (SÖYUINKI 1938) esitetty yleinen käsittely perustuu,<br />

kaikista Petsamontuntureitten alj)iinisen alueen 197:stä kasvilajista. -<br />

Tutkimusmenetelniä on selostettu ensimmäisessä osassa (s. 16-20); tämän<br />

osan esipuheessa on lisäksi muutamia täydentäviä huomautuksia. Alueella<br />

enemmän tai vähemmän harvinaisilla lajeilta on lueteltu yksityiset löytöpaikat;<br />

ne perustuvat tekijän omiin havaintoihin, ellei erityisesti ole toisin<br />

mainittu. Nimistö on pääasiassa HHTOSEN (1938), lajien järjestys LINDMANIN<br />

(1926) mukaan.


Karte 1. Das Gebiet der Petsamofjelde (Petsamontunturit)<br />

nach VÄYRYNEN (1938).<br />

- - - Höhen O-lüü m<br />

» 100-200 »<br />

» 200 - 300 »<br />

» 300 - 400 »<br />

Baumgrenze von unbekannter Höhe<br />

Fjeldgebiete<br />

A 532 Triangelpunkte<br />

• Geologenhütten<br />

Landstrasse (die längs dem Nordrand des Fjeldgebietes fülirende<br />

Strasse ist erst nach dem Jahre 1933 erbaut).<br />

Die Nummern l - 6 in der Karte l)edeuten folgende Seen:<br />

1. Pilgujaur.<br />

2. Vilgiskveljaur.<br />

3. Saarijärvi.<br />

4. Pieni Vilgiskoddeoaivinjärvi.<br />

5. Vilgiskoddeoaivinjärvi.<br />

6. Pat järvi.


Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 14, n:o 1.<br />

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SUOMALAISEN ELÄIN- JA KASVITIETEELLISEN SEUU\N VANAMON<br />

KASVITIETEELLISIÄ JULKAISUJA<br />

OSA 14. N:o 2.<br />

ANNALKS HOTANICI SOCIKTATIS ZOOLOGIC/E-BOTANICIII FENNICIE VANAMO<br />

TOM. I'L. N:o 2.<br />

K AS VITI f: T E E LL ISIÄ TIE D ON ANTOJA<br />

JA > . J . .<br />

KLRJOITELMl A '<br />

IL<br />

NOTULAE BOTANIGAE<br />

IL<br />

U K I.S f N K I I 9 O


l i s I s Ä L LY s. - I N H A ]/r.<br />

KALELA, AARNO, Ranuncu'us borealis Trautv. in Finnland I<br />

-i>— Eine für Fennoskandia neue Rumex-Art x<br />

— B i n Beitrag zur Garex-Flora Fennoskandias 12


AARNO KALELA: Ranunculus borealis Trautv. in Finnland.<br />

Die in der Überschrift erwähnte Ranunculus -Art datiert vom<br />

Jahre 1860. Die Originaldiagnose TEAUTVETTEBS (1860, S. 72 - 73)<br />

ist kurz und lautet wie folgt: »radice fibrosa, perenni; caule 1 -multifloro,<br />

erecto, petiolisque patentim hirsutis vel rarissime subglabris;<br />

foliis profunde palmatim 3-5-partitis obovatis, 2-3-fidis vel<br />

2-3 -lobis, inciso-dentatis; pedunculis teretibus, laevibus; petalis<br />

sepala longe superantibus (luteis); receptaculo glabro; carpellis lenticulari-compressis,<br />

glabris, inarginatis, demum sub lente subtiliter<br />

impresso-punctatis, rostro al)breviato, carpello multiplo breviore.»<br />

Diese Art, die in Nordrussland und Sibirien verbreitet ist, wurde<br />

früher allgemein als R. lamiginosus L. bezeichnet, unterscheidet sich<br />

aber von dieser im Bau der Blätter und der Früchte erheblich. Nach<br />

TEAUTVETTER ist seine R. borealis am nächsten verwandt mit<br />

R. propinquus C. A. Mey. und mit den breitblättrigen Formen von<br />

R. acris L., hat aber im Gegensatz zu diesen Arten eine abstellende<br />

Haarbekleidung auf dem wStengel und auf den Blattstielen.<br />

Ausser der var. lypica (»caule multifloro petioUsque patentim<br />

hirsutis, floribus diametrum 5-8 lin. Par. attingentibus») beschreibt<br />

TRAUTVETTER u.a. eine var. glabrata, die in folgender Weise charakterisiert<br />

wird: »caule, petiolisque subglabris, floribus diametrum<br />

5-8 lin. Par. attingentibus». Diese Varietät soll nach ihm dieselbe<br />

Pflanze darstellen, die RUPRECHT (1845, S. 19, Taf. 1) schon 15 Jahre<br />

früher von der russischen Eismeerküste als R. glabriusculus beschrieb.<br />

In seiner Arbeit »Tentamen florae Rossiae orientalis» (1898)<br />

erwähnt KORSHINSKY nur eine R. acris nahestehende Art, R. propinquus<br />

G. A. Mey- Er hat dabei dieser xVrt aber einen viel weiteren<br />

Inhalt als C. A. MEYER in seiner Originalbeschreibung bei LEDE-<br />

EOUR (1800, S. 332) gegeben. Er scheint nämlich unter diesem<br />

Namen alle aus Russland und Sibirien damals bekannten Ranunculus<br />

acris-Formen mit breiten Blattlappen (R. propinquus: »foliorum radi-


2 ^l. Kalela, Ranunculus borealis Trautv. in Finnland.<br />

calium laciniae latae rhomboicleo-ovales vcl ohovatae, incisae vel<br />

serratae»; R. acris: »foliorum radicalium laciniae lineares vel lanceolatae,<br />

angustae») zusammenzufassen: R. propinqiius C. A. Mey.<br />

(s. Str.); R- borealis Trautv.; R. glabriusciilus Rupr. Die diagnostisch<br />

wichtige Haarbekleidung hat er völlig ausser acht gelassen.<br />

Der kürzlich erschienene VII. Teil der »Flora USSR» (1937)<br />

fasst R. propinqiius im Sinne C. A. MEYEHS als eine rein sibirische,<br />

montane Art auf. Aus dem europäischen Russland werden drei<br />

Ranimciihis acris L. nahestehende Arten erwähnt: R. borealis Trautv.,<br />

R. (jlabriiisculiis Rupr. und R. laniiginosaeformis Selin in sched. Es<br />

werden ausführliche, obwohl etwas vage Diagnosen von den Arten<br />

gegeben. R. borealis Trautv. ist nach dem fraglichen Florawerk<br />

häufig in Russisch-Karelien und auf der Kola-Halbinsel, ferner in<br />

Nordrussland, Sibirien und Zentralasien; R. glabriusciilus Rupr.<br />

ist häufig in der ganzen Arktis des europäischen Russlands und<br />

Westsibiriens; R. lanuginosaeformis Selin in sched.^ schliesslich wird<br />

aus Novaja Zemlja und aus dem arktischen Sibirien gemeldet.<br />

Dass in Ostfennoskandia eine R. acris L. nahestehende, östliche<br />

Art vorkommt, wurde zum ersten Mal von LINDBERG (1901,<br />

S. 28) konstatiert. Wahrscheinlich durch die Darstellung KOR-<br />

SHINSKYS (vgl. oben) irregeführt, bezeichnet er die Art als R. acris L.<br />

ssp. propinqiius C. A. Mey. Dieser Name hat sich seitdem in der<br />

finnischen botanischen Literatur eingebürgert. Die Art wurde zuerst<br />

aus Ladcga- und Olonetz-Karelien sowie fast gleichzeitig audi aus<br />

Finnisch- und Russisch-Lapplanil angegeben. Später sind weitere<br />

Fundorte in Ladcga- und Onega-Karelien, sowie in Kuusamo bekannt<br />

geworden (vgl. HJELT 1906, S. 209; MELA-CAJANDER 1900,<br />

S. 282; LINKOLA 1921, S. 290; HIITONEN 1933, S. 348; PANKAKOSKI<br />

1939, S. 77-78). Neuerdings hat HUTONEN (I.e.) die ostfennoskandische<br />

Art mit einer südrussischen identifiziert und für diese den Namen<br />

1 Die »Flora USSR« gibt an, die Art sei aus Novaja Zemlja beschrieben.<br />

Die Originalexemplare SELINS, die sich im Botanischen Museum der Universität<br />

Helsinki befinden, stammen aber aus Kiidin an der Murmanküste<br />

und stellen, soweit Verf. übersehen kann, recht typische It. borealis<br />

Trautv. dar (vgl. auch FELLMAN 1869, S. 3). Hier liegt ein Widerspruch<br />

vor. Verf. hat keine Belege der in der »Flora USSR» erwähnten Art gesehen,<br />

hält es aber für offenbar, dass der Name SELINS für diese Art nicht gebraucht<br />

werden kann.


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 3<br />

R. acris L. ssp. Stevéni Anclrz. gebraucht; diese zwei Arten haben<br />

jedoch nichts miteinander zu tun.<br />

Auf seinen Exkursionen in Petsamo (1926-30), in den übrigen<br />

Teilen Finnisch-Lapplands (1926, 1934) sowie in SE-Finnland (1934,<br />

1939) hat Verf. sein Augenmerk auf die jetzt in Frage stehende<br />

Art gerichtet und Herbariummaterial davon eingesammelt. Weiterhin<br />

hat er die Sammlungen der Universitäten Helsinki und Uppsala<br />

sowie des Stockholmer Riksmuseums studieren können. Über die<br />

Resultate seiner Untersuchungen liat Verfasser vorläufig folgendes<br />

zu berichten.<br />

In Finnland liat man offenbar zunächst zwischen zwei zum Formenkreis<br />

von Ranunculus acris L. gehörenden naheverwandten<br />

Arten zu unterscheiden: R. acris L. (s. str.) und R. borealis Trautv.<br />

Der ausschlaggebende Unterschied ist, wie schon TRAUTVETTER hervorhob,<br />

in der verschiedenen Beschaffenheit der Haarbekleidung<br />

zu suchen. Dabei hat man aber nicht nur die Riclitung der Haare,<br />

sondern auch ihren Bau zu berücksichtigen. R. acris L. (s. str.) hat<br />

im unteren Teil des Stengels sowie auf den Blattstielen und -scheiden<br />

angedrückte, schmutzig-hellgrüne, oft ± deutlich ins Gelbliche<br />

spielende, kurze, steife, (oberhalb des Grundes) gerade Haare; bei<br />

R. borealis Trautv. sind die Haare abstehend, weiss, lang, zart und<br />

darum oft leicht gebogen oder sogar unduliert. An zweiter Stelle<br />

kommen dann die Unterschiede im Blattbau. Die Blätter von R.<br />

acris L. (s. str.) sind tief 3-teilig, die Seitenabschnitte wiederum<br />

ein-bis zweimal tief 2-teilig, der Mittelabschnitt zumeist 3-teilig,<br />

so dass 7-11 tiefgeschnittene Blattlappen entstehen; die Lappen<br />

sind länghch-lineal bis lineal mit schmal keilförmiger Basis und langund<br />

schmalzähnigen Rändern. Bei Ranunculus borealis Trautv. ist die<br />

Blattspreite verhältnismässig tief bis sehr flach 3-spaltig; die Seitenabschnitte<br />

flach 2-spaltig, seltener nur grobzähnig, der Mittelabschnitt<br />

zumeist nur grobzähnig, seltener flach 3-spaltig; es gibt somit<br />

3-5, nur selten 7 Blattlappen; diese Lappen sind oval oder<br />

rhomboid mit breit keilförmiger Basis sowie mit breit- und kurzzähnigem<br />

Rand. Obwohl die Blattform somit in der Regel erhebliche<br />

Unterschiede darbietet, gibt es nicht selten Fälle, in denen es lediglich<br />

unter Berücksichtigung der Blattform schwierig oder sogar unmöglich<br />

ist, zu entscheiden, ob es sich um R. acris L. (s. str.) oder<br />

um R. borealis Trautv. handelt. Weiterhin ist daran zu erinnern.


4 ^l. Kalela, Ranunculus borealis Trautv. in Finnland.<br />

dass die am Ende der Vegetationsperiode entstehenden Blätter von<br />

H. acris L. (s. str.) zumeist ungewöhnlich breite Blattlappen aufweisen.<br />

Ein diagnostiscii sehr brauchbares Merkmal scheint nach<br />

des Verf. Beobachtungen im Bau der Nervatur zu liegen. Bei R. acris<br />

L. (s. str.) sind die Nerven besonders unterseits, oft auch oberseits<br />

deutlich erliaben, ihrer Farbe nach dagegen nur wenig in die Augen<br />

fallend. Bei R. borealis Trautv. liegen die Nerven im Niveau der<br />

Blattoberfläche oder sogar etwas niedriger, sind aber wegen ihrer<br />

dunklen Farbe deutlich markiert.<br />

Vergleicht man die fennoskandischen Proben von R. borealis<br />

Trautv. untereinander, so kann man das Vorkommen zweier verschiedenen<br />

Formen feststellen. Die eine Form zeichnet sich durch folgende<br />

Merkmale aus: Stengelbasis, Blattscheiden und Blattstiele ±<br />

diclit l)ehaart; Filattspreite, vor allem die Unterseite, dicht behaart<br />

mit ± stark seidenartig glänzenden Haaren (die Behaarung ist besonders<br />

auffallend an jungen Blättern); Blattlappen vom Grunde sich<br />

allmählich erweiternd, einander zumeist nicht berührend, mit geraden<br />

Seiten und allmählich zugespitzten Zähnen. Die andere Form<br />

kann folgendermassen charakterisiert werden: Stengelbasis, Blattscheiden<br />

und Blattstiele äusserst spärlich beiiaart bis völlig kahl<br />

(auch bei den glattesten Formen findet man zumeist einzelne Haare<br />

an den Blattscheiden); Blattspreite völlig kahl oder mit ganz vereinzelten<br />

Haaren versehen; Blattlappen sich zuerst allmählich, dann<br />

rasch erweiternd, einander sehr oft berührend oder sogar deckend<br />

(so, dass zwischen den Lappengrunden Löcher entstehen), mit konvexen<br />

Seiten und mit an der Spitze ± abgerundeten, oft etwas<br />

keulenförmig erweiterten Zähnen; sehr oft, wenn auch nicht immer<br />

sind die Individuen dieser Form kleinwüchsiger als die der vorhergehenden.<br />

Die erstere Form lässt sich offenbar mit TRAUTVETTEBS<br />

R. borealis var. iijpica identifizieren; dieselbe Pflanze wird in der<br />

»Flora USSR» als R. borealis Trautv. bezeichnet. Die zweite Form<br />

stimmt mit RUPKECHTS R. glabriiisculus und mit TEAUTVETTERS<br />

R. borealis var. glabrala überein. Obwohl diese Formen in extremen<br />

Fällen leicht auseinander gehalten werden können, sind, wenigstens<br />

in dem dem Verf. zugänglich gewesenen fennoskandischen Material,<br />

allerlei Übergangsformen dermassen liäufig, dass man die Formen<br />

kaum als selbständige Arten aufstellen kann. Nach des Verf. Meinung<br />

tut man vorläufig am besten daran, wenn man in dieser Frage


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 433<br />

J s s 4<br />

Karle 1. Ranunculus borcalis Traiitv. [intl. vai-. glabriusculus (Rnpr,<br />

Kalela] in Ostl'ennoskandia.<br />

TRAUTVETTER folgt, die behaarte b'orm als U. borcalis Trautv. (s. str.)<br />

auffasst und die kahle Form als var. glabriusculns (l^upr.) unter<br />

H. borcalis Trautv. einreiht.<br />

Die Verbreitung von Rammculiis borealis Trautv. (— Jt acris L.<br />

ssp. propinqmis auct., non R. propinqiius C. X.Mcy.) ini südöstlichen


6 ^l. Kalela, Ranunculus borealis Trautv. in Finnland.<br />

Finnland ist recht gut bekannt. Die Art ist dort verhältnismässig<br />

selten und wächst vor allem auf Torfunterlage in üppigen Hain-<br />

])rüchern, Braunmoorbrüchern und auf trockeneren, offenen Braunmooren,<br />

dagegen nur selten in Kultur- oder Ilalbkulturgesellschaften<br />

(vgl. LINKOLA 1921, S. 290 und FANKAKOSKI 1939, S. 77-78). Hier<br />

sei der Feststellung PANKAKOSKIS (I.e.) gedacht, dass Ii. borealis<br />

Trautv. erlieblich früher als Ii. acris L. (s. str.) zu blühen beginnt.<br />

Dagegen war die Verbreitung von R. borealis Trautv. nördlich von<br />

Suojärvi mangelhaft bekannt. Es waren nur vereinzelte Fundorte von<br />

der Kola-Halbinsel und aus den östlichen Provinzen von Finnisch-<br />

Lappland angegeben worden. Auf seinen Exkursionen konnte Verf.<br />

konstatieren, dass die Art in Petsamo, Inari und i^uontekio überall<br />

häufig und keineswegs auf Torfbodenstaudorte beschränkt ist,<br />

sondern in den verschiedenartigsten natürliclien und kullurbcdingten<br />

Gesellscliaften wächst. Südlicii einer Linie, die ungefähr von<br />

Muonio durch Kittilä und Sodankylä nach Kuolajärvi verläuft, wird<br />

die Art rasch seltener und scheint in Südlappland uml in den westlichen<br />

Teilen Nordfinnlands völlig zu fehlen. Von der Kola-llalbinsel<br />

liegen zahlreiche Belege vor. Ober die Verbreitung von Ii. borealis<br />

Trautv. in Bussiscli-Karelien weiss man zurzeit sehr wenig<br />

(nach der »Flora IISSII» ist sie dort häufig). Das gleiche gilt für die<br />

östlichen (Grenzgebiete Finnlands zwischen Suojärvi und Kuusamo.<br />

Alle dem Verf. bekannten Fundorte sind auf Karte 1 wiedergegeben.<br />

Bei Betrachtung derselben muss man berücksichtigen, dass von R.<br />

acris L. (coll.), wie von trivialen Pflanzen im allgemeinen leider sehr<br />

wenige Proben in den Sammlungen vorliegen.<br />

Rarnmciilm borealis Trautv. var. (jlabriusculus (Rupr.) ist eine<br />

für die alpine (arktische) und subalpine (subarktische) Stufe charakteristische<br />

Pflanze, die offenbar auf fast allen finnischen Fjelden zu<br />

finden ist; dann und wann scheint sie auch in die Nadelwaldregion<br />

niederzusteigen. Es ist von Interesse festzustellen, dass man völlig<br />

typische Belege dieser Varietät auch im südöstlichen Finnland (z.B.<br />

Suojärvi, Kaivois; Salmi, Latvajärvi) gesammelt hat.<br />

In den Sammlungen der Universitäten Helsinki und Uppsala sowie<br />

des Stockholmer Riksmuseums hat Verf. ein reichhaltiges skandinavisches<br />

Material von R. acris L. (coli.) untersuchen können. Eine<br />

detaillierte Darstellung in bezug auf die Verbreitung der jetzt in


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 7<br />

Frage siehenden Formen in Skandinavien ist auf dieser (Irundlage<br />

nicht mögUcii. Einige Hinweise sind jedocli vielleiclit am Platze.<br />

]{. borcalis scheint auf der schwedischen Seite hauptsächlich auf die<br />

hochgelegenen Gebiete beschränkt zu sein, dürfte dort aber von der<br />

finnischen (Irenze bis nach Jämtland vor allem auf der alpinen und<br />

subalpinen Stufe melir oder weniger liäufig vorkommen; am meisten<br />

liegen Prol)en aus Torne-Lappland vor. Die typische R. boreulis<br />

Trautv. ist offenbar viel seltener als R. borealis Trautv. var. glabriusculiis<br />

(Hupr.) und die Übergangsformen.<br />

Schon in Jämtland scheint die Art weniger häufig als in den<br />

Provinzen Schwedisch-Lapplands aufzutreten. In Härjedalen ist sie<br />

offenbar selten; fast alle vom Verf. besichtigten Proben, auch diejenigen<br />

von den höchstgelegenen Fundorten, gehören zu R. acris L.<br />

(s. Str.). Aus dem Tiefland Norrbottens und Västerbottens hat Verf.<br />

nur ein paar Belege, aus den südlicher gelegenen Küstenprovinzen<br />

gar keine gesehen.<br />

In Finnmarken ist R. borealis Trautv., vor allem var. glabrinsculiis<br />

(Rupr.), liäufig. Wie es sich mit ihrer Verbreitung anderswo in<br />

Norwegen verhält, enlzieliL sich der Kenntnis des Verfassers. Ks sei<br />

nur erwähnt, dass die ihm zugänglich gewesenen Sammlungen zahlreiche<br />

Proben aus dem kontinentalen Dovre-Gebiet enthalten.<br />

An der maritimen Westküste Norwegens findet man eine dritte<br />

den oben behandelten nahestehende Art, J{. rectim Bor. (= R. acer<br />

L. var. vcluliniis Lindb.), die durch die äusserst dichtstehenden,<br />

langen, steifen, gelblichen oder rötlichen Haare der Stengelbasis<br />

sowie der Blattstiele und Blattscheiden gekennzeichnet ist. Von der<br />

finnischen und russischen Eismeerküste hat Verf. einige Proben<br />

gesehen, die schwache Andeutungen zu dieser Form erkennen lassen.<br />

Eine endgültige systematische Bewertung der hier behandelten<br />

Einheiten des Formenkreises R. acris L. (coli.) ist erst dann möglich,<br />

wenn die ganze Gruppe monographisch bearbeitet worden ist.<br />

Eine derartige Darstellung liegt zurzeit nicht vor, ist aber — und<br />

lioffentlich schon in einer nahen Zukunft — von Dr. phil. NILS<br />

HYLANDER in Schweden zu erwarten. In dem stattlichen Sammelwerk<br />

»Vilda växter i Norden» (1038) hat er eine vorläufige Mitteilung<br />

seiner Studien publiziert.<br />

Lileralur: FELI-MAN, N. .1., 1869, Piantae vasculares in Ijap|)onia orientali<br />

sponte nascentes. Ilelsinj^fors. —Flora USSH, VII. Moskau-Leningrad.


8 A. Kalela, Eine für Fennoskandia neue Rumex-Art,<br />

1937.- HIITONEN, ILMAIU, 1933,Suomen kasvio. Helsinki. - HJELT, HJALMAU,<br />

1906, Conspectus florae fennicae. Ill, Acta Soc. F. Fl. Fenn., 30, n:o 1. -<br />

KORSHINSKY, S., 1898, Tentamen florae Rossiae orientalis. Mém. Acad. Imp.<br />

Sc. Pburg. St. Petersburg. -LEDEBOUR, G. F., 1800, Flora altaica. II, Berlin.<br />

- LINDBERG, H., 1901, Luettelo saniaisista ja siemenkasveista Suomessa.<br />

Helsingfors. - LINKOLA, K., 1921, Studien über den Einfluss der Kultur auf die<br />

Flora in den Gegenden nördlich vom Ladogasee. IL Acta Soc. F. Fl. Fenn.,<br />

45, n:o 2. - MELA-GAJANDER, 1906, Suomen kasvio. Porvoo. - PANKAKOSKI,<br />

ANTERO, 1939, Ekologis-kasvitieteellisiä tutkimuksia Iliisjärven luonnonpuistossa.<br />

Ann. Bot. Soc. Zool.-Bot. Fenn. Vanamo, 10, n:o 3. - RUPRECHT,<br />

F. J., 1845, Flores samojedorum cisuralensium. Beitr. zur Pflanzenkunde<br />

des russischen Reiches. Lief. 2. St. Petersburg. - TRAUTVETTER, E. R. V., 1860,<br />

Enumeratio plantarum songoricarum. Bull. Soc. Imp. Natur. Moscou, 33. -<br />

Vilda växter i Norden. IL Stockholm 1938.<br />

AAÄNO KALBLÄ: Eine für Fennoskandia neue Rumex-Art.<br />

Von der alten linnéschen Art Riimex acetosa liat man seit ihrer<br />

Aufstellung mehrere nahe mit ihr verwandte Arten abgespalten. In<br />

Fennoskandia hat man schon lange drei »Arten» unterschieden:<br />

1. eine arktisch-alpine Art, die zuerst WAHLENBERG (1812, S. 92)<br />

in seiner »Flora lapponica» unter dem Namen Rumex acetosa ß alpina<br />

beschrieb, die IIAHTMAN (1832, S. QS) Rumex acetosa ß alpestris nannte,<br />

MINIEECK (1899, S. 38) später mit der mitteleuropäischen Rumex<br />

arifoHus All. identifizierte und HIITONEN (1933, S, 300) neuerdings<br />

Rumex acetosa ssp, lapponicus taufte; 2. eine auf der Skandinavischen<br />

Halbinsel südlich betonte, in Ostfennoskandia aber weit nach Norden<br />

verbreitete Art, Rumex thijrsiflorus Fingerh.; 3. eine über das<br />

ganze (iebiet verbreitete Art, die als Rumex acetosa L. (s. str.) bezeichnet<br />

wird. I. .1. 1900 besciirieb KIHLMAN eine vierte Art, Rumex<br />

haematimis, die später zumeist als eine Varietät von Rumex thijrsiflorus<br />

Fingerh. aufgefasst worden ist.<br />

Während der letzten zehn Jahre hat Verf. auf seinen Exkursionen<br />

in Finnland der jetzt in Frage stehenden Kollektivart Beachtung<br />

geschenkt und ein recht reichliches Herbariummaterial derselben<br />

zusammengebracht. Dabei hat er die bestimmte Auffassung<br />

gewonnen, dass der Formenreichtum der Kollektivart mit der Unterscheidung<br />

dieser drei bzw. vier Arten nicht erschöpft ist, sondern<br />

dass man offenbar mit einer grösseren Anzaiil von nahe verwandten<br />

Formen rechnen muss. Doch sind die Forschungen des Verf. noch<br />

nicht soweit fortgeschritten, dass es ihm möglich \väre, eine Revision


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 437<br />

Abb. 1. Rumex fontuno-paludosa Kalela. Das linke Exemplar stammt aus<br />

Siiojärvi, das rechte aus Petsamo. Vs nal. Gr.


10 A. Kalela, Eine für Fennoskandia neue Rumex-Art.<br />

der fennoskandischen Formen vorzunehmen. Statt dessen mag<br />

im folgenden eine neue Art aus dem fraglichen Formenkreis<br />

beschrieben werden.<br />

RuTuex fontano-pahidosa n.sp. - Rhizoma verticale vel subverticale,<br />

12-15 cm longiim et 1-2 cm crassiim (rhizoma plantnnim jiivenalium<br />

nonnisi 1-2 cm longum et O.b-1 cm crassiim), sijmpodiale radicibus<br />

adventivis pliirimis, ad apicem ciilmos fertiles 1-2 vel Jasciculos foliorum<br />

emittens; plantae jiivenales radicem primariam gaudenl, apiid plantas<br />

vetustiores illa pleriimque mortiia est. Gaulis (plantarum $) 45-75 cm,<br />

raro ad 90 cm altiis, erectus, strictus sed gracilis (ad folium caiilinum<br />

infimum i.5-5.o mm crassus), glabriis, laevissime siilcatus, superne<br />

virens, inferne riibrus vel piirpureus vel etiam virens et purpureo-maculatus,<br />

ocliraeis integris vel parcissime denlatis, foliis 3-6 ornatus.<br />

Folia radicalia et folia caiilina 1-3 inferiora d.o-S.b cm longa, distincte<br />

et saepe longe pedunculata, ovato-vel lanccolato-sagittata-(longitudo:<br />

latitudo = 2.0-3.5), apice siibacuto vel rotimdato, lobis basilares simplicibus,<br />

brevibiis, introrsus inflexis, margine integerrimo, non undulato,<br />

nec revoliito; folia caiilina mediana sessilia, ovalo-sayiliala, margine<br />

non vel vix revoliito; folia caiilina siiperiora 1-2 sessilia hrevissima,<br />

angiistissima, lineari-sagittata, margine i valde undulato cl revoluto.<br />

Lamina foliorum siibcarnosa, laete viridis, margine et basi, non raro<br />

etiam ad nervös ± purpurascens. Inflorescentia 10-40 cm longa,<br />

angusla, pleriimque aphylla ramis paucis (3-8), brevibiis, gracilibus,<br />

erectis-siiberectis, eramosis ornatus; verticillastri distantia, e floribiis<br />

1-5 compositi. Pedicelli friictiferi filiformes, quam perigonium distincte<br />

breviores, infra medium articulati. Perigonii phijlla exteriora<br />

oblonga, reflexa, pedicello appressa, phylla interiora (valvae) aeqiialia,<br />

rotundato-quadrata, raro rotundata vel rcniformia, 3.o-5.b (pleriimque<br />

4.0-5.0) mm longa, apice triincata vel rotundata, basi cordata, membranacea,<br />

purpurea vel pallide viridia marginibus purpureis, venis laeviter<br />

clevatis anastomosantis reticulata omnia fere semper callum ± indistinctum,<br />

rotiindiim gerentia. Carijopsis 2.6-3.0, raro 2.0-2.6 mm longa,<br />

iriquetro-fusiformis, fusco-atra, nitida, lateribus aeqiiilatis, ovatolanceolatis,<br />

convexiiisciilis.<br />

Von alien dem Verf. bekannten fennoskandisclien Arten des Formenkreises<br />

unterscheidet sich die neue Art durch ihren ± langen


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 11<br />

Tind verhältnismässig dünnen, vertikalen Wurzelstock, durcli ihren<br />

zarten, sehr schwach gefurchten Stengel, durch die geringe Anzahl<br />

der Zweige im Blütenstand, durch die verhältnismässig kleinen und<br />

dicken, vollständig ganzrandigen, ungefalteten und gar nicht eingerollten<br />

Wurzelblätter und unteren Stengelblätter, durch die lebhaft<br />

grüne Farl)e der Blätter und den ± starken purpurroten Farbeneinschlag<br />

vor allem auf den Blättern und auf der Stengelbasis,<br />

Charakteristiscli für die Art dürften auch die breiten, mit einer<br />

winzigen Schwiele versehenen inneren Perigonblätter und die relativ<br />

grossen Achenen sein. Bei einem eingehenderen Vergleich mit den<br />

lieute schon bekannten und später eventuell zu beschreibenden<br />

Arten lassen sich wahrscheinlich weitere Unterschiede feststellen.<br />

Humex fontano-paludosa Kalela weist in Fennoskandia eine aus-<br />

^esproclien östliche Verbreitung auf. Aus Skandinavien hat Verf.<br />

bis jetzt keine Belege gesehen, und auch die aus Finnland bekannten<br />

Fundorte liegen dicht an der russisclien Grenze: Ik: Kivennapa,<br />

Rautu, G. APPELBERG, 1841; Pj^häjärvi, Riiska, G. LÅNG, 1897;<br />

Kl: Salmi, Rraunmoorwiese unweit der Mündung des Miinalanjoki,<br />

Verf., 1931; Kb: Suojärvi, Maukka, Braunmoorwiese, K. LINKOLA,<br />

1914; auf mehreren offenen, quelligen Braunmooren in der Umgebung<br />

des Dorfes Ignoila, Verf., 19.34 und 1939; Lps: Petsamontunturit,<br />

Kammikivi, braunmoorbruchartiges Grauweidengebüsch, REINO<br />

KALLIOLA, 1930; Fischerhalbinsel, Maattivuono, auf quelligen Braunmooren<br />

und Braunmoorbrüchern in der Umgebung des Dorfes, Verf.,<br />

1929; Fischerhalbinsel, Pummanki, Nikkarinjänkä, Braunmoorwiese,<br />

Verf., 1929. Auf der Fischerhalbinsel wurde die Art vom Verf. vielerorts<br />

notiert.<br />

Aus den zur USSR gehörenden Gebieten von Fennoskandia<br />

kennt Verf. nur einen Fundort: Kon: Käpselkä, TH. SIMMING,<br />

1863. Aus den an Fennoskandia grenzenden Gegenden stammen<br />

folgende Belege: Mandroga, FR. ELFVING, 1875; Vytegra und Rjapsinagora,<br />

J. I. LINDROTH und A. K. CAJANDER, 1899; Braunmoor<br />

unweit des Dorfes Kolodosero, J. 1. LINDROTH und A. K. CAJANDER,<br />

1899; ad flumen Tsernetschoff, J. 1. LINDROTH und A. K. CAJANDER<br />

1899.<br />

Die Standorte von Rumex fontano-paludosa Kalela sind äusserst<br />

charakteristisch. Sie wächst auf Braunmooren und in Braunmoorbrüchern,<br />

die von Quellwasser mehr oder weniger stark bewässert


IN A. Kalela, luiv Beitrag zur Carex-Flora Fennoskaiidias.<br />

sind (oder jedenfalls einigermassen fliessendes Oberflächenwasser<br />

erkennen lassen) und eine üppige, von gut gedeihenden Moosindividuen<br />

gebildete Bodenschicht aufweisen. Von Prof. Dr. A. K. CAJAN-<br />

DER iiat Verf. erfahren, dass man in den südöstlichsten Provinzen<br />

Fennoskandias und in den anliegenden Teilen von Nordrussland<br />

»Rumex acetosa L.» fast nur an derartigen Standorten findet, und<br />

dass es sich hier wahrscheinlich gerade um Ii. fontaiw-paludosa<br />

Kalela handelt. Mit diesen Angaben A. K. CAJANDERS stehen diejenigen<br />

von LINKOLA (1921, S. 262) über das Vorkommen der betr.<br />

Art auf ursprüngliclien Standorten in Ladoga-Karelien in guter<br />

Übereinstimmung.<br />

Literatur: HAUTMAX, C. J., 1832, Handbok 1 Skandinaviens flora innefattande<br />

Sveriges och Norges vexier, till och med mossorna. Stockholm. -<br />

HIITONKN, ILMARI, 1933, Suomen kasvio. Helsinki. - KIHLMAN, A. O., 1900^<br />

Einige Bemerkungen über die finländisclien Formen der Gattung Rumex.<br />

Medd. Soc. F. Fl. Fenn., 25. - LINKOLA, K., 1921, Studien über den Einfluss<br />

der Kultur auf die Flora in den Gegenden nördlich vom Ladogasee. II. Acta<br />

Soc. F. Fl. Fenn., 45, n:o 2. - MUUBECK, SV., 1899, Die nordeuropäischen<br />

Formen der Gattung Rumex. Bot. Not. 1899. - WAHLENBERG, G., 1812, Flora<br />

lapponica, Berolini.<br />

A.VRNO KALELA: Ein Beitrag zur Carex-Flora Fennoskandias.<br />

Auf seinen Exkursionen an der finnischen Eismeerküste während<br />

der Sommer 1926-.30 richtete sicii die Aufmerksamkeit des Verfassers<br />

darauf, dass in diesem Gebiet zwei verschiedene Formen<br />

von Carcx saxatÜis L. nebeneinander vorkommen. Ausser dem<br />

von diesen Exkursionen heimgebrachten Material hat Verf. später<br />

die Carex saxatilis L. -Sammlungen der Universitäten Helsinki<br />

und Uppsala sowie diejenigen des Stockholmer Riksmuseums<br />

studieren können. Ferner stellte Prof. Dr. J. A. NANNPELDT seine<br />

private Sammlung mit Proben aus Ostfinnmarken und aus Scliwe-<br />

(lisch-Lappland dem Verf. zur Verfügung. Bei diesen Studien<br />

konnte Verf. feststellen, dass beide in Petsamo gefundenen Formen<br />

eine weite Verbreitung besitzen und daher ein allgemeineres Interesse<br />

darbieten. Die Ergebnisse der Forschungen lassen sich wie folgt<br />

kurz zusammenfassen.


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 13<br />

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Abb. 1. Carex saxatilis L. (rechts) und Carex soxatilis L. ssp. laxa (Traut,v.)<br />

Kalela (links). Beide Proben von der Fischerhalbinsel. ^/3 nat. Gr.<br />

Die eine der fraglichen Formen ist durcii folgende Züge gekennzeichnet:<br />

Stengel kräftig gebaut, aufrecht, steif, 15-30 cm lioch.<br />

Blätter steif, aufrecht, deutlich kürzer als der Stengel. Die einzige<br />

(J Ähre etwa 10-15 mm lang mit abgerundeten bis stumpfen<br />

Deckschuppen. Die 1-3 ? Ähren aufrecht, rundlicli bis oval, sel-<br />

.tener länglich-oval (die unterste 8-12 mm lang und 5.5-6.6 mm<br />

breit), kurz gestielt (Stiel der untersten Ähre höchstens 10 mm


IN A. Kalela, luiv Beitrag zur Carex-Flora Fennoskaiidias.<br />

lang). Deckschuppen deutlich kürzer als die Schläuche, oval, an<br />

der Spitze zumeist abgerundet, schwarzbraun. Schläuche ± stark<br />

aufgeblasen, von der Achse fast horizontal abgehend, 3.O-4.O mm lang<br />

und 1.5-2.0 mm breit, mit einem kaum gespaltenen, O.5-O.6 mm langen<br />

Schnabel, purpurschwarz, am Grunde zumeist braungelb, glänzend.<br />

Für die andere Form wiederum ist folgendes charakteristiscln<br />

Stengel 30-40, selten sogar 60 cm hoch, weniger kräftig als bei<br />

der vorigen. Blätter weich, zumeist i nach aussen gebogen. Ähren<br />

1-2 an Zahl (die untere 20-40 mm lang); ihre Deckschuppen<br />

deutlich zugespitzt. Die 2-4 $ Ähren länglich-oval bis kurz zylindrisch,<br />

selten oval (die unterste derselben 15-20 mm lang und 6-7 mm<br />

breit), mit langen, in der Regel haarfeinen Stielen; der Stiel der<br />

untersten $ Ähre 15-30 mm, selten sogar 40-50 mm lang, diese<br />

Ähre oft, die nächstfolgende zuweilen leicht hängend. Deckschuppen<br />

nur wenig kürzer als die Schläuche, oval-lanzettlich, lang zugespitzt,<br />

braunschwarz. Schläuche schräg nach oben gerichtet, kaum<br />

oder höchstens sehr scliwach aufgeblasen, oval-elliptisch, 4,O-4.B mm<br />

lang, 1.5-2,0 mm breit mit einem O.5-I.0 mm langen, zumeist ganz<br />

kurz zweigespaltenen Schnabel, purpurbraun l)is purpurschwarz,<br />

am Grunde gelbbraun, schwach glänzend bis matt.<br />

Die erstere von den oben charakterisierten Formen ist offenbar<br />

Carex saxatilis L. (s.str.). Auch die letztere ist in der Literatur<br />

schon mehrmals besprochen worden. So beschreibt TRAUTVETTEU<br />

i.J. 1877 aus Ostsibirien eine Varietät namens C. pulla Good. var.<br />

laxa. Seine Diagnose lautet: »spicis femineis inferioribus longe<br />

pedunculatis, interdum cernuis. Stigmatibus 2.»^ Sieben Jahre später<br />

erwähnt KJELLMAN, ebenfalls aus Ostsibirien, eine neue Form,<br />

C. pulla f. pedunculata, die vielleicht mit der Varietät TRAUTVETTERS<br />

identisch ist. Sicher gilt dies für Carex pulla ß sibirica, beschrieben<br />

aus dem Jenissei-Tal von CHRIST (VSCIIEUTZ 1888, S. 172). Im dritten<br />

Teil der »Flora USSH» publiziert KRECZETOWICZ eine ausführliche<br />

Diagnose über die jetzt in Frage stehende Pflanze, die er als eine<br />

^ Im Herbarium STEVEN (Eigentum der Universität Helsinki) fand Verf.<br />

eine hierhergehörige, von GHAMISSO in Unalaschka gesammelte Probe, die<br />

als itCarex pulla - major Meyer» bezeichnet ist. Da aber in der Literatur<br />

keine Diagnose über eine solche Form vorliegen dürfte, muss dieser Name als<br />

ein Nomen nudum gelten und kommt somit bei der Wahl des Namens nicht in<br />

Frage, obwohl er sicher älteren Datums ist als der Name TRAUTVETTERS.


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 15<br />

selbständige Art unter clem Namen C. proceriila aufstellt. Er bezeichnet<br />

(lie Art als endemisch für Sibirien und führt sie von mehreren<br />

Orten zwischen dem Jenissei und der Küste des Stillen Ozeans an.<br />

Seine Diagnose und diejenige des Verfassers decken einander beinahe<br />

vollständig; es kann keinem Zweifel unterliegen, dass es sich in<br />

beiden Fällen um dieselbe Pflanze handelt. Sie besitzt aber, wie<br />

Verf. unten zeigen wird, eine viel weitere Verl^reitung, als KRECZETO-<br />

"Wicz angenommen hat.<br />

So verschieden und leiciit untersciieidbar die beiden Formen<br />

in extremen Fällen auch sind, gibt es doch, wie Verf. bei der Prüfung<br />

des ihm zugänglichen Materials feststellen konnte, nicht wenige<br />

Fälle, in denen es schwierig ist zu entscheiden, zu welcher Form<br />

die Pflanzen jeweils gehören Verf. findet es daher nicht richtig,<br />

tlie Formen als selbständige Arten aufzufassen, sondern betrachtet<br />

die Form mit langgestielten Ahrchen als Unterart von Carex saxatilis<br />

L. (s. Str.). Unter diesen Uniständen ist es wohl am besten,<br />

sie als Carex saxalilis L. ssp. laxa (Trautv.) Kalela zu bezeichnen.<br />

Wollte man sie als selbständige Art aufstellen, so müsste sie C. proceriila<br />

Krecz. heissen.<br />

Der verhältnismässig häufige Bastard Carex saxaiilis L. X C. vesicaria<br />

L. (= C. saxalilis ß alpigena Fr.) kann eine gewisse Ähnlichkeit<br />

mit C. saxalilis L. ssp. laxa (Trautv.) Kalela aufweisen. Doch<br />

hat sie in der Hegel breitere Ähren sowie breitere, rundlich-ovale,<br />

± deutlich nervige, mit etwas längerem und tiefer zweispaltigem<br />

Schnabel versehene, sowie heller gefärbte Schläuche.<br />

Von den Aleuten und aus Alaska hat Verf. eine Anzahl von<br />

HULTÉN und EYERDAM gesammelte Proben gesehen, die er von<br />

sibirischen und fennoskandischen Belegen der C. saxalilis L. ssp.<br />

laxa (Trautv.) Kalela nicht zu unterscheiden vermag, die aber<br />

HULTÉN (1937, S. 120) als Carex phijsocarpa Presl bestimmt hat.<br />

Diese Proben sollen mit dem Original der C. phijsocarpa Presl<br />

übereinstimmen, »except in the lower growth, shorter spikes and<br />

slightly darker scales». Nach der Originaldiagnose (Reliquiae Haenkeanae,<br />

I, S. 205) zu schliessen (Originale hat Verf. leider nicht<br />

gesehen), treten einige weitere Unterschiede hinzu: C. phijsocarpa<br />

^ Es steht fest, dass wenigstens ein Teil solcher Übergangsformen als Bastarde<br />

zwischen den beiden Formen zu betrachten sind.


IN A. Kalela, luiv Beitrag zur Carex-Flora Fennoskaiidias.<br />

Presl hat »(spiculae) femineae pedunculo erecto insidentes.<br />

Glumae masculae obtusiusculae. Perigynium gluma<br />

aequilongum nervis sex munitum.» Von C. saxatilis L. unterscheiden<br />

sich die Proben HULTÉNS und EYERDÄMS »in its larger and<br />

usually more upright growth and in having on an average to male<br />

spikes. The lower female spike is allways long-pedunculate and in its<br />

fruiting stage strongly dropping. The rostrum of the perigynium<br />

is long and narrow - - -». Alles Merkmale, die C. saxatilis L.<br />

ssp. laxa (Trautv.) Kalela gegenüber C. saxatilis kennzeichnen.<br />

Aus Fennoskandia sind dem Verf. folgende Fundorte der C. saxaiilis<br />

L. ssp. laxa (Trautv.) Kalela bekannt:<br />

Finnland, Kola -Halbinsel Lps: Vaitolahti, Verf., 1930; Vaitolahti,<br />

C.M.NORMAN, 1937; KelloviidentunUiri, Verf., 1930; Isolahti, Verf., 1930;<br />

Kervanto, R. KALLIOLA, 1930; Kervanto, Räinä, Verf., 1928; Santamukka,<br />

Verf., 1929; Jokilampi, Verf., 1930; Pummanki, C. GEDERCUEUTZ, 1927; Puminanki,<br />

U. B. SEGERMAN, 1932; Snäävejärvi, N. SÖYRINKI, 1929; Snäävejärvi,<br />

Verf., 1929; Kiviaidantunturi, Kuivakuru, Verf., 1927; Kiviaidantunturi,<br />

N. SÖYRINKI, 1929; Kiviaidanpahtaat, Verf., 1926; Karhujärvi, Verf., 1929;<br />

Nikkarinjänkä, Verf., 1927; Maattivuono, Tanstkenttä, Verf., 1928. Tscherdekaisi,<br />

Sielukkakuru, Verf., 1930. Petsamontunturit, Palopää, II. KALLIOLA,<br />

1930. Saariselkä, Quellen von Pippojoki, H. ROIVAINEN, 1921.-LI; Tschipnavolok,<br />

V. F. BROTHERUS, 1885. Kildin, FR. NYLANDER, 1843.-LMW/-.-Drozdowka,<br />

E. HULTÉN, 1927. - Im: Imandra, FR. NYLANDER, 1842; Iinandra,'<br />

J. ÅNGSTRÖM; Imandra, A. .1. MALMBERG, 1870; Umpjokk, Matalat-suvannot,<br />

A, O. KIHLMAN, 1892; Umpjokk, Paadun, A. O. KIIILMAN, 1892. Umpjaur,<br />

Tuil-luht, A. O. KIHLMAN, 1892; Umpjaur, Vunum-vum, A. O. KIHLMAN,<br />

1892. Chibina, S. J. ENANDER, 1911. - S e h W e d e n. T/PM; Abiskojokk,<br />

M. SONDEN, 1905. Ortojokk, J. LAGERKRANZ, 1909. Delta des Ortojokk, II.<br />

DAHLSTEDT, 1910. Peltsara, C. P. LAESTADIUS, 1859. Karesuando, Moskana,<br />

C. P. LAESTADIUS. -Lulpm: Jockinock, Tarreluoppal, J. A. NANNFELDT, 1931.<br />

- Norwegen. Finnm: Berlevåg, Storelvedalen, J, A. NANNFELDT, 1935.<br />

Nordvaranger, Vadsö, Byvandet, J. A. NANNFELDT, 1935. Vardö, Svartnäs,<br />

J. A. NANNFELDT, 1935. Vardö, Persfjorden, S. HENSCHEN, 1864. Lebesbyfjällen,<br />

GHRIST. SOMMERFELDT jun., 1856 und 1857. Skarvaag, TH. FPIES<br />

und S. HENSCHEN, 1864.<br />

Die Unterart tritt, wie ersichtlich, in Fennoskandia<br />

rein östlich auf. Von der Kola-Halbinsel,<br />

aus Petsamo-Lappland sowie aus den östlichsten Teilen Finnmarkens<br />

sind zahlreiche Fundorte bekannt. Ausserhalb dieses Gebietes<br />

liegen nur einige Proben aus Torne- und Lule-Lappmark vor.<br />

Aus dem übrigen Arktikum hat Verf. Belege von folgenden<br />

Fiindorten gesehen:


Ann. Hol. Soc. Zool.-Hot. Fenn. N'juianio, 11, n:o 2. 17<br />

N 0 V a j II Z e NI 1 j a: Matotsclikin Scharr, O. EKSTAM, 1895; Gribovaja,<br />

0. EKSTAM, 1895; Karmakula, O. EKSTAM, 1895; Karmakiilski, O. EKSTAM,<br />

1905; Karinakuly, T. HWASS, 1911. - W a i g a t s c LI: Sinus Warnek, O. E K-<br />

STAM, 1907; Cap Grebenij, R. KJKLI.MAN und A. N. LUNDSTRÖM, 1875.<br />

Sibirien: Jenissei: Nikandroffski Ostrovv, M. HHKNNKU, I87G; Verschininskoje,<br />

II. \V. ARNEI.L, 187(5; Dudino, M. BUENNKK, 1876 und Y. VuonENXAUs.<br />

1914; Jenissei Turuchansk, N. J. KIJSNETSOW und W. W. RKYKHDATTO, 1914.<br />

Östl. Taimyrland, Unterlauf d. Jamu-Nerey, A. TOLMATCIIEW , 1928. Jakutsk:<br />

Kumach-Sur, N. II. NILSSON, 1898; T3ulun, N. II. NII.SSON, 1898; IJalagansk,<br />

N. H. NILSSON, 1898; Bulkur, N. II. NILSSON, 1898. - Z e n t r a 1 a s i o n:<br />

Mongolia, Changai, Egin-daba am (3berlaut' des Flusses Tschuliile, A. E. FAuuco,<br />

1939. - Aleutcn: Uniak, False Pass, W. .1. EYEUDAM, 1832; Adak,<br />

Ghapel Cove, E. HULTÉN, 1932; Atka, E. HULTÉN, 1932; Unalaschka, CHA-<br />

Hisso; Amlia, W. J, EYKRDAM, 1932. - Alaska: Apollo, G. V. PIPEII, 1904;<br />

White Pass, S. J. ENANDEU, 1922. -Canada: Hudson Bay, Chesterfield<br />

Inlett, M. O. MALTE, 1928. - Grönland: Trnanak, ELIS EKMAN, 1923.<br />

Das IIauplverl)reitungsgel)ieL der Unterart liegt offenbar in<br />

vSihirien, wo sie durch das ganze arktische und sul)arktisclie Gel)iet<br />

verbreitet ist und auch in den südlicheren Gebirgsgegenden v^orkommt<br />

[vgl. die Verbreitungsangaben von KRF.CZETOWICZ: »Westsibirien:<br />

Alt. Ostsibirien: Jeniss., Ang.-Sajan., Daur. (NW-Teil).<br />

1.en.-Kol.; Äusserster Osten: See Bur.»]<br />

Auf Novaja Zemlja und Waigatsch ist die Unterart wiederholt<br />

gesammelt worden. Von der Festlandküste Nordrusslands liegen<br />

dagegen keine Proben vor. In Anbetracht ihrer Verbreitung in<br />

Ostfennoskandia steht jedoch zu vermuten, dass sie auch dort<br />

zu finden ist. Die an den atlantischen Ozean angrenzenden subarktischen<br />

und arktischen Gebiete scheint die Unterart völlig zu<br />

meiden. Dagegen ist sie in den nordöstlichen Teilen Nordamerikas<br />

weit verbreitet.<br />

In bezug auf die Standortsansprüche konnte Verf. keine Unterschiede<br />

zwischen der Hauptart und der Unterart feststellen. Doch<br />

hält er es für wahrscheinlich, dass sich die beiden Formen in dieser<br />

Hinsicht nicht völlig gleich verhalten. C. saxdtilis L. (s. str.) scheint<br />

eine ausgesprochen arktisch-alpine Art zu sein, die nur selten in<br />

die subarktische Region herabsteigt. C. sa.vatilis L. ssp. la.va (Trautv.)<br />

Kalela ist wahrscheinlich eine Art, die etwas weniger extremen<br />

Klimaverhältnissen angepasst ist, obwohl sie ganz allgemein auch<br />

innerhalb rein arktisch-alpiner (iebiete auftritt. Beide Formen<br />

sind in Petsamo ausgesprochen kalkhold und wachsen sowohl auf


IN A. Kalela, luiv Beitrag zur Carex-Flora Fennoskaiidias.<br />

offenen Braunniooren als in hraunmoor-hruchartigen Weidengehiisclien.<br />

Litenitur: Flora USSR. HI, 1935, Moskuu-J.fUiiiigTad. - IIII.TKN,<br />

Kmc, 1937, Flora of the Aleutian Islands. Stockliolni. - KJKLI-MAN, F. R.,<br />

1882, Asiatiska Beringssundskustens fanerogamflora. Vega-Ex|». Vetensk.<br />

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