Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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geschildert, in welchem ein Jugendlicher während einer Diskussion zum Gebrauch von »Jude« als

Schimpfwort sich zu einer antisemitischen Hasstirade verstieg, die in einem tränenreichen Nervenzusammenbruch

endete. Es stellte sich später heraus, dass der Junge durch eine Kriegserfahrung im

Nahen osten traumatisiert war. Das ist ein Ausnahmefall, der wegen seiner Intensität eine therapeutische

Intervention nach sich zog; er ist für den Rahmen gewöhnlicher Jugendsozialarbeit als Lehrbeispiel

ungeeignet. In der gemeinsamen Auswertung eines unserer workshops wurde darauf hingewiesen,

dass wir die Fallbeispiele nur bedingt realistisch darstellen könnten, weil wir keine Jugendlichen

seien. Hierzu muss angemerkt werden, dass es auch gar nicht um eine originalgetreue Darstellung

des Falles geht, sondern um eine gemeinsame Sensibilisierung bezüglich der pädagogischen

Haltung; aufgrund der alltäglichen Arbeitserfahrung, die in Sachen Gesprächsdynamik im Team vorhanden

sind, reicht eine ungefähre Simulation aus.

Bei der Durchführung und Diskussion der Rollenspiele muss Raum für verschiedene didaktische Ansätze

bleiben. Die Teilnehmer/innen sollten versuchen, ihre Didaktik entsprechend ihres individuellen

Stils zu erweitern. Bei der Auswertung der dargestellten Fälle darf es niemals darum gehen, die Schauspieler/innen

als Person anzugreifen oder dabei gar persönliche Konflikte auszutragen, sondern lediglich

darum, das Verhalten wertschätzend zu reflektieren, fachlich einzuschätzen und mögliche Alternativen

aufzuzeigen.

In einigen Fällen wird deutlich, dass Jugendliche, die sich judenfeindlich, antisemitisch oder antiisraelisch

äußern, trotz empathischer Bemühungen seitens der Pädagog / innen nicht bereit sind, von ihren

einseitigen oder gar volksverhetzenden äußerungen abzurücken. In solchen Fällen muss entschieden

interveniert werden, weil in der Einrichtung grundsätzlich keine menschenfeindlichen Agitationen

geduldet werden können – insbesondere wenn Personen anwesend sind, gegen die sich die äußerungen

richten. Im äußersten Fall muss ein Ausschluss des oder der Jugendlichen erfolgen. Dabei

sollte jedoch klar gemacht werden, dass er vor dem Hintergrund eines demokratischen Selbstverständnisses

der Einrichtung erfolgt und das Gesprächsangebot grundsätzlich bestehen bleibt. Sollten

jedoch auch weitere Gespräche erfolglos sein, muss notfalls ein Hausverbot ausgesprochen werden.

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