Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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typisierenden oder diskriminierenden Begriffen – die auch in kommerziell erfolgreichen Rap-Songs

nur allzu häufig Verwendung finden – ist eine hervorragende Gelegenheit, um über die Diskursmacht

von Sprache in den Dialog zu treten.

Zusammenfassend gesagt, bietet HipHop im Allgemeinen und Rap wegen seiner sprachlichen Fokussierung

im Besonderen Pädagog / innen die Möglichkeit, analytisch anhand von Bildern, Videos, Interviews

oder Songs Inhalte jedweder Ausrichtung zu thematisieren. Gleichzeitig kann mit HipHop eigener

output im Sinne einer lebensweltlich-narrativen Artikulation produziert werden, über den Pädagog

/ innen und Jugendliche miteinander ins Gespräch kommen können.

sookee, M.A. Germanistische Linguistik und Gender Studies, ist Rapperin und Workshopleiterin in der

politischen Bildungs- und Jugendarbeit, u.a. für den Verein cultures interactive e.V.

»who ARE you to DIss ME?!«

RAP-woRKSHoP ZUM THEMA ANTISEMITISMUS

KonzEpt 1

Im Rahmen eines dreitägigen Rap-workshops zu je vier Stunden werden antisemitische Haltungen

thematisiert und, wenn möglich, dekonstruiert. Den Teilnehmer/innen wird über diesen Zugang ermöglicht,

einen Artikulationsraum zu nutzen, der ihnen als Jugendkultur vertraut ist und den sie sich

sprachlich und thematisch aneignen können. Die Attraktivität des workshops und der Anreiz zur aktiven

Teilnahme liegen in der Möglichkeit, in kurzer Zeit einen HipHop-Track mit eigenen Texten zu

produzieren.

Der workshop besteht aus zwei Blöcken: Dem von gemeinsamer Reflexion geprägten inhaltlichen

Teil, in dem sich die Jugendlichen mit Vorurteilen und Stereotypen über Juden beschäftigen, folgen

die praktische Vermittlung elementarer Schreib- und Reimtechniken des Rap, das Verfassen von Texten

sowie die abschließende Aufnahme eines eigenen Songs.

Der Rap-workshop schafft einen Raum, in dem die Jugendlichen sich, wenngleich methodisch geleitet,

frei über ihr wissen und ihre Perspektive austauschen können, ohne dass ihnen von vornherein die erwünschten

Antworten in den Mund gelegt und authentische äußerungen blockiert würden. Die offene

und dennoch eindeutig antidiskriminierende Ausrichtung des workshops trägt dazu bei, dass die

Teilnehmer/innen aus aufrichtigem Respekt heraus auf ihre Sprache und Inhalte achten – also gerade

weil kein Verbot ausgesprochen wird. Dies kann beispielsweise erreicht werden, indem vorab gemeinsam

mit den Jugendlichen Regeln für einen respektvollen Umgang untereinander erarbeitet werden.

Zudem erhalten die Teilnehmenden die Gelegenheit, ihre in der Diskussion dargelegte Haltung, offene

Fragen zum Thema sowie ihren Sprachgebrauch zu reflektieren. Dass ihre Gedanken zu einem

kulturellen Produkt verdichtet werden, das sich einfach vervielfältigen und immer wieder anhören

sowie anderen vorspielen lässt, erhöht die Nachhaltigkeit der Ergebnisse.

zIElE

Die pädagogischen Ziele des Projekts lassen sich nach folgenden drei Aspekten unterscheiden: Erstens

werden die Teilnehmenden an die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und die Diskussion

über Themen und Kontexte herangeführt, in denen sich Antisemitismus artikuliert (beispielsweise

Bilder von Juden und Jüdinnen, der Nahostkonflikt, der Nationalsozialismus, 9/11, »westen vs. Muslime«).

Zweitens wird der Versuch unternommen, eine demokratische Dialog-, Diskussions- und Streitkultur

zu fördern sowie das Vermögen zur Reflexion und zur kritischen Distanz.

1 Das Konzept wurde gemeinsam mit der Rapperin und Jugendbildnerin sookee entwickelt und erprobt.

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