Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

Die Anschlussmethode besteht aus einem Set von etwa 30 Bildern US-amerikanischer, deutscher

und israelischer Persönlichkeiten und Prominenter, die alle in unterschiedlicher weise – etwa ethnisch,

religiös, familiär oder spirituell – einen Bezug zum Judentum haben. Die Jugendlichen werden

aufgefordert, den Personen die vorbereiteten Namenskärtchen zuzuordnen und zu überlegen, was

diese Menschen gemeinsam haben. Der Effekt nach dem Abgleich mit den zuvor gesammelten Assoziationen

zum Thema Judentum wird sein, dass die Bilder von jüdischen Menschen so vielfältig

sind, dass sie das stereotype Bild vom orthodoxen Juden oder vom bewaffneten israelischen Siedler

nicht bestätigen können.

Im nächsten Schritt wird gemeinsam der Kurzfilm »Strangers« von Erez Tadmor 3 angeschaut und diskutiert.

Der Film ist gut geeignet, um eine Auseinandersetzung über Feindseligkeiten zwischen Gruppen

im Allgemeinen und zwischen jüdischen und arabischen Menschen im Speziellen anzuregen und

solche Ressentiments infrage zu stellen. Er führt zunächst in eine angespannte Situation zwischen

zwei jungen Männern ein, die sich, in einer U-Bahn sitzend, wechselseitig misstrauische Blicke zuwerfen

– der eine Mann liest eine arabische Zeitung, der andere spielt mit seinem Davidstern-Kettenanhänger.

Als plötzlich Neonazis in die Bahn einsteigen und die beiden Männer bedrohen, beschließen

sie spontan, solidarisch miteinander zu sein, um gemeinsam der Bedrohung entgehen zu können. Bei

der Erprobung des workshops wurden in der anschließenden Diskussion sowohl sehr persönliche

familienbiografische Konflikt- und Kriegserfahrungen thematisiert als auch Antworten auf die Fragen

gesucht, wie es sich mit Empathie und Solidarität in Bezug auf Ausgrenzung verhält und wie wissen

eigentlich generiert wird und Verbreitung findet. Der letzte Punkt ergab sich aufgrund von Berichten

über verschwörungstheoretische Internetvideos zu 9/11 sowie von geschichtsrevisionistischen Clips.

Das Ziel des inhaltlichen Teils des workshops, mit den Jugendlichen über Antisemitismus und mit ihm

verbundene Themen ins Gespräch zu kommen, konnte durch die eingesetzten Methoden somit erreicht

werden, genau wie die erwünschte Irritation stereotyper Bilder von Juden und Jüdinnen.

Der Praxisteil des workshops kann mit einem einleitenden Musikvideo begonnen werden, das die

befreiende und entlastende wirkung des Schreibens themastisiert. 4 Davon ausgehend wird eine Einführung

in die Vier-Viertel-Taktung in HipHop-Beats sowie anhand einiger Beispiele in die grundlegende

Reimstruktur in Rap-Texten gegeben.

Für die inhaltliche Gestaltung des Songs werden gemeinsam Stichpunkte (beispielsweise Kritik an Israel,

Krieg, welt, Islam, Juden, Rassismus, Politik, Missbrauch, Terroristen) zusammengetragen. Dieser

thematische überblick dient den Jugendlichen dazu, im anschließenden kreativen Prozess des Textens

Anregungen vor Augen zu haben; gleichzeitig fokussiert er sie. Die Teilnehmer/innen werden ermutigt,

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