Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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des Filmemachens sowie die dafür benötigten Personen und die technische Grundausstattung besprochen

werden, wird gemeinsam eine Szene für die Filmsequenz entwickelt. An dieser Stelle sollten

die Jugendlichen darauf hingewiesen werden, dass auch kurze Filme eine Geschichte erzählen und

dass es für die Handlung eines Films sinnvoll ist, am Ende eine Auflösung zu präsentieren. Bei der

Plotentwicklung können die Mädchen auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, denn die spannendsten

Geschichten sind die, die man selbst erlebt hat. Falls am Anfang ein Plakat über die Gründe

für Ausgrenzung erstellt wurde, kann außerdem auf dieses zurückgegriffen werden.

Für das Drehen der Filmszene müssen im Vorfeld unterschiedliche Rollen unter den Teilnehmerinnen

verteilt werden: Benötigt werden eine Regisseurin, eine Kamera- und eine Tonfrau sowie Schauspielerinnen.

Nachdem sich alle mit ihren Aufgaben vertraut gemacht und kurz geprobt haben, geht es ans

Drehen. Die Sequenz wird aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt und später von einer Jugendarbeiterin

– allein oder gemeinsam mit den Teilnehmerinnen – zum fertigen Clip zusammengeschnitten.

Die Erfahrungen bei der Erprobung des Konzepts haben gezeigt, dass sich sowohl bei der Methode

zu Diskriminierung als auch bei der gemeinsamen Erarbeitung der Filmsequenz intensive Gespräche

rund um die Themen Ausgrenzung und Vorurteile entwickeln, bei denen die Mädchen aus ihrem Erfahrungshorizont

berichten, sich gegenseitig auf eigene diskriminierende Praktiken hinweisen und

darüber teilweise kontroverse Diskussionen führen. Auch die Gruppenbezogenheit von Vorurteilen

kann an dieser Stelle noch einmal aufgegriffen werden. Hinsichtlich der zu drehenden Filmsequenz

entschieden sich die Teilnehmerinnen letztlich für ein Thema aus ihrem unmittelbaren Lebenskontext:

eine Mobbingszene unter Mädchen, mit guter Auflösung am Ende.

nAchBEREItung

Im Nachgang des workshops muss das Filmmaterial für den Videoclip digital am Computer bearbeitet

werden. Der Clip sollte den Teilnehmerinnen zeitnah präsentiert und es sollte ihnen eine DVD als Erinnerung

überlassen werden. Ein zusätzlicher Sichtungstermin ermöglicht zudem, den workshop gemeinsam

mit den Mädchen auszuwerten und noch einmal über die dort bearbeiteten Themen ins

Gespräch zu kommen, abschließende oder neu aufgekommene Fragen zu klären sowie über Möglichkeiten

einer Fortsetzung der workshop-Reihe zu beraten. Das Projekt kann durch das Erstellen

einer Dokumentation über die Projektaktivitäten für die anderen Mädchen der jeweiligen Ein richtung(en)

abgerundet werden.

tIpps füR DIE DuRchfühRung

Für den Ablauf des workshops ist es wichtig, den Teilnehmerinnen Raum für Diskussionen zu geben

und sie dazu zu ermuntern, auch eigene Erfahrungen mitzuteilen. Die Fragen sowohl für das Paar-Interview

als auch innerhalb der Diskussion müssen offen formuliert und Gelegenheiten zu konkretisierenden

Nachfragen sollten genutzt werden. Die Diskussion sollte seitens der workshop-Leiterin nicht

zu stark gelenkt und Aussagen der Teilnehmerinnen sollten nicht moralisch gewertet werden. Problematische

äußerungen von Teilnehmerinnen dürfen jedoch keinesfalls unkommentiert bleiben. Hier

sind einfühlsames Nachfragen und gegebenenfalls ein Hinweis auf den problematischen Gehalt der

Aussage notwendig.

1 Vgl. Simona Pagano: »Also der Körper is da, die Seele nich«. Zur Funktion antisemitischer äußerungen in Männlichkeitskonstruk-

tionen vier Berliner Jugendlicher mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund, Arbeit zur Erlangung des Grades eines

Master of Arts an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa Universität Viadrina Frankfurt / oder, Berlin 2010 (noch un-

veröffentl.).

2 Zur Mitarbeit bei der Entwicklung und Erprobung des Konzepts konnten die Diplompädagogin Tatjana Glampke und die Diplom-

regisseurin Nicole Volpert vom Projekt »BildungsBausteine gegen Antisemitismus« gewonnen werden.

3 Eine Anleitung zur Durchführung des workshops finden Sie unter www.amira-berlin.de.

4 Für die Bearbeitung des Filmmaterials kommt beispielsweise das Programm »Premiere Elements« in Frage. Diese für Bildungsein-

rich tungen kostenfreie Software ist unkompliziert in der Anwendung, sodass Laien und vor allem auch Jugendliche gut damit

arbeiten können. Einige Schnittprogramme sind als Downloads gratis im Internet zu beziehen, beispielsweise unter der URL

http://www.chip.de/artikel/Download-Special-Video-Software_21987018.html.

5 Vgl. Anne Frank Zentrum: MiteinAnders – Jugendwerkstatt für Vielfalt und Demokratie, Berlin 2007.

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