Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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Hinsichtlich der Arbeit mit dem Medium Film empfiehlt es sich, Bedenken der Teilnehmerinnen ernst

zu nehmen: Viele Mädchen haben Angst, dass der Film Dritten gezeigt werden könnte, aber wenig

Probleme, wenn der Rahmen vertraut ist. wenn versprochen wird, dass der Film nicht ohne Einwilligung

der Mädchen anderen Personen gezeigt wird, lassen sich ihre ängste meist zerstreuen. Zudem

ist es auch nicht notwendig, dass sich alle Mädchen filmen lassen. Ist die Kamerascheu unter den

Teilnehmerinnen zu groß, kann die Kamera auch weggelassen und auf andere kreative Methoden

und Medien ausgewichen werden. Es kann z.B. auch theaterpädagogisch, fotografisch oder künstlerisch

gearbeitet werden, etwa indem ein Slogan gegen Diskriminierung und Ausgrenzung entwickelt

und auf T-Shirts gedruckt oder indem ein Radiobeitrag zum Thema erstellt wird. Das gleiche gilt für

den Fall, dass sich der Jugendclub aufgrund des Aufwands oder mangelnder technischer Ausstattung

gegen ein Filmprojekt entscheidet.

In die Arbeit mit den Situationskarten können je nach Alter und Herkunftskontext der Teilnehmerinnen

weitere für sie relevante Situationen zu lebensweltbezogenen oder auch einrichtungsspezifischen Fragen

einbezogen werden. Im Vorfeld muss jedoch entschieden werden, wie nah die Situationen an das

Leben der Mädchen oder an reale Situationen aus der Einrichtung anknüpfen sollen, da man, wenn die

Mädchen bestimmte Situationen nicht als diskriminierend einschätzen, Gefahr läuft, zu sehr gegen die

Mädchen anzureden. Je nach Bedarf können einzelne Methoden aus dem workshop-Paket herausgegriffen

werden, um über die Themen Diskriminierung und Ausgrenzung ins Gespräch zu kommen.

Ebenso können weitere geeignete Methoden zum Themenfeld in den workshop integriert werden,

beispielsweise Reflexionen über das eigene Diskriminieren. Auch in gemischtgeschlechtlichen Gruppen

sowie in reinen Jungengruppen ist das Konzept umsetzbar. In den gemischten Gruppen sollte jedoch

hinsichtlich der medienpädagogischen Elemente darauf geachtet werden, dass die Mädchen insbesondere

bei der Verteilung der technischen Aufgaben nicht übergangen werden. Das kann verhindert

werden, wenn die Zuständigkeit im Bereich Regieführung sowie Ton- und Kameratechnik jeweils mit

einem gemischtgeschlechtlichen Tandem besetzt wird, in dem sich Mädchen und Jungen abwechseln.

»von sElBst- unD fREMDBIlDERn«

EIN woRKSHoP FüR JUNGEN

KonzEpt 6

Die geschlechterreflektierende Arbeit mit Jungen hat sich in den letzten Jahren als sinnvolle Ergänzung

zu anderen pädagogischen Ansätzen der Sozial- und Bildungsarbeit erwiesen. Mit dem hier

vorgestellten workshop wird versucht, ihr Potenzial auch für die pädagogische Arbeit gegen Antisemitismus

zu nutzen. Der workshop stellt eine Verbindung her zwischen Geschlecht – hier: Männlichkeiten

– und der Prävention antisemitischer Einstellungen unter männlichen Jugendlichen mit Migrationsbezügen

zur Türkei oder zu arabischen Ländern. Darüber hinaus rücken die Erfahrungen von Jugendlichen

in den Blick, die ihrerseits in der Bundesrepublik von Rassismus betroffen sind. Indem diese

unterschiedlichen Dimensionen wahrgenommen und pädagogisch berücksichtigt werden, wird

eine intersektionale Perspektive eingenommen.

Der workshop ist in zwei Blöcke unterteilt. »Der große Preis« ist eine Quiz-Show mit für jugendliche

Lebenswelten relevanten Rubriken. Das Quiz wurde bereits vielfach in verschiedenen Bildungskontexten

erprobt und von »amira« modifiziert. Jeder Rubrik sind Fragen zugeordnet, die in erster Linie dazu dienen,

mit den Jungen ins Gespräch zu kommen; mit den Antworten auf die Fragen können aber auch

Punkte gewonnen werden. Die behandelten Themenfelder werden im anschließenden Fotoprojekt,

dem zweiten workshop-Block, zum Teil wieder aufgegriffen. In dem Fotoprojekt sollen die Jugendlichen

in Gruppen zusammentragen, wie sie als männliche Jugendliche mit einem türkischen, kurdischen

oder arabischen Hintergrund von Personen aus ihrem Umfeld wahrgenommen werden. Im nächsten

Schritt folgt die Reflexion dieser (Fremd-)Bilder anhand der Frage, ob die Bilder zutreffen oder ob es sich

bei ihnen um Vorurteile und Stereotypisierungen handelt. Indem die Jungen die Frage, wie sie sich selbst

sehen, mit Hilfe der Fotografien beantworten, die sie voneinander gemacht haben, haben sie die Möglichkeit,

den Fremdbildern ein positives – reales oder erwünschtes – Selbstbild entgegenzusetzen. 7

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