Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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zIElE

Die Teilnehmer sollen dazu angeregt werden, sich auf einer affektiv-emotionalen Ebene mit für sie relevanten

gesellschaftlichen und biografischen Fragen zu beschäftigen. Die Themenwahl und die Formulierung

der Fragen zielt darauf, neben der Haltung zu allgemeinen Themen auch die Einstellung zu

persönlichen Themen wie den eigenen Ausgrenzungserfahrungen und -praktiken, dem männlichen

Rollenverständnis oder dem Geschlechterverhältnis sowie zu Abwertungsideologien im Allgemeinen

und zu Antisemitismus im Besonderen sichtbar zu machen und zu reflektieren. Begriffe wie Ehre und

würde, die für die Zielgruppe möglicherweise relevant sind, können aufgegriffen werden und in die

Auseinandersetzung einfließen. Diese Begriffe können außerdem in Bezug gesetzt werden zu abwertenden

und ausgrenzenden Praktiken wie beispielsweise der Verwendung bestimmter Schimpfwörter

oder antisemitischer und homophober äußerungen.

Die Auseinandersetzung mit Fremd- und Selbstzuschreibungen soll die Jugendlichen für Vorurteile,

Stereotypisierungen und Kategorisierungen sensibilisieren. Durch die Konfrontation mit (mutmaßlichen)

Fremdzuschreibungen und durch deren (selbst-)kritische Prüfung soll möglichen Viktimisierungstendenzen

der Jugendlichen entgegengewirkt werden. Das Fotoprojekt lädt darüber hinaus zu

einer intensiven Auseinandersetzung ein mit der eigenen Person und ihren Stärken und Schwächen

sowie den in sie gesetzten Erwartungen, und es ermutigt die Teilnehmer dazu, Visionen und wünsche,

welche die eigene Person betreffen, zu formulieren und in Bilder umzusetzen. 7

DuRchfühRung 8

Der workshop ist als Reihe von drei bis vier Einheiten konzipiert, für die jeweils etwa zweieinhalb

Stunden eingeplant werden sollten. Das Konzept kann mit 6 bis 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen

im Alter von 12 bis 20 Jahren umgesetzt werden. Allerdings sollte darauf geachtet werden,

dass die Teilnehmer der jeweiligen Gruppe altersmäßig zusammenpassen, um eine gemeinsame Arbeitsgrundlage

zu gewährleisten. Je nach Zusammensetzung der Gruppe müssen die Methoden und

Fragen zielgruppenspezifisch angepasst werden. Erprobt wurde das Projekt mit sieben Jugendlichen

im Alter von 16 bis 18 Jahren im Kreuzberger Jugendclub »DTK wasserturm«.

voRBEREItung

Für den workshop werden eine große (Pinn-)wand für das Quiz, eine Fotoausrüstung, Scheinwerfer

und weiße Bettlaken für die Erstellung der Selbstporträts sowie ein Computer zur anschließenden

digitalen Bildbearbeitung benötigt. Außerdem ist es sinnvoll, im Vorfeld einige Exemplare des Magazins

der »Süddeutschen Zeitung« zu sammeln. Seine Rubrik »Sagen Sie jetzt nichts« zeigt eine Fotoserie,

die jeweils eine (prominente) Person abbildet, die nonverbal mit Hilfe unterschiedlicher körperlicher

Ausdrucksformen Fragen beantwortet. Diese Bilder können den Jugendlichen bei der Vorbereitung

des Foto-Shootings als Anschauungsmaterial dienen.

ABlAuf

Im ersten Teil des workshops sollten nach einer einleitenden Aufwärm- oder Kennenlernmethode

sowie der Vorstellung des Programms gemeinsame Regeln verabredet werden. »Der große Preis« eröffnet

den ersten Termin auf inhaltliche weise. Er folgt der Idee einer Quiz-Show und ermöglicht einen

spielerischen Einstieg in unterschiedliche Themen. Aus den fünf Rubriken Gewalt, Rassismus,

soziale Gerechtigkeit, Jungen sowie Antisemitismus sind jeweils fünf Fragen zu beantworten, mit

denen eine unterschiedliche Anzahl von Punkten gewonnen werden kann.

6 Für die Entwicklung und Erprobung des Konzepts konnte der Diplom-Soziologe olaf Stuve gewonnen werden, Mitarbeiter bei

Dissens e.V. mit den Schwerpunkten Gender und Bildung, Gender und Gewalt(prävention) sowie Intersektionalitätsforschung.

7 Die Idee zum Foto-Projekt wurde im Rahmen des Projekts »respect – come together« entwickelt (vgl. http://vielfalt-bremen.de /

artikel.php/523/38600/respect-come-together.html) und für den hier beschriebenen workshop adaptiert. Eine Projektbeschrei-

bung findet sich auch unter http://dissens.de/isgp/methoden2.php#foto.

8 Eine Anleitung zur Durchführung des workshops finden Sie unter www.amira-berlin.de.

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