Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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Bei einer Begegnung zweier Jugendgruppen ist darauf zu achten, dass sie soweit wie möglich »auf

Augenhöhe« stattfinden kann. Idealerweise sollten die beiden Gruppen möglichst einen gleichen

oder zumindest ähnlichen ökonomischen und sozialen Status sowie ein vergleichbares Bildungsniveau

besitzen, vom Alter her nicht zu weit auseinander liegen und in einem ausgewogenen Zahlenverhältnis

zueinander stehen. Dass dies zumindest annähernd zutrifft, ist wichtig, um eine gute und

ausgewogene Ausgangsbasis herzustellen. Da eine solche Jugendgruppe aus den bereits genannten

organisatorischen Gründen oft schwer zu finden ist, bietet sich unter Umständen ein/e erwachsene/r

Gesprächspartner/in als Alternative an.

Eine gründliche Vorbereitung ist eine wichtige Grundlage für eine gelingende Begegnung. Beide Gruppen

sollten sorgfältig auf das Kennenlernen vorbereitet werden, um sich innerlich aufeinander einstellen

zu können. Die Vorbereitung sollte sowohl eine inhaltliche, auf die rationale Ebene zielende Komponente

in Form eines wissensinputs enthalten als auch einen emotionalen Anteil haben. Je nach

potenziellem Gegenüber, Thema und Ziel der Begegnung sollte vor dem Treffen zu relevanten Themen,

welche die andere und die eigene Gruppe betreffen, gearbeitet werden. Die Jugendlichen erwerben

so Grundkenntnisse, auf deren Basis sie dann ins Gespräch kommen können. Ebenfalls der

Vorbereitung dienen können Fakten über den Hintergrund des jeweiligen Gegenübers, eine Diskussion

über die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Jugendlichen, Probleme wie eigene Diskriminierungserfahrungen,

Fragen nach der kulturellen und religiösen Identität der Jugendlichen sowie Gespräche

über Vorstellungen, Gedanken und Gefühle über die bevorstehende Begegnung.

Es ist wichtig, dass die Begegnung durch eine gute, erfahrene Moderation begleitet wird, die für beide

Seiten akzeptabel ist und die mit den kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen beider

Seiten vertraut ist. Sie kann als Vermittlerin und möglicherweise sogar als Integrationsfigur fungieren.

Das Gespräch könnte auch von zwei Personen geleitet werden, wobei es sich dann anbietet, jeweils

eine Person auszuwählen, die von einer der beiden Seiten respektiert wird. Die Moderation sollte in

das Gespräch einleiten, Regeln für das soziale Miteinander aufstellen oder – idealerweise – bereits

vorher gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeitete Regeln noch einmal wiederholen, und sie sollte

das Gespräch und das Miteinander moderieren.

Es ist empfehlenswert, die für die Jugendlichen brisantesten Themen zunächst auszuklammern und

die Jugendlichen sich erst einmal zwanglos kennenlernen zu lassen. Nachdem sie einander als reale

Personen gesehen haben, miteinander vertraut geworden sind und nicht mehr nur als Bilder und

Projektionsflächen existieren, kann man auf dieser Grundlage gegebenenfalls auch heikle Themen

wie den Nahostkonflikt in Angriff nehmen.

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