Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

GRUSSwoRT

Das Projekt »amira – Antisemitismus im Kontext von Migration und Rassismus« endet nach dreijähriger

Laufzeit mit Ablauf des Monats August 2010. Die Broschüre folgt dem guten Brauch, die Arbeitserfahrungen,

Ergebnisse und Empfehlungen am Projektabschluss zusammenzustellen, zu bewerten

und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Als sich kürzlich Toleranzbeauftragte der oSZE in meiner Dienststelle mit kritischen Fragen zu Rassismus

und Antisemitismus in Berlin einfanden, hatte ich Gelegenheit, über den Zustand der Auseinandersetzung

mit Antisemitismus in Berlin zu berichten. Der Blick von Außen auf Berlin durch die oSZE-

Vertreter/innen gab mir die Gelegenheit, die verschiedenen Initiativen und Projekte dieser Stadt vor

meinem geistigen Auge nochmals Revue passieren zu lassen und sie angemessen zu würdigen. In

Berlin werden die Probleme mit dem Antisemitismus als Probleme der gesamten Stadt benannt, und

zahlreiche Initiativen und Projekte entwickeln für Deutschland beispielgebende Modelle zur pädagogischen

Auseinandersetzung. Am Ziel sind wir allerdings noch nicht. Noch gibt es in der pädagogischen

Praxis, aber auch in der Problemanalyse, offene Baustellen. Und noch immer gibt es zum

Problem Antisemitismus zu wenig differenzierende Kommunikation jenseits wissenschaftlicher Konferenzen

und Debatten.

Mit dem Blick von Außen eine neue Kultur der Reflexion über Antisemitismus im ortsteil Berlin Kreuzberg

zu initiieren, das war eine lohnenswerte Herausforderung, der sich das Projekt »amira« erfolgreich

gestellt hat. Das Projekt zeigt, dass wir insbesondere im Hinblick auf eine differenzierende Debatte

Fortschritte gemacht haben. Das Projekt hat in dem oft durch einseitige Schuldzuweisungen

geprägten Diskurs um Ungleichheitsideologien in der Einwanderungsgesellschaft eine Vielfalt der

Stimmen und Positionen sichtbar gemacht. Es ist im Rahmen des Projekts gelungen, einen Partizipationsprozess

zu initiieren, an dem Jugendeinrichtungen, die Jugendämter Friedrichshain-Kreuzberg und

Neukölln und Vertreter/innen der arabischen, türkischen und kurdischen Migrantencommunity beteiligt

wurden. Durch diesen nicht immer einfachen Prozess und durch die Fachkompetenz der Projektmitarbeiter/innen

sind aktuelle Ansätze, Konzepte, Methoden und Materialien zur Bearbeitung von

Antisemitismus in der offenen Jugendarbeit in Kreuzberg entstanden. Diese Broschüre bietet einen

guten Eindruck von der Methodenvielfalt und den differenzierten, praxistauglichen Arbeitsansätzen.

Dabei schwingt das Spannungsverhältnis zwischen der Thematisierung von Antisemitismus in Einwanderercommunities

bei gleichzeitiger Berücksichtigung ihrer Rassismuserfahrungen immer mit. Gleichzeitig

hat das Projekt auch selbstkritisch auf die Grenzen der Arbeit hingewiesen.

Ungleichheitsideologien in der Einwanderungsstadt werden uns – leider – auch in Zukunft beschäftigen.

Ich freue mich, dass wir durch das Projekt »amira – Antisemitismus im Kontext von Migration

und Rassismus« nun ausgewertete Erfahrungen aus der praktisch-pädagogischen Problembearbeitung

im Bereich der außerschulischen Jugendarbeit eines Berliner Innenstadtbezirks vorliegen haben.

Sozialräumliche Bearbeitungsstrategien und neue Kooperationen zwischen Pädagogen / innen, Nachbarschaften

und Migrantenselbstorganisationen werden wir deutlicher in den Blick nehmen müssen.

Es scheint mir lohnenswert, die Erfahrungen von »amira« in die weiteren konzeptionellen überlegungen

einzubeziehen. Allerdings ist die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus und dessen pädagogische

Bearbeitung ein langfristiger und kommunikationsintensiver Prozess. Für diesen Prozess bietet

diese Broschüre Erfahrungen und Anregungen, die ich gerne weiterempfehle.

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güntER pIEnIng

Beauftragter des Berliner Senats

für Integration und Migration

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