Pädagogische Ansätze zur Bearbeitung von ... - Migration-online

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wARUM DAS THEMA ANTISEMITISMUS ?

wARUM IST ES wICHTIG, IN DER JUGENDARBEIT

UND IN MIGRANT/INNENCoMMUNITIES IN KREUZBERG

UND VERGLEICHBAREN STADTTEILEN ZUM THEMA

ANTISEMITISMUS ZU ARBEITEN?

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clAuDIA fREIstühlER Projektleitung der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung

»drehpunkt«, Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.

Bei unserer Arbeit im »drehpunkt« werden wir immer wieder mit sensiblen und

komplexen Themen wie Rassismus, dem Nahostkonflikt und eben auch Antisemitismus

unter Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund konfrontiert. In

diesem Kontext fallen verschiedene problematische äußerungen, die vom

Schimpfwort »du Jude« über die Gleichsetzung von Israel mit Nazideutschland

bis hin zu antisemitischen Verschwörungstheorien reichen und mit denen wir

in unserem Arbeitsalltag umgehen müssen. »amira« hat in den vergangenen

drei Jahren sowohl wichtige Erkenntnisse über die Entstehung antisemitischer

Tendenzen als auch pädagogische Ansätze für den Umgang mit Antisemitismus

in der Migrationsgesellschaft erarbeitet. Die vom Projekt entwickelten

workshops für Jugendliche sowie die Fortbildungen für Mitarbeiter/innen sind

ein wertvoller Bestandteil für die pädagogische Praxis der Jugendarbeit.

sAftER ÇInAR Vorstandssprecher des Türkischen Bundes in

Berlin-Brandenburg e.V.

Antisemitismus ist leider überall präsent, so auch in Teilen der Migrant / innen -

communities. Migrantenjugendliche sind selber vielfach – insbesondere alltäglicher

– Diskriminierung ausgesetzt. Einige von ihnen suchen wegen dieser Erfahrung

und der noch nicht sehr ausgeprägten Antidiskriminierungskultur

während ihrer Sozialisation Feindbilder. Deshalb ist es wichtig, mit ihnen über

das Thema zu sprechen. Ideal wäre es, im Laufe dieses Prozesses gemeinsam

zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Rassismus und antisemitische Diskriminierung

nicht voneinander zu trennen sind, d.h., dass es nicht angehen kann, sich

beispielsweise einerseits darüber zu entrüsten, als Türke oder Türkin rassistisch

diskriminiert zu werden, andererseits aber antijüdische und antisemitische

Ressentiments zu pflegen.

MIchAEl JoAchIM Vorstand der Synagoge Fraenkelufer

Heute leben nur noch wenige Juden in Kreuzberg. wenn sie zum Gottesdienst

in die Synagoge Fraenkelufer kommen, verstecken die meisten von ihnen religiöse

Symbole wie Kippa oder Davidstern – aus Angst, als Juden erkannt und

angefeindet zu werden. Einige von ihnen nehmen sogar ein Taxi, um die kurze

Strecke zwischen der U-Bahn am Kottbusser Tor und der Synagoge zurückzulegen.

wir wissen natürlich, dass Antisemitismus nicht allein ein Problem unter

Migrant / innen und ihren Kindern oder Enkelkindern ist. Doch müssen genauso

wie in der deutschen Mehrheitsgesellschaft auch in dieser Bevölkerungsgruppe

antisemitische Einstellungen offen gelegt und abgebaut werden, damit

wir Juden als selbstverständlicher Bestandteil des multikulturellen Lebens

in Kreuzberg – und in ganz Berlin – wahrgenommen werden.

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