Kanalisation Nürnberg - Stadt Nürnberg

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Kanalisation Nürnberg - Stadt Nürnberg

Inhalt

Die Nürnberger Kanalisation

Seite

Die Anfänge der Stadtentwässerung 3

Die weitere Entwicklung der Kanalisation 6

Die Sonderbauwerke 9

Die Grundstücksentwässerung 11

Der Kanalbetrieb

Die Grundlagen 12

Die Reinigung der Kanäle 13

Die Inspektion der Kanäle 16

Die Abflusssteuerung im Kanalnetz 19

Der Kanalbetriebshof 20

Die Ausstattung der Mitarbeiter 21

Anhang

Die Nürnberger Hauptsammelkanäle 22

Die Geschichte der Nürnberger Kanalisation im Überblick 24

Titelbild:

Der sogenannte „Sturmauslass“ (Regenüberlauf) des Nördlichen Hauptsammlers

in Schniegling. Bis 1991 wurde hier bei Regenwetter das im Kanal nicht mehr

aufnehmbare Abwasser aus dem Einzugsgebiet des Nördlichen Hauptsammlers

in die Pegnitz geleitet.

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Die Nürnberger Kanalisation

Die Anfänge der Stadtentwässerung

Die Kanalisierung des Stadtgebiets

Seit dem Mittelalter gab es

in Nürnberg, so wie in den

meisten anderen Städten,

einfache und wirksame Einrichtungen

zur Stadtentwässerung:

Das Niederschlagswasser

wurde in Entwässerungsrinnen

oder Dolen

zum nächsten Gewässer

geleitet. Die Dolen waren

rechteckige, mit Steinen

oder Holzbohlen ausgekleidete

Rinnen im Verlauf

der Straße.

Das wenige Abwasser,

das in den Häusern

anfiel, gelangte auf die

Straße und floss zusammen

mit dem Niederschlagswasser

ab. Abwasserleitungen

innerhalb

von Gebäuden waren damals

noch nicht bekannt.

Für die doch recht

häufigen Aborte gab es

Sickergruben, die von

Zeit zu Zeit geleert

wurden.

Häuser, die unmittelbar

an einem Fluss lagen,

besaßen Aborterker über

dem Wasser.

Diese einfache Art der

Abwasserableitung erfüllte

ihren Zweck, solange in der

Stadt eine überschaubare

Zahl an Menschen lebte.

Große Probleme traten

jedoch durch das erhebliche

Bevölkerungswachstum im

Zuge der Industrialisierung

auf. Damals, in der Mitte des

19. Jahrhunderts, herrschten

in den Großstädten

katastrophale hygienische

Verhältnisse auf Grund unzureichenderAbwasserableitung.

Im 19. Jahrhundert herrschten in den dicht bebauten Innenstädten vielfach

unhygienische Zustände. Erst die Einführung der zentralen Wasserversorgung

und der Bau von Kanalisationen brachte eine deutliche Verbesserung

mit sich.

Es kam zu teilweise verheerenden

Cholera- oder

Typhusepidemien. Auch

Nürnberg blieb hiervon nicht

verschont: Während der

Cholera-Epidemie im Jahr

1854 fanden rund 300

Menschen den Tod. Eindringlich

wurde nun klar,

dass die geregelte Ableitung

des Abwassers eine

Grundvoraussetzung für die

weitere Entwicklung der

Städte war.

Die beste Lösung der

hygienischen Probleme war

der Bau von Kanalisationen

nach englischem Vorbild, so

wie wir sie heute kennen.

Deren Kennzeichen waren,

im Gegensatz zur mittelalterlichenAbwasserableitung,

unterirdische Rohrkanäle

aus Steinzeug oder

Beton sowie die Führung

der Abwasserleitungen in

die Gebäude, unmittelbar

zu den Stellen, an denen

das Abwasser anfiel.

3


Die Nürnberger Kanalisation

Die Anfänge der Stadtentwässerung

In Nürnberg wurde ein erster

Anlauf zum Bau eines

neuzeitlichen Kanalnetzes

im Jahr 1865 unternommen,

als der Magistrat ein

„Project zur Canalisation

der Stadt“ beschloss. Zunächst

scheiterte dessen

Verwirklichung jedoch an

den zu hoch erscheinenden

Baukosten. Wegen der

drängenden hygienischen

Probleme entstanden dann

in den Folgejahren erste Kanäle

aus Steinzeugrohren,

die allerdings noch keinem

übergeordneten Entwässerungskonzept

folgten.

Um eine geordnete Abwasserentsorgung

und somit

eine Verbesserung der

hygienischen Verhältnisse

zu erreichen, war jedoch

eine Planung nötig, die das

gesamte Stadtgebiet betrachtete.

Erste Arbeiten

hierzu begannen Ende

1873 im Städtischen

Bauamt unter Leitung des

Stadtbaurates Eickemeyer.

Für größere Kanalquerschnitte kamen in Nürnberg

vierteilige Eiprofile aus Beton zur Anwendung.

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Um zu einer guten Lösung

zu finden, wurde der Rat

des Ingenieurs James

Hobrecht eingeholt, der

damals die Kanalisation von

Berlin plante. Nachdem

man sich nicht auf die

Größe der im Kanalnetz abzuleitendenNiederschlagsabflüsse

einigen konnte,

schaltete man den in

Frankfurt lebenden englischen

Ingenieur James

Gordon als Gutachter ein,

der seine Erfahrungen in

die Aufstellung eines Grundkonzepts

für die Nürnberger

Kanalisation einbrachte.

Bereits 1874 lagen mit den

Bemessungsregeln für die

Kanalisation und mit der

Festlegung von Rohrquerschnitten

erste Ergebnisse

vor. Im gleichen Jahr

entstanden in der Judengasse

und im Steinbühler

Tunnel, der sich damals im

Bau befand, die ersten

Nürnberger Kanäle aus

Betonrohren.

Im Jahr 1877 waren die

Planungsarbeiten abgeschlossen.

Das Konzept sah

eine Entwässerung des

Stadtgebietes im Mischsystem

vor. Dies bedeutet,

dass Schmutzwasser und

Regenwasser in einem gemeinsamen

Kanalnetz abgeleitet

werden. Die Aufteilung

des damaligen Stadtgebiets

erfolgte zunächst in drei

Hauptentwässerungsgebiete:

den Bereich der nördlichen

Altstadt

(Sebalder Sammler)

den Bereich der südlichen

Altstadt

(Lorenzer Sammler)

den Bereich der Vorstädte

Galgenhof, Steinbühl und

Gostenhof (Gostenhofer

Hauptsammler)

Im Jahr 1877 begannen die

Arbeiten am Gostenhofer

Hauptsammler. Dieser Kanal

war dringend erforderlich,

da in Gostenhof damals

sehr schlechte hygienische

Bedingungen herrschten:

Da keine geeigneten Gewässer

zur Ableitung des

Abwassers vorhanden waren,

musste das Abwasser

mit Sickergruben beseitigt

werden. Die Trinkwasserbrunnen

in unmittelbarer

Nachbarschaft der Sickergruben

förderten Grundwasser,

das Cholera- und

Typhuserreger enthielt. Im

Jahr 1854 war Gostenhof

dann am stärksten von der

Cholera betroffen, und auch

in den darauf folgenden

Jahren traten hier immer

wieder schwere Erkrankungen

auf.


Die Nürnberger Kanalisation

Die Anfänge der Stadtentwässerung

Das Wachstum der Stadt

erforderte bereits im Jahr

1891 als erste Erweiterung

der ursprünglichen Planung

den Bau des Johannissammlers.

Bis zum Ende

des 19. Jahrhunderts konnten

dann auch der Sebalder

und der Lorenzer Sammler

vollendet werden. Schon

bald war jedoch der Bau

weiterer Sammelkanäle

nötig. So wurde im Jahr

1902 der Südliche Hauptsammler

fertig gestellt, der

das Abwasser der Stadtteile

Lichtenhof, Gibitzenhof und

Schweinau der Pegnitz zuleitete.

Die Stadterweiterungen

im Norden erforderten

schließlich den Bau des

Nördlichen Hauptsammlers,

der 1912 in Betrieb ging.

Die Einführung der Abwasserreinigung

Mit wachsender Länge des

Kanalnetzes und dem Vordringen

des Spülklosetts stiegen die zur

Pegnitz abgeleiteten Wassermengen.

Die Wasserqualität des

Flusses verschlechterte sich zusehends.

Man hatte die Selbstreinigungskraft

der Gewässer

ganz erheblich überschätzt.

Ein Gutachten aus dem Jahr 1906

wies der Pegnitz eine so starke

Verunreinigung aus, dass der

„Gemeingebrauch des Wassers

und die Fischerei im wesentlichen

vernichtet“ waren. Es wurde

deutlich, dass die Ableitung des

Abwassers allein nicht ausreichte.

Die Notwendigkeit, das abgeleitete

Abwasser auch zu

reinigen, wurde immer offensichtlicher.

Aus dem Jahr 1908 stammt ein

erstes Projekt für die Reinigung

des Nürnberger Abwassers in

Die früheren Einleitungsstellen der Hauptkanäle in die Pegnitz

(alle Einleitungen befanden sich unterhalb der Altstadt):

Gostenhofer Hauptsammler (1879): Lederersteg (Südseite)

Sebalder Sammler (1894): oberhalb der Johannisbrücke

Johannissammler (1897): unterhalb der Johannisbrücke

Lorenzer Sammler (1899): Großweidenmühlsteg (Südseite)

Südlicher Hauptsammler (1902): Maximilianstraße

Nördlicher Hauptsammler (1912): Schnieglinger Straße / Süßheimweg

Zur Anfangszeit der Stadtentwässerung

stand die

möglichst schnelle Ableitung

des Abwassers aus

der Stadt im Vordergrund.

Man war zu jener Zeit

allgemein der Auffassung,

dass die Gewässer auf

Grund ihrer Selbstreinigungskraft

die Einleitung

von ungereinigtem Abwasser

verkraften könnten.

einer Großkläranlage. Als Standort

für diese Kläranlage war das

Pegnitztal bei Muggenhof, an der

Stadtgrenze zu Fürth, vorgesehen.

Das Abwasser sollte mechanisch

und (für die damalige Zeit

bemerkenswert) auch biologisch

gereinigt werden. Auf Grund der

erheblichen Kosten wurde diese

ehrgeizige Planung jedoch nicht

weiterverfolgt.

Da sich die Wasserqualität der

Pegnitz aber stetig verschlechterte,

beschloss der Nürnberger Stadtmagistrat

den Bau einer Kläranlage

am Auslauf des Südlichen

Hauptsammlers. Die Reinigung

des Abwassers fand in Emscherbrunnen

statt. Eine biologische

Abwasserreinigung war vorerst

nicht vorgesehen. Die Kläranlage

Süd (heute als Klärwerk 2

bezeichnet) ging im Jahr 1913 in

Betrieb und war die erste Großkläranlage

in Bayern.

Zusammen mit der öffentlichen

Wasserversorgung,

die in Nürnberg seit dem

Jahr 1885 entstand, sorgte

der Bau von Kanalisationen

dafür, dass Krankheiten und

Epidemien zuverlässig vermieden

werden konnten. Die

Auswirkungen der Abwassereinleitungen

auf die Gewässer

waren jedoch

erheblich.

In einer Entwässerungsplanung

aus dem Jahr 1917, der sogenannten

„Denkschrift zum Ausbau

der Kanalisation und Abwasserreinigung

für Nürnberg“ wurde das

Projekt einer Kläranlage bei

Muggenhof wieder aufgegriffen.

An diese Kläranlage sollten die

Stadtgebiete angeschlossen werden,

die nicht im Einzugsgebiet

der Kläranlage Süd lagen.

Auf der Südseite der Pegnitz,

zwischen Altstadt und dem Kläranlagenstandort

bei Muggenhof,

entstand in den Jahren 1928 und

1929 der sogenannte Hauptzuführungskanal.

Er führt das Abwasser

aus dem Nördlichen Hauptsammler,

dem Johannissammler sowie

dem Sebalder und dem Lorenzer

Sammler der Kläranlage Nord

(heute Klärwerk 1) zu. Die Kläranlage

selbst ging im Jahr 1931 in

Betrieb.

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Die Nürnberger Kanalisation

Die weitere Entwicklung der Kanalisation

Die Erweiterung des Kanalnetzes

Mit der Fertigstellung des

Nördlichen Hauptsammlers

(1912) war nahezu das

gesamte damalige Stadtgebiet

mit Hauptsammlern

erschlossen. Eine Reihe

von Fragen war jedoch

noch zu lösen: So ließ sich

absehen, dass sich das

Nürnberger Stadtgebiet in

Zukunft durch Eingemeindungen

weiter vergrößern

würde. Außerdem wurde

nach wie vor nur ein Teil

des Nürnberger Abwassers

gereinigt.

Der Bau von neuen Hauptsammlern

Erst die umfangreichen

Stadterweiterungen der

1950er Jahre machten neue

Hauptsammler erforderlich.

Beim Südwestlichen Hauptsammler,

der unter anderem

die Stadtteile Gebersdorf,

Reichelsdorf und

Eibach an das Klärwerk 1

anschließt, konnte im

Grundsatz auf die Entwässerungsplanung

aus

dem Jahr 1917 zurückgegriffen

werden: Bereits

Damals war der Bau dieses

Kanals vorgesehen, sobald

die Bebauung in den

betroffenen Stadtgebieten

dies erforderlich machen

sollte.

Auch der Pegnitztalsammler

geht in seinen Grundzügen

auf die Planung von 1917

zurück. Das große Pegnitzhochwasser

von 1909 noch

in lebhafter Erinnerung,

6

Im Jahr 1917 erstellte das

städtische Tiefbauamt dann

eine wesentlich erweiterte

Entwässerungsplanung. Diese

sogenannte „Denkschrift

zum Ausbau der Kanalisation

und Abwasserreinigung

für Nürnberg“ betrachtete

neben den bereits bebauten

Stadtgebieten auch die in

Zukunft zu erwartenden

Stadterweiterungen und Eingemeindungen.

Auch der

weitere Ausbau der Abwasserreinigung

wurde in

der Denkschrift behandelt.

plante man seinerzeit einen

etwa 3 Kilometer langen

Hochwasserstollen für die

Pegnitz, der durch die

nördliche Altstadt verlaufen

sollte. Parallel dazu war

auch der Bau eines großen

Hauptsammlers vorgesehen,

da sich durch die Erweiterung

der Stadt nach

Osten eine Überlastung des

Sebalder und Lorenzer

Sammlers abzeichnete. Der

Erste Weltkrieg und die

darauffolgende Wirtschaftskrise

verhinderten jedoch

die Ausführung des Hochwasserstollens.

Der Zweite

Weltkrieg machte ihn durch

die Zerstörung der Altstadt

in dieser aufwendigen Form

überflüssig.

Nachdem bereits 1969 im

Zuge der Bauarbeiten für

den Wöhrder See ein Teilstück

des Pegnitztalsammlers

errichtet wurde, gingen

Die Realität blieb jedoch

hinter den weit vorausschauenden

Planungen der

Denkschrift zurück. Ursache

hierfür waren der Erste

Weltkrieg und die darauf

folgende Inflation und

Wirtschaftskrise. Auch in

den Folgejahren bis nach

dem Zweiten Weltkrieg

stand, ausgehend von den

bis 1912 entstandenen

Hauptsammlern, der Bau

von Anschluss- und Anliegerkanälen

im Vordergrund.

1985 die Bauarbeiten vom

Klärwerk 1 beginnend in

Richtung Osten weiter. Im

Jahr 2000 war der Pegnitztalsammler

auf seiner

gesamten Länge fertig

gestellt. Die Nürnberger Altstadt

wird mit einem Abwasserstollen

bis zu 15 Meter

unter der Erde durchquert.

Ähnlich, wie es bereits

die Planungen zu Beginn

des 20. Jahrhunderts

vorgesehen haben.

Die weiteren Nürnberger

Hauptsammler sind jedoch

echte Neuplanungen. Zu

ihnen gehören der Neubau

des Südwestlichen Hauptsammlers

als Stauraumkanal,

der Südliche Entlastungssammler,

sowie der

Vorflutkanal Fischbach / Altenfurt

mit seiner Verlängerung

zum Pegnitztalsammler,

dem sogenannten

Südostsammler.


Die Nürnberger Kanalisation

Die weitere Entwicklung der Kanalisation

Bereits Ende der 1960er

Jahre wurde klar, dass sich

der Ausbau des Südwestlichen

Hauptsammlers

nicht mehr aufschieben ließ.

In den unmittelbaren Nachkriegsjahren

hatte man aus

Kostengründen, vor allem

jedoch wegen der erheblich

kürzeren Bauzeit darauf

verzichtet, diesen Hauptsammler

in seinem ursprünglich

geplanten großen

Querschnitt zu errichten. So

konnte für die damaligen

Neubaugebiete innerhalb

kurzer Zeit eine gesicherte

Abwasserableitung erreicht

werden.

Für die steigenden Wassermengen

aus den angeschlossenen

Stadtteilen

war jedoch der Bau eines

leistungsfähigeren Hauptsammlers

erforderlich.

Dieser Kanal sollte mit

einem Durchmesser von bis

zu 3,0 Metern als Stauraumkanal

für den Rückhalt

von Regenwasser dienen.

Dadurch war es auch

möglich, den Gewässerschutz

für die Rednitz

deutlich zu verbessern.

Die Bauarbeiten für den

neuen Südwestlichen Hauptsammler

begannen 1977

und waren im Jahr 2002

abgeschlossen. Der von

1952 bis 1959 gebaute

„alte“ Südwestliche Hauptsammler

wurde durch die

Baumaßnahmen in einzelne

Abschnitte aufgeteilt, die

nun als Zuleitungskanäle für

den neu gebauten Sammler

dienen.

Die Errichtung des Nürnberger

Hafens war Anlass

für den Bau des Südlichen

Entlastungssammlers, der

1976 fertig gestellt wurde.

Er nimmt das Abwasser aus

dem Hafengebiet auf und

verbessert die Abwasserableitung

aus den Stadtteilen

Lichtenhof, Gibitzenhof

und Schweinau. Der Südliche

Entlastungssammler

verläuft im Wesentlichen

auf der Trasse des

Frankenschnellwegs und

führt zum Klärwerk 1.

Der Vorflutkanal Altenfurt /

Fischbach entstand in den

Jahren 1982 bis 1995. Er

wurde nötig, um die ge-

sicherte Abwasserableitung

aus diesen Stadtteilen zu

gewährleisten, deren Bevölkerungszahl

sich seit der

Eingemeindung im Jahr

1972 erheblich vergrößert

hatte. Derzeit gelangt das

Abwasser aus diesem

großen Stauraumkanal noch

in das Einzugsgebiet des

Südlichen Hauptsammlers.

Die Verlängerung des Vorflutkanals

Altenfurt / Fischbach

von der Regensburger

Straße zum Pegnitztalsammler

bei der Wöhrder

Wiese ist jedoch unter der

Bezeichnung Südostsammler

bereits im Bau und soll

bis zum Jahr 2011 fertig

gestellt werden.

Der Südostsammler wird fast vollständig im unterirdischen Rohrvortrieb

errichtet. Bei dieser Bauweise sind mit Ausnahme der Start- und Zielschächte

nahezu keine Auswirkungen des Baubetriebs zu spüren. Hier ein

Blick

in den Startschacht in der Dürrenhofstraße / Ecke Stefanstraße mit

der Vortriebsmaschine.

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Die Nürnberger Kanalisation

Die weitere Entwicklung der Kanalisation

Das heutige Kanalnetz

Das Nürnberger Stadtgebiet

ist heute nahezu vollständig

kanalisiert. Nur einige Anwesen

in schwer erschließbaren

Gebieten haben noch

keinen Kanalanschluss. Das

Abwasser, das dort anfällt,

wird in Kleinkläranlagen

behandelt oder in dichten

Gruben gesammelt, die

regelmäßig geleert werden.

Weitaus der größte Teil des

Nürnberger Stadtgebietes

ist im Mischsystem entwässert,

bei dem Schmutzwasser

und Regenwasser

in einem gemeinsamen Kanalnetz

abfließen. In einigen

Stadtteilen gibt es jedoch

ein sogenanntes Trennsystem.

Dort sind zwei

getrennte Kanalnetze vor-

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handen: Eines für die Ableitung

von Regenwasser,

ein zweites für die Ableitung

von Schmutzwasser. Während

das Schmutzwasser

im Kanalnetz zu den Klärwerken

weiter fließt, münden

die Regenwasserkanäle

an Regenauslässen in das

nächstliegende Gewässer.

Das Nürnberger Kanalnetz

in Zahlen (im Jahr 2007):

nicht begehbare Kanäle

mit Höhe kleiner als 1,20 Meter:

1.238 Kilometer (87 %)

begehbare Kanäle (Hauptkanäle)

mit Höhe ab 1,20 Meter:

193 Kilometer (13 %)

Kanalnetzlänge gesamt:

1.431 Kilometer

Auch wenn es heute in

Nürnberg fast keine Anwesen

ohne Kanalanschluss

gibt, wird der Kanalbau in

Zukunft ein unverändert

wichtiges Thema bleiben.

Mit fortschreitendem Alter

stellen sich nämlich bei allen

Kanälen bauliche Mängel

ein. Durch Undichtigkeiten

kann Grundwasser in den

Kanal eindringen und Kanalisation

sowie Kläranlagen

mit unnötig hohen Wassermengen

belasten. Liegt der

Kanal über dem Grundwasserspiegel,

so lässt sich

nicht ausschließen, dass

Abwasser aus den undichten

Stellen austritt und

das Grundwasser verunreinigt.

Um diese Auswirkungen zu

verhindern, ist daher die

Sanierung oder Erneuerung

der betroffenen Kanäle erforderlich.

Diese Aufgaben

werden in Zukunft stärker

als bisher an die Stelle des

echten Kanalneubaus treten.

Die Nürnberger Hauptkanäle

(mit dem Jahr der Fertigstellung)

A Gostenhofer Hauptsammler (1879)

B Sebalder Sammler (1894)

C Johannissammler (1897)

D Lorenzer Sammler (1899)

E Südlicher Hauptsammler (1902)

F Nördlicher Hauptsammler (1912)

G Südwestlicher Hauptsammler 1

Südwestlicher Hauptsammler 2

(1959 / 2002)

H Ostsammler (1972)

I Südlicher Entlastungssammler

(1976)

K Vorflutkanal Altenfurt / Fischbach

(1995)

L Überleitung Gründlachtal (1997)

M Pegnitztalsammler (2000)

N Südostsammler (im Bau)


Die Nürnberger Kanalisation

Die Sonderbauwerke

Regenbecken und Stauraumkanäle

In den vergangenen Jahren

bekam im Bereich der Abwasserbeseitigung

ein neuer

Gesichtspunkt Bedeutung:

Die Speicherung und

Behandlung des Niederschlagswassers.

Seit der Anfangszeit des

Kanalbaus war es üblich,

das im Kanalnetz nicht

mehr aufnehmbare Abwasser

über Regenüberläufe

zum nächstliegenden Gewässer

zu leiten. Diese

Regenüberläufe bedeuten

jedoch eine hohe Belastung

der Flüsse, die im Interesse

des Gewässerschutzes verringert

werden muss.

Um diese Belastungen zu

vermindern, ist es daher

notwendig, einen möglichst

großen Teil des über die

Kanalisation abgeleiteten

Abwassers (Schmutzwasser

und Regenwasser) in

der Kläranlage zu behandeln.

Zur Zwischenspeicherung

des Abwassers

werden im Kanalnetz Regenbecken

und Stauraumkanäle

errichtet.

Regenbecken sind große,

meist unterirdische Speicherbecken,

die bei Regenfällen

das Abwasser

zurückhalten können und es

nach dem Ende der Niederschläge

wieder ins Kanalnetz

leiten. Hier wird

unterschieden zwischen

Regenüberlaufbecken und

Regenrückhaltebecken.

Stauraumkanäle erfüllen

die gleiche Funktion, ihre

Bauweise ist jedoch völlig

anders: Hier handelt es sich

Stauraumkanäle dienen zur Zwischenspeicherung von Abwasser bei

Regenwetter. Hier der Pegnitztalsammler unter der Nürnberger Altstadt.

um Sammelkanäle mit

großen Durchmessern, die

sowohl Speichervolumen

bieten als auch zur Weiterleitung

des Abwassers

dienen.

Durch Regenbecken und

Stauraumkanäle können viele

der vorhandenen Regenüberläufe

aufgelassen werden,

was eine erhebliche

Entlastung der Gewässer

zur Folge hat.

Regenüberlaufbecken

Heute gibt es in Nürnberg

24 Stauraumkanäle mit

insgesamt 190.000 Kubikmetern

Speichervolumen.

Der größte von ihnen ist der

Südwestliche Hauptsammler,

in dem 57.500 Kubikmeter

Abwasser gespeichert

werden können.

Hinzu kommen 35 Regenbecken

mit einem Speichervolumen

von zusammen

rund 290.000 Kubikmetern.

sind Speicherräume im Kanalnetz, die einen Teil des bei Regenwetter

abfließenden Abwassers zwischenspeichern. Ist das Becken gefüllt, erfolgt

ein Überlauf in das nächstliegende Gewässer. Da sich die Feststoffe des

Abwassers am Boden des Beckens absetzen, ist das überlaufende

Abwasser mechanisch vorgereinigt.

Regenrückhaltebecken

kommen zur Anwendung, wenn kein geeignetes Gewässer zur Aufnahme

des überlaufenden Wassers vorhanden ist. Sie haben im Gegensatz zu

den Regenüberlaufbecken keinen Überlauf in ein Gewässer. Das Becken

muss deshalb so bemessen sein, dass auch bei starkem Regen genügend

Speichervolumen zur Verfügung steht.

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Die Nürnberger Kanalisation

Die Sonderbauwerke

Pumpwerke

In Nürnberg gibt es eine

ganze Reihe von Gebieten,

von denen das Abwasser

nicht in freiem Gefälle zu

den Klärwerken abfließen

kann. Aus diesen Tiefgebieten

muss das Abwasser

deshalb mit Pumpwerken

in höher gelegene

Kanäle gehoben werden.

Bereits 1929 ging im Stadtteil

Zerzabelshof, an der

Metthingstraße, das erste

Nürnberger Pumpwerk in

Betrieb. Das zweite

entstand im Jahr 1937 in

der Altstadt am Unteren

Bergauer Platz. Heute

sorgen in Nürnberg 29

Pumpwerke für eine sichere

Das größte Nürnberger Pumpwerk in Großgründlach fördert das

Abwasser aus dem Gründlacher Raum zum Klärwerk 1

Weitere Sonderbauwerke

Düker sind Bauwerke, mit denen

ein Abwasserkanal ein Hindernis,

meist einen Fluss, als Druckrohrleitung

unterquert.

Im Nürnberger Kanalnetz gibt es

22 Düker. Der längste ist der

Düker des Ostsammlers (350 Meter

Länge, Unterquerung Wöhrder

See). Den größten Querschnitt hat

der Düker des Südlichen Hauptsammlers

an der Maximilianstraße

(4,80 Meter Breite, 3,20 Meter

Höhe, Unterquerung der U-Bahn).

Regenrückhaltebecken im Trennsystem

vergleichmäßigen den

Abfluss aus der Regenwasserkanalisation

in die Vorfluter. In

Nürnberg gibt es vier dieser

10

Becken. Zwei davon, mit 105.000

und 63.000 Kubikmetern Speichervolumen,

liegen im Bereich von

Langwasser. Zwei weitere liegen

im nördlichen Stadtgebiet bei Buch

und bei Ziegelstein. Alle vier

Becken sind naturnah gestaltete,

oberirdische Bauwerke.

Steuerbauwerke regeln den Abwasserabfluss

im Kanalnetz. Sie

befinden sich an den großen

Stauraumkanälen, wo sie den

Aufstau des Abwassers in den

einzelnen hintereinander liegenden

Kammern abstimmen. Die

Steuerbauwerke ermöglichen somit

die optimale Ausnutzung des

in einem Stauraumkanal vorhandenen

Speichervolumens.

Entwässerung der angeschlossenen

Gebiete. 20

weitere Pumpwerke sind an

Regenbecken installiert,

deren Speicherräume nicht

in freiem Gefälle entleert

werden können.

Das größte Nürnberger

Pumpwerk steht heute im

Nürnberger Norden, im

Stadtteil Großgründlach.

Sechs Pumpen mit einer

Förderleistung von je 70

Litern pro Sekunde führen

das gesamte Abwasser der

Stadtteile Kraftshof, Neunhof,

Boxdorf und Großgründlach

in einer 7,8 Kilometer

langen Druckleitung

dem Klärwerk 1 zu.

Durch den Bau des Pumpwerks

war es möglich, die

Kläranlage Gründlachtal aufzulassen.

Damit konnte

deren aufwendige Anpassung

an die heutigen Erfordernisse

der Abwasserreinigung

vermieden werden.

Fallschächte überbrücken größere

Höhenunterschiede im Verlauf des

Kanalnetzes. Um die Fallgeschwindigkeit

des Abwassers zu

bremsen, werden sie als Wirbeloder

Kaskadenfallschächte ausgebildet.

Verteilerbauwerke teilen das

Abwasser zwischen den Einzugsgebieten

der Klärwerke auf. In

Nürnberg gibt es zwei solche

Bauwerke. Sie befinden sich an

den beiden Kreuzungen von Südlichem

Hauptsammler (Einzugsgebiet

Klärwerk 2) und Südlichem

Entlastungssammler (Einzugsgebiet

Klärwerk 1) in Sandreuth und

am Frankenschnellweg an der

Jansenbrücke.


Die Nürnberger Kanalisation

Die Grundstücksentwässerung

Im Gegensatz zur mittelalterlichen

Stadtentwässerung,

bei der das Abwasser aus

den Gebäuden in der Regel

auf die Straße geschüttet

wurde, führen bei der neuzeitlichenStadtentwässerung

die Abwasserleitungen

bis in die Gebäude hinein.

Sie leiten dann das Abwasser

unmittelbar von den

Anfallstellen zur öffentlichen

Kanalisation.

Dieses für uns heute selbstverständliche,

jedoch wenig

beachtete System der

Grundstücksentwässerungsleitungen

hat eine beeindruckende

Ausdehnung:

Bei rund 65.000 Anwesen in

Nürnberg summiert sich

heute die Länge der

Leitungen auf über 3.000

Kilometer. Zuständig für

den Bau und den Unterhalt

dieses Kanalsystems sind

in Nürnberg die jeweiligen

Grundstückseigentümer.

Um eine fachgerechte Bauausführung

zu gewährleisten,

sind Neubau und Änderungen

von Grundstücksentwässerungsanlagengenehmigungspflichtig.

Die

Bauarbeiten dürfen nur

durch fachkundige Baufirmen

durchgeführt werden.

Nach der Fertigstellung

muss mittels Wasserfüllung

oder Druckluft geprüft werden,

ob der neu gebaute

oder geänderte Kanal dicht

ist. Auch dies darf nur durch

entsprechende Fachfirmen

erfolgen. Ein Prüfprotokoll,

das dem Stadtentwässerungsbetrieb

zugesendet

wird, bescheinigt die Dichtheit

des Kanals.

Das Nürnberger Stadtgebiet

wird überwiegend im Mischsystem

entwässert. Das

bedeutet, dass für Schmutzwasser

und Regenwasser

ein gemeinsames Kanalnetz

vorhanden ist. Dieses

Kanalnetz kann nicht darauf

ausgelegt werden, dass es

jeden Starkregen vollständig

aufnehmen kann.

Darum wird bei starken

Regenfällen ganz bewusst

ein kurzzeitiger Aufstau des

Abwassers im Kanalnetz in

Kauf genommen. Der entstehende

Rückstau kann

sich dabei auch auf die Anlagen

der Grundstücksentwässerung

auswirken.

Alle Räume und Hofflächen,

die unterhalb der Rückstauebene

liegen, müssen

deshalb gegen eindringendes

Abwasser gesichert

werden. Die Rückstauebene

ist hierbei die Höhe

der Straßenoberkante an

der Anschlussstelle des

Grundstücksentwässerungskanals.

Bis zu dieser Höhe

kann das Wasser in der Kanalisation

ansteigen und,

falls keine funktionsfähige

Rückstausicherung vorhanden

ist, tiefer gelegene

Räume überfluten

Ein wirkungsvoller Schutz

gegen eindringendes Abwasser

ist durch Rückstauverschlüsse

oder Abwasserhebeanlagenmöglich.

Für fachgerechten

Einbau und regelmäßige

Wartung dieser Schutzvorrichtungen

ist der jeweilige

Grundstückseigentümer zuständig.

Um die Funktionsfähigkeit

und einen guten baulichen

Zustand der Grundstücksentwässerungsleitungen

zu

erhalten, ist eine regelmäßige

Untersuchung dieser

Kanäle erforderlich. Schäden,

die hierbei festgestellt

wurden, müssen im Interesse

des Grundwasserschutzes

möglichst umgehend

saniert werden.

Die Zeitabstände dieser so

genannten „wiederkehrenden

Überprüfung“ sind je nach

Lage des Kanals und nach

der Art des abgeleiteten

Abwassers unterschiedlich:

Wird normales Abwasser

aus Haushalten abgeleitet,

so ist eine Prüfung alle 25

Jahre erforderlich. Bei

industriellem Abwasser ist

der Zeitabstand auf 15

Jahre festgelegt. Liegt das

Grundstück in einem

Wasserschutzgebiet, so

muss die Prüfung alle 10

Jahre durchgeführt werden.

Zur Überprüfung wird über

einen Schacht oder eine

Reinigungsöffnung eine

Kamera in den Kanal

eingebracht. Auf dem Weg

durch den Kanal erfasst sie

dessen baulichen Zustand,

der zur Dokumentation auf

Video oder DVD aufgezeichnet

wird.

Eine zusätzliche Dichtheitsprüfung

mittels Wasserauffüllung

ist nötig bei Kanälen,

die älter als 40 Jahre sind,

wenn in ihnen industrielles

Abwasser abgeleitet wird

oder wenn sie im Wasserschutzgebiet

liegen.

11


Der Kanalbetrieb

Die Grundlagen

Es genügt natürlich nicht,

die Kanäle und anderen

Einrichtungen des Kanalnetzes

zu bauen und sich

dann nicht mehr um sie zu

kümmern. Wie bei jedem

anderen Bauwerk, müssen

auch bei der Kanalisation

regelmäßige Unterhaltsund

Wartungsarbeiten

durchgeführt werden. Durch

die Reinigung der Kanäle ist

für einen sicheren Abwasserabfluss

zu sorgen.

Der bauliche Zustand des

Kanalnetzes muss erkundet

werden, kleinere Mängel an

Kanälen oder Schächten

sind auszubessern, bevor

sie sich zu größeren

Schäden entwickeln. Nicht

vergessen werden dürfen

auch die Arbeiten an den

zahlreichen Pumpwerken,

den Regenbecken und den

Stauraumkanälen: Diese

Anlagen erfordern regelmäßige

Reinigung sowie

Wartung und Instandhaltung

der maschinen- und

elektrotechnischen Einrichtungen,

daneben auch eine

stetige Kontrolle der Bausubstanz.

Die Mitarbeiter des Kanalbetriebs sorgen durch ihre Arbeit für eine einwandfreie Funktion

und einen guten baulichen Zustand der Kanalisation.

12

Für alle diese Tätigkeiten

sind die Mitarbeiter des

Kanalbetriebs das ganze

Jahr hindurch im Einsatz.

Sie sorgen für eine

einwandfreie Funktion und

einen guten baulichen

Zustand des Kanalnetzes

und seiner Bestandteile.

Auf welche Weise und mit

welchen Mitteln die Mitarbeiter

des Kanalbetriebs

die unterschiedlichen

Wartungs- und Unterhaltsarbeiten

im Kanalnetz und

den dazugehörigen Bauwerken

durchführen, soll

auf den folgenden Seiten

näher erläutert werden.


Der Kanalbetrieb

Die Reinigung der Kanäle

Grundsätzliches

Das Abwasser führt immer

Feststoffe mit sich. Sie

stammen zum einen aus

häuslichem und industriellem

Abwasser. Zum anderen

gelangen über die

Straßenentwässerung Sand,

Laub und andere Feststoffe

in die Kanalisation. In den

Kanälen setzen sich diese

Feststoffe ab und bilden

Ablagerungen, die den

ungehinderten Abfluss des

Abwassers stören.

Reinigung nicht begehbarer Kanäle

In früheren Jahren war die

Reinigung dieser Kanäle mit

großem Arbeitsaufwand und

mit großen körperlichen

Belastungen verbunden.

An zwei hintereinander

liegenden Schächten stellte

man Handwinden auf und

zog mit einer von ihnen an

einem Seil einen Eimer

oder einen Reinigungsschlitten

durch den Kanal.

Bei Regenwetter wird zwar

ein großer Teil dieser

Ablagerungen wieder in

Bewegung gesetzt und

fließt zusammen mit dem

Abwasser im Kanalnetz

weiter. Doch eine gewisse

Menge verbleibt in der

Kanalisation und muss in

regelmäßigen Zeitabständen

entfernt werden. Dabei ist

zu unterscheiden, ob die

Ablagerungen aus begehbaren

Kanälen mit einer

Dabei wurden die Ablagerungen

aufgenommen,

über den nächsten Schacht

an die Oberfläche gebracht

und dann nach kurzem

Abtrocknen auf der Straßenoberfläche

auf ein bereitstehendes

Fahrzeug verladen.

Mit der zweiten

Winde holte man dann den

Eimer wieder an seinen

Ausgangspunkt zurück, der

Vorgang begann von neuem.

In früheren Jahren mussten Kanäle mühevoll von Hand gereinigt werden.

Bei nicht begehbaren Kanälen kamen hierfür Seilwinden zum Einsatz.

Höhe von 1,20 Metern und

mehr oder aus nicht begehbaren

Kanälen entfernt

werden sollen.

Eine deutliche Erleichterung

brachte der Einsatz von

Motorwinden mit sich. In

Nürnberg kamen solche

Winden, mit denen der

Eimer oder Reinigungsschlitten

durch den Kanal

gezogen wurde, seit dem

Jahr 1956 zum Einsatz. Für

das Zurückholen des

Eimers blieb es jedoch beim

Handbetrieb.

13


Der Kanalbetrieb

Die Reinigung der Kanäle

Die Kanalreinigung mittels Motorwinde. Deutlich sind die mittels Eimer an

die Oberfläche gebrachten Ablagerungen zu erkennen.

Das Seil, an dem der Eimer

durch den Kanal bewegt

wurde, brachte man mit zusammensteckbarenBambusstäben

in den Kanal.

Man schob diese Stäbe von

einem Schacht aus zum

nächsten, befestigte dort

das Stahlseil und zog es mit

der rund 50 Meter langen

Stange zurück. Die zusammengestecktenBambusrohre

verblieben im Kanal,

so dass im Anschluss die

nächste Kanalhaltung – die

Strecke zwischen zwei

Schächten – gereinigt werden

konnte.

Diese Kanalreinigung mit

Motorwinde gehört jedoch

seit einer Reihe von Jahren

der Vergangenheit an. Seit

1962 kommt in Nürnberg

die Reinigung mittels Hochdruckspülung

zum Einsatz.

Im Jahr 1975 kam dann das

Ende der Windenreinigung.

Seitdem werden in Nürnberg

alle nicht begehbaren

Kanäle mittels Hochdruckspülung

gereinigt.

14

Die Hochdruckspülung entfernt

die Ablagerungen mit

hohem Wasserdruck, der im

Spülfahrzeug erzeugt wird.

Am Ende eines langen

Schlauches ist eine Düse

befestigt. Sie erzeugt eine

Schubkraft, die diesen

Schlauch zunächst in den

Kanal hineinzieht und die

Kanalwandung abspritzt.

Wird der Schlauch dann

wieder mit der hydraulisch

angetriebenen Schlauchtrommel

zurück gezogen,

schwemmt der Wasserdruck

die Ablagerungen an

der Kanalsohle zu dem

Schacht, an dem der

Spülwagen steht. Von dort

werden die Ablagerungen

abgesaugt und gelangen

schließlich in den Kessel

des Spülfahrzeugs.

Auch das Wasser für die

Hochdruckspülung führt das

Spülfahrzeug in diesem

Kessel mit, der mit einer

Trennwand ausgestattet ist.

Die Befüllung erfolgt meist

über Nacht mit Betriebswasser

aus Grundwasserbrunnen

im Bereich des

Klärwerks 1. Es sind allerdings

auch Fahrzeuge im

Einsatz, die das Abwasser

aus dem Kanal aufbereiten

und für die Spülung einsetzen.

Heute werden fast alle Kanäle mittels Hochdruckspülung gereinigt. Dieses

Verfahren ist erheblich wirkungsvoller als die Reinigung mit Motorwinde.


Der Kanalbetrieb

Die Reinigung der Kanäle

Reinigung begehbarer Kanäle

Die Reinigung begehbarer

Kanäle mit Höhen über 1,20

Metern erfolgte in früheren

Jahren ausschließlich von

Hand mit Schaufel und

Schubkarren.

Den Schubkarren, der zum

leichteren Transport in

Fahrgestell und Ladefläche

teilbar war, brachte man

mit einer Handwinde über

einen Schacht in den Kanal

ein. Die Ablagerungen im

Kanal schaufelte man in

den Schubkarren und

transportierte sie zu dem

Schacht, an dem die Winde

stand. In Eimern brachte

man die Ablagerungen

durch den Schacht nach

oben. Dort wurden sie,

meist nach kurzem

Trocknen auf der Straßenoberfläche,

auf ein bereitstehendes

Fahrzeug verladen.

Die Handreinigung von

begehbaren Kanälen mit

Schaufel und Schubkarren

ist heute fast vollständig

durch die Reinigung mittels

Hochdruckspülung abgelöst

worden.

Die modernen Hochdruckspülfahrzeuge

sind in der

Lage, hohe Wasserdrücke

bis zu 170 Bar zu erzeugen.

Dieser Druck ermöglicht es,

auch in Kanälen mit

größerem Durchmesser und

mit größerer Wasserführung

ausreichende Reinigungswirkung

zu erzielen.

Mit

Schaufel und Schubkarren reinigte man früher alle begehbaren

Kanäle. Heute kommt dieses Verfahren nur mehr in wenigen Fällen zum

Einsatz.

Nur in den wenigen Ausnahmefällen,

bei denen die

Hochdruckspülung keine

ausreichende Wirkung zeigt,

kommt heute noch die

Reinigung mit Schaufel und

Schubkarren zur Anwendung.

Dabei werden die

zu den Schächten gebrachten

Ablagerungen jedoch

meist mit einem Saugfahrzeug

an die Oberfläche

gefördert. Nur wenn ein

begehbarer Kanal nicht mit

größeren Fahrzeugen erreichbar

ist, kommen nach

wie vor Eimer und Handwinde

zum Einsatz.

15


Der Kanalbetrieb

Die Inspektion der Kanäle

Grundsätzliches

Um die Funktionsfähigkeit

und den guten baulichen

Zustand des Kanalnetzes

zu erhalten, ist eine regelmäßige

Inspektion erforderlich.

An Hand der Untersuchungsergebnisse

können

dann, je nach Erfordernis,

Sanierungs- oder Reparaturmaßnahmen

geplant

und durchgeführt werden.

Bei der Inspektion der

Kanäle ist zu unterscheiden

zwischen begehbaren und

nicht begehbaren Kanälen.

In der Regel gelten Kanäle

mit Höhen ab 1,20 Metern

als begehbar.

Eine Inspektion der Kanäle,

die allein schon aus Vernunftgründen

geboten ist,

16

hat schon immer stattgefunden,

seitdem es die

neuzeitliche Stadtentwässerung

gibt. Der zeitliche Abstand

der Überprüfungen

war jedoch lange Zeit nicht

festgelegt. Heute ist rechtlich

vorgeschrieben, dass

die begehbaren Kanäle alle

fünf Jahre, die nicht

begehbaren Kanäle alle

zehn Jahre auf ihren

baulichen Zustand hin zu

überprüfen sind.

Außerdem ist für alle Teile

des Kanalnetzes regelmäßig

eine sogenannte

„einfache Sichtprüfung“

durchzuführen. Bei dieser

Prüfung werden im

Wesentlichen die Schächte

und Schachtdeckel auf

ihren Zustand überprüft und

Auffälligkeiten beim Abwasserabfluss

(zum Beispiel

Rückstau oder Ablagerungen)

erfasst. In der

Regel wird diese Untersuchung

zusammen mit der

Kanalreinigung durch Hochdruckspülung

durchgeführt.

Neben der Untersuchung

der Kanäle werden auch die

Sonderbauwerke wie Regenüberlauf-

und Regenrückhaltebecken,Stauraumkanäle

oder Pumpwerke

durch regelmäßige Begehungen

auf Zustand und

Funktionsfähigkeit überprüft.

Nach Möglichkeit

erfolgt diese Sichtkontrolle

gemeinsam mit der

Reinigung der Bauwerke

Mit einer fahrbaren Fernsehkamera, dem sogenannten Kanalfernauge,

werden die nicht begehbaren Kanäle untersucht.


Der Kanalbetrieb

Die Inspektion der Kanäle

Die Inspektion von nicht begehbaren Kanälen

In früheren Jahren war eine

Inspektion der nicht begehbaren

Kanäle nur sehr

eingeschränkt möglich. Zur

Anwendung kam in der

Regel die sogenannte

„Kanalspiegelung“. Hierbei

wurde zur Betrachtung des

Kanals ein Spiegel auf der

Schachtsohle aufgestellt. Mit

einem weiteren Spiegel

lenkte man das Tageslicht

von der Straßenoberfläche

in den Schacht. Bei nicht

ausreichenden Lichtverhältnissen

konnten auch Lampen

zur Hilfe genommen

werden.

Durch diese Methode konnten

größere Schäden und

Ablagerungen erkannt werden.

Bei einem Schachtabstand

von in der Regel 50

Metern ist jedoch leicht

einsehbar, dass selbst dem

schärfsten Auge kleinere

bauliche Mängel verborgen

blieben. Das Verfahren war

also recht unvollkommen.

Bis heute hat sich dieser

Zustand erheblich geändert.

Seit einer Reihe von Jahren

ist die Untersuchung mittels

fahrbarer Fernsehkameras

das Standardverfahren. In

Nürnberg kommt diese

Untersuchungsweise seit

1982 zum Einsatz.

An Hand der Aufnahmen aus dem Inneren des Kanals kann dessen

baulicher Zustand beurteilt werden.

Von einem Inspektionsfahrzeug

aus wird die fahrbare

Fernsehkamera, auch

„Kanalfernauge“ genannt, in

einen Schacht hinabgelassen.

Von dort fährt sie,

angetrieben durch einen

Elektromotor, aus eigener

Kraft durch den Kanal.

Während der Fahrt werden

Bilder vom Inneren des

Kanals auf einen Monitor im

Inspektionsfahrzeug übertragen

sowie auf Datenträger

aufgezeichnet. Die

Kabel für Stromversorgung,

Steuerung und Bildübertragung

zieht das

Kanalfernauge hinter sich

her.

Die Befahrung mittels

Kanalfernauge liefert ein

anschauliches Bild vom

Zustand des untersuchten

Kanals. Durch den

schwenkbaren Kamerakopf

ist es auch möglich,

kleinere Schäden sowie

Schäden in den Anschlusskanälen

zu erkennen.

Durch eine Auswertung der

Aufnahmen können, je nach

Art und Ausmaß der

festgestellten Schäden, die

notwendigen Sanierungsmaßnahmen

festgelegt,

geplant und zeitlich mit

anderen Maßnahmen abgestimmt

werden.

17


Der Kanalbetrieb

Die Inspektion der Kanäle

Die Inspektion von begehbaren Kanälen

Der bauliche Zustand von

begehbaren Kanälen mit

Höhen ab 1,20 Metern wird

heute genauso wie in

früheren Jahren durch sogenannte

„Fußpartien“ kontrolliert.

Wegen der größeren

Abwassermengen in

diesen Kanälen ist die

Untersuchung mit dem

Kanalfernauge nicht möglich.

Arbeiter des Kanalbetriebs

steigen für die Inspektion

über einen der Schächte in

den Kanal ein. Im Kanal

erkunden sie dann auf

ihrem Weg zum nächsten

Schacht den Zustand der

Kanalwandung und der einmündendenAnschlusskanäle.

Manchmal stehen

hierbei die Arbeiter bis zur

Hüfte im Wasser - der

Strom des Abwassers lässt

sich nicht abstellen.

18

Um das Leben und die

Gesundheit der Arbeiter zu

schützen, ist eine Reihe von

Sicherungsmaßnahmen erforderlich.

So muss zunächst

durch das Öffnen

der Schachtdeckel eine Lüftung

des Kanals erfolgen,

damit schädliche Gase wie

Methan, Kohlendioxid oder

Schwefelwasserstoff entweichen

können. Hierbei

kommen manchmal auch

Gebläse zum Einsatz, die

den Luftaustausch im Kanal

beschleunigen.

Nachdem mit einem Gasmessgerät

die Unschädlichkeit

der Luft im Kanal

festgestellt wurde, können

die Arbeiter in den Schacht

hinabsteigen. Sie müssen

hierbei aus Sicherheitsgründen

immer mindestens

zu zweit sein. Das Gasmessgerät

führen sie hierbei

auf ihrem Weg durch

Mit Fußpartien werden die

begehbaren Kanäle auf ihren

Zustand hin überprüft.

die Kanalisation mit. Außerdem

hat jeder der Kanalarbeiter

einen sogenannten

Sauerstoff-Selbstretter mit

dabei. Dies ist ein Atemgerät,

mit dem bei Sauerstoffmangel

im Kanal für

eine gewisse Zeit die Versorgung

mit Atemluft

gesichert werden kann.

Weitere Arbeiter bleiben als

Sicherungsposten an der

Straßenoberfläche, um bei

einem Unfall Rettungsmaßnahmen

vom Schacht

aus durchführen zu können.

Außerdem beobachten sie

den Straßenverkehr und

das Wetter. Plötzlicher

starker Regen kann nämlich

zu einem gefährlich

schnellen Ansteigen des

Wasserspiegels im Kanal

führen. Die Kanalinspektion

muss in solchen Fällen

sofort unterbrochen werden.


Der Kanalbetrieb

Die Abflusssteuerung im Kanalnetz

Im Lauf der Jahre hat sich

das Kanalnetz zu einem

komplizierten Gefüge von

Kanälen, Pumpwerken und

Einrichtungen zur Regenwasserspeicherungentwickelt.

Insbesondere die

Errichtung von Regenbecken

und Stauraumkanälen

hat zu einem

entscheidenden Wandel

geführt. Das Kanalnetz ist

kein einfaches System zur

möglichst schnellen Ableitung

des Abwassers

mehr, auf den Abwasserstrom

kann und muss nun

auch steuernd eingewirkt

werden.

Heute gibt es im Nürnberger

Kanalnetz 35 Regenbecken

und 24 Stauraumkanäle,

die einen Teil

des in der Kanalisation abfließenden

Regenwassers

zwischenspeichern können.

Die Betriebszustände der

einzelnen Becken, Stauraumkanäle

und auch einer

Reihe von Pumpwerken

können in der zentralen

Warte im Kanalbetriebshof

an Bildschirmen abgelesen

werden. Dort erfolgt auch

eine Protokollierung der

wichtigsten Betriebsdaten.

Zulaufende Wassermenge,

Füllstand, im Kanalnetz

weitergeleitete und die zum

Gewässer überlaufende

Wassermenge werden

kontinuierlich aufgezeichnet,

um die Wirkung der

Speicherräume auf den Gewässerschutzdokumentieren

zu können.

Um eine möglichst gute

Ausnutzung der Speicherräume

zu ermöglichen,

muss die im Kanalnetz

weiterzuleitende Wassermenge

je nach den

örtlichen Anforderungen

eingestellt werden. Das Zusammenwirken

von hintereinander

geschalteten Stauräumen

muss sorgfältig

aufeinander abgestimmt

sein. Dazu ist jedes

Regenbecken und jeder

Stauraumkanal mit einer

programmierbaren Steuerung

ausgestattet, die vor

Ort die Einstellung und

Anpassung der Betriebswerte

ermöglicht.

Ein nächster Schritt ist nun

die vernetzte Steuerung der

Becken und Stauraumkanäle

von einer zentralen

Warte aus. Dadurch kann

ein Zusammenwirken und

eine optimale Ausnutzung

der Speicherräume im

gesamten Stadtgebiet erreicht

werden, mit dem Ziel,

die zu den Klärwerken

fließenden Wassermengen

zu vergleichmäßigen und

Überlastungen des Kanalnetzes

bei der Entleerung

der Speicherräume zu vermeiden.

Schnitt durch eines der Steuerbauwerke am Südwestlichen Hauptsammler 2.

Diese Steuerbauwerke unterteilen den 12,5 Kilometer langen Stauraumkanal

in acht Kammern. Ihre individuelle Steuerung ermöglicht eine gute

Ausnutzung des Speichervolumens.

19


Der Kanalbetrieb

Der Kanalbetriebshof

Im Kanalbetriebshof, der

sich seit 1983 neben dem

Klärwerk 1 an der Muggenhofer

Straße befindet,

beginnt und endet der

Arbeitstag für die Kanalarbeiter.

Dort sind auch die

Fahrzeuge des Kanalbetriebs

untergestellt.

Im Kanalbetriebshof befinden

sich auch die Waschund

Umkleideräume für die

Kanalarbeiter. Denn genauso

selbstverständlich, wie

vor der Arbeit die Schutzkleidung

angezogen wird,

ist am Ende eines jeden

Arbeitstages Duschen und

Umkleiden Pflicht. Denn es

sagt schon der gesunde

Menschenverstand, dass

Sauberkeit und Hygiene bei

der Arbeit mit Abwasser von

größter Bedeutung sind.

Fahrzeuge des Kanalbetriebs, fotografiert im Jahr 2005.

20

Zum Kanalbetriebshof gehört

außerdem ein Lager für

Arbeitskleidung und für

viele weitere Dinge, die im

Kanalbetrieb erforderlich

sind, sowie eine Werkstatt,

in der kleinere Reparaturen

durchgeführt werden können.

Ebenfalls in der Muggenhofer

Straße befinden die

Büros für die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter, die

im technischen Verwaltungsbereich

mit den Aufgaben

Kanalreinigung, Kanalunterhalt,

Kanalinspektion und

Abflusssteuerung befasst

sind.

Insgesamt sind beim Kanalbetrieb

65 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter beschäftigt.

Davon sind 19 als Techniker,

Von 1966 bis 1983 befand sich der

Kanalbetriebshof in der Augustenstraße

(Foto von 1969).

Meister oder Ingenieure in

der technischen Verwaltung

tätig. Unmittelbar mit Inspektion,

Reinigung und

Unterhalt der Kanalisation

sind 46 Arbeiter befasst.

Die Arbeit im Kanal ist nach

wie vor eine reine Männerdomäne.


Der Kanalbetrieb

Die Ausstattung der Mitarbeiter

Bei der Kanalreinigung mit

Hochdruckspülwagen und

der Kanaluntersuchung mit

dem Fernauge ist nur eine

einfache Schutzkleidung

nötig. Da normalerweise

keiner der Mitarbeiter in die

Kanalisation hinabsteigen

muss, genügen hier

orangerote Arbeitskleidung

und Sicherheitsschuhe.

Anders sieht es hingegen

bei denjenigen Mitarbeitern

aus, die zur Reinigung oder

Inspektion von Kanälen,

Pumpwerken oder Regenbecken

in die „Unterwelt"

hinab müssen. Dort ist zur

Sicherung von Leben und

Gesundheit eine weitaus

umfangreichere Schutzausrüstung

nötig.

Zu der bereits erwähnten

Arbeitskleidung kommen

Gummistiefel, bei hohem

Wasserstand eine brusthohe,

wasserdichte Hose,

die mit den Gummistiefeln

eine Einheit bildet, hinzu.

Zur Ausrüstung für die

Arbeit in Kanälen gehören

auch Handschuhe, Helm,

Rettungsgeschirr sowie

eine explosionsgeschützte,

akkubetriebene Handlampe.

Seit einigen Jahren gehört

zur Ausstattung auch ein

weißer Schutzanzug, der

eine übermäßige Verschmutzung

der Arbeitskleidung

verhindert.

Daneben sind Geräte zum

Schutz vor giftigen Gasen

von größter Bedeutung. Um

giftige Gase im Kanal

feststellen zu können, führt

jeder Trupp ein Gaswarn-

gerät mit sich. Es warnt mit

unüberhörbarem Ton, wenn

bestimmte Konzentrationen

von Kohlendioxid, Methan

oder Schwefelwasserstoff

überschritten werden. Außerdem

alarmiert es bei

Unterschreitung der lebensnotwendigenSauerstoffkonzentration

im Kanal.

Um der bei giftiger Atmosphäre

im Kanal drohenden

Erstickungsgefahr entgehen

zu können, führt jeder der

Kanalarbeiter einen sogenannten

Sauerstoff- Selbstretter

mit sich. Dies ist ein

Atemgerät, mit dem für eine

gewisse Zeit die Versorgung

mit Atemluft gesichert

werden kann - zumindest so

lange, bis die gefährdeten

Arbeiter das sichere Tageslicht

wieder erreichen.

Als Rettungsgerät bei Unfällen

dient ein Dreibock mit

Winde, der über dem

Schacht aufgestellt wird.

Verunglückte Arbeiter können

dann mit dem

Rettungsgeschirr an die

Oberfläche gebracht und

dort weiter versorgt werden.

Beim Einstieg in tiefe

Schächte dient dieser

Dreibock auch zur Absturzsicherung

für die Kanalarbeiter

Um bei Sauerstoffmangel

oder giftiger Atmosphäre

die Rettung von Verunglückten

aus dem Kanal

zu ermöglichen, wird im

Fahrzeug der Reinigungs-

oder Inspektionstrupps ein

Pressluftatemgerät mitgeführt.

Die Ausrüstung eines Kanalarbeiters. Über dem Schacht ist ein Dreibock

mit Seilwinde aufgestellt. Damit ist bei Notfällen die Bergung von verunglückten

Arbeitern aus dem Kanal möglich.

21


Anhang

Die Nürnberger Hauptsammelkanäle

Erläuterungen zum Lageplan auf Seite 8

(A) Gostenhofer Hauptsammler

Baubeginn: 1877

Fertigstellung: 1879

Länge: 3,1 Kilometer

größter Querschnitt: Eiprofil, 1.200 / 1.800 mm

(B) Sebalder Sammler

Baubeginn: 1876 (erste Teilstücke)

Fertigstellung: 1894

Länge: 7,3 Kilometer

größter Querschnitt: Eiprofil, 1.000 / 1.500 mm

(C) Johannissammler

Baubeginn: 1891

Fertigstellung: 1897 (zum städtischen Krankenhaus)

1899 (Gesamt)

Länge: 2,7 Kilometer

größter Querschnitt: Eiprofil, 1.100 / 1.650 mm

(D) Lorenzer Sammler

Baubeginn: 1875 (erste Teilstücke)

Fertigstellung: 1899

Länge: 8,3 Kilometer

(einschließlich "Hauptzuführungskanal")

größter Querschnitt: Eiprofil, 1.000 / 1.500 mm

(E) Südlicher Hauptsammler

Baubeginn: 1898

Fertigstellung: 1902

Länge: 6,9 Kilometer

größter Querschnitt: Haubenprofil aus Stampfbeton,

Breite 2,2 m, Höhe 3,35 m

(F) Nördlicher Hauptsammler

Baubeginn: 1908

Fertigstellung: 1912

Länge: 7,8 Kilometer

größter Querschnitt: Haubenprofil aus Stampfbeton,

Breite 2,65 m, Höhe 3,28 m

(G) Südwestlicher Hauptsammler 1 und 2

Südwestlicher Hauptsammler 1:

Baubeginn: 1952

Fertigstellung: 1959

Länge: 12,9 Kilometer

größter Querschnitt: Eiprofil, 1.200 / 1.800 mm

Südwestlicher Hauptsammler 2:

Baubeginn: 1977

Fertigstellung: 2002

Länge: 12,5 Kilometer

größter Querschnitt: Kreisprofil, 3,0 m Durchmesser

Speichervolumen: 57.500 m³ (Stauraumkanal)

22

Erster Hauptkanal Nürnbergs. Er dient zur Abwasserableitung

aus Gostenhof. Eiprofil, aus vier Betonfertigteilen

zusammengesetzt. Mündung in die Pegnitz

bei der Sielstraße (am Lederersteg). Im Jahr 1915 an

die Kläranlage Süd (heute Klärwerk 2) angeschlossen.

Hauptkanal zur Abwasserableitung aus den Stadtgebieten

nördlich der Pegnitz (u.a. Wöhrd, nördliche

Altstadt, St. Johannis). Eiprofil, aus vier Betonfertigteilen

zusammengesetzt. Bis 1894 im Wesentlichen fertig

gestellt. In den Folgejahren Verlängerung nach Osten in

Richtung Erlenstegen. Im Jahr 1929 an den Hauptzuführungskanal

zur Kläranlage Nord angeschlossen.

Erste Erweiterung des 1877 fertig gestellten Entwässerungskonzeptes.

Kanal zur Abwasserableitung

aus dem Stadtteil Johannis und dem 1897 fertig

gestellten städtischen Krankenhaus. Eiprofil, aus vier

Betonfertigteilen zusammengesetzt. Im Jahr 1929 an

den Hauptzuführungskanal zur Kläranlage Nord angeschlossen.

Hauptkanal zur Abwasserableitung aus den Stadtgebieten

südlich der Pegnitz (u.a. Tullnau, Gleissbühl,

südliche Altstadt, Tafelhof, Teile von Gibitzenhof).

Eiprofil, aus vier Betonfertigteilen zusammengesetzt. Im

Jahr 1899 im Wesentlichen fertig gestellt. Bildet in

seinem 1929 fertig gestellten, 3.400 Meter langen,

unteren Abschnitt den „Hauptzuführungskanal" zur

Kläranlage Nord (heute Klärwerk 1) bei Doos.

Hauptkanal für die südlichen Stadtgebiete (Lichtenhof,

Gibitzenhof, Steinbühl und Schweinau). Haubenprofil

aus Stampfbeton. Im Jahr 1913 ging an seiner Mündung

in die Pegnitz (an der Maximilianstraße) die Kläranlage

Süd (heute Klärwerk 2) in Betrieb.

Kanal zur Abwasserableitung aus den Stadtteilen

Schniegling, Großreuth und Schafhof im Norden

Nürnbergs. Haubenprofil aus Stampfbeton. Mündung in

die Pegnitz zunächst über den sogenannten

"Sturmauslass" (=Regenüberlauf) bei Schniegling. Im

Jahr 1931 an die Kläranlage Nord (heute Klärwerk 1)

angeschlossen.

Kanal zur Abwasserableitung aus den an der Rednitz

liegenden Stadtteilen im Südwesten Nürnbergs (u. a.

Reichelsdorf, Eibach, Röthenbach, Gebersdorf). Bereits

in der 1917 fertig gestellten "Denkschrift zum Ausbau

der Kanalisation und Abwasserreinigung" vorgesehen.

Ersatz für den Südwestlichen Hauptsammler 1. Stauraumkanal

mit acht Stauabschnitten (Kammern) mit

Längen zwischen 800 und 2.000 Metern. Der „alte“

Südwestliche Hauptsammler 1 wurde durch die Baumaßnahmen

in einzelne Abschnitte aufgeteilt, die nun

als Zuleitungskanäle für den neu gebauten Sammler

dienen.


Anhang

Die Nürnberger Hauptsammelkanäle

Erläuterungen zum Lageplan auf Seite 8

(H) Ostsammler

Baubeginn: 1960

Fertigstellung: 1972

Länge: 5,4 Kilometer

größter Querschnitt: Eiprofil, 1.200 / 1.800 mm

(I) Südlicher Entlastungssammler

Baubeginn: 1960

Fertigstellung: 1976

Länge: 11,6 Kilometer

größter Querschnitt: Kreisprofil, 2,9 m Durchmesser

(K) Vorflutkanal Altenfurt / Fischbach

Baubeginn: 1982

Fertigstellung: 1995

Länge: 7,6 Kilometer

Größter Querschnitt: Kreisprofil, 2,5 m Durchmesser

Speichervolumen: 36.000 m³ (Stauraumkanal)

(L) Überleitung Gründlachtal

Baubeginn: 1995

Fertigstellung: 1997

Länge: 7,8 Kilometer

Querschnitt: Druckrohrleitung, 0,4 m Durchmesser

(M) Pegnitztalsammler

Baubeginn: 1969 (Abschnitt Wöhrder See)

1985 (Hauptabschnitt)

Fertigstellung: 2000

Länge: 9,3 Kilometer

größter Querschnitt: Kreisprofil, 4,4 m Durchmesser

Speichervolumen: 54.000 m³ (Stauraumkanal)

(N) Südostsammler

Baubeginn: 1999

Fertigstellung: derzeit noch im Bau

Länge: 4,4 Kilometer

größter Querschnitt: Kreisprofil, 2,5 m Durchmesser

Speichervolumen: 18.600 m³ (Stauraumkanal)

Kanal zur Abwasserableitung aus den Stadtteilen

Laufamholz und Mögeldorf. Besteht in seinem unteren

Bereich aus zwei Armen mit Unterquerung der Pegnitz

bei Mögeldorf (östliche Querung) und bei der Gustav-

Heinemann-Brücke (westliche Querung). Mündung der

beiden Arme jeweils in den Sebalder Sammler.

Nimmt das Abwasser aus dem Hafengebiet auf und

verbessert die Abwasserableitung aus den Stadtteilen

Lichtenhof, Gibitzenhof und Schweinau. Der Südliche

Entlastungssammler verläuft im Wesentlichen auf der

Trasse des aufgelassenen Ludwig-Donau-Main-Kanals

und endet im Klärwerk 1. An seinem Endpunkt befindet

sich das größte Nürnberger Regenüberlaufbecken mit

einem Speichervolumen von 42.000 Kubikmetern.

Kanal zur Verbesserung der Abwasserableitung von

Altenfurt und Fischbach. Führt im Bereich der Regensburger

Straße von den Ortsteilen Altenfurt / Fischbach

bis zur Bayernstraße (Dutzendteich). Das Abwasser aus

dem Vorflutkanal Altenfurt / Fischbach gelangt derzeit

noch zum Südlichen Hauptsammler. Die Verlängerung

zum Pegnitztalsammler ist unter der Bezeichnung

„Südostsammler" derzeit im Bau.

Druckleitung zur Überleitung des Abwassers aus dem

Gründlacher Raum zum Einzugsgebiet des Klärwerks 1.

Mit Pumpwerk am westlichen Ortsrand von Großgründlach.

Durch den Bau der Überleitung war es

möglich, die Kläranlage Gründlachtal aufzulassen. Im

Anschluss an die Druckleitung: Stauraumkanal

Holsteiner Straße mit 1,1 Kilometern Länge und 2.800

Kubikmetern Speichervolumen.

Stauraumkanal entlang der Pegnitz vom Wöhrder See

(im Osten Nürnbergs) bis zum Klärwerk 1. Ein erstes

Teilstück ging Anfang der 70er Jahre im Zusammenhang

mit dem Aufstau des Wöhrder Sees in Betrieb.

Baubeginn für den Hauptabschnitt mit 7,1 Kilometern

Länge, beginnend am Klärwerk 1, im Jahr 1985. Sieben

Stauabschnitte (Kammern).

Verlängerung des Vorflutkanals Altenfurt / Fischbach

zum Pegnitztalsammler. Verläuft von der Bayernstraße

(Dutzendteich) durch die Stadtteile Gleißhammer und St.

Peter zur Wöhrder Wiese (Prinzregentenufer).

Bildnachweis:

Seite 3: Stadtarchiv Nürnberg

Seite 13, 14 oben: Stadtentwässerung Düsseldorf

Seite 12, 14 unten, 15, 16, 18, 20 unten, 21:

Die Fotografin Claudia Oelsner, Nürnberg

Alle weiteren Fotos:

Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg

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Die Geschichte der Nürnberger Kanalisation im Überblick

15. Jh. Im mittelalterlichen Nürnberg sorgen Dolen für die Ableitung des Abwassers von den Straßen.

19. Jh. Die Industrialisierung hat einen rapiden Anstieg der Bevölkerungszahl Nürnbergs zur Folge. Durch

unzureichende Wasserversorgung und Abwasserableitung kommt es zu hygienischen Problemen.

1854 Eine Cholera- Epidemie in Nürnberg fordert rund 300 Todesopfer.

1863 Bau des „Henningerkanals“ (benannt nach der ehemaligen gleichnamigen Brauerei) im Nordosten der

Altstadt als Stollen im Sandsteinfels. Es ist der erste unterirdische Abwasserkanal Nürnbergs.

1865 Beschluss des Stadtmagistrats zum Bau einer Kanalisation.

1868 Bau der ersten unterirdischen Rohrkanäle, allerdings noch ohne übergeordnetes Entwässerungskonzept.

1873 Beginn der Arbeiten an einem Entwässerungskonzept für das gesamte Stadtgebiet.

1874 Mit Bemessungsregeln für die Kanalisation und mit der Festlegung der Rohrquerschnitte liegen die ersten

Ergebnisse des Entwässerungskonzepts vor.

Die ersten Betonrohrkanäle entstehen in der Judengasse und im Steinbühler Tunnel.

1877 Die Arbeiten am Entwässerungskonzept werden abgeschlossen.

Die Bauarbeiten am Gostenhofer Hauptsammler beginnen. Er wird 1879 fertig gestellt.

1885 Mit der Wasserzuleitung aus der Gegend von Leinburg („Ursprungquelle“) beginnt in Nürnberg das

Zeitalter der zentralen Wasserversorgung.

1894 In einem Hotel in der Altstadt wird das erste Spülklosett Nürnbergs eingerichtet.

1897 Im neu errichteten städtischen Krankenhaus geht die erste Nürnberger Kläranlage in Betrieb.

1911 Als Reaktion auf das große Hochwasser von 1909 wird ein Hochwasserstollen zur Entlastung der Pegnitz

im Bereich der Altstadt geplant. Parallel dazu soll ein Abwasserstollen entstehen, der auch zur

Speicherung von Abwasser ausgelegt ist. Diese Planung gilt als Vorläufer des Pegnitztalsammlers.

1913 Die Kläranlage Süd (heute Klärwerk 2) an der Mündung des Südlichen Hauptsammlers geht in Betrieb.

Das Nürnberger Kanalnetz hat eine Länge von rund 260 Kilometern erreicht.

1914 Der Gostenhofer Hauptsammler wird an die Kläranlage Süd angeschlossen.

Die Kläranlage Süd wird gleichzeitig erweitert.

1917 Mit der „Denkschrift zum Ausbau der Kanalisation und Abwasserreinigung für Groß- Nürnberg“ wird ein

zukunftsweisendes Konzept für die Abwasserbeseitigung aufgestellt.

1929 An der Metthingstraße (Zerzabelshof) geht das erste Nürnberger Abwasserpumpwerk in Betrieb.

1931 Die Kläranlage Nord (heute Klärwerk 1) geht in Betrieb. Sie reinigt das Abwasser aus dem Nördlichen

Hauptsammler, dem Sebalder und dem Lorenzer Sammler sowie dem Johannissammler.

Das Nürnberger Kanalnetz hat eine Länge von 354 Kilometern erreicht.

1972 Durch die Gebietsreform vergrößert sich das Nürnberger Stadtgebiet und damit auch die Länge des

Kanalnetzes, die nun rund 1.050 Kilometer beträgt.

1978 Mit einem Teilabschnitt („Kammer 1“) des Südwestlichen Hauptsammlers 2 (Speichervolumen 4.618 m³)

geht der erste Stauraumkanal Nürnbergs in Betrieb.

1981 Mit dem Regenüberlaufbecken Apinusstraße (Speichervolumen 4.400 m³) geht das erste Regenbecken

Nürnbergs in Betrieb.

1997 Die Abwasserdruckleitung von Großgründlach zum Klärwerk 1 mit 7,8 Kilometern Länge geht in Betrieb.

Sie ermöglicht die Auflassung der Kläranlage Gründlachtal.

1999 Inbetriebnahme des Regenüberlaufbeckens Südlicher Entlastungssammler vor dem Klärwerk 1.

Es ist mit 42.000 m³ Speichervolumen das größte Nürnberger Becken.

2002 Fertigstellung des Südwestlichen Hauptsammlers 2.

Er ist mit 57.500 m³ Speichervolumen der größte Nürnberger Stauraumkanal

2007 Das Nürnberger Kanalnetz hat eine Länge von 1.431 Kilometern. Es sind 35 Regenbecken und

24 Stauraumkanäle mit einem Volumen von zusammen rund 480.000 m³ sowie 29 Pumpwerke in Betrieb.

Herausgeber: Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg

Adolf-Braun-Straße 33, 90429 Nürnberg Die Stadtentwässerung Nürnberg ist zertifiziert:

E-Mail: sun@stadt.nuernberg.de Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001:2000

Internet: www.sun.nuernberg.de Umweltmanagement nach DIN EN ISO 14001

Druck: Druckerei Conrad, Hohenbuckstraße 8, 90425 Nürnberg

Auflage: 700 Exemplare, September 2007

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