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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums

ihn hoch hinaus über

ihn hoch hinaus über den Durchschnitt seiner Berufsgenossen und lenkten den Blick der Breslauer Gemeinde auf ihn, als sich diese in der schmerzlichen Lage befand, einen Nachfolger für Manuel Joel suchen zu müssen. War es doch von jeher der Ruhm und der Stolz unserer Gemeinde, solche Männer als Führer an ihre Spitze zu rufen, welche durch ihre Gelehr- samkeit und Gesinnung wahrhafte Führer der gesamten deutschen Judenheit gewesen sind. So kam Jacob Guttmann an den Platz, der seiner Bedeutung auch nach außen hin entsprach. Was er in den 28 Jahren seiner hiesigen Tätigkeit geleistet hat, gehört nicht bloß der Geschichte unserer Gemeinde, sondern ebenso derjenigen der großen Verbände an, welche im letzten Menschenalter zur religiösen, wissenschaftlichen, rechtlichen und ökonomischen Konsolidierung der deutschen Judenheit ins Leben getreten sind. Ich brauche nur im Fluge den Verband der deutschen Juden, den deutsch-israelitischen Gemeinde- bund, den Hilfsverein der deutschen Juden, den Zentral- verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, den deutschen Rabbiner-Verband und den unabhängigen Orden Bnei Berith aufzuzählen, um die um- fassende und weitgreifende Wirksamkeit des Ver- klärten zu charakterisieren. Am tiefsten aber hat er die Spuren seines Geistes unserer Gesellschaft zur Förderung der Wissen- schaft des Judentums aufgeprägt. Von ihrer Ent- stehung, von der Beratung der Satzungen an bis auf die Gegenwart, gab es nichts Großes und nichts Kleines in unserem Kreise, dem er nicht seine ganze Tatkraft,

Umsicht, Sachkenntnis und Erfahrung gewidmet hätte. Seine aufopfernde Mitarbeit bei dem Entwurf des Grundrisses für die Wissenschaft des Judentums, bei der Fürsorge für den Ausbau und die Entwicklung dieser Zeitschrift, bei der Herstellung des Planes für das Corpus tannaiticum, für die Germania judaica und für das Maimuni - Gedenkbuch sind nur einige der wesentlichen Punkte, von denen auch die weitere Oeffentlichkeit Gelegenheit hatte, Kenntnis zu nehmen. Sogleich bei den ersten Wahlen war er ihr zweiter und seit Martin Philippsons Tode ihr erster Vorsitzender gewesen. Und daß Jacob Guttmann zu allen diesen großen, bedeutungsvollen Leistungen Muße und Ruhe fand neben seinen vielen Amtsgeschäften und den wert- vollen wissenschaftlichen Arbeiten, verdanken wir dem zweiten Umstand, welcher wohl das höchste menschliche Glück seines Lebens war: Er besaß ein wahrhaft sonniges Haus. Und in rührender Bescheiden- heit war sich der treffliche Mann immerdar dieses Glückes bewußt und hat es im engen Freundeskreise oft ausgesprochen, wieviel er diesem Umstände zu danken habe. Die verständnisvolle Gefährtin seines Lebens wußte alle Ideale seiner keusch verschlossenen Seele aufs Anmutigste zu verkörpern und verwandelte mit linder Hand die verborgensten Schätze seines Herzens und Gemütes in gangbare Münze der All- tags. Kein Schatten fiel auf dieses Haus; denn aus den in körperlicher und geistiger Frische heran- blühenden Kindern sind tüchtige Menschen geworden, der Stolz und die Freude ihrer Eltern, der Stolz und die Freude namentlich des Vaters, als er seinen

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