Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

2 W. FOERSrER,

mäfsiges araire vor. i\lleiii schon Diez Wb. führt es, ohne ein

Wort zu verlieren, einfach als altfr. arere an — vielleicht hatte er

eigene Stellen; sonst hat er es aus Roqueforts Supplement, wo es

an richtiger Stelle aus Walter von Coincy belegt ist. Ebenso führt

es Henschel an und verweist auf Du Gange s. v. arar, wo ein

langes, sicheres Zitat steht, fügt noch Raynouards Lexique Roman

bei, der tatsächlich einen altfr. Beleg bietet und gibt auch noch

zum Überflufs einen Hinweis auf Roqueforts Suppl. Wie man drei •

Belegen gegenüber^ die seit so vielen Jahren bekannt w-aren, von

„unbelegt" sprechen konnte, ist dunkel; G. Paris meinte Rom.

XIII, 130: ce mot arere (aratrum) ttesi pas connu en fravgais.

Dies wiederholt sogar noch Koschwitz in seiner vierten Auflage

(iQOo). Es ist ja wahr, das Wort fehlt im Godefroy — dies hat

aber nichts zu sagen angesichts der bekannten Tatsache, dafs so

manches seltene Wort gerade bei ihm fehlt.2 Zuletzt hat noch

Tobler in dieser Zeitschrift (1886) IX, 149 unser Wort behandelt,

Roqueforts Zitat mit Poquet 618, 49 identifiziert, er kennt Raynouards

Beleg (ohne Henschel zu nennen und ohne angemerkt zu haben,

dafs Raynouards Zitat aus Du Gange stammt), weifs eine dritte

Stelle aus Poquets verhunztem Text^ herauszuschälen (Raynouards

^ Eigentlich sind es zwei ; denn die Stelle bei Du Gange und Raynouard

ist identisch, und letzterer hat sie sicher aus ersterem geholt.

2 Derselbe hat, wiewohl er sonst im Laufe des Druckes rechts und links

aufnahm, was er nur immer in andern Sammlungen linden konnte , bes. Ste.

Palaye, — so ist im Complement fast das ganze „Hislorique" Littr^s abgeschrieben

— leider Du Gange, Roquefort (natürlich waren nur die mit Zitat

veisehenen Artikel zu berücksichtigen) und Henschel nicht benutzt.

^ Es wäre sehr zu wünschen, wenn ein dissertationsbedürfüger junger

Romanist, der sich eine Reise nach Soissons leisten kann, und imstande ist,

eine lesbare afr. Hs. sicher zu entziffern, eine Kollation der Ausgabe des

Abbe Poquet lieferte. Er könnte — eine schöne und dankbare, nicht besonders

schwierige Arbeit — dabei noch die Reimuntersuchung vornehmen, die zwar

bei einem in vielen Hss. überlieferten Text an dem Abdruck einer einzigen

Hs. gescheut wird, aber mit Unrecht. Denn wenn auch ein krit. Text einige

Einzelheiten später korrigieren düifte, die Zahl der sicheren und beweisenden

Reime ist so grofs, dafs das Resultat u. a. U. bestehen bleibt. Ich habe

solches vor kurzem beim Atre ])erilleus erfahren, der ja auch nur in einer

einzigen, nicht besonders sorgfältigen und schlecht erhaltenen Handschrift zugänglich

ist. Auch hier bestand die Scheu vor einem solchen Wagnis — allein nachdem

ich rasch die ersten zwei tausend Verse auf die Reime hin ausgezogen

hatte, ergab sich das Resultat so sicher und interessant, dafs dann die Arbeit

von Th. Wassmulh in Angriff genommen und auch glücklich zu Ende geführt

worden ist, wobei noch am Schlufs eine wichtige Überraschung den

umsichtigen Verfasser belohnie. — Wenn ich soeben Poquets Ausgabe nicht

gerade gelobt habe, so darf doch unsere Dankbarkeit gegen den mutigen Hg.,

der trotz mangelnder Vorbereitung sich an das grofse und schwierige Werk gemacht

hat, nicht geschmälert sein — ohne ihn hätten wir heute noch überhaupt

gar nichts von dem lilteiarisch sehr interessanten, lexikalisch aber überaus

wichtigen Werk des begeisterten, unermüdlichen Dichters von Mariens Macht.

Hätte jeder, der ein afr. Werk, das in mehreren Hss. erhalten ist, in einer

Hs. abgeschrieben hat, dann aber vor der Ausgabe, weil er der übrigen nicht

habhaft werden konnte, zurückgescheut ist, oder ebenso Jemand, der einen

nur in einer Hs. erhaltenen Text abgeschrieben, die Ausgabe aber unterlassen

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