Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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O. DITTRICH,

Arbeit; erstere hauptsächlich niedergelegt in Bd. I meiner „Grundzüge

der Sprachpsychologie" (Grdz.), letztere erst noch zu veröifent-

lichen in Form von Einleitungen, die als integrierende Teile einer

Reihe von praktischen Wörterbüchern moderner Sprachen einverleibt

werden sollen. Das Hauptergebnis, welches sich mir bei all diesen

Studien immer klarer und bestimmter aufdrängte, war folgendes:

Die Sprache im allgemeinen sowie die sprachlichen Einzelleistungen

im besondern seien nicht blofs Ausdrucks-, sondern ebensowohl

Eindruckserscheinungen. Diese Betrachtungsweise suchte ich

(Grdz. I § 86) in meiner Definition der Sprache zu formulieren:

Sprache ist die Gesamtheit aller jemals aktuell gewordenen bezw.

aktuell werden könnenden Ausdrucksleistungen der menschlichen

bezw. tierischen Individuen, insoweit sie von mindestens 6inem

andern Individuum zu verstehen gesucht werden (können). Nun

ist aber, — um gleich wieder die Beschränkung auf die mensch-

liche Lautsprache, das Objekt der Sprachwissenschaft i. e. S., ein-

treten zu lassen, — die spezielle Form der Lautung das einzige

Mittel, einen bestimmten Eindruck auf den Hörenden hervorzubringen

(vgl. Grdz. I Anm. zu § 1175). Und daraus ergab sich mir

die Notwendigkeit, auch den grammatischen, insbesondere den

Redeteilcharakter des Kompositums mehr zu seinem Rechte auch

in einer wesentlich semasiologischen Darstellung kommen zu lassen

als bisher. Und zwar diesen Charakter nicht nur des Kompositums

als eines Ganzen, sondern auch seiner integrierenden Bestandteile

(i., 2. „Element", vgl. Zs. 22, 442, aber auch unten S. 135 Z. 8 ff.).

Ich verweise bezüglich der Durchführung dieses, ein Aufgeben

meiner früheren mehr einseitig semasiologischen Auffassungsweise ^

involvierenden Grundsatzes z.B. auf S. 149 Z. 23 ff., S. 163 Z. 12 ff.

Es ist selbstverständlich, dafs ich demgemäss bei einer eventuellen

nochmaligen Durcharbeitung der früheren Teile dieser Abhandlung

so manches im einzelnen anders darzustellen haben werde als es

bisher geschehen ist. Anderseits aber kann ich — und ich darf

wohl pro domo hinzufügen, mit Befriedigung — schon jetzt kon-

statieren, dafs die rein semantischen Aufstellungen, wie sie insbesondere

in den beiden Hauptklassen von Kompositis („Erkennungsnamen"

und „Erinnerungsnamen") zum Ausdruck kommen, dabei

nicht angetastet zu werden brauchen. Es hat sich vielmehr, was

ich hier allerdings nur mit einem Paar typischer Beispiele belegen

kann, durchaus erwiesen, dafs die Bildungstypen ipine blanche (vgl.

Zs. 22, 307 f.) bezw. cerf volatii (vgl. Zs. 23, 289) nicht nur bei den

Kompositis, sondern auch bei den „Ableitungen" als Hauptklassen

anzutreffen sind. Und ferner, dafs sie sich auch auf die „primäre"

Wortbildung erstrecken, d.h. auf diejenige, welche nicht wie die

1 Vgl. Zs. 22, 325 ff., bes. auch 327 Anm. I. Die Begründung, welche

ich dort der Mitberücksichügung „grammatischer Formkaiegorien" bei einer

Klassifikation nach der Bedeutung gegeben halte, wird hinfällig und ist

durch die oben im Text (Z. 17 ff.) gegebene zu ersetzen.

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