Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

UEBER WORTZUSAMMENSETZUNG. I33

eines Allgemein- und gelegentlich auch eines Einzel begriffes' wird.

In der Logik nun, wo es auf die Qualität der so fungierenden

Vorstellung natürlich nicht ankommt, bleibt der Terminus „repräsentierende

Vorstellung" unmifsverständlich. In der Sprachwissenschaft

dagegen wird er, wie gesagt, höchst mifsverständlich, indem

er einmal eine Bedeutungs-, ein andermal eine Lautungsvorstellung

bezeichnet, eine Äquivokation, die natürlich, einmal bemerkt, nicht

geduldet werden kann. Sodann aber bemängle ich jetzt auch den

Ausdruck „Vorstellung" in einem Terminus, der möglichst allgemein

die Bedeutungsseite des sprachlichen Gebildes „Wort"

kennzeichnen soll, insofern sie als etwas erst noch zu Benennendes,

also von der hinzutretenden Lautung des Wortes noch Unabhängiges

dasteht. Und zwar bemängle ich den Ausdruck „Vorstellung" in

dem eben erwähnten Zusammenhange zunächst darum: Ich glaube

nicht mehr an das Dogma, die Wortlautung sei nicht Ausdruck

des Dinges selbst, sondern nur der Vorstellung von dem Dinge.

Denn ich habe mich immer mehr davon überzeugen müssen, dafs

dadurch dem Namengeber ein erkenntnistheoretischer Standpunkt

imputiert werde, der ihm, in der Regel wenigstens, nicht zukomme.

Denn der Namengeber ist in weitaus den meisten Fällen erkenntnistheoretisch

naiv, d. h. es fällt ihm gar nicht bei, an eine Diskrepanz

zwischen seiner Vorstellung von dem Dinge und dem, was es wohl

an sich sein möchte, zu denken. Ja, er wird sich nicht einmal

dessen bewufst, dafs er das Ding denkt, d.h. vorstellt, sondern

indem er es vorstellt (wahrnimmt, z.B. sieht oder denkt), hat er

es unmittelbar, d. h. ohne seine Vorstellung von dem Dinge zwischen

sich und das Ding geschoben zu haben: er sieht (stellt vor) den

Tisch, nicht die Vorstellung vom Tisch. Und benennt er das, was

er vorgestellt hat, so benennt er natürlich wiederum nicht seine

Vorstellung von dem Vorgestellten, sondern das Vorgestellte, d.h.

das Ding selbst. Allerdings aber wiederum nicht ein transzendentes

Ding an sich, das seiner naiven Auffassungsweise ebenso fern liegt

wie die gesonderte Auffassung der Vorstellung als eines von dem

Dinge Verschiedenen, sondern das Objekt, das er eben im Akte

seines Vorstellens, der ihm als solcher nicht zum gesonderten Bewufstsein

kommt, gegenwärtig hat. Das einzig Reale, was in einem

solchen Augenblick für den Namengeber psychisch-objektiv existiert,

ist somit das Vorstellungsobjekt, oder, kürzer gesagt, eben das

Ding, das er augenblicklich vorstellt, und nur dieses benennt er

auch gegebenenfalls 2. Es wird also zugegeben werden müssen,

^ Vgl. über diese beiden Arten Begriffe jetzt Grdz. I § 1500.

'^ Vgl. Martinak a. a. O. S. 12: ,,Die Erfalirung zeigt uns denn auch,

dafs das Wort mit seiner Bedeutung nicht auf die Inhalte unsrer Vorstellungen,

sondern auf deren Gegenstand abzielt [vgl. dazu Grdz. I § 1496],

so dafs daher die«Wahrheit voraussichtlich zwischen der naiven Ansicht und

der seit Locke geläufigen Ansicht insofern in der Mitte liegt, als einerseits

die naive Anschauung recht hat, die bei der Wortbedeutung an das psychische

Gebilde der Vorstellung nicht denkt, anderseits Locke, indem er gleichwohl

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