Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

DER PFLUG IN FRANKREICH ETC. •

Zitat hat er nicht im Poquet nachgewiesen — ich vermag es auch

nicht zu tun) und auf eine Variante im Fergus (11, 26) aufmerksam

gemacht. Er schhefst mit arelle in der Olla patella S. 22 (neben

carue als Glosse zu aratrum) , wozu Godefroy eine andere Stelle

s. V. arele gibt. Ein neuer Beleg für arelle steht God. s. v. versoir.

Tobler erklärt es durch Dissimilation aus arere, was wegen der

zwei / zweifelhaft wird, umsomehr als Du Gange zweimal ein

areau, das doch nur aus ar^l kommen kann, belegt.i Wie soll

man sich die Entstehung dieses auch im Prov. gesicherten ar§l =

*ar^llu denken? Von ara-re kann es nicht kommen; denn -ellum

wird nicht an Verbalstämme angehängt. Ich sehe keine andere

Möglichkeit als aratru -}- ellii >> ararfl, arer§l, ar{e)rfl, ar§l\ vgl.

weiter unten für das Provenzalische.

Wenn man sich nun die andern romanischen Sprachen ansieht,

so hat das nächstliegende Provenzalisch allgemein araire altprov.

und Mistral bietet zu diesem noch heute weitverbreiteten Wort

noch arete (Lavedan) und arau (nig.), das Italienische arato neben

aratro, Span, und Pg. arado, Katal. arada, Südwal., Sizil. aratru,

araiu, Sardisch aratu, aradu, arau, Piem., Lomb. arä. Wenn man

die weite Verbreitung der Form arat{r)u, mit unterdrücktem zweiten

r, betrachtet, dann fragt man sich unwillkürlich, ob denn auch im

franz. ein aret, are aus diesem araium unmöglich ist — denn dann

hätte der englische Schreiber nur zufällig eine uralte Form seiner

Vorlage bewahrt.

Allein ich hatte bereits in den Nachträgen zur 1. Auflage von

Koschwitz S. 108 {F-) die Empfindung gehabt, dafs an der behandelten

Stelle der Wallfahrt nicht das Werkzeug, der „Pflug" selbst, gemeint

ist, sondern vielmehr das „Pflügen": „Doch kann ich nicht verhehlen,

dafs auch ein s'ai conduit sun artV (sein Pflügen, ein subst. In-

finitiv nach bekannter altfr. Art) nicht unmöglich wäre (Hs. arei)

t und r oft verwechselt)." Auch G. Paris a. a. O. will kein arere

(freilich der Grund, warum er es tut, ist, wie wir sahen, nicht ausschlaggebend)

und will aret der Hs. behalten, e7i prenant aret dans

le sens de „labourage".

Ich will nun im folgenden nachweisen, dafs arere, der „Pflug",

trotzdem es auch von Tobler a. a. O. „in Schutz genommen"

wird („diese Lesart ist von den vorgeschlagenen sicher die ansprechendste")

hier nicht geduldet werden kann und aus

dem Text entfernt werden mufs.

Es ist eine Besonderheit des kurzen, merkwürdigen Epos,

dafs es bei einer ganz auffälligen Knappheit in der Erzählung und

hat, weil er die sprachliche und litterarhistorische Bearbeitung nicht liefern

konnte, gehandelt wie Abbe Poquet, so hätten wir ein unermefsliches, neues

Arbeitsmaterial vor uns, das inzwischen die mannigfachste Ausnutzung erfahren

hätte. Gerade bei solchen Sachen ist das Bessere der Feind des

Guten.

* Sowohl die arifr^-Stelle aus W. von Coincy als auch areau hat Littr6

im Hist. s. v. araire aus Du Gange abgedruckt.

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