Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

138 O. DITTRICH,

anderem. Und wir befinden uns bezüglich des Französischen, allgemein

bezüglich des Indogermanischen, allerdings in dem eben

erwähnten Falle. Wo sich nämlich (dies ist auch im Französischen

leicht zu ersehen) bestimmte Wortarten im Verteilungssatz herausgebildet

haben, da stehen sie auch, vorausgesetzt, dafs die von

mir Grdz. I § 1485 aufgestellte Urteilsdefinition 1 mit ihren Konsequenzen

(Grdz. I § I5i4fif.) angenommen wird, in einem leicht

ersichtlichen Verhältnis zu den Grundbestandteilen des logischen

Urteils. Ein Verhältnis, das es übrigens wohl erklärlich macht,

dafs man so lange geglaubt hat, den Begriff des Satzes mit dem

des logischen Urteils identifizieren nicht nur zu dürfen, sondern

sogar zu müssen. Denn indem die Urteilskonstante oder das

Subjekt zugleich ein Substanzbegriff ist, erweist sich das Substantivum

in seiner Nennform, dem Nominativ, als vorzügliches Subjektswort,

und es bedarf bezüglich der andern Wortarten, vom

substantivischen, insbesondere Personalpronomen abgesehen, stets

der Substantivierung, wenn sie als Subjekt fungieren sollen: Aus

dem Verbalsystem wandert so z. B. der dem Nominalsystem jetzt

entfremdete Infinitiv gelegentlich wieder ins Nominalsystem zurück

und gliedert sich ihm in substantivischer Form ein. Ähnlich ist

das Verbum finitum, indem es die Substanz in actu accidendi darstellt,

zugleich der vorzügliche Ausdruck des im Prädikate liegenden

noch nicht konstantisierten Akzidenzbegriflfes (es geschieht, accidit,

etwas mit dem Subjekt, der Substanz), und es bedarf der Verba-

lisierung durch Hülfsverba {sevi, werden, etre, devenir usw.) in finiter

Form, wenn andre Wortarten (Substantiva usw.) zum Ausdruck des

Zustandes dienen sollen, der dem Subjekt durch das Prädikat zugeschrieben

wird. Wir haben also in der Tat, da der Zustand

seinem Begriffe nach etwas Variables und zugleich das Prädikat

die Urteilsvariable ist, in dem Verbum finitum das Prädikatswort

'Kax' £|.2. Weder Subjekt noch Prädikat des Urteils bleiben aber

auf der primitiven Stufe stehen, die bis jetzt für sie vorausgesetzt

worden ist. Jedes Urteil ist zunächst Analyse eines vorläufigen

Gebildes in eine Konstante und eine Variable, und sodann Synthese

der Variablen mit der Konstante. Dabei hat es aber nicht sein

Bewenden, sondern der eigentliche Wert des Urteils beruht auf

der nachfolgenden Bildung komplexer Begriffe, die dann ihrerseits

wieder als Subjekt bezw. Prädikat von Urteilen höherer Ordnung

fungieren können. Und zwar werden komplexe Subjektsbegriffe

1 ,,Das logische Urteil läfst sich definieren als der Denkakt, in welchem

eine aus einem vorläufigen Gebilde apperzeptiv herausgegliederte Variable, das

Prädikat, widerspruchslos auf eine ebenso herausgegliederte Konstante, das

Subjekt, bezogen wird." Vgl. zur Begründung Grdz. I § 1483 ff.

'' Es versieht sich, dafs bei dieser Erörterung Gebilde wie omnia praeclara

rara oder sd me pita oder Lumpenhunde, die Reiter! ebenfalls in Betracht

gezogen worden sind; nur würde die Begründung, weshalb sie dem

oben Gesagten nicht den Boden entziehen, zu weit in die Frage der ,, attributiven

Sätze" (Wundi, Völkerpsych.^ I« S. 336 ff.) und damit von unserem

gegenwärtigen Thema abführen.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine