Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

UEBER WORTZUSAMMENSETZUNG. IßQ

gewonnen, indem (in der Weise, wie es Grdz. I § 1500 und 15 15 f.

dargelegt ist) Variable konstantisiert und so Zustands- in Eigen-

schaftsbegriffe übergeführt werden : Es geht so z. B. aus dem Urteil

„der Stein fällt" der komplexe Begriff „fallender Stein" hervor,

oder aus dem Urteil „der Stein ist blau" der komplexe Begriff

„blauer Stein", der zerstört würde, sobald man „fallend" bezw.

„blau" nicht mehr als ein „beständiges" Akzidens, d. h. eben als

eine Eigenschaft der besondern, zunächst nur mit dem Namen

„Stein" gedeckten Substanz fafste. Es fungiere nun ein solcher

komplexer Begriff als Subjekt eines neuen Urteils, z. B, „der blaue

Stein glitzert" oder „d-er fallende Stein glüht". Dann ist, wie man

sieht, das komplexe Subjekt durch ein eigentliches Subjektswort

(Substantiv) Stein und durch je zwei der Kategorie Subjektbestimmwort

beizuzählende Wörter {der blaue bezw. der falkride)

ausgedrückt, als deren Angehörige sich somit Adjektiva, Partizipia

und „adjektivische" Demonstrativpronomina in Form des Artikels

zu erkennen geben, der aber aufserdem noch die übrigen „adjektivischen"

Pronomina sowie Numeralia einzuverleiben sind. Eine

analoge Zerlegung des Prädikats in einen konstanteren und einen

variableren Bestandteil unter Konstantisierung des letzteren führt

zum komprlexen Prädikatsbegriff in Urteilen wie „der blaue Stein

glitzert sehr" oder „der fallende Stein glüht prächtig", ein Begriff,

der, wie man sieht, hier durch ein eigentliches Prädikatswort

(Verbum finitum) glitzert bezw. glüht und durch je ein Prädikatbestimmwort,

d. h. ein Adverb sehr'^ bezw. ein adverbiales Kdiekiiv

prächtig ausgedrückt ist. . Die beiden eben erwähnten Arten,

komplexe Subjekts- bezw. Prädikatsbegriffe zu gewinnen, sind aber

nicht die einzigen Arten, wie solche Begriffe gewonnen werden

können, ganz abgesehen von der weiterschreitenden analogen Zerlegung

der so erhaltenen Komplexteile, wodurch dann im Ganzen

ein noch komplexeres Subjekt bezw. Prädikat entsteht. Denn es

ist auch noch möglich, Bestandteile komplexer Subjekte bezw.

Prädikate, nachdem man sie herausgegliedert hat, explizite aufeinander

zu beziehen, indem man die Beziehung des einen Bestandteils

zum andern heraushebt: „der Stein am Mauerrande [fällt]", bezw.

„[der Stein] fällt zu Boden". Wir haben dann in beiden Fällen

z. B. einen Lage- bezw. Zielbegriff als Bestandteil des komplexen

Subjekts bezw. Prädikats, einen Begriff", dessen Beziehung zum

eigentlichen Subjekts- bezw. Prädikatsbegriff („Stein" bezw. „fällt")

man sich ausdrücklich in Form der Präposition am'^ bezw. zu klar

macht. Die Präposition ist also der adäquate Ausdruck einer

solchen (z. B. Lage- oder Ziel-) Beziehung, und als solcher eine

Art Beziehungswort. Aber wiederum nicht die einzige Art.

1 Auf den Ursprung des Adverbs sehr aus dem Adjekriv ser „verletzt"

kommt es hier nicht an, ganz abgesehen davon, dafs sich das Adverb sehr

'^ ursprünglich (als sere) auch lautlich von seinem Eiymon unterschied. — Die

Verquickung mit dem Artikel tut hier nichts zur Sache.

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