Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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O- DITTRICH,

sehen: Ich glaube mich hier überall vor der von Brugmann

(Grundrifs II ^ S. 83 Anm.) mit Recht gerügten Überspannung

grammatischer Unterscheidungen gehütet zu haben. Wem aber

3. und endlich trotzdem die Einzelanalysen von Kompositis, wie

sie für die Aufstellung des Systems, soweit es bis jetzt feststeht,

mafsgebend gewesen sind, bisweilen zu subtil und infolgedessen

unnatürlich und psychologisch nicht einwandfrei erscheinen sollten,

dem gebe ich noch Folgendes zu bedenken: Es fällt mir selbstverständlich

nicht bei, diese Analysen als vollständige in dem

Sinne ausgeben zu wollen, als ob nun in ihnen alles enthalten sei,

was zur Zeit der betreffenden Namengebung in der Seele des

Namengebers vorging und für jene Namengebung mit mafsgebend

war. Dessen ist, ganz abgesehen von dem unumgänglichen psychischen

Dasein des Nominandums selbst, in jedem Falle sehr viel

mehr, als dann im Namen etymal zum unmittelbaren Ausdrucke

kommt; entsteht doch der Name stets im Zusammenhange des

Satzes. Meine Aufgabe konnte vielmehr, wollte ich mich nicht in

ganz unsicheren Vermutungen verlieren, nur darin bestehen, jeweils

das hervorzuheben, was dem Namengeber bei der Bildung des

betreffenden Wortes klar geworden sein mufs, weil er andernfalls

das Wort hätte anders bilden müssen: ¥An Wort wie carniziörus

„üeisch/ressend" z. B. kann nicht wohl anders gebildet sein, als indem

sich der Namengeber klar machte, das Tier, von dem er

sprach, pflege sich der Tätigkeit „vorare" so hinzugeben, dafs sie

sich zugleich auf „caro" erstrecke. Und es ist dann auch gewifs

nur angemessen, bei der Rekonstruktion dieses Tatbestandes

(vgl. Zs. 22, 324 Z. 19 ff.) das Tier als das Deterrainandum des

adjekt. Attributes und zugleich als Subjekt der durch vorare ausgedrückten

Verbaltätigkeit, caro aber als Objekt dieser Verbaltätigkeit

zu bezeichnen [was nicht mit der meines Erachtens unberechtigten

Deutung von carni- als Akk. übereinkommt], während

-US als Adjektivierungssuffix zu gellen hat. Entsteht durch solche

(psycho)logisch-grammatische Umschreibungen des Wortbildungstatbestandes

in gewissen Fällen, wo die Beziehungen der Tatbestandteile

zu einander komplizierter und minder scharf gegeneinander

abgegrenzt sind, der Schein allzu grofser Schemalisierung,

so ist dies freilich bis zu einem gewissen Grade ein Präjudiz gegen

die Einreihung der betreffenden Bildung in die eine oder andere

Kategorie des Systems. Aber ich habe auch diesem Präjudiz dadurch

vorzubeugen gesucht, dafs ich (vgl. z. B. S. 152 Z. i ff.)

dann solche Einreihungen ausdrücklich als Einreihungen a potiori

bezeichnete, und mehr wird man solchen Fällen gegenüber, glaube

ich, auch künftighin nicht tun können. Denn sie verlieren dadurch,

wenigstens für mich, wiederum den ihnen vorübergehend anhaftenden

Charakter der Unnatürlichkeit und passen mit der obigen

Kautel ganz ebenso wie einfachere Bildungen in irgend eine Kategorie

des Systems, das ich nun in seiner gegen früher etwas modifizierten

Gestalt (den Anfang nur kursorisch) so zu entwickeln habe:

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