Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

146 O. DITTRICH,

denn auch wir diese Scheidung vornehmen müssen. Aber nicht,

ohne uns zuvor auch noch Folgendes klargemacht zu haben : 1. Sobald

einmal Ausdrücke für sekundäre Gegenstände in der eben

geschilderten Weise entstanden sind, ist auch die Bahn für deren

direkte Entstehung frei. Direkte Entstehung insofern, als es nun

unter Umständen nicht mehr nötig ist, dafs ein gewisser Begriff

zuvor rein akzidentell ausgeprägt und ausgedrückt werde, ehe er

als substanziierter Eigenschafts- bezw. ZustandsbegriiT erscheint.

Sondern es ist z. B. kein Zweifel, dafs p\ain-c/ianl^ nicht auf ein

früher geprägtes Verbum in Formen wie etwa */Zf plainchantent

zurückgeht: es ist direkt substantivisch ausgeprägter Übereinstimmungname

mit erstem Glied chant und zweitem Glied piain,

und die ursprüngliche Entstehung von lat. cantus aus cano hat mit

der Entstehung von plain-r/^a«/ nur mittelbar soweit zu tun, als in

chant noch immer der ursprüngliche Zustands-(Aktions-)Begriff mit

darin steckt. Gemäfs unsrer strengen Scheidung der Komposita

von den Ableitungen (vgl. Zs. 22, 328 mit der dortigen Anm. 3)

werden wir sämtliche solchen Übereinstimmungsnamen, welche in

Form von substantivischen Kompositis sekundäre Zustände ausdrücken,

hierher zu rechnen haben. Aber der Prozefs direkter

Entstehung sekundärer Gegenstandsnamen geht ersichtlich noch

weiter: Bei d.&aix-bande'^ z. B. ist im Ausdruck überhaupt, wenn

man auf die Sonderbedeutung der Komposilionsglieder bände und

demi zurückgeht, nichts Zuständliches mehr zu entdecken, geschweige

denn, dafs ein Verbum *[//$] demibandent [le navire] zugrunde läge.

Es ist hier einfach direkt der Grenzpunkt der substanziiert gedachten

drehenden Bewegung als deren Charakteristikum angesehen

und mittelst dieses Merkmals (die Bewegung dauert solange, bis

die bände des Schiffes zur Hälfte, dtmi, ins Wasser taucht) die so

gedachte Bewegung gekennzeichnet worden, direkt substantivisch:

^&sxx\-bande. Und so eine Menge Abweichungsnamen, die, ähnlich

wie der eben besprochene, in Form von substantivischen Kompo.sitis

sekundäre Zustände und Eigenschaften ausdrücken . . 2. Dabei

darf aber der Begriff des Zustandes nicht zu eng, sondern

mufs im Gegenteil so weit als möglich gefafst werden. Ich schliefse

mich in dieser Beziehung zunächst an die Erörterungen an, die

Wundt zu wiederholten Malen 3 an diesen Begriff geknüpft hat,

und bezeichne darum als „Zustand" sowohl den jeweiligen „Zustand"

i. e. S., in dem sich eine Substanz befindet, als auch dessen

aktive oder passive Veränderung in Gestalt von „Tätigkeit", „Vorgang",

„Ereignis" oder „(Er)leiden". Ich beziehe aber aufser

diesen „aktuellen" Zuständen in den Begriff des Zustandes auch

^ DHT. (vgl. über die Abkürzung, sowie über die ähnlichen im Folgenden

vorkommenden Abbreviaturen das Verzeichnis Zs. 22, 305f.): psalmodie de la

liturgie caiholique dans le genre diatonique de mesure et de lonalit^ uniformes

(piain). — 2 DHT.: inclinaison d' un navire sur le c6t6 jusqu'ä moiti6 de la

car^ne; bände: c6t^ d'un navire.

8 Vgl. Logik 2 I S. 119, Völkerpsych. I, 2. Teil, S. 130 f.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine