Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

6 W. FOERSTEK,

durch alatrum zu {a)latru, lere u. s. f. geworden ist. Freilich ist

schon das oben erwähnte ardu igg dunkel — wie konnte arai{r)u

in einer Gegend, wo das d zu e werden mufs, erhalten bleiben!

Es könnte nur sein, wenn hier -diu behandelt wäre, wie sonst -avii

> du, wie it. Padu > Po. Allein das Edmondsche Wtb. von St.

Pol gibt das rätselhafte leü als loeü {= I^it) wieder, und damit

fällt wegen des ö"jene sehr schwache Möglichkeit sicher fort. Steckt

darin ein Tropus und hat man aus irgend welchem Grunde diesen

Pflug „Wolf" genannt? — denn so heifst in jener Mundart dieses

Tier. Daraus müfste dann l§ü entstanden sein. — Dann ernö in

283, also allgemein das „Gerät", nämlich das Ackergerät x.ax' sS,oyj)v,

statt des Pfluges. Jedesmal steht daneben ein charrue. Endlich

findet man einen gröfseren Strich, der ein ganz neues Wort zeigt,

nämlich auf vertere zurückgehendes verspr, also offenbar = neufr.

versoir, Streichbrett am Pflug. Dieses versoir gibt Littre, der es

mit partie de la charrue qui renverse la iranche de terre ditachh par

le coutre et le soc erklärt, ohne Hist.; auch Godefroy hat keine alte

Stelle. Interessant ist doch sein erster Beleg, weil dort die Bedeutung

„Pflug" gesichert ist durch die Nachbarschaft arel/e, das

oben erwähnte Wort aus der OUa patella, das Feminin zu dem

ebenfalls besprochenen ar§l. Wir haben versor im Atlas im Westen

an der franz.-prov. Sprachgrenze vielfach nachweisen können. Es

fehlt zwar im Prov. ; aber Mistral gibt es unter versadoii für Forez

(Haute-Loire) als varsad an = versoir de la charrue. Es ist also für

Franz. sicher ein ursprüngliches versepr < versaiöre zu erschliefsen,

neben dem sich wie bei miregr ein mireoir u. ä. ein verseoir bildete,

das als versoir heute erhalten ist; vgl. meine Anmerkung zu Cliges

745 und zu Erec 399. Es findet sich im Dep. Vend^e 458. 45g. 448.

nebst der Insel Yeu; es greift dann hinüber in Deux-Sevres 510.

511. 512 und Charente-Inf. 515. 528,' Charente 517. 518. 529.

621. Das oben in der Pikardie entdeckte allgemeine arneis taucht

auch hier auf: 513. 514.

Was sollen wir aus diesen Tatsachen für einen Schlufs ziehen?

Offenbar den, dafs der von den Römern eingeführte aratrum später

durch ein neues, olTenbar vervollkommnetes Werkzeug verdrängt

worden ist. Daneben erhält sich stellenweise der alte Pflug und

beide Formen bleiben nebeneinander bestehen. Es ist klar, dafs

sich dieser Zustand nicht immer erhält, sondern mit dem alten, unvollkommenen

Werkzeug auch sein Name schwindet. Es ist dann

auch die Möglichkeit vorhanden, dafs der Name, als Generikum,

auch auf das neue Werkzeug übertragen wird, zumal wenn das

ältere bald verschwand.

Wie sollen wir also z. B. das Fortbestehen von aratrum in

der Wallonie erklären? Hier ist, wie Jedermann einleuchtet, eine

Entscheidung ohne die Kenntnis der verschiedenen Arten des

1 Von S. greift aro 528 herüber; es ist wohl als ursprüngliches altes

Gerät neben den später eingeführten Geräten erhalten, s. weiter unten.

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