Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

l66 O. DITTRICH,

derzeit noch unmöglich, eine irgendwie sichere Behauptung über

ihre semantische Entstehungsart zu wagen. Und zwar, weil die zu

diesem Zwecke unbedingt heranzuziehenden Ergebnisse der Forschung

auf dem Gebiete uridg. Syntax dazu noch nicht ausreichen. Die

hier bestehenden Lücken befriedigend auszufüllen, kann ich aber

Um so weniger unternehmen, als es mir auch bei jüngeren Bildungen

(afr. Ursprunges, wie qui que ce so//) bisher nicht gelungen ist, Be-

lege zu finden, die einen auch nur einigermafsen sichern Schlufs

auf die psychischen Vorgänge bei ihrer Entstehung rechtfertigen

würden; was z. B. L. Lindberg, Loc. fig. S. 70 ff. dazu gesammelt hat,

reicht wohl für das Verständnis der historischen Schicksale solcher

Wörter, aber nicht als Grundlage für den eben erwähnten Schlufs

aus. Ich mufs darum hier manches, mehr als mir lieb ist, in der

Schwebe lassen. Immerhin aber reicht das mir bis jetzt vorliegende

Material dazu aus, wenigstens über die Haupttypen der substantivisch-pronomischen

Zusammensetzungen teils sicheren, teils wahrscheinlichen

Aufschlufs zu geben (wobei ich die grammatischformalen

Kategorien gleich in die Bedeutungskategorien einbeziehe):

A) Übereinstiraraungsnamen. Für die hiehergehörigen

Demonstrativa gilt Folgendes': Das i. Glied drückt in Form

Zurückführung auf gut que onques, quel que onques (Rom. Gr. II 661) halte

ich mit DHT. s. v. nicht für richtig, sondern diese Bildungen für afr. Neuerungen,

wenn auch Mitwirkung von onques, quel bei quiconque, quelconque

anzunehmen ist.

1 Um die von Brugmann kürzlich eingeführten, zur Bezeichnung der

einschlägigen Verhältnisse aufserordentlich brauchbaren und daher auch von

mir im Verfolg dieser Untersuchung allenthalben angewendeten Termini: ,,Ich-

Deixis" usw. allgemein verständlich zu machen, setze ich zur Bequemlichkeit

des Lesers die erklärenden Stellen aus Brugmann, Dem.-pron. S. 9 fT. her, und

bemerke nur noch voraus, dafs Brugmann unter Demonslrativ-pronomina (wie

mir scheint, nicht ganz glücklich) auch Demonstrativ-adverbia versteht. ,,Es

findet sich [also im Idg.] 1. eine Demonstrations- [oder Zeig-] Art, die insofern

als die allgemeinste oder als eine indifTerente bezeichnet werden kann,

als bei ihr usuell weder der Gegensatz von Nähe und Ferne des Gegenstandes,

noch der von Angeredetem und sogenannter dritter Person eine Rolle spielt.

Sie ist im Nhd. vertreten durch das betonte der (der), z. B. dJr ist es ^ewesett,

und wir nennen sie hiernach die D^r-Deixis. Usuell stellt sie sich nur zu

der unter 2 zu besprechenden Ich-Deixis in einen Gegensatz. Allerdings

kann einer auch z. B. sagen de'r hat dick doch am liebsten, wobei er der auf

sich selbst bezieht. Aber dabei behandelt er sich selber ausnahmsweise nach

Art eines Nicht-Ichs, er stellt sich mit andern dritten Personen in ein Glied,

und schon der Umstand, dafs zu dieser Ausdrucksweise notwendig eine auf

sich selbst hindeutende Geberde des Redenden gehört, eine Deutebewegung,

die so zu sagen den schiefen sprachlichen Ausdruck gerade richtet , —

schon

dieser Umstand zeigt, dafs dem Pronomen der an und für sich die Bedeutung

der Ich-Deixis fehlt. Zu einem Pronomen der Ferndcixis, wie jener, in

Gegensatz gestellt, erscheint der als das die mindere Entfernung ausdrückende

[also mit Nahedeixis behaftete] Wort, z.B. das gefällt mir, jenes flicht

oder da und dort. Hier ist es nur dieser Zusammenhang, welcher dem d^r

diese Sinnesschattierung zuführt. Für sich allein sind dt'r und was zu ihm

gehört von der Vorstellung von Distanzunterschieden im Sehfeld imabhängig.

Unter 2. Ich-Deixis verstehen wir die z. B. an nhd. hier, her, gr. oSt, lat.

hie hervortretende Bedeutung. Der Sprechende lenkt den Blick des An-

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