Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

UEBER WORTZUSAMMENSETZUNG. 167

eines allgemein- deiktischen substantivischen Pronomens [ce, celui)

einen primären oder sekundären Gegenstand aus, der eben dadurch

geredeten geflissentlich auf sich selbst, den Sprechenden, und seine Sphäre

oder darauf, dafs er selbst den beireffenden Gegenstand vor Augen hat: sieh

her auf mich oder auf das, was mein Wahrnehmungsobjekt ist. Der Unterschied

gegenüber allen andern Demonstrativa ist der, dafs mit den letzteren

der Sprechende irgendwohin von sich weg deutet. Vgl. hier gegen da und

dort. Zu einem Pronomen der ersten Person hinzugefügt oder geradezu an

dessen Stelle tretend, hebt diese Gattung von Demonstrativa das Ich als solches

hervor, z.B. 2" 140 ÖüJQU 6' iywv oof nävza naQuo'/jh', oaoa xxX. ,ich

hier bin bereit dir die Geschenke zu gewähren', Eur. Or. 380 od" ei'/x 'O^ioxriq,

MeviXeojq, ov loroQilg [,ich hier bin Orestes...'], Ter. Andr. 310 ti( si hie

sis, aliter sentias [, wenn du der da wärest, ...']. Auch hier ist der Unterschied

von Nähe und Ferne an sich gleichgültig. Ein dies hier, haec, ztxSe

z. B. kann beliebige Elemente meiner Anschauung, auch die fernsten, es kann

die ganze vor meinen Augen stehende Welt bezeichnen. Kommt nun eines

der Pronomina der Ich -Sphäre mit einem Pronomen der Ferndemonstration,

wie jener, zusammen, so verknüpft sich mit ihm der Sinn der gröfseren Nähe,

z. B. hi et Uli, hier und dort, diesseits und jenseits. Aber auch schon die

Verbindung mit einem Pronomen der Ddr-Deixis bewirkt die Vorstellung

eines verschiedenen Mafses des Entferntseins von der redenden Person, wenn

hier auch der Gegensatz gemeinhin ein gelinderer ist und in den der Begriffe

der Zugehörigkeit zum Ich und der Nichtzugehörigkeit zu ihm verfliefst, z. B.

hier und da. Eine andere Gruppierung wiederum ist die eines Ich-Demonstrativums

mit einem der Du-Deixis (3), wie z.B. \&i. hi et isti oft dem entspricht,

was wir undeiktisch mit meine (eventuell unsere) und deine {eure)

Leute besagen. 3. Pronomina der Der -Demonstration können eine besondere

Affinität zur Person des Angeredeten haben, wofür das bekannteste Beispiel

lat. iste ist, wie es in der vorklassischen und der klassischen Zeit gebraucht

worden ist, z. B. in isto loco, istic ,an diesem Orte, wo du bist', Cic. Fam.

7, II, 2 per/er istam tnilitiam (.diesen deinen Kriegsdienst') et pertnane . . .;

sin autem ista sunt inaniora, recipe te ad nos. Diese speziellere Verwendung

der Der-Deixis als Du-Deixis kommt, bezeichnenderweise, nur in solchen

Sprachen vor, in denen zugleich die Ich -Demonstration einen besonderen

festen Ausdruck hat ... 4. Allenthalben zu finden sind Pronomina der

Jener-Deixis. Es handelt sich bei dieser um zwei räumliche, bezieh, zeitliche

Vorstellungen, die oft nicht gesondert von einander [apjperzipiert werden.

Erstlich geschieht der Hinweis auf etwas im Raum oder in der Zeit weiter

zurück, entfernter Liegendes. Dieses jener kann entweder ein Ich-Demonstrativum

zum Gegensatz haben, z. B. hier und an jenem Ort, hier und dort,

oder ein Der-Demonstrativum, z. B. an dem Ort und an jenem Ort, an dem

Tag und an jenem Tag. Zweitens gehen diese Pronomina auf das, was auf

einer andern Seite sich befindet: das Jenseits kann dasselbe sein wie das

Anderseits dort. Wir werden in § 33 fT. sehen, dafs sehr deutliche Anzeichen

für etymologische Identität von Pronomina, die , jener' bedeuten, mit solchen,

deren Sinn ,der andere' ist, vorhanden sind, z.B. für die Zusammengehörigkeit

von lat. ollus, ille, ultra und aliiis, alter. Der Hinweis auf das anderseitig

Befindliche ist vermutlich die Grundbedeutung der Pronomina der Jener-

Deixis gewesen und das Bedeutungselement der gröfseren Entferntheit durch

die Gruppierung mit Pronomina der Ich- und der D6r-Deixis entsprungen."

Die Artikel-Deixis, die eintritt, sobald ein Gegenstand als bekannt vorgestellt

und der Ausdruck für dieses Bekanntheitsphänomen „gewohnheitsmäfsig

und obligatorisch" (Brgm. S. 21) dem Gegenstandsnamen hinzugefügt

wird, leitet sich, wenigstens was den „bestimmten" Artikel betrifft, von der

Der-Deixis ab. Präsentative [nach meiner Terminologie], präparative

und anaphorische Deixis sind, wie Brgm. S. 13 ff. richtig hervorhebt,

sekundärer Natur und können sich mit jeder der oben genannten primären

Demonstrationsarten verbinden.

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