Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

172 O. DITTRICH,

aufgefafst hatte, ein Orientierungsobjekt (zodiaqüe), in Beziehung

zu dem das Determinandum von andern Dingen ^ abwich; er bezeichnete

dieses Orientierungsobjekt mit seinem ihm geläufigen

Namen zodiaqüe, und dieser Name bildete nun die Grundlage für

das I. Glied des künftigen adjektivischen Kompositums. Es wurde

sodann die Beziehung des Determinandums zum Orientierungsobjekt

für sich aufgefafst, durch ultra bezeichnet, und das Ganze (Grundlage

des I. Gliedes: zodiaqüe^ 2. Glied: ultra) in adjektivische Form

gebracht, mittelst des Adjektivsuffixes -al und unter Angleichung

an das bereits in der Sprache (auch des Namengebers) vorhanden

gewesene Adjektiv zodiacal. Durch diesen Angleichungsakt entsteht

dann der täuschende Schein, als sei x\\xz.-zodiacal ein Cbereinstimmungsname,

was es aber, ganz abgesehen von der eben gegebenen

Entstehungsanalyse, schon seiner Bedeutung wegen nicht sein kann:

zu ultra.- hderal gestellt, müfste es „äufserst zodiakal, übermäfsig

zodiakal" bedeuten, was seinem wirklichen Sinne strikte widerspricht,

während dieser mit der oben vorgetragenen Erklärung ohne weiteres

stimmt. Noch täuschender wird natürlich jener Schein, wenn das

Orientierungsobjekt, wie es z. B. in antisocial der Fall ist, durch ein

(momentan) substantiviertes Adjektiv {social) ausgedrückt wird, das

dann mit dem Schlufsakt der Adjektivbildung mit readjektiviert

wird; aber auch hier wird bei näherem Zusehen sofort klar, dafs,

wäre das Adjektiv ein Übereinstimmungsname, die Bedeutung „was

entgegengesetzt sozial ist" sein müfste, während sie doch tatsächlich

nur durch „was gegen (anti) das Soziale (le social) gerichtet ist"

umschrieben werden kann. Wenn es gestattet ist, hier von latenten

Parasynthetis zu sprechen, so erfüllt in anti-social die Readjektivierung

gewissermafsen die Funktion des Suffixes -al in uhra-sodiaca],

das sich seinerseits (nach der obigen Analyse) als ein offenbares

Parasyntheton darstellt. . . Dies alles in Rücksicht gezogen, handelt

es sich nun noch um eine kurze Übersicht der Haupttypen der

hiehcrgehörigen Bildungen. Es kommt dabei vor allem darauf an,

ob die Bestimmung des Determinandums durch das Nominandum,

d. h. die zu benennende Eigenschaft, eine einseitige oder mehrseitige

ist. Bei der 1. Spezies, d.h. bei einseitiger Bestimmung

des Determinandums, steht nämlich die Sache so, dafs das Determinandum

nur in einer Beziehung ins Auge gefafst und demgemäfs

bestimmt wird, und das Kompositum beruht darauf, dafs sich dabei

Bestimmungsstücke (wie etwa Orientierungsobjekt und Beziehung des

Determinandums dazu, oder Zustand des Determinandums und Ob-

jekt dieses Zustandes, usw.) ergeben, die zunächst für sich ausgedrückt

und dann adjektivisch geformt in eins gefafst werden.

Die ganze, so entstehende Eigenschaftsbezeichnung stellt dann in

solchem Falle immer wieder eine räumliche oder eine zeitliche oder

eine räumhch-zeitliche (intransitiv- oder absolut-, d. h. ohne Bezug

* In unserem Falle von den mit ihrer Bahn innerhalb des Tierkreises

bleibenden Planeten.

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