Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

DER PFLUG IN FRANKREICH ETC. I I

Ponza (1830. 1834. 1859.) heifst es am', strumenio confadinesco,

arairo. Greift man zu Zalli, den Ponza gründlich ausgeschlachtet

hat, so sucht man dort das Wort an seiner alphabetischen Stelle

vergebens; unter sloira gibt er gleich als erstes Wort der Erklärung

das piem. arä an, das bei Ponza fehlt. Schlägt man nun

dies arä bei Zalli nach, so findet man an dessen alphabetischer

Stelle — Ami; danach folgen regelmäfsig A rahel, Arabesch u. s. f.,

so dafs hier bei Zalli der Druckfehler, den Nigra sofort angenommen

hatte, sicher nachgewiesen ist. Doch genug — ich will ja nicht

das west-oberitalienische Wort behandeln, sondern zum Schlufs

noch auf zwei Dinge aufmerksam machen.

Das erste ist die Frage, wie kommt ein Wort, das ausschliefslich

Piemont und der Lombardei angehört, nach der Gegend von

Vienne? Um so auffälliger, als es zwischen diesen beiden so

entfernten Gegenden nicht vorkommt. Es ist da wohl die Annahme

gestattet, dafs das Wort durch die Waldenser, die das

Werkzeug von ihren nächsten Nachbarn bekommen hatten, nach

der Dauphin6 mitgenommen und so das Wort hin verpflanzt haben.

Man wende nicht ein, dafs es heute daselbst keine Waldenser gibt.

Sie werden hier ebenso gewaltsam, mit Dragonaden oder mit

andern Zwangmitteln, ausgerottet worden sein. Und noch eine

Bemerkung. Der ^Atlas hat mit vollem Recht auch das franz. Sprachgebiet,

das über die politischen Grenzen Frankreichs hinausgeht,

mit herangezogen. Da nun das Waldensische, wie ich als Erster

mit Sicherheit nachgewiesen habe (s. Gott. Gel. Anz. i. u. 10. Okt.

1888, S. 753—803 und schon ein paar Jahre vorher in der Rivisia

cristiana 1882, Q2 ff. bes. S. lOi) eine provenzalische Mundart ist, so

sind denn auch zwei waldensische Orte, Maisette und Bobbio Pellice

abgefragt worden. Ersteres kennt araire und sloira, letzteres, weil

näher am Piemontesischen Sprachgebiet, nur sloira. Ich habe s. Z.

die sämtlichen prov. Täler der Kottischen Alpen bis zum Col di

Tenda (auch dieses Gebiet habe ich zuerst sprachlich fest be-

grenzt, und dadurch die irrigen Angaben Biondellis berichtigt), ab-

gefragt. Dabei erlebte ich im obersten Potal die Überraschung, in

dessen unterem Teil das selbstverständliche piem. sloira und in

dessen Mitte das prov. araire zu finden — bis jetzt ist nichts

natürlicher, dies nahm ich ja von vornherein sofort an — aber

was ich nicht annehmen konnte, war der Stamm plou,^ auf den

ich im obersten Teil, unweit von der Quelle des Po, gestofsen bin.

Derselbe fehlt natürlich notgedrungen im Atlas, wie er denn auch

selbst bis jetzt von Niemand für jene Gegend, soviel ich weifs,

nachgewiesen oder wenigstens mitgeteilt worden ist.

Plön > plovu, plogu, das deutsche „Pflug ",2 anord. pl6g-r,

1 Ich kann die dort bestehende lautliche Form (wohl plu) nicht angeben,

da ich mein waidensisches Material noch nicht habe verarbeiten können — die

obigen Angaben sind aus dem Gedächtnis gemacht — die so auffällige Erscheinung

ist darin fest haften geblieben.

- Wegen der Wurzel (plegan, nhd. pflegen) s. Meringer Indog. Forsch.

16, 185 ff., und ausführlicher 17, loi ft". Des Plinius flaumoratum wird als

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