Zeitschrift für romanische Philologie

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220 VERMISCHTES. ZUR WORTGESCHICHTE.

geltend machen dafs in der Schriftsprache magiostra (Merlo schreibt,

wie auch sonst mancher, maggiosird) = fragola magiostra die grofse

Gartenerdbeere bezeichnet und schon Redi (von Arezzo; 17. Jhrh.)

von den tnagiosire als „grossissime" spricht. Aber für wichtiger

halte ich es dafs nach Ferraro im Monferratoschen: „magiostrc e

magiustre, fragole domesticb.e {mfesgas spagn.), amrl, mrel le selvatiche"

sind, wobei er über die Art des Zusammenhangs zwischen

dem spanischen Worte und dem piemontischen kaum im klaren

gewesen sein dürfte. Das spanische und zwar veraltete oder mund-

artliche 7niezga, miesga, amiesga „Erdbeere" ist ' domestica (vgl.

altprov. domesgue, bearn. mesche Adj.); die Formen auf -ädo, die in

den spanisch-deutschen Wörterbüchern mit „Erdbeerstrauch" übersetzt

werden (aber nach dem Wtb. der Akademie bedeutet auch

aviiesgado die Frucht), stellen ein *domesticatum {arbustum o. ä.) dar.

Indem domesticus und silvestris in Bezug auf Pflanzen und Tiere

einen scharfen Gegensatz ausdrückten („kultiviert", „Haus-": „wild"),

konnten sie sich in der Endung angleichen: einerseits silvaiicus,

anderseits *do?nesin's. Eine Spur von dem letzteren liegt in friaul.

7mig7iesiri neben viugnesti = miesli \ domesticus vor. Die Lombardei

erscheint als die eigentUiche Heimat von magiostra; aber selbst

hier ist das Wort nicht überall durchgedrungen. Merlo führt zwar

berg. magiuster an und bemerkt dazu: „propriamente le fragole

degli orti di contro a /regii, le fragole dei boschi", ich finde es

aber in den berg. Wtbb. von Zappettini, Rosa und Tiraboschi

überhaupt nicht gebucht und als Ausdruck dafür: freguna. Unter

den vielen Verwendungen die Cherubini vom mail. magiostra auf-

zählt, ist für uns von besonderem Interesse: magiostra d'inverna

„Frucht des Erdbeerbaums". In den südfranz. Wortformon ma'/oussa

U.S.W. (N. 51) vermag ich ebenfalls nur umgebildete Ableitungen

zu erblicken, und wenn Merlo, wie erwähnt, hier an Einmischung

von russus denkt, so ist er der gleichen Ansicht. Aber riissus

pafst wegen der Bedeutung die es in Frankreich hat, nicht gut.

Nehmen wir N. 52 bei Merlo hinzu, worüber einfach ein Fragezeichen

gesetzt ist, so haben wir als die drei südfranz. Hauptvarianten:

maioussa (in nordfranz. Mdd. mousse) — (alp.) amourso

— majoufo, und diese klingen so auffällig an die drei südfranz.,

allerdings örtlich sich nur teilweise mit ihnen deckenden Wortformen

für „Moos" an: mousso — (alp-) viourso — moti/o, dafs der

Gedanke an einen inneren Zusammenhang mit ihnen sich aufdrängt.

Dem alten majofa gegenüber, das Merlo hätte erwähnen

sollen, wünschte man auch ein altprov. *mo/a belegt zu sehen; es

fehlt wohl nur zufällig (vgl. astur, mo/u, vioflu „Moos" und zu

letzterem wiederum lang. auv. lim. majouflo u. s. w. „Erdbeere").

Für „Erdbeere" findet man auch, und zwar im D6p. du Var,

flaiousso, wo also der alte Stamm erhalten ist; vgl. lang, fragoussa

„blaue Kratzbeere" Roll. S. 191, prov. \dir\g. ffajragousto, -a „Himbeere"

(zu arhustum hinüberleitend?). Dafs die „Maibeere" sich

zur Hälfte in eine „Moosbeere" gewandelt hat, dürfte nicht be-

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