Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

12 W, FOERSTER,

angls. pUh, slav. plüg — ist in Oberitalien wohlbekannt und bereits

von Diez Wtb. s. v. aratro auf die Lex Long, mit seinem ploum

(Var. plobum, plounm — steht - schon Du Gange s. v. ploum ,,in

vett. G/ossis: {aratrum) qiiod habet duas rofas") und auf lomb. pio

(Biondelli 75) und lad. p/o/ (Azzolini) hingewiesen. Gab. Rosa

hat p!o. Biondelli hat es auf S. 273 für das Emilianische Reggio

als Pflug, für Bologna, Parma und Mantua als coUro, vdmere ad

un iaglio. Es steht ebenso im Altberg. Glossar Nr. 1383 und in

Tiraboschi2 s. v. pib. Das Wort findet sich ebenso im Ladinischen

s. Gärtner § 17 S. 21; aber die von Conradi, Carisch, Palliopi für

das Rätoromanische verzeichneten zahlreichen Formen mity"- können

nur auf das deutsche {p)fluk zurückgehn — denn pl- kann im

Rätoromanischen nicht zu fl- werden. (Das Rätische kennt auch

aratrum und krieg, letzteres vielleicht *croccu „Hacken"?). Lautlich

ist plou aus pliigu behandelt, wie jügt4, doch ist zu beachten, dafs

sich im heutigen lombardischen Sprachgebiet auch Lautformen

fmden, die auf plgvu, also Dissimilation aus älterem plovu, vgl. pb7o

zu plpvo, jüvene zu jgvene u. s. f , zurückgehen. Siehe noch Salvioni

Arch. Glott. IX, 251 Anm. 4.1 Dieses plovu hat sich aus urspr. /»/ögr«

oder pliigu entwickelt, wie rogare >> rovare, doga > dova, boga >

bova, ruga >> ruv-ido, ligusticu > ruvistico, fragola ';;> fravola , und

auch das analoge jügu ~> jovo, fagu "^ favo u. ä. ergeben.

Doch das langobardische Wort interessiert uns, die wir die

Schicksale aratrutfi's auf franz. Boden behandeln, hier nicht weiter.

Aber eine Frage kann man doch nicht unterdrücken; nämlich die

Frage nach dem Grund der sonderbaren geographischen Reihen-

folge I. Tal: sloira (piem.), 2. Mitte: araire (prov.) und 3. zu oberst:

plou. Man hätte i. 3. 2. erwartet: zuerst sind als älteste Bevölkerung

die prov. Gallier da, dann rücken die Langobarden ein

und verdrängen sie aus den fruchtbaren Talgefilden hinein in

das unbewohnte Tal. Endlich kommen aus der tiefen Poebene

die piemontesischen Gallier und drängen die beiden noch tiefer

ins Tal hinauf Es mufs also anders zugegangen sein. Ich möchte

mir es folgendermafsen zurechtlegen: Daraals gab es keinen Übergang

vom Potal über den Kamm nach Frankreich — man kam

damals nur auf dem bequemen Wege über Susa herüber. Die

/»/w^-Bevölkerung war also von der Ebene in das Tal hineingedrängt

germ. Wort = , Pflugwagen' (?) erklärt. Für das Langobardische wird plOgum

angesetzt und z.vi.{ plogetum (s. Du Gange s. v.) und eine Urkunde von II 30

in der Gegend von Ravenna) verwiesen. (Vgl. noch Du Gange plobegum v. Jahre

1140 in der Gegend von Ravenna.) — Im Ravennatischen lieifsi heule übrigens

der Pflug padger (güüge Mitteilung des Jlerrn Majors Dom. Guerini), das

Salvioni, der eine vollere 'LTmXSoxxü. pardger kennt, richtig aus perticarium

erklärt.

1 Salvioni kennt (schrifliche Mitteilung) pib und Nebenformen in Lombardei,

Bergamo, Brescia, Mantua, Parma, Mirandola. Es besteht auch eine Grundform

philum, worauf zurückgehen /20Ü?, resp. pioeud in Reggio, Modena, ein

Fem. pioda piceu in Vincenza, piovina ^= coltro. Vgl. noch Schneller, die

rem. Volksmundarten in Südtirol S. 165.

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