Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

226 VERMISCHTES. ZUR WORTGESCHICHTE.

Ibero-romanisches.

In den stattlichen Reihen des Gotenheeres die Meyer-Lübke

(Die altportugiesischen Personennamen germanischen Ursprungs

Wien 1904) an uns vorüberziehen läfst, nehmen wir, trotz der

sorgfältigen Ausmusterung, doch ein und das andere fremdartige

Gesicht wahr. Einen Mischling vermutet Meyer-Lübke selbst in

Osorius (S. 16); doch könnte es nicht ebenso gut ein ibero-römischer

— bask. OSO bedeutet „ganz", „unversehrt", „gesund" — wie ein

germano-römischer sein? Der galatische Name Leo-nnorios weist

vielleicht noch in einer andern Richtung. Es wäre schliefslich zu

fragen ob mit diesem Osortus, welchen Ursprungs es sein mag,

der berühmte spanische Familiennamen Osorio zusammenhängt, von

dem ich augenblicklich nichts zu sagen weifs als dafs ihn ein

oder zwei Personen Calderons führen. Ein stärker iberisches Gepräge

scheint mir Inderquina, Enderkt?ia (S. yz) zu tragen. Meyer-

Lübke gesteht ein dafs ihm der Name rätselhaft bleibe, wenngleich

er in seinem zweiten Teile mit Sicherheit quino „Frau" zu erkennen

glaubt. Ich denke, es ist nichts anderes als das Deminutiv eines

Frauennamens der sich in einer aquitanischen Inschrift findet: In-

derca Indercilli filfta); der Männername Lidercillus oder leicht

latinisiert Interclllus erscheint noch in andern Inschriften Frank-

reichs. Holder hat zwar beide Namen in seinem Altkeltischen

S})rachschatz gebucht; aber ich halte sie und den unmittelbar dazugehörigen

Andergus (in einer Inschrift Portugals) ebenso wie die

weiter damit zusammenhängenden Indibilis, Andobales, Endovellicus

u, s. w. für iberisch. Bask. indar bedeutet „Kraft"; -ko ist eine

der gewöhnlichsten Adjektivendungen des Baskischen und liegt

deutlich auch im Iberischen vor; *indar-ko würde sein: „kraftvoll".

Ob der Name Indercus noch auf der iberischen Halbinsel fortlebt,

das weifs ich wiederum nicht. Ich wünsche überhaupt nur die

Aufmerksamkeit auf diese Namen zu lenken; bei der Fortsetzung

seiner Namenforschungen findet Meyer-Lübke wohl Gelegenheit auf

sie zurückzukommen.

Ebenso flüchtig berühre ich zwei auf den grofsen west-

italienischen Inseln heimische Wörter in denen man geneigt sein

könnte die Spuren einer iberischen Urbevölkerung zu erblicken.

In seiner aufserordentlich reichhaltigen und noch nicht genügend

ausgebeuteten Sammlung der italienischen Fledermausnamen (Ztschr.

XVII) hat Forsyth Major (S. 158) — was mir durch Guarnerio

Rom. XXXIII, 259 in Erinnerung gebracht wird — zu kors. (Calvi)

sacca-pinnuio „Fledermaus" das bask. sagu „Maus" und zu kors.

jäcaru „Hund" das gleichbed. bask. zakur verglichen. Der bask.

Name der Fledermaus ist allerdings saguzar oder sagustar, dessen

zweiter Teil „geflügelt" bedeuten mufs; aber wenn ein Zusammenhang

mit dem korsischen Wort besteht, so liegt er wohl kaum in vorrömischer

Zeit. Basken könnten ihr Wort nach Calvi gebracht und

das kors. topo pinnuio mit demselben vermischt, die Einheimischen

aber sagti als saccu oder sacca (ist nicht in sacca-pinnuio das -a in

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