Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

BESPRECHUNGEN.

Risop, Dr. Alfred. Begriffsverwandtschaft und Sprachentwicklung

(Beiträge zur Älorfologie des Französischen). Berlin, Weidm. Buchh. 1903.

39 S. 4".

Risop will uns zeigen, welchen Einflufs die BegrifFsverwandtschaft auf

den Formenstand des frz. Verbums gehabt bat. Und zwar sucht er dies an

folgenden Verbalgruppen auszuführen: prendere tenere ; ponere respondere ; ja-

cere sedere stare cadere ; stare ire venire, descendere (mo7iier), jactare mittere

sequere fugere ; essere habere volere potere dehere ; maledicere henedicere

scribere legere dicere ridere ; audire videre. In der Einleitung geht er den

Konsequenzen der Begriffsverwandschaft in andern Wortklassen nach, zeigt

bei einzelnen Fällen, die Schwierigkeit zu entscheiden, ob Begrififsverwandt-

schaft oder andere Einflüsse an den Umgestaltungen schuld seien und ver-

sucht eine Einteilung der Fakten nach der Art der Begriffsverwandtschaft.

Als ich zuerst Risops Schiift in die Hand bekam und flüchtig durch-

blätterte, war ich erstaunt über die Menge des Materials, das er für die

wenigen behandelten Veibalgruppen zusammengebracht hat. Hatte ich ja doch

selbst das frz. Verbalsystem studiert und war den analogischen Strömungen

nachgegangen, gerade bei jenen Formen, wo sie am meisten Gelegenheit hatten

sich zu zeigen: beim. Infin., Patt. Pf., Perf., habe mir ein ziemlich umfang-

reiches Material gesammelt, wovon ein Teil in der 'Geschichte der frz. Infmitivlypen'

(diese Z. XXIII 353 fl". XXIV 770'.) benutzt wurde, während der andere

noch zur Verarbeitung bereit Hegt. Und immer hatte ich die Beobachtung

gemacht, dafs dem Gros der analogischen Bildungen formelle Beziehungen zu-

grunde liegen. Und wenn ich auch dort bereits in zwei der von Risop be-

handelten Fälle begriffliche Beeinflussung anerkannt hatte (nach fuir einerseits

sievir, suivir^ anderseits suir XXIV 91 1., oir nach voir ebd. 95), so waren

dies und die andern vorkommenden Fälle eben doch nur die Ausnahme (vgl.

XXIII 376, XXIV 108).

Aber bei näherem Studium der Belege zeigte sich mir, dafs es R. so er-

gangen war, wie so vielen, die irgend einer Tendenz, die zweifellos in der

Sprache besteht, nachgehen und möglichst viel mit ihr erklären wollen. Er

scheint mir nämlich bedeutend über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Und

viele seiner Belege scheinen mir teils eine ganz andere Erklärung zu ver-

^ Letztere Form fehlt doch nicht ganz, wie ich vorausgesetzt hatte, in

heutigen Mundarten. Sie findet sich in St. Colombe bei la Fläche (Sarthe).

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